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Der digitale Produktpass: fünf Erfolgsfaktoren für Unternehmen
Die verpflichtende Vorgabe für digitale Produktpässe (DPPs) lässt nicht mehr lange auf sich warten. Jetzt gilt es, proaktiv eine Datenstrategie zu entwerfen, um die die nahtlose Erfassung, Verwaltung und gemeinsame Nutzung von Daten zu erleichtern.
Erste Marken machen es vor: Ein Jeanshersteller wirbt mit dem Versprechen einer lebenslangen, kostenlosen Reparatur für jede verkaufte Jeans. Hierfür macht das Unternehmen den gesamten Herstellungs-, Transport- und Lagerprozess transparent: Woher stammt der Rohstoff, wer spinnt, webt und färbt den Stoff, woher kommen die Knöpfe und Nieten, wo wird gefertigt und verpackt, und wer liefert und lagert die fertigen Produkte. Ziel ist es, immer die passenden Teile für eine Reparatur zu haben und den Produktionsprozess nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten offen zu legen.
Ein anderer Anbieter experimentiert mit einer kreislauffähigen Modekollektion und hat den digitalen Produktpass in Form eines NFC-Tags in jedes Kleidungsstück eingenäht. Dieser Speicherchip soll alle wichtigen Informationen über Material, Produktion und den richtigen Rückgabekanal enthalten, so dass seine Bestandteile später genau identifiziert werden können.
Ob Lieferkette oder Produkthaftung: Es ist zeitlich absehbar, dass für Hersteller immer mehr Vorschriften über erweiterte Informationspflichten, längere Haftungszeiten und die Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten entstehen.
Die Voraussetzung für die Nachverfolgbarkeit all dieser Daten ist ein zentrales Datenmanagementsystem. Dies aufzubauen, kostet Zeit. Firmen sollten jetzt damit anfangen.
Hintergrundinformationen zum DPP
Der digitale Produktpass (DPP) ist eine dieser Gesetzesinitiativen. Er wurde mit der neuen EU-Verordnung über Ökodesign für nachhaltige Produkte (ESPR) eingeführt und dient als Instrument zur Verbesserung der Transparenz und Förderung der Kreislaufwirtschaft. Ihr Ziel besteht darin, Abfälle zu minimieren und die Ressourcen durch Förderung von Nachhaltigkeit und Wiederverwendung optimal zu nutzen. Diese Vorteile entstehen durch den Austausch umfassender Produktinformationen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Der DPP fördert die Reparatur und das Recycling von Produkten und zeigt die Umweltauswirkungen während des Lebenszyklus. Ein weiteres Ziel besteht darin, nachhaltige und wiederverwendbare Produkte als Standard auf dem EU-Markt zu etablieren.
Diese neue Methode der digitalen Aufzeichnung und des Austauschs von Produktinformationen in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeitsfaktoren erfordert ein Umdenken von international agierenden Unternehmen, die Produkte in der EU verkaufen. Künftig müssen sie digitale Produktpässe in ihren übergreifenden Rahmen für Umwelt, Soziales und Governance (ESG) integrieren.
Dabei sollten sie die folgenden fünf wichtigen Erkenntnisse für einen effektiven Umgang mit den Produktpässen berücksichtigen.
1. Um was es sich beim DPP handelt
Der digitale Produktpass dient als dynamisches digitales Dossier, das den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – einschließlich Konzeption, Design, Herstellung und Vertrieb – erfasst und in Form eines „digitalen Zwillings“ zugänglich macht. Er fungiert als digitale Methode zur Aufzeichnung und Weitergabe umfassender Informationen über ein Produkt und seine Bestandteile. Das fördert die Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette.
Als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft liefern DPPs entscheidende Details über die ökologische Nachhaltigkeit von Produkten. Sie versorgen Interessengruppen wie Regulierungsbehörden und Verbraucher mit Informationen über Reparatur, Recycling, Berichterstattung, Produktnutzung und -auswirkungen. Der digitale Produktpass erfordert eine eindeutige Produktkennung, Firmen können jedoch auch bestehende Technologien wie Barcodes, QR-Codes, RFID-Tags oder etwas Ähnliches verwenden.
Scannt ein Verbraucher beispielsweise einen QR-Code auf dem Etikett eines Smartphones, wird er sofort weitergeleitet und mit dem entsprechenden DPP verbunden. Dieser Pass enthält umfassende Informationen zu den Nachhaltigkeitsmerkmalen des Produkts (Beschaffung, Materialzusammensetzung, Herstellungsverfahren, Reparatur- und Demontagemöglichkeiten sowie Recycling-Richtlinien).
2. Worauf der DPP abzielt
Das DPP soll sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen dabei helfen, beim Kauf von Produkten gut informierte Entscheidungen zu treffen. Außerdem soll er die Prozesse im Zusammenhang mit Reparaturen und Recycling rationalisieren und tiefere Einblicke in die Umweltauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts ermöglichen.
Darüber hinaus soll der Produktpass die Behörden bei der Durchführung wirksamerer Prüfungen und Kontrollen unterstützen, indem er zuverlässige Informationen in Echtzeit liefert.
3. Wer sich für den DPP interessieren sollte
Für Unternehmen, die beispielsweise Textilien, Elektronik, Bauprodukte oder Batterien herstellen und diese in der EU verkaufen, spielt der DPP eine wichtige Rolle. Die für die ESPR vorgeschlagenen Regeln gelten für alle Produkte in der EU – unabhängig davon, wo sie hergestellt werden. Lediglich für einige wenige Branchen (etwa Lebensmittel, Futtermittel oder medizinische Produkte) gelten andere Vorschriften.
Der DPP soll für etwa 30 Kategorien gelten und voraussichtlich ab 2026 eingeführt werden, der Starttermin hängt von der endgültigen Genehmigung ab. Als erste betroffene Produktkategorie kommen dann Batterien an die Reihe, kurz danach werden auch Bekleidung und Unterhaltungselektronik den Vorschriften entsprechen müssen.
4. Was der DPP für Unternehmen bedeutet
Die Umsetzung des Produktpasses erfordert die Erfassung, Verwaltung und Weitergabe relevanter Informationen wie Produktdaten und Lieferkettendetails. Im Rahmen des DPP wurden verschiedene Anforderungen festgelegt, darunter Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Aufrüstbarkeit und Reparierbarkeit. Auch Stoffe, die sich auf die Kreislaufwirtschaft auswirken, spielen eine Rolle, ebenso wie Energie- und Ressourceneffizienz, Recycling und der Umweltfußabdruck. Die Art der erfassten Informationen hängt vom Produkt ab. So enthält der DPP für Unterhaltungselektronik ausführliche Informationen über Materialien, Reparaturen und Recyclingdaten, während der DPP für Verpackungen den Prozentsatz an recyceltem Material hervorhebt, aber keine Reparaturinformationen beinhaltet.
Zu den Hauptbestandteilen eines DPP zählt die Produktidentität und -historie: Eindeutige Identifikatoren ermöglichen es den Beteiligten, das Produkt bis zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen. Diese Funktion hilft bei der Bekämpfung von Produktfälschungen. Auch die Transparenz der Lieferkette gilt als wichtiger Baustein: Die Echtzeitverfolgung dokumentiert die Reise durch die gesamte Lieferkette.
Diese Transparenz ermöglicht es, Ineffizienzen zu erkennen, Risiken zu verringern und die Einhaltung ethischer und ökologischer Standards zu gewährleisten. Last, but not least erfasst ein DPP auch noch den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Diese Fülle an Informationen ermöglicht es den Verantwortlichen, fundierte Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu optimieren und die Produktqualität insgesamt zu verbessern.
5. Die Rolle von Stammdaten im DPP-Ökosystem
Hersteller und Zulieferer geben Produktdaten auf unterschiedliche Weise für DPPs frei. Viele Unternehmen, die digitale Produktpässe einführen wollen, stehen jedoch vor der Herausforderung, dass sie keinen Einblick in ihre Lieferketten haben. Für bessere Einblicke und mehr Rentabilität ist es für alle Organisationen in der Lieferkette unerlässlich, zusammenzuarbeiten und die erforderlichen Informationen effizient auszutauschen.
Hierbei kommt der Verwaltung von Stammdaten eine Schlüsselrolle zu, da die für die Nachhaltigkeit eines Produkts relevanten Informationen oft über verschiedene Geschäftssysteme verstreut sind. Um einen verlässlichen DPP-Rahmen zu schaffen, müssen der Chief Data Officer (CDO) und der Chief Sustainability Officer (CSO) in einem Unternehmen diese Daten an einem zentralen Speicherort sammeln und die Governance durch Deduplizierung, Datenqualitätskontrolle und Workflow-Automatisierung sicherstellen.
Um einen effektiven DPP zu erstellen, ist es wichtig, den Lebenszyklus eines Produkts vollständig zu verstehen. Firmen müssen dazu in der Lage sein, Informationen über die gesamte Lieferkette hinweg problemlos zu verfolgen. Dazu benötigen sie Systeme, die verschiedene Arten von Daten erfassen und organisieren können, etwa Nachhaltigkeitsdetails, Firmenstandort und Materialzusammensetzung.
Diese Systeme müssen auch mit den Änderungen der DPP-Standards Schritt halten. Um die Vorschriften einzuhalten, müssen Betriebe wichtige Daten sammeln und sie sicher an die richtigen Personen in der Lieferkette weitergeben. Der Schwerpunkt sollte dabei auf Initiativen zur Produktverbesserung und zur Minimierung der Umweltauswirkungen liegen.
Ein Produkt-Informationsmanagement-System (PIM) mit eingebetteter Datenverwaltung kann als Eckpfeiler im DPP-Ökosystem dienen. Es gewährleistet die Zuverlässigkeit standardisierter Informationen, denn nur diese ermöglichen es Unternehmen, ihren Kunden und Geschäftspartnern Details und tiefgehende Einblicke in Produktmaterialien zu vermitteln.
PIM-Systeme spielen auch eine entscheidende Rolle bei der nahtlosen Integration von DPPs in verschiedene Systeme innerhalb einer Lieferkette, indem sie die Interoperabilität mit den Enterprise Resource Planning, Product Lifecycle Management, Master Data Management (MDM) und anderen Plattformen verbessern. Dank dieser Flexibilität gelingt es Firmen, sich an veränderte Eigenschaften, Vorschriften und Marktanforderungen anzupassen und so Skalierbarkeit und Agilität zu gewährleisten.
Trotz der Fähigkeiten eines PIM-Systems unterstreichen die zahlreichen Datendomänen die Notwendigkeit einer Plattform, die Beziehungen und komplizierte Hierarchien verwalten kann. Eine Standard-PIM-Lösung deckt möglicherweise nicht alle DPP-Anforderungen ab, wenn es beispielsweise um die Speicherung von Lieferanteninformationen neben Produktdaten, Standorten und Materialinformationen geht. Es empfiehlt sich, den Ansatz mit einer Multidomain-MDM-Lösung zu kombinieren, die präzise Daten über alle Bereiche hinweg bereitstellt. Dies versetzt CDOs und CSOs in die Lage, alle Datenbeziehungen und komplexen Hierarchien zu verwalten, die für DPPs unerlässlich sind.
Was kommt als Nächstes?
Die Einbindung von DPPs in den primären ESG-Rahmen eines Unternehmens zählt mittlerweile zum Pflichtprogramm, da die verpflichtende Vorgabe für DPPs nicht mehr lange auf sich warten lässt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, um proaktiv eine umfassende Datenstrategie zu entwerfen und Lösungen zu finden, die die nahtlose Erfassung, Verwaltung und gemeinsame Nutzung von Daten erleichtern. Dieser proaktive Ansatz ermöglicht es Firmen, den Entwicklungen der Vorschriften einen Schritt voraus sein.
Der Autor Levent Ergin ist Global Chief ESG Sustainability Strategist beim Datenmanagement-Spezialisten Informatica und arbeitet mit führenden Organisationen zusammen, ihre ESG-Berichterstattung zu beschleunigen und Nachhaltigkeitsentscheidungen zu unterstützen.
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“Der eigentliche Zweck eines Start-ups ist es, unsere reale Welt zu verbessern!”
Interview mit Tiberiu Iacomi, Founder von Trained Intuition.
Vom 25. bis 26. Juni verwandelt die We Make Future (WMF) 2026 Italien in den Hotspot der Tech-Szene. Wir sind live vor Ort, um die heißesten Trends, Insights und Stimmen der Branche einzufangen. Schon am Tag vor dem großen Finale des WMF-Pitch-Wettbewerbs hatten wir die Gelegenheit, mit Tiberiu Iacomi (Gründer von Trained Intuition) zu sprechen. Als Mentor hat er die Finalisten-Start-ups intensiv auf ihren großen Auftritt vorbereitet – und verrät uns im Interview, warum diese Teams die vermeintlich „langweiligen“ Branchen revolutionieren werden.
StartingUp: Morgen steht das große Finale des Start-up-Wettbewerbs auf der We Make Future in Bologna an. Was sind deine Erwartungen? Wie schätzt du die Teams ein?
Iacomi: Ich hatte die Gelegenheit, als Mentor die Start-ups vorzubereiten, die sich für das Finale des WMF-Pitch-Wettbewerbs qualifiziert haben. Und ich kann zwei Dinge über sie sagen: Erstens: Sie wollen tiefgreifende Veränderungen in den traditionellen Schlüsselindustrien anstoßen. Dazu gehören die Fertigungsindustrie, der Seetransport, die Lebensmittelbranche sowie die Investment- und Finanzmärkte. Daraus lässt sich vor allem eines ableiten: Diese Teams versuchen, genau die Branchen radikal zu transformieren, die in der Entrepreneur-Welt gerne als „langweilig“ bezeichnet werden.
Sie bringen keine nobelpreisverdächtigen wissenschaftlichen Entdeckungen mit. Und auch keine Technologien, die die Welt noch nie gesehen hat. Aber das Besondere an ihnen ist: Sie haben verstanden, dass es bei einem Start-up nicht nur um den nächsten genialen Geistesblitz geht. Der eigentliche Zweck eines Start-ups ist es, unsere reale Welt zu verbessern. Deshalb wirbeln sie Branchen auf, die eine Veränderung verdammt nötig haben – weil dort traditionelle Modelle laufen, die seit Ewigkeiten kein Update mehr bekommen haben. Und ich glaube, genau darauf kommt es an.
Der zweite Aspekt ist: Die Start-ups, die morgen hier im Finale stehen, generieren bereits Umsätze. Man würde also erwarten, dass solche Unternehmen keine Zeit auf Events verschwenden, weil ihr Fokus zu 100 % auf dem Vertrieb liegen sollte, richtig? Aber sie haben den strategischen Wert dieser Veranstaltung verstanden. Hier geht es nicht nur um Brand Awareness. Wer das Publikum der letzten Jahre analysiert, merkt schnell: Das ist der perfekte Ort für handfeste POC-Kunden und potenzielle Partner. Wenn du so ein Event gezielt angehst und dann auch noch im Finale stehst, wirst du extrem sichtbar. Die Leute kommen direkt nach dem Pitch auf dich zu, schütteln dir die Hand und fragen nach einem Angebot, sobald du von der Bühne steigst. Außerdem wissen die jungen Unternehmen genau, was hier auf dem Spiel steht: Das Gewinner-Startup reist zum World Startup Cup – ein gigantisches Event mit massiven Preisen.
StartingUp: Warum sollten Start-ups ausgerechnet die WMF (in Italien) auf dem Schirm haben?
Iacomi: Ich finde, diese Partnerschaft – diese Kooperation der WMF mit dem World Startup Cup – ist etwas ganz Besonderes. Die meisten Entrepreneurship-Events, die ich bisher besucht habe, enden genau wie viele Inkubatoren und Acceleratoren: mit einem Demo Day, einer Urkunde für ein paar Teams und einem Schulterklopfen nach dem Motto: ‚Ihr wart heute das beste Start-up beim Pitch.‘ Und mit viel Glück gibt es vielleicht noch ein paar Investoren Kontakte. Aber dieser Wettbewerb bietet ein echtes Finale, das das Gewinner-Startup auf eine globale Bühne katapultiert. Dort haben sie die Chance, um Preise im Wert von Millionen Dollar zu pitchen – und ziehen ganz nebenbei die Aufmerksamkeit von absoluten Top-Adressen aus den USA und der ganzen Welt auf sich.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass das Event komplett Technologie agnostisch ist. Es ist eben keine reine Biotech-, Adtech- oder Deeptech-Veranstaltung, sondern absolut themenoffen. Wer sich die früheren Ausgaben anschaut, sieht, dass sich die WMF immer perfekt an die neuesten Trends anpasst. Ein Biotech-Start-up findet hier zum Beispiel problemlos Partner aus dem Deeptech-, Medtech- oder Healthtech-Bereich. Dadurch blickst du über den Tellerrand deines eigenen Marktes hinaus und lernst, völlig neue Kundensegmente zu erschließen. Denn Skalierung funktioniert ja nicht nur geografisch, sondern vor allem auch über neue Zielgruppen. Genau diese Branchenvielfalt hilft Start-ups enorm dabei, neue Partner, Kunden und Segmente zu finden.
StartingUp: Vielen Dank für das Gespräch!
Side-Hustle statt Start-up-Traum: Warum der neue Gründerboom ein Warnsignal ist
Der KfW-Gründungsmonitor feiert Rekordzahlen, doch der Schein trügt. Diana Vásquez Barbetti – Gründungs-Expertin und Director Customer Success bei sevdesk – erklärt, warum uns echte Vollblutunternehmer fehlen.
Ein neuer Rekord bei den Gründungszahlen? Was auf den ersten Blick wie ein Triumph für die deutsche Start-up-Szene wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Symptom wirtschaftlicher Unsicherheit. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor verdeutlicht: Der Boom wird fast ausschließlich von Nebenerwerbsgründungen getragen. Oft aus der Not heraus geboren, um in Krisenzeiten schlichtweg etwas dazuzuverdienen, starten viele junge Menschen ohne ausreichendes Kapital oder fundierte Vorerfahrung. Echte Vollgründungen hingegen stagnieren.
Diana Vásquez Barbetti, Director Customer Success bei sevdesk, sieht in dieser Entwicklung eine gefährliche Mischung. Im StartingUp-Interview beleuchtet die Gründungs-Expertin die verborgenen Risiken der „Krisenabsicherung“, erklärt, woran junge Entrepreneur*innen heute wirklich scheitern, und zeigt schonungslos auf, was Deutschland von seinen europäischen Nachbarn lernen muss, um wieder eine mutige „All-in“-Gründungskultur zu etablieren.
StartingUp: Frau Vásquez Barbetti, der KfW-Gründungsmonitor feiert Rekordzahlen, doch Sie sprechen von einer reinen „Krisenabsicherung“. Was genau dämpft in der Praxis Ihre Euphorie?
Diana Vásquez Barbetti: Die steigenden Gründungszahlen zeigen, dass sich immer mehr Menschen mit unternehmerischem Denken beschäftigen und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – und das ist prinzipiell gut. Gleichzeitig lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Struktur dieser Gründungen zu werfen. Ein großer Teil davon entsteht aktuell im Nebenerwerb. Das werte ich jedoch nicht ausschließlich als Ausdruck wirtschaftlicher Unsicherheit. Vielmehr sehen wir, dass technologische Entwicklungen die Einstiegshürden deutlich gesenkt haben. Wer heute ein Angebot testen, Kunden gewinnen oder eine Dienstleistung vermarkten möchte, kann das mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz und neben einem bestehenden Angestelltenverhältnis tun.
Dadurch wird Selbständigkeit für viele Menschen überhaupt erst zugänglich. Das ist grundsätzlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. Ob aus einer Nebentätigkeit später ein tragfähiges Unternehmen entsteht, zeigt sich allerdings erst im nächsten Schritt. Entscheidend ist, ob Gründer ihr Geschäftsmodell validieren, ihre Kosten realistisch planen, Kunden gewinnen und ihr Angebot erfolgreich am Markt etablieren können.
StartingUp: Ab welchem Punkt wird ein vermeintlich harmloser Side-Hustle zur unternehmerischen Sackgasse – oder gar zum echten finanziellen Risiko?
Diana Vásquez Barbetti: Grundsätzlich halte ich es für positiv, dass heute mehr Menschen unternehmerische Ideen ausprobieren. Ein Side-Hustle bietet beispielsweise die Möglichkeit, ein Geschäftsmodell mit überschaubarem Risiko zu testen und erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei ist es wichtig, nicht nur von der eigenen Idee überzeugt zu sein. Man muss auch frühzeitig prüfen, ob tatsächlich eine Nachfrage am Markt besteht. Letztlich ist entscheidend, ob Menschen bereit sind, für ein Produkt zu bezahlen. Dafür sollte man möglichst früh Daten und echtes Kundenfeedback sammeln, das die Kaufbereitschaft bestätigt.
Ein Nebenerwerb kann ein sehr guter Einstieg ins Unternehmertum sein, da Gründer ihr Konzept schrittweise entwickeln können, während sie gleichzeitig finanzielle Sicherheit behalten. Gleichzeitig gehört es dazu, sich mit den wichtigsten kaufmännischen, steuerlichen und rechtlichen Grundlagen auseinanderzusetzen. Wer sein Angebot konsequent am Markt testet, den Kunden zuhört und die wirtschaftlichen Kennzahlen im Blick behält, schafft eine solide Basis für die nächsten Wachstumsschritte. Deshalb lautet meine Botschaft ganz klar: Traut euch, Ideen auszuprobieren! Gründen ist heute für viele Menschen eine echte berufliche Alternative geworden.
StartingUp: Sie fordern mehr Mut zur Vollgründung. Fehlt der jungen Generation die Risikobereitschaft, oder sind die Rahmenbedingungen in Deutschland inzwischen schlichtweg zu toxisch?
Diana Vásquez Barbetti: Ich halte wenig von Generationenkritik. Ganz ehrlich: Die junge Generation ist nicht weniger mutig. Oft ist sie sogar deutlich reflektierter und datenorientierter als frühere Gründerjahrgänge. Gleichzeitig dürfen wir die Rahmenbedingungen nicht kleinreden. Bürokratie kostet Zeit, Energie und Geld – allesamt Faktoren, die den Einstieg unnötig erschweren.
Bürokratie allein erklärt nicht alles. Viele potenzielle Gründer wägen Risiken heute sehr rational ab. Sie sehen hohe Lebenshaltungskosten und unsichere Märkte, aber auch attraktive Angestelltenjobs. Da fällt die Entscheidung für die Selbständigkeit schwerer. Deshalb brauchen wir sowohl bessere Rahmenbedingungen als auch eine Kultur, die Unternehmertum als echten Karriereweg anerkennt. Mut bleibt dabei zweifelsohne wichtig.
Warum der perfekte Zeitpunkt eine Illusion ist
StartingUp: Der Finanzierungsmarkt ist extrem angespannt, Kredite sind teuer und die Bürokratie hemmt. Ist es angesichts dieses doppelten Drucks nicht fahrlässig, jungen Menschen aktuell zum „All-in“ zu raten?
Diana Vásquez Barbetti: Ich rate niemandem, blind All-in zu gehen. Unternehmertum ist schließlich kein Glücksspiel. Kritisch ist eher die Vorstellung, man könne alle Risiken komplett eliminieren, bevor man startet. Das wird nie passieren. Wer als angehender Gründer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, wartet oft ewig. Besser ist es, kontrollierte Risiken einzugehen. Young Founders sollten so früh wie möglich mit echten Kunden sprechen, erste Umsätze erzielen und datenbasiert entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt gekommen ist.
Technologie und KI helfen dabei enorm. Viele Aufgaben, für die früher ganze Teams nötig waren, lassen sich heute deutlich effizienter erledigen. Das senkt die Eintrittsbarrieren. Doch auch die beste Technologie kann eine Marktvalidierung, kaufmännische Disziplin und Kundenfokus nicht komplett ersetzen.
StartingUp: An welchen versteckten Hürden scheitern die meisten Nebenerwerbs-Gründer*innen in der Frühphase, und wie wird aus der Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell?
Diana Vásquez Barbetti: Der wichtigste Hebel ist und bleibt die Kundennähe. Viele Gründer investieren Monate in die Entwicklung eines Angebots, ohne zuvor mit potenziellen Kundinnen gesprochen zu haben – und entwickeln so an der Realität vorbei. Die erfolgreichsten Unternehmen hingegen lösen ein konkretes Problem und passen ihre Lösung kontinuierlich an echtes Feedback an.
Die versteckten Hürden liegen oft im Alltag. Hierzu zählen Aspekte wie die Preisgestaltung, die Liquidität und nicht zuletzt auch der Vertrieb. Viele Microbusiness Entrepreneurs konzentrieren sich auf ihr Produkt, aber nicht ausreichend auf den Verkauf – und das ist fatal. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Konsequenz. Eine gute Idee bringt wenig, wenn sie nicht über Monate und Jahre hinweg konsequent weiterentwickelt wird. Unternehmertum ist weniger ein Sprint als vielmehr ein Marathon.
StartingUp: Was machen andere europäische Länder bei der Förderung von echten Innovationen besser? Welche Ansätze vermissen Sie hierzulande am schmerzlichsten?
Diana Vásquez Barbetti: Vor allem die gesellschaftliche Haltung zum Unternehmertum beeindruckt mich in vielen europäischen Nachbarländern. Ein Beispiel: In Ländern wie Estland oder den Niederlanden wird die Gründung eines Unternehmens oft als normaler Karriereweg betrachtet. Scheitern wird dort deutlich weniger stigmatisiert als in Deutschland. Außerdem erleben Gründer dort häufig eine konsequentere Digitalisierung staatlicher Prozesse. Es gibt weniger Papier, weniger Behördenkontakte und weniger Reibungsverluste.
In Deutschland diskutieren wir dagegen oft über Fördergelder. Das ist wichtig. Noch wichtiger wäre es jedoch, den Young Founders Zeit zurückzugeben. Jede Stunde, die nicht für das Ausfüllen von Formularen aufgewendet werden muss, kann in Projekte, Produkte oder Wachstum investiert werden. Das hat oft einen größeren Effekt als die nächste Fördermaßnahme.
Zahlen als Frühwarnsystem nutzen
StartingUp: Inwieweit tragen mangelnde kaufmännische Basics in der Praxis zum Scheitern bei? Was müssen Gründer*innen vom ersten Tag an anders machen?
Diana Vásquez Barbetti: Viele Gründer kennen ihr Produkt sehr gut, aber nicht immer auch ihre Zahlen. Sie wissen, wie viele Follower sie haben, aber nicht, welche Kunden tatsächlich profitabel sind. Hier besteht Handlungsbedarf. Wer seine Liquidität nicht versteht, Rechnungen zu spät schreibt oder steuerliche Pflichten ignoriert, baut unnötige Risiken auf. Das hat nichts mit Begeisterung für Bürokratie zu tun, sondern mit unternehmerischer Steuerungsfähigkeit. Automatisierung kann hierbei eine große Stütze sein. Hauptsache, junge Unternehmer sind für die Bedeutung von Zahlen sensibilisiert.
Mein Rat ist einfach: Zahlen sollten nicht als lästige Pflichtübung betrachtet werden. Sie sind ein Frühwarnsystem. Wer seine Kennzahlen kennt, erkennt Entwicklungen und etwaige Probleme früher und trifft bessere Entscheidungen. Insofern sind die erfolgreichsten Gründer oftmals nicht diejenigen mit der originellsten Idee, sondern diejenigen mit der größten wirtschaftlichen Disziplin.
StartingUp: Welchen ungeschönten Rat würden Sie jemandem geben, der aktuell überlegt, aus der Not heraus ein Kleingewerbe anzumelden?
Diana Vásquez Barbetti: ‚Verliebe‘ dich nicht in deine Idee – denk in erster Linie an das Problem deiner Kund*innen. Viele Young Founders beginnen mit einer Lösung und suchen anschließend nach dem passenden Markt. Erfolgreiche Unternehmer machen das Gegenteil.
Aus diesem Grund empfehle ich allen Gründern, so früh mit wie möglich mit potenziellen Kunden zu sprechen. Dabei sollten sie herausfinden, ob das Problem wirklich existiert und ob Menschen bereit sind, dafür Geld zu bezahlen. Je früher diese Antworten vorliegen, desto mehr Zeit und bare Münze kann man sich dabei sparen.
Und noch etwas: Unternehmertum bedeutet Verantwortung. Das heißt, Gründer tragen nicht nur Verantwortung für die eigene Idee, sie tragen auch Verantwortung für die wirtschaftlichen Konsequenzen. Wer bereit ist, zu lernen, Zahlen ernst zu nehmen und konsequent auf Kunden zu hören, hat heute bessere Chancen als je zuvor, sich erfolgreich mit einer skalierenden Geschäftsidee zu etablieren. In Kombination mit Automatisierung und Digitalisierung entsteht dafür das ideale Fundament.
StartingUp: Vielen Dank, Diana Vásquez Barbetti, für die spannenden Insights.
Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt
SpaceTech gründen heißt Industrie mitdenken
Warum SpaceTech-Gründende früh die Fähigkeit entwickeln müssen, Technologie nicht nur zu bauen, sondern sie auch nachvollziehbar und belastbar in den Markt zu bringen.
Viele SpaceTech-Start-ups beginnen mit einer technischen Vision: einem neuen Satellitenkonzept, einem effizienteren Subsystem, einer Softwarelösung für den Orbit oder einer Komponente, die bestehende Raumfahrtprogramme schneller, günstiger oder leistungsfähiger machen soll. In der Frühphase zählt vor allem, ob diese Idee technisch trägt. Teams bauen Demonstratoren, überzeugen erste Investoren, gewinnen Partner und zeigen, dass ihre Lösung grundsätzlich funktioniert.
Sobald daraus jedoch ein marktfähiges Produkt werden soll, verändert sich die Aufgabe. Dann geht es nicht mehr nur um Technologie, Finanzierung und Teamaufbau, sondern auch darum, Entwicklung, Tests, Nachweise und Änderungen so zu organisieren, dass daraus ein verlässliches Unternehmen entstehen kann. Wer im SpaceTech-Markt gründet, muss deshalb früh die Fähigkeit entwickeln, Technologie nicht nur zu bauen, sondern sie auch nachvollziehbar und belastbar in den Markt zu bringen.
Warum SpaceTech anders skaliert
In vielen digitalen Geschäftsmodellen bedeutet Skalierung vor allem: mehr Nutzer, mehr Märkte, mehr Automatisierung. Im SpaceTech-Bereich ist das komplexer. Ein Produkt muss nicht nur funktionieren, sondern auch dokumentiert, geprüft, integriert und langfristig betrieben werden können. Hardware, Software, Anforderungen, Tests und spätere Wartung greifen eng ineinander. Jede Änderung kann Auswirkungen auf Sicherheit, Schnittstellen, Zulassung oder Produktkonfiguration haben.
Anders als bei vielen rein digitalen Geschäftsmodellen lassen sich Fehler in der Raumfahrt nicht beliebig spät korrigieren. Was gebaut, integriert oder gestartet ist, muss vorher deutlich genauer abgesichert sein. Deshalb reicht Geschwindigkeit allein nicht aus. Entscheidend ist ein Entwicklungstempo, das sich nachvollziehen und absichern lässt.
Für Gründende bedeutet das: Prozesse sind nicht erst ein Thema, wenn das Unternehmen groß ist. Sie entscheiden früh darüber, ob ein Start-up später Kunden, Partner, Investoren und Prüfer überzeugen kann.
Frühphase: Pragmatismus ist Stärke und Risiko zugleich
In der Anfangsphase ist Pragmatismus oft überlebenswichtig. Kleine Teams arbeiten schnell, entscheiden direkt und vermeiden unnötige Abstimmungsschleifen. Anforderungen werden angepasst, Tests pragmatisch organisiert, Konstruktionsentscheidungen zügig getroffen. Diese Arbeitsweise ermöglicht Tempo und ist häufig ein Grund dafür, dass Start-ups schneller sind als etablierte Unternehmen.
Problematisch wird es, wenn diese informelle Arbeitsweise unverändert in die nächste Wachstumsphase übernommen wird. Spätestens wenn institutionelle Kunden, Industriepartner oder Zertifizierungsanforderungen hinzukommen, reicht es nicht mehr, dass das Team intern weiß, warum eine Entscheidung getroffen wurde. Dann muss nachvollziehbar sein, welche Anforderung hinter einer Funktion steht, welche Softwareversion getestet wurde, welche Änderung eine Freigabe beeinflusst und welche Nachweise bereits vorliegen.
Gute Prozesse sind kein Konzernballast
Viele Gründende verbinden formale Prozesse wie Dokumentation, Testnachweise oder Freigaben zunächst mit zusätzlichem Aufwand und dadurch mit einem Verlust an Tempo. Gerade im SpaceTech-Bereich gute Prozesse aber essentiell. Sie sollen Teams nicht daran hindern, schnell zu arbeiten, sondern verhindern, dass später wertvolle Zeit damit verloren geht, Entscheidungen, Tests oder Freigaben nachträglich rekonstruieren zu müssen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei Traceability. Sie sorgt dafür, dass Anforderungen, Produktdaten, Softwarestände, Tests und Änderungen miteinander verknüpft bleiben. Für ein Start-up hat das ganz praktische Vorteile: Kundengespräche werden belastbarer, technische Risiken früher sichtbar, Zertifizierungsvorbereitungen planbarer und neue Teammitglieder schneller arbeitsfähig.
Der Intelligent Product Lifecycle als Wachstumsgrundlage
Damit SpaceTech-Start-ups langfristig skalieren können, müssen verschiedene Entwicklungsdisziplinen früh zusammengeführt werden. Application Lifecycle Management (ALM) hilft, Anforderungen, Softwareentwicklung, Tests und Validierung zu verbinden. Product Lifecycle Management (PLM) hält Produktdaten, Konfigurationen, Änderungen und Varianten konsistent. Model-Based Systems Engineering (MBSE) unterstützt dabei, komplexe Systeme und ihre Abhängigkeiten besser zu verstehen.
Zusammen bilden diese Ansätze die Grundlage für einen Intelligent Product Lifecycle. Gemeint ist eine durchgängige digitale Struktur, die Produktinformationen über Entwicklung, Test, Produktion, Betrieb und Service hinweg nutzbar macht. Sie hilft dabei, die Fragen zu beantworten, die mit dem Wachstum immer wichtiger werden: Welche Produktversion ist gültig? Welche Tests gehören zu welcher Anforderung? Welche Änderung betrifft welche Konfiguration? Welche Daten braucht ein Partner, um eine Lösung integrieren zu können?
KI-Agenten entlasten nur, wenn die Basis stimmt
Auch KI kann Gründende im SpaceTech-Bereich unterstützen. KI-Agenten können Anforderungen strukturieren, Testfälle vorbereiten, Dokumentation vereinfachen oder Änderungsfolgen analysieren. Gerade für kleine Teams mit begrenzten Ressourcen ist das attraktiv, weil sich repetitive Aufgaben reduzieren und technische Zusammenhänge schneller sichtbar machen lassen.
Der Nutzen von KI hängt jedoch stark von der Datenbasis ab. Wenn Anforderungen, Testergebnisse, Freigaben und Produktdaten über viele Einzellösungen verteilt sind, entstehen zwar schnelle Antworten, aber nicht automatisch belastbare Entscheidungen. Ergebnisse müssen nachvollziehbar, prüfbar und vertrauenswürdig sein. KI-Agenten entfalten ihren Wert deshalb vor allem dort, wo sie auf strukturierte, verknüpfte Daten zugreifen können.
Kapital finanziert Wachstum, Prozesse machen es belastbar
Für SpaceTech-Gründende entscheidet sich Wachstum daran, ob aus einem Prototyp ein zuverlässiges Produkt und aus einem Entwicklungsteam ein belastbarer Industriepartner werden kann.
Das bedeutet nicht, die Arbeitsweise großer Konzerne zu kopieren. Start-ups sollten ihre Geschwindigkeit, Kreativität und technische Fokussierung bewahren. Aber sie müssen diese Stärken mit Strukturen verbinden, die Wachstum ermöglichen: nachvollziehbare Entscheidungen, konsistente Produktdaten, kontrollierte Änderungen, interoperable Schnittstellen und ein Engineering-Fundament, das auch bei steigender Komplexität trägt.
So entsteht die Glaubwürdigkeit, die junge Unternehmen in dieser Branche brauchen: gegenüber Kunden, die integrierbare Produkte erwarten, gegenüber Partner, die auf verlässliche Daten angewiesen sind, gegenüber Investoren, die Skalierbarkeit sehen wollen, und gegenüber Behörden, die belastbare Nachweise verlangen.
SpaceTech zu gründen heißt deshalb, Industrie von Anfang an mitzudenken. Kapital kann Wachstum beschleunigen. Tragfähig wird es aber erst, wenn Prozesse, Daten und Engineering-Strukturen mitwachsen.
Der Autor Dr.-Ing. Sören Münker ist Senior Solutions Consultant bei PTC mit Schwerpunkt auf hochregulierten Branchen wie Aerospace & Defense. Er beschäftigt sich damit, wie sich ALM, CAD und PLM zu einem durchgängigen Intelligent Product Lifecycle verbinden lassen, um Rückverfolgbarkeit, Interoperabilität und operative Resilienz in komplexen Entwicklungsumgebungen zu verbessern.
„Wir scheitern nicht an der Technologie, sondern an der Kommerzialisierung“
Warum wandern Europas DeepTech-Gründer*innen ab? Wie viel Schuld trägt das europäische Ökosystem daran – und wie viel die Gründer*innen selbst? Im Interview: Dr. Martin Schilling, Ex-N26-COO und CEO von Deep Tech Momentum, über fehlendes Risikokapital, mangelnde Traktion und den schweren Weg zur Skalierung.
Deutschland und Europa sind starke Quellen für DeepTech-Innovationen – aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Patenten und technischer Domänenexpertise. Dass wir hier in der Spitzenliga spielen, belegen Studien wie das European Innovation Scoreboard, des Europäischen Patentamts und der Max-Planck-Gesellschaft regelmäßig. Dennoch stehen wir vor einem massiven Problem: Es mangelt nicht an Innovationen selbst, sondern an ihrer Kommerzialisierung. Im Vergleich zu den USA, wo Investor*innen häufig früher und mit höherer Risikobereitschaft auf große technologische Wetten setzen, finden europäische Start-ups zu spät Kund*innen, Traktion und risikofreudiges Kapital. Weil Kommerzialisierung, Industrialisierung und Wachstum hierzulande oft langsamer verlaufen, entsteht für viele Gründer*innen ein struktureller Druck, Kapital und Skalierung in den USA zu suchen.
Einer, der diese Lücke an der Schnittstelle von Gründer*innen, Kapital und Unternehmenskunden aus erster Hand beobachtet, ist Dr. Martin Schilling. Der ehemalige COO von N26 und Managing Director von Techstars Berlin ist heute Co-Founder und CEO von Deep Tech Momentum (DTM). DTM ist Europas führende Plattform für DeepTech und AI Innovation, findet vom 20. bis 21. Mai 2026 in Berlin statt und bringt Unternehmen als potenzielle Kund*innen, DeepTech-Start-ups als Anbieter*innen und Investor*innen aktiv zusammen.
Wir wollten von Martin Schilling erfahren: Wie viel Schuld trägt das europäische Ökosystem an der geschilderten Misere – und wie viel die Gründer*innen selbst?
StartingUp: Martin, du stellst die These auf, es mangele in Europa nicht an DeepTech-Innovationen, sondern an der Kommerzialisierung. Machen wir es uns damit nicht zu einfach? Müssten wir nicht ehrlicherweise auch über die katastrophal langsamen IP-Transfer-Prozesse an deutschen Universitäten, überregulierte Märkte und den Fachkräftemangel sprechen, die Start-ups schon abwürgen, bevor sie überhaupt etwas kommerzialisieren können?
Martin Schilling: Ich glaube, wir dürfen uns hier nichts vormachen. Natürlich haben wir in Europa strukturelle Probleme wie langsame IP-Transfer-Prozesse, fragmentierte Märkte, Regulierung, Fachkräftemangel. Das alles ist real und bremst viele Entwicklungen aus. Aber diese Faktoren erklären nicht vollständig, warum wir trotz exzellenter Forschung so selten globale Kategorie-Gewinner hervorbringen.
Der entscheidende Punkt ist aus meiner Sicht ein anderer: In Europa denken wir Technologie oft zu lange aus der Perspektive der Forschung und zu spät aus der Perspektive des Marktes. In den USA wird viel früher gefragt: Wer zahlt dafür? Wie schnell kommen wir in echte Deployment-Szenarien? In Europa fragen wir zu lange, ob die Technologie perfekt ist. Das führt dazu, dass viele DeepTech-Start-ups zu spät mit echten Kunden interagieren, zu spät lernen und zu spät Traktion aufbauen. Die strukturellen Themen sind ein Teil des Problems. Aber die Art, wie wir Unternehmen bauen und die fehlende frühe Kommerzialisierungslogik sind aus meiner Sicht größere Hebel.
StartingUp: Du hast als COO bei N26 massives Wachstum miterlebt – ein B2C-FinTech mit einer App. DeepTech bedeutet aber oft jahrelange Forschung, Hardware-Entwicklung, Patente und B2B-Sales-Zyklen, die ewig dauern. Wie viel B2C-Wachstums-Mindset lässt sich überhaupt auf hochkomplexe DeepTech-Unternehmen übertragen, ohne an der Realität zu scheitern?
Martin Schilling: Man kann DeepTech nicht wie ein B2C-FinTech skalieren. Das wäre naiv. Die Zyklen sind länger, die Kapitalintensität höher, und die technische Unsicherheit ist real. Aber das heißt nicht, dass man auf ein Wachstums-Mindset verzichten kann. Was übertragbar ist, sind nicht die Taktiken, sondern die Prinzipien: Geschwindigkeit im Lernen, radikale Kundenorientierung und der Anspruch, früh zu skalieren und nicht erst, wenn alles perfekt ist.
Was ich oft sehe ist, dass DeepTech-Teams jahrelang die Technologie optimieren, bevor sie ernsthaft in den Markt gehen. In dieser Zeit verlieren sie wertvolle Iterationen. Die besten Teams denken von Anfang an in Dual Tracks: Technologie entwickeln und parallel kommerzielle Hypothesen testen. Das bedeutet nicht, dass man Hardware-Zyklen beschleunigen kann. Aber man kann sehr wohl beschleunigen, wie schnell man versteht, wo echter Bedarf ist und wie Zahlungsbereitschaft entsteht.
StartingUp: Ein ständiger Kritikpunkt ist, dass der Zugang zu mutigem Kapital in Europa langsamer funktioniert als in den USA. Aber VCs sind keine Wohlfahrtsverbände, sie rechnen Risiko und Rendite durch. Müssen wir nicht vielleicht zugeben, dass viele europäische DeepTech-Cases geschäftlich einfach nicht attraktiv oder zu schlecht gepitcht sind, um ein amerikanisches Risikoprofil anzuziehen?
Martin Schilling: Es ist zu einfach, alles auf fehlendes Kapital zu schieben. Ja, die USA haben mehr Kapital und mehr Risikoappetit. Aber Kapital folgt am Ende immer überzeugenden Geschichten und vor allem überzeugender Traktion. Was ich in Europa oft sehe: Technologisch brillante Teams, aber schwache Positionierung, unklare Go-to-Market-Strategien und zu wenig Fokus auf kommerzielle Meilensteine. Viele Pitches sind technisch beeindruckend, aber beantworten nicht die entscheidende Frage, warum aus etwas ein erfolgreiches Geschäftsmodell wird. Das heißt nicht, dass es kein strukturelles Kapitalproblem gibt. Das gibt es. Aber wir müssen genauso ehrlich sagen: Ein Teil des Problems liegt in der Art, wie wir DeepTech-Unternehmen bauen und erzählen.
StartingUp: Du beobachtest somit, dass deutsche Start-ups oft nicht an der Technologie, sondern an Marktanbindung und Traktion scheitern. Wenn die Technologie exzellent ist, scheitert es dann am Menschlichen? Wie oft erlebst du, dass brillante Forschende aus Eitelkeit nicht loslassen können und sich weigern, den CEO-Posten an erfahrene Business- und Sales-Profis abzugeben?
Martin Schilling: Das Thema gibt es, aber ich würde es differenzierter sehen. DeepTech entsteht oft aus wissenschaftlicher Exzellenz. Und diese Gründer*innen bringen etwas extrem Wertvolles mit: tiefes Verständnis, langfristiges Denken und eine hohe technische Vision. Die Herausforderung entsteht, wenn diese Stärken nicht durch kommerzielle Kompetenz ergänzt werden. Ich erlebe weniger ein klassisches „Ego-Problem“, sondern eher ein Rollenproblem, denn viele Gründer*innen haben nie gelernt, was es bedeutet, ein Unternehmen zu skalieren. Das gilt insbesondere im B2B-Kontext. Die besten Teams lösen das sehr pragmatisch. Sie bauen früh komplementäre Führungsteams mit starkem Sales-, Operations- und Marktverständnis auf. Ob das dann ein externer CEO ist oder nicht, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Organisation die Fähigkeiten hat, nicht nur Technologie zu entwickeln, sondern sie auch zu verkaufen.
StartingUp: Um Start-ups, Corporates und Investor*innen zusammenzubringen, veranstaltest du im Mai das Event Deep Tech Momentum in Berlin. Aber ganz ehrlich: Es gibt in Europa und Deutschland bereits hunderte Start-up-Konferenzen, Summits und Matchmaking-Events. Warum sollte ausgerechnet ein weiterer Marktplatz das tiefgreifende strukturelle Problem lösen, dass die deutsche Industrie oft schlichtweg zu risikoavers ist, um bei jungen Start-ups einzukaufen?
Martin Schilling: Ich stimme dir zu. Es mangelt nicht an Events in Europa, wir haben eher zu viele davon. Der Unterschied bei Deep Tech Momentum ist, dass wir kein klassisches Konferenzformat sind, sondern ein Marktplatz. Was heißt das konkret? Wir bringen nicht einfach Leute zusammen, sondern orchestrieren konkrete Interaktionen zwischen Start-ups, Corporates und Investor*innen. Dabei verfolgen wir das klare Ziel, Deals, Partnerschaften und Deployment zu schaffen.
Bei Deep Tech Momentum kommen über 3.000 Senior Entscheider*innen zusammen. Über den Marktplatz wurden bereits mehr als 500 Millionen Euro an Investitionen und hunderte Partnerschaften angestoßen. Unser Ziel bis 2030 ist es, 100 Milliarden Euro zusätzliche DeepTech-Investitionen zu mobilisieren und 10.000 Partnerschaften zwischen Start-ups und Industrie zu ermöglichen.
Ein Beispiel ist unser Guardian Program. Dort bringen wir die Top 300 Senior Innovation Leaders aus führenden Unternehmen gezielt mit vorqualifizierten DeepTech-Start-ups zusammen, also mit Unternehmen, die echte Budgets, konkrete Anwendungsfälle und Entscheidungsmandate mitbringen. Damit packen wir aus meiner Sicht das Kernproblem Europas an: Wir verschaffen Zugang zu ersten Kunden und realen Anwendungen.
StartingUp: Durch langsames Wachstum entsteht ein Druck auf Gründer*innen, in die USA auszuweichen. Dort lockt der Markt gezielt mit Milliarden-Subventionen und schnellem Kapital. Was entgegnest du einem DeepTech-Gründer, der heute zu dir sagt: „Herr Schilling, Europa ist nett für die Forschung, aber um ein Einhorn zu bauen, muss ich sofort in die USA?“
Martin Schilling: Ich würde niemandem pauschal davon abraten, in die USA zu gehen. Für viele Modelle ist das absolut sinnvoll, gerade wenn es um Kapital und Marktskalierung geht. Aber ich würde zwei Dinge entgegnen. Erstens: Europa ist kein schlechter Ort, um ein DeepTech-Unternehmen zu bauen. Wir haben exzellente Forschung, starke Industriepartner und zunehmend auch Kapital. Zweitens – und wichtiger: Der Engpass ist oft nicht der Standort, sondern die Geschwindigkeit, mit der man Kommerzialisierung erreicht. Wenn ein Start-up es schafft, früh echte Kunden zu gewinnen, Piloten zu fahren und Umsatz aufzubauen, dann wird Kapital folgen, auch in Europa. Mit Deep Tech Momentum möchten wir den Weg von Technologie zur Anwendung beschleunigen. Denn es geht nicht um Europa vs. USA. Es geht darum, ob ein Unternehmen es schafft, aus Technologie ein funktionierendes Geschäft zu machen.
Danke, Martin Schilling, für die spannenden Insights
Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt
Gewerbemakler in der Rhein-Neckar-Region: Wie Unternehmen die passende Fläche finden
Wie Unternehmen in der Rhein-Neckar Region passende Gewerbeflächen finden und warum professionelle Makler entscheidend sind.
Die Wahl des richtigen Standorts gehört zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen für Unternehmen. Gerade in wirtschaftsstarken Regionen wie der Rhein-Neckar-Region ist die Nachfrage nach geeigneten Gewerbeflächen hoch – gleichzeitig wird das Angebot zunehmend komplexer. Zwischen Industrieflächen, Büroimmobilien und gemischt genutzten Arealen fällt es vielen Unternehmen schwer, den Überblick zu behalten.
Hier kommen spezialisierte Gewerbemakler ins Spiel. Sie kennen den Markt, verstehen die Anforderungen verschiedener Branchen und helfen dabei, passende Lösungen zu finden, die sowohl wirtschaftlich als auch strategisch sinnvoll sind.
Die Rhein-Neckar-Region als Wirtschaftsstandort
Die Rhein-Neckar-Region zählt zu den dynamischsten Wirtschaftsstandorten Deutschlands. Mit Städten wie Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen bietet sie eine attraktive Mischung aus Industrie, Forschung und Dienstleistung.
Unternehmen profitieren hier von:
• einer hervorragenden Infrastruktur
• einer zentralen Lage mit guter Anbindung an wichtige Verkehrsachsen
• einem starken Netzwerk aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen
• einer hohen Lebensqualität für Fachkräfte
Diese Faktoren machen die Region besonders interessant für Start-ups, Mittelständler und internationale Unternehmen gleichermaßen.
Warum die Flächensuche zunehmend anspruchsvoll wird
Mit der steigenden Attraktivität der Region wächst auch der Wettbewerb um geeignete Gewerbeflächen. Besonders in gefragten Lagen sind verfügbare Flächen oft schnell vergeben oder entsprechen nicht den individuellen Anforderungen eines Unternehmens.
Typische Herausforderungen sind:
• begrenzte Verfügbarkeit in zentralen Lagen
• steigende Miet- und Kaufpreise
• unterschiedliche Anforderungen je nach Branche
• langfristige Planungsunsicherheiten
Unternehmen stehen daher vor der Aufgabe, nicht nur eine verfügbare Fläche zu finden, sondern die richtige Fläche – und das erfordert Marktkenntnis und Erfahrung.
Digitale Plattformen und moderne Flächensuche
Neben der klassischen Maklertätigkeit spielen digitale Plattformen eine immer größere Rolle. Sie ermöglichen eine erste Orientierung und erleichtern die Suche nach passenden Objekten.
Wer sich einen Überblick über verfügbare Gewerbeflächen im Rhein-Neckar verschaffen möchte, kann beispielsweise auf spezialisierte Online-Angebote zurückgreifen. Solche Plattformen bündeln aktuelle Angebote und bieten eine strukturierte Übersicht über unterschiedliche Flächentypen und Standorte.
Die Kombination aus digitaler Suche und persönlicher Beratung durch einen Makler hat sich dabei als besonders effektiv erwiesen.
Die Rolle von Gewerbemaklern im Entscheidungsprozess
Gewerbemakler übernehmen eine zentrale Funktion bei der Suche nach geeigneten Immobilien. Sie agieren als Schnittstelle zwischen Anbietern und Suchenden und bringen beide Seiten effizient zusammen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um die reine Vermittlung. Moderne Gewerbemakler bieten:
• eine fundierte Marktanalyse
• Zugang zu exklusiven oder noch nicht öffentlich gelisteten Objekten
• Unterstützung bei Verhandlungen
• Beratung zu Standortfaktoren und Entwicklungspotenzialen
Gerade für Unternehmen, die neu in der Region sind oder expandieren möchten, kann diese Unterstützung entscheidend sein.
Individuelle Anforderungen im Fokus
Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Anforderungen an seine Gewerbefläche. Während Produktionsbetriebe auf Logistik und Flächengröße achten, spielen bei Dienstleistern Faktoren wie Erreichbarkeit und Umfeld eine größere Rolle.
Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind unter anderem:
• Größe und Zuschnitt der Fläche
• Infrastruktur und Verkehrsanbindung
• Nähe zu Kunden, Partnern oder Zulieferern
• Erweiterungsmöglichkeiten für zukünftiges Wachstum
Ein erfahrener Makler hilft dabei, diese Anforderungen klar zu definieren und passende Optionen gezielt zu identifizieren.
Markttransparenz als entscheidender Vorteil
Ein großer Vorteil von Gewerbemaklern liegt in ihrer Markttransparenz. Sie kennen aktuelle Entwicklungen, Preisniveaus und Trends in der Region.
Das ermöglicht es Unternehmen:
• realistische Budgets zu planen
• Chancen frühzeitig zu erkennen
• Risiken besser einzuschätzen
Insbesondere in einem dynamischen Markt wie der Rhein-Neckar-Region ist dieser Wissensvorsprung ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Zukunftsperspektiven für Unternehmen in der Region
Die Rhein-Neckar-Region wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle als Wirtschaftsstandort spielen. Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und neue Arbeitsmodelle beeinflussen dabei zunehmend die Anforderungen an Gewerbeflächen.
Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen:
• steigende Nachfrage nach flexiblen Flächenkonzepten
• Integration nachhaltiger Bau- und Energiekonzepte
• wachsende Bedeutung von Mixed-Use-Immobilien
• zunehmende Digitalisierung im Immobilienmarkt
Unternehmen, die frühzeitig auf diese Trends reagieren, können sich langfristige Vorteile sichern.
Fazit
Die Suche nach geeigneten Gewerbeflächen in der Rhein-Neckar-Region ist komplexer geworden – bietet aber gleichzeitig große Chancen. Wer den richtigen Standort findet, legt den Grundstein für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.
Gewerbemakler spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie schaffen Transparenz, bringen Angebot und Nachfrage zusammen und unterstützen Unternehmen bei einer der wichtigsten strategischen Entscheidungen.
In Kombination mit digitalen Tools und einer klaren Analyse der eigenen Anforderungen lassen sich so Lösungen finden, die nicht nur heute passen, sondern auch zukünftiges Wachstum ermöglichen.
Wachstum um jeden Preis ist vorbei
Im Juni geht die Hinterland of Things 2026 an den Start – mit klarem Fokus auf Umsetzung statt Debatte. Dominik Gross, Mitgründer und Geschäftsführer der Founders Foundation, spricht über den Schulterschluss von Mittelstand, Start-ups und Kapital, B2B-Tech-Trends sowie NRW als Hotspot für B2B-Gründungen.
Im Juni findet die nächste Hinterland of Things statt. Können Sie bereits von ersten Highlights berichten, auf die sich die Teilnehmer*innen freuen dürfen?
Die Hinterland of Things Conference 2026 steht unter dem Motto „and Action“, denn Deutschland hat kein Erkenntnisproblem – Deutschland hat ein Umsetzungsproblem. Das Motto steht für den gemeinsamen Nenner, wie Unternehmer die Industrie neu denken, Kapital zu Wachstum und Wissen zu Wertschöpfung machen, die nächste Generation von Gründern stärken und Politik wieder handlungsfähig wird: Wir wissen genug – wir müssen handeln. Ein zentrales Highlight ist der klare Schulterschluss zwischen Mittelstand, Start-ups und Kapital. Ein einzigartiger USP in der deutschen Konferenzlandschaft, muss man ehrlich sagen. Wir bringen nicht nur die Tech-Szene mit Gründern und Investoren zusammen, sondern eben auch die Inhaber, Familienmitglieder und Entscheider aus dem deutschen Mittelstand. Dieser Dreiklang ist einmalig. Darüber hinaus setzen wir wieder starke Akzente bei Kapitalthemen – von (Corporate) Venture Capital und Venture Clienting über Börsengänge bis hin zur Frage, wie Deutschland vom Land der Sparer zum Land der Builder wird. Auch der Transfer von Wissenschaft in markt- und investitionsfähige Unternehmen spielt für uns als Forschungsland eine zentrale Rolle. Kurz gesagt: weniger Debatte, mehr Entscheidung; weniger Diagnose, mehr Action.
Der Fokus liegt auf B2B-Tech-Start-ups. Welche B2B-Trends sehen Sie aktuell, welche Erwartungen haben Sie für die Branche dieses Jahr?
Wir sehen aktuell eine klare Verschiebung von Vision hin zu Verwertbarkeit. B2B-Tech-Start--ups müssen nicht mehr erklären, was sie technologisch können, sondern welches konkrete Problem sie für Unternehmen lösen. Effizienz, Produktivität und Kostensenkung stehen klar im Vordergrund. Zugleich ermöglicht Technologie Sprunginnovationen für die Industrie. Beispielsweise im Bereich Robotik: Humanoide Roboter auf zwei Beinen brauchen vielleicht noch etwas, aber überall dort, wo Roboter Prozesse, Abläufe und Arbeitsschritte automatisieren oder assistieren können, werden wir schon in wenigen Jahren neue Produkte und Geschäftsmodelle erleben. Und darüber hinaus gilt geradezu „natürlich“, dass sämtliche Geschäftsmodelle künstliche Intelligenz in ihrer DNA verankert haben werden. Unternehmen und Kapitalgeber investieren gezielter, erwarten schnelleren Impact und belastbare Business Cases. Wachstum um jeden Preis ist vorbei – gefragt sind robuste Geschäftsmodelle mit klarer Skalierungsperspektive. Für die Branche bedeutet das: weniger Hype, mehr Substanz. Start-ups, die echte industrielle Probleme adressieren und eng mit ihrer Kundschaft entwickeln, werden sich durchsetzen. Genau dort entsteht aktuell die spannendste Dynamik im B2B-Bereich.
NRW zählt zu den Start-up-Hotspot-Bundesländern in Deutschland, zeigte sich im aktuellen Startup Next Generation Report unter den Top-Plätzen. Was zeichnet NRW und speziell Bielefeld Ihrer Meinung nach als Start-up-Standort für B2B besonders aus?
NRW verbindet etwas, das für B2B-Start-ups entscheidend ist: industrielle Substanz und unternehmerische Nähe. Hier sitzen viele mittelständische Weltmarktführer, die offen für Kooperationen sind und Start-ups von Tag null an reale Anwendungsfälle bieten. Genau das brauchen B2B-Start-ups, um Produkte marktfähig zu entwickeln und schnell zu skalieren. Bielefeld steht exemplarisch dafür. Die Region ist geprägt von Industrie, Hidden Champions und kurzen Entscheidungswegen. Gleichzeitig gibt es ein wachsendes Start-up-Ökosystem, das eng mit Unternehmen, Hochschulen und Investoren vernetzt ist. Diese Kombination aus Praxisnähe, Kooperationsbereitschaft und einem klaren Fokus auf Umsetzung macht NRW – und Bielefeld im Besonderen – zu einem sehr starken Standort für B2B!
Inwiefern unterstützt die Founders Foundation neben der großen Konferenz B2B-Start-ups, was bieten Sie Jungunternehmen?
Die Konferenz ist nur ein sichtbarer Teil unserer Arbeit – quasi unser Leuchtturm, mit dem wir alle Augen auf die Region und ihr Potenzial lenken. Als Founders Foundation begleiten wir B2B-Start-ups entlang der gesamten frühen Wachstumsphase – von der ersten Idee bis zur Skalierung – und das als gemeinnützige Organisation, ohne Anteile zu nehmen. Unser Fokus liegt darauf, unternehmerische Fähigkeiten aufzubauen und Gründung als ernsthafte Karriereoption zu etablieren. Dafür bieten wir – je nach Reifegrad von Idee und Team – verschiedene Programme, ein über zehn Jahre gewachsenes Netzwerk aus den erfahrensten Serial Entrepreneurs der deutschen Start-up-Szene, etablierten Unternehmern und Industriepartnern sowie ein großes Investorennetzwerk. Hinzu kommen konkrete Anwendungsfälle aus dem Mittelstand. Für Start-ups ist das entscheidend, weil sie früh Feedback aus dem Markt bekommen und ihre Lösungen unter realen Bedingungen testen können. Unser Anspruch ist es, Gründer nicht nur zu inspirieren, sondern sie in die Umsetzung zu bringen. Genau da schließt sich der Kreis: and Action.
Dominik Gross, vielen Dank für das Gespräch
Dies ist ein Beitrag aus der StartingUp 01/26 – hier geht's zum E-Shop.
Fokussieren statt Feuerlöschen
Mit den richtigen Hilfsmitteln zu mehr Klarheit im Gründungsalltag – so geht’s.
Gründer*innen bewegen sich häufig in einem Dreieck des Mangels. Geld, Zeit oder schlichtweg Manpower: Irgendetwas fehlt immer. Vielleicht hast du gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und willst Mitarbeitende einstellen, Prototypen fertigstellen oder Tools einkaufen – und das am liebsten gleichzeitig. Der finanzielle Spielraum verschafft einen Moment des Durchschnaufens, der schon bald von Zeitknappheit abgelöst wird. Es soll schließlich mit dem Kapital schnell etwas auf die Beine gestellt werden, das einen gewissen ROI bringt. Oder du hast all das umgesetzt, das Team steht, erste Schritte sind gemacht. Doch das vorhandene Kapital schmilzt schneller als gedacht und der Druck verschiebt sich wieder auf die Finanzen.
Was du tun kannst, damit neben dem Feuerlöschen Zeit für Strategiearbeit und Marketing bleibt, erfährst du hier.
Zwischen Idealvorstellung und Realität
Es klingt einfach: Produkt entwickeln, Markt und Zielgruppe analysieren, Strategie ableiten, und los geht’s. Schön wär’s. In der Realität läuft im Gründungsprozess alles gleichzeitig. Entwicklung, Teamaufbau, erste Kund*innen, operative Themen und mittendrin persönliche Vorlieben. Manche Gründer*innen sind stark in der Produktentwicklung, andere im Vertrieb oder Investor*innengespräch, wieder andere gestalten leidenschaftlich gern ihre Marke. Doch wenn es sich nicht gerade um ein eingespieltes Team mit klarer Stärkenverteilung handelt, lasten alle Aufgaben auf einer Person. Neben den unterschiedlichen Themenfeldern kommt noch hinzu, dass jede Phase im Gründungsprozess neue Herausforderungen mit sich bringt.
Zu Beginn bleiben einem/einer gründenden Angestellten oder Student*in nur Feierabend und Wochenende, um an der Idee zu arbeiten. Und das häufig allein.
Später kommt Kapital ins Spiel und Investor*innen steigen ein. Damit ergeben sich mehr Möglichkeiten in der Produktentwicklung, aber auch im Aufsetzen von Systemen zur Automatisierung.
Das schafft wiederum Klarheit und Zeit, um erste Mitarbeiter*innen einzustellen, die Aufgaben übernehmen und damit etwas Luft verschaffen. Doch mit den steigenden Ausgaben werden die finanziellen Mittel wieder knapper. Oder es wird eine Agentur beauftragt, die ein Top-Marketingkonzept erstellt, welches schlimmstenfalls wochenlang in der Schublade wartet, weil durch einen plötzlichen Anstieg an Aufträgen keine Zeit mehr bleibt, es umzusetzen.
Wo bleibt da die Strategiearbeit?
Inmitten aller Feuer, die gelöscht werden wollen, stellt sich die Frage: Wie soll man die mentale Freiheit für strategische Arbeit behalten? Dabei geht es vor allem um Positionierung, Story, Vision und Mission. Diese Grundlagen dienen nicht nur als Fundament für das Marketing, sondern auch als Nordstern für Entscheidungen und Aktivitäten des gesamten Teams.
Auf die Relevanz dieser strategischen Basis wurde im einleitenden Online-Beitrag „Entrepreneurial Marketing“ bereits hingewiesen (nachzulesen unter t1p.de/n7dv5) und darin empfohlen, sich ein festes Zeitfenster pro Woche für die Strategiearbeit zu blocken. Wer das schafft, ist schon ziemlich weit. Denn es braucht zwar Zeit, spart langfristig aber enorm viele Ressourcen und sorgt für Klarheit im Handeln.
Kann das nicht einfach KI übernehmen?
Neben der Herausforderung, die anfallenden Aufgaben zu managen, stehen Gründer*innen zusätzlich vor einer Flut an Optionen: Informationen, Lernangebote und Quellen für Ideen prasseln über Social Media, Newsletter oder Podcasts auf uns alle ein. Man hat Zugang zu einer Fülle von Tools, um Ideen zu generieren, die in eine stimmige Marke mit konsistenter Sprache und durchdachter Strategie einfließen sollen. Dazu kommt ein bunter Strauß an Tools, den ein Unternehmen vermeintlich „von allein“ aufbauen kann und der auf Knopfdruck Texte, Bildwelten, Produktnamen oder Content-Pläne liefert. Eine berechtigte Frage drängt sich auf: Ist es in Zeiten künstlicher Intelligenz (KI), die Assistenten für fast alles bietet, wirklich nötig, sich noch selbst hinzusetzen?
FOMO und Tool-Fatigue
KI ist ein wunderbares Hilfsmittel, um Gedanken zu strukturieren, einen kreativen Schubs zu erhalten oder Arbeitsschritte zu automatisieren. Sich allerdings ausschließlich darauf zu verlassen, ist trügerisch. Es gibt mittlerweile eine fast unüberschaubare Zahl an Anwendungen für sämtliche Aufgaben, und viele der Tools sind kostenlos verfügbar. Das verführt dazu, sich bei möglichst vielen anzumelden und herumzuprobieren. Was folgt, ist selten effektiv. Statt Klarheit entsteht ein Gefühl des Zuviel. Zu viele Tools, zu viele unterschiedliche Features, zu viel hin und her springen zwischen den Anwendungen. Dazu kommt FOMO, die Angst, etwas zu verpassen. Was, wenn genau dieses Tool das Start-up skalieren könnte? Oder jenes die perfekte Markenidentität liefert?
Dieses „noch kurz Ausprobieren“ kostet Zeit und bringt selten substanziellen Fortschritt. Im Gegenteil, kann es sogar zur sogenannten Tool-Fatigue führen. Das Management bzw. der ständige Wechsel zwischen verschiedenen User Interfaces und die Fragmentierung der Informationen führen zu Überforderung. Neben dem Überblick verliert man so die Klarheit, welches Werkzeug welchem Nutzen dient und das Unternehmen seinem eigentlichen Ziel näherbringt.
Was also tun?
1. Systeme schlank halten
Wenn das Gefühl aufkommt, sich in der Fülle an Plattformen und Möglichkeiten zu verlieren, hilft es, einen Schritt zurückzutreten und sich auf das Ziel zu besinnen. Was ist aktuell der wichtigste Schritt? Soll die Story geschärft werden? Müssen Investor*innen oder Kund*innen angesprochen werden? Geht es darum, die eigene Präsenz weiter auszubauen? Je nachdem, wo das Unternehmen steht, kannst du die sinnvollsten Aktivitäten ableiten und gezielt Tools auswählen.
Mindestens genauso wichtig ist es, regelmäßig die Abos zu prüfen. Welche Tools wurden in den letzten drei Monaten nicht genutzt und sind diese wirklich noch relevant? Lautet die Antwort nein, kann man sie getrost kündigen. So bleiben das Set-up und der Passwort-Safe schlank.
2. Die passenden Tools wählen
Wähle deine Systeme von Anfang an mit Weitblick. Gerade zu Beginn neigen Gründer*innen dazu, sich auf akuten Bedarf und möglichst geringe Kosten zu konzentrieren. Für langfristigen Erfolg empfiehlt sich aber, sowohl die nächsten Entwicklungsstufen deines Unternehmens als auch des Systems mitzudenken. Ein mitwachsendes System macht sich langfristig bezahlt. Ein späterer Wechsel kostet hingegen nicht nur Geld, sondern auch Zeit, insbesondere wenn Schnittstellen betroffen sind oder Daten migriert werden müssen.
3. Die richtigen Dinge tunAuch bei KI kommt es auf den richtigen Einsatz an. Gute Ergebnisse beginnen mit einem guten Prompt. Dafür gibt es inzwischen unzählige Kurse und Vorlagen. Je klarer und durchdachter der Prompt, desto besser das Ergebnis. Aber: Ein guter Prompt allein reicht nicht. Selbst das schönste Ergebnis erfordert eingehende Prüfung. Denn KI erschafft nichts wirklich Neues, sondern greift auf Bestehendes zurück. Hinzu kommt, dass Suchmaschinen rein KI-generierte Inhalte erkennen. Von Menschen angepasste, individualisierte Inhalte performen meist besser. Verlass dich außerdem nicht blind auf Fakten und Quellen. Viele KIs halluzinieren und neigen zur Übertreibung. Ein Faktencheck und die Prüfung der Quellen gehören unbedingt in den Workflow.
Warum DeepTechs wie planqc und infrared.city auf Österreich setzen
Warum Österreich für führende DeepTech-Entrepreneure immer attraktiver wird, erklären planqc-CEO Alexander Glätzle und Angelos Chronis, CEO von infrared.city. Welche Rolle Forschungsexzellenz, Talente und die Unterstützung der Austrian Business Agency (ABA) dabei spielen, schildern sie im Interview.
Österreich entwickelt sich rasant zu einem Hotspot für DeepTech-Technologien, getragen von einem Innovationsökosystem, das hierzulande Forschung und Entwicklung vorantreibt. Von künstlicher Intelligenz über Quantentechnologien bis zur klimaresilienten Stadtentwicklung entsteht ein Ökosystem, das in Europa Maßstäbe setzt. Österreich hat sich hier in den vergangenen Jahren weit vorne positioniert.
Forschung und Anwendung wachsen eng zusammen
Vor allem in der Quantentechnologie zählt das Land zur internationalen Spitzengruppe. Die Universität Innsbruck, das IQOQI der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Universität Wien und das ISTA sind seit Jahren wissenschaftliche Schwergewichte und ziehen Talente wie Unternehmen gleichermaßen an.
Diese Stärke spiegelt sich auch im Start-up-Ökosystem wider: 17 Prozent aller österreichischen Start-ups werden dem DeepTech-Bereich zugeordnet, womit rund jedes sechste junge Unternehmen auf besonders forschungsintensive Technologien setzt (brutkasten berichtete). Gleichzeitig zeigt sich die hohe Reife dieser Unternehmen in der Finanzierung: Laut dem aktuellen Austrian Startup Monitor haben 36 Prozent der DeepTech-Start-ups bereits mehr als 500.000 Euro an externem Kapital aufgenommen. Für immer mehr internationale Gründer*innen und Scale-ups positioniert sich Österreich damit nicht nur als exzellenter Forschungsstandort, sondern zunehmend als strategischer Unternehmens- und Skalierungshub.
Hohe Talent- und Forschungsdichte
Eines dieser Unternehmen ist planqc, ein Spin-off des Münchner Max-Planck-Instituts. Der Quantencomputing-Hersteller holte dafür im Juli 2024 ein Series-A-Investment in Höhe von 50 Millionen Euro (StartingUp berichtete). Für den Tiroler Co-Founder und CEO Alexander Glätzle war Innsbruck nicht nur eine emotionale, sondern eine fachliche Entscheidung: Er habe hier studiert und promoviert. „In dieser Zeit erlebte ich, wie stark die Quantenforschung in Österreich ist”, erzählt er im Interview mit brutkasten.
Rund um Universität und IQOQI sei eine Community entstanden, die weltweit Maßstäbe setze. Viele Ideen und Talente, auf denen planqc heute aufbaut, stammten genau aus diesem Umfeld, sagt Alexander. “Gleichzeitig ist der Talentpool in Österreich insgesamt außergewöhnlich stark, was für ein wachsendes Quantenunternehmen wie unseres ein großer Vorteil ist“.
Diese wissenschaftliche Dichte wirkt sich unmittelbar auf die Technologieentwicklung aus. Durch die enge Vernetzung mit heimischen Forschungsgruppen könne planqc laut Alexander in Innsbruck „direkt auf eines der weltweit führenden Ökosysteme für Quantenphysik zugreifen“. Viele Mitarbeitende kenne man seit Studienzeiten, gemeinsame Projekte beschleunigten den Transfer von Laborergebnissen in industrielle Anwendungen. Dadurch verkürze sich der Weg von einem Experiment zu einem einsatzfähigen Quantencomputer erheblich – ein zentraler Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Kollaborationsnetzwerke
Auch infrared.city hat in Österreich seinen Ursprung. Das Unternehmen entwickelte eine Software, mit der Städte, Architekt*innen und Planer*innen Mikroklimabedingungen wie Hitze, Wind, Schatten oder thermischen Komfort in Echtzeit simulieren können. Die Technologie wurde am AIT City Intelligence Lab entwickelt – ein Umfeld, das laut CEO Angelos Chronis entscheidend war. Wien habe die idealen Voraussetzungen geboten. “Das starke Forschungsökosystem der Stadt, kombiniert mit Österreichs unterstützender Infrastruktur für DeepTech-Innovation, ermöglichte es uns, den Schritt von der akademischen Forschung zu einer kommerziellen Plattform zu vollziehen – mit fortlaufendem Zugang zu erstklassigem Fachwissen und starken Kollaborationsnetzwerken”, erklärt der gebürtige Grieche.
5 Erfolgsfaktoren für (bootstrappende) Start-ups
Kapital bleibt schwer zugänglich: Was Gründer*innen jetzt von bootstrappenden Start-ups lernen können.
Andreas Lehr, Bootstrapper, Gründer und Host des Podcasts Happy Bootstrapping, hat mit über 150 bootstrappenden Gründer*innen gesprochen und aus den Gesprächen fünf Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Darunter Ansätze, die jetzt im aktuellen Funding-Klima von großer Bedeutung sind.
- Extreme Kund*innenfokussierung statt starker Wachstumsfokus.
- Profitables Wachstum mit kleinen Teams, Gründen in Teilzeit.
- Nischen-Strategien, die die Skalierung in einen breiteren Markt ermöglichen.
- Community-getriebene Produktentwicklung / Building in Public.
Lehrs Erkenntnis: „Bootstrapping gewinnt in der deutschen Start-up-Landschaft sichtbar an Gewicht. Immer mehr Gründer*innen setzen auf unabhängiges Wachstum. Genau die Strategien, die Bootstrapper*innen erfolgreich machen, werden für Gründer*innen in einem vorsichtigeren Markt zu wichtigen Werkzeugen, um Unternehmen stabil aufzubauen.“
5 Erfolgsfaktoren für (bootstrappende) Start-ups
1. Build in community, not just in public
- Eine Community ist eine dauerhafte Feedback-Quelle für bestehende und kommende Produkte.
- Aufbau enger Nutzer*innengruppen auf Discord, Instagram und per On-Site-Events sorgt für loyale Unterstützung.
- Eine Community liefert Ideen für neue Features und Produkte und hilft dabei sie zu validieren.
- Enge Interaktion sorgt für Loyalität und niedrigere Customer Acquisition Cost. Building in Community ist damit die Vertiefung von Building in Public.
Beispiel: Capacities.io ist eine Note-Taking-Software, die Notizen auf die menschliche Wahrnehmung optimierte Weise strukturiert. Die Gründer haben eine Community aus 5000+ Menschen auf Discord aufgebaut, was den Support- & Onboarding-Aufwand reduziert und die Produktbindung erhöht.
2. Keine Angst vor der Nische
- Start in einer sehr klar definierten Nische mit spitzem Nutzer*inproblem.
- Nischen ermöglichen schnelles Verständnis von Marktbedürfnissen und zielgerichtetes Produktdesign.
- Hohe Eintrittsbarrieren für Wettbewerber*innen durch Expertise und Fokus.
- Nischen können nach und nach erweitert werden, um einen breiteren Markt zu erreichen.
Beispiel: parqet.com startete als FinTech für Portfolio-Tracking für die Kunden*innen einer einzigen Bank. Die Schritt-für-Schritt-Erweiterung der Services sorgte für stabiles Wachstum und ausreichend unternehmerischer Ressourcen.
3. Produktfokus: Gut Ding will Weile haben
- Produktqualität und Nutzer*inerlebnis wichtiger als schnelle Releases.
- Intensive Iterationsphasen mit frühen Nutzer*innengruppen.
- Launches werden verschoben, bis das Produkt wirklich überzeugt.
- Kund*innennähe (direktes Feedback, Support) ist der Hebel für Produktentwicklung.
Beispiel: PROJO ist ein SaaS für Planungsbüros in der Architektur und Ingenieurswesen. Die Software wurde mit den ersten drei Kunden über zwei Jahre bei regelmäßigen Check-ins verfeinert.
4. Nicht nach Version eins aufgeben
- Erste Versionen sind oft nicht erfolgreich – Fortschritt entsteht durch Ausdauer.
- Anpassungen, Repositionierungen und mehrere Iterationen können notwendig sein.
- Gründer*innen profitieren langfristig von Beharrlichkeit in derselben Produktlinie. Expertise in der Nische entsteht nicht sofort.
Beispiel: Gründer Sebastian Röhl entwickelt verschiedene Apps im Self-Improvement-Bereich, um herauszufinden, was funktioniert: WinDiary, HabitKit, LiftBear. Viele Gründer*innen berichten von einem Hockey-Stick-Moment
5. Teilzeitgründen gibt Sicherheit
- Viele Bootstrapped-Projekte starten erfolgreich neben dem Hauptjob.
- Reduzierte Arbeitszeit (z.B. 4-Tage-Woche) ermöglicht risikoreduziertes Wachstum.
- Nebenberufliche Projekte schaffen Zeit für Markttests und frühe Umsätze.
- Erst später in Vollzeit wechseln, wenn Traction vorhanden ist.
Beispiel: Treazy, ein Start-up für Socken, wurde vom Gründerduo in Teilzeit aufgebaut und beschäftigt heute beide voll. Ein(e) Gründer*in muss nicht alles stehen und liegen, um ein Start-up aufzubauen, oft reichen drei Tage oder die halbe Woche, was finanzielle Sicherheit gibt und ein langsameres Wachstum möglich macht.
Interview mit Ole Dening: Wie digitalisieren Unternehmen ihre langfristigen Beschaffungsstrategien?
Ole Dening, Co-Founder der Partbase GmbH und Experte für digitale Einkaufslösungen, erklärt, wie Unternehmen mit digitalen Tools ihre langfristigen Beschaffungsstrategien effizienter gestalten.
Lieferketten, Einkauf und Beschaffung befinden sich im Wandel. Steigende Kosten, volatile Märkte und geopolitische Unsicherheiten zwingen Unternehmen dazu, ihre Strategien neu zu denken. Besonders im Einkauf zeigt sich, dass digitale Lösungen nicht mehr nur eine Option sind, sondern zur Notwendigkeit werden. Sie schaffen Transparenz, senken Risiken und ermöglichen eine strategische Planung, die weit über kurzfristige Bedarfsdeckung hinausgeht.
Wir haben mit Ole Dening über die Digitalisierung langfristiger Beschaffungsstrategien gesprochen. Er ist Experte für digitale Einkaufslösungen und weiß, wie Unternehmen moderne Plattformen in ihre Prozesse integrieren können. Ein Beispiel dafür ist die Partbase Plattform, die es ermöglicht, Rahmenverträge effizient zu verwalten, Lieferantenbeziehungen zu pflegen und Bestellprozesse zu automatisieren – ohne dabei den individuellen Charakter der Beschaffung zu verlieren.
Ziel solcher Systeme ist es, Einkäufern mehr Handlungsspielraum zu geben und sie von administrativen Aufgaben zu entlasten. Während früher Excel-Tabellen, E-Mails und Telefonate dominierten, setzen heute immer mehr Unternehmen auf zentrale Plattformen, die alle Informationen bündeln und die Kommunikation mit Lieferanten digital abbilden.
Ole Dening erklärt, warum langfristige Beschaffungsstrategien nur dann erfolgreich sind, wenn Technologie, Daten und persönliche Beziehungen sinnvoll kombiniert werden. Wir haben mit ihm über Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und Zukunftsperspektiven des digitalen Einkaufs gesprochen.
StartingUp: Herr Dening, warum ist die Digitalisierung im Einkauf heute wichtiger denn je?
Ole Dening: Weil Unternehmen in einem Umfeld agieren, das von Unsicherheiten geprägt ist – Inflation, Lieferengpässe, geopolitische Risiken. Früher reichte Erfahrung, heute braucht es Daten, Automatisierung und Transparenz.
Gerade im MRO-Bereich (Maintenance, Repair & Operations) laufen viele Beschaffungsprozesse noch manuell ab – mit Excel-Listen, E-Mails und Telefonaten. Das kostet Zeit, Geld und ist fehleranfällig. Unsere Plattform Partbase digitalisiert diesen Prozess vollständig: Rahmenverträge, Lieferantenmanagement und Bestellungen werden automatisiert, Echtzeitdaten zu Preisen und Verfügbarkeiten integriert. Unternehmen reduzieren so ihre Prozesskosten um bis zu 30 % und gewinnen Zeit für strategische Aufgaben.
Ohne Digitalisierung droht Stillstand – und in dynamischen Märkten bedeutet das Wettbewerbsverlust.
StartingUp: Welche Rolle spielt Transparenz bei langfristigen Beschaffungsstrategien?
Ole Dening: Transparenz ist das Fundament jeder nachhaltigen Beschaffungsstrategie. Nur wer seine Lieferantenstruktur, Vertragslaufzeiten und Preisentwicklungen kennt, kann Risiken steuern und Chancen nutzen.
Partbase bietet dafür umfassende Transparenz: Aktuell knapp eine halbe Millionen Artikel, perspektivisch mehrere Millionen Artikel aus dem Bereich der Fluidtechnik (Hydraulik, Pneumatik und Drucklufttechnik), automatisierte Vertragsverwaltung, ERP-Anbindung (z. B. SAP) und Echtzeit-Dashboards zu Lagerbeständen und Lieferantenperformance.
Ein Kunde aus dem Maschinenbau stellte mit Partbase fest, dass 40 % seiner Komponenten von Single-Source-Lieferanten stammten – ein erhebliches Risiko. Durch alternative Angebote sank seine Ausfallquote um 25 %.
Transparente Daten schaffen Planungssicherheit, und Planungssicherheit ist die Grundlage strategischer Beschaffung.
StartingUp: Wie helfen Plattformen wie Partbase, ohne den persönlichen Kontakt zu Lieferanten zu verlieren?
Ole Dening: Digitale Plattformen ersetzen den persönlichen Kontakt nicht – sie verstärken ihn. Indem Routineaufgaben automatisiert werden, bleibt mehr Zeit für strategische Gespräche.
Bei Partbase nutzen Einkäufer Features wie das Collective Cart (teilbare Warenkörbe), mit dem Teams Bestellungen gemeinsam verwalten. Automatisierte Angebotserstellungen und ERP-Schnittstellen reduzieren den administrativen sowie kommunikativen Aufwand erheblich. Ein Kunde aus der Fertigung beschleunigte so seinen Bestellprozess um 40 %.
Gleichzeitig bleibt die persönliche Betreuung zentral: Unser Support reagiert innerhalb von 30 Minuten, und über Partner wie WK Hydraulik bieten wir technische Beratung, Reparaturen und Schulungen direkt vor Ort.
Kurz gesagt: Partbase digitalisiert Abläufe – nicht Beziehungen.
StartingUp: Warum ist die digitale Verwaltung von Rahmenverträgen so entscheidend?
Ole Dening: Rahmenverträge sind das Rückgrat jeder professionellen Beschaffung. Ihre Digitalisierung macht sie effizient, transparent und steuerbar.
Mit Partbase werden Verträge zentral verwaltet – mit Preisen, Laufzeiten und Konditionen in Echtzeit. Automatische Erinnerungen vermeiden Fristenversäumnisse, ERP-Anbindungen verknüpfen Verträge direkt mit Bestellungen.
So reduzieren Unternehmen den Verwaltungsaufwand um bis zu 50 % und erhöhen gleichzeitig die Preistreue. Dashboards liefern zudem Leistungsanalysen von Lieferanten, was gezielte Verhandlungen ermöglicht.
Das Ergebnis: weniger Aufwand, bessere Kontrolle, niedrigere Kosten.
StartingUp: Wo liegen die größten Herausforderungen bei der Einführung solcher Systeme?
Ole Dening: Vier Punkte treten regelmäßig auf:
1. Change-Management: Viele Mitarbeitende hängen an gewohnten Prozessen. Hier braucht es Schulung und Kommunikation, um den Mehrwert digitaler Tools zu vermitteln.
2. Datenqualität: Unvollständige oder veraltete Stammdaten bremsen die Automatisierung. Wir unterstützen Kunden bei der Bereinigung, bevor sie live gehen.
3. Systemintegration: Alte ERP-Systeme sind oft nicht standardisiert. Unsere APIs machen Anbindungen flexibel, erfordern aber initiale Abstimmung.
4. ROI-Verständnis: Manche Unternehmen zögern bei der Investition. Pilotprojekte zeigen schnell, dass sich die Einführung lohnt – häufig mit Einsparungen von 15 bis 25 %.
Mit klarem Projektplan, interner Kommunikation und starker Partnerbegleitung wird der Umstieg meist in wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen.
StartingUp: Wie wird sich die Beschaffung in den nächsten Jahren verändern?
Ole Dening: Die Zukunft des Einkaufs ist automatisiert, vernetzt und intelligent.
Digitale Plattformen übernehmen künftig viele operative Aufgaben: KI-gestützte Bedarfsplanung, Preisverhandlungen und Risikomanagement werden zum Standard. Partbase arbeitet bereits daran, diese Funktionen in seine Plattform zu integrieren.
Unsere Vision: Einkäufer konzentrieren sich auf strategische Themen –Lieferantenentwicklung, Innovationspartnerschaften, Nachhaltigkeit – während das System den Rest übernimmt.
Der menschliche Faktor bleibt entscheidend: Technologie ist nur dann erfolgreich, wenn sie den Menschen stärkt, nicht ersetzt.
Unternehmen, die jetzt digitalisieren, sichern sich nicht nur Effizienz, sondern Zukunftsfähigkeit.
StartingUp: Herr Dening, vielen Dank für das Gespräch.
Fazit: Digitale Plattformen wie Partbase zeigen, wie moderne Beschaffung funktioniert: transparent, automatisiert, aber dennoch menschlich. Sie verwandeln den Einkauf von einer reaktiven Kostenstelle in einen strategischen Werttreiber – besonders in der Industrie, wo Hydraulik, Pneumatik und Ersatzteilbeschaffung komplexe Prozesse sind.
Methoden und Didaktik im Führungstraining: Interessante Ansätze und spannende Fakten
Entdecken Sie spannende Ansätze und Fakten zu Methoden und Didaktik im Führungstraining.
Moderne Führungstrainings setzen auf eine neue Didaktik: wissenschaftlich fundiert, praxisnah und individuell. Statt Frontalunterricht dominieren heute interaktive Formate und maßgeschneiderte Lernpfade. Ziel ist es, Führungskompetenzen nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern im konkreten Handeln zu verankern – für bessere Führungsergebnisse und eine stärkere Mitarbeiterbindung.
Gerade in dynamischen Märkten wie Deutschland, wo Unternehmen wie Siemens, Bosch oder die Deutsche Telekom auf agile Strukturen setzen, gewinnt adaptives Lernen an Bedeutung. Blended Learning – die Kombination aus Präsenz- und Onlineformaten – bietet dabei maximale Flexibilität und berücksichtigt unterschiedliche Lerntypen.
Die folgenden Abschnitte zeigen, dass und wie erfolgreiche Führungstrainings Lernräume für Reflexion, Austausch und Feedback schaffen.
Maßgeschneiderte Führungskräfteseminare von flow
Gute Führung entscheidet über Motivation, Leistung und Wandel in Organisationen. Die maßgeschneiderten Führungskräfteseminare von flow sind praxisnah, wissenschaftlich fundiert und individuell auf Unternehmensziele abgestimmt.
Ob klassisches Seminar oder ganzheitliches Entwicklungsprogramm – Management- und Leadershipkompetenzen werden gezielt aufgebaut. Der Fokus liegt auf nachhaltigem Praxistransfer, klarer Rollenklärung und konkreten Alltagssituationen.
- Das PowerPotentialProfile® unterstützt bei der fundierten Analyse von Stärken und Entwicklungsfeldern.
- Persönlichkeitsentwicklung, Mindset-Arbeit und moderne Didaktik schaffen die Grundlage für wirksame Führung und starke Teams.
Dank eines erfahrenen Trainer-Teams und skalierbarer Programme lassen sich auch größere Entwicklungsmaßnahmen effizient umsetzen – national wie international.
Eine kostenlose Erstberatung bietet den idealen Einstieg in passgenaue Führungskräfteentwicklung.
Die Rolle der Didaktik in der Führungskräfteentwicklung: Was hat sich verändert?
Didaktik bezeichnet die gezielte Planung und Gestaltung von Lernprozessen – also, wie Wissen vermittelt und Kompetenzen aufgebaut werden. In der Entwicklung von Führungskräften bedeutet das, Lernformate so zu gestalten, dass sie Verhalten langfristig verändern.
Zentrale Elemente sind strukturierte Lernphasen: vom Wissenserwerb über die Anwendung bis hin zur Reflexion. Modelle wie das 70-20-10-Prinzip oder Kolbs Lernzyklus machen deutlich, wie wirkungsvolles Lernen gelingt – durch eine ausgewogene Kombination aus Erfahrung, Austausch und formaler Weiterbildung.
Entscheidend ist dabei die didaktische Kohärenz: Lernziele, Methoden und Evaluation greifen sinnvoll ineinander. Das schafft Klarheit, fördert Motivation und verbessert den Transfer in die Praxis. Empirische Studien belegen: Durchdachte Didaktik erhöht die Wirksamkeit von Trainings deutlich. Sie bildet damit die Grundlage für nachhaltige Führungskräfteentwicklung – praxisnah, fundiert und zukunftsorientiert und auch in Zeiten von Krisen.
Klassische und moderne Methoden im Vergleich: Ein „Besser“ oder „Schlechter“ gibt es nicht – oder doch?
Lange prägten klassische Formate wie Seminare und Vorträge die Weiterbildung. Sie eignen sich gut zur Vermittlung von Grundlagen, stoßen jedoch an Grenzen, wenn es um komplexe Handlungskompetenz geht.
Moderne Lernansätze setzen stärker auf Eigenverantwortung, Erfahrung und Kontext. Methoden wie Action Learning, Design Thinking oder Coaching fördern praxisnahes Lernen und kreative Problemlösung. Hybride Formate, die Theorie mit Anwendung verbinden, unterstützen einen wirksamen Lerntransfer – und steigern die Motivation.
Statt reiner Wissensvermittlung rücken Reflexion, Austausch und konkrete Anwendung in den Fokus. Simulationen, Fallstudien oder Peer-Learning schaffen Raum für gemeinsames Lernen und stärken soziale sowie kommunikative Kompetenzen.
Klassische Methoden, zum Beispiel auch rund um kritisches Hinterfragen, behalten ihren Wert – vorausgesetzt, sie sind didaktisch sinnvoll eingebettet. Entscheidend ist die Balance: Struktur und Flexibilität, Praxisnähe und Individualisierung. So entsteht ein Lernumfeld, das Führungskräfte befähigt, ihr Verhalten nachhaltig und authentisch weiterzuentwickeln.
Interaktive Lernformen und ihre Wirkung
Interaktive Lernformate wie Workshops, Planspiele oder Rollenspiele fördern aktives Mitdenken, Beteiligung und unmittelbares Feedback. Sie schaffen erfahrungsbasierte Lernräume, in denen neues Verhalten nicht nur verstanden, sondern auch erlebt und reflektiert wird.
Durch gemeinsame Aufgaben und Rückmeldungen entsteht ein vertieftes Verständnis für Führungsaufgaben. Simulationen – etwa von Konfliktgesprächen oder Entscheidungsprozessen – ermöglichen realitätsnahe Übungsszenarien, die Problemlösungsfähigkeit, Selbstreflexion und Teamverhalten stärken.
Wenn Teilnehmende eigene Erfahrungen einbringen, steigt nicht nur die Relevanz der Inhalte, sondern auch die Nachhaltigkeit des Lernens. Studien zeigen: Interaktive Formate aktivieren emotionale und kognitive Prozesse stärker als klassische Vermittlungsformate – mit spürbar höherer Motivation und langfristigerem Lernerfolg.
So entstehen lebendige Trainings, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern echte Veränderung ermöglichen – wirkungsvoll, praxisnah und passgenau für moderne Führungsanforderungen.
Was hat die Digitalisierung in Bezug auf das Führungskräftetraining verändert?
Digitale Lernformate haben die Entwicklung von Führungskräften grundlegend verändert. Sie ermöglichen orts- und zeitunabhängiges Lernen – individuell, skalierbar und anschlussfähig an den Arbeitsalltag.
Hybride Konzepte verbinden Online-Lernen mit Präsenzformaten und schaffen so eine optimale Balance aus Flexibilität und persönlichem Austausch. Virtuelle Klassenzimmer, Video-Coachings und digitale Tools fördern Interaktion und Reflexion, auch im digitalen Raum.
Learning-Analytics unterstützen die gezielte Steuerung individueller Lernpfade und machen Fortschritte sichtbar. Digitale Lernökosysteme schaffen kontinuierlichen Zugang zu Inhalten und fördern eigenverantwortliches Lernen im Flow.
Wichtig bleibt: Technologie ersetzt nicht den zwischenmenschlichen Kontakt. Entscheidend ist die didaktische Qualität … also wie Inhalte strukturiert, angewendet und reflektiert werden. Nur so entsteht ein digitales Lernumfeld, das Führung stärkt, Innovation unterstützt und nachhaltige Entwicklung ermöglicht.
Nach wie vor: Feedback und Reflexion als wichtige Lerninstrumente
Reflexion und Feedback sind essenziell für eine wirksame Führungskräfteentwicklung. Sie fördern Selbsterkenntnis, schaffen Orientierung und unterstützen den Transfer in den Arbeitsalltag.
Professionelles Feedback – etwa durch Peer-Coaching, kollegiale Beratung oder strukturierte Rückmeldeschleifen – macht Stärken sichtbar und zeigt Entwicklungspotenziale auf. Reflexionsphasen ermöglichen es, Erfahrungen gezielt zu analysieren und in Handlungsstrategien zu überführen.
Die Verknüpfung von Theorie und Praxis wird gestärkt, nachhaltiges Lernen gefördert. Modelle wie der Lernzyklus nach Kolb veranschaulichen, wie regelmäßige Reflexion Lernprozesse vertieft und den Kompetenzaufbau unterstützt. Besonders wirkungsvoll sind Lernformate, die Feedback nicht als Bewertung, sondern als Entwicklungschance begreifen. Entscheidend ist eine offene Lernkultur, in der Fragen erlaubt und Fehler Teil des Prozesses sind.
So entstehen Führungspersönlichkeiten, die sich selbst und andere wirksam weiterentwickeln können.
Auch wichtig: Die Teamdynamik und gruppenbezogene Lernprozesse
Lernprozesse in Gruppen fördern wichtige soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. In Führungstrainings spielt die Dynamik innerhalb von Teams eine zentrale Rolle, da Führung stets im Zusammenspiel mit anderen erfolgt.
Gemeinsame Übungen, Projektarbeiten und kollektive Reflexionen schaffen ein Umfeld, in dem Vertrauen wächst und offener Austausch möglich ist. Durch das gemeinsame Lösen von Problemen entstehen neue Perspektiven und kreative Lösungsansätze.
Gruppenlernen macht Lernprozesse sichtbar und unterstützt gegenseitige Hilfe. Studien zeigen, dass das gemeinsame Lernen Motivation und Behaltensleistung deutlich verbessert. Modelle wie das Phasenmodell der Gruppenentwicklung – Forming, Storming, Norming, Performing – veranschaulichen, wie sich Gruppen im Lernprozess entwickeln und welchen Einfluss das auf den Lernerfolg hat.
Eine teamorientierte Didaktik verbindet den Wissensaufbau mit sozialem Lernen und stärkt so nachhaltig Führungsfähigkeiten und den Erfolg von Führungsteams.
Kulturelle und emotionale Faktoren: Welche Rolle spielen sie im Lernprozess?
Kulturelle und emotionale Aspekte beeinflussen maßgeblich, wie Führungskräfte lernen und handeln.
- Unterschiedliche Werte, Kommunikationsstile und Erwartungen formen Lernprozesse und erfordern eine bewusste Berücksichtigung kultureller Unterschiede, besonders in internationalen Trainings.
- Gleichzeitig spielt emotionale Intelligenz eine zentrale Rolle. Sie umfasst die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle zu erkennen und zu steuern, fördert Empathie, Selbstwahrnehmung und den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen.
- Didaktische Konzepte, die emotionale Faktoren integrieren, ermöglichen intensivere Lernerfahrungen. Studien belegen, dass emotionale Aktivierung die Gedächtnisleistung und Motivation steigert, da sie wichtige neuronale Netzwerke aktiviert.
- Lernumgebungen, die Vertrauen, Offenheit und kulturelle Sensibilität fördern, also den bewussten Umgang mit verschiedenen Normen und Kommunikationsweisen, unterstützen die Entwicklung von Führungskompetenzen besonders effektiv.
So entsteht ein ganzheitliches Lernen, das kulturelle und emotionale Grenzen überwindet.
Wie wird sich das moderne Führungskräftetraining in Zukunft weiterentwickeln?
Die Führungskräftebildung der Zukunft wird geprägt von Personalisierung, technologischen Innovationen und einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Adaptive Lernsysteme, künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen ermöglichen individuell zugeschnittene Lernwege und fördern kontinuierliches Lernen.
Gleichzeitig gewinnt sinnorientierte Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung. Trainings zielen nicht nur auf den Kompetenzaufbau, sondern auch auf die Vermittlung von Werten ab.
Spielerische Elemente wie Gamification und virtuelle Realität erweitern die didaktischen Möglichkeiten und schaffen neue Lernerfahrungen. Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis fördern innovative Forschungsansätze und Pilotprojekte.
Zukunftsorientierte Führungstrainings verbinden digitale Innovationen mit der persönlichen Entwicklung der Lernenden. Dieser Wandel erfordert eine flexible Didaktik, die Lernen als lebenslangen Prozess begreift. So bleibt die Führungsausbildung ein wesentlicher Erfolgsfaktor moderner Organisationen und Ausdruck einer lebendigen, lernenden Unternehmenskultur.
Abschließendes: Darum ist es so wichtig, das Thema „Führungskräftetraining“ immer wieder anzugehen
Führungskräftetraining ist ein unverzichtbarer Bestandteil erfolgreicher Organisationsentwicklung. Die Anforderungen an Führungskräfte verändern sich stetig – durch technologische Innovationen, globale Vernetzung und neue Werteorientierungen. Um den komplexen Herausforderungen gerecht zu werden, braucht es kontinuierliche Weiterbildung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch praktische Kompetenzen fördert. Nur so können Führungskräfte flexibel und wirksam agieren.
Zudem sorgt regelmäßiges Training dafür, dass Führungskräfte ihre eigene Rolle reflektieren, ihre sozialen Fähigkeiten stärken und sich auf wechselnde Teams und Märkte einstellen. Führung ist immer auch Beziehungsarbeit, die eine kontinuierliche Entwicklung verlangt. Wer diesen Prozess vernachlässigt, riskiert nicht nur den Erfolg der Organisation, sondern auch die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden.
Deshalb ist es entscheidend, das Thema Führungskräftetraining immer wieder aufzugreifen und den Lernprozess als festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu verankern.
Sportive Learnings für dein Business
3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen – das ist die zu bewältigende Distanz beim legendären IRONMAN-Triathlon. Slatco Sterzenbach hat diesen Wettkampf 17 Mal absolviert und zeigt, was Höchstleistung im Sport und Erfolg im Business gemeinsam haben.
Siebzehnmal an die eigenen Grenzen gehen, 17 Mal durch Höhen und Tiefen kämpfen, 17 Mal über die Ziellinie kommen – doch die wichtigste Erkenntnis aus diesen Wettkämpfen hat nichts mit Sport zu tun. Es geht um weit mehr als körperliche Ausdauer: Es geht um mentale Stärke, strategische Planung und die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Diese Prinzipien sind universell und lassen sich auf nahezu alle Lebensbereiche übertragen – insbesondere auf Unternehmertum und persönliche Entwicklung.
Die wahre Herausforderung beginnt lange vor dem Wettkampftag
Viele bewundern Athlet*innen für ihre Leistung am Wettkampftag. Doch die wahre Herausforderung beginnt nicht erst an diesem Tag, sondern in den Jahren und Jahrzehnten davor. Es sind die unzähligen Stunden des Trainings, die Überwindung von Müdigkeit und der Verzicht auf Bequemlichkeit, die letztlich über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Viele fragen mich: Wie schafft man es, einen IRONMANTriathlon oder gar 17 solcher Wettkämpfe zu absolvieren? Die eigentlich spannende Frage lautet aber: Wie hält man 25 Jahre Leistungssport durch? Wie schafft man es, fast jeden Tag mehrere Stunden zu trainieren – auch wenn das Wetter schlecht ist, der Körper müde oder das Leben gerade andere Herausforderungen bereithält? Wie kann man täglich Höchstleistung erbringen, auch wenn niemand zuschaut?
Genau hier liegt die essenzielle Verbindung zum Unternehmertum.
Unternehmer*innen und Extremsportler*innen brauchen eine starke Vision
Jeder große Erfolg beginnt mit einer klaren Vision. Als ich damals mit dem Triathlon begann, war mein Ziel eindeutig: Ich wollte zur Weltmeisterschaft nach Hawaii. Diese Vision hat mich durch die Jahre getragen, mich motiviert, wenn es schwierig wurde, und mir geholfen, dranzubleiben.
Genauso braucht ein(e) Unternehmer*in eine klare Vorstellung davon, wo er/sie in drei, fünf oder zehn Jahren stehen will. Ohne diese langfristige Perspektive wird es schwer, schwierige Phasen zu überstehen und durchzuhalten, wenn Rückschläge kommen. Wer nicht weiß, warum er/sie morgens aufsteht und worauf er/sie hinarbeitet, verliert schnell den Antrieb. Eine starke Vision ist der Kompass, der durch stürmische Zeiten leitet.
Klare Ziele und messbare Fortschritte sind entscheidend
Visionen sind wichtig, doch ohne klare Ziele bleiben sie nur Träume. Als Leistungssportler wusste ich jeden Tag genau, was ich trainieren musste, welche Herzfrequenz, welche Wattzahl oder welche Kilometerleistung zu erreichen war. Ich habe alles getrackt – Ernährung, Trainingseinheiten, Erholungsphasen.
Im Business ist es genauso: Ohne messbare KPIs kann kein Unternehmen langfristig wachsen. Tägliche, wöchentliche und monatliche Ziele sind essenziell, um Fortschritte zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Eine große Vision allein reicht nicht – es braucht auch eine Strategie, präzise Meilensteine und das konsequente Überprüfen der Zwischenergebnisse.
Wachstum entsteht durch Herausforderungen und bewusstes Scheitern
Jede Trainingseinheit bedeutet in gewisser Weise ein Scheitern. Beim Krafttraining gehen wir ans Muskelversagen, beim Ausdauertraining erleben wir Momente der totalen Erschöpfung. Doch genau in diesen Phasen wächst der Körper – und genauso wächst auch ein Unternehmen oder eine Persönlichkeit durch Herausforderungen.
Viele scheuen sich davor, Fehler zu machen oder Rückschläge zu erleben. Doch in Wahrheit sind diese Momente essenziell für den Fortschritt. Ein(e) erfolgreiche(r) Unternehmer*in lernt, Fehler als wertvolle Lektionen zu sehen. Die größte Herausforderung besteht darin, sich immer wieder aus der Komfortzone herauszubewegen – egal ob als Sportler*in oder Unternehmer*in.
Ein weiteres Prinzip aus dem Leistungssport: Es ist nicht erfolgreich, wer am meisten Talent hat, sondern wer über Jahre hinweg konstant dranbleibt. Denn eines muss man wissen: Konstanz schlägt Talent. Viele Menschen überschätzen, was sie an einem Tag erreichen können, aber unterschätzen, was sie in einem Jahr oder Jahrzehnt schaffen können.
Wenn du dich jeden Tag nur um ein Prozent verbesserst, wirst du in einem Jahr eine völlig neue Ausgangssituation haben.
Der richtige Rhythmus: Balance zwischen Anspannung und Entspannung
Häufig wird Erfolg mit einem Marathon verglichen. Doch in Wahrheit ist das Leben kein gleichmäßiger Dauerlauf, sondern eine Abfolge von intensiven Phasen und bewussten Erholungsmomenten. Im Sport ist die Superkompensation – der Wechsel zwischen Belastung und Erholung – entscheidend für langfristige Leistungssteigerung.
Dasselbe gilt im Unternehmertum: Wer dauerhaft auf Höchstleistung fährt, ohne Pausen einzuplanen, riskiert langfristig einen Einbruch. Erfolgreiche Unternehmer*innen wissen, wann es Zeit ist, sich zu fordern – und wann es wichtig ist, sich zurückzulehnen, Energie zu tanken und mit neuer Kraft weiterzumachen. Methoden wie die Pomodoro-Technik (eine Zeitmanagement-Methode des Italieners Francesco Cirillo) helfen dabei, fokussierte Arbeit mit bewussten Pausen zu kombinieren.
Fehler sind keine Hindernisse – sie sind der Weg
Viele Menschen haben Angst vor Fehlern. Doch wer sich weiterentwickeln will, muss Fehler nicht nur akzeptieren, sondern aktiv annehmen. Ich sehe Fehler als Indikatoren für Wachstum. Jeder Fehltritt, jede Herausforderung bringt mich weiter – im Sport genauso wie im Business.
Unternehmer*innen, die Angst vor Problemen haben, bleiben stehen. Doch wer versteht, dass Herausforderungen zum Prozess dazugehören, kann sie sogar willkommen heißen. Es geht nicht darum, Probleme zu vermeiden, sondern sie als Chancen zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln.
Erfolg beginnt im Kopf – glaube an dich selbst
Einer der größten Erfolgsfaktoren ist die mentale Haltung. Unsere Glaubenssätze bestimmen, was wir für möglich halten – und was nicht. Wer sich selbst kleinredet, wird niemals seine vollen Potenziale ausschöpfen. Wer jedoch an sich glaubt und seine inneren Blockaden überwindet, kann unglaubliche Erfolge erzielen.
Als ich meinen ersten IRONMAN startete, hatte ich keinen Beweis, dass ich jemals 17 Finishes erreichen würde. Aber ich hatte den Glauben daran. Genauso ist es im Unternehmertum: Nur wer daran glaubt, sein Unternehmen groß zu machen, wird auch Wege finden, um genau das zu erreichen.
Erfolg ist eine bewusste Entscheidung
Letztendlich ist Erfolg kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Die Frage ist nicht, ob du erfolgreich sein kannst, sondern ob du bereit bist, den Preis dafür zu zahlen – mit Disziplin, Durchhaltevermögen und der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen.
Wer bereit ist, langfristig zu investieren, sich immer wieder aus der Komfortzone zu bewegen, an seine Vision zu glauben und Rückschläge als Teil des Weges zu akzeptieren, wird außergewöhnliche Erfolge erzielen. Denn am Ende sind es nicht die äußeren Umstände, die über Erfolg entscheiden, sondern die innere Einstellung und die täglichen Handlungen, die wir wählen.
Der Autor Slatco Sterzenbach ist Experte für mentale und physische Peak Performance für Unternehmer*innen sowie Buchautor von: „Iron Mind – Die 55 geheimen Gesetze der Peak Performance“, https://go.iron-mind.de
Neue Narrative gesucht
Warum es sich für Start-ups auszahlt, Unternehmensbotschaften in einen wertstiftenden Kontext zu setzen – insbesondere in medial übererregten Zeiten.
In Zeiten multipler Krisen, geopolitischer Turbulenzen und wirtschaftlicher Unsicherheiten verwundert es wenig, dass bisherige Gewissheiten infrage gestellt werden. Selbstverständliche Narrative und Regelwerke, die uns als Gesellschaft verbinden, drohen auseinanderzubrechen. Kohärente Zukunftsbilder, basierend auf einem dem Menschen dienenden Fortschritt, scheinen sich partiell in Sehnsüchte nach der Vergangenheit aufzulösen.
Im zunehmend komplexen, polarisierten, politisierten und moralisierten öffentlich-medialen Raum eröffnen sich für Start-ups bzw. deren Gründer*innen interessante Möglichkeiten, ein auf die Unternehmensziele einzahlendes Narrativ aufzubauen. Eines, das zugleich Zuversicht in gesellschaftliche Narrative einwebt. Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft, über den Tellerrand hinaus in größeren Zusammenhängen vernetzt zu denken und zu kommunizieren.
Den altlastenfreien Innovationsweitblick nutzen
Start-ups sind auf Medienarbeit und Öffentlichkeitswirkung angewiesen, sei es für die Erklärung einer neuen Technologie, die Bekanntmachung der eigenen Marke, Produkte oder Dienstleistungen, die Gewinnung neuer Mitarbeitenden oder auch Investor*innen, die eine Finanzierungsrunde ermöglichen.
Sie sind per definitionem Unternehmen, die sich durch eine neue, innovative Geschäftsidee und hohes Wachstumspotenzial auszeichnen. Nicht wenige von ihnen wirken disruptiv auf traditionelle Geschäftsmodelle ein. Und sie befinden sich in Gründung, sind im Neu-Erfinden, mit Blick nach vorne, mit einer Vision, frei von in der Vergangenheit eingegangenen und heute einschränkenden Verbindlichkeiten sowie frei von zukunftserschwerenden internen Strukturen. Ganz anders als zahlreiche Großkonzerne, die sich in Krisen- oder unsicheren Zeiten nicht selten mit hohem Zeit-, Geld- und Erklärungsaufwand um den Abbau (von Mitarbeitenden, Strukturen etc.) und nicht um zukunftsgestaltenden Aufbau kümmern dürfen.
Start-ups beschäftigen sich tagein, tagaus mit Zukunft. Es geht um Wachstum, das Erreichen der nächsten Unternehmensphase, der nächsten Finanzierungsrunde bzw. der nächsten zu finanzierenden Wachstumsphase – immer mit dem Ziel, die Unternehmensvision wirklicher werden zu lassen. Sie sind daher prädestiniert, in Zeiten des „krassen Wandels“ neue Narrative, neue Zukunftserzählungen, gesellschaftlich positiv wirkend mitzuschreiben.
Häufig sind Start-ups im Internet- oder Technologiebereich tätig, einem Sektor, der auf die derzeitige sogenannte Zeitenwende sehr beschleunigend einwirkt. Ihr altlastenfreier Innovationsweitblick ermöglicht es ihnen, mit ihrer Expertise sinn- und wertstiftend für ihr Unternehmen in den öffentlichen Diskurs einzusteigen und dadurch auch gesellschaftlich lösungsorientiert sowie sinn- und wertvoll zu kommunizieren – wenn sie denn strategisch vorgehen bzw. die Möglichkeiten, die Kommunikation insbesondere im jetzigen Zeitfenster bietet, intelligent nutzen.
Die Möglichkeiten intelligent umsetzen
Kommunikation sollte von Beginn an so angelegt sein, dass sie kontinuierlich und besonnen als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, des Businessplans, die Unternehmenszielsetzung zu unterstützen vermag und nicht für ein kurzzeitig zwar helles, aber letztlich inszeniertes, geld- und zeitverbrennendes Strohfeuer missbraucht wird.
Kommunikationsarbeit kann heute in Teilen effizient mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erledigt werden. Erkennbar ist inzwischen jedoch, dass mit der Automatisierung der Kommunikationswerkbank bzw. der Erledigung der handwerklichen Aufgaben durch KI vieles, das der strategischen Differenzierung, Positionierung, Abgrenzung zum Mitbewerb im öffentlich medialen Raum und somit dem Wettbewerbsvorteil dient, vernachlässigt wird. Denn KI ist zur Lösung dieser strategischen Aufgabe, diesem vernetzten Denken sowie der Kontextualisierung nicht in der Lage. Gründer*innen sollten aber auf diese strategische Möglichkeit des intelligent vernetzten Kommunizierens nicht verzichten und sich gerade im Hinblick auf das Narrativ sehr bewusst mit dem medialen „In-Kontext-Setzen“ der eigenen Unternehmensbotschaften beschäftigen.
Die Einordnung von Unternehmensbotschaften in einen größeren medialen und gesellschaftlichen Kontext ist nicht zu unterschätzen. Innovative Ideen und Botschaften genialer Gründer*innen können im individuell gewählten Kontext mit Impulsen der Märkte, aber auch gesellschaftlichen Entwicklungen und eventuell regulatorischen Anforderungen medial verbunden werden. In der jetzigen Zeitenwende, die neue gesellschaftliche Narrative erst noch finden muss, ist das eine spannende Perspektive für Start-ups im Hinblick auf ihr zu hebelndes Entwicklungspotenzial.
Es ist immens hilfreich, sich in einer sehr frühen Entwicklungsphase zu überlegen, in welchem inhaltlichen Kontext das eigene Start-up mit seinen Produkten, Dienstleistungen, Anliegen und seinem Know-how sichtbar werden möchte. Weitere wertvolle Fragestellungen sind beispielsweise: Welcher Kontext macht potenzielle Kund*innen neugierig und unterstützt bei der Wertschaffung? Welche Medienkanäle und -formate können dabei helfen? Wie lässt sich das Risiko minimieren, einem intransparenten Kontext ausgeliefert zu sein, der im schlimmsten Fall dem Unternehmen oder schlichtweg der Reputation schadet?
Was gilt es zu beachten, was zu vermeiden?
Es birgt Risiken, sich bei der Medienauswahl zum Beispiel nur auf einen einzigen trendigen Social-Media-Kanal zu fokussieren. Aufgrund der aktuellen Algorithmus-Politik der digitalen Plattformbetreibenden ist es für die Nutzer*innen von Social-Media-Kanälen weder vorhersehbar noch transparent, geschweige denn planbar, wem in welchem Kontext die eigenen Botschaften zugespielt werden. Es ist der Algorithmus, der Zielgruppe und Kontext bestimmt.
Wichtig ist daher, in größtmöglicher Unabhängigkeit von einzelnen Social-Media-Kanälen zu kommunizieren, auch aufgrund der in mancher Hinsicht verwirrenden Verschiebungen bei Regularien, beim Common Sense im Tech getriebenen medialen Raum sowie bei den Geschäftspraktiken der Tech-Konzerne. Fokussiert sich ein Start-up zu stark auf einen einzelnen dieser Kanäle, kann es zudem ohne eigenes Verschulden in eine missliche Lage geraten, wenn beispielsweise die Plattform einen Reputationsschaden erleidet oder nicht mehr en vogue ist – wofür es reale Beispiele gibt.
Social-Media-Kanäle unreflektiert ganz zu meiden, wäre (Stand heute) ein falsch gezogener Schluss; es gilt vielmehr, die für das eigene Anliegen geeigneten Plattformen – so weit sie sich wirklich eignen – zu durchschauen, um sie klug neben anderen, auch klassischen Medien im wohl durchdachten Medienmix zu nutzen.
Aktuelle Entwicklungen in der Social-Media-Welt zeigen, dass der Glaube naiv ist, auf den digitalen Plattformen der großen Tech-Giganten einen erkenntnisgewinnenden Diskurs mitgestalten zu können, der auf Inhalten sowie sich gegenseitig beziehenden Argumenten basiert und das eigene Narrativ losgelöst von den Interessen der Plattformanbietenden aufbaut. Dabei verkannt werden die mit dem Geschäftsmodell der Tech-Konzerne verbundene Architektur sowie die dahinterstehende Monetarisierung und Marktlogik. Die Art und Weise, in der sich deren Algorithmen auf die Verbreitung eingespielter Botschaften, Kommentare und Bewertungen auswirkt, bedient primär das Anliegen der Tech-Konzerne, verwertbare Daten für das eigene Geschäftsmodell zu generieren, und zahlt bestenfalls eingeschränkt auf die Kommunikationsstrategie der Nutzer*innen ein.
Fazit
Professionelle Unternehmenskommunikation in den heutigen einerseits Paradigmen verändernden und andererseits medial übererregten Zeiten heißt für Start-ups vor allem, klare Botschaften, die eine stringente Unternehmensentwicklung bzw. -vision vermitteln, in einen für das Unternehmen transparenten sowie inhaltlich relevanten medialen Kontext zu setzen. Selbstbestimmt und Stakeholder-orientiert, jedoch nicht Algorithmus geleitet, lassen sich so unternehmerische Handlungsspielräume kommunikativ kreieren und vergrößern – eine große Chance in der nach neuen Narrativen suchenden Zeitenwende.
Die Autorin Christiane L. Döhler ist Inhaberin von DOEHLER Communications in München und verfügt über langjährige Erfahrung sowohl in der Private-Equity-/Venture-Capital-Branche als auch in der Beratung zu Strategie, Positionierung und Kommunikation.
