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Wie Start-ups mit KI und Low-Code durchstarten können
Angesichts des Drucks der fortschreitenden Digitalisierung und des Fachkräftemangels bietet KI-gestütztes Coding vielversprechende Chancen, gerade auch für Start-ups.
Die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass bis 2028 drei von vier Softwareentwicklern in Unternehmen KI-Assistenten beim Programmieren einsetzen werden. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber Anfang 2023, als der Anteil noch unter zehn Prozent lag. Start-ups sind aufgrund ihrer Agilität und ihres Innovationsgeistes besonders gut aufgestellt, um KI-Tools zu nutzen und ihre Programmierprozesse grundlegend zu verändern. Angesichts des Drucks der fortschreitenden Digitalisierung und des Fachkräftemangels bietet KI-gestütztes Coding vielversprechende Chancen. Low-Code-Plattformen ermöglichen es Start-ups, dieses Potenzial effektiv zu nutzen.
KI und generative KI (GenAI) stellen eine Herausforderung für die traditionelle Softwareentwicklung dar. Daher haben die Diskussionen über ihre möglichen Auswirkungen in den letzten Jahren stark zugenommen. Eines ist jedoch klar: diese Technologie verspricht, die Softwareentwicklungsprozesse von Unternehmen deutlich effizienter zu gestalten.
Die rasante Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz bedeutet, dass beispielsweise bestimmte Aufgaben wie die Dokumentation von Quellcode für die Wartbarkeit und das Schreiben neuen Codes laut McKinsey nur noch halb so viel Zeit in Anspruch nehmen. Gartner prognostiziert, dass KI-gestütztes Programmieren die Produktivität menschlicher Entwickler in naher Zukunft um das Zehnfache steigern kann. Für Start-ups, die KI-unterstützte Programmierung einsetzen, bedeutet dies schnellere Entwicklungszyklen und weniger Zeitaufwand für die Wartung. Dies setzt jedoch einen durchdachten Coding-Ansatz voraus, der es Start-ups ermöglicht, in einem zunehmend komplexen Markt flexibel zu bleiben, ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.
Die Macht von KI und generativer KI im Coding von morgen
Start-ups sollten die Einführung von KI-gestützter Programmierung sorgfältig abwägen und mit den richtigen Sicherheits-Tools kombinieren, um ihre Agilität zu erhalten und Innovationen voranzutreiben. KI, und insbesondere generative KI, kann Entwicklern dabei helfen, Code schneller und mit weniger Fehlern zu schreiben und zu verfeinern. Diese Technologien können wiederkehrende Aufgaben automatisieren, Code-Verbesserungen vorschlagen und sogar neue Code-Fragmente generieren. Dadurch wird der Zeit- und Arbeitsaufwand für die Softwareentwicklung erheblich reduziert.
Üblicherweise dauert die Entwicklung von Software von der Idee bis zum marktreifen Produkt im besten Fall Monate – im realistischen Szenario jedoch Jahre. Eine erfolgreiche Anwendung durchläuft dabei einen stringenten Planungs- und Entwurfsprozess, bevor mit der Programmierung, dem Testen und Debuggen begonnen werden kann. Auch nach der Bereitstellung ist eine kontinuierliche Wartung erforderlich, um sicherzustellen, dass die Software reibungslos läuft und Aktualisierungen und Leistung den wachsenden Anforderungen entsprechen. In der Realität sind für die meisten dieser Prozesse Tech-Experten zuständig, was zu Verzögerungen und Ineffizienz führt, da Nachfrage und die verfügbaren Ressourcen meist nicht im Gleichgewicht sind.
KI ersetzt keine Developer-Expertise
Bei jedem Update von ChatGPT werden Stimmen laut, die postulieren, dass diese Version die traditionelle Entwicklung abschafft und es jedem ermöglicht, ein Entwickler zu sein. In der Realität ist das Programmieren mit Hilfe von KI jedoch kein Ersatz für technische Expertise. Der Einsatz von KI in der Programmierung hat zwar ein enormes Potenzial, die Geschwindigkeit zu erhöhen, aber die sporadischen Ungenauigkeiten der KI-Halluzinationen erfordern technische Unterstützung, um die Qualität des Codes zu erhalten und Schwachstellen zu vermeiden. (Zur Info: Spricht man im Rahmen der KI von einer Halluzination, ist damit ein überzeugend aussehendes KI-generiertes Ergebnis in Text- oder Bildform gemeint, das nicht durch Trainingsdaten objektiv belegt werden kann und damit weitgehend erfunden ist.)
Denn öffentlich verfügbare KI-Modelle werden auf öffentlich zugänglichen Codebasen trainiert – und ein erheblicher Teil davon ist naturgemäß fehlerhaft. Mit anderen Worten: Die Qualität der Daten, mit denen die generativen Modelle gefüttert werden, und die daraus resultierenden Modelle selbst, sind alles andere als perfekt.
Low-Code und KI – ein starkes Duo für Gründer*innen
Um schnell innovativ zu sein und agil zu bleiben, müssen Unternehmen die Einführung von KI mit Lösungen kombinieren, die solide Leitlinien und Governance gewährleisten, um den resultierenden Code vor Schwachstellen und Fehlern zu schützen.
Neben der Frage der Einführung von KI in der Softwareentwicklung, führt der anhaltende Fachkräftemangel weiterhin dazu, dass IT-Teams die wachsenden Aufgaben in der immer komplexeren IT-Landschaft nicht bewältigen können. Das bedeutet, dass Unternehmen, neben dem Einsatz von KI zur Verbesserung der Programmiereffizienz, Wege finden müssen, um ihre Mitarbeitenden weiterzubilden und breitere Teams in die Ideenfindung und Entwicklung einzubeziehen.
In diesem Zusammenhang spielt die Low-Code-Technologie eine zentrale Rolle, weil sie nicht nur die Entwicklung sicherer und robuster Anwendungen gewährleistet, sondern auch wesentlich zur Demokratisierung der Softwareentwicklung beiträgt. Das bedeutet, dass in der Praxis Fachbereichs-übergreifende „Fusion Teams“ entstehend, die Teammitglieder ohne tiefes technisches Wissen in die Lage versetzen, während des gesamten Innovations- und Softwareentwicklungsprozesses mit den IT-Profis zusammenzuarbeiten. Aus der Entwicklungsperspektive trägt dies auch dazu bei, die Qualität der entwickelten Software zu erhöhen, da die künftigen Nutzer*innen von Anfang an einbezogen werden. Außerdem werden dadurch Silos innerhalb der traditionellen Softwareentwicklungsprozesse aufgebrochen und der Austausch von Wissen und Feedback erleichtert. Dies rationalisiert die Entwicklung und beseitigt personelle Engpässe. Ermöglicht wird dies durch die visuelle Natur von Low-Code: Prozess- und Anwendungsmodelle lassen sich durch Visualisierung leichter entwerfen und Designentscheidungen können zügig iteriert werden.
Enterprise-Low-Code-Plattformen mit eingebetteten KI-Funktionen können auch komplexe Entwicklungsaufgaben durch die Automatisierung von Routineprozessen, und die Generierung von Code-Vorschlägen rationalisieren. Darüber hinaus werden die Entwicklungszyklen durch ein schnelles Prototyping, Testen und Skalieren verbessert, was für den Erfolg von Start-ups unerlässlich ist.
Mit dem umsichtigen Einsatz von KI zum unternehmerischen Erfolg
Die Kombination aus Low-Code und KI hat somit viele Vorteile für Start-ups: komplexe manuelle Programmierung wird reduziert, die Kollaboration von gemischten Teams gefördert, indem nicht-technische Mitarbeitende befähigt werden sich einzubringen; das entlastet die IT-Abteilung und Unternehmen können schneller auf sich ändernde Anforderungen reagieren. Durch die Verringerung des Zeitaufwands können sich Mitarbeitende mehr auf ihre Kreativität und die strategische Planung konzentrieren, was sich positiv auf die Innovationsgeschwindigkeit und deren Umfang auswirkt. Mit der gewonnenen Agilität und verbesserten Effizienz können Start-ups mit größeren und reiferen Unternehmen konkurrieren, weil sie sich schnell an Marktveränderungen und Kund*innenbedürfnisse anpassen.
Die Verwendung von KI in der Programmierung ist entscheidend für Start-ups, um ihre Innovationen zu katalysieren. Sie müssen sich jedoch der Grenzen von KI bewusst sein und die KI-gestützte Programmierung unter Berücksichtigung von Governance und Sicherheit angehen. Gerade für Start-ups, die ein schnelles Wachstum anstreben, kann dieser ausgewogene Ansatz ein entscheidender Erfolgsfaktor sein.
Der Autor Tim Herden ist Director Solution Architecture DACH & Nordics bei bei Mendix. Das Siemens-Unternehmen ist die einzige Low-Code-Plattform, die für die gesamte Komplexität der Softwareentwicklung in Unternehmen ausgelegt ist.
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Württemberger Medien: Nachhaltige Wachstumsstrategien
Wie die Württemberger Medien Marketing Agentur Unternehmen mit datengetriebenen Strategien und klarer Positionierung unterstützt.
Digitale Sichtbarkeit ist heute für Unternehmen kein optionaler Erfolgsfaktor mehr, sondern eine Grundvoraussetzung. Märkte werden transparenter, Wettbewerber sichtbarer und Kunden anspruchsvoller. Wer sich behaupten will, muss nicht nur präsent sein, sondern gezielt kommunizieren, analysieren und optimieren. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Strategie, Technologie und Kommunikation setzt die wtv Online Marketing Agentur an.
Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, digitale Potenziale strukturiert zu erschließen und für seine Kunden messbar zu machen. Dabei geht es nicht um kurzfristige Maßnahmen oder einzelne Kampagnen, sondern um nachhaltige Strategien, die Wachstum langfristig unterstützen.
Von der Idee zur klaren digitalen Strategie
Viele Unternehmen starten mit einzelnen Marketingmaßnahmen, ohne eine übergeordnete Strategie zu verfolgen. Social-Media-Kanäle werden aufgebaut, Anzeigen geschaltet oder Inhalte produziert – oft ohne klare Zielsetzung oder langfristige Planung. Das Ergebnis: hohe Aufwände bei begrenzter Wirkung.
Die Württemberger Medien Agentur verfolgt bewusst einen anderen Ansatz. Im Mittelpunkt steht zunächst die Analyse. Bevor Maßnahmen umgesetzt werden, geht es darum, das Unternehmen, die Zielgruppe und den Markt genau zu verstehen.
Dazu gehören unter anderem:
- die Definition klarer Ziele und Zielgruppen
- die Analyse bestehender Marketingaktivitäten
- die Bewertung von Wettbewerbern und Marktposition
- die Identifikation von Potenzialen und Schwachstellen
Auf dieser Grundlage entsteht eine individuelle Strategie, die nicht nur kurzfristige Erfolge ermöglicht, sondern langfristig trägt.
Datenbasierte Entscheidungen statt Bauchgefühl
Ein wesentlicher Unterschied moderner Online-Marketing-Ansätze liegt in der Nutzung von Daten. Während Marketing früher oft stark von Erfahrung und Intuition geprägt war, stehen heute umfangreiche Analysemöglichkeiten zur Verfügung.
Die Württemberger Medien Agentur nutzt diese Möglichkeiten gezielt, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Daten werden nicht nur gesammelt, sondern interpretiert und in konkrete Maßnahmen übersetzt. Dadurch lassen sich Maßnahmen kontinuierlich optimieren und Budgets effizient einsetzen.
Diese Arbeitsweise bringt mehrere Vorteile mit sich:
- bessere Planbarkeit von Marketingmaßnahmen
- transparente Erfolgsmessung
- gezielte Optimierung einzelner Kanäle
- langfristige Skalierbarkeit von Strategien
Gerade für wachsende Unternehmen ist diese Transparenz ein entscheidender Faktor.
Ganzheitlicher Blick auf digitale Kanäle
Online-Marketing besteht heute aus einer Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen. Suchmaschinenoptimierung, Performance Marketing, Content-Strategie und Social Media greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig.
Die Württemberger Medien Agentur betrachtet diese Bereiche nicht isoliert, sondern als Teil eines Gesamtsystems. Ziel ist es, die einzelnen Kanäle sinnvoll miteinander zu verknüpfen und so eine konsistente Markenkommunikation zu schaffen.
Dabei werden unter anderem folgende Bereiche integriert:
- Suchmaschinenoptimierung (SEO) für nachhaltige Sichtbarkeit
- Webdesign und Website-Entwicklung für einen professionellen digitalen Auftritt
- Digitale Mitarbeitergewinnung über zielgerichtete Online-Kampagnen
- Ganzheitliche strategische Beratung zur digitalen Sichtbarkeit und Kundengewinnung
Durch diese Verzahnung entsteht ein Marketingansatz, der sowohl kurzfristige Ergebnisse als auch langfristige Wirkung ermöglicht.
Fokus auf messbare Ergebnisse
Ein zentraler Anspruch der Württemberger Medien ist die Messbarkeit von Erfolg. Marketing wird nicht als kreativer Selbstzweck verstanden, sondern als strategisches Instrument zur Erreichung konkreter Unternehmensziele.
Das bedeutet, dass jede Maßnahme klar definierten Kennzahlen zugeordnet wird. Ob Traffic, Conversion-Rate oder Umsatz – die Ergebnisse werden kontinuierlich überprüft und ausgewertet.
Diese Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht es Kunden, ihre Investitionen nachvollziehbar zu steuern. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Strategie.
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Neben fachlicher Expertise spielt auch die Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle. Die Württemberger Medien Agentur versteht sich nicht als externer Dienstleister im klassischen Sinne, sondern als strategischer Partner.
Das zeigt sich vor allem in der Kommunikation. Projekte werden eng mit den Kunden abgestimmt, Entscheidungen transparent getroffen und Entwicklungen regelmäßig besprochen. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die zum jeweiligen Unternehmen passen.
Diese partnerschaftliche Herangehensweise bringt mehrere Vorteile:
- klare Abstimmung von Zielen und Erwartungen
- schnelle Anpassung an Veränderungen
- langfristige Zusammenarbeit statt kurzfristiger Projekte
- bessere Integration in bestehende Unternehmensstrukturen
Gerade in dynamischen Märkten ist diese Flexibilität ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Anpassungsfähigkeit in einem dynamischen Umfeld
Die digitale Welt verändert sich kontinuierlich. Neue Plattformen entstehen, Algorithmen werden angepasst und Nutzerverhalten entwickelt sich weiter. Für Unternehmen bedeutet das, dass Strategien regelmäßig überprüft und angepasst werden müssen.
Die Württemberger Medien Agentur begegnet dieser Dynamik mit einem flexiblen Ansatz. Statt starrer Konzepte setzt sie auf kontinuierliche Optimierung und Anpassung. Entwicklungen werden frühzeitig erkannt und in die Strategie integriert.
Dadurch bleiben Kunden nicht nur wettbewerbsfähig, sondern können neue Chancen aktiv nutzen.
Branchenübergreifende Erfahrung
Ein weiterer Vorteil der Württemberger Medien Online Marketing Agentur liegt in ihrer branchenübergreifenden Erfahrung. Zu den Kunden des Unternehmens zählen lokale und regionale Dienstleister, Handwerks- und Gewerbebetriebe sowie Unternehmen aus dem Mittelstand. Dadurch entsteht ein breites Verständnis für verschiedene Geschäftsmodelle, Zielgruppen und Marktmechaniken.
Diese Vielfalt hilft dabei, funktionierende Strategien nicht isoliert zu betrachten, sondern sinnvoll auf andere Bereiche zu übertragen. Was bei einem Dienstleistungsunternehmen zu mehr Sichtbarkeit und Anfragen führt, kann, richtig angepasst, auch für Handwerks- und Gewerbebetriebe sehr gut funktionieren. Gleichzeitig entstehen durch diese Perspektivwechsel oft innovative Ansätze, die über klassische Lösungen hinausgehen.
Dennoch bleibt jede Strategie individuell. Die Württemberger Medien Agentur setzt nicht auf standardisierte Konzepte, sondern passt Maßnahmen präzise an die jeweiligen Anforderungen an. Marktumfeld, Wettbewerbssituation und Zielgruppe werden dabei ebenso berücksichtigt wie interne Strukturen und Ressourcen des Kunden.
So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erfahrung und Individualität – eine Kombination, die es ermöglicht, sowohl effizient als auch kreativ zu arbeiten und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Nachhaltiges Wachstum statt kurzfristiger Erfolge
Im Zentrum der Arbeit steht ein klares Ziel: nachhaltiges Wachstum. Während viele Marketingmaßnahmen auf schnelle Ergebnisse ausgerichtet sind, verfolgt die Württemberger Medien Agentur einen langfristigen Ansatz. Es geht nicht darum, kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern darum, stabile Strukturen aufzubauen, die dauerhaft funktionieren.
Das bedeutet, dass nicht nur einzelne Kampagnen optimiert werden, sondern das gesamte digitale Fundament eines Unternehmens gestärkt wird. Sichtbarkeit in Suchmaschinen, eine klare Markenpositionierung und eine gezielte Kundenansprache werden Schritt für Schritt aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt.
Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen. Eine technisch optimierte Website sorgt für eine bessere Auffindbarkeit, ein professioneller Markenauftritt stärkt die Außenwirkung und datenbasierte Kampagnen bringen gezielt Reichweite. Durch diese Kombination entsteht ein System, das nicht von einzelnen Maßnahmen abhängig ist, sondern als Ganzes wirkt.
Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Planbarkeit. Unternehmen erhalten eine klare Perspektive, wie sich ihre Marketingaktivitäten entwickeln und welche Ergebnisse realistisch zu erwarten sind. Gleichzeitig bleibt genügend Flexibilität, um auf Veränderungen im Markt zu reagieren und neue Chancen zu nutzen.
Dieser Fokus auf langfristige Entwicklung sorgt dafür, dass Unternehmen nicht nur kurzfristig wachsen, sondern sich nachhaltig im Wettbewerb positionieren können.
Fazit
Die Anforderungen an modernes Online-Marketing sind heute komplexer denn je. Unternehmen müssen sich in einem dynamischen Umfeld behaupten, ihre Zielgruppen verstehen und gleichzeitig effizient arbeiten. Gleichzeitig steigt der Druck, Marketingmaßnahmen nicht nur umzusetzen, sondern auch deren Wirkung nachvollziehbar zu machen.
Die Württemberger Medien Marketing Agentur zeigt, wie sich diese Herausforderungen strukturiert und zielgerichtet angehen lassen. Durch die Kombination aus datenbasierter Analyse, strategischer Planung und kontinuierlicher Optimierung entstehen Lösungen, die messbare Ergebnisse liefern und gleichzeitig langfristig tragen.
Besonders hervorzuheben ist der ganzheitliche Ansatz. Statt isolierter Maßnahmen entwickelt die Agentur ein umfassendes System, in dem alle digitalen Kanäle sinnvoll miteinander verknüpft sind. Dadurch wird nicht nur kurzfristige Sichtbarkeit erzeugt, sondern eine stabile Grundlage für nachhaltiges Wachstum geschaffen.
Für Unternehmen, die ihre digitale Präsenz gezielt ausbauen und langfristig stärken möchten, bietet dieser Ansatz eine klare Orientierung. Er verbindet Strategie, Technologie und Kommunikation zu einem durchdachten Gesamtbild – und schafft damit die Voraussetzungen für kontinuierlichen Erfolg in einem sich ständig verändernden Marktumfeld.
Wie das TechBio-Start-up mbiomics mit 30 Mio. Euro die Krebstherapie skalierbar machen will
Stuhltransplantationen haben gezeigt, dass das Darmmikrobiom ein mächtiger Hebel gegen Krebs sein kann – doch der Ansatz ist bisher kaum standardisierbar. Das Münchner Unternehmen mbiomics setzt auf künstliche Intelligenz und maßgeschneiderte Bakterien-Cocktails aus dem Labor. Mit dem Abschluss einer 30-Millionen-Euro-Serie-A-Runde rückt die klinische Phase näher. Ein genauer Blick auf das Geschäftsmodell, die Gründer*innen und einen hart umkämpften globalen Markt.
Wer heute von modernster Krebstherapie spricht, kommt am menschlichen Darm nicht mehr vorbei. Die wissenschaftliche Datenlage der letzten Jahre hat sich massiv verdichtet: Ob ein Patient auf revolutionäre Krebs-Immuntherapien (wie Immun-Checkpoint-Inhibitoren) anspricht, hängt maßgeblich von der individuellen Zusammensetzung seines Mikrobioms ab. Das Münchner TechBio-Unternehmen mbiomics hat sich genau dieses Zusammenspiel zur Mission gemacht und gab heute den dritten Abschluss seiner Serie-A-Finanzierungsrunde bekannt. Mit neu eingeworbenen 12 Millionen Euro wächst das Gesamtvolumen der Runde auf beachtliche 30 Millionen Euro.
Das Kapital, das unter anderem von erfahrenen Investoren wie den MIG Fonds und Bayern Kapital stammt, markiert für das 2020 gegründete Unternehmen einen entscheidenden Wendepunkt: den Übergang von der reinen Technologieplattform hin zur klinischen Anwendung am Menschen. Der führende Wirkstoffkandidat „MBX-116“ soll 2027 in einer Phase-1B-Studie an Patienten mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs (Melanom) getestet werden. Doch wie belastbar ist dieser Ansatz im Vergleich zum Wettbewerb?
Die Köpfe hinter der Vision
Aus der Taufe gehoben wurde mbiomics im Jahr 2020 von Dr. Laura Figulla, Dr. Johannes B. Wöhrstein und Dr. Markus Rinecker. Während die Mitgründer Figulla und Rinecker das Unternehmen in der frühen Phase prägten, wird die nun anstehende Skalierung und klinische Validierung von einem spezialisierten Leadership-Trio gesteuert:
- Dr. Johannes B. Wöhrstein (CEO & Mitgründer): Als technologischer Kopf und Geschäftsführer verantwortet er die firmeneigene Plattform. Seine Expertise in hochauflösender Analytik ist das Fundament, um komplexe mikrobielle Netzwerke mithilfe von maschinellem Lernen (KI/ML) überhaupt erst zu kartieren.
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Kristin Torre Vinuesa (CFO): Als Chief Financial Officer verantwortet sie die finanziellen Geschicke des Unternehmens. Ihre Rolle ist entscheidend, um die neu eingeworbenen 30 Millionen Euro strategisch einzusetzen, den naturgemäß hohen Kapitalbedarf der anstehenden klinischen Studien („Cash Burn“) effizient zu steuern und das finanzielle Fundament für zukünftige Runden zu sichern.
- Dr. Christopher Weidenmaier (CSO): Der erfahrene Mikrobiologe (zuvor unter anderem beim US-Konkurrenten Finch Therapeutics) komplettiert das heutige Führungstrio. Als Chief Scientific Officer leitet er die präklinische Forschung und treibt das rationale Design der komplexen Bakterien-Konsortien maßgeblich voran.
Das Problem: Die Unberechenbarkeit der Natur
Um das Geschäftsmodell zu verstehen, muss man den Status quo betrachten. In der Onkologie wird aktuell intensiv mit Stuhltransplantationen (Fecal Microbiota Transplants, FMT) experimentiert. Dabei wird das Mikrobiom von Patient*innen, die hervorragend auf Krebsmedikamente ansprechen, auf „Non-Responder“ übertragen. Die Erfolge sind bemerkenswert, doch das Verfahren hat einen massiven Haken: Stuhl ist ein hochvariables Naturprodukt. Er ist schwer zu standardisieren, birgt Infektionsrisiken und lässt sich nicht als skalierbares Pharma-Produkt im industriellen Maßstab herstellen.
Hier setzt mbiomics mit sogenannten Live Biotherapeutic Products (LBPs) an. Statt auf ungefilterte Spender*innen-Transplantate zu setzen, identifiziert das Team mittels KI genau jene Bakterienstämme, die für den therapeutischen Effekt verantwortlich sind. Diese werden dann im Labor nach pharmazeutischen GMP-Standards gezüchtet und als orale Kapsel verabreicht. Es ist der Versuch, die „Blackbox“ Darm in ein berechenbares, patentierbares Medikament zu verwandeln.
Wo liegen die Risiken?
Für Beobachter*innen der Start-up-Szene bleibt das Vorhaben trotz der Millionen-Finanzierung eine Hochrisiko-Wette. Ein TechBio-Start-up in diesem Stadium hat einen enormen „Cash Burn“. Die 30 Millionen Euro sind ein starkes Fundament, doch die klinische Entwicklung in der Onkologie ist ein Langstreckenlauf, der oft dreistellige Millionenbeträge verschlingt.
Zudem ist das Geschäftsmodell hochgradig binär: Die für 2027 geplante Studie muss erst beweisen, dass die im Labor designten Bakterien-Konsortien im komplexen menschlichen Ökosystem tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigen. Ein Scheitern des Leitkandidaten MBX-116 könnte das gesamte Vertrauen in die Plattform erschüttern. Zudem ist die Herstellung lebender Bakterien in absolut reproduzierbarer Qualität eine enorme logistische und biotechnologische Herausforderung, an der bereits andere Pioniere der Branche hängen geblieben sind.
Der Markt: Ein globales Rennen
Mbiomics ist nicht allein auf diesem Feld. Das Unternehmen muss sich gegen hochkapitalisierte internationale Konkurrent*innen behaupten:
- MaaT Pharma (Frankreich): Die Franzosen sind klinisch bereits weiter fortgeschritten und setzen auf „Full-Ecosystem“-Produkte aus gepoolten Spenderproben. Mbiomics muss beweisen, dass ihr synthetischer Präzisions-Ansatz dem natürlichen Mix überlegen ist.
- Vedanta Biosciences (USA): Ein US-Schwergewicht, das ebenfalls definierte Bakterienkonsortien entwickelt und bereits über ein breites Netzwerk an Kooperationen mit der Big-Pharma-Industrie verfügt.
Unsere Einordnung
Für das deutsche Ökosystem ist der Erfolg von mbiomics ein Leuchtturm-Signal. Dass Investoren wie MIG – die bereits bei BioNTech ein frühes Gespür bewiesen – hier massiv nachlegen, unterstreicht die Qualität des Standorts München.
Mbiomics wählt den schwierigen, aber potenziell nachhaltigeren Weg. Statt auf die bloße Kopie der Natur zu setzen, versucht das Team, das Mikrobiom durch Daten beherrschbar zu machen. Gelingt der klinische Wirksamkeitsnachweis ab 2027, könnte das Start-up nicht nur die Onkologie verändern, sondern auch Blaupausen für die Behandlung von Autoimmun- und neurodegenerativen Erkrankungen liefern. Der Weg bis dahin bleibt jedoch teuer und wissenschaftlich riskant.
Nicht nur pitchen, auch ankommen: Was ein professioneller Auftritt auf Events und Messen ausmacht
Auf Messen zählt für Start-ups mehr als nur der Pitch. Ein souveräner Auftritt gelingt erst durch Struktur, Vorbereitung und das richtige Umfeld.
Wer als junges Unternehmen auf Events, Messen oder Branchentreffen unterwegs ist, denkt oft zuerst an den eigentlichen Auftritt. Pitch, Präsentation, Gespräche am Stand, Networking oder ein Termin mit potenziellen Partnern stehen schnell im Mittelpunkt. Im Alltag zeigt sich aber, dass der professionelle Eindruck viel früher beginnt. Er entsteht nicht erst in dem Moment, in dem gesprochen wird, sondern schon in der Art, wie gut ein Termin vorbereitet ist, wie ruhig ein Tag abläuft und wie stimmig einzelne Programmpunkte ineinandergreifen.
Gerade Start-ups unterschätzen diesen Punkt leicht. In frühen Phasen wird vieles parallel organisiert. Produkt, Kommunikation, Kundentermine und operative Aufgaben laufen ohnehin gleichzeitig. Wenn dann noch ein Event oder eine Messe dazukommt, wird häufig vor allem auf Inhalte geachtet. Das greift aber zu kurz. Denn ein überzeugender Auftritt hängt nicht nur davon ab, was gesagt wird, sondern auch davon, unter welchen Bedingungen dieser Auftritt stattfindet.
Ein guter Eventtag beginnt nicht erst vor Publikum
Viele Termine außer Haus wirken von außen kompakt, sind intern aber erstaunlich dicht. Anreise, Check-in, Abstimmung im Team, Material, Gespräche vor Ort, spontane Kontakte, kurze Pausen und Nachbereitung greifen oft ineinander. Wenn diese Übergänge nicht sauber geplant sind, entsteht unnötige Reibung. Dann fehlt Konzentration genau in den Momenten, in denen ein Unternehmen besonders präsent wirken sollte.
Für Gründerteams ist das relevant, weil auf Messen und Events oft mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden. Sichtbarkeit, Kundengewinnung, Netzwerke, Partnergespräche und Marktbeobachtung laufen parallel. Wer in diesem Umfeld professionell wirken will, braucht nicht nur gute Inhalte, sondern auch einen Ablauf, der Stabilität gibt.
Warum der Gesamteindruck mehr ist als Pitch und Outfit
Ein professioneller Auftritt wird oft zu eng verstanden. Viele denken dabei an Kleidung, Präsentationsmaterial oder das Gespräch selbst. Tatsächlich wirkt aber der gesamte Rahmen mit. Wer gehetzt ankommt, Unterlagen spontan zusammensucht oder zwischen Programmpunkten keine klare Struktur hat, verliert schnell Wirkung. Umgekehrt kann ein klar organisierter Tag dafür sorgen, dass auch kurze Kontakte souveräner und verbindlicher erscheinen.
Das ist gerade für Start-ups wichtig, weil sie häufig nicht mit Größe, sondern mit Klarheit, Präsenz und Verlässlichkeit punkten müssen. Auf Events zählt nicht nur der Inhalt, sondern auch das Gefühl, das ein Gespräch hinterlässt. Wirkt ein Team vorbereitet? Ist es ansprechbar, ohne hektisch zu sein? Kann es zwischen verschiedenen Terminen professionell umschalten? Solche Faktoren entscheiden mit darüber, wie ein junges Unternehmen wahrgenommen wird.
Mehrtägige Formate brauchen einen besseren Rahmen
Besonders deutlich wird das bei Messen oder Veranstaltungen, die nicht nach zwei Stunden vorbei sind. Wer über mehrere Programmpunkte, Tage oder Abendtermine hinweg präsent sein muss, braucht mehr als nur eine Anreiseoption. Dann geht es darum, wie sich ein Ablauf tragen lässt, ohne dass die Qualität des Auftritts im Laufe des Tages spürbar sinkt.
Wenn rund um Messen, Pitches oder Vor-Ort-Termine mehrere Programmpunkte zusammenkommen, kann ein modernes Hotel Nürnberg den professionellen Rahmen eines solchen Auftritts sinnvoll ergänzen. Der Mehrwert liegt dabei nicht in Übertreibung, sondern in Nutzbarkeit. Wer zwischen Terminen kurz zurückkehren, sich sortieren, Material anpassen oder den nächsten Programmpunkt vorbereiten kann, arbeitet meist klarer. Gerade bei jungen Unternehmen, in denen oft wenige Personen viele Rollen gleichzeitig übernehmen, ist das ein echter Vorteil.
Vorbereitung endet nicht mit der Anreise
Viele Eventtage scheitern nicht an mangelnder Motivation, sondern an zu wenig Struktur. Deshalb lohnt es sich, vorab einfache Fragen sauber zu klären. Welche Termine sind wirklich entscheidend? Wo braucht es bewusst freie Zeitfenster? Wer übernimmt welche Gespräche? Welche Unterlagen müssen jederzeit griffbereit sein?
Solche Punkte wirken unscheinbar, haben aber direkten Einfluss auf die Außenwirkung. Wer vorbereitet wirkt, schafft schneller Vertrauen. Wer im Ablauf ruhig bleibt, kann auch im Gespräch überzeugender auftreten. Gerade auf Messen, wo viele Eindrücke gleichzeitig auf Besucher und Aussteller einwirken, macht diese Form von Klarheit einen spürbaren Unterschied.
Auch das Umfeld beeinflusst den Auftritt
Ein weiterer Punkt wird oft übersehen: Der Ort rund um einen Termin beeinflusst mit, wie konzentriert und professionell ein Tag abläuft. Das gilt nicht nur für die Messehalle oder den Veranstaltungsraum selbst, sondern auch für alles davor und danach. Wo wird vorbereitet? Wo wird nach einem Gespräch noch kurz sortiert? Wo kann ein Team den Tag sinnvoll strukturieren?
Auch ein stilvolles Hotel Düsseldorf wird dort interessant, wo Geschäftstermine, Veranstaltungen und Vorbereitung nicht isoliert, sondern als zusammenhängender Arbeitsablauf gedacht werden.
Gerade in solchen Zusammenhängen zeigt sich, dass professionelle Präsenz mehr ist als reine Sichtbarkeit. Sie entsteht dort, wo Inhalt, Ablauf und Umfeld zusammenpassen. Hotels wie das Cloud One passen deshalb gut in dieses Bild, wenn junge Unternehmen einen Messe- oder Eventtag nicht nur absolvieren, sondern strukturiert und professionell aufsetzen wollen.
Reverse Exit: Wenn der Exit den Rückwärtsgang einlegt
In jüngster Zeit häufen sich in der Start-up-Szene Fälle, in denen Gründer*innen ihr Lebenswerk nach einem Exit überraschend zurückkaufen. Wir zeigen, was es mit dem Reverse Exit auf sich hat.
Für die meisten Gründer*innen ist er das ultimative Ziel auf der Start-up-Reise: der Exit. Doch was passiert, wenn die Traumhochzeit mit dem Konzern oder dem/der Großinvestor*in im Alltagstresor der Konzernstrukturen erstickt? Der sogenannte Reverse Exit rückt in den Fokus – und wirft für angehende wie gestandene Gründer*innen die Frage auf, ob ein Verkauf wirklich immer das Ende der eigenen Unternehmensgeschichte sein muss.
Was ist ein Reverse Exit?
Ein Reverse Exit (oft auch als Buyback oder Management Buyout / MBO nach einem vorherigen Verkauf bezeichnet) beschreibt den Vorgang, bei dem die ursprünglichen Gründer*innen oder das Managementteam die Mehrheit oder alle Anteile ihres Start-ups von dem/der bisherigen Käufer*in zurückerwerben. Das Start-up wird dadurch aus den Strukturen des Konzerns oder der Investor*innengruppe herausgelöst und agiert wieder als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen.
Motivation der Beteiligten: Warum die Rolle rückwärts?
Ein Reverse Exit geschieht selten aus einer Laune heraus. Er ist zumeist das Ergebnis eines Reifeprozesses, bei dem beide Seiten erkennen, dass getrennte Wege wirtschaftlich und strategisch sinnvoller sind.
- Motivation der Gründer*innen (Käufer*innen): Oft prallen nach einem Exit die agile Start-up-Kultur und starre Konzernprozesse schmerzhaft aufeinander. Gründer*innen wollen die operative Entscheidungsgewalt zurückerlangen, eine verwässerte Markenidentität retten oder das Unternehmen schnell auf neue Markttrends (wie aktuell künstliche Intelligenz) ausrichten, was im Konzerngeflecht schlicht zu lange dauern würde.
- Motivation der Corporates (Verkäufer*innen): Konzerne trennen sich meist wieder von ihren Zukäufen, wenn das Start-up die erhofften Synergien nicht bringt oder die Umsätze nach der Übernahme stagnieren. Manchmal ändern sich auch die strategischen Kernziele des Mutterkonzerns, sodass das Start-up als „Non-Core-Asset“ wieder abgestoßen wird.
Vor- und Nachteile eines Reverse Exits
Der Rückkauf des eigenen „Babys“ mag romantisch klingen, ist wirtschaftlich aber ein enormer Kraftakt. Die wichtigsten Aspekte im Überblick:
Aspekt | Vorteile (Chancen) | Nachteile (Risiken) |
Unternehmenskultur | Volle strategische Freiheit und Rückbesinnung auf den ursprünglichen Markenkern | Verlust der Konzern-Ressourcen (Kapital, Vertriebsnetzwerk, Infrastruktur) |
Finanzen | Chance auf eine günstige Unternehmensbewertung beim Rückkauf (Buy-low-Effekt) | Hoher Kapitalbedarf für den Erwerb und das anschließende operative Geschäft |
Image & Marke | Starkes, positives Signal an die Community und Mitarbeiter („Wir sind wieder da“) | Reputationsrisiko bei künftigen B2B-Partner*innen, möglicher „Gescheitert“-Stempel |
Neben diesen offensichtlichen Punkten gibt es weitere, tieferliegende Schmerzpunkte, die bei einem Buyback zwingend auf dem Schirm sein müssen:
- B2B-Kund*innen und „Change of Control“-Klauseln: Große Enterprise-Kund*innen arbeiten oft gern mit Start-ups zusammen, weil im Hintergrund ein bonitätsstarker Konzern steht. Fällt dieses Sicherheitsnetz weg, greifen in Verträgen oft sogenannte Change of Control-Klauseln. Diese räumen den Kun*innen ein Sonderkündigungsrecht ein, weshalb wichtige Großkund*innen oft mühsam neu verhandelt werden müssen.
- Die Mitarbeitendenperspektive & ESOPs: Bei einem Exit werden Mitarbeitendenbeteiligungsprogramme (ESOPs/VSOPs) oft ausbezahlt und verfallen danach. Beim Rückkauf fängt das Start-up in Sachen Mitarbeitenden-Incentivierung oft wieder bei null an. Zudem bedeutet der Wegfall der Konzernstrukturen für manche Mitarbeitenden einen Verlust an Sicherheit (z.B. keine Konzern-Boni mehr), was den Buyback zu einem massiven HR-Kraftakt macht.
- Wem gehört das IP? (Geistiges Eigentum): Die Herauslösung von Patenten, Code oder Markenrechten, die während der Konzernzugehörigkeit entwickelt wurden, ist ein rechtliches Schlachtfeld. Gründer*innen müssen absichern, dass sie wirklich die uneingeschränkten Rechte an ihrem eigenen Produkt zurückkaufen.
Wie geht ein Reverse Exit vonstatten?
Der Prozess eines Rückkaufs ist oft deutlich komplizierter als der ursprüngliche Exit, da das Start.up bereits administrativ in den Konzern integriert wurde. Ein typischer Ablauf vollzieht sich in vier Schritten:
- Initiierung und Sondierung: Zumeist nach strategischen Differenzen oder Umstrukturierungen im Konzern treten die Gründer*innen mit einem Übernahmeangebot an den Eigentümer*innen heran.
- Unternehmensbewertung: Eine neue Due Diligence ist notwendig. Da das Wachstum im Konzern oft stagnierte oder Markenwerte gelitten haben, liegt der Kaufpreis häufig deutlich unter der damaligen Exit-Bewertung.
- Finanzierung: Die Gründer*innen müssen das Kapital aufbringen. Dies geschieht in der Regel durch das persönliche Vermögen aus dem ersten Exit, klassische Bankkredite oder die Hereinnahme spezialisierter Private-Equity-Partner*innen. Hier lauern zudem steuerliche Fallstricke: Der Rückkauf muss klug strukturiert werden (z.B. über eine Holding), um keine unnötigen steuerlichen Belastungen wie verdeckte Gewinnausschüttungen oder ungünstige Bewertungen durch das Finanzamt auszulösen.
- Carve-out (Herauslösung): Das ist die größte operative Hürde. IT-Systeme, HR-Prozesse, Buchhaltung und Vertriebslinien, die teilweise über Jahre mit dem Konzern verschmolzen wurden, müssen entflochten und eigenständig neu aufgebaut werden.
Reverse Exits in der Praxis: Von historischen Blueprints zu aktuellen Paukenschlägen
Dass der Reverse Exit kein reines Theoriekonstrukt ist, beweisen zahlreiche Beispiele aus der DACH-Region. Er ist keine völlige Neuerscheinung, sondern hat sich über die Jahre als strategisches Werkzeug etabliert:
Die historischen und B2B-Blaupausen
- DailyDeal (Exit: 2011 / Rückkauf: 2013): Die „Mutter aller Reverse Exits“ in Deutschland. Die Brüder Fabian und Ferry Heilemann verkauften ihr Gutschein-Portal 2011 für über 100 Millionen Dollar an Google. Als der Konzern das Interesse am kleinteiligen europäischen Markt verlor, kauften sie es 2013 für einen Bruchteil zurück, sanierten es und verkauften es 2015 ein zweites Mal erfolgreich.
- Holvi (Exit: 2016 / Rückkauf: 2021): Das finnisch-deutsche Business-Banking-Fintech wurde 2016 von der spanischen Großbank BBVA übernommen. Als sich die Bank strategisch neu aufstellte, kaufte Gründer Tuomas Toivonen sein Start-up 2021 zurück, um die Produktstrategie wieder agil und ohne bankenübliche Compliance-Bremsen zu steuern.
- FastBill (Exit: 2021 / Rückkauf: 2024): Die Frankfurter Buchhaltungs-Pioniere verkauften an den kanadischen Konkurrenten FreshBooks. Nach internen Umstrukturierungen des Käufers und dessen Rückzug aus Europa zogen die FastBill-Gründer René Maudrich und Benjamin Kirschner einen Management Buyout durch und operieren seither wieder eigenständig und profitabel.
Aktuelle Schlagzeilen im April 2026
Zuletzt sorgten zudem hochkarätige B2C-Fälle für großes Aufsehen in den Wirtschaftsmedien:
- Ankerkraut: Der Hamburger Gewürzhersteller löste 2022 ein massives Medienecho aus, als der Verkauf an Nestlé zu einem beispiellosen Shitstorm führte. Nach exakt vier Jahren unter Konzernführung haben die Gründer*innen Anne und Stefan Lemcke ihre Marke nun überraschend zurückgekauft. Das klare Ziel: Ein strategischer Neustart und das Wiedererlangen des verlorenen Community-Vertrauens.
- Blinkist: Das Berliner Medien-Grownup wurde erst 2023 vom australischen Lern-Konzern Go1 übernommen. Knapp drei Jahre später gaben die Gründer Holger Seim und Tobias Balling den vollständigen Rückkauf bekannt. Der Grund war hier eine friedliche strategische Neuausrichtung: Die Gründer wollten vor allem die neuen Potenziale von künstlicher Intelligenz völlig frei und ohne Konzernbremse ausschöpfen.
Steht Deutschland vor einer Welle an Reverse Exits?
Die spannende Frage für die hiesige Gründer*innenszene lautet: Sind diese Fälle nur prominente Ausreißer, oder markieren sie den Beginn eines handfesten Trends? Vieles deutet auf eine Zunahme von Reverse Exits hin. Dafür gibt es drei starke Treiber:
- Auslaufende Earn-out-Phasen: Im M&A-Boom der Jahre 2020 bis 2022 wurden Gründer*innen oft für drei bis vier Jahre vertraglich an den/die Käufer*in gebunden. Diese Fristen laufen aktuell massenhaft aus. Gründer*innen haben nun das Kapital aus dem Exit und gleichzeitig die Freiheit, ihr altes Unternehmen zurückzukaufen, falls die Entwicklung im Konzern stagniert.
- Strategische Portfolio-Bereinigung: Das makroökonomische Umfeld ist rauer geworden. Konzerne prüfen ihre damaligen Innovations-Wetten nun streng auf Profitabilität. Start-ups, die sich nicht nahtlos integrieren ließen, werden abgestoßen – ein historisches Zeitfenster für günstige Rückkäufe.
- Die Geschwindigkeit technologischer Umbrüche: Wir erleben rasante Innovationszyklen. Konzernstrukturen mit langwierigen Legal-Checks erweisen sich oft als Bremsklotz. Gründer*innen, die ihr Produkt radikal umbauen wollen, sehen den Rückkauf oft als einzigen Weg, um überlebensfähig zu bleiben.
Achtung, Survivorship Bias: Wenn der Rückkauf scheitert
Ein massenhafter „Exodus“ aus den Konzernen steht zwar nicht bevor, da ein Reverse Exit operativ und finanziell ein Kraftakt bleibt. Zudem trügt bei den prominenten Beispielen oft der sogenannte Survivorship Bias: Wir hören in den Medien meist nur von den mutigen, erfolgreichen Rückkehrer*innen. Doch nicht jeder Buyback glückt. Selbst das Pionier-Beispiel DailyDeal musste Jahre nach dem glorreichen Rückkauf (unter späterer, neuer Führung) letztlich doch Insolvenz anmelden. Andere Start-ups haben nach der Trennung vom Konzern den Anschluss an den Markt schlichtweg nicht mehr gefunden. Ein Reverse Exit ist keine Erfolgsgarantie, sondern lediglich eine hart erarbeitete zweite Chance.
Dennoch wandelt sich der Buyback vom Nischenphänomen zur etablierten Option. Der Exit ist keine Einbahnstraße. Die prominenten Fälle verdeutlichen eindrucksvoll, dass ein hoher Verkaufspreis allein keine glückliche Zukunft im Konzernverbund garantiert. Wenn Start-up-Agilität und Konzern-Compliance unvorbereitet aufeinanderprallen, ziehen oft beide Seiten den Kürzeren. Wer sein Unternehmen zurückkauft, tut dies nicht aus reiner Nostalgie, sondern weil er unerschütterlich an das noch ungenutzte Potenzial seiner Ursprungsidee glaubt.
Das Learning für künftige Gründer*innen: Verhandelt bei einem Exit nicht nur über Multiples und Earn-outs, sondern prüft den kulturellen Fit ganz genau. Und behaltet euch – sofern vertraglich und strategisch möglich – immer im Hinterkopf, dass der Traum vom Exit notfalls auch durch einen mutigen Rückkauf korrigiert werden kann.
Omegga sichert 10 Mio. EUR gegen das Kükentöten
Das 2020 gegründete Münchner Start-up Omegga sichert sich Seed-Kapital für seine optische KI-Spektroskopie. Unsere Marktanalyse.
Omegga wurde 2020 von Katharina Hesseler, Till Nöllgen und Paul Günther gegründet. Zum erweiterten Gründer:innenkreis gehören zudem Moritz Eder, Kyle Hiroyasu und Clara Kaufhold. Das Team bündelt Expertise in den Bereichen KI, Optik und industrielle Systeme. In den vergangenen Jahren entwickelte das Team seine Technologie kontinuierlich vom Prototypen zum Industriestandard weiter und konnte sich bereits 2023 eine Pre-Seed-Finanzierung sowie 2024 Fördermittel des European Innovation Council (EIC) sichern.
CEO und Mitgründerin Katharina Hesseler sieht in dem Einstieg der neuen Partner, die „tiefes technologisches Verständnis mitbringen“, ein „starkes Signal für das enorme Potenzial unseres Ansatzes, einen neuen Standard in der Industrie zu setzen“. Das frische Kapital soll in den gezielten Ausbau des Teams und die kommerzielle Skalierung der Technologie fließen.
Das Problem und die technologische Lösung
Der erste und bereits kommerziell verfügbare Use Case von Omegga widmet sich einem der massivsten ethischen Probleme der modernen Landwirtschaft. Jährlich werden weltweit Milliarden männlicher Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet, da sie weder Eier legen noch für die Masthaltung wirtschaftlich nutzbar sind.
Mit der sogenannten spektralen Intelligenz – der Kombination aus KI und Spektroskopie – will Omegga das Unsichtbare sichtbar machen. Im Gegensatz zu vielen Marktbegleitern wählt Omegga einen rein optischen, nicht-invasiven Weg. Durch spezielle Kameras und Lichtfrequenzen werden die Eier im Brutkasten gescannt. Laut eigenen Angaben bietet das Start-up damit die früheste am Markt kommerziell verfügbare Technologie, um das Geschlecht noch vor dem Schlüpfen zu bestimmen. Das System ist bereits bei Kund*innen im laufenden industriellen Produktionsbetrieb im Einsatz.
Markt, Wettbewerb & regulatorischer Druck
Der Markt für das „In-Ovo-Sexing“ wächst rasant, primär getrieben durch den Gesetzgeber. In Deutschland ist das Kükentöten seit 2022 gesetzlich verboten, Frankreich zog nach, und ein EU-weites Verbot wird debattiert. Der Zwang zur Adaption in den Brütereien ist entsprechend hoch.
Omegga tritt in ein Feld ein, das bereits von finanzstarken Konkurrenten besetzt ist:
SELEGGT: Gilt als früher Pionier auf dem Markt. Das Unternehmen nutzt hormonelle Tests am 9. Bruttag, wofür das Ei mittels eines Lasers winzig klein geöffnet werden muss (minimal-invasiv).
In Ovo: Das niederländische Unternehmen setzt auf Flüssigkeitsanalysen mittels Massenspektrometrie am 9. Bruttag und sicherte sich erst kürzlich ein 42-Millionen-Euro-Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB).
Agri Advanced Technologies (AAT): Die Tochter der EW Group dominiert weite Teile des Marktes mit hyperspektraler Bildgebung, die primär für braune Eier zwischen dem 11. und 13. Tag genutzt wird.
Der entscheidende Vorteil von Omegga: Die Methode kommt völlig ohne Verbrauchsmaterialien wie Chemikalien oder feine Nadeln aus. Da die Eier bei der rein optischen Methode unversehrt bleiben, entfällt das systembedingte Kontaminationsrisiko, das bei invasiven Verfahren entstehen kann.
Unsere Einordnung
Trotz der vielversprechenden Technologie steht Omegga vor Herausforderungen:
Hardware-Skalierung in rauen Umgebungen: Die Systeme müssen in den feuchten, warmen und staubigen Inkubatoren industrieller Brütereien über Jahre hinweg wartungsarm laufen. Hier muss das Start-up beweisen, dass sich die Technologie reibungslos in den globalen Massenbetrieb integrieren lässt.
Der regulatorische „Faktor Zeit“: Rein optische Modelle benötigen oft bis zum 12. Tag für eine verlässliche Auswertung. Sollte die Politik die „Tag 6“-Frist künftig strikt durchsetzen, müssen die KI-Modelle von Omegga beweisen, dass sie derart früh hochpräzise Ergebnisse liefern.
Die Plattform-Vision – Fluch oder Segen?
Omegga positioniert seine Lösung ausdrücklich als Plattformtechnologie für die Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und industrielle Qualitätskontrolle. Wie stark dieses Narrativ bei den Geldgebern verfängt, zeigen die Statements zur aktuellen Runde: Laut Christian Knott (Capnamic) entsteht hier eine Technologie „mit dem Potenzial, gleich mehrere Industrien grundlegend zu verändern“. Auch Mason Sinclair (IQ Capital) lobt die Schaffung einer „Plattform für die nicht-invasive und branchenübergreifende Materialanalyse“.
Dass solche Visionen bei Investor*innen beliebt sind, da sie den adressierbaren Markt massiv vergrößern, ist nachvollziehbar. Für ein 17-köpfiges Start-up birgt die gleichzeitige Erschließung neuer Industriezweige jedoch die Gefahr einer operativen Verzettelung. Der Fokus muss zunächst darauf liegen, den Geflügelmarkt zu durchdringen.
Fazit
Gelingt es Omegga, die rein optische Methode in der Breite zu skalieren und die Genauigkeit auf die allerersten Bruttage zu trainieren, hat das Münchner Start-up einen signifikanten Hebel gegen invasiv arbeitende Wettbewerber. Die 10-Millionen-Euro-Runde ist ein klarer Vertrauensbeweis der Investor*innen in einem schwierigen Funding-Umfeld.
ESTER Biotech: Vom Friedhofskompost zur Plastik-Revolution
Ein Enzym vom Leipziger Südfriedhof soll das weltweite Plastikproblem lösen. Das 2025 als Uni-Spin-off gegründete Start-up ESTER Biotech verspricht, schwer recycelbares PET in Rekordzeit in seine Grundbausteine zu zerlegen. Doch auf dem Weg vom Labor in die industrielle Skalierung warten das berüchtigte „Valley of Death“ – und ein scheinbar übermächtiger Konkurrent.
Der Ursprung einer potenziellen industriellen Revolution liegt ausgerechnet auf einem Komposthaufen des Leipziger Südfriedhofs. Hier suchten Forschende der Universität Leipzig gezielt nach Mikroorganismen zur Zersetzung pflanzlicher Biopolymere und stießen auf das Enzym PHL7. Was in vielbeachteten Publikationen begann, mündete im Frühjahr 2025 in der offiziellen Ausgründung der ESTER Biotech GmbH.
Das Gründer-Quartett um die Geschäftsführer Dr. Ronny Frank und Martin Hirschfeld, den wissenschaftlichen Kopf Dr. Christian Sonnendecker (der das Enzym maßgeblich mitentdeckte) sowie den verfahrenstechnischen Leiter Madalin Ceausescu hat ein klares Ziel: das chemisch-biologische Recycling von Kunststoffen auf ein neues Level zu heben. Möglich machte diesen Schritt eine millionenschwere exist-Forschungstransfer-Förderung.
Für klassische Investor*innen sei die frühe Laborphase technologisch meist noch zu riskant, erklärt Christian Sonnendecker. Genau hier setzte das Programm an: „Der exist-Forschungstransfer hat für uns die Lücke zwischen akademischem Proof-of-Concept und einem investierbaren DeepTech-Start-up geschlossen“, betont der Gründer. „Wir konnten den Recyclingprozess vom Labormaßstab von einem Liter auf 100 Liter skalieren, neue Konzepte realisieren und das Verfahren validieren.“
Was passiert im Bioreaktor mit schmutzigem Müll?
Das technologische Versprechen ist enorm: Das modifizierte Enzym zerlegt selbst schwer recycelbares PET – wie Multilayer-Verpackungen – bei moderaten 65 Grad Celsius und Reaktionszeiten von unter 6 Stunden. Daraus kann neuwertiges, lebensmittelechtes Plastik entstehen. Doch wie reagiert das System in der Realität auf stark kontaminierten Haushaltsmüll? „Wir haben bislang keinen echten Show-Stopper gesehen“, sagt Sonnendecker pragmatisch. Er verzichtet auf romantische Labor-Illusionen und ordnet die Fakten nüchtern ein: „Enzyme gelten als empfindlich, aber in der Praxis arbeiten sie erstaunlich resilient. In den typischen Abfallfraktionen, die wir getestet haben, führen Störstoffe aus Haushaltsverpackungen nicht zu kritischen Aktivitätsverlusten.“
Der tatsächliche Flaschenhals sei nicht die Biologie, sondern die Wirtschaftlichkeit: „Je stärker eine Abfallfraktion kontaminiert ist, desto geringer die Ausbeuten, begleitet mit höherem Aufwand bei Aufarbeitung und Reinigung der Produkte. Das erhöht die Kosten.“
Ein patentierter Moat – mehr als nur ein KI-Hype
Um die Enzyme rasant an neue Herausforderungen anzupassen, nutzt ESTER eine patentierte, KI-gestützte Screening-Technologie. Ist das ein echter Schutzwall gegen gut finanzierte BioTech-Labore in Asien oder den USA? Sonnendecker relativiert den reinen Algorithmus-Hype mit einem treffenden Vergleich: „KI ist heute kein exklusives Werkzeug mehr. Als Schreiben zugänglich wurde, bedeutete das nicht, dass plötzlich jeder ein guter Autor war.“
Der wahre Moat („Burggraben“) liege vielmehr in der eigenen Hardware und der Datenqualität: „Unser patentierter Ansatz basiert auf einer Messmethode, die den Kunststoff mittels Elektrizität selbst beobachtet. Dadurch erhalten wir multiparametrische und hochqualitative Daten. Der eigentliche Moat entsteht deshalb nicht durch ein einzelnes ‚Superenzym‘, sondern durch die integrierte Plattform und den Blick auf das Große.“
Regulatorik als Treiber
Der globale Markt für recyceltes PET (rPET) wird aktuell auf rund 5 Millionen Tonnen beziffert. Angetrieben wird das Wachstum durch strenge EU-Vorgaben (PPWR), die ab 2026 greifen und das Ende des billigen Neu-Plastiks einläuten. Aber was passiert, wenn Plastik aus Erdöl politisch geduldet und weiterhin deutlich billiger bleibt? „Natürlich ist Neu-Plastik aus Erdöl in vielen Fällen günstiger“, räumt Sonnendecker ein. „Aber dieser Preisvorteil basiert auf einer von fossilen Ressourcen abhängigen, linearen Wertschöpfungskette – also einer Sackgasse.“
Deutlicher wird der Gründer beim Blick auf die Konkurrenz. Der französische Marktführer Carbios bindet bereits Giganten wie L'Oréal oder Nestlé an sich. Droht ESTER den Anschluss zu verlieren? „Wir beäugen die Entwicklung von Carbios mit Skepsis“, teilt Sonnendecker selbstbewusst aus.
Tatsächlich geriet der Branchenprimus zuletzt ins Straucheln: Anfang 2025 kündigte Carbios einen drastischen Stellenabbau an, der Bau der ersten industriellen Anlage im französischen Longlaville musste aus Finanzierungsgründen auf 2028 verschoben werden. Stattdessen fokussieren sich die Franzosen nun auf ein Joint Venture mit dem chinesischen PET-Hersteller Wankai, um ab 2026 eine Anlage in Asien hochzuziehen.
Für Sonnendecker ein klares strategisches Warnsignal: „Wir sehen hier die Gefahr, dass europäische Technologie abwandert und genau jene industrielle Resilienz in Europa nicht entsteht, die so wichtig für unsere Unabhängigkeit wäre.“ Der Mitgründer ergänzt: „Weiterhin geht uns Carbios nicht weit genug, denn die Technologie bietet noch viel mehr. Wir konzentrieren uns gezielt auf bislang nicht verwertbare PET-Ströme, die heute in der Verbrennung landen und wollen in Synergie mit mechanischen Recyclern gehen. Und dabei ist PET nur der Anfang: Unser Ziel ist es, aktiv die Kunststoffwelt von morgen mitzugestalten, indem wir unsere Technologien bei der Entwicklung neuer Kunststoffe nach dem Prinzip Design for Circularity ins Spiel bringen. Wir setzen dabei auf die Werkzeuge der Natur, Enzyme, um zukunftsfähige Lösungen skalierbar zu machen und der nächsten Generation von Kunststoffen den Weg in den Markt zu ebnen.“
Die unweigerliche Millionenfrage
ESTER positioniert sich als Angreifer, doch im Jahr 2026 beginnt die kritische Phase. Der Sprung in den industriellen Dauerbetrieb ist in der Biotechnologie historisch extrem kapitalintensiv – das klassische „Valley of Death“. Da die öffentlichen Fördermittel auslaufen, sind nun echte Venture-Capital-Millionen gefragt. Wie will das Start-up überleben, ohne direkt die Mehrheit an Großinvestor*innen abgeben zu müssen?
„Für uns ist entscheidend, nicht in die klassische Falle zu laufen, alles auf eine kapitalintensive eigene Anlage zu setzen“, erklärt der Gründer seine Strategie. Demonstrations- und Pilotanlagen würden lieber angemietet statt selbst gebaut. „Das reduziert den Kapitalbedarf in dieser kritischen Phase erheblich.“ Für die anstehenden Verhandlungen mit großen VC-Fonds zeigt er sich kompromisslos: „Wir kommen nicht aus einer Position des Zwangs, sondern mit validierter Technologie, ersten Umsätzen, starken Partnern und klaren Skalierungspfaden.“
M&A im CleanTech-Sektor: SpotmyEnergy übernimmt Zählerhelden
Das 2023 von Jochen Schwill gegründete Kölner Start-up SpotmyEnergy übernimmt den kompletten Messstellenbetrieb des Mitbewerbers Zählerhelden und sichert sich damit rund 3.000 Smart Meter. Der Schritt markiert nicht nur anorganisches Wachstum, sondern verdeutlicht die beginnende Konsolidierung im deutschen Smart-Meter-Markt. Ein genauerer Blick auf die Macher, das Geschäftsmodell und einen Markt, der notorisch hinterherhinkt.
Hinter SpotmyEnergy steht mit Jochen Schwill ein prominenter Kopf der deutschen Energie-Start-up-szene. Schwill, bekannt als Gründer des virtuellen Kraftwerks Next Kraftwerke, rief das CleanTech-Startup im Jahr 2023 in Köln ins Leben. SpotmyEnergy agiert als unabhängiger, wettbewerblicher Messstellenbetreiber. Das Ziel des Unternehmens ist es, den in Deutschland stockenden Ausbau von intelligenten Messsystemen entscheidend zu beschleunigen.
Das Zuhause als virtuelles Kraftwerk
Das reine Aufhängen von Stromzählern ist in einem stark regulierten Markt kaum profitabel. SpotmyEnergy umgeht diese Falle durch einen ganzheitlichen Plattform-Ansatz:
- Hardware & Software: Das Startup liefert Lösungen zur Messung, Vernetzung, Optimierung und Steuerung von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Heimspeichern und Wallboxen.
- Drei-Säulen-Modell: Das Unternehmen fungiert als Messstellenbetreiber zur Bereitstellung von Smart Metern, als Energiemanager zur Kostenoptimierung der vernetzten Geräte und als Lieferant mit einem dynamischen Tarif, der Zugang zu aktuellen Börsenstrompreisen bietet.
- B2B2C-Vertrieb: Für den Rollout der Lösungen setzt SpotmyEnergy auf ein Partnernetzwerk, das seit der Firmengründung auf über 300 Elektroinstallationsbetriebe angewachsen ist.
Kritische Hinterfragung
Der Erfolg dieses Modells hängt maßgeblich von der fehlerfreien technischen Integration ab. SpotmyEnergy leistet aktuell Pionierarbeit bei der Einbindung von Steuerboxen, die in Deutschland bislang noch wenig verbreitet sind. Eine Übertragung derartiger Boxen in der aktuellen Größenordnung von 3.000 Stück hat es auf dem deutschen Markt bislang nicht gegeben. Die kritische Frage lautet: Funktionieren die technischen Schnittstellen dauerhaft und herstellerübergreifend reibungslos? Laut Geschäftsführer Schwill wurde mit der Etablierung der technischen Prozesse nun der Grundstein dafür gelegt, dass ein solcher Steuerboxwechsel in der Praxis überhaupt umsetzbar ist.
Markt & Wettbewerb
Deutschland ist beim Thema Smart Meter das Sorgenkind Europas; die Marktdurchdringung ist extrem gering. Dennoch drängen derzeit starke Wettbewerber*innen in die Nische, um sich die digitale Schnittstelle zum Kunden / zur Kundin für die Energiewende zu sichern:
- metrify: Die Enpal-Ausgründung ist mit über 65.000 installierten Systemen der Platzhirsch unter den wettbewerblichen Messstellenbetreibern.
- Inexogy & LichtBlick: Diese Anbieter kooperieren stark mit großen dynamischen Stromanbietern oder agieren als etablierte Ökostrom-Versorger mit eigenen Messstellen-Lösungen.
- Energy Metering Germany (Octopus Energy): Setzen auf gebündelte Angebote, oft gekoppelt an ihre eigenen intelligenten Tarife.
Unsere Einordnung
Die Übernahme des Zählerhelden-Portfolios ist ein strategischer Befreiungsschlag. Für die Kunden von Zählerhelden läuft der Betrieb laut Unternehmensangaben ohne Unterbrechung weiter, sie müssen keine eigenen Schritte einleiten. Die bisherigen Zählerhelden-Gesellschafter, ABM-Mess Service und BSH, konzentrieren sich künftig wieder stärker auf ihre jeweiligen Kerngeschäfte.
Ein hardwarebasiertes, stark reguliertes Geschäftsmodell erfordert extrem tiefe Taschen. SpotmyEnergy wird hierbei vom Investitions- und Strukturierungspartner Horizon Energy Deutschland flankiert, der das Start-up seit Ende des vergangenen Jahres bei der Skalierung unterstützt. Horizon stellt Kapital in Höhe von über 50 Millionen Euro für Smart-Meter-Assets zur Verfügung. Ein Teil dieser zugesicherten Mittel fließt nun direkt in die Übernahme der rund 3.000 Smart Meter von Zählerhelden. Genaue Angaben zum Kaufpreis oder den weiteren finanziellen Übernahmemodalitäten der Transaktion machen die beteiligten Unternehmen jedoch nicht. Wie Emil Bruusgaard, Geschäftsführer von Horizon Energy Deutschland, dennoch treffend analysiert, verdeutlicht die Transaktion anschaulich, wie sich fragmentierte Strukturen im Markt gezielt konsolidieren lassen, um die Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen.
Fazit
Jochen Schwill versucht mit SpotmyEnergy im Endkund*innenbereich das, was ihm im Industriebereich bereits gelang: die digitale Bündelung dezentraler Energieflüsse. Der Zukauf von Zählerhelden beweist eindrucksvoll, dass anorganisches Wachstum in dieser Branche ein essenzieller Hebel ist. Der wettbewerbliche Messstellenbetrieb bietet für ambitionierte Start-ups weiterhin enormes Entwicklungspotenzial.
Nox Mobility: 2 Mio. EUR für den "Flugzeug-Killer" auf Schienen
Das Berliner Start-up Nox Mobility will mit privaten Zimmern im Nachtzug europäische Kurzstreckenflüge ersetzen. Eine 2-Millionen-Euro-Pre-Seed-Runde gibt erste Starthilfe. Doch der europäische Bahnmarkt ist ein hartes Pflaster für Gründende – erst 2024 scheiterte ein französischer Konkurrent mit exakt demselben Konzept. Eine Einordnung.
Es ist ein mutiges Versprechen in einem der am stärksten regulierten Märkte Europas: Das 2025 gegründete Mobilitäts-Start-up Nox Mobility will das europäische Nachtzug-Erlebnis revolutionieren. Dafür hat das Unternehmen nun eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Frühphasen-Investor IBB Ventures. Mit an Bord sind zudem der italienische Investor Tommaso Lucca sowie Branchenköpfe wie HomeToGo-Mitgründer und CEO Dr. Patrick Andrae. Das frische Kapital soll primär in den Teamaufbau, die Vorbereitung der ersten Strecken für das Jahr 2027 sowie den Bau eines originalgetreuen Mockups der Zugkabinen fließen.
Rollendes Boutique-Hotel statt Abteilromantik
Während Nachtzüge aktuell zwar einen massiven Nachfrageboom erleben, ist der eigentliche Markt laut Nox Mobility zwischen 2001 und 2019 drastisch geschrumpft – von rund 1.200 wöchentlichen Verbindungen in Europa auf nur noch etwa 450. Nox will diese Lücke nun schließen und positioniert sich explizit nicht als klassisches Bahnunternehmen, sondern als direkte Alternative zum Kurzstreckenflug.
Der Clou: Das traditionelle Teilen von Schlafabteilen mit Fremden entfällt; stattdessen bekommt bei Nox Mobility jede(r) Reisende sein eigenes privates Zimmer mit Schlafplatz. Die Reise verbinde laut Nox die Zuverlässigkeit des Fliegens operativ mit dem Gefühl eines Boutique-Hotels. Abfahrten sollen abends an zentralen Bahnhöfen stattfinden, die Ankunft morgens direkt im Stadtzentrum – Flughafentransfers und Sicherheitskontrollen entfallen. Zielgruppe sind neben Freizeitreisenden vor allem Geschäftsreisende, für die eine Zugfahrt den frühen Abflug und eine zusätzliche Hotelübernachtung ersetzen soll. Preislich will Nox auf dem Niveau vergleichbarer Flugreisen agieren.
Das Gründerteam: Reichweite trifft auf operative Härte
Hinter dem Projekt steht ein Trio, das Branchenerfahrung, Skalierungswissen und bereits jetzt eine enorme Zielgruppe vereint:
Artur Hasselbach bringt als Mitgründer des Payment-Fintechs orderbird – das für über 140 Millionen Euro von Nexi übernommen wurde – ausgewiesene VC- und Tech-Erfahrung mit.
Janek Smalla kennt das harte operative Mobilitätsgeschäft aus seinen vorherigen Stationen bei FlixTrain und dem Mobilitätsanbieter Bolt.
Thibault Constant ist in der Nische ein Star: Mit "Simply Railway" hat er eine der größten Eisenbahn-Communities Europas mit über 600.000 Abonnenten aufgebaut. Er kennt die Probleme der Fahrgäste aus unzähligen Gesprächen und Zugfahrten aus erster Hand.
Die Gründer geben sich selbstbewusst und verkünden, das Rollmaterial für die Züge bereits gesichert zu haben.
Unsere Markteinordnung
Für uns stellt sich jedoch eine zentrale Frage: Kann man mit 2 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital tatsächlich einen hochkomplexen Bahn-Infrastrukturbetrieb aufbauen? Die Antwort lautet: Nein, es ist lediglich das Ticket, um überhaupt an den Start zu gehen. Der Bau eines Mockups in Originalgröße ist das eine – die Finanzierung und Zulassung echter Züge für den Betrieb ab 2027 kostet schnell dreistellige Millionenbeträge.
Besonders kritisch wird das Vorhaben mit Blick auf die Konkurrenz und die jüngere europäische Start-up-Historie. Die Idee eines rollenden Hotels mit ausschließlich privaten Abteilen ist nicht neu. Das französische Start-up Midnight Trains startete 2020 mit extrem viel PR und fast exakt demselben Geschäftsmodell. Im Juni 2024 musste das Projekt jedoch Insolvenz anmelden. Die Gründer scheiterten daran, dass europäische VCs und Banken das massive finanzielle Risiko nicht tragen wollten und die europäische Schieneninfrastruktur historisch stark auf staatliche Monopolisten zugeschnitten ist, was neue Player systematisch benachteiligt.
Gleichzeitig schläft der etablierte Markt nicht: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) dominieren mit ihrem Nightjet das Geschäft und haben mit ihren neuen „Mini Cabins“ (Schlafkapseln für Einzelpersonen) bereits auf den Wunsch nach mehr Privatsphäre reagiert.
Eine hochriskante Kapitalwette
Nox Mobility löst zweifellos ein echtes Problem und trifft den Nerv der Zeit in Sachen nachhaltiger Mobilität. Das Team aus Hasselbach, Smalla und Constant ist hervorragend aufgestellt und die Tatsache, dass sie nach eigenen Angaben bereits Züge gesichert haben, könnte der entscheidende Wettbewerbsvorteil gegenüber gescheiterten Projekten wie Midnight Trains sein.
Dennoch bleibt Nox Mobility eine hochriskante Kapitalwette. Die spannende Bewährungsprobe für das Berliner Start-up beginnt nicht erst 2027 auf den Schienen, sondern bereits in der nächsten Finanzierungsrunde: Dann wird sich zeigen, ob das Team Investor*innen davon überzeugen kann, die enormen Summen für den realen Bahnbetrieb aufzubringen – oder ob der Traum vom Start-up-Nachtzug im Trassendschungel Europas stecken bleibt.
BRYCK Startup Alliance: Vom Kohlenpott zum Code-Pott
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat mit den exist Startup Factories ein hochambitioniertes Förderprogramm aufgesetzt. Das Ziel: Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller und skalierbarer in die Wirtschaft überführt werden. Eines der Leuchtturmprojekte entsteht derzeit im Ruhrgebiet. Wir werfen einen Blick auf den Status quo der BRYCK Startup Alliance, die Macher*innen im Hintergrund und die Frage, was das Konstrukt Gründenden in der Praxis wirklich bringt.
Deutschland habe ein Transferproblem, so die Analyse der Initiatoren. Während die heimischen Universitäten in der Grundlagenforschung weltweit Spitzengeschwindigkeiten fahren, gerate der Motor ins Stottern, sobald es darum gehe, aus diesen Erkenntnissen marktreife Unternehmen zu formen. Genau hier setzen die geförderten exist Startup Factories an. Sie haben den Auftrag, die Quantität und Qualität wissensbasierter Ausgründungen signifikant zu steigern.
Das Silicon Valley der Schwerindustrie?
Geführt wird die BRYCK Startup Alliance, die 2025 als einer der Sieger des exist-Wettbewerbs gekürt wurde, von einem fünfköpfigen Führungsteam um Geschäftsführer Philipp Herrmann. Herrmann, selbst Seriengründer und Investor, soll die Brücke zwischen akademischer Forschung und traditionellen Corporate-Strukturen schlagen. Das Ziel ist gewaltig: Das Ruhrgebiet soll sich zur führenden Modellregion für industrielle Erneuerung in Europa wandeln.
Warum aber ausgerechnet DeepTech und nicht etwa digitale B2B-Software, wo die Einstiegshürden niedriger wären? Herrmann stellt klar: „Weil wir hier nicht die x-te Region bauen sollten, die versucht, ein kleines Silicon Valley zu spielen.“ Das Ruhrgebiet habe andere Stärken, wie eine enorme Dichte an Hochschulen, Industrie und konkreten Anwendungsfeldern. Für ihn liegt die Zukunft Europas nicht in reinen Softwaremodellen, sondern in Feldern wie Energie, Wasserstoff oder industrieller Effizienz. „DeepTech hat für diese Region einen anderen Hebel“, betont er. Wenn hier etwas funktioniere, habe es echte Wirkung auf industrielle Prozesse und neue Wertschöpfung. Sein Fazit für die Region: „Nicht den schnellsten Hype, sondern den nachhaltigsten Umbau.“
Eine beispiellose Allianz – und potenzielle Corporate-Falle?
Das Fundament der Allianz ist massiv: Die Universitätsallianz Ruhr kooperiert mit der RAG-Stiftung und dem Initiativkreis Ruhr, einem Bündnis aus über 70 Konzernen wie E.ON oder RWE. Für Start-ups klinge das theoretisch nach einem Sechser im Lotto. In der Praxis jedoch drohen agile Gründer*innen oft in den bürokratischen Mühlen der Großkonzerne zu ersticken.
Herrmann räumt unumwunden ein: „Die Gefahr besteht absolut.“ Große Unternehmen seien nicht per se schnell, und Konzernprozesse könnten für junge Teams zermürbend sein. Die Allianz setze daher nicht auf bloßes Networking, sondern auf harte Vorsortierung. „Unser Job ist, viel stärker vorzusortieren: Wo gibt es ein echtes Problem? Wo gibt es auf Unternehmensseite jemanden, der das Thema wirklich treiben will?“ Ein echter „Fast Track“ sei am Ende immer ein gut vorbereiteter Prozess. Zwar werde dadurch nicht jede Reibung verschwinden, aber man könne die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Pilotprojekte massiv erhöhen.
Status quo: Die Realitätsprüfung
Seit dem Start ist viel passiert: Weit über 130 Start-ups haben die Programme bereits durchlaufen. Zudem wurde mit „GF BRYCK Ventures“ ein 10-Millionen-Euro-Fonds für Frühphasen-Investments etabliert. Doch Herrmann gibt zu, dass zwischen Masterplan und Realität oft Welten liegen.
Besonders die Kluft zwischen Universität, Start-up und Konzern habe ihn in der täglichen Arbeit gefordert. Man habe gelernt, dass ein gutes Ökosystem neben einem „Nordstern“ vor allem „sehr viel operative Kleinarbeit an all den zu verändernden Schnittstellen“ benötige. DeepTech sei eben kein Sprint. „Das Ruhrgebiet verändert man auch nicht mit einer großen Überschrift“, so Herrmann. Vielmehr verändere man es Schritt für Schritt durch funktionierende Beispiele.
Der harte Weg aus dem Labor
Zwei der größten „Start-up-Killer“ bei Uni-Ausgründungen sind ungeklärte Patentrechte (IP) und einseitige Teams aus Forschenden ohne Vertriebserfahrung. Herrmann fordert hier bei den IP-Prozessen vor allem Geschwindigkeit und Verlässlichkeit. „Nichts ist schädlicher als Monate der Unklarheit.“
Gleichzeitig legt er den Fokus auf das Matching der Teams. Während die „Nerds“ aus dem Labor für die Technologie unverzichtbar seien, entstehe ein Unternehmen erst, wenn technologische Exzellenz und unternehmerische Kompetenz zusammenkommen. Er plädiert für ein neues Selbstverständnis: „Ich finde auch, wir müssen weg von diesem alten Denken, dass Forschung und Unternehmertum zwei getrennte Welten seien. Im Idealfall ist Unternehmertum der Weg, wie aus guter Forschung Wirkung wird.“
Was kostet die Förderung?
Mit dem neuen Fonds investiert die Allianz bis zu 300.000 Euro in der ganz frühen Phase. Pauschale Deal-Terms gebe es dabei bewusst nicht, da die Situationen der Teams zu unterschiedlich seien. Herrmann betont jedoch ein wichtiges Prinzip: „Frühphasenfinanzierung darf Gründer nicht klein, sondern muss sie handlungsfähig machen.“
Da 300.000 Euro bei DeepTech-Hardware oft nur ein Anfang sind, müsse man das „Valley of Death“ durch breitere Kapitalzugänge schließen. Er sieht hier eine große Aufgabe für ganz Europa: „Wir brauchen mehr geduldiges Kapital und bessere Anschlussfinanzierung für wissenschaftsbasierte Unternehmen.“ Ziel sei es, die Teams so aufzustellen, dass sie auch die nächste und übernächste Runde erreichen können.
Ausblick: Eine Milliarde fürs Ruhrgebiet
Bis 2030 sind die Ziele messbar: 1.000 wissenschaftsbasierte Ausgründungen und eine Milliarde Euro mobilisiertes Risikokapital. Ob das Projekt ein Erfolg wird, mache Herrmann an substanziellen Ergebnissen fest.
„Im Kern werden wir nur dann wirklich Strahl- und Magnetkraft auf europäischer Ebene entwickeln, wenn aus unseren Startups groß skalierte Unternehmen entstehen – wirkliche Unicorns, die Industrien verändern“, kontert er. Man müsse beweisen, dass hier Firmen entstehen, die industrielle Probleme auf Weltklasseniveau lösen. Sein Wunsch für die nächsten vier Jahre: „Dass das kein spannendes Einzelprojekt mehr ist, sondern ein funktionierendes System mit echter Zugkraft.“ Wenn die ersten Teams aus diesem System zu echten Erfolgsgeschichten werden, sei das der stärkste Beleg für den Erfolg.
Factsheet: BRYCK Startup Alliance auf einen Blick
- Offizieller Name: BRYCK Startup Alliance
- Fokus: DeepTech, B2B, industrielle Transformation
- Status: Prämierte exist Startup Factory des BMWE (Entscheidung am 10. Juli 2025)
- Geschäftsführung: Philipp Herrmann, Dr. Christian Lüdtke, Philippa Köhnk, Ersin Üstün, Maximilian Weil-Schimanski
- Wissenschaftliches Rückgrat: Universitätsallianz Ruhr (Bochum, Dortmund, Duisburg-Essen)
- Wirtschaftliches Netzwerk: Initiativkreis Ruhr (über 70 Top-Unternehmen) & RAG-Stiftung
- Finanzierung: GF BRYCK Ventures (10 Mio. Euro Fonds, Tickets bis zu 300.000 Euro)
- Ziele bis 2030: 1.000 Ausgründungen, 200 skalierende DeepTech-Start-ups, 1 Mrd. Euro mobilisiertes Kapital
- Website: bryckstartupalliance.com/de
Workation-Falle
Flexible Arbeitsmodelle wie „Work from Anywhere“ gehören zur DNA vieler moderner Start-ups. Doch fehlende Vorbereitung bei kurzfristigen Auslandseinsätzen und Remote Work kann gerade für junge Unternehmen existenzbedrohend werden. Expert*innen warnen vor strukturellen Lücken bei Steuern, Sozialversicherung und rechtlicher Absicherung.
Internationale Mitarbeiter*inneneinsätze verändern sich derzeit rasant. Die klassische, von langer Hand geplante Entsendung weicht zunehmend flexiblen Arbeitsmodellen wie kurzfristigen Aufenthalten in verschiedenen Ländern, Remote Work oder parallelen Tätigkeiten über Ländergrenzen hinweg. Für viele Start-ups und mittelständische Unternehmen ist diese Flexibilität ein wichtiges Instrument im Kampf um Fachkräfte. Doch für die Arbeitgebenden wird es dadurch immer schwieriger, den Überblick zu behalten.
Strukturelle Überforderung in der Personalverwaltung
Die Flexibilität im Arbeitsalltag führt in der Personalverwaltung oft zu strukturellen Problemen. Häufig fehlt es an Transparenz über Aufenthaltsorte, rechtliche Rahmenbedingungen und klare Verantwortlichkeiten. In der Praxis kommt es regelmäßig vor, dass Mitarbeitende ihre Arbeitgeber*innen erst im Nachhinein darüber informieren, dass sie ihre Arbeit aus dem Ausland heraus erbringen.
„Viele Unternehmen wissen heute schlicht nicht mehr genau, wer sich wann wo aufhält und welche rechtlichen und steuerlichen Konsequenzen damit verbunden sind“, erklärt Björn Spilles, Partner bei der dhpg und Mitglied des Expertennetzwerks CROSS GLOBE. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen verfügen oft nicht über das notwendige interne Know-how, während größere Organisationen mit der schieren Masse an Fällen kämpfen. Die Folge sind unklare Zuständigkeiten und gefährliche Lücken bei Steuern und Sozialversicherungen.
Die Risiken: Wenn die Absicherung im Ernstfall fehlt
In der operativen Praxis werden zentrale Fragen zu Versicherungen, Steuern und Sozialabgaben häufig zu spät adressiert.
- Die angemessene Absicherung wird oft nicht als Teil der Vorab-Planung betrachtet.
- Stattdessen erfolgt eine Klärung meist erst dann, wenn der Auslandseinsatz bereits läuft oder erste Schwierigkeiten auftreten.
- Besonders kritisch ist dabei, dass Deckungslücken oft erst sichtbar werden, wenn tatsächlich ein Leistungsfall eintritt.
- Zudem zählen steuerliche Unsicherheiten zu den häufigsten Problemfeldern.
Werden die Rahmenbedingungen nicht vorab geprüft, entstehen für Unternehmen rechtliche Risiken und zusätzliche Kosten. Im schlimmsten Fall droht der Abbruch kompletter Einsätze. Wie schnell das gehen kann, zeigt ein Praxisbeispiel aus den USA: Ein Mitarbeitender wurde entsendet, ohne dass sein sozialversicherungsrechtlicher Status vollständig geklärt war. Erst vor Ort fiel der unzureichende Versicherungsschutz auf, was den Einsatz samt den bereits investierten Kosten für Einarbeitung, Visum und Umzug beinahe zum Scheitern brachte.
Darüber hinaus drohen Start-ups auch Reputationsrisiken: Fehlgeschlagene Einsätze können die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgebender nachhaltig beeinträchtigen.
Vertiefende Einordnung für Start-ups: Due Diligence und Betriebsstättenrisiko
Neben den offensichtlichen Personalrisiken lauern für Start-ups beim Thema „Remote Work im Ausland“ noch zwei weitere, massive Gefahren:
1. Rote Flaggen in der Due Diligence: Start-ups sind auf frisches Kapital angewiesen. Ungelöste Compliance-Themen im Bereich Steuern und Sozialversicherung durch unkontrollierte Workations sind in Finanzierungsrunden ein massives Hindernis. Bei der Due-Diligence-Prüfung decken Investoren solche Haftungsrisiken schonungslos auf. Die Folge können verzögerte Runden oder eine geminderte Bewertung sein.
2. Das Betriebsstättenrisiko: Arbeiten leitende Angestellte dauerhaft aus dem Ausland und schließen dort Verträge ab, kann das dortige Finanzamt schnell eine steuerliche Betriebsstätte des deutschen Start-ups annehmen. Das Unternehmen wird plötzlich im Ausland körperschaftssteuerpflichtig – ein administrativer und finanzieller Kraftakt.
Lösungsansatz: Vorbereitung statt Hauruck-Aktion
Internationale Mobilität darf keine fragmentierte Einzelfallentscheidung mehr sein, sondern muss als kontinuierliche Steuerungsaufgabe verstanden werden. Experten raten dringend zu einer systematischen Vorbereitung, bevor ein Mitarbeiter das Land verlässt.
- Vorab muss eine vollständige Sachverhaltsermittlung stattfinden, die Aufenthaltsdauer, Arbeitsort und vertragliche Rahmenbedingungen klar erfasst.
- Unternehmen müssen Transparenz schaffen, Zuständigkeiten festlegen und die Auslandseinsätze zentral erfassen.
- Relevante steuerliche und versicherungsrechtliche Aspekte müssen frühzeitig unter Einbindung von Expert*innen geklärt werden.
„Dabei lassen sich viele dieser Fälle durch frühzeitige Abstimmung und klare Prozesse vermeiden“, betont Benedikt Grass, CMO des Anbieters für internationale Krankenversicherungen PassportCard. Wer vorausschauend plant, schützt sein Start-up vor unkalkulierbaren Kosten und sichert die Compliance für zukünftige Finanzierungsschritte.
UniteLabs: Der Münchner DeepTech-Herausforderer auf dem Weg zum globalen Labor-Standard?
Das 2024 von Robert Zechlin, Lukas Bromig und Julian Willand gegründete UniteLabs will die Laborautomatisierung von proprietären Hürden befreien. Nach einer Millionenfinanzierung folgte Anfang 2026 der offizielle US-Launch. Wir wollten wissen: Wie realistisch ist die Vision eines herstellerunabhängigen Standards in einem von Hardware-Silos dominierten Markt? Eine Analyse.
Wer heute ein hochmodernes BioTech-Labor betritt, erwartet nahtlos vernetzte HighTech-Forschung. Die Realität sieht oft anders aus: Rund 90 Prozent der Laborgeräte stammen von unterschiedlichen Hersteller*innen und sprechen schlichtweg nicht dieselbe technische Sprache. Um künstliche Intelligenz in der Forschung nutzbar zu machen, müssen hochqualifizierte Wissenschaftler*innen oft als Software-Ingenieur*innen einspringen und mühsam Schnittstellen programmieren. Genau diesen Flaschenhals will das Münchner DeepTech-Start-up UniteLabs beseitigen.
Die Gründer und der Sprung aus München
Hinter UniteLabs stehen Robert Zechlin, Lukas Bromig und Julian Willand. Nach Vorarbeiten ab 2022 wurde das Unternehmen 2024 offiziell gegründet. Das Team vereint interdisziplinäre Expertise aus Chemieingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik und Unternehmensstrategie – eine essenzielle Mischung für ein Produkt, das tiefes Prozessverständnis mit modernster Softwarearchitektur verbinden muss.
Dass die Idee einen massiven Schmerzpunkt der Industrie trifft, zeigt die rasante Entwicklung der letzten Monate. Nach einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2,77 Millionen Euro unter der Führung von NAP (ehemals Cavalry Ventures) im Januar 2025 und der Auszeichnung als „Bestes Münchner Start-up“ beim Munich Startup Award 2025 ist das Unternehmen sichtlich gewachsen. Im ersten Quartal 2026 zählt das Team im Münchner Inkubator Werk1 bereits rund 28 Köpfe.
Doch wie verhindert ein derart rasant wachsendes Team, bei der ständigen Anbindung neuer, exotischer Hardware nicht zu einer hochbezahlten IT-Manufaktur zu verkommen? Schließlich erfordert jedes neue Laborgerät auf dem Markt zunächst einmal Entwicklungsaufwand für den passenden Konnektor.
„Unser Ziel ist nicht, jedes exotische Gerät einzeln ‚irgendwie‘ anzubinden“, stellt Mitgründer Robert Zechlin klar. Vielmehr soll die Integration zu einer wiederholbaren Produktfähigkeit reifen. Statt sich im Klein-Klein der Modellnummern zu verlieren, baue UniteLabs seine Konnektoren entlang grundsätzlicher Geräte-Fähigkeiten. Die puren Herstellerspezifika landen dabei in einer dünnen Adapter-Schicht, während Workflows und Datensemantik konsistent bleiben.
Um die berüchtigte Skalierungsfalle zu umgehen, setzt das Start-up zudem verstärkt auf „Reusable Automation Assets“. „Wir investieren in validierte Workflow-Bausteine, Device-Profile und Test-Suites, mit denen die zweite und dritte Integration deutlich schneller wird als die erste“, betont Zechlin und skizziert damit den Weg zum echten SaaS-Unternehmen. Der Gründer gibt die Richtung selbstbewusst vor: „Die Grenzkosten für das nächste Gerät und den nächsten Standort müssen über Zeit sinken. Unser Endzustand ist ein Ökosystem, in dem Integrationen gemeinsame Infrastruktur sind, nicht Projektgeschäft.“
Vom Prototyp zur Architektur der offenen Labore
Im Februar 2026 hat UniteLabs auf der renommierten Branchenmesse SLAS in Boston den offiziellen US-Launch seines „AI-Ready Lab Automation Systems“ vollzogen. Statt nur isolierte Schnittstellen zu flicken, positioniert sich das Start-up nun mit einer klaren, dreiteiligen Architektur.
Den Kern bildet die Cloud-native „UniteLabs Platform“, die Hardware vernetzt und die Integration von Machine-Learning-Modellen in Echtzeit erlaubt. Ergänzt wird dies durch die lokale Anwendung „GroundControl“ für den Plug-and-Play-Anschluss von Geräten sowie das „UniteLabs SDK“. Letzteres ist ein Python-Werkzeug für Wissenschaftler*innen, um Labor-Workflows komplett als Code zu steuern. Dass diese Theorie praxistauglich ist, beweist das aufstrebende KI-BioTech-Unternehmen Cradle, das die Lücke zwischen Maschinen und digitalen Daten-Lakes intern bereits mit dem Münchner System schließt. Laut UniteLabs soll sich der Labor-Durchsatz für solche KI-getriebenen Forschungsteams durch die Plattform um bis zu das Vierfache steigern lassen.
Ein „Lab-as-Code“-Ansatz via Python mag für entwickleraffine Data Scientists verlockend sein – doch schließt er nicht paradoxerweise die klassischen Biolog*innen aus, für die Code-Workflows oft eine zu steile Lernkurve bedeuten?
„Code ist nicht das Produkt“, kontert Zechlin. Er sei vielmehr eine Schnittstelle, die sowohl Power-User als auch den Laboralltag bedienen müsse. Das SDK richte sich an Teams, die volle Kontrolle über Versionierung und automatisierte Tests verlangen – was im KI-BioTech-Umfeld zunehmend Standard sei. Zechlin räumt jedoch ein, dass das Programmieren nicht jedem liege: „Die meisten wollen zuverlässige Ausführung und klare Transparenz.“
Die Lösung der Münchner: Über die Orchestrierungsschicht und „GroundControl“ werden Workflows paketiert und mit Leitplanken versehen, sodass sie auch für Nicht-Entwickler sicher ausführbar sind. Code bleibt strategisch zwar die „universelle Abstraktion“ über Geräte hinweg, doch das Interface der Zukunft sieht anders aus. Zechlin blickt voraus: „Das User Interface für Wissenschaftler wird zunehmend KI-gesteuert und natürliche Sprache zum primären Interface. UniteLabs dient diesen KI-Applikationen als robuste Surface Area und Source of Truth.“ Die Leitplanke für das Wachstum fasst er in einem Satz zusammen: „Unsere Vision ist: flexibel, wo es Sinn macht, und kompromisslos robust, wo es zählen muss.“
Die Bewährungsprobe auf dem US-Markt
Nach dem Bostoner Launch steht das Start-up nun vor der monumentalen Aufgabe, sich im hochkompetitiven US-Markt zu behaupten. Hier entscheidet sich, ob UniteLabs vom europäischen Hoffnungsträger zum globalen Player reift. Umgeben von gigantischen Investitionen in die KI-Wirkstoffentwicklung reicht es nicht, nur ein weiteres Automatisierungstool zu sein – UniteLabs muss sich als essenzieller „Schaufelhersteller“ für den aktuellen Boom etablieren.
Dabei trifft man auf amerikanische Wettbewerber*innen, die teils mit hunderten Millionen Dollar Venture Capital ausgestattet sind. Wie überlebt ein Münchner Start-up mit einer Pre-Seed-Runde von knapp drei Millionen Euro diese Materialschlacht? Zechlin gibt sich pragmatisch und weicht dem direkten Finanz-Vergleich aus: „Klar: In Infrastrukturmärkten hilft Kapital, aber es ist nicht der entscheidende Hebel.“ Anstatt die Konkurrenz im reinen „Spend“ schlagen zu wollen, baue man auf messbaren Nutzen im Laborbetrieb.
Der Plan scheint aufzugehen: Ein Großteil von Umsatz und Pipeline stammt heute bereits aus den USA, wo UniteLabs Kund*innen an beiden Küsten bedient und mit großen Hardware-Hersteller*innenn kooperiert. „Wir planen für dieses Jahr unseren ersten Big Pharma Roll-out, der sowohl in Europa als auch an Standorten in den USA erfolgen soll“, verrät der Gründer. Um diese Dynamik zu finanzieren, hebe man aktuell eine 9-Millionen-Euro-Seed-Runde für die US-Expansion. Den strukturellen Wettbewerbsvorteil sieht Zechlin in der herstelleragnostischen Verbindung bestehender Geräte: „Statt Rip-and-Replace zu verlangen, werden Workflows schneller produktiv, Daten werden sauber mit Kontext versehen, und Teams können ‚Lab-as-Code‘ wirklich ausrollen.“
Ein strategischer Hebel ist dabei die Zielgruppenansprache. Statt in endlosen Vertriebszyklen mit dem C-Level großer Pharma-Konzerne zu ringen, treibt UniteLabs ein nutzer*innengetriebenes Wachstum voran. Labor-Ingenieur*innen, die durch das Python-SDK wochenlange Schnittstellenprogrammierung einsparen, tragen das System organisch in ihre Unternehmen. Dabei profitiert das Start-up enorm davon, selbst keine Pipettierroboter oder Analysegeräte herzustellen. Als „neutrale Schweiz“ der Labor-Hardware buhlt UniteLabs nicht um lukrative Geräteverkäufe – ein extrem starkes Argument gegen den gefürchteten Vendor-Lock-in amerikanischer Hardware-Giganten.
Stresstest für das Geschäftsmodell und Regularien
Doch die ambitionierte Plattform-Strategie wird kritisch geprüft werden. Das Geschäftsmodell birgt ein ständiges API-Katz-und-Maus-Spiel, da Schnittstellen zu teils stark abgeschirmten Systemen gebaut werden müssen. Wenn etablierte Hersteller*innen ihre Firmware ändern oder Drittanbieter-Zugriffe blockieren, explodieren schnell die Wartungskosten für die Konnektoren.
Bleibt die Frage an den Gründer: Was ist also der Plan B, wenn die Marktführer ihre Schnittstellen per Update plötzlich aktiv verschlüsseln? Reicht der Verweis auf offene Standards wie das SiLA2-Protokoll in der harten Praxis aus?
„Wir gehen davon aus, dass Hersteller ihre Ökosysteme schützen werden. Unsere Strategie darf deshalb nicht auf ‚Goodwill‘ bauen“, gibt sich Zechlin keinen Illusionen hin. Standards wie SiLA2 seien zwar hilfreich gegen Fragmentierung, aber „kein Schutzschild“. Der Ansatz der Münchner ist stattdessen pragmatisch und mehrstufig: Standards nutzen, wo verfügbar, und eigene robuste Adapter bauen, wo nötig. Zudem betreibe man ein Programm mit automatisierten Regressionstests am realen Geräteverhalten, um Fehler durch Updates früh zu erkennen.
Der zweite Baustein der Verteidigung ist kommerzieller Druck. Da Labore zunehmend „Best-of-Breed“-Lösungen kombinieren wollen, würden Hersteller, die Interoperabilität blockieren, zunehmend Deals riskieren. Im Hintergrund investiere man deshalb viel Arbeit in aktiv gepflegte Partnerschaften mit den Produzent*innen. Zechlins Plan B lautet letztlich Resilienz: „Mehrere Integrationspfade, starke Tests, und ein System, das stabil bleibt, auch wenn sich die Oberfläche verändert.“ Er ist sich sicher: „Langfristig wirkt die Ökonomie in Richtung Offenheit.“
Neben blockierender Hardware bleibt die US-Zulassungsbehörde FDA die vielleicht höchste Hürde auf dem Weg in den Enterprise-Markt. Deren strenge Vorgaben zu elektronischen Aufzeichnungen sind der größte Vorbehalt von Pharmaunternehmen gegenüber Cloud-basierten Systemen. Gelingt es UniteLabs, Offenheit mit lückenlosen Audit-Trails zu verknüpfen, könnten sie die berüchtigten Sales-Zyklen drastisch verkürzen.
Doch wie passt maximale Entwickler*innen-Freiheit durch Python-Skripte mit rigider FDA- und GxP-Compliance zusammen? Für Zechlin existiert dieser Widerspruch im Labor-Alltag schlichtweg nicht: „Compliance widerspricht Flexibilität nicht. Was widerspricht, ist unkontrollierte Veränderung.“
Um Big Pharma gerecht zu werden, behandle man hochflexible Workflows wie reguläre Software-Produkte: versioniert, testbar und auditierbar. „Ein Script ist in einem GxP-Kontext kein ‚jeder macht, was er will‘, sondern ein kontrolliertes Artefakt mit definierten Inputs, erwarteten Outputs und einem Validierungsnachweis“, unterstreicht der Mitgründer. Die Plattform trenne Sandbox-Entwicklungen von einer strikt kontrollierten Produktionsebene mit signierten Releases, Environment-Pinning und klarer Datenlineage. Zechlin formuliert einen selbstbewussten Anspruch an die Branche: „Das Labor holt Software-Best-Practices nach. Unser Anspruch ist, ‚compliant by design‘ zur Default-Einstellung für AI-ready Lab Ops zu machen.“
Fazit
UniteLabs hat exzellentes Timing bewiesen. Die BioTech-Branche lechzt nach KI, scheitert aber noch massenhaft an isolierten Daten. Durch das Bereitstellen essenzieller Daten-Infrastruktur haben sich die Münchner in eine starke Ausgangsposition manövriert. Der US-Launch und anstehende Messepräsentationen zeugen vom Anspruch der Gründer. Der ultimative Lackmustest ab 2026 wird jedoch sein, ob die Hardware-Hersteller*innen diesen Wandel dulden – oder den Kampf um ihre lukrativen Software-Margen eröffnen.
Bleibt die Frage nach dem viel zitierten „Endgame“: Baut das Start-up wirklich das globale Betriebssystem für Biotech-Labore, oder macht man sich letztlich nur als hochattraktives Übernahmeziel für Hardware-Giganten hübsch?
Auf diese Entweder-Oder-Frage antwortet Zechlin diplomatisch, aber ambitioniert: „Unsere Vision ist, die neutrale Betriebsschicht für moderne Labore zu werden, weil die Branche einen herstellerunabhängigen Standard braucht, nicht noch ein weiteres Einzellösungstool.“ Gleichzeitig sei man Realist: Infrastruktur zähle nur, wenn sie im Alltag zuverlässig genutzt werde und verlässliche, strukturierte Daten für KI liefere.
Sollte das gelingen, hält sich UniteLabs alle Optionen offen – von der unabhängigen Kategorie-Definition über strategische Partnerschaften bis hin zum Exit. Doch auf einen schnellen Verkauf schiele man nicht, verspricht Zechlin: „Wir bauen nicht für eine Übernahme. Wir bauen so, dass der Markt die Plattform ernst nehmen muss.“ Und am Ende solle ohnehin der/die Kund*in profitieren: „Weniger Silos, schnellere Science, und ein Ökosystem, in dem Innovation nicht an proprietären Schnittstellen hängen bleibt.“
MANA: Wie Virtual Office Services den Unternehmensalltag neu strukturieren
Ein detailliertes Portrait von MANA: Virtual Office, digitale Prozesse und persönliche Betreuung für Start-ups und KMU.
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Flexible Arbeitsmodelle, digitale Prozesse und ortsunabhängiges Arbeiten sind längst keine Ausnahme mehr, sondern prägen den Alltag vieler Unternehmen. Gleichzeitig stehen insbesondere Start-ups, Selbstständige und kleine Unternehmen vor der Herausforderung, administrative Aufgaben effizient zu organisieren, ohne dabei wertvolle Ressourcen zu verlieren.
Genau an dieser Schnittstelle setzt MANA an. Das Unternehmen positioniert sich als zentraler Ansprechpartner für organisatorische Prozesse im Hintergrund – mit dem Ziel, den Geschäftsalltag einfacher, strukturierter und digitaler zu gestalten. Weitere Informationen zum Leistungsangebot und zur Struktur des Unternehmens finden sich unter https://we-are-mana.com/.
Von der Idee zur Lösung: Warum MANA entstanden ist
Wer gründet, konzentriert sich zunächst auf Produkt, Markt und Wachstum. Doch schnell wird deutlich, dass administrative Aufgaben einen erheblichen Teil der täglichen Arbeit ausmachen. Posteingang, Dokumentenmanagement oder rechtliche Anforderungen gehören zu den grundlegenden Pflichten – sind jedoch selten der eigentliche Fokus eines Unternehmens.
Gerade in kleinen Teams oder bei Einzelunternehmen entstehen dadurch typische Herausforderungen:
- fehlende Zeit für organisatorische Aufgaben
- unklare Abläufe im Umgang mit Dokumenten
- Unsicherheiten bei rechtlichen Anforderungen
- mangelnde Struktur im Tagesgeschäft
MANA setzt genau hier an und verfolgt einen Ansatz, der diese Prozesse bündelt und vereinfacht. Ziel ist es, Unternehmen von administrativen Aufgaben zu entlasten, ohne dass diese eigene Strukturen aufbauen müssen.
Virtual Office neu definiert
Das Konzept des Virtual Office ist grundsätzlich bekannt, wird jedoch häufig auf die Bereitstellung einer Geschäftsadresse reduziert. MANA erweitert diesen Ansatz um digitale und organisatorische Komponenten, die über klassische Angebote hinausgehen.
Im Zentrum stehen dabei:
- eine ladungs- und handelsregisterfähige Geschäftsadresse
- ein strukturierter Postservice
- digitale Bereitstellung eingehender Dokumente
Alle eingehenden Sendungen werden digitalisiert und online zur Verfügung gestellt – in vielen Fällen noch am Tag des Eingangs. Dadurch entsteht ein jederzeit verfügbarer Überblick über wichtige Unterlagen. Originaldokumente können bei Bedarf zuverlässig weitergeleitet werden.
Diese Kombination ermöglicht es Unternehmen, ortsunabhängig zu arbeiten und gleichzeitig alle formalen Anforderungen zu erfüllen.
Persönliche Betreuung als zentraler Unterschied
Ein wesentliches Merkmal von MANA ist der persönliche Ansatz. Während viele Anbieter auf standardisierte Prozesse und automatisierte Abläufe setzen, legt das Unternehmen Wert auf direkte Ansprechpartner und individuelle Betreuung.
Das zeigt sich insbesondere in:
- persönlicher Kommunikation statt anonymem Support
- festen Ansprechpartnern für individuelle Anliegen
- schnellen und nachvollziehbaren Lösungen
Diese Struktur schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Kunden nicht als Nummer behandelt werden. Gerade für kleinere Unternehmen kann dieser persönliche Kontakt ein entscheidender Faktor sein.
Berlin im Fokus – Expansion in weitere Städte
Der aktuelle Schwerpunkt von MANA liegt auf Berlin. Als einer der wichtigsten Gründerstandorte Europas bietet die Stadt ideale Voraussetzungen für junge Unternehmen und innovative Geschäftsmodelle.
Eine Geschäftsadresse in Berlin kann dabei nicht nur formale Vorteile bieten, sondern auch die Außenwirkung eines Unternehmens stärken.
Gleichzeitig ist die Expansion bereits geplant:
- München als nächster zentraler Standort
- perspektivische Erweiterung nach Hamburg und Frankfurt
Diese Entwicklung zeigt, dass das Modell skalierbar ist und sich an unterschiedliche Märkte anpassen lässt.
Digitale Prozesse als Fundament
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die konsequente Digitalisierung administrativer Abläufe. Prozesse, die traditionell zeitintensiv und papierbasiert sind, werden hier strukturiert und vereinfacht.
Dazu gehören unter anderem:
- digitale Erfassung und Archivierung von Dokumenten
- ortsunabhängiger Zugriff auf Post und Unterlagen
- klare Strukturierung von Geschäftsprozessen
Der Vorteil liegt in der Transparenz: Unternehmen behalten jederzeit den Überblick über ihre Dokumente und können schnell auf relevante Informationen zugreifen.
Flexible Nutzung von Meetingräumen
Neben den digitalen Services bietet MANA die Möglichkeit, Meetingräume bei Bedarf zu nutzen. Diese können flexibel gebucht werden und eignen sich für unterschiedliche Einsatzbereiche:
- Kundentermine
- Präsentationen
- interne Besprechungen
Dadurch entsteht eine Kombination aus digitaler Flexibilität und physischer Infrastruktur – ohne langfristige Verpflichtungen für feste Büroflächen.
Für wen das Modell besonders geeignet ist
Das Angebot von MANA richtet sich vor allem an Unternehmen, die flexibel arbeiten und gleichzeitig professionelle Strukturen benötigen.
Dazu zählen insbesondere:
- Start-ups in der Aufbauphase
- Selbstständige und Freelancer
- kleine und mittlere Unternehmen
Besonders relevant ist das Modell für Unternehmen, die keine eigenen Büroräume benötigen oder bewusst auf flexible Lösungen setzen. Gleichzeitig profitieren alle, die administrative Prozesse auslagern möchten, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Einordnung im Wettbewerbsumfeld
Der Markt für Virtual Offices wächst seit Jahren kontinuierlich und wird zunehmend vielfältiger. Zahlreiche Anbieter positionieren sich mit ähnlichen Grundangeboten, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Umsetzung, ihrem Serviceverständnis und ihrer Zielgruppenansprache. Während viele Lösungen stark standardisiert und auf Skalierung ausgelegt sind, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass nicht alle Anbieter denselben Anspruch an Betreuung und Struktur verfolgen.
MANA wählt hier bewusst einen differenzierten Ansatz. Im Fokus stehen nicht allein digitale Prozesse, sondern deren Kombination mit persönlicher Betreuung und klar nachvollziehbaren Abläufen. Statt anonymer Massenabwicklung setzt das Unternehmen auf direkte Ansprechpartner und eine Zusammenarbeit, die stärker auf individuelle Anforderungen eingeht.
Das zeigt sich insbesondere in:
- dem Fokus auf persönliche Betreuung statt standardisierter Prozesse
- der Verbindung aus digitaler Infrastruktur und individueller Unterstützung
- klar strukturierten, verständlichen Abläufen ohne unnötige Komplexität
Diese Ausrichtung spricht vor allem Unternehmen an, die neben Effizienz auch Wert auf Verlässlichkeit, Transparenz und direkte Kommunikation legen. Gerade für kleinere Unternehmen und Gründer kann dieser Ansatz einen spürbaren Unterschied im Alltag machen.
In einem Interview von MANA mit business-on wird zudem deutlich, wie stark der Fokus auf praxisnahe Lösungen und persönliche Zusammenarbeit gelegt wird – insbesondere mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und wachsender Unternehmen.
Skalierbarkeit und Zukunftsperspektiven
Das Konzept von MANA ist darauf ausgelegt, mit den Anforderungen moderner Unternehmen mitzuwachsen. Gerade in einem Umfeld, das zunehmend von Digitalisierung, Flexibilität und dynamischen Geschäftsmodellen geprägt ist, gewinnen skalierbare Lösungen an Bedeutung. Unternehmen benötigen Strukturen, die sich anpassen lassen – sowohl in frühen Gründungsphasen als auch im weiteren Wachstum.
Digitalisierung, Automatisierung und ortsunabhängige Arbeitsmodelle werden dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Lösungen wie die von MANA greifen genau diese Entwicklung auf, indem sie administrative Prozesse vereinfachen und gleichzeitig flexibel erweiterbar bleiben.
Mögliche Entwicklungen umfassen:
- den weiteren Ausbau digitaler Services und automatisierter Abläufe
- die Erweiterung auf zusätzliche Städte und wirtschaftlich relevante Standorte
- die kontinuierliche Optimierung der Nutzererfahrung und Prozessstruktur
Gleichzeitig bleibt der persönliche Ansatz ein wesentlicher Bestandteil des Modells. Auch im Zuge des Wachstums steht die direkte Betreuung im Vordergrund – ein Aspekt, der insbesondere für kleinere Unternehmen und Gründer eine wichtige Rolle spielt. Die Herausforderung wird darin liegen, Skalierung und persönliche Betreuung langfristig in Einklang zu halten.
Fazit
MANA steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Unternehmen aktuell betrifft: Administrative Prozesse werden zunehmend ausgelagert und digitalisiert, um Ressourcen zu sparen und Abläufe effizienter zu gestalten. Virtual Office Services entwickeln sich dabei von einer ergänzenden Lösung hin zu einem eigenständigen Organisationsmodell, das sich flexibel in unterschiedliche Unternehmensstrukturen integrieren lässt.
Die Kombination aus ladungsfähiger Geschäftsadresse, digitalem Postservice und persönlicher Betreuung bietet eine klar strukturierte Grundlage für den Unternehmensalltag. Besonders für Start-ups, Selbstständige und kleinere Unternehmen entsteht dadurch ein Umfeld, das sowohl Flexibilität als auch Verlässlichkeit ermöglicht – ohne die Notwendigkeit, eigene komplexe Infrastrukturen aufzubauen.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung digitaler Arbeitsmodelle ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen weiter steigen wird. Unternehmen, die frühzeitig auf strukturierte, digitale und gleichzeitig persönliche Systeme setzen, schaffen sich damit eine stabile Basis für nachhaltiges Wachstum und langfristige Anpassungsfähigkeit.
B2B Sales 2026: 5 moderne Sales-Hacks, um am Gatekeeper vorbeizukommen
B2B-Entscheider*innen ertrinken in generischen Copy-Paste-Nachrichten. Seitdem KI-Tools es jedem ermöglichen, tausende E-Mails per Knopfdruck zu versenden, ist die Schutzmauer der Gatekeeper höher denn je. Wer im B2B Sales 2026 noch mit standardisierten Massen-E-Mails arbeitet, verbrennt wertvolle Leads. Um heute Gehör zu finden, müssen Start-ups radikal personalisieren und echten Vorab-Wert liefern.
Der klassische Vertriebs-Funnel – Kontaktliste einkaufen, 500 Cold E-Mails rausschicken, auf 5 Termine hoffen – ist kaputt. Die Reply-Rates tendieren gegen null. Entscheider*innen haben einen eingebauten Spam-Filter für Nachrichten entwickelt, die mit „Ich hoffe, es geht Ihnen gut...“ beginnen und direkt im ersten Absatz ein Produkt pitchen.
Wenn ihr als Start-up in den B2B-Markt geht, müsst ihr smarter, menschlicher und vor allem relevanter agieren als die etablierte Konkurrenz.
Hier sind fünf erprobte Sales-Hacks für 2026, die wirklich Türen öffnen
1. Asynchroner Video-Outreach (Das Ende der Text-Wüste)
Wenn ein(e) C-Level-Entscheider*in eine E-Mail öffnet und drei lange Textblöcke sieht, ist diese gedanklich schon gelöscht. Ein personalisiertes Kurzvideo bricht dieses Muster sofort auf.
- Der Hack: Nutzt Tools wie Loom oder Pitch, um ein 60-sekündiges Video aufzunehmen. Zeigt im Hintergrund die Website oder das LinkedIn-Profil eures Leads. Das signalisiert in der ersten Sekunde: Das hier ist keine Massen-E-Mail.
- Die Umsetzung: Kurz und schmerzlos. „Hallo [Name], ich war gerade auf eurer Website und mir ist beim Thema [Problem] etwas aufgefallen. Hier ist ein kurzer Gedanke dazu...“
2. KI für Research, nicht für den Pitch
Viele Start-ups nutzen ChatGPT, um komplette Akquise-E-Mails schreiben zu lassen. Das Ergebnis: Sie klingen wie höfliche, aber seelenlose Roboter. Die Magie von KI im B2B Vertrieb liegt 2026 nicht im Schreiben, sondern im Recherchieren.
- Der Hack: Nutzt KI-Agenten, um in Sekunden den Hintergrund des Gegenübers zu analysieren (aktuelle Pressemitteilungen des Unternehmens, letzte LinkedIn-Posts des CEOs, Jobwechsel im Team).
- Die Umsetzung: Nutzt diese hyper-spezifischen Insights als Aufhänger (Hook) für euren manuell geschriebenen Einzeiler. Der Prospect muss spüren, dass ihr eure Hausaufgaben gemacht habt.
3. Social Selling statt "Pitch-Slap"
Der „Pitch-Slap“ ist die furchtbare Angewohnheit, eine LinkedIn-Kontaktanfrage zu senden und drei Sekunden nach der Annahme einen seitenlangen Sales-Pitch in die Direktnachrichten zu feuern. Das tötet jeden Deal im Keim.
- Der Hack: Beziehung kommt vor Verkauf. Tretet in den Radar des/der Entscheider*in, bevor ihr überhaupt eine Nachricht schreibt.
- Die Umsetzung: Kommentiert (sinnvoll!) zwei bis drei Beiträge des Leads in den Wochen vor der Kontaktaufnahme. Wenn ihr dann die Direktnachricht schreibt, seid ihr bereits ein bekanntes Gesicht im Feed und kein(e) Fremde(r) mehr.
4. Das Trojanische Pferd (Mini-Audits)
Warum sollte ein(e) beschäftigte(r) Manager*in euch 30 Minuten Zeit schenken, nur damit ihr ihm euer Start-up vorstellt? Dreht den Spieß um: Liefert den Mehrwert, bevor ihr überhaupt nach einem Termin fragt.
- Der Hack: Anstatt das Produkt zu pitchen, pitcht ihr eine Lösung für ein sichtbares Problem. Bietet ein kleines, kostenloses Audit an.
- Die Umsetzung: Ein SEO-Start-up schickt eine Kurzanalyse von drei verschenkten Traffic-Potenzialen. Ein HR-Start-up analysiert kurz die Karriereseite des Leads. „Ich habe ein kurzes Dokument mit drei Quick Wins für euren Checkout-Prozess erstellt. Soll ich es rüberschicken?“ Die Antwort-Rate auf diese Frage ist enorm hoch.
5. Multi-Threading im Buying Center
Die Zeit, in der ein(e) einzelne(r) Einkäufer*in im stillen Kämmerlein über B2B-Software für 50.000 Euro entscheidet, ist vorbei. Kaufentscheidungen (Buying Committees) werden 2026 in Gruppen von oft 6 bis 10 Personen getroffen.
- Der Hack: Verlasst euch nie auf nur einen einzigen Ansprechpartner*in (Champion) im Unternehmen. Wenn dieser das Unternehmen verlässt oder blockiert, ist der Deal tot.
- Die Umsetzung: Betreibt konsequentes Multi-Threading. Vernetzt euch parallel mit dem/der Endnutzer*in (Head of Marketing), dem/der Einkäufer*in (Procurement) und dem/der wirtschaftlichen Entscheider*in (CFO). Jede(r) von ihnen braucht eine andere, auf seine KPIs zugeschnittene Argumentation.
Auf einen Blick: B2B Sales Transformation
Die alte Welt (Out) | Die neue Welt (In - 2026) |
KI schreibt die komplette E-Mail | KI recherchiert den perfekten Aufhänger |
Reine Text-E-Mails | Personalisierte 60-Sekunden-Videos |
Direkter Pitch nach Kontaktanfrage | Wertvolle Kommentare & Social Selling |
Fokus auf den eine(n) Entscheider*in | Multi-Threading im gesamten Buying Center |
Fazit
Erfolgreicher B2B Sales im Jahr 2026 ist kein Volumenspiel mehr, sondern ein Relevanz-Spiel. Start-ups, die aufhören, potenzielle Kund*innen wie Einträge in einer Excel-Liste zu behandeln, und anfangen, wie Beratende mit echtem Vorab-Mehrwert aufzutreten, werden die Konkurrenz am ehesten hinter sich lassen.
