Das Machen hört nie auf!

Autor: Hubertus Bessau, Max Wittrock, Philipp Kraiss
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Die mymuesli-Gründer sind seit über 10 Jahren am Markt. Dies haben die drei zum Anlass genommen, um nach ihrer persönlichen Erfolgsformel zu fahnden.

Seit 11 Jahren ein erfolgreiches Team: die mymuesli-Gründer Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock Foto: mymuesli

Wer will denn online Müsli bestellen?“ Als die Studenten Hubertus, Philipp und Max Ende April 2007 ihre Website starten, halten viele sie für verrückt. Doch die Idee, Custom-mixed Müsli anzubieten, wird zum Renner und mymuesli zu einem der erfolgreichsten Start-up-Unternehmen Deutschlands.

Heute – elf Jahre und zahlreiche Gründerpreise später – beschäftigt mymuesli mehr als 800 Menschen, betreibt über 50 eigene Läden und ist in sechs Ländern aktiv. Aber warum hat das Start-up funktioniert? Gibt es eine Erfolgsformel für Unternehmer?

Die Erfolgsformel: MACHEN!

Zu unserem zehnten mymuesli-Geburtstag haben wir uns zusammengesetzt und überlegt: Was war es eigentlich, das wir richtig gemacht haben? Gab es so etwas wie eine Erfolgsformel? Irgendetwas, das sich aus diesen zehn Jahren ableiten lässt? Die Antwort ist denkbar einfach. Machen! Einfach machen – das ist meistens der beste Markttest für eine Idee. Und der Grundstein für viele erfolgreiche Unternehmen, die es nie gegeben hätte, wenn die Macher hinter dem Unternehmen vorher zu viel überlegt hätten. Das haben wir auch getan: gemacht. Hingefallen. Weitergemacht. Bis heute.

Wir glauben nicht an ein Gründer-Gen. Jeder kann ein Unternehmen starten. Wir glauben aber daran, dass man es irgendwann anpacken muss. Machen muss. Das ist der wichtigste und meist der schwierigste Schritt. Doch er lohnt sich. Denn erleben zu dürfen, wie eine Idee Form annimmt, wie ein Unternehmen entsteht: Das ist eine wunderbare Erfahrung. Voraussetzung ist aber, dass man nicht nur träumt. Sondern macht. Gründer sind also Macher. Und manchmal braucht es nur einen kleinen Ansporn, den letzten Anstoß, um vom Träumer zum Unternehmer zu werden.

SELBST MACHEN

Wenn man sein Studium gerade erst abgeschlossen und nicht eine riesige Erbschaft gemacht hat, muss man ohne Kapital gründen. Das geht! Wenn man viel selbst macht. Besser gesagt: alles selbst macht. Hubertus wollte (oder musste, er war ja der Einzige von uns, der vernünftig programmieren konnte) sich um die Internetseite kümmern, Philipp um das Kaufmännische, um die Logistik und um die Zutaten. Und Max wollte die Texte schreiben, das Müsliblog betreiben, E-Mails beantworten und die Pressearbeit stemmen. Das Zusammenstellen und Abfüllen der Müslidosen, das haben wir gemeinsam gemacht.

BEKANNT MACHEN

Ein Start-up muss bekannt werden, um erfolgreich zu sein. Auch das geht ohne Geld. Es braucht eine gute Geschichte, viel Networking, noch mehr gute Zufälle, außerdem die Geduld, sich systematisch durch die Untiefen des Offline- und Online-Marketing zu beißen, und jede Menge Mut, mal so richtig daneben zu zielen. Dass wir regelmäßig bei Online- und Blogger-Events auftauchten, mitfeierten und allen Leuten ohne Hintergedanken von unserer Müsliidee erzählen, das hat den Unterschied gemacht. Alle waren neugierig. Die freuten sich auf unser Experiment, sie hatten Lust, uns bei der Umsetzung unserer Idee zu helfen, und diese Leute waren auch unsere ersten Kunden. Dabei waren wir anfangs gar nicht auf der Suche nach „Kunden“. Wir dachten immer in der Kategorie „Müslifreunde“ und hatten unsere Freunde und die netten Blogger vor Augen.

MITMACHEN

Schnell wachsende Start-ups stehen oft staunend vor einer der größten Herausforderungen überhaupt. Mitarbeiter! Das M-Wort löst bei vielen Gründern Bauchschmerzen aus. Der Grund ist meiner Meinung nach ein gerade bei jungen Start-ups weit verbreiteter Irrglaube: Viele scheuen sich davor, die ersten Mitarbeiter einzustellen, in dem Glauben, dass man a) alles selbst machen muss und b) auch alles besser kann. Beides ist Quatsch. Aber das kapiert man noch nicht sofort. Außerdem, c): Man kann Management und Führung auch lernen. Man wird besser darin. Es dauert halt. Und es erfordert Übung. Bei der Auswahl unserer Mitarbeiter hat uns das Credo der einst legendären Werbeagentur Springer & Jacoby inspiriert. Sie wollte die Besten, die Kriterien waren hart. Entscheidend für den Teamfit war vor allem eine Frage, die alle zukünftigen Kollegen des neuen Mitarbeiters beantworten mussten: „Würdest du mit dieser Person zwei Wochen lang alleine segeln gehen?“ Wenn auch nur einer Nein sagte, hieß es: „Leider hast du die Probezeit nicht bestanden.“

TROTZDEM MACHEN

Ist ein Start-up über das Gröbste hinausgewachsen, könnte man sich gemütlich zurücklehnen und sich über den Erfolg freuen. Das passiert aber nicht. Stattdessen fragt man sich: Und jetzt? War’s das? Oder was kommt als Nächstes? Was macht ein Bayer in so einem Fall? Er steigt auf einen Berg. Wir haben rund 20 mymuesli-Menschen mit dorthin genommen. Und keinen Moderator. Was wir wollten, war Offenheit. Wir stellten fest, dass es guttut, über die eigenen Schwächen zu sprechen und über das, was man einfach nicht gut kann. Wir wurden uns einig, dass sich Krisen wohl nicht vermeiden lassen und dass man Krisen braucht zum Weiterwachsen. Wir kamen jedenfalls zu einem Punkt, an dem wir uns eine Weile festhalten konnten: Wir glauben daran, dass man immer alles noch besser machen kann.

GÖSSER MACHEN

Die Expansion ins Ausland, eine große Maschine, viele neue Läden ... das alles kostet dann doch mehr Geld, als man so eben verdienen kann. Wo findet man vernünftige Investoren? Oder geht man besser doch zu einer ganz normalen Bank? 2015 stellten wir fest, dass wir für unsere Pläne mehr Wachstumskapital brauchten. Banken hatten uns bis dato super begleitet, aber in vielen Bereichen dauerten dort Entscheidungen lange oder bestimmte, risikoreichere Dinge wie eine Auslandsexpansion und entsprechende Marketingbudgets konnten gar nicht finanziert werden. Wir überlegten uns also, einen Investor zu beteiligen. Ende des Jahres war es dann so weit: Es gab eine Kapitalerhöhung mit GENUI Partners. Mit dem Geld konnten wir bspw. die Ladenexpansion weiterführen und unsere Manufaktur in Passau ausbauen.

AUFMACHEN

Viele Start-ups starten als E-Commerce-Unternehmen und eröffnen dann doch irgendwann Läden. So auch wir. Wir haben dabei glücklicherweise (und oft aus Versehen) sehr viel richtig gemacht – manchmal aber auch Pech gehabt. Zum Beispiel mit Dixi-Klos direkt vor der Ladentür. Wenn man eine Premiummarke etablieren will, sollte das direkte Umfeld nicht unbedingt aus Ramsch- und Billigkonzepten bestehen. Es lohnt sich außerdem, sich mit den Nachbarn und der Stadtverwaltung ausgiebig über die jeweilige Straße, deren Entwicklung der letzten und kommenden Jahre zu unterhalten. Nicht nur einmal ist es uns passiert, dass kurz nach der Eröffnung eine riesige Baustelle inklusive Dixi-Klos vor unserem Laden losging.

RÜBERMACHEN

Kann man machen, muss man aber nicht: ins Ausland expandieren. Wir haben es getan, in manchen Ländern hatten wir es leicht, in anderen landete palettenweise Bürokratie vor unseren Füßen. So verlief etwa unser erstes Gespräch mit dem schweizerischen Zoll ernüchternd: „Sie haben mehr als 566 Billiarden Produktvariationen? Dann müssen Sie bitte für jedes Müsli diese Dokumente ausfüllen. Wir prüfen das dann und leiten die Ware weiter.“ Ein Vorbote der wachsenden Komplexität. Eines Tages standen dann zwei Koreaner im Passauer mymuesli-Laden. Wir verhandelten noch in Passau den Deal: Müsli nach Korea? „Great opportunity.“ Unser koreanischer Partner hat wirklich einen Laden aufgemacht! Er sah exakt so aus wie unsere deutschen. Nur irgendwie bunter. Unser Vertragspartner war glücklich über das Projekt. Umso schwerer fiel uns schließlich die Entscheidung, ihm vor Ort zu sagen: Das funktioniert so vermutlich nicht.

WEITERMACHEN

Wenn ein Start-up mal zehn Jahre alt ist und mehr als 800 Mitarbeiter hat, kann man es eigentlich nicht mehr Start-up nennen. Aber ... Mittelständler? Ganz schlimm: Konzern? Wollen wir auch nicht sein. Wir sind in sechs Ländern aktiv, haben Preise gewonnen, „growing pains“ überstanden und viel, viel erlebt. Geil. An dieser Stelle hören Hollywood-Filme auf. Happy End und fertig. Aber das echte Leben geht einfach weiter. Doch das Tolle am Gründer- und Unternehmersein ist ja: Das Machen hört nie auf. Jetzt lernten wir, dass „größer“ nicht unbedingt „behäbiger“ heißen muss. Und dass es darauf ankommt, nicht immer nur im Unternehmen zu arbeiten, sondern immer mal wieder rauszufahren und die Sache von außen anzuschauen. Man darf sich seiner Sache niemals zu sicher sein, als Mensch und als Unternehmer. Und wir dürfen niemals aufhören, zu lernen, niemals aufhören, zu machen. Weiter, immer weiter.


Tipp zum Weiterlesen:
Hubertus Bessau, Philipp Kraiss, Max Wittrock, „MACHEN! Das Startup-Buch der mymuesli-Gründer“, ISBN 978-3-8419-0551-2. Edel Books 2017, 16,95 EUR


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