Produkttexte mit Pfiff

Autor: Lukas Böhl
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Insbesondere kleine Onlineshops verschenken häufig Umsatz-Potenzial wegen schlechter Produktbeschreibungen. Daher: In 7 Schritten zu besseren Produkttexten.

Der Arbeitsalltag eines Produkttexters besteht im Wesentlichen darin, mindestens ein Dutzend Mal dasselbe Produkt in anderen Worten zu beschreiben. Im Grunde genommen unterscheidet sich dieses aber nur in Farbe, Form oder Ausführung vom vorherigen und will trotzdem mit einem einzigartigen Text bestückt werden. War es schon beim ersten Mal schwierig genug, die besonderen Eigenschaften des Produktes zu erkennen, so wird es von Text zu Text immer aussichtsloser, bis man lethargisch so überflüssige Sätze wie „Die Kommode verfügt über 2 Schubladen“ oder „Das sind wirklich bequeme Schuhe“ ins Schreibprogramm tippt und sich fragt, wer das Zeug eigentlich kaufen soll.

Kann sich das investorengestützte Online-Unternehmen ein ganzes Texterteam leisten, das den ganzen Tag nichts anderes macht, als Texte zu produzieren, ist es für Einzelkämpfer mit dem frisch gegründeten Onlineshop schwierig, auch noch das Texterhandwerk zu erlernen. Doch weil kleine Shops oft Nischen besetzen und außergewöhnliche Produkte verkaufen, verschenken sie viel Potenzial durch schlechte Produktbeschreibungen. Wir gehen davon aus, dass ihr bereits eine Keywordrecherche durchgeführt und die für euren Shop relevanten Begriffe priorisiert habt. Das sollte eigentlich noch vor der Gründung eines Shops passieren, aber das ist ein anderes Thema.

Gehen wir nun Schritt für Schritt die To do’s durch. Übrigens sollt ihr sie nicht für jedes Produkt so anwenden, das würde viel zu lange dauern, aber sie sollen euch helfen, ein Gefühl für Texte zu bekommen. Das ist wie Fahrradfahren, irgendwann lernt man es und braucht keine Stützräder mehr.

Alles fängt mit einem Bild an

Meistens hat man nicht mehr als das Produktbild und die harten Fakten: Größe, Besonderheiten, Abmessungen, Farbe etc. Aus diesen wenigen Informationen muss man sich nun den Text zusammenschustern.

Schritt 1: Notiere die Besonderheiten

Oftmals erkennst du auf dem Bild noch weitere Eigenschaften, die das Produkt von anderen abheben. Besondere Nähte, Muster, Verarbeitungen, einfach alles, was dir ins Auge fällt. Notiere dir diese Punkte und behalte sie im Hinterkopf.

Schritt 2: Visualisiere das Produkt

Oder besser: Visualisiere dich mit dem Produkt. Wie würdest du in dem Shirt aussehen, wo würdest du hingehen? Wo würdest du das Möbelstück Zu Hause platzieren und was würdest du darauf-stellen? Was würden deine Bekannten und Freunde sagen, wenn sie es zum ersten Mal sehen? Wenn du über eine Wickelauflage schreibst, denke dich in den Verstand eines Babys hinein. Du würdest weich liegen und gleichzeitig nicht über den Rand rollen und runterfallen wollen, oder? Oder nehmen wir an, du schreibst über eine Trittleiter. Wozu würdest du sie einsetzen? Um die Wand zu streichen oder einfach nur um die Topfläche des Kleiderschranks abzustauben? Schreibe all deine Einfälle sofort auf, ganz egal, wie abwegig sie erst mal sein sollten.

Schritt 3: Befrage das Produkt

Versetze dich nun in die Rolle deines Kunden und frage dich, was er von so einem Produkt erwartet. Welche Fragen werden ihm durch den Kopf gehen? Sagen wir, du schreibst über TV-Lowboards. Typische Fragen werden sein „Wie viele Geräte passen ins Fach?“ und „Gibt es einen Ausgang für die Kabel?“ Bei Klamotten und Schuhen ist die Passform wichtig, bei Spielzeugen die Unbedenklichkeit für die Kinder. Ein sehr nützliches Tool, um Kundenfragen herauszufinden, ist AnswerThePublic. Dort gibst du dein Keyword ein und erhältst die Suchanfragen aus Bing und Google in einem übersichtlichen Schaubild dargestellt. Nun hast du einen ganzen Fragenkatalog, der dich bei der Texterstellung unterstützen wird.

Schritt 4: Konstruiere eine Geschichte

Jetzt solltest du ausreichend Material haben, um nun einen informativen, aber vor allen Dingen verkaufsfördernden Text zu verfassen. Der Kunde liest tagtäglich diese nichtssagenden Produkttexte, die wie ein auswendig gelerntes Grundschuldiktat klingen. Also biete ihm Emotionen, verkaufe ihm eine Geschichte, à la: „Ab jetzt freuen Sie sich wieder auf den Feierabend, denn Ihre neue Couch wartet schon sehnsüchtig in Ihrem Wohnzimmer. Lassen Sie sich in ihre weiche Polsterung fallen und seien Sie einfach mal Mensch. Wenn Sie dann genug entspannt haben, laden Sie Ihre Freunde ein, denn die 3 Meter lange Sitzfläche hält Platz für bis zu vier Personen bereit.

Keine Sorge, das Material ist so robust, dass auch die verschüttete Cola Ihrem Filmabend keinen Abbruch tut …“ Das klingt doch viel besser als: „Unsere moderne Couch XY mit bestem Sitzkomfort … überzeugen Sie sich selbst.“ Der Kunde wird tagtäglich mit langweiligen Zahlen und Fakten bombardiert; sei nicht das Tröpfchen, das sein Fass zum Überlaufen bringt. Zieh den Stöpsel und lass ihn atmen. Und dann, wenn er sich sicher fühlt, verkaufe ihm dein Produkt! Wenn du nicht gleich mit deiner Geschichte anfangen kannst, notiere dir Eckpunkte. Ach ja, und lüge den Kunden nicht an.

Schritt 5: Schreibe den Text

Leider kommen wir in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schreiben von Produkttexten nicht um das Schreiben selbst herum. Ich weiß, das Fantasieren und Träumen war viel aufregender, aber jetzt kommt die eigentliche Arbeit. Mit all den Ideen solltest du ein Buch schreiben können. Aber Vorsicht, es ist immer noch ein Verkaufstext, also erschlage deinen Leser nicht mit Informationen. Nimm deine Geschichte aus Schritt 4 und spinne sie mit deinen Attributen aus Schritt 1, 2 und 3 weiter, sodass am Ende der beste Produkttext dabei herauskommt, den du je verfasst hast.

Und wie lange sollte der Text sein? Gehe auf eine Produktseite und zähle einmal alle Wörter, die dort ohne den Produkttext stehen, also Kategorienamen, Menüpunkte etc. Mindestens so lang sollte er sein, denn dann ist es einfacher für die Suchmaschine, den Sinn der Seite zu erfassen. Ein guter Richtwert sind 200 Wörter. Generell solltest du, wenn du versuchst, mit diesem bestimmten Produkt irgendwo in den Topergebnissen zu erscheinen, soviel wie möglich schreiben. Allerdings ist diese Strategie wahrscheinlich zu zeitaufwendig für kleine Shops und das Produkt fällt vielleicht irgendwann aus dem Sortiment. Denke also nicht so sehr an die Suchmaschine, sondern mehr an den Menschen. Gib ihm, was er sucht. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn dein Produkttext mit 150 Wörtern so bombastisch ist, dass du nichts mehr hinzuzufügen hast, dann lasse ihn so stehen. Handelt es sich aber um ein Produkt, von dem du dir sicher bist, dass du damit in den Top 3 ranken kannst, dann versuche ein 1000-Wörter-Monster rauszuhauen.

Schritt 6: Korrekturlesen

Was, ich muss das Ganze auch noch durchlesen, ich hab es doch schon geschrieben? Klar, aber solange du dir kein eigenes Lektorat leisten kannst, musst du leider in den sauren Apfel beißen. So vermeidest du Leichtsinnsfehler, die nachher eventuell über Kauf oder Abbruch entscheiden. Und ich meine damit, du musst es lesen, nicht überfliegen! Zu deiner Unterstützung empfehle ich dir die Internetseite des Duden. Dort gibt es unter anderem eine kostenlose Rechtschreibprüfung mit nützlichen Hinweisen zur Zeichensetzung und Grammatik.

Schritt 7: Gib dem Text Struktur

Gibt es störende Elemente, sind die Sätze zu verschachtelt? Ziehe den Text auseinander und gib ihm Luft. Ein riesiger Textklotz ist weit weniger ansprechend, als ein schön übersichtlicher Text mit Blöcken von ein bis zwei Sätzen, die stimmig einen Gedanken wiedergeben. Unterstreiche wichtige Eigenschaften des Produktes, indem du sie fett hervorhebst. Der Text ist dann übersichtlich, wenn die Hervorhebungen den Sinn schlüssig darstellen. Jemand, der keine Lust hat, den ganzen Text zu lesen, sollte die wichtigsten Informationen schnell finden können. Und da wären wir.Glückwunsch, es ist ein Text!

Wenn es dir mal schwerfällt, an den Nutzen von Produkttexten zu glauben, sage dir: es ist das Verkaufsgespräch der Online-Welt. Ein netter, hilfsbereiter Verkäufer, der sich mit dem Produkt auskennt und dir mit Rat und Tat zur Seite steht, wird dir mit Sicherheit eher die neue Wohnwand aufschwatzen können, als der unmotivierte Kundenschreck mit dem grimmigen Blick. Diese Liste soll dir dabei helfen, die erste Person zu werden. Je öfter du die Methoden anwendest, desto routinierter wirst du werden, bis du schließlich keine Anleitung mehr brauchst und die Texte dir förmlich aus den Fingern fließen. Viel Erfolg, Muße und vor allen Dingen starke Finger!

Der Autor Lukas Böhl ist Online-Marketing-Manager bei More2Home, einem Online-Shop für trendige Möbel.


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