Ratgeber: Payment Service Provider

Autor: Julia Houben
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Tests & Tools für Gründer: Payment Service Provider. An der Nutzung eines Payment Service Providers (PSP) kommen Shopbetreiber kaum vorbei. Doch es gibt weltweit über 900 PSPs. Wir helfen dir, die für deine Shop-Anforderungen optimale Wahl zu treffen.

Start-ups, die im E-Commerce erfolgreich sein wollen, müssen sicherstellen, dass die Zahlungsabwicklung funktioniert. Nach einem langen Weg der Customer Journey hat sich der Kunde für ein Produkt im Shop entschieden und hat den eher ungeliebten Bezahlvorgang vor sich. Um zu diesem Zeitpunkt den Kunden nicht zu verlieren, spielen die Nutzung verschiedener Bezahloptionen, die Check-out-Gestaltung und Auswahl eines oder mehrerer passender Zahlungsanbieter eine entscheidende Rolle.

Die wichtigsten Zahlungsarten in Deutschland

Gerade im E-Commerce ist die Bezahlung ein sehr sensibles Thema. Die Kunden lösen einen Bezahlvorgang aus, ohne die Ware in den Händen zu halten oder einer Person gegenüber zu stehen. Daher benötigt der Händler andere Faktoren, die Vertrauen, Seriosität und Sicherheit erzeugen. Das Angebot von Bezahlverfahren, mit denen die Kunden bereits positive Erfahrungen gemacht haben, hilft dabei, Vertrauen zu erzeugen. Daneben haben Kriterien wie Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit in der Abwicklung sowie eine gute Verbreitung bei der Zielgruppe eine Relevanz.

In Deutschland gehören nach der EHI-Studie Online-Payment 2017 der Rechnungskauf, die Bezahlung per Lastschrift, PayPal und Kreditkarte zu den wichtigsten Zahlungsarten. Der Rechnungskauf (der Kunde begleicht die Rechnung per Banküberweisung) macht in Deutschland 30,5 Prozent des Anteils am Umsatz des E-Commerce aus. Auch die Bezahlung per Lastschrift ist beliebt. Diese Zahlungsart bietet sich zum Beispiel für Abo- und Ratenzahlungen an. Im Unterschied zu den meisten anderen Zahlungsarten ist der Zahlungsempfänger der Aktive – nicht der Zahlungspflichtige. Das heißt, der Händler beauftragt seine Bank, vom Konto des Käufers einen entsprechenden Betrag abzubuchen. PayPal findet sich ebenso bei den meisten Händlern im Angebot. PayPal gehört zu den sog. E-Wallets bzw. virtuellen Geldbörsen. Kunden transferieren mit PayPal Geldsummen ohne dabei die Kontodaten angeben zu müssen. Internationale Kunden schätzen besonders die Bezahlung per Kreditkarte. In Deutschland steht die Kreditkarte mit 12,2 Prozent auf Platz 4 der beliebtesten Zahlarten.

Auswahl und Einbindung von Zahlungsarten

Welcher Zahlungsanbieter am besten geeignet ist, ist stark abhängig von der Branche, in welcher das Unternehmen tätig ist sowie der vornehmlichen Zielgruppe. Handelt es sich beispielsweise um ein MMOG (Massive Multiplayer Online Game), bei dem Jugendliche ihre Helden für 2 Euro kaufen können, werden gern E-Wallets oder Prepaid-Karten oder das Bezahlen über SMS eingesetzt. Handelt es sich um ein Reisebusunternehmen für Senioren, wird der Rechnungskauf eine dominante Zahlungsart sein. Daher spielt eine detaillierte Zielgruppenanalyse auch hinsichtlich der Zahlungsarten eine wichtige Rolle.

Hat ein E-Commerce-Unternehmen eine Vorstellung, welche Zahlungsarten in den Shop eingebunden werden sollen, kann es diese individuell in das Shopsystem einbinden. Hierfür muss das Unternehmen mit jedem Anbieter einer Zahlungsart eine gesonderte Vertragsvereinbarung treffen und die Konditionen aushandeln. Die technische Anbindung der Zahlungsart wird ebenfalls einzeln vorgenommen mit Hilfe der eigenen Entwickler oder spezieller Agenturen, die bei der Einbindung unterstützen. Sofern die Kreditkarte im Check-out angeboten werden soll, muss sich das Unternehmen – weil es Kreditkartendaten verarbeitet – nach dem Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS) zertifizieren lassen.

Was leistet ein Payment Service Provider?

Alternativ kann der Händler einen Payment Service Provider (PSP) nutzen. Dieser ermöglicht die Anbindung und Abwicklung aller gewünschten Zahlungsarten über eine Schnittstelle. Der Händler muss anstelle mehrerer Verträge nur einen Vertrag mit dem Payment Service Provider schließen. Der PSP hat bereits Verträge mit den einzelnen Online-Bezahldiensten bzw. übernimmt die Verhandlung und das Management der Akzeptanzverträge. Für die technische Anbindung der Zahlungsarten nutzt der PSP bereits bestehende Schnittstellen. Meist übernimmt der PSP ebenfalls das sog. Collecting. Dann sammelt er die eingehenden Kundenzahlungen, überwacht diese und zahlt diese gebündelt an den Händler aus. 

Die 5 wichtigsten Auswahl-Kriterien

Wie eingangs erwähnt, gibt es weltweit über 900 verschiedene Payment Anbieter. Sich hier zurechtzufinden und den besten Provider für die unternehmensspezifischen Anforderungen zu finden, ist zeitaufwendig und Bedarf eines Grundverständnisses für Payment-Prozesse. Wir haben die wichtigsten Auswahl-Kriterien zusammengestellt:

I. Vielfalt der Bezahlarten

Das Angebot an Zahlungsarten hat einen großen Einfluss auf die Conversion Rate im Check-out. Kunden möchten die Wahl zwischen verschiedenen Bezahlverfahren haben. Studien zeigen, dass ein Angebot von drei bis fünf Zahlungsarten ideal ist und die präferierten Zahlungsweisen der Zielgruppe abdeckt. Unternehmen, die international tätig sind oder planen, ihr Angebot international auszuweiten, sollten bei der Auswahl eines PSPs auf die genutzten Bezahlverfahren in den jeweiligen Ländern achten. Eine Studie der Europäischen Kommission weist darauf hin, dass 60 Prozent der grenzüberschreitenden E-Commerce-Transaktionen nicht getätigt werden können, weil im Bezahlvorgang nicht die passenden Bezahlmethoden angeboten werden.

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Print-Objekts StartingUp: Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen StartingUp - Heft 01/18 - ab dem 15. Februar 2018 im Handel oder jederzeit online bestellbar - auch als ePaper - in unserem Bestellservice-Bereich


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