Kredite für Gründer

Autor: Inga Symann
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Welche Kredite eignen sich für den Start in die Selbständigkeit und was sollen Gründer im Vorfeld der Beantragung wissen und beachten?

Die Geschäftsidee steht – nun stellt sich nur noch die Frage, wie sie finanziert werden kann. Verschiedene Förder- und Finanzierungsprogramme stehen für Gründer zur Verfügung – doch häufig schreckt allein die Fülle an Möglichkeiten von einer intensiveren Betrachtung ab. Abhängig von Geschäftsidee und Gründungsvorhaben können unterschiedliche Arten der Finanzierung in Anspruch genommen werden. Die Frage ist nur: Welche ist die Passende?

Die Gründungsfinanzierung: Eigenkapital vs. Kredit

Ob als Handwerker oder Mediengestalter – wer sich selbstständig machen möchte, benötigt zur Umsetzung des eigenen Traums meist ein gewisses Startkapital. Sobald dieses vorhanden ist, können sich Gründer voll und ganz auf ihr Vorhaben konzentrieren und ihre Geschäftsidee umsetzen. Die erste Frage, die man sich als Existenzgründer daher stellen sollte, ist: Kann die Idee mithilfe von eigenen finanziellen Mitteln umgesetzt werden oder wird fremdes Kapital benötigt?

Entscheidet sich der Gründer für Eigenkapital, ist er zwar niemandem gegenüber verpflichtet. Er hat aber auch bei Zahlungsengpässen deutlich weniger liquide Mittel zum Ausgleich – die Möglichkeit einer Gründungsfinanzierung durch die Bank als „Finanzspritze“ ist in dieser Lage eher unwahrscheinlich, da die Bonität zu gering ist. Entscheidet sich der Gründer für Kredite, hat er auf lange Sicht zwar eine Verpflichtung gegenüber dem Kreditgeber. Gleichzeitig eröffnet er sich damit aber von Anfang an eine überschaubare Zahlungslast aufgrund einer festgelegten Kreditlaufzeit. Eventuelles Eigenkapital kann dann zum Beispiel bei unvorhergesehenen finanziellen Engpässen als Sicherheit im Vorfeld bereits als möglicher Türöffner für einen positiven Kreditbescheid dienen.

Was ist vor der Kreditaufnahme zu bedenken?

Können die Zinslast sowie die Raten von den monatlichen Einnahmen des jungen Unternehmens ausgeglichen werden, steht einer Kreditaufnahme nichts im Weg. Denn damit kann sich ein Gründer das langfristige Wachstum seines Unternehmens sichern und es gleichzeitig wettbewerbsfähig machen. Doch bevor ein Kredit für eine Existenzgründung aufgenommen werden kann, sollte sich der Gründer über folgende Punkte im Klaren sein:

  • Was ist die Geschäftsidee?
  • Gibt es einen Businessplan?
  • Wo soll das Geschäftskonto eröffnet werden?
  • Wie viel Kapital wird benötigt?
  • Welche monatlichen Umsätze sind geplant?
  • Wie hoch können die Kreditraten demnach ausfallen?

Welche Kredite stehen für Gründer zur Auswahl?

Abhängig von der Höhe des benötigten Kredits, gibt es für Gründer verschiedene Modelle für die Finanzierung des Unternehmens. Dazu gehören neben Mikrokrediten für Personen, die von der Bank keine Finanzierung bewilligt bekommen, staatliche Förderprogramme, private Beteiligungsgesellschaften und reguläre Darlehen durch Finanzinstitute. Wer den Entschluss für eine Existenzgründung gefasst hat, sollte sich mit der Existenzgründungsberatung auseinandersetzen. Diese Beratung erfolgt durch einen Coach und die Kosten werden oftmals sogar von den Ländern gefördert.

Mögliche Kredite für Gründer im Überblick:

Kontokorrentkredit

Der Kontokorrentkredit für das Geschäftskonto eignet sich für kurzfristige Laufzeiten. Ähnlich dem Dispositionskredit – kurz Dispo – für Privatkonten handelt es sich um eine Kreditlinie, die flexibel für eventuelle finanzielle Engpässe in Anspruch genommen werden kann. Die Höhe des Kredits beträgt meist einen Monatsumsatz.

Investitionskredit

Hierunter versteht man Bankkredite, die zur Finanzierung von Investitionen für das Unternehmen dienen. Sie sind zweckgebunden, können daher einen günstigen Zinssatz bieten und haben eine Laufzeit über mehrere Jahre – abhängig von den vereinbarten Raten.

Mikrokredit

Erhält ein Unternehmer aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Kredit von der Bank, gibt es die Möglichkeit, einen Mikrokredit zu beantragen. Bis zu einer Höhe von 20.000 Euro und mit einem relativ hohen Zinssatz wird dieser über Gründungszentren, Unternehmensberatungen oder die Bundesländer vergeben.

Günderzuschuss
Ist die Bank von einer Unternehmensidee überzeugt, kann sie für den Gründer Fördermittel aus verschiedenen Förderprogrammen für Gründer und kleine bis mittlere Unternehmen beantragen. Unter anderem gibt es dabei auch rückzahlungsfreie Zuschüsse oder tilgungsfreie Anlaufzeiten.

Private Kreditaufnahme

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen privaten Kreditgeber zu finden. Hierbei vergeben nicht die Banken, sondern Privatpersonen das Geld.

Voraussetzungen für eine Kreditvergabe

Gründer stellen für Kreditgeber bei einer Kreditvergabe aufgrund einer mangelnden Geschäftshistorie grundsätzlich ein großes Risiko dar. Da sie kein regelmäßiges Einkommen beziehungsweise keine regulären Einkommensnachweise oder einen Arbeitsvertrag vorweisen können, fehlt dem Geldgeber die Sicherheit bei einer eventuellen Zahlungsunfähigkeit. Um dennoch bei Banken und anderen Kreditgebern im richtigen Licht zu erscheinen, können sich kompetente Gründer bereits vor einem Bankgespräch gut vorbereiten und einige Dinge abklären:

Der Businessplan

Ohne ihn geht gar nichts. Ein gut ausgearbeiteter und seriöser Businessplan ist die Grundlage für eine Kreditvergabe durch Banken und andere Kreditinstitute. Und auch für den Gründer selbst bietet die Ausarbeitung dieses Plans Vorteile: Er muss sich intensiv mit seinem Unternehmen auseinandersetzen und ist so für ein Gespräch beim Kreditgeber bestens gewappnet. TIPP: Auch ein gut ausgearbeiteter Lebenslauf in Bezug auf die berufliche Vita erleichtert dem Geldgeber bereits die Entscheidung für einen Kredit.

Eigenkapital

Wer ein gewisses Eigenkapital vorweisen kann, hat für eine Kreditvergabe bereits bessere Karten. Dieses wertet die Bank nämlich als Sicherheit und berechnet zudem mit großer Wahrscheinlichkeit einen geringeren Zinssatz für den Kredit.

Bonität

Eine gute Bonität – also eine positive Schufa- oder Creditreform-Auskunft – ist Voraussetzung für die Bewilligung eines Kredits. So besteht für die Geldinstitute eine größere Glaubwürdigkeit, dass der ausgezahlte Betrag auch tatsächlich zurückgezahlt wird.

Weitere Sicherheiten

Als weitere Sicherheiten für Kreditgeber dienen auch Bürgschaften oder Kapitallebens- oder private Rentenversicherungen. Damit kann sich der Gründer zudem bessere Konditionen für einen Kredit durch zum Beispiel niedrigere Zinssätze aushandeln.

Fazit

Damit die großartige Idee eines Gründers Wirklichkeit werden kann, sollte dieser sich in jedem Fall vorab einen Businessplan, eine Kostenaufstellung sowie einen Finanzplan erstellen. Mit dieser Übersicht ist es einfacher, sowohl die Finanzierungsart als auch die Höhe des benötigten Fremdkapitals festzulegen. Eine gute Beratung erleichtert zudem die Entscheidungshilfe und kann helfen, langfristig bares Geld zu sparen.

Die Autorin Inga Symann studierte an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover, hat zwei Jahre in der Werbebranche und mehr als zehn Jahre in der Unternehmenskommunikation eines großen Wohlfahrtsverbandes gearbeitet. Seit 2016 ist sie als Texterin und Lektorin selbstständig und schreibt regelmäßig Ratgebertexte im Fachgebiet Kredite.

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