Collaboration is the new Competition

Autor: Prof. Bastian Halecker
44 likes

Warum Start-ups und Corporates jetzt gemeinsame Sache machen sollten. Mit Experten-Interview.

Die Wirtschaft steht unter einem enormen Veränderungsdruck. Die Hauptursache dafür ist die digitale Transformation. In der aktuellen Krise hat der Wandel noch einmal an Geschwindigkeit zugelegt. Wo die Reise hingeht, weiß noch niemand genau. Die Gleise sind noch nicht einmal vollständig verlegt, aber der Zug rast schon davon. Und damit wächst auch in den Chefetagen etablierter Unternehmen das Bewusstsein: Wir müssen schneller, resilienter werden und agiler. Start-ups erscheinen in dieser Situation als natürliche Verbündete. Und tatsächlich bietet die Krise eine einzigartige Chance für die Zusammenarbeit zwischen Dinos und Einhörnern. Allerdings nur, wenn es gelingt, Missverständnisse zwischen den ungleichen Partnern zu vermeiden.

Leidenschaft und ungewöhnliche Methoden

Start-ups stehen für Leidenschaft und ungewöhnliche Methoden. Innovative Gründer versuchen nicht, die Zukunft vorauszusagen, sondern fahren auf Sicht. Sie hinterfragen das Bestehende, formulieren Hypothesen und Fragestellungen, machen Experimente und probieren Neues aus. Ihre Agilität befähigt sie dazu, mit Ungewissheiten und tiefgreifenden Veränderungen umzugehen. Doch auch die „jungen Wilden“ können von der Kooperation mit den etablierten Unternehmen nachhaltig profitieren. Denn der deutsche Mittelstand hat einzigartige Stärken. Es muss nur gelingen, diese in der neuen, digitalisierten Welt auszuspielen.

Keine Zeit mehr für Hidden Champions

Das Modell des deutschen Mittelstands ist einzigartig in der Welt. Lange Zeit lag das Erfolgsrezept der oft inhabergeführten und traditionsreichen Unternehmen darin, in einer Nische ein überragendes Produkt zu entwickeln. Die Globalisierung ermöglichte es vielen dieser Unternehmen, zum spezialisierten Lieferanten für die ganze Welt zu werden. Skalierbarkeit und Effizienz gewannen an Bedeutung. Als sog. Hidden Champions brachten sie es durch beharrliche und gründliche Arbeit in der Nische zu Wohlstand und Marktführerschaft.

Doch im digitalen Zeitalter gelten andere Regeln. Nun spielen Netzwerkeffekte eine übergeordnete Rolle und häufig gilt das Prinzip: „The Winner takes it all“. Wenn Größe und Reichweite im Vordergrund stehen, bedeutet das für mittelgroße Unternehmen jedoch eine enorme Herausforderung. Das Internet macht nahezu jede Nische transparent. Das führt zu mehr Wettbewerb als je zuvor. Keine Nische ist mehr sicher. Jedes Unternehmen hat gefühlt doppelt so viele Konkurrenten wie noch vor fünf Jahren. Start-ups drängen als neue Player in Märkte, die bisher wenig Beachtung fanden. Das heißt: Für die sog. Hidden Champions ist die Zeit des Versteckens vorbei.

Die Welt der Plattformen

Unsere Welt wird zunehmend von Plattformen dominiert. Die Unternehmen dahinter besitzen in der Regel vergleichsweise wenige physische Assets. Trotzdem bestimmen sie die Richtung. Sieben der zwölf größten Unternehmen sind Plattform-Unternehmen. Alibaba, Alphabet (Google), Amazon, Apple, Facebook, Microsoft und Tencent gehören zu den wertvollsten Unternehmen der Welt, hinzu kommen die großen Start-up-Einhörner wie zum Beispiel Airbnb oder Uber.

Plattformen agieren als Intermediäre für den direkten Austausch zwischen zwei oder mehr Parteien. Sie bringen Angebot und Nachfrage mittels Technologie zusammen und vereinfachen die Abwicklung. Für die Verbraucher schaffen die Plattformen Convenience. Gleichzeitig nehmen sie den Anbietern Aufgaben ab, etwa die Kundenakquisition oder die Abrechnung. Nun geht es um die Frage: Wer „besitzt“ und dominiert die Kundenschnittstelle? Wer den Kunden fortlaufend analysieren kann, lernt ständig dazu und kann neue Services und Geschäftsmodelle ableiten.

Diese Entwicklung drängt in alle erdenklichen Markt- und Produktnischen. Künstliche Intelligenz und weitere Deep-Tech-Entwicklungen befeuern diese Dynamik, weil es durch die Analyse größerer Datenmengen noch besser möglich ist, den Nutzer zu verstehen. Für Corporates wird es dadurch immer schwieriger, Entwicklungen vorherzusehen und langfristig zu planen. Konnten die Unternehmen früher darauf vertrauen, mit einer einmal entwickelten Innovation für mehrere Jahre einen Vorteil zu haben, bleiben ihnen heute meist nur noch ein paar Monate. Daraus ergibt sich die Gefahr, in die Irrelevanz gedrängt zu werden. Das Unternehmen produziert zwar weiter seine Waren, doch die Plattformen kontrollieren den größten Teil der Lieferkette – und verdienen das Geld.

Meist fällt es dem Management etablierter Unternehmen schwer, diese Transformation als unabwendbare Entwicklung anzunehmen. Die Führungsebene verzettelt sich dann zum Beispiel in Definitionen oder ergebnislosen Strategieüberlegungen. Ich halte es für unvermeidbar, dass Unternehmen, die nicht auf einen größer angelegten Experimente-Ansatz setzen, auf kurz oder lang verlieren werden. Doch warum tun sich die Unternehmen damit so schwer? Ein Grund ist ihre Kultur. Das ist kein Wunder, wurde doch in diesen Organisationen bisher ein langfristig planender, auf Wissen und Rationalität basierender Ansatz als das Maß aller Dinge hochgehalten.

Konfliktpotenzial: Prozesse vs. Produkte

Corporates funktionieren auf der Grundlage von Prozessen. Ein Prozess beschreibt alle Arten von Schritten und Tools, die es Unternehmen erlauben, ihre Execution zu skalieren. Prozesse sind immer großartig, wenn sowohl das Problem als auch die Lösung bekannt ist. Sie helfen sicherzustellen, dass ein Bereich skaliert werden kann, ohne andere Teile der Organisation zu stark zu beeinträchtigen. Das reduziert die Risiken auf der Ebene der Gesamtorganisation. Doch dieses Vorgehen hat einen Nachteil: Ihm fehlt die Fähigkeit, agil zu sein und schnell auf Opportuni­täten oder Gefahren zu reagieren. In Zeiten der digitalen Transformation geht es aber nun vor allem darum, schnell zu handeln, und dabei mit vielen unbekannten Faktoren umzugehen.

Hinzu kommt der zunehmende Konflikt zwischen Prozess und Produkt. Mit wachsender Größe einer Organisation steigt die Gewichtung des Prozesses gegenüber dem Produkt. Mit Produkt meine ich hier vereinfacht die Schaffung von neuer Hard- oder Software, von neuen Services oder Tools. Produkte werden nicht von denselben Leuten gemacht, die die Prozesse managen. Weil das Management jedoch von „Prozess-Menschen“ dominiert wird, stehen diese in der Corporate-Hierarchie in der Regel über den „Produkt-Menschen“. In Start-ups ist das anders. Hier richtet sich zunächst einmal alles am Produkt und der Suche nach dem Fit mit dem Markt aus. Erst in der späteren Phase der Skalierung spielen dann auch Prozesse eine zunehmende Rolle. Allerdings sind diese weiterhin sehr agil und bei digitalen Produkten meist anders aufgesetzt als bei Corporates.

In der aktuellen Krise kann man beobachten, dass sich große Unternehmen schwer damit tun, unter Beschuss zu stehen. Die kleinen Player reagieren hingegen viel schneller auf die neuen Herausforderungen. Das bringt auch die Machtverhältnisse zwischen etablierten Organisationen und Start-ups in Bewegung. Große und kleine Player finden sich nun auf Augenhöhe wieder.

Neue Verhältnisse, neue Handlungsweisen

Erfolgreiche Start-ups verfügen über besondere Methoden, Zugang zu Technologien und spezielles Wissen. Doch die Corporates kennen ihre Branchen und Märkte, von ihrem teilweise über Jahrzehnte aufgebauten Know-how können die Neuen profitieren. Sie verfügen damit vor allem über den Zugang und das Wissen um ein relevantes Problem. Dieses gilt es mit neuen Methoden und Technologien von Start-ups zu vereinen. Damit wird das Thema Kollaboration umso wichtiger. (Davon spreche ich in meinem Buch „Dino trifft Einhorn“, s. den Buchtipp auf S. 75), wenn ich sage: Collaboration is the new Competition. Denn die neuen Verhältnisse verlangen neue Handlungsweisen.

Für Corporates gibt es also viele Gründe, die Zusammenarbeit mit Start-ups zu suchen. Die  Suche nach geeigneten Partnern beginnt in der Regel online. Mithilfe einschlägiger Datenbanken und Websites kann ein Unternehmen schnell einen ersten Überblick bekommen. Das kann der Startpunkt für den Aufbau eines Start-up-Relationship-Managements (SRM) sein. Damit ist ein systematischer Engagement-Prozess gemeint, bei dem es darum geht, den Start-ups ein spezifisches Interface und damit eine konkrete Anlaufstelle im Unternehmen zu schaffen. Erfahrungsgemäß ist das Fehlen transparenter Anlaufstellen ein häufiger Grund für das spätere Scheitern solcher Bemühungen. Initial sollten sich Corporates – unabhängig von ihrer Größe und Branche – ein Zielbild aufbauen. Welche Erwartungen werden an die Start-ups gestellt? Bei echtem Interesse sollte das Unternehmen einen groben Zwei- oder Dreijahresplan dazu entwickeln, inklusive Metriken und Budgets. Denn der Aufbau eines SRM benötigt Zeit und Ressourcen. Wichtig: Für die Start­-ups muss erkennbar gemacht werden, welchen Mehrwert sie selbst aus einer möglichen Zusammenarbeit ziehen. Deshalb sollten die Ziele offen kommuniziert werden.

Noch fehlt der Erfolg in der Breite

Das ist längst nichts Neues mehr. Die Phase des Beschnupperns ist eigentlich schon wieder vorbei. Zahlreiche Pilotprojekte und Partnerschaften sind in den letzten Jahren entstanden. Mittels Inkubatoren und Accelerators wollen die Etablierten den Nachwuchs unterstützen und an sich binden – mit insgesamt durchwachsenem Ergebnis. Abgesehen von einigen Leuchttürmen fehlt immer noch der Erfolg in der Breite. Woran liegt das? Vor allem an Missverständnissen. Für die Zusammenarbeit gibt es keine Silver Bullet Solution. Die Kunst besteht im Wesentlichen darin, das richtige Problem mit der richtigen Lösung zusammenzubringen.

Gerade das Problem wird bei vielen oft unterschätzt, es geht viel zu schnell um die Lösung. Es geht darum, dringliche Probleme der Nutzer in Nischen zu identifizieren und Produkte für deren Lösung zu entwickeln. Ein solches Problem sollte möglichst wiederkehrend sein oder zumindest eine gewisse Häufigkeit aufweisen. Die Dringlichkeit des Problems sollte hoch sein. Oder anders ausgedrückt: Das Pain-Level der jeweiligen Nutzer muss bereits einen gewissen Grad erreicht haben, sodass sie nach einer Lösung suchen und ein passendes Produkt annehmen werden. Im Idealfall verschärft sich das Problem oder gewinnt anderweitig an Relevanz. Die Lösung des Problems muss einen gewissen Grad an Wert haben, also möglichst „teuer“ sein. Ein erfolgreiches Start-up entwickelt daraus ein Produkt.

Kern-Assets von Corporates

Zu den Kern-Assets von Corporates gehören ihre Vertriebspower, Marktzugänge sowie das über Jahrzehnte aufgebaute Branchen-Know-how. Daran sind die Start-ups am meisten interessiert, da es für sie in der Regel extrem schwierig ist, einen effektiven Vertriebskanal zu finden oder aufzubauen. Das gilt insbesondere für den immer wichtiger werdenden B2B-Bereich. Hier kann ein etabliertes Unternehmen seinen Benefit einbringen bzw. in Richtung Start-ups „verkaufen“. Ein Start-up kann sich mithilfe der Corporates als Partner in der Breite und in der Tiefe eines spezifischen Industriebereichs ausprobieren. Letztlich spart das Start-up enorme Ressourcen und kann schneller skalieren.

Erfolg per Venture-Client-Ansatz

Erfolgversprechend ist der Venture-Client-Ansatz. Das kann in der Praxis bedeuten, dass Venture Capitalists oder Acceleratoren in der initialen Phase agieren und die komplexe Arbeit des Aufbaus des Produkts erledigen. Etwas später kommen die Corporates als erste große Kunden hinzu, nachdem das Start-up zum Beispiel ein Accelerator-Programm verlassen hat. Sie kaufen dann meist den ersten Produktentwurf ein und testen damit die Lösung in einem realen Umfeld unter Echtzeitbedingungen. Die Start-ups werden in dieser Konstellation zu echten Zulieferern, bekommen eine Lieferantennummer etc. Die Corporates hingehen erhalten einen exklusiven Zugang zu neuen Lösungen, die sie ausprobieren können. So sparen sie sich aufwändige, langwierige Entwicklungsarbeit und lernen, was an der neuen Lösung funktioniert und was nicht.

Tipp zum Weiterlesen: Bastian Halecker, Dino Trifft Einhorn: 55 Dinge, Die Unternehmen und Start­ups voneinander lernen müssen, um erfolgreich zu sein, ISBN: 979-8-6761-3581-2, Independently Published 2020, 17 Euro

Der Autor Prof. Dr. Bastian Halecker ist aktiver Connector zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen. Zudem ist er Geschäftsführer des German Deep Tech Institutes.


INTERVIEW: NEUE WEGE GEHEN UND GAS GEBEN

Im StartingUp-Interview: Bernhard Schindler, Co-Founder der SalsUp GmbH und Co-Initiator von The Grow

Wann und wie bist du zum Thema Collaboration zwischen Start-ups und Corporates gekommen?

Eigentlich schon vor knapp sieben Jahren, denn da hatte ich in meinem ersten Start-up bereits viel mit dem Mittelstand zu tun. Ich habe festgestellt, dass die Problematik vorherrscht, wie man mit Gründer*innen umgeht. Zwar war spätestens nach der Wirtschaftskrise 2008 klar, dass hier Vorzeige-­Start-ups wie Zalando entstanden sind. Es war jedoch nicht klar, wie man als etabliertes Unternehmen mit diesen Gründer*innen in den Austausch treten kann oder soll. In meinem zweiten Start-up habe ich dann festgestellt, wie hart es ist, sich in Gesprächen zu positionieren und wie lange ich später selbst benötigt habe, um mit anderen Start-ups zu kooperieren, nachdem wir stark gewachsen waren. Die Thematik beschäftigt mich also schon lange, und ich wusste, wenn ich wieder etwas Neues auf die Beine stelle, wird es eine Matching-Plattform sein. Aber anders als alle anderen. Voll digital, mit groß angelegtem Austausch, Spiel, Spaß und Spannung.

Mit SalsUp bringst du seit Juni 2020 Start-ups, Mittelstand und Sales Angels zusammen. Was hast du hier bislang erreicht?

Wir haben es als Start-up selbst vorgemacht. Dass wir es trotz Krise und Gegenstimmen geschafft haben. Dank unseres großartigen Teams haben wir über 92.000 Start-ups auf unserer Plattform – und es werden täglich mehr. Durch unsere Whitelabel-Lösung konnten wir ein Netzwerk an Hochschulen und Verbänden im DACH-Raum aufbauen. Zudem haben wir Anfragen von weiteren Ländern erhalten, die sich für Sals­Up interessieren. Einer der größten Erfolge wird in Kürze veröffentlicht: unsere Live Pitch Rooms. Eine Weltneuheit, die es Unternehmer*innen und Start-ups ermöglicht, an sämtlichen Events anderer User*innen teilzunehmen. Wir verzahnen dadurch die Welt und schaffen ein einzigartiges Ökosystem.  Eine breite Vernetzung spielt bei all diesen Punkten eine entscheidende Rolle und kann jedem Gründer und jeder Gründerin nur ans Herz gelegt werden.

Hand aufs Herz: Bist du von diesem Mega-Erfolg nicht selbst etwas überrascht?

Ich weiß nicht, ob es Erfolg ist oder einfach das Ergebnis einer hochklassigen Arbeitsweise. Oder auch ein Verdrängen der permanenten, täglichen Corona-Berichte in den Medien. Wir haben uns auf ein freudiges Tun mit einem sagenhaften Team fokussiert, und damit konnte das Ergebnis nur erfolgreich sein.  Doch darauf darf man sich keinesfalls ausruhen, denn es muss immer weitergehen. Ohne die Flamme im Herzen wird das nichts.

Das Thema lässt dich nicht los. Anfang 2021 hast du mit Gerold Wolfarth The Grow auf die Beine gestellt. Was ist und will The Grow?

The Grow ist Europas größte Roadshow. Wir wollen damit das Thema Innovationssicherung für den Mittelstand in den Vordergrund stellen. Unternehmen müssen mit den Gründer*innen von heute und morgen in Kontakt treten, um ihren Fortbestand zu sichern. Mittelständlern drücken sich gern vor dieser Thematik, stellen halbherzig einen Innovationsmanager ein oder zahlen für teures Consulting. Doch gemeinsam mit Gerold Wolfarth möchte ich Start-up-Kooperationen sexy machen. Durch spannende Events, das Kennenlernen und Verstehen der Innovationsmacher und durch Diskussionen mit führenden Politiker*innen und Entscheider*innen. Wir wollen uns aktiv einbringen und Europa mittels unserer Event-Reihe, des Entrepreneurs Clubs, des The Grow Magazins und vielen weiteren Initiativen verzahnen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Was sagst du Start-ups, die noch unschlüssig sind, ob sie mit dem „Dino“ Mittelstand kooperieren sollten?

Ganz klar: Nicht 100 verschiedene Sachen selbst versuchen, sondern sich bei uns anmelden und die innovativen Produkte sichtbar machen. Allein auf den Mittelstand zu warten, ist schwer – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Heute sehe ich das aus einem anderen Blickwinkel, denn SalsUp ist ein Bindeglied zwischen beiden Parteien, und darauf sind wir stolz. Gründer*innen müssen Tag und Nacht agieren. Wer das nicht schafft, sollte lieber überlegen, einen anderen Job anzunehmen. Das ist nicht negativ gemeint. Aber wenn man als Start-up erfolgreich werden möchte, muss man eben neue Wege gehen und Gas geben.


Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Printausgabe von StartingUp - Heft 02/21 - ab dem 20. Mai 2021 im Handel oder jederzeit online bestellbar über unseren Bestellservice - auch als ePaper erhältlich.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Das Metaversum – ein Buch mit sieben digitalen Siegeln?

David Touve, leitender Direktor des Batten-Instituts der Darden School of Business, University of Virginia, und Experte für neue Technologien und digitale Erfahrungen, beantwortet Fragen zum aufkommenden Metaversum.

Als das früher als Facebook bekannte Unternehmen im Oktober Pläne ankündigte, seinen Namen in Meta zu ändern, erklärte es, dass dieser Schritt seine Absicht besser widerspiegeln würde, "das Metaversum zum Leben zu erwecken und Menschen dabei zu helfen, sich zu vernetzen, Gemeinschaften zu finden und Unternehmen aufzubauen". Diese drastische Umstellung eines der wertvollsten Unternehmen der Welt löste alle möglichen Kommentare und Spekulationen aus und warf ebenso viele Fragen wie Antworten auf. Zu den wichtigsten Fragen gehören: Was genau ist das Metaversum und warum hat Facebook seine Zukunft jetzt auf diesen Bereich ausgerichtet?

WAS IST DAS METAVERSUM, SO WIE SIE DAS AKTUELLE PROJEKT VON FACEBOOK VERSTEHEN?

Um das Konzept eines "Metaversums" zu verstehen, kann es hilfreich sein, zunächst an einen gemeinsam genutzten virtuellen Raum zu denken: von einem Chatroom bis hin zu Spielen wie Minecraft und Fortnite. Diese Räume unterscheiden sich zwar in Bezug auf den Reichtum der virtuellen Erfahrung - Text, Audio, Video, visuelle Details, Raumgefühl, Aktionen, die man durchführen kann, usw., bieten aber alle die Möglichkeit für mehrere, wenn nicht sogar Millionen von Menschen gleichzeitig in einer Online-Umgebung in Verbindung zu treten.

Wenn Facebook, heute Meta, sich auf das Metaversum bezieht, geht es einfach ein paar Schritte weiter. Metas Vorstellung von diesem Metaversum scheint von der immersiven Erfahrung inspiriert zu sein, die man sich vorstellte, als das Wort vor fast 30 Jahren in dem Buch Snow Crash von Neal Stephenson geprägt wurde. Die Struktur der Plattform - und vor allem, von wem sie betrieben wird - ist jedoch unterschiedlich.

Die Erfahrung des Metaversums soll sehr immersiv sein und durch die Verschmelzung von erweiterter und virtueller Realität das Gefühl vermitteln, an einem anderen Ort zu sein. Im Gegensatz zu virtuellen Welten wie Minecraft und Fortnite sowie dem Metaverse in Snow Crash, die sich im Besitz eines einzigen Unternehmens befinden, beschreiben Zuckerberg und andere Tech-Führungskräfte eine Plattform, die mit dem Internet vergleichbar ist - eine zugrunde liegende und ermöglichende Infrastruktur, die sich nicht im Besitz eines einzelnen Unternehmens befindet und von diesem betrieben wird.

Stattdessen würde das Metaversum durch eine Reihe von zugrundeliegenden Regeln und eine breite Palette von Technologien ermöglicht, die es einer Vielzahl von Geräten und Software erlauben, sich zu verbinden und diese gemeinsamen Erfahrungen zu schaffen, genau wie eine Reihe von für den Benutzer meist unsichtbaren Protokollen das Internet ermöglichen, über das wir heute eine Reihe von Diensten in Anspruch nehmen.

Mit anderen Worten: Diese Plattform wäre nicht das Metaverse von Meta. Stattdessen würden Unternehmen wie Meta gemeinsame Erlebnisse auf einem Planeten unter Tausenden, wenn nicht Millionen anderer virtueller Reiseziele im größeren Metaverse betreiben.

DIE VIRTUELLE REALITÄT WIRD SEIT JAHRZEHNTEN IMMER WIEDER ALS „THE NEXT BIG THING“ GEPRIESEN. GIBT ES IRGENDEINEN GRUND ZU DER ANNAHME, DASS WIR UNS AUF EINE GRÖSSERE AKZEPTANZ ZUBEWEGEN KÖNNTEN?

Ähnlich wie die künstliche Intelligenz, die sich langsam entwickelt, ist auch die virtuelle Realität als reale Erfahrung schon sehr lange auf dem Vormarsch. Stereoskope führten Mitte des 18. Jahrhunderts 3D-Erlebnisse ein, zunächst mit Zeichnungen und später mit Fotografien. Hollywood experimentierte in den 1960er Jahren mit immersiven Filmerlebnissen, wie dem Sensorama. Die Air Force finanzierte in den 1970er Jahren die Entwicklung von 3D-Flugsimulatoren. Ironischerweise wurde eine der ersten VR-Brillen, die in den späten 1980er Jahren entwickelt und verkauft wurden, als "EyePhone" bezeichnet.

In jüngster Zeit gibt es meiner Meinung nach Anzeichen dafür, dass wir uns seit dem Jahr 2000 auf ein größeres Interesse an diesen immersiven Erlebnissen und die technischen Möglichkeiten dafür zubewegen. Allein Fortnite verzeichnete im Zeitraum von einem Jahr zwischen Frühjahr 2019 und Frühjahr 2020 100 Millionen neue Nutzer, womit sich die Gesamtzahl der registrierten Nutzer auf 350 Millionen erhöhte. Zum Vergleich: Second Life, eine virtuelle Welt, die 2002 ins Leben gerufen wurde, brauchte vier Jahre, um auf nur eine Million registrierte Nutzer zu kommen. Die Nutzerbasis von Second Life betrug 2006 etwa 0,08 Prozent der gesamten Internetbevölkerung, während die Nutzerbasis von Fortnite im Jahr 2020 bei über 8 Prozent der vernetzten Welt lag.

Wäre Fortnite ein Reiseziel, wäre es eines der beliebtesten Ziele auf dem Planeten. Zum Vergleich: In China wurden 2019 145 Millionen Besucher gezählt, in den USA fast 80 Millionen. Allerdings müssen Fortnite-Nutzer ihr Zuhause nicht verlassen, um zu reisen.

WELCHE HINDERNISSE GIBT ES FÜR DIE EINFÜHRUNG DES METAVERSUMS? BRAUCHEN WIR NICHT ALLE MINDESTENS NEUE HARDWARE?

Die Technologie ist vielleicht nicht mehr das größte Hindernis für Erlebnisse in immersiven, virtuellen Umgebungen. Diese ersten Erfahrungen werden bereits durch ein Gerät ermöglicht, das die meisten von uns bereits besitzen: ein Smartphone. Die Telefonhersteller bauen bereits Augmented-Reality-Funktionen in neue Geräte ein. Außerdem kann man die meisten in den letzten Jahren auf den Markt gebrachten Smartphones in ein Headset stecken - das 50 Dollar oder weniger kostet - und ein ziemlich anständiges VR-Erlebnis genießen.

Meiner Meinung nach sind die größten Hindernisse für ein Metaversum in der von Unternehmen wie Meta beschriebenen Größenordnung eher sozialer, wenn nicht gar gesellschaftspolitischer Natur als technischer Natur. Technische Hürden können im Laufe der Zeit wahrscheinlich überwunden werden, während sich soziale Fragen im Laufe der Zeit immer mehr verschärfen. Diese soziale Hürde – eine Gemeinschaft von Interessengruppen, die sich über die Funktionsweise der Dinge einigen konnten – war die gleiche Herausforderung, mit der das frühe Internet konfrontiert war.

So gab es beispielsweise in den 1980er Jahren mehrere Informationsnetze - ARPANET, CSNET, BITNET und dann NSFNET -, die zusammen einen Vorläufer des modernen Internets bildeten und Teil davon wurden. Diese Netze bestanden nicht nur aus verschiedenen zugrunde liegenden Architekturen und Standards, sondern auch aus verschiedenen Gemeinschaften von Menschen. Hätten diese Gemeinschaften keinen Weg gefunden, miteinander zu kommunizieren - sowohl technisch als auch persönlich - hätten wir vielleicht nicht das Internet, das wir heute haben.

Fast 40 Jahre später ist die Gemeinschaft der Interessengruppen, die von einem möglichen Metaversum betroffen sind, nicht nur eine viel größere Bevölkerungszahl und vom ersten Tag an globaler, sondern umfasst auch ein nicht triviales Flickwerk von Nationalstaaten und massiven Privatunternehmen.

So hat die südkoreanische Regierung im Mai dieses Jahres eine eigene "Metaverse Alliance" gegründet, die mittlerweile über 200 Institutionen im Land umfasst. Im August startete Nvidia seine "Omniverse" Initiative, mit der der Grafikprozessor- und System-on-a-Chip-Hersteller seine eigenen Vorstellungen von den Technologien verbindet, die für eine offene und erweiterbare VR-Plattform erforderlich sind.

GLAUBEN SIE, DASS EINE KRITISCHE MASSE VON MENSCHEN MEHR ZEIT MIT TECHNOLOGIE IM ARBEITSUMFELD VERBRINGEN MÖCHTE?

Ich will nicht wie ein Futurist klingen, aber ich glaube, dass die Pandemie einfach einen Wandel in unserer organisatorischen Realität beschleunigt hat, der vielleicht schon im Gange war - eine Verlagerung von Unternehmensstandorten mit nur einem Standort zu geografisch verteilten Teams und Organisationen.

Zwar wird nicht jeder fern arbeiten, aber da die Technologie immer mehr verteilte Arbeits- und Sozialerfahrungen ermöglicht, wird eine kritische Masse von Menschen wahrscheinlich von dort aus arbeiten, wo sie es am besten tun. Dieser Teil der Erwerbsbevölkerung wird sich dafür entscheiden, mehr Zeit mit jeder Technologie zu verbringen, die ihnen die bevorzugte Arbeitserfahrung ermöglicht. Und wenn diese kritische Masse über die Fähigkeiten und das Wissen verfügt, die die Welt braucht, werden sich auch die Menschen, die noch im Büro arbeiten, anpassen müssen.

WIE STEHT ES MIT DEN WEITHIN DOKUMENTIERTEN PHÄNOMENEN DER ZOOM-MÜDIGKEIT UND ANDEREN EINSCHRÄNKUNGEN DER TECHNOLOGIE, DIE DIE INTERAKTION „WENIGER REAL" ERSCHEINEN LASSEN?

Wie in anderen Arbeitsumgebungen auch, werden einige virtuelle Umgebungen besser gestaltet - und daher besser erlebt - als andere. Auf einer Plattform wie Zoom macht man die unangenehme Erfahrung, dass man alle gleichzeitig anstarrt und dass alle einen anstarren. Diese Wand aus Augäpfeln erinnert eher an eine Bühne - was den meisten Menschen nicht gefällt - als an eine Gruppensitzung.

Wenn diese virtuellen Umgebungen immersiver werden, kann es durchaus sein, dass wir uns wohler fühlen und unsere Arbeit auf andere Weise erledigen oder sogar verschiedene Arten von Arbeit verrichten können. Wichtig ist, dass die wahrscheinlich effektivste virtuelle Umgebung keine Eins-zu-eins-Kopie unseres üblichen Arbeitsplatzes sein wird. Vielmehr werden diese Online-Umgebungen eine neue Art von Arbeitsraum mit eigenen Erfahrungen darstellen.

WARUM WIRD DAS METAVERSE ALS DIE ZUKUNFT EINES UNTERNEHMENS BETRACHTET, DAS WIR ALLE FRÜHER ALS FACEBOOK KANNTEN?

Viele sehen in der Umbenennung in Meta zumindest teilweise eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit von einer Reihe von Problemen abzulenken, mit denen Facebook konfrontiert ist - sei es im Zusammenhang mit den jüngsten Enthüllungen über Whistleblower oder den noch immer schwelenden Bedenken im Zusammenhang mit dem 6. Januar und den Wahlen 2020. Während diese Ablenkung eine kurzfristige Motivation sein könnte, kann sie das langfristige Interesse an den Auswirkungen und Möglichkeiten eines Metaversums nicht vollständig erklären.

Die Aussicht auf ein Metaversum dürfte Meta längerfristig aus einer Reihe von Gründen motivieren, die mit den Einnahmequellen und der Plattformstrategie zusammenhängen. Erstens wird jedes Ziel im Metaverse ein soziales Ziel sein. Soziale Ziele haben inhärente Netzwerkeffekte, denn je mehr Ihrer Verbindungen sich auf der Plattform befinden, desto wertvoller ist die Plattform für Sie. Eine frühzeitige Förderung der Nutzerakzeptanz kann daher später zu einer größeren Dynamik führen. Und Meta hat 3 Milliarden Nutzer auf der Einladungsliste für jedes neue Produkt.

Zweitens bietet das Metaversum Facebook, das fast alle seine Einnahmen aus der Werbung bezieht, die Möglichkeit, nicht nur neue Kategorien von Werbeeinheiten zu schaffen, sondern auch Möglichkeiten für den Handel einzuführen, um die Einnahmequellen des Unternehmens zu diversifizieren. Und mit Handel meinen wir in diesem Fall nicht nur den traditionellen Online-Handel, sondern auch den Markt für virtuelle Güter innerhalb des Metaverse und Upgrades dazu.

Drittens sind virtuelle Güter lukrativ. Die Erstellung von Kopien virtueller Güter ist im Wesentlichen kostenlos, so dass die Gewinnspannen außergewöhnlich hoch sind. Und je mehr Zeit und Geld ein Nutzer in virtuelle Umgebungen innerhalb einer Plattform investiert, desto mehr werden diese Investitionen zu versunkenen Kosten, die dazu führen, dass der Nutzer weitaus weniger geneigt ist, die Plattform zu wechseln. Genauso wie ein Apple-iOS-Nutzer, der ein breites Portfolio an Apps für sein iPhone erworben hat, mit geringerer Wahrscheinlichkeit auf Android umsteigt und seine frühere Investition verliert.

Ganz zu schweigen davon, dass die Nutzer ihre Waren auch an andere Nutzer verkaufen können, wenn sie die Plattform wechseln wollen, und dass dieser Peer-to-Peer-Handel ebenfalls zu Einnahmen führen kann. Der derzeitige Hype um NFTs (Non-Fungible Tokens) mag übertrieben sein, aber selbst wenn man den Hype etwas dämpft, ist klar, dass wir Menschen bereit sind, digitale Güter sowohl mit echtem als auch mit digitalem Geld zu kaufen.

Schließlich wissen wir, dass Meta eine Art Kryptowährung anstrebt, unabhängig davon, ob diese endgültige Währung Diem heißt oder nicht. Und eine digitale Wirtschaft innerhalb einer virtuellen Plattform bietet die Möglichkeit, eine solche Währung in Umlauf zu bringen - zunächst für virtuelle Güter und dann vielleicht für Transaktionen in dem, was alte Hasen als "metaspace" im Gegensatz zum Cyberspace bezeichnen.

Next Step: Going Global

Für Start-ups ist der Sprung in internationale Märkte oft eine große Herausforderung –
allerdings auch eine riesige Chance. Zehn Start-up’ler berichten, was sie dabei
gelernt haben.

Menschen sind der ultimativ wichtigste Faktor für den Unternehmenserfolg, egal in welchem Land

Das Employee-Communications-Unternehmen COYO hat in den letzten Monaten sowohl die Fühler auf dem französischen als auch auf dem finnischen Markt ausgestreckt: Mit der Akquisition des in Paris ansässigen People-Analytics-Start-ups Jubiwee und der Übernahme des finnischen SaaS-Unternehmens Smarp setzt der Hamburger Softwareanbieter auf internationale Expansion. COYO bedient nun von Standorten in den USA, der DACH-Region, Großbritannien, Skandinavien und Frankreich aus mittlere und große Unternehmen. Gründer und CEO Jan Marius Marquardt sagt: „Was man nicht vergessen darf: In den verschiedenen Ländern herrschen unterschiedliche Unternehmens- und Arbeitskulturen. Gute Mitarbeiter auf einem fremden Arbeitsmarkt zu finden, ist eine viel größere Herausforderung als man denken mag, da man sich gegen lokale Arbeitgeber durchsetzen muss. Denn Menschen sind der ultimativ wichtigste Faktor für den Unternehmenserfolg. Nur wenn man sie durch offene, ehrliche und inklusive Kommunikation auf die Reise mitnimmt, gelingt die Expansion über Wachstums- und Unternehmens- sowie Landesgrenzen hinaus.“

Corona geht: Wie lange bleiben die Spuren für Start-ups?

Bis Corona vorbei ist - wie übersteht man als Unternehmen oder Start-up diese Zeit bestmöglich ohne finanzielle Schieflage?

Seit April des letzten Jahres ist die Welt in einer Schockstarre gefangen. Für keinen von uns, weder Unternehmer, Selbständige, Start-ups noch Arbeitnehmer, war diese Zeit ohne Folgen und Einschnitte. Viele Unternehmen und Start-ups wurden von der Pandemie kalt erwischt und mussten sich mitunter radikal neu definieren und umdenken. Viele Geschäftsprozesse mussten digitalisiert werden und das Einrichten des Homeoffice zeigte in vielen Firmen Schwachstellen auf. Dabei sind viele an diesen notwendigen Maßnahmen gescheitert, da es an der nötigen Finanzierung scheiterte. Oftmals lag es an vermeidbaren Fehlern und Schwächen, durch die diese Finanzschieflage entstanden ist. Wir haben Tipps für Sie zusammengestellt, damit Sie diese Engstellen vermeiden können. Generell werden Sie auch von vielen dieser Tipps profitieren, auch wenn Sie keine Hilfen beantragen.

1. Übersicht

Viele Menschen bekommen Unterlagen und Dokumente zugeschickt oder ausgehändigt und diese werden dann einfach am erstbesten Ort abgelegt, der einem sinnvoll erscheint. Allerdings ist das eine nicht zu unterschätzende Fehlerquelle und kann sie wertvolle Zeit und im schlimmsten Fall sogar Geld kosten. Vielmehr sollten Sie alle Unterlagen und Dokumente zentral an einem Ort sammeln und auch direkt ein digitales Backup erstellen. Denn viele Stellen akzeptieren heute auch digitale Kopien Ihrer Unterlagen. Wenn Sie Ihre Unterlagen an einem festgelegten Ort aufbewahren, haben Sie direkt immer alles im Blick und müssen nicht erst in verschiedenen Aktenordnern und Ablagen suchen. Ihnen kann es auch nicht passieren, das die Bearbeitung Ihrer Anträge länger dauert, weil Sie ein wichtiges Dokument übersehen haben. So können Sie direkt loslegen.

2. Aktualität

Als Geschäftsführer haben Sie die Verantwortung für Ihr Unternehmen oder Ihr Start-up. Dazu gehört auch, dass Sie immer einen Überblick über Ihr Unternehmen haben sollten. Wichtig ist dabei, dass diese immer aktuell sein sollten. So können Sie Schwachstellen und Engpässe schneller entdecken und auf Sie reagieren. So können Sie oft schon im Vorhinein verhindern, dass Ihr Unternehmen überhaupt in eine Schieflage gerät. Zum anderen hilft Ihnen das bei den Anträgen, die Sie stellen möchten. Wenn Sie nicht erst auf Ihre betriebswirtschaftliche Auswertung warten müssen, gewinnen Sie wertvolle Zeit, die Sie produktiver und gewinnbringender einsetzen können. Sie könnten diese Zeit zum Beispiel besser einsetzen, um zu recherchieren für welche Förderprogramme oder Hilfen Sie außerdem noch infrage kommen.

3. Im Voraus planen

Je früher Sie mit der Planung eines Projektes beginnen, desto mehr Zeit können Sie in dessen Optimierung investieren. Kein Plan hält der Realität stand, aber wenn Sie mehr Zeit in Ihre Planung investieren konnten, ist es wahrscheinlicher, dass Sie Ihre Planung besser und schneller an die Gegebenheiten anpassen können. Als Richtlinie kann man sagen, dass Sie Ihre Planung mindestens sechs Monate vor dem eigentlichen Projektbeginn schriftlich festgehalten haben. Das gibt Ihnen die nötige Zeit, Ihr Projekt schon vorher auf Schwachstellen und potenzielle Probleme hin zu überprüfen. Damit Sie sich weitere Kopfschmerzen und unnötige Überarbeitungen ersparen, sollten Sie dringend einen Fördermittelberater mit in die Planung einbeziehen. Dieser stellt sicher, dass Ihr Projekt auch wirklich alle nötigen Vorgaben der Behörden für die einzelnen Förderprogramme erfüllt.

4. Holen Sie eine Bestätigung ein

Den Antrag für eine Förderung müssen Sie vor dem Beginn des Projektes stellen. Außerdem dürfen Sie das Projekt nicht starten, bevor Ihnen die infrage kommenden Fördermittel bewilligt wurden. So wollen die Behörden und Förderstellen sicherstellen, dass das Geld, welches sie bewilligen, auch nur für die Projekte eingesetzt werden, für die es vorgesehen ist. Diese Verzögerung können Sie allerdings umgehen, wenn Sie sich eine schriftliche Bescheinigung zum sofortigen Maßnahmenbeginn von der jeweiligen Fördermittelstelle ausstellen lassen. So können Sie direkt mit dem Projekt beginnen und müssen nicht abwarten bis Sie die Zusage bekommen. Außerdem können Sie damit die Bearbeitung Ihres Antrages beschleunigen, denn ihm wird durch den zusätzlichen Antrag eine höhere Priorität zugewiesen.

5. Lassen Sie sich beraten

Ein Fördermittelberater ist jedes Geld der Welt wert, denn er spart Ihnen Zeit, Geld und Nerven. Da er sich beruflich ständig mit diesem Thema auseinandersetzt, hat er naturgemäß einen wesentlich besseren Überblick und einen tiefergehenden Einblick als Sie. So kann er Ihnen essenzielle Tipps geben. Besonders unangenehm ist es, wenn Sie eine Förderung beantragt haben und Ihr Antrag dann auf den letzten Metern scheitert, weil Sie eine Vorgabe übersehen haben oder etwas anderes die Erteilung der Förderung verhindert. Vor diesen mitunter sehr teuren Fehlern kann Sie der Fördermittelberater bewahren und Ihnen so teure Fehler ersparen. Außerdem kann er Ihnen unter Umständen weitere Förderungsprogramme empfehlen, die Sie gar nicht gefunden haben.

Fazit

Das Beantragen einer Förderung kann wirklich kompliziert sein und ist mit viel Aufwand verbunden. Um Ihre Nerven zu schonen und um teure Fehler zu vermeiden, sollten Sie sich definitiv von einem Fördermittelberater beim Erstellen und einreichen der Anträge unterstützen lassen. Dieser hilft Ihnen mit seiner tiefgreifenden Einsicht auf jede erdenkliche Art und Weise. Außerdem sollten Sie Ihre Unterlagen zentral und griffbereit halten. Sorgen Sie auch dafür, das Sie immer eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung besitzen, so haben Sie auch gleichzeitig immer einen Überblick über Ihr Unternehmen. Wenn Sie ein neues Projekt planen, halten Sie diese mindestens sechs Monate vor dem Projektbeginn schriftlich fest, dann können Sie auch früher Ihren Fördermittelantrag stellen. Mit unseren Tipps sollte Ihrem Antrag aber nichts mehr im Weg stehen.

Der Autor Maximilian Schreiber ist Inhaber von Schreiber Consulting und bietet u.a. staatlich zertifizierte Fördermittelberatung.

BioTech – was kommt nach dem Boom?

Experten-Interview mit Marco Janezic zur aktuellen Lage der BioTech-Branche und den Zukunftsperspektiven für Gründer*innen.

Die deutsche BioTech-Branche boomt. Die Kreativität der Unternehmen, Lösungen zur Pandemiebekämpfung zu finden, ist enorm und die Finanzierungszahlen explodieren. Zur Info: Das Jahr 2020 war ein Rekordjahr mit einer Kapitalaufnahme von über 3 Mrd. Euro. Doch es bleibt die Frage, was kommt nach Corona? Denn die Gefahr ist groß, dass die BioTech-Branche wieder zu dem Orchideenfach wird, dass es lange Zeit war.

Antworten dazu liefert Marco Janezic, der unter anderem selbst das Berliner Life Science Unternehmen Eternygen gegründet hat und als Managing Director den Aufbau eines Gründungszentrums, der Life Science Factory, in Göttingen mitgestaltet:

Welche Anforderungen stellt die BioTech-Branche an junge Unternehmer? Hat sich hier durch Corona etwas geändert?

Die deutsche BioTech-Branche hat vor dem Hintergrund der Pandemie einen echten Boom erlebt. Die Finanzierungszahlen explodieren und immerhin gab es laut dem Deutschen Biotechnologie Report 2021 trotz Krise 19 BioTech-Gründungen in Deutschland.

Doch es bleibt die Frage, was kommt nach Corona? Wenn wir mehr Erfolgsgeschichten wie “Biontech” sehen wollen, dann müssen wir den Standort Deutschland stärken, jungen Unternehmen ein besseres Umfeld bieten – und das besser heute als morgen. Denn aktuell stehen junge Unternehmer immer noch vor enormen Herausforderungen und bürokratischen Hürden.

Was bremst Gründer*innen aus? Was hält Gründer*innen ab?

Was es braucht ist eine gezielte Förderung über alle wichtigen Phasen der kommerziellen Entwicklung hinweg. Und zwar von der Übertragung bzw. Lizenzierung von IP aus Universitäten, über die verschiedenen Finanzierungsstufen bis hin zur Rekrutierung von gründungserfahrenen Führungskräften. Es gibt zwar verschiedene Förderprogramme, diese greifen aber meist nur für die Phase der Grundlagenforschung bzw. der akademischen Forschung sowie manchmal vielleicht auch noch für das Frühstadium der Translation. Alles was danach kommt, also etwa die hohen Kosten im Bereich der klinischen Studien, aber auch rechtliche Fragen rund um Patente der klinischen Entwicklung, lasten meist vollkommen auf den Schultern der jungen Unternehmen bzw. deren Geldgebern. Daher wagen viele den Weg in die Unternehmensgründung erst gar nicht.

Hinzu kommt: Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Investitionen haben sich in diesem Feld weiter verschärft, Stichwort Außenwirtschaftsverordnung. Damit wurde eine weitere Hürde für Investitionen aus dem Ausland geschaffen, so dass Gründer noch stärker auf gezielte innerdeutsche Programme und Förderungen angewiesen sind

Was wird neben Kapital noch dringend benötigt, um die Entwicklung innovativer Technologien in Deutschland weiter zu stärken?

Zwei Dinge: Erstens, wissenschaftliche, regulatorische und unternehmerische Fachkenntnis seitens der Unterstützer, Investoren und Förderer. Nur so lässt sich auch die nötige fachliche Expertise aufbauen, um so ganz konkret Life Science Ausgründungen und Start-ups dabei zu unterstützen ihr Ziel zu erreichen: nämlich erfolgreiche Unternehmen zu werden. 

Und zweitens: ganz konkrete inhaltliche Unterstützung bei der Entwicklung von Produkten, und zwar von der präklinischen Forschung bis hin zur kommerziellen Marktreife. Das beginnt beim kosteneffektiven Zugang zu modernen S1- und S2-Laboren oder Prototyping-Werkstätten, sogenannten Dry Labs, bis hin zur Bereitstellung von Büroinfrastruktur. Darüber hinaus ist es für junge Life Science Gründer essentiell unkompliziert und kostengünstig auf fachliche Beratung, wie etwa von Rechts- und Regulierungsexperten, Industrie-Insidern, Wissenschaftlern und Medizinern zugreifen zu können. Das ist auch der Ansatz, den wir in der Life Science Factory im Sartorius Quartier in Göttingen gewählt haben – alles an einem Ort und flexibel nutzbar – um Unternehmen aus der Biotechnologie hier wirkliche Starthilfe im Sinne eines Inkubators zu bieten.

Welchen Stellenwert räumen Sie Kollaborationen ein, um die BioTech-Zukunft in Deutschland erfolgreich zu gestalten?

Wissenschaft und insbesondere wissenschaftsbasierte Unternehmensgründungen sind längst keine Singleplayer-Angelegenheiten mehr und intensive Kooperationen in der Biotechnologie sind schon seit langem fester und vor allem prägender Bestandteil. Das wurde nicht zuletzt 2020 durch die spannende Kollaboration zwischen Biotechnologie und Pharmaindustrie bei der Entwicklung des COVID-19-Impfstoffes mehr als deutlich.

Umso wichtiger ist es, dass Orte der kollaborativen Zusammenarbeit wie das Sartorius Quartier in Göttingen als Begegnungsort für Gründer geschaffen werden, die diese Form der flexiblen und gleichzeitig stark werttreibenden Zusammenarbeit fördern und dadurch ideale Bedingungen schaffen, erfolgreiche wissenschaftliche Durchbrüche und Unternehmensgründungen zu generieren. Ich bin davon überzeugt, dass das Thema Vernetzung und Interdisziplinarität eines der prägendsten sein wird und in einem intelligenten, leistungsstarken Labor der Zukunft Forscher und Entwickler, Ingenieure, Informatiker, MTAs und Mediziner ebenso Hand in Hand wie Wirtschaftswissenschaftler oder Rechtswissenschaftler arbeiten werden.

Und wie wichtig sind vor diesem Hintergrund Mentoring-Programme?

Mentoring ist für mich eines der wirklich essenziellen Instrumente zur gezielten und erfolgreichen Nachwuchsförderung und eine Win-win-Situation für beide Seiten. Als Unternehmer profitiert man in jedem Stadium vom Austausch mit erfahrenen und kompetenten Experten und Förderern. Denn grundsätzlich wurde jeder „Fehler” schon einmal gemacht - und wenigstens die kann man durch einen engen Austausch umgehen.

Gemeinsam die unternehmerischen Kräfte zu mobilisieren und dann junge Unternehmer*innen dabei zu unterstützen, ein eigenes starkes Produkt und Profil zu entwickeln, macht mir als Mentor jedes Mal wieder große Freude. Und wenn dann auch noch die Möglichkeiten besteht, Zukunftstechnologien zu identifizieren und zusammen voran zu bringen, ist das doch perfekt.

Und last but not least: Was raten Sie BioTech-Gründer*innen und -Start-ups, um sich für die oben genannten Herausforderungen bestmöglich zu wappnen?

Mein Rat an BioTech-Gründerinnen und -Gründern ist neben der Arbeit an ihrem Produkt, bzw. ihrer Wissenschaft den Fokus auf zwei Dinge zu richten: Erstens, empfehle ich möglichst früh das „erweiterte Unterstützer-Team“ aufzubauen, welche Mentoren, Berater und vor allem erfahrene Unternehmer enthält. Es ist so viel einfacher Hürden zu nehmen, wenn man Menschen an seiner Seite hat, die diese bereits erfolgreich gemeistert haben. Zweitens rate ich jedem, ab dem ersten Tag an der Finanzierungsstrategie zu arbeiten. Die meisten BioTech-Firmen scheitern letztendlich daran, dass sie das Thema Fundraising unterschätzen, anstatt es zur Chef-Sache und Priorität 1 zu erklären.

Start-up-Power aus den Niederlanden

Über den Tellerrand geguckt: vier innovative Start-ups aus den Niederlanden, die ihre deutschen Zielmärkte derzeit transformieren.

Innovationsfreudig und flexibel: so lassen sich die in Deutschland operierenden Start-ups aus den Niederlanden sehr gut beschreiben. Die Niederlande sind zu einem der führenden Ideen-Hubs für die digitale Wirtschaft in Europa geworden: das Land befindet sich auf dem vierten Platz der führenden Innovationsländer im European Innovation Scoreboard 2020. Bereits 2016 war Amsterdam im European Digital City Index auf Platz drei (Berlin: 6) und konnte letztes Jahr im Global Startup Ecosystem Report den 12. Platz erringen. Wir stellen euch vier innovative Start-ups aus den Niederlanden vor, die ihre deutschen Zielmärkte derzeit transformieren:

Tovertafel

Mit der Tovertafel (dt. Zaubertisch) sorgt inzwischen eine leicht in jeden Pflegealltag integrierbare Neuerung aus den Niederlanden für große Freude in deutschen Pflegeheimen, Kliniken und Senioreneinrichtungen. Die Niederländerin Hester Anderiesen Le Rieche hat ihre interaktive Spieleplattform 2015 im Rahmen ihrer Doktorarbeit im Fachbereich Industriedesign entwickelt. Per Lichtprojektionssystem werden bunte Blumen oder Seifenblasen auf jeden Tisch projiziert und laden Menschen mit Demenz spielerisch zur Interaktion mit ihrer Umwelt ein. In mittlerweile mehr als 5.500 Pflegeinstitutionen weltweit, darunter 500 Pflegeeinrichtungen und Seniorenheimen in Deutschland, sorgt die Tovertafel für Anregung, Bewegung, Spaß und Entspannung.

RBI - mit neuen Technologien zum innovativen Ökosystem

Was geschieht, wenn Open API, Blockchain Hub und Elevator Lab zu einer Abteilung verschmelzen? Darüber sprachen wir mit dem Leiter der Raiffeisenbank International (RBI), Christian Wolf.

Christian Wolf, „Head of Strategic Partnerships & Ecosystems“ der Raiffeisenbank International (RBI), verfolgt den großen Plan, ein Ökosystem neu zu erschaffen. In seiner Abteilung wurden jüngst die Aktivitäten rund um Open Banking / Open API, Blockchain sowie das FinTech Partnership-Programm Elevator Lab zusammengeführt. „Wir sehen uns auf einer strategischen Ebene an, wie sich die Geschäftsmodelle der Banken weiterentwickeln, welche Schritte wir über den nächsten logischen Schritt hinaus gehen können und wie wir neue Technologien bewerten können“, erklärt Wolf.

Partnerschaften, Produkte, Services

Wolfs Aufgabe ist es nun, die drei genannten Bereiche miteinander zu verknüpfen bzw. Synergien zu schaffen. „Wir möchten die Themen zusammenbringen und gemeinschaftlich die Fähigkeiten dazu nutzen, um Partnerschaften aufzubauen und zusammen neue Produkte und Services zu entwickeln“, so Wolf, und ergänzt: „Die Beschäftigung mit diesen Bereichen führt zu einer Änderung der Geschäftsmodelle. In dieser B2B-Kette sind Fintechs besonders wegweisend. In diesem Sinne war es ein Ziel, auch das Fintech-Partnership Programm, Elevator Lab, zu integrieren.“ Zusammen soll nun also noch größeres entstehen. Doch auch innerhalb der Teilbereiche kann die RBI bereits einige Projekte vorweisen.

Die Vorteile eines externen Ökosystems nutzen

„Wir haben uns sehr früh mit dem Thema Open Banking auseinandergesetzt, das im Bankenbereich ja bekanntlich von der Zahlungsverkehrsdirektive (Anm.: PSD2) getrieben wurde. Wir haben schon zu Beginn beschlossen, dass wir darüber hinausgehen wollen und Open Banking als Möglichkeit verstehen, unsere Produkte und Services in einem externen Ökosystem zu positionieren und externe Dienste schneller bei uns zu integrieren“, sagt Wolf. APIs seien für die RBI „weniger ein Mittel der Digitalisierung und mehr der Connectivity“.

API Marketplace: Einfach, schlank, effizient

Vor diesem Hintergrund betreibt die Raiffeisenbank International einen API Marketplace, der externen Partnern und Mitarbeitern in allen Netzwerkbanken offensteht. „Auch wenn die APIs da sind, sind sie per se einmal unsichtbar“, sagt Wolf. Mit dem Marktplatz wolle man für die Sichtbarkeit gegenüber Kooperationspartnern sorgen. „Wir sagen bewusst ‚Marktplatz‘ und nicht ‚Developer Portal‘ dazu, weil wir glauben, dass er nicht nur als technische Dokumentation dienen soll, sondern auch aufzeigen soll, was wir in unserem RBI-Portfolio bereits zu Verfügung haben und was man businessseitig gemeinsam mit Partnern auf Basis dieser APIs bauen kann.“ Ziel sei ein möglichst einfacher Zugang, der technisch nicht sehr kompliziert sei und einheitliche Prozesse im Onboarding biete. Die regulatorisch notwendigen Zertifizierungsprozesse wolle man dabei transparent und einfach halten.

„Wir wollten mit dem RBI API Marketplace Möglichkeiten schaffen, wo man über einen Single Point of Entry mit der gesamten RBI Gruppe an digitalen Lösungen arbeiten kann“, sagt Wolf. Und er spricht von einem großen Vorhaben: Die RBI ist mit ihren Netzwerkbanken in insgesamt 13 Ländern aktiv, wo gegenwärtig noch sehr unterschiedliche Setups herrschen.

Tokenisierung per RBI Coin und REST

Auch im Bereich Blockchain sieht Wolf den Ökosystem-Gedanken als zentral an. „Eine Blockchain-Lösung für mich selbst ergibt wenig Sinn. Sie lebt vom Ökosystem“, sagt er. Dabei beschränke man sich keineswegs auf den Bereich Kryptowährungen. Im Gegenteil: „Sie sind in der RBI-Gruppe nicht im Hauptfokus. Wir beobachten den Markt aber natürlich intensiv.“ Stattdessen gehe es darum, zu verstehen, welche neuen Anwendungsfälle die Technologie ermögliche und wo sie zur Auflösung bestehender Geschäftsmodelle führen könnte.

Besonders relevant seien für die Bankengruppe Kryptoassets mit realen Gegenwerten. „Unser Major-Asset in der Bank ist Cash. Das wollten wir tokenisieren. Aus der Frage, wie wir das so machen können, dass es handelbar und rekonvertierbar wird und sinnvolle Usecases für uns erfüllt, entstand der RBI Coin“, erzählt Wolf. Der Token hat einen Gegenwert von einem Euro und wird für Transaktionen in der Bankengruppe verprobt. „Und er dient nicht nur dem Zahlungsverkehr, sondern auch dem Dokumentenaustausch“, erklärt Wolf – die Blockchain macht’s möglich.

Die RBI hat aber noch einen zweiten Ein-Euro-Stable-Token: REST. „Dieser dient vor allem der Bewusstseinsbildung innerhalb der Gruppe. Man kann damit etwa in den Kantinen bezahlen. Unsere Mitarbeiter sollen auf diese Weise sanft an die Benutzung von Krypto-Assets herangeführt werden.“

Ein weiteres Vorhaben im Blockchain-Bereich stellt die Beteiligung am Forschungsprojekt Pantos von Bitpanda und der TU Wien dar. „Für unterschiedliche Usecases sind verschiedene Blockchains geeignet. Bei Pantos geht es um die Blockchain-Kompatibilität, also die Möglichkeit, Werte von einer auf die andere Blockchain zu transferieren“, erläutert Wolf.

Elevator Lab: FinTech und mehr

Abschließend gibt Wolf noch einen kurzen Rück- und Ausblick zum Elevator Lab: „Corona war natürlich auch hier, bei einem stark auf physische Anwesenheit aufgebauten Programm, eine große Herausforderung. Doch der Wechsel in rein virtuelles Programm hat sehr gut funktioniert. Derzeit haben wir wieder vier PoCs am Laufen“, so Wolf. Auch in diesem Jahr werde man das Elevator Lab durchführen – „auf die aktuelle Situation angepasst und noch mehr auf lokale Bedürfnisse der Netzwerkbanken eingehend“. Auch wolle man es weiter über die Zielgruppe der FinTechs hinaus öffnen, in „Teilbereiche, die man nicht unmittelbar einer Bank zuordnen kann“ und eine stärkere Öffnung gegenüber Corporate-Co-Innovation forcieren.

Das Interview führte Dominik Perlaki, Redakteur von der brutkasten

Nachhaltigkeit in der Event-Branche

Im Jahr 2021 ist es für jedes Unternehmen ein Muss, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Begrifflichkeiten wie #sustainabilty, #co2-kompensation, #zerowast und #fairtrade gehören zum Fachjargon, und Greenwashing wurde nie besser beherrscht wie in diesen Zeiten.

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Aber fangen wir von vorne an, was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Interessant ist, dass das Wort Nachhaltigkeit bereits vor 300 Jahren entstanden ist. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Forstwirtschaft und bedeutet, dass nur so viele Bäume abgeholzt werden, wie auch nachwachsen können, damit nachkommenden Generationen ebenfalls vom Holz leben können. Nachhaltigkeit ist also kein erfundenes Modewort unserer Politiker und Politikerinnen.

Um ganzheitlich, nachhaltig zu handeln passiert dies auf drei Ebenen. Es soll wirtschaftlich effizient, sozial gerecht und ökologisch tragfähig gehandelt werden. Diese drei Bereiche müssen also immer betrachtet werden, wenn ein Unternehmen, ein Projekt oder eine Veranstaltung nachhaltig sein soll.

Liegt dir die Umwelt, die Menschheit und unsere Wirtschaft am Herzen?

Leider werden oftmals in Unternehmen, Projekten oder auch auf Veranstaltungen nicht alle drei Ebenen betrachtet. Es werden nur bestimmte Bereiche herausgepickt, die gerade mediale Relevanz haben und sich als PR-Strategie super nutzen lassen. Bitte nicht falsch verstehen, jeder Schritt ist wichtig, ist er noch so klein. ABER: Wenn beispielsweise ein Bekleidungsunternehmen damit wirbt nachhaltig zu handeln und eine Kollektion aus Bio-Baumwolle anbietet, die Näher*innen aber weiterhin ausgebeutet werden und der Färbungsprozess noch immer hochgiftig ist, dann hat dies NICHTS mit nachhaltigem Handeln zu tun und ist ausschließlich manipulativ gegenüber den Konsumenten.

Nachhaltigkeit in der Event-Branche

Dasselbe Phänomen gibt es in der Veranstaltungsbranche. Oft wird das Thema Nachhaltigkeit hauptsächlich im Zusammenhang mit der Durchführung gesehen. Beliebt sind Bereiche wie Catering, Location oder Veranstaltungsmaterialien. Wie bereits erwähnt, dies sind alles Schritte in die richtige Richtung, aber oftmals fehlt dem Veranstaltungsteam das Know-how, die gesamte Veranstaltung nachhaltig zu gestalten. Neben Unwissenheit werden komplexere Themen wie zum Beispiel Mülltrennung, Stromherkunft und Drittdienstleister schließlich aus finanzieller Sicht oder aufgrund eines Mehraufwands außer Acht gelassen.

Weißt du, wer dir den letzten Messestand aufgebaut hat und ob der Lohn gerecht berechnet wurde?

Damit Nachhaltigkeit auf allen Ebenen gleichermaßen behandelt wird, sind die Grundbausteine Motivation, Wissen und Anerkennung extrem wichtig. Das Ziel einer jeden Veranstaltung sollte somit sein, genau diese Grundbausteine mit einfließen zu lassen. Durch Austausch motivieren, durch Erlebnisse Wissen vermitteln, gesetzte Marketingziele erreichen und die gewünschte Aufmerksamkeit erhalten.

Speziell Themenveranstaltungen bieten die Möglichkeit, deine Zielgruppe – seien es die eigenen Mitarbeiter, langjährige Partner oder neue Kunden – über Themen, die dich und dein Unternehmen beschäftigen, aufzuklären, Beweggründe aufzuzeigen und alle mit einzubeziehen.

Das Thema Nachhaltigkeit kann so modern und kreativ wie nie zuvor deine Veranstaltungen bereichern. Setze mit deinem nächsten Event ein Zeichen und rücke bereits im Vorfeld das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund. Vermittle Wissen, rege zum Nachdenken an und/oder inspiriere andere dazu, etwas zu ändern. Sei es privat oder in der Arbeitswelt – lass uns gemeinsam etwas bewegen!

Die Autorinnen Julia Könnel und Marisa Rieger sind Gründerinnen und Geschäftsführerinnen bei Eventvoll. GbR. Sie bieten Eventkonzepte rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Beratung und Finanzspritze

Beratung und Finanzspritze

Aber um solche Fragen zu klären, gebe es ja Anlaufstellen wie beispielsweise die Handels- und Handwerkskammern. Diese stellen jungen Unternehmern – oft kostenlos – wichtige Informationen zur Verfügung, beraten und unterstützen sie. Auch Mydays erhielt in München von der zuständigen IHK Hilfestellung in Form eines erfahrenen Coachs, der bei der Ausarbeitung der Internationalisierungsstrategie wichtige Impulse setzte, weil er auf die individuellen Belange des Unternehmens einging. So sensibilisierte der Berater die Mydays-Macher beispielsweise dafür, für die Einhaltung der landesüblichen Sicherheitsvorschriften Sorge zu tragen. Schließlich vermarktet das Unternehmen Erlebnisse wie ein Dinner in luftiger Höhe oder einen Flug mit einer MIG. Zum Gelingen beigetragen habe aber nicht nur der Berater, so Schmidt, sondern auch die finanzielle Unterstützung, die im Rahmen des Programms „Go International“ obligatorisch ist. Mit den Fördergeldern konnte das Unternehmen einen Teil der Marketingaktivitäten und der Übersetzungskosten finanzieren.

Monetäre Hilfen, gerade für junge Unternehmer mit Auslandsambitionen, sind nicht zu unterschätzen. Denn selbst wenn man die Kosten so gering wie möglich hält: „Man muss immer erst einmal Geld in die Hand nehmen“, sagt Gößl. „Und dann dauert es Jahre, bis man den ersten Euro verdient“. Innerhalb Europas gehe man von ein bis zwei Jahren aus, bei Auslandsengagements in Asien oder Südamerika könne es sogar fünf Jahre dauern, bis sich der Schritt in barer Münze auszahlt. „Wem zwischendurch die Puste – oder besser: die Liquidität ausgeht, hat ein Problem“, sagt Gößl. Die Sicherung der Liquidität müsse daher für jeden Unternehmer mit Wachstumsambitionen im Vordergrund stehen. Seine Parole daher: „Nichts überstürzen!“

Zur Checkliste Überblick: weitere Infos und Beratung

Der Faktor Zeit

Eine Faustregel, in welchem Tempo die Ausdehnung auf mehrere Auslandsmärkte erfolgen sollte und ob man „nur“ exportiert oder irgendwann ein Joint Venture oder eine eigene Niederlassung im Ausland aufbaut, gibt es trotzdem nicht. Fabrice Schmidt musste beispielsweise erkennen, dass die Erschließung von fünf Ländern innerhalb eines Jahres mehr als genug ist. Den ebenfalls für 2008 geplanten Eintritt in die Schweiz als Land Nummer sechs hatte der Geschäftsführer des 2003 gegründeten Unternehmens Mydays deshalb zunächst abgesagt. „Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden Geld zu verdienen“, erklärte Schmidt damals seine Entscheidung. „Erst danach nehmen wir weitere Märkte in Angriff.“

Anfang der zweiten Jahreshälfte 2010 ist es nun soweit und Mydays in der Schweiz präsent. Cosnova dagegen verweist im Jahr neun nach Firmengründung stolz auf die 30 Länder umfassende Exportliste und die eigene  Niederlassung in den USA. Allerdings gibt Schönegger zu, dass die Umsätze in manchen Absatzmärkten (noch) recht gering sind. Diese Märkte guckt sich Cosnova jetzt noch einmal genauer an – vor allem im Hinblick auf die Produktpalette. In Zukunft aber wollen die Firmenchefs stärker berücksichtigen, dass man in Russland oder Dubai möglicherweise andere Farben bevorzugt als in Deutschland oder Holland. „Es ist eine Lernkurve“, sagt Schönegger.

Wenn Schwergewichte einen herben Flop landen,
ist das lediglich peinlich. Einem jungen Unternehmen kann
ein dicker Patzer das Genick brechen.

Beobachten statt Berechnen

Rechnerische Planspiele und das Wissen um aktuelle Trends bringen Gründern erste Erkenntnisse über die Zukunft. Wichtiger ist das systematische Beobachten des konkreten Marktes, um ihn zu verstehen und aktiv mitzugestalten.

Natürlich gehört das Glänzen auf dem Theorie-Parkett und das Schreiben von zahlenbasierten Businessplänen für Gründer zum Pflichtprogramm, um beispielsweise der Hausbank zu zeigen, wie man am Markt einsteigen und bestehen will; aber es kann und darf nicht zum Selbstzweck werden und vollständig das überlagern, weswegen der ganze Aufwand eigentlich betrieben wird: Nämlich mit vollem Einsatz ein unternehmerisches Konzept zu erarbeiten, es umzusetzen und unermüdlich weiterzuentwickeln.

Denn nicht nur für aus der Not heraus geborene Gründungen gilt, dass sie stets ein Wagnis darstellen; und zwar eben nicht nur ein betriebswirtschaftliches. Dass sie mit der Person des Gründers oder der Gründerin untrennbar zusammenhängen. Und dass sie entscheidend darauf beruhen, dass die Neu-Unternehmer den Einsatz und Willen haben, etwas zu gestalten!

Wie geht das, ein spezielles Markt-Umfeld – in der Regel eine Nische, ein Regionalmarkt oder ein enger Zielgruppen-Fokus – langsam und stetig (erstens) entlang klarer, konkreter, auf das eigene Unternehmen zugeschnittener Marktqualitätskriterien zu entwickeln und (zweitens) anhand von Indikatoren für eine Marktdynamik auch in der Richtung, in die man selber will, zu lenken? Dieser Kernfrage wollen wir uns im Folgenden widmen.

Strategic Foresight

Im angelsächsischen Kulturkreis ist für derlei Fragestellungen bereits seit Jahrzehnten eine Profession zuständig – und bestens etabliert –, die sich ausschließlich um genau solche Markt-Taktik und Business-Manöver kümmert: Strategic Foresight, die Zukunftsforschung. Hierzulande ist allerdings, wenn überhaupt, eher der Ableger der Trendforschung bekannt. Und das auch fast nur in Großunternehmen oder einigen Lifestyle-Branchen, die sich’s leisten können. Ansonsten stößt Zukunftsforschung auf Skepsis – nicht zuletzt dank einiger Trend-Gurus, die unverdrossen am eigenen Ruf basteln und lustige Trend-Labels und vielerlei Spielchen erfinden. Mit durchaus hohem Unterhaltungs-, aber allem Anschein nach wenig Gebrauchswert. Zukunftsforschung rangiert daher in der Einschätzung vieler gleich hinter „Astrologie 2.0“. Was aber ist wirklich dran an dieser scheinbar exotischen Disziplin?

Sich präparieren statt nur orientieren

Sich präparieren statt nur orientieren

Gründer sollten sich vor der irreführenden Frage hüten, was denn mit ihnen als Markt-Einsteiger oder als Markt-Erweiterer geschehen wird. Wer dergleichen wissen will, sollte tatsächlich lieber auf seinen Haus-Astrologen setzen: Das weiß (außer Glaskugelbesitzern) nämlich niemand.

Weiterführender ist die Frage nach zukünftigen konkreten Handlungsoptionen: Was werde ich tun, wenn mein Konzept blitzschnell kopiert wird, wenn meine Umsatz-Kalkulation sich nach X Wochen nicht bestätigt, wenn meine potenziellen Kunden nicht wie erwartet reagieren, wenn Breitseiten von den etablierten Wettbewerbern kommen? Tja – was? Vorbereiten, durchspielen, aufschreiben, präsent machen! Gründer können sich in einem sicher sein: Irgendein Störfall ereignet sich garantiert. Gedankliche Vorbereitung auf Ereignisse dieser Art ist also beileibe keine graue Theorie, sondern einschlägiger Wettbewerbsvorteil.

Gründer brauchen, wenn sie am Markt bestehen wollen,
einen speziellen Werkzeugkasten für ihre Eingriffe,
eine Art chirurgisches Business-Besteck

Marktbeobachtung statt Trend-Watching

Marktbeobachtung? Ja! Klassisches Monitoring? Nein! Trends für Gründer stehen nicht „einfach so“ in der Zeitung. Und auf den kostenpflichtigen Gründer-Messen er-fährt man einiges über die neueste Buchhaltungssoftware aus der Cloud, IHK-Termine und News zu den Kürzungen der staatlichen Gründerhilfen – aber wirklich weiterhelfende Trends? Gründer können sich stattdessen folgende Fragen stellen (siehe die nebenstehenden „Fragen zum Markt“).

Es ist ratsam, sich zu ausführlichen Antworten auf jede einzelne Frage zu zwingen. Und Vorsicht vor scheinbar unfehlbaren Allerweltstipps! Es ist schon mancher Gründer mit seinem Pflegedienst verunglückt, weil er das Gerede vom bevorstehenden „demographischen Wandel“ konkret auf sich und seine Umgebung bezogen hat. Derlei – Globalisierung, Frauenförderung usw. – sind für Gründer keine Trends, sondern Infotainments: interessant, aber unspezifisch. Der Trick für Gründer und Kleinst-Unternehmer besteht darin, die eigenen Trends und Treiber zu identifizieren. Das geht! Allerdings nur durch präzises Beobachten der eigenen Umfelder. Und Selberdenken: Denn der Wandel von Umfeldern wird nur dadurch zu einzelnen Trends, dass man ihn konsequent durch die Brille des eigenen Unternehmens betrachtet. Keine Entwicklung ist „von sich aus“ ein Trend!

Zur Checkliste Fragen an den Markt

Vorteile kleiner Unternehmen

In New York, wo die beiden Gründer vor zehn Jahren lebten, hat alles begonnen: Auf einem Antiquitätenmarkt haben sie alte Fotoabzüge entdeckt und beschäftigen sich seitdem intensiv mit der Fotokunst. Zurück in Berlin merkte das Paar, dass ihre Freunde zwar von den Fotos begeistert waren, aber sie sich kaum leisten konnten. Schnell war die Idee der Demokratisierung geboren, denn zwischen exklusiver Kunst und billigen Postern gab es kein Angebot. Innerhalb eines Jahres recherchierten sie mit einem Team von Spezialisten interessante Fotokünstler, stellten das Programm zusammen und entwickelten das Konzept. „In der Kunstbranche ist unsere Art von Vertrieb, Personaleinsatz und Kommunikation ganz neu“, berichtet Julia Heinemann, Pressesprecherin von Lumas: „Die Fotokunstwerke werden in großer Auflage für einen Preis von 120 bis 600 Euro vor Ort und über das Internet angeboten – ergänzt von einem bilingualen Magazin, das zwei- bis dreimal im Jahr in einer Auflage von 960.000 Exemplaren erscheint. Ein Kuratorium aus Fachleuten stellt das Portfolio zusammen, die Abzüge werden dann in unserem Partnerlabor in Köln produziert. Die Galerien-Teams und alle Mitarbeiter treffen sich zweimal im Jahr in Berlin, bilden sich weiter und tauschen aus.“

Und auch neue Wege der Kapitalbeschaffung sind Stefan Ullrich und Stefanie Harig gegangen: „Bei den Neuerungen und Gründungen weiterer Standorte hilft – neben der Investition des Burda Verlags, der 2006 auf uns zugekommen ist – eine Aktiengesellschaft, in die der Erlös unserer vorherigen Unternehmen eingeflossen ist. Da sie nicht börsennotiert ist, können wir frei darüber verfügen.“ Die schnelle Expansion schaffe Lumas, da sich das zehnköpfige Kernteam wöchentlich treffe: „Neue Ideen können hier sofort besprochen und umgesetzt werden“, so die Sprecherin der Galerie. „Vor kurzem ist die Beta-Version von www.whitewall.com online gegangen. Galeristen, Künstler und Sammler entwickeln hier selbst das Programm. Mit der Online-Community wollen wir den Kunstmarkt weiter demokratisieren.“

Vorteile kleiner Unternehmen

Kleine Unternehmen sind – trotz einiger struktureller Hindernisse (siehe die Grafik „Die größten Killerfaktoren für Innovationen“) – bei Innovationsprozessen im Vorteil, betont Innovationsforscher Erich Schwarz: Sie können Ideen schnell aufgreifen und mit relativ wenig Kosten umsetzen. Auch die Bedürfnisse ihrer Kunden kennen die Kleinen besser und können gezielter Lösungen für deren Probleme entwickeln. Das geht mit mehr Nachdruck als bei manchem großen Top-Innovator, denn hier kümmert sich der Chef um die Generierung neuer Ideen und treibt den Prozess voran, so der Innovations- und Gründungsforscher.

„Ziehen Sie sich regelmäßig mit Disziplin aus dem Alltagsgeschäft zurück und halten Sie sich den Spiegel vor“, rät Anja Förster dringend allen Chefs kleiner Unternehmen. Je kleiner ein Unternehmen, umso einfacher ist es dabei, sich mit den Mitarbeitern auszutauschen und eine gute Kommunikations- und Innovationskultur zu pflegen – auch mit Teams, die neue Ideen entwickeln. Ebenso gilt es, Außenstehende bei der Generierung neuer Ideen einzubeziehen, am besten eignen sich bereits vorhandene Kontakte.

Schritt 4 Kampf an der Schwelle

4 Der Kampf an der Schwelle

So hatte Peter sich das nicht vorgestellt. Von einem Monat auf den anderen will ihn die Firma nicht gehen lassen. Schließlich müssten die laufenden Projekte noch abgewickelt und ein Nachfolger eingearbeitet werden. Peters Vater ist strikt gegen die Pläne. Gerade auf seinen Vater hatte Peter jedoch gehofft. Schon nächsten Monat könnte er das perfekte Ladenlokal beziehen. Die Zeit hierfür drängt, während die Finanzierung noch Zeit in An­spruch nehmen würde. Mit seiner Firmenleitung wird er sich schon einigen können. Er hat einige Rücklagen, aber es gilt schließlich zwei Monate finanziell zu überbrücken, bis die bewilligten Gelder fließen würden. Schließlich kann Peter seinen Vater überzeugen. Sein alter Herr leiht ihm die fehlenden 5000 Euro – zinsfrei und ohne sofortige Rückzahlungsverpflichtung. Und in der Firma bereiten ihm die alten Kollegen einen berührenden Ab­schied.

Was lernen wir daraus? Jetzt wird es erst mal hart. Um sich wirklich auf neuem Terrain wiederzufinden, gilt es die Auseinandersetzung zwischen dem Helden und seinem Widersacher zu führen. Wer oder was macht den Weg wirklich frei? Der Boden, an den Sie gewöhnt sind, ist plötzlich unsicher geworden, aber auch neu und spannend. Er fühlt sich gut an unter Ihren Füßen. Neue Befürworter stehen Ihnen bei. Erste und auch größere Schwierigkeiten stellen sich ein. Ein paar Bremser wollen Ihnen etwas einreden. Aber Sie lassen sich nicht entmutigen. Sie sind schon ein Stück gewachsen und wachsen mit jedem Tag mehr. Sie lösen Ihre Probleme und schauen voraus.

Etappen-Tipp: Nutzen Sie den Wind frischer Motivation in Ihren Segeln, um erste Schwierigkeiten leicht zu überwinden. Überstürzen Sie nichts. Halten Sie nach neuen Mentoren Ausschau und nutzen Sie deren Potenziale.

5 Das Neuland und die große Prüfung

Die 10 wichtigsten Bootstrapping-Tools für Gründer und junge Start-ups

Viele dieser Tools sind Basis-Werkzeuge, die helfen, den Start-Up-Alltag effizienter und schneller zu machen.


Wir haben 10 wichtige Bootstrapping-Tools zusammengestellt. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind preiswert oder sogar kostenlos – und meist unverzichtbar:

1. Bootstrapping-Tool Wordpress

Einfacher kommt man kaum zu seiner Website: Nach Angaben von Wordpress schafft man die Installation einer Wordpress-Seite inklusive Download in weniger als 5 Minuten. Coole Templates für viele Zwecke und Geschmäcker gibt’s bei den Elegant Themes, hier liegt der Jahrespreis bei 69 Dollar. Dafür bekommt man in der Regel eine bereits mobil optimierte Seite inklusive responsive design – und es gibt ein Support-Forum. E-Commerce-Erweiterungen kann man dazu buchen.


2. Bootstrapping-Tool Dropbox & Co

Gut fürs Bootstrapping: Die Cloud-Anbieter liefern sich zur Zeit einen Preiskampf. 100 Cloud-GB kosten bei Dropbox 99 Dollar pro Jahr. Bei Microsoft kostet das nur für 50 Dollar und bei Google sogar nur 24 Dollar. Man hat die Qual der Wahl – und kann sich fragen, welchem Anbieter man in puncto NSA-Problematik mehr misstraut.


3. Bootstrapping-Tool Google Apps for Business

Egal, wie man zu Google steht, die Google Apps for Business sind schon ein genialer Werkzeugkasten. Enthalten sind Gmail, Kalender, 30 GB Cloud, Docs (ersetzt Word, Excel, Powerpoint), Hangout fürs Video-Messaging und mehr für nur 5 Dollar pro Monat.


4. Bootstrapping-Tool Geckoboard

Das Programm liefert in Echtzeit Reports aller relevanten Daten der gewünschten Website. Auf einen Blick sieht das gesamte Team, wie viele Visits die Seite verzeichnet und vieles mehr. Dafür sind 17 Dollar im Monat fällig.


5. Bootstrapping-Tool Join.me

Kostenloses Tool für online-Meetings und um den Bildschirm zu teilen. Die Basis-Variante ist gratis, die Pro-Ausgabe mit Unlimited Audio kostet um die 10 Euro im Monat.


6. Bootstrapping-Tool Gründerberater.de

Kostenloser online-Projektplaner für Gründer (www.gruenderberater.de). Step-by-Step werden sämtliche relevanten Schritte einer Existenzgründung beschrieben. Zu vielen Punkten gibt es nützliche Tools. Wer sich registriert, erhält eine individuelle Fortschrittsanzeige, die den Status der Gründung zeigt sowie weitere Funktionen und Tools freischaltet. Und wer nach Zuschüssen und Fördergeld sucht: In wenigen Minuten kann man auf Gründerberater.de einen gratis Fördermittel-Check machen, um die für sein Vorhben zielgenau passenden Fördermittel zu finden.


7. Bootstrapping-Tool Trello

Kostenloser Projektplaner, Organisator und virtuelle Sekretärin. Auch sinnvoll, um collaborative Teams zu managen.


8. Bootstrapping-Tool Lexoffice

Wer sein Rechnungswesen selbst erledigen will, bekommt mit Lexoffice für 4,90 Euro im Monat einen effektiven Helfer inkl. Kontaktmanager und Online-Banking. Für knapp 10 Euro pro Monat erhält man eine Fibu-Version mit Auftragsmanagement, Kassenbuch und Umsatzsteuer-Voranmeldung.


9. Bootstrapping-Tool Zoho CRM

Kundenmanagement-Software kann ganz schön ins Geld gehen. Mit Zoho bleiben die Kosten aber sehr überschaubar. Es gibt vier Preismodelle. Das günstigste, CRM für Entrepreneure, kostet nichts. Die 12-Euro-pro-Monat-Version enthält ein Verkaufsprognose-Tool und Schnittstellen für Marketing-Kampagnen und deren Auswertung.


10. Bootstrapping-Tool Teamlab

Das Programm positioniert sich als ganzheitliche „Cloud-Office“ und vereint ein großes Portfolio an Business-Anwendungen: Projektmanager, Teammanager, Kundenmanager, Dokumentenmanager. Für 1 bis 5 aktive Benutzer fallen 75 Dollar im Jahr an.

Die größten Strategie-Fallen

Sie haben eine tolle Geschäftsidee und eine Strategie, wie Sie die Idee realisieren wollen. Doch nach kurzer Zeit stellen Sie fest: Die Idee ist gut – die Strategie aber nicht. Sie beschließen, das Strategiepferd zu wechseln. Dabei lauern viele Fallen, die sich vermeiden lassen.

Es gibt viele Gründe bzw. Notwendigkeiten für Strategiewechsel in der Gründungsphase: die wirtschaftliche Situation verändert sich oder das Kundenverhalten, oder Sie expandieren rasch. Für die meisten Gründer steht zu Beginn der Selbständigkeit das operative Geschäft im Fokus, sie müssen die gegenwärtigen Herausforderungen bewältigen.

Strategische Überlegungen erfolgen „zwischen Tür und Angel“, eher nebenbei und zufällig. Erst nachträglich geraten die langfristigen Zielsetzungen des jungen Unternehmens in den Blickpunkt. Erfolgt dann der Strategiewechsel, sollten Sie folgende Stolpersteine umschiffen.

1. Mangelnde Flexibilität

Sie sind nicht flexibel genug und „kleben“ an Ihren ersten strategischen Überlegungen fest. Die Leimrute Ihrer Ursprungsstrategie lässt Sie nicht mehr los. Eine Weisheit der Dakota-Indianer lautet: „Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steige ab.“ In aller Regel jedoch sagen Gründer: „Besorgen wir uns doch lieber eine stärkere Peitsche.“ Sie sollten den Mut aufbringen, Ihre bisherige Strategie unter die kritische Lupe zu legen und den Strategiewechsel ins Kalkül ziehen. Um sich von der Leimrute zu befreien, benötigen Sie strategischen Weitblick. Dieser lässt sich nicht erlernen oder herbeizitieren – gehen Sie mit einem strategieerfahrenen Partner Ihres Vertrauens in Klausur und legen Sie alles auf den Prüfstand. Verlassen Sie sich dabei nicht allein auf Ihr Bauchgefühl – nutzen Sie das Handwerkszeug der Strategieexperten.

2. Fehlendes belastbares Zahlenmaterial

Zu diesem Experten-Handwerkszeug gehören die Instrumente der Unternehmensanalyse. Überprüfen Sie die Chancen und Möglichkeiten sowie die Risiken und Gefahren Ihrer Geschäftsidee. Berücksichtigen Sie die Faktoren, auf die Sie keinen Einfluss haben, etwa wirtschaftspolitische Entwicklungen. Wichtig ist eine detaillierte Branchenanalyse: Welche Wettbewerber haben Sie, welche Schwächen der Konkurrenten können Sie nutzen, welche Abhängigkeiten etwa von Lieferanten sind zu beachten? Entscheidend ist die Kundenanalyse, hier hilft eine Kundenbefragung weiter: „Warum gehen Kunden zu einem Konkurrenzunternehmen und nicht zu mir?“ Der Zwang zum Strategiewechsel darf nicht zu Hektik und Aktionismus führen. Ein gelungener Strategiewechsel baut auf sauberem Zahlenmaterial zu Ihrem unternehmerischen Ist-Zustand auf. Diese Zahlen liefert auch die interne Unternehmensanalyse, bei der Sie Ihre Kernfähigkeiten, Kernschwächen und kritischen Erfolgsfaktoren überprüfen. Letztere gilt es in positive Erfolgsfaktoren zu verwandeln. Dies gelingt, indem Sie die Unternehmensprozesse in den Mittelpunkt rücken, die in der Wahrnehmung der Kunden eine dominante Rolle spielen.

3. Falscher Blickwinkel

Strategien scheitern deswegen so oft, weil die Entwickler der Strategie dabei primär die Brille des Unternehmens tragen. Beispiel Zielgruppenbestimmung: „Welche Kunden wollen wir?“, lautet die Frage, die zu einer egozentrischen Vertriebskultur führt. Notwendig ist ein Perspektivenwechsel, durch den die Frage: „Was kann unser Vertrieb für unsere Kunden tun?“ in den Mittelpunkt der strategischen Überlegungen rückt. Pointiert ausgedrückt: Setzen Sie beim Strategiewechsel und der Strategieentwicklung immer die Brille des Kunden auf!

4. Keine konkrete Vision

In der hektischen Gründungsphase fehlt es bei der Strategieorientierung oft an der Fundierung. Spätestens beim Strategiewechsel sollten Sie den Strategieprozess sauber aufsetzen. Dazu gehört die Visionsfindung: Strategische Planung ohne Vision ist weitgehend wertlos – und eine Vision ohne umsetzungsorientierte Strategie ebenso. Vision und Strategie gehören zusammen wie die zwei Seiten einer Medaille. Nehmen Sie sich die Zeit, um den Strategiewechsel im Detail vorzubereiten, indem Sie zunächst einmal eine Vision formulieren. Mit der Szenario-Technik lassen sich realistische, weil aus der gegenwärtigen Situation und der Ist-Analyse abgeleitete, mögliche und alternative Zukunftsbilder entwickeln. Eine Vision hilft, die Black Box des Alltagsgeschäftes zu verlassen, sie befreit von den Fesseln des operativen Geschäfts, sie weitet den Blick und eröffnet das Panorama auf Ihr Unternehmen, wie es in fünf oder zehn Jahren ausschauen könnte. Also: Gründen Sie eine Visions- und Strategie-Task-Force mit Mitgliedern, die es wagen, über den operativen Tellerrand hinauszuschauen.

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Print-Objekts StartingUp:
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen StartingUp - Heft 01/15 - ab dem 19. Februar 2015 im Handel oder jederzeit online bestellbar  - auch als epaper - in unserem Bestellservice-Bereich