Die Höhle der Löwen: Was wurde aus den Start-ups?


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Die Höhle der Löwen und, für alle, die das Original bevorzugen, Shark Tank, sind für viele TV-Zuschauer ein fester Bestandteil des Programms. In der Höhle der Löwen stellen Start-ups jeder Art ihre Ideen, Produkte und manchmal abstrakte Vorstellungen einer Jury vor, die schließlich entscheidet, wer den Deal bekommt – und wer nicht. Wer den Deal hat, der findet finanzstarke und erfahrene Investoren an seiner Seite, wer den Deal nicht bekommt, der geht unter. Wobei auch hier rühmliche Ausnahmen bestehen, denn so wirklich kann kein Start-up untergehen, wenn es sich gut in der Sendung präsentiert. Werbewirksam ist der Auftritt allemal, unabhängig davon, ob die »Löwen« anbeißen oder nicht. Aber was wurde aus denen, die einen Deal bekamen? Gibt es Ausreißer, die ohne Deal den Himmel stürmten? Dieser Artikel schaut sich einige Beispiele einmal an.

Tastillery ist eine der Erfolgsgeschichten, die bis heute funktioniert. Quelle: Instagram

Erfolgsgeschichten

Für viele der Zuschauer ist ein Start-up schon erfolgreich, wenn es einen Deal bekommt. Und selbst diejenigen, die das Format nicht schauen, die stolpern geradezu versehentlich über die Produkte. Diese werden in Drogeriemärkten, Supermärkten, Discountern und gar bei KIK ausgestellt und natürlich mit dem Logo der Sendung präsentiert. Doch was wirklich hinter diesen Aufhängern steckt, ist nur schwer zu sagen. Dennoch gibt es durchaus einige Unternehmer, die einen Deal kassierten und im Anschluss Erfolg hatten:

  • Von Floerke (David Schirrmacher) – dieses Beispiel ist ein zweischneidiges Schwert und erzählt die Sage um Ikarus in bester Manier: Der Inhaber stellte seine eigene Modemarke vor, die sich rundum auf Männer spezialisiert. Mit seinen Accessoires für den Mann hat der Inhaber nach dem Deal Erfolg gehabt. Zwischendurch gab es mehrere Läden in Köln, Düsseldorf und Münster, jetzt auch mit Spirituosen im Angebot, das Unternehmen machte einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe. Und jetzt? Die letzte Information ist, dass das Unternehmen vor dem Aus steht und die Schlammschlacht dreckiger geführt wird, als so mancher Rosenkrieg.
  • Happy Po – eine Dusche, eigens für den eigenen Hintern. Und diese Idee kam nicht nur bei der Hotel- und Unternehmensbesitzerin Wöhrl an, sondern auch bei den Kunden. Das Produkt wurde massentauglich gemacht und ist in Drogerien und Supermärkten zu finden.
  • Tastillery – dieser Deal war nichts für Jugendliche, aber für Freunde eines guten Alkohols. Das Unternehmen erhielt den Deal für Probiersets, bestehend aus guten Alkoholika. Zwar wurde der Deal später doch abgelehnt, der Erfolg stellte sich dennoch ein. Allein in der ersten Woche nach der Sendung bestellten rund 8.000 Kunden das Probierset online.
  • Catch-Up – aktuell gibt es noch keine offiziellen Zahlen, doch wer diesen Staubsaugeraufsatz in Supermärkten, Drogerien oder Technikshops suchte, der musste früh aufstehen. Der 20-jährige Erfinder begeisterte mit dieser so simplen, doch so tollen Lösung längst nicht nur die Löwen.

Die Misserfolge

So manches Mal wurde es in der Nachberichterstattung gezeigt, doch die meisten Start-ups, die trotz eines Deals keinen Erfolg hatten, verschwinden eher in der Versenkung. Zudem gibt es freilich etliche Deals, die in der Sendung Zustandekommen, doch hinterher wieder platzen. Ein Überblick über die Misserfolge der Teilnehmer:

  • Adamus – 2014 präsentierte Marc Collinets seine Erfindung der begeisterten Jury. Eine mobile Toilette, die faltbar ist, in die Tasche passt und somit doch praktisch das Produkt für Wanderer, Festivalbesucher und Camper sein müsste? Der Toilettenbeutel wurde mit einem Deal versehen, doch kam dieser nie zustande. Während der Sendung gab der Gründer einen Umsatz von 930.000 Euro für das Jahr 2014 an. Dieses Ziel wurde nie eingehalten, es wurden wohl gerade einmal 230.000 Euro Umsatz erzielt.
  • MoveAid – ob dieser Deal wirklich zustande kam oder hinterher von einer der Seiten abgelehnt wurde, ist nicht vollends bekannt. Doch das eigentlich geniale Produkt, welches als tragbares Gleichgewichtsorgan für Schlaganfallpatienten dient, wartet weiterhin auf die medizinische Zulassung.
  • Erledigungen.de – wer wartet schon gerne in Behörden? Niemand. Daher wollte dieses Unternehmen die Warterei für die Kunden übernehmen. In asiatischen Ländern ist es durchaus gängig, Personen dafür zu bezahlen, sich für einen selbst in die Warteschlange zu stellen. Die Löwen stellten sich lieber selbst in die Schlange, ohne einen Deal zu vergeben. Die Folge: Das Start-up hat zumindest seine eigene Erledigung erledigt, denn es musste Insolvenz anmelden.

Die Gipfelstürmer

Möchte ein Start-up, welches eine tolle Idee hat und sich zu präsentieren weiß, eine große Zuschauergruppe erreichen, ist die Höhle der Löwen nicht unbedingt der denkbar schlechteste Schauplatz. In der Spitze sahen sich bis zu drei Millionen Zuschauer die Sendung an – und, Hand aufs Herz: Hat nicht doch mal jemand im Anschluss nach den Produkten gegoogelt?

  • Otto Wilde – bei DHDL hat es nicht funktioniert, doch das konnte dieses Unternehmen nicht stoppen. Das Jungunternehmen bietet hochwertige Grills an und generiert damit längst einen Millionenumsatz. Das Unternehmen beschäftigt 25 Mitarbeiter, hat einen Sitz in Düsseldorf und New York und ein Ende der Erfolgsstory ist noch nicht in Sicht.
  • Sugarshape – auch auf die Unterwäsche hatten die Löwen letztendlich keine Lust, Zwar gab es zuerst einen Deal, der wurde jedoch später abgewiesen. Nach der Show gab es innerhalb eines Tages rund 17.000 Bestellungen, das Unternehmen hat über 50 Mitarbeiter und ist immer noch gut dabei.
  • Einhorn-Kondome – dass Safersex auch nachhaltig sein kann, bewiesen diese Gründer, doch wollten die Löwen keinen Deal vergeben. Dennoch haben es die Unternehmer der veganen und nachhaltigen Gummihülle für männliche Hörnchen geschafft – inklusive Unterlassungsklagen wegen Orgasmus Definitionen. Mittlerweile gibt es die Kondome überall, wo es Kondome zu kaufen gibt.

Es wird sicherlich noch viele weitere Teilnehmer geben, die ohne einen Deal den Handel erobern konnten. Wobei vielfach auch eine Definition von Erfolg fehlt. Denn etliche der Start-ups, die bei VOX auftreten, scheinen nicht unbedingt den großen Erfolg zu suchen, sondern wollen mit ihrer Idee schlichtweg ihren Unterhalt und den der Familie bestreiten können. Und wenn ein Start-up dieses Ziel erreicht, kann ihm wohl kaum ein Misserfolg zugesprochen werden.

Sugarshape hat es auch ohne Deal geschafft

Fazit – ohne Deal wohl mehr Erfolg

Ob das Format nun für Start-ups als länderübergreifende Werbeplattform sinnvoller war, als für die Gewinnung eines oder mehrerer Investoren, ist schwer zu sagen. Trotzdem haben sich so etliche Teilnehmer durchgesetzt, während andere in der Versenkung oder vor dem Insolvenzverwalter verschwanden. Sicher ist, dass es DHDL in Deutschland so bald nicht mehr geben wird, da das Format abgesetzt wurde.

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