Zurück auf Anfang: Vom etablierten Unternehmen zum Start-up


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Wie ein etabliertes Unternehmen sich und sein Geschäftsmodell neu erfunden hat und Start-up-Kultur lebt.

Luftfracht-Logistik ist das Business von Easy

Rein faktisch gesehen ist ein Start-up ist eine Unternehmensgründung mit einer innovativen Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial. Aber oftmals werden auch neugegründete Tech-Unternehmen, die nur eine Idee kopieren, als Start-up bezeichnet. Daher die Frage: Kann nicht auch ein etabliertes Unternehmen zum Start-up werden? Oder fehlt da die Start-up-Mentalität? Der Luftfracht-Logistiker Express Air Systems (Easy) hat eine solche „Verjüngungskur“ vorgenommen, sein Geschäftsmodell auf den Kopf gestellt und mit innovativen Ideen nochmal von vorne angefangen!

Transformation: Vom Spediteur zur Meta-Suchmaschine

Express Air Systems (Easy) wurde 1981 in der Nähe des Frankfurter Flughafens gegründet und beschäftigte sich seit jeher als eine Art Broker von Express-Fracht für seine Anteilseigner Schenker und Kühne & Nagel. Im Jahr 2017 fand ein Geschäftsführerwechsel und damit auch die komplette Neuausrichtung der Firma statt. Mehr als ein Facelift – eine digitale Transformation!

Das Ergebnis davon ist der neue Online-Luftfrachtmarktplatz des Unternehmens, der mit innovativen und flexiblen Schnittstellenlösungen diverse TMS- und Buchungssysteme verbindet. So können über das Portal Expressfracht-Konditionen und Transitzeiten auf einen Blick verglichen und direkt gebucht werden. Der Kunde erhält so eine transparente und schnelle Entscheidungsgrundlage. Für Spediteure bedeutet dies eine große Arbeitserleichterung, enorme Vereinfachung und Beschleunigung der Luftfracht-Abwicklung.

Die zweite digitale Lösung von Easy betrifft die Abfrage für sog. Spot-Quotations für individuelle Luftfracht Kapazitätsanfragen, die z.B. durch hohe Tonnagen, kurze Lieferzeiten und Gefahrgut gekennzeichnet sind. Eine über das Portal gestellte individuelle Anfrage wird standardisiert und automatisiert an die infrage kommenden Airlines weitergegeben. Die Fluggesellschaften geben standardisiert eine Quotierung ab, die vom Kunden unmittelbar gebucht werden kann. Aufwändiges Anfragen verschiedener Airlines entfällt damit.

Das Mindset ist ausschlaggebend

Für Express Air Systems ist es eine substanzielle Veränderung des Geschäftsmodells – also eine echte digitale Transformation, die für alle Marktteilnehmer Herausforderungen zur Folge hatte und hat. „Hinter dieser Entwicklung stecken drei Jahre harte Arbeit“, berichtet Geschäftsführer Frederik Luz „und eine komplette mentale und strukturelle Umstellung des Unternehmens. Solche technologische Innovationen sind nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen und das Mindset stimmen. Die Anteilseigner müssen zunächst bereit sein, das Unternehmen neue Wege gehen zu lassen und dem Management muss die Zeit und das Vertrauen gegeben werden, diesen Weg zu gehen“, berichtet Luz weiter.

Verzicht auf Titel, Status und Privilegien

Start-ups punkten in der Regel mit flexiblen Arbeitsmodellen wie Home Office oder Remote Work sowie einer Mischung aus festangestellten Mitarbeitern und Freelancern. Diesen Ansatz verfolgte auch Easy. Freelancer wurden in die Unternehmensabläufe eingebunden, wie eigene Mitarbeiter. „Nur durch die Kombination von internen und externen IT-Experten und Mitarbeitern, die jahrelange Luftfrachterfahrung haben und daher auch wissen, welche Informationen, wichtig und nötig sind, konnten wir ein Produkt erschaffen, das für alle Marktteilnehmer relevant und intuitiv nutzbar ist“, so Luz.

Gerade im Team ist eine solche Verjüngungskur zuweilen eine Herkulesaufgabe. „Das Team muss nachvollziehen und motiviert sein, eine solche neue Ausrichtung mitzutragen. Es wurden neue Jobprofile und damit auch neue Aufgaben aufgestellt. Wir haben flache Hierarchien geschaffen, direkte Kommunikation ermöglicht und damit natürlich auch gewisse Privilegien abgeschafft. Ein wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist, dass man alle Veränderungen selber vorlebt und falls erforderlich auf Privilegien, Titel oder Status Symbole verzichtet“, so Luz weiter.

Auch die Bürostruktur wurde komplett umgestaltet. „Wir haben auf ein offenes Bürokonzept mit Kommunikations- und Gemeinschaftsräumen gesetzt und alle Unterlagen digitalisiert“, erläutert der Geschäftsführer. Mitarbeiter, die eine solche Neuausrichtung nicht mitgehen konnten oder wollten, haben das Unternehmen verlassen.

Start-up-Feeling auch ohne cooles Loft

Jung, hipp und im Loft: So stellen sich landläufig viele Menschen Start-ups vor. Ein Klischee, das nicht ganz der Realität entspricht. Es gibt zwar viele innovative Neugründungen, in denen das Durchschnittsalter des Teams bei 25 Jahren liegt, aber dies ist keine Voraussetzung. Wie verschiedene Erhebungen herausfanden, ist das Alter der Start-up-Gründer in der Regel zwischen 30 und 40. „Die Mentalität muss stimmen, die Bereitschaft viel Kraft und Energie in das Unternehmen zu stecken und eine gewisse Start-up-Erfahrung schadet auch nicht“, fasst Frederik Luz zusammen.

Auf diese kann der easy Geschäftsführer zurückblicken, bereits im Jahr 2000 war er einer der Mitbegründer vom Onlineauktionshaus qxl.ricardo, war jahrelang Geschäftsführer Vertrieb des Lufthansa Cargo Spin-offs time:matters und trieb als Geschäftsführer International beim Logistiker Flash Europe die Gründung und Entwicklung von Niederlassungen in neuen europäischen und außereuropäischen Ländern voran. „Auch wenn wir kein neugegründetes Unternehmen sind, so leben wir doch eine Start-up-Kultur – auch ohne Loft –, haben eine technische Innovation mit Wachstumspotenzial entwickelt und erfüllen in vielerlei Hinsicht die klassischen Start-up-Kriterien“, erklärt Luz abschließend.

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