Nebengewerbe anmelden: Darauf müssen Sie achten

Autor: Erik Renk
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Glückwunsch, Sie liegen voll im Trend, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich nebenberuflich selbstständig zu machen und ein Nebengewerbe anzumelden.

Wer seine Geschäftsidee verwirklicht und ein Nebengewerbe anmeldet, muss trotzdem alle gesetzlichen Auflagen erfüllen, die ein Hauptgewerbetreibender zu erfüllen hat. Um dabei nicht in das bekannte „Fettnäpfchen“ zu treten und womöglich großen Schaden zu erleiden, lesen Sie im Folgenden die wichtigsten Fakten und Informationen zum Thema „Nebengewerbe anmelden“.

Wie Sie ein Kleingewerbe anmelden erfahren Sie hier.


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Wann müssen Sie ein Gewerbe anmelden?

Unabhängig von der im Businessplan ausgewählten Rechtsform gibt es zwei unterschiedliche Gruppen in Deutschland. Zum einen gibt es die freiberuflich Tätigen, die in § 18 EStG (Einkommenssteuergesetz) geregelt sind und die Gewerbetreibenden.

Freiberufler:

Dazu zählen Ärzte, Rechtsanwälte und Künstler. Diese Berufsgruppen müssen kein Gewerbe anmelden. Das gilt auch für nebenberufliche Gründungen. Sie melden lediglich dem Finanzamt Ihre Tätigkeit und füllen den steuerlichen Erfassungsbogen aus. 

Vorteile für Freiberufler:

  • Sie müssen keine Gewerbesteuer zahlen.
  • Die Pflichtmitgliedschaft zur Kammer entfällt (beispielsweise Industrie- und Handelskammer). Der Beitrag dafür beträgt im Jahr mindestens 120 €.

Gewerbetreibende:

Personen, die keine Freiberufler sind, müssen ein Gewerbe anmelden. Dabei gilt die Anzeigepflicht nach § 14 GewO (Gewerbeordnung). Die Anmeldung muss unverzüglich geschehen, als Richtwert gelten hier 14 Tage nach Beginn. In der Regel muss das Formular GewA1 ausgefüllt werden. Dies kann schriftlich, persönlich oder in einigen Gemeinden elektronisch erfolgen. 

Die Anmeldung des Gewerbes kostet circa 20 €, unabhängig davon, ob Sie ein Haupt- oder Nebengewerbe anmelden. Auf der Seite der Gewerbeanmeldung geben Sie an, dass Sie ein Haupt- oder Nebengewerbe anmelden möchten und teilen den Zweck des Gewerbes mit. Das Gewerbeamt informiert daraufhin das Finanzamt und die zuständige Industrie- und Handelskammer. Das Finanzamt schickt Ihnen dann einen steuerlicher Erfassungsbogen, den Sie ausfüllen müssen. 

Als Gewerbetreibender sind Sie Pflichtmitglied in der Industrie- und Handelskammer, weswegen Sie circa 120 € Handelskammergebühren einplanen müssen. Nach §§ 3 Absatz 3 Satz 4 des IHK-Gesetzes können Sie sich unter bestimmten Voraussetzungen für die ersten vier Jahre bei erstmaliger Gründung von dem Beitrag befreien lassen. 

Gewerbesteuer wird fällig, egal ob Sie ein Haupt- oder Nebengewerbe anmelden. Es gibt einen Freibetrag von 24.500 € Gewinn im Jahr. Wenn Sie diesen nicht übersteigen, wird keine Gewerbesteuer fällig. Der Freibetrag gilt pro Gewerbe. Wenn Sie zwei verschiedene Gewerbe anmelden, erhalten Sie für beide den Freibetrag. Die Freibeträge gelten nicht für Kapitalgesellschaften, sondern nur für Einzelunternehmer und Personengesellschaften nach § 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG (Gewerbesteuergesetz).

Warum ein Nebengewerbe anmelden?

Wenn Sie ein Nebengewerbe anmelden, sind Sie nebenberuflich selbstständig. Die einzige Institution in Deutschland, die sich dafür interessiert, ist die Krankenkasse. Sofern Sie bestimmte Grenzen nicht überschreiten, auf die später noch eingegangen wird, müssen Sie bei nebenberuflicher Selbstständigkeit keine Krankenversicherungsbeiträge mehr entrichten.

Wann haben Sie ein Hauptgewerbe und wann ein Nebengewerbe anzumelden?

Die Grenzen für ein Nebengewerbe lauten:

  • Zeiteinsatz von maximal 18 bis 20 Stunden in der Woche
  • Wirtschaftlich darf die nebenberufliche Tätigkeit nicht den Hauptberuf übersteigen

Bei Studenten und Arbeitslosen gibt es Besonderheiten, die weiter unten beschreiben werden.

Was ist, wenn Sie diese Grenzen übersteigen?

Im schlimmsten Fall müssen Sie rückwirkend Krankenversicherungsbeiträge entrichten.

Es ist schwierig, bei einem Selbstständigen die Arbeitszeit zu kontrollieren. Bei den Einnahmen holt sich die Krankenversicherung die Steuererklärung und die Steuerbescheide. Sollte dabei festgestellt werden, dass die Einnahmen aus dem Nebengewerbe wirtschaftlich die Einnahmen aus dem Angestelltenverhältnis übersteigen, müssen rückwirkend Krankenversicherungsbeiträge entrichtet werden. Zudem sollte bei Honoraren darauf geachtet werden, wie viele Stunden abgerechnet wurden. Daraus kann die Krankenversicherung in der Steuererklärung oder in dem Fall der Einnahmenüberschussrechnung Rückschlüsse auf die wöchentliche Arbeitszeit ziehen.

Was sind die Konsequenzen, wenn Sie veranlagt werden?

Beispiel:

Sie sind Angestellter und haben ein Brutto von 25.000 €. Ihre Einnahmen aus dem Nebengewerbe betragen 35.000 €. Auf das Brutto hat der Arbeitgeber Krankenversicherungsbeiträge abgeführt. Bis zu einem Gesamtbetrag von 50.850 € im Jahr (Wert 2016) müssen Krankenversicherungsbeiträge in Höhe von 15,5 Prozent abgeführt werden.

Rechnung:

50.850 € Beitragsbemessungsgrenze 
- 25.000 € Brutto aus Angestelltenverhältnis 
= 24.500 €, die aus dem Nebengewerbe mit 15,5 Prozent belastet werden

Das entspricht 4.006,75 €, die noch an die Krankenversicherung entrichtet werden müssen. Wenn Sie sich unsicher sind, machen Sie eine Statusfeststellung bei Ihrer Krankenversicherung. Privatversicherte haben diese Vorschriften nicht zu berücksichtigen.

Steuern

Personen, die ein Nebengewerbe anmelden, sind genauso steuerpflichtig wie Hauptgewerbetreibende. Der Gewinn, den Sie erwirtschaftet haben, gehört nicht komplett Ihnen, sondern zumindest teilweise auch dem Finanzamt. Sie sind dafür verantwortlich, Steuern abzuführen und zu erklären. Als Richtwert sollten Sie sich 40 Prozent der Umsätze auf die Seite legen. Für genaue Steuerberechnungen fragen Sie einen Steuerberater oder führen eine Berechnung mit dem BMF-Steuerrechner durch.

Umsatzsteuer - Kleinunternehmerregelung

Jeder Umsatz in Deutschland ist steuerpflichtig nach §12 Umsatzsteuergesetz. Diese Umsatzsteuer ist auf jeder Rechnung auszuweisen und monatlich an das Finanzamt abzuführen. Mit der Kleinunternehmerregelung kann dieser Aufwand umgangen werden. Sie müssen dann keine Umsatzsteuer ausweisen und abführen.

Wann kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden?

Wenn der Umsatz

  • im Vorjahr 17.500 € nicht überschritten hat
  • im Gründungsjahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen wird  

Auf dem steuerlichen Erfassungsbogen ist Kleinunternehmerregelung anzukreuzen. Kreuzen Sie Regelunternehmer an, ist es nicht möglich, zurück zur Kleinunternehmerregelung zu wechseln. 

Einnahmen Überschuss Rechnung

Ist das Wirtschaftsjahr vorüber, muss eine Steuererklärung für Ihr Gewerbe erstellt werden. Wenn Sie weniger als 50.000 € Gewinn und weniger als 500.000 € Umsatz gemacht haben, können Sie eine formfreie Einnahmenüberschussrechnung machen. Dies ist die einfache Art der Gewinnermittlung. Diese Vorschriften gelten nicht für Kapitalgesellschaften wie UG oder GmbH. Diese müssen zwingend eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen.

Scheinselbstständigkeit

Personen, die ein Nebengewerbe anmelden, jedoch nur für einen Auftraggeber tätig sind, fallen unter die Scheinselbstständigkeit und müssen Beitrage zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen. Aktuell liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent.  

Die genaue Regelung besagt, dass Sie nicht mehr als 5/6 der Einnahmen von einem Auftraggeber bekommen dürfen und nicht weisungsgebunden sind. Beim Beispiel von vorhin wären bei 35.000 € Umsatz immerhin 6.510 € Rentenversicherungsbeiträge fällig.  

Oftmals von Scheinselbstständigkeit betroffen sind selbstständige Finanzdienstleister für einen Konzern oder generell Multi Level Marketing. Im Zweifel führen Sie eine Statusfeststellung bei der gesetzlichen Rentenversicherung durch.

Besonderheiten ergeben sich bei folgenden Berufsgruppen

Nebengewerbe anmelden als Angestellter

Die gute Nachricht ist, Sie dürfen als Angestellter ein Nebengewerbe anmelden. Die Arbeitsgerichte sehen die Genehmigung der Nebentätigkeit als Formsache an, auch wenn etwas anderes in Ihrem Arbeitsvertrag steht. 

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden:

  • Keine Konkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber
  • Die geschuldete Arbeitsleistung wird voll eingebracht. Das bedeutet auch, dass Sie aufgrund Ihrer Nebentätigkeit nicht ungewöhnlich müde oder erschöpft sind
  • Sie setzen keine Mittel von Ihrem Arbeitgeber ein 

Eine Anzeige der Nebentätigkeit beim Arbeitgeber sollte vorgenommen werden.

Personen, die ein Nebengewerbe anmelden und in Teilzeit arbeiten, empfehle ich eine Statusfeststellung bei der Krankenversicherung, da die wöchentliche Arbeitszeit kurz ist und die Einnahmen entsprechend gering sind. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass Sie aus den nebengewerblichen Einnahmen Krankenversicherungsbeiträge entrichten müssen.

Nebengewerbe anmelden als Beamter

Beamte haben einen Sonderstatus. Sie haben kein Arbeitsverhältnis, sondern ein Dienst- und Treueverhältnis. Die wöchentliche Arbeitszeit für das Nebengewerbe sollte maximal 1/5 der Dienstzeit in Anspruch nehmen und die Einnahmen dürfen maximal 40 Prozent des jährlichen Endgrundgehalts betragen. 

Des Weiteren gibt es nicht nur eine Meldepflicht, sondern auch eine Genehmigungspflicht. Der Dienstherr kann die Nebentätigkeit untersagen. Die Gründe für eine Verweigerung dürfen nicht willkürlich sein und sind im § 99 BBG geregelt. So heißt es im § 99 BBG Abs. 2 „Die Genehmigung ist zu versagen, wenn zu besorgen ist, dass durch die Nebentätigkeit dienstliche Interessen beeinträchtigt werden …“

1. nach Art und Umfang die Arbeitskraft so stark in Anspruch nimmt, dass die ordnungsgemäße Erfüllung der dienstlichen Pflichten behindert werden kann,

2. die Beamtin oder den Beamten in einen Widerstreit mit den dienstlichen Pflichten bringen kann,

3. in einer Angelegenheit ausgeübt wird, in der die Behörde, der die Beamtin oder der Beamte angehört, tätig wird oder tätig werden kann,

4. die Unparteilichkeit oder Unbefangenheit der Beamtin oder des Beamten beeinflussen kann,

5. zu einer wesentlichen Einschränkung der künftigen dienstlichen Verwendbarkeit der Beamtin oder des Beamten führen kann oder

6. dem Ansehen der öffentlichen Verwaltung abträglich sein kann.“

Alles weitere zu Nebentätigkeiten ist in den §§ 97 bis 105 Bundesbeamtengesetz geregelt.

Nebengewerbe anmelden in der Ausbildung

Grundsätzlich können Sie als Auszubildender ein Nebengewerbe anmelden und sich nebenberuflich selbstständig machen. Es gelten die gleichen Vorschriften wie bei Angestellten. Sie verlieren dadurch nicht Ihren Kindergeldanspruch, da die Einkommensgrenzen für das Kindergeld weggefallen sind. Worauf Sie besonders achten sollten, ist die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Dabei werden alle positiven Einkünfte angerechnet, also auch Einkünfte aus der nebenberuflichen Tätigkeit. Die Empfehlung ist, sich mit der zuständigen Arbeitsagentur abzustimmen.

Nebengewerbe anmelden als Student

Als Student ist es wichtig, dass Sie das wöchentliche Arbeitszeitlimit von 18 bis 20 Stunden nicht überschreiten. Ansonsten gelten Sie nicht mehr als Student und fallen aus der studentischen Versicherung. Diese kostet ca. 70 € monatlich. Sind Sie unter 25 Jahre alt und familienversichert, zahlen Sie keinen Beitrag für die Krankenversicherung. In diesem Fall dürfen Sie monatlich nur 405 € dazuverdienen, sprich maximal einen Gewinn in dieser Höhe erwirtschaften. Zweimal im Jahr dürfen Sie diese Grenze für jeweils zwei Monate überschreiten (sprich den Semesterferien). Falls Sie aus der studentischen Versicherung fallen, müssen Sie sich selbst versichern. Die Beiträge richten sich nach dem Umsatz und liegen zwischen 200 € bis 600 € monatlich.

Nebengewerbe anmelden bei Arbeitslosigkeit (ALG I)

Grundsätzlich können Sie als Arbeitssuchender ein Nebengewerbe anmelden. Sie gelten nicht mehr als arbeitssuchend, wenn Sie mehr als 15 Stunden in der Woche arbeiten. Die Hinzuverdienstgrenze liegt bei 165 € ohne Anrechnung auf das Arbeitseinkommen und 165 € bis 400 € mit Kürzung des Arbeitslosengeldes. Überschreiten Sie diese Grenze, sind Sie nicht mehr arbeitslos, sondern sozialversicherungspflichtig. Soll ein Gründerzuschuss beantragt werden, ist es wichtig, dass das Gewerbe erst nach Beantragung des Gründerzuschusses angemeldet wird.

Nebengewerbe anmelden bei Arbeitslosigkeit (ALG II)

Grundsätzlich dürfen Sie als ALG-II-Empfänger ein Nebengewerbe anmelden. Hinsichtlich des Zuverdienstes gibt es Freibeträge. Es gilt: Die ersten 100 € aus dem Erwerbseinkommen werden nicht angerechnet (sog. Grundfreibetrag). Zusätzlich bleiben 20 Prozent des über 100 € bis einschließlich 1000 € liegenden Teils des Bruttoeinkommens anrechnungsfrei. Zusätzlich zu den beiden oben genannten Freibeträgen werden 10 Prozent von Ihrem Bruttoeinkommen über 1000 € bis zur Verdienstobergrenze nicht angerechnet. Bei Leistungsberechtigten ohne Kind liegt die Verdienstobergrenze bei einem Bruttoeinkommen von 1.200 €, bei solchen mit mindestens einem Kind bei 1.500 €.

Kleingewerbe anmelden: Darauf müssen Sie achten

Kleingewerbe anmelden: Darauf müssen Sie achten



Zum Autor:

Erik Renk ist seit zehn Jahren selbstständig und coacht nebenberufliche Selbstständige und Gründer, die ein Nebengewerbe anmelden möchten. Auf seinem Blog www.einfachstartup.de gibt er nützliche Tipps für nebenberuflich Selbstständige und teilt seine Erfahrungen.

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Selbständig als Freelancer: Zahlen, Fakten, Infos

Anlässlich des Jahrestags der Freelancer (14. Mai) skizzieren wir den typischen beruflichen Werdegang eines Freelancers: von 8.000 Euro Startkapital zu 370.000 Euro Renten-Rücklagen.

 „Wenn ich groß bin, werde ich Freelancer!“ – Diesen Satz haben sicher die wenigsten schon einmal aus einem Kindermund gehört. Die Selbständigkeit gehört zu der Art von Wunschvorstellungen, die sich erst mit dem Alter herauskristallisieren. So lautet auch das Ergebnis der Analysen von freelancermap. Unabhängig davon, in welcher Phase sich die Freiberuflichen befinden: Mehr als 60 Prozent sind glücklich mit ihrer Einkommenssituation, welche aus durchschnittlich 94 Euro pro Stunde resultiert und in 370.000 Euro Renten-Rücklagen mündet. Zum ‚Tag des Freelancers‘ am 14. Mai 22 hat freelancermap die Umfragewerte aus seinem Freelancer-Kompass 2021 unter die Lupe genommen, um den Lebenslauf von Selbständigen nachzuzeichnen.

Von der Theorie in die Praxis: 27 Prozent gehen die ersten Schritte als Nebenberufler

Die Schulbank müssen alle drücken, auch zukünftige Freelancer. In diesen ersten zwölf beziehungsweise dreizehn Jahren zeichnen sich oftmals die Interessensgebiete ab, welche in einem Studium weiterverfolgt werden. Nach durchschnittlich fünf Jahren an einer akademischen Einrichtung halten 76 Prozent der späteren Freiberufler einen Abschluss in der Hand, 43 Prozent von ihnen gingen auf eine Universität. Nach rund 18 Jahren gilt die theoretische Ausbildung demnach als vorerst abgeschlossen und der Schritt in die berufliche Praxis wird unternommen. In Festanstellung verbringt der typische Freelancer dann jedoch erst einmal ebenso viel Zeit wie in der Schule: dreizehn Jahre. Hier werden vor allem erste Erfahrungswerte gesammelt und Branchenkenntnisse vertieft. Bevor der endgültige Abschied von der Festanstellung stattfindet, probieren sich 27 Prozent der Befragten vorerst als nebenberufliche Freelancer aus.

Alles auf Anfang: Newcomer achten besonders auf ein stabiles Einkommen

Diejenigen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, sind im Schnitt 36 Jahre alt und verfügen über ein Startkapital von 8.000 Euro. Wenn sie auch fest im Leben stehen, im Freelancer-Business sind sie Newcomer. Hier zählt nicht nur die berufliche Erfahrung oder fachliche Expertise: Ein Solo-Unternehmen zu führen will ebenso gelernt werden. Dafür spricht beispielsweise, dass erfahrene Freelancer ein Startkapital in Höhe von 15.000 Euro empfehlen. In den ersten Jahren verlangen Newcomer außerdem einen vergleichsweise geringen Stundensatz von 88 Euro. Zugleich haben 56 Prozent der Starter hohe Einkommenserwartungen. Während der Stundensatz also in dieser Phase am niedrigsten ist, befindet sich die Zahl der Projekte mit zehn pro Jahr auf dem Maximum.

38 Prozent der Newcomer empfinden zudem ein schwankendes Einkommen als unangenehm. „Der Grund dafür könnte in der vorangegangenen Festanstellung liegen. Das Phänomen eines schwankenden Einkommens gab es dort nicht. Daher werden womöglich derart viele Projekte angenommen und im Schnitt auch 48 Stunden die Woche gearbeitet“, vermutet Thomas Maas, CEO von freelancermap, und führt fort: „Newcomer sind außerdem für die Buchhaltung eigenverantwortlich. Auch hierfür waren vorher Arbeitgeber zuständig. Bis eine Routine für die organisatorischen Prozesse entwickelt wird, kann es etwas dauern. Daher empfinden beispielsweise 24 Prozent der Newcomer die Buchhaltung als nervig. Der Wert nimmt ab, je länger Freelancer ihrem Job nachgehen.“

Experten-Status ist gefestigt: Abwechslung im Job als höchstes Gut

Mit den Jahren kommt die Erfahrung. Im Alter von 46 bis 55 Jahren hat sich der Freelancer zu einem wahren Experten entwickelt. Er kennt seine Branche genauestens und weiß seine Fähigkeiten effizient einzusetzen. Daher verlangt der erfahrene Freiberufler durchschnittlich einen Stundensatz von 96 Euro, reduziert seine wöchentliche Arbeitszeit von 48 auf 45 Stunden und bearbeitet jährlich nur noch sechs Projekte. Der Experte befindet sich sozusagen in der Blüte seines Freelancer-Daseins. Das bestätigt auch die Frage nach der Einkommenszufriedenheit: 73 Prozent der Experten sind glücklich mit den verlangten Honoraren.

Thomas Maas erklärt: „Nach rund zehn Jahren Erfahrung im Freelancer-Business haben die Experten sich einen Status in der Branche geschaffen, aber auch ihren eigenen Workflow gefunden. Daraus resultieren die kürzeren Arbeitszeiten und der höhere Stundensatz. Mit Hürden wie dem schwankenden Einkommen können sie besser kalkulieren und die Buchhaltung ist für 81 Prozent der Befragten kein Hindernis mehr. Eine deutlich größere Rolle wiederum spielt nun dafür die Abwechslung: Freelancer der Experten-Ebene wollen lieber vielfältige Projekte annehmen, als ein hohes Einkommen zu generieren. Auch ziehen rund 27 Prozent von ihnen in dieser Phase in Betracht, den nächstgrößeren Schritt zu gehen und ein Unternehmen zu gründen.“

Mit Routine in die Rente: Angst vor schwankendem Einkommen steigt erneut

Wer 20 Jahre lang im Freelancer-Business tätig war, gehört ohne Frage zu den Routiniers unter den Freiberuflichen. Die Zahl der jährlichen Projekte pendelt sich bei sieben ein und die Arbeitszeit bleibt konstant bei 45 Stunden pro Woche. Die „alten Hasen“ legen ebenfalls einen größeren Wert auf die Projektvielfalt, obwohl der Stundensatz in dieser Phase auf 93 Euro sinkt. Zwar bestätigen 70 Prozent, dass sie mit ihren Honoraren zufrieden sind, doch nimmt zugleich auch die Angst vor einem schwankenden Einkommen kurz vor der Rente wieder zu.

„Besonders mit Blick auf den Ruhestand verstärkt sich das Bedürfnis nach finanzieller Absicherung“, sagt Thomas Maas und ergänzt: „Im Alter von 65 Jahren verabschieden sich die Routiniers in der Regel aus der Arbeitswelt. Damit sind sie durchschnittlich etwa ein Jahr länger berufstätig als ihre festangestellten Mitstreiter . Bis zu diesem Zeitpunkt werden Freiberufler im Schnitt 370.000 Euro angespart und 230 Projekte realisiert haben. Diese, aber auch etliche weitere, sind beachtliche Leistungen, die Anerkennung verdienen.“

Als Freelancer*in starten

Organisation, Spezialisierung, Finanzen, Netzwerke: Wir zeigen, worauf es bei der Gründung als Freelancer*in ankommt.

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Doch dieses Vorhaben will gut geplant sein – das strategische und finanzielle Konzept sollte durchgerechnet, rechtliche Rahmenbedingungen beachtet sowie die mediale Präsenz durchdacht werden. Wir helfen dir dabei, einen sauberen Start im Freelancer*in-Business hinzulegen.

Das Freelancer*in-Dasein birgt klare Vorteile – sofern die Planung stimmt

Freelancer*innen profitieren besonders von der Flexibilität und dem Management als Ein-Personen-Unternehmen: Sie teilen sich ihre Arbeitszeiten eigenständig ein, entscheiden im Alleingang über Projektarbeiten oder -partner und sind ungebunden in der Wahl ihrer Arbeitsorte. Weiterhin haben freie Expert*innen meist bessere Verdienstmöglichkeiten als ihre festangestellten Kolleg*innen, der Fachkräftemangel in manchen Branchen begünstigt oftmals die Projektakquise und das Teilnehmen an Weiterbildungen steigern die Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt. Natürlich beansprucht letztgenannter Punkt einiges an Zeit, hilft aber dabei, die eigene Expertise auszubauen. Um diese Vorteile unter einen Hut zu bekommen, muss der Weg in die Selbständigkeit jedoch gewissenhaft geplant werden.

Ohne Recherche keine DANN

Das Freelancer*in-Geschäft ist nicht allein abhängig von akademischen Abschlüssen. Ebenso wertvoll sind die gesammelten Erfahrungen, erlernte fachliche Fähigkeiten, aber auch die Leidenschaft, die für die neue Tätigkeit aufgebracht wird. Neulinge sollten sich daher eingehend mit den daran anknüpfenden Fragen beschäftigen, um ihr Angebot zu definieren:

Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?

Hier gilt es die Bedürfnisse des Klientels zu identifizieren. Dabei kann beispielsweise das Erstellen einer Persona, also eines fiktiven Kunden bzw. Kundin, mit allerhand demografischen Daten, helfen, um die Zielgruppe besser zu visualisieren.

Was hebt einen von der Konkurrenz ab? Was bieten die anderen?

Durch die Beobachtung der ebenfalls im Markt aktiven Freiberufler*innen, ihrer Profile und Angebote, werden Unterschiede ersichtlich. Die genaue Analyse hilft dabei, eigene USPs zu identifizieren und damit die persönliche Nische zu finden.

In welchem Markt besteht Bedarf, Potenzial oder ein sich entwickelnder Trend?

Die Marktanalyse fordert einiges an Recherche-Arbeit, doch am Ende ist die Branche bekannt und das eigene Angebot spezifiziert. Zur Strukturierung gehört unbedingt ein vollumfänglicher Businessplan, der vielerorts zur Verfügung gestellt wird. Für den Anfang hilft auch ein “Mini-Businessplan” zur besseren Orientierung.

Die Beobachtung der Branche, Kund*innen, Bedürfnisse, Wünsche und die Präzisierung der eigenen Kenntnisse und Talente zahlen auf das Alleinstellungsmerkmal als Freiberufliche(r) ein. Diese einzigartige Freelancer*in-DNA kann der ausschlaggebende Grund sein, weshalb Kund*innen die Arbeit eines bestimmten Selbständigen letztlich buchen.

Startkapital von rund 15.000 Euro

Ertrag minus Aufwand ergibt Gewinn. Das ist der wirtschaftliche Grundsatz, den Freelancer*innen beherzigen sollten. Der Frage folgend, wie hoch der Gewinn für die beanspruchte Lebensqualität sein soll, werden Stundensatz, die Anzahl der Arbeitstage und zu zahlende Kosten in der genannten Formel kumuliert. Zwar ist eine jährliche Planung auf lange Sicht sicher sinnvoll, doch als Starter*in kann auch eine monatliche Budgetierung vorgenommen werden, um ein Gefühl für die Berechnung zu bekommen. Laut Freelancer-Kompass 2021 empfehlen Freiberufliche zudem ein Startkapital von rund 15.000 Euro.

Zudem müssen sich Freiberufliche über die verschiedenen Rechtsformen informieren, die ein Ein-Personen-Unternehmen annehmen kann. Abhängig von Faktoren wie Geschäftsidee, Tätigkeitsumfang und Startkapital wird das eigene Business dann als Gewerbe oder auch nicht-gewerbliches Kleinunternehmen angemeldet. Über die Bedingungen informieren das örtliche Gewerbe- beziehungsweise Finanzamt, welche zudem Auskunft über Kranken- und Zusatzversicherungen geben können. Zuletzt fallen auch Steuern an: Neben der Umsatzsteuer muss die Einkommens- beziehungsweise Gewerbesteuer entrichtet sowie eine Steuererklärung jährlich bis zum 31. Juli eingereicht werden. Hier kann es sich, vor allem zu Beginn der Selbständigkeit lohnen, eine(n) Steuerberater*in zu Rate zu ziehen.

Qualität auf branchenspezifischen Plattformen verhilft zum Kund*innenerfolg

Klar, die klassische Visitenkarte lässt sich auch im Freelancer*in-Geschäft nicht wegdenken. Darüber hinaus sollte aber auch die Online-Präsenz qualitativ hochwertig gestaltet sein. Das bedeutet im Einzelnen, das eigene Profil auf Projekt-Plattformen ausführlich aufzubereiten und aktuell zu halten. Kund*innen sollten sofort die DNA des Angebots und die Verfügbarkeit erkennen, das erleichtert ihnen die Entscheidung. Soziale Business-Netzwerke können genauso wie eine eigene Website als hilfreiche Akquise-Plattform dienen. Grundsatz ist vor allem: Qualität geht vor Quantität! Es ist unbedingt notwendig, Kontaktdaten wie eine E-Mail-Adresse und Telefonnummer gut sichtbar zu platzieren. Eine Orientierung bieten bei der Erstellung sicherlich auch die Profile der Mitbewerber*innen.

Sobald alles eingerichtet ist, sollten thematisch passende Blogs oder auch Gruppen in sozialen Netzwerken unbedingt genutzt werden, um die eigene Sichtbarkeit beispielsweise in Form von selbstgeschriebenen Gastbeiträgen zu steigern. Dort bietet sich auch die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten, denn das Netzwerken mit Anderen eröffnet jedem bzw jeder Freelancer*in neue Chancen für die Projektakquise.

Fazit: Gut Ding will Weile haben

Auf den ersten Blick klingt der Start in die Selbständigkeit nach einem großen Aufwand. Doch Neueinsteiger*in sollten sich – gemäß dem Motto „Gut Ding will Weile haben“ – Zeit lassen mit dem Aufsetzen eines Businessplans, der Kalkulation der Finanzen und dem Aufbauen der medialen Präsenz. Denn wer sich vorab intensiv mit dem eigenen Profil und Angebot auseinandersetzt, hat später weniger zusätzlichen Aufwand und kann sich direkt in die Projektarbeit stürzen. Sobald der erste Auftrag reinflattert, wird schnell klar: Mit dem Freelancer*in-Business geht es runter vom Karussell der Monotonie und rauf auf die Achterbahn der Flexibilität!

Der Autor Thomas Maas ist Geschäftsführer der offenen Projektplattform freelancermap und Herausgeber der repräsentativen Marktstudie Freelancer-Kompass.

Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse für Start-ups

Wie Sie Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse für Ihre Gründung bzw. für Ihr Unternehmen effektiv nutzen können und wie Sie eine systematische, belastbare Marktanalyse selbst erstellen.

Warum sind manche Start-ups erfolgreich und andere nicht? Warum scheitern viele junge Unternehmen schon nach kurzer Zeit, während einige wenige eine beeindruckende Entwicklung verzeichnen? Eine Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), die zahlreiche Neugründungen analysierte, findet sieben Hauptgründe für das Scheitern von jungen Unternehmen: An den ersten Stellen stehen unzureichende Branchenkenntnisse, fehlendes Detailwissen zu Markt und Branche sowie die nicht präzise umrissene Zielgruppe.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig die systematische Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse für Start-ups, aber auch die laufende Marktbeobachtung für junge Unternehmen ist: Nur wer Markt, Kunden und Wettbewerb genau kennt und einschätzen kann, wird auf die Marktanforderungen richtig reagieren können und so sein Unternehmen erfolgreich im Markt positionieren können.

Die Erfahrung zeigt außerdem, dass die systematische Auseinandersetzung mit dem Markt- und Wettbewerbsumfeld häufig Schwächen und Verbesserungsmöglichkeiten für den Gründer oder Jungunternehmer aufzeigt und so eine wichtige Quelle der ständigen Optimierung des Geschäftsmodelles sein kann. Dabei können die Marktanalysen von externen spezialisierten Beratern erarbeitet werden, mit etwas Zeit und Sachverstand kann aber auch das Gründerteam eine belastbare Marktanalyse selbst erstellen. Was hierbei zu beachten ist, lesen Sie im Folgenden.

Wichtig: strukturierter Aufbau der Marktanalyse

Auch wer Banken, Fördereinrichtungen oder andere Projektbeteiligte von seiner Idee überzeugen will, benötigt – meist im Rahmen eines Businessplans – eine präzise Darstellung von Marktpotenzial, Ansätzen zur Differenzierung im Wettbewerb und seinen Zielkunden. Um sich von der Vielzahl an anderen Gründungsvorhaben abzusetzen und den Zuschlag für Finanzierung oder Förderung zu erhalten, lohnt es sich, Energie und Zeit in eine systematische Marktforschung bzw. Marktanalyse zu investieren. Dies gilt im Übrigen sowohl für Gründungsvorhaben im B2C-Sektor (Business- to-Consumer) als auch für Unternehmen im B2B-Bereich (Business-to-Business).

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei der strukturierte Aufbau der Marktanalyse. So sollte eine systematische Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse z.B. Informationen zu Marktvolumen/ Marktpotenzial des Produkts oder der Dienstleistung beinhalten. Auch Aussagen zur erwarteten Entwicklung des Marktes/ dem Marktwachstum sind relevant für die Bewertung eines Marktes.

Daneben gilt es, einen Überblick über die Wettbewerbsstruktur, also die Anzahl und Typen von Wettbewerbern im Marktumfeld im Rahmen der Marktanalyse zu erstellen sowie die Haupt-Wettbewerber im Rahmen eines Detail-Benchmarkings zu beleuchten. Für Kapitalgeber und Förderstellen ist es an dieser Stelle vor allem interessant zu erfahren, wie sich die Neugründung von den bestehenden Angeboten im Markt abheben will.

Zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse ist zudem die genaue Definition der Zielgruppen des jungen Unternehmens. So definiert die Marktanalyse zum Beispiel, welche Kundengruppen bedient werden sollen, wie groß diese Zielgruppen im Markt sind und welche Hauptbedürfnisse und Anforderungen der potenziellen Kunden mit dem neuen Unternehmen adressiert werden sollen.

Letztendlich umfasst eine strukturierte Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse die Beleuchtung von Branchentrends und Branchenentwicklungen der Zukunft, anhand derer aufgezeigt wird, welche Themen im Markt in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen werden und wie das junge Unternehmen auf diese Trends reagieren will.

Elementarer Bestandteil: die Wettbewerbsanalyse

Vor allem die belastbare Einschätzung der Wettbewerbssituation stellt Gründer und junge Unternehmen häufig vor Herausforderungen. Typische Fragestellungen einer Wettbewerbsanalyse sind zum Beispiel: Von wie vielen Wettbewerbern wird der Markt derzeit bedient? Welche Hauptwettbewerber befinden sich im Markt? Gibt es Substitute, also andere Lösungen oder Technologien, die das Bedürfnis unseres Zielkunden alternativ befriedigen? Wie groß sind die derzeit am Markt tätigen Unternehmen und wie erfolgreich wirtschaften sie? In welche Richtung entwickeln sich die Wettbewerber, also welchen Trends und Entwicklungen folgen sie?

Bewährt hat sich in diesem Kontext eine zweistufe Betrachtung der Wettbewerbsthematik:

  • Im Schritt 1 gibt die Analyse einen Überblick über die Wettbewerbslandschaft, also die Anzahl der am Markt tätigen Anbieter und die Einteilung derselben in Anbietertypen.
  • Im Schritt 2 werden einige exemplarische Hauptwettbewerber ausgewählt und im Rahmen von Detail-Wettbewerbsanalysen beleuchtet. In diesen Detail-Analysen gibt man einen Überblick zu wichtigen Kennzahlen, dem Produkt- und Leistungsportfolio oder den Technologien des Wettbewerbers, der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und den Stärken und Schwächen der Firma. Im direkten Vergleich mit den Wettbewerbsangeboten können dann Stärken und Chanchen des eigenen Angebotes herausgearbeitet werden.

Wettbewerbsanalyse: Tipps zu Datenquellen und Recherchemethoden

Entscheidend für die Belastbarkeit der Marktanalyse bzw. Wettbewerbsanalyse sind natürlich der Umfang und die Qualität der herangezogenen Datenquellen. Gerade Banken und Förderinstitute achten darauf, dass externe und neutrale Quellen ausgewählt wurden und nicht lediglich die persönliche Meinung und das Bauchgefühl der Gründer zusammengefasst wurden.

Wichtige Methoden der Marktanalyse sind dabei sowohl die Sekundärrecherche als auch die Erhebung eigener Daten, auch Primärrecherche genannt. Zu den wesentlichen Quellen im Bereich der sekundären Marktforschung gehören:

  • Die systematische Auswertung von Suchmaschinen wie Google: Typischerweise erfolgt der Einstieg in eine Untersuchung zum Marktpotenzial und den Wettbewerbern über eine strukturierte Suchmaschinenrecherche. Dazu werden wichtige Keywords und Themen definiert, die dann planmäßig abgefragt werden. Abzuraten ist im Rahmen einer Marktanalyse vom zufälligen Suchen in Suchmaschinen ohne klares Rechercheziel, da hier viel Zeit benötigt wird und die Ergebnisse häufig unvollständig sind. Fortgeschrittene Analysten erstellen sich vorab eine Keyword-Liste oder einen Rechercheplan mit den wesentlichen Suchbegriffen, die sie in der Suchmaschine abfragen wollen.
  • Unternehmensdatenbanken: Ermöglichen den effizienten Zugriff auf Wettbewerbs- und Kundeninformationen. Beispiele sind Datenbanken von Bisnode, Dun & Bradstreet oder Orbis/ Amadeus. Häufig sind diese Datenbanken kostenpflichtig und erfordern einen professionellen Researcher für die Bedienung.
  • Statistische Veröffentlichungen: Das statistische Bundesamt erhebt eine große Menge von Daten zu Märkten, Unternehmen und Branchen. Portale wie Statista stellen ebenfalls Informationen zur Verfügung, die für die Marktforschung von Start-ups und jungen Unternehmen genutzt werden kann.
  • Fachzeitschriften der Zielbranche: Bieten häufig relevante Artikel zu Branchentrends, wichtigen Anbietern in Markt oder statistischen Informationen. Zugriffsmöglichkeiten bieten viele Fachzeitschriften online (teilweise eingeschränkt), umfangreichere Zugänge bieten Fachpressedatenbanken wie z.B. Genios.
  • Branchenmessen: Der Besuch relevanter Branchenmessen ermöglicht es Ihnen, eine Marktanalyse durchzuführen. Hier finden Sie den direkten Austausch mit anderen Marktteilnehmern. Ausstellerverzeichnisse, die online von den Messeveranstaltern zur Verfügung gestellt werden, können bezüglich möglichen Wettbewerbern, Kunden oder Partnern durchsucht werden.
  • Geschäftsberichts-Datenbanken: Spezialisierte Tools wie der Bundesanzeiger ermöglichen es, auf Geschäftsberichte von Wettbewerbern komfortabel zuzugreifen. So kann bei größeren Wettbewerbern z.B. Einblick in die Umsatzentwicklung, die Profitabilität der Firma, die Anzahl der Mitarbeiter sowie strategische Planungen für die nächsten Jahre gewonnen werden.
  • Foren, Blogs und soziale Netzwerke: Immer mehr Unternehmen sind auch in Portalen wie Facebook, Twitter, Xing, LinkedIn vertreten und veröffentlichen dort Informationen zu Produkten, Services und Innovationen. Auch auf Youtube findet sich eine immer größer werdende Zahl von Videos zu Unternehmen, Trends und neuen Produkten von möglichen Wettbewerbern.

Erst die kombinierte Auswertung dieser Methoden zur Marktanalyse bzw. Wettbewerbsanalyse ermöglicht es, ein breites und neutrales Bild zum Marktpotenzial, zur Wettbewerbssituation und zu den Erfordernissen der Zielgruppe zu erhalten. Ergänzend können Interviews mit potenziellen Kunden im Rahmen einer Marktanalyse tiefere Einblicke zur Beurteilung der Erfolgsaussichten des Geschäftsmodelles bieten.

Während im B2C (Business to Consumer) Bereich eine größere Anzahl von Gesprächen erforderlich ist, um zu einer belastbaren Einschätzung zu kommen, reichen in industriellen Märkten (B2B) häufig schon wenige ausgewählte Interviews, um einen Eindruck zu Marktchancen, Stärken und Schwächen des jungen Unternehmens zu erhalten.

Wichtige Faktoren bei der Erstellung der Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse

  • Präzise Marktsegmentierung: Eine zentrale Rolle bei der erfolgreichen Marktanalyse stellt die systematische Strukturierung und Segmentierung des Marktes dar. Häufig zerfallen Märkte bei der genauen Betrachtung nochmals in Teilmärkte oder Marktsegmente, die unterschiedliche Kundengruppen, Kundenanforderungen und Erfolgsfaktoren haben. Daher ist es zu Beginn der Untersuchung wichtig, einen Überblick über vorhandene Marktsegmente und die Struktur des Zielmarktes zu ermitteln. Typische Kriterien zur Segmentierung von Märkten sind z.B. demographische Merkmale von Kundengruppen, regionale Unterscheidungen, Differenzierung nach Preis- oder Qualitätsklassen, Anwendungen oder anderen geeigneten Strukturmerkmalen. Die gezielte Segmentierung des Marktes trägt dazu bei, den eigenen Zielmarkt, der vielleicht nur einen Teil des Gesamtmarktes betrifft, genauer zu umreißen und präziser zu analysieren. 
  • Breite Quellenbasis: Um zu belastbaren Aussagen in Sachen Marktpotenzial und Anbietersituation zu kommen, ist die Auswertung verschiedenartiger Quellen erforderlich. Nur so können die unterschiedlichen Perspektiven auf den Markt berücksichtigt werden und so ein verlässliches Gesamtbild ermittelt werden, das Grundlage für die unternehmerischen Schritte sein kann.
  • Angabe von Quellen und Berechnungsgrundlagen: Gerade in der Zusammenarbeit mit Banken und Förderinstituten ist es unbedingt erforderlich, die Datenquellen der Marktanalyse offenzulegen. Nur dann kann der Leser gut nachvollziehen, woher die Informationen stammen und wie vertrauenswürdig die dahinterstehenden Quellen sind.
  • Kontinuierliche Betrachtung: Gerade für junge Unternehmen empfiehlt sich die laufende Marktbeobachtung und Wettbewerbsbeobachtung, um regelmäßig über wichtige Marktveränderungen und Trends im Markt informiert zu sein. So kann z.B. ein jährliches Update der wichtigsten Infos zu Markt und Wettbewerb dazu beitragen, rechtzeitig auf Marktverschiebungen, Aktionen von Wettbewerbern oder neuen Trends und Rahmenbedingungen im Markt zu reagieren.


Ausblick: Marktanalyse und Marktsegmentierung

Innerhalb einer Marktanalyse dient die Marktsegmentierung bzw. die ihr innewohnende Logik als Basis für die Quantifizierung des Marktpotenzials. Für jedes Marktsegment ist abzuschätzen, wie groß der entsprechende Zielmarkt ist und wie er sich voraussichtlich in den nächsten Jahren entwickelt. Für Investoren und Banken wird somit klar, wie sich das Gesamtmarktpotenzial auf die unterschiedlichen Marktbereiche verteilt und welche Potenziale für das junge Unternehmen in welchen Zielgruppen zu erwarten ist. Hier lesen Sie alles über die Marktsegmentierung.

Marktsegmentierung

Marktsegmentierung


Strategien für Start-ups

Die Gründung eines Start-ups kann viele Herausforderungen mit sich bringen. Diese sind bekannt und es gibt dazu unzählige Hilfestellungen. Um den Erfolg eines Start-ups zu gewährleisten, ist es deshalb wichtig, einen konkreten Plan zu haben. Hierfür gibt es verschiedene Marktwahl- und Marktbearbeitungsstrategien. Im folgenden Artikel zeigen wir zwei Strategien, die jeder erfolgreiche Entrepreneur unbedingt kennen sollte.

Marktwahlstrategien

Eine gute Marktwahlstrategie hilft dabei, sich auf dem richtigen Markt zu positionieren. Zu diesem Zweck sollte man sich zunächst überlegen, ob man den Markt räumlich oder sachlich abgrenzt. Eine räumliche Marktabgrenzung ist im transportierenden Gewerbe oder im Dienstleistungssektor nützlich. So können entstehende Transportkosten und Transaktionskosten verringert werden. Der Softwarehersteller SAP agiert z.B. auf einem globalen Markt in über 180 Ländern. Software und viele Dienstleistungen lassen sich heutzutage sehr einfach über das Internet vertreiben und unterliegen kaum einer räumlichen Einschränkung. Allerdings muss man trotzdem die örtliche Gesetzgebung beachten. Für viele Start-ups können hierbei Hürden entstehen, weshalb es sich empfiehlt, den Markteintritt vorsichtig zu wählen. Eine sachliche Marktabgrenzung ist besonders nützlich, um den Markt nach bestimmten Gütern oder Produkten einzugrenzen. So würden z.B. zu dem sachlichen Markt des Automobilherstellers VW alle weiteren Automobilhersteller, wie z.B. BMW, Daimler, Toyota etc. gehören. Es ist auch möglich, eine räumliche und sachliche Marktabgrenzung durchzuführen. So kann der relevante Markt noch präziser bestimmt werden.

Marktteilnehmerstrategien

Nachdem die Marktwahlstrategie festgelegt wurde, kann als Nächstes die Marktteilnehmerstrategie definiert werden. Hierbei wird auf alle am Markt teilnehmenden Parteien wie Konsument, Konkurrent und Abnehmer eingegangen. Kernstück sind hierbei Maßnahmen, welche sich vor allem an den Konsumenten richten. Ein Start-up muss sich überlegen, welchen Nutzen ein Kunde aus einem Produkt oder einer Dienstleistung gewinnen kann. Es ist essenziell, sich von der Konkurrenz abzuheben und sich einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Dies kann gelingen, indem das Start-up dem Kunden entweder einen Leistungsvorteil oder einen Kostenvorteil bietet. Leistungsvorteile zeichnen sich durch eine erhöhte Qualität aus. Kostenvorteile wiederum durch einen günstigeren Preis. Besonders bereits etablierte Unternehmen können hier den Start-ups als Vorbild dienen.

Die Strategien sind dabei natürlich stark branchenabhängig. Wer etwa nur digital agieren will, hat unterschiedliche Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Geschäftsmodellen, die offline agieren. Besonders im Gaming Bereich gibt es für den Sektor typische Marketingstrategien. So bieten z.B. neue Online Casinos ihren Kunden viele Vorteile, wie Bonusangebote und Aktionen an. Neukunden erhalten so oftmals einen Kostenvorteil durch Freispiele und können das Angebot der Webseiten zunächst austesten und kennenlernen. Viele Anbieter bieten zusätzlich gewisse Leistungsvorteile an, wie eine erhöhte Sicherheit durch eine SSL-Verschlüsselung und mehrere verschiedene Zahlungsmöglichkeiten.

Ähnliches ist auch bei Streaminganbietern wie Netflix erkennbar. Dieser ermöglicht neuen Kunden zunächst einen kostenlosen Probemonat. Hier kann bereits durch das gesamte Angebot der Plattform gestöbert werden. Außerdem erhalten User Preisreduktionen, je mehr Accounts unter einem Namen angelegt werden. Die Kunden sollen so dem Unternehmen treu bleiben und nicht zu Wettbewerbern wie Amazon Prime wechseln. Im Marketing wird diese Strategie auch als Pull-Strategie bezeichnet. Das Start-up zieht den Kunden durch seine Maßnahmen an das Unternehmen heran. Werden diese Maßnahmen erfolgreich durchgeführt, steigt auch die Markenbekanntheit. Dies führt wiederum zu einer stärkeren Kundenbindung, was den Unternehmenserfolg erhöht.

Fazit

Ein Start-up sollte sich immer eine Marktwahl- und eine Marktteilnehmerstrategie überlegen. Eine erfolgreiche Marktwahlstrategie kann einen räumlichen oder sachlichen Bezug haben. Sie hilft dem Start-up dabei eine Marktsegmentierung zu bilden. Die Marktteilnehmerstrategie ist hingegen wichtig, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. Dieser Wettbewerbsvorteil zeichnet sich durch einen Leistungs- und Kostenvorteil aus. Wichtig ist es hierbei den Nutzen des Kunden in den Vordergrund zu stellen. Dieser muss mit den richtigen Maßnahmen an das Unternehmen gebunden werden. Gerade in der Markteintrittsphase ist es für ein Start-up entscheidend, die Markenbekanntheit zu stärken. Nur so kann der Erfolg eines Start-ups gesichert werden.

Wenn der Chef ausfällt

Als Unternehmer müssen Sie sich dem worst case stellen: Was ist, wenn ich plötzlich ausfalle? Ein Notfallplan schützt Sie und Ihre Firma vor unangenehmen Überraschungen. Wie er funktioniert, lesen Sie hier.

„Für Existenzgründer ist ein Notfallplan noch wichtiger als für etablierte Unternehmen", sagt der Münchner Anwalt Erich Jedelhauser, spezialisiert auf Nachfolge- und Notfallregelungen. Soll heißen: Die meisten Unternehmen haben im Fall der Fälle ein Vertretungsproblem. Kein Wunder, denn einen Vertreter zaubert man nicht aus dem Hut.

Den geeigneten Vertreter bestimmten

In jungen Unternehmen, die nur mit wenigen Angestellten oder Aushilfen operieren, ist ein Ersatzmann aus den Reihen des Unternehmens manchmal gar nicht in Sicht. Für sie bleibt aber immerhin die Möglichkeit, den Ehepartner soweit in die Geschäfte einzuweihen, dass er das Nötigste erledigen kann. Denkbar ist auch, mit einem befreundeten Gründer oder einem anderen Vertrauten zu kooperieren. Man muss sich allerdings im Klaren sein, dass ein Freund oder Ehegatte schon aus zeitlichen Gründen nicht in der Lage sein wird, ein Unternehmen – und sei es nur vorübergehend – voll am Laufen zu halten. In größeren Unternehmen ist deshalb eine wasserdichte Stellvertreterregelung und damit die Wahl eines geeigneten Kandidaten elementar.

Notfallkoffer anlegen

Der Vertreter muss, um die wichtigste Person im Unternehmen ersetzen zu können, das nötige Know-How besitzen. Er muss mit den entsprechenden Vollmachten ausgestattet sein, also eine Handlungsvollmacht oder besser eine Prokura erhalten. Am besten ist es, einen Notfallordner anzulegen, in den alle  Verzeichnisse, Listen und Pläne abgeheftet werden. Dazu gehören auch Bankvollmachten, das Hinterlegen von Codes, PINs und Passwörtern sowie wichtiger Adressen. Außerdem sollten Anweisungen für wichtige Projekte gegeben sein.

Risiko-Vorsorge treffen

Da Unternehmer in der Regel keine oder kaum gesetzliche Leistungen erhalten, kann ein längerer Ausfall zur enormen finanziellen Belastung werden. Für Selbständige ist Vorsorge daher besonders wichtig. Dabei sollte in erster Linie die Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit abgesichert werden. Dies kann zum Beispiel in Form einer Risikolebensversicherung erfolgen. Darüber hinaus ist der Abschluss einer Betriebskostenversicherung zu überlegen.

Teil- oder Generalvollmacht

Wer noch mehr Absicherung betreiben will, kann ferner bürgerlich-rechtliche Vollmachten ausstellen. Führt nämlich die Krankheit zur Geschäftsunfähigkeit des Unternehmens und existieren für diesen Fall keine Vollmachten, erhält ein vom Vormundschaftsgericht bestellter Betreuer die Entscheidungsgewalt. Dies entspricht meist nicht dem Wunsch des Unternehmers. Er ist daher gut beraten, frühzeitig entsprechende Vollmachten auszustellen. Das können eingeschränkte Vollmachten sein, um Teilbereiche abzudecken. Umfangreicher und damit sicherer ist das Ausstellen einer Generalvollmacht.

Chef nach fünf

Mehr Geld, mehr Freude an der eigenen Arbeit und größere Sicherheit durch ein zweites Standbein. Das sind die Beweggründe vieler Angestellter, sich nebenberuflich selbständig zu machen. Experten und Gründer berichten, wie der Start in diese Form der Selbständigkeit gelingt.

Bei manchem beginnt das Abenteuer „nebenberufliche Gründung“ mit einer Geschäftsidee. Karim Feldhaus entdeckte in seinem Job als Softwareentwickler, wie sehr kompetente Beratung zum Thema Wissensmanagement in Unternehmen fehlte. Feldhaus entschied sich, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung diese Nische auszufüllen, reduzierte seine wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 30 Stunden und arbeitet fortan einen Tag in der Woche am Aufbau seines eigenen Unternehmens.
Uta Nommensen entwickelte ihre Idee aus einem Teilzeit-Job als Pressereferentin für einen Verband. Die Tätigkeit, im Home Office ausgeübt, lässt der Germanistin noch genügend Zeit und Raum für ein zweites Standbein als freie PR-Beraterin. Nicht zuletzt sprachen aus der Perspektive der alleinerziehenden Mutter auch finanzielle Gründe für eine weitere Einnahmequelle.

Geld war es auch, was Dörte Benz motivierte, sich nach weiteren Einkünften umzusehen. Die angestellte Logopädin verdiente zu wenig, um sich und die beiden Söhne über die Runden zu bringen. Benz, leidenschaftliche Köchin, machte sich zusammen mit zwei Kollegen mit Koch-Events selbständig. Damit verdient sie inzwischen fast genauso viel wie mit ihrer hauptberuflichen Tätigkeit. Über kurz oder lang möchte sie zusätzlich zu den Koch-Events ein Catering-Geschäft eröffnen und dann hauptberuflich durchstarten. Doch davon weiß der Arbeitgeber noch nichts ...

Warum nebenbei gründen?

Kurzarbeit, sinkende Gehälter und erzwungene Stundenreduzierungen führen dazu, dass sich immer mehr Angestellte für die „Gründung nebenbei“ interessieren. Hinzu kommen Motivationen, die es schon immer gab: Endlich der eigene Herr sein, einen Ausgleich zu einer nur halb befriedigenden Tätigkeit finden und am besten gleich mit dem Hobby Geld verdienen. Gut ein Drittel dieser Nebenerwerbsgründer plant – laut KFW-Gründungsmonitor – ihre Selbständigkeit künftig zum Vollerwerb auszubauen.

Dieser Plan ist eine gute Voraussetzung, um von Anfang an alles richtig zu machen. Denn wer vorhat, in absehbarer Zeit ganz von seiner Unternehmung leben zu können, geht meist anders an die Gründung heran. Eben so, wie es richtig ist: mit einem Businessplan und einer genauen Rentabilitätsberechnung. Honorare müssen von Anfang an so kalkuliert sein, dass sie auch ohne den Angestelltenjob tragen. „Da habe ich anfangs Fehler gemacht“, gibt Dörte Benz zu. Die Nebenjobgründerin ging einfach pauschal und ohne sich die Wettbewerber anzuschauen von einem Honorar von 18 Euro pro Stunde aus. „Dies war viel zu günstig.“

Da vorhandene Kunden radikalere Preisanpassungen so gut wie nie mitmachen, musste sie sich nach der Erhöhung eine komplett neue Zielgruppe erschließen und von vorn anfangen. Statt auf Stundenbasis berechnete sie ab sofort Tages- und Halbtagessätze sowie Wochenendzuschläge. So entstand ein durchschnittlicher Tagessatz von 400 Euro. Extras berechnete Benz auch extra, etwa mit 15 Euro netto pro eingesetzter Servicekraft und Stunde. „Ich musste mein Denken ganz umstellen“, so Benz. „So viel Geld zu nehmen hätte ich mich ohne Beratung und die Ermutigung durch Experten nie getraut.“ Nun hat Benz auch keinen Kleinunternehmerstatus mehr, sondern rechnet mit Umsatzsteuer. Das stellt das Vorhaben noch einmal zusätzlich auf professionellere Beine.

Interview mit Martha von den Berg

1968 eröffnete Martha von den Berg das erste Kochlöffel-Restaurant in Wilhelmshaven und setzte auf einen Bereich, der damals in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte: Schnellrestaurants. Martha von den Berg hat sich immer wieder für Frauen in Führungspositionen eingesetzt und die Vorzüge weiblicher Führungskräfte betont.

StartingUp: Gibt es einen bestimmten Typ Frau, der sich zur Unternehmerin eignet oder kann es jede schaffen?
Martha v. d. Berg:
Ich glaube, dass fast jede Frau mit bestimmten Eigenschaften eine Unternehmerin sein kann. Sie muss das wollen und darf keine Scheu haben. Eine unbekümmerte Natürlichkeit ist hilfreich. Sie muss einfach zu den richtigen Stellen gehen und fragen: Sag mir, wie das geht. Alles was es braucht ist eine gute hausfrauliche Veranlagung – auch wenn das nicht gerade dem Bild der Frauenbewegung entspricht. Im Haushalt trainieren Frauen genau das, was gute Unternehmer brauchen. Sie halten ein System in Bewegung, Organisieren, tragen Verantwortung.

StartingUp: Braucht es nicht umfangreiche Kenntnisse in kaufmännischen Dingen? Wie wichtig ist Ausbildung?
Martha v. d. Berg:
Natürlich müssen einige kaufmännische Grundbegriffe absolut klar sein. Die Begriffe Einnahme, Ausgabe und Überschuss. Ich muss wissen: das, was in der Kasse liegt, ist nicht meins. Erst wenn Steuern, Kosten und alles abgezogen sind, bleibt ein Minimum übrig. Wenn man etwas Eigenes aufbauen will, geht es nicht um das Können. Das kann fast jede oder jeder – es geht um die Persönlichkeit, das Wollen und um Fleiß und Disziplin. Bereit zu sein, etwas mehr zu tun als andere. Man muss immer aus Sicht des Gastes oder der Kunden denken. Was würde ich als Gast erwarten? Wie werde ich in mittelgroßen Orten anerkannt? Ich betone immer wieder, dass die Frauen sich im Ort in Netzwerken und Institutionen engagieren sollten. Das erhöht die Anerkennung und ist unmittelbar für das Geschäft gut. Wer sich einbringt, bekommt mit, wo Stadtfeste stattfinden, und kann dort werben. Jammern jedenfalls und ein ständiges ‚Ach Gott, das kann ich nicht’ kann nicht die richtige Einstellung sein.

Zur Info-Box Mit Netz und doppeltem Boden (Netzwerke und Beziehungen)

StartingUp: Damit sprechen Sie eine Eigenschaft an, die Frauen oft zugeschrieben wird: Sie unterschätzen sich. Müssen Unternehmerinnen forscher werden?
Martha v. d. Berg:
Nicht unbedingt. Diese Zimperlichkeit hat auch Vorteile. Ein Mann kauft sich nach dem ersten Erfolg erst mal ein BMW-Cabrio, eine Frau nicht. Frauen arbeiten beständiger und sicherer an ihrem Erfolg.

StartingUp: Sie haben in den vergangenen 36 Jahren viele Frauen beim Schritt in die Selbständigkeit begleitet. Gab es Frauen, die Sie überrascht haben, weil sie mehr geschafft haben, als sie ihnen zutrauten?
Martha v. d. Berg:
Meist merken wir schon im ersten Gespräch, ob eine Frau das Zeug dazu hat, Kochlöffel-Partnerin zu werden. Aber klar – es gab auch Überraschungen. Es gab Frauen, denen wir es zugetraut haben und die bei Rückschlägen total eingeknickt sind. Dafür hatten wir auch Frauen, bei denen wir erst Bauchschmerzen hatten, ob sie es wohl schaffen würden und die mit großer Beharrlichkeit ihren Weg gemacht haben. Heute genießen sie es, Chefin zu sein. Es ist viel wertvoller, als einfach Gehalt zu bekommen.

StartingUp: Sie sagen, Sie sind eine Kämpfernatur – wie haben sie es geschafft, nicht zu verhärten und die Vorteile der weiblichen Führungskräfte zu erhalten?
Martha v. d. Berg:
Ich weiß nicht. Ich habe sieben Kinder, die halten mich zurück. Die wollen keine verhärtete Mutter. Man darf als Frau keine Angst haben, stramm zu sein. Meine Mitarbeiter wissen, dass ich auch hart und eisern sein kann. Dabei braucht man nicht verhärten. Vielleicht kann ich das mit unserem Führungsleitbild erklären: Es heißt „coming home“. An das sollten sich die Chefinnen anlehnen. Bestimmtes Verhalten würde doch Zuhause auch nicht geduldet werden – wenn jemand immer seine Schultasche in die Ecke wirft oder sich rücksichtslos verhält. Das lässt man doch auch nicht durchgehen. Ebenso müssen sich Mitarbeiter richtig verhalten und eine Chefin muss das durchsetzen. Mit Verhärten hat das nichts zu tun.

Das kostet die Genossenschaft

Das kostet die Genossenschaft

Obwohl zur Gründung einer eingetragenenen Genossenschaft (eG) kein Mindestkapital vonnöten ist – sie kostet Geld. Wie hoch die zu entrichtenden Gebühren genau sind, hängt vom Genossenschafts- bzw. Prüfungsverband ab, dem die Genossenschaft (pflichtmäßig) beitritt und von dem sie geprüft wird. Da die Kosten variieren, lohnt der Vergleich. Dabei sollte allerdings auch geprüft werden, welche Leistungen der Verband bietet (z.B. betriebswirtschaftliche, steuerliche, rechtliche Beratung, häufig auch als preiswerte Paketlösungen).

Folgende Gebühren fallen an:

  • Die Gründungskosten: Je nach Größe der Genossenschaft und in Abhängigkeit davon, ob die Unterlagen zum Zeitpunkt der Gründung vollständig und fehlerfrei vorliegen oder nicht, betragen die Gründungskosten (einmalig) zwischen 1500 und 4000 Euro.
  • Die Mitgliedsbeiträge: Laut Beitragsordnung muss jede Genossenschaft Mitgliedsbeiträge entrichten. Sie staffeln sich nach Unternehmensgröße und betragen pro Jahr zwischen 200 und 1800 Euro.
  • Die Prüfgebühren: Je nach Unternehmensgröße wird der Abschluss der Genossenschaft jedes Jahr oder nur alle zwei Jahre geprüft. Die Kosten dafür variieren je nach Unternehmensgröße und Prüfungsaufwand. Als Minimum sind rund 800 Euro zu veranschlagen.

Quelle: Angelika Noß, Verbandsdirektorin des Prüfungsverbandes der kleinen und mittelständischen Genossenschaften e.V., Berlin

Franchise for sale?

Kann man eigentlich als Franchise-Nehmer seinen Betrieb später verkaufen oder vererben? Wir sind der Frage nachgegangen und sagen, worauf man schon beim Einstieg ins Franchising achten muss.

Franchising ist eine hervorragende Methode zur erfolgreichen Unternehmensgründung. Wer als Franchise-Nehmer sein Unternehmen aufbaut und auf das erprobte Geschäftskonzept eines Franchise-Gebers zurückgreift, vermeidet Fehler. Er kann auf Erfahrung, auf eine eingeführte Marke und auf ein Marketingkonzept zurückgreifen. Häufig stehen ihm günstige Einkaufsbedingungen und ein vereinfachter Marktzugang zur Verfügung. Franchise-Nehmer haben also oft deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber „Einzelkämpfern“.

Probleme bei der Übertragung eines Franchise-Betriebes

Franchise-Nehmer können allerdings auf Schwierigkeiten stoßen, wenn sie ihr Unternehmen auf einen anderen Unternehmer übertragen wollen. Grundsätzlich können nämlich die Rechte aus dem Franchise-Vertrag nicht veräußert werden können, wenn der Franchise-Geber nicht zustimmt. Die „Veräußerung der Rechte“ bedeutet ja in der Praxis, dass ein neuer Franchise-Nehmer als Vertragspartner eingesetzt wird. Gegen den Willen des Franchise-Gebers ist dies undenkbar. Daraus folgt: Ein Franchise-Nehmer darf zwar, wenn der Franchise-Vertrag dies zulässt, seine Betriebsmittel – also z.B. Einrichtung, Maschinen etc. – veräußern. An seiner rechtlichen Stellung als Franchise-Nehmer ändert dies nichts.

Der Verkauf der Betriebsmittel allein ist aber meist wirtschaftlich unattraktiv. Der Erwerber eines Unternehmens zahlt den Kaufpreis nicht für gebrauchte Wirtschaftsgüter, sondern für die Übernahme eines lebenden Unternehmens, also für Kundenstamm, Bekanntheitsgrad, Marktzugang, erwartete Umsätze und Gewinne. Diese Vorteile sind allerdings in der Regel an die Nutzung der Vertragsrechte geknüpft, also an die rechtliche Stellung als Franchise-Nehmer. Wenn der Erwerber nicht zugleich in diese Stellung einrücken kann, lässt sich das Unternehmen nicht sinnvoll veräußern. Dies gilt vor allem dann, wenn die Marke des Franchise-Systems an dem Betriebsstandort einen solchen Bekanntheitsgrad erreicht hat, dass die Übernahme des Kundenstamms an die Verwendung der Marke geknüpft ist. Kundenbeziehungen lassen sich schwerlich zu Geld machen, wenn diese Kunden wegbleiben, sobald das Unternehmen nicht mehr zu dem Franchise-System gehört. Dies gilt erst recht, wenn das Unternehmen in der bisherigen Form sinnvollerweise nur innerhalb des Franchise-Systems fortgeführt werden kann, weil beispielsweise typische Produkte nur von dem Franchise-Geber bezogen werden können.

Das Problem besteht in „doppelter Form“, wenn die Betriebsräume von dem Franchise-Geber angemietet worden sind. Denn der Franchise-Geber muss auch einem Mieterwechsel nicht zustimmen. Mit der Übernahme des Unternehmens wäre dann für den Erwerber (neben der Notwendigkeit, das Erscheinungsbild des Unternehmens zu ändern und die Fortführung außerhalb des Franchise-Systems zu organisieren) auch noch ein Standortwechsel verbunden. Es ist kaum anzunehmen, dass ein Erwerber bereit wäre, angesichts der damit verbundenen Probleme den angestrebten Kaufpreis zu bezahlen.
Erschwerend kommt hinzu, dass ein Franchise-Nehmer vertraglich die Pflicht übernimmt, sein Unternehmen während der Dauer des Franchise-Vertrages aufrecht zu erhalten. Wenn ein Franchise-Nehmer sich durch die Veräußerung der Betriebsmittel selbst außerstande setzt, den Franchise-Vertrag zu erfüllen, macht er sich schadenersatzpflichtig.

Der letzte Spartaner

Der gelernte Tischler und Ex-Boxer Werner Kieser ist einer der weltweit erfolgreichsten Fitnessunternehmer und mit mehr als 150 Studios in neun Ländern ein Pionier des Franchising. Im StartingUp-Interview verrät er seine Franchise-Strategie.

Herr Kieser, wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Krafttraining-Konzept als Franchisesystem zu entwickeln?
1980 stand ich vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Mein Studio war übervoll. Ich musste Interessenten nach Hause schicken oder expandieren. Klein bleiben war durchaus eine Alternative. Aber aus der Sicht einen möglichst großen Kundennutzen zu bieten, entschied ich mich für die Expansion. Damals war das Vertriebssystem Franchising im deutschen Sprachraum praktisch unbekannt. Durch das damals einzige Buch zu diesem Thema, „Das Franchisesystem“ von Gross und Skaupy (Econ) kam ich auf die Idee via Franchising zu expandieren.

Heute haben Sie mehr als 150 Studios in neun Ländern. Was waren die Meilensteine?
Der wichtigste Schritt war der erste: Die Entscheidung zur Selbständigkeit. Der zweite Schritt war – wie gesagt – die Grundsatzentscheidung zur Expansion. Und schließlich der Schritt nach Deutschland und Österreich.

Raten Sie jedem Franchisegeber, seinen ersten Pilotbetrieb erst einmal selbst aufzubauen, wie Sie es seinerzeit gemacht haben?
Unbedingt. Dies aus zwei Gründen: Erstens steckt der Unternehmer zu sehr in der operativen Wahrnehmung seines Betriebes. Der Pilotbetrieb gibt ihm die nötige Distanz um die Umrisse, d.h. das Profil seines Konzepts wahrzunehmen. Zweitens braucht er argumentativ ein Vorzeigeobjekt. Sein von ihm direkt geführter Betrieb ist kein „Beweis“ dass das Konzept auch ohne ihn funktioniert.

Nicht alle Franchisesysteme schaffen die Multiplikation ihres Geschäftsmodells so erfolgreich. Welche Fehler beobachten Sie am häufigsten?
Die drei häufigsten Fehler aus meiner Sicht sind: 1. Mangelhafte Reduktion der Komplexität. Die Hauptvorbereitung eines Modells besteht in der Reduktion. Ein komplexes System hat beim Franchising wenig Erfolgsaussicht. 2. Mangelhafte Ausbildung der Franchisenehmer durch den Franchisegeber. Alle Franchisesysteme verfügen über Handbücher mit den Regeln zur operativen Führung des Unternehmens. Diese Regeln müssen aber in die Köpfe der Franchisenehmer, ansonsten sind sie nutzlos. Die Ausbildung der Franchisenehmer besteht in nichts anderem als eben in der Vermittlung dieser Inhalte und der Überprüfung ob diese Vermittlung erfolgreich war. Hier mangelt es oft an der Konsequenz. 3. Diversifikation und mangelhaftes Zielgruppenbewusstsein: Ist ein System erfolgreich, besteht beim Franchisegeber die Neigung das Angebot zu verbreitern. Dies ist an sich problemlos wenn die Erweiterung dieselbe Zielgruppe anspricht. Sie ist aber fatal, wenn eine neue, andere Zielgruppe angesprochen wird.

Für welche Geschäftsideen bzw. Branchen ist der Aufbau eines Franchisesystems besonders geeignet?
Für Dienstleistungen mit direktem Endverbraucherkontakt.

Muss man als Franchisegeber ganz besondere unternehmerische Fähigkeiten mitbringen?
Zweifellos. Es ist der Blick fürs Ganze, der aber relevante Details nicht übersieht. Ein Franchisegeber mag sich um Details kümmern, die den Mitarbeitern und selbst den Franchisenehmern oft als unbedeutend erscheinen, dem Sinne nach: „Hat der nichts besseres zu tun?“ Bei genauerem Hinsehen kann das „Detail“ für die Zielgruppe des Produkts jedoch den Kaufentscheid auslösen.

Sollte man als Franchisegeber eher Chef oder Partner für die Franchise-Nehmer sein?
Beides, je nach Bereich. Als Unternehmer ist man Partner, als Urheber des Konzepts und als Stratege ist man Chef.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Franchising – Wachstumschancen für KMU“, dass Sie potenziellen Franchisenehmern ihr künftiges Leben erstmal in düsteren Farben aufzeichnen und ihnen raten, ihr Geld anderweitig zu investieren. Nur wenn sie dann noch insistieren, kommen sie in die engere Wahl. Muss diese Abschreckungsstrategie sein?
Ja. Damit stellen Sie fest, ob eine Affinität zum Produkt, bzw. der Marke besteht, die über die monetären Interessen hinausgeht.

Sie schildern als ein häufiges Problem erfolgreicher Franchisenehmer, dass diese ihren Erfolg irgendwann vor allem der eigenen Leistung zuschreiben und die Systemzentrale ab dann nur noch als lästigen Profiteur betrachten. Haben Sie derart schlechte Erfahrungen gemacht?
Das sind keine „schlechten“ Erfahrungen, sondern ganz normale menschliche Reaktionen. Wir neigen dazu, Verdienste uns selbst zuzuschreiben, Fehler aber zu „delegieren“. Das unmittelbare Umfeld des Franchisenehmers – Ehepartner, Verwandte, Freunde und auch Kunden – sehen wie der Franchisenehmer sich bemüht und zollen ihm auch die entsprechende Anerkennung. Denn die Situation ist jetzt eine ganz andere als jene, in der sich der Franchisekandidat beworben hat. Jetzt „weiß“ er wie die Sache läuft und tatsächlich hat sich damit seine Abhängigkeit vom Franchisegeber reduziert. Wichtig ist lediglich, dass schon der Franchisekandidat um diesen möglichen psychologischen Sachverhalt weiß.

Die Einrichtung Ihrer Kraftstudios ist bewusst spartanisch und reduziert. Keine Pflanzen, keine Bar, kein Schnickschnack. Disziplin und Konzentration aufs Wesentliche – sind dies auch Ihre Erfolgsrezepte als Unternehmer?
Nein. Das ist eine Frage, welche Zielgruppe angesprochen werden soll.

In Ihrem Heimatland, der Schweiz, gab es offenbar Probleme mit dem General-Franchisenehmer, so dass Sie dort den Markt komplett neu aufbauen. Wollen Sie uns hierzu ein paar Details verraten?
Der Master für die Schweiz verunglückte vor 10 Jahren tödlich. Seine Erben führten das Unternehmen weiter. Nach zweimaliger Verlängerung von je 5 Jahren lief der Mastervertrag per Ende 2010 aus. Wir haben über einen Kauf verhandelt, sind uns aber nicht einig geworden. Darum haben wir uns entschlossen, den Schweizer Markt direkt zu bearbeiten. Der vormalige Master wird seine Betriebe unter neuem Namen weiterführen.

Vor Ihrer Unternehmerkarriere waren Sie Boxer. Was haben Sie aus diesem Sport für Ihren Job gelernt?
Schwer zu sagen. Vielleicht einstecken und austeilen. Aber das bringt man schon mit, sonst würde man gar nicht erst mit Boxen anfangen.

Mit nun 70 Jahren könnten Sie – wie es so schön heißt – Ihren „wohlverdienten“ Ruhestand beginnen. Was halten Sie von einer derartigen Perspektive?
Nicht allzu viel. Ich hatte das Glück (oder mich so eingerichtet), neben meiner unternehmerischen Tätigkeit zahlreichen anderen Interessen wie Philosophie, Literatur, Kunst und Handwerk nachgehen zu können. Deshalb kam bei mir nie die Perspektive auf: „Wenn ich mal in Pension gehe, werde ich …“

Erfolg als Franchise-Geber

Sie haben ein gut gehendes Produkt und überlegen, wie Sie den Erfolg schnell skalieren und multiplizieren? Dann bauen Sie doch ein Franchise-System auf. Was Sie beachten sollten, um erfolgreich als Franchise-Geber zu starten.

Rund 940 Unternehmen gibt es derzeit am Markt, die bei ihrer Expansion auf Franchise-Nehmer (im Folgenden auch als Franchise-Partner bezeichnet) setzen. Die wohl bekanntesten unter ihnen sind McDonald’s, Subway und Kentucky Fried Chicken – denn Franchise kommt ursprünglich aus den USA. Ende der 1960er Jahre entstanden auch bei uns in Deutschland die ersten Franchise-Systeme. Inzwischen gibt es keine Branche mehr ohne Franchising.

Das Prinzip von Franchise-Systemen

Neue Konzepte und Franchise-Marken entstehen derzeit insbesondere in den Zukunftsmärkten Gesundheit und Umwelt – Beispiele sind Pflegeagenturplus (spezialisiert auf die Vermittlung von Betreuungs- und Haushaltshilfen aus Osteuropa) oder Enerix (Franchise-System für erneuerbare Energien). Das Prinzip von Franchise dabei ist einfach und durch eine klare Aufgabenteilung gekennzeichnet: Der Franchise-Geber entwickelt, führt und koordiniert das System mit einem lokal und/oder regional erfolgreichen Unternehmenskonzept. Er stellt seinen Franchise-Nehmern das notwendige Know-how für die erfolgreiche Erschließung des lokalen und regionalen Marktes mit einem zentralen Marketing, einer einheitlichen Werbung, meist auch mit einem Großhandel sowie einer kaufmännischen Beratung zur Verfügung. 

Eine professionelle Aus- und Weiterbildung der Franchise-Nehmer und oft auch deren Mitarbeiter sorgen für den nachhaltigen Erfolg. Der Franchise-Nehmer hingegen übernimmt die Rolle des lokalen Unternehmers, der an seinem Markt nach dem vorgegebenen Unternehmenskonzept expandiert. Er setzt die Markenwelt und damit die Geschäftsidee um. Er versteht sich als lokaler und regionaler „Markterschließer“, der für seine Kunden und damit vor allem für den Vertrieb, dessen Organisation und die Leistungserstellung zuständig ist. Einher geht damit seine dauerhafte Aufgabe und unternehmerische Perspektive, in seinem Gebiet kontinuierlich auch mit eigenen Filialen zu expandieren. 

Businessplan-Vorlagen

Hier finden Sie Businessplan-Vorlagen – alphabetisch nach Branchen sortiert – zum kostenpflichtigen Download von unserem Partner Formblitz:

Co-Working kann viel mehr sein als ein Schreibtisch zur Miete

Co-Working-Spaces sind hierzulande fester Bestandteil der Start-up-Szene. Wer sich kein Büro leisten kann oder will bzw. nicht den ganzen Tag alleine arbeiten möchte, kann sich in größeren wie kleineren Städten problemlos einen Arbeitsplatz in einem Co-Working-Space anmieten. Ausführlich haben wir darüber berichtet in der Ausgabe 01/13 von StartingUp.

Das Co-Working-Konzept an sich ist sinnig und in der Praxis oft gut umgesetzt, es beinhaltet aber auch einige Nachteile. Wer einfach nur einen Schreibtisch außerhalb der eigenen vier Wände sucht, an dem er in Ruhe arbeiten kann, ist in einem klassischen Co-Working-Space mit Sicherheit gut aufgehoben. Dort kann er dann etwa seine Kopfhörer aufsetzen und ungestört an seinem Projekt tüfteln. Leider bleiben dabei jedoch häufig der Austausch, das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung auf der Strecke.
Darüber hinaus sind viele Co-Working-Spaces groß und damit tendenziell unpersönlich, sodass man dort nicht einmal die Namen der anderen Mitglieder kennt. Letztlich ist man in solchen Einrichtungen also allein, trotz bzw. wegen der vielen Personen um einen herum, und entsprechend viel Co-Working-Potenzial bleibt ungenutzt. Da hilft es leider auch nicht, dass viele Spaces versuchen, die Gemeinschaft zu fördern, indem sie regelmäßige Treffen und Events für die Mitglieder veranstalten: Denn viele der „Kollegen“ bleiben dennoch anonym bzw. wollen es bleiben. So verkümmert das eigentliche Co-Working-Potenzial nicht selten zum reinen Arbeitsplatz auf Zeit.


Das Creative-Loft-Konzept – Ein Co-Working-Ort der etwas anderen Art

Das Berliner Idea Camp war mit der eingangs geschilderten Situation unzufrieden und hat sich mit alternativen Konzepten beschäftigt. Kurzum wurde vor wenigen Monaten das Creative Loft, ein Künstler-Loft mitten in Berlin am Moritzplatz angemietet, um die Vision vom persönlichen Co-Working in die Realität umzusetzen. 
Das ambitionierte Konzept der Anbieter: Es geht nicht nur um das effektive Arbeiten, sondern es soll eine wirkliche Gemeinschaft entstehen, in der sich die Personen nicht nur kennen, sondern auch gegenseitig unterstützen. Optimalerweise weiß jeder, wo der andere gerade in seinem Projekt steht und kann ihn gezielt unterstützen. Auf diese Weise soll nicht nur der Einzelne wachsen, sondern die Gemeinschaft gleich mit. So soll ein reger Austausch stattfinden - nicht nur von Wissen, sondern auch von hilfreichen Kontakten.
Der Raum wurde und wird durch das Feedback der Mitglieder (weiter)entwickelt, um sicherzustellen, dass jeder den für sich optimalen Arbeitsplatz vorfindet. Besonderen Wert legt das Team darauf, dass das Loft sich nicht zu einem reinen Büro entwickelt. Vielmehr soll es ein gemütliches Wohnzimmer sein, in dem Freunde gemeinsam arbeiten, aber auch einfach nur einen Tee trinken oder Leute treffen können. 
Dazu gehört es auch, dass jeder seinen eigenen Schlüssel bekommt und somit kommen und gehen kann, wann er will. Es gibt keine Tageskarten, wie es sonst oft üblich ist, sondern man wird Teil der Gemeinschaft.