Lokal handeln, bundesweit online verkaufen

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Lokal handeln – so die Initiative von DHL und HDE, die Starthilfe für den stationären Handel in den Online-Handel bietet. Jetzt mit attraktiven Rabatten der Technologiepartner.

Seit 2020/21 finden Interessierte aus dem Einzelhandel Informationen und Kontakte zu den passenden Technologie- und Beratungspartnern auf der Seite der Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ von Handel und Versand. Zu den Partnern gehören die bekannten Namen von Shop-, Multichannel- und Warenwirtschaftssystemen, wie JTL-Software, plentymarkets, Billbee, DreamRobot, VARIO-Software und viele andere. Exklusiv über die Initiative „Lokal handeln“ bieten die teilnehmenden Partner aktuell besondere Rabatte für Neukund:innen an.

Wer seine Waren und Dienstleistungen bundesweit verkaufen will, hat jetzt die Chance, mit diesen Rabatten besonders günstig in den Online-Markt einzusteigen. Zu den Angeboten gehören Erlass der Grundgebühren, kostenfreie begleitende Beratung oder Rabatte auf die Software-Miete, teilweise das ganze erste Jahr. Den exklusiven Rabatt erhalten Interessierte über das Kontaktformular HIER. Einfach Name und E-Mail eingeben und auf den Button „Rabattcode senden“ klicken, dann wird der exklusive Rabatt zugeschickt, der beim Wunschpartner eingelöst werden kann.

Mit der Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ haben inzwischen rund 1.150 Einzelhändler:innen, die über 2.600 stationäre Geschäfte repräsentieren, den Sprung in den Online-Handel geschafft. Und stetig kommen neue dazu. Wie unterschiedlich die Motivation und die Wege in den Online-Handel aussehen können, berichten Unternehmer:innen aus ganz unterschiedlichen Branchen, wie Online-Apotheken, Tiernahrung, ökologische Mode, Fahrradhandel oder Kaffeerösterei, um nur einige Beispiele zu nennen. Jede:r Einzelhändler:in hat eigene Ziele und braucht dazu passende Technologie- und Beratungspartner. „Die Möglichkeiten, Menschen im Einzelhandel zu erreichen, sind endlich. Gerade in der heutigen Zeit ist die digitale Welt super wichtig. Mit einem Onlineshop ist es für Unternehmer deutlich attraktiver, weil man seine Umsätze vergrößern kann“, verdeutlicht Kira vom Eco-Mode-Label soki. Für sie war bei der Gründung wichtig, dass der Concept Store in Kassel trotz Einstieg in den Online-Handel Priorität hat. Für Uwe Prommer von Cofi Loco war – wie für viele andere auch – die Corona-Pandemie Anlass für den Einstieg in den Online-Handel. Heute sind Prommers Kaffeespezialitäten deutschlandweit gefragt. Und auch wenn sich Online- und Einzelhandel inzwischen gut ergänzen, gilt für den Geschäftsführer mittlerweile: online first!

Andere Unternehmer sind schon lange im Online-Handel etabliert und nutzen die Angebote der Initiative, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Wie beispielsweise für den Apotheker Ingo Blümlein. Für ihn spielen nicht nur günstige Preise für frei verkäufliche Arzneimittel eine Rolle, sondern auch die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit bei der Lieferung zum Kunden nach Hause. Denn vielfach werden die bestellten Arzneimittel und Medizinprodukte dringend benötigt.

Wer über den Einstieg in den Online-Handel nachdenkt, sollte sich die zeitlich begrenzte Rabattaktion der Gemeinschaftsinitiative nicht entgehen lassen. Die Rabatte sind exklusiv für Unternehmer:innen über die Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ von DHL und HDE erhältlich. Wer sich jetzt für den Sprung in den Online-Handel entscheidet, erhält beispielsweise bei Gambio 25% Rabatt auf das gesamte erste Vertragsjahr. plentymarkets schnürt ein Rabattpaket mit Erlass der Grundgebühr für plentymarkts Edition CLASSIC für drei Monate und einem 50%-Rabatt auf den Einstiegssupport. Und Tricoma erlässt allen Neueinsteiger:innen die Kosten für 3 Monate Grundgebühr für die Software, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auf der Seite von „Lokal handeln“ erhalten Sie Infos zu allen Technologie- und Beratungspartnern und ihren exklusiven Angeboten. Jetzt den lukrativen Sprung vom lokalen zum deutschlandweiten Handel mit attraktiven Sparpaketen wagen!

 

VERAXA: Nasdaq-Debüt für 1,3 Mrd. US-Dollar

Befreiungsschlag jenseits des großen Teichs: Was Gründer*innen vom Milliarden-Debüt der 2021 gegründeten VERAXA Biotech lernen können.

Am 11. Juni 2026 vollzog die VERAXA Biotech AG einen bemerkenswerten Schritt: Das Unternehmen startete den Handel an der US-Technologiebörse Nasdaq unter dem Tickersymbol VRXA. Mit einem Pre-Money Equity Value von 1,3 Milliarden US-Dollar in der Business Combination setzt das BioTech-Unternehmen ein starkes Ausrufezeichen in einer Zeit, in der der deutsche Kapitalmarkt unter einer IPO-Dürre und einem eklatanten Mangel an Scale-up-Kapital leidet. Für unsere Leser*innen bietet dieser Case weit mehr als nur eine reine Listing-Meldung. Er seziert die strukturellen Herausforderungen der europäischen Gründer*innenszene und zeigt, wie hochkomplexe Forschungs-Spin-offs skaliert und kapitalisiert werden können.

Angesichts der aktuellen Marktlage ist diese Bewertung ein massives Statement. Wie ließ sich diese Summe in den Verhandlungen mit US-Investoren rechtfertigen und warum hat man sich gerade jetzt für den Weg über ein SPAC entschieden, anstatt auf ein späteres, klassisches IPO zu warten? Oliver R. Baumann, CEO der Xlife Sciences AG und Chairman of the Board der VERAXA Biotech AG, betont die fundamentale Stärke des Unternehmens: „Die Bewertung stützt sich aus unserer Sicht auf die Breite und Skalierbarkeit der VERAXA-Plattform. VERAXA verfügt über eine Pipeline antikörperbasierter Krebstherapien der nächsten Generation, darunter bispezifische T-Zell-Engager und Antibody-Drug Conjugates, kurz ADCs, und adressiert damit zwei der dynamischsten Bereiche der Onkologie.“

Entscheidend sei, dass die hauseigene BiTAC-Plattform mehrere Programme parallel hervorbringen kann und das Unternehmen somit nicht auf einen einzelnen Wirkstoffkandidaten reduziert ist. Den gewählten Weg verteidigt Baumann offensiv: „Der gewählte Weg war für uns deshalb konsequent, weil er VERAXA den Zugang zum US-Kapitalmarkt eröffnet. In der aktuellen Phase geht es darum, Programme auf Basis der BiTAC-Plattform in Richtung klinischer Entwicklung sowie strategischer und industrieller Partnerschaften weiterzuentwickeln. Dafür braucht ein Unternehmen wie VERAXA internationale Sichtbarkeit, Kapitalmarktzugang und Investoren, die die Logik hochinnovativer Onkologieplattformen verstehen.“

Die Anatomie des Deals: Volles Risiko, kein Cash-Exit

Die Transaktionsstruktur der VERAXA sendet ein deutliches Signal an den Markt: Bestehende Aktionäre, darunter Xlife Sciences sowie das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und dessen Technologietransfer-Arm EMBLEM, erhalten keinen Cash-Exit. Stattdessen rollen sie 100 Prozent ihrer Anteile in die börsennotierte Gesellschaft. Das zeugt von enormer Überzeugung der Altgesellschafter, bindet sie jedoch voll an das Post-IPO-Risiko.

Auf die konkrete Frage, ob dieser vollständige Verzicht eine zwingende Bedingung der SPAC-Sponsoren war und welche Lock-up-Fristen nun genau für das Management gelten, weicht Baumann den harten Details zu den Haltefristen zwar aus, stellt das strategische Signal aber umso klarer heraus: „Für uns war entscheidend, ein klares Signal an den Markt zu senden: Die bestehenden VERAXA-Aktionäre bleiben vollständig investiert. Im Rahmen der Transaktion erhalten sie keine Cash-Erlöse, sondern rollen 100 Prozent ihres Eigenkapitals in die kombinierte börsennotierte Gesellschaft.“ Dies unterstreiche, dass man nicht auf einen kurzfristigen Exit setze, sondern auf die weitere Wertentwicklung von VERAXA als öffentlichem Unternehmen.

Der Weg an die Börse erfolgte schließlich über eine Fusion mit der Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Voyager Acquisition Corp. Dieses Vehikel erlaubt zwar einen zügigeren Börsengang, bringt jedoch oft eine erhöhte Volatilität in den ersten Handelsmonaten mit sich.

Vom Heidelberger Labor in die Welt

VERAXA veranschaulicht eindrucksvoll, wie europäische Grundlagenforschung in marktfähige BioTech-Plattformen übersetzt wird. Das Unternehmen, das in seiner heutigen Form 2021 durch die Fusion der beiden EMBL-Ausgründungen Velabs Therapeutics und Araxa Biosciences entstand, basiert auf wissenschaftlichen Durchbrüchen aus dem EMBL-Umfeld.

Christoph Antz, Ph.D., CEO und Co-Founder der VERAXA Biotech AG , erinnert sich an den Startschuss im Jahr 2021 und die technologischen Herausforderungen: „Beide Unternehmen, Velabs und Araxa, hatten einen klaren Fokus auf moderne Immuntherapien mit Hilfe von monoklonalen Antikörpern und den ADCs. Beide Firmen hatten überlappende und zum Teil synergistische Technologien entwickelt und beide hatten eine enge Verknüpfung zum EMBL, einem der renommiertesten Forschungsinstitute in Europa. Es war also in einiger Hinsicht ein ,no brainer‘, diese Einheiten zusammenzufügen, um kritische Masse zu erzeugen.“

Technologisch wie kulturell sei die Zusammenführung der Teams keine allzu große Herausforderung gewesen. Die medizinische Wissenschaft fungiere hier als hervorragender Ankerpunkt. „Unser Forschungsteam besteht aus Vollblutwissenschaftlern. Ich glaube, dass ist ein Grund, warum wir in unserem Team schon heute rund 15 verschiedene Nationalitäten erfolgreich vereinen. Man spricht dieselbe Sprache, sozusagen.“

Während das F&E-Herz weiterhin im deutschen Heidelberg schlägt, agiert das Unternehmen strukturell global. Den gesellschaftsrechtlichen Sitz in der Schweiz begründet Antz primär mit dem dortigen Netzwerk und Ökosystem: „Der Sitz der Holding in der Schweiz erlaubte uns, Investoren zu gewinnen, gerade innerhalb des Xlife-Sciences-Netzwerks. Die Schweiz hat ein sehr starkes Pharma- und Biotech-Ökosystem mit den Branchenriesen Roche und Novartis beispielsweise.“ Er schließt nicht aus, sich dort künftig noch stärker im Talentpool umzuschauen, und verweist zudem auf regulatorische Vorbilder: „Auch der Gang an die NASDAQ wurde vor uns schon von einigen erfolgreichen Schweizer Biotech-Unternehmen erfolgreich vollzogen. Es gibt also einige positive Aspekte, die für dieses Konstrukt sprachen.“ Die gesamten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verbleiben dennoch in Heidelberg.

Technologie und Markt: Der Kampf gegen Krebszellen

Das Geschäftsmodell fokussiert sich auf die Entwicklung antikörperbasierter Krebstherapien der nächsten Generation, wobei bispezifische T-Zell-Engager (TCEs) und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) zu den Kernbereichen zählen. Im Zentrum steht die sogenannte BiTAC-Plattform, die Krebszellen anhand zweier Zielstrukturen präziser adressieren und gesundes Gewebe schonen soll. Doch wie will sich VERAXA gegen die Übermacht globaler Pharma-Riesen wie Roche oder AstraZeneca durchsetzen, die Milliarden in ähnliche onkologische Ansätze investieren?

Antz kontert selbstbewusst und benennt die Schwachstellen der aktuellen Medikamentengeneration: „Die derzeitige Generation moderner Krebsmedikamente insbesondere die Klasse der T-Zell-Engager und ADCs haben ein bekanntes Problem: Sie treffen zwar Tumorzellen haben aber auch in zu hohem Maße einen toxischen Effekt auf gesundes Gewebe.“ Die Folge seien schwere Nebenwirkungen, weshalb Ärzte die Medikamente nicht hoch genug dosieren können – ein Verlust an Sicherheit und Effektivität, in der Fachsprache ein enges therapeutisches Fenster genannt.

„Genau hier setzt BiTAC an. Unsere BiTAC Moleküle arbeiten mit einem dualen „AND gate“-Prinzip. Sie sind, stark vereinfacht gesagt, biologisch programmierbar. Ihre Krebszerstörende Wirkung wird nur ausgelöst, wenn zwei Zielstrukturen auf der gleichen Krebszelle erkannt werden.“ Zur Veranschaulichung zieht der Gründer einen griffigen Vergleich: „Ich vergleiche das gerne mit der 2-Faktor Authentifizierung, die nachweislich die Sicherheit von digitalen Systemen erhöht.“

Zudem funktioniere das System modular nach dem Lego-Prinzip: Aus wenigen Bausteinen können mehrere therapeutische Programme entstehen. „Diese Verbindung aus biologischer Selektivität, Skalierbarkeit und geschütztem Know-how macht den Kern unseres Wettbewerbsvorteils aus“, erklärt Antz.

Der Markt für Präzisionsonkologie ist heiß umkämpft

Etablierte Pharma-Riesen und US-Start-ups dominieren das Feld. Eine Bewertung von 1,3 Milliarden US-Dollar ist für ein Unternehmen, dessen Innovationen sich noch in sehr frühen Stadien befinden, äußerst ambitioniert. VERAXA steht nun in der Bringschuld, dem US-Markt zeitnah valide klinische Wirksamkeitsdaten zu liefern. Doch wie weit reicht der durch den Nasdaq-Deal gesicherte finanzielle Runway für diese absoluten Meilensteine?

Antz verspricht für die kommenden zwei bis drei Jahre eine klare Fokussierung, um möglichst viele Programme schnell in die klinische Entwicklung zu bringen und den Firmenwert zu steigern: „Damit rücken dann auch belastbare Sicherheitsdaten und erste klinische Wirksamkeitsnachweise in greifbare Nähe.“ Der SPAC-Merger und zwei begleitende Finanzierungen – eine erstrangig besicherte Finanzierung über 27,5 Millionen US-Dollar sowie eine Aktienkaufvereinbarung von bis zu 50 Millionen US-Dollar – stärken laut Antz die finanzielle Flexibilität deutlich. Auf die konkrete Nachfrage nach der exakten zeitlichen Reichweite des Geldes bleibt der CEO jedoch vage und vertröstet den Markt: „Konkreteren Ausblick auf unseren ,cash runway‘ werden wir dem Kapitalmarkt zentral mit unseren nächsten Finanzergebnissen kommunizieren.“

Drei Lektionen für Gründer*innen

Was bedeutet das für heimische Start-ups?

  • US-Kapitalmarkt als logische Konsequenz: Wenn der Kapitalbedarf für die Skalierung (z. B. teure klinische Studien) die Möglichkeiten europäischer VCs übersteigt, bleibt der Weg über den Atlantik oft alternativlos.
  • Struktur-Arbitrage nutzen: Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz in Heidelberg und einem gesellschaftsrechtlichen Sitz in der Schweiz zeigt, dass Start-ups heute supranational agieren müssen, um optimale Rahmenbedingungen für internationale Geldgeber zu schaffen.
  • Technologietransfer professionalisieren: Der Brückenschlag vom EMBL in die freie Wirtschaft beweist, dass Institute zunehmend lernen, aus Ausgründungen handfeste wirtschaftliche Werte zu formen.

Mit dem US-Geld verschiebt sich der Fokus zwangsläufig in Richtung des US-Gesundheitsmarktes und der dortigen Zulassungsbehörde FDA. Beeinflusst das die Strategie für das Design kommender Studien im Vergleich zur europäischen EMA? Antz sieht das differenziert und bricht eine Lanze für den europäischen Standort: „Das sehen wir differenziert. Werden wir in Zukunft mehr mit der FDA interagieren, und generell mehr in den USA präsent sein, um Netzwerke und Kooperationen diverser Art aufzubauen? Absolut! Der US-Markt ist immer noch der größte Markt für innovative Pharmazeutika. Nutzen wir dennoch die anerkannten Stärken des Standort Europas und Deutschlands für unsere Entwicklungen. Ganz klar! Deutschland hat beispielsweise mit dem Paul-Ehrlich-Institut eine regulatorische Behörde für die Bewertung für biomedizinische Arzneimittel, das sehr versiert ist, insbesondere bei der Bewertung von Immuntherapien wie unseren.“

Zudem böten deutsche Kliniken einen sehr hohen Standard bei der medizinischen Forschung und klinischen Entwicklung – insbesondere die Onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Center, kurz CCCs), von denen eines in unmittelbarer Nachbarschaft zu VERAXA in Heidelberg sitzt. „Wissenschaft und biotechnologische Forschung bedeutet heutzutage gleichermaßen globale Kooperation wie Wettbewerb. Wir haben da früh ein sehr globales Mindset“, so Antz.

Fazit: Warnsignal für Europa

Am Ende bleibt das Fazit janusköpfig: VERAXA ist ein Triumph für die hiesige Wissenschaft, markiert aber gleichzeitig ein Warnsignal, da die Wertschöpfung einmal mehr im Ausland kapitalisiert wird. Für ambitionierte Scale-ups bleibt die Nasdaq auf absehbare Zeit das Maß der Dinge.

Auf die Frage, was sich strukturell und politisch in Europa ändern müsste, damit DeepTech-Scale-ups in Zukunft wieder in Frankfurt statt in New York an die Börse gehen, weicht Chairman Oliver R. Baumann aus und lenkt den Blick pragmatisch zurück auf die harten Marktgegebenheiten: „Für VERAXA war der Zugang zum US-Kapitalmarkt ein entscheidender Schritt, weil die weitere Entwicklung hochinnovativer Onkologieplattformen erhebliche Kapitalressourcen, internationale Sichtbarkeit und ein Kapitalmarktumfeld erfordert, das mit klinischer Entwicklung, Plattformunternehmen und strategischen Partnerschaften vertraut ist.“ Mit der Nasdaq-Notierung erhalte VERAXA nun genau diese notwendige internationale Plattform. Für die Muttergesellschaft Xlife Sciences bleibe der Deal dennoch ein wichtiger Beleg dafür, „dass europäische Spitzenforschung in investierbare, global skalierbare Unternehmen übersetzt werden kann“.

Side-Hustle statt Start-up-Traum: Warum der neue Gründerboom ein Warnsignal ist

Der KfW-Gründungsmonitor feiert Rekordzahlen, doch der Schein trügt. Diana Vásquez Barbetti – Gründungs-Expertin und Director Customer Success bei sevdesk – erklärt, warum uns echte Vollblutunternehmer fehlen.

Ein neuer Rekord bei den Gründungszahlen? Was auf den ersten Blick wie ein Triumph für die deutsche Start-up-Szene wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Symptom wirtschaftlicher Unsicherheit. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor verdeutlicht: Der Boom wird fast ausschließlich von Nebenerwerbsgründungen getragen. Oft aus der Not heraus geboren, um in Krisenzeiten schlichtweg etwas dazuzuverdienen, starten viele junge Menschen ohne ausreichendes Kapital oder fundierte Vorerfahrung. Echte Vollgründungen hingegen stagnieren.

Diana Vásquez Barbetti, Director Customer Success bei sevdesk, sieht in dieser Entwicklung eine gefährliche Mischung. Im StartingUp-Interview beleuchtet die Gründungs-Expertin die verborgenen Risiken der „Krisenabsicherung“, erklärt, woran junge Entrepreneur*innen heute wirklich scheitern, und zeigt schonungslos auf, was Deutschland von seinen europäischen Nachbarn lernen muss, um wieder eine mutige „All-in“-Gründungskultur zu etablieren.


StartingUp: Frau Vásquez Barbetti, der KfW-Gründungsmonitor feiert Rekordzahlen, doch Sie sprechen von einer reinen „Krisenabsicherung“. Was genau dämpft in der Praxis Ihre Euphorie?

Diana Vásquez Barbetti: Die steigenden Gründungszahlen zeigen, dass sich immer mehr Menschen mit unternehmerischem Denken beschäftigen und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – und das ist prinzipiell gut. Gleichzeitig lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Struktur dieser Gründungen zu werfen. Ein großer Teil davon entsteht aktuell im Nebenerwerb. Das werte ich jedoch nicht ausschließlich als Ausdruck wirtschaftlicher Unsicherheit. Vielmehr sehen wir, dass technologische Entwicklungen die Einstiegshürden deutlich gesenkt haben. Wer heute ein Angebot testen, Kunden gewinnen oder eine Dienstleistung vermarkten möchte, kann das mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz und neben einem bestehenden Angestelltenverhältnis tun.

Dadurch wird Selbständigkeit für viele Menschen überhaupt erst zugänglich. Das ist grundsätzlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. Ob aus einer Nebentätigkeit später ein tragfähiges Unternehmen entsteht, zeigt sich allerdings erst im nächsten Schritt. Entscheidend ist, ob Gründer ihr Geschäftsmodell validieren, ihre Kosten realistisch planen, Kunden gewinnen und ihr Angebot erfolgreich am Markt etablieren können.

StartingUp: Ab welchem Punkt wird ein vermeintlich harmloser Side-Hustle zur unternehmerischen Sackgasse – oder gar zum echten finanziellen Risiko?

Diana Vásquez Barbetti: Grundsätzlich halte ich es für positiv, dass heute mehr Menschen unternehmerische Ideen ausprobieren. Ein Side-Hustle bietet beispielsweise die Möglichkeit, ein Geschäftsmodell mit überschaubarem Risiko zu testen und erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei ist es wichtig, nicht nur von der eigenen Idee überzeugt zu sein. Man muss auch frühzeitig prüfen, ob tatsächlich eine Nachfrage am Markt besteht. Letztlich ist entscheidend, ob Menschen bereit sind, für ein Produkt zu bezahlen. Dafür sollte man möglichst früh Daten und echtes Kundenfeedback sammeln, das die Kaufbereitschaft bestätigt.

Ein Nebenerwerb kann ein sehr guter Einstieg ins Unternehmertum sein, da Gründer ihr Konzept schrittweise entwickeln können, während sie gleichzeitig finanzielle Sicherheit behalten. Gleichzeitig gehört es dazu, sich mit den wichtigsten kaufmännischen, steuerlichen und rechtlichen Grundlagen auseinanderzusetzen. Wer sein Angebot konsequent am Markt testet, den Kunden zuhört und die wirtschaftlichen Kennzahlen im Blick behält, schafft eine solide Basis für die nächsten Wachstumsschritte. Deshalb lautet meine Botschaft ganz klar: Traut euch, Ideen auszuprobieren! Gründen ist heute für viele Menschen eine echte berufliche Alternative geworden.

StartingUp: Sie fordern mehr Mut zur Vollgründung. Fehlt der jungen Generation die Risikobereitschaft, oder sind die Rahmenbedingungen in Deutschland inzwischen schlichtweg zu toxisch?

Diana Vásquez Barbetti: Ich halte wenig von Generationenkritik. Ganz ehrlich: Die junge Generation ist nicht weniger mutig. Oft ist sie sogar deutlich reflektierter und datenorientierter als frühere Gründerjahrgänge. Gleichzeitig dürfen wir die Rahmenbedingungen nicht kleinreden. Bürokratie kostet Zeit, Energie und Geld – allesamt Faktoren, die den Einstieg unnötig erschweren.

Bürokratie allein erklärt nicht alles. Viele potenzielle Gründer wägen Risiken heute sehr rational ab. Sie sehen hohe Lebenshaltungskosten und unsichere Märkte, aber auch attraktive Angestelltenjobs. Da fällt die Entscheidung für die Selbständigkeit schwerer. Deshalb brauchen wir sowohl bessere Rahmenbedingungen als auch eine Kultur, die Unternehmertum als echten Karriereweg anerkennt. Mut bleibt dabei zweifelsohne wichtig.

Warum der perfekte Zeitpunkt eine Illusion ist

StartingUp: Der Finanzierungsmarkt ist extrem angespannt, Kredite sind teuer und die Bürokratie hemmt. Ist es angesichts dieses doppelten Drucks nicht fahrlässig, jungen Menschen aktuell zum „All-in“ zu raten?

Diana Vásquez Barbetti: Ich rate niemandem, blind All-in zu gehen. Unternehmertum ist schließlich kein Glücksspiel. Kritisch ist eher die Vorstellung, man könne alle Risiken komplett eliminieren, bevor man startet. Das wird nie passieren. Wer als angehender Gründer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, wartet oft ewig. Besser ist es, kontrollierte Risiken einzugehen. Young Founders sollten so früh wie möglich mit echten Kunden sprechen, erste Umsätze erzielen und datenbasiert entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt gekommen ist.

Technologie und KI helfen dabei enorm. Viele Aufgaben, für die früher ganze Teams nötig waren, lassen sich heute deutlich effizienter erledigen. Das senkt die Eintrittsbarrieren. Doch auch die beste Technologie kann eine Marktvalidierung, kaufmännische Disziplin und Kundenfokus nicht komplett ersetzen.

StartingUp: An welchen versteckten Hürden scheitern die meisten Nebenerwerbs-Gründer*innen in der Frühphase, und wie wird aus der Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell?

Diana Vásquez Barbetti: Der wichtigste Hebel ist und bleibt die Kundennähe. Viele Gründer investieren Monate in die Entwicklung eines Angebots, ohne zuvor mit potenziellen Kundinnen gesprochen zu haben – und entwickeln so an der Realität vorbei. Die erfolgreichsten Unternehmen hingegen lösen ein konkretes Problem und passen ihre Lösung kontinuierlich an echtes Feedback an.

Die versteckten Hürden liegen oft im Alltag. Hierzu zählen Aspekte wie die Preisgestaltung, die Liquidität und nicht zuletzt auch der Vertrieb. Viele Microbusiness Entrepreneurs konzentrieren sich auf ihr Produkt, aber nicht ausreichend auf den Verkauf – und das ist fatal. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Konsequenz. Eine gute Idee bringt wenig, wenn sie nicht über Monate und Jahre hinweg konsequent weiterentwickelt wird. Unternehmertum ist weniger ein Sprint als vielmehr ein Marathon.

StartingUp: Was machen andere europäische Länder bei der Förderung von echten Innovationen besser? Welche Ansätze vermissen Sie hierzulande am schmerzlichsten?

Diana Vásquez Barbetti: Vor allem die gesellschaftliche Haltung zum Unternehmertum beeindruckt mich in vielen europäischen Nachbarländern. Ein Beispiel: In Ländern wie Estland oder den Niederlanden wird die Gründung eines Unternehmens oft als normaler Karriereweg betrachtet. Scheitern wird dort deutlich weniger stigmatisiert als in Deutschland. Außerdem erleben Gründer dort häufig eine konsequentere Digitalisierung staatlicher Prozesse. Es gibt weniger Papier, weniger Behördenkontakte und weniger Reibungsverluste.

In Deutschland diskutieren wir dagegen oft über Fördergelder. Das ist wichtig. Noch wichtiger wäre es jedoch, den Young Founders Zeit zurückzugeben. Jede Stunde, die nicht für das Ausfüllen von Formularen aufgewendet werden muss, kann in Projekte, Produkte oder Wachstum investiert werden. Das hat oft einen größeren Effekt als die nächste Fördermaßnahme.

Zahlen als Frühwarnsystem nutzen

StartingUp: Inwieweit tragen mangelnde kaufmännische Basics in der Praxis zum Scheitern bei? Was müssen Gründer*innen vom ersten Tag an anders machen?

Diana Vásquez Barbetti: Viele Gründer kennen ihr Produkt sehr gut, aber nicht immer auch ihre Zahlen. Sie wissen, wie viele Follower sie haben, aber nicht, welche Kunden tatsächlich profitabel sind. Hier besteht Handlungsbedarf. Wer seine Liquidität nicht versteht, Rechnungen zu spät schreibt oder steuerliche Pflichten ignoriert, baut unnötige Risiken auf. Das hat nichts mit Begeisterung für Bürokratie zu tun, sondern mit unternehmerischer Steuerungsfähigkeit. Automatisierung kann hierbei eine große Stütze sein. Hauptsache, junge Unternehmer sind für die Bedeutung von Zahlen sensibilisiert.

Mein Rat ist einfach: Zahlen sollten nicht als lästige Pflichtübung betrachtet werden. Sie sind ein Frühwarnsystem. Wer seine Kennzahlen kennt, erkennt Entwicklungen und etwaige Probleme früher und trifft bessere Entscheidungen. Insofern sind die erfolgreichsten Gründer oftmals nicht diejenigen mit der originellsten Idee, sondern diejenigen mit der größten wirtschaftlichen Disziplin.

StartingUp: Welchen ungeschönten Rat würden Sie jemandem geben, der aktuell überlegt, aus der Not heraus ein Kleingewerbe anzumelden?

Diana Vásquez Barbetti: ‚Verliebe‘ dich nicht in deine Idee – denk in erster Linie an das Problem deiner Kund*innen. Viele Young Founders beginnen mit einer Lösung und suchen anschließend nach dem passenden Markt. Erfolgreiche Unternehmer machen das Gegenteil.

Aus diesem Grund empfehle ich allen Gründern, so früh mit wie möglich mit potenziellen Kunden zu sprechen. Dabei sollten sie herausfinden, ob das Problem wirklich existiert und ob Menschen bereit sind, dafür Geld zu bezahlen. Je früher diese Antworten vorliegen, desto mehr Zeit und bare Münze kann man sich dabei sparen.

Und noch etwas: Unternehmertum bedeutet Verantwortung. Das heißt, Gründer tragen nicht nur Verantwortung für die eigene Idee, sie tragen auch Verantwortung für die wirtschaftlichen Konsequenzen. Wer bereit ist, zu lernen, Zahlen ernst zu nehmen und konsequent auf Kunden zu hören, hat heute bessere Chancen als je zuvor, sich erfolgreich mit einer skalierenden Geschäftsidee zu etablieren. In Kombination mit Automatisierung und Digitalisierung entsteht dafür das ideale Fundament.

StartingUp: Vielen Dank, Diana Vásquez Barbetti, für die spannenden Insights.

Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt

Schluss mit „Safe Play“: Warum Start-ups ihren Mut verlieren, wenn es ernst wird

Viele Start-ups starten als Rebellen und enden als Kopie der Konkurrenz. Hans Ratzmann erklärt im Interview, wie Gründer*innen die „Angstfalle“ umgehen und durch Regelbruch statt Konformität skalieren.

Sie treten an, um Märkte zu disruptieren, alte Zöpfe abzuschneiden und alles anders zu machen als die „trägen Riesen“. Doch ein seltsames Phänomen greift um sich: Sobald die erste große Finanzierungsrunde steht oder der Weg zum Scale-up beginnt, tauschen viele Start-ups ihr Piratentuch gegen einen Krawattenknoten – zumindest kommunikativ. Aus Angst, mühsam gewonnene Marktanteile zu gefährden, passen sie sich den Spielregeln der Etablierten an. Das Ergebnis? Austauschbare Botschaften und ein „Coolness-Exitus“, der teures Wachstumspotenzial verbrennt.

Hans Ratzmann, Gründer und CEO der Performance-Agentur quiteBOLD., beobachtet diesen Trend kritisch. Im Interview räumt er mit dem Mythos auf, dass Skalierung zwangsläufig Anpassung bedeutet, und zeigt, wie man mit spitzer Kommunikation und ohne Millionenbudget die Platzhirsche das Fürchten lehrt.


Hans, viele Start-ups passen sich aus Angst vor Verlusten an, die sie faktisch noch gar nicht haben. Warum ist der Drang zur Konformität oft stärker als der ursprüngliche Gründer*innengeist?

Hans Ratzmann: Das kommt ganz darauf an, wie das Start-up auch gewachsen ist, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Meistens ist es ja so, dass ein konkretes Problem gelöst wird und das funktioniert auch bei einem Kernteil der Zielgruppe. Aber ab einem gewissen Punkt muss man in die Marke investieren. Da kommt man einfach nicht mehr drumherum.

Man muss die Marke sinnvoll aufbauen, um noch zusätzliche Leute ins Relevant Set mit reinzuholen. Hier kommt es ganz darauf an: Wie ist das Mindset der jeweiligen Gründer? Wie ist das Mindset der verantwortlichen Personen? Denken die am Ende in Potenziale, die man durch mutige Kommunikation erschließen kann, oder denken sie in Blockaden, die sie zukünftig durch eine gewisse Kommunikation schließen werden?

Ab welcher Phase kippt die Stimmung meistens von „Wir gegen die Welt“ zu „Bloß niemanden verschrecken“? Ist das ein schleichender Prozess oder eine bewusste Entscheidung?

Hans Ratzmann: Ich beobachte das tatsächlich ganz, ganz häufig bei Start-ups, die gerade durch eine Finanzierungsrunde gehen und weniger bei Start-ups die bootstrapped sind. Überall da, wo Finanzierungen eintreten, haben wir auf einmal einen großen Budget-Push und es ist auf einmal Geld da, um die Marke weiterzuentwickeln. In dieser Situation braucht es eine klare Meinung und Vision sein, wie man die Marke weiterentwickeln möchte ohne den bisherigen Spirit zu verlieren. Wenn diese nicht vorhanden ist kommt es mit der Professionalisierung häufig zu einer Anpassung.

Oft kommt der Druck zur Glättung der Kanten von Investoren. Wie verkauft man einem risikoscheuen VC eine disruptive Strategie, die auf den ersten Blick „unberechenbar“ wirkt?

Hans Ratzmann: Ich glaube, Investoren sind da gedanklich viel, viel weiter. Ich glaube, die denken viel mehr in Marktanteile und können auch ganz klar den Kontrast sehen. Von daher würde ich da auch sehr transparent kommunizieren und direkt mitgeben: Hey, das ist unsere aktuelle Audience. So groß ist der Markt insgesamt. Wir haben vielleicht schon mal eine Marktforschung gemacht. 50 % würden sagen, dass die potentielle Strategie, die wir fahren wollen, abstoßend ist. Die anderen 50 % jedoch feiern es extrem. Ich glaube, da würde jeder Investor sagen: Let's go, wir holen uns die 50 % vom Kuchen.

Viele Gründende glauben, dass man für „disruptive Kommunikation“ ein riesiges Branding-Budget braucht. Wie sieht der Ansatz aus, um mit kleinem Budget maximale Relevanz zu erzeugen?

Hans Ratzmann: Auch das ist ein wichtiger Punkt. Wenn wir konforme Kommunikation haben, brauchen wir massives Budget, um diese vielleicht manchmal generischen, weichgespülten Gedanken wirklich in die Massen zu bekommen. Wenn man jedoch mutig kommuniziert und auffällt, dann braucht man natürlich automatisch viel weniger Touchpoints, um die Marke entsprechend zu platzieren. Parallel sinkt auch das benötigte Budget in dem Bereich.

Was sind die drei klassischen „Regeln der Großen“, die Start-ups im Marketing am häufigsten unbewusst kopieren, obwohl sie ihnen eigentlich schaden?

Hans Ratzmann: Ich glaube, hier geht es gar nicht mehr so richtig um die Regeln der Großen. Ich glaube, man hat häufig als Gründer auch einfach eine gewisse Vorstellung, wie man kommunizieren möchte, was einem selber gefällt und man bezieht sich zu häufig selber als Zielgruppe mit ein. Wenn man sich selbst dann mit “den Großen” vergleicht wirkt sich das indirekt auch auf die eigenen Vorstellungen aus. Ich denke, davon muss man sich in gewisser Art und Weise auch mal lösen. Um wirklich Kommunikation zu treffen, die was bei der Zielgruppe bewegt, muss man seinen eigenen Bias loslassen und vielleicht auch mal auf die Kreativagentur hören.

Inwiefern unterscheidet sich die Kommunikation einer echten „Challenger Brand“ fundamental von einer rein „lauten“ oder „provokanten“ Kampagne? Wo ziehst du die Grenze?

Hans Ratzmann: Am Ende ist Provokation und Lautheit durchaus ein legitimes Stilmittel, das man für eine Challenger-Brand ansetzen kann. Ich glaube, hier geht es viel mehr darum, Konsistenz und die DNA der Marke zu verstehen: Was macht sie im Endeffekt aus und warum wird sie von einer Zielgruppe gefeiert? Das dann in mutige Kommunikation zu übertragen, sollte das Ziel sein. Wenn die DNA der Marke provokant ist und das auch mit den USPs und dem, wofür sie geschätzt wird, einhergeht, ist das auch legitim.

Als Performance-Experte schaust du auf Zahlen. Wie rechtfertigst du ein mutiges, aneckendes Creative, wenn das „sichere“ Standard-Layout solide, wenn auch mittelmäßige Klicks liefert?

Hans Ratzmann: Auch das messe ich ganz klar an den Zahlen. Mir geht es hier dann auch weniger um Klicks. Mir geht es dann auf Awareness-Ebene um die Ergebnisse einer guten Brandlift-Studie: Hier mal ganzheitlich zu messen: Wenn die Leute das Asset gesehen haben, sind sie jetzt eher geneigt das Produkt zu kaufen oder wirkt es sich eher positiv auf die Markenwahrnehmung allgemein aus. Was haben wir tatsächlich bewirkt? Und das lässt sich darüber relativ gut abfragen.

In Zeiten von KI-generiertem Einheits-Content: Macht KI den mutigen Regelbruch einfacher, weil wir schneller experimentieren können, oder schwieriger, weil Algorithmen den Durchschnitt belohnen?

Hans Ratzmann: Ich glaube, die Algorithmen werden mehr und mehr die Originale belohnen. Tatsächlich entwickeln sich die jeweiligen Plattformen viel mehr zum Original-Content. Wo hat eine Person etwas Inkrementelles geschaffen? Auch das kann KI sein.

Klar, man redet hier viel vom Einheits-KI-Content, aber ich glaube, deswegen ist auch die organische Reichweite der Plattformen ein guter Gradmesser, um zu identifizieren, ob man gut und schlau kommuniziert und ob man Mehrwert kommuniziert. Denn im Endeffekt wird das angeschaut und das ist das übergeordnete Ziel der Plattform. Wenn es angeschaut wird, ist es gut. Wenn es gut wird, wird es ausgespielt.

Stichwort „Minimaler Streuverlust“: Wie nutzt du Daten, um sicherzustellen, dass mutige Botschaften genau die Nische treffen, die den Umbruch will, statt im Massenmarkt zu verpuffen?

Hans Ratzmann: Da gibt es auch mehrere Antworten darauf. Wenn wir uns in Social Media zum Beispiel bewegen, dann übernehmen das die Algorithmen. Demnach wird da, wo die Nachricht resoniert und wo sie was bewegt, stärker ausgespielt. Der Algorithmus belohnt, wenn Dinge bis zum Ende angeguckt werden. Demnach: Wenn wir mit unserer mutigen Botschaft Leute dazu bewegen, bis zum Ende zuzuschauen, dann gibt ein erfolgreiches Engagement und demnach auch ein direktes Targeting in der Zielgruppe.

In einem Massenmedium wie Out of Home oder TV kann es gelegentlich auch sinnvoll sein, der breiten Masse ausgespielt zu werden. Manchmal ist es auch besonders spannend, wenn das Werbemittel eine Diskussion auslöst zwischen Leuten, die es gut und schlecht finden, und somit sogar Leute in ihrer Meinung noch bestärkt werden Demnach geht es zwangsläufig gar nicht immer darum, die Nische zu finden, sondern vor allem in der Diskussion stattzufinden.

Wenn ein(e) Gründer*in merkt: „Wir klingen mittlerweile exakt wie unser größter Konkurrent“ – was ist der erste konkrete Schritt zum „Re-Boldening“?

Hans Ratzmann: Erst mal sich darauf besinnen, was man konkret als Marke und als Produkt, als Unternehmen anders macht als der Konkurrent. Was sind die tatsächlichen Alleinstellungsmerkmale, die man selber mitbringt? Warum kaufen Kunden bei einem selbst und nicht bei der Konkurrenz? Diese Bewusstseinsbasis einmal herzustellen, halte ich für essentiell. Dann mit diesen Ergebnissen ganz stark und aggressiv auf den Markt gehen und die Zielgruppe damit bespielen. Die gesamte Kommunikation um diese USPs drehen.

Wird die Markenidentität in einer vollautomatisierten Marketing-Welt zum letzten echten Differenzierungsmerkmal, oder gewinnt am Ende doch der mit dem größten Algorithmus-Verständnis?

Hans Ratzmann: Das ist eigentlich gar nicht so super viel Neues. Ich würde sogar sagen, das ist eine Diskussion, die uns bereits seit Jahrzehnten umtreibt. Da die Social Media Welt immer lauter wird und Zuschauer*innen innerhalb von Sekunden an etwas anderes denken als an das Markenvideo, das sie gerade gesehen haben und in der die Aufmerksamkeitsspanne immer niedriger wird, da gewinnt immer das, was sich immer durchsetzt und auch schon immer durchgesetzt hat. Eine starke Markenidentität die klar macht: Wofür steht die Marke? Was aus dem Markenkern kommunizierst sie proaktiv nach außen und wie stellt sie es dar? Ich glaube, dass, wenn Gründer*innen da eine gute Grundarbeit machen, werden sie noch, sehr lange Bestand haben kannst.

Vielen Dank, Hans Ratzmann, für die spannenden Insights.

Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt

Wenn das Team zum Flaschenhals wird: Warum Start-ups oft an „Ghost Positions“ scheitern

Schnelles Wachstum birgt Risiken: Wachsen Teams nicht mit, entstehen toxische „Ghost Positions“. Ex-Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen erläutert im Interview, wie Gründer*innen gegensteuern.

Schnelles Wachstum – die sogenannte Hypergrowth-Phase – ist das ultimative Ziel und oft die wichtigste Metrik nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde. Doch genau im Moment des größten Triumphs lauert eine der gefährlichsten Fallen für junge Unternehmen: Das Start-up skaliert rasant, aber die Menschen und die internen Strukturen kommen nicht mehr hinterher.

Die Folgen dieses mangelhaften „People Scalings“ werden oft viel zu spät erkannt und können das Wachstum empfindlich bremsen. Ein typisches Symptom sind sogenannte Heritage Hires: Mitarbeitende der ersten Stunde, die aus Loyalität und Historie plötzlich in große C-Level- oder VP-Rollen hineingewachsen sind, denen sie fachlich oder führungstechnisch (noch) nicht gewachsen sind. Ignoriert die Geschäftsführung dieses Problem, reagiert das System von selbst – es entstehen „Ghost Positions“. Im Schatten des offiziellen Organigramms bilden sich heimliche Parallelstrukturen, um eigentlich zuständige, aber überlastete oder überforderte Führungskräfte schlichtweg zu umgehen.

Wie Gründer*innen diese tückischen Wachstumsfallen rechtzeitig erkennen und proaktiv auflösen, weiß die Clearimpact-Gründerin Marion Nöldgen. Als Expertin für Organizational Design und zertifizierte Aufsichtsrätin kennt sie die Wachstumsschmerzen schnell skalierender Unternehmen aus erster Hand. In den vergangenen zehn Jahren hat sie als Geschäftsführerin mehrere Start-ups aufgebaut, internationalisiert und durch extreme Wachstumsphasen geführt – unter anderem die deutsche Tochter des GreenTech-Unternehmens Tibber, den bekannten Pionier für dynamische Stromtarife.

Im StartingUp-Interview erklärt sie, warum die meisten Businesspläne nicht am Markt, sondern am falschen Team-Setup scheitern, wie man schwierige Gespräche mit loyalen Mitarbeitenden der ersten Stunde führt und wie ein Organisationsdesign aussehen muss, das echtes Wachstum aushält.

Marion, du hast in den letzten zehn Jahren zahlreiche Unternehmen gegründet, internationalisiert und in absolute Hypergrowth-Phasen begleitet. Wenn du auf diese Zeit zurückblickst: Was war dein größtes Learning in Bezug auf das Team-Wachstum?

Marion Nöldgen: Dass Wachstum nicht daran scheitert, dass man zu wenig gute Leute hat – sondern daran, dass man sie nicht richtig einsetzt.

In frühen Phasen funktioniert viel über Intuition, Vertrauen und Geschwindigkeit. Das trägt einen ziemlich weit. Aber irgendwann kippt das System. Rollen werden größer, Anforderungen komplexer – und plötzlich reicht es nicht mehr, dass jemand „gut ist“. Er oder sie muss auch schnell genug mit einer Rolle mitgewachsen sein.

Gleichzeitig verändert sich die Struktur selbst. Was am Anfang gebraucht wurde, gibt es in dieser Form später oft gar nicht mehr – oder es kommen komplett neue Anforderungen dazu, für die es vorher schlicht keine Rolle gab.

Mein größtes Learning: Man muss nicht nur die richtigen Leute holen und halten, sondern auch Rollen aktiv weiterentwickeln – und beides immer wieder neu aufeinander abstimmen. Sonst wächst das Unternehmen, aber die Organisation hält nicht mit.

In deiner aktuellen These triffst du einen wunden Punkt: Du sagst, die meisten Businesspläne scheitern nicht am Markt, sondern am falschen Team. Warum wird das People Scaling – im Gegensatz zum Skalieren von Produkt oder Vertrieb – von Gründer*innen oft so stiefmütterlich behandelt?

Marion Nöldgen: Weil es deutlich unangenehmer ist.

Produkt, Vertrieb, Zahlen – das ist rational. Da kann ich Hypothesen testen, optimieren, Entscheidungen treffen. Beim Team geht es um Menschen, Beziehungen, Loyalität und offene Konflikte. Da wird es erstens schnell persönlich und zweitens dauert es oft lange, bis die Probleme überhaupt sichtbar werden. Schlechte Produktentscheidungen merkt man relativ schnell. Schlechte Teamentscheidungen oft erst Monate später – wenn Strukturen schon verhärtet sind.

Viele hoffen dann, dass es sich „einfach einspielt“. Tut es aber meistens nicht.

Lass uns über ein sehr sensibles Thema sprechen: Heritage Hires. Oft wachsen Mitarbeiter der ersten Stunde plötzlich in Führungspositionen (z.B. als VP oder Head of) hinein, für die sie eigentlich (noch) nicht bereit sind. Ab wann wird Loyalität hier zum Wachstumsrisiko für das Unternehmen?

Marion Nöldgen: In dem Moment, in dem die Rolle mehr verlangt, als die Person leisten kann – und man es trotzdem laufen lässt. Loyalität ist extrem wertvoll. Gerade in der Anfangsphase. Aber sie ist kein Ersatz für Erfahrung oder Führungsfähigkeit.

Das Risiko entsteht nicht dadurch, dass jemand noch nicht so weit ist – das ist normal. Es entsteht, wenn man weder Rolle noch Besetzung anpasst, obwohl beides längst nicht mehr zusammenpasst.

Die menschliche Komponente ist hier extrem schwierig: Wie gehe ich als Gründer*in oder CEO das Gespräch mit einem hochverdienten Heritage Hire an, wenn ich merke, dass die Rolle zu groß geworden ist, ohne diese Person zu demotivieren oder gar ans Unternehmen zu verlieren?

Marion Nöldgen: Indem man Rolle und Besetzung klar trennt – und genau so ins Gespräch einsteigt. Also nicht über die Person sprechen, sondern über die Rolle: Was muss sie aktuell liefern? Und wo stehen wir heute? Oft ist die Lücke ziemlich offensichtlich – und auch, dass sie nicht realistisch zu schließen ist. Gleichzeitig sollte klar gemacht werden: Es geht nicht darum, die Person zu verlieren. Im Gegenteil – man möchte sie halten und gemeinsam schauen, in welcher Rolle sie künftig wirklich wirksam sein kann.

Die meisten spüren das selbst längst. Was fehlt, ist die klare, ehrliche Ansprache.

Wenn das sauber gemacht wird, stehen die Chancen gut, dass die Person bleibt – nur eben in einer für sie und das Unternehmen wirksamen Rolle.

Ignoriert man das Problem der überlasteten Führungskräfte, entstehen laut dir sogenannte Ghost Positions und Parallelstrukturen. Woran erkenne ich als Geschäftsführung rechtzeitig, dass mein Team anfängt, das eigentliche Organigramm heimlich zu umgehen? Gibt es typische Red Flags?

Marion Nöldgen: Ja, ziemlich klare sogar.

Entscheidungen dauern ungewöhnlich lange – oder werden plötzlich woanders getroffen. Themen „wandern“ durch die Organisation, bis sie jemand entscheidet.

Du siehst, dass Leute sich bewusst andere Ansprechpartner suchen als die eigentlich zuständige Führungskraft. Oder dass Dinge einfach selbst gelöst werden, um voranzukommen.

Das sind alles Signale dafür, dass die formale Struktur nicht mehr mit der Realität übereinstimmt.

Wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und sich Ghost Positions etabliert haben – wie löst man diese Schattenstrukturen wieder auf, ohne dass das operative Geschäft zusammenbricht?

Marion Nöldgen: Auf jeden Fall nicht alle auf einmal!

Der erste Schritt ist Transparenz: sichtbar machen, wie Entscheidungen aktuell tatsächlich getroffen werden. Das ist oft schon ein Augenöffner.

Dann geht es darum, Verantwortung wieder sauber zuzuordnen – und konsequent dorthin zurückzugeben. Das braucht Zeit und Kommunikation.

Und ehrlich gesagt: In manchen Fällen kommt man nicht darum herum, auch personell etwas zu verändern. Alles andere ist Kosmetik.

Als Expertin für Organizational Design: Wie muss eine Unternehmensstruktur aufgebaut sein, die einerseits flexibel genug für die typische Start-up-Agilität ist, andererseits aber stark genug, um Phasen extremen Wachstums (z.B. nach einer Series A oder B) auszuhalten?

Marion Nöldgen: Sie muss klarer sein, als viele denken – aber nicht komplizierter.

Was es braucht, sind klare Rollen, klare Entscheidungswege und ein gemeinsames Verständnis davon, wer für was verantwortlich ist.

Flexibilität entsteht nicht durch Unklarheit, sondern dadurch, dass alle wissen, wo sie sich bewegen können. Wenn das fehlt, wird jede Veränderung anstrengend.

Wie bindet man Weiterbildung und Leadership-Training in ein Umfeld ein, in dem eigentlich immer die Devise „Execution first“ gilt?

Marion Nöldgen: Indem man es auch genau so behandelt: als Teil der Arbeit – nicht als Extra. Ich bin kein großer Fan von Wochenend-Workshops oder theoretischen Trainings „on top“. Gerade in frühen Wachstumsphasen bringt das wenig.

Entscheidend ist Training on the job. Das heißt konkret: Lernen passiert im Alltag. In echten Meetings, echten Entscheidungen, echten Situationen. Genau dort kann man direkt Feedback geben – zum Beispiel, wenn ein Teammeeting unklar geführt ist oder Erwartungen nicht sauber formuliert werden.

Es geht weniger um Theorie und mehr darum, in der konkreten Arbeit besser zu werden.

Zum Abschluss: Wenn du einem Gründungsteam, das gerade ein großes Funding abgeschlossen hat und kurz davor steht, sein Team zu verdreifachen, nur einen einzigen Rat mit auf den Weg geben dürftest – welcher wäre das?

Marion Nöldgen: Schaut euch ehrlich in die Augen und fragt euch: Was müssen wir konkret liefern, um das, was wir gepitcht haben, wirklich umzusetzen? Also: Welchen Output muss jede einzelne Rolle erzeugen – nicht high level, sondern ganz konkret, was ist das Ergebnis dieser Arbeit?

Wer verantwortet welchen Teil – und kann die Person das auch leisten?

Und wenn nicht, muss man es ansprechen. Früh. Und mittelfristig wahrscheinlich etwas verändern.

Danke, Marion, für die spannenden Insights!

Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt

Von der Medienmarke zur Infrastruktur: Was Gründende von MILC über Web3 lernen können, ohne in den Hype zu tappen

Viele Start-ups scheitern nicht an Ideen, sondern an der falschen Flughöhe. Sie bauen Produkte für einen Markt, den es in dieser Form noch gar nicht gibt, oder sie verwechseln Aufmerksamkeit mit Substanz. Gerade im Web3-Umfeld war das in den vergangenen Jahren oft zu beobachten. Viel Kapital floss in Narrative, deutlich weniger in tragfähige Modelle.

Der Fall MILC (Media Industry Licensing Content) ist deshalb interessant, weil er einen anderen Weg zeigt. Hinter dem Projekt steht mit Hendrik Hey kein Krypto-Promoter, sondern ein Medienunternehmer mit jahrzehntelanger Markterfahrung. Der Ausgangspunkt war nicht die Frage, wie man einen Token in den Markt drückt, sondern welches reale Problem so groß ist, dass sich dafür eine neue Infrastruktur lohnt.

Nicht vom Hype her denken, sondern vom Marktproblem

Ein häufiger Fehler von Gründenden besteht darin, sich zuerst in eine Technologie zu verlieben und erst danach nach ihrem Zweck zu suchen. Bei MILC scheint die Reihenfolge umgekehrt zu sein. Das Kernproblem ist schnell beschrieben: Medien lassen sich heute global verbreiten, aber Rechte, Beteiligungen und Erlöse sind weiterhin in langsamen, teuren und oft schwer nachvollziehbaren Strukturen organisiert.

Genau dort setzt das Modell an. Nicht als weiteres Medienportal, sondern als Infrastruktur für Lizenzierung, Rechteverwaltung und Erlöslogik. Für Gründende ist das die erste wichtige Lektion: Märkte mit hoher Reibung sind oft interessanter als Märkte mit hoher Lautstärke.

Je komplexer ein Markt in der Abwicklung ist, desto größer ist der Hebel für ein gutes Infrastrukturprodukt. Wer es schafft, einen Prozess nicht nur digitaler, sondern verlässlicher und klarer zu machen, baut näher am echten Wert als jemand, der bloß eine weitere Oberfläche produziert.

Eine starke These ist noch kein Geschäftsmodell

Start-ups brauchen eine große Erzählung, aber sie dürfen sich nicht in ihr verlieren. Auch MILC arbeitet mit einer großen These: dass digitale Eigentums- und Beteiligungsmodelle im Medienbereich neu organisiert werden müssen. Entscheidend ist jedoch, ob diese These in ein funktionierendes Modell übersetzt werden kann.

Genau hier wird es für Gründende spannend. Ein Projekt wie MILC muss nicht nur technisch funktionieren. Es muss mehrere Gruppen gleichzeitig überzeugen: Rechteinhaber, Produzenten, Lizenznehmer, kreative Talente, mögliche Partner und später womöglich institutionelle Kapitalgeber. Das bedeutet: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Feature, sondern im Zusammenspiel aus Produkt, Recht, Vertrieb und Vertrauen.

Viele junge Unternehmen unterschätzen diese Mehrdimensionalität. Sie bauen zu stark aus Sicht des Entwicklers und zu wenig aus Sicht eines Marktes, der sich nur dann bewegt, wenn Risiko sinkt. Infrastruktur heißt deshalb immer auch: Komplexität für andere reduzieren.

Warum Timing wichtiger ist als Vision allein

Ein weiteres Learning aus Projekten wie MILC betrifft das Timing. Dieselbe Idee wäre vor einigen Jahren vermutlich schwerer vermittelbar gewesen. Heute treffen mehrere Trends aufeinander: KI senkt Produktionskosten, digitale Inhalte zirkulieren schneller denn je, Plattformabhängigkeiten werden sichtbarer, und die Diskussion über Eigentum an Daten, Inhalten und digitalen Assets ist deutlich reifer geworden.

Für Gründende heißt das: Eine starke Idee reicht nicht. Sie muss in einem Moment auftauchen, in dem der Markt ihren Nutzen erkennen kann. Timing ist kein Nebenaspekt, sondern oft der Unterschied zwischen zu früh und genau richtig.

Das gilt nicht nur für Web3. Es gilt für fast jede Infrastrukturidee. Wer Prozesse verbessern will, die bislang mit Excel, E-Mail und juristischen Einzelabsprachen laufen, braucht Geduld und einen Markt, der Veränderungsdruck spürt. Ohne diesen Druck bleibt selbst das bessere System nur eine gute Präsentation.

Regulierung ist nicht der Feind, sondern Teil des Produkts

Gerade Gründende aus digitalen Szenen betrachten Regulierung oft als lästige Pflicht. Das ist verständlich, aber zu kurz gedacht. In Bereichen, in denen Eigentum, Geldflüsse und grenzüberschreitende Nutzung eine Rolle spielen, ist Regulierung kein Add-on. Sie ist Teil des Produkts.

Das ist einer der interessantesten Punkte an der MILC-Strategie. Der Anspruch ist nicht, sich möglichst weit außerhalb institutioneller Logiken zu bewegen, sondern Brücken in genau diese Welt zu bauen. Für viele Start-ups liegt darin eine unbequeme, aber wichtige Einsicht: Wer in sensiblen Märkten wachsen will, muss nicht nur technologisch, sondern auch strukturell glaubwürdig sein.

Das betrifft Vertragslogiken, Auditierbarkeit, Verantwortlichkeiten und Kapitalfähigkeit. Gerade im europäischen Kontext kann das ein Vorteil sein. Vertrauen entsteht nicht nur durch gutes Design, sondern auch durch belastbare Regeln.

Gründende müssen das Problem größer denken als das Produkt

MILC wirkt deshalb weniger wie ein einzelnes Tool und eher wie der Versuch, eine ganze Wertschöpfungskette neu zu sortieren. Ob das gelingt, ist offen. Aber die Perspektive dahinter ist lehrreich. Gute Start-ups stellen nicht nur die Frage, was ihr Produkt kann. Sie fragen, welches Systemverhalten sich dadurch verändert.

Für Gründende bedeutet das: Der eigentliche Wert eines Produkts entsteht oft erst dann, wenn es Teil einer größeren Marktlogik wird. Wer nur ein Feature anbietet, bleibt austauschbar. Wer eine Kategorie neu schneidet, hat die Chance, Standards zu setzen. Das ist riskanter und langsamer, aber oft auch nachhaltiger. Vor allem in Märkten, in denen sich Macht aus intransparenten Prozessen speist, können neue Standards mehr bewirken als einzelne Innovationen.

Was man als Gründende aus MILC mitnehmen kann

Drei Punkte stechen besonders hervor:

Erstens: Starte nicht mit der Technologie, sondern mit einem Marktversagen. Wo Reibung groß ist, liegt Potenzial.

Zweitens: Infrastruktur verkauft sich nicht über Glamour, sondern über Verlässlichkeit. Wer Prozesse neu ordnet, braucht Vertrauen in Produkt, Struktur und Team.

Drittens: Große Visionen brauchen Anschlussfähigkeit. Ein Start-up wird nicht dadurch stark, dass es alles anders machen will, sondern dadurch, dass es das Neue mit den Anforderungen realer Märkte kompatibel macht.

Zwischen Hype und Handwerk

Web3 war in den vergangenen Jahren oft eine Bühne für überzogene Versprechen. Umso interessanter sind Projekte, die das Thema auf Handwerk zurückholen: auf Eigentum, Regeln, Prozesse, Beteiligung. Genau dort entscheidet sich am Ende, ob aus einer Idee ein Markt wird.

Für Gründende ist das die vielleicht wichtigste Botschaft. Es lohnt sich, auf die unspektakulären Probleme zu schauen. Denn oft liegt gerade dort das größere Unternehmen verborgen. Nicht in der lautesten Story, sondern in der stillen Fähigkeit, Ordnung in ein System zu bringen, das bislang von Unklarheit lebt.

MILC ist damit weniger ein Vorbild im Sinne einer Blaupause als ein nützlicher Prüfstein. Es zeigt, wie man eine Zukunftstechnologie nicht als Selbstzweck erzählt, sondern als Antwort auf ein reales Marktproblem. Für junge Unternehmen ist das oft die wertvollste Form von Innovation.

Retourendaten als ungenutztes Potenzial

Retouren sind dein größter Kostenfaktor – aber auch eine wertvolle Datenquelle. Unser Artikel samt Praxis-Checkliste zeigt dir, wie du sie strategisch zum Marketing-Booster machst!

Retouren kosten den Handel jedes Jahr Millionen Euro. Dabei wird oft verkannt, dass sie auch eine wertvolle Quelle für mehr Umsatz und eine bessere Customer Journey sind. Aktuelle Daten aus dem Jahr 2025 zeigen, wie sich das Retourenverhalten von Verbrauchern entwickelt – und welche ungenutzten Chancen hierbei für dich und dein E-Commerce-Unternehmen liegen.

Die wichtigste Erkenntnis aus dem aktuellen Retouren-Report 2025: Immer weniger Kunden senden ihre Einkäufe zurück. Im Jahr 2025 waren es nur noch 46 Prozent – im Vergleich zu 51 Prozent in 2024 und 67 Prozent im gleichen Zeitraum 2023.

Trotz dieser sinkenden individuellen Retourenneigung prognostiziert die Universität Bamberg für Deutschland im Jahr 2025 ein neues Rekordvolumen von 550 Millionen Paketen. Um dieser Diskrepanz zu begegnen, musst du als Online-Händler deine Zielgruppen basierend auf den bei der Retoure gewonnenen Einsichten künftig präziser ansprechen.

Wenn Daten ungenutzt verpuffen

Noch immer ignorieren viele Online-Shops, wer welche Produkte warum zurückschickt. Betrachtest auch du Retouren oft ausschließlich aus der reinen Umsatzperspektive und übersiehst die damit verbundenen wertvollen Details zu Zielgruppen, Produkten und Kanälen? Viele erfassen zwar Retourengründe, doch nur ein Bruchteil wertet diese systematisch und automatisiert aus. Dabei könntest du genau diese Daten nutzen, um ein tiefgreifendes Verständnis für das Kauf- und Retourenverhalten deiner Kunden zu gewinnen.

Ohne diese Analyse gehst du das Risiko ein, dass beispielsweise Produkte mit einer hohen Retourenquote weiterhin bei Zielgruppen beworben werden, die sie überdurchschnittlich oft zurücksenden. Nutze deine Tools konsequent und schließe Kundengruppen, die deine Marge gefährden, vom Targeting aus. Bei durchschnittlichen Bearbeitungskosten von 5 bis 20 Euro pro Retoure – im komplexen Sortiment sogar bis zu 50 Euro – entstehen dir sonst erhebliche, aber vermeidbare Verluste.

Ein weiteres Beispiel für verpasste Chancen zeigt ein Blick auf die Rückgabepräferenzen. Demnach wünschen sich Frauen deutlich häufiger alternative Rückgabeoptionen als Männer (63 Prozent versus 53 Prozent). Ein klarer Hinweis darauf, dass Standardangebote hier weniger gut ankommen. Dennoch sprichst du in der Praxis vermutlich beide Zielgruppen identisch an.

Retourendaten als Marketing-Kompass

Die Lösung hast du paradoxerweise wahrscheinlich bereits im Haus: deine Retourendaten. Durch eine systematische und strategische Auswertung lassen sie sich als wertvolle Marketing-Intelligence nutzen. Ein zentraler Baustein sind datenbasierte Analysen, die Kaufhistorie, Kontaktpunkte, Retourenmuster sowie bevorzugte Produktkategorien verknüpfen.

Eine gezielte Steuerung der Kundenansprache und der Produktpositionierung nimmt unmittelbar Einfluss auf das Retourenverhalten. So wird es dir möglich, Produkte mit hoher Retourenquote für bestimmte Zielgruppen aus dem Fokus zu nehmen. Wird beispielsweise ein bestimmtes Schuhmodell bei den über 45-Jährigen überdurchschnittlich oft retourniert, solltest du es für diese Altersgruppe nicht mehr in Marketingkampagnen ausspielen.

Ebenso wie dein Produktportfolio kannst du auch deine Services an klare Kundenwünsche anpassen: 58 Prozent der Kunden wünschen sich neben der klassischen „Retoure gegen Erstattung“ auch andere Optionen wie Umtausch, Gutscheine oder Reparaturen. Diese Erkenntnis ermöglicht dir differenzierte, zielgruppengerechte Serviceangebote und schützt dich vor einem kompletten Umsatzverlust.

Auch eine datenbasierte Kanalbewertung wird möglich: Während 33 Prozent der 18- bis 34-Jährigen Social Commerce als Einkaufskanal nutzen, sind es bei den über 55-Jährigen nur rund 15 Prozent. Retourendaten zeigen dir präzise, welche Kanäle für bestimmte Produkte problematisch sind und wo du Budgets umschichten musst.

Erst eine konsequente Analyse der Retourengründe macht es dir möglich, Produktinformationen zu optimieren und Vertriebskanäle belastbar zu bewerten. Statt Millionen für Streuverluste auszugeben, kannst du deine Customer Journey gezielt verbessern.

Silos ade: Zusammenarbeit von Marketing, E-Commerce und Produktteams

Entscheidend für die optimale Nutzung dieser Einsichten ist der regelmäßige Austausch zwischen deinen Marketing-, E-Commerce- und Produktteams. Im Zusammenspiel können Erkenntnisse aus Retourengründen nahtlos in Produktbeschreibungen und Kampagnenbotschaften einfließen.

Wenn dein E-Commerce-Team beispielsweise feststellt, dass bestimmte Farbvarianten bei spezifischen Altersgruppen besonders oft mit dem Grund „sieht anders aus als erwartet“ retourniert werden, können Marketing und Produktentwicklung sofort reagieren: durch bessere Produktfotos, angepasste Beschreibungen und eine differenzierte Zielgruppenansprache.

Diese abteilungsübergreifende Verschränkung erfordert jedoch neue Prozesse: Wöchentliche Retourendaten-Reviews, gemeinsame KPIs und automatisierte Alerts bei auffälligen Retourenmustern sind Pflicht. Nur so wird aus der reaktiven Kostenstelle ein proaktives Steuerungsinstrument.

Daten bringen nachhaltigen Erfolg

Wenn du Retourendaten strategisch nutzt, sparst du nicht nur Kosten. Du steigerst die Konversion, senkst Streuverluste und reduzierst den Kundenfrust. Echter Erfolg stellt sich schließlich erst dann ein, wenn der Kunde sich nicht nur für den Kauf entscheidet, sondern das Produkt am Ende auch behält.

Begreife Retouren daher noch stärker als präzise Datenquelle für eine bessere Kundenbeziehung. Wenn du deine Retourendatenanalyse jetzt professionalisierst, verwandelst du den Kostenfaktor endgültig in deinen Marketing-Booster.

Der Autor Artjom Bruch ist CEO der Trusted Returns GmbH


StartingUp-Checkliste: So machst du deine Retourendaten zum Marketing-Booster

Prüfe dein aktuelles E-Commerce-Setup. Wie viele dieser Fragen kannst du bereits mit „Ja“ beantworten?

  • [ ] Präzise Datenerfassung: Erfasst du detaillierte Retourengründe (über ein Dropdown-Menü im Retourenportal) statt nur eines pauschalen „Gefällt nicht“?
  • [ ] Dynamisches Targeting: Schließt du Kunden oder Segmente, die ein bestimmtes Produkt überdurchschnittlich oft retournieren, automatisch von der weiteren Bewerbung dieses Artikels aus?
  • [ ] Zielgruppengerechte Rückgabe-Optionen: Bietest du im Retourenprozess aktiv Alternativen wie Direkt-Umtausch, Store-Credit (Gutschein) oder Reparatur an, anstatt sofort den Kaufpreis zu erstatten?
  • [ ] Kanal-Rentabilitäts-Check: Analysierst du, ob Kunden, die über Plattformen wie TikTok oder Instagram kaufen, eine signifikant höhere Retourenquote aufweisen als Käufer aus dem E-Mail-Marketing?
  • [ ] Silos aufbrechen: Gibt es ein regelmäßiges (z. B. wöchentliches) Meeting zwischen Marketing, E-Commerce und Produktmanagement, um auffällige Retourenmuster zu besprechen?
  • [ ] Automatisierte Warnsysteme: Erhält dein Team einen automatischen Alert, wenn die Retourenquote eines neu gelaunchten Produkts innerhalb der ersten 48 Stunden einen definierten Schwellenwert übersteigt?

Je mehr Haken du setzen kannst, desto näher bist du am profitablen Retouren-Management.

Wie Flexibilisierung zum Gamechanger der Energiebranche wird

encentive-CEO Nicolás Juhl im Interview: Wo die größten Hebel der Energiewende liegen, wie schwierig es ist, als Start-up in industrielle Kernprozesse vorzudringen und wie KI im Energiesektor überzeugen kann.

Die Energiewende ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern tägliche Realität für Wirtschaft, Politik und Verbraucher. Während der Ausbau erneuerbarer Energien sichtbar voranschreitet, bleiben anderswo zentrale Fragen oft unbeantwortet: Wie wird aus politischen Ideen wie dem Industriestrompreis ein verlässliches, zukunftsorientiertes System? Und welche Rolle spielen junge Technologieunternehmen dabei?

Das Start-up encentive setzt genau an dieser Stelle an. Statt neue Hardware zu bauen, entwickelt das Team Software, die industrielle Stromverbräuche intelligent steuert und damit neue Spielräume im Energiesystem eröffnet. Ein Ansatz, der gleichermaßen Industrie, Energieversorger und Investoren aufhorchen lässt.

Im Interview spricht CEO Nicolás Juhl darüber, warum die größten Hebel der Energiewende nicht ausschließlich auf dem Acker oder dem Dach liegen, wie schwierig es ist, als Start-up in industrielle Kernprozesse vorzudringen und weshalb Künstliche Intelligenz im Energiesektor nur dann überzeugt, wenn sie messbare Ergebnisse liefert.

Nicolás Juhl, was macht den Einsatz von KI in industriellen Energieprozessen so komplex und warum haben sich hier bisher nur wenige Start-ups erfolgreich durchgesetzt?

Der Einsatz von KI im industriellen Energiemanagement ist deutlich komplexer als in vielen anderen Bereichen. Wirklich wirksam wird KI in der Industrie erst dann, wenn sie mehr kann als reines Monitoring oder Analyse. Sie muss direkt im Maschinenraum ansetzen und Industrieanlagen automatisch steuern können. Dafür braucht es ein tiefes Verständnis gleich mehrerer Welten: der industriellen Anlagen, der Produktionsprozesse, des Energiesystems und gleichzeitig hochentwickelte Software- und KI-Kompetenz. Diese Kombination ist selten. Viele Start-ups bleiben deshalb bei Dashboards stehen. Der eigentliche Mehrwert entsteht aber erst dort, wo KI aktiv eingreift und genau diese Hürde haben bislang nur wenige erfolgreich genommen.

Viele Diskussionen zur Energiewende drehen sich um neue Kraftwerke, Netze oder Speicher. Wo sehen Sie heute die größten strukturellen Engpässe im Energiesystem und warum werden sie in der öffentlichen Debatte oft übersehen?

Durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien ist das Energiesystem heute deutlich volatiler geworden. Es gibt Phasen mit sehr viel Strom und niedrigen Preisen – und andere, in denen Energie knapp ist. Das führt zu Netzüberlastungen auf der einen und Versorgungsengpässen auf der anderen Seite. Politisch wird aktuell stark auf neue Gaskraftwerke als Absicherung gesetzt. Kurzfristig ist das verständlich, langfristig löst es das Problem aber nicht. Der zentrale Hebel liegt auf der Verbraucherseite: Energie muss dann genutzt werden, wenn sie verfügbar und günstig ist. Flexible Stromnutzung, unterstützt durch Speicher und Puffermöglichkeiten, ist aus unserer Sicht der nachhaltigste Weg. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt.

Industrieunternehmen gelten als träge, sicherheitsgetrieben und wenig experimentierfreudig. Wie gelingt es einem jungen Unternehmen wie encentive, in kritische Prozesse großer Industrieanlagen vorzudringen?

Dieses Bild trifft nicht pauschal zu. Es gibt viele sehr innovationsorientierte Industrieunternehmen, die aktiv nach Lösungen suchen, weil Energie inzwischen ein zentraler Wettbewerbsfaktor geworden ist. Bei eher konservativ aufgestellten Unternehmen ist Vertrauen entscheidend. Das entsteht durch intensive Gespräche, durch unser Team, das teilweise selbst aus der Industrie kommt, und durch transparente Kommunikation. Zudem arbeiten wir schrittweise: Häufig starten wir mit einem Pilotstandort und rollen die Lösung dann auf weitere Werke aus. Referenzen aus der gleichen Branche helfen zusätzlich, die Einstiegshürde zu senken.

Auch Energieversorger stehen unter Transformationsdruck, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Welche Rolle können digitale Lösungen dabei spielen und was erwarten Versorger heute konkret von Technologiepartnern?

Energieversorger verfügen über stabile Kundenbeziehungen, stehen aber zunehmend unter Druck, innovative Lösungen anzubieten – insbesondere im Bereich Flexibilität. Kunden erwarten heute mehr als reine Energiebelieferung. Digitale Lösungen ermöglichen es Versorgern, ihr Portfolio schnell zu erweitern, ohne alles selbst entwickeln zu müssen. Wir stellen unsere Plattform als Lösung zur Verfügung und entlasten sie so bei Entwicklung und Betrieb. Im Gegenzug erwarten Versorger von Technologiepartnern vor allem Zuverlässigkeit, Integration in bestehende Prozesse und Unterstützung im Vertrieb. Genau das setzen wir bereits erfolgreich mit ersten Partnern um.

Für viele Investoren wirkt der Energiesektor gleichzeitig hochrelevant und schwer zugänglich. Was müssen Kapitalgeber verstehen, wenn sie in Software-basierte Lösungen für die Energiewende investieren wollen?

Investoren sollten genau prüfen, ob eine Lösung echten strukturellen Impact hat oder nur ein kurzfristiges Optimierungstool ist. Entscheidend ist, ob das Geschäftsmodell auch unter zukünftigen Markt- und Regulierungsbedingungen relevant bleibt. Softwarelösungen, die aktiv ins System eingreifen, flexibel skalierbar sind und reale wirtschaftliche Anreize schaffen, haben aus unserer Sicht die besten Chancen. Die Energiewende ist kein kurzfristiger Trend, sie verändert das System dauerhaft.

Blick nach vorn: Wenn wir in fünf bis zehn Jahren auf das heutige Energiesystem zurückschauen: Welche Veränderungen würden Sie als echten Durchbruch bezeichnen, und welchen Beitrag kann die Start-up-Szene dazu leisten?

Ein echter Durchbruch ist erreicht, wenn flexibler Energieverbrauch in Industrie und bei Endverbrauchern der Standard ist. Wenn es selbstverständlich ist, dass Verbrauch, Erzeugung und Preise intelligent aufeinander abgestimmt werden. Die Start-up-Szene kann dazu beitragen, indem sie pragmatische, skalierbare Geschäftsmodelle entwickelt und eng mit etablierten Akteuren zusammenarbeitet. Gleichzeitig ist es wichtig, gemeinsam mit Politik und Regulierung Rahmenbedingungen zu schaffen, die Flexibilität belohnen. Nur so kann aus Innovation echte Systemveränderung werden.

Warum DeepTechs wie planqc und infrared.city auf Österreich setzen

Warum Österreich für führende DeepTech-Entrepreneure immer attraktiver wird, erklären planqc-CEO Alexander Glätzle und Angelos Chronis, CEO von infrared.city. Welche Rolle Forschungsexzellenz, Talente und die Unterstützung der Austrian Business Agency (ABA) dabei spielen, schildern sie im Interview.

Österreich entwickelt sich rasant zu einem Hotspot für DeepTech-Technologien, getragen von einem Innovationsökosystem, das hierzulande Forschung und Entwicklung vorantreibt. Von künstlicher Intelligenz über Quantentechnologien bis zur klimaresilienten Stadtentwicklung entsteht ein Ökosystem, das in Europa Maßstäbe setzt. Österreich hat sich hier in den vergangenen Jahren weit vorne positioniert.

Forschung und Anwendung wachsen eng zusammen

Vor allem in der Quantentechnologie zählt das Land zur internationalen Spitzengruppe. Die Universität Innsbruck, das IQOQI der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Universität Wien und das ISTA sind seit Jahren wissenschaftliche Schwergewichte und ziehen Talente wie Unternehmen gleichermaßen an.

Diese Stärke spiegelt sich auch im Start-up-Ökosystem wider: 17 Prozent aller österreichischen Start-ups werden dem DeepTech-Bereich zugeordnet, womit rund jedes sechste junge Unternehmen auf besonders forschungsintensive Technologien setzt (brutkasten berichtete). Gleichzeitig zeigt sich die hohe Reife dieser Unternehmen in der Finanzierung: Laut dem aktuellen Austrian Startup Monitor haben 36 Prozent der DeepTech-Start-ups bereits mehr als 500.000 Euro an externem Kapital aufgenommen. Für immer mehr internationale Gründer*innen und Scale-ups positioniert sich Österreich damit nicht nur als exzellenter Forschungsstandort, sondern zunehmend als strategischer Unternehmens- und Skalierungshub.

Hohe Talent- und Forschungsdichte

Eines dieser Unternehmen ist planqc, ein Spin-off des Münchner Max-Planck-Instituts. Der Quantencomputing-Hersteller holte dafür im Juli 2024 ein Series-A-Investment in Höhe von 50 Millionen Euro (StartingUp berichtete). Für den Tiroler Co-Founder und CEO Alexander Glätzle war Innsbruck nicht nur eine emotionale, sondern eine fachliche Entscheidung: Er habe hier studiert und promoviert. „In dieser Zeit erlebte ich, wie stark die Quantenforschung in Österreich ist”, erzählt er im Interview mit brutkasten.

Rund um Universität und IQOQI sei eine Community entstanden, die weltweit Maßstäbe setze. Viele Ideen und Talente, auf denen planqc heute aufbaut, stammten genau aus diesem Umfeld, sagt Alexander. “Gleichzeitig ist der Talentpool in Österreich insgesamt außergewöhnlich stark, was für ein wachsendes Quantenunternehmen wie unseres ein großer Vorteil ist“.

Diese wissenschaftliche Dichte wirkt sich unmittelbar auf die Technologieentwicklung aus. Durch die enge Vernetzung mit heimischen Forschungsgruppen könne planqc laut Alexander in Innsbruck „direkt auf eines der weltweit führenden Ökosysteme für Quantenphysik zugreifen“. Viele Mitarbeitende kenne man seit Studienzeiten, gemeinsame Projekte beschleunigten den Transfer von Laborergebnissen in industrielle Anwendungen. Dadurch verkürze sich der Weg von einem Experiment zu einem einsatzfähigen Quantencomputer erheblich – ein zentraler Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Kollaborationsnetzwerke

Auch infrared.city hat in Österreich seinen Ursprung. Das Unternehmen entwickelte eine Software, mit der Städte, Architekt*innen und Planer*innen Mikroklimabedingungen wie Hitze, Wind, Schatten oder thermischen Komfort in Echtzeit simulieren können. Die Technologie wurde am AIT City Intelligence Lab entwickelt – ein Umfeld, das laut CEO Angelos Chronis entscheidend war. Wien habe die idealen Voraussetzungen geboten. “Das starke Forschungsökosystem der Stadt, kombiniert mit Österreichs unterstützender Infrastruktur für DeepTech-Innovation, ermöglichte es uns, den Schritt von der akademischen Forschung zu einer kommerziellen Plattform zu vollziehen – mit fortlaufendem Zugang zu erstklassigem Fachwissen und starken Kollaborationsnetzwerken”, erklärt der gebürtige Grieche.

5 Erfolgsfaktoren für (bootstrappende) Start-ups

Kapital bleibt schwer zugänglich: Was Gründer*innen jetzt von bootstrappenden Start-ups lernen können.

Andreas Lehr, Bootstrapper, Gründer und Host des Podcasts Happy Bootstrapping, hat mit über 150 bootstrappenden Gründer*innen gesprochen und aus den Gesprächen fünf Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Darunter Ansätze, die jetzt im aktuellen Funding-Klima von großer Bedeutung sind.

  • Extreme Kund*innenfokussierung statt starker Wachstumsfokus.
  • Profitables Wachstum mit kleinen Teams, Gründen in Teilzeit.
  • Nischen-Strategien, die die Skalierung in einen breiteren Markt ermöglichen.
  • Community-getriebene Produktentwicklung / Building in Public.

Lehrs Erkenntnis: „Bootstrapping gewinnt in der deutschen Start-up-Landschaft sichtbar an Gewicht. Immer mehr Gründer*innen setzen auf unabhängiges Wachstum. Genau die Strategien, die Bootstrapper*innen erfolgreich machen, werden für Gründer*innen in einem vorsichtigeren Markt zu wichtigen Werkzeugen, um Unternehmen stabil aufzubauen.“

5 Erfolgsfaktoren für (bootstrappende) Start-ups

1. Build in community, not just in public

  • Eine Community ist eine dauerhafte Feedback-Quelle für bestehende und kommende Produkte.
  • Aufbau enger Nutzer*innengruppen auf Discord, Instagram und per On-Site-Events sorgt für loyale Unterstützung.
  • Eine Community liefert Ideen für neue Features und Produkte und hilft dabei sie zu validieren.
  • Enge Interaktion sorgt für Loyalität und niedrigere Customer Acquisition Cost. Building in Community ist damit die Vertiefung von Building in Public.

Beispiel: Capacities.io ist eine Note-Taking-Software, die Notizen auf die menschliche Wahrnehmung optimierte Weise strukturiert. Die Gründer haben eine Community aus 5000+ Menschen auf Discord aufgebaut, was den Support- & Onboarding-Aufwand reduziert und die Produktbindung erhöht.

2. Keine Angst vor der Nische

  • Start in einer sehr klar definierten Nische mit spitzem Nutzer*inproblem.
  • Nischen ermöglichen schnelles Verständnis von Marktbedürfnissen und zielgerichtetes Produktdesign.
  • Hohe Eintrittsbarrieren für Wettbewerber*innen durch Expertise und Fokus.
  • Nischen können nach und nach erweitert werden, um einen breiteren Markt zu erreichen.

Beispiel: parqet.com startete als FinTech für Portfolio-Tracking für die Kunden*innen einer einzigen Bank. Die Schritt-für-Schritt-Erweiterung der Services sorgte für stabiles Wachstum und ausreichend unternehmerischer Ressourcen.

3. Produktfokus: Gut Ding will Weile haben

  • Produktqualität und Nutzer*inerlebnis wichtiger als schnelle Releases.
  • Intensive Iterationsphasen mit frühen Nutzer*innengruppen.
  • Launches werden verschoben, bis das Produkt wirklich überzeugt.
  • Kund*innennähe (direktes Feedback, Support) ist der Hebel für Produktentwicklung.

Beispiel: PROJO ist ein SaaS für Planungsbüros in der Architektur und Ingenieurswesen. Die Software wurde mit den ersten drei Kunden über zwei Jahre bei regelmäßigen Check-ins verfeinert.

4. Nicht nach Version eins aufgeben

  • Erste Versionen sind oft nicht erfolgreich – Fortschritt entsteht durch Ausdauer.
  • Anpassungen, Repositionierungen und mehrere Iterationen können notwendig sein.
  • Gründer*innen profitieren langfristig von Beharrlichkeit in derselben Produktlinie. Expertise in der Nische entsteht nicht sofort.

Beispiel: Gründer Sebastian Röhl entwickelt verschiedene Apps im Self-Improvement-Bereich, um herauszufinden, was funktioniert: WinDiary, HabitKit, LiftBear. Viele Gründer*innen berichten von einem Hockey-Stick-Moment

5. Teilzeitgründen gibt Sicherheit

  • Viele Bootstrapped-Projekte starten erfolgreich neben dem Hauptjob.
  • Reduzierte Arbeitszeit (z.B. 4-Tage-Woche) ermöglicht risikoreduziertes Wachstum.
  • Nebenberufliche Projekte schaffen Zeit für Markttests und frühe Umsätze.
  • Erst später in Vollzeit wechseln, wenn Traction vorhanden ist.

Beispiel: Treazy, ein Start-up für Socken, wurde vom Gründerduo in Teilzeit aufgebaut und beschäftigt heute beide voll. Ein(e) Gründer*in muss nicht alles stehen und liegen, um ein Start-up aufzubauen, oft reichen drei Tage oder die halbe Woche, was finanzielle Sicherheit gibt und ein langsameres Wachstum möglich macht.

Innovation Leadership

Wie du Innovative Work Behavior in deinem Start-up von Anfang an gezielt entwickelst, förderst und damit dauerhaft erhältst.

Die allermeisten Unternehmen starten mit einer leuchtenden Vision: Sie wollen für eine große Idee aufbrechen, vielleicht sogar die Welt verändern. Dahinter stecken Mut, Kreativität und Entschlossenheit. Die Köpfe sind voller Gedanken und Zukunftsbilder, die Stimmung ist enthusiastisch. Doch häufig passiert dann etwas zwischen zwei Fundings, dem Teamwachstum oder den nicht enden wollenden To-do-Listen: Diese lebendige, sprudelnde Innovationskraft, die zu Beginn ganz selbstverständlich war, geht nach und nach verloren.

Innovation entsteht nicht durch bunte Post-its an der Wand. Grundlage für Innovation in Teams ist vielmehr das innova­tive Verhalten der Menschen in der Organisation. Der Nähr­boden dafür sind Räume, in denen Ideen geäußert und Experimente gewagt werden dürfen. Ein Schlüssel dafür ist die entsprechende Führung. Dadurch kann sich eine Unternehmenskultur etablieren, die innovatives Verhalten nicht nur kurzfristig bedient, sondern langfristig für Ideen, Weiter- und Neuentwicklungen sorgt. Doch was braucht es nun konkret, damit dieses innovative Verhalten entsteht und auch dauerhaft bleibt? Und wie können Gründer*innen von Anfang an genau diesen Rahmen schaffen?

Innovatives Verhalten dauerhaft verankern

Innovation wird häufig mit einem neuen Produkt oder einer neuen Dienstleistung gleichgesetzt. Doch ganz wenige machen sich Gedanken, wie der Weg dorthin verläuft: Was braucht es, um innovativ zu sein? Was ist notwendig, damit es nicht bei einer einzigen Idee bleibt, sondern sich daraus ein dauerhaftes innovatives Verhalten entwickelt, das den gesamten Unternehmensalltag prägt? Genau hier setzt der wissenschaftliche Begriff „Innovative Work Behavior“ an: Er beschreibt die Fähigkeit und Bereitschaft von Mitarbeiter*innen, aktiv neue Ideen einzubringen, Bestehendes zu hinterfragen und Lösungen jenseits ausgetretener Pfade zu entwickeln.

Dieses Verhalten ist in jedem Unternehmen wichtig. Besonders in Organisationen, die stark auf Innovation angewiesen sind, ist es überlebenswichtig. Häufig müssen sich diese Unternehmen neuen Herausforderungen stellen, sich schnell anpassen und mit knappen Ressourcen arbeiten. Ohne ein Team, das immer wieder bereit ist, kreativ zu denken und mutig zu handeln, bleibt Innovation nur ein Buzzword an der Bürowand oder im Slide-Deck.

Innovative Work Behavior zeigt sich zum Beispiel, wenn Teammitglieder proaktiv Verbesserungsvorschläge einbringen, für diese einstehen und sie auch selbst weiterentwickeln können. Es entsteht, wenn Menschen nicht nur mitdenken, sondern auch mitgestalten – und sich dabei sicher fühlen, auch mal eine ungewöhnliche und zunächst verrückt klingende Idee zu äußern.

Dieses Verhalten braucht Raum, Anerkennung und eine Kultur, die mehr belohnt als nur den reibungslosen Ablauf oder die perfekte, glänzende Endlösung. Denn genau diese kleinen, manchmal noch unfertigen Impulse sind oft die Samen für die nächste große Entwicklung.

Psychologische Sicherheit: Der unsichtbare Nährboden für mutiges Denken

Innovatives Verhalten ist eng damit verknüpft, ob sich Menschen sicher fühlen: Angst, Scham oder der Druck, „keine Fehler machen zu dürfen“, oder das Gefühl, sowieso nicht gehört zu werden, wirken wie lähmendes Gift. Das Konstrukt dahinter bezeichnen Forschende als psychologische Sicherheit: den unsichtbaren Nährboden für neue Ideen. Es ist das Gefühl, dass ich meine Meinung äußern darf, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen, dass ich Fragen stellen darf, auch wenn sie „dumm“ wirken, und dass ich Fehler machen darf und daraus lernen kann. In Teams, die psychologische Sicherheit erleben, trauen sich Menschen, unkonventionelle Gedanken auszusprechen, unbequeme Wahrheiten anzusprechen und Risiken einzugehen. Diese Räume wirken wie ein Experimentierfeld statt wie eine Fehlerfalle. Hier herrscht Offenheit für neue Ideen, Hinweise, kreative Gedankenblitze.

Die Leitung bzw. Führung eines Unternehmens spielt hier eine entscheidende Rolle: Sie bestimmt diese Kultur der Offenheit und des Vertrauens mit. Wer als Führungskraft selbst Fehler teilt, Unwissen eingesteht und aktiv nach Perspektiven fragt, öffnet die Tür für andere. Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch schöne Werte an der Wand, sondern durch wiederholtes, gelebtes Verhalten. Dabei geht es nicht immer nur um Fehler und das Lernen daraus, sondern auch um das wertschätzende Hinterfragen: Es braucht eine Umgebung, in der Fragen gestellt werden dürfen, auch wenn sie unbequem sind. Eine Umgebung, in der nicht nur glänzende Ergebnisse zählen, sondern auch die Geschichten dahinter – die Irrwege, das Ringen und die Zweifel. Psychologische Sicherheit ist damit kein netter Soft-Faktor, sie ist die unverzichtbare Basis für innovatives Verhalten.

Freiräume für Innovation schaffen

Gleichwohl eröffnen sich ganz viele praktische Möglichkeiten: in Meetings explizit Raum für offene Fragen einplanen, „unfertige“ Ideen ausdrücklich willkommen heißen, die eigenen Irrwege sowie Zweifel teilen und immer wieder deutlich machen: „Hier darf gedacht, ausprobiert und auch mal danebengegriffen werden.“ Denn nur dort, wo Menschen mutig sein dürfen, entsteht echtes, lebendiges Innovationsverhalten.

Genau diese Freiräume sind auch ein Ort, an dem innovatives Verhalten und schlussendlich Innovationen entstehen. Diese Freiräume sind kein Luxus, den man sich irgendwann einmal leisten kann – sie sind die Voraussetzung für lebendige Innovationskraft in jedem Unternehmen. Prominente Beispiele wie 3M oder Google zeigen eine Möglichkeit: Dort dürfen Mitarbeitende einen Teil ihrer Arbeitszeit (z.B. 15 bis 20 Prozent) für eigene Projekte und Ideen nutzen. Dabei werden Räume geschaffen, in denen nicht alles kontrolliert und überwacht wird, sondern Vertrauen die Grundlage ist und Mitarbeiter*innen Dinge jenseits der Kernaufgaben ihrer Rolle ausprobieren dürfen. Statt Perfektion zu fordern, geht es darum, iterative Lernzyklen zu ermöglichen: ausprobieren, reflektieren, neu gestalten.

Jede vermeintlich „falsche“ Abzweigung wird dabei nicht als Makel angesehen, sondern als ein Baustein auf dem Weg zur nächsten besseren Lösung. Führung, die so denkt, ermöglicht genau diese iterative Weiterentwicklung. Dafür gilt es, sich bewusst Zeit und Raum zu nehmen – auch für Dinge, die nicht sofort in einem messbaren Return-on-Invest münden. Schon etliche Ideen aus solchen Freiräumen sind in großartigen Produkten und Dienstleistungen gemündet, wie zum Beispiel Gmail bei Google.

Nicht jedes Unternehmen kann und möchte nun gleich 20 Prozent Freiraum für alle einräumen. Das muss auch nicht sein: Es gibt unterschiedliche Wege, Freiräume zu schaffen – etwa durch feste Innovationsblöcke, thematische Fokus-Tage oder flexible Zeitkontingente, die situativ eingesetzt werden können. Ein entscheidender Erfolgsfaktor bei all diesen Konzepten ist jedoch, dass diese Zeiten eine fest verankerte, wenn auch variable Struktur darstellen und nicht bei der ständig währenden „Ich-muss-noch-schnell-etwas-fertig-machen“-Welle weggespült werden. Denn hinter dieser Struktur steht die feste Verbindung in der Unternehmenskultur. Diese Zeiten werden damit Ausdruck einer tiefen Überzeugung in der Organisation: Ständige Weiterentwicklung und Neugier sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewollt und verankert. Sie werden aktiv wertgeschätzt und gefördert.

Somit wird klar: Innovation ist kein linearer Sprint, sondern ein wellenartiger Prozess, der auch strategisch unterstützt werden kann. Führung, die das versteht, wird zur Quelle nachhaltiger Energie und hält die Innovationskraft langfristig lebendig. Am Ende geht es darum, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können, dass Mitarbeitende Ideen einbringen und weiterentwickeln dürfen. Entscheidend dafür ist in einem beträchtlichen Maße die Haltung der Leitungsebene genau zu diesem Thema.

Die Autorin Katharina Lipok ist Teamentwicklerin, Leadership Coach und Lehrbeauftragte für Innovation Leadership.

Methoden und Didaktik im Führungstraining: Interessante Ansätze und spannende Fakten

Entdecken Sie spannende Ansätze und Fakten zu Methoden und Didaktik im Führungstraining.

Moderne Führungstrainings setzen auf eine neue Didaktik: wissenschaftlich fundiert, praxisnah und individuell. Statt Frontalunterricht dominieren heute interaktive Formate und maßgeschneiderte Lernpfade. Ziel ist es, Führungskompetenzen nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern im konkreten Handeln zu verankern – für bessere Führungsergebnisse und eine stärkere Mitarbeiterbindung.

Gerade in dynamischen Märkten wie Deutschland, wo Unternehmen wie Siemens, Bosch oder die Deutsche Telekom auf agile Strukturen setzen, gewinnt adaptives Lernen an Bedeutung. Blended Learning – die Kombination aus Präsenz- und Onlineformaten – bietet dabei maximale Flexibilität und berücksichtigt unterschiedliche Lerntypen.

Die folgenden Abschnitte zeigen, dass und wie erfolgreiche Führungstrainings Lernräume für Reflexion, Austausch und Feedback schaffen.

Maßgeschneiderte Führungskräfteseminare von flow

Gute Führung entscheidet über Motivation, Leistung und Wandel in Organisationen. Die maßgeschneiderten Führungskräfteseminare von flow sind praxisnah, wissenschaftlich fundiert und individuell auf Unternehmensziele abgestimmt.

Ob klassisches Seminar oder ganzheitliches Entwicklungsprogramm – Management- und Leadershipkompetenzen werden gezielt aufgebaut. Der Fokus liegt auf nachhaltigem Praxistransfer, klarer Rollenklärung und konkreten Alltagssituationen.

  • Das PowerPotentialProfile® unterstützt bei der fundierten Analyse von Stärken und Entwicklungsfeldern.
  • Persönlichkeitsentwicklung, Mindset-Arbeit und moderne Didaktik schaffen die Grundlage für wirksame Führung und starke Teams.

Dank eines erfahrenen Trainer-Teams und skalierbarer Programme lassen sich auch größere Entwicklungsmaßnahmen effizient umsetzen – national wie international.

Eine kostenlose Erstberatung bietet den idealen Einstieg in passgenaue Führungskräfteentwicklung.

Die Rolle der Didaktik in der Führungskräfteentwicklung: Was hat sich verändert?

Didaktik bezeichnet die gezielte Planung und Gestaltung von Lernprozessen – also, wie Wissen vermittelt und Kompetenzen aufgebaut werden. In der Entwicklung von Führungskräften bedeutet das, Lernformate so zu gestalten, dass sie Verhalten langfristig verändern.

Zentrale Elemente sind strukturierte Lernphasen: vom Wissenserwerb über die Anwendung bis hin zur Reflexion. Modelle wie das 70-20-10-Prinzip oder Kolbs Lernzyklus machen deutlich, wie wirkungsvolles Lernen gelingt – durch eine ausgewogene Kombination aus Erfahrung, Austausch und formaler Weiterbildung.

Entscheidend ist dabei die didaktische Kohärenz: Lernziele, Methoden und Evaluation greifen sinnvoll ineinander. Das schafft Klarheit, fördert Motivation und verbessert den Transfer in die Praxis. Empirische Studien belegen: Durchdachte Didaktik erhöht die Wirksamkeit von Trainings deutlich. Sie bildet damit die Grundlage für nachhaltige Führungskräfteentwicklung – praxisnah, fundiert und zukunftsorientiert und auch in Zeiten von Krisen.

Klassische und moderne Methoden im Vergleich: Ein „Besser“ oder „Schlechter“ gibt es nicht – oder doch?

Lange prägten klassische Formate wie Seminare und Vorträge die Weiterbildung. Sie eignen sich gut zur Vermittlung von Grundlagen, stoßen jedoch an Grenzen, wenn es um komplexe Handlungskompetenz geht.

Moderne Lernansätze setzen stärker auf Eigenverantwortung, Erfahrung und Kontext. Methoden wie Action Learning, Design Thinking oder Coaching fördern praxisnahes Lernen und kreative Problemlösung. Hybride Formate, die Theorie mit Anwendung verbinden, unterstützen einen wirksamen Lerntransfer – und steigern die Motivation.

Statt reiner Wissensvermittlung rücken Reflexion, Austausch und konkrete Anwendung in den Fokus. Simulationen, Fallstudien oder Peer-Learning schaffen Raum für gemeinsames Lernen und stärken soziale sowie kommunikative Kompetenzen.

Klassische Methoden, zum Beispiel auch rund um kritisches Hinterfragen, behalten ihren Wert – vorausgesetzt, sie sind didaktisch sinnvoll eingebettet. Entscheidend ist die Balance: Struktur und Flexibilität, Praxisnähe und Individualisierung. So entsteht ein Lernumfeld, das Führungskräfte befähigt, ihr Verhalten nachhaltig und authentisch weiterzuentwickeln.

Interaktive Lernformen und ihre Wirkung

Interaktive Lernformate wie Workshops, Planspiele oder Rollenspiele fördern aktives Mitdenken, Beteiligung und unmittelbares Feedback. Sie schaffen erfahrungsbasierte Lernräume, in denen neues Verhalten nicht nur verstanden, sondern auch erlebt und reflektiert wird.

Durch gemeinsame Aufgaben und Rückmeldungen entsteht ein vertieftes Verständnis für Führungsaufgaben. Simulationen – etwa von Konfliktgesprächen oder Entscheidungsprozessen – ermöglichen realitätsnahe Übungsszenarien, die Problemlösungsfähigkeit, Selbstreflexion und Teamverhalten stärken.

Wenn Teilnehmende eigene Erfahrungen einbringen, steigt nicht nur die Relevanz der Inhalte, sondern auch die Nachhaltigkeit des Lernens. Studien zeigen: Interaktive Formate aktivieren emotionale und kognitive Prozesse stärker als klassische Vermittlungsformate – mit spürbar höherer Motivation und langfristigerem Lernerfolg.

So entstehen lebendige Trainings, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern echte Veränderung ermöglichen – wirkungsvoll, praxisnah und passgenau für moderne Führungsanforderungen.

Was hat die Digitalisierung in Bezug auf das Führungskräftetraining verändert?

Digitale Lernformate haben die Entwicklung von Führungskräften grundlegend verändert. Sie ermöglichen orts- und zeitunabhängiges Lernen – individuell, skalierbar und anschlussfähig an den Arbeitsalltag.

Hybride Konzepte verbinden Online-Lernen mit Präsenzformaten und schaffen so eine optimale Balance aus Flexibilität und persönlichem Austausch. Virtuelle Klassenzimmer, Video-Coachings und digitale Tools fördern Interaktion und Reflexion, auch im digitalen Raum.

Learning-Analytics unterstützen die gezielte Steuerung individueller Lernpfade und machen Fortschritte sichtbar. Digitale Lernökosysteme schaffen kontinuierlichen Zugang zu Inhalten und fördern eigenverantwortliches Lernen im Flow.

Wichtig bleibt: Technologie ersetzt nicht den zwischenmenschlichen Kontakt. Entscheidend ist die didaktische Qualität … also wie Inhalte strukturiert, angewendet und reflektiert werden. Nur so entsteht ein digitales Lernumfeld, das Führung stärkt, Innovation unterstützt und nachhaltige Entwicklung ermöglicht.

Nach wie vor: Feedback und Reflexion als wichtige Lerninstrumente

Reflexion und Feedback sind essenziell für eine wirksame Führungskräfteentwicklung. Sie fördern Selbsterkenntnis, schaffen Orientierung und unterstützen den Transfer in den Arbeitsalltag.

Professionelles Feedback – etwa durch Peer-Coaching, kollegiale Beratung oder strukturierte Rückmeldeschleifen – macht Stärken sichtbar und zeigt Entwicklungspotenziale auf. Reflexionsphasen ermöglichen es, Erfahrungen gezielt zu analysieren und in Handlungsstrategien zu überführen.

Die Verknüpfung von Theorie und Praxis wird gestärkt, nachhaltiges Lernen gefördert. Modelle wie der Lernzyklus nach Kolb veranschaulichen, wie regelmäßige Reflexion Lernprozesse vertieft und den Kompetenzaufbau unterstützt. Besonders wirkungsvoll sind Lernformate, die Feedback nicht als Bewertung, sondern als Entwicklungschance begreifen. Entscheidend ist eine offene Lernkultur, in der Fragen erlaubt und Fehler Teil des Prozesses sind.

So entstehen Führungspersönlichkeiten, die sich selbst und andere wirksam weiterentwickeln können.

Auch wichtig: Die Teamdynamik und gruppenbezogene Lernprozesse

Lernprozesse in Gruppen fördern wichtige soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. In Führungstrainings spielt die Dynamik innerhalb von Teams eine zentrale Rolle, da Führung stets im Zusammenspiel mit anderen erfolgt.

Gemeinsame Übungen, Projektarbeiten und kollektive Reflexionen schaffen ein Umfeld, in dem Vertrauen wächst und offener Austausch möglich ist. Durch das gemeinsame Lösen von Problemen entstehen neue Perspektiven und kreative Lösungsansätze.

Gruppenlernen macht Lernprozesse sichtbar und unterstützt gegenseitige Hilfe. Studien zeigen, dass das gemeinsame Lernen Motivation und Behaltensleistung deutlich verbessert. Modelle wie das Phasenmodell der Gruppenentwicklung – Forming, Storming, Norming, Performing – veranschaulichen, wie sich Gruppen im Lernprozess entwickeln und welchen Einfluss das auf den Lernerfolg hat.

Eine teamorientierte Didaktik verbindet den Wissensaufbau mit sozialem Lernen und stärkt so nachhaltig Führungsfähigkeiten und den Erfolg von Führungsteams.

Kulturelle und emotionale Faktoren: Welche Rolle spielen sie im Lernprozess?

Kulturelle und emotionale Aspekte beeinflussen maßgeblich, wie Führungskräfte lernen und handeln.

  • Unterschiedliche Werte, Kommunikationsstile und Erwartungen formen Lernprozesse und erfordern eine bewusste Berücksichtigung kultureller Unterschiede, besonders in internationalen Trainings.
  • Gleichzeitig spielt emotionale Intelligenz eine zentrale Rolle. Sie umfasst die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle zu erkennen und zu steuern, fördert Empathie, Selbstwahrnehmung und den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen.
  • Didaktische Konzepte, die emotionale Faktoren integrieren, ermöglichen intensivere Lernerfahrungen. Studien belegen, dass emotionale Aktivierung die Gedächtnisleistung und Motivation steigert, da sie wichtige neuronale Netzwerke aktiviert.
  • Lernumgebungen, die Vertrauen, Offenheit und kulturelle Sensibilität fördern, also den bewussten Umgang mit verschiedenen Normen und Kommunikationsweisen, unterstützen die Entwicklung von Führungskompetenzen besonders effektiv.

So entsteht ein ganzheitliches Lernen, das kulturelle und emotionale Grenzen überwindet.

Wie wird sich das moderne Führungskräftetraining in Zukunft weiterentwickeln?

Die Führungskräftebildung der Zukunft wird geprägt von Personalisierung, technologischen Innovationen und einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Adaptive Lernsysteme, künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen ermöglichen individuell zugeschnittene Lernwege und fördern kontinuierliches Lernen.

Gleichzeitig gewinnt sinnorientierte Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung. Trainings zielen nicht nur auf den Kompetenzaufbau, sondern auch auf die Vermittlung von Werten ab.

Spielerische Elemente wie Gamification und virtuelle Realität erweitern die didaktischen Möglichkeiten und schaffen neue Lernerfahrungen. Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis fördern innovative Forschungsansätze und Pilotprojekte.

Zukunftsorientierte Führungstrainings verbinden digitale Innovationen mit der persönlichen Entwicklung der Lernenden. Dieser Wandel erfordert eine flexible Didaktik, die Lernen als lebenslangen Prozess begreift. So bleibt die Führungsausbildung ein wesentlicher Erfolgsfaktor moderner Organisationen und Ausdruck einer lebendigen, lernenden Unternehmenskultur.

Abschließendes: Darum ist es so wichtig, das Thema „Führungskräftetraining“ immer wieder anzugehen

Führungskräftetraining ist ein unverzichtbarer Bestandteil erfolgreicher Organisationsentwicklung. Die Anforderungen an Führungskräfte verändern sich stetig – durch technologische Innovationen, globale Vernetzung und neue Werteorientierungen. Um den komplexen Herausforderungen gerecht zu werden, braucht es kontinuierliche Weiterbildung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch praktische Kompetenzen fördert. Nur so können Führungskräfte flexibel und wirksam agieren.

Zudem sorgt regelmäßiges Training dafür, dass Führungskräfte ihre eigene Rolle reflektieren, ihre sozialen Fähigkeiten stärken und sich auf wechselnde Teams und Märkte einstellen. Führung ist immer auch Beziehungsarbeit, die eine kontinuierliche Entwicklung verlangt. Wer diesen Prozess vernachlässigt, riskiert nicht nur den Erfolg der Organisation, sondern auch die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden.

Deshalb ist es entscheidend, das Thema Führungskräftetraining immer wieder aufzugreifen und den Lernprozess als festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu verankern.

Das Einfamilienhaus: Investition in Unabhängigkeit und Lebensqualität

Das Einfamilienhaus bleibt ein Symbol für Freiheit, Stabilität und Individualität. Wie modernes Bauen neue Maßstäbe setzt.

Der Traum vom eigenen Haus ist nach wie vor lebendig. Gerade für Gründer*innen und unternehmerisch denkende Menschen steht das Einfamilienhaus sinnbildlich für Erfolg, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Doch ein Eigenheim ist heute weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf – es ist eine Investition in die eigene Zukunft und ein Ausdruck individueller Lebensentwürfe.

In einer Zeit, in der Werte wie Beständigkeit, Nachhaltigkeit und persönliche Freiheit an Bedeutung gewinnen, rückt das Einfamilienhaus als Lebens- und Arbeitsraum zunehmend in den Fokus.

Warum das eigene Haus mehr als nur ein Wohnraum ist

Ein Eigenheim bietet weitreichende Vorteile, die über das reine Wohnen hinausgehen:

  • Unabhängigkeit: Keine Mietsteigerungen, keine Abhängigkeit von Vermieter*innen.
  • Sicherheit: Eine Immobilie kann als wichtige Säule der Altersvorsorge dienen.
  • Individualität: Architektur, Ausstattung und Raumaufteilung lassen sich den eigenen Vorstellungen anpassen.
  • Wertsteigerung: Gerade in begehrten Lagen entwickeln sich Einfamilienhäuser oft positiv in ihrem Marktwert.
     

Nicht zuletzt schafft ein eigenes Haus Raum für Entfaltung – sei es für die Familie, für Hobbys oder für berufliche Aktivitäten im Homeoffice.

Moderne Anforderungen an das Einfamilienhaus

Der Anspruch an das Einfamilienhaus hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Heute zählen nicht nur Größe und Lage, sondern auch:

  • Energieeffizienz: Häuser sollen den Energieverbrauch minimieren und gleichzeitig den Wohnkomfort maximieren.
  • Nachhaltige Baustoffe: Umweltbewusstes Bauen rückt stärker in den Fokus.
  • Flexibilität: Grundrisse sollten an veränderte Lebensphasen anpassbar sein.
  • Technische Ausstattung: Smart-Home-Technologien gehören zunehmend zum Standard.
     

Wer heute baut oder kauft, achtet darauf, dass das Haus nicht nur den aktuellen Bedürfnissen entspricht, sondern auch zukünftige Anforderungen abdeckt.

Wege zum eigenen Einfamilienhaus: Planung und Umsetzung

Der Weg zum Einfamilienhaus beginnt mit einer gründlichen Planung. Wichtige Schritte sind:

1. Bedarfsanalyse: Wie viele Räume werden benötigt? Welche Flächen sind gewünscht? Welche Zukunftsszenarien sollen berücksichtigt werden?

2. Budgetplanung: Neben den Baukosten müssen Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notargebühren und Außenanlagen einkalkuliert werden.

3. Grundstückssuche: Lage, Größe, Erschließung und Umfeld sind entscheidende Faktoren für den späteren Wert und die Lebensqualität.

4. Partnerwahl: Ob Architekt*in, Bauträger oder Fertighausanbieter – die Wahl der richtigen Partner*innen beeinflusst Zeitplan, Qualität und Kosten erheblich.


Viele Bauinteressierte setzen dabei auf erfahrene Anbieter, die nicht nur Bauleistungen liefern, sondern auch Unterstützung bei der Finanzierung, Fördermittelberatung und Bauabwicklung bieten.

Zukunftsfähiges Bauen: Nachhaltigkeit, Technik, Individualität

Das Einfamilienhaus von heute muss mehr können als nur Schutz bieten. Gefragt sind zukunftssichere Konzepte, die ökologisches Bauen, moderne Technik und persönliche Wünsche in Einklang bringen.

Wichtige Trends:

  • Effizienzhaus-Standards: Wer heute baut, orientiert sich oft an Standards wie KfW-40 oder KfW-55, um von Förderprogrammen zu profitieren und Energiekosten dauerhaft zu senken.
  • Smart Home: Intelligente Heizungs-, Licht- und Sicherheitssysteme sorgen für Komfort und optimieren den Energieverbrauch.
  • Nachhaltige Materialien: Holz, Naturdämmstoffe und ressourcenschonende Bauweisen stehen hoch im Kurs.
  • Flexible Nutzungskonzepte: Häuser mit Homeoffice-Möglichkeiten, Einliegerwohnungen oder variablen Grundrissen passen sich wandelnden Lebenssituationen an.
     

Besonders zukunftsorientierte Anbieter kombinieren diese Trends zu Gesamtkonzepten, die sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte berücksichtigen.

Herausforderungen und Chancen

Natürlich bringt der Bau eines Einfamilienhauses auch Herausforderungen mit sich:

  • Baurechtliche Vorgaben können die Gestaltungsspielräume beeinflussen.
  • Baukosten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
  • Energie- und Klimaschutzauflagen erfordern vorausschauende Planung.
     

Doch die Chancen überwiegen: Wer sich intensiv vorbereitet, kluge Entscheidungen trifft und auf erfahrene Partner setzt, schafft Werte, die über Generationen Bestand haben können.

Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bietet ein selbstgenutztes Einfamilienhaus eine stabile Grundlage und eröffnet neue Möglichkeiten – von familiärer Geborgenheit bis hin zur flexiblen Nutzung als Arbeitsplatz.

Das Einfamilienhaus als Fundament für die Zukunft

Das Einfamilienhaus bleibt ein zeitloser Klassiker – und entwickelt sich gleichzeitig weiter. Es vereint individuelle Freiheit, wirtschaftliche Stabilität und nachhaltige Lebensqualität unter einem Dach.

Ob als Lebensmittelpunkt, Wertanlage oder Rückzugsort: Wer heute in ein eigenes Haus investiert, investiert in seine Unabhängigkeit und die Gestaltung der eigenen Zukunft.

Dabei geht es nicht nur um Quadratmeter und Grundrisse, sondern um ein Zuhause, das mit den eigenen Lebensplänen mitwächst. Ein Einfamilienhaus bietet die Möglichkeit, persönliche Werte wie Nachhaltigkeit, Komfort und Beständigkeit in konkrete Architektur zu übersetzen – und schafft damit einen Ort, an dem sich Wohnen, Arbeiten und Leben harmonisch verbinden lassen.

Schneller und innovativer denken – digitaler handeln

Hotspot Südostasien: Warum sich Gründer*innen und Start-ups im Handel stärker am südostasiatischen E-Commerce-Markt orientieren sollten.

Der E-Commerce befindet sich in einem rasanten Wandel – und nirgendwo wächst er derzeit so stark wie in Süd- und Nordasien. Dazu zählen dynamische Märkte wie Südkorea, Taiwan, Japan sowie die boomenden Wirtschaftsräume Südostasiens, darunter die Philippinen, Malaysia, Indonesien, Vietnam und Thailand. Während deutsche Start-ups oft noch auf klassische Handelsstrukturen setzen, hat sich diese Region zu einem globalen Wachstumsmotor entwickelt, in dem digitale und physische Vertriebskanäle nahtlos miteinander verschmelzen.

Für hiesige Gründer*innen und Start-ups eröffnet das enorme Chancen: Wer sich von den innovativen Geschäftsmodellen dieser Märkte inspirieren lässt, wird nicht nur im Wettbewerb besser mithalten, sondern kann selbst neue Maßstäbe setzen.

Ein Blick ins Innovationslabor

Südostasien steht exemplarisch für eine Region, in der besonders im Bereich Commerce Fortschritt und Anpassungsfähigkeit Hand in Hand gehen. Von Livestream-Commerce über die Integration von Finanzlösungen bis hin zur Nutzung von Super-Apps als Zahlungsmittel – die Region zeigt, wie Handel im digitalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Plattformen wie Shopee und Lazada setzen auf hochpersonalisierte Kund*innenerlebnisse und nutzen dabei künstliche Intelligenz (KI) und Big Data, um Echtzeit-Lösungen zu bieten.

Das wirtschaftliche Potenzial der Region ist beeindruckend: Laut einer Analyse von Statista wird der Umsatz im E-Commerce-Markt Südostasiens im Jahr 2024 auf etwa 108 Milliarden Euro geschätzt. Bis 2029 soll der Markt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 10,42 Prozent auf ein Volumen von rund 179,1 Milliarden Euro anwachsen. Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur das enorme Wachstum, sondern auch die Innovationskraft der Region. Die Philippinen und Vietnam gehören zu den Ländern mit den höchsten Online-Nutzungsraten der Welt.

Wichtige Trends aus Südostasien

Deutsche Gründer*innen können von diesem Pioniergeist lernen und ihre eigenen Ansätze radikal hinterfragen. Welche Trends entstehen in Südostasien, die auch hierzulande das Potenzial haben, traditionelle Ansätze zu transformieren?

Mobile First: Die Zukunft ist mobil

Einer der markantesten Pfeiler der südostasiatischen Märkte ist der konsequente Fokus auf mobile Technologien. Smartphones sind dort nicht nur Kommunikationsmittel, sondern zentrale Plattformen für Handel, Unterhaltung und Banking. Laut einer Studie von Meta und Bain tätigen Konsument*innen bereits einen Großteil der Online-Käufe über mobile Endgeräte. In Südostasien sind Apps wie TikTok Shop, auf denen Verkauf, Unterhaltung und soziale Interaktion miteinander verschmelzen, schon fest etabliert.

Hierzulande wird Social Media bislang primär als Marketingkanal genutzt – ein Ansatz, der überdacht werden sollte. Gründer*innen müssen digitale Strategien entwickeln, die soziale Plattformen als integrale Vertriebskanäle nutzen. Dies erfordert nicht nur technologische Anpassungen, sondern auch ein tiefes Verständnis dafür, wie sich Konsumverhalten im digitalen Raum entwickelt.

Super-Apps: Die Macht der Integration

Ein weiterer Trend in Südostasien sind Super-Apps wie Zalo, Grab und Gojek. Diese vereinen eine Vielzahl von Dienstleistungen – von Essenslieferungen über Mobilität bis hin zu Finanzdienstleistungen – in einer einzigen Plattform. Der Vorteil: Nutzer*innen bleiben länger innerhalb des Ökosystems, was die Kund*innenbindung stärkt und zusätzliche Einnahmequellen erschließt.

In Deutschland und Europa gibt es noch keine Super-App auf dem Markt, auch wenn viele FinTechs wie Revolut, Vivid oder Klarna daran arbeiten. Mit den Vorbildern aus Südost­asien sollten sich deutsche Start-ups häufiger die Frage stellen: Wie lassen sich verschiedene Angebote sinnvoll mit­einander verknüpfen?

Statt einzelne Produkte oder Dienstleistungen isoliert anzubieten, sollten sie umfassende Lösungen schaffen, die den Alltag der Kund*innen effizienter gestalten. Dieser Ansatz erfordert zwar oftmals eine strategische Neuausrichtung, bietet jedoch erhebliches Potenzial für Wachstum und Differenzierung.

Künstliche Intelligenz: Mehr als nur ein Buzzword

Auch wenn KI mittlerweile im deutschen Handel angekommen ist, verläuft die Umsetzung noch schleppend. Oftmals fehlt das Know-how, was mit KI überhaupt alles möglich ist und wie sie sich in die vorhandenen Prozesse integrieren lässt. Der südostasiatische Handel ist da schon einige Schritte voraus: Zum Beispiel nutzen Plattformen wie Shopee maschinelles Lernen, um Kaufentscheidungen in Echtzeit zu analysieren und personalisierte Empfehlungen auszusprechen. Dies verbessert nicht nur das Nutzer*innenerlebnis, sondern steigert auch die Conversion Rate und reduziert Retouren.

Für Gründer*innen ist dies ein klarer Appell, KI nicht nur als Werkzeug zur Effizienzsteigerung zu betrachten, sondern als Herzstück ihrer Geschäftsmodelle zu integrieren. Von der ­Logistik bis hin zur Kund*innenansprache bietet KI die Möglichkeit, Prozesse zu optimieren und gleichzeitig die Kund*innenzufriedenheit zu erhöhen. Da lohnt sich der Blick über den nationalen Tellerrand, um einfacher und vor allem schneller in die tatsächliche Nutzung zu kommen.

Online und Offline: Die Grenzen verschwimmen

Ein zentraler Erfolgsfaktor im südostasiatischen Handel ist die Fähigkeit, Online- und Offline-Kanäle auf kreative und einzigartige Weise miteinander zu verbinden. Besonders herausragend ist das Livestream-Shopping auf Plattformen wie Shopee oder Lazada, bei dem Produkte in Echtzeit vorgestellt und Kund*innen durch exklusive Angebote und Interaktion mit den Verkäufer*innen zum Kauf angeregt werden. Diese Kombination aus Unterhaltung und direkter Kaufmöglichkeit ist weit mehr als ein Trend – sie hat sich als fester Bestandteil des Shopping-Erlebnisses in der Region etabliert.

Auch innovative Ansätze im stationären Handel stechen hervor. So setzen Einzelhändler*innen in Städten wie Bangkok oder Jakarta auf Technologien wie interaktive QR-Codes, die detaillierte Produktinformationen, Bewertungen und Videos direkt auf das Smartphone der Kund*innen bringen.

Für Start-ups bietet die Verbindung von digitalem und physischem Handel somit immense Chancen, insbesondere durch den Einsatz technologiegetriebener Lösungen. Entscheidend ist, dass Unternehmen ein durchgängiges, kanalübergreifendes Erlebnis schaffen, das Kund*innenbedürfnisse und Bequemlichkeit in den Mittelpunkt stellt – sei es online, vor Ort oder mithilfe hybrider Modelle.

Fazit: Lernen von den Besten

Südostasien zeigt eindrucksvoll, wie Innovation und Anpassungsfähigkeit den E-Commerce der Zukunft gestalten. Deutsche Gründer*innen und Start-ups haben die Chance, von diesen Modellen zu profitieren, indem sie mutig neue Wege gehen und traditionelle Ansätze hinterfragen. Sei es durch Mobile-first-Strategien, die Integration von KI oder die Schaffung ganzheitlicher Ökosysteme – der Blick über den Tellerrand lohnt sich.

Der Autor Alexander Friedhoff ist Gründer und CEO von etaily, einer 2020 gegründeten Plattform, die internationale Marken mit Konsument*innen in Südostasien durch Markenmanagement, digitales Marketing und Vertrieb verbindet.

Unternehmensbewertung: Der Zweck bestimmt den Wert

Das Thema Unternehmensbewertung wird spätestens dann für Gründer*innen relevant, wenn eine Finanzierungsrunde oder ein möglicher Verkauf des Unternehmens geplant wird. Dass es bei der Bewertung gravierende Unterschiede gibt, je nachdem, welchen Zweck die Eigentümer*innen verfolgen und wie sie ihr Unternehmen positionieren, ist längst nicht allen bewusst. Diese Details sollten Start-ups für ihre strategischen Überlegungen kennen.

Das Wichtigste zuerst: Kapitalerhöhungen sind keine (Anteils-)Verkäufe

Der essenzielle Unterschied zwischen der Bewertung bei Start-up-Finanzierungsrunden und Unternehmensverkäufen ist mit einer Analogie einfach zu erklären: Man stelle sich dazu ein Schiff (stellvertretend für ein Unternehmen) und einen Kapitän (stellvertretend für den Gründer oder die Gründerin) vor.

Finanzierungsrunde

Bei einer Start-up-Finanzierungsrunde handelt es sich strukturell um eine Kapitalerhöhung: Das heißt, das frische Kapital fließt in das Unternehmen, nicht an die Gründer*innen. Um nun innerhalb der Analogie zu bleiben: Der Kapitän geht auf Investor*innen zu und bietet diesen an, seine nächste große Handelsreise mit frischem Kapital zu finanzieren. Im Gegenzug dafür erhalten die Investor*innen zirka 20 Prozent der Anteile am Schiff samt aller Gewinne, die er durch den Handel der Waren auf allen zukünftigen Reisen erzielt. Das frische Kapital steht nun für die Finanzierung der Handelsreise, nicht jedoch für den privaten Gebrauch zur Verfügung. Die Zukunft des Schiffs liegt weiterhin in den Händen des Kapitäns, der nun durch die Investor*innen überwacht wird und ihnen regelmäßig Bericht erstatten muss.

Unternehmensverkauf

Bei einem Unternehmensverkauf handelt es sich strukturell um einen Anteils- oder unter Umständen auch Asset-Verkauf: Das heißt, das Geld fließt an die Eigentümer*innen, nicht an das Unternehmen. Um erneut unser maritimes Bild zu bemühen: Der Kapitän geht auf mögliche Käufer*innen zu und bietet diesen an, sein Schiff, seine Reisetagebücher, die über die Zeit entstandenen Karten und Aufzeichnungen sowie bestehende Handelsbeziehungen vollständig zu übernehmen. Dazu können die Käufer*innen auch die Crew übernehmen, wobei keine Garantie besteht, dass die Crew auch wirklich erneut an Bord gehen möchte. Das Kapital fließt in Form des Kaufpreises an den Kapitän, nicht aber in die nächsten Handelsreisen. Diese müssen die Käufer*innen selbst finanzieren. Die Zukunft des Schiffs liegt nun in den Händen der Käufer*innen, die damit tun und lassen können, was sie möchten, gleichzeitig aber auch alle Risiken tragen.

Anhand dieses kurzen Beispiels wird klar: Die Ausgangsbasis für die Bewertung bei Start-up-Finanzierungsrunden und Unternehmensverkäufen ist eine fundamental andere: Ob VC-Investor*innen zu 20 Prozent in einen „Kapitän mit Schiff“ investieren oder ob Käufer*innen ein „vollständiges Schiff ohne Kapitän“ kaufen, hat dementsprechend auch große Auswirkungen auf die Herleitung und Höhe der Bewertung.

Welche Faktoren haben Einfluss auf die Unternehmensbewertung?

Das Gründungsteam muss für mehrere Jahre incentiviert werden, die volle Energie in den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens mit Unicorn-Potenzial zu investieren. Ist die voraussichtliche Beteiligung am Exit-Erlös – gemessen am Arbeitsaufwand pro Kopf – zu gering, hat das Gründungsteam zu hohe Opportunitätskosten. Die Beteiligungsquote wird über die Pre-Money-Bewertung – also die Bewertung des Unternehmens vor der Finanzierung – und über die Beteiligungshöhe gesteuert.

Da diese meist dem geschätzten Kapitalbedarf für die nächsten 18 bis 24 Monate entspricht, kann nur eine verhältnismäßig hohe Pre-Money-Bewertung garantieren, dass das Gründungsteam – auch über mehrere aufeinander folgende Finanzierungsrunden – eine ausreichend hohe Beteiligungsquote behält und incentiviert bleibt, die Bewertung des Unternehmens bis zum Exit zu maximieren. Mitunter ist das einer der Gründe, warum Frühphasen-VC-Fonds unvorteilhaft strukturierte Cap Tables (meist ein in Tabellenform aufbereitetes Steuerungsinstrument zur Planung von Finanzierungsrunden bis hin zum Exit) von vornherein ablehnen. Um sich zusätzlich abzusichern, bestehen viele VC-Fonds zusätzlich auf ein Vesting (darin wird u.a. geregelt, was mit den Anteilen eines/einer Gründer*in geschieht, sobald er/sie das Start-up verlässt) der Anteile über einen festgelegten Zeitraum.

Die Investor*innen haben bei ihrer Investition keine operative Verantwortung. Diese liegt beim Gründungsteam, das für alle Beteiligten die Renditen über die nächsten Jahre erzielen soll und dafür (im Vergleich zum Unternehmensverkauf) mithilfe der höheren Bewertung kompensiert werden kann. Deshalb spielt im VC-Finanzierungszyklus eines Unternehmens auch die Signalwirkung einer hohen Bewertung eine wichtige Rolle. Ein maßgebliches Ziel für Frühphasen-Investor*innen ist die Gewinnung weiterer Investor*innen, die den Großteil des bis zum Exit benötigten Kapitals einbringen. Eine gute Bewertung professioneller Investor*innen zu einem frühen Zeitpunkt ist somit ein positives Signal an andere professionelle Investor*innen und erhöht die Chancen, dass ein Unternehmen erfolgreich bis zum Exit durchfinanziert werden kann.

Betrachtet man das auf Outlier (Ausreißererkennung) ausgerichtete Investitionsverhalten von VC-Fonds, ist eine niedrige Einstiegsbewertung viel weniger wichtig, als bei den richtigen Investments an Bord gewesen zu sein. Dieser Umstand führt zu mehr Akzeptanz bei den Investor*innen bezüglich höherer Bewertungen. Trotzdem müssen Unternehmer*innen weiter zwischen den sehr unterschiedlichen Vorhaben Unternehmensverkauf und Finanzierung differenzieren, um das Unternehmen angemessen bewerten zu können.

Warum werden Unternehmensverkäufe anders bewertet als Finanzierungsrunden?

Viele Eigentümer*innen etablierter Unternehmen halten die hohen Bewertungsniveaus bei Start-up-Finanzierungsrunden für nicht gerechtfertigt, wenn nicht sogar absurd. Dennoch geben sie sich oft der Versuchung hin, die hohen Bewertungen der „noch jungen, unausgereiften Unternehmen“ bei Finanzierungsrunden auf den Verkauf ihres profitablen, etablierten Unternehmens zu übertragen. Schließlich hat das eigene Unternehmen ja zu Teilen bereits erreicht, wovon das junge Start-up noch träumt. Dies führt in der Praxis dazu, dass viele Eigentümer*innen Bewertungsmultiples von „3-5x Umsatz“ – die durchaus bei Finanzierungsrunden vorkommen – auf ihr eigenes Unternehmen anwenden und mit unrealistischen Erwartungen in den Verkaufsprozess starten.

Beim Blick auf vergleichbare Unternehmenstransaktionen folgt dann die Ernüchterung, wenn statt „3-5x Umsatz“ eher „6-8x EBIT“ (das operative Ergebnis des Unternehmens) im Markt gezahlt werden. Der entscheidende Fehler liegt darin, dass Verkäufer*innen hier die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen vergleichen: Die Bewertungslogik eines Unternehmensverkaufs unterscheidet sich nun mal erheblich von der oben bereits skizzierten Bewertungslogik einer Kapitalerhöhung im Rahmen einer Finanzierungsrunde. Die Unterschiede liegen vor allem in den folgenden drei Punkten:

  • Bei einem Unternehmensverkauf übernehmen die Käufer*innen üblicherweise die (deutliche) Mehrheit am Unternehmen. Damit liegt auch das operative Risiko der zukünftigen Unternehmensführung grundsätzlich bei den Käufer*innen. Viele Käufer*innen versuchen zudem, die Alteigentümer*innen von Unternehmen noch mindestens für 6 bis 24 Monate nach Verkauf an das Unternehmen zu binden, um einen erfolgreichen Übergang an eine neue Geschäftsführung zu gewährleisten. Dazu dienen mitunter auch Earn-Out-Strukturen, bei denen die Alteigentümer*innen teilweise erst bei Erreichung gewisser Meilensteine unter den neuen Eigentümer*innen (zum Beispiel Umsatz- und Ergebnissteigerungen) vollständig vergütet werden.
  • Des Weiteren spielt der Verkaufsgrund eine maßgebliche Rolle. Die Frage, die allen Käufer*innen, oft auch direkt beim ersten Gespräch mit den Alteigentümer*innen, auf der Zunge brennt: Wenn Ihr Unternehmen so attraktiv ist, wie Sie sagen, wieso verkaufen Sie dann jetzt? Auch wenn es einige gute Gründe für Unternehmensverkäufe gibt, besteht meist nicht dasselbe Alignment (strategische Ausrichtung) zwischen beiden Parteien wie bei einer Finanzierungsrunde bzw. Kapitalerhöhung. Entsprechend skeptisch und vorsichtig agieren Käufer*innen – was sich zwangsläufig in niedrigeren Bewertungsniveaus äußert.
  • Die Steigerungspotenziale in der Bewertung sind weniger stark ausgeprägt als bei Finanzierungsrunden: Während bei einem VC-finanzierten Start-up im Laufe der Zeit immer höhere Bewertungen im Zuge der folgenden Finanzierungsrunden erwartet werden, gestaltet sich das Steigerungspotenzial der Bewertung für Unternehmenskäufer*innen weniger kalkulierbar.

Fazit

Eigentümer*innen können im Verkaufsprozess einige Maßnahmen treffen, um die eigene Unternehmensbewertung zu optimieren. Hauptsächlich erreichen die Verkäufer*innen ihr Ziel, indem sie frühzeitig mit einer gesunden Erwartungshaltung in den Verkauf starten und dann die notwendigen Weichen stellen. Dazu lohnt es sich, saubere Controlling-Strukturen zu definieren, Wachstumspotenziale zu quantifizieren und SOPs (Standard Operating Procedures in Form eines Leitfadens) vorzubereiten.

Zu guter Letzt sollten Eigentümer*innen über qualifizierte M&A-Berater*innen gezielt potenzielle Käufer*innen mit hohem Synergiepotenzial ansprechen. So rückt die Vision eines erfolgreichen Unternehmensverkaufs zu einer attraktiven Bewertung in greifbare Nähe.

Der Autor Peter Nadolinski ist Gründer und Managing Partner bei Venture Advisory Partners und berät Wachstumsunternehmen bei der Finanzierung und erfolgreichen Umsetzung ihres Unternehmensverkaufs.