Kostenfaktoren für Startups – und wie Gründer sie minimieren können


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Selbst mit Fördermitteln dürfte das Budget gerade in der Gründungsphase, vielfach aber auch darüber hinaus, ein kritischer Punkt in den Plänen vieler Startups sein. Deshalb sollte jede Möglichkeit genutzt werden um anfallende Kosten entweder gänzlich zu vermeiden oder sie zumindest auf ein machbares Niveau zu minimieren. Ansatzpunkte hierfür gibt es jedenfalls in ausreichend großer Zahl, um bei einem geschickten Budgeteinsatz finanzielle Engpässe zu umgehen.

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Den Kosten auf der Spur

Bereits im Vorfeld der Gründung sollte weitestgehend klar sein wofür das vorhandene Budget ausgegeben werden soll oder ausgegeben werden kann. Kosten entstehen schließlich nicht allein durch Investitionen oder die üblichen laufenden Rechnungen, sie fallen oft auch wegen nicht optimierter Prozesse im Betrieb an.

Suche nach möglichen Kostenfaktoren

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Eines der Probleme hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens sind die Kosten welche sich nicht oder bestenfalls bedingt an den üblichen Stellen, etwa der BWA oder den Bilanzen, ablesen lassen aber de facto trotzdem entstehen.

Kundenreklamationen, schlechte Organisation und dergleichen verursachen beispielsweise schon dadurch Kosten, dass sie zwar Aufwand erfordern aber keinen Gewinn einbringen.

Regelmäßige Analysen der innerbetrieblichen Abläufe sind deshalb unerlässlich, denn nur auf diesem Wege lassen Schwachstellen entdecken und anschließend verbessern. Ein Indiz für eine solche Schwachstelle: Es handelt sich um Vorgänge, die wiederholt für Ärger sorgen. Dabei kann es sich, wie schon gesagt um häufige Reklamationen von Kundenseite handeln aber genauso um Anrufe, die in Abwesenheit von Kollegen oder Chefs beantwortet werden müssen und die Arbeitsprozesse stören.

Gerade wenn solche Probleme bekannt sind, sollte gehandelt werden. Allerdings schadet es generell nicht, für derartige „Störungen“ eine gewisse Sensibilität zu entwickeln:

  • Der nächste Schritt wäre dann eine Messung der Häufigkeit, mit der die Probleme auftreten. Dazu braucht es keinen großen Aufwand. Schon mit Hilfe einer Strichliste lässt sich das Ausmaß einschätzen. Genauer wird es natürlich, wenn Mitarbeiter und Kollegen in die Erhebung involviert werden.
  • Anschließend wird ermittelt, wie hoch die Kosten durch die anfallenden Probleme ausfallen könnten. Dazu braucht es keine absoluten Werte – Einkaufspreise, Materialkosten oder Stundensätze sind gute Orientierungsgrößen, auf deren Basis ein recht realistischer Kostenpunkt berechnet werden kann.
  • Im letzten Schritt stehen Optimierungsmaßnahmen an. Priorität sollte dabei das Problem haben welches die meisten Kosten verursacht. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass weitere Kontrollen in regelmäßigen Abständen nicht weiterhin wichtig sind. Im ungünstigsten Fall entstehen durch die Maßnahmen zur Verbesserung andere Probleme, die vorher gar nicht abzusehen waren.

Investitionen in Betriebsabläufe und Ausstattung

Wie bei vielen Maßnahmen, die langfristig zu Einsparungen führen sollen, sind unter Umständen Investitionen notwendig. Bei Start-ups mit einem überschaubaren Budget ist das möglicherweise ein kritischer Punkt. Wenn allerdings deutlich wird, dass sich perspektivisch erhebliche Kostenpunkte reduzieren lassen, müssen zumindest Diskussionen über vorläufige Ausgaben geführt werden.

Die Analyse ist unter solchen Bedingungen um so wichtiger. Je genauer Bedarf und Betriebsabläufe bekannt sind, umso gezielter kann das Geld eingesetzt werden, sei es für die Ausstattung oder etwa für Personal.

Regelmäßige Auswertung von Kostenblöcken

Wie bereits angesprochen, ist eine Analyse versteckter Kosten keine einmalige Aufgabe, es ist ein fortlaufender Prozess. Genauso verhält es sich mit den eigentlich bekannten Ausgaben, die beispielsweise über die betriebswirtschaftliche Auswertung ermittelt werden können. Spätestens zum Jahresende ist ein genauerer Blick auf diese Kosten sinnvoll, alternativ kann zu diesem Zweck auf die Einnahmen-Überschuss-Rechnung herangezogen werden.

Auf Grundlage der vorliegenden Daten gilt es dann, eine Kostentabelle zu erstellen. Sie hilft dabei, Handlungsspielräume im finanziellen Bereich aufzudecken und anschließend zu nutzen. Fixe Kosten, die sich nicht reduzieren lassen, bleiben bei der Auswertung unberücksichtigt. Alle anderen Kostenpunkte werden nach ihrer Höhe sortiert. An diesem Punkt kann es sinnvoll sein, einen Steuerberater zu Rate zu ziehen. Dadurch wird es unter Umständen einfacher, die Zahlen in die richtige Relation zu bringen und die Maßnahmenhebel an den richtigen Stellen anzusetzen.

Das große Thema: Steuern

Einen nicht unbeträchtlichen Teil der Unternehmenskosten verursachen Steuerzahlungen; und das von Anfang an. Das sollte Grund genug sein sich mit den wichtigsten Aspekten der Startup-und-Steuern-Thematik auseinanderzusetzen und schon vor der Gründung die richtigen Weichen zu stellen.

Die Wahl der Rechtsform

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Zunächst gilt das für die Rechtsform, in der das neue Unternehmen gegründet werden soll. Die gängigsten Varianten haben eine Haftungsbeschränkung. Der größte Unterschied liegt letztlich darin, ob es sich um eine Körperschaft handelt (wie die GmbH) oder um eine Personengesellschaft (das wäre etwa die GmbH & Co. KG). Die Wahl wirkt sich auf betriebswirtschaftlicher Ebene insofern aus, als die Rechtsform die Finanzierung erleichtern oder erschweren kann, bei Geschäftspartnern und Geldgebern eine gewisse Außenwirkung erzielen kann (positiv wie negativ) oder aber die Gründungskosten beeinflusst.

Nicht unerheblich ist außerdem der Steueraspekt für Einzel- und Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften. Bei einer Kapitalgesellschaft ist es aus verschiedenen Gründen notwendig, dass Gewinne erwirtschaftet werden. Selbstverständlich ist das auch für neugegründete Unternehmen das Ziel. Allerdings lässt sich in der Anfangszeit schwer abschätzen wie hoch etwaige Gewinne ausfallen.

Unabhängig davon müssen in einer GmbH aber die Gehälter für die Geschäftsführung bezahlt werden, nicht zu vergessen die Kosten für die Bilanzerstellung, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Erschwerend kommt hinzu, dass Verluste nicht wie bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften nachträglich mit den Einkünften des Vorjahres verrechnet werden können.

Tipp: Bei der Gründung einer Unternehmensgesellschaft (UG) ist zu bedenken, dass diese nicht von dem sonst gültigen Freibetrag auf die Gewerbesteuer in Höhe von 24.500 Euro profitieren können. Vielmehr werden bei dieser Rechtsform umgehend etwa 15 Prozent Gewerbesteuer fällig.

Gründungskosten und Anlaufverluste

Darüber hinaus entstehen ebenfalls in der Gründungsphase die ersten Kosten für Beratungen, Verwaltungs- und Notarangelegenheiten. In Körperschaften entfallen diese Aufwendungen komplett auf den Gesellschafter und sind nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Anders verhält es sich bei Personengesellschaften, allerdings ist der Abzug auch bei diesen keineswegs selbstverständlich.

Im Rahmen der Gewerbesteuer können die Gründungskosten eigentlich erst geltend gemacht werden, wenn das Unternehmen bereits im Betrieb ist. Dazu ist es wiederum erforderlich eine äußerlich eindeutig erkennbare entgeltliche Tätigkeit anzubieten, in der Gründungsphase ist das allerdings eher nicht der Fall. Problematisch wird das in dem Moment, in dem tatsächlich ein Gewinn für die Gewerbesteuer angemeldet werden muss während auf Seiten der Einkommenssteuer aber noch die Gründungskosten und Anlaufverluste zu Buche schlagen. Unter diesen Umständen ist es nämlich nicht möglich den Gewinn auf die Einkommenssteuer anrechnen zu lassen.

Startups und die Umsatzsteuer

Ähnliche Fallstricke drohen auch bei der Umsatzsteuer. Ein nicht unübliches Szenario ist folgendes:

  • Im Gründungsjahr wird die Umsatzgrenze von 17.500 Euro nicht überschritten, die Firma wird als umsatzsteuerliches Kleinunternehmen beurteilt.
  • Das heißt, erwirtschaftete Eingangsleistungen können nicht dazu verwendet werden um die ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer wieder um Finanzamt erstattet zu bekommen.
  • Immerhin wird unter diesen Voraussetzungen auch keine Umsatzsteuer auf Ausgangsleistungen erhoben; dennoch bleibt in der Regel ein Vorsteuerüberhang zu dem die anfänglichen Anlaufkosten noch hinzukommen.
  • Abgesehen davon gehen die Vorsteuerbeträge auf Anlaufverluste und Gründungskosten spätestens dann verloren, wenn höhere Umsätze zu einer verpflichtenden umsatzsteuerlichen Regelbesteuerung führen.

In der Gründungsphase ist aus diesen Gründen eine realistische Umsatz- und Gewinnprognose unerlässlich, um auch in Steuerfragen bestmöglich vorausplanen zu können. Das gilt beispielsweise auch für die Möglichkeit, per Antrag auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten, was für den Moment hilfreich erscheinen mag, aufgrund der Dauer dieses Aussetzens von mindestens fünf Kalenderjahren aber nachteilige Auswirkungen haben kann.

Finanzierungs- und Beteiligungsrunden

Um die notwendigen Mittel für das Startup zu erhalten folgt auf die Gründungsphase in der Regel eine oder mehrere Finanzierungsphasen. Der Verkauf von Unternehmensanteilen ist dabei auf unterschiedliche Weise steuerlich relevant, abhängig davon, welche Rechtsform für die Firma gewählt wurde.

  • In einer GmbH beispielsweise muss der Gesellschafter jede Anteilsveräußerung versteuern, der Gewinn aus diesen Kapitalerhöhungen unterliegt zudem dem Teileinkünfteverfahren. Er wird zu 60 Prozent in die Bemessungsgrundlage für die Einkommenssteuer einbezogen. Daraus ergibt sich womöglich ein nicht unerheblicher Betrag, der mit dem persönlichen Steuersatz des Gesellschafters versteuert wird. Schlimmstenfalls, und das heißt ohne den Zufluss weiterer Finanzmittel, entsteht daraus eine nicht geringfügige Steuerlast.

Tipp: Denkbar ist allerdings, mit der Veräußerung gleichzeitig eine Erhöhung des Stammkapitals um einen gleichwertigen Prozentsatz vorzunehmen. Der Vorgang der Anteilsveräußerung wäre dann gegebenenfalls nicht steuerpflichtig

  • Anders verhält es sich bei Personengesellschaften bei denen im Falle einer Kapitalbeteiligung das Umwandlungssteuergesetz zum Einsatz käme, in dessen Rahmen durch die Beteiligung des Investors gewissermaßen eine neue Personengesellschaft fingiert würde. In diese kann der bisher alleinige Gesellschafter seinen Anteil einbringen, ohne eine Besteuerung stiller Reserven befürchten zu müssen.

Steuerneutrale Umwandlungen der Rechtsform nach der Gründung sind ebenfalls denkbar, allerdings muss in diesem Zusammenhang abgewogen werden ob die anfallenden Kosten für Beratung und Verwaltung die zu erwartenden Steuereinsparungen wirklich rechtfertigen.

Absetzung von Betriebskosten

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Sobald der Firmenbetrieb läuft, können immerhin Teile der betrieblichen Ausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Tatsächlich gibt es hierbei einige Möglichkeiten:

  • Ein Laptop oder andere bewegliche Wirtschaftsgüter können ,sofern für den Beruf unverzichtbar, von den Einnahmen abgesetzt werden. Je nach Wert kann der Betrag vollständig geltend gemacht werden oder er wird über mehrere Jahre hinweg abgeschrieben.
  • Geschäftsessen können bis zu 70 Prozent steuerlich abgesetzt werden. Hier empfiehlt es sich die Rechnungen aufzuheben um Zeitpunkt, Anlass und Beteiligte angeben zu können.
  • Sowohl Smartphones als auch Festnetzanschlüsse können zumindest in Teilen von der Steuer abgeschrieben werden. Die Kosten werden dabei anteilmäßig angegeben. Je nach Umfang der Nutzung, wird also ein Smartphone zu einem Drittel für berufliche Zwecke verwendet, kann dieses Drittel der Rechnung geltend gemacht werden.
  • Ähnliches gilt für die berufliche Nutzung des Autos. Wird es zu 50 Prozent der Zeit für betriebliche Zwecke genutzt, kann das Auto schon zum Betriebsvermögen gezählt werden. Ab einer Nutzung von zehn Prozent kann es in jedem Fall bereits in selbiges eingebracht werden. Möglich wird dadurch etwa ein Vorsteuerabzug beim Kauf oder bei den Benzinkosten.
  • Außerdem können Reisekosten von der Steuer abgesetzt werden worunter Fahrtkosten, Verpflegungspauschalen, Übernachtungskosten und Reisenebenkosten (etwa Parkgebühren) fallen. Möglich ist eine solche Abrechnung immer dann, wenn die Reise einer „beruflich bedingten Auswärtstätigkeit“ geschuldet ist, die Arbeit also an einem anderen Ort als der ersten Betriebsstätte durchgeführt wird. Reisekosten lassen sich darüber hinaus durch Angebote reduzieren, die speziell auf Unternehmensbelange zugeschnitten sind.

  • Weitere Betriebsausgaben lassen sich je nach Tätigkeitsbereich unter Umständen in Form von Pauschalen von der Steuer abzusetzen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich über alle Ausgaben penibel Buch zu führen, gegebenenfalls können dadurch doch mehr Kosten abgesetzt werden als die gültigen Pauschalen.

Der Exit

Steuern in beträchtlicher Höhe warten aber nicht nur in der Gründungsphase auf Start-ups, sondern auch am „Ende“, wenn man so will. Der Verkauf eines jungen Unternehmens kann eine lukrative Angelegenheit sein. Für die Abwicklung gibt es unterschiedliche Szenarien, um die Besteuerung kommt aber keine der Optionen herum. Als Verkäufer geht es in diesem Zusammenhang darum, möglichst geringe Steuern auf den Veräußerungsgewinn zahlen zu müssen. Für Verkäufer hingegen ist eine niedrige laufende Besteuerung der Firma wichtig. Die Möglichkeiten auf dieser Seite des Verhandlungstisches sind

  • steuerwirksame Abschreibungen des Kaufpreises,
  • der Erhalt von bestehenden Verlustvorträgen,
  • die steuerliche Nutzung der Kosten der Akquisitionsfinanzierung.
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Eine für beide Seiten zufriedenstellende Einigung ist bisweilen schwierig zu erreichen, was zum einen an unterschiedlichen Interessen hinsichtlich der besten Besteuerung liegt und zum anderen an der Vielzahl unterschiedlicher und teils komplexer Verhältnisse.

Beispiel Asset-Deal, bei dem nicht das Unternehmen selbst sondern dessen gesamte Wirtschaftsgüter veräußert werden: Da der Kaufpreis auf eben jene Güter verfällt, kann der Käufer ihn steuerwirksam abschreiben. Gleichzeitig mindern die Finanzierungskosten das laufende Einkommen des Erwerbers, was zusätzlich seine Steuerlast reduziert. Anders gestaltet sich die steuerliche Situation für den Verkäufer, der aber immerhin den Kaufpreis mit vorhandenen Verlustvorträgen verrechnen kann.

Bei einem Share Deal, also einer Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, muss der daraus erzielte Gewinn vom Verkäufer zu 60 Prozent in die Bemessungsgrundlage der persönlichen Steuerlast einbezogen werden. Die Einkommenssteuer wird zudem auch bei Verkäufen von Anteilen an Personengesellschaften fällig. Hier muss der Gewinn sogar vollständig besteuert werden, mit dem Unterschied allerdings, dass in diesem Fall Steuerermäßigungen und Freibeträge geltend gemacht werden können. Darüber hinaus wirken sich Verlustvorträge ebenfalls steuermindernd aus.

Human Resources: Das Personal

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Ein richtiges Unternehmen braucht Personal. Die Frage ist allerdings, wie viele Mitarbeiter ein Startup tragen kann und ob es überhaupt von Beginn an notwendig ist, Leute einzustellen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich mit den „versteckten“ Kosten zu befassen, die durch das Personal entstehen, wenn dieses beispielsweise die Firma verlässt.

Gründung mit oder ohne Personal?

Eine Frage, die definitiv bereits während der Gründungsphase geklärt werden sollte. Die Antwort darauf ist nicht leicht zu finden, denn sie liegt zwischen den finanziellen Möglichkeiten des Startups und dem (möglichen) Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern. Obwohl das nach Kompromisslösungen zu schreien scheint, sollten junge Unternehmen sich genau überlegen ob Schnellschüsse beim Recruiting nicht am Ende teurer werden. Je nach Geschäftsidee und Arbeitsaufwand ist es zumindest in der Startphase daher sinnvoller zunächst auf die eigene Kompetenz und Arbeitskraft zu vertrauen.

Langfristige Perspektive: Langzeitbindung statt Fluktuation

Damit ist schließlich nicht ausgeschlossen, zu einem späteren Zeitpunkt doch den bestehenden oder entstandenen Personalbedarf zu decken. Grundlage für Entscheidungen in diesem Bereich sollte ein frühzeitig erstellter Plan für HR Fragen sein. Als Orientierungshilfen können dazu in erster Linie die gesetzten Meilensteine des Unternehmens herangezogen werden. Sinnvoll ist das aber nur dann, wenn die Planungen anhand der tatsächlichen Entwicklungen durchgeführt werden – auf diese Weise kann der Bedarf jederzeit und für die jeweiligen Bereiche genau bestimmt werden.

Danach ist alles nur noch Recruiting. Eine Aufgabe, die aber auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Im Gegenteil müssen allerspätestens bei den ersten Einstellungen von Mitarbeitern wichtige Grundlagen vorhanden sein, um diese richtig führen zu können

  • Auch wenn Startups aufgrund einer bestimmten Idee entstehen, ist das nicht gleichbedeutend mit einer ausgereiften Vision davon wie sich die Firma entwickeln soll. Das betrifft den wirtschaftlichen Fortgang genauso wie eine Unternehmenskultur, in der die elementaren Werte der Gründer verankert sind.
  • Personal einzustellen bedeutet, eine neue Rolle im Betrieb einzunehmen. Statt Gründer, die wenn nicht alles doch so vieles eigenhändig erledigen, ist man nun Manager mit Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Gleichzeitig bietet sich mit Personal aber die Chance Verantwortungen für bestimmte Aufgaben abzugeben, ein ebenso wichtiger wie notwendiger Schritt.
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Die neue Rolle erfordert es außerdem bisweilen unangenehmen Entscheidungen in Bezug auf einzelne Mitarbeiter treffen zu müssen. Vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Mittel und eines oftmals sehr spezifischen Bedarfs an Qualitäten und Kompetenzen sollten diese schnell geklärt werden. Das gilt übrigens auch bei zwischenmenschlichen Problemen, die in kleinen wie in großen Teams schnell gravierende Auswirkungen haben können.

Dennoch ist darauf zu achten die Fluktuation nicht zu groß werden zu lassen. Durch Personalverluste und Wechsel in der Belegschaft entstehen immer Kosten, von denen die meisten nicht einmal auf den ersten Blick zu erkennen sind. Neben den offensichtlichen Kosten, die aus der Notwendigkeit der Neubesetzung einer Stelle resultieren, müssen außerdem Verzögerungen bei laufenden Projekten, die Abwanderung von Know-How, mögliche Rechtsstreitigkeiten und nicht zuletzt die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters berücksichtigt werden.

Um die gewünschte Langzeitbindung realisieren zu können, ist das Management gefragt. Regelmäßige Gespräche sind das augenscheinliche Mittel, mit dem die Stimmung unter den Mitarbeitern eingefangen und Feedback verteilt werden kann. Inzwischen gibt es mit „People Analytics“ auch technische Unterstützung für diesen Bereich. Die Idee hinter dieser Software ist die Vereinfachung der Prozesse in der Unternehmenskommunikation. Auf diese Weise soll ein kontinuierlicher Austausch und ein tieferer Einblick ermöglicht werden, inklusive der Möglichkeit schneller auf negative Entwicklungen oder konstruktive Kritik zu reagieren.

Der Firmensitz

Es ist ein naheliegender Wunsch, die eigene Geschäftsidee in den eigenen Räumlichkeiten verwirklichen zu können. Allerdings kann das aus unterschiedlichen Gründen sehr schnell recht kostspielig werden. Die Standortwahl sollte daher wohlüberlegt sein.

Grundsatzfrage: Sind Räumlichkeiten notwendig?

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Eine Betriebsstätte braucht jedes Unternehmen, allerdings sind die Ansprüche in dieser Hinsicht abhängig vom Geschäftsmodell sehr verschieden. Manche Idee lässt sich beispielsweise ohne Schwierigkeiten aus dem Homeoffice umsetzen, was hinsichtlich der monatlichen Mietzahlungen die kostengünstigste Variante ist. Falls zwischenzeitlich doch ein größerer Bedarf an Platz besteht, können vorübergehend Co-Working Spaces genutzt werden.

Das Angebot reicht hier mittlerweile von Einzel- über Großraumbüros bis hin zu Meetingräumen. Je nach Ausstattung können zum Teil sogar Sekretariatsleistungen dazu gebucht werden. Langfristig käme eventuell eine Bürogemeinschaft in Frage, bei der die anfallenden Kosten für Miete und Infrastruktur geteilt werden.

Kostenfalle Mieten

Unter Umständen ist das die weniger kostenintensive Variante zu selbst angemieteten Räumlichkeiten. Was schnell übersehen wird, sind die Kosten, die über die monatlichen Zahlungen hinaus entstehen:

  • Anders als bei Wohnimmobilien gilt für gewerblich genutzte Räume, dass der Mieter für die Maklerprovision aufzukommen hat. Marktüblich sind zwischen drei und fünf Prozent, höhere Sätze sind nur unter besonderen Bedingungen möglich. Ansonsten gilt aber, sich hinsichtlich der rechtlichen Möglichkeiten um die Maklerprovision im Vorfeld zu informieren.

  • Während die Provision für den Makler für das Unternehmenskapital verloren ist, bleibt die Kaution immerhin erhalten. Allerdings ist die Summe für die Dauer des Mietverhältnisses nicht verfügbar und somit vorhandenes, aber totes Kapital.
  • Klauseln über eine Mindestmietdauer sind insofern schwierig, als beim Start der Geschäftstätigkeit womöglich noch gar nicht absehbar ist, ob die Räumlichkeiten überhaupt für den gesamten Zeitraum genutzt werden können. Eventuell lässt sich Vertragsbindung auf einen überschaubareren Zeitrahmen herunterhandeln, ansonsten sind solche Verträge besser zu meiden.

Erstausstattung

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Ähnlich wie bei Personal und Räumlichkeiten muss auch bei der Ausstattung die Frage nach den Notwendigkeiten gestellt werden. Natürlich sollten die vorhandenen Geräte funktionstüchtig sein, aber das muss nicht bedeuten, dass sie dem allerneuesten Stand der Technik entsprechen müssen. Gegebenenfalls kann in diesem Bereich nachgebessert werden, sobald die finanziellen Mittel dazu bereitstehen.

Bis dahin lässt sich die Einrichtung möglicherweise für vergleichsweise kleines Geld aus Betriebsauflösungen zusammenstellen, technische Gerätschaften können unter Umständen ebenfalls gebraucht gekauft oder gemietet werden. Denkbar ist ebenfalls, die Mitarbeiter an den eigenen Geräten arbeiten zu lassen. Zur Sicherheit sollte dann aber vertraglich geregelt sein, wer für Kosten im Schadensfall aufkommt. Diese Variante dürfte trotz allem günstiger sein, als eine Neuanschaffung.

Diese Lösungen mögen nicht unbedingt mit dem Bild übereinstimmen, das Gründer von ihrem „Firmensitz“ in ihren Köpfen mit sicher herumtragen. Allerdings wollen alle Ausgaben, gerade zum Start des Unternehmens, wohlüberlegt sein. Der Designerschreibtisch zeugt unter solchen Voraussetzungen dann weniger von geschäftlichen Ambitionen als viel eher von unrealistischem Wirtschaften.

Zusammenfassung

Ein knappes Budget muss für eine Firmengründung kein zwingendes Hindernis sein. Wichtig ist es dann allerdings, über die Einsparpotenziale informiert zu sein. Während die in manchen Bereichen – Raummieten, Anschaffungs- und Personalkosten etc. – auf der Hand liegen, ist bei anderen eine tiefergehende Analyse hilfreich. Bei komplexeren Themen wie Steuerangelegenheiten ist es zudem unabdingbar, professionelle Hilfe zu Rate zu ziehen.


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