44 likes

Er ist Ende 20, hat 14 Firmen (mit-)gegründet, lebt maximal vier Tage am gleichen Ort und besitzt exakt 64 Gegenstände: der Serial-Entrepreneur und 100-prozentige digitale Nomade Cédric Waldburger.

Cédric Waldburger lebt als digitaler Nomade aus dem Koffen und besitzt exakt 64 Gegenstände

Die Schweizer SIRLOIN AG ist ein Unternehmen ohne eigenes Office. Das 2017 gegründete Start-up hat aktuell neun Mitarbeiter in acht verschiedenen Ländern. Sie alle arbeiten von zu Hause oder von Co-Working Spaces aus. Und obwohl sie sich dabei in den unterschiedlichsten Zeitzonen befinden, schaffen sie es doch, sich untereinander gut zu organisieren. Dazu später mehr.

Dementsprechend viel ist auch der CEO von SIRLOIN, Cédric Waldburger, selbst unterwegs. In den letzten zwei Jahren ist er gut 200 Mal geflogen, kam dabei elfmal um die Welt. Deshalb hat er vor über einem Jahr nach reiflichen Überlegungen beschlossen, seine Züricher Wohnung ersatzlos aufzugeben. Cédric möchte möglichst flexibel leben und seine Entscheidungen danach richten, was ihm im Leben wichtig ist. Wichtig ist ihm, nicht an eine Wohnung gebunden zu sein, um die er sich kümmern muss.

Seitdem lebt er aus seinem Koffer mit genau den Sachen, die er dauernd mit sich tragen kann: 64 Objekte, alle in Schwarz gehalten. „Schwarz passt zu allem. Außerdem lassen sich schwarze Sachen gut zusammen waschen, und da Hotelzimmer bzw. die Betten darin fast immer weiß bezogen sind, ist es fast unmöglich, etwas zu verlieren“, so der digitale Nomade augenzwinkernd.

Koffer statt Wohnung

Minimalismus und Essentialismus sind Trend-Begriffe. Aber es ist nicht nur ein Trend, der Waldburger antreibt und ihn dazu veranlasst hat, seine Wohnung gegen einen Koffer einzutauschen. „Minimalismus ist richtig für mich. Viele finden das beeindruckend, weil sie so viel haben. Was uns allen gut tun würde, ist sich zu fragen, was wichtig im Leben ist.“

Mit dieser Einstellung baut Cédric auch an seinen Start-ups. „Mich faszinieren Start-ups und die Geschichten dahinter – angefangen von der ersten Idee, die nachts in einer Bar zustande kommt, bis hin zum Erreichen der ersten Million. Ob damit der Umsatz, die Nutzerzahlen oder etwas anderes gemeint ist, spielt keine Rolle.“ Aktuell sind die 14 Firmen, die Cédric gegründet hat oder an denen er beteiligt ist, bspw. in San Francisco, Miami, Berlin, Frankfurt, Zürich und in Rapperswil ansässig.

Im Schnitt hält der Unternehmer sich 3,7 Tage am Stück an einem Ort auf. Das weiß Cédric genau, denn er führt akribisch Buch darüber. Und er schläft in Hotels, mietet Wohnungen auf Zeit und kommt oft bei Freunden unter, für die er vorher oft nur wenig Zeit hatte. „Zu Hause ist da, wo ich Freunde treffe“, bringt es Cédric auf den Punkt. So sehr Cédric diese Vielfalt und Abwechslung genießt, so sehr musste er sich eigene Tools zurechtlegen, um effizient zu bleiben. Um gleichzeitig an und in so vielen Unternehmen zu arbeiten – auch als Arbeitgeber – und trotz ständigem Wechsel von Zeitzonen produktiv zu bleiben, hat er letztlich auch sein neuestes unternehmerisches „Baby“ erfunden: Sendtask.
 
Eine App für alle Fälle

Sendtask heißt die App, mit deren Hilfe Tasks (Aufgaben) einfach verschickt, verwaltet und organisiert werden. Lösungen bzw. Wege, um Tasks zu tracken, gibt es wie Sand am Meer. Trotzdem ist Cédric überzeugt, dass sich sein Produkt am Markt durchsetzen wird. „Wir haben einen Task Manager gebaut, der Artificial Intelligence nutzt, um Tasks schneller zu erfassen, automatisch richtig zu priorisieren und einfacher zu erledigen“, erklärt er. Der Clou daran: Empfänger brauchen keine Accounts. Dadurch wird das Teilen von Tasks mit Mitarbeitern, aber auch Kunden und Partnern so einfach wie das Versenden von E-Mails. Sendtask läuft im Webbrowser auf dem Desktop und auf Smartphones.

Sendtask hat es sich zum Ziel gesetzt, für seine Nutzer in der Handhabung einfacher zu sein als andere Produktivitätsapplikationen. Die Idee kam Cédric im eigenen Arbeitsalltag. Er selbst nutzte ursprünglich zum Kommunizieren Apple Mail, WhatsApp Web, Slack und Facebook Manager. Für Termine Google Calender, Fantastical und Apple Calender. Des Weiteren nutzte er zum Managen von Aufgaben Asana, Trello und Text notes und zur Speicherung von Daten Evernote, Google Drive und Dropbox. Die Tatsache, dass so viele manuelle Schritte nötig waren, um diese Applikationen in Kombination miteinander zu verwenden, frustrierte Cédric.

„Wenn ich beispielsweise eine Aufgabe via E-Mail bekam, musste ich manuell zu Asana wechseln um dort eine Task zu erstellen. Wenn diese Task dann erledigt war, musste ich ebenfalls manuell zurück in meine E-Mails um weitere Parteien wissen zu lassen, dass die Task erledigt ist. Bekam ich eine Einladung zu einem Event auf Slack oder WhatsApp, musste ich, ebenfalls manuell, in meinen Kalender gehen, die anderen Teilnehmer nach ihren Kalender E-Mail-Adressen fragen, um sie dann einladen zu können und daraufhin eine E-Mail senden zu können“, so Cédric.

Aus dieser Situation heraus entstand die Idee für das Projekt namens blacksteak. Zu Beginn arbeitete Cédric alleine, stellte aber dann einen Entwickler ein, um schneller voranzukommen. Der Prototyp hatte ein UI für einen E-Mail-Klienten, einen eigenen Kalender, einen Datenspeicher und eine eigene Taskliste. Im Gegensatz zu den bisher existierenden Klienten hatte das UI den Vorteil, dass es an der Seite einen Context sidebar hatte. „Besagter Prototyp war für mich persönlich schon sehr nützlich, jedoch fehlten ihm noch viele Funktionen, die Nutzer erwarten“, so Cédric rückblickend.

Tests, Recherchen und Go-live

Cédric und sein Team begannen ihren Prototypen von Pilotanwendern testen zu lassen und bekamen ein sehr gemischtes Feedback. Einige der Tester sahen den Langzeitvorteil. Sie sagten,  sie würden der Applikation eine Chance geben, sobald sie mehr Funktionen hätte und circa 80 Prozent der Apps ersetzen könne, die sie derzeit nutzten. Die Anderen empfanden das Problem der bisherigen Lösung als nicht groß genug. „In einem waren sich jedoch alle Pilotanwender einig, ihnen gefiel unser Taskmanager,“ so der Sendtask-Gründer. „Ihnen gefiel unsere Idee, dass man anstatt von E-Mails Aufgaben mit jeder Person teilen konnte. Wir hatten eine sehr simple Version gebaut, da wir erkannt hatten, dass Trello, Asana, Podio usw. keine Möglichkeit boten, mit jedem Tasks per E-Mail zu teilen. Nutzer mussten immer einen Account erstellen, bevor ihnen Tasks zugeteilt werden konnten.“

Es verstrich dann einiges an Zeit, in der das Sendtask-Team Marktrecherche betrieb, da sie sich sicher waren, dass irgendjemand schon ein solches Tool gebaut haben muss. Die Lösung erschien ihnen so offensichtlich. „Da wir keine Applikation finden konnten, entschieden wir uns dazu, diese selbst zu entwickeln. Den meisten unserer Pilotanwender gefiel unsere Idee, und wir erkannten, dass dies für sie das eigentlich größere Thema war. Deshalb entschieden wir uns, uns ausschließlich auf eines der Features der ursprünglichen Idee des Projektes blacksteak zu konzentrieren. So entstand Sendtask.“

Auch Nomaden treffen sich mal

Und wie funktioniert das dezentrale Arbeiten im eigenen Team? Wenn jemand neu einsteigt, hat sie oder er einen ersten informellen Videocall mit allen Teammitgliedern, abgesehen davon bleibt die Kommunikation meistens auf der beruflichen, inhaltlichen Ebene. Auch deshalb haben Cédric und seine Mitarbeiter sich gefragt, wie sie ein Arbeitsklima schaffen können, in dem die Teammitglieder mehr als nur Kollegen sind. Auch dafür hat man eine Lösung gefunden: Einmal pro Quartal fliegen alle Teammitglieder gemeinsam für eine Woche an einen Ort irgendwo auf der Welt. Hier arbeiten sie gemeinsam an Projekten, haben gemeinsam Spaß und essen zusammen. „Dies führt zwar zu zusätzlichen Kosten für das Unternehmen, jedoch ist das so gesehen ein kleines Investment, verglichen mit herkömmlichen Kosten eines Unternehmens, welches ein komplettes Büro unterhalten muss“, so Cédric.


Sie möchten selbst ein Unternehmen gründen oder sich nebenberuflich selbständig machen? Nutzen Sie jetzt Gründerberater.deDort erhalten Sie kostenlos u.a.:

  • Rechtsformen-Analyser zur Überprüfung Ihrer Entscheidung
  • Step-by-Step Anleitung für Ihre Gründung
  • Fördermittel-Sofort-Check passend zu Ihrem Vorhaben

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: