Alternativen zur Festanstellung in Start-ups

Autor: Marlene Keller
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Wir zeigen, welche Alternativen zur Festanstellung eines Mitarbeiters Sie als Gründer bzw. Unternehmer haben und nutzen können.

Gründer sollten sich intensiv mit den unterschiedlichen Möglichkeiten an Beschäftigungsverhältnissen auseinandersetzen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung gibt es mehrere Optionen wie Teilzeitarbeit, Leiharbeit und freie Mitarbeit. Diese bieten Jungunternehmern diverse Chancen. So können sie mit einigen Rechtsformen Arbeit flexibler organisieren, sie binden sich nicht langfristig an Mitarbeiter. Für Gründer ist das besonders wichtig, da sie meist über keine stabile Auftrags- und Finanzlage verfügen.

Mit einigen Varianten können sie auch Geld sparen, bei einer freien Mitarbeit müssen sie zum Beispiel nicht die hohen Sozialversicherungsbeiträge stemmen. Zugleich sollten sie sich über die rechtlichen Grenzen informieren. Der Gesetzgeber hat für die unterschiedlichen Formen Schranken gesetzt. Er erlaubt freie Mitarbeit und Kurzarbeit nicht bedingungslos. Zudem müssen Arbeitgeber Pflichten nachkommen, unter bestimmten Voraussetzungen etwa der Zahlung des Mindestlohns an Praktikanten.


Hier erfahren Sie Details zu den alternativen
Beschäftigungsverhältnissen:

Teilzeitarbeit: Vorteilhaft für Unternehmen und Angestellte

Eine Teilzeitbeschäftigung empfiehlt sich, wenn diese den Arbeitsbedarf in einem bestimmten Aufgabenfeld perfekt abdeckt. Viele potenzielle Arbeitnehmer suchen speziell nach solchen Jobs, dazu gehören Alleinerziehende. Grundsätzlich haben Unternehmen eine große Freiheit, es gibt keine genaue Definition für Teilzeitarbeit. Der Begriff bedeutet nur, dass Beschäftigte weniger als Vollzeitbeschäftigte arbeiten. Verbreitet sind Halbtagsjobs. Den Arbeitnehmern stehen die gleichen Rechte wie anderen zu, zum Beispiel beim Kündigungsschutz. Bei der Umsetzung stehen mehrere Varianten zur Auswahl: Die entsprechenden Personen arbeiten jeden Tag weniger oder an bestimmten Tagen voll, dafür an einer geringeren Anzahl an Tagen. Auch flexible Einsatzzeiten sind möglich. Unternehmen müssen die Einsätze spätestens vier Tage zuvor ankündigen, ein Einsatz muss mindestens drei Stunden dauern. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz sieht bei Firmen mit mehr als fünfzehn Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit vor, sofern keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen.

Freie Mitarbeiter beauftragen

Eine große Flexibilität sichern sich Start-ups mit freien Mitarbeitern. Diese führen klar definierte Aufträge auf Entgeltbasis durch. Zu unterscheiden sind zwei Modelle: Bei dem einen Modell errechnet sich das Entgelt nach gearbeiteten Stunden, beim anderen hängt die Vergütung von der erfolgreichen Durchführung einer bestimmten Arbeit ab. Im zweiten Fall kann der Auftraggeber auf Nachbesserung bestehen, wenn das Abgelieferte nicht mit dem Vereinbarten übereinstimmt. Die Details halten beide Seiten in einem Honorarvertrag oder Werkvertrag fest. Bei komplexen Projekten empfehlen sich Zwischenziele mit Teilzahlungen. Der Arbeitgeber hat kaum Verpflichtungen, er muss zum Beispiel keine Sozialversicherungsbeiträge überweisen. Finanzielle Risiken durch Erkrankungen und Anspruch auf Urlaub existieren nicht. Aufpassen müssen Arbeitgeber, wenn der Freelancer ausschließlich für sie arbeitet. Arbeitsrechtlich kann das in Ordnung sein, aber es drohen eventuell Nachzahlungen an die Sozialversicherungen.

Stolperstein Scheinselbstständigkeit vermeiden!

Zwischen freier Mitarbeit beziehungsweise Aufträge an Einzelunternehmern und Scheinselbstständigkeit liegt ein schmaler Grat. Es mangelt an einer klaren rechtlichen Definition, deswegen fehlt es an Rechtssicherheit. Die Behörden und Gerichte führen Einzelfallprüfungen durch, bei denen sie verschiedene Aspekte einbeziehen und eine Gesamtabwägung vornehmen. Ein wichtiger Anhaltspunkt für Scheinselbstständigkeit ist, dass der Auftraggeber umfängliche Weisungen erteilt. Freiberufliche und Selbstständige arbeiten dagegen im Rahmen des Vertrags weisungsungebunden. Zudem können sie sich die Arbeit zeitlich weitgehend frei einteilen, auch beim Arbeitsort sind sie flexibel. Das Gegenteil deutet ebenfalls auf Scheinselbstständigkeit hin. Dabei handelt es sich um bloße Indizien. Eventuell muss jemand am Firmensitz erscheinen, dennoch entspricht die Form den rechtlichen Bestimmungen. Gründer sollten jede Auftragsvergabe genau kontrollieren und sich auf Fachportalen wie www.anwaltarbeitsrecht.com informieren. Gegebenenfalls sollten sie einen Anwalt für Arbeitsrecht konsultieren. Bei Verstößen können sie sich mit Forderungen der Sozialversicherungen konfrontiert sehen, das Vorenthalten der Arbeitnehmeranteile stellt sogar einen Straftatbestand dar. Eine Verletzung der Steuerpflicht kann ebenfalls Konsequenzen zeitigen.

Leiharbeit: vorübergehenden Mehrbedarf decken

Leiharbeit eignet sich perfekt, um flexibel das Personal zu erhöhen. Unternehmen stellen nicht selbst Mitarbeiter an, was bürokratischen Aufwand vermeidet. Sie wenden sich an eine Zeitarbeitsfirma. Diese fungiert als Arbeitgeber, bezahlt den Lohn und die Sozialversicherungsbeiträge. Zusätzlich verantwortet sie die Einhaltung gesetzlicher Pflichten wie die Gewährung des Mindesturlaubs. Unternehmen sollten ausschließlich mit Verleihern kooperieren, welche die erforderliche Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit vorweisen können. Seriöse Firmen halten sich zudem an den allgemeinen Mindestlohn beziehungsweise die tarifvertraglich geregelten Branchen-Mindestlöhne. Als rechtliche Grundlage dient ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag zwischen Verleihern und Entleihern. Jede einzelne Überlassung müssen die beiden Parteien schriftlich fixieren, auch Änderungen wie eine Verlängerung müssen sie dokumentieren. Der Entleiher schließt mit dem Arbeitnehmer keinen Vertrag ab. Dennoch obliegen ihm Pflichten, er muss zum Beispiel die Arbeitssicherheit garantieren.

Praktikanten: der Mindestlohn ist ein Thema

Praktikanten leisten in vielen Unternehmen wertvolle Arbeit, zugleich erhalten sie Einblicke in das jeweilige Arbeitsfeld. Bei Praktika interessiert vor allem, ob Arbeitgeber den gesetzlichen Mindestlohn zahlen müssen. Diesen müssen sie meist überweisen, wenn die Dauer eines Praktikums drei Monate überschreitet. Er lässt aber auch Ausnahmen zu: Pflichtpraktika innerhalb des Studiums zählen dazu, auch bei Minderjährigen ohne Berufsausbildung sind Unternehmen von dieser Regelung befreit. Das Gleiche gilt für eine Einstiegsqualifizierung nach dem Sozialgesetzbuch. Diese Praktika müssen aber immer der Berufsorientierung dienen, Arbeitgeber dürfen die Praktikanten nicht als gewöhnliche Arbeitskräfte einsetzen. Für jedes Praktikum sollten Unternehmen einen Praktikumsvertrag aufsetzen, in dem sie die Aufgaben beschreiben und die Vergütung nennen.

Kurzarbeit: Unterstützung vom Staat in Krisenzeiten

Start-ups kommen hoffentlich nicht in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser. Sollte dies doch geschehen, können sie das Instrument der Kurzarbeit nutzen. Dieses soll verhindern, dass Unternehmen Menschen entlassen. Bei Kurzarbeit reduziert der Arbeitgeber die Arbeitszeit aller Beschäftigten oder eines Teils, sie verzeichnen einen entsprechend geringeren Lohn. Die Arbeitslosenversicherung gleicht 60 % der Nettoentgeltdifferenz aus. Unternehmer sollten sich zuvor vergewissern, dass sie die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen. Die Maßnahme muss ökonomisch begründet und alternativlos sein. Haben die Mitarbeiter einen Betriebsrat gewählt, muss dieser zustimmen. Die Kurzarbeit kann einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten umfassen. Sie ist abzubrechen, sobald die wirtschaftliche Notwendigkeit entfällt. Ansonsten kann die Arbeitslosenversicherung die Firma belangen. Detaillierte Prüfungen finden oftmals erst später statt.


Zum Weiterlesen: Welche neuen Personalregelungen 2017 zu beachten sind, lesen Sie hier.

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