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Gründer*in der Woche: 3EA - die Drone-as-a-Service-Pioniere
KW 29/2024
Benjamin Wiens und Marius Schröder, die Gründer der Third Element Aviation (3EA), bieten als erstes deutsches Unternehmen kommerzielle Drohnen-Logistikflüge an und setzen damit auch in der EU Maßstäbe.
Im Herzen Nordrhein-Westfalens, in Bielefeld, ist ein Start-up beheimatet, das sich anschickt, die Grenzen dessen, was in der europäischen Drohnen-Luftfahrtlogistik möglich ist, zu definieren. Third Element Aviation (3EA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, mittels hochentwickelter Drohnentechnologie logistische Prozesse fliegen zu lassen, und hat dies vor wenigen Monaten mit dem ersten kommerziellen Logistik-Drohnenflug in Deutschland eindrucksvoll gezeigt. Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Die Europäische Union, die für ihre strenge Regulierung bekannt ist, stellt Start-ups wie 3EA vor beträchtliche Herausforderungen.
Vision trifft auf bürokratische Hürden
Als der Drohnenhersteller, bei dem Benjamin Wiens und Marius Schröder, die Gründer von 3EA, beschäftigt waren, 2016 seine Pforten schloss, entschieden sie sich gegen den sicheren Hafen einer neuen Anstellung und für das ungewisse Meer der Selbständigkeit. Mit einem dänischen Partner und einigen früheren Kollegen gründeten sie ihr eigenes Start-up. Ihre Vision: eine Drohnen-Airline, die Materialien schneller, effizienter und umweltfreundlicher transportieren kann als jeder LkW.
Doch die Vision stieß schnell auf die Realitäten des europäischen Rechtssystems. Die Unionsgesetzgebung zu Drohnen ist ein Labyrinth aus nationalen und supranationalen Vorschriften, das ständig in Bewegung ist. Die Sicherheitsanforderungen sind hoch und die bürokratischen Wege lang. Aber es ist ein ganz klares Entgegenkommen zwischen Politik und Wirtschaft erkennbar, das Potenzial für Drohnen in Europa weiter zu heben und nicht mit Gesetzen zu verbauen. Das unterstreicht auch Marius Schröder: „Wir sehen deutlich mehr Rechtssicherheit und Klarheit. Und wir sehen – was noch viel wichtiger ist – einen Weg hin zum sicheren Betrieb von Drohnen, auch wenn keine Piloten direkt danebenstehen. Unsere Kunden nehmen diese Veränderung wahr, und es werden wieder viel mehr Projekte angefragt.“ 3EA kennt das Spielfeld der Drohnen-Verordnungen genau, man konzentriert sich aber auf den eigenen technologischen Fortschritt auf dem sich immer weiter regulierten Markt.
Regulierungsschlacht mit Perspektiven
Drohnen operieren in einer rechtlichen Unsicherheit zwischen unbemannter Luftfahrt und ziviler Nutzung. Die Gesetzgebung muss sowohl die Sicherheit der Bevölkerung garantieren als auch einen fairen Wettbewerb ermöglichen. „Jedes Land in der EU hat seine eigenen Regeln, was eine EU-weite Expansion zu einem bürokratischen Albtraum macht“, sagt Benjamin Wiens. 3EA musste nicht nur mit den deutschen Behörden verhandeln, sondern auch die unterschiedlichen Anforderungen anderer EU-Staaten berücksichtigen. „Wir stehen ganz am Anfang einer Erschließung eines gesamten Sektors, da ist es doch ganz normal, dass Spielraum vorhanden ist. Das macht es auch so spannend und bietet eher Chancen“, sagt Benjamin Wiens.
Die logistische Revolution
Derweil schreibt 3EA Geschichte mit dem ersten kommerziellen Drohnenflug über dem Industriegebiet von Lüdenscheid. Hochtechnologische Drohnen transportieren Werkzeuge und andere Güter über eine der verkehrsreichsten Regionen Deutschlands, ohne in Staus zu geraten. Seit dem 21. Februar dieses Jahres gibt es einen dauerhaften Linienflug von ferngesteuerten Drohnen aus einer Art Kommunikationszentrale heraus, in der Drohnenpilot*innen mehrere Drohnen gleichzeitig überwachen – alles in Zusammenarbeit mit der Koerschulte Group. Damit sind sie das erste deutsche Unternehmen, das kommerzielle Logistikflüge, kurz – Drone-as-a-Service – anbietet. Das Potenzial ist riesig, denn in der Luft wird nicht nur Zeit gespart, sondern auch die Umweltbelastung des städtischen Verkehrs erheblich reduziert.
„Wir haben lange an der Zuverlässigkeit unserer Fluggeräte gearbeitet und können jetzt eine sichere Überquerung urbaner Gebiete garantieren“, erklärt Benjamin Wiens. Die Drohnen von 3EA sind mit modernsten Navigations- und Sicherheitssystemen ausgestattet, die es ihnen erlauben, selbständig Hindernissen auszuweichen und bei technischen Problemen sicher zu landen.
Potenzial und Risiken
Analyst*innen prognostizieren ein starkes Wachstum des EU-Markts für Drohnenlogistik, besonders angesichts der zunehmenden Urbanisierung und der Suche nach nachhaltigen Transportlösungen. Wenn alle an einem Strang ziehen – dazu gehören Politik, Wirtschaft und Gesellschaft –, kann in der Luft wirklich ein Schloss entstehen; die Weichen sind gestellt. „Jedes neue Gesetz, jede Änderung in der EU-Drohnenpolitik kann uns natürlich ein Stück zurückwerfen. Aber die Vergangenheit und die Entwicklung der Gesetzgebung haben gezeigt, dass alle Seiten den Luftraum als logistische Zukunft sehen“, sagt Benjamin Wiens.
Das Vertrauen in die Flugsicherheit von Drohnen ist da. Dass es auch so bleibt, dafür sind alle Beteiligten mitverantwortlich. Drohnen sind komplexe Systeme, deren Betrieb von präziser Softwaresteuerung und fehlerfreien mechanischen Komponenten abhängt. „Sicherheit steht für uns immer an erster Stelle. Gesetzgebungen und starke Regulierungen sind enorm wichtig, weil wir als gesamte Branche das Vertrauen in eine neue Logistik aus der Luft gewinnen und vor allem langfristig halten müssen, um nachhaltig Erfolg zu haben“, sagt Benjamin Wiens.
Die Zukunft ist in der Luft zu Hause
Während klassische Use Cases im B2B-Bereich wie Dachinspektionen oder Filmaufnahmen bereits gut funktionieren, schaffen neue Technologien und neue regulatorische Möglichkeiten die künftige Basis für weitere Geschäftsfelder. Bereits 2025 soll jede dritte Drohne im B2B-Bereich eingesetzt werden. Vor allem der Logistikmarkt wächst. Allied Market Research geht von einem jährlichen Wachstum von über 20 Prozent bis 2030 aus. „Wir stehen erst am Anfang dessen, was mit Drohnen möglich ist“, sagt Benjamin Wiens. Die nächste Stufe könnte die Integration von KI-Systemen sein, die nicht nur die Navigation, sondern auch die logistischen Entscheidungen autonom treffen können. Dadurch könnte die Effizienz weiter gesteigert und die menschliche Fehlerquote minimiert werden.
3EA steht an der Spitze einer technologischen Revolution, welche die Art und Weise, wie wir über Transport und Logistik denken, verändern könnte. Die Kombination aus innovativer Technologie und einer proaktiven Herangehensweise an die europäische Regulierungslandschaft macht das Unternehmen zu einem spannenden, wenn auch unsicheren Spieler auf dem Feld der modernen Luftfahrtlogistik.
Der Erfolg oder das Scheitern von 3EA wird nicht nur die eigene Zukunft bestimmen, sondern auch die Richtung, in die sich die Drohnenlogistik in Europa und darüber hinaus entwickeln wird. Benjamin Wiens und Marius Schröder sind als erste mit Drohnen kommerziell in der Luft und zeigen eindrucksvoll, dass sie alles andere als eine Luftnummer bieten. Aber ist das Pilotprojekt aus Lüdenscheid in ganz Deutschland oder sogar im gesamten europäischen Luftraum kopierbar? Ja, es ist möglich, denn die Industrie schaut für zukünftige Logistiklösungen nach vorne und vor allem nach oben.
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Gründungs-Optimismus 2026: Trotz Gegenwind auf Wachstumskurs?
Während die makroökonomischen Vorzeichen auf Abkühlung stehen – die OECD prognostizierte zuletzt eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums um rund zehn Prozent in den kommenden Jahren – zeichnet sich in der deutschen Gründer*innenszene ein überraschendes Gegenbild ab: Ein neuer Optimismus macht sich breit.
Laut dem aktuellen „Work Change Special Report“ von LinkedIn (befragt wurden über 1000 Unternehmensführungen und Fachkräfte in Deutschland) blicken 55 Prozent der deutschen Kleinunternehmer*innen zuversichtlich auf das Wachstum in den kommenden zwölf Monaten. Dieser Wert sticht besonders hervor, da kleine Unternehmen (KMU) rund 90 Prozent aller Unternehmen ausmachen und für 70 Prozent des globalen BIP verantwortlich sind. Wenn dieser Sektor trotzt, hat das Signalkraft.
Damit zeigt der Report eine klare Trendwende: Die wirtschaftliche Unsicherheit führt nicht zur Schockstarre, sondern zu mehr Eigeninitiative. Die Zahl der LinkedIn-Mitglieder in Deutschland, die ihrem Profil den Titel „Founder“ hinzufügen, ist im Jahresvergleich um 61 Prozent gestiegen. Ein Indiz dafür, dass sich der Begriff des Unternehmertums wandelt – weg von rein formalen Strukturen, hin zu einer agilen Founder-Economy, die oft digital startet, bevor sie im Handelsregister landet.
KI als der große „Gleichmacher“ für kleine Teams
Was treibt diesen Mut zur Selbständigkeit in einem schwierigen Umfeld? Die Daten legen nahe, dass technologische Barrieren fallen. Künstliche Intelligenz (KI) fungiert hier als „Equalizer“, der kleinen Teams Wettbewerbschancen eröffnet, die früher Konzernen vorbehalten waren. Das generative KI-Potenzial wird global auf eine Wertschöpfung von bis zu 6,6 Billionen US-Dollar geschätzt – und kleine Unternehmen wollen sich ihren Teil davon sichern.
- Wettbewerbsvorteil: 53 Prozent der Geschäftsführer*innen kleiner Unternehmen in Deutschland geben an, dass KI entscheidend für das Wachstum ihres Unternehmens ist.
- Gründungsmotor: Fast 30 Prozent der Fachkräfte in Deutschland sagen, dass erst die Verfügbarkeit von KI sie dazu ermutigt hat, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.
- Hohe Adaption: Während in der breiten Wirtschaft die Implementierung oft schleppend verläuft, sind die auf LinkedIn aktiven Kleinunternehmen bereits deutlich weiter: Hier geben 84 Prozent an, KI bereits in irgendeiner Form zu nutzen.
Die Renaissance der Soft Skills: Vertrauen als Differenzierungsmerkmal
Der Report warnt jedoch davor, sich allein auf Technologie zu verlassen. In einer Ära, in der KI-generierte Inhalte exponentiell zunehmen, wird der Human Factor zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Wenn Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist, wird Vertrauen zur härtesten Währung.
- Netzwerkeffekte: 69 Prozent der Marketingverantwortlichen in kleinen Unternehmen bestätigen, dass Käufer*innen Informationen heute primär über ihre Netzwerke validieren, bevor sie Entscheidungen treffen.
- Markenaufbau: Für 71 Prozent der deutschen Kleinunternehmer*innen ist der Aufbau einer starken Marke der Schlüssel, um ihre 3-bis-5-Jahres-Ziele zu erreichen.
- Authentizität: 72 Prozent setzen verstärkt auf „Community-Driven-Content“ – also Stimmen von Mitarbeitern und Experten –, da bloße Markenbotschaften an Wirkung verlieren.
Fazit für Gründer*innen
Die Strategie für 2026 lautet Hybridität: Erfolgreiche Gründer*innen nutzen KI für Geschwindigkeit und Skalierung im Hintergrund, investieren aber gleichzeitig massiv in den Aufbau persönlicher Netzwerke und einer glaubwürdigen Marke. Oder wie es die Daten zeigen: 65 Prozent der deutschen Kleinunternehmer*innen sehen das aktive Netzwerken inzwischen als essenziellen Schlüssel für langfristiges Wachstum an.
Wer heute gründet, tut dies mit mächtigeren Werkzeugen als je zuvor – muss aber mehr denn je beweisen, dass hinter der Technologie echte Menschen stehen.
Millionen-Spritze gegen den Brain Drain: Blockbrain holt 17,5 Mio. Euro
Wissen ist das neue Gold – doch es wandert oft mit den Mitarbeitenden aus der Tür. Das 2022 gegründete Stuttgarter Scale-up Blockbrain will das verhindern. Mit einer „No-Code“-Plattform konservieren die Gründer Antonius Gress, Mattias Protzmann und Nam Hai Ngo Firmenwissen in KI-Agenten. Jetzt gab es frisches Kapital, dass primär in die Expansion nach Großbritannien und Europa sowie in die Produktentwicklung fließen soll.
Der demografische Wandel setzt Unternehmen unter Druck: Wenn erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen oder kündigen, hinterlassen sie oft nicht nur eine leere Stelle, sondern eine Wissenslücke. Eingespielte Prozesse und implizites Erfahrungswissen („Tribal Knowledge“) gehen verloren. Genau hier hakt Blockbrain ein. Das Tech-Unternehmen gab heute den Abschluss einer Serie-A-Finanzierungsrunde über 17,5 Millionen Euro bekannt.
Angeführt wird die Runde vom Münchner VC Alstin Capital und dem Londoner Tech-Investor 13books Capital. Zudem stockten die Bestandsinvestoren Giesecke+Devrient Ventures, Landesbank Baden-Württemberg Ventures und Mätch VC ihr finanzielles Engagement auf. Auch das Family Office von Harting beteiligte sich an der Runde, was die Gesamtfinanzierung des Unternehmens auf 22,5 Millionen Euro hebt.
Vom Konzern-Problem zur Start-up-Lösung
Dass Blockbrain bei der Industrie einen Nerv trifft, liegt auch an der DNA des Gründerteams. CEO Antonius Gress kennt die Schmerzen großer Organisationen aus seiner Zeit bei Bosch, während CTO Mattias Protzmann als Mitgründer von Statista bereits bewiesen hat, wie man Datenmodelle skaliert. Dritter im Bunde ist Nam Hai Ngo (ehemals Antler).
Ihr Ansatz: Eine „No-Code“-Plattform, mit der Unternehmen ohne Programmieraufwand sogenannte Knowledge Bots erstellen können. Diese digitalen Zwillinge speichern nicht nur Dokumente, sondern bilden Entscheidungslogiken und Methodenwissen von Experten ab. Die Anwendungsfelder reichen vom schnelleren Onboarding neuer Mitarbeiter bis zur Automatisierung komplexer Vertriebsprozesse.
Der Markt scheint ihnen recht zu geben: 2025 konnte Blockbrain nach eigenen Angaben den Umsatz verfünffachen. Kunden wie Bosch, Roland Berger und die Seifert Logistics Group setzen die Lösung bereits ein. Letztere berichtet von einer Zeitersparnis von bis zu 15 Prozent pro Woche durch die KI-Assistenten.
Sicherheit als „Moat“ gegen ChatGPT & Co.
Während viele Unternehmen beim Einsatz generativer KI wegen Halluzinationen und Datenlecks zögern, positioniert sich Blockbrain als der „sichere Hafen“. Die Plattform ist nicht nur ISO-27001-zertifiziert und „EU-AI-Act-ready“, sondern ermöglicht durch eine Multi-Model-Architektur auch die volle Datensouveränität. Kund*innendaten können bei Bedarf in regionalen Cloud-Umgebungen des Nutzenden verbleiben.
Wie groß der Vorsprung vor herkömmlichen Enterprise-Lösungen ist, untermauert das Start-up mit Zahlen: In einem unabhängigen Benchmark des Sicherheitsspezialisten Giesecke+Devrient erzielte Blockbrain 92 von 105 Punkten – der Zweitplatzierte kam lediglich auf 58 Punkte. „Sich einfach auf Versprechungen und die Stärke eines Modells zu verlassen, ist im Unternehmenskontext schlicht nicht genug“, kommentiert CTO Protzmann die Strategie.
Expansion mit „Forward-Deployed“ Ingenieuren
Das frische Kapital fließt nun primär in die Expansion nach Großbritannien und Europa sowie in die Produktentwicklung. Dabei setzt Blockbrain auf ein spezielles Personalmodell: Sogenannte Forward-Deployed AI-Engineers sollen Kund*innen eng bei der Integration begleiten – remote oder vor Ort. Ziel ist es, Recherche-Workflows weiter zu automatisieren und KI vom Experimentierfeld zum verlässlichen Werkzeug im Kerngeschäft zu machen.
E-Bike-Start-up Sushi Bikes gerettet
Nach der Insolvenz im November 2025 übernimmt die Düsseldorfer Wealth Collect Holding das Münchner E-Bike-Start-up. Gründer Andreas Weinzierl bleibt an Bord – und spricht von einem „Befreiungsschlag“.
Aufatmen in der Münchner Mobilitäts-Szene: Das Zittern um Sushi Bikes hat ein Ende. Wie heute bekannt wurde, übernimmt die WEALTH COLLECT Holding (WCH) die Marke und die Assets des Unternehmens. Der Deal markiert den Abschluss eines mehrmonatigen Investorenprozesses, nachdem die operative Gesellschaft im November 2025 Insolvenz anmelden musste.
Für das 2019 gegründete Start-up, das mit minimalistischen E-Bikes zum Kampfpreis von unter 1.000 Euro den Markt aufmischte, bedeutet der Einstieg der Düsseldorfer Holding das Überleben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Opfer der Marktkonsolidierung
Sushi Bikes galt lange als Vorzeige-Startup der deutschen Mobilitätswende. Mit dem Versprechen, ein E-Bike zu bauen, das „so leicht und bezahlbar ist wie ein klassisches Fahrrad“, traf Gründer Andreas Weinzierl einen Nerv. Über 30.000 Räder wurden verkauft, Prominente wie Joko Winterscheidt waren früh als Investoren an Bord (und stiegen bereits vor der Krise aus).
Doch wie viele Direct-to-Consumer-Brands (DTC) im Fahrradmarkt bekam auch Sushi die massive Abkühlung der Nachfrage nach dem Corona-Boom zu spüren. Volle Lager, sinkende Margen und Kaufzurückhaltung führten im Herbst 2025 schließlich zur Zahlungsunfähigkeit. Der nun erfolgte Verkauf an die WCH beendet die Hängepartie.
„Befreiungsschlag“ für den Gründer
Andreas Weinzierl, der das Unternehmen auch unter dem neuen Eigentümer weiterführen wird, kommentiert den Deal sichtlich erleichtert. „In den vergangenen Monaten haben wir hart dafür gekämpft, eine Lösung zu finden, die der Marke SUSHI BIKES und unserer treuen Community gerecht wird. Dass wir nun mit einem starken Partner an der Seite weitermachen können, fühlt sich wie der Befreiungsschlag an“, so Weinzierl.
Dass der Gründer nach einer Insolvenz operativ an der Spitze bleibt, deutet darauf hin, dass der neue Eigentümer den Markenwert eng an die Person Weinzierl knüpft.
Strategischer Fit für die Holding
Die Käuferin, die Wealth Collect Holding aus Düsseldorf, ist bisher vor allem in den Bereichen Private Equity, Green Energy und Real Estate aktiv. Mit Sushi Bikes holt sich CEO Rainer Langnickel nun einen „Volumentreiber“ ins Portfolio, der als Einstiegssegment in ein breiteres Mobilitäts-Ökosystem integriert werden soll.
„Die Stärke von Sushi liegt in der konsequenten Reduktion auf das Wesentliche“, lässt sich Langnickel zitieren. Die Holding will nun vor allem die finanzielle Stabilität nutzen, um Lieferketten und Service zu optimieren – Bereiche, die in der Vergangenheit oft unter der knappen Liquidität des Startups litten. Für die Kunden soll sich laut Unternehmen wenig ändern: Die Identität der Marke bleibt erhalten.
Auf einen Blick: Der Deal
- Unternehmen: Sushi Bikes (München)
- Käufer: WEALTH COLLECT Holding GmbH (Düsseldorf)
- Gründer: Andreas Weinzierl (bleibt Geschäftsführer)
- Hintergrund: Übernahme aus der Insolvenz (Asset Deal)
- Traktion: > 30.000 verkaufte Bikes seit 2019
- Status: Marke bleibt bestehen, Service und Produktion laufen weiter
TUM Security and Defense Alliance gegründet
München als Festung der Innovation: Heute wurde die TUM Security and Defense Alliance als strategischer und interdisziplinärer Innovationshub für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien gegründet.
Der Großraum München gilt bereits jetzt als einer der bedeutendsten Standorte für die europäische Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Mit der Gründung der neuen TUM Security and Defense Alliance soll dieses Ökosystem nun institutionalisiert und strategisch gebündelt werden. Der Fokus liegt dabei nicht auf einem einzelnen Sektor, sondern auf einem ganzheitlichen Ansatz: Die Allianz deckt alle relevanten militärischen Domänen ab – von Luft und Weltraum über Land und See bis hin zum immer wichtiger werdenden Cyber- und Informationsraum.
„Wer den Frieden sichern will, muss ihn verteidigen können“
Die Initiative markiert einen spürbaren Wandel im Umgang deutscher Hochschulen mit militärischer Forschung. TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann fand bei der Gründung deutliche Worte für diese Neuausrichtung: „Wer den Frieden sichern will, muss ihn verteidigen können. Zu dieser Aussage stehen wir.“ Die Allianz solle Spitzenforschung verantwortungsvoll, aber effizient in marktfähige Innovationen überführen, die der Abschreckung und Stabilisierung dienten.
Unterstützt wird das Vorhaben von einer breiten Koalition aus Industrie und Forschung. Zu den Partnern zählen etablierte Schwergewichte wie Airbus Defence and Space, Hensoldt, MTU Aero Engines und Diehl Defence, aber auch Einhörner und Start-ups der neuen Rüstungsgeneration wie das KI-Unternehmen Helsing, der Raketenbauer Isar Aerospace oder der Drohnenhersteller Quantum-Systems.
Politische Rückendeckung: „Hightech schützt Heimat“
Die politische Dimension des Projekts unterstrich Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume. Er bezeichnete die Gründung als Schritt, der den Freistaat zur „technologischen Kommandozentrale für Europas Sicherheit“ mache. Blume erteilte langwierigen Debatten über Zivilklauseln an Universitäten eine Absage und forderte einen pragmatischen Umgang mit Dual-Use-Technologien (Anwendungen, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind). „In Zeiten hybrider Hightech-Kriege ist Mut zur Innovation entscheidender Faktor. Es gilt das Prinzip: Hightech schützt Heimat“, so der Minister.
Vom Labor ins Feld
Operativ soll die Allianz als Schnittstelle fungieren, um das oft zitierte „Tal des Todes“ zwischen Grundlagenforschung und einsatzfähigem Produkt zu überbrücken. Prof. Chiara Manfletti, die Koordinatorin der Allianz, betonte, dass man die wichtigsten Akteure nun an einen Tisch bringe, um Forschung und Umsetzung systematisch zu stärken.
Konkret verfolgt der Hub sechs Kernziele. Dazu gehören der Aufbau spezialisierter Testumgebungen – etwa für Drohnenschwärme oder Cyber-Abwehr –, die gezielte Förderung von Start-ups über die TUM Venture Labs sowie die Ausbildung von Talenten im Verteidigungssektor. Auch die Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr ist zentral. Deren Präsidentin Prof. Eva-Maria Kern sieht in der Bündelung der Kompetenzen einen essentiellen Beitrag „für ein freies, sicheres und resilientes Europa“.
Mit der Gründung der „TUM Security and Defense Alliance“ sendet der Standort München ein klares Signal: Die technologische Antwort auf die veränderte Sicherheitslage in Europa soll künftig maßgeblich aus Bayern kommen.
Auf einen Blick: Die Partner der Allianz
Neben der TUM und der UniBw M sind folgende Unternehmen und Institutionen beteiligt:
- Industrie & Konzerne: Airbus Defence and Space, Hensoldt, MTU Aero Engines, Diehl Defence, MBDA Deutschland, Rohde & Schwarz, SAP, IABG.
- Scale-ups & Start-ups: Helsing, Isar Aerospace, Quantum-Systems, Neuraspace, Resaro Europe, TYTAN Technologies.
- Ökosystem: TUM Venture Lab Aerospace / Defense.
Stadt vs. Land: Warum Gründerinnen urbane Räume bevorzugen – und welche Chancen die Provinz bietet
Jede(r) kennt die Hotspots unserer Start-up-Szene. Doch wie sieht es jenseits der Metropolen aus? Der aktuelle Women Entrepreneurship Monitor 2024/25 zeigt: Frauen gründen auf dem Land zwar seltener, lassen sich vom Standort aber weniger abschrecken als Männer.
Der Traum vom eigenen Unternehmen – er blüht in der Stadt deutlich stärker als auf dem Land. Das bestätigt der neuste Women Entrepreneurship Monitor, der vom RKW Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Thünen-Institut veröffentlicht wurde. Die Analyse der Daten aus dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) der Jahre 2015 bis 2024 liefert spannende Einblicke in die Geografie des Gründens.
Klares Stadt-Land-Gefälle
Die nackten Zahlen bestätigen zunächst das Klischee: Während sich in städtischen Regionen 5,4 Prozent der befragten Frauen für eine Gründung entschieden, waren es in ländlichen Räumen nur 4,3 Prozent.
Interessant wird es jedoch im direkten Vergleich mit den männlichen Kollegen. Auch Männer zieht es in die Städte (9,5 Prozent Gründungsquote) statt aufs Land (6,5 Prozent). Der statistische Twist:
- Bei Frauen ist die Gründungsaktivität auf dem Land um rund 20 Prozent niedriger als in der Stadt.
- Bei Männern bricht die Quote auf dem Land um über 30 Prozent ein.
Das Fazit der Expert*innen: Der Wohnort ist für Frauen bei der Gründungsentscheidung statistisch gesehen weniger ausschlaggebend als für Männer. Frauen gründen dort, wo sie sind – Männer ziehen eher dorthin, wo gegründet wird.
Warum das Land (noch) bremst
Warum ist der ländliche Raum für Gründerinnen oft ein härteres Pflaster? Die Studie identifiziert strukturelle Hürden, die über reines Internet-Tempo hinausgehen:
1. Industriestrukturen: Viele wirtschaftsstarke ländliche Räume sind geprägt von männerdominierten Branchen (Fahrzeugbau, Chemie). Das drückt nicht nur die Frauenquote in Führungspositionen, sondern sorgt auch für überdurchschnittlich hohe Gender Pay Gaps.
2. Care-Arbeit: Fehlende Kita-Plätze und eingeschränkte Pflegeangebote für Angehörige sind auf dem Land oft noch virulenter als in der Stadt. Für Gründerinnen wird die Vereinbarkeit von Familie und Business hier zur organisatorischen Herkulesaufgabe.
Die „Hidden Opportunity“: Warum sich das Land lohnen kann
Doch der Monitor warnt davor, das Land abzuschreiben. Für clevere Gründerinnen liegen genau hier ungenutzte Chancen:
- Geringere Burn-Rate: Mieten und Löhne sind deutlich niedriger („Einstiegskosten“).
- Weniger Konkurrenz: Wer eine Marktlücke besetzt, ist oft der einzige Anbieter weit und breit.
- Alternative zum Arbeitsmarkt: In Regionen mit einseitiger Branchenstruktur ist die Selbständigkeit oft der attraktivste Weg zu einer erfüllenden Karriere.
Mindset: Geld regiert die (Stadt-)Welt
Was treibt die Gründerinnen an? Überall steht der Wunsch nach Wohlstand oben auf der Liste. Doch in der Stadt ist der finanzielle Hunger größer: Für 51 Prozent der städtischen Gründerinnen sind hohes Einkommen und Reichtum ein „sehr wichtiges“ Motiv – auf dem Land sagen das nur 38 Prozent.
Überraschend: Auch die „Fortführung einer Familientradition“ ist eher ein städtisches Phänomen (44 Prozent) als ein ländliches (30 Prozent).
Bildung als der große Gleichmacher
Egal ob Kuhweide oder Co-Working-Space: Bildung ist der Schlüssel. Gründerinnen sind im Schnitt deutlich besser qualifiziert als der Rest der Bevölkerung.
- Land: 25 Prozent der Gründerinnen haben einen Hochschulabschluss (Bevölkerungsschnitt: 12 Prozent).
- Stadt: 43 Prozent der Gründerinnen sind Akademikerinnen (Bevölkerungsschnitt: 25 Prozent).
Das zeigt: Entrepreneurship ist in Deutschland weiterhin stark akademisch geprägt. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land ist dabei größer als die zwischen den Geschlechtern.
Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft
Die Studie zeigt, dass wir das Potenzial von Gründerinnen im ländlichen Raum noch lange nicht ausgeschöpft haben. Während die Städte mit Netzwerkeffekten punkten, bietet das Land Raum für nachhaltiges Wachstum abseits des Hypes. Um die Lücke zu schließen, braucht es aber mehr als nur Mut: Es braucht eine Infrastruktur, die Care-Arbeit und Business vereinbar macht.
8,5 Mio. Euro für HealthTech-Start-up microsynetics
Microsynetics wurde 2019 von Marlon Besuch und Michael Hummels gegründet. Getrieben von persönlichen Erfahrungen in ihren Familien entwickeln sie unter der Marke Gardia mobile Notruflösungen für ältere Menschen.
Jetzt hat microsynetics erfolgreich eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 8,5 Mio. Euro für Gardia - sein mobiles Notrufsystem – abgeschlossen. Die Runde wird vom europäischen Venture-Capital-Investor Peak angeführt, mit Beteiligung von amberra, dem Corporate Venturing Studio der genossenschaftlichen FinanzGruppe sowie butterfly & elephant, der Accelerator von GS1 Germany. Auch die bestehenden Investoren BONVENTURE, Dieter von Holtzbrinck Ventures (DvH Ventures) und Beurer sowie Business Angels beteiligen sich erneut.
Notrufarmband mit automatischer Sturzerkennung
Gardia ist ein mobiles Notrufsystem, das speziell auf die Bedürfnisse von Senior*innen zugeschnitten ist. Kern der Lösung ist ein Notrufarmband mit automatischer Sturzerkennung, das sowohl zu Hause als auch unterwegs funktioniert, unabhängig von einem Smartphone. Hardware, Software, App und KI-Algorithmus stammen vollständig aus eigener Entwicklung.
„Zuverlässige Sturzerkennung erfordert eine technologisch hochkomplexe und präzise Entwicklung“, sagt Marlon Besuch, Mitgründer und CEO von microsynetics. „Gleichzeitig sehen wir, dass viele bestehende Notrufsysteme im Alltag nicht genutzt werden, weil sie stigmatisierend wirken oder zu kompliziert sind. Unser Anspruch war es daher, eine technisch exzellente Lösung zu entwickeln, die Menschen gerne tragen und die im Ernstfall verlässlich hilft.“
Gardia hat im DACH-Raum laut Unternehmensangaben eine fünfstellige Zahl aktiver Nutzer*innen erreicht und eine führende Position im Markt für mobile Notrufsysteme aufgebaut. Treiber des Wachstums sind die hohe Nutzerbindung sowie die vollständige Erstattungsfähigkeit durch deutsche Krankenkassen.
„Gardia adressiert ein wachsendes gesellschaftliches Problem mit einem Produkt, das zuverlässig funktioniert und im Alltag akzeptiert wird", sagt David Zwagemaker, Partner bei Peak. „Überzeugt hat uns, dass Gardia Technologie, Design und Nutzerakzeptanz von Beginn an zusammendenkt und damit eine skalierbare Lösung schafft, die Senioren ein sicheres und selbstbestimmtes Leben ermöglicht."
Demografischer Wandel fordert innovative Notrufsysteme-Lösungen
Der demografische Wandel führt zu einem steigenden Bedarf an entsprechenden Lösungen. In der EU wird die Zahl der Menschen über 65 Jahren in den nächsten zehn Jahren von heute 97 Mio. auf über 110 Mio. steigen. In Deutschland, wo 96 Prozent der Senior*innen in privaten Haushalten leben, spitzt sich der Fachkräftemangel in der Pflege weiter zu.
Jährlich ereignen sich etwa 5,7 Mio. Stürze bei Senior*innen über 65 Jahren, wobei viele nicht selbständig aufstehen oder Hilfe rufen können. Verzögerte Hilfe erhöht das Risiko für schwere Folgeschäden und Pflegebedürftigkeit. Ein verlässliches Sicherheitsnetz für selbständig lebende Menschen wird entscheidend sein, um das Gesundheitssystem zu entlasten.
Auf Wachstums- und Ausbaukurs
Mit dem Kapital aus der Series-A plant microsynetics mit Gardia im DACH-Raum weiter zu wachsen, international zu expandieren und sein B2B-Geschäft im Pflege- und Gesundheitssektor auszubauen. Das Wachstum wird durch eine Partnerschaft mit Bosch gestützt, die eine 24/7-Notrufbetreuung durch geschulte Fachkräfte sicherstellt. Diese bearbeiten Notfälle nach individuell definierten Prozessen, einschließlich klarer Eskalations- und Kontaktketten. Parallel arbeitet das Unternehmen an der nächsten Generation seines Notrufsystems.
Zweistelliges Mio.-Investment: Dresdner E-Motor-Pionier Additive Drives zündet nächste Wachstumsstufe
Das Dresdner Tech-Unternehmen Additive Drives hat sich frisches Kapital in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gesichert, um seine weltweit führende 3D-Druck-Technologie für Elektromotoren global auszurollen.
Vom Start-up zum Technologieführer
Hinter dem Erfolg steckt eine rasante Entwicklung „Made in Saxony“: 2020 von Philipp Arnold, Axel Helm und Dr. Jakob Jung gegründet, hat sich Additive Drives innerhalb weniger Jahre zu einem profitablen Technologieführer entwickelt. Mit inzwischen über 70 Mitarbeitenden am Standort Dresden fertigt das Unternehmen Elektromotoren, die durch additive Fertigungsverfahren (3D-Druck) Leistungsdaten erreichen, die mit konventionellen Methoden physikalisch kaum möglich wären.
Durch das patentierte Design, etwa bei 3D-gedruckten Kupferwicklungen, erzielen die Motoren eine Energieeffizienz von bis zu 98 Prozent. Damit übertreffen die Dresdner den höchsten Industriestandard (IE5) deutlich und erreichen effektiv das Niveau der Klasse IE7. Ein entscheidender Hebel für den Klimaschutz, da Elektromotoren weltweit für rund 53 Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich sind.
Unabhängigkeit von Seltenen Erden
Ein strategischer Wettbewerbsvorteil der Technologie ist der Verzicht auf kritische Rohstoffe. Die Motoren können ohne Seltene Erden gefertigt werden, was die Abhängigkeit von geopolitisch unsicheren Lieferketten eliminiert – ein wichtiges Argument für die industrielle Souveränität Europas. Zu den Kunden, die diese Technologie bereits nutzen, zählen globale Schwergewichte wie Amazon, Airbus, Audi, BMW und Schaeffler.
Profitabilität und schnelle Skalierung
Im Gegensatz zu vielen jungen DeepTechs wirtschaftet das Gründer-Trio bereits hochprofitabel. In einem aktuellen deutschen Finanzranking belegte Additive Drives Platz 7 unter 8.000 analysierten Firmen. Ein Schlüssel dazu ist die Geschwindigkeit: Prototypen können in Dresden innerhalb von nur 21 Tagen gefertigt werden, was die Entwicklungszyklen in der Industrie massiv verkürzt.
„Wir sind schon früh Cashflow-positiv gewesen“, erklärt Philipp Arnold, CFO und Mitgründer. „Mit Nordic Alpha Partners haben wir nun einen operativen Partner an der Seite, der über das nötige Rüstzeug verfügt, um unser Wachstum global massiv zu beschleunigen und neue Märkte zu erschließen.“
Investoren sehen europäisches Leuchtturm-Projekt
Auch die Investorenseite hebt die operative Exzellenz hervor. „Es ist selten, ein Gründerteam zu sehen, das technologisch so bahnbrechend ist und gleichzeitig weniger als fünf Jahre nach dem Start eine so starke finanzielle Performance liefert“, kommentiert Nikolaj Magne Larsen, Partner bei Nordic Alpha Partners.
Arno Held, Managing Partner beim ersten Investor AM Ventures, sieht in Additive Drives ein „Musterbeispiel für die Innovationskraft des deutschen Mittelstands“. Mit dem Einstieg des neuen Partners sei der Weg frei, um aus dem Dresdner Unternehmen einen europäischen Champion für nachhaltige Antriebe zu formen.
Gründer*in der Woche: Gamba Zamba – Garnelen Made in Germany
Das FoodTech-Start-up aquapurna der Gründer David Gebhard und Florian Gösling zeigt, dass Garnelen verantwortungsvoll und regional angeboten werden können – aus deutscher Aufzucht.
Die Geschichte von Gamba Zamba beginnt auf einer Reise: Als Florian Gösling in Asien Einblicke in die industrielle Garnelenproduktion erhält, ist er schockiert. Zurück in Deutschland tauschte er sich mit David Gebhard, seinem langjährigen Freund aus dem Bergsport und heutigen Co-Gründer von Gamba Zamba aus, und stellte die Frage: „Warum sollten Garnelen nicht auch hier bei uns wachsen können – frisch, nachhaltig und ohne Tierleid?“
Bei ihren Recherchen stellten die beiden fest: Europäische Alternativen gibt es, aber sie sind mehrfach teurer als Importware. Eine weitere Erkenntnis: Zwar ist die Technologie für landbasierte Kreislaufaquakultur grundsätzlich vorhanden, befindet sich jedoch noch in einem frühen Entwicklungsstadium und verursacht zu hohe Kosten.
Florian und David waren sich sicher, dass das besser geht, schritten zur Tat und gründeten mitten in der Corona-Pandemie auf dem Gelände einer ehemaligen Kali-Mine bei Hannover ihr eigenes Garnelenforschungszentrum.
Hightech trifft Naturverständnis
Dort, in der eigens entwickelten Kreislaufanlage, wachsen seitdem Garnelen unter stabilen, artgerechten Bedingungen auf. Das System spart über 99 Prozent Wasser, arbeitet vollständig ohne Antibiotika und Chemie und ermöglicht eine Aufzucht, die Natur und Technologie intelligent verbindet.
Das sogenannte SmartReef-System schafft künstliche Riffstrukturen, auf denen sich die Tiere häuten und zurückziehen können. Sensoren überwachen permanent die Wasserqualität. „Unsere Tiere sollen sich wohlfühlen. Nur dann können sie gesund wachsen“, so Florian.
Während den Garnelen-Weibchen in Asien und Südamerika ein Auge entfernt wird, damit sie ihre Eier ablegen – was meist zu ihrem Tod führt –, setzt Gamba Zamba auf natürliche Vermehrung und eine Diät aus Tintenfisch und Miesmuscheln. „Für uns ist das ein absolutes No-Go. Wir sehen Garnelen als Lebewesen, nicht als reine Commodity“, betont David.
Auch sonst unterscheidet sich die Aufzucht grundlegend von herkömmlichen Methoden: Das Start-up verzichtet konsequent auf Antibiotika, Sulfite (E223), die allergische Reaktionen auslösen können, Phosphate, die Wasser binden und Konsument*innen täuschen, übermäßige Glasur – also das typische „Pfannenwasser“, und chemische Entkeimungsmittel wie Chlor oder Peroxide. Das Ergebnis: reine, unverfälschte Garnelen mit natürlichem Geschmack und fester Textur.
„Viele Menschen möchten bewusster essen, ohne auf Genuss zu verzichten. Genau das bieten wir: frische Garnelen aus deutscher Aufzucht – mit vollem Geschmack und gutem Gewissen“, erklärt Florian.
Bisher hatten Garnelen-Fans hierzulande kaum eine Wahl: Entweder billige Importware mit zweifelhaftem Ursprung und hohem CO₂-Fußabdruck oder europäische Nischenprodukte für teils über 120 Euro pro Kilo. „Wir schaffen endlich eine leistbare, nachhaltige Alternative“, sagt Florian.
Maritime Logistik trifft Space-Tech: SEAL Robotics schließt Pre-Seed-Runde über 2,1 Mio. Dollar ab
Das 2025 von Marie-Elisabeth Makohl und Dr. Daniel Leidner in Garching bei München gegründete DeepTech-Start-up SEAL Robotics entwickelt robotische Systeme zur Automatisierung sicherheitskritischer und bislang manuell ausgeführter Prozesse im Containerumschlag von Schiffen und Zügen.
Obwohl der Containerverkehr das Rückgrat des Welthandels bildet, basieren entscheidende Prozesse an den Terminals weiterhin auf gefährlicher Handarbeit. Terminals weltweit stehen unter Druck, ihre Abläufe planbarer und effizienter zu gestalten, während gleichzeitig ein akuter Fachkräftemangel in operativen Schlüsselrollen herrscht.
Konkret adressiert SEAL Robotics zwei spezifische, sicherheitskritische Vorgänge. Da ist zum einen das sogenannte Twistlock-Handling, bei dem Container an Bord von Schiffen direkt an der Kaikante manuell gesichert und entsichert werden. Diese Tätigkeit erfolgt oft unter hohem Zeitdruck sowie schwierigen Wetterbedingungen und ist körperlich enorm belastend. Ebenso im Fokus steht das „Pin-Handling“ zur Sicherung von Containern auf Eisenbahnwaggons. Hierbei sind die Beschäftigten gezwungen, sich entlang der teils mehrere hundert Meter langen Züge zu bewegen, während über ihren Köpfen die Krananlagen laufen.
Die Lösung: Robotik für definierte Prozesse
Der Ansatz von SEAL Robotics besteht darin, diese klar umrissenen Arbeitsschritte durch robotische Systeme zu automatisieren. Ziel ist es nicht nur, die Arbeitssicherheit zu erhöhen und Personal zu entlasten, sondern die Terminalabläufe gegenüber dem steigenden Leistungsdruck zu stabilisieren. Die entwickelten Systeme sind sowohl für Seehäfen als auch für Inlandterminals im Bahn- und Binnenverkehr konzipiert.
Die Gründer: Von der Hohen See und der Raumfahrt
Hinter SEAL Robotics steht ein Gründerduo, das technologische Exzellenz mit operativer Erfahrung verknüpft. CEO Marie-Elisabeth Makohl, eine Robotikerin der Technischen Universität München, entwickelte die Vision für das Unternehmen aus eigener Anschauung. Während Fahrten auf Containerschiffen im Nordatlantik und dem Europäischen Nordmeer erlebte sie die körperliche Härte und den Zeitdruck der manuellen Containersicherung hautnah mit. Diese Praxiserfahrung überzeugte sie davon, dass Robotik genau an diesen kritischen Schnittstellen den größten Nutzen für die Belegschaft und den Betriebsablauf stiftet.
Ihr zur Seite steht CTO Dr. Daniel Leidner, der eine tiefe technische Expertise aus 15 Jahren Weltraumrobotik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einbringt. Leidner ist spezialisiert auf die Entwicklung von Systemen, die auch unter schwierigen Umweltbedingungen fehlerfrei funktionieren und sicher fernbedient werden können – Prinzipien, die er nun direkt auf die Anforderungen von Logistikterminals überträgt. Gemeinsam nutzen sie den heutigen Reifegrad von KI und Robotik, um Prozesse wie das Twistlock- und Pin-Handling, die sich über Jahrzehnte kaum verändert haben, zu modernisieren.
Investoren und Ausblick
Jetzt haben die Münchner den Abschluss einer Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 2,1 Millionen US-Dollar (ca. 1,8 Mio. Euro) bekannt gegeben. Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom Creator Fund, einem auf universitäre Ausgründungen spezialisierten Investor. Das Konsortium umfasst zudem:
- Auxxo Female Catalyst Fund: Ein Co-Investmentfonds mit Fokus auf Gründerinnen.
- anuary Ventures: Ein US-Fonds, der frühphasig in die Digitalisierung traditioneller Industrien investiert.
- Marvelous: Ein DeepTech-Fonds für industrielle Transformation.
- Stefan Tietze: Serial Entrepreneur und Business Angel.
Mit dem frischen Kapital plant das Start-up, laufende Pilotprojekte in Nordeuropa und Südostasien auszubauen. In den kommenden zwölf Monaten liegt der Fokus auf der Skalierung der Systeme in realen Terminalumgebungen sowie der Erweiterung der Engineering- und Operations-Teams am Standort München.
heyData schließt Finanzierungsrunde über 16,5 Mio. USD ab
Das 2020 von Miloš Djurdjević, Daniel Deutsch und Martin Bastius in Berlin gegründete heyData unterstützt KMU dabei, Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz/Privacy-Compliance effizient umzusetzen.
Der Produktansatz von heyData: Komplexe Compliance-Anforderungen werden in eine einfach nutzbare und modulare Software-Lösung übersetzt. So lassen sich Compliance-Prozesse, wie z.B. digitale Datenschutz-Audits und Risk Management, automatisieren und nahtlos in das tägliche Geschäft integrieren.
2022 nutzte heyData eine Seed-Finanzierung von rund 3,3 Mio. Euro im Jahr 2022, um die Lösung an den Markt zu bringen. Mehr als 2.000 kleine und mittelständische Unternehmen zählen inzwischen zu den Kunden. Die Series-A-Finanzierung markiert den nächsten Wachstumsschritt und soll fokussiert für die weitere Expansion genutzt werden – sowohl in der Produktentwicklung als auch in der geografischen Skalierung.
Obwohl eine größere Finanzierung erst für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant war, legten das überdurchschnittliche Wachstum und das attraktive Marktpotenzial nahe, die Finanzierungsrunde vorzuziehen. Riverside Acceleration Capital (RAC), Teil des US-amerikanischen Private Equity-Investors The Riverside Company, fungiert als Lead Investor.
Miloš Djurdjević, Managing Director und Mitgründer von heyData: „Wir freuen uns sehr über das entgegengebrachte Vertrauen seitens der Investoren und werden nun mit Vollgas die nächsten Schritte angehen. Der Fokus des Investments liegt auf der signifikanten Erweiterung unserer Lösung, insbesondere im Bereich IT-Security. Sowohl die Anforderungen an Compliance als auch an IT-Security wachsen ständig. Wir wollen kleinen, mittelständischen und zunehmend auch großen mittelständischen Unternehmen eine All-in-One-Lösung für diese Herausforderungen bieten, die einfach zu bedienen ist und die anfallenden Maßnahmen weitgehend automatisiert. Datenschutz und Datensicherheit dürfen keine Frage von Unternehmensgröße sein oder nur mit riesigen IT-Budgets umgesetzt werden können.“
Ausbau der Plattform und Wachstum in Europa
HeyData wird seine Lösung in den kommenden Monaten deutlich erweitern: Geplant sind die Erweiterung des Produkts in Richtung IT-Security, zusätzliche Compliance-Frameworks, mehr Schnittstellen für Integrationen sowie eine noch stärkere Ausrichtung auf unterschiedliche Anforderungen verschiedener Unternehmensgrößen.
Neben dem Produkt-Ausbau wird heyData mit dem frischen Kapital seine Expansion in Europa beschleunigen. Vor allem im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) kann heyData einen stabilen Kundenstamm vorweisen. Diese Präsenz soll weiter gestärkt und international ausgebaut werden.
Christian Stein, Partner bei Riverside Acceleration Capital: „Der Bedarf an praxistauglichen Compliance- und IT-Security-Lösungen wächst rasant – nicht zuletzt durch den breiten Einsatz von KI und eine immer komplexere Bedrohungslage. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Sicherheit und Compliance nicht nur intern verlässlich zu organisieren, sondern sie auch gegenüber Kundinnen und Kunden glaubwürdig nachzuweisen. heyData bewegt sich damit in einem hochattraktiven Wachstumsmarkt und adressiert diesen mit einem skalierbaren, praxisnahen Ansatz. Entscheidend ist dabei auch das Team: Mit tiefem fachlichem Know-how und einem klaren Verständnis für die Realität in Unternehmen schafft heyData Lösungen, die im Markt echten Anklang finden.“
Co-reactive: 6.5 Mio. € Seed-Finanzierung für CO2-negative Baustofftechnologie
Das 2024 gegründete Düsseldorfer ClimateTech Start-up Co-reactive entwickelt eine Technologie, die CO₂ kontinuierlich mineralisiert und Emissionen in leistungsfähige CO₂-negative Zementersatzstoffe verwandelt.
Das 2024 gegründete ClimateTech Start-up Co-reactive aus NRW hat eine Seed-Finanzierungsrunde über insgesamt 6,5 Mio. € abgeschlossen. Mit dem Kapital soll die CO₂-Mineralisierungstechnologie des Unternehmens, die CO₂ nutzbar macht und nachhaltig als performante Baustoffe bindet, vom Prototyp zur industriellen Anwendung skaliert werden.
Die Runde wird vom HTGF angeführt. Darüber hinaus investieren NRW.Bank, HBG Ventures, AFI Ventures (der Frühphasen Impact Arm von Ventech), Evercurious VC sowie ein Netzwerk erfahrener Climate Tech Business Angels. Weitere Unterstützung erfährt das Unternehmen durch Förderungen wie der Bundesförderung Industrie und Klima (BIK) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).
+++ Zum Weiterlesen: die Co-reactive-Gründer waren unsere StartingUp „Gründer der Woche“ – hier geht’s zum Beitrag +++
Co-reactive hat einen kontinuierlichen Prozess entwickelt, der CO₂ gemeinsam mit natürlichen Mineralien wie beispielsweise Olivin oder metallurgischen Schlacken (EAF & BOF) in CO₂-negative Supplementary Cementitious Materials (SCMs) umwandelt. Die Materialien ermöglichen eine signifikante Verringerung des Klinkeranteils in Zement und Baustoffen – und damit eine deutliche Reduktion ihres CO₂-Fußabdrucks. Gleichzeitig tragen sie zur Druckfestigkeit und Dauerhaftigkeit von Baustoffen bei. Die Lösung ist als Drop-in-Technologie konzipiert und lässt sich problemlos in bestehende Produktionsprozesse integrieren.
Damit adressiert Co-reactive zwei zentrale Herausforderungen der Branche:
- Hohe Emissionen: Die Zementproduktion verursacht rund acht Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Mit steigender CO₂-Bepreisung drohen sich die Herstellungskosten in der kommenden Dekade zu verdoppeln.
- Rohstoffmangel: Klassische Zementersatzstoffe wie Flugasche und Hüttensand werden durch den Kohleausstieg und die Transformation der Stahlindustrie zunehmend knapp.
Mit der Seed-Finanzierung skaliert Co-reactive seinen derzeitigen Labor- und Pilotbetrieb zunächst in Q2 2026 auf eine durchgängig betriebene Demonstrationsanlage mit rund 1.000t Kapazität pro Jahr. Parallel bereitet das Unternehmen gemeinsam mit Industriepartnern First-of-a-Kind-Anlagen im Zehntausend-Tonnen-Maßstab vor, die ab 2027 biogene oder prozessbedingte CO₂-Ströme in der Zement- und Stahlindustrie vor Ort mineralisieren sollen.
„Förderung und Wissenschaft sind die Basis – echte Transformation entsteht erst durch unternehmerisches Handeln. Mit den richtigen Mitgründern und einem interdisziplinären Team bringen wir CO₂-Mineralisierung aus dem Labor in den industriellen Dauerbetrieb. Die Unterstützung unserer Finanzierungspartner mit dem HTGF als Lead Investor gibt uns die Schlagkraft, den Funktionsbeweis mit einer 1.000-t-Demonstrationsanlage zu liefern und die Skalierung gemeinsam mit der Industrie vorzubereiten. Wir bauen eine Lösung auf, die heute dringend gebraucht wird, damit sie morgen im industriellen Maßstab wirken kann“, so Dr.-Ing. Andreas Bremen, Mitgründer und CEO von Co-reactive.
Anna Stetter, Investment Manager, HTGF, betont: „Die Bauindustrie steht vor einem Wendepunkt: Klassische Zementersatzstoffe wie Hüttensand und Flugasche werden durch die Dekarbonisierung knapp und teuer – die Preise für Flugasche haben sich in den letzten zwei Jahren teilweise vervierfacht. Co-reactive bietet eine skalierbare Alternative, die nicht nur CO₂-negativ ist, sondern sich als Drop-in-Lösung in bestehende Prozesse integrieren lässt. Mit starken Unit Economics und einem erfahrenen Team aus Mineralisierungs- und Anlagenbauexperten hat Co-reactive das Potenzial, die Branche nachhaltig zu verändern.“
Gründer*in der Woche: KWIO – Gestaltung beginnt mit einer Frage
Die Marke KWIO entstand, als Designer und Vater Thorsten Frackenpohl für seinen Sohn eine einfache, kindgerechte Uhr suchte – und keine fand. Heute entwirft er durchdachte Alltagsbegleiter für Kinder – mehr dazu im Interview mit dem Gründer.
Im Markt für Kinderprodukte folgt vieles einer einfachen Regel: Je jünger die Zielgruppe, desto lauter die Gestaltung. Zwischen Grell und Cartoon-Logik fällt auf, wie selten Produkte sind, die schlicht funktionieren wollen. Der Kölner Designer Thorsten Frackenpohl hat mehr als zwanzig Jahre an der Designsprache komplexer Alltagsobjekte gearbeitet – mit KWIO wendet er diesen Erfahrungsschatz nun auf den Alltag von Kindern an.
Herr Frackenpohl, eigentlich kommen Sie aus dem Industrial Design. Mit 25 haben Sie eine eigene Designagentur gegründet, aus der später das Designstudio Noto wurde. Wie kam es dazu und woran haben sie gearbeitet?
Die Idee ist während des Studiums entstanden, aus einer Gelegenheit heraus. Gemeinsam mit meinem Studienfreund André Poulheim habe ich damals eine Leuchtenserie für ein Unternehmen entwickelt. Aus diesem ersten Projekt heraus haben wir ein eigenes Designbüro gegründet, das zunächst unter unserem Namen firmierte und später zu Noto wurde. Über fast zwei Jahrzehnte hinweg habe ich dort an sehr unterschiedlichen Aufgaben gearbeitet – von Sportartikeln über Audiozubehör und Consumer Electronics bis hin zu Kinderprodukten. Dazu gehörten auch komplexe Projekte, etwa die Mitarbeit an Lautsprechersystemen für Bang & Olufsen, bei denen es stark um Struktur, Material und konstruktive Präzision ging.
Wie hat diese langjährigen Praxis Ihren Blick auf gutes Design geprägt?
Vor allem hat sie mich gelehrt, Design konsequent von der Nutzung her zu denken. Das galt in der Agenturarbeit genauso wie während meiner Zeit in der Lehre am Lehrstuhl für Industrial Design an der TU München. Man lernt sehr schnell, dass gestalterisches Gefühl allein nicht reicht. Nutzerinterviews, Beobachtungen im Alltag, frühe Modelle und schnelle Prototypen waren feste Bestandteile der Arbeit. Gestaltung beginnt für mich nicht mit einer Form, sondern mit der Frage, wie etwas genutzt wird. Diese Haltung – erst verstehen, dann gestalten – setzen wir bei KWIO konsequent fort.
Was hat den Ausschlag gegeben, die Agenturarbeit hinter sich zu lassen und eine eigene Kids Brand aufzubauen?
Als unser ältester Sohn eine Uhr brauchte, fiel mir auf, wie wenig Produkte es gibt, die wirklich auf Kinder zugeschnitten sind. Vieles wirkt überladen oder ist in der Handhabung unnötig kompliziert, statt Orientierung zu geben. Als Vater von drei Kindern wurde mir klar, dass es hier weniger um Geschmack geht als um funktionierende Lösungen im Alltag. Für mich zeigte sich darin eine deutliche Lücke im Angebot. So entstand KWIO.
Worin unterscheidet sich das Gestalten für Kinder von Erwachsenenprodukten?
Unsere gestalterischen Maßstäbe ändern sich nicht. Der Unterschied ist, dass jedes Detail unmittelbar am Alltag gemessen wird. Kinder nehmen Produkte anders wahr als Erwachsene. Sie reagieren direkter, weniger über Erfahrung, stärker über Gefühl. Gestaltung muss deshalb sofort verständlich sein. Gleichzeitig entscheiden Erwachsene über den Kauf. Kinderprodukte bewegen sich immer zwischen diesen beiden Ebenen: klar, einfach und robust für Kinder – wertig, sinnvoll und funktional für Erwachsene.
Seit Ihre Frau Minka mit eingestiegen ist, wird das KWIO als Familienbusiness geführt. Was bringt diese Konstellation mit sich?
Die größte Veränderung ist, dass wir das Unternehmen heute gemeinsam tragen – gestalterisch, organisatorisch und wirtschaftlich. Entscheidungen entstehen im direkten Austausch und lassen sich klarer treffen, weil sie nicht delegiert oder ausgelagert werden. Unser gemeinsames Sparring ist dabei zentral. Minka bringt ihren Blick auf Nutzerführung, Klarheit und Alltagssituationen ein. Sie hinterfragt Entscheidungen danach, ob sie im Familienalltag funktionieren und ob sie dem entsprechen, wofür KWIO stehen soll.
KWIO steht für eine sehr reduzierte, zeitlose Gestaltung. Warum haben Sie sich bewusst für diese Formensprache entschieden?
Viele Kinderprodukte sind visuell überfrachtet. Wir haben uns bewusst für das Gegenteil entschieden. Unsere Produkte sollen funktional sein, ästhetisch ruhig wirken und auf alles verzichten, was keinen Beitrag zur Nutzung leistet. Diese Haltung übersetzen wir konsequent ins Detail. Bei der Uhr TIKK gibt es keinen Sekundenzeiger, weil er für Kinder keinen Mehrwert hat und das Ablesen unnötig verkompliziert. Beim Schulrucksack BAGG setzen wir auf einen Rolltop-Verschluss, weil Kinder dieses Prinzip intuitiv verstehen und selbständig bedienen können. Der Verzicht auf Lizenzmotive, Trends und laute Farbwelten ist dabei kein Stilmittel, sondern eine Konsequenz: So entstehen Produkte, die nicht schnell altern, sondern Kinder über mehrere Jahre begleiten.
Woher kommen Ihre gestalterischen Impulse heute?
Häufig entstehen Ideen aus Beobachtungen in anderen Bereichen – etwa Architektur, Natur oder Sporttechnologien. Dort geht es um Struktur, Materialeigenschaften und darum, dass Dinge unter realen Bedingungen funktionieren. Beim BAGG führte das zur Idee der vollflächigen Reflektivität, inspiriert von Fahrradbekleidung und dem Thema Sichtbarkeit im Straßenverkehr. Dass das Produkt aus robustem, recyceltem Material besteht, folgt derselben Logik: Sicherheit, Haltbarkeit und Alltagstauglichkeit werden von Beginn an zusammengedacht.
Was sind Ihre kommenden unternehmerischen Vorhaben?
In den kommenden Schritten werden wir auf jeden Fall weiter daran arbeiten, Produkte zu entwickeln, die KWIOs Kernwerte verkörpern. Das heißt: kindgerechte, funktionale Begleiter, die Kindern helfen, selbstbewusster und selbstwirksamer zu werden. Wie bisher verzichten wir dabei bewusst auf jegliche Dekorationen oder Grafiken, um die wesentlichen Funktionen in den Vordergrund zu stellen und auch eine gewisse Langlebigkeit zu gewährleisten. Unsere Produkte sollen schließlich auch in ein, zwei Jahren noch genauso attraktiv für Kinder sein.
Außerdem möchten wir die Marke KWIO weiter schärfen, also ihren Wiedererkennungswert und ihren Ruf stärken, sodass sie nicht nur bekannt, sondern wirklich geschätzt wird - sprich, wir wollen KWIO mit einem echten Markenwert aufladen.
Was raten Sie anderen Gründer*innen – unabhängig von der Branche - aus eigener Erfahrung?
Ich würde anderen Gründerinnen vor allem raten, ihr Angebot immer stark aus der Nutzerperspektive heraus zu denken. Also wirklich darauf zu achten, dass der eigentliche Mehrwert für die späteren Nutzerinnen und Nutzer im Mittelpunkt steht. Nicht nur auf die eigenen Fähigkeiten oder den Markt starren, sondern schauen, dass das, was man anbietet, wirklich einen Sog erzeugt, weil es den Leuten etwas bringt.
Und der zweite Tipp: Testet eure Idee so einfach wie möglich. Nutzt Prototypen oder Minimal-Versionen eures Produkts, macht einfache Smoke-Tests, um früh Feedback zu bekommen. So senkt ihr das Risiko, bevor ihr richtig loslegt.
Hier geht’s zu KWIO
E-Commerce Berlin Expo 2026 – das sind die Highlights
Das Programm für die 10. Jubiläumsausgabe der E-Commerce Berlin Expo, einer Fachmesse und Konferenz für die B2B-E-Commerce-Branche am 17. und 18. Februar in Berlin, steht. Mehr Infos dazu hier.
Die E-Commerce Berlin Expo, eine der führenden Veranstaltungen der E-Commerce-Branche in Europa, bereitet sich anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums auf ihre bislang größte Ausgabe vor. Der prestigeträchtige neue Veranstaltungsort, die Messe Berlin, ebnet den Weg für eine noch größere Besucherzahl mit mehr als 14.000 erwarteten Teilnehmenden.
Die Teilnehmenden können sich außerdem auf 300 Dienstleister freuen, die ihre einzigartigen Branchenlösungen präsentieren, sowie auf ein umfangreiches Konferenzprogramm auf Deutsch und Englisch mit führenden E-Commerce-Expert:innen aus der DACH-Region und darüber hinaus. Das diesjährige Programm behandelt vielfältige Themen, darunter auch E-Commerce im Zeitalter der KI, bewährte Markenstrategien, Insights aus dem chinesischen Onlinehandel und die Zukunft der Branche.
Globale Marken an Bord
Mehr als 150 Branchenexpert:innen präsentieren Vorträge und 50 Workshops auf vier Vortragsbühnen und in vier Masterclass-Bereichen. Die Teilnehmer können sich außerdem auf zahlreiche Live-Podcast-Formate freuen, darunter der hauseigene „Behind the Click Podcast“. Die Präsentationen und Case Studies stammen von Top-Vertreter:innen global bekannter Marken, von Einzelhändlern wie MediaMarkSaturn, flaconi, Breuninger, rebuy oder Fielmann sowie von aufstrebenden Newcomern und Promi-Lieblingen wie saint sass. Innovative Einblicke von Branchenriesen wie Google und TikTok runden das Vortragsprogramm ab.
Podiumsdiskussionen und neue Stimmen im Fokus
Neben Keynote Speeches und Masterclasses bietet die Veranstaltung auch Podiumsdiskussionen. Im Mittelpunkt stehen die aktuell brennendsten Themen – darunter, was wir vom asiatischen Ansatz im E-Commerce lernen können, Retail Media sowie der effektive Einsatz von KI im Handel. In diesem Jahr werden auch neue Stimmen aus der Branche in einem einzigartigen Format mit sechs Kurzvorträgen von jeweils 10 Minuten Länge in den Fokus gerückt.
Wie nehme ich an der E-Commerce Berlin Expo teil?
Vormerken
Die E-Commerce Berlin Expo findet am 17. und 18. Februar in der Messe Berlin statt. Die Expo beginnt am ersten Tag um 9:00 Uhr und endet um 18:00 Uhr (am zweiten Tag um 17:00 Uhr).
