Book a Tiger: Putzhilfen ganz einfach online finden

Gründer der Woche, KW 34


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Etliche Putzhilfen, die in deutschen Haushalten für Sauberkeit sorgen, arbeiten schwarz und werden über Mund-zu-Mund-Propaganda weitervermittelt. Was aber, wenn man eine Reinigungskraft auf ganz legalem Weg sucht? Man findet sie seit April beispielsweise über die Plattform Book a Tiger, dem jüngsten Kind der Lieferheld-Gründer Claude Ritter und Nikita Fahrenholz. Wir sprachen mit Claude Ritter.

Wie sind Sie auf die Idee zu Book a Tiger gekommen?

Geschäftsmodelle, die einen Offline-Markt, der sehr stark fragmentiert ist, ins Internet bringen und es für Endkunden sowie auch Anbieter einfacher machen am Markt teilzunehmen, finde ich grundsätzlich interessant. Nachdem mein Mitgründer Nikita Fahrenholz und ich das schon mit Lieferheld gemacht hatten, wollen wir nun unser Know-how mit einer neuen Firma nutzen um einen noch besseren Service aufzubauen. Und schlussendlich ist es auch so, dass Book a Tiger wie auch Lieferheld Probleme lösen, die Nikita und ich auch persönlich haben. Book a Tiger ist ein Startup der On Demand Economy und hilft Menschen wie uns, flexibel Dienstleistungen ohne langfristige Vertragsbindung in Anspruch zu nehmen.

Seit wann ist Book a Tiger am Markt?

Die Book a Tiger Website ging am 2. April 2014 live. Die GmbH wurde rund einen Monat davor gegründet und im Handelsregister eingetragen.

Vermittlungsplattformen für Reinigungskräfte werden gut angenommen – was unterscheidet Book a Tiger von Mitbewerbern wie Putzfee.de?

Book a Tiger zahlt den Reinigungskräften einen fairen Stundensatz und wesentlich mehr als die meisten deutschen Mitbewerber. Das zahlen die Reinigungskräfte, oder eben Tigers, wie die Reinigungskräfte bei uns genannt werden, mit sehr gutem Service zurück.

Wer sind die Reinigungskräfte, die Sie vermitteln, und auf welchen Wegen werden sie an Bord geholt? Sie werden ja in privaten Räumlichkeiten eingesetzt – wie werden Zuverlässigkeit und fachliche Qualifikation geprüft?

Unsere Tigers haben ganz verschiedene Geschichten. Für uns arbeiten zum Beispiel Studenten, die sich etwas Geld dazuverdienen wollen, aber auch pensionierte Hauswirtschafter, die den Spaß an der Arbeit noch nicht verloren haben. Um bei uns als Tiger aufgenommen zu werden, durchlaufen die Bewerber einen mehrstufigen Aufnahmeprozess, müssen Testreinigungen absolvieren und durch die Vorlage des polizeilichen Führungszeugnisses ihren guten Leumund beweisen.

Kampf der Schwarzarbeit ist ein wichtiges Stichwort – wem schadet diese am meisten?

Ich denke, dazu kann sich jeder Interessierte selber eine Meinung bilden. Wir versuchen natürlich mit unserem Angebot für Endkunden sowie Reinigungskräfte einen Anreiz zu schaffen, nicht den Schwarzmarkt zu fördern.

Welche Vorteile genießt eine Reinigungskraft, die über Book a Tiger vermittelt wird?

Wir sind das Back-Office unserer Tiger. Reinigungskräfte können selbst bestimmen, welche Jobs sie annehmen, und wir kümmern uns um die Formalitäten, wie beispielsweise die Kommunikation mit dem Kunden oder das Ausstellen einer Rechnung. Zudem bieten wir zusammen mit unserem Versicherungspartner AXA allen Reinigungskräften eine Betriebshaftpflichtversicherung an, welche bei allen über Book a Tiger vermittelten Aufträgen ohne Aufpreis automatisch mit dabei ist.

Und welche Vorteile haben die Kunden?

Jeden Vorteil einzeln aufzuzählen, dauert zu lange. Book a Tiger ist einfach ein sehr komfortabler Weg, sich eine professionelle Reinigungskraft legal online zu buchen. Eine Buchung dauert nur 60 Sekunden und geht ohne jedweden bürokratischen Aufwand vonstatten.

Welche Arten von Aufträgen werden am häufigsten vermittelt?

Am beliebtesten ist die Standardreinigung, also eine normale Wohnungsreinigung. Die am meisten nachgefragte Zusatzoption ist Fensterputzen.

Mit welchen Mitteln wurde die Gründung von Book a Tiger in der Anfangsphase finanziert?

Nikita und ich haben Book a Tiger die ersten Monate selber finanziert. Danach konnten wir eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von rund 1 Million Euro abschließen.

Welche Kanäle nutzen Sie, um auf Book a Tiger aufmerksam zu machen?

Marketing ist ein bunter Mix aus Online- und Offline-Kanälen. Wir haben unsere Stärken allerdings ganz klar im Performance Marketing und sind dort auch sehr erfolgreich.

Sind neben Berlin, Hamburg, Frankfurt und Wien weitere Städte geplant?

Ja, natürlich.

Welche persönlichen Tipps möchten Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Das ist immer eine sehr schwierige Frage. Ich versuche es mal mit Rapid Fire:
- Nie davon ausgehen, dass es schon jemand macht.
- Klare Verantwortungsbereiche definieren und Culture of Ownership aufbauen.
- It’s done when it’s done – Finanzierungsrunden sind durch, wenn das Geld auf dem Konto ist.
- Speed of iteration beats quality of iteration – Nur wer schnell lernt und sich rasant weiterentwickelt, überlebt.
- Niemals Personen einstellen, bei denen das Bauchgefühl nicht stimmt.

 

Das Interview führte Fabian Otto

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mika: Berliner GenAI-Start-up sichert sich 800.000 €

Das 2022 gegründete GenAI-Start-up mika von CEO Agnieszka M. Walorska hat sich auf die Reduzierung bürokratischer Hürden für kleine Unternehmen spezialisiert. Das Kapital wird zur Beschleunigung der Technologieentwicklung eingesetzt.

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In seiner frühesten Phase wurde mika von den Angel-Investoren Christian Gaiser, Alexander Lorenz und Fabian Wittleben unterstützt, die eine wesentliche Rolle in der initialen Entwicklung des Start-ups spielten.

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Bürokratie mithilfe von GenAI eindämmen

Eine aktuelle Studie des INSM ergab, dass über 90% der Unternehmen in Deutschland Bürokratie als große Belastung empfinden. Gerade kleine Unternehmen kämpfen mit komplexer Buchhaltung, Steuererklärungen und Finanzplanung. Mika nutzt generative KI, um diese Aufgaben zu automatisieren und Unternehmern zu ermöglichen, sich auf Wachstum und Innovation zu konzentrieren, anstatt sich mit Bürokratie zu befassen.

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Die 800.000 Euro Pre-Seed-Finanzierung wird die weitere Entwicklung von mikas KI-gestütztem Buchhaltungs- und Steuer-Co-Pilot unterstützen, der sich zunächst auf den 10 Milliarden Euro schweren deutschen Markt konzentriert.

Ein Feuerwerk an Jubiläen: 20 Jahre StartingUp, 10 Jahre brutkasten – 5 Jahre gemeinsam auf Erfolgskurs

Seit fünf Jahren ist StartingUp Teil des in Wien beheimateten Mediums brutkasten, das in Österreich, aber auch weit über die Grenzen des Landes hinaus zum Dreh- und Angelpunkt für das Start-up- und Innovations-Ecosystem avanciert ist. In diesem Jahr feiert brutkasten sein zehnjähriges Bestehen. Wir gratulieren unseren lieben Wiener Kolleg*innen aufs Herzlichste und sind stolz, Teil des „brutkasten-Universums“ zu sein!

Hier das Statement von Dejan Jovicevic, brutkasten-Gründer und CEO, zum 10-jährigen brutkasten-Jubiläum:

Liebe Gründerinnen und Gründer, liebe Innovatorinnen und Innovatoren, liebe Investorinnen und Investoren,

seit 10 Jahren ist brutkasten mit großer Leidenschaft der Ort für die Gestalter*innen der Zukunft: Wir sind der Dreh- und Angelpunkt für Gründerinnen und Gründer, für Innovatorinnen und Innovatoren, für Investorinnen und Investoren – kurz: für das gesamte Startup- und Innovations-Ecosystem.

Ich habe brutkasten aus einer tiefen Überzeugung gegründet: Diese unternehmerisch agierenden Köpfe, die Ideen zu marktfähigen Innovationen machen, brauchen einen medialen Enabler, der sie versteht, schätzt und ihre unternehmerische Kraft sichtbar macht. Ich glaube an die transformative Kraft des Unternehmertums, ich glaube an das Foundertum: „Business is the greatest platform for change“.

Kein anderes Medium in Österreich bietet eine vergleichbare Bühne und Vernetzung für die Gestalter*innen der Zukunft.

  • Knapp 16.000 Artikel auf brutkasten.com seit dem Start im Jahr 2014, sowie
  • über 3.000 Videos und Podcasts;
  • Quartalsweise erscheinende Printmagazine;
  • Eine starke Community mit über 100.000 Followern auf Social Media;
  • Mehr als 50 brutkasten Events, als Orte für anregende Diskussionen, Vernetzung und Austausch, wie “Find You Co-Founder”, themenspezifische Meetups, Roadshows oder Community Events.

Wir agieren an der Quelle der Innovation und machen Dinge sichtbar, die andere noch nicht am Radar haben oder noch nicht verstehen.

Brutkasten ist mehr als ein journalistisches Medium. Als Brückenbauer im Ecosystem fördern wir von Beginn an die Zusammenarbeit zwischen Startups, Corporates, Investor:innen und Institutionen. Mit unserer Tätigkeit konnten wir das Ecosystem mitprägen und mitaufbauen. Wir gestalten gemeinsam die Zukunft.

Unsere Angebote und Kanäle schärfen wir weiter, um den Bedürfnissen unserer Community optimal zu entsprechen – auf der Webseite, im neu konzipierten Printmagazin, in innovativen Broadcast-Formaten wie „Das Leben nach dem Exit“ und demnächst wieder bei den berühmten brutkasten-Events. Wir werden unsere sämtlichen Kanäle weiter ausbauen, multianalog und multidigital.

Unser neues Printmagazin kommt super an, der digitale Footprint wächst stetig weiter und bald erreichen wir auf LinkedIn 50.000 Abonnenten – eine Spitzenposition in Österreich. Als Team sind wir stärker denn je und voller Tatendrang, die Welt zu erobern.

Abschließend ein herzliches Dankeschön an unsere Community, Partner*innen, Investor*innen und alle weiteren Unterstützer*innen, die dies alles möglich gemacht haben, sowie an alle Kolleginnen und Kollegen, die brutkasten in den letzten 10 Jahren geprägt haben.

Auf die nächsten 10 Jahre, Ihr Lieben!

Euer Dejan

Global Gender Gap Report 2024

Neue LinkedIn-Daten für den WEF Global Gender Gap Report 2024 zeigen u.a.: Frauen sind stärker von der wirtschaftlichen Unsicherheit betroffen als Männer; Arbeitgebende müssen bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden auf mehr Gleichberechtigung achten.

Die wirtschaftliche Unsicherheit der vergangenen Jahre prägt noch immer unsere Arbeitswelt – und das Ungleichgewicht, das sich hieraus ergibt, zieht Frauen stärker in Mitleidenschaft als Männer. Das zeigen neue LinkedIn Daten, die im Rahmen des diesjährigen Global Gender Gap Reports des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht wurden.

So hat die weltweit schwächelnde Konjunktur in den letzten zwei Jahren dazu beigetragen, dass der Anteil an Frauen, die global in Führungspositionen eingestellt wurden, von 37,5 Prozent im Jahr 2022 auf 36,9 Prozent im Jahr 2023 gesunken ist. Auch dieses Jahr setzt sich der Trend fort: Im April 2024 betrug die Einstellungsrate weltweit nur noch 36,4 Prozent. Damit wurden die kleinen Fortschritte, die in den vergangenen Jahren erzielt wurden, in denen weltweit höhere Einstellungsraten bei Frauen in Führungspositionen zu beobachten waren, wieder zunichtegemacht.

Einstellungsrate von weiblichen Führungskräften gesunken

Auch in Deutschland zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Während hierzulande die Einstellungsrate von weiblichen Führungskräften von 23,3 Prozent im Jahr 2022 auf 23,6 Prozent im Jahr 2023 leicht angestiegen ist, ist sie 2024 wieder auf 23,4 Prozent gesunken. Somit hat sich in den vergangenen drei Jahren kein wirklicher Fortschritt abgezeichnet.

Frauen in Zukunftstechnologien nach wie vor unterrepräsentiert

Auch im Hinblick auf wichtige Zukunftstechnologien, bleibt das Gender Gap gravierend: So ist der Anteil an weiblichen KI-Talenten in Deutschland von 16,7 Prozent im Jahr 2016 auf lediglich 21,1 Prozent im Jahr 2023 angestiegen. Die Repräsentation von Frauen in diesem wichtigen Bereich ist also immer noch äußerst gering.

„Die rückläufige Einstellungsrate von Frauen in Führungspositionen ist alarmierend. Während 2023 noch Fortschritte bei der Einstellung von Frauen in Führungspositionen verzeichnet wurden, erleben wir jetzt einen deutlichen Rückgang. Das liegt nicht an fehlenden Bewerberinnen, sondern an systembedingten Barrieren. Frauen sind von der globalen Konjunkturschwäche unverhältnismäßig stark betroffen, was die bestehenden Probleme am Arbeitsplatz noch weiter verschärft“, sagt Barbara Wittmann, Country Managerin DACH bei LinkedIn. „Wir stehen jedoch an einem entscheidenden Punkt: Generative KI verändert unseren Arbeitsmarkt und zwingt Arbeitgeber dazu, die von ihnen gesuchten Fähigkeiten neu zu bewerten. Besonders Soft Skills, die unseren Daten zufolge häufiger bei Frauen zu finden sind, und KI-Skills, die bei unseren Mitgliedern zunehmen, rücken in den Vordergrund. Arbeitgeber müssen Geschlechterfragen in ihren Upskilling-Strategien berücksichtigen, um eine ausgewogene Teamstruktur in Zukunft sicherzustellen."

Mangelnde Ausgewogenheit der Geschlechter hat weitreichende Auswirkungen

Die anonymisierten Daten von LinkedIn zeigen, wie der Anteil von Frauen in Deutschland mit zunehmender Seniorität sinkt: Während das Geschlechterverhältnis auf Einstiegslevel bei einem Frauenanteil von 41,8 Prozent liegt, sinkt dieser auf Führungsebene auf 29,7 Prozent und beträgt auf Vorstandslevel nur noch 18 Prozent. Der starke Einbruch belegt deutlich, dass der Arbeitsmarkt für Frauen an vielen Stellen nicht funktioniert: Es fehlen nach wie vor entsprechende Rahmenbedingungen, die Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt erlauben.

In Branchen mit einem höheren Frauenanteil auf Einstiegsebene ist der Rückgang auf den höheren Positionen weniger steil. Die Bereiche, in denen Frauen sowohl auf Führungs- als auch auf Einstiegsebene weltweit am besten repräsentiert sind, sind unternehmensnahe Dienstleistungen (62 Prozent), Bildung und Forschung (59 Prozent) sowie der öffentliche Dienst (59 Prozent). Allerdings hat noch keine Branche eine Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen erreicht. Die Industrien mit dem geringsten Frauenanteil sind die Immobilienbranche (43 Prozent), der Finanzsektor (44 Prozent) sowie Lieferketten und Transport (46 Prozent).

Netzwerke von Frauen vergrößern sich langsam

Auch in den Netzwerken von Männern und Frauen werden Unterschiede sichtbar: Netzwerke sind wichtig, da sie Zugang zu Jobs, Mentoring und beruflichen Austausch schaffen können. Die Auswertungen von LinkedIn zeigen, dass Männer in der Regel über größere berufliche Netzwerke verfügen als Frauen. Während sich die Netzwerke von Frauen zwar langsam vergrößern, wachsen sie noch immer nicht so schnell wie die von Männern. Losere Netzwerke, wie Frauen sie häufig haben, können zwar Zugang zu neuen Informationen und Karrieremöglichkeiten bieten, allerdings zeigen die Auswertungen keine Hinweise darauf, dass dies aktuell für Frauen von Vorteil ist.

Gleichstellung durch Systemreform: Erfolgsstrategien für den Arbeitsmarkt

Um echte Fortschritte in puncto Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu erzielen, braucht es systemische Änderungen. Aus den Ergebnissen des Berichts lassen sich Strategien ableiten, die dabei helfen können:

  • Ein kompetenzbasierter Ansatz bei der Einstellung von neuem Personal, bei dem die Fähigkeiten der Bewerber anstelle von traditionellen Referenzen wie Jobtitel oder Berufserfahrug in den Fokus rücken, kann erhebliche Vorteile bringen. Untersuchungen von LinkedIn zeigen, dass sich Frauen verstärkt auf eine Stellenausschreibung bewerben, wenn sich ihre Fähigkeiten mit den Stellenanforderungen überschneiden, was sich auch positiv auf die Einstellungsergebnisse auswirkt. In Deutschland vergrößern sich die Talentpools im Durchschnitt um das Neunfache, wenn dieser Ansatz verfolgt wird.
  • Inklusive Einstellungspraktiken: Darunter fallen zum Beispiel genderneutrale Sprache in Jobbeschreibungen oder eine diversifizierte Auswahl an Kandidaten für Bewerbungsgespräche. Unternehmen sollten außerdem darauf verzichten, frühere Gehälter abzufragen, um mögliche Nachteile bei Gehaltsverhandlungen zu vermeiden.
  • Die Förderung flexibler Arbeitszeiten für alle Angestellten, um mögliche Auswirkungen von Care Arbeit zu reduzieren, von der Frauen in der Regel stärker betroffen sind.
  • Upskilling und Karriereentwicklung speziell für Frauen: Trainings- und Mentoringprogramme, insbesondere bereits vor der Führungsebene sind sehr wichtig. Denn wie unsere Auswertungen zeigen, schaffen es viele Frauen häufig gar nicht, in die Führungsebene zu kommen.
  • Gezielte Weiterbildungsangebote speziell für Frauen, um existierende Lücken zu schließen und eine Gleichberechtigung insbesondere in der Weiterbildung rund um KI sicherzustellen.

Freiwillige Gehaltskürzung für mehr Homeoffice?

Eine neue Studie überrascht: 38 Prozent der Arbeitnehmenden würden eine Gehaltskürzung in Kauf nehmen, um dauerhaft remote arbeiten zu können.

Nach dem Ende der Corona-Pandemie erwarten Arbeitgebende zunehmend, dass ihre Mitarbeitenden wieder zurück ins Büro kehren und fordern vermehrt Präsenztage. Gleichzeitig führen die Inflation und Preissteigerungen zu einem erhöhten Bewusstsein für die Kosten, die Arbeitnehmende aufwenden müssen, um vor Ort (im Büro) zu arbeiten. Eine neue Studie der Software-Bewertungsplattform Capterra beziffert nun die Kosten für die Arbeit vor Ort und liefert teilweise überraschende Ergebnisse.

Finanzielle und zeitliche Faktoren erschweren Rückkehr an den Arbeitsort

Die Studie ergibt, dass 38 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland Gehaltskürzungen akzeptieren würden, um remote arbeiten zu können; im internationalen Durchschnitt sind es 36 Prozent. Wenn es darum geht, ob und wie oft die Beschäftigten gern remote arbeiten möchten, geben hierzulande 45 Prozent an, am liebsten immer remote arbeiten zu wollen, 45 Prozent bevorzugen ein hybrides Modell und lediglich 10 Prozent sprechen sich durchgehend für die Arbeit vor Ort aus.

Dem entsprechend hoch werden die finanziellen wie auch die zeitlichen Kosten dafür empfunden, vermehrt in die Arbeit vor Ort zurückzukehren. Als entscheidende Faktoren wurden die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Zeitersparnis, Stressreduktion sowie Fahrt- und Verpflegungskosten am Arbeitsort genannt.

62 Prozent der Beschäftigten würden aufgrund zu hoher Kosten für Arbeit vor Ort den Job wechseln 

Für Unternehmen ist es gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und Konkurrenz um gute Mitarbeitende wesentlich, ihre Beschäftigten zu halten und an sich zu binden. Daher ist es alarmierend, dass 62 Prozent der Beschäftigten in Deutschland angeben, bei zu hohen Fahrtkosten den Job wechseln zu wollen. Im internationalen Durchschnitt sehen dies 59 Prozent so. Jede(r) vierte Angestellte hierzulande gibt darüber hinaus an, seine/ihre Produktivität einzustellen, wenn die Aufwendungen für die Arbeit vor Ort zu hoch sind.

Aufwendungen für Arbeit vor Ort werden erstmals umfänglich hinterfragt

Aufgrund gestiegener Aufwendungen für die Arbeit vor Ort einerseits, vermehrten Präsenztagen andererseits und der Überzeugung seitens der Arbeitnehmenden, dass sie ihre Tätigkeit genauso gut außerhalb des Büros erledigen können und dies auch noch lieber tun, ist die Frage darüber, wer die Kosten für die Arbeit am Arbeitsplatz ist zu tragen hat, erstmals in den Fokus gerückt.

Dem entsprechend sind 74 Prozent der Beschäftigten in Deutschland der Auffassung, dass der Arbeitgebende die Kosten für das Parken vor Ort übernehmen sollte, 39 Prozent wünschen sich die Erstattung der Benzinkosten und 60 Prozent die Übernahme von Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel. Weiter wünschen sich Arbeitnehmende bei Anwesenheit im Büro die Übernahme von Mautgebühren (53 Prozent), Mahlzeiten/Snacks (40 Prozent), Berufskleidung, bzw. durch Dresscodes verlangte Kleidung (66 Prozent) und Kinderbetreuung (22 Prozent).

Gestiegene Ausgaben für Arbeit vor Ort und Gehaltsentwicklung driften auseinander

Die Unzufriedenheit über die gestiegenen Aufwendungen, um zur Arbeitsstelle zu gelangen und von dort aus zu arbeiten sind vor dem Hintergrund, dass die Gehaltsentwicklungen mit den Kostensteigerungen nicht mitgehalten haben, noch besser nachvollziehbar. 

Obwohl auch Nebenkosten und Lebensmittel für die Arbeit im Homeoffice gestiegen sind – 64 Prozent der deutschen Arbeitnehmenden geben unabhängig vom jeweiligen Arbeitsmodell an, dass ihre Kosten für die Arbeit gestiegen sind, während fast ebenso viele (63 Prozent) sagen, dass ihre Gehaltsentwicklung damit nicht Schritt gehalten hat. Dabei haben sich die Kosten der Beschäftigten, die vollständig oder teilweise vor Ort arbeiten, mehr erhöht als die derjenigen Mitarbeiter, die komplett remote arbeiten. Den insgesamt höchsten Kostenanstieg verzeichnen die Hybrid-Mitarbeitenden. Dies macht es für Unternehmen umso wichtiger, ihre remote arbeitenden Mitarbeitenden mit finanziellen und nicht-finanziellen Anreizen zu motivieren, an den Arbeitsort zu kommen.

Ines Bahr, Senior Analystin bei Capterra kommentiert die aktuelle Entwicklung so: „Es kann nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden, dass Angestellte die gesamten Kosten, die es benötigt, um vor Ort zu arbeiten, allein tragen müssen. Um das Risiko einer Gegen-Reaktion der Mitarbeiter zu verringern, ist es für Unternehmen wichtig, das anzuerkennen und ihren Mitarbeitern mit entsprechenden Anreizen entgegenzukommen.“

Tipps für gelungene Return-to-Office-Strategie

Um Mitarbeitende verstärkt zur Rückkehr ins Büro zu motivieren, eignen sich einerseits konkrete finanzielle Anreize, andererseits auch die Einbeziehung der Beschäftigten zur Return-to-Office-Strategie des Unternehmens samt klarer Kommunikation zu den Gründen dafür.

So sagen 76 Prozent der Arbeitnehmenden, dass sie lieber im Unternehmen arbeiten würden, wenn ihnen dort kostenlose oder vergünstigte Mahlzeiten zur Verfügung stünden. Für 69 Prozent wären frei wählbare, flexible Arbeitszeiten ein Grund, lieber und öfter ins Büro zu kommen, da dies ihre Work-Life-Balance verbessert und so entscheidend zur Mitarbeiterzufriedenheit beiträgt.

64 Prozent akzeptieren die Rückkehr ins Büro eher, wenn Parkgebühren/Fahrtkosten erstattet würden, 57 Prozent würden lieber vor Ort arbeiten, wenn dort Wellness-Programme wie ein Fitnessraum oder Yoga-Kurse angeboten würden und für 44 Prozent wären Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten ein Anreiz, vor Ort zu arbeiten.

Neben diesen konkreten Vergünstigungen und Angeboten trägt die Einbeziehung der Mitarbeitenden und eine transparente Kommunikation entscheidend dazu bei, eine höhere Akzeptanz für die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu schaffen. Beispiele sind gemeinsam abgestimmte Tage für Team-Meetings vor Ort, gemeinsame Mittagessen oder ein Kaffee-Klatsch im Büro um das Gefühl der Verbundenheit zu stärken. Ansprechend gestaltete Räumlichkeiten tragen zudem dazu bei, dass sich Mitarbeitende kompetent, unabhängig und gleichzeitig mit dem Unternehmen verbunden fühlen.

Methodik

Um die Daten für diesen Bericht zu erheben, befragte Capterra 2.716 Arbeitnehmenden aus den USA, Kanada, Brasilien, Mexiko, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, Spanien, Australien und Japan. Aus Deutschland wurden 246 Angestellte befragt.

„Wahlverlierer ist die EU selbst“

Das durch die EU-Wahl ausgelöste Gewitter tobt sich in vollen Zügen aus. Wichtig erscheint es, die (EU-weiten) Ergebnisse jenseits nationaler politischer Scheuklappen zu analysieren und klare Folgerungen zu ziehen. Dazu haben wir einige Statements angesehener Player aus der Wirtschaft eingefangen.

Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verband e.V.

„Die Europawahl ist entscheidend, um die Richtung der Europäischen Union für die kommenden fünf Jahre zu bestimmen. Deshalb freue ich mich sehr über die für eine Europawahl hohe Wahlbeteiligung. Der hohe Stimmenanteil für populistische Parteien ist absolut erschreckend und zeigt, was für destruktive Kräfte auf unsere Demokratien wirken. Vermeintlich leichte Lösungen gibt es in unserer Welt nicht. Ein zersplitterter Kontinent würde in der Bedeutungslosigkeit versinken – deshalb ist für mich klar: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Europa.“

Mehr Europa dürfe aber nicht mehr Auflagen und Bürokratie bedeuten. Es müsse darum gehen, den Rahmen für Innovation und Wachstum klug zu setzen. „Im Fokus muss die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit stehen. Für Start-ups und Scale-ups ist es wichtig, dass die Kapitalmarktunion in den nächsten Monaten vorangetrieben wird. Nur mit attraktiven Exit-Kanälen und einem dynamischen Kapitalmarkt wird es gelingen, dauerhaft ein starker Startup-Standort zu sein“, so Pausder weiter.

„Mit einem offenen, liquiden Kapitalmarkt steigern wir die Attraktivität der EU als Finanzplatz, verbessern unser Wachstumspotenzial und schaffen mehr rentable Investitionsmöglichkeiten. Ohne stärkere Investitionen in Innovationen verliert Europa technologisch den Anschluss an die USA und China und verbaut sich seine Wachstumsperspektiven.“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

„Die Europawahlen bedeuten eine Schwächung und weitere Polarisierung Europas. Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien haben deutlich gewonnen, in Frankreich löst dies gar Neuwahlen aus. Pro-europäische Parteien und Positionen wurden empfindlich geschwächt. Die entscheidende Frage für die Zukunft Europas wird es sein, ob die Konservativen als stärkste Fraktion weiterhin ausschließlich mit Sozialdemokraten und Liberalen kooperieren werden, oder ob sie in Zukunft auch punktuell mit Parteien am rechten Rand gemeinsame Sache machen. Die Ergebnisse der Europawahlen werden den Wirtschaftsstandort Europa schwächen und dürften für Europa ein weiterer Nachteil im Wettbewerb gegenüber China und den USA bedeuten. Die Chancen einer Vollendung des Binnenmarktes, einer gemeinsamen Industriepolitik und Verteidigungspolitik sowie eine Fortsetzung des Green New Deals haben sich durch diese Wahlen deutlich verschlechtert. Ich erwarte zunehmend nationale Alleingänge – so wie dies die Bundesregierung bereits in den letzten beiden Jahren allzu häufig schon getan hat. Dies wird es China und den USA noch leichter machen, europäische Länder gegeneinander auszuspielen. Deutschland wird zu den größten Verlierern eines gespaltenen Europas gehören, denn die deutsche Wirtschaft hat im globalen Wettbewerb gegenüber China und den USA besonders viel zu verlieren.“

Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

„Verlierer der Wahlen zum Europäischen Parlament sind weniger die Grünen, es ist vielmehr die EU selbst. Parteien, die der EU besonders kritisch bis klar ablehnend gegenüberstehen, verzeichnen europaweit die größten Zuwächse und bringen in Sachsen sogar die absolute Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter sich. Eine Rückkehr zum Tagesgeschäft sollte sich nicht nur in Frankreich und Belgien ausschließen, sie verbietet sich auch in Deutschland. In 15 Monaten finden Bundestagswahlen statt. Die Bundesregierung muss jetzt zeigen, dass sie handlungswillig und handlungsfähig ist. Problemlösungskompetenz und Bürgernähe sind gefragt. Die Stärkung der Wirtschaft, die Modernisierung des Staats und eine leistungsfähige Verwaltung gehören neben der Förderung gesellschaftlichen Zusammenhalts ganz oben auf die politische Agenda. Digitale Technologien sind hier zumindest Teil, oft sogar Kern der Lösung. Auch für die Bundesregierung gilt: Digitalisierung ist eine riesige Chance, sie entfaltet Wirkungen, die unmittelbar bei den Menschen ankommen. Die Bundesregierung sollte jetzt alles auf die digitale Karte setzen.“

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer, VDMA

„Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen uns in Europa stark und schnell aufstellen. Das bedeutet: Die europäischen Parteien sollten sich zeitnah einigen, eine Koalition der Mitte bilden und ihren Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten festlegen, damit die nächste Europäische Kommission sich zusammenfinden und mit der Arbeit beginnen kann. Auch die Mitgliedstaaten sind aufgerufen, die Handlungsfähigkeit der EU nationalen Interessen unterzuordnen. Insbesondere die Entwicklungen in Frankreich dürfen nicht zu einer Blockade führen. Klar ist, dass die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie ganz oben auf der strategischen Agenda der EU für die nächsten fünf Jahre stehen muss. Weniger und gleichzeitig bessere Regulierung und mehr Vertrauen in das Unternehmertun sollten dabei die Leitlinie sein. Der Zulauf an Stimmen für die rechtsextremen Parteien in Europa besorgt. Die Stärkung von politischen Gruppierungen, die Freiheit, Wohlstand und Frieden in Europa eher gefährden als fördern, ist ein alarmierendes Zeichen. Diese Entwicklung ist weder im Interesse der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger noch der Politik. Mehr Überzeugungsarbeit ist gefragt – auch von uns –, um europäische Werte in der Öffentlichkeit zu verankern.“

Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)

„Europa braucht jetzt zügig einen Wachstumsplan. Europa muss handlungsfähig bleiben. Es ist gut, dass die proeuropäischen Parteien im Europäischen Parlament weiterhin klar in der Mehrheit sind. Die Mitglieder des EU-Parlaments müssen jetzt Verantwortung übernehmen und sich zügig auf eine starke Führungsmannschaft mit einem Wachstumsplan für Europa einigen. Der Zuwachs an rechtspopulistischen Abgeordneten ist ein besorgniserregendes Signal. Damit schwindet der Anteil derjenigen, die wie wir Europa gestalten und stärken wollen. Europafeindliche Parteien gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unseren Wohlstand.“

Heike Vesper, WWF-Vorständin für Politik & Transformation

„Die demokratischen Parteien sollten das Ergebnis der Europawahl als Aufforderung verstehen: Der Wahlkampf ist vorbei, jetzt müssen sie gemeinsam an den Lösungen der Zukunftsfragen arbeiten. Die vielfältigen Sicherheits-, Klima-, Energie- und Naturkrisen haben sich nicht über Nacht gelöst. Die Union muss nach den Europawahlen jetzt Verantwortung übernehmen. Es ist tragisch, dass populistische und rechtsextreme Parteien überall in Europa Zulauf haben, obwohl sie keine Antworten auf die drängendsten Zukunftsfragen haben. Als Wahlsieger in Deutschland und auf europäischer Ebene steht die Union in der Verantwortung, nun verlässlich die demokratische Zusammenarbeit an Lösungen zu organisieren. Dafür muss sich aber klar von den populistischen und rechtsextremen Kräften abgrenzen und diese nicht bei Zukunftsfragen als Mehrheitsbeschaffer in den Blick nehmen. Die größte Aufgabe bleibt: Wenn wir unsere Wirtschaft nicht klimaneutral und ressourcenschonend umbauen, werden wir im internationalen Wettbewerb zurückfallen. Wir setzen unseren Wohlstand aufs Spiel. Klima- und Naturschutz sichern unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa. Der Green Deal bleibt eine zentrale Aufgabe für die nächste EU-Legislatur. Unabhängig von der gestrigen Wahl zeigen aktuelle Umfragen, dass für die Mehrheit der Europäerinnen und Europäer Umweltfragen eine zentrale Bedeutung für ihr tägliches Leben haben. Und mehr als vier von fünf stimmen zu, dass EU-Rechtsvorschriften notwendig sind, um Klima und Natur in ihrem Land zu schützen. Angesichts der vielfältigen Krisen sind die Menschen stark verunsichert. Rechtspopulisten machen sich diese Verunsicherung der Menschen zunutze. Deshalb ist es wichtig, dass die weitere EU-Politik die Menschen mitnimmt und sozial absichert. Das steht dick unterstrichen im Hausaufgabenheft der demokratischen Parteien für die nächste Legislaturperiode. Auch weil frühere Regierungen die Lösung dieser drängenden Probleme über lange Zeiten verschleppt haben. Jeder, der verspricht, dass wir es nur so wie ‚früher' machen müssen, trägt nicht zur Lösung bei.“

Public Value Award 2024

Seit 2016 zeichnet der renommierte Public Value Award gemeinwohlorientierte Gründungen aus, die mit ihren Angeboten und Leistungen einen Nutzen für die Gesellschaft stiften und damit einen messbaren Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Die aktuelle Runde ist gestartet - Bewerbungen sind bis 1. Juli 2024 möglich - hier findest du alle Details.

Zeige den PUBLIC VALUE deines Start-ups

Welcher Beitrag zum Gemeinwohl erwächst aus deinem Geschäftsmodell, Produkt oder deiner Dienstleistung? Wie macht dein Start-up Gesellschaft?

Viele Gründer*innen gehen mit ihrer Geschäftsidee gesellschaftlich relevante Themen an. Mit Innovationskraft und Mut wollen sie aktuelle und aufkommende Herausforderungen bewältigen und einen Nutzen für die Gesellschaft stiften. Sie zeigen, was Unternehmertum in der sozial-ökologischen Transformation bewirken und wie es die Zukunft gestalten kann.

Der Public Value Award

Seit 2016 haben sich mehr als 600 Start-ups um den Public Value Award (PVA) beworben. 2021 hat der gemeinnützige Verein Forum Gemeinwohl e.V. die Trägerschaft des Public Value Awards übernommen. Neben den Initiatoren Handelshochschule Leipzig (HHL) und EY sind ZEISS, die Stadt Leipzig und die Leipziger Foren als weitere Partner*innen hinzugekommen. Gemeinsam richten sie den Public Value Award auf die Zukunft aus und möchten damit die Verankerung des Gemeinwohldenkens in jungen Unternehmen im deutschsprachigen Raum voranbringen.

Warum sollte ich mich beim Public Value Award bewerben?

Mit deiner Bewerbung beim Public Value Award kannst du mehr über die gesellschaftliche Wirkung deines Geschäftsmodells erfahren und den eigenen Purpose sichtbarer werden lassen – gegenüber Investor*innen, Kund*innen und Mitarbeiter*innen und gegenüber dir selbst.

Die Jury bewertet dein Start-up anhand der Public Value Scorecard. Grundlage für ihre Bewertung sind deine eingereichten Unterlagen inklusive deiner Bewertung innerhalb der Public Value Scorecard deiner Bewerbung. Sofern du es ins Finale schaffst, zählen außerdem dein finaler Pitch sowie die Antworten, die du auf die anschließenden Fragen geben kannst.

Gründer*in der Woche: Viride - Algen als Commodity-Produkt

2021 haben Stefan Schmid und David Plischke ihr Start-up Viride gegründet. Seither treiben die beiden in der Sahara die Produktion von Mikroalgen im Salzwasser voran, bringen damit zugleich den Klimaschutz weiter und helfen, CO2 einzusparen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Stefan.

Auf eurer Website ist zu lesen: „Algen steht eine große Zukunft bevor.“ Was ist damit konkret gemeint?

Ja, das stimmt. Wir bei Viride sind tatsächlich davon überzeugt, dass die Zeit reif ist für Algen. Mikroalgen gibt es schon seit Ewigkeiten, sie gehören zu den ersten Lebewesen, die diese Welt bevölkert haben. Auch Makroalgen kennen wir schon lange, heute werden sie vor allem in der asiatischen Küche eingesetzt. Aufgrund steigender Temperaturen und vermehrter Dürren verursacht durch den Klimawandel gibt es nun immer größeren Bedarf, Mikroalgen im Salzwasser zu produzieren und somit eine klimaresiliente Möglichkeit zur Erzeugung pflanzlicher Proteine und Öle zu schaffen. Wenn man diese Option zu Ende denkt, dann gelangt man zu Algenplantagen, die wie Landwirtschaft funktionieren. Wir sind überzeugt, dass sich das Produktionsvolumen von Mikroalgen so von wenigen 10-Tausend Tonnen pro Jahr auf viele Millionen Tonnen steigern wird.

Worin liegt somit der größte Wert von Algen? In ihren Anwendungsmöglichkeiten und/oder ihren Eigenschaften?

Genau darum geht es, Algen haben aufgrund ihrer Inhaltsstoffe vielseitige Anwendungsmöglichkeiten. Heute sind die Produkte aus Algen häufig hochpreisig, als Endkund*in kennt man Algen zum Beispiel aus veganen Omega-3 Kapseln, die man als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt. Im B2B-Bereich werden Algen häufig auch als natürlicher Farbstoff für die Nahrungsmittelindustrie eingesetzt. Tatsächlich ist ihr Anwendungsbereich aber noch viel größer. Mikroalgen können vom Farbpigment über Pharmaprodukte bis hin zu Futtermitteln für Fische oder sogar CO2-neutralen Kraftstoffen in sehr viele Produkte verwandelt werden. Der Grund ist einfach: Mikroalgen enthalten vor allem wertvolle Pigmente, pflanzliche Proteine sowie – je nach Alge – einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren. Wenn man die Zellen öffnet und die jeweiligen Produkte isoliert, kann eine Algenzelle verschiedene Kundengruppen und Einsatzzwecke bedienen.

Nun zu eurem Start-up: Wann und wie bist du zusammen mit deinem Mitgründer David auf die Idee zu Viride bzw. zum Algenzüchten gekommen?

David und ich sind begeisterte Skifahrer. Leider steckten wir mitten in Corona-Pandemie in einem Stau auf der Autobahn fest. Aus Interesse und mit den Reflexen von Unternehmensberatern, die wir damals waren, fingen wir an, Autos zu zählen, Kraftstoffmengen und CO2-Ausstöße zu berechnen und wir kamen zu der Erkenntnis, dass alle Flächen der Welt nicht ausreichen würden, um durch die Aufforstung mit Bäumen den CO2-Ausstoß unserer Welt zu neutralisieren. Da war für uns die Lösung klar: Wir brauchen eine bessere Technologie als Bäume, um Kohlenstoff zu binden. Wie wäre es mit Algen? Diese wachsen schließlich exponentiell, brauchen kein Frischwasser und können auch dort wachsen, wo heute nichts steht: In den Wüsten dieser Welt, soweit sie sich in Meeresnähe befinden oder anderweitig Zugang zu Salzwasser haben. Und so ging es los: Direkt nach dem Skiwochenende fingen wir an, in Marokko Testbecken für eine Algenproduktion zu errichten.

Was waren dann die wichtigsten Steps bzw. größten Herausforderungen von der Viride-Gründung bis zum Start der Algenfarm in Marokko?

Das Wichtigste war, vor Ort anzufangen. Natürlich hatten wir Business Cases gerechnet, aber niemand konnte uns sagen, welche Algen wir lokal finden würden und wie sich diese in offenen Becken im Jahresverlauf verhalten würden. Hier war erst einmal Grundlagenforschung angesagt. Im Laufe der Zeit stellte sich dann heraus, was funktionierte und was nicht. Dann folgte der Aufbau unserer Pilotanlage mit einer Größe von 10.000 qm, was ein wirklich großer Meilenstein für uns war. Aus heutiger Sicht war das aber nur der Beginn einer weiteren Reise, denn eine Algenproduktion aufbauen und sie zu betreiben, sind zwei Paar Schuhe! Seither haben wir riesige Sprünge gemacht im Management unserer Pilotfarm, der Algenernte und der Instandhaltung. Denn man darf nicht vergessen: Wir sind mitten in der Sahara, ohne Frischwasser- oder Stromanschluss, einzig auf unsere Solaranlagen angewiesen. Und Algenzucht in der Wüste bedeutet natürlich auch, viel Salzwasser zu bewegen. Das musste alles gelernt und optimiert werden.

Was ist das Besondere an Viride und wie unterscheidet ihr euch von anderen Algenzüchter*innen, bspw. jenen, die in Deutschland produzieren?

Wir sehen die Algenproduktion als Landwirtschaft auf höchstem Qualitätsniveau. Um wirklich große Volumen zu erreichen, dürfen Algen nicht nur teures Luxusprodukt sein, sondern müssen auch massentauglich werden. Dafür sind große Produktionsmengen nötig, aber auch wettbewerbsfähige Preise im Vergleich zu weniger nachhaltigen Alternativprodukten wie Soja oder Palmöl. Daran arbeitet Viride intensiv. Hierbei setzen wir auf Photosynthese statt auf Fermentierung, wir setzen auf Fläche statt auf maximale Produktivität auf kleinem Raum. Im Kern nutzen wir die lokalen Vorteile, die uns eine warme Wüste in Meeresnähe gibt, während Algenzüchter*innen in nördlicheren Breiten ihre Produktion auf wenig Platz, kalte Winter, wenig natürlichem Licht, dafür aber auf den stärkeren Einsatz von Technik optimieren. Letztendlich streben wir in unserem Geschäftsmodell niedrigere Cap-Ex, niedrigere Op-Ex und niedrigere Emissionen bei gleichzeitiger Skalierbarkeit an.

Wer sind eure Kund*innen?

Stand heute sind wir Pre-Revenue, was sich aber in Kürze ändern wird. Unsere Kund*innen stammen vor allem aus der Nahrungsergänzungsindustrie, aber wir sprechen auch intensiv mit Zulieferern von natürlichen Farbstoffen in der Lebensmittelindustrie. Anfragen erreichen uns dabei nicht nur aus Deutschland oder Europa. Auch Kund*innen aus Indien und den USA haben regelmäßig Anfragen, denn in Summe gibt es immer noch viel zu wenige Anbieter für viele Algenprodukte – vor allem in den dunkleren, kühleren Wintermonaten.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

Tja, wir haben den Gürtel enger geschnallt. Uns selbst haben wir bisher über Ersparnisse finanziert, den Aufbau der Firma und die Bezahlung unserer Mitarbeiter*innen konnten wir bisher maßgeblich durch Nachrangdarlehen stemmen. Dieser kombinierte Boot-Strapping und Crowdfunding-Ansatz kommt allerdings an Grenzen, weshalb wir nun froh sind, erfolgreich eine Seed Equity Runde durchgeführt zu haben.

Aktuell bietet ihr zwei spannende Investment-Optionen für alle, die euch unterstützen wollen, an. Bitte erkläre doch kurz, was genau ihr Investor*innen bietet?

Korrekt, wir sind immer froh, wenn wir Personen kennenlernen, die sich wie wir für Nachhaltigkeit durch Algen begeistern und auch gerne in unser Geschäftsmodell investieren möchten. Da natürlich nicht jede(r) über dasselbe Portmonee verfügt, haben wir zwei Optionen. Bereits ab 100 Euro haben wir Projekte, die wir mit Crowdfunding finanzieren. Hier geht es oft um einzelne Maschinen oder den Aufbau von Becken. Die Investor*innen profitieren hier von einem attraktiven Zinssatz. Für Business Angels ab 50.000 Euro bieten wir die Möglichkeit, sich über Wandeldarlehen direkt an der Viride GmbH zu beteiligen. Die nächste Wandlung ist zur Series A.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Steps nach den Investment-Kampagnen?

Umsatz und Volumen. Unser kurzfristiges Ziel ist es, Algen aus Marokko in die EU zu exportieren und die versprochene Qualität kontinuierlich zu liefern. Extrem relevant ist zudem, dass wir uns auf Nachhaltigkeit zertifizieren lassen. Den CO2-Footprint über den gesamten Lebenszyklus unserer Algen zu messen und immer weiter zu optimieren ist nicht nur strategisch für uns sehr wichtig, es ist zunehmend auch der Maßstab, mit dem der Einkauf unserer Kunden die Produkte bewertet. Jenseits der Regulatorik und der Betriebswirtschaft steht zudem der weitere Ausbau unsere Produktportfolios im Vordergrund.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Für mich persönlich ist das Netzwerken ein echter Game Changer. Man kann keine Schlacht alleine gewinnen. David und ich sind ein super Team. Aber ein Unternehmen ist viel mehr als die Gründer. Man sollte offen sein für Partnerschaften und Kooperationen. Ideen von außen und Feedback sind immer gut. Lasst euch von Investor*innen kritisch hinterfragen – aber nicht vom Weg abbringen. Mit vielen Menschen zu sprechen und die besten davon auf die Reise mitzunehmen, hat uns bisher viel geholfen!

Hier geht's zu Viride

Das Interview führte Hans Luthardt

EY Biotechnology Report 2024

Der Report belegt steigende Investitionen in deutsche BioTechs, wobei die Frühphasenfinanzierung Sorgen bereitet. Für Optimismus sorgen gut gefüllte Pipelines und KI-Anwendungsmöglichkeiten.

Die Kapitalaufnahme stieg im Jahr 2023 auf 1,1 Milliarden Euro – ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als 921 Millionen Euro eingesammelt werden konnten. Der aktuelle Wert liegt damit wieder in etwa auf dem Vor-Pandemie-Niveau – allerdings deutlich unter den Summen, die während der Corona-Krise 2020 (3,1 Milliarden Euro) und 2021 (2,3 Milliarden) in der Biotechnologie-Branche in Deutschland erzielt wurden. Im Verlauf der Krise konnten zahlreiche hiesige Unternehmen des Sektors mit ihrer Expertise einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie weltweit leisten.

Investitionen in Form von Venture Capital stiegen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls an, von 465 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 533 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Allerdings: Fast die Hälfte dieser Summe (255 Millionen Euro) ging an ein einzelnes Unternehmen, die ITM Isotope Technologies Munich SE aus München. Und auch im internationalen Vergleich erscheinen die Investitionssummen eher gering: In Deutschland wurden 0,01 Prozent des BIP in BioTech investiert, während es im restlichen Europa immerhin 0,02 Prozent und in den USA sogar 0,05 Prozent waren.

Frühphasenfinanzierung bleibt herausfordernd

Herausfordernd bleibt die Lage vor allem, was die Frühphasenfinanzierung zu Beginn der Unternehmensgründung betrifft: 2023 wurde Kapital in Höhe von 203 Millionen Euro von BioTech-Start-ups in der Frühphase eingesammelt, was den geringsten Wert der vergangenen sechs Jahre darstellt und auch deutlich unter dem Schnitt dieses Zeitraums (325 Millionen Euro) liegt. Insgesamt gab es achtzehn Investitionsrunden in der Frühphase, das durchschnittliche Transaktionsvolumen schrumpfte auf elf Millionen Euro und lag damit deutlich unter dem 6-Jahres-Durchschnitt von 21,2 Millionen Euro.

Insgesamt lag der Gesamtumsatz der BioTech-Branche im Jahr 2023 bei 12,7 Milliarden Euro – ein Minus von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatzeinbruch ist vor allem auf die rückläufige Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen zurückzuführen. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg dagegen um zehn Prozent auf 61.705 Angestellte in inzwischen 996 Unternehmen (plus drei Prozent). Die Unternehmenszahl setzt sich aus 784 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland und 212 deutschen Tochtergesellschaften zusammen.

Zweites Jahr in Folge ohne BioTech-Börsengang

Zum zweiten Mal in Folge gab es keinen Börsengang (IPO) eines deutschen BioTech-Unternehmens. Dieser Trend ist vor allem vor dem Hintergrund, dass IPOs eine wichtige Exit-Möglichkeit für Investor*innen darstellen, herausfordernd. Die Tatsache, dass die letzten zehn Börsengänge allesamt an der US-amerikanischen NASDAQ stattfanden – und das letzte Debüt an einer deutschen Börse im Jahr 2016 – unterstreicht den Negativ-Trend. Zum Vergleich: In Europa gab es im vergangenen Jahr nur zwei Börsengänge, in den USA waren es dagegen 16 IPOs.

Das sind die zentralen Ergebnisse des Deutschen Biotechnologie-Reports 2024 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, der in enger Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland erstellt wurde.

Unbefriedigende Finanzierungssituation der BioTech-Branche

Klaus Ort, Partner bei EY und Leiter des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen: „Die Finanzierungsschwierigkeiten junger BioTech-Start-ups stellen eine große Herausforderung für das nachhaltige Wachstum der Branche in Deutschland dar, auch mit Blick auf die wirtschaftlich schwierige Gesamtgemengelage. Speziell die Situation in der Frühphase ist alarmierend, denn dies ist die Phase, die enorm wichtig für das zukünftige Wachstum des Sektors ist. Sie ist entscheidend, wenn es darum geht, innovative Ideen zu potenziellen Produkten mit entsprechenden Umsatzchancen weiterzuentwickeln. Denn Fakt ist: Das Potenzial und die Stärke sind in der Branche vorhanden.“

Ein Grund für die noch unbefriedigende Finanzierungssituation der Branche sei unter anderem, dass es großen Geldgebern wie etwa Pensionsfonds, Versicherungen und anderen institutionellen Investoren noch verwehrt ist, stärker in risikobehaftete Assetklassen, wie BioTech-Unternehmen, zu investieren, erläutert Oliver Schacht, Präsident BIO Deutschland e.V.: „Grundsätzlich sind wir aber in Deutschland auf dem richtigen Weg. Der Zukunftsrat des Bundeskanzlers hat wichtige Maßnahmen für einen starken Biotech-Standort skizziert. Die EU-Kommission hat eine deutliche Stärkung von Biotechnologie und Bioproduktion empfohlen. Der Anschluss an die USA und China kann noch gelingen, wenn wir jetzt endlich ins Handeln kommen und die vielen richtigen Empfehlungen umsetzen.“

Volle Pipelines lassen hoffen

Trotz aktueller Herausforderungen und zurückhaltender Investoren: Die Pipelines deutscher BioTechs sind derzeit noch besser gefüllt als in den Vorjahren. Vor allem in klinischen Phase 1 (60 klinische Studien, sechs mehr als im Jahr 2022) und Phase 2 (92 klinische Studien, zwölf mehr als im Jahr 2022). Die Anzahl der klinischen Studien in Phase 3 blieb 2023 im Vergleich zum Vorjahr konstant und liegt bei 17. Die breit aufgestellte klinische Pipeline umfasst dabei innovative Therapien aus allen Arten von Medikamentenklassen. Der Fokus liegt nach wie vor auf dem Gebiet der Krebsforschung mit 94 laufenden klinischen Studien zur Therapie verschiedener Arten von Krebs. Die Suche nach Möglichkeiten, Infektionskrankheiten zu bekämpfen, folgt auf Platz zwei, hier laufen aktuell 23 klinische Studien.

Schacht: „Gut gefüllte Pipelines sind ein starkes Signal der Branche – an potenzielle Investoren, aber auch an die Gesellschaft. Denn deutsche BioTechs leisten mit ihrer Forschungsarbeit bei wichtigen Gesundheits- und Ernährungsthemen einen entscheidenden Beitrag für die Suche nach Lösungen für Herausforderungen, die uns alle betreffen.“ So arbeiten BioTech-Unternehmen aus Deutschland beispielsweise an nachhaltigen Alternativen zu konventionellen Lebensmitteln. Wichtig sei aber auch, dass wir unsere Erfindungen „Made in Germany“ durch Patente schützen können, ergänzt Schacht. Denn nur dann seien sie für Investoren interessant und hätten dadurch eine Chance einmal als Innovation Patient*innen und Konsument*innen zu erreichen.

KI als Innovator der Biotechnologie

Weiteres Top-Thema der Branche sind die Anwendungsmöglichkeiten künstlicher Intelligenz – und diese sind bei BioTechs so verschieden und riesig wie in wenigen anderen Branchen. Nicole Damani, Partnerin bei EY und Life Sciences Strategy and Transactions Lead: „Künstliche Intelligenz hilft Biotech-Unternehmen schon heute: Die neue Technologie kann den Entwicklungsprozess von Arzneimittelkandidaten beschleunigen, Ausfallraten verringern, und sogar bessere Ergebnisse, zum Beispiel in Form völlig neuer oder optimierter Medikamente, liefern. Schon heute werden jedes Jahr fast 500 Medikamentenkandidaten mithilfe künstlicher Intelligenz entwickelt – Tendenz steigend.“

Klaus Ort von EY ergänzt: „Ob es um die Simulation klinischer Studien, die Auswertung großer Datenmengen oder die Entwicklung personalisierter Medikamente geht: Die BioTech-Branche steht am Anfang dieser Entwicklung, die ein riesiges Potenzial birgt, um die nächste Phase der biowissenschaftlichen Innovation einzuläuten. Bei allem angebrachten Optimismus müssen wir dabei allerdings gerade im Gesundheitsbereich die ethischen und gesellschaftlichen Folgen durch den Einsatz von KI immer vor Augen haben.“

Beliebt: BioTech Made in Germany

Was – neben innovativen Produkten, KI-Anwendungsmöglichkeiten und gut gefüllten Pipelines – außerdem Hoffnung macht: Die Beliebtheit von „BioTech Made in Germany“ bei internationalen Investoren und Kooperationspartnern bleibt unverändert hoch, was sich in der Zusammensetzung der Finanzierungskonsortien bei den gut finanzierten VC-Runden und den anhaltend hohen Transaktionsvolumen bei den Partnerschaften widerspiegelt. Zudem fand Anfang dieses Jahres die größte M&A-Transaktion in der Geschichte der deutschen Biotech-Industrie statt: MorphoSys unterzeichnete eine Übernahmevereinbarung mit Novartis in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus fand auch der größte M&A-Exit eines deutschen Biotech-Unternehmens seit 2020 statt, die Übernahme von Cardior Pharmaceuticals aus Hannover durch Novo Nordisk für eine Milliarde Euro.

Hier kannst du die vollständige Studie kostenlos bestellen.

DeepSkill: Kölner EdTech-Start-up erhält 1,5 Mio. Euro Wachstumskapital

Die 2020 von Miriam Mertens und Peter Goeke gegründete digitale Lernplattform DeepSkill erhält 1,5 Mio. Euro Wachstumskapital von Investor*innen sowie Forschungszulagen für Tech-Entwicklungen des Bundesministeriums für Wirtschaft.

Der rasante Aufschwung der künstlichen Intelligenz beschert uns eine unfassbare Datenmenge und unendliche Möglichkeiten zur Automatisierung, Analyse und Datenverarbeitung. Aber was ChatGPT und Co. nicht können: Empathie, menschliche Verbundenheit und Führung.

Hier setzt DeepSkill den Hebel an: Das Kölner Start-up unterstützt Unternehmen dabei, in Zeiten von Digitalisierung und dem wachsenden Einfluss künstlicher Intelligenz die emotionalen Fähigkeiten, sogenannte „Human Skills“, seiner Mitarbeitenden zu schulen. Entscheidend ist dabei die Kombination beider Welten: Auf der Training-as-a-Service-Plattform werden intelligente Algorithmen und Datenverarbeitung genutzt, um maßgeschneiderte Lernprogramme für Unternehmen zu erstellen. Die Programme fördern Schlüsselkompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösung, Empathie und Kooperationsfähigkeit.

Dass dieses Konzept aufgeht, hat die aktuelle Finanzierungsrunde erneut bewiesen: Rund die Hälfte des Geldes erhielt DeepSkill von einem breiten Spektrum an Neu-Investor*innen, darunter Angel-Investorinnen aus dem encourageventures-Netzwerk sowie Ex-CHRO der Lufthansa und Founder Great2Know Dr. Bettina Volkens: „Miriam Mertens setzt mit DeepSkill neue Maßstäbe dafür, wie wir Technologie nutzen können, um unsere menschlichen Qualitäten zu stärken und zu erweitern. Mit DeepSkill investieren wir in eine Zukunft, in der Menschlichkeit und Technologie Hand in Hand gehen.“

Unter den Bestandsinvestor*innen, die das Potenzial des Kölner Start-ups als Brückenbauer zwischen künstlicher Intelligenz und emotionaler Intelligenz früh erkannten, sind unter anderem der High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Kienbaum. Beide haben erneut signifikante Summen in das Start-up investiert. Auch die Angel-Investorin Anna Kaiser sieht das große Potenzial: „DeepSkill ist eine wichtige Investition in unsere Arbeitskräfte. Die Plattform ist entscheidend für die Entwicklung einer Generation, die sowohl technisch versiert als auch emotional kompetent ist, was in unserer zunehmend automatisierten Welt immer wichtiger wird.“

Die neue Finanzierung soll dazu verwendet werden, zusätzliche Features zu entwickeln, die die Lernerfahrung und Effektivität des Trainings weiter verbessern – auch durch KI-optimierte Lernpfade. So wird die Vision weiterverfolgt, Menschen und Organisationen weltweit zu befähigen, mit den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt umzugehen. Für einen zukünftigen europaweiten Roll-Out der Plattform will DeepSkill seine internationalen Beziehungen weiter ausbauen. DeepSkill-Co-Gründerin und CEO Miriam Mertens: „Mit der Unterstützung unserer Investor*innen, die die Bedeutung von emotionaler Intelligenz in der technologisch fortgeschrittenen Arbeitsumgebung erkennen, sind wir gut positioniert, um unsere führende Rolle im Bereich der Personalentwicklung weiter auszubauen."

Gründer*in der Woche: Forget Finance – die Spar- und Investment-App für Paare

Konradin (Koin) Breyer und Jurek Herwig haben mit Forget Finance die erste Spar- und Investment-App Europas für Paare entwickelt, um Beratungslücken in der digitalen Finanzwelt mithilfe von Behavioral Finance zu schließen.

Deutschland hat ein Problem. Fast alle wissen davon, fast alle sind betroffen, aber eine Lösung ist nicht in Sicht: Altersarmut. Schon heute reichen für viele Rentner*innen ihre monatlichen Bezüge nicht mehr. Und durch das Umlageverfahren des deutschen Rentensystems wird es für die jüngeren Generationen im Alter voraussichtlich sogar noch prekärer. Daran wird auch das Rentenpaket II nichts ändern können.

Private Vorsorge ist also unumgänglich. Das begreifen auch mehr und mehr Menschen in Deutschland – und legen ihr Geld eigenständig für ihr Alter an. Eine Entwicklung, die auch auf neue Player wie Neo-Broker, Trading Apps und Robo-Advisor zurückzuführen ist. Sie erleichtern Anfänger*innen den Einstieg und machen Finanzprodukte einer breiten Masse zugänglich. Zudem vermitteln zahlreiche Blogs, Apps und Social Media Channel Finanzwissen in leicht verdaulichen Häppchen. Dennoch unterlaufen den meisten Anleger*innen Fehler, die sie ordentlich Rendite kosten. Laut Vermögensverwalter Vanguard im Schnitt rund drei Prozent jährlich.

Aus Fehlern lernen

Ein Umstand, der auch Konradin Breyer, genannt Koin, immer wieder auffiel: „Ich habe in den letzten Jahren zahlreiche Freund*innen, Kolleg*innen und mittlerweile auch Kund*innen in Geldanlagefragen beraten. Dabei habe ich die immer gleichen Muster bemerkt, die schuld waren, dass deutlich weniger Geld in den Depots steckte, als eigentlich möglich gewesen wäre. Angefangen bei dem Fehlen konkreter Ziele, über die Fehleinschätzung der eigenen Kenntnisse, bis hin zu emotional getriebenen Entscheidungen“, berichtet er. Das sei auch kein Wunder. Die gängigen Trading-Plattformen und Apps würden ihre Nutzer*innen nicht vor solchen teuren Fehlern bewahren. „Das ist nicht Teil ihres Geschäftsmodells“, erklärt Koin. Gemeinsam mit seinem Co-Founder Jurek Herwig hat er deshalb die Spar- und Investment-App Forget Finance entwickelt.

„Sport und Finanzen sind sich ähnlich

Koin selbst interessiert sich schon seit seiner Kindheit für Finanzen und investiert seit er 15 Jahre alt ist. Ein Erbe brachte ihn damals dazu, sich beim Berater seiner Hausbank über Geldanlage zu informieren. Dieses Gespräch nahm er zum Anstoß, um mit dem Anlegen zu beginnen. Und er ging sogar noch weiter: Neben seinem Beruf ließ er sich zum zertifizierten Finanzanlagenvermittler ausbilden. Vor der Gründung von Forget Finance verantwortete Koin den Aufbau von Freeletics, einer der weltweit erfolgreichsten Fitness-Coaching-Apps. „Freeletics ist damals angetreten, um Nicht-Expert*innen zu helfen, ihre Fitnessziele zu erreichen. Über praktische Anleitungen und personalisierte Trainingspläne“, erzählt er. Genau diesen Ansatz wollte er auf die Geldanlage übertragen. „Denn gut aufgestellte Finanzen haben – wie Sport – einen positiven Einfluss auf das eigene Befinden. Das sollte nicht nur Finanz-Nerds vorbehalten sein.“

Eine gemeinsame Mission

In Jurek Herwig fand er schließlich den passenden Co-Founder. Beide kannten sich schon länger über ihre Partnerinnen. Jurek hatte zuvor als CTO von Neugelb mit mehreren Teams die App der Commerzbank aufgebaut. Und er teilte Koins Wunsch, Finanzen radikal einfacher zu machen. Gemeinsam starteten sie 2020 mit der Entwicklung ihrer Finanz-App, die die massive Beratungslücke in der digitalen Finanzwelt schließen sollte. „Mit Forget Finance haben wir eine App gebaut, die an die Hand nimmt, mitdenkt und proaktiv Empfehlungen und Tipps gibt. Wir kombinieren die Vorteile einer persönlichen Finanzberatung mit einer intuitiven App“, so Koin. „Unser Anspruch war von Anfang an: Wir beraten unsere Kund*innen so, wie wir unsere Freund*innen beraten würden. Nämlich ohne teure, unflexible Produkte. Dafür mit einem Fokus auf die individuellen Ziele, Wünsche und holistischen Lebensplanung der Menschen“, ergänzt Jurek.

In die Konzeptionsphase wurden knapp 10.000 Nutzer*innen über Interviews und Finanzcoachings miteinbezogen. Außerdem fand eine enge Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Digital Finance der Technischen Universität München statt. Denn die Forget-Finance-App basiert auf Erkenntnissen aus der Kapitalmarktwissenschaft und Verhaltensökonomie, auch bekannt als Behavioral Finance. Diese setzt sich mit den Auswirkungen menschlicher Emotionen und Verhaltensweisen auf Finanzentscheidungen auseinander.

Idee überzeugt namhafte Investor*innen

Bereits zwei Monate nach der Gründung konnten Jurek und Konradin mit ihrer Idee erste Investoren wie interhyp-Gründer Marcus Wohlsdorf und Hanno Renner, Gründer von Personio, überzeugen. In der Seed-Finanzierungsrunde 2021 stiegen auch Wagniskapitalgeber wie b2ventures und UVC Partners bei Forget Finance ein. Insgesamt konnte das Fintech so 4,2 Millionen Euro einsammeln. Mit dem Kapital wurden weitere App-Features entwickelt und vor allem neue Anlage-Portfolios für sämtliche Risikoprofile und Zeithorizonte hinzugefügt. Außerdem erweiterte Jes Hennig die Geschäftsführung, der in den Jahren zuvor die Gen Z-Neobank Ruuky mitgegründet hatte.

Neue Lücke entdeckt

Ende 2023 entdeckte dieser neues Wachstumspotential. „Wir haben bemerkt, dass unsere App vor allem innerhalb der Familie weiterempfohlen wird, allen voran an die Partner*innen“, so Jes. „Zudem ist uns aufgefallen, dass es kein Produkt zum gemeinsamen Sparen und Investieren gibt, das modernen Beziehungen gerecht wird.“

Denn Geld spielt früher oder später in jeder Partnerschaft eine Rolle: Wer zahlt was? Welche Aufteilung ist wirklich fair? Wie können gemeinsame finanzielle Ziele erreicht werden? Gleichzeitig leben Menschen heute jedoch selten ihr Leben lang in einer klassischen Ehe- oder Familienkonstellation. Daher ist beispielsweise das Gemeinschaftsdepot längst nicht mehr zeitgemäß.

Der nächste Schritt war daher glasklar: Forget Finance wird die erste Spar- und Investment-App Europas für moderne Paare. Seit Anfang des Jahres können Menschen nun sowohl für sich selbst als auch gemeinsam Vermögen aufbauen – unkompliziert innerhalb der App und immer mit getrennten Depots. „Für uns ist das die perfekte Kombination aus Wir-Gefühl und Unabhängigkeit“, beschreibt Koin diesen Schritt. „Wir haben in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden, dass sich in den meisten Beziehungen nur eine Person um die Finanzen kümmert. Mit unserem Ansatz möchten wir auch Menschen, die bisher weniger Berührungspunkte mit dem Vermögensaufbau hatten, an das Thema heranführen“, ergänzt Jes.

Mehr Gleichberechtigung schaffen

Das Team möchte mit der neuen App auch für mehr Gleichberechtigung und finanzielles Wohlbefinden innerhalb von Beziehungen zu sorgen. „Am Anfang einer Partnerschaft geht es vielleicht ,nur‘ darum das Urlaubsbudget gerecht aufzuteilen. Aber spätestens mit der Geburt eines Kindes wird es sehr wichtig, die Finanzen ordentlich zu regeln“, erklärt Koin. Schließlich ändere sich dann häufig die Einkommens- und Care-Arbeitsverteilung. Die Daten zu Gender Pay und Gender Pension Gap belegen, dass gerade mit der Geburt des ersten Kindes Frauen in eine wirtschaftlich schlechtere Lage geraten.

Dass Investitionen in den Kapitalmarkt hier Abhilfe schaffen können, zeigen die neuesten Zahlen der Bundesbank. Trotz Inflation stieg 2023 das Geldvermögen hierzulande auf ein Rekordniveau. Ein wesentlicher Treiber sind Kursgewinne bei Aktien und Anteilen von Investmentfonds. „Laut deutschem Aktieninstitut legt derzeit erst jede(r) Sechste im Alter ab 14 Jahren Geld an. Die Hälfte der Vermögen von deutschen Privathaushalten wird aber noch als Bargeld gehalten oder als Tages- oder Festgeld geparkt. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass sich auch der Rest der Menschen an die Kapitalmärkte traut – und dort auch wirklich das gesamte Potenzial ausschöpft”, schließt Koin ab. „Ganz unabhängig von Einkommen, bisherigem Vermögen und finanzieller Bildung.“

ecoLocked: 4 Mio. Euro, um den CO2-Fußabdruck der Bauindustrie zu bekämpfen

Das Berliner ClimateTech-Start-up ecoLocked entwickelt kohlenstoff-negative Baumaterialien und verwandelt Gebäude und Infrastruktur in die größte, von Menschen geschaffene Kohlenstoffsenke.

EcoLocked, das 2021 von CEO Mario Schmitt, CTO Micheil Gordon und CCO Stefanie Gerhart in Berlin gegründete Climate-Tech-Start-up, entwickelt funktionale, kohlenstoff-negative Baumaterialien, um den Netto-CO2-Fußabdruck von Bauprojekten zu reduzieren. Jetzt hat das Unternehmen den Abschluss seiner 4 Mio. Euro Seed-Finanzierungsrunde bekannt gegeben. Die Runde wurde von VCs Matterwave Ventures und Climentum Capital angeführt, mit Beteiligung der bestehenden Investoren Counteract, SFO, Sabanci Building Solutions und Voyagers.

Technologien zur Abscheidung von Kohlendioxid (CDR) sind ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung des Klimawandels. Auf Biochar Carbon Removal (BCR) entfallen 94 % der im Jahr 2023 ausgegebenen CO2-Zertifikate. Mit ihrem innovativen Ansatz der Umwandlung von sequestriertem Kohlenstoff in hochleistungsfähige Baumaterialien bietet ecoLocked den Herstellern von Biokohle Zugang zu einer hochgradig skalierbaren Endanwendung und erschließt Gebäude und Infrastruktur als größte vom Menschen geschaffene Kohlenstoffsenke.

Die erste Produktlinie, eLM Zero, ist ein Zusatzstoff, der kohlenstoff-neutralen Beton ermöglicht. Mehrere Betonhersteller in der DACH-Region und den Niederlanden haben eLM Zero bereits in ihr Produktportfolio aufgenommen. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit führenden Akteuren der Zementindustrie zusammen und kooperiert mit Kommunen und Immobilienentwicklern, um den CO2-Fußabdruck von Bauprojekten zu minimieren.

„Um die Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, reicht es nicht aus, die Emissionen zu reduzieren: Kohlenstoff muss aus der Luft entfernt und sicher gespeichert werden. Biokohle ist eine der billigsten und am besten skalierbaren Lösungen dafür, und ihre Beimischung zu Baumaterialien bietet eine wirksame Möglichkeit, die Baubranche unmittelbar zu dekarbonisieren“, erklärt Ines Kolmsee, General Partner bei Matterwave Ventures, einem VC, der in die nachhaltige Zukunft der europäischen Industrie investiert. „In diesem Zusammenhang spielt ecoLocked eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen dem Biokohlemarkt und der Bauindustrie.“

„Die Emissionen von Baumaterialien machen 15 % der europäischen Kohlenstoffemissionen aus und sind nur sehr schwer zu vermeiden. Wir haben uns eine breite Palette von Technologien angeschaut und uns für ecoLocked entschieden, da es eine Lösung bietet, die bereits heute funktioniert und sehr gut mit zukünftigen Dekarbonisierungstechnologien für Beton kombiniert werden kann“, bemerkt Dörte Hirschberg, General Partner bei Climentum Capital, einer Risikokapitalgesellschaft, die in europäische Dekarbonisierungs-Champions investiert.

EcoLocked wird die neuen Mittel nutzen, um seine Produktionsanlage zu erweitern, zusätzliche Produktlinien einzuführen und die Abnahme seiner Produkte zu beschleunigen. Mit Investitionen in sein Forschungs- und Entwicklungsteam wird ecoLocked außerdem seine KI- gesteuerte Plattform ausbauen, die es dem Unternehmen ermöglicht, die Variabilität der Rohstoffe - eine große Herausforderung für den Bausektor - zu nutzen, um auf effiziente Weise konsistente, hochwertige Produkte herzustellen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zukunft der Kohlenstoffabscheidung in der Entwicklung von Produkten liegt, die den abgeschiedenen Kohlenstoff nicht nur über lange Zeiträume speichern, sondern auch in wertvollen Ressourcen für lokale Industrien, wie z.B. den Bausektor, verwandeln. Die neue Finanzierung wird es uns ermöglichen, unser Produktportfolio zu erweitern und unsere Aktivitäten mit Hilfe starker neuer Partner auszubauen", sagt Dr. Mario Schmitt, CEO von ecoLocked.

Packwise: Dresdner IoT-Start-up sichert sich siebenstelligen Betrag

Packwise wächst weiter: Der TGFS Technologiegründerfonds Sachsen investiert u.a. zusammen mit Hüttenes hoch drei einen Mio.-Betrag in das 2017 gegründete IoT-Start-up für die anstehende Internationalisierung nach Nordamerika.

Packwise ist auf das Vernetzen von Industrieverpackungen spezialisiert und bietet seinen Kund*innen eine Sensor-basierte SaaS-Lösung an. 2017 fiel der Startschuss mit Gründung durch Gesche Weger, Felix Weger und René Bernhardt. Klares Ziel von Beginn an: Das Supply-Chain-Management in der Prozessindustrie zu revolutionieren und hier neue Standards zu setzen. Und das ist gelungen: Packwise konnte bekannte Industriekunden wie BASF, Merck oder Solvay gewinnen. Der TGFS Technologiegründerfonds Sachsen ist, zusammen mit den weiteren Investoren Hüttenes hoch drei und Golzern Holding, nahezu von Beginn an mit an Bord und bleibt auch nach dieser Runde Leadinvestor.

Packwise: innovative Industrial IoT-Lösung

Packwise bietet eine innovative Industrial IoT-Lösung, die es Kund*innen der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie ermöglicht, Transparenz entlang der Lieferkette zu gewinnen. Das Plug&Play-Gerät Packwise Smart Cap schafft neuartige Einblicke und erfasst Sensordaten zu Standort, Füllstand, Temperatur und Bewegung von mobilen Flüssigkeitscontainern mit hoher Präzision in Echtzeit. Die Software-Plattform Packwise Flow visualisiert und analysiert Abläufe für verschiedene Anwendungen in der Lieferkette.

Durch die Schaffung eines digitalen Zwillings ihrer Industrieverpackungen gewinnen Kund*innen des Unternehmens damit Einblick in ihre gesamte Lieferkette und können eine Vielzahl von Lieferkettenprozessen abbilden. „Packwise verbessert die Produktionsplanung, sichert die Produktqualität von der Abfüllung bis zur Kundenentnahme und fördert eine nachhaltigere Logistik. Es löst automatisierte Nachbestellungen aus und ermöglicht das Angebot neuer Dienstleistungen wie Vendor-Managed-Inventory-Modelle oder Konsignationslager, die Kunden einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil bieten“, schildert Packwise-Geschäftsführerin Gesche Weger.

Der Weg in die USA und Kanada

Nun steht der nächste Wachstumsschritt an. „Die letzten Jahre geben uns recht, wir sind mit unserer Technik Marktführer in Europa. Der nächste Schritt ist damit nur logisch: Der Weg in die USA und Kanada. Wenn wir das erfolgreich umsetzen, stehen Südamerika und danach Asien auf unserer Agenda“, ergänzt Mitgründer Felix Weger. Er führt weiter aus: „Für die Begleitung unserer Investoren bis hierhin sowie über deren aktuelles Commitment zu uns sind wir sehr dankbar. Wir freuen uns darauf, unsere Lösung von Dresden aus weiter international auszurollen. Die Zeit ist reif dafür!“

„Packwise hat seit unserem letzten Investment die Produktentwicklung deutlich vorangebracht und neue Vertriebskanäle in Nordamerika erschlossen. Wir sind weiterhin vom Skalierungspotential überzeugt und sehen die Nachfrage nach der Packwise-Lösung im Markt. Wir freuen uns daher im besonderen Maße, dass wir das hervorragend aufgestellte Team von Packwise auch in dieser Runde gemeinsam mit unserem bewährten Partner H3 weiter begleiten können“, so TGFS-Geschäftsführer Sören Schuster zur aktuellen Transaktion. Packwise ist eines von über 100 Start-ups im Freistaat Sachsen, die der Fonds seit 2008 bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützt.

Captain T Cell: 8,5 Mio. Euro für Berliner BioTech-Start-up

Captain T Cell – von einem Team von Immunonkologie-Experten gegründet – entwickelt TCR-T-Zellen mit erhöhter Wirksamkeit für solide Tumore, die mit bestehenden Therapien nicht behandelt werden können. Das Kapital aus der Seed-Finanzierungsrunde wird verwendet, um eine neue Generation von T-Zell-Therapien gegen solide Tumore in die Klinik zu bringen.

Captain T Cell GmbH, ein Biotechnologieunternehmen, das T-Zellen der nächsten Generation gegen solide Tumore entwickelt, gab heute den erfolgreichen Abschluss einer Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 8,5 Millionen Euro bekannt. Ein Konsortium erfahrener Life-Science-Investoren, darunter i&i Biotech Fund I SCSp, Brandenburg Kapital GmbH und HIL-INVENT Ges.m.b.H, hat sich an der Runde beteiligt. Darüber hinaus unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Unternehmen über sein renommiertes GO-Bio-Programm.

Die Finanzierung markiert auch die Ernennung des BioTech-Veteranen Jörn Aldag zum Vorsitzenden des Beirats. Die Mittel werden verwendet, um Captain T Cells first-in-class Lead-Programm zusammen mit einer neuartigen allogenen Plattform für die Off-the-Shelf-Behandlung von soliden Tumoren weiter in Richtung Klinik voranzutreiben.

Captain T Cell entwickelt TCR-T-Zellen mit erhöhter Wirksamkeit für solide Tumore, die mit bestehenden Therapien nicht behandelt werden können. Mithilfe einer Reihe neuartiger Technologien generiert Captain T Cell TCR-T-Zellen mit erhöhter Persistenz und der Fähigkeit, dem feindseligen Tumormikromilieu von schwer zu behandelnden soliden Tumoren effektiv zu begegnen. In präklinischen in-vivo-Modellen ist es dem Unternehmen gelungen, aggressive Tumore mit diesen wirksamkeitsverbesserten T-Zellen vollständig abzustoßen. Eine Schlüsseltechnologie, die das Team von Captain T Cell entwickelt hat, ist die firmeneigene TCR-ALLO-Plattform für die Off-the-Shelf-Behandlung von soliden Tumoren. Die TCR-ALLO-Plattform ist ein universelles Werkzeug, das auf eine Vielzahl von Krebsindikationen ausgeweitet werden kann.

Das Unternehmen ist eine Ausgründung des Max Delbrück Centers in Berlin, Deutschland, einer führenden europäischen biomedizinischen Forschungseinrichtung. Das Institut leistete während der Pre-Seed-Phase finanzielle und infrastrukturelle Unterstützung und bleibt zusammen mit seinem Technologietransferpartner Ascenion ein enger Partner für zukünftige Unternehmungen.

Dr. Felix Lorenz, Geschäftsführer von Captain T Cell: „Diese erfolgreiche Finanzierungsrunde ermöglicht es uns, die Entwicklung unserer vielversprechenden Therapien zu beschleunigen und bringt uns näher an die Bereitstellung lebensrettender Optionen für Patienten, die von den derzeitigen Behandlungen nicht erreicht werden. Wir sind fest entschlossen, unseren Lead-Kandidaten in die Klinik zu bringen und unsere TCR-ALLO-Plattform als führend im Bereich der Off-the-Shelf-Therapien für solide Tumore zu etablieren.“

„Wir folgen dem Team von Captain T Cell schon seit einiger Zeit und sind beeindruckt von seiner wissenschaftlichen Tiefe und seinen Managementfähigkeiten. Das Team hat sehr überzeugende präklinische Daten vorlegen können. Außerdem sehen wir ein enormes Potenzial in ihrem Off-the-Shelf-Ansatz. Er verspricht, den Patienten lebensrettende Therapien zu wesentlich geringeren Kosten zur Verfügung zu stellen. Wenn er erfolgreich ist, könnte er auf jede TCR-T-Zelltherapie angewandt werden, die sich derzeit in der Entwicklung befindet, und so eine breite Anwendung dieser Therapien ermöglichen. Captain T Cell hat das Potenzial, ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung neuartiger Krebsmedikamente zu werden", sagte Dr. Jaromir Zahrádka, Managing Partner von i&i Bio.

„T-Zell-basierte Immuntherapien sind ein mächtiges Werkzeug im Kampf gegen solide Tumore. Wir glauben, dass Captain T Cell mit seinem einzigartigen Toolbox-Technologie-Ansatz die Spitze der Krebstherapie repräsentiert", sagte Hao Nam Nguyen, Investment Manager bei Brandenburg Kapital. „Brandenburg Kapital freut sich darauf, das ambitionierte Team von Captain T Cell zu unterstützen und dieses vielversprechende Projekt gemeinsam mit unseren Co-Investoren und den BMBF-Mitteln aus dem GO-Bio-Programm zum Erfolg zu führen.“

„Captain T Cell kombiniert eine leistungsstarke firmeneigene Arzneimittelentwicklungsplattform mit einer fortgeschrittenen präklinischen Produktpipeline“, kommentierte Dr. Friedrich Hillebrand, Geschäftsführer von HIL-INVENT. „Die Programme des Unternehmens zielen auf einen hohen ungedeckten medizinischen Bedarf bei der Behandlung von aggressiven soliden Tumoren. Wir freuen uns daher, dass wir uns an der Seed-Finanzierungsrunde des Unternehmens beteiligen und sein zukünftiges Wachstum unterstützen können.“