Merger - aus 2 wird mehr als 1

Die gemeinsame Strategie und die daraus abgeleiteten Synergie-Effekte sind mitentscheidend für einen erfolgreichen Zusammenschluss zweier Firmen (engl. Merger).

Timo Abid, CEO und Co-Founder der seo2b

Im Interview: Timo Abid, CEO und Gesellschafter der detailM, einer führenden Agentur-Gruppe im Performance-Marketing sowie CEO der SEO-Agentur seo2b. Als gelernter Fachinformatiker gründete Timo bereits im Alter von 20 Jahren mit seinem Partner die Agentur seo2b und begleitete als CEO die Entwicklung zur führenden und international agierenden SEO/Content-Seeding-Agentur. Die unmittelbare M&A-Erfahrung sammelte Timo 2018 im Merger mit belboon zur späteren detailM Gruppe und weiß somit aus erster Hand, worauf bei einem Merger ankommt.


Ein kurzer Blick zurück. Wann und wie bist du auf die Idee zu seo2b gekommen und wie sah zum Zeitpunkt der Gründung das SEO-Business aus?

Ich habe mich im Alter von 20, gemeinsam mit meinem Partner Valentin, selbstständig gemacht. Das war 2007. Anfangs haben wir auch noch programmiert und Websites sowie Online-Shop-Lösungen angeboten und da war die Gewinnung von Traffic sehr schnell sehr naheliegend. So sind wir dann zur Suchmaschinenoptimierung gekommen. Damals war die gesamte Branche bei Weitem nicht so professionalisiert. Es gab zum Beispiel viel weniger Literatur oder Events. Auch war SEO zu dieser Zeit noch deutlich „einfacher“ und einhergehend kostengünstiger. Damals haben auch noch sehr viele, sehr leichte Optimierungen einen großen Value erzeugt.

Und welche Herausforderungen habt ihr euch heute zu stellen? Was verlangt der Markt bzw. die Kunden?

Im Vergleich zu „damals“ ist SEO viel facettenreicher geworden. Heute spielen deutlich mehr Faktoren eine Rolle. User-Intention, RankBrain, KI, Data und auch Mobile – all dies war früher kaum ein Thema. Ungeachtet des Kanals „SEO“ wird Traffic heute immer fragmentierter generiert. Der Spezialisierungsgrad der Agentur muss also entsprechend hoch sein.

Aus welchen Gründen haben sich seo2b und belboon zu dem Zusammenschluss bzw. Merger entschlossen?

Beide Unternehmen sind langjährig und erfolgreich am Markt und sehr gut in dem, was sie tun. Unsere Kunden stehen jedoch vor der Herausforderung, dass Reichweite bzw. Traffic immer fragmentierter generiert wird. Größere e-Commerce-Player, sprich unsere Kunden, bedienen häufig alle oder viele der relevanten Kanäle innerhalb der Onlinemarketing-Klaviatur. Daher hat der Merger – und dies war uns besonders wichtig – das Dienstleistungsspektrum für unsere Kunden deutlich erhöht, auch in Hinblick auf zukünftige Kanäle und Märkte.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch aus deiner Sicht?

Beide Unternehmen konnten ihr Dienstleistungsspektrum signifikant erweitern. Somit können wir unseren Kunden entlang der Customer Journey ein noch breiteres Produktportfolio anbieten. Zudem profitierten beide Unternehmen von der Bündelung von Ressourcen, Know-how und dem Heben diverser Synergien.

Von anderen Gründern bzw. Unternehmern wissen wir, dass eine Transaktion sehr intensiv ist. Wie hast du dies wahrgenommen?

Das stimmt. Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen, so auch 2018, dem Jahr in welchem auch das sogenannte Closing war. Somit hatten wir im operativen Geschäft „alle Hände voll zu tun.“ Da waren die Management-Präsentationen, Q&A-Sessions, Meetings – all das was eine Transaktion so mit sich bringt - schon sehr intensiv. Rückblickend betrachte ich diese Zeit jedoch als sehr lehrreich und spannend.

Was waren dann die größten Herausforderungen bis zum sog. Closing?

Wie bei vielen anderen Unternehmern auch lief der Prozess neben dem operativen Geschäft. Dies parallel zu bewältigen sehe ich rückblickend als große Herausforderung. Darüber hinaus musste eine gemeinsame Strategie erarbeitet und Synergien abgeleitet werden und natürlich gehören in einer Endphase zum Closing auch Gespräche zu diversen Verträgen dazu. All dies unter einem „sportlichen“ Zeitplan.

Hat dich der Merger ggf. auch als Unternehmer verändert bzw. geprägt?

Dies würde ich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ich habe wahnsinnig viel, insbesondere Neues, dazu gelernt. Es kamen viele neue Themenfelder und Herausforderungen dazu, der unternehmerische Blick wurde deutlich erweitert und gleichzeitig auch geschärft.

Was würdest du anderen Unternehmern bzw. auch jungen Start-ups raten, die sich für diesen Schritt interessieren?

So trivial es klingt: Es muss passen und Sinn ergeben. Inhaltlich, also insbesondere auf Produktebene, muss das Unternehmen zukünftig profitieren. Wie sind die Prozesse beschaffen und wie können diese orchestriert werden? Gelingt die Integration? Stimmen Chemie und Kultur? Dies sind entscheidenden Fragen, die im Vorfeld klar sein müssen.