Wie du als Gründer*in mit Fehlern umgehen solltest

Autor: Nils Hartmann
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Für viel Stress sorgt es, wenn Fehler im Entwicklungsprozess erst sehr spät auffallen und aufwändig korrigiert werden müssen. Besser ist es, möglichst früh Fehler zu machen. Denn die Idee, dass eine Entwicklung ohne Rückschläge möglich ist, ist eine Utopie. Die entscheidende Frage ist: Wie werden Fehler schnellstmöglich entdeckt, um im Zeitplan zu bleiben und unnötige Kosten zu vermeiden?

SpaceX hat keine Probleme mit dem Scheitern

Was unterscheidet SpaceX und die NASA? Vor allem die Art zu arbeiten. Die NASA simuliert und zertifiziert alles, jede Schraube entspricht Weltraumstandards. In der Regel verwendet die NASA Baugruppen, die erprobt und bewährt sind. Das hemmt Innovationen und man bedient sich nicht der modernen technischen Möglichkeiten.

Auf der anderen Seite steht SpaceX. Das private Raumfahrtunternehmen geht in fast allen Bereichen mit großem Erfolg neue Wege. Vor allem die Art der Entwicklung ist eine vollkommen andere – modern und viel schneller. SpaceX verzichtet auf die Zertifizierung aller Teilkomponenten und weist die Eignung einzelner Baugruppen durch gezielte Tests nach. Designs können schnell abgeändert und verbessert werden. Gerade bei der aktuellen Prototypen-Serie „Starship“ zeigt SpaceX dies eindrucksvoll. Das Unternehmen fertigt die Prototypen nahezu fließbandartig und lässt jeden Erkenntnisgewinn in die nächste Version einfließen. Der Fokus liegt dabei nicht darauf, schon ab der ersten Version alle Projektziele zu erreichen.

Stattdessen sollen mit jedem Test möglichst viele Erkenntnisse gewonnen werden. Fehlfunktionen und Misserfolge sind dabei stets willkommen. Das Credo: Wenn alles direkt auf Anhieb funktionieren würde, könnte man nicht ausschließen, dass der Erfolg Zufall war.

Die Arbeitsweise von SpaceX hat neben dem schnellen Fortschritt noch einen weiteren entscheidenden positiven Aspekt: Das Scheitern wird nicht mehr als negatives Erlebnis wahrgenommen, sondern als das verstanden, was es ist: als notwendiger Zwischenschritt des Fortschritts und ein willkommenes Ereignis auf unbekannten Wegen.

Was können Start-ups von SpaceX lernen?

Grundsätzlich werden bei allen Projekten zunächst die Anforderungen an das Produkt erhoben und diese dann Stück für Stück abgearbeitet, entwickelt, produziert und getestet. Das funktioniert gut, wenn man sich in einem Bereich befindet, in dem das Unternehmen zuhause ist – nennen wir diesen Bereich die Komfortzone. Daneben gibt es aber auch noch den Bereich außerhalb der Komfortzone, der Bereich hinter dem Tellerrand oder einfach gesagt, das unentdeckte Feld, in dem die Innovationen liegen.

Im Bereich des Prototyping muss dieses strikte und strukturierte Vorgehen neu gedacht werden. Im Anschluss an die Anforderungserhebung ist es wichtig, das Gesamtprojekt zu segmentieren und zum Teil zu vereinfachen. Das Teilprojekt kann dann mit dem üblichen Entwicklungsablauf realisiert werden, ist jedoch bedeutend schneller abgeschlossen. Diese Teilergebnisse können selbst wieder verwendet werden, um Erfahrungen zu sammeln, sei es durch eigene Tests oder durch Nutzerbefragungen. Im Anschluss können Anpassungen vorgenommen, Teilprojekte wieder zusammengeführt oder eventuell sogar verworfen werden. Insgesamt verkürzt das die Zeit zum Markteintritt und bietet durch die Reifung innerhalb des Entwicklungsprozesses einen Marktvorteil.

Wer unterm Strich weniger Geld für Fehler ausgeben will, sollte folgende Tipps beherzigen:

  • Gesamtprojekt in Teilprojekte zerlegen.
  • Möglichst viel Feedback einholen (von Nutzern, Fachfremden, aus der Produktion und von anderen Entwicklern).
  • Viel testen und erproben.
  • Tests und Ergebnisse analysieren und gründlich dokumentieren.
  • Mut haben zu kreativen neuen Ansätzen.

Der Autor Nils Hartmann ist selbständiger Technischer Berater für die Konzeption und Entwicklung von technischen Prototypen und Produktinnovationen.

 

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