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Fünf Newcomer, die mit ihren Innovationen rund um IoT, E-Mobility und KI das Zeug zu digitalen Start-up-Helden haben.

Multimedia“, „Mit Multimedia erfolgreich starten“, „IKT innovativ“ – der „Gründerwettbewerb Digitale Innovationen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hatte in seiner 21-jährigen Geschichte schon viele Namen. Gleich geblieben ist über die Jahre das Prinzip, innovative Geschäftsideen auszuzeichnen, die sich die aktuellen technologischen Möglichkeiten zunutze machen. Stellvertretend für alle Gewinner des Wettbewerbs stellen wir fünf ambitionierte, junge Start-ups und ihre wegweisenden digitalen Ideen vor.

remberg

David Hahn hat im letzten Jahr gemeinsam mit Cecil Wöbker, Hagen Schmidtchen und Julian Madrzak remberg gegründet und eine Hardware entwickelt, mit der Industrieanlagen aufgerüstet und in Industrie 4.0-Infrastrukturen integriert werden können. Das Kernprodukt des Start-ups ist die Software, die als Product-Relationship-Management (PRM) System für die Equipment-Hersteller dient. Die Software sammelt alle relevanten Daten der Produkte beim Endkunden und verwandelt diese Daten in sinnvolle, nutzbare Informationen. So kann remberg einem seiner Kunden, einem 3D-Drucker-Hersteller, automatisiert vorhersagen, wann der Vorrat an Verbrauchsmaterial seines 3D-Druckers beim Endkunden einen kritischen Stand erreicht haben wird. Der Hersteller kann so proaktiv handeln und dem Kunden Material zum Nachfüllen schicken, noch bevor das alte verbraucht ist.

Mittlerweile hat remberg acht Mitarbeiter und arbeitet daran, das PRM-System in Richtung Predictive Customer Service weiterzuentwickeln. Diese Funktion sorgt dafür, dass der Equipment-Hersteller den Wunsch des Endkunden bereits erfüllen kann, bevor dieser den Wunsch überhaupt kennt. Dafür verwendet das Start-up KI-basierte Algorithmen, die das Verhalten der Anlage mithilfe von Maschinen- bzw. Sensordaten lernen. Darüber hinaus soll das PRM-System stetig weiterentwickelt werden. Gründer David Hahn denkt dabei vor allem an seine Kunden: „Unser Ziel ist es, Equipment-Herstellern zu helfen, IoT-datengetrieben mehr aus ihren Produkten herauszuholen: eine stärkere Kundenbindung und die Realisierung von höheren Margen.“

Smart FC arbeitet u.a. an einer neuartigen Drohnentechnologie, die Betriebsdauer und Nutzlast der Fluggeräte maximieren wird

Smart FC

Eine Software für die präzise Steuerung von Drohnen hat das Berliner Start-up Smart FC entwickelt. Bislang erhältliche Lösungen waren wenig nutzerfreundlich, da sie eine tiefgreifende Einarbeitung in die Programmierung der Flugregelung voraussetzten. Außerdem basierten sie häufig auf vereinfachten Annahmen, sodass die Flugregelung nicht auf das einzelne Fluggerät maßgeschneidert werden konnte.

Der Smart FC-Konfigurator Smart FC(R) ist auch von Laien zu bedienen. Zunächst werden die Spezifika der Drohne, etwa Größe, Gewicht und Spannweite, eingegeben. Der Konfigurator erstellt dann einen passenden Flugregler. Mithilfe des Reglers kann die Drohne präzise gesteuert werden. Durch die genaue Auslegung auf das einzelne Fluggerät lassen sich Störungen, etwa durch Wind, leichter ausgleichen. Falls die Verbindung zwischen Software und Drohne abbricht, landet die Drohne selbständig. Von der Smart FC-Software, die als Software as a Service (SaaS) erhältlich sein wird, profitieren Drohnenentwicklungsteams im akademischen und kommerziellen Bereich.

Die drei Gründer, Daniel Cracau, Alexander Köthe und Santosh Dhirwani haben ihr Unternehmen aus der TU Berlin ausgegründet und werden momentan zwar noch nicht durch Mitarbeiter, aber doch durch Kollegen und Studierende der TU unterstützt. Auf ihrem Software-Erfolg ruhen sich die drei auch keineswegs aus: Momentan arbeiten sie an ihrem eigenen Fluggerät, einer Drohne, die sich durch überlegene Leistungen im Bereich Betriebsdauer und Nutzlast auszeichnen wird. Die neuartige Drohnentechnologie des Start-ups basiert auf an den Flügeln gekoppelten Flugzeugmodulen.

Regiothek

Ebenfalls etwas erleichtern möchte das Start-up Regiothek, nämlich die Nachverfolgung von regionalen Lebensmitteln. Verbraucher sollen in die Lage versetzt werden, die Herkunft ihrer Lebensmittel auf einfache und verständliche Art nachvollziehen zu können. Dafür müssen sie nur die Website der Regiothek besuchen, die Informationen sind online abrufbar. Das Alleinstellungsmerkmal der Regiothek als B2B2C-Plattform liegt in der geografischen Visualisierung von Lieferketten über mehrere Verarbeitungsetappen hinweg.

Sich selbst sieht das Start-up als das wichtigste Online-Kommunikationsinstrument der Zukunft für kleine Betriebe der Lebensmittelbranche. „Die Plattform schafft Transparenz zwischen Anbietern und Kunden. Ebenso benötigen vor allem kleine und mittlere Betriebe aus der Lebensmittelwirtschaft eine Plattform, auf der sie sich präsentieren können, ohne dabei von den übermäßigen Möglichkeiten des Online-Marketings überfordert zu werden,“ erläutert Gründer Simon Nestmeier die Idee hinter der Regiothek.

Einen Mitarbeiter und eine Praktikantin konnten die vier Gründer Anton Kohlbauer, Simon Nestmeier, Bastian Kühnel und Alex- ander Treml bereits einstellen. Das Unternehmen gibt es seit Herbst 2018. Simon Nestmeier sieht viel Potenzial zur Weiterentwicklung: „Wie die aktuelle Version der Regiothek bereits andeutet, entwickeln wir eine Plattform, die sich durch Micro-Targeting-Algorithmen und die Einbindung von Usern immer mehr zu einem Sozialen Netzwerk für gutes Essen entwickeln soll. Insgesamt setzen wir auf die Cross-Channel-Strategie: Online-Information und Offline-Konsum.“ Bisher ist die Regiothek lediglich in der Pilotregion Passau etabliert. Durch Kooperationen mit anderen Start-ups – national wie international aufgestellt – und Regionalvermarktungsinitiativen soll das Geschäftsmodell jedoch weiter skaliert werden, auch außerhalb Bayerns.

HydroNeo entwickelt ein Smart-Farm-Management für die weltweite Garnelenzucht , das die Produktion mit KI und IoT-Technologie automatisiert und optimiert

HydroNeo

Auf der Zielgeraden für den Product Launch in Asien befindet sich das Start-up HydroNeo. Das Unternehmen entwickelt ein umfassendes Smart-Farm-Managementsystem für Garnelenzuchten. Dabei wird die Infrastruktur bereits bestehender Aquakulturen um Komponenten aus dem Bereich des Internet of Things (IoT) erweitert. „Unser Produkt ist die maßgeschneiderte Lösung für die offenen Teichanlagen, in denen vor allem in Südostasien und Südamerika jährlich Garnelen im Wert von 22 Milliarden Euro produziert werden“, so Gründer Fabian Reusch. Vernetzung ist dabei das Zauberwort.

Das von HydroNeo entwickelte System reagiert automatisiert auf Schwankungen in der Wasserqualität – die in Echtzeit von Sensoren erkannt werden – und gleicht diese aus. Dadurch werden die Garnelen weniger Stress ausgesetzt, sie sind gesünder und es müssen weniger Medikamente und Antibiotika eingesetzt werden. „Zusätzlich automatisieren und optimieren unsere intelligenten, cloud-basierten Algorithmen die zwei größten Kostenblöcke einer Farm: den Einsatz der energieintensiven Belüftungsmotoren sowie die Fütterung“, führt Reusch aus. Dadurch können bedeutende Einsparungen erzielt werden, was die wirtschaftliche Effizienz der Farm erheblich erhöht. HydroNeo wurde im Jahr 2018 gegründet und hat seinen Firmensitz in Kassel. Es ist viel passiert im letzten Jahr: Das Gründerteam, dem neben Fabian Reusch noch Dr. Werapol Bejranonda, und Dominique Dymke angehören, konnte mittlerweile fünf Mitarbeiter einstellen.

ChargeX

Wie kommen Waren und Güter in der Zukunft zum Kunden, wie werden wir uns fortbewegen? Eine praxistaugliche Antwort auf diese Frage scheint Elektromobilität zu sein. Doch noch hakt es beim Durchbruch der E-Antriebe und auf viele Herausforderungen – allen voran das komfortable Laden – muss noch eine Antwort gefunden werden. An letzterem arbeitet das Start-up ChargeX. „Wir haben eine klare Vision: eine elektrische Zukunft für alle ermöglichen“, so Co-Gründer Michael Masnitza.

Die Idee: Das Laden über einen längeren Zeitraum (zu Hause und beim Arbeitgeber) kosteneffizienter zu gestalten. Dafür hat das Unternehmen eine intelligente Mehrfachsteckdose entwickelt, über die die Fahrzeuge zeitversetzt und mit geringer Anschlussleistung aufgeladen werden. Nur das Startmodul muss an das Stromnetz angeschlossen werden. Bis zu acht weitere Ladepunkte können per Plug&Play, also mit einem einfachen Verbindungsstecker, dazugeschaltet werden.

Es wird stets nur ein Fahrzeug mit voller Leistung geladen. Damit bei diesem sog. sequentiellen Lastmanagement am Ende dennoch alle Autos aufgeladen sind, berücksichtigt ChargeX das Mobilitätsverhalten der Fahrer: Wann fahren sie ab, wie weit wollen sie fahren und wie ist der Ladezustand des Fahrzeugs? Diese Informationen werden entweder aus der Ladehistorie abgelesen oder aber vom Nutzer via Chatbot direkt an ChargeX übermittelt.

Die ChargeX-Gründer, Michael Masnitza, Tobias Wagner und Johannes Engeln, wollen nach der erfolgreichen Prototypenphase nun die erste Kleinserie produzieren und erste Kundenprojekte umsetzen. „Die nächste, skalierbare Version soll dann zusammen mit strategischen Vertriebspartnern auch international ausgerollt werden“, erläutert Michael Masnitza. Das bringt auch personelle Herausforderungen: Das aktuell siebenköpfige Team soll schon bald auf zehn Personen anwachsen. Mehr über das ambitionierte ChargeX-Team und dessen weiteren Pläne lest ihr in unserer Rubrik Gründer-der-Woche.

Das Team von ChargeX hat einen intelligenten Mehrfachstecker für E-Ladestationen entwickelt, wodurch bis zu neun Fahrzeuge gleichzeitig ohne Einschränkungen geladen werden können

Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen

Der „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ ist ein Ideenwettbewerb, ausgerichtet vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Jährlich finden zwei Wettbewerbsrunden statt. Bei den beiden Preisverleihungen werden jeweils bis zu sechs Gründungsideen mit Hauptpreisen von je 32.000 Euro ausgezeichnet. Darüber hinaus erhalten bis zu fünfzehn weitere Gründungsideen je 7000 Euro. Der thematisch wechselnde Sonderpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine schriftliche Einschätzung ihrer Gründungsidee hinsichtlich ihrer Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. Die aktuelle Wettbewerbsrunde endet am 1. April 2019.

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