Expansion nach Lateinamerika?


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Die Gründer von Ongresso haben es vorgemacht: Vor 10 Jahren haben Daniel Breitenmoser und Ulrich Hinterberger in Kolumbien ein Unternehmen aufgebaut und helfen heute anderen Selbständigen, in Lateinamerika Fuß zu fassen.

Als Daniel Breitenmoser und Ulrich Hinterberger vor genau 10 Jahren in der Schweiz ihre Sachen packten, um ihr eigenes Unternehmen in Kolumbien zu gründen, hatten sie vor allem ihre Begeisterung für Lateinamerika im Gepäck.

“Als ich 2010 meinen gut bezahlten Beratungsjob in der Schweiz an den Nagel hängte, um mich ausgerechnet in Kolumbien selbständig zu machen, zweifelte praktisch mein ganzes Umfeld an meiner geistigen Verfassung”, erinnert sich Ulrich lachend. Viele ihrer Freunde und Familienmitglieder erklärten sie für verrückt. Aber sie waren überzeugt, dass Kolumbien nicht nur für Kaffee und Shakira bekannt sein sollte, dass Peru noch viel mehr als die Geschichte der Inka zu bieten hat und dass man in Mexiko nicht nur schmackhafte Tacos essen und der Musik der Mariachis lauschen kann. Und auch wenn sie die Begeisterung für die offensichtlichen Magneten nie verlassen hat, hatten sie doch vor allem eines im Blick: das große, noch unausgeschöpfte Potenzial Lateinamerikas.

Das große, noch unausgeschöpfte Potenzial Lateinamerikas

Oft spielt Lateinamerika bei deutschen Firmen eine untergeordnete Rolle, wenn uns um die internationale Marktexpansion geht. Denn meist fällt der Blick zuerst Richtung Asien. Jedoch verfügt die Region mit über 500 Millionen Einwohnern nicht nur über große Rohstoffvorkommen und ertragreiches Land, sondern auch über junge, gut ausgebildete Fachkräfte in den Bereichen IT und Software, Medien und kreative Berufe. Und da die teils hohen bürokratischen Eintrittsbarrieren viele Firmen abschrecken, treffen diejenigen Firmen, die es trotzdem wagen, vor Ort auf weniger Konkurrenz und erzielen deutlich höhere Margen als bspw. in Asien. So machen deutsche Exporte nach Lateinamerika gerade mal 2,6 Prozent aus.

Jedoch verfügt die Region mit über 600 Millionen Einwohnern nicht nur über große Rohstoffvorkommen und ertragreiches Land, sondern auch über junge, gut ausgebildete Fachkräfte in den Bereichen IT und Software, Medien und kreative Berufe. “Einige unserer Kunden haben aufgrund der fachlichen und menschlichen Qualität ihrer Mitarbeiter bspw. in Kolumbien mehr Leute angestellt, als ursprünglich geplant, um neben den lokalen Aufgaben auch firmeninterne Prozesse von Europa ins günstigere Südamerika zu verlagern”, so Daniel Breitenmoser.

Was jedoch trotz des großen Potenzials nicht zu unterschätzen ist, sind die teils hohen bürokratischen Hürden, die ausländische Firmen zuerst überwinden müssen, um erfolgreich zu sein. Scheinbar sinnlose Behördengänge und korrupte Beamte, langwierige und teure Produktregistrierungen, Fallstricke im Arbeitsrecht, die zu teuren Gerichtsfällen führen können – das sind nur ein paar Beispiele, die deutsche Firmen vor einem Markteintritt in Lateinamerika zurückschrecken lassen. Doch diejenigen Firmen, die es trotzdem wagen, treffen gerade aufgrund dieser Hürden auf weniger Konkurrenz und können im Vergleich zu Asien deutlich höhere Margen erzielen.

Brasilien und Mexiko sind sicherlich die Vorreiter in Lateinamerika, was die Marktgröße anbelangt. Jedoch bieten Länder wie Kolumbien oder Peru viele versteckte und unausgeschöpfte Chancen. Denn aufgrund noch ungesättigter Märkte sind Produkte oder Dienstleistungen, die in Deutschland als selbstverständlich gelten, in Kolumbien oder Peru oft nicht erhältlich, was wiederum viel Raum für neue Innovationen und Verbesserungen lässt.

Mit dieser Mission, das Potenzial Lateinamerikas im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen, entstand 2010 Ongresso, eine Firma, welche internationale Unternehmen bei der erfolgreichen Marktexpansion in Lateinamerika unterstützt. Ongresso entwickelt nicht nur Markteintrittsstrategien für seine Kunden, sondern kümmert sich auch um deren Umsetzung vor Ort. Mit einem umfassenden Serviceangebot dient das Unternehmen seinen Kunden als ‘One-Stop-Shop’ und vertrauenswürdiger Partner vor Ort. Dies ermöglicht es ihnen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und unnötige Kosten für Compliance-Vergehen, Verspätungen etc. zu vermeiden.

Aus den eigenen Erfahrungen gelernt

Durch die Gründung von Niederlassungen in Kolumbien und Peru, haben die beiden Gründer am eigenen Leib erfahren, welche Herausforderungen und Komplikationen der lateinamerikanische Markt mit sich bringen kann. Diese Erfahrung und das internationale Team mit Wurzeln in Europa, Nord- und Südamerika, erlaubt es ihnen, sich in die Situation der Kunden hineinzuversetzen und deren Bedürfnisse zu verstehen.
Heute, 10 Jahre später, haben Daniel Breitenmoser und Ulrich Hinterberger ihre Entscheidung nie bereut. Es hat sich bestätigt, dass immer mehr Unternehmen Interesse zeigen an Lateinamerika, speziell Kolumbien und Peru, die in den vergangenen Jahren die größten Wachstumsraten Lateinamerikas verzeichneten. Die dadurch entstandene Transformation ist gewaltig, speziell in Kolumbien.

Daniel Breitenmoser, der die Firma von Anfang an dort aufgebaut hat und in Kolumbien seine neue Heimat gefunden hat, meint dazu: “Bei keinem andern der über 50 Länder, die ich bereist habe, unterscheidet sich die Wahrnehmung so stark von der Realität. Fast jeder Besucher kommt etwas ängstlich mit negativen Vorurteilen belastet an und wird dann in Kürze bezaubert von diesem einzigartigen Land, seinen Menschen, Landschaften und Städten, die viel weiter entwickelt sind, als erwartet und überraschend viele Geschäftsmöglichkeiten bieten.“

Trotz der Pandemie nach Lateinamerika expandieren?

Nichtsdestotrotz bleibt eine Unternehmensexpansion ins Ausland eine große Herausforderung. Vor allem in einer Region mit einer Kultur und Lebensweise, die sich stark von Deutschland unterscheidet. Hinzu bringt die derzeitige Corona-Pandemie in Südamerika viele Probleme und Unsicherheiten mit sich, was eine Expansion auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv erscheinen lässt. Wieso also in die am stärksten von Corona betroffene Weltregion expandieren?

Tatsächlich bieten sich gerade jetzt durch die Krise viele neue, noch ungenutzte Chancen für Unternehmen. Durch die steigende Arbeitslosigkeit und teils stark abgewerteter Lokalwährungen werden Länder wie bspw. Kolumbien zunehmend als regionaler Produktions- und Exportstandort attraktiv, wo man einfach zu Arbeitskräften kommt und günstig produzieren kann. Zudem planen viele US-Unternehmen aufgrund des Handelskrieges mit China, ihre Produktion von Asien nach Lateinamerika zu verlagern (sog. Nearshoring). Auch hier bietet sich Kolumbien als Standort an aufgrund seiner geographischen Lage, welche Zugang zur Pazifik- und Atlantikküste bietet und in derselben Zeitzone wie die Ostküste liegt.

In ganz Lateinamerika haben der E-Commerce Sektor und die Digitalisierung durch die Corona-Krise einen großen Aufschwung erlebt. Lateinamerikaner sind in der Regel eher zögerlich und vorsichtig, wenn es um Online-Bezahlungen und Online-Handel geht. Durch die langen und intensiven Einschränkungen der Corona-Pandemie waren viele Menschen jedoch gezwungen, auf Online-Dienste umzusteigen, was den digitalen Konsum in einigen Ländern verdoppelt hat. Es wird erwartet, dass dieser Bereich auch in den kommenden Jahren stark wachsen wird, weshalb sich bereits viele Fintech und IT-Unternehmen in Städten wie Mexiko Stadt, Medellín oder Bogotá angesiedelt haben.

Neben Costa Rica hat sich Kolumbien in den vergangenen Jahren zu einem regionalen Hub für Business Process Outsourcing (BPO) entwickelt. Vor allem Unternehmen die einen großen Markt haben, wie beispielsweise Amazon oder UPS, nutzen bereits die Chancen in Kolumbien und verlagern ihr Customer Service Center in das Land, um von dort ihre gesamten Operationen in den Amerikas zu steuern.

Dem Thema Nachhaltigkeit wird bei der Reaktivierung der Wirtschaft ebenfalls eine große Rolle zugeordnet, was vielen Unternehmen im Bereich E-Mobilität, nachhaltiges Bauen oder Wasseraufbereitung interessante Chancen bietet. Darüber hinaus sollen erneuerbare Energiequellen in vielen Ländern der Region, wie beispielsweise Mexiko, Kolumbien oder Peru, ausgebaut werden, da hohe Sonneneinstrahlung und konstante Windverhältnisse ideale Bedingungen bieten für Solar- und Windanlagen.

Mut zum antizyklischen Verhalten

Auch wenn die Hürden die eine Marktexpansion mit sich bringt viele Unternehmen zurückschrecken lässt, sollte man sich nicht davon abhalten lassen, die bestehenden Chancen zu nutzen. „Gerade in der jetzigen Zeit kann man sich durch mutiges, antizyklisches Verhalten von der Konkurrenz abheben, effizienter und kostengünstiger werden und sich für den Aufschwung ideal positionieren”, so Ulrich Hinterberger abschließend.

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