Asset Protection für Start-up'ler

Autor: Dr. Dirk Schauer, Hans Christian Blum
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Wie Gründer frühzeitig ihr Privatvermögen sichern können.

Unternehmertum und ganz besonders Start-up-Unternehmertum ist mit einem hohen unternehmerischem Risiko verbunden. Gelingt der ersehnte Durchbruch und realisiert sich dadurch unternehmerische Erfolg eines größeren Privatvermögens, sollten Unternehmer sich frühzeitig um die Sicherung ihres erarbeiteten Privatvermögens Gedanken machen, um es nicht aufs Spiel zu setzen.

Zwar bieten Kapitalgesellschaften als unternehmenstragende Rechtsform grundsätzlich eine sogenannte Haftungsabschirmung. Im eigentliche Sinne haftet damit aber nur das Gesellschaftsvermögen. Doch diese Barriere wird durch Sicherheitenstellung im Rahmen von Finanzierungen gerade bei Unternehmensgründern oftmals durchbrochen, indem Bürgschaften, Schuldbeitritte, Vollstreckungsunterwerfungen oder dergleichen aus dem Privatvermögen des Gründers erteilt werden.

Neben derartigen Verstrickungen der Vermögenssphären können auch die gesteigerten Risiken einer persönlichen Inanspruchnahme als Geschäftsführer in bestimmten Haftungsfällen dazu führen, dass wirtschaftliche Probleme oder Zwischenfälle im Unternehmen auch das Privatvermögen des Unternehmers gefährden. Ohne entsprechende Vorkehrungen für den Ernstfall, steht die hart erarbeitete private Existenz im Feuer.

Der Unternehmensgründer sollte daher nicht nur darauf achten, Verstrickungen zwischen unternehmerischen Risiken und privater Vermögenssphäre möglichst zu vermeiden, bestenfalls zu beseitigen und Haftungsrisiken zum Beispiel über sog. Directors- and Officers-Versicherungen soweit wie möglich abzusichern. Es lohnt sich vielmehr auch darüber nachzudenken, das Privatvermögen ganz oder teilweise „hinter die Brandschutzmauer“ zu bringen, indem es vom Gründer abgekoppelt wird. Eine solche „Abkopplung“ kann in verschiedener Intensität durch Strukturierung einer vermögensverwaltenden Familienpoolgesellschaft oder durch Einbringung in eine Familienstiftung erfolgen.

Familienpool

Ein „Familienpool“ als rechtlich untechnischer Begriff umschreibt eine vermögensverwaltende Gesellschaft. Bringt der Unternehmer Privatvermögen ein und beteiligt neben sich ein oder mehre Familienmitglieder an dem Familienpool, können im Familienpoolgesellschaftsvertrage verschiedene Schutzvorkehrungen getroffen werden. Sie sorgen dafür, dass ein Zugriff durch Gläubiger des Gründers erheblich erschwert wird. Häufig sieht ein solcher Familienpool vor, dass ein Gesellschafter, dessen Gläubiger in das Pool-Privatvermögen vollstrecken möchten, aus dem Familienpool ausgeschlossen wird. Für sein Ausscheiden erhält der Gesellschafter dann allenfalls eine erheblich reduzierte Abfindung.

In der Folge bleibt das Privatvermögen des Gründers in der Familie und für die Familie weitgehend erhalten und geschützt. Darüber hinaus bietet der Familienpool eine gute Basis, um frühzeitig in eine strukturierte Nachfolgeplanung innerhalb der Familie einzusteigen und das Vermögen in der Familie zu bewahren.

Familienstiftung

Einen noch weitergehenden Schutz bietet die Einbringung von Privatvermögen in eine Familienstiftung. Die besondere Haftungsabschirmung einer Stiftung besteht darin, dass das Vermögen des Gründers bei Übertragung auf die Stiftung vom Gründer losgelöst und auf die Stiftung als eigenständiger Rechtsträger übertragen wird. Das Vermögen gehört dann der Stiftung. Im Ernstfall bleibt das Privatvermögen so vor einem Zugriff der Gläubiger geschützt und für die Familie und deren Versorgung dauerhaft erhalten. Diese vollständige Haftungsabschirmung greift jedoch nur, wenn der Gründer sein Privatvermögen frühzeitig und in einer wirtschaftlich guten Lage in die Stiftung bringt.

Denn: Gläubiger können im Ernstfall eine unentgeltliche Vermögensübertragung, wie zum Beispiel die Einbringung in die Stiftung, innerhalb von vier Jahren angreifen. Bei einer Vermögensübertragung, die mit dem konkreten Ziel der Benachteiligung vorhandener Gläubiger erfolgt ist, gilt eine Frist von zehn Jahren. Der Unternehmer und Gründer ist daher gehalten, die Haftungsabschirmung, auch Asset Protection genannt, frühzeitig zu gestalten und nicht zu warten, bis sich Anzeichen für eine negative Entwicklung abzeichnen.

Mit einer Stiftung lässt sich außerdem auch ein sehr weitgehender Schutz des Familienvermögens vor sonstigen Störeinflüssen aus der Sphäre einzelner Familienmitglieder gestalten, die zum Beispiel bei Scheidungen oder im Erbfall drohen können. Das Stiftungsvermögen ist sowohl vor einem sogenannten Zugewinnausgleichsanspruch geschützt, den der Ex-Ehegatte im Falle einer Scheidung erheben könnte, als auch vor Pflichtteilsansprüchen, die evtentuell Verwandte oder der Ehegatte im Erbfall erheben könnten.

Die Familienstiftung eröffnet Gründern damit bei frühzeitiger Gestaltung die Möglichkeit, Privatvermögen zu schützen. Außerdem bietet sie in besonderem Maße die Möglichkeit, das Familienvermögen über Generationsgrenzen hinweg für die Familie zu erhalten und nach den Vorstellungen des Gründers zu bewahren. Je nach konkreter Situation des Gründers kann auch die Errichtung einer Familienstiftung nach ausländischem Recht, beispielsweise nach liechtensteinischem oder österreichischem Recht, in Betracht kommen, um die Asset Protection zu optimieren und die übrigen Gestaltungswünsche des Gründers bestmöglich zu verwirklichen.

Fazit

Unternehmer und vor allem Start-up-Unternehmer sollten sich frühzeitig mit dem Schutz ihres Privatvermögens auseinandersetzen. Neben der Entflechtung von Haftungsverstrickungen zwischen Unternehmen und Privatvermögen sowie der Versicherung von operativen Haftungsrisiken kann ein wirkungsvoller Schutz des Privatvermögens vor allem durch gezielte Strukturierung unter Einsatz eines Familienpools oder einer Familienstiftung realisiert werden.

Die Autoren
Hans Christian Blum und Dr. Dirk Schauer sind Rechtsanwälte im Bereich Private Clients bei der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland.


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