Kein armes Schwein

Hermannsdorfer Landwerkstätten

Autor: Sabine Hölper
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Mitte der Achtzigerjahre hatte Karl Ludwig Schweisfurth genug von Massentierhaltung und industrieller Fertigung und verkaufte sein Fleisch-Imperium Herta. Seither widmet er sich erfolgreich der ganzheitlichen Landwirtschaft.

Man kann sich gut vorstellen, wie Karl Ludwig Schweisfurth vor dem dreidimensionalen Labyrinthberg auf seinem Gut im oberbayerischen Glonn steht. Den breitkrempigen Hut tief in die Stirn gezogen, die große, runde Brille auf der Nase, den Schal lässig um den Hals drapiert und die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, blickt er milde lächelnd auf das Kunstwerk und liest die Zeilen am Fuße: „Wenn du schnell dein Ziel erreichen willst, dann mache einen großen Umweg.“ Lao Tse hat diesen Satz einmal gesagt, und man könnte meinen, er habe Schweisfurth zum Vorbild genommen. Denn genau so ist es im Leben des Unternehmers gewesen.

Natürlich war der Umweg, den Schweisfurth nahm, lange nicht als solcher erkennbar. Der gebürtige Westfale wähnte sich auf dem rechten, geraden Weg zum Ziel, als er als junger Mann in die Metzgerei des Vaters einstieg und sie nach und nach zu einem der größten Fleischproduzenten Europas aufbaute. Dass er sich mit Mitte 50 von seinem Unternehmen verabschieden würde, um Ökolandwirt – „Kulturwirt“, wie Schweisfurth es nennt – zu werden, hätte er sich lange Zeit nicht träumen lassen. Und doch ist das eine ohne das andere wahrscheinlich nicht denkbar. Gerade weil er als junger Mann mit Eifer die Technisierung der Lebensmittelproduktion vorantrieb und seine Firma Herta die Massentierhaltung verkörperte, setzt sich der Mann mit dem Hut heute für die Würde der Tiere ein. Mit kindlicher Freude erzählt der Wahlbayer, dass seine Hühner, Schweine und Kühe lachen. „Essen Sie mal ein Stück Fleisch von diesen Tieren – es schmeckt ausgezeichnet“, betont Schweisfurth.

Idylle mit klarem Konzept

Der Ort, wo man sich das Fleisch glücklicher Tiere auf der Zunge zergehen lassen kann – übrigens auf höchstem Gault-Millau-Niveau – liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von München. In Glonn hat Schweisfurth Mitte der Achtzigerjahre die Herrmannsdorfer Landwerkstätten aufgebaut. Sie beherbergen ein Restaurant – das Wirtshaus „Zum Schweinsbräu“ –, eine Käserei, eine Metzgerei, eine Brauerei, eine Bäckerei und einen Hofmarkt. Zwischen Bäumen gelegen, mit Blick auf die Alpen und ausgestattet mit zeitgenössischer Kunst, ist das Gut ein Idyll.

Doch es würde Schweisfurths Anliegen nicht gerecht, sich auf die Kulisse zu beschränken. Wichtiger ist die Philosophie, die hinter all dem steckt: Die Erzeugung von Lebensmitteln im Einklang mit der Natur und nach bewährten handwerklichen Methoden. Größtenteils in Handarbeit stellen die Mitarbeiter Käse, Bier oder Brot her, und sie verwenden dafür nur ökologisch einwandfreie Zutaten. Das Bier beispielsweise, das „Schweinsbräu“, wird aus ungespritzter Gerste und ungespritztem Hopfen hergestellt. Statt in Stahlkesseln wird es in Behältern aus Gusseisen gebraut. Und pasteurisiert, also haltbar gemacht, wird es auch nicht.

Außerdem stammen alle Zutaten aus der Region, zum Teil sogar vom Gut selbst: Schweisfurths Schweinezucht beispielsweise sorgt für den puren Fleisch-Genuss. Dass es glückliche Tiere sind, die viel Auslauf auf saftigen Wiesen haben, versteht sich von selbst. Die armen Schweine, die zu Hunderten in engen Boxen dahin-vegetieren, gerade einmal genug Platz, um sich um die eigene Achse zu drehen, kommen Schweisfurth nicht in die Pfanne, für sie empfindet er nur Mitleid. Er hat diese Bilder schließlich noch gut vor Augen. Vor vielen Jahren hat er sich solche Ställe angeschaut. „Diese Eindrücke haben mein Leben nachhaltig verändert“, sagt der passionierte Segler und Bergwanderer.

Industrielle Massenproduktion

Karl Ludwig Schweisfurths Leben war die elterliche Metzgerei in Herten. Im Alter von 15 Jahren stieg er als Metzgerlehrling ein. Etwa zehn Jahre später machte er es sich zur Aufgabe, den Betrieb komplett umzukrempeln – weg von der handwerklichen Erzeugung hin zur automatisierten Produktion. Den Impuls dazu erhielt Schweisfurth während einer Reise in die USA, wo er eine Fleischwarenfabrik in New York und die legendären Schlachthöfe in Chicago besuchte. Was er dort erlebte,ersetzte den 25-Jährigen in bares Erstaunen. Dass zum Beispiel die Koteletts an der Stelle im Parterre herauskamen, wo sie eingepackt und versandfertig gemacht werden konnten, erschien ihm wie „ein Wunder“.

Schweisfurth war von der Stunde an infiziert – und so machte er noch an Ort und Stelle Notizen, zeigte sie nach seiner Rückkehr dem Vater und „belatscherte ihn so lange, bis er überzeugt war.“ Nachdem dieser sein O.K. gab, machte sich der junge Geselle mit Eifer daran, den Betrieb auf Automation umzustellen. Es sollte nicht lange dauern, bis Maschinen übernahmen, was früher von Hand erledigt wurde. Die Neuerungen zahlten sich aus, die folgenden Jahre standen im Zeichen des Erfolges und der Expansion. Zu seinen Glanzzeiten beschäftigte der Herta-Chef – seit seinem 34. Lebensjahr alleiniger Geschäftsführer des Unternehmens – 5000 Mitarbeiter und setzte 1,6 Milliarden Mark um.

Tipps für E-Mobility-Newbies

Fünf Starttipps für alle, die ein nachhaltiges E-Mobility-Geschäftsmodell aufbauen wollen.

Wer mit seinem Geschäftsmodell durchstarten möchte, hat es nicht immer leicht. Denn neben der Frage, ob das Produkt überhaupt vom Markt angenommen wird, gibt es auch andere Unsicherheitsfaktoren, die den Start stark beeinflussen. In der E-Mobilitätsbranche ist dieses Problem besonders groß, da viele Bereiche unreguliert sind. Anbieter*innen können sich nur auf wenige Standards verlassen. Diese Tipps sollten E-Mobilitätsanbieter*innen beherzigen, damit ihre Idee auch langfristig ein Erfolg wird.

I. Transparenz gegenüber den Kund*innen

Die Ladeinfrastruktur wächst stetig. Eine aktuelle Studie der KfW zeigt jedoch, dass mehr als jede(r) zweite potenzielle Käufer*in in Deutschland vom Erwerb eines E-Autos absieht, weil das Vertrauen in die Ladeinfrastruktur fehlt. Vieles läuft in der E-Mobilitätsbranche über Software. Doch die gesamte User Experience kann von der E-Mobilitätsbranche nicht rein technisch gelöst werden. Hier ist die ganze Branche gefragt, bestehende Ängste von Fahrer*innen abzubauen und das Vertrauen in die E-Mobilität zu stärken. Newcomer*innen sollten dabei als positives Beispiel vorangehen, ihre Kund*innen dort an die Hand nehmen, wo es notwendig ist und Unsicherheiten durch offene Kommunikation aus dem Weg räumen.

II. Künftige Skalierbarkeit des Unternehmens

Für aufstrebende Marken ist es immer wichtig, skalierbar zu sein. Nur so können neue Märkte erschlossen und Kund*innen nachhaltig zufrieden gestellt werden. Wir hatten bei Plugsurfing verschiedene MVPs (Minimum Viable Products), die aber im großen Stil nicht skalierbar waren. Erst durch die Migration auf unsere neue Plugsurfing Power Platform waren wir wirklich in der Lage, uns zu vergrößern und mit den schnellen Veränderungen im Markt Schritt zu halten. Wir mussten in der Migrationsphase verschiedene Produktentwicklungen on-hold setzen und verloren so viel Zeit. Newcomer*innen sollten dementsprechend frühzeitig die Weichen stellen, um diese Probleme zu umgehen.

III. Einheitliche Datenstandards

Wie bereits angesprochen, sind technische Implementierungen in unserer Branche wenig reguliert und standardisiert. Im Moment arbeiten viele nur für sich, aber Fahrer*innen erwarten überall standardisierte Lademöglichkeiten. Das ist eine der zentralen technischen Herausforderungen der E-Mobilität. Wir brauchen europaweite Regelungen, um die Standards für unsere Zukunft zu setzen. Neue Anbieter*innen sollten an der Weiterentwicklung solcher Standards aktiv mitwirken, da sie so eine sehr gute Übersicht über den Markt haben und an den richtigen Stellen Anschluss finden.

IV. Flexibilität in der Software

Natürlich hat jede(r) Anbieter*in aktuell eine bestimmte Lösung, auf die er/sie setzt. Es ist daher sehr schwierig, alle miteinander zu verknüpfen, damit zum Beispiel Bezahlvorgänge für Fahrer*innen an diversen Ladesäulen funktionieren. Viele Workarounds sind noch Übergangslösungen, die ersetzt oder zukunftssicher überarbeitet werden müssen. Anbieter*­innen sollten daher unbedingt auf eine flexible Software setzen, die angepasst werden kann.

V. Langfristige Partnerschaften eingehen

Zuletzt ein wichtiger Tipp: Ohne Partner*innen geht es nicht. Und das gilt besonders für die E-Mobilitätsbranche. Natürlich treten Newcomer*innen mit bestehenden Anbieter*innen in Konkurrenz, weil sie zum Beispiel einen blinden Fleck gefunden haben und so Kund*innen abwerben. Anbieter*innen sollten jedoch immer auch Partnerschaften anbieten. Wir legen bspw. den Fokus auf enge Zusammenarbeit und Wissenstransfer, um nachhaltige technische Lösungen entwickeln zu können. So hilft ein großes Netzwerk an Partner*innen dabei, die E-Mobilität zu stärken und langfristig zukunftsfähig zu machen.

Der Autor Tatu Kulla ist CEO des E-Mobilitätsdienstleisters Plugsurfing, der Softwaretools entwickelt, um E-Mobilität für alle zugänglicher zu machen.

Wissenschafts-Gründer*innen als Klimaretter*innen

Wissenschaftliche Start-ups beschäftigen sich zunehmend mit Themen, die die Umwelt entlasten können und nehmen hierbei nicht selten Vorreiterrollen ein. Wir stellen fünf Start-ups vor, die auch mithilfe des Hamburger Verbundprojekts beyourpilot Maßnahmen gegen die Klimakrise entwickeln.

Der Klimawandel erfordert dringenden Handlungsbedarf: Ohne nachhaltige Veränderungen, die unseren Alltag umfassend durchdringen, steuert die globale Gesellschaft auf eine verheerende Krise zu. Etwa 80 Prozent der jemals weltweit produzierten Kunststoffe liegen auf Deponien oder verschmutzen zunehmend die Ozeane. Das empfindliche Ökosystem in den Tiefen der Meere ist bereits jetzt durch fünf Milliarden Tonnen unseres Plastikmülls belastet, der nicht abbaubar ist. In Deutschland werden gerade mal 17,3 Prozent der Plastikabfälle recycelt, wobei sich einige dieser Kunststoffe nur schwer wiederverwenden lassen. Insbesondere Einwegprodukte, die selbst in Ländern mit einem funktionierenden Re­cyclingsystem für Verpackungen nicht wiederaufbereitet werden können, bedrohen unsere Umwelt und beschleu­nigen den Klimawandel.

Fast ein Drittel aller grünen Start-ups sind forschungsnahe Gründungen

Der Green Startup Monitor beschreibt seit vier Jahren, wie es Deutschlands grüner Start-up-Szene geht. Der diesjährigen Studie zufolge spielen die Hochschulen gerade bei innovativen, grünen Gründungen eine wesentliche Rolle: Fast ein Drittel aller grünen Start-ups sind forschungsnahe Gründungen. Trotzdem sieht der Monitor hier noch großes Potenzial.

Essenzielle Unterstützung bei der Entwicklung innovativer grüner Technologien erhalten beispielsweise Hamburgs Start-ups vom Verbundprojekt beyourpilot, einem vernetzten und koordinierten Beratungs- und Unterstützungsangebot für alle Wissenschafts-Gründer*innen in der Hansestadt. Um den Erfolg der Wissenschafts-Start-ups in Hamburg zu erhöhen, wurde mit beyourpilot ein zentraler Anlaufpunkt für Gründer*innen geschaffen, über den online, aber auch offline durch Beratung und Unterstützung für mehr

Unternehmensgründungen an Hamburger Hochschulen und Forschungsinstituten gesorgt wird. Hierfür haben sich die größten Hamburger Hochschulen und das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY zusammengeschlossen, um die Gründungen von Wissenschaftler*innen noch besser und effektiver fördern und unterstützen zu können. Hier eine kleine Auswahl an Start-ups, die auch mithilfe von beyourpilot erfolgreich durchgestartet sind.

traceless materials

Ein Start-up, das insbesondere das Plastikproblem angeht, ist traceless materials mit einer umweltschonenden ­Alternative zu Plastik. Dr. Anne Lamp, die als Verfahrenstechnikerin bei Professor Kaltschmitt am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg (TUHH) promovierte, hat anhand ihrer Forschung ein neues Verfahren entwickelt, um das globale Plastikproblem zu lösen. Aus pflanzlichen Reststoffen der Agrarindustrie stellt das Unternehmen ein neuartiges Biomaterial her, das in vielen Bereichen Plastik ersetzen kann – beispielsweise in Verpackungen, Einwegprodukten oder Papierbeschichtungen. Das sogenannte traceless-Granulat lässt sich praktisch wie Kunststoffgranulat verarbeiten und befindet sich in verschiedenen Pilotprojekten im Anwendungstest (bspw. beim Versandhaus OTTO). Das Material ist nach wenigen Wochen kompostierbar sowie energieeffizient, klima­freundlich und lässt sich künftig zu einem wettbewerbsfähigen Preis in industriellem Maßstab herstellen. Das Start-up gewann 2022 den Hamburger Gründerpreis in der Kategorie „Existenzgründer“ und erhielt auf der nationalen Bühne den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Startup“.

Als Anne Lamp Anfang 2020 hinsichtlich ihrer Gründung noch in der Phase der Orientierung war, erfuhr sie von beyourpilot, genauer gesagt vom Startup Dock. Das Startup Dock ist die Gründungsunterstützung der TUHH, die Partnerin und damit Teil des beyourpilot-Netzwerks ist. Ein erstes Unternehmen hatte damals Interesse an Anne Lamps Material gezeigt, weshalb sie im Rahmen der Gründungsberatung um Rat suchte: „Ich war unsicher und kannte meine Optionen nicht. Das Startup Dock beziehungsweise beyourpilot hat mich dann beraten und gab mir Tipps“, berichtete sie über die Anfangszeit des Start-ups. Seitdem stehen ihr mehrere Ansprechpersonen zur Verfügung: „Sie sind bis heute meine Sparringspartner*innen, wenn es um mein Pitch-Deck geht. Wir sprechen beispielsweise auch über unsere Strategie, wie wir Dinge realisieren können. Das sind alles Business-Komponenten, über die man sich als Forscherin weniger Gedanken macht.“

Im Frühjahr 2020 stellte Anne Lamp fest, dass sie eine(n) feste(n) Partner*in für die Strategieentwicklung und Finanzierung braucht – seither wird sie von ihrer Mitgründerin Johanna Baare unterstützt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat mit ihrer Erfahrung in der Strategieberatung sowie ihrem MBA eine komplementäre Expertise zu jener von Anne Lamp: „Wir sind auf ein breites Netzwerk angewiesen, um unser Wirkungspotenzial auszuschöpfen. Dazu gehört nicht nur unser traceless-Team, sondern auch die vielen Geschäftspartner*innen, Investor*innen und Unterstützer*innen, die sich unserer Pionierreise angeschlossen haben. Und natürlich auch die Gesellschaft und die Verbraucher*innen, wo bereits ein großes Bewusstsein für die Plastikverschmutzung besteht“, so Johanna Baare bei der Verleihung des diesjährigen Deutschen Gründerpreises. Der Bedarf an Innovationen und umweltfreundlichen Lösungen ist heute größer denn je, und die Gründerinnen freuen sich, dass neue Ideen wie ihre vielfach mit offenen Armen statt mit Skepsis aufgenommen werden.

„Als Impact-Unternehmen sind wir noch lange nicht am Ende unserer Mission: Unser Ziel ist es, das volle Wirkungspotenzial unserer Technologie auszuschöpfen und unseren Beitrag zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung und Klimakrise zu leisten. Und dafür ist – wie bei allen komplexen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen – Zusammenarbeit entscheidend. Die Veränderung, die wir dringend brauchen, wird kein Unternehmen alleine schaffen“, so Anne Lamp.

Heldengrün: Den Haushalt revolutionieren

Wie uns das nachhaltige Start-up Heldengrün nicht nur beim bevorstehenden Frühjahrsputz glänzen lassen will.

Zwei junge Männer, Shewit Hadish und Eugen Mesmer, bringen uns derzeit ein neues Verständnis für den Wohnungsputz bei und zeigen uns, wie der Frühjahrsputz anno 2023 aussieht. Seit 2018 sorgen Shewit und Eugen mit ihrem Start-up Heldengrün dafür, dass unsere eigenen vier Wände ein Stück weit nachhaltiger glänzen und sorgen mit einem Putzstein, Öko-Wasch – und Trocknerbällen, sowie diversen Bio-zertifizierten Ölen für ein neues Verständnis von Sauberkeit. Die Produkte, die es im eigenen Heldengrün-Shop, bei allen großen Online-Händlern, bei Kaufland, Alnatura und in vielen Unverpackt-Läden gibt, vermeiden nicht nur Plastikmüll, sondern kommen so gut wie ohne chemische Zusätze aus.

All-in-One Putzstein, Trocknerbälle und Co.

Die Idee zu Heldengrün entstand in den damaligen Single-Haushalten der Gründer Shewit und Eugen. „Wir fanden es furchtbar, dass die Wohnung nach dem Putzen so pnetrant nach Chemie gestunken hat“, beschreibt Shewit. „Dazu hatten wir jeweils ein ganzes Arsenal an Plastikflaschen herumstehen. Das wollten wir ändern.“

Die beiden entwickeln nach und nach einen nachhaltigen All-in-One Putzstein aus 96 Prozent natürlichen Inhaltsstoffen mitsamt Schwamm, der sich für alle Haushaltsbereiche eignet und das Putzmittel-Arsenal überflüssig macht, Trocknerbälle für den Trockner, die die Energie im Trockner effizient verteilen um Strom zu sparen, sowie einen weitestgehend natürlichen Bodenreiniger für den Wisch – und Saugroboter mit natürlichen Düften.

Alle Produkte bestehen zum Großteil aus natürlichen Inhaltsstoffen und werden entweder plastikfrei oder mit recyceltem Plastik verpackt, um einen möglichst ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. „Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle betrifft und das wir uns auch alle leisten können sollten“, sagt Eugen. „Wir wollten daher bezahlbare Alltagsprodukte schaffen, die uns als ganze Gesellschaft bewusster und grüner machen können. Wir wollen dafür vorhandene Ressourcen nutzen und keine neuen verschwenden.“

Neues Mindset in Sachen Putzen

Im Fokus steht dabei auch ein neues Mindset, was unser Verständnis fürs Putzen betrifft. „Sehr viele Menschen assoziieren den Geruch von Chemie mit Sauberkeit. Nur wenn es so steril riecht wie im Krankenhaus, vertrauen sie darauf, dass etwas wirklich sauber ist. Dabei gibt es nicht den einen spezifischen Geruch von Sauberkeit. Eine Wohnung kann auch dann sauber sein, wenn sie hinterher natürlich duftet und keine Giftkeulen zum Einsatz kamen. Wir müssen hier unser Sauberkeitsverständnis neu definieren.“

Heldengrün will genau das erreichen. Auf ihren Produkten sind anstatt leuchtfarbiger Piktogramme, die vor giftigen Stoffen warnen, lediglich Labels zur Öko-Zertifizierung zu sehen. „Es geht uns um Wertschätzung – gegenüber unserer Umwelt und auch gegenüber den Menschen“, so Shewit weiter. „Eigentlich will doch niemand chemische oder ätzende Inhaltsstoffe in seinen eigenen vier Wänden benutzen, vor allem dann nicht, wenn im Haushalt Kinder wohnen.“

2023 soll eine Erweiterung der Produktpalette erfolgen. Bereits jetzt neu im Sortiment: Ätherische Öle, die nicht nur als Duftgrundlage für Do It Yourself-Wasch- und Putzmittel verwendet werden, sondern das Sortiment in Richtung Körperpflege weiterdenken. So sind die hochwertigen Rosmarin – und Lavendelöle beispielsweise effektive Helfer für Kopfhaut- und Haarpflege. Die dafür verwendeten Pflanzen werden unter strengen ökologischen Auflagen angebaut und von einem Familienbetrieb in Handarbeit destilliert.

CleanTech-Power für die Lieferlogistik

Oliver Ritzmann hat es sich mit seinem Start-up gryn zur Aufgabe gemacht, die grüne Transformation der Lieferlogistik voranzutreiben.

Lieferketten nachhaltig gestalten: Das zählt heute zu den größten Herausforderungen in der Logistik. Spätestens seit der Logistikstudie 2021 des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ist klar, dass es jedoch an Transparenz in den komplex verzweigten Supply Chains fehlt, um den Wandel zu einer besseren Klimabilanz in der Branche anzustoßen. Das zu ändern, hat sich das Hamburger Start-up gryn zur Aufgabe gemacht.

Digitale Logistik aus Hamburg in die Welt: „Das Potenzial ist gewaltig“

Dort, wo vor ein paar Jahrzehnten Waren aus aller Welt lagerten, plant Oliver Ritzmann mit seinen Kolleg*innen heute die Zukunft einer modernen, klimafreundlichen Logistik. Die erst im April bezogene Zentrale von gryn liegt mitten in der Hamburger Speicherstadt. Vom St. Annenufer aus entwickeln der Gründer und sein Team die Vision eines nachhaltigeren Welthandels. „Das Potenzial ist gewaltig“, ist er überzeugt. Um das zu verdeutlichen, lässt der langjährige Logistiker schnell Zahlen sprechen. Von der Hansestadt bis nach Marseille könne schon heute ein vollbeladener Lkw, 18 Tonnen schwer, 783 kg CO2 im Vergleich zum aktuellen Status quo einsparen. Eine Reduktion um mehr als 30 Prozent – ohne kostenintensive Umrüstung oder neue Fahrzeugflotte. Wie ist das möglich?

Für Ritzmann liegt einer der größten Treiber für Nachhaltigkeit in der Logistik in den digitalen Technologien. Deshalb hat der Gründer, der seine Karriere bei traditionsreichen Unternehmen wie F.H. Bertling und Kühne + Nagel startete, mit gryn eine Plattform geschaffen, auf der CO2-Bilanzen entlang der gesamten Lieferkette mess- und damit steuerbar gemacht werden. Was bis vor Kurzem für viele Lieferant*innen und Händler*innen wie eine Black Box daherkam, läuft jetzt in Echtzeit über den Monitor auf Ritzmanns Schreibtisch. Die präzisen CO2-Daten in Echtzeit, da sind sich alle bei gryn einig, sind die technische Grundlage für die grüne Transformation der Lieferlogistik.

Synergien durch Transparenz

Akribisch arbeitet man beim Hamburger CleanTech daran, die komplexen Lieferbeziehungen in einem Netzwerk aus Hersteller*innen, Lieferant*innen und Händler*innen zu digitalisieren. „Unser Ziel ist, das weltweit größte Netzwerk für nachhaltige Logistik zu werden“, bringt Ritzmann die Unternehmensvision auf den Punkt. Marktführer*innen aus der Luft- und Seefracht sowie ein großes Modeunternehmen nutzen die Plattform mit dem integrierten Analyse-Tool zur CO2-Messung bereits. Durch die moderaten Preise und die zugängliche Handhabung profitieren auch erste KMUs von der neuen Übersichtlichkeit im Emissions-Management, welche die Technologie von gryn liefert. Bis zum Jahresende sollen es 6000 Mitglieder auf der Plattform werden.

Die Chancen, dass es so kommt, stehen nicht schlecht. Denn mit dem technischen Fortschritt bahnt sich auch ein Mentalitätswechsel in der Branche an. Die Transparenz, die auf dem Boden geteilter und verknüpfter Transportdaten entsteht, deckt ungenutztes Potenzial für Synergien und Kooperationen auf. Wo diese liegen, wird durch künstliche Intelligenz ermittelt. Anonym schlägt gryn potenzielle Partner*innen für die Netzwerkoptimierung vor, um die vorhandenen CO2-Potenziale zu nutzen und macht so zeitintensive Strategieberatungen ein Stück weit obsolet.

Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil

Wie groß der Bedarf für das digitale Netzwerkmanagement ist, zeigt auch die Logistikstudie des BME. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen weiterhin Defizite bei der Umsetzung von höheren Nachhaltigkeitsstandards in der Supply Chain. Knackpunkt dabei ist für mehr als die Hälfte der Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung der Stakeholder. Einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey zu Folge achten bereits mehr als drei Viertel der Verbraucher*innen auf die Nachhaltigkeit von Produkten. Mehr als zwei Drittel nehmen sogar explizit den CO2-Fußabdruck für Produktion und Transport in den Blick.

Und auch seitens der Politik nehmen die Anforderungen an Unternehmen zu, um die ehrgeizigen Klimaziele noch zu erreichen. Allein bis 2030 will man in der EU mindestens 55 Prozent der Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990 einsparen, wie aus dem Klimaschutzpaket der EU-Kommission hervorgeht. Mit dem europäischen Lieferkettengesetz wird für Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden daher erstmals die Pflicht zur Berechnung und Offenlegung des eigenen CO2-Fußabdrucks statuiert. Zudem soll die CO2-Bepreisung im EU-Emissionshandel ab 2026 auch den Verkehrsbereich erfassen. Der CO2-Preis pro Tonne, derzeit bei 25 Euro, könnte gemäß der Forderung des Umweltbundesamtes langfristig auf bis zu 180 Euro steigen.

Der eigene CO2-Ausstoß wird so zunehmend zum Kostenfaktor für die Logistik und damit zu einer Frage der Konkurrenzfähigkeit. „Jeder, der Güter mit einem minimalen CO2-Fußabdruck liefern kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil“, ist sich Ritzmann sicher. Immer mehr Unternehmen dürften sich daher auf die Suche nach Einsparmöglichkeiten in ihren Lieferbeziehungen begeben. Daran bestehen zumindest bei gryn keine Zweifel mehr. Für den Klimaschutz wie für den eigenen Unternehmenserfolg setzen die Hamburger da­rauf, dass ihre Plattform nicht nur das Nachhaltigkeitsmanagement einzelner Unternehmen erleichtert, sondern durch die Netzwerkeffekte möglichst große Teil der Logistikwirtschaft zur Umsetzung inspiriert werden. Je mehr Mitglieder ihre Parameter über die Schnittstellen (APIs) mit der Plattform verknüpfen, desto besser die Datengrundlage für das gesamte Handelsnetzwerk, so das Kalkül.

Fragmentierter Markt auf dem Weg zu Net Zero

Welchen Mehrwert eine gesamtheitliche Lösung bieten könnte, zeigt ein näherer Blick auf den europäischen Logistiksektor. Kaum eine Branche ist so fragmentiert wie der über 350 Milliarden Euro schwere Logistikmarkt. Beobachter*innen aus der Transportwirtschaft schätzen, dass etwa die Hälfte der Lkws auf den Straßen der EU nur zu 50 Prozent beladen sind und etwa ein Drittel der Fahrten sogar ganz ohne Waren stattfindet. Selbst die fünf umsatzstärksten Spediteur*innen auf dem europäischen Binnenmarkt beherrschen weniger als fünf Prozent des Sektors. Demgegenüber stehen über 400.000 in der EU registrierte Unternehmen mit zehn oder weniger Lkws.

Ritzmann weiß um die Herausforderung, auf einem solchen Markt schnelle Veränderungen herbeizuführen. Auch deshalb ist das Netzwerk von gryn so angelegt, dass es vom kleinen Lokallieferanten bis hin zum multinationalen Frachtunternehmen nutzbar ist. Die automatisierte Sammlung und Berichterstellung zu den eigenen und den Emissionswerten der Handels­partner*innen soll dabei nur der erste Schritt sein. Denn die Software hilft laut der Entwickler bei gryn auch dabei, die Bereiche aufzudecken, in denen das größte Optimierungs­potenzial besteht. Step-by-Step und mit stetig verbesserter Datengrundlage will man so Kund*innen von der Umsetzung bis hin zum Ziel Net Zero begleiten.

Doch auch Oliver Ritzmann sieht, dass angesichts der andauernden Lieferengpässe in Folge von Pandemie und Sank­tionspolitik, die Spielräume für umfassende Investitionen in eine nachhaltige Lieferinfrastruktur bei einigen Akteur*innen begrenzt sind. „Ein grünes Logistik-Unternehmen braucht die richtige Balance zwischen finanziellem Wachstum und der Sicherung des künftigen Wohlstands auf unserem Planeten“, erklärt er sein Mindset. Um die Kostenseite nicht aus dem Blick zu verlieren und die wirtschaftliche Grundlage nicht zu gefährden, berechnet die KI-Software daher auch den finanziellen Aufwand, der sich aus den vorgeschlagenen Maßnahmen ergibt. Mögliche Nachhaltigkeitsziele wie die Anpassung an das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen oder Net Zero können so in jeder Betriebssituation auf deren Machbarkeit überprüft werden.

Am Wendepunkt zur grünen Supply Chain?

Der Gewinn an Planungssicherheit und Transparenz könnte den Wendepunkt für die Logistik in Sachen Nachhaltigkeit bedeuten. Bei gryn jedenfalls setzt man alles daran, dass dieser Plan aufgeht. Ganz bewusst beschränkt sich das Start-up nicht auf die DACH-Region, sondern stellt sich mit einem Fokus auf die USA früh international auf. Nach dem erfolgreichen Launch im Juni arbeitet gryn nun an der Ausweitung seines Service-Angebots mit Projekten zur CO2-Kompensation und detaillierten Klimabilanzen. Auch heute herrscht geschäftiges Treiben auf der Büroetage unweit des Hamburger Hafens, einem der größten Häfen der Welt. Wo, wenn nicht hier, sollte die Zukunft der grünen Supply Chain beginnen?

Visual Marketing Trends 2023

Kleine und mittelständische Unternehmen aller Branchen sollten diese vier Trends für das visuelle Marketing im Jahr 2023 kennen und im Idealfall nutzen.

Um kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei zu helfen, die Verbraucherstimmung im aktuellen Wirtschaftsszenario zu verstehen und sie bei ihren Marketingstrategien 2023 zu untersützen, hat iStock, die E-Commerce-Plattform für Bilder und Videos, einen durch VisualGPS-Daten gestützten Trendreport veröffentlicht.

Laut VisualGPS liegen die größten Sorgen der Verbraucher*innen zwischen Klimawandel, Inflation und den steigenden Kosten für Waren und Dienstleistungen. Noch wichtiger ist, dass die Menschen weiterhin neu definieren und priorisieren, was Wohlbefinden für sie bedeutet.

Die Mehrheit der Befragten (63 %) gibt an, dass sie ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben anstrebt, gefolgt von der Verbesserung ihrer körperlichen Gesundheit (59 %) und mehr Zeit für ihre Lieben (52 %).

Darüber hinaus schätzen es 79 % der Menschen, wenn Unternehmen, mit denen und bei denen sie zusammenarbeiten, die Herausforderungen anerkennen, mit denen sie persönlich konfrontiert sind. Dies könnte für Unternehmen im Jahr 2023 bedeuten, dass sie ihre Angebote durch Erlebnisse visualisieren sollten, die das individuelle Wohlbefinden ihrer Kund*innen und der ihnen nahestehenden Personen verbessern; während sie gleichzeitig die Probleme und Sorgen ihrer Kund*innen anerkennen, mit denen sie derzeit konfrontiert sind und die sie im Laufe des nächsten Jahres weiterhin bewältigen werden müssen. Die VisualGPS-Studie ergab zudem, dass zwei von drei Menschen weltweit von Unternehmen erwarten, dass diese ihnen gegenüber Empathie zeigen.

Um sich vor diesem Hintergrund Vorteile zu verschaffen, sollen kleine und mittelständische Unternehmen aller Branchen diese vier Trends für das visuelle Marketing im Jahr 2023 kennen.

Visual Marketing Trend 1: Sei emphatisch

Angesichts zukünftiger wirtschaftlicher Unsicherheiten und der Rezession solltest du bei der Vorstellung von gesellschaftlichen Events an kostengünstigere Aktivitäten denken, die Menschen zusammenbringen. Bilder, die deine Zielgruppe bei Outdoor-Aktivitäten, Abenden zu Hause mit Brettspielen oder frei zugänglichen Museen zeigen, sind eine gute Möglichkeit, um mit Kunden*innen in Kontakt zu treten, die bewusster mit ihren Ausgaben umgehen und achtsamer aufgrund ihrer wirtschaftlichen Herausforderung agieren.

Visual Marketing Trend 2: Stelle soziale Verbindungen in den Vordergrund

Verbraucher*innen stellen sich selbst und ihre Liebsten über alles. Bilder und Videos von erfüllenden Erlebnissen, die mit Freunden und Familie verbunden sind, werden entscheidend sein, um deine Kunden*innen anzusprechen. Denke daran, dass gemeinsame Aktivitäten wie Essen oder Trinken eine gute Möglichkeit sind, Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen zu verbinden, anstatt sich auf die Aktivität selbst zu konzentrieren.

Visual Marketing Trend 3: Denke über "kleinen Luxus" nach

Laut VisualGPS stehen bei der Frage nach den wirtschaftlichen Sorgen der Verbraucher*innen weltweit die steigenden Lebenshaltungskosten an erster Stelle. Wie bereits in früheren Zeiten wirtschaftlicher Instabilität gibt es, nach Ansicht der VisualGPS-Expert*innen, einen potenziellen Anstieg des "Lipstick-Effekts", d.h. während die Kosten für Waren steigen, nimmt der "kleine Luxus" zu. Das schafft Möglichkeiten, Gegenstände, die gewöhnlicherweise nicht als luxuriös dargestellt werden, als solche zu präsentieren.

Visual Marketing Trend 4: Vergiss das emotionale und körperliche Wohlbefinden nicht

Mit der Priorisierung des individuellen Wohlbefindens ändert sich auch die Art und Weise, wie Menschen Reisen wahrnehmen. Statt oberflächliche touristische Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten zu zeigen, solltest du Bilder präferieren, die echte Geschichten und die damit verbundenen Emotionen darstellen. Es empfiehlt sich, bei der Gestaltung Ihres visuellen Storytellings an Themen zu denken wie "Arbeiten von überall", "Leben im Moment" oder auch “allein verreisen”. Bedenke auch, wie Reisen das emotionale Wohlbefinden fördert, und zeige Momente der Verbundenheit mit anderen.

Visuelle Marketingtrends gehen bspw. auch davon aus, dass Reisen in die Berge gefragter sein werden als Stranddestinationen und insbesondere Abenteuerreisen zunehmen werden. Bei denjenigen, die in der Lage sind, mehr Geld für luxuriöse Aktivitäten auszugeben, könnte sich ein steigendes Interesse für Safaris und Kreuzfahrten verzeichnen.

IT-Trends 2023

Diese fünf zentralen IT-Trends werden das Jahr 2023 prägen.

Alles steht im Zeichen der Krise. Die Prognosen für die DACH-Region drehen sich um eine gleichbleibend hohe Inflation, die drohende Rezession sowie um die Frage, wie gut oder schlecht Unternehmen diese Situation verkraften werden. Wir wagen einen Ausblick auf die IT-Trends 2023 und stellen fest: Wir haben es mit einer Mischung aus wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit zu tun, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Die aktuellen Entwicklungen führen dazu, dass die Schere zwischen Unternehmen, die ums Überleben kämpfen und jenen, die Dank ihres digitalen Ansatzes sogar einen Wettbewerbsvorteil realisieren können, weiter auseinander geht. Vor diesem Hintergrund: Diese fünf zentrale IT-Trends werden das Jahr 2023 voraussichtlich prägen.

1. IT-Trend 2023: Mehr für weniger: Der Druck steigt, bessere IT-Ergebnisse zu geringeren Kosten zu erzielen

Zum ersten Mal trifft der aktuelle Wirtschaftsabschwung auf eine noch junge Businessform: Unternehmen mit As-a-Service Geschäftsmodellen können auf diese Herausforderungen nicht mit althergebrachten Strategien klassischer Industrien reagieren: Das Zurückstellen von Ausgaben für langfristige Investitionsgüter hilft hier nicht weiter. Um Kosten zu sparen, setzen Unternehmen stattdessen auf die Optimierung vorhandener Technologien. Während der Pandemie hat sich z.B. in vielen Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher, sich teils überlappender Tools angesammelt: Von Teams über Zoom bis hin zu Slack und Asana – sie alle sollten die Remote-Arbeit und Kooperation möglichst schnell und effizient machen. 2023 werden Unternehmen jedoch ihren Tech-Stack genauer unter die Lupe nehmen und sich von einigen As-a-Service Produkten wieder trennen. Punkten hingegen werden jene Anbieter*innen, die als echte Wachstumskatalysatoren identifiziert werden und die helfen, neue Märkte und Einnahmequellen zu erschließen.

2. IT-Trend 2023: Hoher Speicherbedarf trifft auf Lieferkettenproblem: Masterplan für Hybrid-Cloud-Strategie ist unerlässlich

Die Anzahl der datengetriebenen Geschäftsmodelle steigt und damit auch der Speicherbedarf in Unternehmen. Die seit der Pandemie gestörten Lieferketten haben sich jedoch bisher nicht erholt: Eine einjährige Lieferzeit bei Hardware- und Netzwerkkomponenten sind keine Seltenheit. Deshalb werden noch mehr Unternehmen auf Cloud-Provider setzen, um Zugriff auf eine robuste, verlässliche und skalierbare Speicherinfrastruktur zu haben. Gewinnen werden jene Unternehmen, die dafür eine minutiöse Planung aufsetzen: Wie und wann greift ein Unternehmen auf eine Public Cloud zu, um einerseits die schwankende Nachfrage bestmöglich zu bedienen und andererseits nicht selbst alle Speicherkapazitäten vorhalten zu müssen? Während vorhersehbare, routinemäßige Arbeitslasten auf der eigenen Infrastruktur laufen, werden unerwartete Arbeitslasten planmäßig in die Public Cloud verlagert. Nur Unternehmen, die hierfür ein detailliertes Drehbuch bereitstellen, werden die Speicherknappheit ohne Abstriche an Verfügbarkeit und Resilienz meistern.

3. IT-Trend 2023: Für Nachhaltigkeit und gegen die Folgen extremer Klimaereignisse: Zwei Seiten der gleichen Medaille

Nachhaltigkeit hat viele Aspekte: Mit den knappen Energieressourcen und den explodierenden Energiepreisen ist für Unternehmen eine weitere, teilweise existenzielle Herausforderung hinzugekommen. 2023 werden Unternehmen ihren Energieverbrauch immer stärker am schwankenden, aktuellen Strompreis ausrichten, um Kosten zu sparen. In diesem Zusammenhang wird auch die Investition in immer leistungsfähigere Technologie steigen, da diese eine bessere Performance bei geringerem Energieverbrauch ermöglicht. Zudem wird die Politik entschiedener gegen Greenwashing vorgehen: Von Seiten der Gesetzgebung und der Regulierungsbehörden werden die Vorgaben immer konkreter, wie z.B. die ESG-Kennzahlen, die die Themen Umwelt, Soziales und Governance in den Fokus nehmen. Auf Nachhaltigkeit setzen Unternehmen aber auch verstärkt aus Gründen der Resilienz und stellen sich der Frage: Wie lassen sich IT-Systeme widerstandsfähiger machen gegen die immer deutlicheren Auswirkungen extremer Klimaereignisse? Viele Unternehmen werden sich im kommenden Jahr verstärkt mit Notfallplänen beschäftigen, um die Kontinuität ihres Geschäfts noch stärker durch Backups oder die Möglichkeit einer kurzfristigen Verlagerung ihrer Anwendungen zu alternativen Cloudanbietern an anderen Standorten abzusichern.

4. IT-Trend 2023: Managed Services sind im Aufwind – Attraktivität integrierter Komplettlösungen steigt

Vom Angebot über die Auswahl bis hin zum Betrieb, Anwendungen werden immer komplexer, die umfassende Expertise jedoch ist in den Unternehmen längst nicht mehr gegeben – vor allem bedingt durch den sich verstärkenden Fachkräftemangel. Insbesondere Unternehmen, für die IT-Systeme nicht das Herzstück ihres Geschäftsmodells sind, sondern diese lediglich als „Vehikel“ nutzen, schaufeln sich mit Managed Services (MS) Kapazitäten für ihr eigentliches Geschäft frei. Je mehr ein Unternehmen unter Druck steht, umso mehr setzt es auf Managed Service. Parallel findet bei MS-Anbietern eine Spezialisierung auf bestimmte Bereiche oder Branchen statt, da nicht jedem/jeder Kund*in jede Dienstleistung angeboten werden kann.

5. IT-Trend 2023: Weniger Perfektion – mehr Befähigung: Viele deutsche Unternehmen werden ihre traditionelle Denkweise schneller hinter sich lassen als erwartet

Die Unternehmen müssen gemeinsam mit der Technologie transformiert werden, die Revolution kommt sprichwörtlich aus den unteren Etagen – insbesondere aus jenen der IT-Abteilungen. Die Angst vor Risiken und die Scheu vor Lösungen, die nur 90 Prozent statt 100 Prozent Perfektion versprechen, lähmt Organisationen und bringt sie angesichts von Inflation und Rezession in ernsthafte Schwierigkeiten. Mut und der Weitblick hingegen, klassische Hierarchien über Bord zu werfen, macht aus Führungskräften echte „Befähiger*innen“. Diese Art der Unterstützung wird sich in den obersten Chefetagen immer häufiger durchsetzen und der digitalen Transformation auch hierzulande einen echten Schub versetzen. Deutsche Führungskräfte verlassen nach Jahren der Zurückhaltung notgedrungen die Zauderzone und wagen Neues.

Die Autorin Elena Simon ist Geschäftsführerin der GCore Labs GmbH

Collego: Collegos sollt ihr sein

Das Start-up Collego von Markus Stoll und Fabian Ziegler ermöglicht firmeninternes Matching von Angestellten auf Basis gemeinsamer Interessen. Das Ziel: mehr Zufriedenheit und weniger Fluktuation im Team.

Du bist neu im Unternehmen und findest keinen Anschluss? Du arbeitest remote, hybrid oder nur Teilzeit im Büro, zum Plausch in der Kaffeeküche kommt es daher fast nie? Eine der Herausforderungen im Arbeitsmarkt ist neben dem Finden von geeigneten Arbeitskräften die dauerhafte Bindung von Mitarbeitenden. Dafür ist Collego die Lösung. Die Plattform schafft feste Kontakte im Unternehmen – interessenbasiert, teamübergreifend und dauerhaft.

Collegos – mehr als nur gute Arbeitskolleg*innen

Besonders seit Corona arbeiten viele von uns remote oder hybrid in ihren Jobs. Was viele Vorteile mit sich bringt, erschwert auf der anderen Seite den Anschluss ans Team und den Aufbau einer Unternehmenskultur. Viele leiden oft unter der Anonymität. Das führt zu Unzufriedenheit – und endet im schlimmsten Fall mit einer Kündigung. „Viele Arbeitgeber kämpfen mit hoher Fluktuation – wir wollen das ändern“, so die Gründer Markus Stoll und Fabian Ziegler. Hier setzt ihre Plattform Collego an. Sie fördert Freundschaften unter Kolleg*innen, sorgt somit für mehr Spaß und Motivation bei der Arbeit. Nebenbei werden Mitarbeitende schneller integriert und Kontaktbarrieren aufgebrochen. „Wir sprechen von ,Collegos‘“, so die Gründer. Und das Beste: „Collegos sind zufriedener – und bleiben somit länger im Unternehmen.“

Mitarbeitende ans Unternehmen binden

„Mitarbeitendenbindung ist noch immer ein oft viel zu unterschätzter Faktor, der den Erfolg von Unternehmen massiv auf allen Ebenen beeinflusst“, so Markus. Der finanzielle Erfolg, aber auch das Image nach innen und außen werde stark davon beeinflusst. Die Gründer wissen, wovon sie reden: Sie selbst waren zuletzt als Abteilungsleiter in einem mittelständischen Beratungsunternehmen für über 100 Consultants verantwortlich.

„Am Ende waren die Probleme oft die gleichen“, so Markus. Die Gründer machten es sich zur Aufgabe, Kolleg*innen eine zuverlässige, angenehme und lockere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Damit helfen sie Unternehmen bei ihrem langfristigen Erfolg. „Wir wollen Unternehmen unterstützen, ihre Digitalisierung voranzutreiben, moderne Arbeitsweisen umzusetzen und die soziale Interaktion innerhalb der Teams zum Vorteil aller zu fördern“, sagt Co-Gründer Fabian. „Denn letztlich sind die Menschen im Unternehmen die Vorantreibenden und der eigentliche Kern.“

Collego löst eines der Kernprobleme im Personalwesen – das lockt Investor*innen an

Damit treffen Fabian und Markus den Nerv der Zeit. „Retention ist eines der Kernthemen im Personalwesen“, weiß auch Benjamin Visser, CEO von allygatr, dem Venture Capitalist in HR-Tech. Wenig verwunderlich also, dass allygatr bei Collego eingestiegen ist. „Wir freuen uns natürlich sehr darüber, so früh einen solch starken Partner wie allygatr an Board zu haben“, so die Collego-Gründer. „Gleichzeitig rechnen wir mit vielen weiteren, starken Investor*innen.“

Die Gründer selbst haben sich bei einer Unternehmensfeier kennengelernt. Aus der Idee, Mitarbeitende interessenbasiert zu vernetzen, ist innerhalb weniger Monate die Collego GmbH mit Sitz in München entstanden. Collego baut auf einem interessenbasierten Matching-Algorithmus auf und ermöglicht einem Unternehmen die standortübergreifende Vernetzung der kompletten Belegschaft. Die Idee kommt an: Beim The-Grow-Summit 2021 wurden die Gründer mit dem invest2grow-Award als innovativstes Start-up unter ca. 200 Teilnehmer*innen aus der DACH­Region ausgezeichnet.

Wachstumsboost und Expansionspläne

Das gebootstrapte Unternehmen hat große Wachstumspläne. Um die Skalierbarkeit der Plattform vollständig auszuschöpfen, möchte das Gründer-Duo in weitere EU-Länder expandieren. Dafür braucht das Start-up zusätzliche Unterstützung und ist aktuell auf der Suche nach Investor*innen, um das Team auf 40 Mitarbeitende zu verstärken. „Mit mehr Kapital und Knowledge im Team können wir die Plattform mit zusätzlichen Features ausstatten und den notwendigen Wachstumsboost generieren. In Zukunft wird unternehmensinternes Networking über Collego laufen“, zeigen sich die Gründer überzeugt.

HR-Trends 2023

Nach einigen turbulenten Pandemie-Jahren wird auch 2023 in der HR-Welt noch keine Ruhe einkehren – diese Trends solltest du kennen.

Nach einigen turbulenten Pandemie-Jahren wird auch 2023 in der HR-Welt noch keine Ruhe einkehren. Zwischen Digitalisierung, Inflation und andauernden weltweiten Krisen stehen Unternehmen weiterhin vor ereignisreichen Zeiten. Aber was ist für das kommende Jahr zu erwarten? SD Worx, europäischer Anbieter von Lohn- und Gehaltsabrechnungen, prognostiziert folgende wichtigste Trends.

Die HR-Welt verändert sich in rasantem Tempo. Neue Geschäftsmodelle, konsolidierende Märkte, die zunehmende digitale Transformation und gesellschaftliche Entwicklungen steigern die Nachfrage nach flexibler Personalarbeit. Dabei geht es nicht nur um die interne Gestaltung der Organisation, sondern auch um einen entscheidenden Bewusstseinswandel auf grundlegenderer Ebene: Den Wandel als Chance zu nutzen und die Personalpolitik neu zu überdenken. 

1. Flexibilität wird zum Schlüsselkonzept
Hybrides Arbeiten hat sich 2022 vielerorts zum neuen Standard entwickelt. Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden oftmals schon jetzt maximale Flexibilität, was die Wahl des Arbeitsortes betrifft. Gleichzeitig verschwimmen dank des zunehmend dynamischeren Personalmanagements die Grenzen zwischen den verschiedenen Abteilungen immer mehr und Unternehmen prüfen, wie sich Mitarbeitende mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen bestmöglich ergänzen können. Interne Plattformen gewinnen an Beliebtheit und gewährleisten eine optimale Abstimmung zwischen den verfügbaren Talenten im Unternehmen (fest angestellt oder als Zeitarbeiter*innen) und der Art der zu besetzenden Stelle. So können Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt und die persönlichen Stärken der Arbeitnehmenden gefördert werden. 

2. Digitalisierung als ganzheitlicher Ansatz
Um die verschiedenen Aspekte des flexiblen Arbeitens managen zu können, werden für Personalverantwortliche smarte HR-Tools immer wichtiger. Dadurch können nicht nur Prozesse vereinfacht werden, sondern auch der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitenden wird gewährleistet. Obwohl der Ausbruch der Covid-19 Pandemie vor fast drei Jahren die Digitalisierung beschleunigt hat, ist die digitale Reife in vielen Unternehmen noch nicht weit fortgeschritten. Das gilt auch für die Personalabteilungen, obwohl es schon heute ausgereifte Tools und Lösungen gibt. Während Unternehmen in China und in den Vereinigten Staaten bereits vermehrt auf solche Möglichkeiten setzen, ist dies in Deutschland und anderen europäischen Ländern noch nicht der Standard. Gerade den Organisationen mit Aufholbedarf bietet der Übergang zu End-to-End-Lösungen innerhalb eines integrierten digitalen Systems große Vorteile, da mittelfristig Kosteneinsparungen zu erwarten sind. 

3. Zahlen im Fokus
Angesichts der aktuellen Energiepreise und der Inflation bleibt die wirtschaftliche Situation für Unternehmen eine Herausforderung. Mehr denn je wägen sie ab, in welche Tools sie investieren können, um ihre Mitarbeiter*innen auf intelligente und integrierte Weise zu unterstützen. Unternehmen sind zunehmend offen für die Auslagerung oft zeitaufwändiger und komplexer Tätigkeiten, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Angesichts steigender Preise rückt zugleich das finanzielle Wohlergehen der Angestellt*innen weiter in den Vordergrund. Unternehmen integrieren häufiger intelligente Vergütungen in ihre Lohnpolitik, mit flexiblen Gehaltsperioden, alternativen Gehaltsformen oder einem individuellen Verdienst, bei dem die Mitarbeiter*innen die Zusammensetzung ihres Gehaltspakets teilweise selbst mitbestimmen können.

4. Maßgeschneiderte Arbeitsmodelle 
Der Fachkräftemangel wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen, sodass sich die Unternehmen mehr denn je als attraktive Arbeitgeber*innen positionieren müssen. Gleichzeitig ermöglicht dies den Arbeitnehmenden, eine bewusstere Jobwahl zu treffen. Speziell für das Jahr 2023 ist diese Herausforderung durch eine Machtverschiebung gekennzeichnet: Die Mitarbeitenden sind sich bewusster darüber, was ihnen wichtig ist und wollen bei Entscheidungen miteinbezogen werden. Sie erwarten ein offenes Ohr sowie ein Mitspracherecht und fordern flexible Regelungen zu Arbeitsinhalten, -verträgen, -zeiten, -orten sowie die Wahl zwischen Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung.

Marketing-Trend-Statements 2023

Marketing-Trends 2023: Achtsames Storytelling, Data-driven und Authentizität: diese Trends bestimmen das kommende Marketing-Jahr.

Die Technologie entwickelt sich in rasantem Tempo weiter. Es gibt jedoch auch eine Gegenbewegung gegen die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung der Interaktionen zwischen Marken und Verbraucher*innen. Heute besteht der Wunsch, das Marketing wieder menschlicher zu gestalten. Warum und wie Authentizität, Technologie und Gesundheitsthemen die Aufbereitung von Content sich 2023 verändern wird, beschreiben die sieben CEOs, Gründer*innen und Marketing-Expert*innen in ihren Trendstatements für das kommende Jahr.

Self-Service-Endpoints schaffen Kundenbindung über Erfolgserlebnisse

Self-Service-Endpoints sind digital geschaffene Möglichkeiten, damit Kund*innen sich eigens um Anliegen aller Art kümmern können. Gerade beim digitalen Shopping kommen viele Fragen zum Bestand, der Sendung, Angeboten oder Rücksendungen auf - der Customer Self-Service kann schnelle und hürdenlose Lösungen bereithalten, ohne dass Mensch oder Bot überhaupt erst eingeschaltet werden muss. Die Antworten müssen dafür am Anwendungsfall der User ausgerichtet werden und führen im besten Falle zu einem Erfolgserlebnis der Nutzer*innen. Die Wartezeit zur Lösung einzelner Probleme ist deutlich kürzer und User haben das Gefühl, näher am Unternehmen zu sein, da sie sich allein und ohne großen Aufwand Antworten beschaffen können. Die Personalisierungsidee wird somit um die Faktoren Einfachheit, Schnelligkeit und Bindung über Zufriedenheit erweitert, was wiederum Leads generiert und den Verkauf fördert. Diese Innovation wird bereits von großen Unternehmen wie Miele genutzt – im Jahr 2023 dürfen wir hier aber sicherlich noch sehr viele Nachzügler beobachten.

NIMMSTA: Der Schlüssel zum Erfolg ist das Team

Andreas Funkenhauser und Florian Ruhland, Gründer von NIMMSTA, haben die weltweit erste Industrial Smart Watch auf den Markt gebracht. Damit verfolgen sie ein großes Ziel: Die Logistikbranche revolutionieren. NIMMSTA ist ihr drittes gemeinsames Start-up und die Gründer sind sich zu 100 Prozent sicher: Alleine ihrem Team verdanken sie den Erfolg.

NIMMSTA zu gründen war von Andreas und Florian zunächst eigentlich gar nicht geplant – es war das Team, das die Gründer letztendlich überzeugte. Ausgangspunkt für die Idee war eine Anfrage bei ihrem ersten Start-up, bei der ein Kunde nach einem Scanner gesucht hat, der nicht aktiv gegriffen werden muss und einen Touch-Display hat. Weil es einen solchen Scanner auf dem Markt bisher nicht gab, machten sie sich selbst an die Entwicklung. Für den Bau der ersten Prototypen wurden Teammitglieder an Board geholt, die das technische Know-how mitbrachten.

Genau diese Leute waren es, die Andreas und Florian dazu brachten, aus dem Projekt ein Unternehmen zu machen: „Wir wussten, dass alle Feuer und Flamme für das Projekt sind und ihr Bestes geben – wir konnten uns von Anfang an gegenseitig zu 100 Prozent vertrauen und hatten Rückenwind vom gesamten Team.“ Gemeinsam startete das Team und evaluierte, plante und beseitigte Bugs, Systemfehler, Zugangs- und Update-Probleme.

Beim Gründen und langfristigem Erfolg geht es vor allem um Ausdauer und gute Kommunikation. Etwas, was man nur mit einem Team schaffen kann, dem man blind vertraut. Denn ohne Vertrauen ins Team ist jedes Start-up zum Scheitern verurteilt, so die Gründer.

Vertrauen muss vorgelebt werden, sonst funktioniert es nicht

Gegenseitiges Vertrauen hört sich erstmal einfach an, muss allerdings auch glaubwürdig umgesetzt und gelebt werden. Der Schlüssel zu einer funktionierenden Zusammenarbeit innerhalb des Teams ist für Andreas demnach, genau das auch vorzuleben: „Wenn Florian und ich uns nicht 100 Prozent vertrauen würden, wären wir keine Vorbilder und könnten auch keine vertrauensvolle Kultur im ganzen Unternehmen etablieren.“ Daneben ist auch die Interaktion und Kommunikation innerhalb des Teams essentiell: „Mitarbeitende müssen sich sicher fühlen. Wir geben ihnen ein Sicherheitsnetz, damit sie ihre Ziele erreichen, innovativ denken, Sachen ausprobieren und ihre Meinung einbringen“, so Florian. Genau dieser Ansatz hat auch die Entwicklung und konstante Verbesserung der Produkte so effizient gemacht. Laufende Optimierungsprozesse werden bei einer guten Idee auch mal über den Haufen geworfen und anders angegangen. Funktioniert etwas nicht ganz so wie geplant, ist das für die Gründer auch kein Beinbruch, denn nur durch das Ausprobieren entsteht Fortschritt.

Was die Zusammenarbeit im Team außerdem ausmacht, ist eine offene und ehrliche Kommunikation. Für Andreas und Florian ist das das A&O, denn Probleme sollten nicht nur einmal im Jahr beim Mitarbeitergespräch besprochen werden dürfen. Negative und positive Rückmeldungen, zu jedem Zeitpunkt zu kommunizieren, sind dafür essentiell: Sachen, die nicht gut laufen, werden direkt angesprochen – dadurch entstehen viel weniger Missverständnisse und keiner baut über Monate einen Groll oder Unzufriedenheit auf.

Vertrauen macht Feedbackschleifen unnötig

Vertrauen spiegelt sich bei NIMMSTA aber auch bei der Art und Weise wie gearbeitet wird wider. Andreas und Florian wissen, dass sie absolute Experten in ihrem Team haben, die ihren jeweiligen Arbeitsbereich selbst managen können. Ein Go für Entscheidungen geben die Gründer somit eigentlich nie – sie vertrauen auf die Expertise ihrer Mitarbeitenden. „Wenn ein Teammitglied etwas entscheidet, dann wird das richtig sein und seine Gründe haben. Wir wollen, dass jeder möglichst frei arbeiten kann und mehrfache Feedbackschleifen vermeiden“, so die Gründer. Was den Beiden außerdem wichtig ist: „Jeder darf Fehler machen und muss keine Angst haben, dass es am Ende einen Knall gibt.“

Wer unsere Philosophie nicht lebt, passt nicht ins Team

Gerade weil das Team von NIMMSTA so gut funktioniert und interagiert, müssen Philosophie und Werte bei jedem potenziellen neuen Mitarbeitenden ebenfalls stimmen. Zwar gibt es für die zu besetzenden Stellen auch fachliche Anforderungen, die Vorstellungsgespräche sind aber weniger dazu da, den Lebenslauf rauf- und runter zu besprechen. Wichtiger ist es für Andreas und Florian herauszufinden, was die Person antreibt und wer wirklich dahintersteckt – alles können und wissen muss man nicht. Wer Lust auf Neues hat, mit anpacken kann und für den Selbstmanagement kein Problem darstellt, passt ins Team. „Wir übergeben unseren Mitarbeitenden viel Eigen- und Selbstverantwortung. Wer Hilfe braucht, kann sich immer melden. Wenn jemand Überstunden gemacht hat und deswegen einen Tag früher ins Wochenende geht, um Ski zu fahren oder Wellness zu machen, ist das fein für uns – wir hinterfragen das nicht“, erklären die Gründer.

Die Vertrauensbasis, die Andreas und Florian innerhalb ihres Teams aufgebaut haben, zeigt sich nicht nur bei der Interaktion und Kommunikation. Die Mitarbeitenden vertrauen auch dem Produkt: Die meisten von ihnen haben als Business Angel in NIMMSTA investiert. Ein mehr als deutliches Zeichen, dass das komplette Team hinter NIMMSTA steht.

Neue Lösungen für mehr Nachhaltigkeit

Diese fünf nachhaltigen (Start-up-)Konzepte solltet ihr kennen.

Nachhaltigkeit ist ein echtes Trendthema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und sich durch nahezu alle Lebensbereiche zieht. Wie verbreitet das Thema in Lebens- und auch Unternehmensbereichen ist, zeigen wir euch am Beispiel von fünf Start-ups und jungen Brands mit nachhaltigen Lösungen. Sie sind interessante Cases, weil sie exemplarisch für ihre jeweils eigene Nische stehen.

JES! – günstigen Ökostrom für alle

Die JES.Group ist ein auf Photovoltaik spezialisiertes Unternehmen und treibt

deutschlandweit die Energiewende voran, indem es Ökostrom günstig und für

jedermann anbietet. Als Kostenführer bietet die JES.Group das gesamte Produktspektrum aus einer Hand an, inklusive Großhandel, Inhouse-Installation, Service & Wartung, Anlagenfinanzierung, Stromversorgung und Systemdienstleistungen. CEO Jonas Holtz hat über zehn Jahre Erfahrung im PV-Markt und weiß, worauf es bei PV-Anlagen ankommt. Mit seiner Unternehmensgruppe treibt der erfolgreiche Unternehmer die dezentrale Energiewende deutschlandweit voran und legt damit die Grundlage für eine nachhaltige Energieversorgung.

oecolife – Nachhaltiges Hygienepapier

Die Gründung der Marke oecolife durch das Unternehmen Fripa im Jahre 2021 ist der Tatsache geschuldet, dass Nachhaltigkeit für eine wachsende Zahl von Verbraucher zu einem wichtigen Thema wird. Da ist es naheliegend, dass auch beim Toilettenpapier über alternative Materialien nachgedacht wird.

Toilettenpapier aus Frischzellstoff ist mit Blick auf den Schutz wertvoller Ressourcen nicht zeitgemäß. Der nachhaltige, plastikfreie und umweltverträgliche Zellstoff von oecolife wird dem Wunsch nach verantwortungsvollem Umgang mit Rohstoffen gerecht.

Die Marke oecolife verwendet keine Farb- oder Duftstoffe und vermeidet darüber hinaus alle Materialien und Inhaltsstoffe, die nicht den Anforderungen entsprechen, die das Konzept der Nachhaltigkeit an sie stellt. Es kommen nachwachsende Rohstoffe wie Bambus oder Stroh sowie recyceltes Altpapier zum Einsatz, die durch modernste Verarbeitungstechnik in Sachen Qualität gleichwertig sind.

Laut Unternehmen ist die Materialentwicklung inzwischen soweit, dass heutzutage kaum ein Unterschied zu bemerken ist zwischen dem oecolife-Toilettenpapier und einem Produkt aus Frischzellstoff. Eine PEFC-Zertifizierung und das Siegel Blauer Engel bestätigen die Nachhaltigkeit des oecolife-Toilettenpapiers.

Shopopop – nachhaltige Lieferungen

Shopopop wurde 2016 in Frankreich gegründet. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie mit den lang dauernden, staatlich verordneten Kontaktbeschränkungen erwies sich das Konzept des Unternehmens als sehr hilfreich.

Die Plattform bietet einen Service, durch den sich Lieferungen wieder nachhaltiger gestalten lassen, weil er die drei Hauptakteure zusammenführt: den Handel, die sogenannten Shopper (private Auslieferer) und die Kunden, die eine Lieferung wünschen. Shopopop gibt allen Beteiligten die Möglichkeit, ihre Ressourcen zu optimieren.

Die Shopper können mithilfe der Plattform ihre ohnehin notwendigen Fahrten besser planen und verdienen dabei durch die Belieferung noch zusätzliches Geld. Den Kund*innen wird durch Shopopop ermöglicht, einfach von daheim aus einkaufen zu gehen und auf die Lieferung durch die privaten Shopper zu warten. Das Modell ist ein Beitrag zur Reduzierung von CO-Emissionen.

Das Start-up ist in acht Ländern in Europa aktiv und möchte sich jetzt auch in Berlin positionieren. Bisher gibt es 2.400 etablierte Partner, z.B. Decathlon, Spar und Famila. Inzwischen haben die mehr als 500.000 registrierten Shopper über vier Millionen Lieferungen realisiert.

mySWOOOP – Gebrauchte Technik

mySWOOOP wurde von Simon Gabriel und Benjamin Gabriel in Bremen gegründet. Begonnen haben die beiden Gründer mit einem stationären Handel für den An- und Verkauf von gebrauchter Technik.

Die grundlegende Idee hinter dem Konzept war, gebrauchte Elektrogeräte als Alternative zu neuen Geräten im stationären Handel zu platzieren. Seitdem hat sich mySWOOOP zu einem reichweitenstarken Online-Shop entwickelt, der auf über 950.000 Kund*innen und 350 stationäre Anlaufstellen verweisen kann.

Zwar verkauft mySWOOOP keine nachhaltig produzierte Technik, aber durch den Ankauf und Verkauf von gebrauchter Technik trägt das Unternehmen dennoch zur Nachhaltigkeit bei. Um dem Willen einen Nachdruck zu verleihen, hat mySWOOOP die #GOECO Kampagne ins Leben gerufen und 150.000 Bäume gepflanzt.

mula. – Nachhaltige Teambekleidung

Das 2018 von Marco Lawrenz und Marvin Müller in Berlin gegründete Start-up mula. ist eine digitale B2B-Merchandise-Plattform. Über diese Plattform können sämtliche Merchandise-Aktivitäten für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden vereinfacht, standardisiert und gemanagt werden.

Grundlage ist dabei die Automatisierung von Prozessen. So lassen sich beispielsweise kundeneigene HR- und CRM-Tools, etwa HubSpot oder Salesforce, mittels API-Integration mit der Plattform verknüpfen. Das Mitarbeitenden- und Kund*innen-Onboarding wird vereinfacht, indem Daten hinterlegt und dann ganz automatisch und rechtzeitig zum Start als personalisierte Onboarding-Boxen verschickt werden.

Zudem haben Kund*innen die Möglichkeit, ihr eigenes Merchandise sowie ihre Teamkleidung über die Plattform auszuwählen, individualisieren zu lassen und mithilfe eines eigenen Shops bestimmten Gruppen zur Verfügung zu stellen. Das Start-up legt dabei viel Wert auf nachhaltige Produkte, die umweltschonend sind. Sämtliche Produkte sind zu 100 Prozent CO-neutral, vegan & aus organischen & recycelten Materialien hergestellt. Bei mula. erfolgt die Lieferung CO-neutral und selbst die Verpackung besteht aus biologisch abbaubarem Material.

Wunderflats: 7 Tipps aus 7 Jahren Unternehmensgeschichte

Arkadi Jampolski, Co-Gründer und COO von Wunderflats, mit sieben Learnings aus sieben Jahren Start-up-Unternehmertum.

Die sieben Weltwunder, die sieben Todsünden, sieben Jahre Pech, das verflixte siebte Jahr, im siebten Himmel: Kaum eine Zahl ist mit so vielen Mythen verbunden wie die Sieben. Immer wieder erscheint sie uns als relevante Größe, an der man Dinge misst. Auch für junge Unternehmen ist die Zahl Sieben ein relevanter Erfolgsindikator. Durchschnittlich 90 Prozent aller gegründeten Start-ups scheitern bereits nach fünf Jahren. Ist dieser statistische Meilenstein geschafft, kann es also nur noch nach oben gehen – so die Hoffnung.

Bei unserem 2015 gegründeten Berliner Unternehmen Wunderflats ist genau das der Fall gewesen. Aus einer einfachen Idee – möblierten Wohnraum einfach, flexibel und sicher zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen zu vermitteln – ist im siebten Jahr des Bestehens Deutschlands Marktführer für möbliertes Wohnen auf Zeit geworden. Dass der Weg vom jungen, wilden Start-up hin zum dynamischen Scale-up von Veränderung und Umbrüchen geprägt war, versteht sich von selbst. Wir teilen unsere sieben wichtigsten Learnings.

Verbindet Vielfalt durch eine gemeinsame Mission

Zahlreichen Studien zufolge ist ein diverses (Gründer-)Team erfolgreicher als ein homogenes. Meinen Mitbegründer Jan Hase und mich verbindet eine übereinstimmende Wertebasis – wir teilen eine Vision und verfolgen die gleiche Mission. Dass wir zudem beide aus bescheidenen Verhältnissen kommen, ist ein weiterer gemeinsamer Nenner. Doch Arbeit und Leben gestalten wir oft unterschiedlich. Für uns zählt Vielfalt – das gilt auch für die gesamte Wunderflats-Familie: Wir bringen Führungskräfte aus jungen Unternehmen wie GetYourGuide, AirBnB oder Flixbus mit anderen zusammen, die in sehr professionellen Konzernen wie Mercedes gelernt haben. Bei uns arbeiten Menschen mit Top-Uniabschlüssen, Kolleg*innen ohne Studium, junge und jung gebliebene Mitarbeitende ziehen an einem Strang und ergänzen einander. Denn für uns ist eines klar: Wer Unterschiedlichkeiten durch ein gemeinsames Fundament aus Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und transparenter Kommunikation zusammenbringt und eine vereinende Mission verfolgt, gewinnt.

Fortschritt im Markt für Fortschritt im Unternehmen

Eine weitere wichtige Erkenntnis, die Gründer*innen verinnerlichen sollten: Ein Unternehmen schwebt nicht auf einer einsamen Wolke, sondern ist immer eingebettet in ein Ökosystem aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Es lohnt sich für Unternehmerinnen und Unternehmer, sich mit anderen Stakeholdern zu vernetzen und gemeinsam die Branche voranzubringen, statt immer nur das eigene Unternehmen im Blick zu haben. Mein Co-Gründer Jan beispielsweise engagiert sich in mehreren Kommissionen wie der Bundeskommission für Digitalisierung oder der Bundesfachkommission Bau, Immobilien & Smart Cities, deren Arbeit indirekt auch auf unsere Unternehmensziele einzahlt. Auf diese Weise entstehen Symbiosen, die für alle Beteiligten sinnvoll und gewinnbringend sind.

Das Bauchgefühl durch Analysen zu unterdrücken ist fatal

Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer steht an irgendeinem Punkt im Unternehmenszyklus vor harten Entscheidungen. Die wichtigsten Fragen, die man sich in solchen Momenten stellen sollte, lauten: Wie groß ist das Erfolgspotenzial? Wie hoch sind die Kosten, diese Entscheidung in Zukunft zu ändern, anzupassen oder weiterzuentwickeln? Liegen alle Perspektiven auf dem Tisch? Wie viel Momentum verlieren wir, wenn wir uns nicht sofort entscheiden? Auch wenn die rationale Faktenlage noch so klar sein mag, am Ende darf eine Entscheidung auch immer emotional geprägt sein; durch das altbekannte Bauchgefühl. Wenn nötige Fakten fehlen, um eine Entscheidung zu treffen, hilft oft nur die Intuition. Und anders herum weist uns unser Bauchgefühl auch auf Entwicklungen hin, die sich vielleicht noch nicht in den Daten niederschlagen. Es ist wichtig, sich das bewusst zu machen, denn ein Momentum ist schnell vergangen und ohne Momentum gibt es keinen Fortschritt.

Kultur frisst die Strategie zum Frühstück

Ein weiterer Punkt mit enormer Strahlkraft ist die eigene Unternehmenskultur. Gerade für neue Teammitglieder und junge Menschen, die frisch in den Arbeitsalltag starten, bietet eine starke Firmenkultur eine hervorragende Orientierung dafür, welche Werte im Berufsleben hochgehalten und aktiv vertreten werden können. Die Formulierung und der erklärte Purpose sind das Eine – doch den schönen Worten müssen Taten folgen. Gemeinsame und von allen geteilte Werte sind so etwas wie der Kleber eines Unternehmens, der die verschiedenen Puzzleteile zusammenhält. Nur mit einer wertebasierten Unternehmenskultur können Teams das gemeinsame Ziel verfolgen und an einem Strang ziehen. Gerade für Unternehmen im Wachstum ist eine geteilte Kultur enorm wichtig, um Teams zusammenzuschweißen und nicht ins Micromanagement zu verfallen.

Lernen, lernen, lernen – und dabei den Fokus nicht verlieren

Je größer ein Start-up wird, desto komplexer werden die Herausforderungen, die mit dem Wachstum einhergehen. Die Offenheit für andere Meinungen und die Bereitschaft zu kontinuierlichem Lernen sind wesentliche Fähigkeiten einer guten Unternehmensleitung. Als Team profitieren wir vom ständigen Austausch zu Erfahrungen – auch mit neuen Kolleg*innen. Am besten lernt man differenziell. Der Begriff kommt aus der Sportwissenschaft und bezeichnet das explorative Testen unterschiedlicher Optionen: Man überlegt sich Abläufe oder Neuerungen und probiert sie aus. Dann wird geschaut, was gut funktioniert oder was stattdessen funktionieren könnte. Dazu sucht man sich Best Practices. Dem differenziellen Lernprozess vorangestellt ist die Fähigkeit, zu beobachten und zuzuhören. Stress, Ablenkung und Alltagslärm strapazieren unsere Präsenz und Aufmerksamkeit, so dass wir schließlich aufhören, dazuzulernen. Das kann zum Stillstand führen und am Ende zum selbstverursachten Ende des Unternehmens.

Jedes Unternehmen trägt als Teil der Gesellschaft Verantwortung

Jedes Unternehmen ist Teil der Gesellschaft und trägt damit Verantwortung. Jedes Team verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die es im Sinne der Gesellschaft zu nutzen gilt, nicht nur für den eigenen Unternehmenswert. Diese einzigartigen Fähigkeiten sollten dafür eingesetzt werden, um zuallererst den Firmen-Zweck, die eigene Mission zu fördern und voranzutreiben. Unterstützend braucht es Professionalität, ein funktionierendes Geschäftsmodell und damit verbundene Profitabilität, gesichert durch finanzielle Nachhaltigkeit – denn ein Unternehmen ist eine Organisationsform in der Gesellschaft, die Wohlstand schaffen muss, sonst kann es keinen gewinnbringenden Beitrag für die größere Mission leisten.

Sei bescheiden. Bleibe bescheiden

Zum Abschluss einer der wichtigsten Tipps für Gründer*innen: Vergesst nie eure Anfänge. Wir können unser Glück und den Zufall nicht beeinflussen. Wenn wir Glück haben, können wir mit unserer Leistung aber mehr daraus machen. Erfolg hängt also mit Leistung zusammen, es braucht dafür aber auch immer die entscheidende Portion Glück. Das Zurückbesinnen auf die eigenen Anfänge im Berufsleben, auf die individuelle Entstehungsgeschichte – und eben auf das Quäntchen Glück – erdet im Sog von Finanzierungsrunden und Expansion ganz besonders. Sei also bescheiden – und bleibe es.

Über Arkadi Jampolski

Arkadi Jampolski ist Co-Gründer und COO von Wunderflats. In Russland geboren und aufgewachsen, kam Arkadi mit acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Neben seinem Doppel-Bachelor-Abschluss (BA European Business & BSc Financial Management) war Arkadi einige Zeit selbständig und hatte bereits ein mal gegründet, bevor 2015 Wunderflats, die führende deutsche Plattform für möbliertes Wohnen auf Zeit, entstand.

Planet A Foods: kakaofreie Schokolade zum Fest

Das 2021 in München gegründete Start-up Planet A Foods will mit der weltweit ersten 100 % kakaofreien Schokolade Nocoa die Süßwarenwelt gehörig umkrempeln.

Noch haben sich viele Menschen nicht mit der Idee von Fleischersatz-Produkten, Milch-Ersatz-Produkten und Co. angefreundet. Doch mittel- bis langfristig dürfte der Trend – aus Gründen wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum – nicht aufzuhalten sein. Entsprechend sehen sich Forschende und Unternehmen nach weiteren Möglichkeiten um, gängige Lebensmittel mit (perspektivisch) umweltfreundlicheren Alternativen zu ersetzen. Eines davon ist das vom Geschwisterpaar Sara und Maximilian Marquart gegründete Münchner Start-up Planet A Foods. Mit Nocoa hat es eine Kakao-Alternative entwickelt – und steht knapp vor der Markteinführung.

Hafer ersetzt Regenwald-Rodung und Kinderarbeit

Der Hintergrund: Für die Kakaoproduktion werden jährlich große Regenwald-Flächen abgeholzt und es gibt ein massives Problem mit Kinderarbeit. Das Unternehmen setzt dagegen auf Hafer aus heimischer Produktion als wichtigste Zutat. Auch sonst nutzt Planet A Foods auf regionale Bestandteile.

Ersetzt werden im Nocoa sowohl Kakaopulver als auch Kakaobutter. „Wenn man Hafer richtig fermentiert und röstet, erhält man sehr ähnliche Aromen wie im Kakao“, erklärt Sara Marquart gegenüber der deutschen WirtschaftsWoche. Dazu adaptierte das Start-up Verfahren zur Fermentation. Bei Blindverkostungen sollen laut dem Start-up auch Lebensmittelexpert*innen den Unterschied zu gewöhnlicher Schokolade nicht geschmeckt haben.

Große Skalierungspläne mit Nocoa

Planet A Foods hat bislang rund sechs Millionen Euro Investment aufgenommen, unter anderem von Cherry Ventures aus Berlin, und hat am renommierten Y-Combinator-Accelerator-Programm im Silicon Valley teilgenommen. Überzeugt haben dürfte man die Geldgeber*innen auch mit der Strategie. Das Start-up will nämlich nicht – wie andere vergleichbare Unternehmen – erst einmal ein Edel-Produkt auf den Markt bringen, sondern fokussiert darauf, Schokolade in Massenprodukten wie Schokoriegeln zu ersetzen.

Die Vision laut Maximilian Marquart: „Eine Lebensmittelfirma aufbauen, die 500 Megatonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen kann“. Derzeit baut das Start-up im tschechischen Pilsen eine 1000-Quadrameter-Halle, in der 400 Kilogramm Nocoa-Schokolade pro Stunde hergestellt werden sollen. Und der geplante Marktstart dürfte auch nicht zufällig gewählt sein – knapp vor Weihnachten soll es soweit sein.