Warum Selbständige so schwer einen Kredit bekommen


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Wie schaffen es Selbstständige, einen angemessenen Kredit zu finden? Worin liegen eigentlich die Probleme in dieser Berufsgruppe? Hier finden Sie die Antworten.

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In Deutschland entstehen jedes Jahr hunderttausende neue Unternehmen. Ein Teil der Gründungen geht auf Ausgründungen zurück, an denen bestehende Unternehmen beteiligt sind. Viele der Start-Ups in Deutschland werden von Gründern initiiert, die endlich eine Idee umsetzen und ihr eigener Chef sein wollen. Laut KfW Gründungsmonitor 2017 entstanden 2016 mehr als 672.000 Existenzgründungen neu. Die Gründe für den Wechsel vom Angestellten auf den Chefposten sind unterschiedlich. Wer sich zu diesem Schritt entscheidet, muss sich im Klaren darüber sein, dass Verantwortung und Herausforderungen völlig neu definiert werden.

Gerade Existenzgründer, die überhaupt keine Erfahrung mit der Selbständigkeit haben, betreten Neuland. Und müssen sich erst einmal als Selbständiger zurechtfinden. Wird ein Start-Up gegründet, sind viele Aspekte zu berücksichtigen. Wo finden sich passende Räumlichkeiten, um den Traum vom eigenen Unternehmen erfolgreich umzusetzen? Und wie finde ich Mitarbeiter, welche das Risiko eingehen, ein Unternehmen mit zu formen? Gerade im Hinblick auf die Finanzierung stehen Gründer vor einer Herausforderung. Banken reagieren – wenn es um Mittel für die Existenzgründung geht – mitunter zurückhaltend. Warum haben es Gründer und Selbständige oft schwer, Darlehen in Anspruch zu nehmen?

Wie schaffen es Selbstständige, einen angemessenen Kredit zu finden? Worin liegen eigentlich die Probleme in dieser Berufsgruppe? Foto: @ photobyphotoboy – #191771374 / Fotolia.com

Die Bonität: Für Selbständige ein Problem

Finanzierungen sind für Bankkunden heute selbstverständlich. In Geschäften werden Händlerfinanzierungen in Anspruch genommen und am Bankschalter nach größeren Summen gefragt. Laut Bundesbank Zinsstatistik haben deutsche Kreditinstitute im Januar 2018 mehr als 1,73 Milliarden Euro an private Haushalte ausgereicht. Der Antrag ist – zumindest bei Angestellten – bis zu gewissen Summen nur eine „Formalie“. Selbständige haben es hier deutlich schwerer. Warum?

Fehlende soziale Absicherung – Unsicherheit bei der Finanzplanung

Selbständigkeit hat Vorteile. Hierzu gehören ein selbstbestimmtes Arbeiten und die Möglichkeit der freien Preisgestaltung. Allerdings bedeutet die Existenzgründung und der Schritt Richtung Selbständigkeit, dass Einnahmen nicht unbedingt regelmäßig fließen. Selbständige tragen finanzielle Risiken zu 100 Prozent ohne Netz und doppelten Boden. Während Angestellte Kündigungsfristen und Sozialleistungen in Anspruch nehmen können, entfällt dies in der Selbständigkeit, wie beispielsweise Kündigungsfristen, Kündigungsschutz und Arbeitslosenhilfen.

Damit besteht aus Sicht der Bank ein höheres Ausfallrisiko. Letzteres wird als besonders gravierend bei Gründern eingeschätzt. Daher auch die Faustregel, dass es in den ersten drei Jahren besonders schwierig ist, Kredite in Anspruch zu nehmen.

Schwankende Einnahmen – schwere Planbarkeit

Auf der anderen Seite fehlt Banken bei Selbständigen eine wichtige Möglichkeit, um sich gegen Ausfälle abzusichern. Arbeitnehmer verpflichten sich im Regelfall zur Abtretung von Gehaltsansprüchen. Lohnpfändungen setzen direkt beim Arbeitgeber an. Eine Option, die beim Selbständigen natürlich ins Leere greift. Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen – wie:

  • schwankende Einnahmen
  • wechselnde Erträge
  • Einnahmen über wenige Auftraggeber

beeinflussen die Bonität eines Selbständigen nachteilig. Vor diesem Hintergrund kann es in der Praxis schwer werden, eine passende Finanzierung zu beantragen. Schwer bedeutet allerdings nicht, dass dieser Schritt völlig unmöglich ist.

Strategieansätze zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit

Eine Selbständigkeit wirkt sich nicht nur auf Finanzierungen aus, welche direkt für das Unternehmen in Anspruch genommen werden. Selbständige stehen auch für ihre privaten Kredite unter besonders strenger Beobachtung – eben aufgrund der genannten Bedingungen. Welche Möglichkeiten haben Betroffene, um doch noch ein Darlehen realisieren zu können?

Generell bieten sich hier verschieden Wege an. Ein Teil zielt in Richtung Verbesserung der Bonität. Andere Aspekte betreffen die Suche nach speziellen Angeboten für Selbständige.

Auskunfteien im Auge behalten: Wirtschaftsauskunfteien spielen bei der Vergabe von Finanzierungen eine bedeutende Rolle. Besonders bekannt ist die SCHUFA. In Deutschland agieren aber weitere Auskunfteien. In deren Datenbanken werden Informationen zum Zahlungsverhalten von Verbrauchern und Unternehmen gesammelt. Hintergrund: Aus dem Verhalten in der Vergangenheit wird darauf geschlossen, wie sich Schuldner in Zukunft verhalten. Negativmerkmale – wie geplatzte Kredite oder Kartenbetrug – stehen einer Finanzierung im Weg. Allerdings kann es immer wieder zu Fehlern in den Datenbanken kommen. Anzuraten ist, die Chance zu jährlichen Datenabgleich zu nutzen.

Zweiter Kreditnehmer: Im Hinblick auf Finanzierungen können auch mehrere Kreditnehmer in einen Vertrag eintreten. Diese haften dann gesamtschuldnerisch. Kann eine Partei nicht zahlen, bedient sich die Bank einfach beim zweiten Kreditnehmer. In der Praxis ist dies beispielsweise bei Wohneigentum gängig, wenn Ehe-/Lebenspartner das Haus finanzieren. Vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang, wenn der zweite Kreditnehmer Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt.

Bürgschaften prüfen: Dem 2. Kreditnehmer auf den ersten Blick ähnlich ist die Bürgschaft. Hierbei verpflichtet sich der Bürge, im Fall von Zahlungsschwierigkeiten den Kreditvertrag zu bedienen. Im Zivilrecht existieren verschiedene Bürgschaftsformen. Die gewöhnliche Bürgschaft greift, wenn der Kreditgeber zuvor beim Schuldner das Betreiben der Forderung versucht hat. Verbreitet ist die selbstschuldnerische Bürgschaft, bei welcher auf die Einrede der Vorausklage verzichtet wird.

Besondere Kreditangebote nutzen: Selbständige haben zwar nicht den besten Stand beim Thema Kredit. Völlig unmöglich ist es aber nicht, ein Darlehen in Anspruch zu nehmen. Am Markt existieren verschiedene Angebote, bei denen die Beschäftigung keine Rolle spielt bzw. die Selbständigkeit keinen Malus darstellt. In Frage kommen an dieser Stelle beispielsweise Privatkredite über spezielle Social Lending Plattformen oder ein Darlehen aus dem Verwandtenkreis. Hier ist aber darauf zu achten, dass geltende rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden.

Förderkredite für junge Unternehmen

Gerade in der Startphase benötigen Gründer finanzielle Unterstützung. Viele Start-Ups werden privat – aus den Ersparnisse und der Familie – finanziert. Ab einem bestimmten Kapitalbedarf geht es aber nicht mehr ohne fremde Mittel. Woher das Geld nehmen, wenn Banken nur begrenzt mitspielen? Bund und Länder haben Interesse daran, neu entstehende Unternehmen zu fördern. Hierfür werden Fördermittel bereitgestellt, die Gründer abrufen können. Bekannt sind unter anderem Förderungen der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau).

  • ERP-Gründerkredit – StartGeld: Die Gründungsfinanzierung mit der Kennziffer 067 richtet sich an Unternehmen, die neu gegründet werden/deren Gründung weniger als 5 Jahre zurückliegt. Die Fördersumme für den Kredit liegt bei maximal 100.000 Euro. Es sind Vollfinanzierungen möglich – für Investitionen (wie Anlagen, IT, Baukosten usw.) oder Betriebsmittel.
  • ERP-Kapital für Gründung: Bei dieser Förderkreditvariante handelt es sich um eine Teilfinanzierung von bis zu 50 Prozent des erforderlichen Finanzierungsrahmens. Antragsteller müssen wenigstens 10 Prozent eigenes Kapital mitbringen. Gefördert werden hier bis zu 500.000 Euro.
  • ERP-Gründerkredit – universell: Über das Kreditprogramm 073 können Unternehmensgründungen ab einer Summe von 500.000 Euro bis zu mehreren Millionen gefördert werden. Förderfähig sind Investitionen und Betriebsmittel.

Neben den Programmen der KfW greifen die Förderbanken/Landesaufbaubanken Gründern mit diversen Förderprogrammen – in Form günstiger Darlehen – unter die Arme. Wer sich hier genau informiert, kann gerade auch regional einige Vorteile aus einer entsprechenden Förderung zu.

Liquiditätsmanagement: Rechnungen vorfinanzieren

Für Gründer ein immer wieder akutes Problem sind Rechnungen, die Verbraucher oder gewerbliche Kunden erst spät begleichen. 30 Tage sind – gerade, wenn mit größeren Unternehmen zusammengearbeitet wird, keine Seltenheit. Wie lässt sich damit umgehen? Entweder bemühen sich Gründer um eine Rahmenkreditvereinbarung mit ihrer Hausbank – um so schnell Lücken schließen zu können – oder nutzen das Factoring. Bekannt auch als Rechnungsvorfinanzierung dient eine Rechnung hier als Sicherheit für das Factoring-Unternehmen. Im Gegenzug erhält der Gründer – abzüglich einer festgelegten Gebühr – die Rechnungssumme zeitnah. Auf diese Weise lässt sich die Liquidität des Start-Ups wesentlich effizienter steuern.

Es gibt durchaus Möglichkeiten für Selbstständige, einen Kredit zu erhalten. Dies ist jedoch häufig mit einem gewissen Aufwand verbunden. Spezielle Kreditangebote sind durchaus hilfreich. Foto: @ sepy – #112035582 / Fotolia.com

Fazit: Selbständige und Gründer haben es nicht einfach

Endlich der eigene Chef – für Gründer mitunter ein Traum. In der Praxis kann das Start-Up zur Herausforderung werden. Gerade im Hinblick auf die Finanzen wachsen einigen Gründern „graue Haare“. Banken sind nur widerwillig zur Auszahlung von Darlehen bereit. Und Kunden reizen die Fälligkeitstermine bis zum Anschlag aus. Um dieser Situation etwas entgegenzusetzen, bieten sich inzwischen unterschiedliche Möglichkeiten an. Förderungen von Bund und Land, sind eine Option. Auf der anderen Seite kann ein optimal auf die Gründung zugeschnittenes Liquiditätsmanagement dabei helfen, endlich für Entspannung zu sorgen. Wie die verschiedenen Lösungen aussehen, richtet sich aber immer nach dem individuellen Einzelfall – und wie das Unternehmen in der Praxis aufgestellt ist.


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