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Change: diese Phasen bestimmen den Wandel
Change: seit einigen Jahren ein Buzzword unter Unternehmensstrateg*innen. Der Begriff klingt so einfach, schließlich gehört Wandel zum Leben dazu, auch in Unternehmen. Gleichzeitig bedeutet ein gewollter Wandel ein konkretes Ziel für die Reise zu haben – einschließlich eines Plans, wie dieser Umbruch gelingen soll. Welche Schritte Wechselwillige in die Zukunft führen, liest du hier.
Unternehmen jeder Größe und Branche stehen vor multiplen Herausforderungen. Tempo, Flexibilität und Agilität entscheiden über Erfolg und Misserfolg. Um im internationalen Wettbewerb wieder vorne anzuknüpfen, setzen findige Leader auf Agilität, fernab von Command-and-Control-Prinzipien und festgefahrenen Strukturen. Einfach ohne Anleitung alle internen Gerüste aufzulösen und absolut frei zu agieren, führt jedoch kein Unternehmen ans Ziel. Natürlich passt ein starres Korsett nicht auf alle Unternehmen; One-size-fits-all ist genau das Gegenteil von Agilität. Bestimmte Schritte allerdings zählen für den Change in jeder Firma. Sie bieten eine gute Orientierung.
Die Phasen des Change
Veränderungsprojekte gleichen einer Matrix. Sie bestehen aus aufeinanderfolgenden Projektphasen wie Analyse, Konzept und Einführung. In diese Projektphasen schieben sich die einzelnen Veränderungsphasen. Das muss jedoch nicht immer gut ausgehen. Ein typischer Verlauf für einen gefährlichen Wandel:
- Im ersten Teil erntet das Projekt viel Zuspruch und macht in den ersten sechs Monaten bis zur Konzeptfertigstellung große Fortschritte.
- Darauf folgen im zweiten Part häufig längere Wartezeiten und Schleifen im Freigabeprozess, ausgelöst durch das aufkommende Bewusstsein des Managements für mögliche Konsequenzen und Fallstricke.
- Im dritten Teil verleiht die erste Implementierung dem Projekt neuen Schwung, bis
- im vierten Abschnitt nach etwa 14 bis 18 Monaten die Aufmerksamkeit schwindet. Das geschieht, wenn das Projekt die Interessensspanne des Managements überschreitet und dieses sich neuen Themen zuwendet. Nicht gelöste organisationale Hindernisse und damit ein Ausbleiben eines kompletten Erlebens der vollen Potenziale verstärken den Effekt. Mögliche Konsequenz: das Infragestellen des gesamten Change. Dies ist der wirklich kritische Punkt, den es zu überwinden gilt, um die Veränderung nachhaltig zu implementieren.
Damit Change nachhaltig in Firmen wachsen kann, achten Verantwortliche auf diese fünf Zustände:
Bewusstsein schaffen
Menschen verlassen ihre Komfortzone äußerst ungern. Veränderungen nehmen sie erst dann an, wenn keine Möglichkeit mehr für Gewohntes besteht. Diverse (Groß-)Unternehmen scheiterten an einem Wechselkurs aufgrund zu geringen Erkenntnisdrucks. Die Suche nach überzeugenden Gründen für einen Change steht deshalb vorne an: Warum muss eine Veränderung eintreten? Ist der Handlungsdruck groß genug? Transparenz und klare Kommunikation der Beweggründe gelten als wichtigste Voraussetzungen, um Awareness in der Organisation zu schaffen.
Motivation herausarbeiten
Change ist nicht nur aufwändig. Mit ihm sind Konsequenzen hinsichtlich Organisations- und Zusammenarbeitsstrukturen oder Verantwortlichkeiten verbunden. Diese Phase baut stark auf die Führungskräfte, Sponsoren und Stakeholder des Veränderungsprojekts. Haltungen à la „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ drohen jeden Veränderungswillen im Keim zu ersticken. Ist die Organisation, allen voran die Führungsebenen, bereit dazu? Maßnahmen wie Abstimmungen und Workshops sollen Ängste und Erwartungshaltungen klären, ein gemeinsames Ziel definieren und das Vorgehen festlegen. Die grundlegende Frage lautet: Welche Motivation heizt den Change an? Hier beginnt der Übergang zwischen dem Formulieren der Vision und dem Start des Agile Transition Teams.
Wissen ermitteln
Methodische Kompetenz benötigt ein Wandel genauso wie die Fähigkeit, das Zielbild zu entwerfen und bis ins Detail zu strukturieren. Fähigkeit zur strategischen Planung sowie die Befähigung zur operativen Umsetzung sind unabdingbar. Welcher Wissensaufbau muss in den Teams oder der Organisation erfolgen, um in den neuen Strukturen mit der neuen Arbeitsweise zu funktionieren? Welches Know-how braucht die Transformation? Wen brauchen wir an Board? Die Auserwählten gehören dann zum Transition Team: Idealerweise cross-funktional besetzt, treiben Mitarbeiter aus den zu transformierenden Abteilungen sowie den Schnittstellenabteilungen aus verschiedenen Hierarchiestufen als agiles Scrum Team die Veränderung von innen voran. Unterstützung erhalten sie durch mindestens zwei externe Berater und in der Regel einen Scrum Master.
Veränderungsmöglichkeiten ausloten
In dieser Phase stehen Überarbeitungen der Zusammenarbeits- und Kommunikationsstrukturen, aber auch der Führungsrolle beispielsweise durch anderes Planungsvorgehen und gewandeltes Reporting an. Welche Rahmenbedingungen gilt es zu beachten, die nicht verändert werden können? Welche Prozesse oder Strukturen müssen für einen nachhaltigen Wandel angepasst werden? Der Aufbau von Kompetenzen und neuen Rollen bestimmt diese Phase.
Vom Konzept über das Ausprobieren bis zur Gewohnheit
Zähne zusammenbeißen und durchziehen – Change ist ein nie vollends abgeschlossener Prozess. Selbst nach Projektabschluss der externen Unterstützer läuft der Wandel intern weiter. Denn neue Ausbaustufen und Themen, die zuvor nicht auf der priorisierten Agenda standen, drängen mit der Zeit in den Fokus. Die immer wieder zu stellende Frage lautet: Wie kommen die ersten Gehversuche im neuen Setup an? Wie lautet das Feedback? Um die vollzogenen Transformationen allen bewusst zu machen, lohnt das Messen der Erfolge, beispielsweise durch KPIs. Auch kleine Fortschritte und Teilerfolge sollten gefeiert werden und regelmäßigen Proof of Concept bieten.
Wichtig: Change gelingt durch eine beidseitige Umsetzung – top-down und bottom-up. Ohne Unterstützung und aktive Beteiligung der Führungsebenen stößt jede Veränderung an eine gläserne Decke. Potenziale werden nicht völlig gehoben und Teams frustriert, wenn sie nicht weiterkommen. Ohne Einbindung der Chefetagen wird die Veränderung nicht akzeptiert und mitgetragen. Widerstand und kritisches Feedback verstehen führende Personen als Gradmesser für den Nachbesserungsbedarf. Sachliche Gründe sollten Zuständige isolieren und diese klären. Dann beeinflussen hinter dem Widerstand liegende Ängste nicht den Wandel, der das Unternehmen zukunftssicher macht.
Die Autorin Dagmar Hebenstreit ist Co-Gründerin der Boutique-Beratung AGILEUS Consulting.
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VERAXA: Nasdaq-Debüt für 1,3 Mrd. US-Dollar
Befreiungsschlag jenseits des großen Teichs: Was Gründer*innen vom Milliarden-Debüt der 2021 gegründeten VERAXA Biotech lernen können.
Am 11. Juni 2026 vollzog die VERAXA Biotech AG einen bemerkenswerten Schritt: Das Unternehmen startete den Handel an der US-Technologiebörse Nasdaq unter dem Tickersymbol VRXA. Mit einem Pre-Money Equity Value von 1,3 Milliarden US-Dollar in der Business Combination setzt das BioTech-Unternehmen ein starkes Ausrufezeichen in einer Zeit, in der der deutsche Kapitalmarkt unter einer IPO-Dürre und einem eklatanten Mangel an Scale-up-Kapital leidet. Für unsere Leser*innen bietet dieser Case weit mehr als nur eine reine Listing-Meldung. Er seziert die strukturellen Herausforderungen der europäischen Gründer*innenszene und zeigt, wie hochkomplexe Forschungs-Spin-offs skaliert und kapitalisiert werden können.
Angesichts der aktuellen Marktlage ist diese Bewertung ein massives Statement. Wie ließ sich diese Summe in den Verhandlungen mit US-Investoren rechtfertigen und warum hat man sich gerade jetzt für den Weg über ein SPAC entschieden, anstatt auf ein späteres, klassisches IPO zu warten? Oliver R. Baumann, CEO der Xlife Sciences AG und Chairman of the Board der VERAXA Biotech AG, betont die fundamentale Stärke des Unternehmens: „Die Bewertung stützt sich aus unserer Sicht auf die Breite und Skalierbarkeit der VERAXA-Plattform. VERAXA verfügt über eine Pipeline antikörperbasierter Krebstherapien der nächsten Generation, darunter bispezifische T-Zell-Engager und Antibody-Drug Conjugates, kurz ADCs, und adressiert damit zwei der dynamischsten Bereiche der Onkologie.“
Entscheidend sei, dass die hauseigene BiTAC-Plattform mehrere Programme parallel hervorbringen kann und das Unternehmen somit nicht auf einen einzelnen Wirkstoffkandidaten reduziert ist. Den gewählten Weg verteidigt Baumann offensiv: „Der gewählte Weg war für uns deshalb konsequent, weil er VERAXA den Zugang zum US-Kapitalmarkt eröffnet. In der aktuellen Phase geht es darum, Programme auf Basis der BiTAC-Plattform in Richtung klinischer Entwicklung sowie strategischer und industrieller Partnerschaften weiterzuentwickeln. Dafür braucht ein Unternehmen wie VERAXA internationale Sichtbarkeit, Kapitalmarktzugang und Investoren, die die Logik hochinnovativer Onkologieplattformen verstehen.“
Die Anatomie des Deals: Volles Risiko, kein Cash-Exit
Die Transaktionsstruktur der VERAXA sendet ein deutliches Signal an den Markt: Bestehende Aktionäre, darunter Xlife Sciences sowie das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und dessen Technologietransfer-Arm EMBLEM, erhalten keinen Cash-Exit. Stattdessen rollen sie 100 Prozent ihrer Anteile in die börsennotierte Gesellschaft. Das zeugt von enormer Überzeugung der Altgesellschafter, bindet sie jedoch voll an das Post-IPO-Risiko.
Auf die konkrete Frage, ob dieser vollständige Verzicht eine zwingende Bedingung der SPAC-Sponsoren war und welche Lock-up-Fristen nun genau für das Management gelten, weicht Baumann den harten Details zu den Haltefristen zwar aus, stellt das strategische Signal aber umso klarer heraus: „Für uns war entscheidend, ein klares Signal an den Markt zu senden: Die bestehenden VERAXA-Aktionäre bleiben vollständig investiert. Im Rahmen der Transaktion erhalten sie keine Cash-Erlöse, sondern rollen 100 Prozent ihres Eigenkapitals in die kombinierte börsennotierte Gesellschaft.“ Dies unterstreiche, dass man nicht auf einen kurzfristigen Exit setze, sondern auf die weitere Wertentwicklung von VERAXA als öffentlichem Unternehmen.
Der Weg an die Börse erfolgte schließlich über eine Fusion mit der Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Voyager Acquisition Corp. Dieses Vehikel erlaubt zwar einen zügigeren Börsengang, bringt jedoch oft eine erhöhte Volatilität in den ersten Handelsmonaten mit sich.
Vom Heidelberger Labor in die Welt
VERAXA veranschaulicht eindrucksvoll, wie europäische Grundlagenforschung in marktfähige BioTech-Plattformen übersetzt wird. Das Unternehmen, das in seiner heutigen Form 2021 durch die Fusion der beiden EMBL-Ausgründungen Velabs Therapeutics und Araxa Biosciences entstand, basiert auf wissenschaftlichen Durchbrüchen aus dem EMBL-Umfeld.
Christoph Antz, Ph.D., CEO und Co-Founder der VERAXA Biotech AG , erinnert sich an den Startschuss im Jahr 2021 und die technologischen Herausforderungen: „Beide Unternehmen, Velabs und Araxa, hatten einen klaren Fokus auf moderne Immuntherapien mit Hilfe von monoklonalen Antikörpern und den ADCs. Beide Firmen hatten überlappende und zum Teil synergistische Technologien entwickelt und beide hatten eine enge Verknüpfung zum EMBL, einem der renommiertesten Forschungsinstitute in Europa. Es war also in einiger Hinsicht ein ,no brainer‘, diese Einheiten zusammenzufügen, um kritische Masse zu erzeugen.“
Technologisch wie kulturell sei die Zusammenführung der Teams keine allzu große Herausforderung gewesen. Die medizinische Wissenschaft fungiere hier als hervorragender Ankerpunkt. „Unser Forschungsteam besteht aus Vollblutwissenschaftlern. Ich glaube, dass ist ein Grund, warum wir in unserem Team schon heute rund 15 verschiedene Nationalitäten erfolgreich vereinen. Man spricht dieselbe Sprache, sozusagen.“
Während das F&E-Herz weiterhin im deutschen Heidelberg schlägt, agiert das Unternehmen strukturell global. Den gesellschaftsrechtlichen Sitz in der Schweiz begründet Antz primär mit dem dortigen Netzwerk und Ökosystem: „Der Sitz der Holding in der Schweiz erlaubte uns, Investoren zu gewinnen, gerade innerhalb des Xlife-Sciences-Netzwerks. Die Schweiz hat ein sehr starkes Pharma- und Biotech-Ökosystem mit den Branchenriesen Roche und Novartis beispielsweise.“ Er schließt nicht aus, sich dort künftig noch stärker im Talentpool umzuschauen, und verweist zudem auf regulatorische Vorbilder: „Auch der Gang an die NASDAQ wurde vor uns schon von einigen erfolgreichen Schweizer Biotech-Unternehmen erfolgreich vollzogen. Es gibt also einige positive Aspekte, die für dieses Konstrukt sprachen.“ Die gesamten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verbleiben dennoch in Heidelberg.
Technologie und Markt: Der Kampf gegen Krebszellen
Das Geschäftsmodell fokussiert sich auf die Entwicklung antikörperbasierter Krebstherapien der nächsten Generation, wobei bispezifische T-Zell-Engager (TCEs) und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) zu den Kernbereichen zählen. Im Zentrum steht die sogenannte BiTAC-Plattform, die Krebszellen anhand zweier Zielstrukturen präziser adressieren und gesundes Gewebe schonen soll. Doch wie will sich VERAXA gegen die Übermacht globaler Pharma-Riesen wie Roche oder AstraZeneca durchsetzen, die Milliarden in ähnliche onkologische Ansätze investieren?
Antz kontert selbstbewusst und benennt die Schwachstellen der aktuellen Medikamentengeneration: „Die derzeitige Generation moderner Krebsmedikamente insbesondere die Klasse der T-Zell-Engager und ADCs haben ein bekanntes Problem: Sie treffen zwar Tumorzellen haben aber auch in zu hohem Maße einen toxischen Effekt auf gesundes Gewebe.“ Die Folge seien schwere Nebenwirkungen, weshalb Ärzte die Medikamente nicht hoch genug dosieren können – ein Verlust an Sicherheit und Effektivität, in der Fachsprache ein enges therapeutisches Fenster genannt.
„Genau hier setzt BiTAC an. Unsere BiTAC Moleküle arbeiten mit einem dualen „AND gate“-Prinzip. Sie sind, stark vereinfacht gesagt, biologisch programmierbar. Ihre Krebszerstörende Wirkung wird nur ausgelöst, wenn zwei Zielstrukturen auf der gleichen Krebszelle erkannt werden.“ Zur Veranschaulichung zieht der Gründer einen griffigen Vergleich: „Ich vergleiche das gerne mit der 2-Faktor Authentifizierung, die nachweislich die Sicherheit von digitalen Systemen erhöht.“
Zudem funktioniere das System modular nach dem Lego-Prinzip: Aus wenigen Bausteinen können mehrere therapeutische Programme entstehen. „Diese Verbindung aus biologischer Selektivität, Skalierbarkeit und geschütztem Know-how macht den Kern unseres Wettbewerbsvorteils aus“, erklärt Antz.
Der Markt für Präzisionsonkologie ist heiß umkämpft
Etablierte Pharma-Riesen und US-Start-ups dominieren das Feld. Eine Bewertung von 1,3 Milliarden US-Dollar ist für ein Unternehmen, dessen Innovationen sich noch in sehr frühen Stadien befinden, äußerst ambitioniert. VERAXA steht nun in der Bringschuld, dem US-Markt zeitnah valide klinische Wirksamkeitsdaten zu liefern. Doch wie weit reicht der durch den Nasdaq-Deal gesicherte finanzielle Runway für diese absoluten Meilensteine?
Antz verspricht für die kommenden zwei bis drei Jahre eine klare Fokussierung, um möglichst viele Programme schnell in die klinische Entwicklung zu bringen und den Firmenwert zu steigern: „Damit rücken dann auch belastbare Sicherheitsdaten und erste klinische Wirksamkeitsnachweise in greifbare Nähe.“ Der SPAC-Merger und zwei begleitende Finanzierungen – eine erstrangig besicherte Finanzierung über 27,5 Millionen US-Dollar sowie eine Aktienkaufvereinbarung von bis zu 50 Millionen US-Dollar – stärken laut Antz die finanzielle Flexibilität deutlich. Auf die konkrete Nachfrage nach der exakten zeitlichen Reichweite des Geldes bleibt der CEO jedoch vage und vertröstet den Markt: „Konkreteren Ausblick auf unseren ,cash runway‘ werden wir dem Kapitalmarkt zentral mit unseren nächsten Finanzergebnissen kommunizieren.“
Drei Lektionen für Gründer*innen
Was bedeutet das für heimische Start-ups?
- US-Kapitalmarkt als logische Konsequenz: Wenn der Kapitalbedarf für die Skalierung (z. B. teure klinische Studien) die Möglichkeiten europäischer VCs übersteigt, bleibt der Weg über den Atlantik oft alternativlos.
- Struktur-Arbitrage nutzen: Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz in Heidelberg und einem gesellschaftsrechtlichen Sitz in der Schweiz zeigt, dass Start-ups heute supranational agieren müssen, um optimale Rahmenbedingungen für internationale Geldgeber zu schaffen.
- Technologietransfer professionalisieren: Der Brückenschlag vom EMBL in die freie Wirtschaft beweist, dass Institute zunehmend lernen, aus Ausgründungen handfeste wirtschaftliche Werte zu formen.
Mit dem US-Geld verschiebt sich der Fokus zwangsläufig in Richtung des US-Gesundheitsmarktes und der dortigen Zulassungsbehörde FDA. Beeinflusst das die Strategie für das Design kommender Studien im Vergleich zur europäischen EMA? Antz sieht das differenziert und bricht eine Lanze für den europäischen Standort: „Das sehen wir differenziert. Werden wir in Zukunft mehr mit der FDA interagieren, und generell mehr in den USA präsent sein, um Netzwerke und Kooperationen diverser Art aufzubauen? Absolut! Der US-Markt ist immer noch der größte Markt für innovative Pharmazeutika. Nutzen wir dennoch die anerkannten Stärken des Standort Europas und Deutschlands für unsere Entwicklungen. Ganz klar! Deutschland hat beispielsweise mit dem Paul-Ehrlich-Institut eine regulatorische Behörde für die Bewertung für biomedizinische Arzneimittel, das sehr versiert ist, insbesondere bei der Bewertung von Immuntherapien wie unseren.“
Zudem böten deutsche Kliniken einen sehr hohen Standard bei der medizinischen Forschung und klinischen Entwicklung – insbesondere die Onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Center, kurz CCCs), von denen eines in unmittelbarer Nachbarschaft zu VERAXA in Heidelberg sitzt. „Wissenschaft und biotechnologische Forschung bedeutet heutzutage gleichermaßen globale Kooperation wie Wettbewerb. Wir haben da früh ein sehr globales Mindset“, so Antz.
Fazit: Warnsignal für Europa
Am Ende bleibt das Fazit janusköpfig: VERAXA ist ein Triumph für die hiesige Wissenschaft, markiert aber gleichzeitig ein Warnsignal, da die Wertschöpfung einmal mehr im Ausland kapitalisiert wird. Für ambitionierte Scale-ups bleibt die Nasdaq auf absehbare Zeit das Maß der Dinge.
Auf die Frage, was sich strukturell und politisch in Europa ändern müsste, damit DeepTech-Scale-ups in Zukunft wieder in Frankfurt statt in New York an die Börse gehen, weicht Chairman Oliver R. Baumann aus und lenkt den Blick pragmatisch zurück auf die harten Marktgegebenheiten: „Für VERAXA war der Zugang zum US-Kapitalmarkt ein entscheidender Schritt, weil die weitere Entwicklung hochinnovativer Onkologieplattformen erhebliche Kapitalressourcen, internationale Sichtbarkeit und ein Kapitalmarktumfeld erfordert, das mit klinischer Entwicklung, Plattformunternehmen und strategischen Partnerschaften vertraut ist.“ Mit der Nasdaq-Notierung erhalte VERAXA nun genau diese notwendige internationale Plattform. Für die Muttergesellschaft Xlife Sciences bleibe der Deal dennoch ein wichtiger Beleg dafür, „dass europäische Spitzenforschung in investierbare, global skalierbare Unternehmen übersetzt werden kann“.
Die versteckte zweite Gründung
Oder: Wenn Start-ups ihr Unternehmen im Wachstum neu erfinden müssen.
Irgendwann stimmt alles, und trotzdem stimmt etwas nicht.
Die Zahlen wachsen. Das Team wächst. Die Investoren sind zufrieden, die Presse auch. Aber intern gerät Sand ins Getriebe, den niemand so richtig greifen kann. Entscheidungen dauern länger. Abstimmungen, die früher in zehn Minuten erledigt waren, brauchen jetzt drei Meetings und ein Follow-up. Mitarbeiter sind verunsichert und fragen Dinge, die eigentlich klar sein sollten. Der Gründer sitzt abends da und fragt sich, wann er den Überblick verloren hat.
Das ist kein Führungsversagen. Das ist Wachstum – in seiner unangenehmen, ehrlichen Form. Und es trifft fast jeden, der es weit genug gebracht hat.
Das Unternehmen, das sich selbst überholt
Was ein Start-up in seinen ersten Jahren trägt, ist seine Überschaubarkeit. Alle wissen alles, weil alle mit allen reden. Entscheidungen entstehen nicht in Prozessen, sondern in Gesprächen. Die Kultur ist nicht dokumentiert – sie ist stets gegenwärtig, weil die Menschen noch alle im selben Raum sitzen. Freitagabend kennt man sich, Montagmorgen versteht man sich. Kein Handbuch nötig.
Das ist keine Schwäche der frühen Phase. Es ist ihre eigentliche Stärke.
Bis das Unternehmen zu groß wird für genau dieses Prinzip. Mit zunehmender Skalierung entsteht eine administrative Komplexität, die die Kapazität des ursprünglichen Gründerteams systematisch zu übersteigen beginnt. Nicht weil das Team schlechter geworden wäre. Sondern weil das Unternehmen ein anderes geworden ist, die Strukturen jedoch noch so tun, als wäre es das alte.
Hier beginnt die eigentliche Krise. Nicht mit einem Knall, sondern mit einem leisen, anhaltenden Ton. Einem Ton, den viele zunächst für Kommunikationsprobleme halten, für falsche Perspektiven oder für einen schwierigen Markt. Es ist keines davon. Es ist Physik.
Zwischen 30 und 100: das Niemandsland
Die organisatorische Bruchstelle zwischen 30 und 100 Mitarbeiter ist eine der wiederkehrenden Schwellen, an denen Skalierung am häufigsten scheitert. Zu groß für das Prinzip „alle kennen alle“, zu klein für das, was man als professionelle Unternehmensführung bezeichnet.
In dieser Grauzone entstehen plötzlich Führungsrollen, bevor jemand sie definiert hat. Verantwortung verteilt sich informell, weil niemand die Zeit und den Kopf hatte, sie formal zuzuweisen. Wissen steckt in einzelnen Köpfen statt in Prozessen. Entscheidungen stauen sich, weil am Ende doch wieder der Gründer gefragt wird. Teams arbeiten parallel an denselben Fragen, ohne es zu wissen. Abteilungen arbeiten nebeneinander statt miteinander – jede mit eigener Sprache, eigener Prioritätenliste, eigener Version der Unternehmensrealität.
Von außen sieht das nach Wachstumsschmerzen aus. Von innen ist es das Unternehmen, das auf eine zweite Gründung wartet.
Wachstumsschmerzen vergehen in der Regel. Diese Situation hier nicht. Sie wächst einfach mit.
Was die zweite Gründung bedeutet – und was nicht
Keine Neuerfindung des Produkts. Kein Rebrand. Keine Strategieklausur, nach der alle erschöpft und inspiriert nach Hause fahren und am Montag weitermachen wie vorher.
Die Führungslogik, die ein Start-up groß macht – persönliche Nähe, gemeinsame Vision, emotionale Bindung – muss ab einem gewissen Punkt abgelöst werden. Von etwas Neuem, das skaliert: klare Rollen, verteilte Verantwortung, Strukturen, die auch dann funktionieren, wenn der Gründer nicht im Raum ist.
Das fühlt sich nach Verlust an. Entscheidungen werden getroffen, ohne dass jemand kurz beim Gründer nachfragt. Teams priorisieren eigenständig, weil sie wissen, nach welchen Kriterien priorisiert wird. Neue Mitarbeiter verstehen, wie das Unternehmen funktioniert – nicht weil sie es erleben, sondern weil es niedergeschrieben ist.
Jemand übernimmt die operative Führung. Die Gründer bekommen den Kopf wieder frei für das, was sie eigentlich gut können – das Produkt. Das ist keine Niederlage. Im Gegenteil: Es ist der Moment, in dem eine Organisation aufhört, ein großes Start-up zu sein, und beginnt, ein Unternehmen zu werden.
Es geht um die Fähigkeit zu erkennen, was das Unternehmen gerade braucht – und nicht um das, was den Gründer bisher erfolgreich gemacht hat.
Genau das entscheidet, ob das Unternehmen wirklich wächst oder einfach nur größer wird.
Was dabei wirklich schwer ist
Nicht die Strukturen. Nicht die Prozesse. Nicht mal die Hierarchie, die plötzlich auftaucht, wo vorher keine war.
Sondern dass der Gründer aufhört, das Unternehmen zu sein, und anfängt, es zu führen. Dass das, was ihn stark gemacht hat – Kontrolle, Tempo, persönliche Präsenz in allem –, plötzlich genau das ist, was er jetzt loslassen muss. Nicht weil er es falsch gemacht hat, sondern weil das Unternehmen größer geworden ist als dieser eine Ansatz.
Was in der Hochphase als Stärke funktioniert, entpuppt sich in der Skalierung als strukturelle Schwäche, wenn man es nicht erkennt und umbaut. Das ist keine Kritik an frühen Entscheidungen.
So funktionieren Organisationen: Was sie in eine Phase trägt, trägt sie nicht automatisch in die nächste.
Loslassen fühlt sich nach Kontrollverlust an. Strukturen fühlen sich nach Bürokratie an. Delegation fühlt sich nach Vertrauen ins Unbekannte an. All das ist real. Und all das gehört dazu, weil es zeigt, dass das Unternehmen gerade an einer Grenze steht, die nicht wegoptimiert werden kann. Sie muss durchquert werden.
Die zweite Gründung ist kein Eingeständnis. Sie ist die logische Konsequenz davon, dass die erste funktioniert hat. Wer sie selbst angeht, steuert den Wandel. Wer wartet, wird von ihm gesteuert.
Die meisten Gründer feiern die erste Gründung. Die zweite findet ohne Applaus statt – und genau die entscheidet, ob aus dem Start-up ein Unternehmen wird.
Die Autorin Nicole Dildei ist C-Level Interim Managerin und Managementberaterin mit über 20 Jahren Erfahrung in Transformation, Restrukturierung und Organisationsentwicklung. Sie begleitet Unternehmen im deutschsprachigen Raum in den entscheidenden Phasen des Wandels.
SpaceTech gründen heißt Industrie mitdenken
Warum SpaceTech-Gründende früh die Fähigkeit entwickeln müssen, Technologie nicht nur zu bauen, sondern sie auch nachvollziehbar und belastbar in den Markt zu bringen.
Viele SpaceTech-Start-ups beginnen mit einer technischen Vision: einem neuen Satellitenkonzept, einem effizienteren Subsystem, einer Softwarelösung für den Orbit oder einer Komponente, die bestehende Raumfahrtprogramme schneller, günstiger oder leistungsfähiger machen soll. In der Frühphase zählt vor allem, ob diese Idee technisch trägt. Teams bauen Demonstratoren, überzeugen erste Investoren, gewinnen Partner und zeigen, dass ihre Lösung grundsätzlich funktioniert.
Sobald daraus jedoch ein marktfähiges Produkt werden soll, verändert sich die Aufgabe. Dann geht es nicht mehr nur um Technologie, Finanzierung und Teamaufbau, sondern auch darum, Entwicklung, Tests, Nachweise und Änderungen so zu organisieren, dass daraus ein verlässliches Unternehmen entstehen kann. Wer im SpaceTech-Markt gründet, muss deshalb früh die Fähigkeit entwickeln, Technologie nicht nur zu bauen, sondern sie auch nachvollziehbar und belastbar in den Markt zu bringen.
Warum SpaceTech anders skaliert
In vielen digitalen Geschäftsmodellen bedeutet Skalierung vor allem: mehr Nutzer, mehr Märkte, mehr Automatisierung. Im SpaceTech-Bereich ist das komplexer. Ein Produkt muss nicht nur funktionieren, sondern auch dokumentiert, geprüft, integriert und langfristig betrieben werden können. Hardware, Software, Anforderungen, Tests und spätere Wartung greifen eng ineinander. Jede Änderung kann Auswirkungen auf Sicherheit, Schnittstellen, Zulassung oder Produktkonfiguration haben.
Anders als bei vielen rein digitalen Geschäftsmodellen lassen sich Fehler in der Raumfahrt nicht beliebig spät korrigieren. Was gebaut, integriert oder gestartet ist, muss vorher deutlich genauer abgesichert sein. Deshalb reicht Geschwindigkeit allein nicht aus. Entscheidend ist ein Entwicklungstempo, das sich nachvollziehen und absichern lässt.
Für Gründende bedeutet das: Prozesse sind nicht erst ein Thema, wenn das Unternehmen groß ist. Sie entscheiden früh darüber, ob ein Start-up später Kunden, Partner, Investoren und Prüfer überzeugen kann.
Frühphase: Pragmatismus ist Stärke und Risiko zugleich
In der Anfangsphase ist Pragmatismus oft überlebenswichtig. Kleine Teams arbeiten schnell, entscheiden direkt und vermeiden unnötige Abstimmungsschleifen. Anforderungen werden angepasst, Tests pragmatisch organisiert, Konstruktionsentscheidungen zügig getroffen. Diese Arbeitsweise ermöglicht Tempo und ist häufig ein Grund dafür, dass Start-ups schneller sind als etablierte Unternehmen.
Problematisch wird es, wenn diese informelle Arbeitsweise unverändert in die nächste Wachstumsphase übernommen wird. Spätestens wenn institutionelle Kunden, Industriepartner oder Zertifizierungsanforderungen hinzukommen, reicht es nicht mehr, dass das Team intern weiß, warum eine Entscheidung getroffen wurde. Dann muss nachvollziehbar sein, welche Anforderung hinter einer Funktion steht, welche Softwareversion getestet wurde, welche Änderung eine Freigabe beeinflusst und welche Nachweise bereits vorliegen.
Gute Prozesse sind kein Konzernballast
Viele Gründende verbinden formale Prozesse wie Dokumentation, Testnachweise oder Freigaben zunächst mit zusätzlichem Aufwand und dadurch mit einem Verlust an Tempo. Gerade im SpaceTech-Bereich gute Prozesse aber essentiell. Sie sollen Teams nicht daran hindern, schnell zu arbeiten, sondern verhindern, dass später wertvolle Zeit damit verloren geht, Entscheidungen, Tests oder Freigaben nachträglich rekonstruieren zu müssen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei Traceability. Sie sorgt dafür, dass Anforderungen, Produktdaten, Softwarestände, Tests und Änderungen miteinander verknüpft bleiben. Für ein Start-up hat das ganz praktische Vorteile: Kundengespräche werden belastbarer, technische Risiken früher sichtbar, Zertifizierungsvorbereitungen planbarer und neue Teammitglieder schneller arbeitsfähig.
Der Intelligent Product Lifecycle als Wachstumsgrundlage
Damit SpaceTech-Start-ups langfristig skalieren können, müssen verschiedene Entwicklungsdisziplinen früh zusammengeführt werden. Application Lifecycle Management (ALM) hilft, Anforderungen, Softwareentwicklung, Tests und Validierung zu verbinden. Product Lifecycle Management (PLM) hält Produktdaten, Konfigurationen, Änderungen und Varianten konsistent. Model-Based Systems Engineering (MBSE) unterstützt dabei, komplexe Systeme und ihre Abhängigkeiten besser zu verstehen.
Zusammen bilden diese Ansätze die Grundlage für einen Intelligent Product Lifecycle. Gemeint ist eine durchgängige digitale Struktur, die Produktinformationen über Entwicklung, Test, Produktion, Betrieb und Service hinweg nutzbar macht. Sie hilft dabei, die Fragen zu beantworten, die mit dem Wachstum immer wichtiger werden: Welche Produktversion ist gültig? Welche Tests gehören zu welcher Anforderung? Welche Änderung betrifft welche Konfiguration? Welche Daten braucht ein Partner, um eine Lösung integrieren zu können?
KI-Agenten entlasten nur, wenn die Basis stimmt
Auch KI kann Gründende im SpaceTech-Bereich unterstützen. KI-Agenten können Anforderungen strukturieren, Testfälle vorbereiten, Dokumentation vereinfachen oder Änderungsfolgen analysieren. Gerade für kleine Teams mit begrenzten Ressourcen ist das attraktiv, weil sich repetitive Aufgaben reduzieren und technische Zusammenhänge schneller sichtbar machen lassen.
Der Nutzen von KI hängt jedoch stark von der Datenbasis ab. Wenn Anforderungen, Testergebnisse, Freigaben und Produktdaten über viele Einzellösungen verteilt sind, entstehen zwar schnelle Antworten, aber nicht automatisch belastbare Entscheidungen. Ergebnisse müssen nachvollziehbar, prüfbar und vertrauenswürdig sein. KI-Agenten entfalten ihren Wert deshalb vor allem dort, wo sie auf strukturierte, verknüpfte Daten zugreifen können.
Kapital finanziert Wachstum, Prozesse machen es belastbar
Für SpaceTech-Gründende entscheidet sich Wachstum daran, ob aus einem Prototyp ein zuverlässiges Produkt und aus einem Entwicklungsteam ein belastbarer Industriepartner werden kann.
Das bedeutet nicht, die Arbeitsweise großer Konzerne zu kopieren. Start-ups sollten ihre Geschwindigkeit, Kreativität und technische Fokussierung bewahren. Aber sie müssen diese Stärken mit Strukturen verbinden, die Wachstum ermöglichen: nachvollziehbare Entscheidungen, konsistente Produktdaten, kontrollierte Änderungen, interoperable Schnittstellen und ein Engineering-Fundament, das auch bei steigender Komplexität trägt.
So entsteht die Glaubwürdigkeit, die junge Unternehmen in dieser Branche brauchen: gegenüber Kunden, die integrierbare Produkte erwarten, gegenüber Partner, die auf verlässliche Daten angewiesen sind, gegenüber Investoren, die Skalierbarkeit sehen wollen, und gegenüber Behörden, die belastbare Nachweise verlangen.
SpaceTech zu gründen heißt deshalb, Industrie von Anfang an mitzudenken. Kapital kann Wachstum beschleunigen. Tragfähig wird es aber erst, wenn Prozesse, Daten und Engineering-Strukturen mitwachsen.
Der Autor Dr.-Ing. Sören Münker ist Senior Solutions Consultant bei PTC mit Schwerpunkt auf hochregulierten Branchen wie Aerospace & Defense. Er beschäftigt sich damit, wie sich ALM, CAD und PLM zu einem durchgängigen Intelligent Product Lifecycle verbinden lassen, um Rückverfolgbarkeit, Interoperabilität und operative Resilienz in komplexen Entwicklungsumgebungen zu verbessern.
Tatendrang trifft Struktur – Ist Deutschland wirklich innovationsmüde?
Gründer*innen haben Gestaltungswillen, aber Bürokratie wirkt als tödliche Handbremse. Im Experten-Interview verrät Zukunftsberater und Start-up-Mentor Dr. Jenkis, was sich jetzt ändern muss.
In der öffentlichen Debatte wird Deutschland oft als Land der Bedenkenträger*innen und der bürokratischen Starre gezeichnet. Doch während die Medien über eine allgemeine Verunsicherung berichten, zeigt ein Blick in die Werkstätten und Büros von Gründer*innen und Unternehmer*innen ein anderes Bild: Hier herrscht „Gestaltungslust“ statt Stillstand.
Eine aktuelle Umfrage der ZUKUNFTSWERKE GmbH mit dem Titel „TATENDRANG TRIFFT STRUKTUR: Innovation im Spannungsfeld zwischen Willen und Wirklichkeit“ räumt mit gängigen Klischees auf. Die Ergebnisse belegen, dass der unternehmerische Kern längst auf Aufbruch programmiert ist: 32 Prozent der Befragten treibt der Wille an, die Zukunft aktiv zu gestalten.
Dr. Dirk Jenkis ist Zukunftsberater und Start-up-Mentor sowie der Kopf hinter ZUKUNFTSWERKE und Experte für die Dynamiken zwischen unternehmerischem Willen und strukturellen Rahmenbedingungen. Warum Innovationen oft auf halber Strecke stecken bleiben und warum das Problem weniger in den Köpfen als in den Strukturen liegt, erklärt er im Interview.
Herr Dr. Jenkis, Ihre Studie zeigt: 32 % der Unternehmer*innen wollen Zukunft aktiv gestalten, statt sie nur zu verwalten. Warum klafft die Schere zwischen diesem inneren Tatendrang und der öffentlichen Wahrnehmung einer „lahmenden Wirtschaft“ so weit auseinander?
Dr. Jenkis: Weil wir zwei völlig unterschiedliche Bilder betrachten. Innen sehe ich Unternehmer mit Energie, Ideen und einem klaren Gestaltungswillen. Außen diskutieren wir oft über Symptome: schwaches Wachstum, zähe Prozesse, Unsicherheit. Das Problem ist nicht fehlender Tatendrang. Das Problem ist, dass dieser Tatendrang in einem Umfeld stattfindet, das ihn oftmals ausbremst. Wenn Sie ständig gegen Bürokratie, langsame Verfahren oder unklare Regeln anlaufen, wirkt selbst die dynamischste Organisation irgendwann träge. Die Wirtschaft ist also nicht lahm. Sie läuft nur oft mit angezogener Handbremse.
Mut (27 %) und Neugier (23 %) sind laut Umfrage die wichtigsten Zutaten für Innovation. Warum ist das „Entscheiden ohne vollständige Datenbasis“ heute die wichtigste Kernkompetenz für Gründende?
Dr. Jenkis: Weil die Welt schneller ist als jede Datengrundlage. Wer wartet, bis alles sicher ist, kommt schlicht zu spät. Gründer bewegen sich immer im Ungewissen. Genau dort entsteht Innovation. Mut heißt nicht Leichtsinn, sondern beschreibt die Fähigkeit, mit Unsicherheit produktiv umzugehen.
Und Neugier sorgt dafür, dass man die richtigen Fragen stellt, statt nur auf Antworten zu warten. Die Kombination aus beidem ist entscheidend: neugierig denken, mutig handeln. Wer das beherrscht, hat einen echten Wettbewerbsvorteil.
Ihre Studie weist darauf hin, dass die gefürchtete Risikoaversion oft bei Kapitalgeber*innen und Investor*innen sitzt. Wie pitcht man als Start-up erfolgreich gegen ein Umfeld an, das zwar Innovation fordert, aber offensichtlich Angst vor dem Scheitern hat?
Dr. Jenkis: Indem man Klarheit schafft. Investoren reagieren nicht auf Vision allein, sondern auf nachvollziehbare Logik. Ein guter Pitch verbindet Mut mit Struktur. Er zeigt: Ich weiß, was ich tue, auch wenn ich nicht alles weiß. Gleichzeitig braucht es auf der Investorenseite mehr Bereitschaft, Risiko als Teil von Innovation zu akzeptieren. Kapitel entscheidet mit darüber, wie viel Innovation möglich wird. Wer nur sichere Wetten eingeht, bekommt keine Durchbrüche.
Die größte Bremse ist nicht der mangelnde Wille, sondern fehlende Ressourcen und regulatorische Hürden. Ist der „Innovationsstandort Deutschland“ also eher ein Sanierungsfall der Strukturen als ein Problem der Köpfe?
Dr. Jenkis: Es ist ganz klar ein Strukturthema. Ich habe in den Antworten dieser Studie sehr viel Energie gesehen. Sehr viel Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Neues zu schaffen. Was fehlt, sind oft Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und Einfachheit im System. Das Gute daran ist aber: Strukturen lassen sich verändern, wesentlich leichter als Mindset. Und genau darin liegt die Chance. Wir müssen nicht erst Motivation erzeugen. Wir müssen die vorhandene Motivation freisetzen und Gründern mehr Steine aus dem Weg räumen.
15 % der Befragten klagen über zu viele Prozesse und zu wenig Freiheitsgrade. Wie bewahren sich Start-ups beim Wachsen ihre Agilität, ohne in die „Konzern-Falle“ zu tappen?
Dr. Jenkis: Die „Konzern-Falle“ entsteht, wenn Prozesse zum Selbstzweck werden. Wachstum braucht Struktur, aber Struktur muss Klarheit schaffen, statt Tempo zu nehmen. Viele Scale-Ups bauen sich schleichend Komplexität auf, die sie später selbst ausbremst. Entscheidend ist, dass Gründer sich mitentwickeln und ihr eigenes System immer wieder hinterfragen. Ohne Widerspruch entsteht schnell eine Echokammer. Agilität bleibt, wenn jemand regelmäßig stört, Fragen stellt und Entscheidungen schärft. Am Ende gilt: Nicht weniger Prozesse machen agil, sondern die richtigen.
77 % der Befragten haben ihr Geschäftsmodell im letzten Jahr grundlegend hinterfragt. Ist eine permanente „positive Paranoia“ heute die einzige Überlebensstrategie?
Dr. Jenkis: Schon 1996 schrieb der Intel-Mitgründer Andy Groove sein Buch mit dem Titel „Only the Paranoid survive“. Ich würde es eher Wachsamkeit nennen. Erfolgreiche Gründer entwickeln schnell ein feines Gespür dafür, wann sich etwas verändert. Sie hinterfragen sich regelmäßig, ohne sich ständig neu zu erfinden. Das ist ein kontinuierlicher Lernmodus. Wer bestehen will, braucht die Fähigkeit, Stabilität und Bewegung gleichzeitig zu organisieren. Das war schon immer so, ist in der schnelllebigen Wirtschaftswelt von heute aber noch wichtiger.
21 % nutzen bewusst externe Impulse und Netzwerke, um Stillstand zu überwinden. Warum ist das „Schmoren im eigenen Saft“ für junge Unternehmen gefährlicher als jede(r) Wettbewerber*in?
Dr. Jenkis: Weil es die Wahrnehmung verengt. Wenn man nur mit Menschen spricht, die ähnlich denken, entstehen schnell Echokammern. Ideen klingen in der eigenen Blase immer besser, als sie wirklich sind. Risiken werden ausgeblendet, blinde Flecken übersehen. Externe Impulse dagegen bringen Reibung. Und genau diese Reibung sorgt für Klarheit. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, sich für Neues begeistert und sich bewusst von anderen – etwa Mentoren oder Sparringspartnern – hinterfragen lässt, entwickelt sich weiter. Wettbewerb fordert von außen. Selbstüberschätzung entsteht von innen.
Im „Museum des Scheiterns“ Ihrer Befragten hängen eher leise Fehlentscheidungen wie unpassende Teams oder kulturelle Blockaden. Was ist die wichtigste Lektion, die Gründende aus diesen strukturellen Fehlern ziehen können?
Dr. Jenkis: Erfolg entscheidet sich selten an der Idee. Vielmehr sind es die Menschen und ihre Art, wie sie zusammenarbeiten. Denn die meisten Probleme entstehen nicht spektakulär, sondern schleichend. Falsche Besetzungen, unklare Kommunikation, fehlendes Vertrauen. Die wichtigste Lektion ist deshalb: Organisation und Kultur sind keine Nebenthemen. Sie sind der Kern unternehmerischen Erfolgs. Darum hier nochmal die klassischen Zitate von Peter Drucker und Safi Bahcall: „Culture eats strategy for breakfast. Structure eats culture for lunch.“
Zum Abschluss: Sie ziehen in Ihrer Studie einen Vergleich zur historischen Fernfahrt von Bertha Benz und sagen: Die Ideen stehen bereit, aber der Weg muss frei werden. Wenn wir dieses Bild auf heute übertragen: Welche eine strukturelle Weiche muss die Politik jetzt stellen, damit die nächste große Idee in Deutschland endlich freie Fahrt bekommt?“
Dr. Jenkis: Verlässlichkeit. Unternehmer können mit Unsicherheit umgehen. Was sie brauchen, sind klare, stabile Rahmenbedingungen. Wenn Regeln nachvollziehbar sind und auf Freiheiten bieten, Verfahren schnell laufen und Entscheidungen planbar werden, entsteht automatisch mehr Bewegung. Die Ideen stehen bereit. Die Menschen auch. Jetzt geht es darum, die Straße so zu gestalten, dass sie frei bleibt.
Dr. Jenkis, Danke für die spannenden Insights!
Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt
Von der Medienmarke zur Infrastruktur: Was Gründende von MILC über Web3 lernen können, ohne in den Hype zu tappen
Viele Start-ups scheitern nicht an Ideen, sondern an der falschen Flughöhe. Sie bauen Produkte für einen Markt, den es in dieser Form noch gar nicht gibt, oder sie verwechseln Aufmerksamkeit mit Substanz. Gerade im Web3-Umfeld war das in den vergangenen Jahren oft zu beobachten. Viel Kapital floss in Narrative, deutlich weniger in tragfähige Modelle.
Der Fall MILC (Media Industry Licensing Content) ist deshalb interessant, weil er einen anderen Weg zeigt. Hinter dem Projekt steht mit Hendrik Hey kein Krypto-Promoter, sondern ein Medienunternehmer mit jahrzehntelanger Markterfahrung. Der Ausgangspunkt war nicht die Frage, wie man einen Token in den Markt drückt, sondern welches reale Problem so groß ist, dass sich dafür eine neue Infrastruktur lohnt.
Nicht vom Hype her denken, sondern vom Marktproblem
Ein häufiger Fehler von Gründenden besteht darin, sich zuerst in eine Technologie zu verlieben und erst danach nach ihrem Zweck zu suchen. Bei MILC scheint die Reihenfolge umgekehrt zu sein. Das Kernproblem ist schnell beschrieben: Medien lassen sich heute global verbreiten, aber Rechte, Beteiligungen und Erlöse sind weiterhin in langsamen, teuren und oft schwer nachvollziehbaren Strukturen organisiert.
Genau dort setzt das Modell an. Nicht als weiteres Medienportal, sondern als Infrastruktur für Lizenzierung, Rechteverwaltung und Erlöslogik. Für Gründende ist das die erste wichtige Lektion: Märkte mit hoher Reibung sind oft interessanter als Märkte mit hoher Lautstärke.
Je komplexer ein Markt in der Abwicklung ist, desto größer ist der Hebel für ein gutes Infrastrukturprodukt. Wer es schafft, einen Prozess nicht nur digitaler, sondern verlässlicher und klarer zu machen, baut näher am echten Wert als jemand, der bloß eine weitere Oberfläche produziert.
Eine starke These ist noch kein Geschäftsmodell
Start-ups brauchen eine große Erzählung, aber sie dürfen sich nicht in ihr verlieren. Auch MILC arbeitet mit einer großen These: dass digitale Eigentums- und Beteiligungsmodelle im Medienbereich neu organisiert werden müssen. Entscheidend ist jedoch, ob diese These in ein funktionierendes Modell übersetzt werden kann.
Genau hier wird es für Gründende spannend. Ein Projekt wie MILC muss nicht nur technisch funktionieren. Es muss mehrere Gruppen gleichzeitig überzeugen: Rechteinhaber, Produzenten, Lizenznehmer, kreative Talente, mögliche Partner und später womöglich institutionelle Kapitalgeber. Das bedeutet: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Feature, sondern im Zusammenspiel aus Produkt, Recht, Vertrieb und Vertrauen.
Viele junge Unternehmen unterschätzen diese Mehrdimensionalität. Sie bauen zu stark aus Sicht des Entwicklers und zu wenig aus Sicht eines Marktes, der sich nur dann bewegt, wenn Risiko sinkt. Infrastruktur heißt deshalb immer auch: Komplexität für andere reduzieren.
Warum Timing wichtiger ist als Vision allein
Ein weiteres Learning aus Projekten wie MILC betrifft das Timing. Dieselbe Idee wäre vor einigen Jahren vermutlich schwerer vermittelbar gewesen. Heute treffen mehrere Trends aufeinander: KI senkt Produktionskosten, digitale Inhalte zirkulieren schneller denn je, Plattformabhängigkeiten werden sichtbarer, und die Diskussion über Eigentum an Daten, Inhalten und digitalen Assets ist deutlich reifer geworden.
Für Gründende heißt das: Eine starke Idee reicht nicht. Sie muss in einem Moment auftauchen, in dem der Markt ihren Nutzen erkennen kann. Timing ist kein Nebenaspekt, sondern oft der Unterschied zwischen zu früh und genau richtig.
Das gilt nicht nur für Web3. Es gilt für fast jede Infrastrukturidee. Wer Prozesse verbessern will, die bislang mit Excel, E-Mail und juristischen Einzelabsprachen laufen, braucht Geduld und einen Markt, der Veränderungsdruck spürt. Ohne diesen Druck bleibt selbst das bessere System nur eine gute Präsentation.
Regulierung ist nicht der Feind, sondern Teil des Produkts
Gerade Gründende aus digitalen Szenen betrachten Regulierung oft als lästige Pflicht. Das ist verständlich, aber zu kurz gedacht. In Bereichen, in denen Eigentum, Geldflüsse und grenzüberschreitende Nutzung eine Rolle spielen, ist Regulierung kein Add-on. Sie ist Teil des Produkts.
Das ist einer der interessantesten Punkte an der MILC-Strategie. Der Anspruch ist nicht, sich möglichst weit außerhalb institutioneller Logiken zu bewegen, sondern Brücken in genau diese Welt zu bauen. Für viele Start-ups liegt darin eine unbequeme, aber wichtige Einsicht: Wer in sensiblen Märkten wachsen will, muss nicht nur technologisch, sondern auch strukturell glaubwürdig sein.
Das betrifft Vertragslogiken, Auditierbarkeit, Verantwortlichkeiten und Kapitalfähigkeit. Gerade im europäischen Kontext kann das ein Vorteil sein. Vertrauen entsteht nicht nur durch gutes Design, sondern auch durch belastbare Regeln.
Gründende müssen das Problem größer denken als das Produkt
MILC wirkt deshalb weniger wie ein einzelnes Tool und eher wie der Versuch, eine ganze Wertschöpfungskette neu zu sortieren. Ob das gelingt, ist offen. Aber die Perspektive dahinter ist lehrreich. Gute Start-ups stellen nicht nur die Frage, was ihr Produkt kann. Sie fragen, welches Systemverhalten sich dadurch verändert.
Für Gründende bedeutet das: Der eigentliche Wert eines Produkts entsteht oft erst dann, wenn es Teil einer größeren Marktlogik wird. Wer nur ein Feature anbietet, bleibt austauschbar. Wer eine Kategorie neu schneidet, hat die Chance, Standards zu setzen. Das ist riskanter und langsamer, aber oft auch nachhaltiger. Vor allem in Märkten, in denen sich Macht aus intransparenten Prozessen speist, können neue Standards mehr bewirken als einzelne Innovationen.
Was man als Gründende aus MILC mitnehmen kann
Drei Punkte stechen besonders hervor:
Erstens: Starte nicht mit der Technologie, sondern mit einem Marktversagen. Wo Reibung groß ist, liegt Potenzial.
Zweitens: Infrastruktur verkauft sich nicht über Glamour, sondern über Verlässlichkeit. Wer Prozesse neu ordnet, braucht Vertrauen in Produkt, Struktur und Team.
Drittens: Große Visionen brauchen Anschlussfähigkeit. Ein Start-up wird nicht dadurch stark, dass es alles anders machen will, sondern dadurch, dass es das Neue mit den Anforderungen realer Märkte kompatibel macht.
Zwischen Hype und Handwerk
Web3 war in den vergangenen Jahren oft eine Bühne für überzogene Versprechen. Umso interessanter sind Projekte, die das Thema auf Handwerk zurückholen: auf Eigentum, Regeln, Prozesse, Beteiligung. Genau dort entscheidet sich am Ende, ob aus einer Idee ein Markt wird.
Für Gründende ist das die vielleicht wichtigste Botschaft. Es lohnt sich, auf die unspektakulären Probleme zu schauen. Denn oft liegt gerade dort das größere Unternehmen verborgen. Nicht in der lautesten Story, sondern in der stillen Fähigkeit, Ordnung in ein System zu bringen, das bislang von Unklarheit lebt.
MILC ist damit weniger ein Vorbild im Sinne einer Blaupause als ein nützlicher Prüfstein. Es zeigt, wie man eine Zukunftstechnologie nicht als Selbstzweck erzählt, sondern als Antwort auf ein reales Marktproblem. Für junge Unternehmen ist das oft die wertvollste Form von Innovation.
Wachstum um jeden Preis ist vorbei
Im Juni geht die Hinterland of Things 2026 an den Start – mit klarem Fokus auf Umsetzung statt Debatte. Dominik Gross, Mitgründer und Geschäftsführer der Founders Foundation, spricht über den Schulterschluss von Mittelstand, Start-ups und Kapital, B2B-Tech-Trends sowie NRW als Hotspot für B2B-Gründungen.
Im Juni findet die nächste Hinterland of Things statt. Können Sie bereits von ersten Highlights berichten, auf die sich die Teilnehmer*innen freuen dürfen?
Die Hinterland of Things Conference 2026 steht unter dem Motto „and Action“, denn Deutschland hat kein Erkenntnisproblem – Deutschland hat ein Umsetzungsproblem. Das Motto steht für den gemeinsamen Nenner, wie Unternehmer die Industrie neu denken, Kapital zu Wachstum und Wissen zu Wertschöpfung machen, die nächste Generation von Gründern stärken und Politik wieder handlungsfähig wird: Wir wissen genug – wir müssen handeln. Ein zentrales Highlight ist der klare Schulterschluss zwischen Mittelstand, Start-ups und Kapital. Ein einzigartiger USP in der deutschen Konferenzlandschaft, muss man ehrlich sagen. Wir bringen nicht nur die Tech-Szene mit Gründern und Investoren zusammen, sondern eben auch die Inhaber, Familienmitglieder und Entscheider aus dem deutschen Mittelstand. Dieser Dreiklang ist einmalig. Darüber hinaus setzen wir wieder starke Akzente bei Kapitalthemen – von (Corporate) Venture Capital und Venture Clienting über Börsengänge bis hin zur Frage, wie Deutschland vom Land der Sparer zum Land der Builder wird. Auch der Transfer von Wissenschaft in markt- und investitionsfähige Unternehmen spielt für uns als Forschungsland eine zentrale Rolle. Kurz gesagt: weniger Debatte, mehr Entscheidung; weniger Diagnose, mehr Action.
Der Fokus liegt auf B2B-Tech-Start-ups. Welche B2B-Trends sehen Sie aktuell, welche Erwartungen haben Sie für die Branche dieses Jahr?
Wir sehen aktuell eine klare Verschiebung von Vision hin zu Verwertbarkeit. B2B-Tech-Start--ups müssen nicht mehr erklären, was sie technologisch können, sondern welches konkrete Problem sie für Unternehmen lösen. Effizienz, Produktivität und Kostensenkung stehen klar im Vordergrund. Zugleich ermöglicht Technologie Sprunginnovationen für die Industrie. Beispielsweise im Bereich Robotik: Humanoide Roboter auf zwei Beinen brauchen vielleicht noch etwas, aber überall dort, wo Roboter Prozesse, Abläufe und Arbeitsschritte automatisieren oder assistieren können, werden wir schon in wenigen Jahren neue Produkte und Geschäftsmodelle erleben. Und darüber hinaus gilt geradezu „natürlich“, dass sämtliche Geschäftsmodelle künstliche Intelligenz in ihrer DNA verankert haben werden. Unternehmen und Kapitalgeber investieren gezielter, erwarten schnelleren Impact und belastbare Business Cases. Wachstum um jeden Preis ist vorbei – gefragt sind robuste Geschäftsmodelle mit klarer Skalierungsperspektive. Für die Branche bedeutet das: weniger Hype, mehr Substanz. Start-ups, die echte industrielle Probleme adressieren und eng mit ihrer Kundschaft entwickeln, werden sich durchsetzen. Genau dort entsteht aktuell die spannendste Dynamik im B2B-Bereich.
NRW zählt zu den Start-up-Hotspot-Bundesländern in Deutschland, zeigte sich im aktuellen Startup Next Generation Report unter den Top-Plätzen. Was zeichnet NRW und speziell Bielefeld Ihrer Meinung nach als Start-up-Standort für B2B besonders aus?
NRW verbindet etwas, das für B2B-Start-ups entscheidend ist: industrielle Substanz und unternehmerische Nähe. Hier sitzen viele mittelständische Weltmarktführer, die offen für Kooperationen sind und Start-ups von Tag null an reale Anwendungsfälle bieten. Genau das brauchen B2B-Start-ups, um Produkte marktfähig zu entwickeln und schnell zu skalieren. Bielefeld steht exemplarisch dafür. Die Region ist geprägt von Industrie, Hidden Champions und kurzen Entscheidungswegen. Gleichzeitig gibt es ein wachsendes Start-up-Ökosystem, das eng mit Unternehmen, Hochschulen und Investoren vernetzt ist. Diese Kombination aus Praxisnähe, Kooperationsbereitschaft und einem klaren Fokus auf Umsetzung macht NRW – und Bielefeld im Besonderen – zu einem sehr starken Standort für B2B!
Inwiefern unterstützt die Founders Foundation neben der großen Konferenz B2B-Start-ups, was bieten Sie Jungunternehmen?
Die Konferenz ist nur ein sichtbarer Teil unserer Arbeit – quasi unser Leuchtturm, mit dem wir alle Augen auf die Region und ihr Potenzial lenken. Als Founders Foundation begleiten wir B2B-Start-ups entlang der gesamten frühen Wachstumsphase – von der ersten Idee bis zur Skalierung – und das als gemeinnützige Organisation, ohne Anteile zu nehmen. Unser Fokus liegt darauf, unternehmerische Fähigkeiten aufzubauen und Gründung als ernsthafte Karriereoption zu etablieren. Dafür bieten wir – je nach Reifegrad von Idee und Team – verschiedene Programme, ein über zehn Jahre gewachsenes Netzwerk aus den erfahrensten Serial Entrepreneurs der deutschen Start-up-Szene, etablierten Unternehmern und Industriepartnern sowie ein großes Investorennetzwerk. Hinzu kommen konkrete Anwendungsfälle aus dem Mittelstand. Für Start-ups ist das entscheidend, weil sie früh Feedback aus dem Markt bekommen und ihre Lösungen unter realen Bedingungen testen können. Unser Anspruch ist es, Gründer nicht nur zu inspirieren, sondern sie in die Umsetzung zu bringen. Genau da schließt sich der Kreis: and Action.
Dominik Gross, vielen Dank für das Gespräch
Dies ist ein Beitrag aus der StartingUp 01/26 – hier geht's zum E-Shop.
Warum internationale Unternehmen Österreich als F&E-Standort wählen
Weshalb internationale Unternehmen ihre F&E-Aktivitäten in Österreich ausbauen, welche Rolle Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Start-ups spielen und wie die Austrian Business Agency (ABA) dabei unterstützt, erzählen Martin Gruber (NXP Semiconductors), Stefan Poledna (TTTech Auto) und Gerald Seifriedsberger (GE HealthCare Austria) im Interview.
Österreich zählt zu den innovationsstärksten Ländern Europas und gehört im European Innovation Scoreboard zur Gruppe der „Strong Innovators“. „Maßgeblich zu unserer Position tragen internationale Unternehmen bei, die Österreich gezielt als Standort für Forschung und Entwicklung (F&E) nutzen und zahlreiche Innovationen hervorbringen. Die österreichischen Niederlassungen internationaler Konzerne leisten einen maßgeblichen Beitrag für den Innovationsstandort Österreich – sie sind mit 2,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte der unternehmensfinanzierten F&E-Ausgaben verantwortlich”, so Marion Biber, Head of INVEST in AUSTRIA bei der Standortagentur ABA.
Österreich ist in den letzten Jahrzehnten generell viel innovativer geworden: Zwischen 2000 und 2023 wuchsen die F&E-Ausgaben hierzulande um 73 Prozent – deutlich stärker als im EU-Durchschnitt mit 24 Prozent.
Forschung und Entwicklung
Forschung und Entwicklung sind zentrale Treiber für wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt. Österreich bietet für beide Bereiche optimale Rahmenbedingungen – nicht zuletzt durch ein europaweit einzigartiges Fördermodell, das direkte (durch die FFG) und indirekte Forschungsförderung (durch die Forschungsprämie) kombiniert.
Internationale Unternehmen treffen hier außerdem auf eine dichte Forschungslandschaft, und ein Ökosystem, in dem Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Start-ups nicht Ausnahme, sondern Alltag ist.
Steirischer Ort mit globaler Wirkung
Viele der Unternehmen, die in Österreich forschen und entwickeln, agieren im B2B-Bereich und bleiben daher für Endkonsument*innen oft unsichtbar. Einer dieser Player ist NXP Semiconductors, ein niederländischer Halbleiterkonzern mit rund 35.000 Mitarbeitenden in über 30 Ländern. Einer der wichtigsten F&E-Standorte befindet sich im steirischen Gratkorn.
Dort arbeiten heute rund 650 Expert*vinnen aus 45 Nationen an Zukunftsthemen wie Edge AI, Cybersecurity und Post Quantum Cryptography. “Der Standort Österreich ist ganz essentiell für uns und für die Entwicklung von innovativen, neuartigen Halbleiterprodukten. NXP Österreich ist für uns als internationalen Konzern ein sehr wichtiger Forschungs- und Entwicklungsstandort”, so Martin Gruber, Vice President Corporate Strategy bei NXP Semiconductors. Besonders stark vertreten ist NXP im Mobility- und Automotive-Bereich, aber auch in Industrial- und IoT-Anwendungen.
Niedersachsens Labor der Zukunft ist digital
Zwei mit dem niedersächsischen DurchSTARTer-Preis 2025 ausgezeichnete Spin-offs aus Göttingen zeigen, wie hochkomplexe Forschung zu marktreifer Technologie wird – und dass Niedersachsen sich zu einem Knotenpunkt der Biomedizin entwickelt.
Die medizinische Diagnostik steht an einem Wendepunkt. Digitale wissenschaftliche Werkzeuge helfen beispielsweise dabei, Tumore besser und schneller zu erkennen sowie gezielter zu therapieren. Zwei mit dem niedersächsischen DurchSTARTer-Preis 2025 ausgezeichnete Spin-offs aus Göttingen, Histomography und GliTTher, zeigen, wie hochkomplexe Forschung zu marktreifer Technologie wird – und dass Niedersachsen sich zu einem Knotenpunkt der Biomedizin entwickelt.
Histomography digitalisiert komplette Pathologie-Proben zerstörungsfrei in 3D. Dazu nutzt das Laborsystem Röntgen-Phasenkontrast-Tomographie, eine Technologie, die feinste Strukturen sichtbar macht – ohne Gewebe zu färben oder zu schneiden. Die entstehenden 3D-Datensätze lassen sich direkt im Browser erkunden und auswerten. So werden kleinste Veränderungen und Tumore im Gewebe erkannt, die in 2D-Schnitten leicht übersehen werden. Histomography entwickelt dafür eine durchgängige Plattform: kompakter 3D-Scanner, Cloud-Infrastruktur und KI-gestützte Analysen greifen nahtlos ineinander. Langfristig soll die Technologie in Kliniken Routineuntersuchungen standardisieren – und die Diagnostik von der subjektiven Mikroskopie zu objektiven, datengetriebenen Entscheidungen führen.
5 Erfolgsfaktoren für (bootstrappende) Start-ups
Kapital bleibt schwer zugänglich: Was Gründer*innen jetzt von bootstrappenden Start-ups lernen können.
Andreas Lehr, Bootstrapper, Gründer und Host des Podcasts Happy Bootstrapping, hat mit über 150 bootstrappenden Gründer*innen gesprochen und aus den Gesprächen fünf Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Darunter Ansätze, die jetzt im aktuellen Funding-Klima von großer Bedeutung sind.
- Extreme Kund*innenfokussierung statt starker Wachstumsfokus.
- Profitables Wachstum mit kleinen Teams, Gründen in Teilzeit.
- Nischen-Strategien, die die Skalierung in einen breiteren Markt ermöglichen.
- Community-getriebene Produktentwicklung / Building in Public.
Lehrs Erkenntnis: „Bootstrapping gewinnt in der deutschen Start-up-Landschaft sichtbar an Gewicht. Immer mehr Gründer*innen setzen auf unabhängiges Wachstum. Genau die Strategien, die Bootstrapper*innen erfolgreich machen, werden für Gründer*innen in einem vorsichtigeren Markt zu wichtigen Werkzeugen, um Unternehmen stabil aufzubauen.“
5 Erfolgsfaktoren für (bootstrappende) Start-ups
1. Build in community, not just in public
- Eine Community ist eine dauerhafte Feedback-Quelle für bestehende und kommende Produkte.
- Aufbau enger Nutzer*innengruppen auf Discord, Instagram und per On-Site-Events sorgt für loyale Unterstützung.
- Eine Community liefert Ideen für neue Features und Produkte und hilft dabei sie zu validieren.
- Enge Interaktion sorgt für Loyalität und niedrigere Customer Acquisition Cost. Building in Community ist damit die Vertiefung von Building in Public.
Beispiel: Capacities.io ist eine Note-Taking-Software, die Notizen auf die menschliche Wahrnehmung optimierte Weise strukturiert. Die Gründer haben eine Community aus 5000+ Menschen auf Discord aufgebaut, was den Support- & Onboarding-Aufwand reduziert und die Produktbindung erhöht.
2. Keine Angst vor der Nische
- Start in einer sehr klar definierten Nische mit spitzem Nutzer*inproblem.
- Nischen ermöglichen schnelles Verständnis von Marktbedürfnissen und zielgerichtetes Produktdesign.
- Hohe Eintrittsbarrieren für Wettbewerber*innen durch Expertise und Fokus.
- Nischen können nach und nach erweitert werden, um einen breiteren Markt zu erreichen.
Beispiel: parqet.com startete als FinTech für Portfolio-Tracking für die Kunden*innen einer einzigen Bank. Die Schritt-für-Schritt-Erweiterung der Services sorgte für stabiles Wachstum und ausreichend unternehmerischer Ressourcen.
3. Produktfokus: Gut Ding will Weile haben
- Produktqualität und Nutzer*inerlebnis wichtiger als schnelle Releases.
- Intensive Iterationsphasen mit frühen Nutzer*innengruppen.
- Launches werden verschoben, bis das Produkt wirklich überzeugt.
- Kund*innennähe (direktes Feedback, Support) ist der Hebel für Produktentwicklung.
Beispiel: PROJO ist ein SaaS für Planungsbüros in der Architektur und Ingenieurswesen. Die Software wurde mit den ersten drei Kunden über zwei Jahre bei regelmäßigen Check-ins verfeinert.
4. Nicht nach Version eins aufgeben
- Erste Versionen sind oft nicht erfolgreich – Fortschritt entsteht durch Ausdauer.
- Anpassungen, Repositionierungen und mehrere Iterationen können notwendig sein.
- Gründer*innen profitieren langfristig von Beharrlichkeit in derselben Produktlinie. Expertise in der Nische entsteht nicht sofort.
Beispiel: Gründer Sebastian Röhl entwickelt verschiedene Apps im Self-Improvement-Bereich, um herauszufinden, was funktioniert: WinDiary, HabitKit, LiftBear. Viele Gründer*innen berichten von einem Hockey-Stick-Moment
5. Teilzeitgründen gibt Sicherheit
- Viele Bootstrapped-Projekte starten erfolgreich neben dem Hauptjob.
- Reduzierte Arbeitszeit (z.B. 4-Tage-Woche) ermöglicht risikoreduziertes Wachstum.
- Nebenberufliche Projekte schaffen Zeit für Markttests und frühe Umsätze.
- Erst später in Vollzeit wechseln, wenn Traction vorhanden ist.
Beispiel: Treazy, ein Start-up für Socken, wurde vom Gründerduo in Teilzeit aufgebaut und beschäftigt heute beide voll. Ein(e) Gründer*in muss nicht alles stehen und liegen, um ein Start-up aufzubauen, oft reichen drei Tage oder die halbe Woche, was finanzielle Sicherheit gibt und ein langsameres Wachstum möglich macht.
Interview mit Ole Dening: Wie digitalisieren Unternehmen ihre langfristigen Beschaffungsstrategien?
Ole Dening, Co-Founder der Partbase GmbH und Experte für digitale Einkaufslösungen, erklärt, wie Unternehmen mit digitalen Tools ihre langfristigen Beschaffungsstrategien effizienter gestalten.
Lieferketten, Einkauf und Beschaffung befinden sich im Wandel. Steigende Kosten, volatile Märkte und geopolitische Unsicherheiten zwingen Unternehmen dazu, ihre Strategien neu zu denken. Besonders im Einkauf zeigt sich, dass digitale Lösungen nicht mehr nur eine Option sind, sondern zur Notwendigkeit werden. Sie schaffen Transparenz, senken Risiken und ermöglichen eine strategische Planung, die weit über kurzfristige Bedarfsdeckung hinausgeht.
Wir haben mit Ole Dening über die Digitalisierung langfristiger Beschaffungsstrategien gesprochen. Er ist Experte für digitale Einkaufslösungen und weiß, wie Unternehmen moderne Plattformen in ihre Prozesse integrieren können. Ein Beispiel dafür ist die Partbase Plattform, die es ermöglicht, Rahmenverträge effizient zu verwalten, Lieferantenbeziehungen zu pflegen und Bestellprozesse zu automatisieren – ohne dabei den individuellen Charakter der Beschaffung zu verlieren.
Ziel solcher Systeme ist es, Einkäufern mehr Handlungsspielraum zu geben und sie von administrativen Aufgaben zu entlasten. Während früher Excel-Tabellen, E-Mails und Telefonate dominierten, setzen heute immer mehr Unternehmen auf zentrale Plattformen, die alle Informationen bündeln und die Kommunikation mit Lieferanten digital abbilden.
Ole Dening erklärt, warum langfristige Beschaffungsstrategien nur dann erfolgreich sind, wenn Technologie, Daten und persönliche Beziehungen sinnvoll kombiniert werden. Wir haben mit ihm über Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und Zukunftsperspektiven des digitalen Einkaufs gesprochen.
StartingUp: Herr Dening, warum ist die Digitalisierung im Einkauf heute wichtiger denn je?
Ole Dening: Weil Unternehmen in einem Umfeld agieren, das von Unsicherheiten geprägt ist – Inflation, Lieferengpässe, geopolitische Risiken. Früher reichte Erfahrung, heute braucht es Daten, Automatisierung und Transparenz.
Gerade im MRO-Bereich (Maintenance, Repair & Operations) laufen viele Beschaffungsprozesse noch manuell ab – mit Excel-Listen, E-Mails und Telefonaten. Das kostet Zeit, Geld und ist fehleranfällig. Unsere Plattform Partbase digitalisiert diesen Prozess vollständig: Rahmenverträge, Lieferantenmanagement und Bestellungen werden automatisiert, Echtzeitdaten zu Preisen und Verfügbarkeiten integriert. Unternehmen reduzieren so ihre Prozesskosten um bis zu 30 % und gewinnen Zeit für strategische Aufgaben.
Ohne Digitalisierung droht Stillstand – und in dynamischen Märkten bedeutet das Wettbewerbsverlust.
StartingUp: Welche Rolle spielt Transparenz bei langfristigen Beschaffungsstrategien?
Ole Dening: Transparenz ist das Fundament jeder nachhaltigen Beschaffungsstrategie. Nur wer seine Lieferantenstruktur, Vertragslaufzeiten und Preisentwicklungen kennt, kann Risiken steuern und Chancen nutzen.
Partbase bietet dafür umfassende Transparenz: Aktuell knapp eine halbe Millionen Artikel, perspektivisch mehrere Millionen Artikel aus dem Bereich der Fluidtechnik (Hydraulik, Pneumatik und Drucklufttechnik), automatisierte Vertragsverwaltung, ERP-Anbindung (z. B. SAP) und Echtzeit-Dashboards zu Lagerbeständen und Lieferantenperformance.
Ein Kunde aus dem Maschinenbau stellte mit Partbase fest, dass 40 % seiner Komponenten von Single-Source-Lieferanten stammten – ein erhebliches Risiko. Durch alternative Angebote sank seine Ausfallquote um 25 %.
Transparente Daten schaffen Planungssicherheit, und Planungssicherheit ist die Grundlage strategischer Beschaffung.
StartingUp: Wie helfen Plattformen wie Partbase, ohne den persönlichen Kontakt zu Lieferanten zu verlieren?
Ole Dening: Digitale Plattformen ersetzen den persönlichen Kontakt nicht – sie verstärken ihn. Indem Routineaufgaben automatisiert werden, bleibt mehr Zeit für strategische Gespräche.
Bei Partbase nutzen Einkäufer Features wie das Collective Cart (teilbare Warenkörbe), mit dem Teams Bestellungen gemeinsam verwalten. Automatisierte Angebotserstellungen und ERP-Schnittstellen reduzieren den administrativen sowie kommunikativen Aufwand erheblich. Ein Kunde aus der Fertigung beschleunigte so seinen Bestellprozess um 40 %.
Gleichzeitig bleibt die persönliche Betreuung zentral: Unser Support reagiert innerhalb von 30 Minuten, und über Partner wie WK Hydraulik bieten wir technische Beratung, Reparaturen und Schulungen direkt vor Ort.
Kurz gesagt: Partbase digitalisiert Abläufe – nicht Beziehungen.
StartingUp: Warum ist die digitale Verwaltung von Rahmenverträgen so entscheidend?
Ole Dening: Rahmenverträge sind das Rückgrat jeder professionellen Beschaffung. Ihre Digitalisierung macht sie effizient, transparent und steuerbar.
Mit Partbase werden Verträge zentral verwaltet – mit Preisen, Laufzeiten und Konditionen in Echtzeit. Automatische Erinnerungen vermeiden Fristenversäumnisse, ERP-Anbindungen verknüpfen Verträge direkt mit Bestellungen.
So reduzieren Unternehmen den Verwaltungsaufwand um bis zu 50 % und erhöhen gleichzeitig die Preistreue. Dashboards liefern zudem Leistungsanalysen von Lieferanten, was gezielte Verhandlungen ermöglicht.
Das Ergebnis: weniger Aufwand, bessere Kontrolle, niedrigere Kosten.
StartingUp: Wo liegen die größten Herausforderungen bei der Einführung solcher Systeme?
Ole Dening: Vier Punkte treten regelmäßig auf:
1. Change-Management: Viele Mitarbeitende hängen an gewohnten Prozessen. Hier braucht es Schulung und Kommunikation, um den Mehrwert digitaler Tools zu vermitteln.
2. Datenqualität: Unvollständige oder veraltete Stammdaten bremsen die Automatisierung. Wir unterstützen Kunden bei der Bereinigung, bevor sie live gehen.
3. Systemintegration: Alte ERP-Systeme sind oft nicht standardisiert. Unsere APIs machen Anbindungen flexibel, erfordern aber initiale Abstimmung.
4. ROI-Verständnis: Manche Unternehmen zögern bei der Investition. Pilotprojekte zeigen schnell, dass sich die Einführung lohnt – häufig mit Einsparungen von 15 bis 25 %.
Mit klarem Projektplan, interner Kommunikation und starker Partnerbegleitung wird der Umstieg meist in wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen.
StartingUp: Wie wird sich die Beschaffung in den nächsten Jahren verändern?
Ole Dening: Die Zukunft des Einkaufs ist automatisiert, vernetzt und intelligent.
Digitale Plattformen übernehmen künftig viele operative Aufgaben: KI-gestützte Bedarfsplanung, Preisverhandlungen und Risikomanagement werden zum Standard. Partbase arbeitet bereits daran, diese Funktionen in seine Plattform zu integrieren.
Unsere Vision: Einkäufer konzentrieren sich auf strategische Themen –Lieferantenentwicklung, Innovationspartnerschaften, Nachhaltigkeit – während das System den Rest übernimmt.
Der menschliche Faktor bleibt entscheidend: Technologie ist nur dann erfolgreich, wenn sie den Menschen stärkt, nicht ersetzt.
Unternehmen, die jetzt digitalisieren, sichern sich nicht nur Effizienz, sondern Zukunftsfähigkeit.
StartingUp: Herr Dening, vielen Dank für das Gespräch.
Fazit: Digitale Plattformen wie Partbase zeigen, wie moderne Beschaffung funktioniert: transparent, automatisiert, aber dennoch menschlich. Sie verwandeln den Einkauf von einer reaktiven Kostenstelle in einen strategischen Werttreiber – besonders in der Industrie, wo Hydraulik, Pneumatik und Ersatzteilbeschaffung komplexe Prozesse sind.
Methoden und Didaktik im Führungstraining: Interessante Ansätze und spannende Fakten
Entdecken Sie spannende Ansätze und Fakten zu Methoden und Didaktik im Führungstraining.
Moderne Führungstrainings setzen auf eine neue Didaktik: wissenschaftlich fundiert, praxisnah und individuell. Statt Frontalunterricht dominieren heute interaktive Formate und maßgeschneiderte Lernpfade. Ziel ist es, Führungskompetenzen nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern im konkreten Handeln zu verankern – für bessere Führungsergebnisse und eine stärkere Mitarbeiterbindung.
Gerade in dynamischen Märkten wie Deutschland, wo Unternehmen wie Siemens, Bosch oder die Deutsche Telekom auf agile Strukturen setzen, gewinnt adaptives Lernen an Bedeutung. Blended Learning – die Kombination aus Präsenz- und Onlineformaten – bietet dabei maximale Flexibilität und berücksichtigt unterschiedliche Lerntypen.
Die folgenden Abschnitte zeigen, dass und wie erfolgreiche Führungstrainings Lernräume für Reflexion, Austausch und Feedback schaffen.
Maßgeschneiderte Führungskräfteseminare von flow
Gute Führung entscheidet über Motivation, Leistung und Wandel in Organisationen. Die maßgeschneiderten Führungskräfteseminare von flow sind praxisnah, wissenschaftlich fundiert und individuell auf Unternehmensziele abgestimmt.
Ob klassisches Seminar oder ganzheitliches Entwicklungsprogramm – Management- und Leadershipkompetenzen werden gezielt aufgebaut. Der Fokus liegt auf nachhaltigem Praxistransfer, klarer Rollenklärung und konkreten Alltagssituationen.
- Das PowerPotentialProfile® unterstützt bei der fundierten Analyse von Stärken und Entwicklungsfeldern.
- Persönlichkeitsentwicklung, Mindset-Arbeit und moderne Didaktik schaffen die Grundlage für wirksame Führung und starke Teams.
Dank eines erfahrenen Trainer-Teams und skalierbarer Programme lassen sich auch größere Entwicklungsmaßnahmen effizient umsetzen – national wie international.
Eine kostenlose Erstberatung bietet den idealen Einstieg in passgenaue Führungskräfteentwicklung.
Die Rolle der Didaktik in der Führungskräfteentwicklung: Was hat sich verändert?
Didaktik bezeichnet die gezielte Planung und Gestaltung von Lernprozessen – also, wie Wissen vermittelt und Kompetenzen aufgebaut werden. In der Entwicklung von Führungskräften bedeutet das, Lernformate so zu gestalten, dass sie Verhalten langfristig verändern.
Zentrale Elemente sind strukturierte Lernphasen: vom Wissenserwerb über die Anwendung bis hin zur Reflexion. Modelle wie das 70-20-10-Prinzip oder Kolbs Lernzyklus machen deutlich, wie wirkungsvolles Lernen gelingt – durch eine ausgewogene Kombination aus Erfahrung, Austausch und formaler Weiterbildung.
Entscheidend ist dabei die didaktische Kohärenz: Lernziele, Methoden und Evaluation greifen sinnvoll ineinander. Das schafft Klarheit, fördert Motivation und verbessert den Transfer in die Praxis. Empirische Studien belegen: Durchdachte Didaktik erhöht die Wirksamkeit von Trainings deutlich. Sie bildet damit die Grundlage für nachhaltige Führungskräfteentwicklung – praxisnah, fundiert und zukunftsorientiert und auch in Zeiten von Krisen.
Klassische und moderne Methoden im Vergleich: Ein „Besser“ oder „Schlechter“ gibt es nicht – oder doch?
Lange prägten klassische Formate wie Seminare und Vorträge die Weiterbildung. Sie eignen sich gut zur Vermittlung von Grundlagen, stoßen jedoch an Grenzen, wenn es um komplexe Handlungskompetenz geht.
Moderne Lernansätze setzen stärker auf Eigenverantwortung, Erfahrung und Kontext. Methoden wie Action Learning, Design Thinking oder Coaching fördern praxisnahes Lernen und kreative Problemlösung. Hybride Formate, die Theorie mit Anwendung verbinden, unterstützen einen wirksamen Lerntransfer – und steigern die Motivation.
Statt reiner Wissensvermittlung rücken Reflexion, Austausch und konkrete Anwendung in den Fokus. Simulationen, Fallstudien oder Peer-Learning schaffen Raum für gemeinsames Lernen und stärken soziale sowie kommunikative Kompetenzen.
Klassische Methoden, zum Beispiel auch rund um kritisches Hinterfragen, behalten ihren Wert – vorausgesetzt, sie sind didaktisch sinnvoll eingebettet. Entscheidend ist die Balance: Struktur und Flexibilität, Praxisnähe und Individualisierung. So entsteht ein Lernumfeld, das Führungskräfte befähigt, ihr Verhalten nachhaltig und authentisch weiterzuentwickeln.
Interaktive Lernformen und ihre Wirkung
Interaktive Lernformate wie Workshops, Planspiele oder Rollenspiele fördern aktives Mitdenken, Beteiligung und unmittelbares Feedback. Sie schaffen erfahrungsbasierte Lernräume, in denen neues Verhalten nicht nur verstanden, sondern auch erlebt und reflektiert wird.
Durch gemeinsame Aufgaben und Rückmeldungen entsteht ein vertieftes Verständnis für Führungsaufgaben. Simulationen – etwa von Konfliktgesprächen oder Entscheidungsprozessen – ermöglichen realitätsnahe Übungsszenarien, die Problemlösungsfähigkeit, Selbstreflexion und Teamverhalten stärken.
Wenn Teilnehmende eigene Erfahrungen einbringen, steigt nicht nur die Relevanz der Inhalte, sondern auch die Nachhaltigkeit des Lernens. Studien zeigen: Interaktive Formate aktivieren emotionale und kognitive Prozesse stärker als klassische Vermittlungsformate – mit spürbar höherer Motivation und langfristigerem Lernerfolg.
So entstehen lebendige Trainings, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern echte Veränderung ermöglichen – wirkungsvoll, praxisnah und passgenau für moderne Führungsanforderungen.
Was hat die Digitalisierung in Bezug auf das Führungskräftetraining verändert?
Digitale Lernformate haben die Entwicklung von Führungskräften grundlegend verändert. Sie ermöglichen orts- und zeitunabhängiges Lernen – individuell, skalierbar und anschlussfähig an den Arbeitsalltag.
Hybride Konzepte verbinden Online-Lernen mit Präsenzformaten und schaffen so eine optimale Balance aus Flexibilität und persönlichem Austausch. Virtuelle Klassenzimmer, Video-Coachings und digitale Tools fördern Interaktion und Reflexion, auch im digitalen Raum.
Learning-Analytics unterstützen die gezielte Steuerung individueller Lernpfade und machen Fortschritte sichtbar. Digitale Lernökosysteme schaffen kontinuierlichen Zugang zu Inhalten und fördern eigenverantwortliches Lernen im Flow.
Wichtig bleibt: Technologie ersetzt nicht den zwischenmenschlichen Kontakt. Entscheidend ist die didaktische Qualität … also wie Inhalte strukturiert, angewendet und reflektiert werden. Nur so entsteht ein digitales Lernumfeld, das Führung stärkt, Innovation unterstützt und nachhaltige Entwicklung ermöglicht.
Nach wie vor: Feedback und Reflexion als wichtige Lerninstrumente
Reflexion und Feedback sind essenziell für eine wirksame Führungskräfteentwicklung. Sie fördern Selbsterkenntnis, schaffen Orientierung und unterstützen den Transfer in den Arbeitsalltag.
Professionelles Feedback – etwa durch Peer-Coaching, kollegiale Beratung oder strukturierte Rückmeldeschleifen – macht Stärken sichtbar und zeigt Entwicklungspotenziale auf. Reflexionsphasen ermöglichen es, Erfahrungen gezielt zu analysieren und in Handlungsstrategien zu überführen.
Die Verknüpfung von Theorie und Praxis wird gestärkt, nachhaltiges Lernen gefördert. Modelle wie der Lernzyklus nach Kolb veranschaulichen, wie regelmäßige Reflexion Lernprozesse vertieft und den Kompetenzaufbau unterstützt. Besonders wirkungsvoll sind Lernformate, die Feedback nicht als Bewertung, sondern als Entwicklungschance begreifen. Entscheidend ist eine offene Lernkultur, in der Fragen erlaubt und Fehler Teil des Prozesses sind.
So entstehen Führungspersönlichkeiten, die sich selbst und andere wirksam weiterentwickeln können.
Auch wichtig: Die Teamdynamik und gruppenbezogene Lernprozesse
Lernprozesse in Gruppen fördern wichtige soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. In Führungstrainings spielt die Dynamik innerhalb von Teams eine zentrale Rolle, da Führung stets im Zusammenspiel mit anderen erfolgt.
Gemeinsame Übungen, Projektarbeiten und kollektive Reflexionen schaffen ein Umfeld, in dem Vertrauen wächst und offener Austausch möglich ist. Durch das gemeinsame Lösen von Problemen entstehen neue Perspektiven und kreative Lösungsansätze.
Gruppenlernen macht Lernprozesse sichtbar und unterstützt gegenseitige Hilfe. Studien zeigen, dass das gemeinsame Lernen Motivation und Behaltensleistung deutlich verbessert. Modelle wie das Phasenmodell der Gruppenentwicklung – Forming, Storming, Norming, Performing – veranschaulichen, wie sich Gruppen im Lernprozess entwickeln und welchen Einfluss das auf den Lernerfolg hat.
Eine teamorientierte Didaktik verbindet den Wissensaufbau mit sozialem Lernen und stärkt so nachhaltig Führungsfähigkeiten und den Erfolg von Führungsteams.
Kulturelle und emotionale Faktoren: Welche Rolle spielen sie im Lernprozess?
Kulturelle und emotionale Aspekte beeinflussen maßgeblich, wie Führungskräfte lernen und handeln.
- Unterschiedliche Werte, Kommunikationsstile und Erwartungen formen Lernprozesse und erfordern eine bewusste Berücksichtigung kultureller Unterschiede, besonders in internationalen Trainings.
- Gleichzeitig spielt emotionale Intelligenz eine zentrale Rolle. Sie umfasst die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle zu erkennen und zu steuern, fördert Empathie, Selbstwahrnehmung und den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen.
- Didaktische Konzepte, die emotionale Faktoren integrieren, ermöglichen intensivere Lernerfahrungen. Studien belegen, dass emotionale Aktivierung die Gedächtnisleistung und Motivation steigert, da sie wichtige neuronale Netzwerke aktiviert.
- Lernumgebungen, die Vertrauen, Offenheit und kulturelle Sensibilität fördern, also den bewussten Umgang mit verschiedenen Normen und Kommunikationsweisen, unterstützen die Entwicklung von Führungskompetenzen besonders effektiv.
So entsteht ein ganzheitliches Lernen, das kulturelle und emotionale Grenzen überwindet.
Wie wird sich das moderne Führungskräftetraining in Zukunft weiterentwickeln?
Die Führungskräftebildung der Zukunft wird geprägt von Personalisierung, technologischen Innovationen und einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Adaptive Lernsysteme, künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen ermöglichen individuell zugeschnittene Lernwege und fördern kontinuierliches Lernen.
Gleichzeitig gewinnt sinnorientierte Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung. Trainings zielen nicht nur auf den Kompetenzaufbau, sondern auch auf die Vermittlung von Werten ab.
Spielerische Elemente wie Gamification und virtuelle Realität erweitern die didaktischen Möglichkeiten und schaffen neue Lernerfahrungen. Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis fördern innovative Forschungsansätze und Pilotprojekte.
Zukunftsorientierte Führungstrainings verbinden digitale Innovationen mit der persönlichen Entwicklung der Lernenden. Dieser Wandel erfordert eine flexible Didaktik, die Lernen als lebenslangen Prozess begreift. So bleibt die Führungsausbildung ein wesentlicher Erfolgsfaktor moderner Organisationen und Ausdruck einer lebendigen, lernenden Unternehmenskultur.
Abschließendes: Darum ist es so wichtig, das Thema „Führungskräftetraining“ immer wieder anzugehen
Führungskräftetraining ist ein unverzichtbarer Bestandteil erfolgreicher Organisationsentwicklung. Die Anforderungen an Führungskräfte verändern sich stetig – durch technologische Innovationen, globale Vernetzung und neue Werteorientierungen. Um den komplexen Herausforderungen gerecht zu werden, braucht es kontinuierliche Weiterbildung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch praktische Kompetenzen fördert. Nur so können Führungskräfte flexibel und wirksam agieren.
Zudem sorgt regelmäßiges Training dafür, dass Führungskräfte ihre eigene Rolle reflektieren, ihre sozialen Fähigkeiten stärken und sich auf wechselnde Teams und Märkte einstellen. Führung ist immer auch Beziehungsarbeit, die eine kontinuierliche Entwicklung verlangt. Wer diesen Prozess vernachlässigt, riskiert nicht nur den Erfolg der Organisation, sondern auch die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden.
Deshalb ist es entscheidend, das Thema Führungskräftetraining immer wieder aufzugreifen und den Lernprozess als festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu verankern.
Sportive Learnings für dein Business
3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen – das ist die zu bewältigende Distanz beim legendären IRONMAN-Triathlon. Slatco Sterzenbach hat diesen Wettkampf 17 Mal absolviert und zeigt, was Höchstleistung im Sport und Erfolg im Business gemeinsam haben.
Siebzehnmal an die eigenen Grenzen gehen, 17 Mal durch Höhen und Tiefen kämpfen, 17 Mal über die Ziellinie kommen – doch die wichtigste Erkenntnis aus diesen Wettkämpfen hat nichts mit Sport zu tun. Es geht um weit mehr als körperliche Ausdauer: Es geht um mentale Stärke, strategische Planung und die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Diese Prinzipien sind universell und lassen sich auf nahezu alle Lebensbereiche übertragen – insbesondere auf Unternehmertum und persönliche Entwicklung.
Die wahre Herausforderung beginnt lange vor dem Wettkampftag
Viele bewundern Athlet*innen für ihre Leistung am Wettkampftag. Doch die wahre Herausforderung beginnt nicht erst an diesem Tag, sondern in den Jahren und Jahrzehnten davor. Es sind die unzähligen Stunden des Trainings, die Überwindung von Müdigkeit und der Verzicht auf Bequemlichkeit, die letztlich über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Viele fragen mich: Wie schafft man es, einen IRONMANTriathlon oder gar 17 solcher Wettkämpfe zu absolvieren? Die eigentlich spannende Frage lautet aber: Wie hält man 25 Jahre Leistungssport durch? Wie schafft man es, fast jeden Tag mehrere Stunden zu trainieren – auch wenn das Wetter schlecht ist, der Körper müde oder das Leben gerade andere Herausforderungen bereithält? Wie kann man täglich Höchstleistung erbringen, auch wenn niemand zuschaut?
Genau hier liegt die essenzielle Verbindung zum Unternehmertum.
Unternehmer*innen und Extremsportler*innen brauchen eine starke Vision
Jeder große Erfolg beginnt mit einer klaren Vision. Als ich damals mit dem Triathlon begann, war mein Ziel eindeutig: Ich wollte zur Weltmeisterschaft nach Hawaii. Diese Vision hat mich durch die Jahre getragen, mich motiviert, wenn es schwierig wurde, und mir geholfen, dranzubleiben.
Genauso braucht ein(e) Unternehmer*in eine klare Vorstellung davon, wo er/sie in drei, fünf oder zehn Jahren stehen will. Ohne diese langfristige Perspektive wird es schwer, schwierige Phasen zu überstehen und durchzuhalten, wenn Rückschläge kommen. Wer nicht weiß, warum er/sie morgens aufsteht und worauf er/sie hinarbeitet, verliert schnell den Antrieb. Eine starke Vision ist der Kompass, der durch stürmische Zeiten leitet.
Klare Ziele und messbare Fortschritte sind entscheidend
Visionen sind wichtig, doch ohne klare Ziele bleiben sie nur Träume. Als Leistungssportler wusste ich jeden Tag genau, was ich trainieren musste, welche Herzfrequenz, welche Wattzahl oder welche Kilometerleistung zu erreichen war. Ich habe alles getrackt – Ernährung, Trainingseinheiten, Erholungsphasen.
Im Business ist es genauso: Ohne messbare KPIs kann kein Unternehmen langfristig wachsen. Tägliche, wöchentliche und monatliche Ziele sind essenziell, um Fortschritte zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Eine große Vision allein reicht nicht – es braucht auch eine Strategie, präzise Meilensteine und das konsequente Überprüfen der Zwischenergebnisse.
Wachstum entsteht durch Herausforderungen und bewusstes Scheitern
Jede Trainingseinheit bedeutet in gewisser Weise ein Scheitern. Beim Krafttraining gehen wir ans Muskelversagen, beim Ausdauertraining erleben wir Momente der totalen Erschöpfung. Doch genau in diesen Phasen wächst der Körper – und genauso wächst auch ein Unternehmen oder eine Persönlichkeit durch Herausforderungen.
Viele scheuen sich davor, Fehler zu machen oder Rückschläge zu erleben. Doch in Wahrheit sind diese Momente essenziell für den Fortschritt. Ein(e) erfolgreiche(r) Unternehmer*in lernt, Fehler als wertvolle Lektionen zu sehen. Die größte Herausforderung besteht darin, sich immer wieder aus der Komfortzone herauszubewegen – egal ob als Sportler*in oder Unternehmer*in.
Ein weiteres Prinzip aus dem Leistungssport: Es ist nicht erfolgreich, wer am meisten Talent hat, sondern wer über Jahre hinweg konstant dranbleibt. Denn eines muss man wissen: Konstanz schlägt Talent. Viele Menschen überschätzen, was sie an einem Tag erreichen können, aber unterschätzen, was sie in einem Jahr oder Jahrzehnt schaffen können.
Wenn du dich jeden Tag nur um ein Prozent verbesserst, wirst du in einem Jahr eine völlig neue Ausgangssituation haben.
Der richtige Rhythmus: Balance zwischen Anspannung und Entspannung
Häufig wird Erfolg mit einem Marathon verglichen. Doch in Wahrheit ist das Leben kein gleichmäßiger Dauerlauf, sondern eine Abfolge von intensiven Phasen und bewussten Erholungsmomenten. Im Sport ist die Superkompensation – der Wechsel zwischen Belastung und Erholung – entscheidend für langfristige Leistungssteigerung.
Dasselbe gilt im Unternehmertum: Wer dauerhaft auf Höchstleistung fährt, ohne Pausen einzuplanen, riskiert langfristig einen Einbruch. Erfolgreiche Unternehmer*innen wissen, wann es Zeit ist, sich zu fordern – und wann es wichtig ist, sich zurückzulehnen, Energie zu tanken und mit neuer Kraft weiterzumachen. Methoden wie die Pomodoro-Technik (eine Zeitmanagement-Methode des Italieners Francesco Cirillo) helfen dabei, fokussierte Arbeit mit bewussten Pausen zu kombinieren.
Fehler sind keine Hindernisse – sie sind der Weg
Viele Menschen haben Angst vor Fehlern. Doch wer sich weiterentwickeln will, muss Fehler nicht nur akzeptieren, sondern aktiv annehmen. Ich sehe Fehler als Indikatoren für Wachstum. Jeder Fehltritt, jede Herausforderung bringt mich weiter – im Sport genauso wie im Business.
Unternehmer*innen, die Angst vor Problemen haben, bleiben stehen. Doch wer versteht, dass Herausforderungen zum Prozess dazugehören, kann sie sogar willkommen heißen. Es geht nicht darum, Probleme zu vermeiden, sondern sie als Chancen zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln.
Erfolg beginnt im Kopf – glaube an dich selbst
Einer der größten Erfolgsfaktoren ist die mentale Haltung. Unsere Glaubenssätze bestimmen, was wir für möglich halten – und was nicht. Wer sich selbst kleinredet, wird niemals seine vollen Potenziale ausschöpfen. Wer jedoch an sich glaubt und seine inneren Blockaden überwindet, kann unglaubliche Erfolge erzielen.
Als ich meinen ersten IRONMAN startete, hatte ich keinen Beweis, dass ich jemals 17 Finishes erreichen würde. Aber ich hatte den Glauben daran. Genauso ist es im Unternehmertum: Nur wer daran glaubt, sein Unternehmen groß zu machen, wird auch Wege finden, um genau das zu erreichen.
Erfolg ist eine bewusste Entscheidung
Letztendlich ist Erfolg kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Die Frage ist nicht, ob du erfolgreich sein kannst, sondern ob du bereit bist, den Preis dafür zu zahlen – mit Disziplin, Durchhaltevermögen und der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen.
Wer bereit ist, langfristig zu investieren, sich immer wieder aus der Komfortzone zu bewegen, an seine Vision zu glauben und Rückschläge als Teil des Weges zu akzeptieren, wird außergewöhnliche Erfolge erzielen. Denn am Ende sind es nicht die äußeren Umstände, die über Erfolg entscheiden, sondern die innere Einstellung und die täglichen Handlungen, die wir wählen.
Der Autor Slatco Sterzenbach ist Experte für mentale und physische Peak Performance für Unternehmer*innen sowie Buchautor von: „Iron Mind – Die 55 geheimen Gesetze der Peak Performance“, https://go.iron-mind.de
Neue Narrative gesucht
Warum es sich für Start-ups auszahlt, Unternehmensbotschaften in einen wertstiftenden Kontext zu setzen – insbesondere in medial übererregten Zeiten.
In Zeiten multipler Krisen, geopolitischer Turbulenzen und wirtschaftlicher Unsicherheiten verwundert es wenig, dass bisherige Gewissheiten infrage gestellt werden. Selbstverständliche Narrative und Regelwerke, die uns als Gesellschaft verbinden, drohen auseinanderzubrechen. Kohärente Zukunftsbilder, basierend auf einem dem Menschen dienenden Fortschritt, scheinen sich partiell in Sehnsüchte nach der Vergangenheit aufzulösen.
Im zunehmend komplexen, polarisierten, politisierten und moralisierten öffentlich-medialen Raum eröffnen sich für Start-ups bzw. deren Gründer*innen interessante Möglichkeiten, ein auf die Unternehmensziele einzahlendes Narrativ aufzubauen. Eines, das zugleich Zuversicht in gesellschaftliche Narrative einwebt. Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft, über den Tellerrand hinaus in größeren Zusammenhängen vernetzt zu denken und zu kommunizieren.
Den altlastenfreien Innovationsweitblick nutzen
Start-ups sind auf Medienarbeit und Öffentlichkeitswirkung angewiesen, sei es für die Erklärung einer neuen Technologie, die Bekanntmachung der eigenen Marke, Produkte oder Dienstleistungen, die Gewinnung neuer Mitarbeitenden oder auch Investor*innen, die eine Finanzierungsrunde ermöglichen.
Sie sind per definitionem Unternehmen, die sich durch eine neue, innovative Geschäftsidee und hohes Wachstumspotenzial auszeichnen. Nicht wenige von ihnen wirken disruptiv auf traditionelle Geschäftsmodelle ein. Und sie befinden sich in Gründung, sind im Neu-Erfinden, mit Blick nach vorne, mit einer Vision, frei von in der Vergangenheit eingegangenen und heute einschränkenden Verbindlichkeiten sowie frei von zukunftserschwerenden internen Strukturen. Ganz anders als zahlreiche Großkonzerne, die sich in Krisen- oder unsicheren Zeiten nicht selten mit hohem Zeit-, Geld- und Erklärungsaufwand um den Abbau (von Mitarbeitenden, Strukturen etc.) und nicht um zukunftsgestaltenden Aufbau kümmern dürfen.
Start-ups beschäftigen sich tagein, tagaus mit Zukunft. Es geht um Wachstum, das Erreichen der nächsten Unternehmensphase, der nächsten Finanzierungsrunde bzw. der nächsten zu finanzierenden Wachstumsphase – immer mit dem Ziel, die Unternehmensvision wirklicher werden zu lassen. Sie sind daher prädestiniert, in Zeiten des „krassen Wandels“ neue Narrative, neue Zukunftserzählungen, gesellschaftlich positiv wirkend mitzuschreiben.
Häufig sind Start-ups im Internet- oder Technologiebereich tätig, einem Sektor, der auf die derzeitige sogenannte Zeitenwende sehr beschleunigend einwirkt. Ihr altlastenfreier Innovationsweitblick ermöglicht es ihnen, mit ihrer Expertise sinn- und wertstiftend für ihr Unternehmen in den öffentlichen Diskurs einzusteigen und dadurch auch gesellschaftlich lösungsorientiert sowie sinn- und wertvoll zu kommunizieren – wenn sie denn strategisch vorgehen bzw. die Möglichkeiten, die Kommunikation insbesondere im jetzigen Zeitfenster bietet, intelligent nutzen.
Die Möglichkeiten intelligent umsetzen
Kommunikation sollte von Beginn an so angelegt sein, dass sie kontinuierlich und besonnen als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, des Businessplans, die Unternehmenszielsetzung zu unterstützen vermag und nicht für ein kurzzeitig zwar helles, aber letztlich inszeniertes, geld- und zeitverbrennendes Strohfeuer missbraucht wird.
Kommunikationsarbeit kann heute in Teilen effizient mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erledigt werden. Erkennbar ist inzwischen jedoch, dass mit der Automatisierung der Kommunikationswerkbank bzw. der Erledigung der handwerklichen Aufgaben durch KI vieles, das der strategischen Differenzierung, Positionierung, Abgrenzung zum Mitbewerb im öffentlich medialen Raum und somit dem Wettbewerbsvorteil dient, vernachlässigt wird. Denn KI ist zur Lösung dieser strategischen Aufgabe, diesem vernetzten Denken sowie der Kontextualisierung nicht in der Lage. Gründer*innen sollten aber auf diese strategische Möglichkeit des intelligent vernetzten Kommunizierens nicht verzichten und sich gerade im Hinblick auf das Narrativ sehr bewusst mit dem medialen „In-Kontext-Setzen“ der eigenen Unternehmensbotschaften beschäftigen.
Die Einordnung von Unternehmensbotschaften in einen größeren medialen und gesellschaftlichen Kontext ist nicht zu unterschätzen. Innovative Ideen und Botschaften genialer Gründer*innen können im individuell gewählten Kontext mit Impulsen der Märkte, aber auch gesellschaftlichen Entwicklungen und eventuell regulatorischen Anforderungen medial verbunden werden. In der jetzigen Zeitenwende, die neue gesellschaftliche Narrative erst noch finden muss, ist das eine spannende Perspektive für Start-ups im Hinblick auf ihr zu hebelndes Entwicklungspotenzial.
Es ist immens hilfreich, sich in einer sehr frühen Entwicklungsphase zu überlegen, in welchem inhaltlichen Kontext das eigene Start-up mit seinen Produkten, Dienstleistungen, Anliegen und seinem Know-how sichtbar werden möchte. Weitere wertvolle Fragestellungen sind beispielsweise: Welcher Kontext macht potenzielle Kund*innen neugierig und unterstützt bei der Wertschaffung? Welche Medienkanäle und -formate können dabei helfen? Wie lässt sich das Risiko minimieren, einem intransparenten Kontext ausgeliefert zu sein, der im schlimmsten Fall dem Unternehmen oder schlichtweg der Reputation schadet?
Was gilt es zu beachten, was zu vermeiden?
Es birgt Risiken, sich bei der Medienauswahl zum Beispiel nur auf einen einzigen trendigen Social-Media-Kanal zu fokussieren. Aufgrund der aktuellen Algorithmus-Politik der digitalen Plattformbetreibenden ist es für die Nutzer*innen von Social-Media-Kanälen weder vorhersehbar noch transparent, geschweige denn planbar, wem in welchem Kontext die eigenen Botschaften zugespielt werden. Es ist der Algorithmus, der Zielgruppe und Kontext bestimmt.
Wichtig ist daher, in größtmöglicher Unabhängigkeit von einzelnen Social-Media-Kanälen zu kommunizieren, auch aufgrund der in mancher Hinsicht verwirrenden Verschiebungen bei Regularien, beim Common Sense im Tech getriebenen medialen Raum sowie bei den Geschäftspraktiken der Tech-Konzerne. Fokussiert sich ein Start-up zu stark auf einen einzelnen dieser Kanäle, kann es zudem ohne eigenes Verschulden in eine missliche Lage geraten, wenn beispielsweise die Plattform einen Reputationsschaden erleidet oder nicht mehr en vogue ist – wofür es reale Beispiele gibt.
Social-Media-Kanäle unreflektiert ganz zu meiden, wäre (Stand heute) ein falsch gezogener Schluss; es gilt vielmehr, die für das eigene Anliegen geeigneten Plattformen – so weit sie sich wirklich eignen – zu durchschauen, um sie klug neben anderen, auch klassischen Medien im wohl durchdachten Medienmix zu nutzen.
Aktuelle Entwicklungen in der Social-Media-Welt zeigen, dass der Glaube naiv ist, auf den digitalen Plattformen der großen Tech-Giganten einen erkenntnisgewinnenden Diskurs mitgestalten zu können, der auf Inhalten sowie sich gegenseitig beziehenden Argumenten basiert und das eigene Narrativ losgelöst von den Interessen der Plattformanbietenden aufbaut. Dabei verkannt werden die mit dem Geschäftsmodell der Tech-Konzerne verbundene Architektur sowie die dahinterstehende Monetarisierung und Marktlogik. Die Art und Weise, in der sich deren Algorithmen auf die Verbreitung eingespielter Botschaften, Kommentare und Bewertungen auswirkt, bedient primär das Anliegen der Tech-Konzerne, verwertbare Daten für das eigene Geschäftsmodell zu generieren, und zahlt bestenfalls eingeschränkt auf die Kommunikationsstrategie der Nutzer*innen ein.
Fazit
Professionelle Unternehmenskommunikation in den heutigen einerseits Paradigmen verändernden und andererseits medial übererregten Zeiten heißt für Start-ups vor allem, klare Botschaften, die eine stringente Unternehmensentwicklung bzw. -vision vermitteln, in einen für das Unternehmen transparenten sowie inhaltlich relevanten medialen Kontext zu setzen. Selbstbestimmt und Stakeholder-orientiert, jedoch nicht Algorithmus geleitet, lassen sich so unternehmerische Handlungsspielräume kommunikativ kreieren und vergrößern – eine große Chance in der nach neuen Narrativen suchenden Zeitenwende.
Die Autorin Christiane L. Döhler ist Inhaberin von DOEHLER Communications in München und verfügt über langjährige Erfahrung sowohl in der Private-Equity-/Venture-Capital-Branche als auch in der Beratung zu Strategie, Positionierung und Kommunikation.
