Existenzgründung im Ausland


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Ein Geschäft im Ausland starten und führen: Welche Vor- und Nachteile sind dabei abzuwägen?

©bongkarn

Immer häufiger zieht es junge Unternehmer über die Landesgrenzen, um ein Start-up im Ausland zu gründen und ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Gründe, die für diesen Schritt sprechen, gibt es viele. Ein sehr wichtiger Aspekt betrifft die im Ausland teils doch sehr viel niedrigeren Steuern.

Aber auch die Kosten für die Existenzgründung wirken mitunter verlockend. So setzt eine spanische Sociedad de responsabilidad limitada (S.L.) nur ein Stammkapital von rund 3.000 Euro voraus. Das Ganze hat natürlich nicht nur Vorteile. Wer im Ausland ein Unternehmen gründen will, muss auch die Hürden und Hindernisse kennen. Was ist dabei besonders wichtig?

Welche Vorteile hat eine Unternehmensgründung im Ausland?

Wieso ein Unternehmen im Ausland gründen? Ist es nicht besser, zuerst im Inland mit einem Start-up Fuß zu fassen? Viele Unternehmer denken im ersten Moment so. Im Land der Muttersprache zu gründen, hat offenkundig viele Vorteile. Existenzgründer verstehen ihre Zielgruppe besser. Außerdem fällt die Verhandlung mit Behörden und Banken einfach leichter, wenn die gleiche Sprache gesprochen wird. Nichts ist schlimmer, als durch die Sprachbarriere das Gegenüber in so wichtigen Verhandlungen wie einer Finanzierungsrunde nicht zu verstehen.

Aber: Im Ausland gründen hat auch Vorteile. Und diese können am Ende mehr als deutlich überwiegen. Was spricht also für das Gründen im Ausland? Wer die Szene der Auslandsgründer aufmerksam beobachtet, entdeckt verschiedene Gemeinsamkeiten.

  • Nische im Ausland: Während in Deutschland bestimmte Nischen und Märkte schon besetzt sind, kann dies im Ausland ganz anders aussehen. Dieses Potenzial zu entdecken, ist ein Grund für das Start-up im Ausland. Dieses Phänomen beschränkt sich dabei nicht auf bestimmte Branchen oder Zielgruppen, sondern kann in vielen verschiedenen Bereichen auftreten. Einige bekannte Start-ups mit deutschen Wurzeln sind eher aus dem Zufall heraus geboren – weil deren Macher im Urlaub auf die Geschäftsidee gestoßen sind.
  • Lizenzvergabe: In Deutschland gelten in vielen Bereichen sehr strenge Regeln. Zwar können sich Gründer oft frei entfalten, jedoch setzen gewisse Branchen die Erteilung einer Erlaubnis voraus oder sind an die Vergabe von Lizenzen gebunden. Das beste Beispiel ist der Bereich iGaming. Hierzulande ist die Rechtslage inzwischen so verwirrend, dass der Überblick verlorengeht. In anderen Ländern – selbst der EU – werden die in Deutschland strengen Regeln sehr viel liberaler ausgelegt.
  • Steuervorteile: Einer der wesentlichen Gründe, warum es schon Gründer ins Ausland zieht, sind die Steuern. Deutschland macht es den Unternehmen in diesem Segment nicht gerade leicht. Nicht nur das immer komplizierter werdende Steuerrecht sorgt für Ärger. Auch Vorgaben wie die aktuelle Bon-Pflicht sind ärgerlich – und treiben am Ende auch Unternehmen ins Ausland. Nicht umsonst wird die überbordende Bürokratie in Deutschland regelmäßig von Unternehmensverbänden angeprangert.
  • Marktvorteile nutzen: Dieser Punkt überschneidet sich mit der Nischen-Thematik. Andere Länder, andere Sitten. Was in Deutschland ein Ladenhüter sein kann, ist im Ausland mitunter ein absoluter Verkaufsschlager – aufgrund einer anderen Mentalität. Dieser Aspekt spricht für die Gründung jenseits der Grenze.

Ein Geschäft im Ausland auf die Beine stellen bedeutet aber nicht ausschließlich, sich als Start-up neu zu profilieren. Unternehmen, die in Deutschland erfolgreich Fuß gefasst haben, stehen irgendwann vor der Frage, wie es mit der Internationalisierung weitergeht.

Sich neue Märkte zu erschließen, die eigene Brand international stärken zu können und einfach zu wachsen – diese Aspekte sprechen letztlich dafür, als etabliertes KMU den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Eine Erfolgsgarantie gibt es in beiden Fällen – für Start-ups und Unternehmen mit Auslandsdependance – nicht.

Welche Hürden sind damit verbunden?

Im Ausland ein Unternehmen aufzubauen, klingt angesichts der aufgezählten Gründe vielleicht verlockend. Was nicht unterschätzt werden darf, sind die Herausforderungen und Probleme, welche sich damit ergeben. Schon der Versuch, bei den europäischen Nachbarn ein Start-up aufzuziehen, kann zum Kraftakt werden.

Der Grund: Neben den Herausforderungen, denen jeder Gründer in Deutschland gegenübersteht, kommen im Ausland recht individuelle Hürden und Stolpersteine hinzu. Wovon ist hier die Rede?

Beispiel Mallorca: Die beliebte Ferieninsel ist immer noch eines der deutschen Urlaubsparadiese. Und viele Touristen aus Deutschland würden gern auf der Insel bleiben und arbeiten. Dabei entsteht oft das Bild vom eigenen Unternehmen vor dem geistigen Auge. Das Problem ist die Sprache. Mit ein paar Brocken Spanisch lässt sich vielleicht im Urlaub verständigen. Ein Unternehmen zu gründen und zu führen, ist ohne Sprachkenntnisse unmöglich.

Hinzu kommt, dass die Regeln für Gründer von Land zu Land unterschiedlich ausfallen. Fakt ist, dass in der EU Niederlassungsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit herrschen. Dies bedeutet aber nicht automatisch gleiche Regeln für die Existenzgründung. So unterscheiden sich die Gesellschaftsformen in Spanien deutlich von denen, die Unternehmer aus Deutschland kennen. Und auch die Gründungsvorbereitung sieht oft deutlich anders aus.

Ein weiteres Beispiel für die Unterschiede stellt die Umsatzsteuer dar. Zwar existiert diese Steuerform in vielen Ländern – allerdings mit oft deutlich abweichenden Regeln. Während in Deutschland zwei Mehrwertsteuersätze gelten, sind es beispielsweise in Luxemburg vier Steuersätze:

  • regulärer Steuersatz > 17 Prozent
  • Zwischensatz > 14 Prozent
  • ermäßigter Steuersatz > 8 Prozent
  • stark ermäßigter Steuersatz > 3 Prozent

Auch Frankreich, Irland und Italien verfügen über bis zu 4 verschiedene Steuersätze für die Umsatzsteuer.

Das sind Sachverhalte, die vor der Gründung klar sein müssen – wie auch die Frage, ob die Gründung eines Start-ups an eine Arbeitserlaubnis gebunden ist oder ob dafür eine notarielle Beglaubigung erforderlich wird.

Wie können sich Gründer vorbereiten?

Es ist eine Herausforderung, Unternehmen in Deutschland erfolgreich zu gründen. Die Messlatte bei einer Gründung im Ausland liegt noch einmal deutlich höher. Und das Risiko ist groß, auf dem Weg zum erfolgreichen Start-up noch zu scheitern. Zu den Stützen einer erfolgreichen Existenzgründung im Ausland gehört die gute Vorbereitung. Was ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig?

  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Dieser Punkt ist das A und O in den Vorbereitungen. Wer sich auf das Abenteuer Start-up im Ausland einlässt, muss die geltenden Gesetze kennen. In einigen Ländern ist es beispielweise unmöglich, ohne inländischen Geschäftspartner zu gründen. Nur wer die Rahmenbedingungen für eine Gründung kennt, kann Stolperfallen in der Anmeldung des Unternehmens und dessen Führung vermeiden.
  • Zielgruppen-Analyse: Sie gehört in Deutschland zu den Gründungsvorbereitungen und muss auch im Ausland sein. Eine umfangreiche Analyse der Zielgruppe ist das Fundament, auf dem der Erfolg eines Start-ups ruht.
  • Markt checken: Kann ich mit meiner Geschäftsidee überhaupt im Ansatz Erfolg haben? Diese Frage fokussiert sich nicht nur auf die Zielgruppe. Es muss auch darum gehen, die Konkurrenzsituation zu bewerten. In einem gesättigten Markt ist es sehr viel schwieriger, den Fuß in die Tür zu bekommen.
  • Finanzierung prüfen: Im Ausland können die Kosten für eine Gründung niedriger sein als in Deutschland. Eine mit der GmbH vergleichbare Gesellschaftsform setzt beispielsweise in Spanien weniger Stammkapital voraus. Es kann aber auch teurer werden. Der Finanzierungsplan muss solche Aspekte widerspiegeln. An dieser Stelle ist auch der richtige Zeitpunkt, um Förderungen auszuloten. Eventuell greift vielleicht sogar die KfW unter die Arme.

Fazit: Gut vorbereitet im Ausland gründen

Jedes Jahr gehen in Deutschland hunderttausende Start-ups an den Start. Die Gründung ist für viele die Verwirklichung eines Traums. Einige Existenzgründer gehen noch einen Schritt weiter – und gründen im Ausland. Damit das Start-up eine Erfolgsgeschichte wird, muss nicht nur die Geschäftsidee stimmen. Im Ausland gelten oft andere Regeln – auch in Bezug auf die Mentalität. Gründer müssen jeden dieser Aspekte kennen und sich im Klaren darüber sein, dass das Risiko des Scheiterns mit einem Unternehmen im Ausland oft sehr viel realer als hierzulande ist.

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