Der "Lord of the Boards"

Skateboarder-Legende und dt. Gründerpreisträger 2013: Titus Dittmann

Autor: Sabine Hölper
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Alles begann in den 70er-Jahren mit Titus Dittmanns Leidenschaft fürs „Rollbrett“. Was dann folgte, ist längst Legende: Aus „Titus Rollsport“, einem kleinen Laden in einem Münsteraner Keller, wurde die Titus GmbH – europäischer Marktführer
im Einzelhandel mit Skateboards und Streetwear.

Wenn man nicht wüsste, dass die Daten im Pass definitiv stimmen, man würde es nicht glauben: Dieser Mann soll Mitte 60 sein? So spricht man doch nicht, so kleidet man sich nicht, so lebt man nicht als einer jener Spezies, für die man hier zu Lande den "Seniorenteller" erfunden hat: Fallschirmspringen, Autorennen, auf dem Board noch schnell ein bisschen Downhill ...

Für Leute wie Titus Dittmann hat man einen anderen, sehr schönen Begriff erfunden, den des "Berufsjugendlichen". Aber im Grunde sollte man Dittmann in gar keine Schublade stecken. Mit Klischees kann man dem knapp 64-Jährigen nicht beikommen. Der Mann hat erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut.

Die Titus GmbH ist europäischer Marktführer im Handel mit Skateboards und Streetwear.

Ein Rebell von Natur aus

Ein typischer Unternehmer ist er deshalb noch lange nicht. Allüren sind ihm ebenso suspekt wie feiner Zwirn. Dittmann ist ein Freigeist, ein Schwimmer gegen den Strom. Während seines Studiums fuhr er mit der Ente durch die Sahara, als Wehrpflichtiger beim Bundesgrenzschutz ließ er die Haare am Kinn sprießen, obwohl Bärte streng verboten waren. Dass sein Chef ihn deshalb anbrüllte – geschenkt! Dittmann brüllte zurück.

Das Rebellieren sei schon immer seine Sache gewesen, sagt Titus Dittmann, der von seinen Eltern auf den Namen Eberhard getauft wurde. Den Eberhard lässt er galant unter den Tisch fallen. Das mit der Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche hat sich ja auch erledigt. Dittmann ist ausgetreten. Zu prägend waren die wochenlangen Ferienfreizeiten bei den ganz, ganz Bibeltreuen, an denen der kleine Titus teilnehmen musste. Und dann das Heimatdorf mit dem schönen Namen „Kirchen an der Sieg“, Dittmann sagt „Kirschen“. Ein kruder Ort, wie man seinen Schilderungen entnehmen kann: Hier die Katholen, da die Evangelen, „zwischendurch lief eine Demarkationslinie“, sagt Dittmann, „und ich musste in die Schule auf der falschen Seite“.

Titus’ Schmerzfrei-Strategie

Dittmann nimmt es gelassen, seine Erfahrungen haben ihn „schmerzfrei“ gemacht. „Gegenwind macht mich fit“, sagt er – und bezieht das nicht nur auf seinen Körper. Und nicht nur auf seine Kindheit. Auch viel später in seinem Leben hat er noch einmal starken Gegenwind zu spüren bekommen. Das war nach dem missglückten Börsengang seines Unternehmens. Und da war es ein Segen, dass ihn starke Böen noch stärker machen. Damals war Dittmann nicht mehr Herr im eigenen Haus, die Banken diktierten die Regeln. „Ich habe gekuscht, ich war fremdbestimmt, und das ist das Schlimmste, was mir passieren konnte“, sagt Dittmann.

Doch eines Tages beschloss er den Spieß umzudrehen. Er drohte den Bankern, nach Brasilien auszuwandern und Rinder zu züchten. „Und siehe da, plötzlich war ich wieder handlungsfähig, auf einmal klappten alle Deals, die vorher unmöglich erschienen.“ Die Eheleute Dittmann verpfändeten ihr privates Hab und Gut, das Haus, die Lebensversicherung, und steckten das Geld in das marode Unternehmen. Aus der AG wurde eine GmbH, die Firma, die vorher eine weit verzweigte Holding war, konzentrierte sich wieder auf ihr Kerngeschäft, den Handel mit Skateboards und Mode. Dittmanns Schmerzfrei-Strategie war die Rettung für den Unternehmer. Es war die Rettung des Unternehmens.

Start mit Schmuggelware ...

Den Grundstein für das Unternehmen legte Dittmann im Jahr 1977, als er am Aasee-Hügel in Münster zum ersten Mal einen Jugendlichen „live“ auf einem Skateboard sah. Bis dahin kannte er die Sportart nur aus den Medien, hielt sie für Kinderkram. Doch schnell entwickelte Dittmann eine Leidenschaft für die Bretter auf vier Rollen. 1978, während seines Referendariats an einem Gymnasium in Münster, startete er eine Skateboard-AG. Noch im gleichen Jahr begann Dittmann mit Skateboards zu handeln.

Da aber hier zu Lande nur „billige Plastikbretter“ aufzutreiben waren, flog Dittmann in den Ferien regelmäßig nach Kalifornien. In großen Reisetaschen schmuggelte er die begehrte Ware nach Deutschland. Dittmann war der erste Importeur amerikanischer Skateboards in Deutschland. Die ersten Boards verkauften Dittmann und seine Frau noch in der gemeinsamen Wohnung. Auf 41 Quadratmetern stapelten sich die Kartons, das Schlafzimmer diente als Lager, das Treppenhaus glich einem Taubenschlag. So etwas mögen Nachbarn nicht, also mietete Dittmann ein Ladenlokal in einem Keller an. „Titus Rollsport“ war geboren. Die Euphorie kannte keine Grenzen. Dittmann verdiente prächtig, an manchen Abenden waren 10.000 Mark in der Kasse.

... und ohne BWL-Know-how

Der Autonarr hatte keine Ahnung von Betriebswirtschaft – und auch kein großes Interesse daran. „Wenn ich mich mal mit einem BWLer unterhalten habe, dann verstand ich kein Wort. Also habe ich gedacht: Leck mich, ich habe ein gutes Bauchgefühl und kann doch logisch denken.“ Dittmann dachte also logisch und investierte sein Lehrergehalt und einen Beamtenkredit in Halfpipes und Skateparks, in das Titus Show Team und einen Contest – und schuf sich damit seinen eigenen Markt. „Kaum stand da eine Halfpipe in Münster, wollten schon wieder ein paar Jugendliche Skateboards und die passende Ausstattung“, sagt er. Besser kann man Marketing nicht machen.

Auch in anderen betriebswirtschaftlichen Tugenden war Dittmann fit, wenngleich er nicht nach Lehrbuch vorging, sondern nach Logik: „Ich hatte einfach nicht genügend Geld, um die Ware containerweise zu ordern“, sagt er, „außerdem war ich immer scharf auf die neuen Klamotten.“ Deshalb hat der Unternehmer häufig kleine statt selten große Mengen bestellt, die dann per Luftfracht nach Deutschland verschickt wurden. Der Vorteil: Titus war schnell und aktuell. „Ich habe Just-in-time eingeführt“, sagt Dittmann. „Nur ohne zu wissen, dass das so heißt“.

„Ich brauchte einfach Kohle“

Ohne zu wissen, dass das so heißt – das gelte auch für das Unternehmertum selbst, sagt Dittmann. Schon als Abiturient sei er unternehmerisch tätig gewesen. Nur hätte er das damals, als er seine Schulkameraden mit dem Auto spazieren fuhr, nie so genannt. Dittmann brauchte einfach nur „Kohle“. Denn er hatte zwar einen billigen Fiat, aber kein Geld fürs Benzin. Also kutschierte der Internatszögling seine versnobten Mitschüler durch die Gegend. „Für zehn Pfennig pro Kilometer habe ich die Jungs showmäßig zur Eisdiele gefahren.“

Während seiner Zeit beim Bundesgrenzschutz sattelte Dittmann dann von Dienstleistung auf Handel um: Bei Aldi besorgte er billig Süßigkeiten, um sie den Jungs, die keinen Ausgang hatten, knapp unter dem Kantinenpreis zu verkaufen. Und während des Studiums hat er in einem Vorort von Münster einen Hühnerstall angemietet und Citroen-Enten repariert. „Für normale Jobs war ich einfach nie zu haben“, sagt er. Mit einer Ausnahme: Vier Jahre lang hat er als Studienrat an einem Gymnasium gearbeitet.

Der Skateboard-Professor

Seit einem Jahr lehrt Dittmann im Übrigen wieder: am Institut für Sportwissenschaften an der Uni Münster, dort, wo er einst Sport und Geografie studierte. Nun hat Dittmann einen weiteren Titel weg. "Skateboard-Professor" nennen sie ihn seither, nach "Skateboard-Papst" oder "Lord of the Boards". So titulieren ihn seine Anhänger schon seit Anfang der 80er-Jahre, als Dittmann zum mega-erfolgreichen Unternehmer avancierte. Nachdem der Sportfanatiker 1984 den Lehrerberuf an den Nagel gehängt hatte, wurde aus Titus Rollsport die Titus Sport und Mode Handels GmbH. Das Unternehmen importierte im großen Stil Skateboards und Zubehör, verkaufte Hosen, Pullis und Schuhe. Das hauseigene Magazin, der "Magalog", galt in der Szene als eine Art Bibel, der von Dittmann gegründete Contest "Münster Monster Masters" wurde später zur offiziellen Skateboard-WM mit Zehntausenden Zuschauern.

Titus war auf dem Höhepunkt seines Erfolges, das Unternehmen beschäftigte 550 Mitarbeiter und setzte 90 Millionen Euro um. "Einen Marktanteil von 95 Prozent hielt ich für normal", sagt Dittmann. "Meine Monopolstellung im Markt war so dominant, dass alle, die auch in den Markt eintreten wollten, erst einmal bei mir anklopften und fragten, ob das in Ordnung geht."

„Lieber tot als Zweiter“

Wahrscheinlich wurde genau das zum Problem. Der „Wahnsinnige“ wie der Spiegel ihn einmal titulierte, wurde größenwahnsinnig. Er griff nach der Krone. Er wollte an die Börse. Und weil zwei ehemalige Mitarbeiter zur gleichen Zeit die gleiche Idee hatten, drückte Dittmann auf die Tube. „Lieber tot als Zweiter“, sagte er sich damals. Heute fügt er an: „Das mit dem tot sein hätte ja fast geklappt.“ Denn während Dittmann es genoss, durch die Talkshows zu tingeln und sich dabei wie ein Rockstar fühlte, wirtschafteten die Investoren sein Unternehmen herunter. Ihnen war nämlich die Börsenkrise dazwischengekommen. Und sie machten deshalb, was Investoren häufig tun: Sie versuchten, die Firma zu zerschlagen. „Ich bin mir untreu geworden“, sagt Dittmann heute. „Mein Ego war so groß, dass ich gegen meine Überzeugungen gehandelt habe.“

Nun ist Dittmann wieder ganz bei sich. Die turbulentesten Zeiten, als er neun Millionen Euro auftreiben musste, um sein Unternehmen freizukaufen, als er, um das Ruder herumzureißen, „mit der Dampfwalze durch die Firma fuhr“ – diese Zeiten sind vorbei. Heute steht Titus solide da, macht pro Jahr 25 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Sohn Julius führt seit 2009 die Geschäfte.

Motivation statt Leistungsdruck von außen

Zur Ruhe kommt der Mann mit den Turnschuhen und dem Kapuzenpulli trotzdem nicht. Alleine seine Stiftung und das Projekt skate-aid, das Kinder und Jugendliche in Krisengebieten wie Afghanistan, Tansania oder Uganda unterstützt, kosten ihn viel Zeit. Dann noch der Sport, der Lehrauftrag, hier und da ein Vortrag, ein Film, das Buch.

Der Terminkalender ist voll. „Ich bin im Kopf ein Skateboarder“, erklärt Dittmann seinen Tatendrang. „Skateboarder lehnen jeglichen Leistungsdruck von außen ab. Wenn wir aber von einer Sache überzeugt sind, dann entwickeln wir eine unglaubliche intrinsische Motivation.“

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 04/2012

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Mobilität neu denken

Fünf Learnings für die Mobilitätswende im urbanen Umfeld.

Im Jahr 2017 als Teil der Digital Hub Initiative des Bundes bei Europas größtem Gründungs- und Innovationszentrum UnternehmerTUM in München angesiedelt, baut der Hub ein Mobilitäts-Ökosystem aus Wissenschaft, Verwaltung, Gründer*innenszene und Unternehmen auf. Gemeinsam mit Unternehmenspartner*innen und Start-ups entwickelt die Initiative Mobilitätslösungen mithilfe neuer Technologien. Das Ziel ist es, die Entwicklung zukunftsweisender nachhal­tiger Mobilitätslösungen kollaborativ umzusetzen.

 „In den letzten fünf Jahren haben wir mit den richtigen Projektideen wichtige Impulse gesetzt und gezeigt, wie Ideen schnell in die Mobilitätspraxis finden“, sagt Kirstin Hegner, Leiterin des Digital Hub Mobility. „Wir wollen weiterhin mit unseren Projekten relevante Ansätze für Entscheiderinnen und Entscheider entwickeln, damit innovative Mobilitätskonzepte in Deutschland noch schneller umgesetzt werden können.“

Hier fünf Learnings aus fünf Jahren Mobility-Projektarbeit:

I. Mobilität ist mehr als Transport

Verkehrs- und Stadtplanung sowie der Energiesektor bieten große Chancen für Innovationen, um den Mobilitätssektor nachhaltig umzubauen. Dabei liefern Start-ups oft neue, innovative Lösungsansätze, die in Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen und Behörden in einem branchenübergreifenden Ökosystem umgesetzt werden können. In der Projekt­umsetzung können Akteur*innen zielgerichtet und anhand ihrer Expertise und Stärken einbezogen werden.

II. Verhaltensänderung begleiten

Nachhaltig gedachte Mobilitätskonzepte erfordern oft, dass sich Nutzer*innen an neue Verhaltensweisen gewöhnen müssen. Das braucht Zeit, und nicht jede und jeder möchte sich darauf einlassen. Erfolgsfördernd zeigte sich, Menschen entlang der gesamten Konzeption neuer Mobilitätsangebote einzubinden, beispielsweise über Infostände im Projektgebiet, Austausch mit Projektteilnehmenden sowie Kommunikation von Informationen über Medien und Internet. Im Projekt Umparken Schwabing verzichtete eine Nachbarschaft von acht Haushalten einen Monat auf ihr Auto. Die Fahrzeuge parkten außerhalb der Stadt. Dafür erhielten die Teilnehmenden ein virtuelles Mobilitätsbudget, mit dem sie alle Mobilitätsangebote in ihrem Quartier, z.B. Carsharing-Autos, Lastenfahrräder, E-Roller, E-Scooter, Taxi und den ÖPNV, nutzen konnten. Die freigewordenen Parkflächen wurden zu einem urbanen Garten sowie einer Fahrrad- und E-Scooter-Abstellanlage umgestaltet. Ein Drittel der Teilnehmenden konnte sich danach tatsächlich vorstellen, das Auto dauerhaft abzugeben.

III. Ergebnisoffen loslegen

Ab einem gewissen Punkt ist es wichtig, vom Planen ins Handeln zu kommen und loszulegen. Die Design-Thinking-Methode ermöglicht es, trotz unklaren Ziels das Projekt zu starten. Die aus der Umsetzung gewonnenen Erfahrungen und das Feedback bieten neue Erkenntnisse. Oft ergeben sich auch Folgeprojekte nach einem Austausch über die Ergebnisse und die Umsetzung mit anderen Akteur*innen im Ökosystem.

IV. Daten sind die Basis für langfristige Veränderung

Daten ermöglichen es, Verhalten und Nutzung von Mobilitätsangeboten zu beobachten und Bedürfnisse zu verstehen. Mit deren Hilfe können Verkehrsinfrastrukturen inklusiver und nach diversen Bedürfnissen ausgerichtet werden. Das gelingt, indem quantitative Daten wie Anzahl, Dauer und Tageszeit der Nutzung oder qualitative Daten wie eine Befragung durchgeführt werden. Nur mit einer guten Datenbasis können Nach­ahmer*innen angeregt und Kritiker*innen überzeugt werden.

V. Veränderung braucht neue Rahmenbedingungen

Mobilitätsinitiativen setzen wichtige Impulse und zeigen auf, wie nachhaltige Konzepte in der Praxis funktionieren können. Deshalb erstellt der Hub am Ende eines jeden Projekts ein „Handbuch“, das anderen die Implementierung und Skalierung erleichtern soll. Die breitflächige Umsetzung, etwa von begrünten Straßen und Parkplätzen oder reduzierten Staus und CO2-Emissionen, liegt an anderer Stelle. Entscheidend ist ein enger Austausch mit den politischen Entscheider*innen über Projektergebnisse und Ansätze für eine rasche Umsetzung. Hier liegt der größte Hebel für eine schnelle Veränderung.

Wissenschafts-Gründer*innen als Klimaretter*innen

Wissenschaftliche Start-ups beschäftigen sich zunehmend mit Themen, die die Umwelt entlasten können und nehmen hierbei nicht selten Vorreiterrollen ein. Wir stellen fünf Start-ups vor, die auch mithilfe des Hamburger Verbundprojekts beyourpilot Maßnahmen gegen die Klimakrise entwickeln.

Der Klimawandel erfordert dringenden Handlungsbedarf: Ohne nachhaltige Veränderungen, die unseren Alltag umfassend durchdringen, steuert die globale Gesellschaft auf eine verheerende Krise zu. Etwa 80 Prozent der jemals weltweit produzierten Kunststoffe liegen auf Deponien oder verschmutzen zunehmend die Ozeane. Das empfindliche Ökosystem in den Tiefen der Meere ist bereits jetzt durch fünf Milliarden Tonnen unseres Plastikmülls belastet, der nicht abbaubar ist. In Deutschland werden gerade mal 17,3 Prozent der Plastikabfälle recycelt, wobei sich einige dieser Kunststoffe nur schwer wiederverwenden lassen. Insbesondere Einwegprodukte, die selbst in Ländern mit einem funktionierenden Re­cyclingsystem für Verpackungen nicht wiederaufbereitet werden können, bedrohen unsere Umwelt und beschleu­nigen den Klimawandel.

Fast ein Drittel aller grünen Start-ups sind forschungsnahe Gründungen

Der Green Startup Monitor beschreibt seit vier Jahren, wie es Deutschlands grüner Start-up-Szene geht. Der diesjährigen Studie zufolge spielen die Hochschulen gerade bei innovativen, grünen Gründungen eine wesentliche Rolle: Fast ein Drittel aller grünen Start-ups sind forschungsnahe Gründungen. Trotzdem sieht der Monitor hier noch großes Potenzial.

Essenzielle Unterstützung bei der Entwicklung innovativer grüner Technologien erhalten beispielsweise Hamburgs Start-ups vom Verbundprojekt beyourpilot, einem vernetzten und koordinierten Beratungs- und Unterstützungsangebot für alle Wissenschafts-Gründer*innen in der Hansestadt. Um den Erfolg der Wissenschafts-Start-ups in Hamburg zu erhöhen, wurde mit beyourpilot ein zentraler Anlaufpunkt für Gründer*innen geschaffen, über den online, aber auch offline durch Beratung und Unterstützung für mehr

Unternehmensgründungen an Hamburger Hochschulen und Forschungsinstituten gesorgt wird. Hierfür haben sich die größten Hamburger Hochschulen und das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY zusammengeschlossen, um die Gründungen von Wissenschaftler*innen noch besser und effektiver fördern und unterstützen zu können. Hier eine kleine Auswahl an Start-ups, die auch mithilfe von beyourpilot erfolgreich durchgestartet sind.

traceless materials

Ein Start-up, das insbesondere das Plastikproblem angeht, ist traceless materials mit einer umweltschonenden ­Alternative zu Plastik. Dr. Anne Lamp, die als Verfahrenstechnikerin bei Professor Kaltschmitt am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg (TUHH) promovierte, hat anhand ihrer Forschung ein neues Verfahren entwickelt, um das globale Plastikproblem zu lösen. Aus pflanzlichen Reststoffen der Agrarindustrie stellt das Unternehmen ein neuartiges Biomaterial her, das in vielen Bereichen Plastik ersetzen kann – beispielsweise in Verpackungen, Einwegprodukten oder Papierbeschichtungen. Das sogenannte traceless-Granulat lässt sich praktisch wie Kunststoffgranulat verarbeiten und befindet sich in verschiedenen Pilotprojekten im Anwendungstest (bspw. beim Versandhaus OTTO). Das Material ist nach wenigen Wochen kompostierbar sowie energieeffizient, klima­freundlich und lässt sich künftig zu einem wettbewerbsfähigen Preis in industriellem Maßstab herstellen. Das Start-up gewann 2022 den Hamburger Gründerpreis in der Kategorie „Existenzgründer“ und erhielt auf der nationalen Bühne den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Startup“.

Als Anne Lamp Anfang 2020 hinsichtlich ihrer Gründung noch in der Phase der Orientierung war, erfuhr sie von beyourpilot, genauer gesagt vom Startup Dock. Das Startup Dock ist die Gründungsunterstützung der TUHH, die Partnerin und damit Teil des beyourpilot-Netzwerks ist. Ein erstes Unternehmen hatte damals Interesse an Anne Lamps Material gezeigt, weshalb sie im Rahmen der Gründungsberatung um Rat suchte: „Ich war unsicher und kannte meine Optionen nicht. Das Startup Dock beziehungsweise beyourpilot hat mich dann beraten und gab mir Tipps“, berichtete sie über die Anfangszeit des Start-ups. Seitdem stehen ihr mehrere Ansprechpersonen zur Verfügung: „Sie sind bis heute meine Sparringspartner*innen, wenn es um mein Pitch-Deck geht. Wir sprechen beispielsweise auch über unsere Strategie, wie wir Dinge realisieren können. Das sind alles Business-Komponenten, über die man sich als Forscherin weniger Gedanken macht.“

Im Frühjahr 2020 stellte Anne Lamp fest, dass sie eine(n) feste(n) Partner*in für die Strategieentwicklung und Finanzierung braucht – seither wird sie von ihrer Mitgründerin Johanna Baare unterstützt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat mit ihrer Erfahrung in der Strategieberatung sowie ihrem MBA eine komplementäre Expertise zu jener von Anne Lamp: „Wir sind auf ein breites Netzwerk angewiesen, um unser Wirkungspotenzial auszuschöpfen. Dazu gehört nicht nur unser traceless-Team, sondern auch die vielen Geschäftspartner*innen, Investor*innen und Unterstützer*innen, die sich unserer Pionierreise angeschlossen haben. Und natürlich auch die Gesellschaft und die Verbraucher*innen, wo bereits ein großes Bewusstsein für die Plastikverschmutzung besteht“, so Johanna Baare bei der Verleihung des diesjährigen Deutschen Gründerpreises. Der Bedarf an Innovationen und umweltfreundlichen Lösungen ist heute größer denn je, und die Gründerinnen freuen sich, dass neue Ideen wie ihre vielfach mit offenen Armen statt mit Skepsis aufgenommen werden.

„Als Impact-Unternehmen sind wir noch lange nicht am Ende unserer Mission: Unser Ziel ist es, das volle Wirkungspotenzial unserer Technologie auszuschöpfen und unseren Beitrag zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung und Klimakrise zu leisten. Und dafür ist – wie bei allen komplexen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen – Zusammenarbeit entscheidend. Die Veränderung, die wir dringend brauchen, wird kein Unternehmen alleine schaffen“, so Anne Lamp.

Glücksspiel in Deutschland – etwas für deine Finanzströme?

Das Betreiben eines eigenen Online-Casinos kann durchaus ein lukrativer Weg für Gründer*innen sein – wir geben Tipps und zeigen wichtige To do’s auf.

Geht es um die eigene finanzielle Absicherung, dann spielt für viele wohl die Anlage in Aktien und Fonds eine große Rolle. Das Börsenparkett kann tatsächlich eine lukrative Anlageoption sein, dennoch gehört hier ein langer Atem ebenso zu den Grundvoraussetzungen wie ein über die Jahre gewachsenes Fachwissen und Interesse an der Materie. In diesem Beitrag beleuchten wir eine Alternative, wie du deine Finanzen aufbessern kannst. Es mag auf den ersten Blick ungewohnt klingen, aber das Betreiben eines eigenen Online-Casinos kann tatsächlich ein Weg sein. Neugierig geworden? Dann lies am besten gleich weiter.

Passiv versus aktiv

Es gibt sie nicht umsonst im weltweiten Netz, jene Aggregatorseiten, die eine Übersicht der aktuell beliebten Glücksspiele liefern: beispielsweise zum Thema Roulette Online Casinos www.besteonlinecasinos.co/roulette oder andere mehr. Der Grund ist, dass du hier als Betreiber tatsächlich einen soliden Finanzstrom anbahnen kannst — so du es richtig anpackst. Ausschlaggebend ist hier Passivität als attraktives Merkmal. Nein, das bedeutet nicht, sich auf die faule Haut zu legen, sondern seine Investition klug zu tätigen. Klug ist es nämlich, das Geld dergestalt zu investieren, dass du in der Zeit danach ein Maximum an Passivität an den Tag legen kannst. Denn fortan vermehrt sich Dein Finanzpolster – weitgehend – ohne dein Zutun. Mit einem Online-Casino kann so ein Traum wahr werden.

Was du bei der Gründung in Deutschland beachten musst, wollen wir dir im Folgenden noch umreißen.

Wie gründest du dein eigenes Online-Casino?

Zunächst eine Anmerkung vorweg: Selbst, wenn du ein eigenes Online-Casino gründest, solltest Du nicht 100 Prozent deiner Rücklagen in dieses Projekt investieren. Zu viel kann dabei schiefgehen und das Geld ist dann weg. Betrachte deine Investition viel eher als einen lukrativen Seitenast deines gesamten Finanzbaums. Im Idealfall sprosst dieser Ast aus, grünt und bildet finanzielle Früchte aus. Und das Ganze auch noch weitgehend ohne zusätzliche Arbeit deinerseits. Doch ganz so einfach ist die Gründung eines Casinos im Internet nicht.

Daher kommen nun in aller Kürze wichtige Punkte, die du in Deutschland dafür unbedingt beachten musst. Zunächst musst du dich über die Regelungen hinsichtlich Glücksspiels in dem Bundesland erkundigen, in dem du lebst beziehungsweise in dem das Casino betrieben werden soll. Als Betreiber benötigst du für dein neues Casino zudem eine gültige Lizenz, damit du Glücksspiele anbieten darfst. Diese erteilt eine entsprechende Behörde. Da bei Roulette, Poker und Co. Gelder die Besitzer wechseln, darfst du auch Aspekte hinsichtlich Spielerschutz und Vertrauenswürdigkeit nicht außer Acht lassen.

Das beste Werbekonzept und eine ausgefeilte Internetpräsenz nützen dir nichts, wenn deine potenziellen Kund*innen kein Vertrauen in dich als Anbieter haben. Investiere daher auch in einen guten Plan für das Risikomanagement.

Auch potenziellen Fallstricken in puncto Geldwäsche musst du aktiv vorbeugen. Ebenso bedeutsam ist der Schutz der privaten Daten deiner Kund*innen. Die Server, auf denen empfindliche Informationen wie Bankdaten gespeichert werden, müssen auf dem neuesten technischen Stand arbeiten. Hier bietet es sich wohl an, etablierte Drittanbieter mit Expertise auf diesem Gebiet ins Boot zu holen. Schließlich musst du aufgrund der Rechtslage sicherstellen können, dass nur volljährige Nutzer Zugang zu deinem Online-Portal bekommen.

Zudem solltest du dich auch nach der Gründung immer auf dem Laufenden halten, um auf aktuelle Rechtsprechungen und Regelungen reagieren zu können. Du siehst also: Ganz so passiv ist die Gründung eines Online-Casinos nicht, aber es kann ein Weg hin zu mehr finanzieller Freiheit werden.

CleanTech-Power für die Lieferlogistik

Oliver Ritzmann hat es sich mit seinem Start-up gryn zur Aufgabe gemacht, die grüne Transformation der Lieferlogistik voranzutreiben.

Lieferketten nachhaltig gestalten: Das zählt heute zu den größten Herausforderungen in der Logistik. Spätestens seit der Logistikstudie 2021 des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ist klar, dass es jedoch an Transparenz in den komplex verzweigten Supply Chains fehlt, um den Wandel zu einer besseren Klimabilanz in der Branche anzustoßen. Das zu ändern, hat sich das Hamburger Start-up gryn zur Aufgabe gemacht.

Digitale Logistik aus Hamburg in die Welt: „Das Potenzial ist gewaltig“

Dort, wo vor ein paar Jahrzehnten Waren aus aller Welt lagerten, plant Oliver Ritzmann mit seinen Kolleg*innen heute die Zukunft einer modernen, klimafreundlichen Logistik. Die erst im April bezogene Zentrale von gryn liegt mitten in der Hamburger Speicherstadt. Vom St. Annenufer aus entwickeln der Gründer und sein Team die Vision eines nachhaltigeren Welthandels. „Das Potenzial ist gewaltig“, ist er überzeugt. Um das zu verdeutlichen, lässt der langjährige Logistiker schnell Zahlen sprechen. Von der Hansestadt bis nach Marseille könne schon heute ein vollbeladener Lkw, 18 Tonnen schwer, 783 kg CO2 im Vergleich zum aktuellen Status quo einsparen. Eine Reduktion um mehr als 30 Prozent – ohne kostenintensive Umrüstung oder neue Fahrzeugflotte. Wie ist das möglich?

Für Ritzmann liegt einer der größten Treiber für Nachhaltigkeit in der Logistik in den digitalen Technologien. Deshalb hat der Gründer, der seine Karriere bei traditionsreichen Unternehmen wie F.H. Bertling und Kühne + Nagel startete, mit gryn eine Plattform geschaffen, auf der CO2-Bilanzen entlang der gesamten Lieferkette mess- und damit steuerbar gemacht werden. Was bis vor Kurzem für viele Lieferant*innen und Händler*innen wie eine Black Box daherkam, läuft jetzt in Echtzeit über den Monitor auf Ritzmanns Schreibtisch. Die präzisen CO2-Daten in Echtzeit, da sind sich alle bei gryn einig, sind die technische Grundlage für die grüne Transformation der Lieferlogistik.

Synergien durch Transparenz

Akribisch arbeitet man beim Hamburger CleanTech daran, die komplexen Lieferbeziehungen in einem Netzwerk aus Hersteller*innen, Lieferant*innen und Händler*innen zu digitalisieren. „Unser Ziel ist, das weltweit größte Netzwerk für nachhaltige Logistik zu werden“, bringt Ritzmann die Unternehmensvision auf den Punkt. Marktführer*innen aus der Luft- und Seefracht sowie ein großes Modeunternehmen nutzen die Plattform mit dem integrierten Analyse-Tool zur CO2-Messung bereits. Durch die moderaten Preise und die zugängliche Handhabung profitieren auch erste KMUs von der neuen Übersichtlichkeit im Emissions-Management, welche die Technologie von gryn liefert. Bis zum Jahresende sollen es 6000 Mitglieder auf der Plattform werden.

Die Chancen, dass es so kommt, stehen nicht schlecht. Denn mit dem technischen Fortschritt bahnt sich auch ein Mentalitätswechsel in der Branche an. Die Transparenz, die auf dem Boden geteilter und verknüpfter Transportdaten entsteht, deckt ungenutztes Potenzial für Synergien und Kooperationen auf. Wo diese liegen, wird durch künstliche Intelligenz ermittelt. Anonym schlägt gryn potenzielle Partner*innen für die Netzwerkoptimierung vor, um die vorhandenen CO2-Potenziale zu nutzen und macht so zeitintensive Strategieberatungen ein Stück weit obsolet.

Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil

Wie groß der Bedarf für das digitale Netzwerkmanagement ist, zeigt auch die Logistikstudie des BME. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen weiterhin Defizite bei der Umsetzung von höheren Nachhaltigkeitsstandards in der Supply Chain. Knackpunkt dabei ist für mehr als die Hälfte der Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung der Stakeholder. Einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey zu Folge achten bereits mehr als drei Viertel der Verbraucher*innen auf die Nachhaltigkeit von Produkten. Mehr als zwei Drittel nehmen sogar explizit den CO2-Fußabdruck für Produktion und Transport in den Blick.

Und auch seitens der Politik nehmen die Anforderungen an Unternehmen zu, um die ehrgeizigen Klimaziele noch zu erreichen. Allein bis 2030 will man in der EU mindestens 55 Prozent der Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990 einsparen, wie aus dem Klimaschutzpaket der EU-Kommission hervorgeht. Mit dem europäischen Lieferkettengesetz wird für Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden daher erstmals die Pflicht zur Berechnung und Offenlegung des eigenen CO2-Fußabdrucks statuiert. Zudem soll die CO2-Bepreisung im EU-Emissionshandel ab 2026 auch den Verkehrsbereich erfassen. Der CO2-Preis pro Tonne, derzeit bei 25 Euro, könnte gemäß der Forderung des Umweltbundesamtes langfristig auf bis zu 180 Euro steigen.

Der eigene CO2-Ausstoß wird so zunehmend zum Kostenfaktor für die Logistik und damit zu einer Frage der Konkurrenzfähigkeit. „Jeder, der Güter mit einem minimalen CO2-Fußabdruck liefern kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil“, ist sich Ritzmann sicher. Immer mehr Unternehmen dürften sich daher auf die Suche nach Einsparmöglichkeiten in ihren Lieferbeziehungen begeben. Daran bestehen zumindest bei gryn keine Zweifel mehr. Für den Klimaschutz wie für den eigenen Unternehmenserfolg setzen die Hamburger da­rauf, dass ihre Plattform nicht nur das Nachhaltigkeitsmanagement einzelner Unternehmen erleichtert, sondern durch die Netzwerkeffekte möglichst große Teil der Logistikwirtschaft zur Umsetzung inspiriert werden. Je mehr Mitglieder ihre Parameter über die Schnittstellen (APIs) mit der Plattform verknüpfen, desto besser die Datengrundlage für das gesamte Handelsnetzwerk, so das Kalkül.

Fragmentierter Markt auf dem Weg zu Net Zero

Welchen Mehrwert eine gesamtheitliche Lösung bieten könnte, zeigt ein näherer Blick auf den europäischen Logistiksektor. Kaum eine Branche ist so fragmentiert wie der über 350 Milliarden Euro schwere Logistikmarkt. Beobachter*innen aus der Transportwirtschaft schätzen, dass etwa die Hälfte der Lkws auf den Straßen der EU nur zu 50 Prozent beladen sind und etwa ein Drittel der Fahrten sogar ganz ohne Waren stattfindet. Selbst die fünf umsatzstärksten Spediteur*innen auf dem europäischen Binnenmarkt beherrschen weniger als fünf Prozent des Sektors. Demgegenüber stehen über 400.000 in der EU registrierte Unternehmen mit zehn oder weniger Lkws.

Ritzmann weiß um die Herausforderung, auf einem solchen Markt schnelle Veränderungen herbeizuführen. Auch deshalb ist das Netzwerk von gryn so angelegt, dass es vom kleinen Lokallieferanten bis hin zum multinationalen Frachtunternehmen nutzbar ist. Die automatisierte Sammlung und Berichterstellung zu den eigenen und den Emissionswerten der Handels­partner*innen soll dabei nur der erste Schritt sein. Denn die Software hilft laut der Entwickler bei gryn auch dabei, die Bereiche aufzudecken, in denen das größte Optimierungs­potenzial besteht. Step-by-Step und mit stetig verbesserter Datengrundlage will man so Kund*innen von der Umsetzung bis hin zum Ziel Net Zero begleiten.

Doch auch Oliver Ritzmann sieht, dass angesichts der andauernden Lieferengpässe in Folge von Pandemie und Sank­tionspolitik, die Spielräume für umfassende Investitionen in eine nachhaltige Lieferinfrastruktur bei einigen Akteur*innen begrenzt sind. „Ein grünes Logistik-Unternehmen braucht die richtige Balance zwischen finanziellem Wachstum und der Sicherung des künftigen Wohlstands auf unserem Planeten“, erklärt er sein Mindset. Um die Kostenseite nicht aus dem Blick zu verlieren und die wirtschaftliche Grundlage nicht zu gefährden, berechnet die KI-Software daher auch den finanziellen Aufwand, der sich aus den vorgeschlagenen Maßnahmen ergibt. Mögliche Nachhaltigkeitsziele wie die Anpassung an das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen oder Net Zero können so in jeder Betriebssituation auf deren Machbarkeit überprüft werden.

Am Wendepunkt zur grünen Supply Chain?

Der Gewinn an Planungssicherheit und Transparenz könnte den Wendepunkt für die Logistik in Sachen Nachhaltigkeit bedeuten. Bei gryn jedenfalls setzt man alles daran, dass dieser Plan aufgeht. Ganz bewusst beschränkt sich das Start-up nicht auf die DACH-Region, sondern stellt sich mit einem Fokus auf die USA früh international auf. Nach dem erfolgreichen Launch im Juni arbeitet gryn nun an der Ausweitung seines Service-Angebots mit Projekten zur CO2-Kompensation und detaillierten Klimabilanzen. Auch heute herrscht geschäftiges Treiben auf der Büroetage unweit des Hamburger Hafens, einem der größten Häfen der Welt. Wo, wenn nicht hier, sollte die Zukunft der grünen Supply Chain beginnen?

Visual Marketing Trends 2023

Kleine und mittelständische Unternehmen aller Branchen sollten diese vier Trends für das visuelle Marketing im Jahr 2023 kennen und im Idealfall nutzen.

Um kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei zu helfen, die Verbraucherstimmung im aktuellen Wirtschaftsszenario zu verstehen und sie bei ihren Marketingstrategien 2023 zu untersützen, hat iStock, die E-Commerce-Plattform für Bilder und Videos, einen durch VisualGPS-Daten gestützten Trendreport veröffentlicht.

Laut VisualGPS liegen die größten Sorgen der Verbraucher*innen zwischen Klimawandel, Inflation und den steigenden Kosten für Waren und Dienstleistungen. Noch wichtiger ist, dass die Menschen weiterhin neu definieren und priorisieren, was Wohlbefinden für sie bedeutet.

Die Mehrheit der Befragten (63 %) gibt an, dass sie ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben anstrebt, gefolgt von der Verbesserung ihrer körperlichen Gesundheit (59 %) und mehr Zeit für ihre Lieben (52 %).

Darüber hinaus schätzen es 79 % der Menschen, wenn Unternehmen, mit denen und bei denen sie zusammenarbeiten, die Herausforderungen anerkennen, mit denen sie persönlich konfrontiert sind. Dies könnte für Unternehmen im Jahr 2023 bedeuten, dass sie ihre Angebote durch Erlebnisse visualisieren sollten, die das individuelle Wohlbefinden ihrer Kund*innen und der ihnen nahestehenden Personen verbessern; während sie gleichzeitig die Probleme und Sorgen ihrer Kund*innen anerkennen, mit denen sie derzeit konfrontiert sind und die sie im Laufe des nächsten Jahres weiterhin bewältigen werden müssen. Die VisualGPS-Studie ergab zudem, dass zwei von drei Menschen weltweit von Unternehmen erwarten, dass diese ihnen gegenüber Empathie zeigen.

Um sich vor diesem Hintergrund Vorteile zu verschaffen, sollen kleine und mittelständische Unternehmen aller Branchen diese vier Trends für das visuelle Marketing im Jahr 2023 kennen.

Visual Marketing Trend 1: Sei emphatisch

Angesichts zukünftiger wirtschaftlicher Unsicherheiten und der Rezession solltest du bei der Vorstellung von gesellschaftlichen Events an kostengünstigere Aktivitäten denken, die Menschen zusammenbringen. Bilder, die deine Zielgruppe bei Outdoor-Aktivitäten, Abenden zu Hause mit Brettspielen oder frei zugänglichen Museen zeigen, sind eine gute Möglichkeit, um mit Kunden*innen in Kontakt zu treten, die bewusster mit ihren Ausgaben umgehen und achtsamer aufgrund ihrer wirtschaftlichen Herausforderung agieren.

Visual Marketing Trend 2: Stelle soziale Verbindungen in den Vordergrund

Verbraucher*innen stellen sich selbst und ihre Liebsten über alles. Bilder und Videos von erfüllenden Erlebnissen, die mit Freunden und Familie verbunden sind, werden entscheidend sein, um deine Kunden*innen anzusprechen. Denke daran, dass gemeinsame Aktivitäten wie Essen oder Trinken eine gute Möglichkeit sind, Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen zu verbinden, anstatt sich auf die Aktivität selbst zu konzentrieren.

Visual Marketing Trend 3: Denke über "kleinen Luxus" nach

Laut VisualGPS stehen bei der Frage nach den wirtschaftlichen Sorgen der Verbraucher*innen weltweit die steigenden Lebenshaltungskosten an erster Stelle. Wie bereits in früheren Zeiten wirtschaftlicher Instabilität gibt es, nach Ansicht der VisualGPS-Expert*innen, einen potenziellen Anstieg des "Lipstick-Effekts", d.h. während die Kosten für Waren steigen, nimmt der "kleine Luxus" zu. Das schafft Möglichkeiten, Gegenstände, die gewöhnlicherweise nicht als luxuriös dargestellt werden, als solche zu präsentieren.

Visual Marketing Trend 4: Vergiss das emotionale und körperliche Wohlbefinden nicht

Mit der Priorisierung des individuellen Wohlbefindens ändert sich auch die Art und Weise, wie Menschen Reisen wahrnehmen. Statt oberflächliche touristische Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten zu zeigen, solltest du Bilder präferieren, die echte Geschichten und die damit verbundenen Emotionen darstellen. Es empfiehlt sich, bei der Gestaltung Ihres visuellen Storytellings an Themen zu denken wie "Arbeiten von überall", "Leben im Moment" oder auch “allein verreisen”. Bedenke auch, wie Reisen das emotionale Wohlbefinden fördert, und zeige Momente der Verbundenheit mit anderen.

Visuelle Marketingtrends gehen bspw. auch davon aus, dass Reisen in die Berge gefragter sein werden als Stranddestinationen und insbesondere Abenteuerreisen zunehmen werden. Bei denjenigen, die in der Lage sind, mehr Geld für luxuriöse Aktivitäten auszugeben, könnte sich ein steigendes Interesse für Safaris und Kreuzfahrten verzeichnen.

Cybersecurity-Trends 2023

Fünf Sicherheitstrends - für Unternehmen jeder Größe relevant.

Das Jahr 2022 war ein Ausnahmejahr, auch geprägt von einer steigenden Zahl von Cyberangriffen. Diese Entwicklungen machen Unternehmen schwer zu schaffen. Experten wie beispielsweise von Interpol prognostizieren auch für die kommenden Jahre, dass Cyberattacken wie Ransomware und Phishing deutlich zunehmen werden. Damit Unternehmen sich auf das kommende Jahr vorbereiten können, ist es wichtig, dass sie ihre Sicherheitslücken kennen und auch beheben. Dabei zeichnen sich einige Trends ab, die für 2023 wichtig werden.

Cybersecurity-Trend 1: Kritische Infrastrukturen bleiben im Visier von Cyberkriminellen

Kritische Infrastrukturen sind laut Medienberichten fast täglich Ziel einer Cyberattacke. Diese Lage verunsichert Unternehmen zunehmend. Gerade hochsensible Infrastrukturen wie das Gesundheitswesen oder die Energieversorgung werden 2023 von Cyberkriminellen noch stärker attackiert werden. Auffallend ist, dass die Angriffe häufiger, schneller und fokussierter werden. Der Grund dafür ist nicht nur die zunehmende Professionalisierung der Hacker, sondern auch der Trend zu Cybercrime-as-a-Service (CaaS). Damit wird es auch für Hobbykriminelle einfacher, ihre eigenen Angriffe zu entwickeln und dadurch Profit zu machen.

Cybersecurity-Trend 2: Neue Regulierungen auf dem Weg

Ende dieses Jahres hat sich das Europäische Parlament mit den Mitgliedsstaaten der EU auf einen Rahmen (NIS 2) geeinigt, der das Netz und Informationssysteme besser vor Cyberattacken schützen soll. Die Staaten haben dann 21 Monate Zeit, NIS 2 in nationales Recht umzusetzen. Mit NIS 2 werden Mindestanforderungen zur Zusammenarbeit zwischen den Ländern geschaffen und diese so harmonisiert. Auch hier steht die kritische Infrastruktur im Fokus, da hohe Bußgelder verhängt werden, sollten die neuen Anforderungen nicht eingehalten werden. Andere Unternehmen müssen ebenfalls auf Grundlage des neuen Rahmens ihre Sicherheitsmaßnahmen nachbessern und Behörden innerhalb von 24 Stunden nach einem Vorfall einen Bericht zur Verfügung stellen. Erschreckend ist aber, dass 47 Prozent der IT-Sicherheitsverantwortlichen in Unternehmen im aktuellen Sicherheitsbarometer 2022 angaben, die gängigen Maßnahmen überhaupt nicht zu kennen. Zehn Prozent der Befragten gaben an, keine Vorkehrungen für erhöhte IT-Sicherheit zu treffen. Unternehmen sollten demnach jetzt Maßnahmen ergreifen, um ihre Schwachstellen zu schließen und die Sicherheitsmaßnahmen auf den neuesten Stand bringen, um nicht nur Cyberangriffe zu vermeiden, sondern auch Bußgelder vorzubeugen.

Cybersecurity-Trend 3: IT-Fachkräftemangel macht den Unternehmen nach wie vor zu schaffen

Laut dem Statistischen Bundesamt hatten mehr als drei Viertel der deutschen Unternehmen Probleme, im Jahr 2022 Stellen zu besetzen. Auch international sieht die Lage nicht besser aus. Laut der Cybersecurity Workforce Studie 2022 fehlten im Bereich IT-Sicherheit im Vergleich zu 2021 mehr als 26 Prozent der Sicherheitsexperten. In Zahlen ausgedrückt, brauchen Unternehmen 3,4 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte. Gleichzeitig nehmen Cyberattacken zu. So verschärft sich im nächsten Jahr die Lage weiter, da Sicherheitslücken zu spät oder gar nicht geschlossen werden können, da diese schlichtweg übersehen werden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sollten Unternehmen junge Nachwuchstalente einstellen, auch wenn diese noch über geringe Berufserfahrung verfügen. Zudem eignen sich Schulungen und Weiterbildungen, wenn Firmen neue Sicherheitsstandards und Regularien rechtzeitig implementieren wollen.

Cybersecurity-Trend 4: Social-Engineering wird verstärkt Banken treffen

Social-Engineering-Attacken sind oft nur der Anfang eines größer angelegten Cyberangriffs. Das wird auch zukünftig der Fall sein und die Kriminellen werden 2023 ihre Ziele ausweiten, denn zunehmend gerät auch der Banken- und Finanzsektor in den Fokus. Eine hohe Gefahr geht von sogenannten Social-Engineering-Attacken in Echtzeit aus. Hier ruft ein vermeintlicher Bankmitarbeiter oder eine angeblich staatliche Organisation einen Kunden an und drängt diesen sein Geld auf ein „sicheres“ Konto zu überweisen. Da der/die Kund*in das Geld selbst überweist, ist es für die echte Bank nur schwer zu erkennen, dass in diesem Fall ein Betrugsdelikt vorliegt. Aber auch die Anzahl von Identitätsdiebstahl und Kontoübernahmen für kriminelle Zwecke werden im Banksektor im Jahr 2023 ansteigen, da sich auch hier die Cyberkriminellen professionalisieren.

Cybersecurity-Trend 5: Deepfakes als neue Gefahr

Laut Europol und dem FBI geht eine ernsthafte Gefahr von Deepfakes aus. Auch wenn diese noch nicht so ausgereift sind, dass sie als massentauglich eingeschätzt werden, wird die Technologie zukünftig von Cyberkriminellen missbraucht werden, um ihre Betrugsszenarien noch authentischer zu gestalten. Es gibt bereits Fälle, in dem gefälschte Videos oder auch Voice-overs durch Deepfake zum Einsatz kamen und so Know-Your-Customer-Prozesse (KYC) ausgehebelt wurden. Da die Technologie sich auch hier immer weiter entwickelt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese von Cyberkriminellen genutzt wird. Denn die technischen Grundlagen sind vorhanden und der Quellcode, um ein Deepfake zu erzeugen, ist öffentlich zugänglich.

Fazit

Unternehmen und IT-Entscheider*innen sollten sich auf die zunehmenden Herausforderungen bezüglich IT-Sicherheit vorbereiten. Sie sollten auch ihre Sicherheitsmaßnahmen auf den neuesten Stand bringen, um ihre Kunden besser zu schützen. Denn das Risiko Opfer einer Cyberattacke ist nur mehr eine Frage der Zeit.

Der Autor Stephan Schweizer ist CEO der Nevis AG, die digitale Sicherheitslösungen entwickelt.

Collego: Collegos sollt ihr sein

Das Start-up Collego von Markus Stoll und Fabian Ziegler ermöglicht firmeninternes Matching von Angestellten auf Basis gemeinsamer Interessen. Das Ziel: mehr Zufriedenheit und weniger Fluktuation im Team.

Du bist neu im Unternehmen und findest keinen Anschluss? Du arbeitest remote, hybrid oder nur Teilzeit im Büro, zum Plausch in der Kaffeeküche kommt es daher fast nie? Eine der Herausforderungen im Arbeitsmarkt ist neben dem Finden von geeigneten Arbeitskräften die dauerhafte Bindung von Mitarbeitenden. Dafür ist Collego die Lösung. Die Plattform schafft feste Kontakte im Unternehmen – interessenbasiert, teamübergreifend und dauerhaft.

Collegos – mehr als nur gute Arbeitskolleg*innen

Besonders seit Corona arbeiten viele von uns remote oder hybrid in ihren Jobs. Was viele Vorteile mit sich bringt, erschwert auf der anderen Seite den Anschluss ans Team und den Aufbau einer Unternehmenskultur. Viele leiden oft unter der Anonymität. Das führt zu Unzufriedenheit – und endet im schlimmsten Fall mit einer Kündigung. „Viele Arbeitgeber kämpfen mit hoher Fluktuation – wir wollen das ändern“, so die Gründer Markus Stoll und Fabian Ziegler. Hier setzt ihre Plattform Collego an. Sie fördert Freundschaften unter Kolleg*innen, sorgt somit für mehr Spaß und Motivation bei der Arbeit. Nebenbei werden Mitarbeitende schneller integriert und Kontaktbarrieren aufgebrochen. „Wir sprechen von ,Collegos‘“, so die Gründer. Und das Beste: „Collegos sind zufriedener – und bleiben somit länger im Unternehmen.“

Mitarbeitende ans Unternehmen binden

„Mitarbeitendenbindung ist noch immer ein oft viel zu unterschätzter Faktor, der den Erfolg von Unternehmen massiv auf allen Ebenen beeinflusst“, so Markus. Der finanzielle Erfolg, aber auch das Image nach innen und außen werde stark davon beeinflusst. Die Gründer wissen, wovon sie reden: Sie selbst waren zuletzt als Abteilungsleiter in einem mittelständischen Beratungsunternehmen für über 100 Consultants verantwortlich.

„Am Ende waren die Probleme oft die gleichen“, so Markus. Die Gründer machten es sich zur Aufgabe, Kolleg*innen eine zuverlässige, angenehme und lockere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Damit helfen sie Unternehmen bei ihrem langfristigen Erfolg. „Wir wollen Unternehmen unterstützen, ihre Digitalisierung voranzutreiben, moderne Arbeitsweisen umzusetzen und die soziale Interaktion innerhalb der Teams zum Vorteil aller zu fördern“, sagt Co-Gründer Fabian. „Denn letztlich sind die Menschen im Unternehmen die Vorantreibenden und der eigentliche Kern.“

Collego löst eines der Kernprobleme im Personalwesen – das lockt Investor*innen an

Damit treffen Fabian und Markus den Nerv der Zeit. „Retention ist eines der Kernthemen im Personalwesen“, weiß auch Benjamin Visser, CEO von allygatr, dem Venture Capitalist in HR-Tech. Wenig verwunderlich also, dass allygatr bei Collego eingestiegen ist. „Wir freuen uns natürlich sehr darüber, so früh einen solch starken Partner wie allygatr an Board zu haben“, so die Collego-Gründer. „Gleichzeitig rechnen wir mit vielen weiteren, starken Investor*innen.“

Die Gründer selbst haben sich bei einer Unternehmensfeier kennengelernt. Aus der Idee, Mitarbeitende interessenbasiert zu vernetzen, ist innerhalb weniger Monate die Collego GmbH mit Sitz in München entstanden. Collego baut auf einem interessenbasierten Matching-Algorithmus auf und ermöglicht einem Unternehmen die standortübergreifende Vernetzung der kompletten Belegschaft. Die Idee kommt an: Beim The-Grow-Summit 2021 wurden die Gründer mit dem invest2grow-Award als innovativstes Start-up unter ca. 200 Teilnehmer*innen aus der DACH­Region ausgezeichnet.

Wachstumsboost und Expansionspläne

Das gebootstrapte Unternehmen hat große Wachstumspläne. Um die Skalierbarkeit der Plattform vollständig auszuschöpfen, möchte das Gründer-Duo in weitere EU-Länder expandieren. Dafür braucht das Start-up zusätzliche Unterstützung und ist aktuell auf der Suche nach Investor*innen, um das Team auf 40 Mitarbeitende zu verstärken. „Mit mehr Kapital und Knowledge im Team können wir die Plattform mit zusätzlichen Features ausstatten und den notwendigen Wachstumsboost generieren. In Zukunft wird unternehmensinternes Networking über Collego laufen“, zeigen sich die Gründer überzeugt.

Trends zur Handy-Nutzung: So tickt die Gen Z und Y

Nicht nur für die Zielgruppenansprache im Jahr 2023 gut zu wissen: „Generation 9:16“ - Was passiert auf den Handys der Gen Z und Gen Y?

Diese Frage stellen sich nicht nur Social Media Professionals, sondern auch Werbetreibende aus nahezu allen Branchen. Und wie unterscheiden sich Gen Z (aktuell 14 bis 25 Jahre alt) und Gen Y (aktuell 26 bis 37 Jahre alt) eigentlich in der Nutzungsweise? Gibt es überhaupt gravierende Unterschiede? Wofür wird “dieses” TikTok überhaupt verwendet? Eine gemeinsame Studie der 9:16-Agentur WeCreate und dem Marktforschungsinstitut Appinio bringt Licht ins Dunkle und erklärt, wo welche Generation auf ihrem Handy surft – und aus welchen Gründen.

Egal ob Gen Z oder Gen Y: Das Smartphone hat alle anderen Geräte und Medien weit abgehängt und das beliebteste Format sind Videos im Hochkantformat 9:16. Aus diesem Grund werdendie beiden Generationen gern als “Generation 9:16” zusammengefasst. 80 Prozent der Generation 9:16 sind täglich mindestens drei Stunden am Tag am Smartphone. Jeder Dritte aus der Generation Z und Generation Y verbringt mehr als 6 Stunden am Smartphone. Ein Fünftel dieser Zeit wiederum wird allein auf TikTok verbracht. Unterschiede in der Nutzungsdauer zeigen sich hier eher zwischen den Geschlechtern als zwischen den Generationen. So sind deutlich mehr Frauen “Heavy User” als Männer.

Die wichtigste Plattform ist dabei Youtube - so nutzen 98 Prozent der 14- bis 37-Jährigen den Videokanal. Gen Y steht noch ein bisschen mehr auf die Plattform und verbringt 22 Prozent der Screentime auf Youtube, während es bei Gen Z 19 Prozent sind. Auch die Social-Media-Plattform Instagram kommt in beiden Generationen sehr gut an und verbraucht zu 19 Prozent in der Gen Y und zu 16 Prozent die Screentime der Gen Z. Doch ab diesem Zeitpunkt verändert sich die Nutzungsweise der Generationen.

Macht TikTok süchtig? Vielleicht!

Während die Generation Y 23 Prozent und damit den größten Anteil ihrer Zeit in Apps wie Whatsapp, Facebook oder einem Browser verbringt, führt mit 22 Prozent Screentime die chinesische Plattform TikTok das Interesse der Gen Z an. Außerdem wird sichtbar, dass TikTok die Bildschirmzeit nach oben treibt: Mit jeder Stunde mehr Screentime wächst der TikTok Anteil – unabhängig vom Alter. Sind Nutzer*innen unter einer Stunde am Smartphone, liegt er bei neun Prozent. Bei über sechs Stunden sind es 22 Prozent. Der Einfluss der Plattform lässt sich folgendermaßen beschreiben: Die erst 2018 gegründete Plattform ist nur vier Jahre später bereits die populärste bei den 14- bis 25-Jährigen. Das zeigt, wie schnell das Hochkantformat das beliebteste wurde innerhalb der jungen Audiences und untermalt die Ablösung des TVs durch Smartphone und Tablets.

Welcher Content funktioniert?

Beide Generationen zeigen, dass sie Plattformpräferenzen haben, je nachdem, nach welcher Art von Content sie suchen. Suchen sie nach edukativem Content, nutzen 54 Prozent der Gen Z und 50 Prozent der Gen Y Youtube. Soll es inspirativ sein, besuchen beide Generationen in erster Linie Instagram (37 Prozent Gen Z, 38 Prozent Gen Y) - nur unterhaltsamer Content spaltet die Generationen. Während mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Gen Z auf TikTok nach Unterhaltung sucht, setzt die Gen Y zu 48 Prozent auf Youtube.

Weitere Highlights der Studie

Mit welcher Motivation welches Medium von Gen Z und Gen Y genutzt wird. Außerdem wird aufgezeigt, welche Plattform am meisten Kaufkraft hat, wofür die 9:16 Plattformen, also Youtube, TikTok, Snapchat und Instagram, tatsächlich genutzt werden - und zu welcher Tageszeit welches Plattform-Verhalten dominiert. Die vollständige Studie gibt es hier.

Top-Trends im B2B-Marketing 2023

Das jährliche „Trendbarometer Industriekommunikation“ des bvik hat die Top-Trends und Herausforderungen im Bereich Marketing-Kommunikation ermittelt.

Als wettbewerbsentscheidend für die kommenden drei Jahre bewerten die rund 240 Befragten fast unisono eine professionelle, ehrliche interne Kommunikation. Dieser „historische“ Höchstwert identifiziert Maßnahmen, um Mitarbeitende zu gewinnen, zu binden und zu aktivieren als zentrale Erfolgsmomente. Ebenfalls wichtig: Die Unternehmen sollten ihre Kräfte abteilungsübergreifend bündeln, Kund*innen- und Marktdaten stärker strategisch nutzen und digitale Plattformen auf den Radar zu nehmen – beispielsweise TikTok oder das Metaverse. Hier liest du die wichtigsten Trends auf einen Blick.

Interne Markenführung und starker Außenauftritt

Die befragten Expertinnen und Experten für Marketing- und Kommunikation bestätigen mit rund 95 Prozent Zustimmung, dass angesichts der aktuellen Krisen professionelle und ehrliche interne Kommunikation zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen führt. „Besonders in schwierigen Zeiten ist Transparenz unseren Beschäftigten gegenüber absolut wichtig. Diese Vertrauenskultur, die durch eine zielgerichtete interne Kommunikation mit geschaffen wird, ist die Grundlage für Leistungsbereitschaft und Erfolg, gerade auch bei den so wichtigen jungen Talenten“, berichtet Silke Lang, Director Marketing Mobile Hydraulics der Bosch Rexroth AG. In der authentischen Außenkommunikation als Arbeitgebermarke bewerten laut Studie mehr als 80 Prozent die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit von HR und Marketing als Schlüssel zum Erfolg. Hier sehen sie jedoch noch großen Handlungsbedarf. In Richtung neuerer Social-Media-Plattformen lässt sich im Vergleich zu den Vorjahren jedoch bereits eine verstärkte Offenheit erkennen.

Nachhaltigkeit als Differenzierungsfaktor?

Zur Ehrlichkeit gehört auch eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation abseits von Greenwashing, auf Basis belegbaren Firmen-Engagements. 80 Prozent der Teilnehmenden sehen in ihr einen entscheidenden Differenzierungsfaktor für Unternehmen, manche werten sie sogar bereits als Hygiene-Faktor. Die Wirtschaft selbst hinkt in Summe aber noch immer deutlich hinter den Anforderungen hinterher. „Wir beschäftigen uns als Weltgemeinschaft seit genau 50 Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Erschreckenderweise ist die prinzipielle Herausforderung seitdem bekannt. Echte Lösungen sind aber unverändert Fehlanzeige“, mahnt die Nachhaltigkeitsforscherin Prof. Dr. Estelle Herlyn der FOM Hochschule für Oekonomie und Management.

Daten als wichtiger Teil des Ganzen

In komplexer werdenden Märkten steigt zudem die Relevanz des professionellen, strategischen und transparenten Datenmanagements. Rund 78 Prozent der Befragten sehen im datengetriebenen Marketing in den nächsten drei Jahren den entscheidenden Erfolgsfaktor. Die Gewinnung und Verarbeitung von Daten unter Wahrung der restriktiver werdenden gesetzlichen Vorgaben bleibt eine große Herausforderung für den deutschen Mittelstand. Die Branche hat zudem realisiert, dass die reine Auswertung der Kundenhistorie zur Geschäftsentwicklung nicht mehr ausreicht. Vielmehr sehen sie in der Datenanalyse im Sinne von Predictive Intelligence wesentliche, bislang ungenutzte Potenziale. Jedoch mangelt es hier noch an Kompetenz und Ressourcen in den Unternehmen. Zugleich wird mehrfach betont, dass im Kontext von Marketing und Vertrieb neben den Daten der menschliche Faktor nicht an Bedeutung verloren hat.

Mehr dazu liest du im ausführlichen Report „bvik Trendbarometer Industriekommunikation 2023

Online-Marketing-Trends 2023

So gelingt ein ganzheitlich-nachhaltiges Online-Marketing im Jahr 2023.

Ökologisch, ökonomisch und sozial. Auf diesen drei Eckpfeilern beruht Nachhaltigkeit, ein Thema, das heute in aller Munde ist. Dabei mag es vielleicht überraschen, dass Online-Marketing, so wie es meist betrieben wird, diesen Kriterien gar nicht entspricht. Was viele z.B. nicht wissen: Das Internet hat einen enormen Stromverbrauch und verursacht genauso viel CO2-Emissionen wie die Luftfahrtindustrie. Es reicht also nicht aus, ein papierloses Office zu betreiben und die Werbekampagne von Print auf Online umzustellen. Zu einem ganzheitlich ausgerichteten nachhaltigen Online-Marketing, das Unternehmen nicht nur erhöhte Medienaufmerksamkeit schenkt, sondern allen Aspekten der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch und sozial – glaubhaft gerecht wird, gehört ein wenig mehr.

Im Folgenden erläutern wir, an welchen drei einfachen Stellschrauben jede(r) Unternehmer*in drehen sollte, um erste wichtige Schritte hin zu mehr Nachhaltigkeit im Online-Marketing zu gehen, von denen Unternehmen, Umwelt und auch Kund*innen profitieren.

Ökologischer Aspekt: Optimiere deine Website für einen geringeren Stromverbrauch

Der Energiebedarf des Webs ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und beträgt heute in etwa zwei Prozent des weltweiten Verbrauchs. Immer größer werdende Websites, mit schicken Bildern und emotionalen Videos, tragen hierzu einen erheblichen Teil bei, denn je größer und schwerer eine Website ist, desto mehr Strom benötigt sie. Für einen geringeren ökologischen Fußabdruck sollten Unternehmen daher auf ein schlankes Webdesign mit reduzierten Daten achten. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann zudem auf eine klimaneutrale Website setzen. Dabei wird der Energiebedarf des Internetauftritts berechnet und durch ein gewähltes Klimaschutzprojekt gleich wieder ausgeglichen.

Natürlich gibt es neben einer klimaneutralen Website auch andere Mittel und Wege um Unternehmen ökologischer zu gestalten. Anstatt unternehmenseigene Server zu betreiben, können Unternehmen beispielsweise auf Cloud-Hosting setzen und bei der Beschaffung von Hardware sollte der benötigte Strombedarf ein Kaufkriterium sein. Auch das Ermöglichen von Home Office schont, durch geringeren Pendler*innenverkehr, die Umwelt.

Sozialer Aspekt: Respektiere die Privatsphäre deiner User*innen

Tracking-Tools wie Google Analytics kommen auf fast jeder Website zum Einsatz und sollen Unternehmen wertvolle Daten über das Verhalten deiner Besucher*innen, für personalisierte Werbemaßnahmen, liefern. Eine unglaubliche Masse an Informationen, die da zusammenkommt und den Energieverbrauch des Internets und Datenumfang einer Website erhöht. Dabei werden am Ende nicht mal mehr alle Daten genutzt oder falsche Schlüsse aus ihnen gezogen. Nachhaltig und sozialverträglich sieht anders aus.

Verringere daher deine invasiven Tracking-Methoden, mit denen du in die Privatsphäre deiner Nutzer*innen eindringst, und überlege stattdessen im Vorfeld genau, welche Daten du wirklich benötigst. Achte auch darauf, dass deine Cookie-Hinweise datenschutzrechtskonform sind. So bist du rechtlich auf der sicheren Seite, erhöhst die Nutzer*innenfreundlichkeit und wirst gleichzeitig dem sozialen Nachhaltigkeitsaspekt gerecht.

Ökonomischer Aspekt: In nachhaltige Kund*innenbeziehungen investieren

Es kommt nicht nur häufig vor, dass über Tracking-Tools gesammelte User*innen-Daten falsch interpretiert werden, sie sorgen zudem nicht selten dafür, dass die Effektivität von Werbeanzeigen systematisch überschätzt wird. Unternehmer*innen sollten daher immer wieder neu überdenken, wie viel Budget sie zu welchem Zeitpunkt für Anzeigen ausgeben, denn es gibt langfristigere und vor allem nachhaltigere Methoden, um auf sich aufmerksam zu machen:

  • Kundenbeziehungen stärken: Kommentiere Blogbeiträge, seie in relevanten Facebook-LinkedIn-Gruppen aktiv, beantworte Fragen im Social Web und besuche Branchenveranstaltungen.
  • Content mit Mehrwert produzieren: Investiere in die Erstellung von einzigartigem Content, der deinen Kund*innen einen Mehrwert liefert.
  • SEO nutzen: Optimiere deine Website und setze auf Suchmaschinenoptimierung für ein besseres Ranking.

Nicht auf den schnellen Effekt setzen

Natürlich wirst du bei einem nachhaltigen Vorgehen nicht den schnellen Erfolg sehen, den du vielleicht aus Google Ads-Kampagnen gewohnt bist. Dafür wirst du langfristig mit effektiveren und authentischen Werbemaßnahmen belohnt, die durch enge Kund*innenbindungen auch wirken. Nicht nur dein Werbebudget wird es dir danken, das gute Gefühl, das du erhältst, wenn du dein Online-Marketing nachhaltig gestaltest, bekommst du ganz automatisch und vor allem kostenlos dazu. Natürlich kannst du klassische Werbung weiterhin und ergänzend einsetzen. Die richtige Mischung zur richtigen Zeit macht’s.

REFLEX Aerospace: Highspeed für den Orbit

Neun Monate statt aktuell mehrere Jahre: Alexander Genzel, Walter Ballheimer und Chris Lindener, die Gründer des New-Space-Start-ups REFLEX Aerospace, arbeiten am Quantensprung in Sachen Entwicklung und Produktion von Satelliten.

Um unsere Welt kreisen derzeit rund 8000 aktive Satelliten, und es werden immer mehr. Schätzungen zufolge könnten es in einigen Jahren schon über 100.000 sein. Als Infrastruktur für Kommunikation gewinnen sie rapide an Bedeutung, und durch neue, leistungsfähigere Sensoren ergeben sich immer neue Einsatzfelder. Satelliten sind Gegenstand der Geopolitik und strategischer Faktor für Unternehmen wie Staaten. Der Angriff Russlands auf die Ukraine beispielsweise begann mit einer Cyberattacke auf das Satellitennetzwerk

KA-SAT, das Highspeed-Internet für Europa und den Mittelmeerraum liefert. Nicht nur die Ukraine, sondern mehrere EU-Mitgliedstaaten waren betroffen. Als kurzfristige Alternative stellte Elon Musk das private Satellitensystem Starlink bereit. Das Ereignis rückte die Bedeutung von Satelliten für die innere und äußere Sicherheit in den Blick der Öffentlichkeit.

Weil Europa im All weitgehend von den USA abhängig ist, entwickelt man derzeit in Brüssel, zusammen mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft, ein europäisches System für Satelliteninternet. Ziel ist dabei die strategische Souveränität im All. Von der Erkenntnis, dass es sich bei Satelliten um kritische, angreifbare Infrastruktur handelt, zeugen auch Initiativen wie die Gründung des Responsive Space Centers im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR. Dieses soll Lösungen entwickeln, um Satelliten bei Bedarf auch kurzfristig in den Orbit zu bringen.

Entwicklungs- und Produktionszyklen beschleunigen

Die größte Herausforderung dabei sind die branchentypischen Entwicklungs- und Produktionszeiten. Einen komplexen Satelliten herzustellen, dauert im Schnitt vier bis fünf Jahre, die Nutzungsdauer beträgt zwischen zehn und 15 Jahren. „Diese Zyklen sind nicht mehr zeitgemäß“, sagt Walter Ballheimer, Gründer, CEO und CTO der Reflex Aerospace GmbH aus Berlin und München: „Viele Satelliten hängen dem technischen Fortschritt, etwa bei Elektronik und Halbleitern, um Jahre hinterher und sind bereits beim Start veraltet.“ Zudem sei es kaum möglich, Störungen zu beheben oder einen ausgefallenen Satelliten zu ersetzen. „Für die heutigen Anforderungen brauchen wir schlanke, leistungsfähige Systeme, die genau auf den Kundenbedarf zugeschnitten sind, und die vor allem schnell geliefert werden.“ Mit seinem Team will er die Entwicklung und die Produktion der Erdtrabanten revolutionieren. Neun Monate bis zur Lieferung sind das Ziel; drei Monate für die Entwicklung, drei für die Produktion und drei für Tests – gemessen an den heutigen Zyklen wäre das ein Quantensprung.

Satelliten im Mini-Kleinwagen-Format

Die einschlägige Erfahrung bringt Walter mit. Nachdem er an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert und eine Promotion begonnen hatte, gründete er 2014 aus der Forschung heraus German Orbital Systems, den ersten kommerziellen Nanosatellitenhersteller in Deutschland. Sein Fokus lag auf Satelliten in der Größe eines Schuhkartons, doch im Jahr 2020 schien das Potenzial ausgereizt. „Nanosatelliten haben ein begrenztes Nutzungsspektrum“, so Walter, „es sind einfache Produkte, die in Deutschland kaum wettbewerbsfähig produzierbar sind.“ Bei den schweren, komplexen Satelliten wiederum dominierten eine Handvoll großer Anbieter wie Airbus, Lockheed Martin und Northrop Grumman. „Der für uns spannendste Markt liegt in der Mitte“, sagt Walter. 2021 gründete er Reflex Aerospace und entwickelt seitdem mittelgroße, aber leistungsfähige Satelliten, etwa im Format eines Mini-Kleinwagens, bis zu 500 kg schwer. Sie sollen die neuesten Sensoren tragen, hohe Datenraten für die Kommunikation liefern und den Aufbau von dezidierten Satellitennetzwerken ermöglichen.

Drei Spezialisten für Luft- und Raumfahrt

Zum Kernteam zählen außerdem Alexander Genzel, der schon bei der Gründung an Bord war, und Christian Lindener, der wenig später als Co-Gründer dazustieß. Christian ist mit der Raumfahrtbranche bestens vertraut und ein profilierter Experte für Tech-Start-ups. In Brasilien geboren und in Mexico aufgewachsen, studierte er zunächst in den USA und in Spanien, bevor er das Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck abschloss. Er arbeitete u.a. für Wayra Germany, die Risikokapitalgesellschaft der spanischen Telefonica, wo er Start-ups auf die Integration in das Konzernportfolio vorbereitete. 2019 wechselte er zu Airbus, leitete dort das ­Innovationsmanagement Airbus Scale und steuerte das externe Firmengründungsprogramm. Durch die Erfahrung in großen Konzernen ist Christian Experte für die Beziehungen zu potenziellen strategischen Partnern wie etwa BMW und Porsche. Derzeit liegen seine Schwerpunkte in den Bereichen Finanzierung und Fundraising. „Noch vor zehn Jahren hätte man kein Venture Capital für Satelliten bekommen. Doch jetzt, da jeder das Potenzial sieht, ist das kein Problem“, so Christian.

Bislang wurde Reflex Aerospace maßgeblich durch Alpine Space Ventures finanziert, hinter denen Bülent Altan steht. Der frühere SpaceX-Ingenieur und Chef des Münchner Laserspezialisten Mynaric ist einer der profiliertesten Köpfe in der europäischen New-Space-Szene. Derzeit arbeitet das Team an der Seed-Finanzierung, zehn bis zwölf Mio. Euro sind angepeilt. Alexander Genzel ist mit 23 Jahren der jüngste Co-Founder. Nach dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in München und Denver arbeitete er als Forschungsleiter im Bereich Raumfahrtechnik an der Universität der Bundeswehr. „Komplette Projekte von der Entwicklung bis zum fertigen System im All zu begleiten, hat mich schon immer fasziniert“, sagt Alexander. Durch seinen Hintergrund bringt er im Team auch den Blickwinkel der Verteidigung und Sicherheit mit an den Tisch.

Mehr private Satellitennetzwerke

Bald sollen die ersten kommerziellen Verträge geschlossen werden. Als künftige Kunden sieht Alexander Unternehmen, die bereits Satelliten einsetzen, wie z.B. Telekommunikationsunternehmen und Betreibergesellschaften. „Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Start-ups, die auf Satelliten setzen, wie z.B. ICEYE, die mit kleinen Radarsatelliten zielgenaue und unterbrechungsfreie Überwachungsdienstleistungen anbieten.“ Durch neue Sensoren, z.B. für hyperspektrale Daten oder im Bereich des CO-Imaging, entstehen neue mögliche Anwendungsfelder und Geschäftsideen. „Diese Start-ups begleiten wir von der Entwicklung ihrer Satelliten, über die Produktion bis hin zur Auslieferung“, sagt Walter. So könne ein Gründerteam sich voll auf die Entwicklung der eigentlichen Anwendung konzentrieren und die Zeit bis zum Markteintritt beschleunigen. Die dritte große Kundenkategorie sind Firmen, die satellitengestützte Dienste nutzen, aber noch keine eigenen Satelliten einsetzen, wie z.B. Reedereien und Automobilhersteller. „Dass ein europäischer Automobilhersteller Satelliten von Firmen wie SpaceX, die bereits direkt mit konkurrierenden Autobauern verbunden sind, nutzt, ist fraglich“, sagt Christian. Mit günstigeren und leistungsfähigeren Satelliten werden eigene Netzwerke im Orbit zunehmend zu einer Option für große Unternehmen oder Konsortien. „Noch werden die meisten Satelliten durch separate Gesellschaften betrieben“, sagt Christian, „doch künftig wird es mehr vertikale Modelle geben, bei denen die Nutzer auch die Eigentümer sind.“

Europa entwickelt Infrastruktur im All

Das Beispiel Ukraine zeige, dass sich die kommerzielle Raumfahrt zum Mittel militärischen Handelns entwickelt, so Alexander: „Kritische Infrastruktur ist in Auseinandersetzungen immer ein Angriffsziel, und im Ernstfall muss man handlungsfähig sein.“ Europa habe eine gute industrielle Basis und Forschungseinrichtungen, doch die Zeit dränge: „Wir brauchen bei unseren Raumfahrtprogrammen mehr Ambitionen und innovative, neuartige Lösungen für kosteneffektive und resiliente Infrastruktur im All.“ Reflex Aerospace könnte ein zentraler Baustein solch einer Lösung sein. Die EU möchte ab 2024 ein Netzwerk aus hunderten Satelliten auf den Weg bringen, um souveräne Kapazitäten für Kommunikation, autonome Mobilität, Internet of Things sowie für militärische und humanitäre Initiativen bereitzustellen. Sechs Mrd. Euro sind dafür bislang eingeplant, die Ausschreibung läuft. „Richtig umgesetzt, auch mit Beteiligung innovativer Start-ups, kann das Europas technologische Unabhängigkeitserklärung im All werden“, so Walter. Zusammen mit dem Unternehmen Mynaric, einem Spezialisten für Datenübertragung per Laser, Isar Aerospace, einem Startdienstanbieter für kleine und mittlere Satelliten vertritt Reflex Aerospace das Konsortium UNIO. Zuvor hatte Reflex schon mit einem Dutzend kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der europäischen Raumfahrt im Auftrag der Europäischen Kommission eine Machbarkeitsstudie für das Konstellationsprojekt erstellt. Damit treten sie gegen etablierte, politisch bestens vernetzte Player an. Doch bei UNIO ist man zuversichtlich, dass man mit günstigeren Kosten und schnelleren Zyklen, Stärken in die Waagschale wirft, die nicht ignoriert werden können. Die Gesellschaft, die sich um Teile des europäischen Großprojekts bewerben soll, ist bereits gegründet.

Reflex Aerospace mit Konsortium im Rennen

„Bei der Ausschreibung werden Unterschiede zwischen EU und USA deutlich“, sagt Walter. Für die Umsetzung favorisiere die EU ein Public Private Partnership, bei dem sie an der Entwicklungsgesellschaft beteiligt wäre. „Das Problem ist, dass so eine Konstellation alle fünf Jahre erneuert werden muss“, meint Walter, der darin auch ein Risiko für die Auftraggeber sieht. Falls die Industrie aus dem Projekt aussteige oder die Preise erhöhen wolle, stecke die EU in der Zwickmühle, die Umsetzung werde gefährdet. „Wir vertreten den Standpunkt, dass nur ein kommerziell getriebener Ansatz erfolgreich sein wird“, so Walter, „mit einem Lastenheft der EU, einer Abnahme­garantie und einer Vergabe des Auftrags an mehrere Firmen, um nicht von einem Anbieter abhängig zu sein.“ Das Modell aus den USA, mit der Space Development Agency SDA und einem losen Netzwerk mehrerer im Wettbewerb stehender Firmen, sei effektiv und langfristig das Beste für das Ökosystem. Die Machbarkeitsstudie hat UNIO eingereicht, nun liegt der Ball bei der Europäischen Kommission. Läuft alles nach Plan, erhält UNIO in Kürze das Request for Proposal. Das wäre ein wichtiger Schritt hin zum eigentlichen Auftrag. „An der Vorbereitung dieser Studie haben wir intensiv gearbeitet“, so Walter, „wir gehen gut vorbereitet ins Rennen. Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir unsere ganze Energie jetzt wieder in die Entwicklung stecken können.“

Micro Factories mit 3D-Druck, Algorithmen und KI

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, gilt es, den Produktionsprozess zu beschleunigen. Während andere Hersteller*innen nach dem Fließbandprinzip fertigen, gehen Walter und sein Team neue Wege. „Wir setzen auf modulare Fabriken, ausgelegt auf kleine Stückzahlen. Mit dem Ansatz der Micro Factory lässt sich jedes Mal ein anderer Satellit bauen. Zudem kann man sie überall auf der Welt errichten, z.B. in der Nähe von Startplätzen. Und auch in den einzelnen Fertigungsschritten steckt Innovation. Die Satelliten werden aus sehr wenigen Einzelteilen entstehen. „Durch 3D-Druck haben wir ganz neue Möglichkeiten für die Gestaltung und Fertigung des Rahmens“, sagt Walter. Das Design der Strukturen, die auf die individuellen Anforderungen angepasst werden müssen, übernehmen generative Algorithmen. Auf Basis der Eingangsparameter errechnet die KI den optimalen Aufbau, um alle Komponenten zu integrieren. Im ersten Schritt soll eine Micro Factory im Münchner Umland entstehen. Mit einem exzellenten Cluster aus Industrie sowie Forschung und einer hohen Dichte geeigneter Wagniskapitalgeber*innen ist die bayerische Landeshauptstadt einer der Hotspots im Bereich New Space.

Gesucht: geeignete Mitarbeitende

Geeignetes Personal zu finden, sei immer eine Herausforderung, sagt Walter, doch auch für die stark umworbenen Absolvent*innen technischer Universitäten sei die Arbeit in einem Space-Start-up zunehmend eine Perspektive. In der Regel setzt er auf Mitarbeitende, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. „Bei uns arbeiten Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, wie z.B. Entwickler elektronischer Musikinstrumente“, so Walter, „und wir profitieren von diesem fachlichen und kulturellen Mix.“ Das Team umfasst 22 Mitarbeitende, Ende des Jahres könnten es schon 40 sein. Aktuell werden Ingenieur*innen und Produktentwickler*innen gesucht, 2023 sollen die Mitarbeitenden für den Aufbau der Produktion folgen.

Spannung vor dem Start

Der Planungshorizont ist in den vergangenen Monaten länger geworden. „Mit der Energiekrise, Verwerfungen an den Kapitalmärkten und der angespannten geopolitischen Situation haben wir eine komplexe Lage“, sagt Alexander, „und wir als Satelliten-Start-up sind mittendrin.“ Längere Lieferzeiten und unterbrochene Lieferketten werden bereits eingeplant. „Für ein Start-up denken wir schon in sehr langen Zeiträumen“, sagt Walter, „und durch gute Vorbereitung und ein super Team werden wir auch eine Krise meistern.“ Nun will das Team den Beweis antreten, dass sein Ansatz funktioniert. Im Jahr 2024 sollen die ersten Demo-Satelliten von Reflex Aerospace im Einsatz sein. Denn zu den schönsten Momenten, so die einhellige Meinung im Team, zählt nunmal der Start des ersten selbst entwickelten Satelliten ins All.

 

Ei, Ei, Ei, Neggst

Die Ei-Revolution: Verónica García-Arteaga und ihr Co-Founder Dr. Patrick Deufel haben eine kompromisslose Alter­native zum Hühnerei erforscht und mit Neggst Realität werden lassen.

Vegetarische und vegane Ernährung liegen im Trend. Während der Konsum tierischer Produkte in vielen Industrieländern sinkt, wächst der Markt für pflanzliche Alternativen. Eine der am schnellsten wachsenden Kategorien sind vegane Ei-Produkte. Der Markt ist noch jung, und bislang gab es kein Produkt, dass ein Hühnerei hinsichtlich Geschmack, Inhaltstoffen, Verarbeitungsmöglichkeiten und im typischen Erscheinungsbild mit Eiweiß, Eigelb und Eierschale ersetzen konnte. Doch Verónica García-Arteaga, Co-Founder und CEO des Berliner Start-ups Neggst, möchte das ändern.

Früher Forschungsdrang

Schon als Kind interessierte sich Verónica für Lebensmittel und deren Zusammensetzung: „Wenn die Frühstücksflocken auf dem Tisch standen, habe ich als erstes die Zutatenliste gelesen“, sagt sie. Früh war klar, dass sie eine Karriere im Bereich Ernährung einschlagen würde. Nach der Schule studierte sie Lebensmittelingenieurwesen in Mexiko City. Im Anschluss daran folgte eine Anstellung bei PepsiCo in der Qualitätskontrolle des Keksgeschäfts. Doch bald zog es sie wieder an die Universität. „Für mich war immer am wichtigsten, neue Dinge zu erforschen und gesunde Lebensmittel zu kreieren“, sagt Verónica. Mit einem Stipendium im Gepäck wechselte sie für den Masterstudiengang an die TU München. Im darauffolgenden PhD-Programm erforschte sie in Freising in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) neue Anwendungsmöglichkeiten für Erbsenproteine.

„Dabei arbeiteten wir an Alternativen zu tierischen Lebensmitteln, wie z.B. Fleisch oder Käse“, so Verónica, „doch was mir immer gefehlt hatte, war eine Alternative für das klassische Hühnerei“. So entstand die Idee. Im Jahr 2019 startete sie das Projekt, ein komplettes veganes Ei zu entwickeln – vom Eiweiß, über das Eigelb bis hin zur Eierschale. „Mit der Entwicklungsarbeit haben wir absolutes Neuland betreten“, so Verónica, „darum haben wir die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt“. Das Entwicklungsteam um Verónica kümmerte sich um Eigelb und Eiweiß, das Verpackungsteam des Fraunhofer-Instituts entwickelte die Eierschale.

Rührei überzeugte die Investor*innen

Zwei Jahre später wurden das vegane Eiweiß und das Eigelb erstmals im Fraunhofer Institut vor potenziellen strategischen Partner*innen und Investor*innen präsentiert. „Während unseres Pitches haben wir Spiegelei, Rührei und Pfannkuchen live zubereitet und serviert, und konnten so die Tester überzeugen“, sagt Verónica. Im Sommer 2021 wurde die Neggst Food GmbH aus der Taufe gehoben.

Als strategische Partner investierten die Unternehmen Ehrmann und Zentis. Dietmar Otte, der ehemalige Geschäftsführer von Zentis, wurde Teil des Gründerteams und hat mit seinem Wissen und wissenschaftlichen Hintergrund einen wichtigen Beitrag zum Projekt geleistet. Mit umfangreichem Know-how und Laborkapazitäten unterstützt der Aachener Lebensmittelhersteller seitdem das Team von Neggst in der Entwicklung. Darüber hinaus kann Zentis Support bei der Vermarktung der Produkte über den Handel leisten. Investor der ersten Stunde ist außerdem der Green Generation Fund, dessen Fokus auf pflanzlichen Lebensmitteln liegt. Geführt wird der Berliner Early-Stage-Fonds von Manon Littek, die zuvor fünf Jahre CEO bei Katjesgreenfood war, und Jana Ennsthaler, die u.a. Glossybox gründete.

Damit hatte Neggst genügend smartes Kapital für die nächsten Wachstumsschritte eingesammelt. Ende 2021 wurde das Team erweitert. Die meisten Mitarbeitenden bei Neggst, insbesondere in der Entwicklung, haben einen wissenschaftlichen Hintergrund. Und mit zunehmender Marktreife wächst auch das Marketing- und Salesteam.

„Der Schritt vom Labor in die Produktion ist riesig und keinesfalls zu unterschätzen“, sagt Verónica. „Wir arbeiten sehr nerdy und präzise und wollen nicht nur in der Forschung erfolgreich sein, sondern ein wirklich gutes und leicht verfügbares Endprodukt haben.“ (c) Daniel Ignatenko

Zielgruppe Flexitarier*innen

„Mit unseren Produkten sprechen wir grundsätzlich Vegetarier*innen und Veganer*innen an“, sagt Verónica, „doch unsere wichtigste Zielgruppe für das vegane Ei sind Flexitarier*innen.“ Diese ernähren sich teilweise pflanzlich und konsumieren immer wieder auch tierische Produkte, doch sie sind grundsätzlich offen für den Wechsel zu pflanzlichen Produkten. Diese Verbraucher wünschen sich typischerweise Produkte, die ihnen den Umstieg auf vegane Ernährung erleichtern. Dazu müssen die Lebensmittel einfach in der Anwendung sein und geschmacklich überzeugen.

„Diesen Menschen wollen wir eine nachhaltige und gesunde Alternative zum Hühnerei bieten“, sagt Verónica. Das vegane Ei von Neggst besteht aus mehreren Hülsenfrüchten wie Ackerbohnen, Erbsenprotein sowie pflanzlichem Öl. Zugesetzt werden außerdem Vitamin B12, Vitamin D3 und Ballaststoffe, die im Hühnerei nicht enthalten sind. Darüber hinaus enthält die vegane Alternative kein Cholesterin, weniger gesättigte Fettsäuren und weniger Kalorien. Entsprechend hat sie auch einen besseren Nutri-Score. Der biologisch abbaubare Kunststoff, aus dem die Eierschale besteht, enthält wie das tierische Vorbild Calciumcarbonat. Die vegane Schale wurde etwas stabiler angelegt als beim herkömmlichen Ei, doch sie lässt sich genauso aufschlagen. „Und da wir auf tierische Inhaltsstoffe verzichten, haben wir kein Problem mit Massentierhaltung und damit einhergehendem Tierleid, immensem Flächenverbrauch und Antibiotikarückständen“, ergänzt Verónica.

Das Ergebnis ist vom tierischen Produkt kaum zu unterscheiden. Auch geschmacklich und bei der Verarbeitung des Produktes gibt es keine Einschränkungen. „Verkostungen mit Kundinnen und Kunden zeigen, dass mit unserem Neggst-Ei hergestellte Lebensmittel wie z.B. Rühreier, Quiche oder Muffins keinen Unterschied zur nicht veganen Variante aufweisen“, so Verónica. Häufig liege die Präferenz sogar bei der veganen Version, besonders bei Quiche und Muffins.

Forschung für die richtige Rezeptur

Dem voran ging ein zweijähriger Entwicklungsprozess. „Zunächst mussten wir die richtigen Proteine finden, wollten keine Allergene verwenden und schließlich das gewünschte Ergebnis liefern“, so die Gründerin. Dazu wurden hunderte Kombinationen von unterschiedlichen Zutaten und Mengenverhältnissen sowie pH-Werte und viele weitere Faktoren im Labor getestet. Zusätzlich zu den Grundbestandteilen kommen Zutaten wie etwa Algen, Carrageen und natürliche Geliermittel ins Spiel, um die Textur des Eies nachzuempfinden. „Herauszufinden, was wirklich gut funktioniert, hat eine Zeit lang gedauert“, sagt Verónica.

Dazu gehörte auch, geeignete Lieferanten mit der passenden Produktqualität und Liefertreue zu finden. „Uns ist wichtig, dass wir möglichst lokal anbauen und einkaufen“, so Verónica. „Darum kommen unsere Zutaten, soweit möglich, aus Europa.“ Die aktuellen Lieferengpässe stellen auch das Team von Neggst vor Herausforderungen. Dass ein etablierter Lebensmittelhersteller mit an Bord ist, helfe im Einkauf, so die Gründerin. Doch bei einigen Zutaten musste das Team auf Alternativen zurückgreifen und zum Beispiel aufgrund der besseren Verfügbarkeit von Raps- auf Sonnenblumenöl umstellen.

Dies ist der Auszug aus einem Beitrag der aktuellen Ausgabe unseres Printmagazins: Mehr dazu liest du in der StartingUp - Heft 04/22 - ab dem 1. Dezember im Handel – jederzeit vorab online bestellbar - auch als ePaper erhältlich - über unseren Bestellservice

Planet A Foods: kakaofreie Schokolade zum Fest

Das 2021 in München gegründete Start-up Planet A Foods will mit der weltweit ersten 100 % kakaofreien Schokolade Nocoa die Süßwarenwelt gehörig umkrempeln.

Noch haben sich viele Menschen nicht mit der Idee von Fleischersatz-Produkten, Milch-Ersatz-Produkten und Co. angefreundet. Doch mittel- bis langfristig dürfte der Trend – aus Gründen wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum – nicht aufzuhalten sein. Entsprechend sehen sich Forschende und Unternehmen nach weiteren Möglichkeiten um, gängige Lebensmittel mit (perspektivisch) umweltfreundlicheren Alternativen zu ersetzen. Eines davon ist das vom Geschwisterpaar Sara und Maximilian Marquart gegründete Münchner Start-up Planet A Foods. Mit Nocoa hat es eine Kakao-Alternative entwickelt – und steht knapp vor der Markteinführung.

Hafer ersetzt Regenwald-Rodung und Kinderarbeit

Der Hintergrund: Für die Kakaoproduktion werden jährlich große Regenwald-Flächen abgeholzt und es gibt ein massives Problem mit Kinderarbeit. Das Unternehmen setzt dagegen auf Hafer aus heimischer Produktion als wichtigste Zutat. Auch sonst nutzt Planet A Foods auf regionale Bestandteile.

Ersetzt werden im Nocoa sowohl Kakaopulver als auch Kakaobutter. „Wenn man Hafer richtig fermentiert und röstet, erhält man sehr ähnliche Aromen wie im Kakao“, erklärt Sara Marquart gegenüber der deutschen WirtschaftsWoche. Dazu adaptierte das Start-up Verfahren zur Fermentation. Bei Blindverkostungen sollen laut dem Start-up auch Lebensmittelexpert*innen den Unterschied zu gewöhnlicher Schokolade nicht geschmeckt haben.

Große Skalierungspläne mit Nocoa

Planet A Foods hat bislang rund sechs Millionen Euro Investment aufgenommen, unter anderem von Cherry Ventures aus Berlin, und hat am renommierten Y-Combinator-Accelerator-Programm im Silicon Valley teilgenommen. Überzeugt haben dürfte man die Geldgeber*innen auch mit der Strategie. Das Start-up will nämlich nicht – wie andere vergleichbare Unternehmen – erst einmal ein Edel-Produkt auf den Markt bringen, sondern fokussiert darauf, Schokolade in Massenprodukten wie Schokoriegeln zu ersetzen.

Die Vision laut Maximilian Marquart: „Eine Lebensmittelfirma aufbauen, die 500 Megatonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen kann“. Derzeit baut das Start-up im tschechischen Pilsen eine 1000-Quadrameter-Halle, in der 400 Kilogramm Nocoa-Schokolade pro Stunde hergestellt werden sollen. Und der geplante Marktstart dürfte auch nicht zufällig gewählt sein – knapp vor Weihnachten soll es soweit sein.