Sucht aktiv den Kontakt zum Mittelstand!

Autor: Hans Luthardt
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StartingUp-Interview mit Dr. Carsten Rudolph, Geschäftsführer von BayStartUP, dem größten dt. Finanzierungsnetzwerk, über die größten Herausforderungen in Sachen Start-up-Finanzierung.

Dr. Carsten Rudolph, CEO BayStartUP

Wo stehen wir aktuell beim Thema Start-up-Finanzierung?

Die Start-up-Szene in Deutschland professionalisiert sich weiter. Gerade das Thema Finanzierung läuft immer besser, vor allem in den frühen Phasen. Problematisch sind eher die späteren: Bei der Finanzierung von größeren Runden, also im Bereich von 2 bis 8 Millionen Euro, tun sich die deutschen Start-ups nach wie vor schwer.

Was heißt das konkret?

Das Problem ist oft: Ohne eine vernünftige Anschlussfinanzierung geht Start-ups irgendwann die Puste aus. Das betrifft vor allem die Gründer, die keine High-Performer sind, sondern sich eher in einem guten Mittelfeld bewegen – Start-ups, die vielleicht nicht alle Meilensteine erreichen, aber im Kern doch gute und verfolgenswerte Produkte haben. Und das ist die überwiegende Mehrheit. Diese Start-ups benötigen für die nächsten Schritte meist nur wenige Millionen Euro. Deutsche VCs sind hier sehr zurückhaltend und bei diesen Summen lohnt sich die Suche im Ausland auch nicht.

VCs halten sich trotz innovativer Start-up-Technologien oft zurück – warum?

VCs müssen immer an den Exit innerhalb der nächsten 5 bis 10 Jahre denken und diese perspektivisch mittelgroßen Unternehmen wird ein Investor in Europa nur schwer wieder los, obwohl sie spannende neue Technologien haben. In Europa und gerade auch in Deutschland gibt es kaum größere Unternehmen, die ein Start-up in einer solchen Situation auch mal kaufen, auch wenn es sich ‚nur‘ auf wenige Millionen Umsatz entwickelt hat. Und dies führt zu einem zurückhaltenden Investitionsverhalten.

Was gilt es hier zu tun?

Die deutsche Industrie muss einfach mutiger an kleinere Übernahmen guter technologischer Start-ups gehen. Dies würde automatisch den VC Markt beleben und auch zu stärkerer Konkurrenz unter den Venture-Capital-Fonds führen. Wir sollten auch darüber nachdenken, uns tendenziell vom amerikanischen VC-Modell zu lösen – also insbesondere längere Investitionszyklen erlauben. Wir brauchen im Grunde genommen ein deutsches VC-Modell für die nächste Generation der ‚Hidden Champions‘! Das kann uns gelingen mit Unternehmern und privaten Kapitalgebern, also etwa Business Angels aus dem Mittelstand. Sie setzen eher auf stetiges, nachhaltiges Wachstum. Start-ups müssen demnach auch einmal fünfzehn Jahre Zeit bekommen, sich zu entwickeln.

Wo sehen Sie die Chancen für Start-ups beim Mittelstand?

Start-ups bringen Modernität in den deutschen Volkswirtschaftsmix und adressieren häufig Spezial- und Querschnittsthemen. Und Start-ups treiben die digitale Transformation der Industrie voran. Mit ihren Technologien können sie gerade für mittelständische Unternehmen oft ein oder mehrere konkrete Probleme lösen. Die Start-ups sind aber für den Mittelstand nach wie vor schwer zu identifizieren und vor allem zu qualifizieren. Für die meisten ist das eine völlig neue Welt. Bei BayStartUP vermitteln wir in verschiedenen Projekten Koope- rationen zwischen Start-ups und Mittelstand. Die Erfahrung daraus zeigt, dass wir mit einer qualitativen Vorauswahl der Start-ups und der Vorbereitung der Zusammenarbeit für die Unternehmen bereits einen echten Mehrwert liefern können.

Verschläft es der Mittelstand, die Start-up-Power zu nutzen?

Wir haben da noch riesige Potenziale – sowohl was Finanzierungen an sich angeht, als auch beim Thema Vertriebs-Kooperationen. Neben Beteiligungen und gemeinsam genutzten Vertriebskanälen gibt es ja noch andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Ein etabliertes Unternehmen kann ja auch die Produkte und Dienstleistungen von Start-ups in Anspruch nehmen. Das Bewusstsein muss dafür aber noch besser geweckt werden. Aus unserer Erfahrung sehen etablierte Unternehmen dann sehr schnell, dass Start-up-Angebote zu Wettbewerbsvorteilen beim eigenen Produktportfolio, Produktionsprozessen und dem Aufbau neuer Geschäftsmodelle führen. Intern Vorarbeit zu leisten wird da immer wichtiger – z.B. dass ein Start-up-Unternehmen im ERP-System des Großunternehmens als Lieferant angelegt werden kann, obwohl es erst seit zwei Jahren am Markt ist und daher noch keine drei Geschäftsberichte vorweisen kann.

Was raten Sie den Start-ups?

Start-ups sollten sich viel selbstbewusster bewegen und aktiv den Kontakt zu Mittelständlern suchen, es muss nicht der x-te Accelerator eines Großkonzerns sein. Und über eine anfangs lockere Kooperation in Bereichen wie Entwicklung, Fertigung oder Vertrieb ergibt sich häufig eine engere Bindung.

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