KG (Kommanditgesellschaft)

Hier erfahren Sie alles über die Gründung einer Kommanditgesellschaft (KG)


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Alles, was Sie über die Rechtsform der Kommanditgesellschaft (KG) wissen müssen. Mit folgenden Abschnitten: Startkapital und Vermögen, Gewinne und Verluste, Haftung, Geschäftsleitung, Gesellschaftsvertrag, Buchführungspflichten, Bezeichnung, Steuern, Gründung, Auflösung, Alternativen.

Was ist eine KG?

Wie eine OHG ist auch eine KG eine Personengesellschaft mit zwei oder mehr Personen oder Unternehmen, die sich zusammentun, um ein Handelsgewerbe unter einer gemeinsamen Firma zu betreiben. Wesentlicher Unterschied zur OHG ist jedoch: Bei der KG gibt es immer mindestens einen vollhaftenden Gesellschafter (Komplementär) und mindestens einen beschränkt haftenden Gesellschafter (Kommanditist), der nicht an der Geschäftsleitung teilnimmt. Die KG wird wie die OHG ins Handelsregister eingetragen.

Steckbrief zur KG

Rechtsformen-Typ: Personengesellschaft.

Geeignet für: Jede Art von Handelsgewerbe, bei dem Kapitalgeber als Kommanditisten ohne Mitspracherecht und mit beschränktem Haftungsrisiko aufgenommen werden sollen. Auch für Vermögensverwaltungen sowie für Familienunternehmen.

Anzahl der Gesellschafter: Mindestens zwei natürliche oder juristische Personen, davon ein Komplementär (Unternehmer) und ein Kommanditist (Kapitalgeber).

Gegenstand des Unternehmens: Betrieb eines Handelsgewerbes, nicht für Freiberufler sowie für wissenschaftliche oder künstlerische Zwecke möglich. 

Sitz der GmbH: in D.

Haftung: Unbeschränkte Haftung des Komplementärs mit seinem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen. Beschränkte Haftung des Kommanditisten in Höhe seiner Haftsumme. 

Stammkapital: Keines erforderlich.

Gesellschaftsvertrag/Satzung: Formfrei, d.h. Schriftform ist nicht erforderlich (außer falls Grundstücke eingebracht werden), aber dringend empfehlenswert.

Gründungskosten: Ab ca. 240 Euro (davon ab ca. 110 Euro Notar, ab 100 Euro Handelsgericht, ca. 30 Euro Gewerbeamt).

Eintrag ins Handelsregister: Ja, Eintrag in Abteilung A.

Wichtigste Anmeldungen bei: Handelsregister, Gewerbeamt, Finanzamt, IHK bzw. HWK.

Publizitätspflicht: Keine Pflicht zur Offenlegung des Jahresabschlusses, (außer bei KGs mit erheblichem Umfang, z.B. mehr als 130 Mio. Euro Jahresumsatz).

Kaufmannseigenschaft: Ja.

Buchführung: Erforderlich sind doppelte Buchführung, Bilanzierung, Inventur.

Rechtsfähigkeit: Ja, d.h. die KG kann eigenständig Rechte erwerben, klagen und verklagt werden.

Steuern: Bei jedem Gesellschafter fällt Einkommensteuer bzw. Körperschaftssteuer (juristische Person) an – jeweils mit Solidaritätszuschlag. Auf Gesellschaftsebene: Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, ggfls. Lohnsteuer. 

Geschäftsleitung: Nur durch die Komplementäre. Diese sind zur Geschäftsleitung verpflichtet. Die Kommanditisten sind von der Geschäftsleitung ausgeschlossen. Die Komplementäre vertreten per Einzelgeschäftsführung. Prokura ist möglich.

Bezeichnung: Personenfirma, Sachfirma, Fantasiefirma, Mischfirma sind möglich mit Zusatz KG oder Kommanditgesellschaft. Falls Komplementäre juristische Personen sind, wird die Rechtsform ergänzt, z.B. GmbH & Co. KG.

Rechtsgrundlagen: §§161-177a HGB, §§110-122 HGB, §§ 705 ff. BGB, GewO.


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Startkapital und Vermögen in der KG

Ein bestimmtes Mindest-Startkapital ist für die Gründung der KG nicht vorgeschrieben. Wichtig ist, dass genügend Geld für den Aufbau des Unternehmens vorhanden ist, bis dieses eigene Erträge erwirtschaftet. Dieses Eigenkapital wird in der KG auch als Kommanditkapital bezeichnet. Es wird in der Regel auf einem Kapitalkonto I verbucht, die variablen Gewinne und Ausgaben auf einem Kapitalkonto II. Falls im Gesellschaftsvertrag keine andere Regelung getroffen wird, beteiligen sich die Komplementäre und Kommanditisten zu gleichen Teilen an der KG. Doch sind die Gesellschafter vollkommen frei, die Höhe ihrer Einlagen im Gesellschaftsvertrag festzusetzen. Kapitaleinlagen ab 1 Euro sind möglich. Die Kapitalanteile aller Gesellschafter ergeben sich entsprechend ihrem Anteil am Gesellschaftsvermögen. 

Gewinne und Verluste in der KG

Wie bei der OHG ist der jährliche Gewinnanteil bei der Kommanditgesellschaft für alle Gesellschafter gesetzlich geregelt (§ 121 HGB): Dieser beträgt 4 Prozent der Einlage aller Gesellschafter, egal ob Komplementär oder Kommanditist. Wird ein höherer Gewinn erzielt, so soll dieser nach § 168 HGB „in angemessenem Verhältnis“ verteilt werden. Um in dieser Frage Auseinandersetzungen zu vermeiden, sollte die Verteilung von Gewinn und Verlust in einem schriftlichen Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Am besten wird hier eine feste Vergütung für den Komplementär festgelegt. Die gesetzlich vorgesehene 4-Prozent-Verzinsung kann dann entfallen. Die nach Auszahlung der Vergütung für den Komplementär verbleibenden Gewinne und Verluste der KG können entsprechend den Beteiligungsverhältnissen der Gesellschafter verteilt werden. Verluste des Kommanditisten sind auf die Höhe seiner Haftsumme begrenzt.

Haftung in der KG

In der Haftungsfrage muss zwischen den beiden Gesellschaftertypen der KG unterschieden werden:

Der Komplementär der KG haftet immer unmittelbar, direkt, unbeschränkt, persönlich und gesamtschuldnerisch/solidarisch mit seinem Privatvermögen, genau wie der Gesellschafter einer OHG. „Unmittelbar und direkt“ bedeutet: Er kann unmittelbar von einem Gläubiger „zur Kasse gebeten“ werden, auch wenn er selbst das betreffende Geschäft nicht abgeschlossen hat, sondern ein anderer Komplementär der KG. „Unbeschränkt und persönlich“ bedeutet: Der KG-Komplementär haftet für Verbindlichkeiten des Unternehmens bis zur gesetzlichen Pfändungsgrenze unbeschränkt aus seinem geschäftlichen und privaten Vermögen. „Gesamtschuldnerisch/solidarisch“ bedeutet: Falls es mehrere Komplementäre der KG gibt, haften diese immer jeweils allein für 100 Prozent der Schulden der KG. Sollte ein Komplementär ausfallen, müssen die verbleibenden alleine alle Verbindlichkeiten stemmen.

Die Kommanditisten haften nur in der Höhe ihrer ins Handelsregister eingetragenen Haftsumme, auch als Kommanditeinlage oder bedungene Einlage bezeichnet. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Haftungsbeschränkung wirksam wird: Die im Gesellschaftsvertrag vereinbarte Haftsumme (bzw. Kommanditeinlage) muss vollständig eingezahlt sein. Die Haftsumme muss im Handelsregister eingetragen sein. Und sie muss der KG vollständig zur Verfügung stehen, darf also nicht an den Kommanditisten zurückerstattet werden. Im Gesellschaftsvertrag kann aber eine von der Haftsumme abweichende Pflichteinlage des Kommanditisten vereinbart werden. Z.B. kann ein Kommanditist dem Unternehmen im Innenverhältnis 100.000 Euro als Pflichteinlage zur Verfügung stellen, jedoch als im Außenverhältnis wirksame Haftsumme lediglich 1.000 Euro ins Handelsregister eintragen lassen. Auf diese Weise kann er die KG mit viel Kapital versorgen, und gleichzeitig seine persönliche Haftung stark begrenzen.

Beispiel für die Haftung in der KG: Peter Müller und seine beiden Söhne Anton und Gabriel gründen eine KG mit Geschäftszweck „Handel mit Holzspielzeug“. Peter Müller ist Komplementär, sein Anteil beträgt 20.000 Euro. Anton und Gabriel investieren als Kommanditisten jeweils 10.000 Euro, die sie auch als Haftsumme ins Handelsregister eintragen lassen. Nach einem Jahr wird die KG zahlungsunfähig, die Schulden belaufen sich auf 100.000 Euro. Nach Tilgung durch das noch vorhandene Kommanditkapital in Höhe von 40.000 Euro bleibt ein Schuldenrest von 60.000 Euro. Für diesen muss Peter Müller als Komplementär alleine aus seinen privaten Mitteln aufkommen. Die Söhne werden nicht zur Haftung herangezogen.

Das sollte sich jeder KG-Komplementär klarmachen: Zur Tilgung werden im Zweifel nicht nur Bankguthaben herangezogen, sondern auch jede Form von Sachbesitz, Autos, Immobilien sowie sonstige Wertgegenstände.

Besonders wichtig ist daher eine ausreichende Absicherung gegen die häufigsten Haftpflichtrisiken der betreffenden Branche durch eine ausreichend dimensionierte Gewerbe- bzw. Haftpflichtversicherung. 

Nicht umgehen lässt sich die persönliche Haftung der Komplementäre durch die Auflösung der Gesellschaft. Sie haften auch nach Beendigung der KG für evtl. verbleibende Schulden mit ihrem gesamten Vermögen. Auch ausgeschiedene Gesellschafter der KG müssen noch fünf Jahre nach ihrem Austritt für alle Verbindlichkeiten haften, die bis zum Zeitpunkt ihres Austritts entstanden sind. Wer als neuer Gesellschafter Mitunternehmer einer KG wird, haftet für alle vor seinem Eintritt entstandenen Verpflichtungen.

Umgehen lässt sich die Haftungsproblematik in der KG durch die Einsetzung einer haftungsbeschränkten Kapitalgesellschaft als Komplementär. Das Ergebnis ist dann z.B. eine GmbH & Co KG. Mehr dazu » hier.

Die Geschäftsleitung in der KG

Unabhängig von der Größe und dem Anteil seiner Hafteinlage ist der Komplementär zur Führung der Geschäfte der KG berechtigt und verpflichtet. Die Kommanditisten sind von der Geschäftsführung ausgeschlossen. Sie können nur bei außergewöhnlichen Geschäften widersprechen (§ 164 HGB). Dazu gehören z.B. Immobiliengeschäfte oder Aufnahme erheblicher Kredite. Im Gesellschaftsvertrag lässt sich die Größenordnung von Geschäften, ab der die Zustimmung der Gesellschafterversammlung erforderlich ist, festlegen.  

Falls nur ein Komplementär allein die Geschäftsleitung innehat, sollte der Gesellschaftsvertrag seine Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB enthalten. Diese regelt den Selbstkontrahierungszwang, der sog. Insichgeschäfte (also Geschäfte, die man mit sich selbst abschließt) ausschließt.

Bei mehreren Komplementären besteht Einzelvertretung, d.h. die Geschäftsführer können jeweils allein Entscheidungen treffen. Auch falls dies im Gesellschaftsvertrag anders geregelt sein sollte (z.B. Gesamtvertretung), sind die durch die Komplementäre abgeschlossenen Verträge für die KG rechtlich bindend.

In jedem Fall haben die Kommanditisten Kontrollrechte, d.h. sie können Einsicht in den Jahresabschluss und die Bücher der KG nehmen (§ 166 HGB).

Die Einrichtung einer Prokura, also die teilweise Übertragung der Geschäftsleitung an einen bevollmächtigten Nicht-Gesellschafter, ist in der KG möglich. Die Prokura muss im Handelsregister eingetragen werden. Auch ein Kommanditist kann die Prokura erhalten und auf diese Weise doch an der Geschäftsleitung teilhaben.

Gesellschaftsvertrag in der KG

Die schriftliche Abfassung eines Gesellschaftsvertrages ist nicht verpflichtend, wird aber zur Vermeidung von Streitigkeiten dringend empfohlen. Vor allem folgende Punkte sollten enthalten sein:

  • Namen und Adressen der Gesellschafter
  • Zweck der KG
  • Sitz der KG
  • Ggfls. Befristung der Gesellschaft
  • Namen und Typen (Komplementär, Kommanditist) der Gesellschafter
  • Einlagen der Gesellschafter
  • Haftsummen der Kommanditisten
  • Geschäftsleitung inkl. Befreiung § 181 BGB 
  • Gesellschaftsversammlung, Stimmrechte, Vetorechte der Gesellschafter
  • Regelungen zum Wettbewerbsverbot der Gesellschafter
  • Verteilung von Gewinn und Verlust
  • Regelungen nach dem Ausscheiden eines Gesellschafters über den Fortbestand der Gesellschaft
  • Abfindungsregelung für ausscheidende Gesellschafter
  • Auflösung der KG

Buchführungspflichten in der KG

Da die KG dem Handelsrecht unterliegt, ist sie zur ordnungsgemäßen Buchhaltung und Bilanzierung verpflichtet. D.h., sie muss eine doppelte Buchführung und einen Jahresabschluss anfertigen und ihre Bücher mindestens 10 Jahre aufbewahren. Ferner muss sie regelmäßig eine Inventur machen. 

Die Bezeichnung der KG

Die KG ist berechtigt eine Firma zu führen und ist folglich in der Bezeichnung des Firmennamens weitgehend frei. Möglich sind alle Formen wie Personenfirma, Sachfirma, Fantasiefirma, Mischfirma, jeweils zwingend mit Zusatz KG oder Kommanditgesellschaft. Bei der Wahl des Firmennamens ist ansonsten lediglich zu beachten, dass keine Rechte Dritter verletzt werden. Mehr dazu im Artikel zum Firmennamen.

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Steuern in der KG

Die KG muss Gewerbesteuer, ggfls. Lohnsteuer und Umsatzsteuer an das Finanzamt entrichten. Die Einkommensteuer wird auf den Gewinn der Gesellschafter berechnet und muss von diesen direkt bezahlt werden, entsteht also nicht auf Gesellschaftsebene. Falls die Gesellschafter juristische Personen sind, wird statt der Einkommensteuer die Körperschaftssteuer fällig.

Folglich kann die Vergütung für den oder die Geschäftsführer in der KG – wie in allen anderen Personengesellschaften – auch nicht steuerlich geltend gemacht werden. Sie mindert aber den zu versteuernden Gewinn der Gesellschafter.

Der Komplementär – im steuerlichen Sinne auch als „Mitunternehmer" bezeichnet – kann Verluste der KG mit evtl. Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnen und somit steuerlich geltend machen. Hingegen können die Kommanditisten evtl. anfallende Verluste nur bis zur Höhe ihres Kapitalanteils abziehen (§ 15a EStG).

Bei der Gewerbesteuer gilt ein Freibetrag bis 24.500 Euro. Bei einem kleineren Gewerbeertrag fällt in der KG demnach keine Gewerbesteuer an. Der evtl. darüber hinausgehende Gewerbeertrag wird mit der Steuermesszahl von 3,5% sowie dem Hebesatz der jeweiligen Gemeinde versteuert. Die von der KG entrichtete Gewerbesteuer wird wiederum mit der Einkommensteuer (bzw. Körperschaftssteuer) des oder der Komplementäre verrechnet (Faktor 3,8 des Gewerbesteuermessbetrags), so dass sich aus der Gewerbesteuer i.d.R. erst ab einem Hebesatz der Gemeinde von 400 % oder mehr eine Mehrbelastung ergibt. 

Gründung der KG

Eine KG entsteht entweder durch den mündlichen oder schriftlichen Abschluss eines Gesellschaftervertrages oder stillschweigend durch das entsprechende Handeln mehrerer Personen im verabredeten Sinne.

Anschließend muss die KG ins Handelsregister eingetragen werden und ist damit im handelsrechtlichen Sinn formell gegründet. Die Eintragung ins Handelsregister muss durch einen Notar erfolgen. Dieser beglaubigt den Antrag der Gründer und reicht ihn beim Amtsgericht ein. Der Gesellschaftsvertrag muss normalerweise nicht notariell beurkundet werden, es sei denn, eine Immobile oder ein Grundstück werden in die KG eingebracht.

Nach der Eintragung ins Handelsregister haben die Gründer einen wichtigen Teil ihrer KG-Gründung bereits erledigt. Die noch verbleibenden weiteren Gründungsschritte sind:

  • Gewerbeanmeldung
  • Anmeldung Finanzamt
  • Anmeldung IHK oder HWK
  • Anmeldung Arbeitsagentur (falls Angestellte beschäftigt werden sollen)

Die Gewerbeanmeldung muss je nach Gemeinde persönlich oder per Post erledigt werden, die Kosten liegen bei etwa 30 Euro. Das Finanzamt sendet darauf einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den die Gründer ausfüllen müssen.

Falls die Gesellschaft Arbeitnehmer beschäftigt, muss beim Arbeitsamt eine Betriebsnummer beantragt werden. Notwendig sind noch die Anmeldungen bei der Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer sowie bei der Berufsgenossenschaft. Zwar versendet das Gewerbeamt Mitteilungen an diese Institutionen, doch sollten die Gründer ihre KG hier besser selbst innerhalb einer Woche nach Aufnahme der Tätigkeit anmelden.

Die Auflösung der KG

Wie im Fall der OHG kann auch eine KG jederzeit aufgelöst werden, wenn die Gesellschafter die Beendigung beschließen. Weitere Gründe für die Auflösung können die Befristung des Gesellschaftsvertrages sein, die Insolvenz der KG oder eine gerichtliche Entscheidung. Anders als bei der GbR löst sich die KG nicht automatisch durch den Tod eines Gesellschafters auf (§ 131 HGB), es sei denn, im Gesellschaftsvertrag wäre dies abweichend geregelt.

Alternativen zur Gründung der KG

Falls die KG insgesamt haftungsbeschränkt errichtet werden soll, kommen Formen wie GmbH & Co. KG, UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG oder Ltd. & Co KG in Frage. In diesen Varianten der Personengesellschaften sind sowohl die Kommanditisten als auch die Komplementäre vor der persönlichen Haftung geschützt. Auch sind Konstruktionen mit nur einem Gesellschafter statt mindestens zwei wie bei der KG möglich.  

Aber auch haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaften kommen in Frage, vor allem die UG (haftungsbeschränkt) und die GmbH. Für Freiberufler bietet sich die Partnerschaftsgesellschaft an. 

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Mehr Widerstandskraft beim Gründen

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass sich das Risikomanagement vieler Unternehmen verändern muss. Doch wie werde ich resilienter gegen künftige Krisen?

Als am 27. Januar 2020 der erste Corona-Fall in Deutschland registriert wurde, waren die wirtschaftlichen Folgen noch kaum absehbar. Erst mit Verkündung des ersten bundesweiten Lockdowns am 22. März 2020 bahnten sich die Ausmaße der Corona-Krise langsam an. Das jährlich von der Allianz veröffentlichte „Risiko Barometer“ wird im Jahr 2021 von der Corona-Pandemie geprägt: Auf den Plätzen eins und drei landen „Betriebsunterbrechung“ und „Ausbruch einer Pandemie“. In den Jahren vor 2020 landeten diese Risiken nie höher als auf Platz 16.

Nun, gut zwei Jahren Pandemie, zeigen sich klare Gewinner und Verlierer der Krise. Aus diesen lassen sich Handlungsempfehlungen für Unternehmen ableiten, um sich für zukünftige Krisen verschiedenster Arten zu rüsten.

Für Krisen mit dem Ausmaß der Corona-Pandemie sind vorausschauende Investitionen nicht ausreichend, um sich krisenfest aufzustellen. Um langfristig für Krisen verschiedenster Art gerüstet zu sein, ist es nötig, darüber hinausgehende Maßnahmen zu ergreifen. Vor der Corona-Krise hatten mehr als 30 Prozent der KMUs eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Dennoch haben viele Unternehmen nicht genügend Liquidität, um zwei bis drei Monate eines Umsatzrückgangs- oder gar -ausfalls zu überbrücken. In solchen Fällen besteht daher die Notwendigkeit, die finanzielle Widerstandsfähigkeit (Corporate Resilience) des Unternehmens zu stärken.

Eigenkapital stärken

Mit einer höheren Eigenkapitalquote und einer ausreichenden Liquiditätsreserve wird ein Unternehmen nicht nur in Krisenzeiten robuster, sondern auch unabhängiger von Fremdkapital. Die Aufnahme von Fremdkapital wird zudem durch bessere Ratings im Bedarfsfall vereinfacht. Möglichkeiten, das Eigenkapital zu erhöhen sind neben der Aufnahme neuer Investor*innen und Gesellschafter*innen im Wege einer Kapitalerhöhung auch die Innenfinanzierung oder die Schonung des Eigenkapitals durch Finanzierungsalternativen.

Klassische Möglichkeiten der Innenfinanzierung sind u.a. die Aussetzung von Ausschüttungen an die Gesellschafter*innen sowie Einlagen oder Darlehen dieser. Auch eine Stärkung der Ertragskraft über die Verbesserung der Leistungsfähigkeit stärkt das Eigenkapital: Eine Reduzierung der Kosten, der Abbau von offenen Forderungen durch ein konsequentes Mahnwesen oder die Veräußerung nicht betriebsnotwendiger Anlagen kann das Eigenkapital stärken.

Durch das Leasen von Anlagegegenständen ist es möglich, ohne Einsatz von Eigenkapital zu investieren. Als Steigerungsform kann auch das sogenannte Sale-and-Lease-Back angewandt werden. Dabei wird ein Anlagegut aus dem Betriebsvermögen verkauft und dann vom Käufer bzw. von der Käuferin zurückgeleast. Diese Form bringt oft auch in Krisenzeiten schnelle Liquidität in das Unternehmen.

Durch Finanzierungsformen wie Factoring oder Forfaitierung (Ankauf von Forderungen unter Verzicht auf einen Rückgriff gegen den Verkäufer bzw. die Verkäuferin bei Zahlungsausfall des Schuldners bzw. der Schuldnerin) können Forderungen durch einen Verkauf in liquide Mittel umgewandelt werden.

Wachstum durch Fremdkapital

Um die langfristige Sicherung der Liquidität zu gewährleisten ist es oftmals nötig, Fremdkapital in Anspruch zu nehmen. Vor allem für inhaber*innengeführte Unternehmen ist die Aufnahme neuer Gesellschafter*innen oft keine Option, weswegen nur eine Fremdkapitalfinanzierung in Frage kommt. Größere Investitionen, welche einen Beleihungswert für den Fremdkapitalgeber haben (z.B. Immobilien, fungible Maschinen und Geräte etc.), können bei einer entsprechenden Fremdfinanzierung die Liquidität des Unternehmens schonen. Die anfallenden Zinsen sind steuerlich abzugsfähig, woraus sich zusätzlich eine steuerliche Begünstigung ergibt. Die KfW kann dabei eine erste Anlaufstelle für Unternehmen sein. Diese bietet zahlreiche staatlich geförderte Kredite an, mit denen günstig Investitionen getätigt und Projekte finanziert werden können.

Fördermittel und Zuschüsse wahrnehmen

Infolge der Corona-Krise wurden von staatlicher Seite Fördermaßnahmen beschlossen, welche betroffenen Unternehmen schnell liquide Mittel zur Verfügung stellen sollen. Diese haben in den meisten Fällen Unternehmen vor der Insolvenz gerettet und sicher durch die Krise gebracht. Aber auch in Nicht-Krisenzeiten steht Unternehmen eine große Auswahl an staatlichen Zuschüssen zur Verfügung. Dabei werden Unternehmen nicht nur auf Bundesebene bei Investitionen unterstützt: Auch von Bundesland zu Bundesland gibt es diverse Fördermaßnahmen für Gründer*innen sowie für kleine und mittelständische Unternehmen. Bekannte Mittel sind dabei der Gründungszuschuss, Zuschüsse nach dem Forschungszulagengesetz sowie auf Länderebene verschiedene Digitalisierungsboni. Auch das Schaffen von Arbeitsplätzen wird in vielen Fällen von der Agentur für Arbeit bezuschusst.

Beratung nutzen

Ob bei der Gründung eines Unternehmens, der Beantragung der oben genannten Fördermittel oder Finanzierungsfragen, häufig fehlt Unternehmern das nötige Know-how, um alle Bereiche einer zukunftssicheren Ausrichtung ihres Unternehmens zu überblicken. Die Inanspruchnahme einer kompetenten Beratung ist daher eine werthaltige Investition in das Unternehmen, welche oftmals unterschätzt wird. Spezialisierte Berater*innen können dabei auf die genauen Bedürfnisse des Betriebs eingehen und oft durch wenige Stellschrauben ein zukunftsorientiertes und krisenfestes Unternehmen mit aufbauen. Nicht nur klassische Unternehmensberatung kann beim Aufbau und Wachstum eines Unternehmens hilfreich sein, auch die Expertise von Rechts- und Patentanwält*innen, Steuer-, Vertriebs- und Finanzberater*innen kann bei der Erstellung der Unternehmensstrategie ausschlaggebend sein.

Rücklagen bilden

Um in Krisensituationen liquide zu bleiben, ist es unabdinglich, ein Rücklagenpolster zu schaffen. Gerade für KMUs gestaltet sich dies allerdings oft schwierig, da verfügbares Kapital schnell reinvestiert werden muss, um ein stetiges Wachstum zu gewährleisten. Dennoch ist es gerade für Unternehmen mit geringerem Cashflow wichtig, stetig Rücklagen zu bilden. Hilfreich dabei können steuerliche Maßnahmen wie der Investitionsabzugsbetrag, Sonderabschreibungen oder der Thesaurierungseffekt einer Kapitalgesellschaft sein. Bei Letzterem wird beispielsweise die geringere Steuerlast bei Gewinnen auf Unternehmensebene genutzt. Nicht ausgeschüttete Gewinne können so besser für Rücklagen, aber auch Reinvestitionen genutzt werden.

Fazit

Die Corona-Krise hat deutlich gezeigt, dass sich das Risikomanagement vieler Unternehmen, vor allem von KMUs, verändern muss. Gerade Unternehmen, die bereits vor der Krise in Schieflage waren, hatten in der Pandemie große Probleme. Die Gewinner der Pandemie dienen dabei als Vorbild: Schnelle und flexible Entscheidungswege helfen einem Unternehmen, auf plötzliche Herausforderungen zu reagieren. Um den schmalen Grat zwischen Rücklagenbildung und Investitionsausgaben zu finden, können Berater*innen helfen, das Unternehmen krisenfest aufzustellen. Langfristig geplante und entsprechend umgesetzte Maßnahmen dienen dazu, Krisenzeiten besser zu überwinden und sogar stärker aus ihnen hervorzugehen.

Die Autoren: Dr. Bernd Fischl ist Partner der BFMT Gruppe sowie anerkannter und akkreditierter Mittelstands- und Gründungsberater; Jonas Ernst ist Mitarbeiter der BFMT Gruppe. Er ist schwerpunktmäßig in den Bereichen Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung für KMUs tätig.

Strategien für Start-ups

Die Gründung eines Start-ups kann viele Herausforderungen mit sich bringen. Diese sind bekannt und es gibt dazu unzählige Hilfestellungen. Um den Erfolg eines Start-ups zu gewährleisten, ist es deshalb wichtig, einen konkreten Plan zu haben. Hierfür gibt es verschiedene Marktwahl- und Marktbearbeitungsstrategien. Im folgenden Artikel zeigen wir zwei Strategien, die jeder erfolgreiche Entrepreneur unbedingt kennen sollte.

Marktwahlstrategien

Eine gute Marktwahlstrategie hilft dabei, sich auf dem richtigen Markt zu positionieren. Zu diesem Zweck sollte man sich zunächst überlegen, ob man den Markt räumlich oder sachlich abgrenzt. Eine räumliche Marktabgrenzung ist im transportierenden Gewerbe oder im Dienstleistungssektor nützlich. So können entstehende Transportkosten und Transaktionskosten verringert werden. Der Softwarehersteller SAP agiert z.B. auf einem globalen Markt in über 180 Ländern. Software und viele Dienstleistungen lassen sich heutzutage sehr einfach über das Internet vertreiben und unterliegen kaum einer räumlichen Einschränkung. Allerdings muss man trotzdem die örtliche Gesetzgebung beachten. Für viele Start-ups können hierbei Hürden entstehen, weshalb es sich empfiehlt, den Markteintritt vorsichtig zu wählen. Eine sachliche Marktabgrenzung ist besonders nützlich, um den Markt nach bestimmten Gütern oder Produkten einzugrenzen. So würden z.B. zu dem sachlichen Markt des Automobilherstellers VW alle weiteren Automobilhersteller, wie z.B. BMW, Daimler, Toyota etc. gehören. Es ist auch möglich, eine räumliche und sachliche Marktabgrenzung durchzuführen. So kann der relevante Markt noch präziser bestimmt werden.

Marktteilnehmerstrategien

Nachdem die Marktwahlstrategie festgelegt wurde, kann als Nächstes die Marktteilnehmerstrategie definiert werden. Hierbei wird auf alle am Markt teilnehmenden Parteien wie Konsument, Konkurrent und Abnehmer eingegangen. Kernstück sind hierbei Maßnahmen, welche sich vor allem an den Konsumenten richten. Ein Start-up muss sich überlegen, welchen Nutzen ein Kunde aus einem Produkt oder einer Dienstleistung gewinnen kann. Es ist essenziell, sich von der Konkurrenz abzuheben und sich einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Dies kann gelingen, indem das Start-up dem Kunden entweder einen Leistungsvorteil oder einen Kostenvorteil bietet. Leistungsvorteile zeichnen sich durch eine erhöhte Qualität aus. Kostenvorteile wiederum durch einen günstigeren Preis. Besonders bereits etablierte Unternehmen können hier den Start-ups als Vorbild dienen.

Die Strategien sind dabei natürlich stark branchenabhängig. Wer etwa nur digital agieren will, hat unterschiedliche Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Geschäftsmodellen, die offline agieren. Besonders im Gaming Bereich gibt es für den Sektor typische Marketingstrategien. So bieten z.B. neue Online Casinos ihren Kunden viele Vorteile, wie Bonusangebote und Aktionen an. Neukunden erhalten so oftmals einen Kostenvorteil durch Freispiele und können das Angebot der Webseiten zunächst austesten und kennenlernen. Viele Anbieter bieten zusätzlich gewisse Leistungsvorteile an, wie eine erhöhte Sicherheit durch eine SSL-Verschlüsselung und mehrere verschiedene Zahlungsmöglichkeiten.

Ähnliches ist auch bei Streaminganbietern wie Netflix erkennbar. Dieser ermöglicht neuen Kunden zunächst einen kostenlosen Probemonat. Hier kann bereits durch das gesamte Angebot der Plattform gestöbert werden. Außerdem erhalten User Preisreduktionen, je mehr Accounts unter einem Namen angelegt werden. Die Kunden sollen so dem Unternehmen treu bleiben und nicht zu Wettbewerbern wie Amazon Prime wechseln. Im Marketing wird diese Strategie auch als Pull-Strategie bezeichnet. Das Start-up zieht den Kunden durch seine Maßnahmen an das Unternehmen heran. Werden diese Maßnahmen erfolgreich durchgeführt, steigt auch die Markenbekanntheit. Dies führt wiederum zu einer stärkeren Kundenbindung, was den Unternehmenserfolg erhöht.

Fazit

Ein Start-up sollte sich immer eine Marktwahl- und eine Marktteilnehmerstrategie überlegen. Eine erfolgreiche Marktwahlstrategie kann einen räumlichen oder sachlichen Bezug haben. Sie hilft dem Start-up dabei eine Marktsegmentierung zu bilden. Die Marktteilnehmerstrategie ist hingegen wichtig, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. Dieser Wettbewerbsvorteil zeichnet sich durch einen Leistungs- und Kostenvorteil aus. Wichtig ist es hierbei den Nutzen des Kunden in den Vordergrund zu stellen. Dieser muss mit den richtigen Maßnahmen an das Unternehmen gebunden werden. Gerade in der Markteintrittsphase ist es für ein Start-up entscheidend, die Markenbekanntheit zu stärken. Nur so kann der Erfolg eines Start-ups gesichert werden.

Selbstständig machen als Softwareunternehmen

Wenn du dich mit einem Softwareunternehmen in der IT-Branche selbstständig machen willst, erfährst du hier, auf was du auf deinem Weg in die Selbstständigkeit achten musst, um möglichst rechtssicher, effektiv und nachhaltig zu starten.

Softwaremarkt: Zahlen und Trends

Nach Prognosen von Bitkom wird das Marktvolumen für Software in Deutschland weiter steigen und im Jahr 2021 etwa 27 Milliarden Euro betragen. Es wird prognostiziert, dass sich der weltweite Umsatz mit Software im Jahr 2021 auf etwa 514 Milliarden Euro belaufen wird, so Statista. Die Software für Unternehmen mit einem prognostizierten Marktvolumen von etwa 204 Milliarden Euro gilt als das größte Segment im weltweiten Softwaremarkt. Laut Statista ist Cloud-Computing einer der aktuellsten Trends auf dem IT-Markt: 82 Prozent der im Jahr 2020 befragten deutschen Unternehmen haben angegeben, dass sie bereits Cloud-Services nutzen. 76 Prozent behaupten, dass sie planen, mehr in die Cloud-Technologie zu investieren. Für 70 Prozent Unternehmen hat die Digitalisierung im Allgemeinen während n der Corona-Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen, so eine Studie von Bitkom Research. Sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) möchten die Corona-Krise nutzen, um Versäumnisse bei der Digitalisierung aufzuholen. Für Softwareunternehmen ergeben sich damit ganz neue Chancen, in den Softwaremarkt mit ihren Produkten einzutreten, die neuen Anforderungen und Erwartungen entsprechen.

Softwareunternehmen gründen: die 7 Hauptschritte im Überblick

Wir haben den Gründungsprozess in 7 Schritte unterteilt. Alle Schritte sind jedoch so eng miteinander verbunden, dass es nicht immer möglich ist, die festgelegte Reihenfolge einzuhalten. Aber eines ist klar: falls du ein Softwareunternehmen gründen möchtest, musst du die folgenden Schritte beachten.

Schritt 1: Markt / Wettbewerber erforschen und eine passende Geschäftsidee finden.

Um den dynamischen Softwaremarkt zu betreten, sollte man erst diesen Markt erforschen und analysieren. Die Marktanalyse ist ein sehr wichtiger Schritt, der leider gern unterschätzt wird, was zum Scheitern bereits in früheren Phasen führt. Nur die sorgfältige Recherche hilft, wertvolle Informationen über den Softwaremarkt zu gewinnen und auf derer Basis marktstrategische Entscheidungen zu treffen. Im Rahmen der Markt- und Wettbewerbsanalyse wird es ermöglicht,

  • die Marktgröße zu ermitteln, um davon abgeleitet den Marktanteil für das geplante Softwareprodukt am Gesamtmarkt zu berechnen;
  • das Marktpotenzial für die Geschäftsidee richtig einzuschätzen und zu ermitteln;
  • die Zielgruppe mit ihren Bedürfnissen zu definieren;
  • zu bestimmen, welche Schwächen und Stärken deine wichtigsten direkten Konkurrenten haben, und aus ihren Erfolgen / Fehlern zu lernen;
  • eine klare Ausrichtung der Idee und des Projekts zu gewährleisten.

Die Ergebnisse einer Marktanalyse bilden eine zuverlässige Grundlage für die datenbasierte Planung der nächsten Schritte.

Schritt 2: Geeignete Rechtsform auswählen.

Bevor du dich für eine Rechtsform entscheidest, solltest du erst eine Reihe von Fragen beantworten, die einen direkten Einfluss auf die Wahl haben, wie zum Beispiel:

  • Wirst du dein Softwareunternehmen zusammen mit anderen Personen oder alleine gründen?
  • Wie viel Stammkapital hast du? Und wie groß ist der Kapitalbedarf?
  • Wirst du nach Investoren suchen?
  • Bist du bereit, mit deinem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten des Softwareunternehmens zu haften? Oder möchtest du nur mit dem Gesellschaftsvermögen haften?
  • Wirst du Personal einstellen?
  • Planst du, dein Softwareprodukt auch auf den internationalen Markt bringen?
  • Werden hohe Umsätzen in der Zukunft erwartet?
  • Welche Rechtformen sind in der IT-Branche üblich?

Es gibt eine Vielzahl von Rechtsformen, die sich grundsätzlich in Personen- und Kapitalgesellschaften unterteilen lassen. Zu den gängigsten Formen, die bei der Gründung von Softwareunternehmen gewählt werden, gehören:

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).
  • GmbH & Co. KG.
  • Unternehmergesellschaft (UG) (haftungsbeschränkt).
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).
  • Einzelunternehmen.

Personengesellschaften wie GbR oder GmbH & Co. KG sollten mindestens aus zwei Gesellschaftern bestehen, die kein Mindestkapital zur Gründung benötigen, aber dabei persönlich und unbeschränkt mit ihrem Privatunternehmen haften müssen. Bei Kapitalgesellschaften wie GmbH und UG sollten Gesellschafter (das kann auch ein Gesellschafter sein) ein Stammkapital haben. Das ist eine gute Wahl, falls Gesellschafter ihre Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränken möchten. Bei der Rechtsform des Einzelunternehmens sollte man für alle betrieblichen Verbindlichkeiten auch mit dem Privatvermögen haften. Aber diese Form zählt zu den einfachsten Rechtsformen, die es ermöglicht, mit geringen bürokratischen Hürden und Gründungskosten in die Selbständigkeit einzusteigen.

Jede Rechtsform hat ihre Vor- und Nachteile, die bei der Wahl sorgfältig abgewägt werden müssen. Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, bei der Wahl einer optimalen Rechtsform einen externen Unternehmensberater hinzuziehen, um schwerwiegende Fehler zu vermeiden.

Schritt 3: Ein Proof of Concept (PoC) erstellen.

Ein Proof of Concept (PoC) hilft, deine Geschäftsidee auf die Machbarkeit zu überprüfen. Das ist ein sehr wichtiger Meilenstein in der Projektentwicklung, der einerseits eine solide Grundlage für die weiteren Schritte schafft und andererseits zur Überzeugung von Investoren dient. Du musst mit einem Proof of Concept beweisen, dass die Idee überhaupt praktisch umsetzbar ist und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zum wirtschaftlichen Erfolg führt.

Um den Machbarkeitsnachweis zu erbringen, kommen drei Strategien zum Einsatz.

  • Die Idee wird direkt umgesetzt. Gelingt es dir, ein Softwareprodukt direkt auf den Markt zu bringen, das bei der Zielgruppe gut ankommt, hast du einen stichfesten Erfolgsnachweis. Aber diese Strategie ist mit einem großen Risiko verbunden.
  • Die Idee wird in einem kleinen Projekt ausprobiert. Das ist eine Strategie mit weniger Risikobehaftung, die aber wertvolle Erkenntnisse darüber liefert, was noch an deinem Produkt verbessert werden muss. Damit hilft diese Strategie, deine Geschäftsidee zu optimieren, bevor das fertige Produkt auf den Markt eingeführt wird.
  • Die Idee wird im Rahmen der Marktforschung auf Herz und Nieren überprüft. Die Marktforschung kann leider keinen eindeutigen Machbarkeitsnachweis erbringen, sondern helfen, die erste Einschätzung des Marktes zu machen und eine solide Basis für die Umsetzung anderer Strategien vorzubereiten.

Der Begriff Proof of Concept wird oft mit anderen Begriffen aus der IT-Branche vertauscht: Prototyp und MVP (Minimum Viable Product). Alle drei Begriffe sind eng miteinander verbunden. Aber diese Ansätze kommen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zum Einsatz und verfolgen verschiedene Ziele:

  • Im Rahmen vom PoC wird das Projekt auf die Machbarkeit geprüft. Es ist sinnvoll, die Machbarkeitsstudie am Anfang des Projekts durchzuführen, bevor größere Investitionen in die Entwicklung eines neuen Softwareprodukts getätigt werden.
  • Prototypen werden nach einem erfolgreichen PoC erstellt und dienen dazu, die Idee begreifbar zu machen. Diese unvollständige Version des geplanten Produkts muss zeigen, wie es aussehen und laufen wird.
  • Ein MVP wird auf der Basis von Erkenntnissen aus PoC und Prototypen erstellt. Aber im Gegensatz dazu ist ein MVP ein minimal brauchbares Softwareprodukt, das einen Mehrwert für potenzielle Kunden anbietet, obwohl es noch keine Marktreife erreicht hat. Mit einem MVP erhältdt du eine Möglichkeit, wertvolles Feedback von Endnutzern einzuholen und darauf basierend dein Produkt an die realen Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe anzupassen.

Schritt 4: Geeignetes Geschäftsmodell auswählen.

Bei der Gründung eines Softwareunternehmens kommen verschiedene Software-Geschäftsmodelle zum Einsatz, die sich nach folgenden Kriterien unterscheiden lassen:

Nach Zielgruppe

  • B2B-Software. Du benötigst ein engagiertes Vertriebsteam für lange Verkaufszyklen, das persönliche Beziehungen zu B2B-Kunden aufbauen und diese langfristig betreuen wird. B2B-Produkte sollten an individuelle Bedürfnisse von B2B-Kunden einfach angepasst warden können. Du musst auch über umfassende Support-Leistungen wie Integration, Migration oder Weiterentwicklung denken, die dein Softwareunternehmen B2B-Kunden bereitstellen kann.
  • B2C-Software. Um dein Produkt sowie deine Dienstleistungen an Endverbraucher zu verkaufen, brauchst du digitales Marketing. Es umfasst vielfältige Marketingaktivitäten und Maßnahmen, die unter Einsatz verschiedener digitaler Instrumente (darunter auch Website, soziale Netzwerke, Live-Chats) durchgeführt werden und für die Markenbekanntheit sorgen müssen.

Nach Preisgestaltung und Umsatzarten

Umsatz mit einem Produkt

Wenn du planst, Geld nur durch dein Softwareprodukt zu verdienen, solltest du festlegen, wie du das machst. Man unterscheidet die folgenden Formen der Monetarisierung:

  • Lizenzmodell: Unabhängig davon, ob ein Softwareprodukt privat oder gewerblich genutzt wird, sollten Endnutzer*innen erst eine Softwarelizenz erwerben, die eine Vereinbarung zwischen Softwarehersteller und Endnutzer*in darstellt. Mit dieser Lizenz erhalten diese eine zeitlich unbegrenzte Erlaubnis das Produkt zu installieren und zu verwenden. Je nach Softwarehersteller können auch zusätzliche Gebühren durch Anpassungen und regelmäßige Updates entstehen.
  • Abonnementsbasiertes Modell: Das Nutzungsrecht wird für einen bestimmten Zeitraum (z.B. Benutzer/Monat) gemietet. Dabei erhalten Endnutzer*innen einen Zugriff auf die aktuellste Version der Software. Wird der festgelegte Zeitraum abgelaufen, musste das Nutzungsrecht durch die wiederkehrende Zahlung erneut aktiviert werden.
  • Das Pay-as-you-go-Modell: Die Endnutzer*innen bezahlen nur Ressourcen, die sie tatsächlich genutzt haben. Die Zahlung basiert auf einer messbaren Einheit wie z. B. pro Transaktion, pro Gigabyte Speicherplatz, pro Verbindung.
  • Freemium-Modell: du kombinierst zwei Angebote. Erst stellst du ein Basisprodukt kostenlos zur Verfügung, um potenzielle Kund*innen zu gewinnen und ihr Interesse zu wecken. Dann bietest du die Möglichkeit an, die Vollversion mit zusätzlichen Funktionen und Erweiterungen zu nutzen, für die Endnutzer*innen aber extra bezahlen müssen.
  • In-App-Käufe: Dieses Modell ermöglicht es, eine App als Vertriebskanal zu nutzen, um verschiedene Produkte zu verkaufen.

Umsatz mit einem Produkt und produkt-begleitenden Dienstleistungen. Dazu gehören in erster Linie technischer Support und Wartung deines Softwareprodukts.

Nach Bereitstellungsmodell

  • Cloud: Ein Softwareprodukt wird über das Internet bereitgestellt, das Kund*innen ohne Installation sofort nutzen können. Dieses Modell ermöglicht es, cloudbasierte SaaS-Produkte auf den Markt zu bringen, die üblicherweise unter Einsatz des Abo-Modells vertrieben werden.
  • On-Premises: Ein Softwareprodukt wird lokal beim Kunden bzw. der Kundin installiert und im eigenen Rechenzentrum betrieben. Um das Nutzungsrecht zu bekommen, sollten die Kund*innen die Nutzungslizenz kaufen oder mieten.
  • Hybrid: Es geht um die Erstellung eines Softwareprodukts, das die optimale Nutzung von lokalen Ressourcen in Kombination mit der Cloud-Umgebung ermöglicht. Dieses Modell hilft, eine Balance zwischen Sicherheit und Komfort zu halten (wenn z.B. Kund*innen ihre sensiblen Daten nicht in der Cloud speichern möchten).

Schritt 5: Die geeignete Finanzierungsform auswählen und planen.

Für die Umsetzung deiner Geschäftsidee, die du auf die Machbarkeit überprüft hast, benötigst du Geldmittel. Ein gut strukturierter Finanzplan sollte dir aufzeigen, wie viel Kapital du für die Gründung eines Softwareunternehmens und die Erstellung sowie Einführung Ihres geplanten Produkts brauchst. Mit diesen Zahlen beginnst du die Suche nach den Finanzierungsmöglichkeiten. Derzeit gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Unternehmensfinanzierung und -förderung. Darunter auch:

  • Finanzierung via Bootstrapping: Du verlässt dich bei der Gründung eines Softwareunternehmens auf deine persönlichen Ersparnisse und Fähigkeiten. Die Selbstfinanzierung ist eine optimale Möglichkeit für Gründer*innen, die ein Softwareprodukt selbst programmieren können.
  • Spezielle Förderprogramme: Es werden unterschiedliche Förderprogramme sowohl auf bundesweiter als auch auf regionaler Ebene angeboten, die es ermöglichen, die finanzielle Unterstützung in Form von Zuschüssen oder Darlehen zu niedrigen Zinsen zu erhalten.
  • Darlehen und Kredite bei einem Finanzinstitut: Das können klassische Kredite oder spezielle Kredite für die Existenzgründung sein, mit Bürgschaft von Privatpersonen oder von der Bürgschaftsbank. Die Erstellung eines professionellen Businessplans und/oder der Machbarkeitsnachweis sollte deine Chancen erhöhen, einen Kredit bewilligt zu bekommen.
  • Finanzierung über externe Investoren: Es gibt unterschiedliche Wege, Investoren zu finden:
    Auf Crowdfunding-Plattformen wie Startnext (das ist die größte Plattform im deutschsprachigen Raum). Gründer*innen haben eine Möglichkeit, Ihre Idee auf solchen Plattformen vorzustellen und finanzielle Unterstützung über eine Vielzahl von Menschen zu erhalten.

    Auf spezialisierten Business Angels Netzwerken. Um das Interesse von Business Engels, vermögenden Privatinvestoren, zu wecken, sollten Gründer*innen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Diese Investoren sind üblicherweise bereit, die Finanzierungslücke in der Frühphase zu schließen, was mit einem hohen Risiko verbunden ist, und nicht nur das Kapital, sondern auch ihre Kontakte und Know-how ins Projekt einzubringen.
    Bei Venture-Capital-Fonds, die durch das Investieren Anteile am Unternehmen erhalten und damit zu einem strategischen Partner werden. Ihr Hauptziel ist, erworbene Geschäftsanteile zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen und dadurch einen maximalen Gewinn zu erzielen. Der Einstieg von Investoren solcher Art erfolgt jedoch in den meisten Fällen in den späteren Phasen, die durch ein niedrigeres Risiko gekennzeichnet werden.

Schritt 6: Businessplan erstellen.

Je nachdem, welche Ziele du mit der Erstellung eines Businessplans verfolgst, kann er unterschiedliche Informationen enthalten. Darunter auch:

  • Kurze Zusammenfassung, die einen Überblick über dein Vorhaben gibt.
  • Detaillierte Beschreibung der Geschäftsidee für das geplante Softwareprodukt und begleitende Dienstleistungen (abhängig vom gewählten Geschäftsmodell), die auch Funktionen und besondere Merkmale der Software umfasst.
  • Das geplante Geschäftsmodell, das beschreibt, wie genau du Geld verdienen wirst.
  • Markt & Wettbewerb. Ergebnisse der Markt- und Wettbewerbsanalyse wie Akteure des Markts, Marktsegmente, Potenziale und Risiken, Zielgruppe und mehr.
  • Business Case, der durch die Beschreibung des Szenarios sowie die Begründung des erwarteten Nutzens die Vorteilhaftigkeit deines Vorhabens aufzeigen muss.
  • Informationen über das Gründerteam: Anzahl von Gründer*innen, Kompetenzen und Fähigkeiten.
  • Beschreibung und Begründung der gewählten Rechtsform.
  • Geplante Kooperation mit externen Dienstleistern oder einzelnen Entwicklern.
  • Umsetzungsplanung: kurz- und mittelfristige Ziele, Kennzahlen zur Messung des Fortschritts, konkrete Meilensteine und Zeitpläne und mehr.
  • Finanzplanung, die einen umfangreichen Überblick (meist in Zahlen) darüber gibt, mit welchen Arten von Kosten du bei bzw. nach der Gründung deines Softwareunternehmens rechnen musst: Planung des kurz- und langfristigen Kapitalbedarfs, Investitionsplan, Rentabilitätsplanung, Liquiditätsvorschau und mehr. Die Finanzplanung ist ein sehr wichtiger Punkt im Businessplan, der auch erklärt, wann du mit deinem Softwareunternehmen einen Gewinn erwirtschaften wirst. Dieser Teil ist auch für potenzielle Investoren interessant.
  • Mögliche Maßnahmen für das Marketing und die Vermarktung des Produktes und des zu gründenden Softwareunternehmens.
  • Anhang. Es geht um alle zusätzlichen relevanten Dokumente wie Lebensläufe, Referenzen, Grafiken, Zahlmaterialien und andere Zusatzinformationen.

Der Businessplan ist ein sehr wichtiges Werkzeug in der Gründungsphase, das es ermöglicht:

  • Die Geschäftsidee klar zu formulieren und überzeugend zu präsentieren.
  • Dich bei der Kapitalbeschaffung zu unterstützen.
  • Durch einen detaillierten Plan mögliche Schwachstellen sowie Wissenslücken frühzeitig aufzudecken und dadurch Risiken zu minimieren.
  • Dich bei der eigenen Planung sowie bei der Kontrolle deiner Fortschritte zu unterstützen.

Schritt 7: Wettbewerbsvorteile schaffen.

Wettbewerbsvorteile helfen dir, dich von der Konkurrenz abzuheben und einen Schritt weiter zu gehen. Es ist empfehlenswert:

  • Wiederverwendbare Bestandteile der Software zu entwickeln, um dein Produkt modular und flexibel aufzubauen. Die Wiederverwendung ermöglicht es, durch die mehrfache Nutzung von bereit erprobten Bestandteilen die Produktqualität zu verbessern, den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und damit Zeit- und Kostenersparnisse zu erzielen.
  • Künstliche Intelligenz einzusetzen, um einerseits durch die Nutzung von KI-Basierten Tools intelligente Unterstützung bei der Entwicklung und Wartung denes Softwareprodukts zu ermöglichen, und andererseits innovative Softwareprodukte auf den Markt zu liefern. Die Software mit intelligenten Funktionen hilft, Fehler zu reduzieren, zahlreiche Prozesse zu automatisieren, Angebote und Ansprache zu personalisieren und vieles mehr.
  • Die Time-to-Market zu verkürzen, um sich schneller als Wettbewerb auf dem Markt zu positionieren und einen schnelleren Return on Investment (ROI) zu erzielen.

Fazit

Obwohl sich die Marktprognosen beeindruckend lesen, ist es letztlich aufwändig, ein Softwareunternehmen erfolgreich zu gründen. Ein Muss ist eine gute Vorbereitung, die den Gründungsprozess deutlich erleichtert und für einen umfassenden Überblick über technische, rechtliche und formale Voraussetzungen sorgt. Zugleich sollten sowohl existierende als auch neu zu gründende Softwareunternehmen ihre Geschäftsstrategien an die sich ändernde Dynamik des Softwaremarkts anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei der Gründung deines Softwareunternehmens solltst du auch bereit sein, mehrere Möglichkeiten auszuprobieren, bevor du dein Erfolgsrezept findest. Denn klar ist, dass sich der Softwaremarkt im digitalen Wandel befindet. Die Entscheidung liegt bei dir, ob du daran teilnehmen bzw. teilhaben willst oder nicht.

Der Autor Boris Shiklo begann seine Karriere 1997 bei ScienceSoft als C ++ und Datenbankentwickler. Heute nutzt er als technischer Geschäftsführer seine tiefen Hintergrundkenntnisse in Softwareentwicklung und strategischer Planung bei der Betreuung der komplexesten Projekte und als Experte, Blogger und Fachautor.

Recht für Gründer: Umwandlung der GbR in eine GmbH

Von der GbR zur GmbH: Von der Idee der Zusammenarbeit zur professionellen Unternehmung.

Mit über 211.000 Gesellschaften des bürgerlichen Rechts (GbR) (Stand 2018, Quelle: destatis.de) gehört diese Gesellschaftsform mit Abstand zu der beliebtesten Personengesellschaften in Deutschland.

In meiner Beraterpraxis als Rechtsanwalt für Gesellschaftsrecht sehe ich oft GbR-Gesellschaften entweder ohne schriftlichen Vertrag oder unter Verwendung eines Vertragsmusters mit standardisierten Textbausteinen und Alternativen zum Ankreuzen. Wobei die Alternativen oft nicht mehr in den finalen Vertrag eingeflossen sind. “Das hat uns keiner gesagt!” bzw. “Unser Steuerberater hat uns dieses Muster gegeben, aber nicht erklärt.” höre ich in der Beratung oft, wenn etwas schief gelaufen ist.

An dieser Stelle mein Tipp: Dein Steuerberater macht deine Abschlüsse und berät dich zu Unternehmenszahlen und dein Anwalt berät dich in gesellschaftsrechtlichen Anliegen.

Wenn die Unternehmen aus der Startphase der Gründung herauswachsen, stellen Gesellschafter schnell fest, dass eine GbR mittel- und langfristig nicht professionell aussieht, nicht zu den bestehenden Verhältnissen passt oder ihnen klar wird, dass sie immer noch mit ihrem gesamten Privatvermögen haften.

Eine Lösung ist nach kurzer Recherche zügig gefunden: die GmbH

An dieser Stelle ist vorweg zu sagen, dass die formellen Anforderungen an eine GmbH und der Inhalt der Gesellschaftssatzung noch wichtiger sind als bei der GbR. Hier solltet ihr euch unbedingt Gedanken machen über Abstimmungs- und Beschlussfassungsregeln, Eintritt- und Austrittsmöglichkeiten von Gesellschaftern, die Übertragung und Einziehung von Gesellschaftsanteilen sowie Nachfolge- oder Beendigungsvoraussetzungen.

Vorteile der GmbH aus Sicht des Juristen & Unternehmers

1. Beschränkte Haftung

Die GmbH haftet nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen, also mit den Werten, die der GmbH gehören. Hierin liegt der größte zivilrechtliche Vorteil: Eine persönliche Haftung der Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen besteht nicht! Dies gilt ab dem Zeitpunkt der Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister.

2. Rechtspersönlichkeit der GmbH

Als Kapitalgesellschaft gehört die GmbH zu den juristischen Personen mit eigener Rechtspersönlichkeit, d.h. sie kann Träger von Rechten und Pflichten sein und prozessrechtlich klagen bzw. verklagt werden, Eigentum begründen und übertragen.

3. Hohes Ansehen im Geschäftsverkehr

Eine GmbH führt im Vergleich zur GbR zu einer größeren Gläubigerakzeptanz bei Kreditgebern und zu einem professionelleren Erscheinungsbild. Banken und Kreditinstitute mögen klare Unternehmensstrukturen, einheitliche und vergleichbare Bilanzen und gewähren einer GmbH eher höhere Darlehen ohne Bürgschaften als im Vergleich zu Personengesellschaften, die grundsätzlich erstmal nicht bilanzierungspflichtig sind.

4. Rechtssicherheit aufgrund gefestigter Rechtsprechung

Rechtsnormen finden sich u.a. im GmbH-Gesetz, Handelsgesetzbuch und ergänzend im Aktiengesetz. Die Rechtsprechung zur GmbH ist weitgehend gefestigt. Die bei den Landgerichten eingerichteten Handelskammern kennen sich erfahrungsgemäß sehr gut aus.

5. Flexible Partizipation an Gesellschaftsanteilen

Während GbR-Anteile immer nur im Ganzen pro Kopf von einem Gesellschafter an einen anderen übertragen werden können, sind GmbH-Anteile am Gesellschaftskapital z.B. zu je 1 EUR-Geschäftsanteil teilbar und übertragbar, so dass auch kleinere Anteile veräußert und übertragen werden können.

Die Spielregeln bei einer Umwandlung: Das Umwandlungssteuergesetz (UmwStG)

Das UmwStG beschreibt im Wesentlichen 4 Umwandlungsarten: die Verschmelzung, die Spaltung, die Vermögensübertragung und den Formwechsel.

In allen Fällen geht das Vermögen des Ausgangsunternehmens gegen Gewährung von Gesellschaftsrechten auf das Zielunternehmen über. Das UmwStG enthält dazu Regelungen, Umwandlungsvorgänge steuerneutral zu ermöglichen, wenn bestimmte “Spielregeln” eingehalten werden.

Varianten, eine Personengesellschaft im Rahmen einer Gesamtrechtsnachfolge in eine Kapitalgesellschaft, z.B. eine GmbH umzuwandeln, wären also folgende:

  • Verschmelzung durch Aufnahme (der Personengesellschaft) … dabei wird das Vermögen der Personengesellschaft auf eine bestehende, bereits vorhandene GmbH übertragen
  • Formwechsel der Ausgangs-Personengesellschaft ... dabei wird die Rechtsform einer Personengesellschaft geändert zur Gründung einer GmbH
  • Verschmelzung zur Neugründung ...  dabei wird das Vermögen einer Personengesellschaft + eines weiteren Rechtsträgers auf eine neu zu gründende GmbH übertragen
  • Aufspaltung ... dabei wird nur ein Teil des Vermögens einer Personengesellschaft auf eine oder 2 bestehende bzw. neu zu gründende GmbH's übertragen

Die Herausforderung in Bezug auf die GbR ist jedoch, dass das UmwStG für alle zuvor genannten Varianten diese nicht als übertragenden Rechtsträger vorsieht. Daraus folgt, dass eine direkte Umwandlung - wie zuvor beschrieben - der GbR in eine GmbH im Rahmen einer Gesamtrechtsnachfolge ausscheidet.

Zwei smarte Möglichkeiten der Umwandlung

Bevor ich die m.M. nach eleganten bzw. smarten Umwandlungsmöglichkeiten skizziere, möchte ich noch auf zwei Punkte hinweisen:

1. Entscheidend für die erfolgreiche Umwandlung einer GbR in eine GmbH ist nach meiner Erfahrung das Zusammenspiel der fachlichen Dienstleistungen bzw. die agierenden Berufsträger: Rechtsanwalt, Steuerberater und Notar.

Im Idealfall erstellt der Rechtsanwalt verständliche, gut durchdachte und vor allem zu den Gesellschaftern passende Verträge - diese hat er vorher mit dem Steuerberater abgestimmt, welcher zudem selbstverständlich ordentliche GbR-Abschlüsse beisteuert – und der mitdenkende Notar beurkundet nicht blind, sondern hinterfragt bei evtl. Ungenauigkeiten und sorgt für die reibungslose Kommunikation mit dem Registergericht.

2. Die zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche Umwandlung müssen die Gesellschafter selbst mitbringen: nämlich Weisheit, den zuvor genannten Berufsträgern zu vertrauen, wenn möglich ihr Business bzw. das operative Unternehmenshandeln geduldig zu erklären und sich beraten lassen. Denn das unter 1. beschriebene kann nicht aus einer Mustervorlage, einem Blogbeitrag oder einem Youtube-Video entnommen werden oder eins-zu-eins auf alle Umwandlungsvorhaben standardisiert angewandt werden, sondern das ist das professionelle Gesamtpaket – wofür schließlich Beratungshonorare und Gebühren gezahlt werden.

Buchwertneutrale Einbringung der GbR

Um die o.g. positiven Effekte der Steuerneutralität zu erreichen, ist je nach individueller Ausgangslage ein Zwischenschritt erforderlich, nämlich die Eintragung der Firma (hier GbR) in das Handelsregister als OHG (Offene Handelsgesellschaft). Die Eintragung als OHG dient hier als Korrektur, so dass nach Vorgaben des Umwandlungssteuergesetzes ein übertragender Rechtsträger vorliegt. Nach erfolgter Umwandlung und Registrierung der GmbH wird die OHG sofort wieder aus dem Handelsregister gelöscht.

Ohne Aufdeckung stiller Reserven können nach § 20 UmwStG Umwandlungsfälle, die Betriebsteile oder Unternehmensanteile zum Gegenstand haben, d.h. auch Einbringungsvorgänge außerhalb des UmwG, buchwertneutral gestaltet werden. Als Voraussetzung muss es sich jedoch immer um eine entgeltliche Übertragung handeln, d.h. als Gegenleistung für eingebrachte Unternehmensteile müssen Anteile an der neuen GmbH gewährt werden.

Bargründung einer neuen GmbH und Einbringen als Aufgeld (Agio)

Die GbR kann als Aufgeld (sog. Agio) im Rahmen einer Neugründung (Bargründung) in die GmbH eingebracht werden. Auch hierbei ist wieder Bedingung, dass den künftigen GmbH-Gesellschaftern als Gegenleistung für ihre GbR-Anteile wiederum Gesellschaftsanteile an der gegründeten GmbH gewährt werden. Denn wie oben beschrieben ist eines der Hauptziele ja den steuerneutralen, einheitlichen Umwandlungsvorgang zu erreichen.

Diesen Weg empfehle ich oft umwandlungsfreudigen GbR-Gesellschaftern, die sich eine kostenintensive Unternehmensbewertung ihrer GbR sparen wollen, weil die Vermögenswerte sich hauptsächlich aus ihrer jeweiligen Arbeitskraft ergibt und nicht aus materiellen Gegenständen oder Werten. Ausreichend ist meist eine einfache Unternehmensbewertung anhand des letzten Jahresabschlusses bzw. nach einfacher Ertragswertmethode.

Fazit

Grundsätzlich gehe ich in meiner Beraterpraxis davon aus, dass die Umwandlung eurer Firma als GbR unter Ausnutzung der Steuerneutralität, d.h. unter Anwendung des Umwandlungssteuergesetzes erfolgen soll, folglich im Ergebnis nach der Umwandlung das Unternehmen mit neuer Rechtsform (GmbH) fortgeführt wird.

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es mehrere Wege. Welcher am besten auf eure Unternehmenssituation passt, muss im ersten Beratungsschritt herausgearbeitet werden. Es gibt nach meiner Einschätzung  nicht das “beste Umwandlungskonzept und das Rundum- Sorglos-Paket”.

Eine Umwandlung einer GbR in eine GmbH ist für die meisten Gesellschafter keine alltägliche, leichte Sache. Dabei darf nichts schiefgehen, was hinterher nicht mehr wiedergutzumachen ist oder korrigiert werden kann.

Von Anfang an solltet ihr alle oben genannten Berater für den jeweiligen fachlichen Baustein mit einbeziehen bzw. darauf achten, dass euer Beratungsteam auch miteinander gut kommuniziert. D.h. dass euer Steuerberater dem Rechtsanwalt oder dem Notar gut zuarbeitet oder das euer Rechtsanwalt Beratungsinhalte ggf. mit dem Notar VOR Beurkundung abstimmt.

Lasst euch auch hinsichtlich des Kostenaufwandes vorher einen genauen Überblick von allen beteiligten Beratern geben, welche Honorare und Gebühren entstehen. Gebühren beim Registergericht und Beurkundungsgebühren beim Notar sind z.B. bundeseinheitlich gleich, aber Stundensätze von Rechtsanwälten und Steuerberatern können sehr unterschiedlich sein.

Der Autor Marko Setzer berät seit über 10 Jahren als Berliner Rechtsanwalt Unternehmer bei gesellschaftsrechtlichen, sowie arbeitsrechtlichen Fragestellungen.

Von Zuhause aus arbeiten

Fast 50 Prozent der Frauen, die gründen, arbeiten erstmal von Zuhause aus. Vor allem für Mütter von kleinen Kindern ist das Home-Office oft die einzige Möglichkeit. Über die Vor- und Nachteile unterhielten wir uns mit zwei Unternehmerinnen, die es wissen müssen.

Pro Zuhause

Gründerin: Ute Jess-Desaever, zwei Kinder
Unternehmen: SzenAktiv, gegründet 2002, Ein-Frau-Unternehmen
Branche:
Dienstleistung für Firmen
Konzept:
Ute Jess-Desaever gibt Seminare zur Teamentwicklung und zur Kommunikation in Firmen. Ihr besonderes Angebot: „Unternehmenstheater“. Dabei verbessern Teams ihre Kommunikation, indem sie Situationen aus ihrem Firmenalltag als eigens geschriebene Theaterstücke einstudieren.
Büro:
Zuerst im externen Büro mit einer anderen Gründerin, inzwischen im Home-Office (s. Bild) in Oldenburg.

StartingUp: Sie kennen beide die Arbeit im externen Büro – welches sind die Vor- und Nachteile?
Desaever: „Ich hatte zuerst ein Büro in Bremen mit einer anderen Gründerin zusammen. Es hatte eine tolle Lage in der Innenstadt, nahe an meinen Kunden und an Läden und Lokalen. Der Kontakt zu meiner Kollegin war wichtig und ich konnte auch Verbindung zu Bekannten aus der Universität und von meinem früheren Arbeitsplatz leichter halten. Andererseits kostete mich das Pendeln zwischen Bremen und Oldenburg viel Kraft. Wenn es mitten am Tag eine Veranstaltung mit den Kindern gab, konnte ich selten teilnehmen. Ich empfand die Zerrissenheit zwischen Familie und meiner Arbeit als sehr belastend. Als meine Büro-Kollegin auf eine Stelle in einer Firma wechselte, habe ich das Büro aufgegeben.“

StartingUp: Auch Zuhause haben Sie beide schon gearbeitet. Welche Vor- und Nachteile hat das?
Desaever:
„Ich spare eine Menge Zeit und Energie, seit ich nicht mehr ins Büro pendele. Auch Zuhause habe ich ein Büro, das ich zumachen kann. Das haben wir extra ausgebaut. Per Internet und Telefon bin ich für meine Kunden gut erreichbar. Zu Anfang hatte ich Angst, mein Wechsel ins Heimbüro würde den Eindruck machen, ich hätte es nicht geschafft. Aber viele Kunden wissen nicht, dass sich hinter meiner Adresse die Wohnung verbirgt und die, die es wissen, haben positiv reagiert. Dafür bin ich immer in der Nähe meiner Kinder. Auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis sie gelernt haben, dass ich Zuhause bin – aber trotzdem nicht mit ihnen spielen kann. Ich kann jetzt freier entscheiden, wann ich arbeite und die Leerzeiten sinnvoller nutzen.

Andererseits spüre ich schon, wie schwer es ist, nach der Arbeit abzuschalten. Es gibt ein paar Tricks und Routinen, mit denen man das lernen kann. Ich hänge zum Beispiel am Abend die Arbeit ‚an den Haken‘ – nicht nur sinnbildlich, sondern wirklich. Unterlagen in einer Tasche zum Beispiel. Oder ich stecke die Probleme ‚in die Kiste‘. Dort bleiben sie bis zum nächsten Morgen und erst, wenn ich die Kiste öffne, denke ich an sie. Wenn ich besonders konzentriert sein muss, ziehe ich ein richtiges Business-Dress an. Aber auch sonst arbeite ich in Kleidung, die ich auch im Büro anziehen würde – nicht etwa im Schlabberlook.

Zur Checkliste So geht's: Die Familie im Rücken statt im Nacken

Gemeinsam starten

Eingetragene Genossenschaft (e.G.) - Gründerbericht

Vieles spricht dafür, als Genossenschaft (eG) zu gründen, besonders seit diese Unternehmensform weiter aufgewertet wurde. Was Sie über diese bisweilen unterschätzte Rechtsform wissen sollten.

Andreas Bosk hat ganz schön geschwitzt in den Messehallen. „Es war mehr als 30 Grad heiß“, erklärt er. Vielleicht standen dem 30-Jährigen aber auch deshalb ein paar Schweißperlen auf der Stirn, weil es die erste Messe in großem Stil war, die er selbst organisiert hat. 200.000 Euro und monatelange Arbeit haben Bosk und seine Mitstreiter in das Projekt Entscheider-Messe gesteckt. Da lastet ein gewisser Erfolgsdruck auf den Schultern. Umso erleichterter ist der Unternehmer nach dem Wochenende des 8. und 9. Juni. Die Messe war ein voller Erfolg, Bosk ist „mehr als zufrieden“. Wie erwartetet haben 3000 Besucher den Weg in die Göttinger Messehalle gefunden.

Die Entscheider-Messe in Göttingen ist eine Fachmesse für Unternehmer und leitende Angestellte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Ziel der Veranstaltung ist einmal, dass die Teilnehmer Kontakte zu potenziellen Geschäftspartnern knüpfen, um ihre Netzwerke auszubauen und Aufträge zu akquirieren. Erklärtes Ziel ist aber auch, dass die Wirtschaftsleistung in der Region bleibt und so Arbeitsplätze erhalten bzw. geschaffen werden können. „Wirtschaftsförderung – aus der Region und für die Region“ nennt Bosk das Konzept. Entscheider-Messe – das ist nicht nur der Titel der in diesem Jahr erstmals durchgeführten Veranstaltung. Das Unternehmen – speziell für den Zweck gegründet, dieses Projekt zu stemmen – hat sich den gleichen Namen gegeben. Korrekt lautet der Name „Entscheider-Messe eG“ – und der Zusatz eG verrät, dass es sich dabei um eine Genossenschaft handelt. Fünf Unternehmer, neben Bosk sind das Marco Böhme, Florian Grewe, Sebastian Mauritz und Horst Wolf, haben für ihre Firma damit eine Rechtsform gewählt, die viele Gründer gar nicht erst in Betracht ziehen, geschweige denn umsetzen. „Die Genossenschaft führt ein Schattendasein – leider“, sagt Katja von der Bey, Geschäftsführerin und Vorstand  der WeiberWirtschaft eG in Berlin und Mitautorin der Broschüre Potenziale der Genossenschaften für Gründerinnen.

Start-Check Franchising

Bei intensiver Recherche, akribischer Vorbereitung und Prüfung ist das Startrisiko für Franchise-Nehmer gut kalkulierbar und der Einstieg meist unkompliziert. Was Sie auf der Suche nach dem passenden Franchise-Geber beachten sollten.

Franchising ist die Vertriebsform, die - mit Ausnahme vom Online-Handel - im letzten Jahrzehnt das größte Wachstum zu verzeichnen hat. Wie alle Geschäftsformen ist auch diese nicht frei von Risiken. Diese werden in der Werbung, auch in der des Deutschen Franchise-Verbandes e.V., leider immer wieder verharmlost.

Die Risiken von Franchising zeigen sich aktuell an Systemen wie Müller Brot und Ihr Platz, wo Franchise-Nehmer unschuldig in Bedrängnis kommen. Letztlich dürfte in solchen Fällen meist die gesamte wirtschaftliche Existenz des Franchise-Nehmers, hochgerechnet einige hundert Tausend Euro, auf dem Spiel stehen. Daher gilt: Erst beraten lassen und dann investieren - getreu dem Motto: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet ..."

Der Erstkontakt

Bevor Kontakt mit einem Franchise-Geber über eine mögliche Zusammenarbeit aufgenommen wird, sollte ein potenzieller Franchise-Nehmer sich soweit wie möglich über das avisierte Geschäftsfeld informieren. Idealerweise bestehen in diesem Geschäftsfeld schon Vorerfahrungen durch eine frühere Tätigkeit. Ein Franchise-Nehmer kann davon ausgehen, dass er weniger Wissen über das Geschäftsgebiet hat als der Franchise-Geber.

Um eine annähernd vergleichbare Verhandlungsposition zu erreichen, ist ein möglichst hoher Kenntnisstand ratsam. Ebenfalls sollten bereits vor den Vertragsverhandlungen klare Planungen über die Dauer des Engagements bestehen. Unabdingbar ist es zudem, sich über die eigenen finanziellen Möglichkeiten klarzuwerden. Eine Verschuldung am Beginn eines Franchise-Systems ist üblich, sie sollte sich jedoch im „normalen Rahmen“ bewegen.

Die Gründer-Gruppe

Beim „Erfolgsteam“, einer Idee aus den USA, ist jeder der Coach des anderen. Lesen Sie, welche Vorteile dieses Konzept bietet und wie Sie selbst ein Erfolgsteam aufbauen können.

Jede berufliche Veränderung ist eine Chance und gleichzeitig eine Herausforderung. Eine ganze Menge an fachlichen Kompetenzen, aber auch Selbstvertrauen, Disziplin und Durchhaltevermögen sind nötig, um die neuen Situationen zu meistern. Ein möglicher Weg, um die Belastungen, die mit diesen Anforderungen verbunden sind, zu bewältigen, ist, sich die Unterstützung von Gleichgesinnten in einem Erfolgsteam zu sichern.
Das Konzept des Erfolgsteams stammt von der US-amerikanischen Seminarleiterin und Autorin Barbara Sher. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit so genannten Success Teams. Die Münchener Unternehmensberaterin Ulrike Bergmann brachte dieses Konzept 1995 nach Deutschland, wo sie es zunächst als „Empowerment Team“ anbot, später änderte sie den Namen in „Erfolgsteam“. Bergmann war in den USA selbst Mitglied eines „Empowerment Teams“ und hatte dort erfahren, wie effektiv dieses Unterstützungssystem für die berufliche Entwicklung sein kann.
Das Konzept ist so einfach wie wirkungsvoll: die Teilnehmer unterstützen sich gegenseitig dabei, ihre individuellen beruflichen Ziele zu erreichen – auf dem Weg in die Selbständigkeit oder in Phasen der Neuorientierung. Im Erfolgsteam arbeitet jedes Mitglied an seinem eigenen Vorhaben, bestimmt selbst seine Ziele, den Zeitplan und auch das Tempo, mit dem die Schritte gegangen werden. Damit unterscheidet sich das Erfolgsteam von einem Projektteam, bei dem alle Mitglieder ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Unterstützung im Team

Die Grundidee des Erfolgsteams ist der kollegiale professionelle Austausch. Jeder ist der Coach des anderen. In den Unterstützungsrunden erhält man Feedback und Anregungen von Menschen mit verschiedenen Berufen und Erfahrungen. Daraus entwickeln sich oft neue Perspektiven und Lösungsstrategien. In den Teammeetings hat man die Chance, sein Geschäftskonzept mit den anderen zu besprechen und auszuprobieren, wie gut man sich präsentiert und wie überzeugend man wirkt. Das Erfolgsteam ist damit auch ein ideales und risikofreies Übungsfeld für die eigenen kommunikativen Strategien, und schließlich profitieren alle vom Netzwerk der Mitglieder.

Erfolgsteams arbeiten zumeist für einen Zeitraum von sechs Monaten und treffen sich dabei regelmäßig alle zwei bis drei Wochen. Die Teilnahme ist verpflichtend, denn nur so kann konstant am eigenen Ziel gearbeitet werden. In jedem Treffen stellen sich die Teilnehmer eine eigene „Hausaufgabe“, die sie bis zum nächsten Meeting erfüllen wollen – und auch sollen.
Nach den sechs Monaten entscheiden die Mitglieder, ob und für wie lange sie das Team fortsetzen wollen. Die Erfahrung zeigt aber, so Ulrike Bergmann, dass sechs Monate bereits genügen, um mit den eigenen Berufszielen ein gutes Stück weit nach vorne zu kommen.

Der letzte Spartaner

Der gelernte Tischler und Ex-Boxer Werner Kieser ist einer der weltweit erfolgreichsten Fitnessunternehmer und mit mehr als 150 Studios in neun Ländern ein Pionier des Franchising. Im StartingUp-Interview verrät er seine Franchise-Strategie.

Herr Kieser, wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Krafttraining-Konzept als Franchisesystem zu entwickeln?
1980 stand ich vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Mein Studio war übervoll. Ich musste Interessenten nach Hause schicken oder expandieren. Klein bleiben war durchaus eine Alternative. Aber aus der Sicht einen möglichst großen Kundennutzen zu bieten, entschied ich mich für die Expansion. Damals war das Vertriebssystem Franchising im deutschen Sprachraum praktisch unbekannt. Durch das damals einzige Buch zu diesem Thema, „Das Franchisesystem“ von Gross und Skaupy (Econ) kam ich auf die Idee via Franchising zu expandieren.

Heute haben Sie mehr als 150 Studios in neun Ländern. Was waren die Meilensteine?
Der wichtigste Schritt war der erste: Die Entscheidung zur Selbständigkeit. Der zweite Schritt war – wie gesagt – die Grundsatzentscheidung zur Expansion. Und schließlich der Schritt nach Deutschland und Österreich.

Raten Sie jedem Franchisegeber, seinen ersten Pilotbetrieb erst einmal selbst aufzubauen, wie Sie es seinerzeit gemacht haben?
Unbedingt. Dies aus zwei Gründen: Erstens steckt der Unternehmer zu sehr in der operativen Wahrnehmung seines Betriebes. Der Pilotbetrieb gibt ihm die nötige Distanz um die Umrisse, d.h. das Profil seines Konzepts wahrzunehmen. Zweitens braucht er argumentativ ein Vorzeigeobjekt. Sein von ihm direkt geführter Betrieb ist kein „Beweis“ dass das Konzept auch ohne ihn funktioniert.

Nicht alle Franchisesysteme schaffen die Multiplikation ihres Geschäftsmodells so erfolgreich. Welche Fehler beobachten Sie am häufigsten?
Die drei häufigsten Fehler aus meiner Sicht sind: 1. Mangelhafte Reduktion der Komplexität. Die Hauptvorbereitung eines Modells besteht in der Reduktion. Ein komplexes System hat beim Franchising wenig Erfolgsaussicht. 2. Mangelhafte Ausbildung der Franchisenehmer durch den Franchisegeber. Alle Franchisesysteme verfügen über Handbücher mit den Regeln zur operativen Führung des Unternehmens. Diese Regeln müssen aber in die Köpfe der Franchisenehmer, ansonsten sind sie nutzlos. Die Ausbildung der Franchisenehmer besteht in nichts anderem als eben in der Vermittlung dieser Inhalte und der Überprüfung ob diese Vermittlung erfolgreich war. Hier mangelt es oft an der Konsequenz. 3. Diversifikation und mangelhaftes Zielgruppenbewusstsein: Ist ein System erfolgreich, besteht beim Franchisegeber die Neigung das Angebot zu verbreitern. Dies ist an sich problemlos wenn die Erweiterung dieselbe Zielgruppe anspricht. Sie ist aber fatal, wenn eine neue, andere Zielgruppe angesprochen wird.

Für welche Geschäftsideen bzw. Branchen ist der Aufbau eines Franchisesystems besonders geeignet?
Für Dienstleistungen mit direktem Endverbraucherkontakt.

Muss man als Franchisegeber ganz besondere unternehmerische Fähigkeiten mitbringen?
Zweifellos. Es ist der Blick fürs Ganze, der aber relevante Details nicht übersieht. Ein Franchisegeber mag sich um Details kümmern, die den Mitarbeitern und selbst den Franchisenehmern oft als unbedeutend erscheinen, dem Sinne nach: „Hat der nichts besseres zu tun?“ Bei genauerem Hinsehen kann das „Detail“ für die Zielgruppe des Produkts jedoch den Kaufentscheid auslösen.

Sollte man als Franchisegeber eher Chef oder Partner für die Franchise-Nehmer sein?
Beides, je nach Bereich. Als Unternehmer ist man Partner, als Urheber des Konzepts und als Stratege ist man Chef.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Franchising – Wachstumschancen für KMU“, dass Sie potenziellen Franchisenehmern ihr künftiges Leben erstmal in düsteren Farben aufzeichnen und ihnen raten, ihr Geld anderweitig zu investieren. Nur wenn sie dann noch insistieren, kommen sie in die engere Wahl. Muss diese Abschreckungsstrategie sein?
Ja. Damit stellen Sie fest, ob eine Affinität zum Produkt, bzw. der Marke besteht, die über die monetären Interessen hinausgeht.

Sie schildern als ein häufiges Problem erfolgreicher Franchisenehmer, dass diese ihren Erfolg irgendwann vor allem der eigenen Leistung zuschreiben und die Systemzentrale ab dann nur noch als lästigen Profiteur betrachten. Haben Sie derart schlechte Erfahrungen gemacht?
Das sind keine „schlechten“ Erfahrungen, sondern ganz normale menschliche Reaktionen. Wir neigen dazu, Verdienste uns selbst zuzuschreiben, Fehler aber zu „delegieren“. Das unmittelbare Umfeld des Franchisenehmers – Ehepartner, Verwandte, Freunde und auch Kunden – sehen wie der Franchisenehmer sich bemüht und zollen ihm auch die entsprechende Anerkennung. Denn die Situation ist jetzt eine ganz andere als jene, in der sich der Franchisekandidat beworben hat. Jetzt „weiß“ er wie die Sache läuft und tatsächlich hat sich damit seine Abhängigkeit vom Franchisegeber reduziert. Wichtig ist lediglich, dass schon der Franchisekandidat um diesen möglichen psychologischen Sachverhalt weiß.

Die Einrichtung Ihrer Kraftstudios ist bewusst spartanisch und reduziert. Keine Pflanzen, keine Bar, kein Schnickschnack. Disziplin und Konzentration aufs Wesentliche – sind dies auch Ihre Erfolgsrezepte als Unternehmer?
Nein. Das ist eine Frage, welche Zielgruppe angesprochen werden soll.

In Ihrem Heimatland, der Schweiz, gab es offenbar Probleme mit dem General-Franchisenehmer, so dass Sie dort den Markt komplett neu aufbauen. Wollen Sie uns hierzu ein paar Details verraten?
Der Master für die Schweiz verunglückte vor 10 Jahren tödlich. Seine Erben führten das Unternehmen weiter. Nach zweimaliger Verlängerung von je 5 Jahren lief der Mastervertrag per Ende 2010 aus. Wir haben über einen Kauf verhandelt, sind uns aber nicht einig geworden. Darum haben wir uns entschlossen, den Schweizer Markt direkt zu bearbeiten. Der vormalige Master wird seine Betriebe unter neuem Namen weiterführen.

Vor Ihrer Unternehmerkarriere waren Sie Boxer. Was haben Sie aus diesem Sport für Ihren Job gelernt?
Schwer zu sagen. Vielleicht einstecken und austeilen. Aber das bringt man schon mit, sonst würde man gar nicht erst mit Boxen anfangen.

Mit nun 70 Jahren könnten Sie – wie es so schön heißt – Ihren „wohlverdienten“ Ruhestand beginnen. Was halten Sie von einer derartigen Perspektive?
Nicht allzu viel. Ich hatte das Glück (oder mich so eingerichtet), neben meiner unternehmerischen Tätigkeit zahlreichen anderen Interessen wie Philosophie, Literatur, Kunst und Handwerk nachgehen zu können. Deshalb kam bei mir nie die Perspektive auf: „Wenn ich mal in Pension gehe, werde ich …“

Erfolg als Franchise-Geber

Sie haben ein gut gehendes Produkt und überlegen, wie Sie den Erfolg schnell skalieren und multiplizieren? Dann bauen Sie doch ein Franchise-System auf. Was Sie beachten sollten, um erfolgreich als Franchise-Geber zu starten.

Rund 940 Unternehmen gibt es derzeit am Markt, die bei ihrer Expansion auf Franchise-Nehmer (im Folgenden auch als Franchise-Partner bezeichnet) setzen. Die wohl bekanntesten unter ihnen sind McDonald’s, Subway und Kentucky Fried Chicken – denn Franchise kommt ursprünglich aus den USA. Ende der 1960er Jahre entstanden auch bei uns in Deutschland die ersten Franchise-Systeme. Inzwischen gibt es keine Branche mehr ohne Franchising.

Das Prinzip von Franchise-Systemen

Neue Konzepte und Franchise-Marken entstehen derzeit insbesondere in den Zukunftsmärkten Gesundheit und Umwelt – Beispiele sind Pflegeagenturplus (spezialisiert auf die Vermittlung von Betreuungs- und Haushaltshilfen aus Osteuropa) oder Enerix (Franchise-System für erneuerbare Energien). Das Prinzip von Franchise dabei ist einfach und durch eine klare Aufgabenteilung gekennzeichnet: Der Franchise-Geber entwickelt, führt und koordiniert das System mit einem lokal und/oder regional erfolgreichen Unternehmenskonzept. Er stellt seinen Franchise-Nehmern das notwendige Know-how für die erfolgreiche Erschließung des lokalen und regionalen Marktes mit einem zentralen Marketing, einer einheitlichen Werbung, meist auch mit einem Großhandel sowie einer kaufmännischen Beratung zur Verfügung. 

Eine professionelle Aus- und Weiterbildung der Franchise-Nehmer und oft auch deren Mitarbeiter sorgen für den nachhaltigen Erfolg. Der Franchise-Nehmer hingegen übernimmt die Rolle des lokalen Unternehmers, der an seinem Markt nach dem vorgegebenen Unternehmenskonzept expandiert. Er setzt die Markenwelt und damit die Geschäftsidee um. Er versteht sich als lokaler und regionaler „Markterschließer“, der für seine Kunden und damit vor allem für den Vertrieb, dessen Organisation und die Leistungserstellung zuständig ist. Einher geht damit seine dauerhafte Aufgabe und unternehmerische Perspektive, in seinem Gebiet kontinuierlich auch mit eigenen Filialen zu expandieren. 

Businessplan-Vorlagen

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Erfolgreich als Franchise-Geber

Wer seinen Unternehmenserfolg per Franchise multiplizieren will, sollte diese sechs wichtigen Faktoren beachten. Denn das richtige Fundament ist maßgebend für ein gesundes und langfristiges Wachstum. Was Sie vor dem bzw. beim Markteintritt als Franchise-Geber wissen sollten.

Franchise-Unternehmen bestimmen unseren Alltag. Von der Backstube über Gebäudesanierung bis hin zu Fitness-Studios, Gastronomie, Nachhilfestudios, Hotellerie, Immobilienvermittlern und Telekommunikation reicht die Palette. Wenn sich ein Unternehmen für Franchise entscheidet, dann gibt es in der Regel eine Idee, vielleicht auch schon erste Erfolge und den Wunsch nach profitablem Wachstum.

Franchise ist nicht Wachstum mit dem Geld anderer, sondern detaillierte Vorarbeit, Führungsanspruch und kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems. Das kostet in der Entwicklung Geld und in der Folge viel Energie und Überzeugungskraft. Um was geht es bei Franchise? Ein erfolgreiches Unternehmenskonzept soll nach einem standardisierten Verfahren multipliziert werden. Dazu muss die Unternehmensidee per se schon erst einmal vervielfältigbar sein. Und sie muss sich in ersten Ansätzen als profitabel erwiesen haben. Dann gilt:

Franchise-Faktor I: Partnerzufriedenheit

Franchise-Geber und Franchise-Nehmer sollen mit und von den Einkünften aus dem System leben und sich und ihre Familien besser versorgen können, als es im Angestelltenverhältnis hätte sein können. Dies alles soll nicht nur für den Moment der Vertragsunterschrift gelten, sondern für den ganzen Vertragszeitraum, denn mit Franchise geht man eine langjährige Partnerschaft ein, zu der auch eine gewisse Fürsorgepflicht gehört. Wenn der Franchise-Nehmer in persönliche Schwierigkeiten gerät, wenn sein Unternehmen nicht so läuft, wenn er wachsen will oder wenn er unzufrieden ist – der Franchise-Geber ist und sollte erste Anlaufstelle sein. Denn auch für ein neues Franchise-System ist nichts schlechter als der Ruf, dass es ein oder mehrere Franchise-Nehmer mit dem System nicht geschafft hätten oder sich unwohl fühlen. Die Gründe dafür können noch so plausibel sein, am Ende bleibt der schlechte Ruf und der schadet dem aktuellen und zukünftigen Geschäft.

Franchise-Faktor II: Organisationstruktur

Partnerzufriedenheit und somit auch ein guter Ruf des Unternehmens kann nur gewährleistet werden, wenn die Organisationsstruktur stimmt. Dafür ist gute Vorarbeit nötig. Es gilt, die organisatorischen und operativen Vorgänge genauestens zu planen und zu regeln. Es muss alles so gut durchdacht sein, dass auch ein junges System von Anfang an professionell arbeiten kann. Hierzu gehören klare Strukturen und Vorgaben zur Expansion, zur IT-Struktur, zur Warenbeschaffung, zur Preisgestaltung, zur Mitarbeiterführung und zur Auswahl des Franchise-Nehmers.

 

Franchise-Faktor III: Controlling

Gleich zu Beginn sollte es bereits den Willen geben, alle Anstrengungen genauestens zu messen. Denn nur dann kann man mit der Zeit feststellen, worauf es ankommt und man kann Stärken stärken und Schwächen abmildern. Hierzu gehört u.a. ein vernünftig aufgebautes Controlling, das vor allem die Daten, die von den Franchise-Nehmern an die Zentrale geliefert werden, normt und Kennzahlen generiert, die eine wertvolle Basis sowohl für strategische Entscheidungen in der Franchise-Zentrale als auch für operative und vertriebsorientierte Maßnahmen beim Franchise-Nehmer darstellen. Für eine professionelle Marktbearbeitung ist also die enge Anbindung von Geld- und Warenbewegung an die Zentrale des Franchise-Gebers über ein gemeinsames IT- und Kassensystem wesentliche Voraussetzung.

Franchise-Faktor IV: Vertragswesen

Zu einem vernünftigen Franchise-System gehören gute und vor allem faire Verträge, in denen klar und eindeutig geregelt wird, was beide Seiten, Franchise-Geber und Franchise-Nehmer, voneinander zu erwarten haben. Hier geht es um Rechte und Pflichten und ggf. auch schon um Nachfolgeregelungen und/oder Ausstiegsklauseln. Es geht um Expansion, Strukturen und um Finanzen. Und gerade dieser Punkt hat es bereits zu Beginn der Zusammenarbeit in sich: Nicht das Franchise-System ist attraktiv, das extrem niedrige Investitionssummen oder Einstiegsgebühren oder niedrige bis keine Abgaben für gemeinsame Werbung verlangt, sondern das System, das vorab kalkuliert hat, wie viel Budget man zur Erreichung welcher Ziele benötigt. Franchise-Gebühren dürfen nicht mit dem Gewinn des Franchise-Gebers verwechselt werden, sondern sie sind die Basis, um ein gesundes Wachstum eines Franchise-Systems zu finanzieren.

Franchise-Faktor V: Dokumentation

Zu guter Letzt braucht es ein Franchise-Handbuch, das all die Dinge regelt, die zum Betrieb eines Franchise-Unternehmens für den Franchisenehmer wichtig sind und das Bestandteil des Franchise-Vertrages ist. Bei einem jungen Franchise-Unternehmen kann dieses Handbuch relativ überschaubar gehalten sein. Es muss nur die wesentlichen Dinge beinhalten. Mit der Zeit kann es ergänzt und mit Details professionalisiert werden.

Franchise-Faktor VI: Kommunikation

Grundsätzlich einmal gilt: Franchise-Systeme sind komplizierte Gebilde, die auf mehreren Ebenen kommunizieren müssen. Die Kommunikation zum Kunden ist dabei nur das sichtbarste Element. Um ein Franchise-System erfolgreich zu führen, braucht es die detaillierte Einbindung und das volle Commitment zur vertrauensvollen Zusammenarbeit von Franchise-Geber / Systemzentrale, Franchise-Nehmer(n) und Lieferanten. Dafür sind Regeln und Kommunikation notwendig. Die erste Regel ist die Formulierung der Marke. Sie ist Guideline für alles, was ein Unternehmen tut. Eine Marke entsteht nicht einfach so, sie muss gestaltet werden. Und sie muss alle Fragen aus Sicht des Endkunden beantworten. Denn der Kunde ist der Maßstab aller Dinge und letztlich verantwortlich dafür, dass, wenn er häufig genug kommt und genügend kauft, der Umsatz stimmt. In der Theorie beantwortet die Marke die folgenden Fragen: „Was bietet das Unternehmen an bzw. wo liegt seine Kompetenz“, „welche qualitativen Ziele will es erreichen“, „welchen Nutzen bietet es seinen Kunden“, „wie ist seine Markenpersönlichkeit, also über welche Eigenschaften verfügt es, wie tritt es auf“, „wie kommuniziert es“, „was unterscheidet es vom Wettbewerb“ und „was verspricht es seinen Kunden, Mitarbeitern, Shareholder und der Öffentlichkeit.“

Eine Model-Plattform fährt zweigleisig

Kalle Eberhardt, Mitgründer und Geschäftsführer von Online-Castings, berichtet über die Erfahrungen, die er bei dem zeitgleichen Launch seiner Online-Casting-Plattform in Deutschland und Polen gesammelt hat.

Vor zirka drei Monaten haben wir die größte Online-Casting Plattform Dänemarks Onlinecasting unter dem Namen Online-Castings in Deutschland eingeführt. Online-Castings bietet in Deutschland genau denselben Service an wie in Dänemark: Hier können sich Models, Komparsen, Schauspieler und andere Künstler, oder Personen, die es gern werden möchten, anmelden, sich präsentieren und von Agenten oder anderen Auftraggebern kontaktiert werden. Außerdem können Auftraggeber hier direkt spannende Profile kontaktieren oder Ausschreibungen auf die Seite stellen und so direkt eine große Anzahl an Bewerbern bekommen. Die Nutzung ist für beide Seiten kostenlos.

Also müsste eine Einführung in den Markt im Grunde genommen doch eigentlich einfach laufen, oder? Bietet doch die Plattform ein Plus für Künstler, die jetzt zusätzliche Möglichkeiten haben, an Jobs zu kommen, und bietet die Plattform doch einen Mehrwert für Agenten, die ihre Suche nach geeigneten Künstlern vereinfachen können.

Warum aber "fliegt" die Seite nach drei Monaten in Deutschland noch immer nicht so wie erhofft und warum läuft der gleichzeitige Launch in Polen deutlich einfacher ab? Folgende vier (Erfolgs-)Faktoren haben wir dazu ausgemacht:

Marketingkosten

Der Start in Deutschland und Polen lief nicht nur zeitgleich an, sondern wir haben auch dieselben Mittel und Wege genutzt. Während wir in Deutschland lange nach guten und günstigen Vermarktungsmethoden gesucht haben, war es in Polen deutlich einfacher. In Polen genügte es, auf einer Seite wie Gumtree eine Anzeige zu posten, in dem Sinne, dass die Leute sich doch bitte registrieren sollten, wenn sie auf der Suche nach Jobs seien. Das Resultat: So kommen täglich dutzende Profile in Polen hinzu und die Anzeige kostet pro Tag ein paar Cent. In Deutschland würde eine vergleichbare Reichweite auf solch einer Seite pro Tag ca. 100 Euro kosten. Kostenlose oder zumindest sehr günstige Marketingmöglichkeiten gibt es hierzulande aus unserer Sicht in der Regel nicht. Auch Werbung bei Google, Facebook oder anderen bekannten Seiten ist in Deutschland deutlich umkämpfter als in Polen und kostet entsprechend häufig ein Vielfaches.

Start-up Zukunftscheck

Viele Start-ups wünschen sich Investoren, die sich an ihrem Vorhaben beteiligen, während Kapitalgeber nach den Perlen unter den Gründern suchen. Ein Gespräch mit dem Start-up-Experten Sven von Loh darüber, wie sich die Zukunftsfähigkeit von jungen Unternehmen bestimmen lässt.

Herr von Loh, warum tun sich Gründer oft so schwer, Investoren zu begeistern?

Meiner Erfahrung nach liegt dies daran, dass zu wenig Gründer wissen, wie sie die nötige inhaltliche Qualität in ihr Vorhaben bekommen, um für Investoren ausreichend attraktiv zu sein. Kapitalgeber müssen zum Beispiel schnell und klar erkennen, wie tragfähig ein Vorhaben ist und ob es am Markt belastbar ist. Schließlich will jeder Venture Capitalist (VC) wissen, wie hoch sein Beteiligungsrisiko ist.

Wie können Start-ups ihre Attraktivität für Investoren erhöhen?

Gründer sollten faktenbasiert belegen können, wie und weshalb ihr Start-up zukunftsfähig ist. Das heißt auch, die relevanten Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken des Vorhabens zu benennen und zu bewerten.

Ist es für ein Start-up nicht von Nachteil, wenn alles transparent ist?

Transparenz und gegenseitiges Vertrauen im Dialog mit VCs sind eine Grundvoraussetzung. VCs sind Profis, die genau wissen, worauf es ankommt. Daher: Verschweigen Gründer elementare Fakten, die gegen ihr Vorhaben sprechen könnten, sind Gespräche mit potenziellen Investoren meist sehr schnell zu Ende.

Zahlt sich Offenheit auch aus, wenn ein Vorhaben Defizite aufweist?

Wenn Schwächen bewusst verschwiegen werden oder sie einfach nicht bekannt sind, spricht dies gegen die Qualität des Gründerteams. Mein Tipp: Wenn es herausfordernde Wettbewerber gibt oder parallel Entwicklungen im Markt stattfinden, sollten Gründer alles auf den Tisch bringen. VCs verstehen sich als Partner, und häufig entwickeln sich erst aus der gemeinsamen Bewältigung der Risiken die Chancen, die ein junges Unternehmen entscheidend voranbringen. Das gilt auch, nachdem bereits investiert wurde. Wenn zum Beispiel eine nicht haltbare Annahme rechtzeitig erkannt wird, können die Verantwortlichen noch gegensteuern. Passiert dies zu spät, ist der Misserfolg vorprogrammiert.

Was macht es so schwer zu erkennen, wie zukunftstauglich ein Start-up ist?

Das Hauptproblem ist, dass es bei Start-ups darum geht, die Zukunft angemessen zu bewerten. Zudem gibt es häufig den Markt noch gar nicht, den ein Start-up anpeilt. Und selbst wenn dieser bereits existiert, kann er sich in einem Wandel befinden. In beiden Fällen besteht keine Ausgangsbasis für eine zuverlässige Planung. Wer die Stärken und Schwächen eines jungen Unternehmens ermitteln möchte, sollte daher eine adäquatere Bewertungsmethode nutzen.

Welche zum Beispiel?

Es bedarf eines Analysemodells, das in der Lage ist, Unsicherheiten, unrealistische Zukunftsprognosen und unstimmige Hypothesen im Vorhaben eines Start-ups frühzeitig aufzudecken. Ideal ist ein mehrdimensionales Modell, das die relevanten Erfolgsfaktoren erhebt und in den Gesamtkontext setzt.

Welche Erfolgsfaktoren sind das?

Beispielsweise das Wertversprechen, Geschäftsmodell, Disruptions- sowie Skalierungspotenzial und die langfristige Innovationsfähigkeit eines Start-ups. Das Schlüsselkriterium der Prüfung ist allerdings immer das Wertversprechen. Kunden suchen nie einfach nur Produkte oder Dienstleistungen, sondern Lösungen für ihre Probleme. Aus diesem Grund ist eine detaillierte Beurteilung des Wertversprechens losgelöst vom eigentlichen Geschäftsmodell elementar. Darüber hinaus sind die psychologischen und kulturellen Charakteristiken des Teams, deren Auswirkungen auf die Organisation, den Führungsstil und das Management der Kundenbeziehungen zu analysieren.

Wie würde eine solche Analyse ablaufen?

Meines Erachtens sollte sie immer zweistufig konzipiert sein. Auf eine grobe Plausibilitätsprüfung folgt eine tiefergehende Detailanalyse, sofern das Vorhaben wirklich belastbar ist. Der "Quick-Check" konzentriert sich ausschließlich auf die qualitative und quantitative Bewertung des Geschäftsmodells sowie des Wertversprechens. Die Detail-Analyse bezieht neben den Marktdaten zum Beispiel aus dem Pretotyping, die Disruptivität und Innovationsfähigkeit mit ein. Um die relevanten quantitativen Faktoren mit denen von anderen Marktbegleitern vergleichen zu können, empfiehlt sich die Auflösung in einem Scoring-Modell.

Lassen sich die Marktaussichten ebenfalls überprüfen?

Hier bietet sich ein Vorabtest der Produkt- oder Dienstleistungsidee an. Gerade bei digitalen Geschäftsmodellen kann das Wertversprechen bereits von Anfang an sehr effektiv durch ein Minimum Viable Product am Markt getestet werden. Im Gegensatz zur Entwicklung von Prototypen verschafft dieses Vorgehen valide Daten, die zeigen, ob ein Start-up die richtige Produkt-Service- beziehungsweise Problem-Lösungs-Kombination entwickelt. Darüber hinaus lassen sich so auch die ersten Early Adopter identifizieren und faktenbasierte Schlüsselmerkmale aus dem Wertversprechen ableiten. Diese sind elementar für den Abgleich mit den Hauptkonkurrenten.

Was muss noch untersucht werden, um verlässliche Prognosedaten zu erhalten?

Wie schon erwähnt, sollte das Potenzial zur Marktrevolution bewertet werden. Denn disruptive Innovationen sind für Start-ups häufig die einzige Chance, um sich gegenüber etablierten Marktführern zu behaupten. Ein Annahme-Modell kann einen zukünftigen Markt repräsentieren. Anhand von Analysen lassen sich so Maßnahmen erarbeiten, die das Start-up erfolgreich umsetzen kann, etwa bestimmte Preis- und Kostenstrukturen, Fertigungsverfahren oder die Beherrschung neuer Technologien. Auf diese Weise lassen sich auch nicht vorhandene Märkte zuverlässig bewerten und Gesamt-Szenarien aus Investorensicht entwickeln.

Sven von Loh berät Investoren wie Start-ups. Mithilfe der von ihm konzipierten Start-up-Due-Diligence ermöglicht der Berater Investoren, Investment-Vorhaben zu prüfen und zu bewerten. Seine Erkenntnisse und Einsichten publiziert Sven von Loh regelmäßig in seinem Blog.