Bluu Seafood: Fisch, zellfrisch!


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Bluu Seafood ist das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat.

Wir sind auf dem besten Weg, unsere Ozeane und damit die Nahrungsquelle von Milliarden Menschen vollkommen zu zerstören. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gelten über 90 Prozent der weltweiten Fischbestände bereits seit 2020 als überfischt oder maximal befischt. Mehr als drei Billionen Meerestiere werden jedes Jahr getötet – ein Großteil davon als Beifang. Und auch für uns Menschen wird Fischkonsum immer gesundheitsschädlicher: Der Gehalt an Mikroplastik und anderen bedenklichen Stoffen wie Schwermetallen nimmt stetig zu. Dennoch bleibt Fisch beliebt: Pro Kopf verspeist jeder Deutsche 14 kg Fisch und Fischereierzeugnisse pro Jahr – Tendenz steigend. Hinzu kommt, dass viele Menschen weltweit selbstgefangenen Fisch brauchen, um sich und ihre Familien ernähren zu können. Wie lösen wir dieses Dilemma?

Meeresbiologe trifft auf E-Commerceler

Diese Frage treibt Sebastian Rakers schon lange um. Der promovierte Zell- und Meeresbiologe beschäftigt sich seit mehr als zwölf Jahren mit der Erforschung und Entwicklung von Fischzelllinien, unter anderem an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik (EMB; jetzt Fraunhofer IMTE) in Lübeck. 2018 traf er dann den Unternehmer Simon Fabich. „Mir ging es damals wie vielen Wissenschaftlern: Ich wollte gern mehr bewegen und den Transfer von der Forschung in die Praxis aktiv vorantreiben, traute mir aber ohne die nötige unternehmerische Erfahrung den Alleingang nicht zu“, erinnert sich Sebastian. „Als ich Simon traf, war schnell klar, dass wir uns prima ergänzen würden. Er als erfolgreicher Gründer mit der notwendigen betriebswirtschaftlichen Erfahrung, ich mit dem fundierten, wissenschaftlichen Know-how aus mehr als einem Jahrzehnt angewandter Forschung.“

Gemeinsam gründeten sie Bluu Seafood (damals noch Bluu Biosciences), das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat. Seit April 2021 zählt auch der US-Unternehmer und Molekularbiologe Dr. Christian Dammann als COO zum erweiterten Führungsteam. Mittlerweile hat Bluu 25 Mitarbeitende, die daran arbeiten, das kultivierte Fischfilet auf unsere Teller zu bringen.

Von der Zelle …

Am Anfang steht das natürliche Zellwachstum. Man entnimmt einem Fisch einmalig eine Zellprobe und extrahiert aus dieser Stammzellen, um im Anschluss eine sog. immortale Zelllinie zu entwickeln, die sich unbegrenzt vermehren und teilen lässt. Dafür braucht es viel Erfahrung und Geduld, will man wie bei Bluu Seafood die Immortalisierung der Zelllinien auf natürlichem Weg ohne gentechnische Manipulation erreichen. Die immortalen Zellen vermehren sich durch die Fütterung mit einem Wachstumsmedium – eine Flüssigkeit, die der Zelle alle zum Wachsen benötigte Nährstoffe gibt und ihr sagt, in welche Form sie sich differenzieren soll. Im Biofermenter erfolgt sodann die weitere Kultivierung.

 „Man kann sich den Prozess ähnlich wie in einer Brauerei vorstellen, nur dass wir Regenbogenforellen und Lachs herstellen statt Bier“, beschreibt Sebastian den Prozess mit einem Augenzwinkern. „Der Prozess verläuft ähnlich wie bei kultiviertem Fleisch, wobei Fische zwar tendenziell weniger hohe Wachstumsansprüche stellen, aber auch weniger erforscht sind. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die dieses Wissen haben.“ Setzt man dieses Wissen gut ein, wachsen die Zellen im Fermenter schließlich an Gerüststrukturen zu dreidimensionalen Produkten wie einem Fischfilet.

… zum Fischstäbchen

Allerdings wird es bis zum fertigen Filet noch bis mindestens 2024 dauern, denn ein Filet ist durch seine 3D-Struktur und die verschiedenen enthaltenen Zelltypen sehr komplex. Als erste Produkte wird das Foodtech-Start-up dieses Jahr die einfacher strukturierten Fischbällchen und Fischstäbchen vorstellen – sog. hybride Produkte, die neben Fischprotein auch andere gesunde, pflanzenbasierte Proteine enthalten. „Wenn wir wirklich den massenhaften Fischkonsum revolutionieren wollen, müssen wir logischerweise auch die Massenmärkte und -produkte adressieren“, betont Sebastian.

Als nächstes steht die Expansion nach Asien an, einer der größten Konsument*innenmärkte für Fischprodukte. Bluu kooperiert bereits mit dem chinesischen Unternehmen CellX, das kultivierte Schweinefleischprodukte entwickelt, um dort gemeinsam den Zulassungsprozess für alternative Proteine zu beschleunigen. „Für unsere Investor*innen sind alternative Proteine ein Investment in eine zukunftsträchtige, innovative Lebensmitteltechnologie, die komplett verändern wird, wie wir uns und wie sich die nachfolgenden Generationen ernähren. Aber sie sind auch ein Investment mit langem Atem“, erklärt Sebastian und ergänzt: „Das Business ist F&E-intensiv und auch die Zulassungsprozesse sind aufwendig. Bei geschätzten globalen Marktgrößen von bis zu einer Trillion (!) USD im Jahr 2035 lohnt es sich allerdings, früh mit einer starken Position im Markt und entsprechendem IP dabei zu sein.“

Das sehen die bisherigen Geldgeber*innen ähnlich: 2021 konnte Bluu Seafood in einer Seed-Runde mehr als 7 Mio. Euro einsammeln und einen internationalen Investor*innenkreis begeistern, darunter als Late Investor DX Ventures (Delivery Hero). „Wir sind mit unserer Technologie sehr skalierfähig, wir produzieren die weltweit am häufigsten konsumierten Fischarten und stellen noch dieses Jahr ein erstes Produkt vor. Damit ist Bluu Seafood bereits heute in der Lage, an den wenigen Wettbewerber*innen, die schon länger im Markt sind, vorbeizuziehen“, beschreibt Sebastian die Marktlage. „Für unsere Investor*innen und künftigen Kund*innen gilt das Motto: It’s never been more delicious to save our planet!“

Sebastians und Simons Tipps für andere Gründer*innen

1. Sei fokussiert: Gerade nach einer ersten erfolgreichen Fi­nanzierung prasseln hunderte Angebote auf dich ein, von denen du die meisten nicht brauchst. Vieles klingt verlockend, doch du solltest dich auf das konzentrieren, was dir wirklich hilft.

2. Bau dir ein Team auf, dem du bedingungslos vertrauen kannst: Es gibt so viele Aufgaben, die alle zeitlich kritisch sind. Daher brauchst du ein voll belastbares und gut funktionierendes Team, in dem sich jeder gegenseitig unterstützt. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, als Gründer*in loszulassen, Themen abzugeben und den Mitarbeitenden Vertrauen zu zeigen.

3. Bleib am Boden: Erfolg bringt Aufmerksamkeit und damit auch jede Menge Anerkennung. Dennoch halten wir es für enorm wichtig, am Boden zu bleiben und nicht abzuheben. Erfolg kommt nicht von allein, dafür muss weiter hart gearbeitet werden. Gerade in forschungsintensiven Bereichen zahlt sich Ausdauer aus.

4. Überlege gut, wessen Geld du nimmst: Neben der rein finanziellen Entscheidung ist es enorm wichtig, was ein(e) Investor*in dir noch bringen kann. Welche Kontakte hat er/sie, wie kann er/sie dich bei den nächsten Schritten und dem Wachstum unterstützen und dieses möglichst noch beschleunigen? Sieh es als Partnerschaft, denn du bist schließlich jemand, der Geld von anderen, die an dich glauben, einsetzt. Dafür und für den Erfolg solltest du dir Gedanken zu den langfristigen Zielen und Perspektiven machen.

5. Kenne deinen Markt: Wer gründet, brennt für seine Idee und kann andere begeistern. Wenn es um disruptive Ideen geht, sollte man aber bei allem Enthusiasmus die Kund*innen nicht aus dem Blick verlieren. Sonst besteht die Gefahr, an deren Nutzen vorbeizuentwickeln. Frühe User*innen-Tests und Feedback-Schleifen sind ein Muss.

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Richten Sie Ihr eigenes virtuelles Spieleentwicklungsstudio ein: Wie man es macht.

Sie haben schon immer davon geträumt, in der Videospielbranche zu arbeiten, wissen aber nicht, wo Sie anfangen sollen? Wir zeigen die wichtigsten Do-dos.

Die Einrichtung eines eigenen virtuellen Entwicklungsstudios für Games ist ein guter Weg, um in die mobile Spieleindustrie einzusteigen. Mit den richtigen Tools und ein wenig Know-how können Sie Ihre eigenen Handyspiele entwickeln und sie schnell und einfach auf den Markt bringen.

Was Sie für den Einstieg brauchen

Um loszulegen, brauchen Sie ein paar Dinge: Zunächst einmal eine gute Idee für ein Spiel. Das kann alles sein, von einem einfachen Puzzlespiel bis hin zu einem intensiven Multiplayer-Erlebnis. Die Branche der mobilen Spiele ist riesig und die Anwendungen für die Entwicklung mobiler Spiele sind vielfältig. Deutschsprachige Anwendungen profitieren von der Verbreitungsmöglichkeit im wirtschaftlich starken DACH-Raum. Einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der mobilen Spieleindustrie ist die Online-Glücksspielbranche. Wenn Sie mit Ihrer Entwicklung erfolgreich sind, könnte Ihre Arbeit auf einer Vielzahl von Plattformen zu finden sein, z.B. in einem Online Casino der Schweiz neu auftauchen oder als Download auf Gaming Plattformen und in App-Stores zu finden sein.

Sobald Sie Ihre Idee haben, müssen Sie einen Weg finden, sie zu entwickeln. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können entweder einen professionellen Spieleentwickler beauftragen oder eine der vielen Spielentwicklungsplattformen nutzen, die online verfügbar sind.

Welche Art von Spielen Sie entwickeln sollten

Es gibt viele verschiedene Genres und Untergenres von Videospielen, daher ist es wichtig, dass Sie dasjenige auswählen, das Ihren Interessen und Fähigkeiten am besten entspricht. Eine beliebte Option sind Handyspiele. Mit über zwei Milliarden aktiven Smartphone-Nutzern auf der ganzen Welt gibt es einen riesigen potenziellen Markt für Handyspiele. Außerdem ist die Entwicklung für mobile Plattformen im Allgemeinen weniger komplex und zeitaufwändig als die Entwicklung für Konsolen oder PC. Wenn Sie also darüber nachdenken, Ihr eigenes virtuelles Gaming Studio zu gründen, sollten Sie die Entwicklung von Handyspielen in Betracht ziehen. Mit einem großen potenziellen Markt und einem relativ einfachen Entwicklungsprozess könnten Sie auf dem Weg zum Erfolg sein.

Wie Sie Ihre Spiele vermarkten

Es gibt viele Dinge zu beachten, wenn Sie Ihr eigenes virtuelles Studio gründen. Eine der wichtigsten Fragen ist, wie Sie Ihre Spiele vermarkten werden. Es gibt einige Möglichkeiten:. Die einfachste und altmodischste Form ist die Mundpropaganda. Erzählen Sie Ihren Freunden und Verwandten von Ihren Spielen und bitten Sie sie, sie weiterzuempfehlen!

Eine weitere leicht zugängliche Option sind die sozialen Medien. Richten Sie eine Twitter- oder Facebook-Seite für Ihr Studio ein und posten Sie Updates über Ihre Spiele. Sie können Online-Communities und Foren zum Thema Mobile Gaming beitreten und Ihre Entwicklungen dort mit potenziellen Spielern teilen. Sie können auch an Online-Diskussionsforen teilnehmen und Ihre Spiele in Ihrer Signatur erwähnen.

Bezahlte Werbung ist eine weitere Option, dabei müssten Sie etwa Werbeflächen auf beliebten Webseiten für Spiele oder auf Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter kaufen. Eine weitere Möglichkeit des Marketings ist das Sponsoring von Gaming-Events oder Streamern, die Handyspiele spielen.

Warum die Entwicklung Ihres eigenen virtuellen Spielestudios eine großartige Gelegenheit ist

Es gibt viele Gründe, warum die Einrichtung eines virtuellen Spielestudios aufstrebenden Spieleentwicklern eine großartige Gelegenheit bietet, ihre Talente in Erfolgsgeschichten zu verwandeln.

Zunächst einmal haben Sie die volle Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal - wenn Sie erfolgreich sind, liegt es an Ihnen und Ihrem Team. Sie können von jedem Ort der Welt aus operieren - alles, was Sie brauchen, ist eine gute Internetverbindung. Auch die Einstiegshürden sind relativ niedrig - Sie brauchen keine teuren Geräte oder Räumlichkeiten. Es gibt einen wachsenden Markt für mobile Spiele - immer mehr Menschen spielen sie jeden Tag und die mobile Spieleindustrie wird in den kommenden Jahren exponentiell wachsen. Wenn Sie also eine Leidenschaft für Spiele haben und Ihr eigenes Studio gründen wollen, könnte dies der perfekte Zeitpunkt dafür sein.

Fazit

Die Zukunft der Spieleindustrie ist eine, in der viele kreative Menschen mit ihrem eigenen Studio Fuß fassen wollen und können. Und es ist nicht so schwierig, wie es vielleicht scheint. Mit ein wenig Planung und einigen grundlegenden Kenntnissen für den Anfang können Sie sich auf den Weg zum Erfolg machen.

Die Spielebranche - noch immer ein Zukunftsmarkt?

Wie sieht es für jungen Unternehmen aus, die mit nachhaltigen Strategien in der Spielebranche Fuß fassen möchten?

Immer wieder heißt es, dass bestimmte Teilbereiche der Spielebranche tot sind oder überhaupt erst keine Zukunft in der Chance haben. Das Beispiel, das in diesem Zuge oft genannt wird, befasst sich mit der Anfangszeit der Computerspiele. Zahlreiche Experten sahen diese als einen bloßen Trend an, der keine wirkliche Chance hat, denn der geneigte Spieler wird davon schnell wieder ablassen und zurück zu Gesellschaftsspielen finden. Wie so oft haben sich die großen Experten getäuscht, heute tätigen die Entwickler von PC- und Konsolenspielen Umsätze im mehrstelligen Milliardenbereich.

Doch wie sieht es mit jungen Unternehmen aus, die
mit nachhaltigen Strategien in der Spielebranche Fuß fassen möchten? Besteht überhaupt noch die Chance, gegen die wirklich großen aus der Szene anzutreten und was braucht es, um gegen diese zu bestehen?
Tatsächlich sind es in der Spielebranche nach wie vor die Ideen, die eine Grundlage für alles bilden. Ohne die Idee ergibt es für ein Start-up erst gar keinen Sinn, ein Konstrukt darum herum zu entwerfen. Natürlich braucht es weiterhin ein starkes Team und die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen. So muss etwa
beim Skalieren des Unternehmens präzise der Markt eingeschätzt werden. Gelingt es einem tatsächlich, ein eigenes Produkt zu vermarkten, so ist es zum einen schlimm, wenn mit der Produktion und der Logistik nicht mitgehalten werden kann, zum anderen noch schlimmer, wenn der Umsatz und die Gewinne nicht ausreichen, um die große Produktion und das Team zu bezahlen.

Ohne erfahrenes Team ist Erfolg kaum möglich

PC- und Konsolenspiele sind die Domäne der großen, namhaften Hersteller. Als kleines Start-up hat man hier kaum eine Chance. Das sieht allerdings vollkommen anders aus, wenn es um iOS Spiele geht. Der Umfang von Apps ist in keiner Weise mit dem eines Konsolenspiels zu vergleichen. Oftmals steckt hinter einem einzigen Spiel ein einzelner Entwickler, der damit einen Überraschungserfolg landet.

Wie einfach das Programmieren von Apps oder ähnlich kleinen Programmen sein kann, das zeigen diese Apps. Tatsächlich kommt es bei einer App oder bei kleineren Spielen, die in erster Linie für das Smartphone gedacht sind, noch weitaus mehr auf die gute, grundlegend neue Idee an. Die Konkurrenz ist groß, das bedeutet allerdings auch, dass die Mehrheit der angebotenen Spiele oder Apps nicht unbedingt von bester Qualität ist. Mit einem engagierten Team, dem richtigen Marketing und einer eifrigen Pflege der App, die sich durch Updates und neue Versionen manifestiert, ist der Erfolg tatsächlich planbar.

Je einfacher, desto erfolgreicher

Dass die simpelsten Ideen manchmal die besten sind, das versteht sich mittlerweile von selbst. Gerade, wenn es um das Spielerische geht, braucht es oftmals nicht viel, um jemanden von seiner Idee zu überzeugen. Der Anfänger schätzt einfache Spiele, sie ermöglichen ihm, sich langsam und mit System voranzutasten. Wer sein Genre oder seine Spielreihe für sich gefunden hat, der wird sich ohnehin für komplexere und schwierigere Spiele in Zukunft entscheiden, das versteht sich von selbst. Doch für junge Unternehmen, die den Erfolg in der Spielebranche suchen, ergibt sich damit die Gewissheit, dass die besten Möglichkeiten in den einfachen und kleinen Dingen zu finden sind. Ein nachträgliches Skalieren ist immer zu einem späteren Zeitpunkt möglich, sodass der Fokus mit Nachdruck auf die erfolgreichen Anfänge gelegt werden darf.

Wie IT-Lösungen Unternehmen zukunftsfähig machen – 4 innovative Tech-Start-ups

Wir stellen Tech-Start-ups vor, die mit ihren Innovationen erfolgreich neue Wege gegangen sind.

Viele junge Start-ups entwickeln digitale Lösungen, mit denen sich die vielfältigen Herausforderungen in diesem Bereich bewältigen lassen. Vier sehr engagierte Start-ups haben quasi als Vorreiter Technologien entwickelt, die Geschäftsprozesse schneller, effizienter und sicherer machen. Ihnen verdanken Kund*innen neue und leistungsstarke Internetverbindungen, Software zur Abwicklung von Immobiliengeschäften, Systeme im Segment Datenhoheit und zukunftsweisende Lösungen in Sachen Text- und Video-Übersetzungen.

Cordaware – ZTNA statt VPN?

Eine VPN-Verbindung war lange Zeit das Nonplusultra in Sachen Verbindung zwischen Homeoffice und Unternehmen. Der größte Nachteil am „Virtual Private Network“ bestand allerdings darin, dass sich immer nur eine einzige Leitung aufbauen ließ. Solange es nur Kommunikation zwischen zwei Personen gab oder die Leitung nur zu einem Ziel führte, war diese Form der Verbindung eine optimale, weil extrem sichere Lösung. Zwei Nachteile von VPN-Verbindungen sind der Aufwand, den IT-Abteilungen für die Einrichtung der Verbindung aufbringen muss und die heute nicht mehr ausreichende Geschwindigkeit.

Durch die verstärkte Vernetzung von Unternehmen sowie die wachsende Komplexität von IT-Systemen und Netzwerken sind neue Lösungen notwendig. VPN ist zudem in Sicherheitsfragen nicht das Optimum. Zwar ist das Eindringen in die gesicherte Verbindung unmöglich, aber über den Hack eines mit VPN ausgestatteten Computers öffnet sich für den Cyberkriminellen das gesamte, an der VPN-Verbindung hängende Netzwerk des betreffenden Unternehmens.

Die potenzielle Nachfolgetechnologie heißt ZTNA (Zero Trust Network Access). Sie ist in der Lage, nur Verbindungen zu den Daten bzw. Applikationen aufzubauen, die der jeweilige Mitarbeitende tätigkeitsbedingt benötigt. Er kann nicht auf andere Ressourcen des Unternehmens zugreifen. War es bisher notwendig, existierende IT-Infrastrukturen anzupassen, so hat Cordaware, ein 1995 gegründetes Start-up mit Sitz in Pfaffenhofen, mit Cordaware bestzero eine entsprechende Lösung entwickelt.

Der Mitarbeitende muss sich lediglich eine spezielle Appsbox auf sein Endgerät laden. Über diese kann er sich dann mit dem „Hive“, von dem festgelegt wird, auf welche Ressourcen der Mitarbeitende zugreifen darf, sowie einem Server zur Authentifizierung im Unternehmen verbinden. Die Besonderheit bei Cordaware bestzero besteht darin, dass der Aufbau der Verbindung nicht von außen nach innen, wie bisher beim Konzept ZTNA üblich, sondern von innen nach außen aufgebaut wird.

Der Hive kann darüber hinaus die Appsbox des Mitarbeitenden mit einer unbegrenzten Zahl von Kunden verbinden, wodurch sich unternehmensübergreifende Projektarbeiten vereinfachen. Insgesamt bietet das Unternehmen mit seiner Entwicklung mehr Sicherheit und Flexibilität bei gleichzeitig weniger Aufwand.

REO – Digitale Lösungen für Immobilienunternehmen

Ungeachtet der Tatsache, dass sie eine Notwendigkeit darstellt, kommt die Digitalisierung in der Real-Estate Branche freundlich ausgedrückt nur langsam voran. Zu stark sind die bisherigen Praktiken wie Netzwerken und Besichtigungen auf persönlicher Ebene noch in den Köpfen verankert. Allerdings tut sich etwas, denn augenblicklich verändern sich die Ansprüche des Marktes hinsichtlich digitaler Arbeitsmethoden.

„Es besteht ein großer Bedarf nach mobilen Lösungen und einfacher, zentralisierter Kommunikation. Gleichzeitig sind Immobilienvertriebe wie Makler als wichtiger Bestandteil des Marktes nicht wegzudenken, da dieser immer komplexer wird. Wenn dieser deutlich technologie- und softwaregestützter durch Lösungen wie REO arbeiten kann, strahlt das auf alle Parteien im Prozess aus und führt zu besseren Resultaten“ erklärt Lucas Christel, Co-Gründer von REO.

Spätestens die Corona-Beschränkungen haben dazu geführt, dass sich nicht nur die Arbeitsweise der Makler, sondern auch die Form der Begegnungen verändert hat. Beides geschieht immer häufiger über digitale Kanäle. Nach der Entwicklung des digitalen Immobilien-Marktplatzes offmade haben die Brüder Lucas und Lennart Christel REO erdacht, eine innovative und mobile Maklersoftware. Sie ist sozusagen die Weiterführung von offmade.

Mit seiner Maklersoftware möchte REO seine Vision eines digitalen und dennoch persönlichen Drahtes zu Kund*innen jeder Couleur ermöglichen und unterstützen. Die Software und die dazugehörige App ermöglichen es Immobilienmakler*innen, mit ihrer Kundschaft zu kommunizieren und sämtliche Tätigkeiten des Maklerberufs auch von unterwegs abzuwickeln.

Das ist möglich durch einen über die Plattform zugänglichen, integrierten Datenraum. Alle relevanten Informationen, Daten und Dokumente zu einem Immobiliengeschäft können in diesem einen Tool gesammelt und abgerufen werden. „REO ermöglicht Immobilien Sales-Teams wie z.B. Maklern, Maklerunternehmen, Bauträgern, Projektvertrieben und Banken digital und mobil zu arbeiten. Die Software verfügt über die erste moderne App, mit der alle Workflows auch von unterwegs funktionieren“, erklärt Gründer und CEO Lucas Christel die Funktionsweise von REO.

Uniki – Alternative zu großen Clouds

Nicht jedes Unternehmen kann die Kosten für große Cloud-Dienstleister auf Dauer stemmen. Dieser Umstand brachte Matthias Bollwein und Roman Leuprecht aus München auf die Idee, 2017 ihr Unternehmen Uniki GmbH zu gründen. Das Münchner Star-tup bietet kleinen Unternehmen mit seinen eigenen Servern mehr Unabhängigkeit von den großen Online-Diensten. Dazu setzt Uniki auf eine Kombination aus Private-Cloud-Box und eigener Plattform mit Web-Anwendungen und schafft so einen neuen, besseren Standard in Sachen Datenhoheit in diesem Segment.

Kostensparend wirkt sich für die inzwischen mehr als 200 Unternehmen, die die Server von Uniki inzwischen genutzt haben aus, dass das Start-up „Hardware von der Stange“ verwendet. Das bedeutet, dass die vom Unternehmen „Elly“ genannten Systeme keine teuren Hardware-Eigenentwicklungen sind, sondern aus Standardkomponenten bestehen. Zudem wird auch die Software nicht für teures Geld neu designt. Vielmehr integriert Uniki bereits existierende Linux-Anwendungen auf seiner Plattform. Viele der Software-Programme basieren auf Open Source und haben sich bereits lange bewährt. Dazu bietet das Unternehmen passende Apps an. Insgesamt finden Kund*innen etwa 50 angepasste Anwendungen auf der Plattform.

Ergebnis ist eine private Cloud für jeden, ohne Kompromisse zwischen Privatsphäre und Benutzer*innenfreundlichkeit. Sämtliche Daten liegen an einer zentralen Stelle im eigenen Unternehmen, was die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen wesentlich erleichtert. Der Vorteil besteht darin, dass Uniki eine Komplettlösung aus privatem Server und einfach zu bedienender Cloud-Plattform bietet.

Mit der „Collaboration Suite“ von Uniki können Unternehmen kollaborativ arbeiten, bei gleichzeitig hoher und DSGVO-konformer Datensicherheit. Zukünftig sollen die bisher zum Einzelpreis verkauften Server von Unternehmen gegen eine monatliche oder jährliche Gebühr auch als Abo gebucht werden können.

vidby – neue Qualität bei Video- und Textübersetzungen

Text- und Videoübersetzungen gibt es schon länger, bisher allerdings mangelte es solchen Übersetzungen vor allem an einem, nämlich an Qualität. Ein Video mit Sprachspur von der Ursprungssprache in eine andere zu übertragen, ist ein hochkomplexer Vorgang, für den es viel Erfahrung und auch technisches Know-how braucht. Das von Alexander Konovalov und Eugen von Rubinberg gegründete Start-up vidby besitzt beides, viel Know-how und KI-basierte Technologie.

Fast alle heute veröffentlichten Videoinhalte sind in englischer Sprache und dies, obwohl gerade einmal 12 Prozent der Weltbevölkerung überhaupt Englisch spricht und/oder versteht. Das bedeutet, dass wichtige Informationen und wertvolles Wissen für den größten Teil der Menschheit unzugänglich bleiben. Das wollten die Gründer von vidby, die übrigens schon den „Vorgänger“ DROTR gründeten, ändern und haben eine Software entwickelt, die mithilfe von Algorithmen und KI schnelle und vor allem qualitativ hochwertige Übersetzungen erstellt.

Als Hauptzielgruppen gelten B2B bzw. B2G, also vor allem international agierende Unternehmen, Medienunternehmen, NGOs, öffentliche Organisationen, Influencer, Bildungsinstitutionen und auch staatliche Institutionen. Zielgruppe sind also alle, die mithilfe von Video-Übersetzungen ihre Gewinnorientierung verfolgen oder sonstige Ziele erreichen möchten, z.B. die Erhaltung von Wissen.

Wodurch sich vidby von anderen Unternehmen unterscheidet, sind eine hohe Benutzer*innenfreundlichkeit, die Bestellgeschwindigkeit und vor allem die Qualität der Übersetzungsleistung. Hinzu kommt ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.

Für die Bestellung einer Video-Übersetzung oder Voice-over braucht es keine Anrufe oder sonstigen Erläuterungen, der gesamte Bestellprozess wird automatisiert durchgeführt.

Der hohe Grad der Automatisierung ermöglicht ein nahezu sofortiges Ergebnis, denn für eine Minute des Videos muss der/die Kund*in eine Wartezeit von lediglich zwei Minuten einplanen. Von einer solch kurzen Wartezeit profitieren vor allem Kund*innen, die eine hochwertig übersetzte, sprachlich sehr gute Videonachricht in kürzester Zeit benötigen.

Fazit – Förderung von Technologien stützt den Wirtschaftsstandort Deutschland

Zum Glück gibt es unzählige kluge und kreative Köpfe, die mit ihren Ideen nicht nur die Digitalisierung vorantreiben können, sondern es Unternehmen, Behörden und sonstigen Institutionen ermöglichen, effizienter, kund*innenorientierter und vor allem kostensparender zu arbeiten. Die Start-up-Szene ist eine wichtige Basis für den Wirtschaftsstandort im DACH-Raum und sollte deshalb von allen relevanten Seiten gefördert werden.

FemTech-Report 2022

Vom Nischendasein zum Hot Topic: Zahlen, Fakten und FemTech-Start-ups.

Im Rahmen einer Start-up- und Marktanalyse hat die Digital-Health-Beratung Brainwave den deutschen FemTech-Markt genauer unter die Lupe genommen. Die Erkenntnis: Lange Zeit wurde das Thema digitalgestützte Lösungen für die Frauengesundheit vernachlässigt, obwohl es immerhin die Hälfte der Bevölkerung betrifft. Mittlerweile scheint das Potenzial bei Gründer*innen und Investor*innen angekommen zu sein, denn in den Bereichen Technologie, neue Geschäftsmodelle und Start-up-Finanzierungen ist im letzten Jahr viel passiert.

Was ist FemTech?

Der Begriff umschreibt technologische Angebote und Services, die sich auf die Gesundheit der Frau konzentrieren. Die Lösungen reichen von Fruchtbarkeits- und Zyklus-Tracking, über Schwangerschaftsbegleitung und Tele-Hebammen bis hin zu Lösungen zum Thema Sexual Awareness und Menopause. Aber auch E-Commerce-Produkte, wie Periodenunterwäsche oder Supplements komplementieren den Trend. Der Begriff FemTech wurde insbesondere durch Ida Tin geprägt – die Gründerin der Zyklus- und Periodentracking App Clue.

Die wichtigsten FemTech-Trends

Viele FemTech-Angebote, besonders jene aus dem Bereich Schwangerschaft und Geburt, sind bereits in der medizinischen Versorgung angekommen. So wird beispielsweise die 2017 zur Schwangerschaftsbegleitung und Geburtsvorbereitung entwickelte App keleya heute von 19 Krankenkassen erstattet; das Start-up profitierte in der Pandemie von erhöhten Nutzungszahlen (monatlich 20.000 aktive Nutzerinnen im Jahr 2021).

In den letzten Monaten konnte ein rasantes Ansteigen an digitalen Geschäftsmodellen rund um das Thema Reproduktionsmedizin beobachtet werden. Start-ups wie Avery Fertility, Levy oder fertilly sind neu in den Markt eingestiegen und befassen sich mit Fruchtbarkeitsdiagnostik, künstlicher Befruchtung und Social Freezing (Einfrieren von Eizellen).

Das Jahr stand außerdem ganz im Zeichen der Onkologie: Start-ups wie Happie Haus, PINK! oder Brea treiben erfolgreich digitale Innovationen für Frauen mit Brustkrebs voran. Darüber hinaus entstehen auch neue Start-ups im Bereich Sexual Awareness, wie bspw. being female. Kurz gesagt: Der Start-up-Markt ist in Bewegung.

VC-Investments im FemTech-Bereich

Das globale Finanzierungsvolumen für FemTech-Start-ups lag im Jahr 2019 bei über 590 Mio. US-Dollar und war damit zehnmal so hoch wie noch vor zehn Jahren. Wenngleich dies 2019 gerade einmal zehn Prozent der weltweiten VC-Investments ausmachte, verstärkt sich der Trend doch zunehmend: In den Jahren 2020 und 2021 zeichnete sich ein konstant wachsendes Finanzierungsvolumen für FemTech-Start-ups ab. 2021 überstiegen die weltweiten VC-Investitionen in diesem Bereich zum ersten Mal die Marke von 1 Mrd. Dollar.

In Europa erhielten UK-Start-ups im vergangenen Jahr beachtliche Summen an Risikokapital: Das Londoner Start-up Elvie (auch auf dem deutschen Markt aktiv) erhielt 68 Mio. Euro in einer Series C-Finanzierungsrunde. Der Anbieter der Zyklustracking-App Flo Health erhielt 50 Mio. Dollar in einer Series B-Runde.

Die deutschen Start-ups fertilly und pregfit erhielten ein Seed-Funding. Auch wenn Investor*innen offensichtlich ein immer größeres Vertrauen in FemTech-Start-ups haben, steht das Finanzierungspotenzial noch klar am Anfang. Die Investitionen sind weiterhin nur ein winziger Betrag im Vergleich zum weltweiten VC-Funding oder den medizinischen Gesundheitsausgaben für Frauen (500 Mrd. Dollar). Hinzu kommt, dass FemTech-Start-ups meist von Frauen gegründet werden und diese es, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, oft schwerer haben, Risikokapital einzusammeln. Der banal klingende Grund hierfür: Die Investor*innen-Community besteht zum Großteil aus Männern (94 Prozent bei den Top-100-Unternehmen), welche die Gesundheitsprobleme von Frauen in vielen Fällen nicht wirklich verstehen.

Die deutsche FemTech-Start-up-Landschaft

Brainwave hat den deutschen FemTech-Start-up-Markt analysiert und in einer übersichtlichen Marktdarstellung zusammengefasst (s. Abbildung). Dabei wurden verschiedene Kategorien entwickelt, welche die unterschiedlichen Bereiche des Markttrends abdecken. Die Kategorien zeigen deutlich, dass der größte Teil des Marktes von Start-ups bzw. Lösungen aus der Rubrik „Zyklus- und Fruchtbarkeitstracking“ ausgemacht wird. In diesem Bereich sind vor allem digitale Angebote in Form von Tracking-Apps, Vergleichsportalen für Verhütungsmittel sowie Wearables und weitere Tools vertreten. Neben den etablierten Playern im Bereich „Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung“ werden in der Kategorie „Telemedizin & Testkits“ jene Start-ups zusammengefasst, die sich mittels Selbsttest-Kits chronischen Frauenkrankheiten widmen und häufig online einen integrativen Ansatz anbieten. Im Vergleich zum Jahr 2020 kam die neue Kategorie „Reproduktionsmedizin“ hinzu, welche die Themen „Fruchtbarkeitsdia­gnostik und Social Freezing“ abdeckt. Zusätzlich dazu heben sich Start-ups aus den indikationsgetriebenen Trends „Brustkrebs“, „Endometriose“ und „Menopause“ immer stärker hervor. Die Start-ups innerhalb dieser Kategorie versuchen, Frauen entlang des Patientinnenpfades mit Tracking, Digitalen Therapien, Supplements oder Communities zu unterstützen. Last, but not least finden sich in der Übersicht auch die Rubriken „Perioden-Konsumgüter“ und „Sexual Awareness“.

FemTech – quo vadis?

Der deutsche FemTech-Markt ist ein wachsender Markt mit viel Innovationspotenzial. Er bietet die Möglichkeit, nicht nur vielen Frauen auf der Welt zu helfen, sondern auch spannende unternehmerische Chancen auszuschöpfen. Der FemTech-Markt hat in den vergangenen Jahren starke Wachstumsraten erfahren und bleibt weiterhin eines der vielversprechendsten Segmente im Digital-Health-Markt mit einem riesigen Potenzial, verschiedenste sog. Pain Points im Bereich der Frauengesundheit zu lösen. Innovative Geschäftsmodelle in bereits etablierten Segmenten wie Schwangerschaft, Geburt und Zyklus werden mit Wachstumskapital und einer steigenden Akzeptanz weiter gestärkt und in den Massenmarkt getragen. Zukünftig kann erwartet werden, dass auf dem deutschen Markt weitere FemTech-Start-ups nach internationalen Vorbildern entstehen. Dies könnte insbesondere für Indikationen aus den Segmenten Menopause und Endometriose geschehen. Ebenfalls zu erwarten ist der Aufbau von Gesundheitsplattformen, die das Ziel verfolgen, Frauen umfassend mit verschiedensten Rundum-Services zu begleiten.

Im Folgenden stellen wir stellvertretend für die vielen, inhaltlich unterschiedlich aufgestellten FemTech-Start-ups vier Unternehmen im Kurzprofil vor:

Wisefood: Die Zero-Waste-Profis

Wie Wisefood mit seinen essbaren Trinkhalmen und ökologischen (Mehrweg-)Produkten zum Vorreiter für nachhaltigen Gastro-Bedarf wurde.

Große Veränderungen beginnen oft im Kleinen, und manchmal entspringt der erste Schritt einer mehr oder weniger spontanen Idee. Im Jahr 2017 erkannten Studierende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dass bei der Herstellung von Lebensmittelprodukten Abfälle und Reststoffe anfallen, die sich sinnvoll nutzen lassen. „Bei der Herstellung von Apfelsaft bleiben die wertvollen Fasern übrig, der sogenannte Apfel­trester“, so Philipp Silbernagel, Mitgründer und Geschäftsführer der Wisefood GmbH, „und wir wollten daraus essbare Strohhalme herstellen.“

Was als akademisches Projekt und Hobby begann, entwickelte sich zu einem Vorreiterunternehmen, das heute in einem boomenden Marktsegment führend ist. Wisefood bietet ein wachsendes, breit aufgestelltes Portfolio von ökologischen Einweg- und zunehmend auch Mehrwegprodukten für Speisen und Getränke, angefangen beim Trinkhalm, über Besteck und Teller bis hin zu Küchenprodukten und Kerzen. „Wir verkaufen auf allen Kanälen“, sagt Philipp, „vom Groß- und Einzelhandel, über Online-Plattformen und natürlich über unseren eigenen Shop.“ Wisefood beliefert überwiegend Gastronomie und Handel, aber auch Privatkund*innen. Die meisten Produkte laufen unter der Marke Wisefood, einige Händler*innen und Markenhersteller*innen setzen auf Whitelabel-Lösungen. Wisefood ist mittlerweile in über 30 Ländern verfügbar, Tendenz steigend.

Start mit der Nudelmaschine

Der Weg dahin war alles andere als einfach. „Die ersten Prototypen für den essbaren Trinkhalm entstanden in Handarbeit mithilfe einer Nudelmaschine“, so Philipp. Zusammen mit seinen damaligen Mitgründern Danilo Jovicic und Konstantin Neumann wollte er eine Manufaktur für hochpreisige, essbare Trinkhalme aufbauen. „Dann haben wir uns intensiv mit dem Markt für Verpackungen und Einwegprodukte beschäftigt und festgestellt, dass hier sehr viel Müll entsteht und kaum etwas nachhaltig ist.“ Die Gründer erkannten das Potenzial ihrer Idee. Doch die ersten, noch in Handarbeit hergestellten Trinkhalme kosteten 50 Cent und waren damit nur für einen kleinen Nischenmarkt attraktiv. Die Erkenntnis reifte, dass nur ein sehr günstiges Produkt, das auch in der Masse funktioniert, einen spürbaren Unterschied machen würde.

Lernen durch Rückschläge

Anfangs war Wisefood komplett durch eigene Ersparnisse finanziert. „Dann haben wir ein Crowdfunding erfolgreich durchgeführt und gemerkt, dass sich die Leute für Nachhaltigkeit und für unser Produkt interessieren“, so Philipp. 2018 folgte eine kleinere Finanzierungsrunde mit Business Angels. Im selben Jahr ging das Team zur TV-Show „Die Höhle der Löwen“, etwas verfrüht, wie sich herausstellte. „Die Idee weckte zwar Begeisterung, doch in der Testrunde löste sich unser Trinkhalm auf und gab Geschmack an das Getränk ab“, erinnert sich Philipp, ein absolutes No-Go. Nach der Absage der Investor*innen stellte sich die Frage, ob man überhaupt weitermachen sollte. Philipp und sein Team gaben nicht auf und nahmen sich vor, dass zur Ausstrahlung der Sendung, also innerhalb von sechs Monaten, das Produkt marktreif sein sollte. „Die vielen Rückschläge, die wir im Laufe der Zeit hatten, waren wichtige Momente, die uns weitergebracht haben“, so Philipp.

Größer denken

Im Jahr 2019 sortierte sich das Team neu. Zwei Gründungsmitglieder stiegen aus, Maximilian Lemke als Head of Operations, und Patricia Titz als Head of Sales and Business Development stießen dazu. Kennengelernt hatten sich die drei bei UnternehmerTUM, dem Gründerzentrum der TU München. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir ein gutes Team sind, und Wisefood zusammen groß machen können“, sagt Philipp. Es folgte der Umzug nach Garching, wo die Räumlichkeiten des Gründerzentrums und vor allem das Netzwerk genutzt werden konnten.

Das Produkt war noch längst nicht reif für den Massenmarkt. München und das Umland boten die passenden Labore sowie Spezialist*innen für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit, zudem ein Ökosystem mit vielen weiteren nachhaltigen, technologielastigen Start-ups. Als neuer Investor kam DX Ventures, der Investmentarm von Delivery Hero, mit an Bord. Besonders bei der Entwicklung und der Produktion musste das Team umdenken. „Zu Beginn haben wir auf kleine Labore gesetzt, um unsere Lebensmittelprodukte zu entwickeln“, sagt Philipp, „doch im Rückblick hätten wir früher auf die Spezialist*innen setzen und die Produktion mit Expert*innen hochfahren sollen.“ Zum Beispiel kaufte das Team am Anfang kritische Werkzeuge für die Produktion selbst, etwa einen Extruder für die Trinkhalme. Weil ein einziges Bauteil kaputt ging und nicht schnell genug neu beschafft werden konnte, verlor das Team mehrere Monate. „Aus solchen Lek­tionen haben wir gelernt, größer zu denken“, so Philipp. Heute produziert Wisefood bei einem der führenden Lebensmittelhersteller*innen in München.

Mehr Produkte und Smart Money

Als es im Jahr 2019 zum ersten großen Deal mit Aldi kam, der die Produkte von Wisefood deutschlandweit in alle Märkte des Discounters brachte, sah es aus, als hätten es Philipp und sein Team geschafft. „Einer der schönsten Momente als Gründer ist, wenn man die eigenen Produkte im Laden sieht“, so Philipp. Als die Wisefood-Trinkhalme in über 4000 Aldi-Filialen standen, wurde der Erfolg mit dem ganzen Team gebührend gefeiert. In dem Geschäftsjahr, nur zwei Jahre nach der Gründung, erzielte Wisefood einen siebenstelligen Umsatz bei sechsstelligem Gewinn.

Doch dann folgte mit der Corona-Krise die nächste Zäsur. „Als Restaurants schlossen, Veranstaltungen ausfielen und die Menschen nicht mehr ausgingen, brach die Nachfrage massiv ein“, sagt Philipp, „und da haben wir gemerkt, dass wir mit der Ein-Produkt-Strategie, nur mit unserem Trinkhalm, nicht weit kommen.“ Das Team konzentrierte sich auf die Erweiterung des Produktsortiments, mit neuen Produkten wie Besteck und Tellern. Seitdem kann Wisefood nicht nur viel mehr Kund*innen ansprechen, sondern sind auch die Warenkörbe größer geworden. Für die sommerliche Grillparty gibt es zum Beispiel passende Sets aus nachhaltigem Einweggeschirr.

Dies ist ein Auschnitt aus einem Beitrag aus unserem aktuellen Printmagazin: Mehr dazu liest du in der StartingUp - Heft 02/22 - ab dem 2. Juni 2022 im Handel – jederzeit online bestellbar - auch als ePaper erhältlich - über unseren Bestellservice

Digitalstage.io: Fanbindung 2.0

Die Berliner Plattform Digitalstage.io ermöglicht es Künstler*innen, mit ihren Fans weltweit digital in Kontakt zu treten und neuartige Monetarisierungsmodelle zu nutzen.

Die vergangenen zwei Jahre haben die Musikindustrie nachhaltig erschüttert: Die Corona-Pandemie sorgte für leere Konzerthallen und volle Live-Streams; (Live-)Musik gab es fast nur noch online. Vorbereitet war die Branche darauf nicht. Mit den Konzerten brach auch die Haupteinnahmequelle vieler Künstler*innen weg. Streams konnten die Lücke nicht schließen: Verdienten Künstler*innen und Label früher mit Live-DVDs noch einiges dazu, war der YouTube-Stream für viele nur noch ein zusätzliches Marketinginstrument. Im Lockdown waren Streams probate Mittel, Fans bei der Stange zu halten – Geld verdienen ließ sich mit ihnen aber nicht.

Ich habe Live-Konzerte vermisst

Richard Harless will das ändern: „Ich habe, wie viele Menschen, Live-Konzerte vermisst. Die Versuche vieler Künstler*innen, über Social Media mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten, waren kein wirklicher Ersatz. Also habe ich begonnen, darüber nachzudenken, wie sich das Live-Erlebnis in den digitalen Raum transportieren ließe.“ Das Ergebnis heißt Digitalstage.io, eine Plattform, die nicht weniger will als die Beziehung zwischen Fans und Künstler*innen auf eine ganz neue Grundlage zu stellen.

Der seit vielen Jahren in Berlin lebende US-Amerikaner Richard ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt: Als Deutschlandchef machte er die Musik-App Shazam auch hierzulande zu einer Erfolgsgeschichte. Anschließend brachte er die Musiktext-Plattform Genius.com nach EMEA.

Live-Stream als Gamechanger

Die Gründung seines Unternehmens vollzog Richard Ende 2020, die ersten Events folgten in der ersten Hälfte des Jahres 2021. Bald begann Sony Music, die Plattform für seine Künstler*innen zu nutzen. Auch investorenseitig tat sich einiges: Nachdem Richard und einige Mitstreiter*innen die initiale Finanzierung selbst übernahmen, folgte 2021 zunächst eine Angel-Runde und Ende des Jahres eine Seed-Finanzierung.

Digitalstage.io ermöglicht es Künstler*innen, mit ihren Fans weltweit digital in Kontakt zu treten. Erstere erhalten dafür eigene Seiten, auf denen sie Events nach ihren Wünschen anbieten können: von gestreamten Live-Konzerten über Albumpremieren bis hin zu Interviews und Diskussionen. Dabei lassen sich etwa zum Stream-­Konzert Merchandise-Verkäufe oder Live-Chats, exklusive Meet and Greets nach dem Gig oder gar exklusive Sammlerstücke via NFT hinzufügen.

„Wir wollen Menschen ein Erlebnis bieten, wie sie es von realen Events kennen“, erläutert Richard. „Wir wollen das Verhältnis zu den Künstler*innen stärken, egal wo auf der Welt sie sind. Künstler*innen geben wir die Möglichkeit, diese Beziehung zu monetarisieren. Der Live-Stream soll nicht mehr nur ein Marketinginstrument sein – er rückt in den Mittelpunkt der Fan-Künstler*in-Beziehung.“

Doch das Ziel der Plattform geht darüber hinaus, eine Ergänzung zu realen Live-Erlebnissen zu bieten. Die Beziehung zwischen Künstler*innen und Fans zu stärken, heißt auch, sie aus ihrer Fragmentierung zu befreien, betont Richard: „Fans kaufen Alben, sie kaufen Konzerttickets, sie kaufen Merchandise. Doch das ist nur in den allerseltensten Fällen miteinander verbunden. Künstler*innen haben bislang keinerlei Kon­trolle über die kommerziellen Aspekte der Fanbeziehung. Sie wissen nicht, wer Tickets für ihre Shows oder ihre Alben kauft. Damit kennen sie auch nicht ihre Super-Fans, haben keine Ahnung, bei wem es sich lohnt, besondere Erlebnisse anzubieten, wer Backstage-Zugang verdient oder wer an exklusiven Sammlerstücken interessiert sein könnte.“ Digitalstage.io, so die Vision des Gründers, soll genau das ermöglichen.

Dezentrale Blockchain-Technologie

Dazu braucht es natürlich auch die passende technische Grundlage. Digitalstage.io setzt von Beginn an auf die dezen­trale Blockchain-Technologie. Mit der Celo-Blockchain hat das Unternehmen jetzt sein perfektes Fundament gefunden. Celo ist eine Mobile-First-Plattform, die auf Basis einer eigenen Blockchain-Infrastruktur Bezahlungen und Finanz-Apps für alle Smartphone-Nutzer*innen weltweit zugänglich machen will. So wie Celo mobiles Bezahlen demokratisiert, will Digitalstage.io dies für den Zugang von Künstler*innen und Fans zueinander leisten. Für eine Plattform, die zum Ziel hat, diese Beziehung zum Nutzen beider Seiten zu monetarisieren, ein optimaler Partner.

Das sehen auch die Macher hinter Celo so: Der von ihnen gestartete Early-Stage-Investmentfond Flori Ventures investierte im Rahmen der Pre-Seed-Finanzierung eine sechsstellige Summe in Digitalstage.io. Mehr noch: Gleichzeitig wurde das Berliner Unternehmen in das Accelerator-Programm Celo Camp aufgenommen, das Start-ups dabei unterstützen soll, gemeinsam Lösungen und Anwendungen für ein dezentrales und für alle offenes Finanzsystem zu entwickeln. Mit Erfolg: Digitalstage.io gehörte zu den Finalisten des letztjährigen Camps.

(Live-)Time is Money

Und auch sonst kann die Plattform nach gerade mal einem Jahr schon einiges vorweisen. Ihren Start hatte sie Anfang 2021 mit einer Livestream-Performance der deutschen Dark-Pop-Band Blackout Problems. Seitdem fanden auf der Plattform 57 Veranstaltungen unterschiedlichster Art und Größe statt. Auch manche große Namen haben die Plattform bereits genutzt. Rock-Superstars Kings of Leon etwa, die ihr neues Album auf Digitalstage.io vorstellten. Oder Star-DJ Martin Garrix, der exklusiv Fragen von Fans beantwortete. Oder Eurovi­sion-Gewinner Måneskin: Die italienische Band streamte ein Record-Release-Konzert mit begleitendem Chat live aus Berlin in Clubs in 18 Ländern.

„Die wichtigste Metrik für uns ist, wie lange die Menschen bei einem Event dabeibleiben, wie viel Zeit sie letztlich mit dem Künstler oder der Künstlerin verbringen“, betont Richard. „Und da ist Digitalstage.io extrem erfolgreich: Im Schnitt bleibt das Publikum für 95 Prozent der Dauer des Streams dabei – durchschnittlich mehr als 30 Minuten pro Event. Je mehr Zeit der Fan investiert, desto enger wird die Beziehung – und desto besser lässt sie sich auch monetarisieren.“

NFTs als Zukunftstrend

Dabei, so ist der Gründer überzeugt, spielen zukünftig NFTs eine wichtige Rolle. Diese bieten etwa Super-Fans die Möglichkeit, exklusiv digitale Sammlerstücke zu besitzen. Den Anfang machten Richard und sein Team im September 2021: Im Rahmen des Live-Streams zu einem Single-Launch von Sängerin und TikTok-Star Loi wurde ein viral gegangener und mit exklusivem Artwork versehener Ausschnitt des Songs als NFT-Sammlerstück angeboten.

Richard Harless sieht hier einen Zukunftstrend für die gesamte Branche: „NFTs werden die Fan-Künstler*in-Beziehung nachhaltig revolutionieren, denn sie können so viel mehr: Sie sind in der Lage, die Fragmentierung der kommerziellen Fan-Künstler*in-Beziehung aufzubrechen.“ Aus diesem Grund wird Digitalstage.io im ersten Quartal 2022 einen NFT-Musikmarktplatz starten. Auf diesem können Fans NFTs mit ihren Einkäufen sammeln, und Künstler*innen können dann ihren Fans genau definierte Inhalte anbieten. Erstmals wird es Künstler*innen damit möglich sein, beispielsweise Ticket- und Merchandise-Verkäufe miteinander zu verknüpfen und somit ihre größten Fans kennenzulernen.

Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben

Und noch einen zweiten Trend sieht Richard für die Zukunft: hybride Events. „Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben. Künstler*innen werden zukünftig jede Live-Show zu einem Live-Stream machen können. So rücken Künstler*innen und Fans mit- und untereinander viel enger zusammen, was ganz neue Interaktionen ermöglicht.“ Der Gründer sieht sein Unternehmen an der Spitze eines echten Wandels: „Wir befinden uns am Anfang einer völligen Neudefinition des Verhältnisses zwischen Künstler*in und Publikum. Statt voneinander getrennte Transaktionen greift zukünftig alles ineinander: Streams und Live-Konzerte, Ticketing und Merchandise-Verkäufe, das emotionale Erlebnis und die kommerzielle Beziehung.“ Richard Harless und sein Berliner Team sind entschlossen, diesen Wandel aktiv voranzubringen.

Clean Feeding

Die EntoNative-Gründerinnen Ina Henkel, Sabrina Jaap und Katrin Figueroa produzieren Hundefutter aus Insekten. Sie wollen so den ökologischen Pfotenabdruck unserer Haustiere verbessern und generell Insekten als Lebensmittel populärer machen.

Am Anfang stand eine Dienstreise nach Asien. Die Ernährungswissenschaftlerinnen Ina Henkel und Katrin Figueroa lernten dort auf einer gemeinsamen Forschungsreise im September 2015 auf lokalen Märkten essbare Insekten kennen und entdeckten ihre Leidenschaft für die Krabbler. Deren Vorteile sind in vielen Teilen der Welt schon lange bekannt und Insekten fest auf dem Speiseplan etabliert. Und das nicht ohne Grund: Insekten sind ein umwelt- und klima­freundlicher Ersatz für Fleisch und stellen außerdem eine ­Proteinquelle dar, die zudem noch deutlich günstiger ist als tierisches Eiweiß. „Uns wurde klar, dass hier eine Lösung für das Problem des wachsenden Fleischkonsums auf unserem Planeten liegen könnte“, erinnert sich Ina.

Der Zeitgeist fürs Umdenken ist da

Tatsächlich kann der hohe Fleischkonsum der stetig wachsenden Weltbevölkerung und ihrer Haustiere in naher Zukunft nicht aufrechterhalten werden. Der hohe Flächenverbrauch der Massentierhaltung und des dazugehörigen Futtermittel­anbaus machen eine entsprechende Erhöhung der Fleischproduktion unmöglich. Die Konsequenz wäre, dass immer mehr Menschen hungern müssen, weil die entsprechenden Flächen nicht für den effizienteren Anbau anderer Lebensmittel zur Verfügung stehen. Es braucht also Alternativen, die gleichzeitig das Potenzial haben, den Hunger auf der Welt zu besiegen. Die Weltgesundheitsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen hat in diesem Zusammenhang schon 2013 auf das Potenzial von Insekten als Nahrungsquelle hingewiesen.

Was westlich sozialisierten Konsument*innen heute noch einen kalten Schauer über den Rücken jagt, könnte in einigen Jahren schon völlig normal erscheinen: Insekten aller Art als regelmäßiger Bestandteil der Ernährung. „Der Zeitgeist für ein Umdenken ist da: Viele Menschen achten nicht nur auf eine ausgewogene Ernährung, sondern auch darauf, dass ihre Lebensmittel nachhaltig produziert sind“, ist die dritte Gründerin, die Wirtschaftswissenschaftlerin Sabrina Jaap, überzeugt. Überzeugt vom Potenzial der Idee, insektenbasierte Nahrung herzustellen, gründeten Ina Henkel und Katrin Figueroa mit ihr gemeinsam in Teltow das Unternehmen Ento­Native, unter der sie die Marke Tenetrio vermarkten. Das Ziel: Ein nachhaltiges, insektenbasiertes Hundefutter zu entwickeln, das die Tiere mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt.

Barrieren überwinden, Alternativen zulassen

Insekten sind bei uns ein weit verbreitetes Nahrungstabu, dabei war der Genuss der Krabbler historisch gesehen eher die Regel. Ernährungsgewohnheiten und Vorurteile sitzen jedoch oft tief. „Wir wollen mit unserem Hundefutter auch die Berührungsängste der Menschen abbauen“, sagt Katrin. „Anders als viele Menschen empfinden Hunde keinen Ekel angesichts eines Mehlwurms im Futter. Das bietet die große Chance, zu zeigen, wie wertvoll und schmackhaft Insekten als Nahrungsquelle sind.“

Die Vorteile essbarer Insekten sind bekannt. Die meisten sind sehr eiweiß- und nährstoffreich, verbrauchen aber verglichen mit vielen Fleischsorten weniger Ressourcen. Ein großer Vorteil angesichts des Fleischkonsums von Hunden, der bei den Allesfressern  aktuell im Schnitt 164 Kilo im Jahr ausmacht – das Dreifache eines Erwachsenen. Diese Zahl habe die Unternehmerinnen in ihrer Idee bestärkt, erzählen sie. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Tierhaltung zur Fleischproduktion weltweit über die Hälfte der klimaschädlichen Treibhausgase verursacht. „In der aktuellen Wahrnehmung ist Fleisch das zentrale Element in der Hundeernährung“, erklärt Katrin. „Tatsächlich brauchen Hunde aber Proteine. Der aktuell hohe Fleischkonsum ist also gar nicht notwendig.“

Insekten – nur welche?

Die drei Gründerinnen setzen für ihre Futtermittel auf den Mehlwurm (Tene­brio molitor), der kürzlich in der Europäischen Union als Lebensmittel zugelassen wurde; als erstes Insekt überhaupt. Seine Vorteile: Er kann zu 100 Prozent verarbeitet werden, ist bestens verdaulich und enthält wertvolle ungesättigte Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Die Zucht braucht weniger Platz, Futtermittel, Wasser und Energie als jene von Rindern, Schweinen oder Hühnern. In der Anfangszeit züchteten die Unternehmerinnen die Insekten noch selbst, inzwischen ist die Produktion jedoch derart gewachsen, dass sie von ausgewählten regionalen Züchter*innen beliefert werden.

Der Mehlwurm findet sich inzwischen in 15 verschiedenen Tenetrio-Produkten, die nicht nur fleischfrei sind, sondern auch ohne Zuckerzusätze, Gluten, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker auskommen. „Unsere Produktphilosophie lautet Clean Feeding: so wenige Zutaten wie möglich, so viele wie nötig“, erklärt Sabrina. Mit ihrem Trocken-, Nass- und Belohnungsfutter für Junghunde und erwachsene Fellnasen decken sie den gesamten Markt ab. Darunter sind Geschmacksrichtungen wie „Insekten, Rote Linsen & Karotten“ oder „Birne Parmesan“. Denn natürlich soll das Futter den Hunden auch schmecken.

Viele Hundebesitzer*innen greifen auf das Tenetrio-Futter zurück, weil ihre Vierbeiner anderes Futter verweigern oder Unverträglichkeiten und Allergien haben. Die transparent deklarierten Zutaten machen es den Besitzer*innen möglich, ganz genau zu wissen, was sie ihrem Hund füttern. Denn die oft fehlende Transparenz gehört zu den Missständen im Heimtierfuttermittelmarkt. Das Fleisch stammt oftmals aus zweifelhafter Massentierhaltung, versteckte allergene Zusatz- und Konservierungsstoffe machen es Besitzer*innen von Allergikerhunden schwer, geeignetes Futter zu finden. Auch das Barfen, also das Füttern von rohem Fleisch, ist hier nicht immer die beste Lösung, da sie eine extrem sachgerechte Anwendung voraussetzt und bei falschem Handling Mangel­erscheinungen auftreten.

Aktiv gelebter Klimaschutz

Für ihre Geschäftsidee haben Henkel, Jaap und Figueroa viele Auszeichnungen bekommen, darunter den dritten Platz beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018. Die drei Frauen sind stolz auf die Einsparungen, die sie seit der Gründung durch den Verkauf ihrer Produkte erwirkt haben. In Zahlen sind das 167 Millionen Liter Wasser, 30 Tonnen CO2 und 10 Tonnen Fleisch. Diese machen auch deutlich, wie viel die bewusste Entscheidung des Verbrauchenden in seinem Konsumverhalten bewirken kann. Aktiv gelebten Klimaschutz nennen die drei Gründerinnen das. Und die Zahlen geben ihnen Recht. Die Tatsache, dass jährlich mehrere Milliarden Euro in Deutschland für Hundefutter ausgegeben werden, macht deutlich, wie viel Potenzial in diesem Markt steckt und wie viel dabei für den Klimaschutz getan werden könnte. „Wer in nachhaltiges Hunde­futter investiert, investiert nicht nur in die Gesundheit des eigenen Hundes, sondern auch ins Klima“, bringt Katrin es auf den Punkt.

Hundebesitzer*innen sensibilisieren

Noch mehr Hundebesitzer*innen mobilisieren – das ist es, was die Unternehmerinnen anstreben. EntoNative, das aus vier Mitarbeiter*innen besteht und eng mit externen Partner*innen im Bereich Logistik, Online-Marketing, Website und Kommunikation zusammenarbeitet, möchte das Deutschland- und Europageschäft in Zukunft weiter ausbauen. Die Grundsteine dafür sind ein Team, das sich durchweg mit den Produkten und den gemeinsamen Wertvorstellungen identifizieren kann. „Wir sind gnadenlose Optimistinnen und glauben immer fest an den Erfolg“, sagt Sabrina abschließend.

Startup-Metropole Ruhrgebiet (?)

Gründen im Ruhrgebiet - über das Potenzial eines ruhenden Potts.

Kupferfarbene Hochöfen, die an die schillernde Kohleindustrie vergangener Tage erinnern, Fußball, Bier und die Ruhr, Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg, Mülheim oder auch Herne – all das assoziiert man gern mit dem Ruhrgebiet; Startups eher mit Berlin. Was Viele nicht wissen: Mit rund 5,1 Mio. Einwohner:innen und einer Fläche von 4.438,69 Quadratkilometern ist der “Pott” der größte Ballungsraum Deutschlands und sogar einer der größten Europas.

Zugegeben: Das Ruhrgebiet mischt noch nicht allzu lang im Start-up-Rennen mit, doch peilt es derweil zielsicher die Überholspur an.

Was macht das Ruhrgebiet für Start-ups so vorteilhaft?

Kaum in einer anderen Region Deutschlands sind so viele Universitäten und damit viele hochqualifizierte Menschen auf einem Fleck vorzufinden: Rund 768.000 Studierende machen 68 Hochschulen unsicher – das sind viermal so viele Studierende wie in Berlin. Dabei sind es vor allem die Fächer der IT und Elektrotechnik, die nirgends sonst so reich vertreten sind (90.500 Studierende), wie im Ruhrgebiet. Das macht es insbesondere für die Digitale Wirtschaft der Region spannend und daher verwundert es kaum, dass es vor allem die Tech- und Digital-Startups sind, die in NRW sehr erfolgreich sind.

Aber auch zahlreiche, sehr erfahrene Spezialist:innen der ortsansässigen Industrie- und Großkonzerne und der rund 711.600 mittelständischen Unternehmen lassen sich dem Talentpool des Potts zuzählen, der dahingehend seinesgleichen sucht. Vom qualifizierten Personal mal abgesehen, eröffnen sich dadurch zudem zahlreiche, potentielle Kooperationspartnerschaften für digitale Technologien.

Ein weiterer, nicht unwesentlicher Vorteil der Region? Günstige Büroimmobilien gibt es vor Ort wie Sand am Meer. Alte Zechen oder Hochöfen werden zu Kultur-Schauplätzen erhoben, in Büroräume oder Coworking Spaces, wie die der Work Inn Gruppe, des ruhr:HUBs oder des Impact Hubs umfunktioniert. 

Zudem sind “Pottler” kaufwillig. Für Investoren ist das von enormem Interesse. So leben hier in einem Radius von 500 Kilometern, mit Zentrum Düsseldorf, rund 160 Mio. Menschen. Allein das macht bereits ein Drittel aller Verbraucher der EU aus. Während NRWler an sich jährlich bereits über 360 Milliarden Euro ausgeben. Kaum verwunderlich, dass viele Unternehmen ihren Hauptsitz oder ihr Logistikzentrum in die Region verlegen, wie Amazon, IKEA oder das britische Online-Handelsunternehmen AO.

Das Ruhrgebiet steckt noch in den Startup-Kinderschuhen

Im Jahr 2020 erwirtschafteten die “Revier-Startups” durchschnittlich 700.000 Euro. Im Bundesvergleich ist das Ruhrgebiet also mit etwas mehr als einem Viertel vertreten und spielt noch nicht ganz oben mit. Dennoch ist mittlerweile gut jedes fünfte Startup aus NRW, während der Großteil digitaler Startups hier zuhause ist. Aber die nordrhein-westfälischen jungen Startups in der Seed- und Gründungsphase können sich über ein sehr engagiertes Netzwerk zahlreicher Unterstützer freuen.

Inkubatoren wie beispielsweise Startplatz in den Rheinmetropolen Düsseldorf und Köln oder Co:Forward in der Region Aachen fördern Startups mit Arbeitsräumen und Qualifizierungsmaßnahmen. Doch damit nicht genug: Der Company Creator Crealize aus Essen macht es sich sogar zur alleinigen Aufgabe, eine Startup-Bewegung im Ruhrgebiet zu entfachen. Das Ziel der Startup-Schmiede ist es, 1.000 Ventures zu gründen und den Pott zum Silicon Valley Deutschlands zu machen.

Die erfolgreichsten Startups des Ruhrgebiets

Welche Startups ziehen in der Region mit gutem Beispiel voran? Urlaubsguru beispielsweise wurde 2012 von Daniel Krahn und Daniel Marx in Unna gegründet. Die beiden Gründer hatten ein Händchen dafür, günstig um die halbe Welt zu reisen und wollten dieses Wissen teilen. Aktueller Hauptsitz ist Holzwickede (in unmittelbarer Nähe des Dortmunder Flughafens). Auch die Babymarkt-Filialen haben ihren Ursprung im Pott.

Aktuell mischt Bannerkönig im Ruhrrevier ganz oben mit. Die Druckerei ist auf Digitaldruck spezialisiert, während die Kunden auf der Website aus einem Angebot aus Bannerdruck, über Plattendruck bis hin zu Fahnendruck wählen können. Das gelsenkirchener Unternehmen wurde bereits von Trusted Shops als zuverlässiger Handelspartner bestätigt.

Die Gründer von Fleetbird – Benjamin Krüger und Philipp Müller – sind sogar für die Unternehmensgründung von Berlin nach Dortmund gezogen. Kaum jemand, der bereits ein Car- oder E-Scooter-Sharing-Angebot genutzt hat, ist nicht mit Fleetbird in Berührung gekommen. Immerhin hat das Unternehmen die dafür notwendige Shared-Mobility-Technologie entwickelt. Fleetbird gehört seit 2018 zu Wunder Mobility. Trotz hoher Geldsummen, die für diesen Deal geflossen sind, sind die beiden Gründer weiterhin an Bord geblieben, wohingegen sie nun jedoch unter dem Namen Wunder Fleet firmiert sind.

Pottsalat bietet im Raum Dortmund und Essen gesunde Salate, frische Bowls und Co., wie den „Schmackofatz Deluxe“, die „Fitte Gitte“ oder „Curry Peitsche“ an. Diese werden vom nachhaltigen Lieferdienst frisch zubereitet und ausgeliefert. Ben Küstner, Pia Gerigk und Alexandra Künne gründen Pottsalat 2016 in Essen und erfreuen sich seither steigender Beliebtheit.

Masterplan.com wird 2015 von Stefan Peukert und Daniel Schütt gegründet, nachdem sie wenige Jahre zuvor bereits die Firma Employour ins Leben gerufen hatten. Letztere wurde im Übrigen vom Medienkonzern Bertelsmann übernommen. Masterplan.com ist in Bochum verwurzelt und bietet als E-Learning-Plattform Video-Tutorials von Top-Experten an.

Bitcoin2Go ist eines der wachstumsstärksten Bildungs- und Newsportale mit Fokus auf Krypto, NFT und DeFi in Deutschland. Das Startup möchte seine Nutzer auf Basis von Ratgebern, interaktiven Rechnern, Vergleichen und Videos zu finanziellen Selbstentscheidern entwickeln. Für die nahe Zukunft sind zudem Projekte im NFT- und Tokenisierungsbereich geplant.

Startup Förderung im Ruhrgebiet

Nicht wenige Organisation sind sich des enormen Potenzials des Ruhrgebietes bewusst und deshalb können junge Startups der Region auf die unterschiedlichsten Fördermaßnahmen und Unterstützungen bauen. Zum einen wäre da das Gründerstipendium NRW. Monatlich werden Existenzgründer:innen hier mit bis zu 1000€ bezuschusst und mitunter auch in ihrer Unternehmensgründung beraten.

Doch auch die fünf DWNRW Hubs mit Sitz in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Ruhrgebiet (Essen) und Münster dienen der Förderung digitaler Startups und sind insbesondere für Startups mit datengetriebenen, digitalen Geschäftsmodellen die idealen Anlaufstellen. Die einzelnen Hubs unterstützen beispielsweise mit Accelerator-Programmen bei der Markt-Einführung digitaler Produkte. Auch werden Startups hier mit Mentoren, etablierten Unternehmen und Investoren vernetzt, während etablierte Unternehmen derart wiederum Zugang zu Startups und digitalen Produkten erhalten. Also eine buchstäbliche Win-Win-Situation.

Plattformen wie Startups NRW oder der Gründerallianz Ruhr vernetzen Hubs, Startups und Investoren auf ähnliche Weise miteinander. Landesweit an ca. 75 Standorten beraten zudem die Startercenter NRW Existenzgründer:innen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Auch Gründen NRW oder Wirtschaft NRW stellt Beratungsprogramme für Existenzgründer zur Verfügung.

Mittlerweile sind zudem die sechs Exzellenz Exzellenz Startup Center des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW nicht außer Acht zu lassen. An den führenden regionalen Universitären und Hochschulen werden bestimmte Kernmaßnahmen, wie die Sensibilisierung für Unternehmen innerhalb der Universität oder die Qualifizierung von Gründer:innen gezielt gefördert. Im Fokus liegt hier der Ausbau wie auch die Weiterentwicklung bereits bestehender universitärer Gründungsinitiativen hin zu Exzellenz Startup Centern.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen spielen weltweit in erfolgreichen Startup-Ökosystemen eine entscheidende Rolle in Bezug auf ihre Eigenschaft als Quelle von Gründungen. Mittlerweile ist das Startup Ökosystem in Nordrhein-Westfalen ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, internationaler Leuchtturm zu werden.
 
Populäre Startup-Wettbewerbe und -Events im Pott

Das nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Digitalministerium belohnt mit dem Out of the Box-Wettbewerb digitale Startups für Innovativ-Denken.

Auch die landesweite Roadshow Neue Gründerzeit gibt Gründer:innen die Chance, einer Jury die jeweilige Geschäftsidee zu präsentieren, die sich im Anschluss bestenfalls einer Förderung erfreuen dürfen.

Beim Gründerpreis NRW handelt es sich derzeit um den höchst dotierten Wettbewerb für innovative und erfolgreiche Gründungen.

Auch zahlreiche Network-Events laden Startups im Ruhrgebiet zum Austausch und Zusammenarbeiten ein. In Bochum ist es der Gründerstammtisch, in Dortmund das Pizza Meetup, in Essen der UP! Businessbrunch.

Doch es geht auch größer: RuhrSummit, das Gründer-Forum NRW und die STARTupRUHR Demo Night in Gelsenkirchen sind Veranstaltungen, die sich junge Revier-Startups nicht entgehen lassen sollten.
 
Steht dem Ruhrgebiet eine Startup-Ära bevor?

Die Kohle-Ära des Potts gehört längst der Vergangenheit an. Schillernde Industrie und Wirtschaft, das war mal repräsentativ für das Ruhrgebiet. Doch könnte sich nun eine neue Ära anbahnen, die der Startups. Florian Rinke, Redakteur der Rheinischen Post, spricht vom Silicon Rheinland und zurecht kann gespannt gen Zukunft geschaut werden: Liegt die Zukunft der deutschen Gründerszene im Ruhrpott?

Die Autorin Lisa Steinhoff ist PR- & Content Manager bei Crealize, einem Company Creator, mit der Mission, nachhaltige Startups aufzubauen und Gründer:innen in einem familiären Umfeld zu befähigen, selbstständige Unternehmer:innen zu werden und einzigartige Spuren zu hinterlassen.

7 inspirierende Persönlichkeiten, von denen angehende Unternehmer*innen einiges lernen können

Ein Unternehmen zu leiten, ist nichts für schwache Nerven. Die Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern und aus Fehlern zu lernen, ist oft das, was erfolgreiche Unternehmer von weniger erfolgreichen Geschäftsleuten unterscheidet. Es geht nicht darum, einfach Chef zu sein – sondern klare Visionen und eine Mission zu haben. Und oft auch einen langen Atem. Wir haben uns einige erfolgreiche Unternehmer*innen sowie deren wichtigste Erkenntnisse im Laufe der Jahre angesehen.

1. Reed Hastings

Fitness ohne geistige Mauern

Seher Danisman ist mit Fitspirated angetreten, um allen Frauen Sport zugänglich zu machen, unabhängig von Ethnie, Kultur oder Religion.

Seher Danisman ist 20 Jahre alt, lebt und arbeitet in Saarbrücken und ist Gründerin von Fitspirated. Als Coach hat sie seit ihrer Gründung im Januar 2021 über 200 Frauen geholfen, einen gesunden Lebensstil aufzubauen. „Fitspirated setzt sich aus den beiden Wörtern ,Fitness‘ und ,Inspiration‘ zusammen. Bei Fitspirated inspirieren wir Frauen zu einem gesunden Körper in Kombination mit einem positiven Mindset, um einen nachhaltigen Lebensstil aufzubauen, der sie erfüllt und den Segen in ihrem Leben erhöht“, erklärt Seher.

Vom Leistungssport zur Berufung

Mit 15 Jahren wurde Sehers Interesse für Sport in einem Verein geweckt. „Ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Leben zum Positiven verändert. Neben meiner Fitness verbesserten sich auch meine Schulnoten und mein Sozialverhalten. Es gab viele Faktoren, die mich damals behindert hatten, diesen Weg einzuschlagen“, so Seher. Unter anderem nennt die Unternehmerin ihre damalige finanzielle Situation als Schülerin. Als Arbeiterkind in einer Großfamilie mit neun Geschwistern, galt eine Vereinsmitgliedschaft als Traumvorstellung. „Trotz vieler Umwege hielt mein Traum an, und ich erreichte mein Ziel. So wurde ich zur Leistungssportlerin im Rudern. Doch habe ich den Leistungssport in meinen jungen Jahren nicht als solchen wahrgenommen. Für mich lag der Fokus immer darauf, dass ich Spaß an der Sache habe“, sagt Seher. Mit der Zeit entdeckte Seher auch ihre Leidenschaft für andere Sportarten und verlor die Freude am fokussierten Spitzensport. „Das war das Ende meiner Karriere als Leistungssportlerin und der Beginn meiner Berufung“, erinnert sie sich.

Mit der Entscheidung für das Studium der Sportwissenschaften begann Seher, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. „Angefangen habe ich als Trainerin in unterschiedlichen Vereinen für verschiedene Altersgruppen. Besonders gern habe ich Kinder- und Frauengruppen trainiert. Im Laufe der Zeit und unter anderem auch durch die Corona-Pandemie habe ich immer mehr Freunden und Bekannten privat geholfen, fit zu werden. Fitspirated entstand, weil mir klar wurde, dass ich besonders erfolgreich darin war, Frauen zu helfen, die Schwierigkeiten hatten, den Zugang zum Sport zu finden“, berichtet Seher.

Rassismus und Sexismus als Hemmnisse

Es gibt viele Gründe, wieso jemand den Weg zum Sport nicht finden kann. Unter anderem spielen Rassismus und Sexismus eine große Rolle, ist sich Seher sicher: „Ich bin zum Beispiel sehr vielen Frauen begegnet, denen mit ihrem Burkini in öffentlichen Bädern deutlich vermittelt wurde, dass sie dort nicht erwünscht sind.“

Als Sportlerin und Trainerin ist Seher immer wieder mit kulturellen, religiösen und damit verbunden finanziellen Herausforderungen konfrontiert worden. „Es sind nicht die Blicke, die ich durch mein Kopftuch beim Klettern ernte. Es sind vielmehr die Konfrontationen mit Hallenwärtern und Trainern, die beispielweise unangenehme Fragen stellen“, so Seher. Dabei stellt ihrer Meinung nach nicht die Frage selbst die eigentliche Herausforderung dar, sondern die Atmosphäre, die dadurch entsteht. Denn selbst, wenn beispielweise das richtige Setting für das Sporttreiben mit Kopftuch gegeben ist, muss auch eine angemessene Atmosphäre herrschen. Für eine solche Atmosphäre sind Sehers Meinung nach unter anderem die Trainer*innen verantwortlich.

„Ich bin überzeugt, dass jede Frau den Weg zum Sport finden und darin aufgehen kann. Unter der Voraussetzung, dass sie weiß, wie sie dies bewerkstelligen kann und auch, wenn der Rahmen dafür gegeben ist“, so Seher. Mit Fitspirated möchte die Gründerin diesen Rahmen bieten und den Problemen, vor allem von bedeckten Frauen, im Fitnessbereich ein Ende setzen. „Unsere Mission ist es, Frauen zu zeigen, wie viele Möglichkeiten der Sport bietet. Wir wollen zeigen, dass man ohne einen Traumkörper zu haben, Sportlerin sein kann, dass man das Leben ohne Verzicht genießen kann, und wir wollen sie dazu ermutigen, das zu tun, was sie erfüllt. Dabei soll es keine Rolle spielen, welcher Ethnie oder Religion sie angehören“, so das Credo der Fitspirated-Gründerin.

Gelernt, mit Konfrontationen umzugehen

Frauen, die aufgrund ihrer Kultur, ihrer Religiosität oder ihrer Vergangenheit keine Bezugspunkte zum Sport hatten, fehlen Vorbilder. Vorbilder, die ihre negativen Erfahrungen widerlegen. „Ich habe gelernt, mit Konfrontationen jeglicher Art umzugehen und kenne keine Sportart, die ich nicht mit Kopftuch ausüben kann. Da es nicht jeder Frau gelingt, sich den Konfrontationen selbständig zu stellen, habe ich mich trotz Schwierigkeiten zu Beginn der Gründung für die Selbständigkeit entschieden“, so Seher.

In den ersten Monaten ihrer Selbständigkeit musste sich Seher vielen Herausforderungen stellen. Eine davon war es, zu erkennen, dass der Erfolg zugleich auch der größte Feind des Erfolgs ist. „Denn anfangs bin ich beispielweise mit den Nachfragen nicht nachgekommen. Deswegen hatte ich mich darauf verlassen, dass es konstant so bleiben wird. Jedoch musste ich schnell feststellen, dass dies nicht stimmt. Die Herausforderung war es, am Ball zu bleiben, den Erfolg zu genießen, sich aber nicht darauf auszuruhen“, so die Gründerin.

Trotz der vielfältigen Anbieter*innen in der Fitnessbranche erreicht Seher mit Fitspirated eine Vielzahl an Frauen, die fit werden wollen, denen der Spaß am Essen fehlt und die sich nach mehr Erfüllung im Leben sehnen. „Diese Frauen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie allesamt stark und entschlossen sind“, so Seher.

Deshalb wollen Seher und ihr Team in den nächsten Jahren weiter wachsen und noch mehr Frauen erreichen. Unabhängig von ihrer Ethnie, ihrer Religion oder ihren Voraussetzungen wollen sie ihnen den Zugang zum Sport ermöglichen. „Dafür werden wir daran arbeiten, unser Angebot zu erweitern und vor allem Barrieren im Sport aufzuheben, um gesamtgesellschaftlich das Bewusstsein für die Probleme von Frauen im Sport zu wecken“, so die ambitionierte Unternehmerin abschließend.

Sehers Tipps für andere Gründer*innen

Abschließen möchte die Fitspirated-Gründerin Seher Danisman anderen Gründer*innen folgende drei Ratschläge mit auf den unternehmerischen Weg geben:

  • „Vertraue deinem Bauchgefühl: Der erste Schritt zu einer Gründung muss keine Entscheidung sein, sondern ein Bauchgefühl. Unabhängig davon, ob es um das Gründen oder eine Geschäftsentscheidung geht, vertraue deinem Bauchgefühl. Meistens haben wir uns schon entschieden, bevor eine Entscheidung gefallen ist.“
  • „Suche dir Spezialist*innen: Du bist zwar hauptverantwortlich, musst aber nicht alles erledigen. Am besten sortierst du die Arbeit nach Zeitaufwand. Such dir vor allem Hilfe bei Aufgaben, die dir nicht liegen.“
  • „Investiere in dich selbst: Die besten Investitionen, die du tätigst, sind diejenigen in dich selbst. Du bist der Kopf der Sache. Mit jeder Investition in dich selbst investierst du auch unmittelbar in deine Gründung bzw. dein Unternehmen.“

Auf dem Weg zum Global ePlayer

Ihr habt per Online-Voting entschieden ... die StartingUp-Gründer des Jahres 2021 sind: Fabian Furch und Leopold Ingelheim von EarlyGame. Hier liest du die Erfolgsstory der Münchner Gaming-Profis.

Die internationale eSports- und Gaming-Branche boomt seit vielen Jahren. Deutlich zweistellige Wachstumsraten im Umsatz- und Community-Bereich machen das Geschäftsfeld auch in den kommenden Jahren zu einem hochattraktiven Investment-Segment. Die Münchner Fabian Furch und Leopold Ingelheim haben das enorme Potenzial bereits 2019 erkannt. „Leo und ich kannten uns aus der Strategieberatung. Ich war und wollte immer schon Unternehmer sein. So war ich vor der Gründung unter anderem bei einem eSports-Unternehmen im Managementteam tätig oder habe zu Studienzeiten mein eigenes Fußballteam gegründet“, so Fabian. „Nachdem sich Leo dann auch dazu entschieden hatte, zu gründen, haben wir uns entschlossen, den Markt gemeinsam zu beackern – EarlyGame war geboren.“ Leo bringt vor allem strukturelle Themen wie Finanzen, Analytics, Marketing und Medienexpertise mit ins Start-up, Fabians Schwerpunkte liegen neben seiner Leidenschaft fürs Gaming auf den Themen Netzwerk, Partnerschaften, Sales und Content.

Mainstream als Booster

„Gaming und insbesondere eSports werden immer stärker Mainstream. Wir haben frühzeitig erkannt, dass es keine maßgebende Plattform bzw. internationale Entertaiment-Marke für diesen Bereich gab, die mit der richtigen ,coolen‘ Sprache Inhalte für die junge, digital-affine Zielgruppe aufbereitet und die Mainstream-Community aktiv in die Unterhaltung miteinbezieht“, erläutert Leo. Diese Lücke haben die beiden nun geschlossen. „Mit unserer Entertainment-Plattform, die wir durch Events, Turniere und weitere Gamification-Elemente ergänzen, bieten wir ein perfektes Package für unsere internationale Community. Wichtig ist für uns, dass wir keine One-way Communication anbieten, sondern das Ganze interaktiv gestalten“, so Leopold.

Die Vision von EarlyGame ist es demnach, im Mainstream-­Entertainment-Bereich des eSports und Gamings für den Fan die weltweite Nummer eins zu werden. Wo steht man aktuell? Das Start-up scheint auf dem besten Weg, eine globale Marke zu werden. Die Dynamik ist beeindruckend, die Zwischen­bilanz zum Jahresstart sehr positiv. „Alle wichtigen Kennzahlen deuten weiterhin auf schnelles Wachstum hin“, so Leo.

Ziele und Meilensteine

Die Ziele sind somit klar definiert: „Wir wollen weltweit die Nummer eins werden, in DACH sind wir das schon. Sowohl Umsatz als auch Unique User wollen wir in diesem Jahr verdoppeln und damit Ende des Jahres acht Mio. Unique User monatlich auf unserer Plattform begrüßen. Zudem planen wir die Erweiterung unseres Geschäftsmodels, u.a. die Einführung eines Subscription Models“, so Co-Gründer Fabian.

Bei all den Erfolgen fragt man sich zwangsläufig, welches die wichtigsten Herausforderungen bzw. Hürden waren, die es bislang zu meistern galt. „Zwei Dinge waren am Anfang sicher sehr wichtig: die Zusammenstellung eines schlagkräftigen Teams und die Namensgebung. Ein erfolgshungriges, hochmotiviertes und talentiertes Team zusammenzustellen, das ist sicher die Basis von allem und gerade ganz zu Beginn eine große Herausforderung. Umso stolzer sind wir auf unsere 15 Mitarbeitenden, die jeden Tag ihr Bestes geben, um Early­Game auf die nächste Stufe zu hiefen“, berichtet Fabian.

Und weil EarlyGame natürlich auch Teamwork bedeutet, war es den Gründern über die gesamte Zeit sehr wichtig, den Happiness-Faktor im Team konstant hochzuhalten und die jungen Mitarbeitenden fit für die sich stetig wandelnde Arbeits- und Themenwelt zu machen. „Das Durchschnittsalter bei uns liegt bei etwa 25 Jahren bei teilweise sehr kurzer Arbeitserfahrung. Das Geld für erfahrenere Kolleg*innen müssen wir uns erst erarbeiten“, bringt es Fabian auf den Punkt.

Ein weiterer Meilenstein war die Namensgebung. „Das Brainstorming zur Marke und die Entwicklung des Namens haben ein paar Wochen gebraucht“, so Fabian. „Eine große Herausforderung und eine zu überspringende Hürde war dann sicher der Moment, als unser Google Search Traffic im Dezember 2019 um teilweise 80 Prozent eingebrochen ist. Hier haben wir relativ schnell festgestellt, dass wir ein paar Anzeichen, sprich Notifications von Google, übersehen hatten, konnten zum Glück gegensteuern und die ,Fehler‘ im folgenden Jahr beheben. Wir mussten ein paar Monate warten, bis ein Google-Update kam und wir damit wieder einen Traffic Boost erhalten konnten. In der Zwischenzeit konnten wir zum Glück durch unsere starke Social-Media-Präsenz und weitere Aktivitäten den Decline abfangen“, so Leopold rückblickend.

VC oder Crowdinvesting?

Eine wesentliche Herausfordertung der beiden Unternehmer war zudem die Frage der Finanzierung: VC oder Crowdinvesting? „Auch mit dem Risiko, dass eine erfolglose Crowdinvesting-Runde für jedermann öffentlich ist, haben wir uns für diesen Weg entschieden“, so Leo. Im Rückblick die richtige Entscheidung: Nicht nur, dass die Kampagne in Rekordzeit gefunded war, am Ende waren die Gründer mit der eingesammelten Gesamtsumme von 700.000 Euro auch deutlich „oversubscribed“. „Für uns als Team eine starke Bestätigung unserer starken Community“, kommentiert Leo.

Neben der Crowd konnte EarlyGame weitere Investor*innen von sich überzeugen: einen Investor aus Singapur sowie die Familie Winterling. „Die Vision, aber auch der bisherige Track-Record von EarlyGame haben uns überzeugt. Fabian kennen wir schon viele Jahre, und das, was er gemeinsam mit Leopold und dem gesamten EarlyGame-Team innerhalb kürzester Zeit aufgebaut hat, hat uns überzeugt und war letztlich ausschlaggebend für unser Investment“, erklärt Christoph Winterling, Marketing- und Vertriebsvorstand des FC Bologna. Den Einstieg des asiatischen Investors sieht Fabian wiederum als Beleg dafür, dass der EarlyGame für interna­tionale Investor*innen ein attraktiver Sektor und die Ausrichtung des Start-ups stimmig ist.

Mit den insgesamt eingesammelten 850.000 Euro wollen die Münchner ihre Reichweite weiter ausbauen. „Wir erreichen aktuell mehr als vier Million Unique User pro Monat auf unserer Plattform und über 20 Millionen auf Social Media“, so Leopold. „Wichtig hierbei war es uns immer, die allgemeine Balance zu halten, beispielsweise zwischen schnellen Umsätzen und dem Status einer coolen Marke. Ebenso wichtig: ein gewisses Geschick in herausfordernden Phasen auftretender Liquditätsengpässe“, ergänzt Fabian

Going global

Vor dem Hintergrund der erfreulichen Gesamtentwicklung hat auch Early-Game-Partner kicker seine Investition wiederholt ausgebaut. „Das Interesse an einem Investment im Bereich eSports und Gaming ist aktuell sehr groß. Wir sehen gerade auch eine starke Nachfrage seitens globaler Investor*innen. Das ist erfreulich, denn mittelfristig wollen wir mit EarlyGame vor allem international Maßstäbe setzen und mit weiteren internationalen Partner*innen die nächsten Schritte machen“, betont Leo.

Mit weiteren Partnerschaften wollen die ambitionierten Gründer ihr Produktangebot erweitern, die Nutzer*innenzahlen maximieren und den kontinuierlichen Aufbau ihrer Marke forcieren. Gerade auch die Partnerschaften und Kooperationen geben EarlyGame immer wieder einen Push, betonen Leopold und Fabian. Die Zusammenarbeit mit Brands wie HyperX, MediaMarktSaturn, Jochen Schweizer, aber auch die Partnerschaft mit Laureus Sport for Good rund um die EarlyGame Awards haben die Community kontinuierlich weiterwachsen lassen.

Mit den im Jahr 2021 initierten EarlyGame Awards konnte das Start-up bereits in der Startphase einen der erfolgreichsten Community-Gaming- und Streaming-Awards in Deutschland aufbauen. „Mit Partnern wie Laureus Sport for Good, Euronics, GTÜ oder Razer bauen wir 2022 auf diesem Erfolg auf; langfristig ist es auch hier unser Ziel, eine absolute Top-Marke im Bereich Gaming Awards zu schaffen, vergleichbar mit den Laureus Awards im Sportbereich“, so Fabian. Im nächsten Schritt heißt es dann auch hier wiederum: Going global.

10 grüne TOP-Start-ups 2022

Diese 10 Start-ups mit nachhaltigen Geschäftsmodellen sind aktuell besonders vielversprechend und sollten 2022 auf dem Radar von Impact-Investor*innen sein.

Immer mehr Start-ups verankern Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsmodell. Das ist begrüßenswert und dringend nötig. Um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die UN Agenda 2030, zu erreichen, brauchen wir vor allem auch die innovativen Lösungen aus der schnell agierenden Start-up-Welt. Welche jungen Unternehmen sind aktuell besonders vielversprechend und sollten auf dem Radar von Impact-Investor*innen sein?

Heba Aguib, Chief Executive des RESPOND-Accelerators zur Förderung nachhaltiger Start-ups, ist nah dran an den Entwicklungen der Szene. Sie gibt eine Prognose für das Jahr 2022. Das Fazit: Vor allem Geschäftsmodelle im Bereich der regenerativen Ökonomie und aus der Food- und Biotech-Branche werden immer relevanter und durchstarten.


Resortecs

Eine Branche, die besonders vor der Herausforderung steht, ihr Business nachhaltiger aufzustellen, ist die Bekleidungsindustrie. Aktuell wird nur ein Prozent der weggeworfenen Textilerzeugnisse recycelt, die restlichen 99 Prozent werden verbrannt oder auf Deponien gelagert. Dies liegt zum Teil daran, dass die Kleidungsstücke nicht für eine Zerlegung konzipiert sind. Gerade Knöpfe, Reißverschlüsse und Etiketten behindern den Prozess. Das Start-up Resortecs aus Belgien widmet sich diesem Problem. Die Gründer*innen Cédric Vanhoeck und Vanessa Counaert haben eine industrietaugliche und günstige Lösung entwickelt, um Kleidungsstücke für das Recycling aufzubereiten. Das Ganze funktioniert über ein Garn, das sich unter Hitzeeinwirkung auflöst, sodass Kleidungsstücke in in Einzelteile zerlegt werden können. In der Breite angewendet, kann Resortecs maßgeblich dazu beitragen, das Kleidungsrecycling erheblich zu verbessern.

Poliloop

Mit Recycling bzw. dem Versetzen von Stoffen beschäftigt sich auch das Biotech-Start-up Poliloop aus Ungarn. Die beiden Gründerinnen Liz Madaras and Krisztina Lévay haben einen umweltfreundlichen Bakteriencocktail entwickelt, um den biologischen Abbau von Kunststoffabfällen zu verbessern. Mit der Lösung ermöglicht es das Start-up, eine Kreislaufwirtschaft für Plastik produzierende Unternehmen aufzubauen, sodass Kunststoffverpackungen immer wieder verwendet werden können. In Anbetracht der dramatischen Situation unserer Ozeane und Gewässer ist diese Lösung vielversprechend, damit das Ökosystem wieder ins Gleichgewicht kommt.

Traceless

Das Hamburger Start-up Traceless möchte ebenfalls das Problem der Plastikverschmutzung lösen und hat dazu eine nachhaltige Alternative zu (Bio-)Kunststoffen entwickelt. Aktuell befinden sich 85 Prozent aller jemals weltweit produzierten Kunststoffe noch immer auf Mülldeponien oder verschmutzen die Meere. Mit seiner zum Patent angemeldeten Technologie ist Traceless in der Lage, drei verschiedene alternative Materialien herzustellen: eine flexible Folie, einen formbaren Kunststoff und eine sprühbare Lösung für Beschichtungen. Die Gründerinnen Anne Lamp und Johanna Baare setzen zur Herstellung der Materialien auf natürliche Polymere – also solche, die die Natur vorkommen. Deshalb können Mikroorganismen sie leichter verdauen und abbauen.

Concular

Eine Branche, in der es noch viel Potenzial gibt, eine geschlossene Kreislaufwirtschaft aufzubauen und damit einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ist die Baubranche. Einige vielversprechende Startups nehmen sich dieser Herausforderung an, darunter Concular aus Berlin. Die Gründer Julius Schäufele und Dominik Campanella möchten das zirkuläre Bauen befördern und so die Branche dabei unterstützen, ressourceneffizient und CO2-neutral zu werden. Dafür haben sie eine Softwarelösung entwickelt, um Gebäude und Materialien zu digitalisieren und Bauprozesse transparenter zu gestalten. Ziel ist auch, dass gut erhaltene Materialien aus Umbaumaßnahmen nicht entsorgt, sondern wiederverwertet werden.

Made of Air

Made Of Air aus Berlin hat ebenso eine alternative und nachhaltige Lösung entwickelt, um das Bauwesen CO2-ärmer zu gestalten. Das Start-up, gegründet von Allison Dring und Daniel Schwaag, stellt ein thermoplastisches Granulat her, das zu 90 Prozent aus CO2 aus der Atmosphäre besteht und somit kohlenstoffnegativ ist. Das Material kann als nachhaltige Alternative im Bauwesen, in Innenräumen, Möbeln und mehr eingesetzt werden.

Brickify

Brickify aus Nigeria verfolgt einen anderen Weg, um die Baubranche zukunftsfähig aufzustellen: Das Start-up recycelt Kunststoffabfälle zu wasser-, feuer-und hitzebeständigen Pflastersteinen, die zum Bau von Straßen und kostengünstigen Häusern verwendet werden können. Die Ziegel funktionieren wie Legosteine: Sie greifen ineinander und benötigen beim Bauen keine zusätzlichen Materialien.

Live Green Co

Um 2030 alle 10 Milliarden Menschen ausreichend ernähren zu können, wird pflanzenbasierte Ernährung immer wichtiger, davon sind die beiden Gründerinnen Priyanka Srinivas and Sasikanth Chemalamudi von The Live Green Co mit Sitz in Chile überzeugt. Ihr Ziel: Den Zugang zur pflanzenbasierten Ernährung demokratisieren und ausbauen. The Live Green Co vereint dazu Wissen über mit Biotech und Künstlicher Intelligenz, um Ernährungslternativen zum Durchbruch zu verhelfen. Mit ihrer Technologie macht es The Live Green Co emöglich, klassische Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Stabilisatoren oder Emulgatoren durch Sonnenblumenprotein, Ballaststoffe, Öl, Erbsenprotein, Banane, Avocado und Leinsamenmehl zu ersetzen und so auch den Einsatz von tierischen Zusatzstoffen durch pflanzenbasierte Alternativen zu ersetzen.

ConstellR

Um eine Antwort auf die Klima- und Ernährungskrise geht es auch bei ConstellR aus Freiburg. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass die Nahrungsmittelproduktion bis 2050 um 50% steigen muss – und das bei zunehmender Wasserknappheit und sich ändernden klimatischen Bedingungen. Eine Lösung kommt aus dem All: Die Gründer Max Gulde und Marius Bierdel haben einen Mini-Satelliten entwickelt, der es ermöglicht, landwirtschaftlich relevante Daten zu ermitteln, die dann das effizentere Bewirtschaften der Felder ermöglichen. Der Satellit bemerkt anhand von Temperatur, wann die Pflanzen aufgrund von Wassermangel, zu viel Dünger oder Pilzbefall unter Stress stehen. Die Landwirte können auf Basis dieser Informationen handeln. Letztlich kann die Technologie aber nicht nur dazu dienen, die Landwirtschaft klimafester zu machen, sondern auch helfen, Waldbrände zu verhindern. Anfang dieses Jahres plant ConstellR die Technologie ins All zu befördern. Der Satellit wird dann für vier Monate gemeinsam mit der NASA auf der Interna­tionalen Raumstation ISS betrieben

BOSAQ

Bei BOSAQ aus Belgien steht die Wasserversorgung im Vordergrund. Ungefähr 40 Prozent der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Gründer des CleanTech-Unternehmens, Jacob Bossaer und Pieter Derboven, möchte das ändern. Sie möchten eine zuverlässige und reibungslose Wasserversorgung von hoher Qualität gewährleisten – sowohl für Unternehmen (Brauchwasser) als auch für Gemeinden (Trinkwasser). Dazu haben sie eine patentierte Technologie (SolarAQ) entwickelt, um Wasser aufzubereiten.

KRAFTBLOCK

Nachhaltige Geschäftsmodelle gehen oft einher mit Lösungen, die zum Klimaschutz beitragen. Um CO2-Emissionen im großen Umfang einzusparen, ist der vermehrte und globale Einsatz Erneuerbarer Energien essentiell. Allerdings hängt die Erzeugung erneuerbarer Energie weitgehend von der Verfügbarkeit von Sonne und Wind ab. Für den Übergang zu einer Energieversorgung, die ausschließlich auf Erneuerbaren fußt, ist es wichtig, Energieerzeugung und -verbrauch durch Speichermöglichkeiten zu entkoppeln. Dieses Ziel verfolgt KRAFTBLOCK aus Sulzbach in Deutschland. Das Start-up setzt dafür auf thermische Energiespeicherung. KRAFTBLOCK entwickelt und vertreibt nachhaltige, leicht skalierbare modulare Speichersysteme für thermische Energie (mit Temperaturen bis zu 1.300°C). Die Speichersysteme bestehen zu 85 Prozent aus recycelten Rohstoffen und haben einen geringeren CO2-Fußabdruck als konkurrierende Systeme.

Die Gründer*innen all dieser Start-ups zeigen, dass sich die Art und Weise, wie wir wirtschaften, uns ernähren, kleiden oder bauen nicht mit einer Ausbeutung der natürlichen Ressourcen einhergehen muss. Dank technologischer Innovationen haben wir die Chance, nachhaltiger zu agieren und zur Erreichung der Ziele der UN Agenda 2030 beizutragen. Aufgrund der Notwendigkeit, zu Handeln und die Klimakrise mit vereinten Kräften einzudämmen, werden nachhaltige Geschäftsmodelle immer mehr an Fahrt aufnehmen, auch im Jahr 2022.

Remote Gründen – so geht’s

Tipps und To Do’s zum Trendthema Remote Work von Ben Sattinger, einem erfolgreichen und erfahrenen Remote-Founder.

Durch die Corona-Pandemie ist das Thema Remote Work noch stärker in den Vordergrund gerückt. Der Wunsch nach örtlicher und zeitlicher Flexibilität kann so manche(n) Gründungswillige(n) jedoch auch davon abhalten, ein Unternehmen zu gründen. Wie sich beides erfolgreich kombinieren lässt, weiß Ben Sattinger, ein Pionier im Bereich des ortsungebundenen Arbeitens. 2014 gründete er sein Unternehmen Online Trainer Lizenz (OTL) und baute es von Anfang an komplett remote auf – er selbst lebt und arbeitet an den unterschiedlichsten Orten. Auch deshalb konnte OTL in Corona-Zeiten wie gewohnt weiterarbeiten, beschäftigt heute rund 50 feste sowie ebenso viele freie Mitarbeiter*innen und machte 2020 einen Umsatz von 6,6 Mio. Euro. Hier Bens Tipps:

Volle räumliche Flexibilität von Anfang an

Home-Office oder das Arbeiten von flexiblen Orten zu flexi­blen Zeiten war von Beginn an Teil unserer Unternehmens-DNA. Mein Mitgründer Sven Faltin und ich entschieden uns im Jahr 2014, dass wir auf ein Büro verzichten wollen und unsere Mitarbeiter*innen remote für uns arbeiten sollen. Ich war vor der Unternehmensgründung einer der ersten Fitness-Influencer in Deutschland und konnte zeit- und ortsunabhängig arbeiten. Dadurch habe ich die Vorteile des „Arbeitens von überall aus“ kennengelernt. So konnte ich meiner Leidenschaft, dem Reisen, nachgehen und gleichzeitig Geld verdienen. Das wollte ich auch für mein Unternehmen ermöglichen. Ein Grundgedanke dabei war natürlich auch: Zum Zeitpunkt unserer Gründung mussten angehende Personal Trainer*innen und Sportbegeisterte noch durch ganz Deutschland fahren, um ihre Ausbildung absolvieren zu können. Wir fragten uns: Wieso die Ausbildungen nicht digital anbieten, wenn auch sonst alles andere digital erledigt werden kann? So war die Idee zum remote Gründen geboren.

Feste Strukturen und Prozesse sind das A und O

Eine reine Remote-Aufstellung stellt trotz des Erfolgs eine gewisse Herausforderung dar, das mussten wir auch nach der Gründung lernen. Schnell war klar, dass mit dem Wachstum des Unternehmens auch Strukturen und Prozesse für eine erfolgreiche Zusammenarbeit geschaffen werden müssen. Wir führten feste Kernarbeitszeiten von 9 bis 15 Uhr deutscher Zeit ein, die verpflichtend für das gesamte Team sind. Abseits dieser Kernarbeitszeit können unsere Mitarbeiter*innen selbst entscheiden, wie sie sich den Arbeitsalltag gestalten. Außerdem haben wir feste Strukturen eingeführt – sowohl bei den Timings, Meetings als auch bei den Verantwortlichkeiten. Früh haben wir auf gemeinsame digitale Projektmanagement-Tools gesetzt, damit alle einen Überblick über das gemeinsame Arbeiten haben.

Wir mussten uns seit der Gründung als Arbeitgeber abheben

Natürlich wussten wir bei der Gründung, dass wir potenziellen Mitarbeiter*innen auch besondere Leistungen anbieten müssen, die es in Unternehmen mit einem festen Büro nicht gibt. Vor allem über die begrenzten direkt-persönlichen Kontakte unserer Mitarbeiter*innen haben wir uns mit der Gründung Gedanken gemacht und setzen von Anfang an auf Teamreisen, die ein Mix aus gemeinsamem Arbeiten und Aktivitäten sind. Das gesamte Team macht sich dann auf den Weg in Richtung Traumreiseziel. Zypern, Marokko, Südafrika, Thailand oder auch Indonesien sind nur einige Ziele des Teams gewesen. In der ersten Woche wird Vollzeit gearbeitet, während sich die Arbeitsstunden in der zweiten Woche halbieren und so der Nachmittag für gemeinsame Aktivitäten genutzt werden kann. Während der Reisen fokussieren wir vor allem die Arbeit an einem Ort und verbessern so die persönliche und verbale Kommunikation zwischen den Mitarbeiter*innen. Zusätzlich fördern Team-Wochenenden in Berlin den Teamgedanken. Ähnlich wie bei den Teamreisen, setzt sich das Wochenende aus Workshops und gemeinsamen Aktivitäten zusammen.

Top-Ausrüstung für das Home-Office

Als Unternehmen in der Fitnessbranche lag uns die körperliche Gesundheit unserer Mitarbeiter*innen immer schon am Herzen. Wir stellen ihnen verstellbare Schreibtische, ergonomische Bürostühle und entsprechendes technisches Equipment zur Verfügung. Im Zuge der Corona-bedingten weitreichenden Ausgangsbeschränkungen, haben wir unseren Mitarbeiter*innen bspw. Walking Pads gekauft, um den Bewegungsmangel ein wenig auszugleichen.

Soft Skills bei der Personalauswahl

Mit der Gründung haben wir auch bei der Personalauswahl stark auf Soft Skills gesetzt. In einem Remote-Unternehmen ist es besonders wichtig, dass wir Mitarbeiter*innen auswählen, die sich mit unserem Produkt identifizieren und eigenständig arbeiten. Unsere Mitarbeiter*innen müssen belastbar sein, flexibel denken und einen starken Charakter vorweisen. Von Anfang an hatten wir viele Mitarbeiter*innen, die eine Nähe zu OTL und unseren Themen haben. Viele unserer Mitarbeiter*innen haben eine Ausbildung bei uns gemacht, sind uns auf unseren Social-Media-Kanälen gefolgt oder kannten mich als Person des öffentlichen Lebens. So entsteht ein Team mit hoher Identifikationskraft zum Produkt, das gern digital zusammenarbeitet. Bei der Auswahl der Mitarbeiter*innen spielt in diesem Kontext die fachliche Qualifikation natürlich eine Rolle, aber eher eine nebengeordnete. Wir sind der Auffassung, dass (fast) jede(r) an seinen/ihren Aufgaben wachsen kann. Viel wichtiger war und ist uns, dass wir zueinanderpassen. Im Ergebnis haben wir unter unseren knapp 50 festen Mitarbeiter*innen viele echte Freundschaften, trotz klarer Hierarchien, ohne die es remote auch nicht funktioniert.

Schenkt bei der Gründung Vertrauen!

Die Gründung eines Remote-Unternehmens ist eng an das Vertrauen gekoppelt, das Führungskräfte ihrem Team entgegenbringen. Meine Erfahrung ist, dass gerade bei der Umstellung zum Arbeiten im Home-Office diejenigen Mitarbeiter*innen die besten Leistungen erbringen, die spüren, dass ihnen vertraut wird und sie wertgeschätzt werden. Mein Rat an alle, die jetzt remote gründen oder jetzt umstellen wollen: Sorgt für feste Strukturen und Prozesse bei Meetings, klare, einvernehmliche Ziele, realistische Aufgabenstellungen und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten. Und stellt den Menschen in den Mittelpunkt! Nur in diesem Rahmen entfaltet sich das Potenzial der eigenen Mitarbeiter*innen – das hilft allen, auch dem Unternehmen.