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Victor Hochheiden und Tom Channir haben 2018 den VT-Verlag in Berlin gegründet und fokussieren auf Lifestyle-Themen. Was die jungen Verleger antreibt und wie sie sich in dem umkämpften Verlagswesen behaupten wollen, erfahren wir im Interview mit Co-Gründer Victor.

Die VT-Verlag-Gründer Tom Channir und Victor Hochheiden

Ketzerisch gefragt: Wie kommt man heutzutage auf die Idee, einen Verlag zu gründen, der sich mit Printprodukten befasst?

In den vergangenen Jahren hat sich der Buchhandel – wie jede andere Branche auch – stark gewandelt. Auch wenn die meisten Bücher immer noch über den stationären Handel abgesetzt werden, hat Amazon eine immense Bedeutung. Hier sehen wir sehr viel Potenzial, da viele große Verlage in dieser Hinsicht die Entwicklung doch etwas verschlafen haben. Es gibt viele Bücher, die bei Amazon im Selbstverlag veröffentlicht werden, jedoch oftmals eine sehr minderwertige Qualität aufweisen – wir jedoch setzen den absoluten Fokus auf die Qualität. In der Zukunft werden Bücher im mittleren Preissegment nach und nach verschwinden. Bei sehr einfach gemachten Büchern zum Spottpreis und hochwertigen Coffee-Table-Büchern wird die Nachfrage auch in Zeiten vom Social-Media-Wahn weiter steigen.

Was waren die wichtigsten Schritte von eurer Idee bis zur Verlagsgründung?

Nun ja, zunächst mussten wir natürlich viel Recherche-Arbeit betreiben. Zwar haben wir aufgrund unseres Studiums ein sehr gutes betriebswirtschaftliches Verständnis; mit dem Verlagswesen hatten wir vorher jedoch nicht wirklich etwas zu tun. Ganz wichtig ist natürlich da die Marktanalyse, denn die Konkurrenz schläft nicht. Im weiteren Verlauf kommt dann das Projektmanagement. Schließlich haben wir ein ganz beachtliches Kreativ-Team bestehend aus Autoren, Fotografen, Layoutern, Lektorat, etc. und haben für das Buch u.a. auch mehrere Fotoshootings organisiert – das musste alles koordiniert werden.

Ende April habt ihr euer erstes Produkt, das Handbuch "Gin Inside", auf den Markt gebracht: Wie ist es zu dem Buch-Projekt gekommen?

Tom und ich haben schon seit langem eine Affinität zu Gin. Da es in diesem Bereich noch kein Buch gab, was uns wirklich gut gefallen hat, stand die Entscheidung das erste Buch zum Thema Gin zu realisieren, ziemlich schnell fest. Nachdem wir auch bei weiteren Spirituosen das Potenzial erkannt haben, kam dann auch zeitnah der Entschluss sich auf den Spirituosen-Bereich zu fokussieren.

Die beiden Gründer sehen Gin Inside als "ihre persönliche Reise durch die Welt des Gins". Im Buch finden sich 100 Porträts zu interessanten Gin & Tonic Marken von Finnland bis runter nach Südafrika

Hier das After-Movie der Gin Inside Release-Party vom 30. April 2019

Und was erwartet die Leserinnen und Leser bei der Lektüre von Gin Inside?

Wir sehen Gin Inside als unsere persönliche Reise durch die Welt des Gins. So sind wir das letzte Jahr auf allen möglichen Gin-Events gewesen und konnten so die verschiedensten Sorten probieren und uns auch intensiv mit den Herstellern austauschen. Im Buch finden sich nun insgesamt 100 Porträts zu interessante Gin & Tonic Marken von Finnland bis runter nach Südafrika.

Wichtig war aber auch, dass wir Aspekte aufgreifen, die wir in anderen Büchern so noch nicht gelesen haben. Beispielsweise gibt es eine übersichtliche Anleitung wie man seinen eigenen Gin zu Hause herstellen kann. Dazu haben wir auch extravagante Rezepte sowohl zum Trinken als auch zum Essen mitaufgegriffen. Ich denke, einen Gin-Cocktail mit Wasabi, Soja-Sauce oder auch Kaffee haben bislang die wenigstens getrunken.

Ich habe gelesen, dass ihr "unkonventionelle Vertriebswege" geht – welche sind das?

Wie zu Beginn erwähnt, legen wir einen klaren Fokus auf den Amazon-Vertrieb. Dazu kommen Spirituosen-Fachgeschäfte, da hier Kunden einkaufen, die ebenfalls den Fokus auf Qualität legen und dementsprechend auch bereit sind 29,95 Euro für ein Buch zu zahlen.

Darüber hinaus werden wir in den kommenden Monaten mit unserem Team auf vielen Gin-Festivals und Events vertreten sein. Für uns ist der direkte Kontakt zum Leser überaus wichtig. So bleiben wir immer auf dem Laufenden.

Natürlich ist der stationäre Buchhandel auch für uns ein relevanter Vertriebsweg. Dieser hat im Vergleich zum Online-Handel den Vorteil, dass der Kunde vor dem Kauf das Buch anfassen und sich so von der edlen Haptik überzeugen kann.

Wie habt ihr die Anfangsphase finanziell gestemmt?

Hierfür haben wir auf private Rücklagen zurückgegriffen. Wenn man als Start-up den Ansatz verfolgt, das hochwertigste Buch auf dem Markt herauszugeben, ist es natürlich stets ein Balance-Akt zwischen Qualität und Budget. Hierbei konnten wir glücklicherweise auch auf unterstützende Mittel der Hersteller zurückgreifen.

Und wie entwickelt sich euer Verlagsgeschäft wirtschaftlich?

Wir sind sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung. Derzeit erhalten wir unentwegt Vorbestellungen, ab dem 30. April ist das Buch dann im Handel.

Was sind eure kommenden Pläne?

In den kommenden Monaten werden wir natürlich primär mit dem Verkauf von Gin Inside beschäftigt sein – während jedoch auch schon die ersten Vorbereitungen zu weiteren Spirituosen-Büchern getroffen werden. Darüber hinaus führen wir zurzeit auch Gespräche mit Unternehmen bzgl. Corporate Publishing. Ein ganzes Buch über einen einzigen Spirituosen-Hersteller zu produzieren, ist für uns natürlich auch sehr interessant.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Für uns war es von Tag 1 an überaus wichtig, das oberste Ziel immer im Fokus zu haben: Das beste Gin-Buch auf dem Markt zu publizieren. Es wird immer Menschen geben, die einem Sachen ausreden möchten und einfach ein negatives Mindset haben. Da braucht man Durchhaltevermögen. Dazu ist es wichtig, dass man sich mit Menschen umgibt, die auch nur das Beste für einen wollen. Ich bin davon überzeugt, dass an dem Gedanken „Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du dich am meisten umgibst“ auf jeden Fall etwas dran ist.

Hier geht's zum VT-Verlag

Das Interview führte Hans Luthardt

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