Green Rebels - Power Women

Autor: Andrea Juliane Bitzer
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Egal ob sie kleine Läden eröffnen, nachhaltige Produkte entwickeln oder ökologische Initiativen starten: Green Rebels eint der Traum vom zukunftsfähigen Planeten. Doch wer sind diese Frauen?

Green Rebels sind die Held*innen von morgen – mutige Unternehmer*innen, die nachhaltig gegründet haben. Sie haben sich durch ihre Gründungen nicht nur genau den Arbeitsplatz geschaffen, in dem sie eine sinnstiftende Betätigung finden und der mit ihren Lebensumständen vereinbar ist. Sie sind auch davon überzeugt, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen müssen.

Drei Jahre haben wir laut Weltklimarat noch die Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Die Notwendigkeit ist (fast) allen klar, der Wandel hat begonnen. Doch die Entwicklung geht zu langsam vonstatten. Die Politik tut sich schwer, der Wirtschaft zugunsten des Klimaschutzes Vorschriften zu machen. Das Problem liegt auf der Hand: Jahrzehntealte Strukturen ändern sich nicht schnell. Und je größer ein Apparat, desto langsamer läuft seine Transformation.

Ich selbst habe viele Jahre für ein Unternehmen gearbeitet, das sich nur zögerlich an ressourcenschonende Produktionen heranwagte. Als Vegetarierin hatte ich es in der Kantine nicht immer leicht, und wenn ich mal vorschlug, Bio- anstelle der konventionell hergestellten Baumwolle zu verwenden, scheiterte ich meist an Vorstand und Vertrieb, denen die „Performance“ der Produkte damals noch wichtiger war als Umweltschutz und CO2-Abdruck. Ich nahm eine Spannung in mir wahr, ein inneres Rebellieren, und immer häufiger fragte ich mich: Welchen Sinn hat meine Arbeit? Was könnte ich bewirken, wenn ich meine Energie, meine Kreativität und mein Engagement in eine Unternehmung einbrächte, die meine Werten teilt? Die nicht nur nimmt, sondern auch etwas zurückgibt?

Carolin Kunert

Ich bin nicht die Einzige, die sich diese Fragen stellte. Auch Carolin Kunert, die nach ihrem Studium als freie Produktdesignerin arbeitete, ging es gehörig gegen den Strich, dass die großen Produkthersteller, die sie beauftragten, nachhaltige und langlebigere Ideen für Materialien und Gestaltung nicht nur ignorierten, sondern sogar von ihr verlangten, Produkte zu entwickeln, die nach einer bestimmten Zeit kaputtgehen. In der Konsumgüterbranche arbeitet man oft wortwörtlich für die Mülltonne. Das stieß Carolin sauer auf, und sie gründete kurzerhand ihr eigenes Unternehmen: Knister Grill, den ersten vollständig in Deutschland produzierten Grill aus nachhaltigen Materialien, die zu 98 Prozent recycelt werden können. Eine Kickstarter-Kampagne und nur ein halbes Jahr später gingen die ersten Grills in Produktion, heute beschäftigt sie neun Mitarbeitende.

Der Standort Deutschland ist für Carolin eine Selbstverständlichkeit. „Ich will Arbeitsplätze und Wirtschaft hier vor Ort sichern.“ Dass es nicht nur ökologisch von Vorteil ist, im eigenen Land produzieren zu lassen und damit kurze Lieferwege zu haben, bemerkte Knister Grill spätestens in der Corona-Krise. Da stieg innerhalb von wenigen Tagen die Nachfrage nach der Balkonhalterung, in die man den Grill einklemmen konnte, rasant an. Von der waren aber nicht genug auf Lager. In Windeseile orderte Knister Grill die Halterungen beim deutschen Hersteller nach, nur wenige Tage später konnten sie die Produkte ausliefern. „Bei einem chinesischen Lieferanten wäre das niemals gegangen. Auch nicht in Zeiten, in denen die Grenzen offen sind.“

Milena Glimbowski

Bis 2050 will Deutschland klimaneutral werden. Das geht nur, wenn sich Unternehmen nicht nur eine hübsche grüne Weste anziehen, auf Alukapseln im Kaffeeautomaten verzichten und Papier zweimal bedrucken, sondern tatsächlich dafür sorgen, dass sie ressourcenschonend, fair und sozial gerecht produzieren. Ein grünes Unternehmen produziert und vertreibt ökologisch nachhaltige Produkte und Dienstleistungen, möchte gesellschaftlich und sozial eine positive Wirkung schaffen und von Grund auf fair aufgestellt sein.

Ein solches Unternehmen ist Original Unverpackt, gegründet von Milena Glimbowski. Die Inspiration dazu brachte ein gemeinsamer Kochabend mit einer Freundin, als den beiden auffiel, wie viel Müll sich in der Küche häufte. Die Idee für einen Laden, in dem man alle Waren unverpackt kaufen kann, war geboren. Milena reichte diese bei einem Wettbewerb für nachhaltige Ideen ein und zu ihrer eigenen Überraschung gewann sie. Eigentlich eine feine Sache. „Aber damit stieg auch der Druck, die Idee tatsächlich umzusetzen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, wie groß der Berg war, den man bei so einer Gründung besteigen muss.“

Trotzdem schrieb sie mit der Freundin einen Projektplan, startete eine Crowdfunding-Kampagne und hielt Ausschau nach einem Ladenlokal. Die beiden beschlossen: Wenn die Idee auf der Plattform Anklang fand, würden sie gründen. Dann geschah das Unglaubliche: Bereits am ersten Tag spendeten Fans ihrer Gründungsidee die notwendigen 25.000 Euro. Am Ende kam sogar fast das Fünffache der Summe zusammen, 110.000 Euro. Es wurde ernst. Sie eröffnete den ersten Original-Unverpackt-Laden 2014 in Berlin. Nach einigen Jahren war der zwar profitabel, aber Milenas Ressourcen gänzlich erschöpft. Sie musste sich eine Auszeit nehmen – eine vollkommen neue und schockierende Erfahrung für das Energiebündel.

Joana Breidenbach

„Wir stehen vor einem gewaltigen Umbruch“, erklärt Joana Breidenbach in unserem Gespräch. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit gemeinwohlorientierten Unternehmensformen und forscht zum Thema New Work, dem Sammelbegriff für sinnstiftende Arbeit, die einen höheren Zweck verfolgt und uns in die Zukunft führen wird. Durch neue Technologien, Digitalisierung und Automatisierung werden in einigen Jahren viele Berufe überflüssig sein. Das hat Auswirkungen auf unsere Geisteshaltung, wie es sich bereits in den Lebensmodellen der Generation Y ankündigt, der ersten Generation, die bei steigenden Lebenskosten weniger als ihre Eltern verdient und auch deswegen zunehmend weniger Sinn darin erkennt, den alten Idealen nachzueifern. Im Konzept der New Work ist das Ziel, ein werteorientiertes, zukunftsfähiges Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem die Beschäftigten im Zentrum stehen – und nicht das profitorientierte Wachstum.

Wir stecken mitten im Wandel: Das alte System hat seinen Höhepunkt erlebt und ist im Niedergang begriffen, das neue System treibt gerade seine ersten Blüten und erlebt einen Aufschwung. Marktwirtschaft, so schien es lange, sei das beste System. Doch das grenzenlos wirkende Wachstum hat Grenzen erreicht. In Zukunft werden wir kluge, flexible und kreative Lösungen für die großen Probleme der Menschheit finden müssen.

Dass es möglich ist, neue nachhaltige Unternehmensformen erfolgreich umzusetzen, hat Joana am eigenen Beispiel gezeigt. Die promovierte Kulturanthropologin war 2007 eine der Gründer*innen des Unternehmens betterplace.org, einer Plattform für Hilfsorganisationen, die innerhalb kurzer Zeit zu Deutschlands größter Spendenplattform wurde. 2014 schaffte Joana ihren eigenen Chefposten ab und beteiligte sich fortan als Investorin an verschiedenen Start-ups. Sie weiß, dass es möglich ist, ein Unternehmen nachhaltig und rentabel zu gründen. Darin liegt  unsere Zukunft. Wir werden künftig nicht nur innovativere, kreativere Lösungen für unseren täglichen Bedarf finden müssen, unsere Gesellschaft braucht auch einen soliden Mittelstand, wenn sie weiterhin dieselben Privilegien genießen will. Selbständige, kleine und mittelständische Betriebe können hier eine entscheidende Lücke schließen, die bereits heute klafft.

Grün ist die Hoffnung

Wir brauchen Menschen, die Mut und Initiative zeigen. Die Verantwortung für sich, aber auch für andere übernehmen, vor allem aber für die Gesellschaft, in der wir leben. Wir sind dazu aufgefordert, ein vollkommen anderes Verhältnis zu unserer Umwelt zu entwickeln. Es liegt an uns, dass ökologische Initiativen und Förderprogramme mehr Aufmerksamkeit bekommen als das Video eines bauchrutschenden Pinguins in den sozialen Medien. Grüne Unternehmungen sind der Motor des Strukturwandels, aber auch die Mittelschicht von morgen. Denn wer solide und langsam wächst, wächst nachhaltig und übersteht auch größere Krisen, die in Zukunft sicher nicht weniger werden. Wir müssen daher Sorge tragen, dass grüne Gründer*innen stärker in den Fokus rücken, sich besser miteinander vernetzen und unterstützt werden. Und wir brauchen Vorbilder. Green Rebels, die zeigen, dass es geht.

Tipp zum Weiterlesen: Die Autorin dieses Beitrags stellt in ihrem Buch „Green Rebels, Frauen und ihr Traum von einer besseren Welt“ die Lebensentwürfe, Hoffnungen und Fragen sog. Green Rebels vor, einer neuen Generation von Unternehmerinnen und Gründerinnen. Ein Buch, das gute Gründe aufzeigt, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen und Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Andrea Juliane Bitzer, Green Rebels, Frauen und ihr Traum von einer besseren Welt, ISBN: 9783749901166, HarperCollins 2021, 14 Euro

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watchandbuild.com: preisgekrönt auf den Hund gekommen

Wie die watchandbuild.com-Gründer Arndt Rubart und Heinrich Erkens mit ihrem innovativen Customer-Self-Enabling-Portal MagicManuals® sowohl hochkarätige Preise abräumen als auch spannende Anwendungsbereiche erobern.

Wenn ein Start-up in kürzester Zeit zwei renommierte Preise verliehen bekommt, ist das einerseits ein Grund zur Freude und andererseits wahrscheinlich kaum als Zufall zu bezeichnen. Erst Anfang September 2022 sind die MagicManuals® des Start-ups watchandbuild.com GmbH live gegangen und nach dem Red Dot Award 2022 hat die Customer-Self-Enabling-Lösung der Gründer Arndt Rubart und Heinrich Erkens im Dezember 22 auch den German Design Award gewonnen.

Die digitale Portallösung, die Endverbraucher*innen dabei unterstützt, erklärungsbedürftige Produkte locker in den Griff zu bekommen, hat die Wettbewerbsjury in der Kategorie „Excellent Communications Design/Interactive User Experience/Special Mention“ überzeugt. In der Jurybegründung heißt es: „MagicManuals® verfügt über ein einzigartiges User Interface und intuitive Workflows für seine Business-Kunden und deren Endkunden.“

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Mit den MagicManuals® haben Hersteller von erklärungsbedürftigen B2C-Produkten die Möglichkeit, in nur 15 Minuten und mit nur wenigen Klicks ein Self-Service-Portal im Look and Feel der jeweiligen Marke für die Endkunden aufzusetzen. Dort können alle Informationen als Text, Bild, Video oder 3D-Animation hochgeladen werden. So finden Anwendende alle Hilfsmaterialien, die sie dabei unterstützen, ein Produkt aufzubauen oder in Betrieb zu nehmen an einer zentralen Stelle.

Die MagicManuals® eignen sich für eine Vielzahl von Branchen, wo Aufbau, Inbetriebnahme und Produktnutzung den Unterschied machen, wie zum Beispiel bei Möbeln und Einrichtungsgegenständen, Elektro-, Spiel- und Sportgeräten oder Kfz-Teilen und -Zubehör etc. Entscheidend ist, dass sich der Aufwand und die Kosten für den Kundenservice mit den MagicManuals® deutlich reduzieren lassen, weil die Endverbraucher*innen schnell und zielsicher „Hilfe zur Selbsthilfe“ finden und kostenintensive Kanäle wie Telefon, E-Mail und Chat entlastet werden.

Aller guten Dinge sind drei

Zuletzt hatten sich die prämierten Gründer mit ihrem Customer-Self-Enabling-Portal für den fressnapf Innovation Award beworben und den Silver Award in der Kategorie „Digital Services“ gewonnen. Als Europas Nummer eins für Heimtierbedarf positioniert sich Fressnapf mit dem Award als Innovationstreiber. MagicManuals® hatte für den fressnapf Innovation Award einen Prototyp gebaut, um den Endkunden erklärungsbedürftige Produkte und Equipment zu präsentieren ­– wie beispielsweise Installationsanleitungen und -Videos für Aquarien oder Terrarien. Diese kundenfreundliche Lösung war Fressnapf einen Award wert. Dass aber am Abend der Preisverleihung gleich die nächste Idee geboren wurde, war nicht vorherzusehen.

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Das Resultat: Seit neuem werden die MagicManuals® auch für den „Fressnapf Tracker“ genutzt. Dabei handelt es sich um ein App-basiertes GPS-Ortungssystem, mit dem Hundebesitzer*innen jederzeit nachsehen können, wo sich der eigene Vierbeiner gerade befindet – ganz egal, wie weit er entfernt ist. Der Tracker sendet jede Minute die Position des Haustiers, im Live-Tracking sogar alle 15 Sekunden. Über 70.000 Hundebesitzer*innen nutzen den „Fressnapf Tracker“ bereits, der auch ein umfangreiches Helpcenter mit vielen Fragen und Antworten rund um die Vierbeiner beinhaltet. Diese und andere Inhalte sind nun in das nutzerfreundliche UX-Design der MagicManuals® übertragen worden – mit Bildern, Augmented-Reality-Animationen, Texten und Video. Auch für die Vorstellung der Features des „Fressnapf Tracker“ im Online-Shop des Fachhändlers wird die Lösung der watchandbuild.com-Gründer eingesetzt.

„Die Inhalte sind alle vorhanden, aber es ist entscheidend, wie sie aufbereitet werden, damit die Anwender des Trackers den größtmöglichen Nutzen davon haben. Die MagicManuals® sind eine Lösung, die vom Endkunden her gedacht und entwickelt worden ist. Wir setzen diese SaaS-Lösung deshalb gern ein, weil wir alles tun, um den Bedienkomfort für unsere Kunden zu optimieren“, sagt Milad Samei, Product Owner für den GPS-Tracker von Fressnapf.

Robert Rubart ergänzt: „Das Beispiel zeigt, wie vielfältig unsere Anwendungsmöglichkeiten sind. Es gibt in so vielen Bereichen noch Möglichkeiten, mehr Freude für Produkte zu erwecken, weil die Kunden alle wesentlichen Informationen an einer zentralen Stelle finden können.“

Wissenschafts-Gründer*innen als Klimaretter*innen

Wissenschaftliche Start-ups beschäftigen sich zunehmend mit Themen, die die Umwelt entlasten können und nehmen hierbei nicht selten Vorreiterrollen ein. Wir stellen fünf Start-ups vor, die auch mithilfe des Hamburger Verbundprojekts beyourpilot Maßnahmen gegen die Klimakrise entwickeln.

Der Klimawandel erfordert dringenden Handlungsbedarf: Ohne nachhaltige Veränderungen, die unseren Alltag umfassend durchdringen, steuert die globale Gesellschaft auf eine verheerende Krise zu. Etwa 80 Prozent der jemals weltweit produzierten Kunststoffe liegen auf Deponien oder verschmutzen zunehmend die Ozeane. Das empfindliche Ökosystem in den Tiefen der Meere ist bereits jetzt durch fünf Milliarden Tonnen unseres Plastikmülls belastet, der nicht abbaubar ist. In Deutschland werden gerade mal 17,3 Prozent der Plastikabfälle recycelt, wobei sich einige dieser Kunststoffe nur schwer wiederverwenden lassen. Insbesondere Einwegprodukte, die selbst in Ländern mit einem funktionierenden Re­cyclingsystem für Verpackungen nicht wiederaufbereitet werden können, bedrohen unsere Umwelt und beschleu­nigen den Klimawandel.

Fast ein Drittel aller grünen Start-ups sind forschungsnahe Gründungen

Der Green Startup Monitor beschreibt seit vier Jahren, wie es Deutschlands grüner Start-up-Szene geht. Der diesjährigen Studie zufolge spielen die Hochschulen gerade bei innovativen, grünen Gründungen eine wesentliche Rolle: Fast ein Drittel aller grünen Start-ups sind forschungsnahe Gründungen. Trotzdem sieht der Monitor hier noch großes Potenzial.

Essenzielle Unterstützung bei der Entwicklung innovativer grüner Technologien erhalten beispielsweise Hamburgs Start-ups vom Verbundprojekt beyourpilot, einem vernetzten und koordinierten Beratungs- und Unterstützungsangebot für alle Wissenschafts-Gründer*innen in der Hansestadt. Um den Erfolg der Wissenschafts-Start-ups in Hamburg zu erhöhen, wurde mit beyourpilot ein zentraler Anlaufpunkt für Gründer*innen geschaffen, über den online, aber auch offline durch Beratung und Unterstützung für mehr

Unternehmensgründungen an Hamburger Hochschulen und Forschungsinstituten gesorgt wird. Hierfür haben sich die größten Hamburger Hochschulen und das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY zusammengeschlossen, um die Gründungen von Wissenschaftler*innen noch besser und effektiver fördern und unterstützen zu können. Hier eine kleine Auswahl an Start-ups, die auch mithilfe von beyourpilot erfolgreich durchgestartet sind.

traceless materials

Ein Start-up, das insbesondere das Plastikproblem angeht, ist traceless materials mit einer umweltschonenden ­Alternative zu Plastik. Dr. Anne Lamp, die als Verfahrenstechnikerin bei Professor Kaltschmitt am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg (TUHH) promovierte, hat anhand ihrer Forschung ein neues Verfahren entwickelt, um das globale Plastikproblem zu lösen. Aus pflanzlichen Reststoffen der Agrarindustrie stellt das Unternehmen ein neuartiges Biomaterial her, das in vielen Bereichen Plastik ersetzen kann – beispielsweise in Verpackungen, Einwegprodukten oder Papierbeschichtungen. Das sogenannte traceless-Granulat lässt sich praktisch wie Kunststoffgranulat verarbeiten und befindet sich in verschiedenen Pilotprojekten im Anwendungstest (bspw. beim Versandhaus OTTO). Das Material ist nach wenigen Wochen kompostierbar sowie energieeffizient, klima­freundlich und lässt sich künftig zu einem wettbewerbsfähigen Preis in industriellem Maßstab herstellen. Das Start-up gewann 2022 den Hamburger Gründerpreis in der Kategorie „Existenzgründer“ und erhielt auf der nationalen Bühne den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Startup“.

Als Anne Lamp Anfang 2020 hinsichtlich ihrer Gründung noch in der Phase der Orientierung war, erfuhr sie von beyourpilot, genauer gesagt vom Startup Dock. Das Startup Dock ist die Gründungsunterstützung der TUHH, die Partnerin und damit Teil des beyourpilot-Netzwerks ist. Ein erstes Unternehmen hatte damals Interesse an Anne Lamps Material gezeigt, weshalb sie im Rahmen der Gründungsberatung um Rat suchte: „Ich war unsicher und kannte meine Optionen nicht. Das Startup Dock beziehungsweise beyourpilot hat mich dann beraten und gab mir Tipps“, berichtete sie über die Anfangszeit des Start-ups. Seitdem stehen ihr mehrere Ansprechpersonen zur Verfügung: „Sie sind bis heute meine Sparringspartner*innen, wenn es um mein Pitch-Deck geht. Wir sprechen beispielsweise auch über unsere Strategie, wie wir Dinge realisieren können. Das sind alles Business-Komponenten, über die man sich als Forscherin weniger Gedanken macht.“

Im Frühjahr 2020 stellte Anne Lamp fest, dass sie eine(n) feste(n) Partner*in für die Strategieentwicklung und Finanzierung braucht – seither wird sie von ihrer Mitgründerin Johanna Baare unterstützt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat mit ihrer Erfahrung in der Strategieberatung sowie ihrem MBA eine komplementäre Expertise zu jener von Anne Lamp: „Wir sind auf ein breites Netzwerk angewiesen, um unser Wirkungspotenzial auszuschöpfen. Dazu gehört nicht nur unser traceless-Team, sondern auch die vielen Geschäftspartner*innen, Investor*innen und Unterstützer*innen, die sich unserer Pionierreise angeschlossen haben. Und natürlich auch die Gesellschaft und die Verbraucher*innen, wo bereits ein großes Bewusstsein für die Plastikverschmutzung besteht“, so Johanna Baare bei der Verleihung des diesjährigen Deutschen Gründerpreises. Der Bedarf an Innovationen und umweltfreundlichen Lösungen ist heute größer denn je, und die Gründerinnen freuen sich, dass neue Ideen wie ihre vielfach mit offenen Armen statt mit Skepsis aufgenommen werden.

„Als Impact-Unternehmen sind wir noch lange nicht am Ende unserer Mission: Unser Ziel ist es, das volle Wirkungspotenzial unserer Technologie auszuschöpfen und unseren Beitrag zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung und Klimakrise zu leisten. Und dafür ist – wie bei allen komplexen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen – Zusammenarbeit entscheidend. Die Veränderung, die wir dringend brauchen, wird kein Unternehmen alleine schaffen“, so Anne Lamp.

Heldengrün: Den Haushalt revolutionieren

Wie uns das nachhaltige Start-up Heldengrün nicht nur beim bevorstehenden Frühjahrsputz glänzen lassen will.

Zwei junge Männer, Shewit Hadish und Eugen Mesmer, bringen uns derzeit ein neues Verständnis für den Wohnungsputz bei und zeigen uns, wie der Frühjahrsputz anno 2023 aussieht. Seit 2018 sorgen Shewit und Eugen mit ihrem Start-up Heldengrün dafür, dass unsere eigenen vier Wände ein Stück weit nachhaltiger glänzen und sorgen mit einem Putzstein, Öko-Wasch – und Trocknerbällen, sowie diversen Bio-zertifizierten Ölen für ein neues Verständnis von Sauberkeit. Die Produkte, die es im eigenen Heldengrün-Shop, bei allen großen Online-Händlern, bei Kaufland, Alnatura und in vielen Unverpackt-Läden gibt, vermeiden nicht nur Plastikmüll, sondern kommen so gut wie ohne chemische Zusätze aus.

All-in-One Putzstein, Trocknerbälle und Co.

Die Idee zu Heldengrün entstand in den damaligen Single-Haushalten der Gründer Shewit und Eugen. „Wir fanden es furchtbar, dass die Wohnung nach dem Putzen so pnetrant nach Chemie gestunken hat“, beschreibt Shewit. „Dazu hatten wir jeweils ein ganzes Arsenal an Plastikflaschen herumstehen. Das wollten wir ändern.“

Die beiden entwickeln nach und nach einen nachhaltigen All-in-One Putzstein aus 96 Prozent natürlichen Inhaltsstoffen mitsamt Schwamm, der sich für alle Haushaltsbereiche eignet und das Putzmittel-Arsenal überflüssig macht, Trocknerbälle für den Trockner, die die Energie im Trockner effizient verteilen um Strom zu sparen, sowie einen weitestgehend natürlichen Bodenreiniger für den Wisch – und Saugroboter mit natürlichen Düften.

Alle Produkte bestehen zum Großteil aus natürlichen Inhaltsstoffen und werden entweder plastikfrei oder mit recyceltem Plastik verpackt, um einen möglichst ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. „Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle betrifft und das wir uns auch alle leisten können sollten“, sagt Eugen. „Wir wollten daher bezahlbare Alltagsprodukte schaffen, die uns als ganze Gesellschaft bewusster und grüner machen können. Wir wollen dafür vorhandene Ressourcen nutzen und keine neuen verschwenden.“

Neues Mindset in Sachen Putzen

Im Fokus steht dabei auch ein neues Mindset, was unser Verständnis fürs Putzen betrifft. „Sehr viele Menschen assoziieren den Geruch von Chemie mit Sauberkeit. Nur wenn es so steril riecht wie im Krankenhaus, vertrauen sie darauf, dass etwas wirklich sauber ist. Dabei gibt es nicht den einen spezifischen Geruch von Sauberkeit. Eine Wohnung kann auch dann sauber sein, wenn sie hinterher natürlich duftet und keine Giftkeulen zum Einsatz kamen. Wir müssen hier unser Sauberkeitsverständnis neu definieren.“

Heldengrün will genau das erreichen. Auf ihren Produkten sind anstatt leuchtfarbiger Piktogramme, die vor giftigen Stoffen warnen, lediglich Labels zur Öko-Zertifizierung zu sehen. „Es geht uns um Wertschätzung – gegenüber unserer Umwelt und auch gegenüber den Menschen“, so Shewit weiter. „Eigentlich will doch niemand chemische oder ätzende Inhaltsstoffe in seinen eigenen vier Wänden benutzen, vor allem dann nicht, wenn im Haushalt Kinder wohnen.“

2023 soll eine Erweiterung der Produktpalette erfolgen. Bereits jetzt neu im Sortiment: Ätherische Öle, die nicht nur als Duftgrundlage für Do It Yourself-Wasch- und Putzmittel verwendet werden, sondern das Sortiment in Richtung Körperpflege weiterdenken. So sind die hochwertigen Rosmarin – und Lavendelöle beispielsweise effektive Helfer für Kopfhaut- und Haarpflege. Die dafür verwendeten Pflanzen werden unter strengen ökologischen Auflagen angebaut und von einem Familienbetrieb in Handarbeit destilliert.

Bavarian Airlines: 18-Jähriger gründet Fluggesellschaft in München

18-jährige Gründer*innen gibt es einige. Mit der Gründung der Fluggesellschaft Bavarian Airlines sticht Adem Karagöz allerdings heraus.

Neue Fluglinien werden immer wieder gegründet. Bavarian Airlines sticht jedoch heraus. Erst im November 2022 gestartet und vergangene Woche formell gegründet, will das Unternehmen schon Ende 2023 mit zwölf gemieteten Jets des Typs Embraer E195-E2 von München aus Linienflüge nach Wien, Amsterdam, London City, Berlin, Düsseldorf und Mailand anbieten. Und was vielleicht noch erstaunlicher ist, als der ambitionierte Zeitplan: Co-Founder und CEO Adem Karagöz ist gerade einmal 18 Jahre alt.

Bavarian Airlines: Besseres Essen, breitere Sitze als die Konkurrenz

Dieser hat auch einen Plan, gegenüber der etablierten Konkurrenz wie Lufthansa und Co. herauszustechen, wie er in einem RTL–Interview erzählt: „Wir möchten ein neues Produkt auf den Markt bringen, das es in Deutschland so noch nicht gibt. Es ist vergleichbar mit der Domestic First Class in den USA. Das bedeutet, wir möchten ein besseres Service anbieten.“ Das heiße etwa besseres Essen und breitere Sitze. „In der Business Class gibt es eine 1-1-Bestuhlung statt einer 2-2-Bestuhlung, in der Economy Class eine 2-2-Bestuhlung statt einer 3-3-Bestuhlung“, so Bavarian Airlines-CEO Karagöz. Auf die Idee sei er während eines Business Class-Flugs gekommen, bei dem er sich über schlechtes Service und niedrigen Sitzkomfort geärgert habe, sagt der junge Gründer: „Ich dachte mir, das kann ich besser.“

Das Ziel: Top Services, moderate Preise

Trotz dieses Service-Versprechens will Bavarian Airlines Endverbraucher*innen-Preise in der Größenordnung der etablierten Konkurrenz bieten. Bei Analysen sei man zum Ergebnis gekommen, dass man sogar bei niedrigeren Preisen profitabel arbeiten könne, erklärt Adem Karagöz. Ob man im dritten oder vierten Quartal dieses Jahrs losstarten könne, hänge von der aktuell größten Herausforderung ab: Noch hat das Unternehmen keine Lizenz. Diese wurde aber bereits beantragt, wie sich RTL vom zuständigen Bundesamt bestätigen ließ.

Adem Karagöz sichert Startkapital in zweistelliger Millionenhöhe

Und wie finanziert der junge Gründer das alles? Gegenüber der Bild geht er nicht ins Detail, erzählt aber, man habe bereits einen zweistelligen Millionenbetrag „von Investoren und aus eigener Tasche“. Schon 2024 wolle man mit Bavarian Airlines 2,1 Millionen Passagiere befördern – mit insgesamt 21 900 Flügen, also 60 pro Tag, sagt Adem Karagöz dort. Und: Es werde ein Bonusmeilen-Programm geben, bei dem man in Kryptowährung – „Bavarian Tokens“ – ausbezahlt wird.

Warum Fleisch, wenn es auch Sonnenblumen gibt?

Langsam, aber stetig entscheiden sich immer mehr Deutsche für weniger oder sogar gar keinen Fleischkonsum. Doch fleischlose Alternativen etwa auf Sojabasis haben keine reine Klimaweste. Das Münchner Start-up Planty Of Meat setzt daher auf Sonnenblumen und verspricht echten Fleischgeschmack.

Der Oktober 2022 war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Die hiesigen Sommer eilen seit Jahren von einem Temperaturrekord zum nächsten – während viele Ackerflächen, Waldböden und private Rasenflächen regelrecht verdorren. Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen: Der Klimawandel ist im vollen Gange und verändert das Wetter hierzulande dramatisch.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen fragen sich mehr und mehr Deutsche nach der eigenen Rolle, dem eigenen Klima-Fußabdruck und ihrer persönlichen Verantwortung: Die Zahl der Menschen, die zumindest häufiger als früher vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, nimmt zu. Und auch bei den Ess- und Verbrauchsgewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten zeigt sich ein Umdenken. So geht der Fleischkonsum – wenn auch im internationalen Vergleich nach wie vor auf sehr hoher Basis – leicht zurück.

Fleischkonsum der Deutschen: Umdenken hat eingesetzt

Im Jahr 2021 summierte sich der menschliche Verzehr von Fleisch hier in Deutschland auf rund 55 kg pro Kopf, ist bei Statista nachzulesen. Weiter heißt es dort: „Der Gesamtverbrauch, in dem der Verbrauch von Tierfutter, die industrielle Verwertung sowie die Produktverluste berücksichtigt sind, summierte sich auf etwa 81,7 kg. Die in Deutschland am meisten konsumierte Fleischsorte ist Schweinefleisch. Es folgen Geflügel mit rund 13,1 kg sowie Rindfleisch mit etwa 9,4 kg pro Kopf. Die tendenziell sinkende Konsummenge von Fleisch in Deutschland ist vor allem auf die Zurückhaltung gegenüber dem Schweinefleisch zu erklären. Der durchschnittliche Gesamtverbrauch von Schweinefleisch sank seit dem Jahr 1991 um rund acht Kilogramm.“

Wesentliche Gründe für den Rückgang sind die zahlreichen Tierzuchtskandale der jüngeren Vergangenheit, Berichte über teils katastrophale Bedingungen bei der Haltung und dem Schlachten der Tiere, aber eben auch das steigende Bewusstsein über die immens hohen direkten und indirekten Kohlendioxid- und Methanemissionen bei der Nutztierzucht, die das Weltklima stark belasten.

Die Einsicht und der Wille zur fleischärmeren bis gar zur fleischlosen Ernährung ist bei vielen Menschen da. Wäre da nicht die Sorge, auf den dem Menschen regelrecht angeborenen Fleischgeschmack verzichten zu müssen.

Fleischersatz mit vollem Fleischgeschmack

Diese Sorge hatte auch Johannes Biel, als er 2019 das Unternehmen Planty Of Meat in Garching gründete: „Wir möchten natürlich konsumieren, gleichzeitig wollen wir unseren Kindern aber auch eine intakte Umwelt übergeben und nicht ohne Rücksicht auf Verluste leben.“ Als sich Johannes Biel mit dem Gedanken trug, eine „fleischlose Firma“ zu gründen, hatte er bereits als Fleischimporteur Karriere in der klassischen Industrie gemacht. Wie passt das zusammen? Seine Antwort: „Sicherlich sind wir ein Traditionsunternehmen, auf was wir sehr stolz sind. Dennoch möchten wir uns aber dem Zeitgeist nicht verwehren und auf aktuelle Trends eingehen. Folglich ist Planty Of Meat unsere Auflösung dieses Konflikts.“ Als Fleischimporteur kennt Biel die Bedürfnisse der Deutschen bestens – und will daher auch beim Geschmack keine großen Abstriche machen. Sein Motto: Was nach Fleisch schmeckt, muss kein Fleisch enthalten. Dabei will er aber keinen Zwang ausüben, sondern Optionen aufzeigen: mal mit, mal ohne Fleisch, je nach Lebenseinstellung, Lust und Laune.

Wettbewerber am Markt für fleischlose Produkte gibt es zahlreich. Als Fleischersatz bieten sich viele Dinge an: Tofu, Seitan, Soja. Tatsächlich enthalten Seitan und Soja beinahe genauso viel Eiweiß wie Fleisch, unverarbeitet aber kaum Fett und keine Harnsäure. Doch die gesunden Inhalte aus Soja und Weizen wie Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe werden bei der Eiweißgewinnung herausgelöst.

Planty Of Meat: Sonnenblumen mit weißerer Weste als Soja

Hinzu kommt auf der Negativbilanz: Das sehr proteinreiche und damit begehrte Soja erreicht mit keiner wirklich reinen Weste die deutschen Supermärkte und später die Teller der Verbraucherinnen und Verbraucher hierzulande. Für die Ausweitung der Ackerfläche werden etwa in Südamerika riesige Wald- und Savannenflächen umgewandelt. Auf diese Weise gehen einzigartige Lebensräume für Pflanzen und Tiere verloren, fruchtbarer Boden wird zerstört und Wasser verseucht.

Planty Of Meat dagegen setzt auf Fleischersatzprodukte auf Basis von Sonnenblumen und Weizen. Diese stammen nicht aus fernen Regionen und haben dadurch keine langen Transportwege hinter sich. Produziert wird in den Niederlanden.

Cybersecurity-Trends 2023

Fünf Sicherheitstrends - für Unternehmen jeder Größe relevant.

Das Jahr 2022 war ein Ausnahmejahr, auch geprägt von einer steigenden Zahl von Cyberangriffen. Diese Entwicklungen machen Unternehmen schwer zu schaffen. Experten wie beispielsweise von Interpol prognostizieren auch für die kommenden Jahre, dass Cyberattacken wie Ransomware und Phishing deutlich zunehmen werden. Damit Unternehmen sich auf das kommende Jahr vorbereiten können, ist es wichtig, dass sie ihre Sicherheitslücken kennen und auch beheben. Dabei zeichnen sich einige Trends ab, die für 2023 wichtig werden.

Cybersecurity-Trend 1: Kritische Infrastrukturen bleiben im Visier von Cyberkriminellen

Kritische Infrastrukturen sind laut Medienberichten fast täglich Ziel einer Cyberattacke. Diese Lage verunsichert Unternehmen zunehmend. Gerade hochsensible Infrastrukturen wie das Gesundheitswesen oder die Energieversorgung werden 2023 von Cyberkriminellen noch stärker attackiert werden. Auffallend ist, dass die Angriffe häufiger, schneller und fokussierter werden. Der Grund dafür ist nicht nur die zunehmende Professionalisierung der Hacker, sondern auch der Trend zu Cybercrime-as-a-Service (CaaS). Damit wird es auch für Hobbykriminelle einfacher, ihre eigenen Angriffe zu entwickeln und dadurch Profit zu machen.

Cybersecurity-Trend 2: Neue Regulierungen auf dem Weg

Ende dieses Jahres hat sich das Europäische Parlament mit den Mitgliedsstaaten der EU auf einen Rahmen (NIS 2) geeinigt, der das Netz und Informationssysteme besser vor Cyberattacken schützen soll. Die Staaten haben dann 21 Monate Zeit, NIS 2 in nationales Recht umzusetzen. Mit NIS 2 werden Mindestanforderungen zur Zusammenarbeit zwischen den Ländern geschaffen und diese so harmonisiert. Auch hier steht die kritische Infrastruktur im Fokus, da hohe Bußgelder verhängt werden, sollten die neuen Anforderungen nicht eingehalten werden. Andere Unternehmen müssen ebenfalls auf Grundlage des neuen Rahmens ihre Sicherheitsmaßnahmen nachbessern und Behörden innerhalb von 24 Stunden nach einem Vorfall einen Bericht zur Verfügung stellen. Erschreckend ist aber, dass 47 Prozent der IT-Sicherheitsverantwortlichen in Unternehmen im aktuellen Sicherheitsbarometer 2022 angaben, die gängigen Maßnahmen überhaupt nicht zu kennen. Zehn Prozent der Befragten gaben an, keine Vorkehrungen für erhöhte IT-Sicherheit zu treffen. Unternehmen sollten demnach jetzt Maßnahmen ergreifen, um ihre Schwachstellen zu schließen und die Sicherheitsmaßnahmen auf den neuesten Stand bringen, um nicht nur Cyberangriffe zu vermeiden, sondern auch Bußgelder vorzubeugen.

Cybersecurity-Trend 3: IT-Fachkräftemangel macht den Unternehmen nach wie vor zu schaffen

Laut dem Statistischen Bundesamt hatten mehr als drei Viertel der deutschen Unternehmen Probleme, im Jahr 2022 Stellen zu besetzen. Auch international sieht die Lage nicht besser aus. Laut der Cybersecurity Workforce Studie 2022 fehlten im Bereich IT-Sicherheit im Vergleich zu 2021 mehr als 26 Prozent der Sicherheitsexperten. In Zahlen ausgedrückt, brauchen Unternehmen 3,4 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte. Gleichzeitig nehmen Cyberattacken zu. So verschärft sich im nächsten Jahr die Lage weiter, da Sicherheitslücken zu spät oder gar nicht geschlossen werden können, da diese schlichtweg übersehen werden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sollten Unternehmen junge Nachwuchstalente einstellen, auch wenn diese noch über geringe Berufserfahrung verfügen. Zudem eignen sich Schulungen und Weiterbildungen, wenn Firmen neue Sicherheitsstandards und Regularien rechtzeitig implementieren wollen.

Cybersecurity-Trend 4: Social-Engineering wird verstärkt Banken treffen

Social-Engineering-Attacken sind oft nur der Anfang eines größer angelegten Cyberangriffs. Das wird auch zukünftig der Fall sein und die Kriminellen werden 2023 ihre Ziele ausweiten, denn zunehmend gerät auch der Banken- und Finanzsektor in den Fokus. Eine hohe Gefahr geht von sogenannten Social-Engineering-Attacken in Echtzeit aus. Hier ruft ein vermeintlicher Bankmitarbeiter oder eine angeblich staatliche Organisation einen Kunden an und drängt diesen sein Geld auf ein „sicheres“ Konto zu überweisen. Da der/die Kund*in das Geld selbst überweist, ist es für die echte Bank nur schwer zu erkennen, dass in diesem Fall ein Betrugsdelikt vorliegt. Aber auch die Anzahl von Identitätsdiebstahl und Kontoübernahmen für kriminelle Zwecke werden im Banksektor im Jahr 2023 ansteigen, da sich auch hier die Cyberkriminellen professionalisieren.

Cybersecurity-Trend 5: Deepfakes als neue Gefahr

Laut Europol und dem FBI geht eine ernsthafte Gefahr von Deepfakes aus. Auch wenn diese noch nicht so ausgereift sind, dass sie als massentauglich eingeschätzt werden, wird die Technologie zukünftig von Cyberkriminellen missbraucht werden, um ihre Betrugsszenarien noch authentischer zu gestalten. Es gibt bereits Fälle, in dem gefälschte Videos oder auch Voice-overs durch Deepfake zum Einsatz kamen und so Know-Your-Customer-Prozesse (KYC) ausgehebelt wurden. Da die Technologie sich auch hier immer weiter entwickelt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese von Cyberkriminellen genutzt wird. Denn die technischen Grundlagen sind vorhanden und der Quellcode, um ein Deepfake zu erzeugen, ist öffentlich zugänglich.

Fazit

Unternehmen und IT-Entscheider*innen sollten sich auf die zunehmenden Herausforderungen bezüglich IT-Sicherheit vorbereiten. Sie sollten auch ihre Sicherheitsmaßnahmen auf den neuesten Stand bringen, um ihre Kunden besser zu schützen. Denn das Risiko Opfer einer Cyberattacke ist nur mehr eine Frage der Zeit.

Der Autor Stephan Schweizer ist CEO der Nevis AG, die digitale Sicherheitslösungen entwickelt.

Technologie als Motor der Bildung

Der EdTech-Markt bietet großes Wachstumspotenzial. Gastbeitrag von Tobias Lampe, Leiter der Studienkreis Online-Nachhilfe.

30 Prozent weniger Gründungen – laut einer Analyse des Venture-Capital-Unternehmens Morphais VC wurden im 3. Quartal deutlich weniger Start-ups in Deutschland gegründet als im Vorjahr. Zahlen wie diese zeigen, dass die Start-up-Welt unter der konjunkturellen Entwicklung leidet. Insbesondere die Angst vor der Rezession schreckt Gründungswillige davon ab, ihre Business-Ideen auf den Markt zu bringen. Und das, obwohl für junge Unternehmen noch Kapital vorhanden ist. Insbesondere der Bildungsmarkt verspricht Wachstum und großes Potenzial für technologische Entwicklungen, denn in Deutschland gibt es noch enormen Nachholbedarf. Verwirklicht sich jetzt der Traum vom Milliardengeschäft EdTech-Markt?

Mehr Risikokapital: Wachstumspotenzial für EdTech-Unternehmen steigt

Nach dem Boom der vergangenen Jahre scheint die Start-up-Szene in eine neue Phase zu kommen: Wagniskapitalgeber schauen genauer hin, worin sie ihr Geld investieren, mit welcher Bewertung sie einsteigen und wo noch besonders großes Wachstumspotenzial besteht. Der European EdTech Funding Report 2022 zeigt, dass insbesondere der EdTech-Markt die Wachstumsfantasien der Investor:innen beflügelt. Allein im ersten Halbjahr wurden knapp 1.4 Milliarden Euro in EdTech-Unternehmen aus Europa investiert. Das sind knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Einige erfolgreiche Unicorns, die mit einer Milliarde oder mehr Dollar bewertet werden, hat die Branche bereits hervorgebracht. Dazu zählen unter anderem BetterUp, GoStudent oder Coursera. Die erfolgreichsten Tech-Unternehmen im Bildungsbereich kommen vor allem aus den USA und Asien. Auf dem deutschen und europäischen Markt hingegen findet sich nur eine Handvoll vielversprechender Vorreiter. Problematisch ist dieser Status quo, da der deutsche Bildungsbereich bereits seit Jahren mit der Digitalisierung hinterherhinkt. Dazu kommt noch der Fachkräftemangel an Schulen und ein immer wieder schwerfälliger Bildungsföderalismus. Diese Herausforderungen können nur erfolgreich bewältigt werden, wenn sich die deutsche Bildungslandschaft stärker gegenüber innovativen Technologien öffnet und auch bei uns der EdTech-Markt ordentlich aufblühen kann.

Erschwertes Gründungsumfeld für EdTechs auf dem deutschen Markt

Sascha Lobo, Experte auf dem Gebiet der digitalen Medien, brachte es kürzlich im Gespräch mit Markus Lanz gut auf den Punkt: „Die Ausstattung der Schulen gehört ins Museum.“ Während das Smartphone, Tablet und Lernvideos auf YouTube in der Freizeit der Schüler*innen eine Selbstverständlichkeit sind, scheint im Schulunterricht die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung ist groß, gleichzeitig stehen deutschlandweit etliche Start-ups in den Startlöchern, um die Bildungslandschaft zu optimieren. Warum hat dann noch kein deutsches Edtech ordentlich abgesahnt? Nachfrage muss es ja im bevölkerungsstärksten Land Europas zur Genüge geben.

Die größte Herausforderung für EdTechs auf dem deutschen Markt ist die Einstellung gegenüber der Digitalisierung. Oft heißt es: „Früher hat doch auch die Kreidetafel und das dicke Mathebuch gereicht“ oder „Kinder sind in ihrer Freizeit nur am Handy, das muss ja nicht auch noch in der Schule sein“. Besonders im Bildungsmarkt fehlt es an Offenheit gegenüber Technologien, wodurch wertvolle Chancen ungenutzt bleiben. Erschwerend kommt für EdTech-Unternehmen die deutsche Bürokratie hinzu, denn der Bildungsmarkt ist stark reguliert. Das verlangsamt nicht nur die Digitalisierung an Schulen, sondern erschwert auch die Zusammenarbeit zwischen den Bildungseinrichtungen und den EdTech-Unternehmen. Schulleitungen haben zum Beispiel kaum Gestaltungsspielraum bei ihrem Unterricht, können also nicht selbstständig digitale Tools in ihren Unterricht einführen, auch wenn sie den Bedarf sehen.

Ausblick: Schulen als Vorbild

Unsere Schulen könnten ein Vorbild sein, wie sich Bildung und Technologie optimal ergänzen. Doch was es dafür braucht, ist ein hohes Maß an Bereitschaft aller Beteiligten. Auch ein Wandel in der Wahrnehmung neuer Bildungstechnologien durch die deutsche Gesellschaft ist dafür notwendig. Sie ist lange nicht so aufgeschlossen wie in anderen Ländern. Wir sind es gewohnt, dass Bildung aus staatlicher Hand kommt und nicht zusätzlich kostet. Aber oftmals kann das öffentliche Bildungswesen nicht auf den individuellen Bedarf einzelner Schüler*innen eingehen. So kann Online-Nachhilfe zum Beispiel den Schulunterricht optimal ergänzen: Sie ist zeitlich flexibler, ortsunabhängig, individualisierbar und steigert zudem die Digitalkompetenz junger Menschen. Das Mindset muss sich ändern, denn wir brauchen Technologie und somit mehr Start-ups für unser Bildungssystem.

Der Autor Tobias Lampe ist Leiter der Studienkreis Online-Nachhilfe, Deutschlands führendem Anbieter für individualisierte Online-Lernförderung. Die Studienkreis Online-Nachhilfe wurde 2011 in Köln gegründet.

KI-Trends 2023

Die nachhaltige Nutzbarkeit von Informationen steht im Zentrum der Trends rund um die Nutzung von künstlicher Intelligenz.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen wie Inflation gibt es kaum ein Thema, welches für Unternehmen in den letzten Monaten mehr an Bedeutung gewonnen hat als der Bereich Nachhaltigkeit. Dabei geht es nicht nur darum, die ökologische, ökonomische und soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sicherzustellen und zu optimieren, vielmehr geht es auch um einen nachhaltigeren und bewussteren Umgang mit Daten, Information und Wissen. Nur so können Unternehmen effektiver wirtschaften, innovieren und arbeiten. Im Folgenden haben wir die fünf wichtigsten Trends im Bereich kKünstliche Intelligenz für das Jahr 2023 zusammengefasst.

KI-Trend 1: Fachbereiche werden wertvolle Impulse liefern

Die Relevanz von Fachabteilungen hat seit der Corona-Krise deutlich zugenommen. So sehen 83 Prozent der befragten Unternehmen einer aktuellen Lünendonk-Studie zufolge, einzelne Business Units als Treiber für die digitale Transformation, welche immer stärker entlang der Wertschöpfungskette stattfindet. Moderne Fachabteilungen benötigen zunehmend individuelle Lösungen für ihre speziellen Anwendungsfälle im Geschäftsalltag, wie etwa im Angebotsmanagement oder der Kundenbetreuung, um ihren Beitrag für das Business optimal leisten zu können. Dies ist nachhaltig umsetzbar, wenn die IT mit in die Fachbereiche einbezogen wird und die Fachabteilungen digitalisiert werden.

KI-Trend 2: Die Bedeutung von Explainable AI und Adaptive AI nimmt zu

Viele Unternehmen erkennen die Vorteile von Artificial Intelligence (AI) an, wie eine aktuelle Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt. Zehn Prozent der befragten Betriebe wollen 2023 in die Technologie investieren. Als ein möglicher Bremser für den Einsatz nennen 49 Prozent die Sorge über die mangelnde Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Genau hier setzt „Explainable AI“ an. So sorgt die Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen von AI-Anwendungen für mehr Vertrauen in die Systeme und Akzeptanz auf der User-Seite. Gleichzeitig rückt der konkrete Nutzen von AI in den Vordergrund (Adaptive AI). AI-Modelle werden in Zukunft viel stärker als bisher in spezifischen Use Cases Anwendung finden, um die Performance ihrer intelligenten Systeme gegenüber den Mitbewerber*innen zu steigern. Wichtig ist dabei, dass die AI-Systeme sich selbstständig an sich verändernde Situationen und Rahmenbedingungen anpassen, um nachhaltig zu arbeiten.

KI-Trend 3: Intelligent Document Processing wird zu Intelligent Information Processing

Die intelligente Dokumentenverarbeitung der nächsten Generation fokussiert sich noch stärker als bisher auf die in den Dokumenten verfügbaren Informationen – seien es Personennamen oder Auftragsnummern in Texten. Die entsprechenden Lösungen nutzen KI, Deep beziehungsweise Machine Learning, Natural Language Processing (NLP) und andere Methoden, um aus unstrukturierten Quellen wie schriftliche Dokumente oder Bildern mithilfe automatisierter Workflows gewünschte Informationen zu extrahieren, zu kategorisieren und den betroffenen Abteilungen zuzuordnen.

KI-Trend 4: Sentiment Analysis zur Relevanzbewertung von Informationen

Die Sentiment Analysis zielt darauf ab, die Flut an unstrukturierten Daten effizient und nachhaltig in den Griff zu bekommen. Dabei liegt der Fokus auf dem Ton und der Stimmung einer Information. Es geht darum, die Relevanz von Mitteilungen oder Statements mithilfe von KI, Machine Learning & Co. automatisiert zu priorisieren. Anwendungsbereiche sind beispielsweise Ticketing-Systeme, Online-Reviews, Brand Monitoring und Mergers and Acquisitions (M&A), wo das aktuelle Image von möglichen Übernahmekandidaten geprüft werden soll.

KI-Trend 5: Die Zukunft der Unternehmen ist nachhaltiges Arbeiten

Laut „Top Strategic Technology Trends 2023“ von Gartner bilden nachhaltige Technologien ein Framework von Lösungen, um Energie- und Materialeffizienz von IT-Diensten zu erhöhen, was zu einer Nachhaltigkeit des Unternehmens verhilft und dazu führen kann, die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens zu erreichen. Investitionen in nachhaltige Technologien haben auch das Potenzial, die betriebliche Widerstandsfähigkeit sowie die finanzielle Leistung zu verbessern und gleichzeitig neue Wachstumsmöglichkeiten zu eröffnen. Gartner prognostiziert, dass bis 2050 50 Prozent der Leistungskennzahlen der CIOs an die Nachhaltigkeit der IT-Organisation gebunden seien werden.

Fazit

Alles in allem geht es 2023 vor allem um eine noch effizientere Verarbeitung von Informationen und ihre langfristige Nutzbarkeit. Moderne Insight Engines, die eine Vielzahl an Datenquellen unter einem Dach vereinen, Informationen verdichten sowie punktgenau für den jeweiligen Anwendungsfall maßgeschneidert abliefern, unterstützen Unternehmen dabei, effizienter, erfolgreicher und nachhaltiger zu agieren. Die vollständige Version der Trends 2023 findest du hier zum Download.

Der Autor Daniel Fallmann ist Gründer und Geschäftsführer der Mindbreeze GmbH

Trends zur Handy-Nutzung: So tickt die Gen Z und Y

Nicht nur für die Zielgruppenansprache im Jahr 2023 gut zu wissen: „Generation 9:16“ - Was passiert auf den Handys der Gen Z und Gen Y?

Diese Frage stellen sich nicht nur Social Media Professionals, sondern auch Werbetreibende aus nahezu allen Branchen. Und wie unterscheiden sich Gen Z (aktuell 14 bis 25 Jahre alt) und Gen Y (aktuell 26 bis 37 Jahre alt) eigentlich in der Nutzungsweise? Gibt es überhaupt gravierende Unterschiede? Wofür wird “dieses” TikTok überhaupt verwendet? Eine gemeinsame Studie der 9:16-Agentur WeCreate und dem Marktforschungsinstitut Appinio bringt Licht ins Dunkle und erklärt, wo welche Generation auf ihrem Handy surft – und aus welchen Gründen.

Egal ob Gen Z oder Gen Y: Das Smartphone hat alle anderen Geräte und Medien weit abgehängt und das beliebteste Format sind Videos im Hochkantformat 9:16. Aus diesem Grund werdendie beiden Generationen gern als “Generation 9:16” zusammengefasst. 80 Prozent der Generation 9:16 sind täglich mindestens drei Stunden am Tag am Smartphone. Jeder Dritte aus der Generation Z und Generation Y verbringt mehr als 6 Stunden am Smartphone. Ein Fünftel dieser Zeit wiederum wird allein auf TikTok verbracht. Unterschiede in der Nutzungsdauer zeigen sich hier eher zwischen den Geschlechtern als zwischen den Generationen. So sind deutlich mehr Frauen “Heavy User” als Männer.

Die wichtigste Plattform ist dabei Youtube - so nutzen 98 Prozent der 14- bis 37-Jährigen den Videokanal. Gen Y steht noch ein bisschen mehr auf die Plattform und verbringt 22 Prozent der Screentime auf Youtube, während es bei Gen Z 19 Prozent sind. Auch die Social-Media-Plattform Instagram kommt in beiden Generationen sehr gut an und verbraucht zu 19 Prozent in der Gen Y und zu 16 Prozent die Screentime der Gen Z. Doch ab diesem Zeitpunkt verändert sich die Nutzungsweise der Generationen.

Macht TikTok süchtig? Vielleicht!

Während die Generation Y 23 Prozent und damit den größten Anteil ihrer Zeit in Apps wie Whatsapp, Facebook oder einem Browser verbringt, führt mit 22 Prozent Screentime die chinesische Plattform TikTok das Interesse der Gen Z an. Außerdem wird sichtbar, dass TikTok die Bildschirmzeit nach oben treibt: Mit jeder Stunde mehr Screentime wächst der TikTok Anteil – unabhängig vom Alter. Sind Nutzer*innen unter einer Stunde am Smartphone, liegt er bei neun Prozent. Bei über sechs Stunden sind es 22 Prozent. Der Einfluss der Plattform lässt sich folgendermaßen beschreiben: Die erst 2018 gegründete Plattform ist nur vier Jahre später bereits die populärste bei den 14- bis 25-Jährigen. Das zeigt, wie schnell das Hochkantformat das beliebteste wurde innerhalb der jungen Audiences und untermalt die Ablösung des TVs durch Smartphone und Tablets.

Welcher Content funktioniert?

Beide Generationen zeigen, dass sie Plattformpräferenzen haben, je nachdem, nach welcher Art von Content sie suchen. Suchen sie nach edukativem Content, nutzen 54 Prozent der Gen Z und 50 Prozent der Gen Y Youtube. Soll es inspirativ sein, besuchen beide Generationen in erster Linie Instagram (37 Prozent Gen Z, 38 Prozent Gen Y) - nur unterhaltsamer Content spaltet die Generationen. Während mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Gen Z auf TikTok nach Unterhaltung sucht, setzt die Gen Y zu 48 Prozent auf Youtube.

Weitere Highlights der Studie

Mit welcher Motivation welches Medium von Gen Z und Gen Y genutzt wird. Außerdem wird aufgezeigt, welche Plattform am meisten Kaufkraft hat, wofür die 9:16 Plattformen, also Youtube, TikTok, Snapchat und Instagram, tatsächlich genutzt werden - und zu welcher Tageszeit welches Plattform-Verhalten dominiert. Die vollständige Studie gibt es hier.

Online-Marketing-Trends 2023

So gelingt ein ganzheitlich-nachhaltiges Online-Marketing im Jahr 2023.

Ökologisch, ökonomisch und sozial. Auf diesen drei Eckpfeilern beruht Nachhaltigkeit, ein Thema, das heute in aller Munde ist. Dabei mag es vielleicht überraschen, dass Online-Marketing, so wie es meist betrieben wird, diesen Kriterien gar nicht entspricht. Was viele z.B. nicht wissen: Das Internet hat einen enormen Stromverbrauch und verursacht genauso viel CO2-Emissionen wie die Luftfahrtindustrie. Es reicht also nicht aus, ein papierloses Office zu betreiben und die Werbekampagne von Print auf Online umzustellen. Zu einem ganzheitlich ausgerichteten nachhaltigen Online-Marketing, das Unternehmen nicht nur erhöhte Medienaufmerksamkeit schenkt, sondern allen Aspekten der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch und sozial – glaubhaft gerecht wird, gehört ein wenig mehr.

Im Folgenden erläutern wir, an welchen drei einfachen Stellschrauben jede(r) Unternehmer*in drehen sollte, um erste wichtige Schritte hin zu mehr Nachhaltigkeit im Online-Marketing zu gehen, von denen Unternehmen, Umwelt und auch Kund*innen profitieren.

Ökologischer Aspekt: Optimiere deine Website für einen geringeren Stromverbrauch

Der Energiebedarf des Webs ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und beträgt heute in etwa zwei Prozent des weltweiten Verbrauchs. Immer größer werdende Websites, mit schicken Bildern und emotionalen Videos, tragen hierzu einen erheblichen Teil bei, denn je größer und schwerer eine Website ist, desto mehr Strom benötigt sie. Für einen geringeren ökologischen Fußabdruck sollten Unternehmen daher auf ein schlankes Webdesign mit reduzierten Daten achten. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann zudem auf eine klimaneutrale Website setzen. Dabei wird der Energiebedarf des Internetauftritts berechnet und durch ein gewähltes Klimaschutzprojekt gleich wieder ausgeglichen.

Natürlich gibt es neben einer klimaneutralen Website auch andere Mittel und Wege um Unternehmen ökologischer zu gestalten. Anstatt unternehmenseigene Server zu betreiben, können Unternehmen beispielsweise auf Cloud-Hosting setzen und bei der Beschaffung von Hardware sollte der benötigte Strombedarf ein Kaufkriterium sein. Auch das Ermöglichen von Home Office schont, durch geringeren Pendler*innenverkehr, die Umwelt.

Sozialer Aspekt: Respektiere die Privatsphäre deiner User*innen

Tracking-Tools wie Google Analytics kommen auf fast jeder Website zum Einsatz und sollen Unternehmen wertvolle Daten über das Verhalten deiner Besucher*innen, für personalisierte Werbemaßnahmen, liefern. Eine unglaubliche Masse an Informationen, die da zusammenkommt und den Energieverbrauch des Internets und Datenumfang einer Website erhöht. Dabei werden am Ende nicht mal mehr alle Daten genutzt oder falsche Schlüsse aus ihnen gezogen. Nachhaltig und sozialverträglich sieht anders aus.

Verringere daher deine invasiven Tracking-Methoden, mit denen du in die Privatsphäre deiner Nutzer*innen eindringst, und überlege stattdessen im Vorfeld genau, welche Daten du wirklich benötigst. Achte auch darauf, dass deine Cookie-Hinweise datenschutzrechtskonform sind. So bist du rechtlich auf der sicheren Seite, erhöhst die Nutzer*innenfreundlichkeit und wirst gleichzeitig dem sozialen Nachhaltigkeitsaspekt gerecht.

Ökonomischer Aspekt: In nachhaltige Kund*innenbeziehungen investieren

Es kommt nicht nur häufig vor, dass über Tracking-Tools gesammelte User*innen-Daten falsch interpretiert werden, sie sorgen zudem nicht selten dafür, dass die Effektivität von Werbeanzeigen systematisch überschätzt wird. Unternehmer*innen sollten daher immer wieder neu überdenken, wie viel Budget sie zu welchem Zeitpunkt für Anzeigen ausgeben, denn es gibt langfristigere und vor allem nachhaltigere Methoden, um auf sich aufmerksam zu machen:

  • Kundenbeziehungen stärken: Kommentiere Blogbeiträge, seie in relevanten Facebook-LinkedIn-Gruppen aktiv, beantworte Fragen im Social Web und besuche Branchenveranstaltungen.
  • Content mit Mehrwert produzieren: Investiere in die Erstellung von einzigartigem Content, der deinen Kund*innen einen Mehrwert liefert.
  • SEO nutzen: Optimiere deine Website und setze auf Suchmaschinenoptimierung für ein besseres Ranking.

Nicht auf den schnellen Effekt setzen

Natürlich wirst du bei einem nachhaltigen Vorgehen nicht den schnellen Erfolg sehen, den du vielleicht aus Google Ads-Kampagnen gewohnt bist. Dafür wirst du langfristig mit effektiveren und authentischen Werbemaßnahmen belohnt, die durch enge Kund*innenbindungen auch wirken. Nicht nur dein Werbebudget wird es dir danken, das gute Gefühl, das du erhältst, wenn du dein Online-Marketing nachhaltig gestaltest, bekommst du ganz automatisch und vor allem kostenlos dazu. Natürlich kannst du klassische Werbung weiterhin und ergänzend einsetzen. Die richtige Mischung zur richtigen Zeit macht’s.

REFLEX Aerospace: Highspeed für den Orbit

Neun Monate statt aktuell mehrere Jahre: Alexander Genzel, Walter Ballheimer und Chris Lindener, die Gründer des New-Space-Start-ups REFLEX Aerospace, arbeiten am Quantensprung in Sachen Entwicklung und Produktion von Satelliten.

Um unsere Welt kreisen derzeit rund 8000 aktive Satelliten, und es werden immer mehr. Schätzungen zufolge könnten es in einigen Jahren schon über 100.000 sein. Als Infrastruktur für Kommunikation gewinnen sie rapide an Bedeutung, und durch neue, leistungsfähigere Sensoren ergeben sich immer neue Einsatzfelder. Satelliten sind Gegenstand der Geopolitik und strategischer Faktor für Unternehmen wie Staaten. Der Angriff Russlands auf die Ukraine beispielsweise begann mit einer Cyberattacke auf das Satellitennetzwerk

KA-SAT, das Highspeed-Internet für Europa und den Mittelmeerraum liefert. Nicht nur die Ukraine, sondern mehrere EU-Mitgliedstaaten waren betroffen. Als kurzfristige Alternative stellte Elon Musk das private Satellitensystem Starlink bereit. Das Ereignis rückte die Bedeutung von Satelliten für die innere und äußere Sicherheit in den Blick der Öffentlichkeit.

Weil Europa im All weitgehend von den USA abhängig ist, entwickelt man derzeit in Brüssel, zusammen mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft, ein europäisches System für Satelliteninternet. Ziel ist dabei die strategische Souveränität im All. Von der Erkenntnis, dass es sich bei Satelliten um kritische, angreifbare Infrastruktur handelt, zeugen auch Initiativen wie die Gründung des Responsive Space Centers im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR. Dieses soll Lösungen entwickeln, um Satelliten bei Bedarf auch kurzfristig in den Orbit zu bringen.

Entwicklungs- und Produktionszyklen beschleunigen

Die größte Herausforderung dabei sind die branchentypischen Entwicklungs- und Produktionszeiten. Einen komplexen Satelliten herzustellen, dauert im Schnitt vier bis fünf Jahre, die Nutzungsdauer beträgt zwischen zehn und 15 Jahren. „Diese Zyklen sind nicht mehr zeitgemäß“, sagt Walter Ballheimer, Gründer, CEO und CTO der Reflex Aerospace GmbH aus Berlin und München: „Viele Satelliten hängen dem technischen Fortschritt, etwa bei Elektronik und Halbleitern, um Jahre hinterher und sind bereits beim Start veraltet.“ Zudem sei es kaum möglich, Störungen zu beheben oder einen ausgefallenen Satelliten zu ersetzen. „Für die heutigen Anforderungen brauchen wir schlanke, leistungsfähige Systeme, die genau auf den Kundenbedarf zugeschnitten sind, und die vor allem schnell geliefert werden.“ Mit seinem Team will er die Entwicklung und die Produktion der Erdtrabanten revolutionieren. Neun Monate bis zur Lieferung sind das Ziel; drei Monate für die Entwicklung, drei für die Produktion und drei für Tests – gemessen an den heutigen Zyklen wäre das ein Quantensprung.

Satelliten im Mini-Kleinwagen-Format

Die einschlägige Erfahrung bringt Walter mit. Nachdem er an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert und eine Promotion begonnen hatte, gründete er 2014 aus der Forschung heraus German Orbital Systems, den ersten kommerziellen Nanosatellitenhersteller in Deutschland. Sein Fokus lag auf Satelliten in der Größe eines Schuhkartons, doch im Jahr 2020 schien das Potenzial ausgereizt. „Nanosatelliten haben ein begrenztes Nutzungsspektrum“, so Walter, „es sind einfache Produkte, die in Deutschland kaum wettbewerbsfähig produzierbar sind.“ Bei den schweren, komplexen Satelliten wiederum dominierten eine Handvoll großer Anbieter wie Airbus, Lockheed Martin und Northrop Grumman. „Der für uns spannendste Markt liegt in der Mitte“, sagt Walter. 2021 gründete er Reflex Aerospace und entwickelt seitdem mittelgroße, aber leistungsfähige Satelliten, etwa im Format eines Mini-Kleinwagens, bis zu 500 kg schwer. Sie sollen die neuesten Sensoren tragen, hohe Datenraten für die Kommunikation liefern und den Aufbau von dezidierten Satellitennetzwerken ermöglichen.

Drei Spezialisten für Luft- und Raumfahrt

Zum Kernteam zählen außerdem Alexander Genzel, der schon bei der Gründung an Bord war, und Christian Lindener, der wenig später als Co-Gründer dazustieß. Christian ist mit der Raumfahrtbranche bestens vertraut und ein profilierter Experte für Tech-Start-ups. In Brasilien geboren und in Mexico aufgewachsen, studierte er zunächst in den USA und in Spanien, bevor er das Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck abschloss. Er arbeitete u.a. für Wayra Germany, die Risikokapitalgesellschaft der spanischen Telefonica, wo er Start-ups auf die Integration in das Konzernportfolio vorbereitete. 2019 wechselte er zu Airbus, leitete dort das ­Innovationsmanagement Airbus Scale und steuerte das externe Firmengründungsprogramm. Durch die Erfahrung in großen Konzernen ist Christian Experte für die Beziehungen zu potenziellen strategischen Partnern wie etwa BMW und Porsche. Derzeit liegen seine Schwerpunkte in den Bereichen Finanzierung und Fundraising. „Noch vor zehn Jahren hätte man kein Venture Capital für Satelliten bekommen. Doch jetzt, da jeder das Potenzial sieht, ist das kein Problem“, so Christian.

Bislang wurde Reflex Aerospace maßgeblich durch Alpine Space Ventures finanziert, hinter denen Bülent Altan steht. Der frühere SpaceX-Ingenieur und Chef des Münchner Laserspezialisten Mynaric ist einer der profiliertesten Köpfe in der europäischen New-Space-Szene. Derzeit arbeitet das Team an der Seed-Finanzierung, zehn bis zwölf Mio. Euro sind angepeilt. Alexander Genzel ist mit 23 Jahren der jüngste Co-Founder. Nach dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in München und Denver arbeitete er als Forschungsleiter im Bereich Raumfahrtechnik an der Universität der Bundeswehr. „Komplette Projekte von der Entwicklung bis zum fertigen System im All zu begleiten, hat mich schon immer fasziniert“, sagt Alexander. Durch seinen Hintergrund bringt er im Team auch den Blickwinkel der Verteidigung und Sicherheit mit an den Tisch.

Mehr private Satellitennetzwerke

Bald sollen die ersten kommerziellen Verträge geschlossen werden. Als künftige Kunden sieht Alexander Unternehmen, die bereits Satelliten einsetzen, wie z.B. Telekommunikationsunternehmen und Betreibergesellschaften. „Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Start-ups, die auf Satelliten setzen, wie z.B. ICEYE, die mit kleinen Radarsatelliten zielgenaue und unterbrechungsfreie Überwachungsdienstleistungen anbieten.“ Durch neue Sensoren, z.B. für hyperspektrale Daten oder im Bereich des CO-Imaging, entstehen neue mögliche Anwendungsfelder und Geschäftsideen. „Diese Start-ups begleiten wir von der Entwicklung ihrer Satelliten, über die Produktion bis hin zur Auslieferung“, sagt Walter. So könne ein Gründerteam sich voll auf die Entwicklung der eigentlichen Anwendung konzentrieren und die Zeit bis zum Markteintritt beschleunigen. Die dritte große Kundenkategorie sind Firmen, die satellitengestützte Dienste nutzen, aber noch keine eigenen Satelliten einsetzen, wie z.B. Reedereien und Automobilhersteller. „Dass ein europäischer Automobilhersteller Satelliten von Firmen wie SpaceX, die bereits direkt mit konkurrierenden Autobauern verbunden sind, nutzt, ist fraglich“, sagt Christian. Mit günstigeren und leistungsfähigeren Satelliten werden eigene Netzwerke im Orbit zunehmend zu einer Option für große Unternehmen oder Konsortien. „Noch werden die meisten Satelliten durch separate Gesellschaften betrieben“, sagt Christian, „doch künftig wird es mehr vertikale Modelle geben, bei denen die Nutzer auch die Eigentümer sind.“

Europa entwickelt Infrastruktur im All

Das Beispiel Ukraine zeige, dass sich die kommerzielle Raumfahrt zum Mittel militärischen Handelns entwickelt, so Alexander: „Kritische Infrastruktur ist in Auseinandersetzungen immer ein Angriffsziel, und im Ernstfall muss man handlungsfähig sein.“ Europa habe eine gute industrielle Basis und Forschungseinrichtungen, doch die Zeit dränge: „Wir brauchen bei unseren Raumfahrtprogrammen mehr Ambitionen und innovative, neuartige Lösungen für kosteneffektive und resiliente Infrastruktur im All.“ Reflex Aerospace könnte ein zentraler Baustein solch einer Lösung sein. Die EU möchte ab 2024 ein Netzwerk aus hunderten Satelliten auf den Weg bringen, um souveräne Kapazitäten für Kommunikation, autonome Mobilität, Internet of Things sowie für militärische und humanitäre Initiativen bereitzustellen. Sechs Mrd. Euro sind dafür bislang eingeplant, die Ausschreibung läuft. „Richtig umgesetzt, auch mit Beteiligung innovativer Start-ups, kann das Europas technologische Unabhängigkeitserklärung im All werden“, so Walter. Zusammen mit dem Unternehmen Mynaric, einem Spezialisten für Datenübertragung per Laser, Isar Aerospace, einem Startdienstanbieter für kleine und mittlere Satelliten vertritt Reflex Aerospace das Konsortium UNIO. Zuvor hatte Reflex schon mit einem Dutzend kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der europäischen Raumfahrt im Auftrag der Europäischen Kommission eine Machbarkeitsstudie für das Konstellationsprojekt erstellt. Damit treten sie gegen etablierte, politisch bestens vernetzte Player an. Doch bei UNIO ist man zuversichtlich, dass man mit günstigeren Kosten und schnelleren Zyklen, Stärken in die Waagschale wirft, die nicht ignoriert werden können. Die Gesellschaft, die sich um Teile des europäischen Großprojekts bewerben soll, ist bereits gegründet.

Reflex Aerospace mit Konsortium im Rennen

„Bei der Ausschreibung werden Unterschiede zwischen EU und USA deutlich“, sagt Walter. Für die Umsetzung favorisiere die EU ein Public Private Partnership, bei dem sie an der Entwicklungsgesellschaft beteiligt wäre. „Das Problem ist, dass so eine Konstellation alle fünf Jahre erneuert werden muss“, meint Walter, der darin auch ein Risiko für die Auftraggeber sieht. Falls die Industrie aus dem Projekt aussteige oder die Preise erhöhen wolle, stecke die EU in der Zwickmühle, die Umsetzung werde gefährdet. „Wir vertreten den Standpunkt, dass nur ein kommerziell getriebener Ansatz erfolgreich sein wird“, so Walter, „mit einem Lastenheft der EU, einer Abnahme­garantie und einer Vergabe des Auftrags an mehrere Firmen, um nicht von einem Anbieter abhängig zu sein.“ Das Modell aus den USA, mit der Space Development Agency SDA und einem losen Netzwerk mehrerer im Wettbewerb stehender Firmen, sei effektiv und langfristig das Beste für das Ökosystem. Die Machbarkeitsstudie hat UNIO eingereicht, nun liegt der Ball bei der Europäischen Kommission. Läuft alles nach Plan, erhält UNIO in Kürze das Request for Proposal. Das wäre ein wichtiger Schritt hin zum eigentlichen Auftrag. „An der Vorbereitung dieser Studie haben wir intensiv gearbeitet“, so Walter, „wir gehen gut vorbereitet ins Rennen. Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir unsere ganze Energie jetzt wieder in die Entwicklung stecken können.“

Micro Factories mit 3D-Druck, Algorithmen und KI

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, gilt es, den Produktionsprozess zu beschleunigen. Während andere Hersteller*innen nach dem Fließbandprinzip fertigen, gehen Walter und sein Team neue Wege. „Wir setzen auf modulare Fabriken, ausgelegt auf kleine Stückzahlen. Mit dem Ansatz der Micro Factory lässt sich jedes Mal ein anderer Satellit bauen. Zudem kann man sie überall auf der Welt errichten, z.B. in der Nähe von Startplätzen. Und auch in den einzelnen Fertigungsschritten steckt Innovation. Die Satelliten werden aus sehr wenigen Einzelteilen entstehen. „Durch 3D-Druck haben wir ganz neue Möglichkeiten für die Gestaltung und Fertigung des Rahmens“, sagt Walter. Das Design der Strukturen, die auf die individuellen Anforderungen angepasst werden müssen, übernehmen generative Algorithmen. Auf Basis der Eingangsparameter errechnet die KI den optimalen Aufbau, um alle Komponenten zu integrieren. Im ersten Schritt soll eine Micro Factory im Münchner Umland entstehen. Mit einem exzellenten Cluster aus Industrie sowie Forschung und einer hohen Dichte geeigneter Wagniskapitalgeber*innen ist die bayerische Landeshauptstadt einer der Hotspots im Bereich New Space.

Gesucht: geeignete Mitarbeitende

Geeignetes Personal zu finden, sei immer eine Herausforderung, sagt Walter, doch auch für die stark umworbenen Absolvent*innen technischer Universitäten sei die Arbeit in einem Space-Start-up zunehmend eine Perspektive. In der Regel setzt er auf Mitarbeitende, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. „Bei uns arbeiten Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, wie z.B. Entwickler elektronischer Musikinstrumente“, so Walter, „und wir profitieren von diesem fachlichen und kulturellen Mix.“ Das Team umfasst 22 Mitarbeitende, Ende des Jahres könnten es schon 40 sein. Aktuell werden Ingenieur*innen und Produktentwickler*innen gesucht, 2023 sollen die Mitarbeitenden für den Aufbau der Produktion folgen.

Spannung vor dem Start

Der Planungshorizont ist in den vergangenen Monaten länger geworden. „Mit der Energiekrise, Verwerfungen an den Kapitalmärkten und der angespannten geopolitischen Situation haben wir eine komplexe Lage“, sagt Alexander, „und wir als Satelliten-Start-up sind mittendrin.“ Längere Lieferzeiten und unterbrochene Lieferketten werden bereits eingeplant. „Für ein Start-up denken wir schon in sehr langen Zeiträumen“, sagt Walter, „und durch gute Vorbereitung und ein super Team werden wir auch eine Krise meistern.“ Nun will das Team den Beweis antreten, dass sein Ansatz funktioniert. Im Jahr 2024 sollen die ersten Demo-Satelliten von Reflex Aerospace im Einsatz sein. Denn zu den schönsten Momenten, so die einhellige Meinung im Team, zählt nunmal der Start des ersten selbst entwickelten Satelliten ins All.

 

Musik trifft KI

Künstliche Intelligenz hält Einzug in sämtliche Lebensbereiche, so auch in der Musik. Wir zeigen, welche Start-up-Innovationen dabei entstehen.

Am Beispiel von fünf Start-ups aus dem Portfolio des MediaTech Hub Accelerators in Potsdam wird deutlich, welchen Einfluss KI bereits heute hat. Mit ihren KI-Lösungen krempeln die Gründer*innen die Film- und Musikbranche um, entwickeln neue Technologien und erschließen innovative Geschäftsmodelle.

„Im Entertainment-Ökosystem in Potsdam-Babelsberg ist künstliche Intelligenz (KI), die unser tägliches Leben weiter beeinflussen wird, eines der zentralen Themen. Besonders im Bereich Musik. Doch wie genau profitieren wir von KI? Vereinfacht gesagt, übernimmt KI künftig immer mehr Prozesse und Routinen, die der Mensch bisher mit hohem zeitlichen Aufwand selbst erledigen musste. Die eingesparte Zeit kann beispielsweise für mehr Kreativität genutzt werden statt für monotone Arbeiten“, so Andrea Wickleder, Geschäftsführerin des MediaTech Hub Potsdam.

Als einer von zwölf Digital Hubs in Deutschland ist der Media­Tech Hub Potsdam der einzige mit einem Schwerpunkt auf ­MediaTech. Vertiefend im Startup-Programm MediaTech Hub Accelerator werden hier neue digitale audio-, visuell und ­videobezogene Technologien und Geschäftsmodelle erforscht, entwickelt und realisiert. Seit Gründung 2019 hat der MTH Accelerator 33 Teams aufgenommen. Jährlich haben bis zu 12 Teams die Möglichkeit, Teil des Portfolios zu werden. 14,5 Mio. Euro sind zwischen 2020 und 2022 in die Teams investiert worden.

Diese MediaTech-Start-ups entwickeln mithilfe von KI-Innovationen innerhalb der breit gefächerten Musikbranche.

AIBeatz

Gegründet wurde das Berliner MusikTech-Start-up AlBeatz im Jahr 2022 von Adrian Ligüerre und Daniel Murcia. Al­Beatz ist ein SAAS (Software as a Service), mit dem Musikschaffende wie Sänger*innen, Produzent*innen oder Con­tent Creator*innen, die ihre eigene Musik erstellen und verwerten können. Mithilfe der Online-Beatmaking-Plattform können sie ganz einfach mittels Echtzeit-KI-Musikkomposition in wenigen Sekunden einzigartige Beats kreieren und diese durch wenige Klicks personalisieren. So entstehen komplett neue und einzigartige Musikstücke, für deren Kreation keine Musikkenntnisse erforderlich sind. Jeder der hunderttausenden Tracks, die für das Training der Kompositionstechnologie verwendet wurden, ist von professionellen Musiker*innen und Produzent*innen gesampelt, synthetisiert und produziert worden. Zukünftig wird es Nutzer*innen möglich sein, Musik-NFTs für ihre Beats zu generieren. So können sie einfach die ­Musikrechte für ihre Kreationen zertifizieren und sich dadurch die Einnahmen sichern. „KI und Blockchain eröffnen neue Möglichkeiten für die Generierung und Distribution von Musik und helfen, derzeitige Copyright-Probleme drastisch zu verringern. Unsere Vision ist es, Künstler*innen und Unternehmen trotz des Einsatzes neuer Technologien einen konstanten Einfluss über den gesamten Kreativprozess zu ermöglichen. So könnte jeder der nächste Hitmaker sein“, so CEO Adrian Ligüerre.

Planet A Foods: kakaofreie Schokolade zum Fest

Das 2021 in München gegründete Start-up Planet A Foods will mit der weltweit ersten 100 % kakaofreien Schokolade Nocoa die Süßwarenwelt gehörig umkrempeln.

Noch haben sich viele Menschen nicht mit der Idee von Fleischersatz-Produkten, Milch-Ersatz-Produkten und Co. angefreundet. Doch mittel- bis langfristig dürfte der Trend – aus Gründen wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum – nicht aufzuhalten sein. Entsprechend sehen sich Forschende und Unternehmen nach weiteren Möglichkeiten um, gängige Lebensmittel mit (perspektivisch) umweltfreundlicheren Alternativen zu ersetzen. Eines davon ist das vom Geschwisterpaar Sara und Maximilian Marquart gegründete Münchner Start-up Planet A Foods. Mit Nocoa hat es eine Kakao-Alternative entwickelt – und steht knapp vor der Markteinführung.

Hafer ersetzt Regenwald-Rodung und Kinderarbeit

Der Hintergrund: Für die Kakaoproduktion werden jährlich große Regenwald-Flächen abgeholzt und es gibt ein massives Problem mit Kinderarbeit. Das Unternehmen setzt dagegen auf Hafer aus heimischer Produktion als wichtigste Zutat. Auch sonst nutzt Planet A Foods auf regionale Bestandteile.

Ersetzt werden im Nocoa sowohl Kakaopulver als auch Kakaobutter. „Wenn man Hafer richtig fermentiert und röstet, erhält man sehr ähnliche Aromen wie im Kakao“, erklärt Sara Marquart gegenüber der deutschen WirtschaftsWoche. Dazu adaptierte das Start-up Verfahren zur Fermentation. Bei Blindverkostungen sollen laut dem Start-up auch Lebensmittelexpert*innen den Unterschied zu gewöhnlicher Schokolade nicht geschmeckt haben.

Große Skalierungspläne mit Nocoa

Planet A Foods hat bislang rund sechs Millionen Euro Investment aufgenommen, unter anderem von Cherry Ventures aus Berlin, und hat am renommierten Y-Combinator-Accelerator-Programm im Silicon Valley teilgenommen. Überzeugt haben dürfte man die Geldgeber*innen auch mit der Strategie. Das Start-up will nämlich nicht – wie andere vergleichbare Unternehmen – erst einmal ein Edel-Produkt auf den Markt bringen, sondern fokussiert darauf, Schokolade in Massenprodukten wie Schokoriegeln zu ersetzen.

Die Vision laut Maximilian Marquart: „Eine Lebensmittelfirma aufbauen, die 500 Megatonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen kann“. Derzeit baut das Start-up im tschechischen Pilsen eine 1000-Quadrameter-Halle, in der 400 Kilogramm Nocoa-Schokolade pro Stunde hergestellt werden sollen. Und der geplante Marktstart dürfte auch nicht zufällig gewählt sein – knapp vor Weihnachten soll es soweit sein.