Rechnungswesen: Kreativ, aber schief?

Autor: Stefan Walther
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Das Rechnungswesen (neu) zu gestalten, ist wie ein Haus zu bauen. Es gilt: Ist der Bauplan falsch, wird das Haus schief. So vermeidest du Schieflagen von Anfang an.

Der erste Gedanke des jungen Unternehmers gilt dem Produkt und dem Markt. Das sollte immer so bleiben. Die Entwicklung des Unternehmens bringt es mit sich, dass es in die Bereiche Funktion, Einkauf, Produktion, Vertrieb, Verwaltung etc. aufgeteilt werden muss. Je nachdem, in welcher Entwicklungsphase das Unternehmen gerade ist – Seed-Phase, Start-up-Phase, Emerging Growth oder Expansion –, kommt diesen Bereichen eine besondere Gewichtung zu. Mit zunehmendem Wachstum werden diese immer umfangreicher und der junge Unternehmer muss Verantwortung abgeben und für die einzelnen Funktionsbereiche jeweils eine Abteilung aufbauen. Der Abteilung Rechnungswesen fällt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn neben der Aufsicht über die Geldangelegenheiten des Unternehmens sollen hier auch die Buchhaltung, die Registratur und das Controlling abgewickelt werden. Zudem greift diese Abteilung in alle anderen Abteilungen des Unternehmens ein oder ist in diesen zumindest präsent.

Dieser Zusammenhang soll anhand des Prozesses der Liquiditätsplanung verdeutlicht werden. Die Liquiditätsplanung ist die planvolle Zusammenführung der Ergebnisse von mindestens vier eigenständigen Prozessen. Diese Planung sollte für dein Unternehmen niemals so wichtig werden, dass sein Fortbestand davon abhängig ist. Die Liquiditätsplanung sollte durch permanente, tägliche Übung eine präzise Routine sein, die 100 Prozent genaue und verlässliche Auskunft gibt.

Daraus ergibt sich, dass du für die Erstellung einer Liquiditätsplanung folgende Instrumente benötigst:

  • Offene-Posten-Liste,
  • erwartete Umsätze anhand des Auftragsbestandes (Plan­umsatz),
  • offene Verbindlichkeiten sowie
  • geplante Kosten.

Jetzt gilt es, diese Instrumente so aufzubauen und zu koordinieren, dass eine Liquiditätsplanung entsteht.

Die Struktur des Rechnungswesens

Rechnungswesen ist primär ein Zusammenspiel aus Buchhaltung und Betriebsdatenerfassung. Beide Bereiche müssen so verknüpft werden, dass du sinnvolle und richtige Werte erhältst. Zudem besteht eine Wirkung nach außen, zum Beispiel mit der Bilanz und der Normierung im Handelsgesetzbuch (HGB) sowie in den Steuergesetzen, und eine Wirkung nach innen mit der Notwendigkeit, Kalkulationen und Kosten zu bestimmen. Dabei orientiert sich die europäische Normierung des Rechnungswesens primär an Kosten und Erträgen sowie am Schutz der Gläubiger*innen, wohingegen die angelsächsische Normierung eher Umsatz und zukünftige Profit-Möglichkeiten zulässt. Beides ist in gewissem Maß richtig und führt zur Frage: Wollen wir nicht alle mit wenig Umsatz den meisten Gewinn erzielen?  Denn wir wissen: Umsatz ist Arbeit, Gewinn ist Steigerung der Lebensqualität!

Externes Rechnungswesen

Mit dem externen Rechnungswesen sind die Ergebnisse aus der Bilanz gemeint, die für externe Interessengruppen wie Banken, Lieferanten, Kunden und Steuerbehörden unter Einhaltung der gesetzlichen Normen wichtig sind. Diese Aufgabe kann sehr gut von einem Steuerberater erbracht werden.

Internes Rechnungswesen

Unter internem Rechnungswesen versteht man die Nutzung der Buchhaltung im Zusammenspiel mit der Betriebsdatenerfassung, um damit Auswertungen für den eigenen Gebrauch zu erstellen, zum Beispiel für die Liquiditätsplanung, die Abweichungsanalyse und die Kalkulation. Das interne Rechnungswesen hilft dir also, unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Das kannst nur du in deinem Unternehmen gestalten.

Betriebsdatenerfassung – die wenig beachtete Größe

Die Betriebsdatenerfassung ist die dritte, wenig beachtete Säule des Rechnungswesens. Hier wird festgelegt, was eine Leistungseinheit kosten soll. Es werden verbrauchte Leistungen und entstandene Halbfertig- und Fertigprodukte erfasst. Das sind messbare Werte. Diese müssen zu den erfassten Kosten auf die richtige Kostenstelle und Kostenart bei der Verbuchung jedes einzelnen Belegs passen.

Es gilt also, das Rechnungswesen so zu strukturieren, dass die Ergebnisse aus der Betriebsdatenerfassung zu den Ergebnissen des Rechnungswesens passen.

Beispiel: Die Kosten pro Kilometer setzen sich aus den gemessenen Fahrleistungen und den Kosten zusammen. Erfassen muss man also die Fahrleistung in Kilometern und die Kosten, die das Auto verursacht. Die Kosten sind dann falsch, wenn die Buchhaltung zum Beispiel Tankbelege falsch zuordnet oder die privat gefahrenen Kilometer nicht erfasst werden. Bei einem Fuhrpark mit 100 Fahrzeugen kann das schon mal passieren.

Der Weg zum internen Rechnungswesen

Vom Steuerberater zum internen Rechnungswesen – hier ist Diplomatie gefragt! Steuerberater*innen leisten in der Anfangsphase eines Start-ups Hervorragendes. Denn es gibt Tausende bürokratische Dinge zu tun. Belaste dich nicht damit. Die Buchhaltung hat am Anfang des Unternehmens hauptsächlich externe Wirkung und ist somit bei Steuerberater*innen in besten Händen. Irgendwann will jedoch der Unternehmer eine tagesaktuelle Liste mit offenen Posten, seine Liquidität in den nächsten vier Wochen bis sechs Monaten planen, seine Kosten zuordnen, eine Kalkulation aufbauen, eine Planung machen und so weiter. Er will sein Unternehmen also in Zahlen abgebildet sehen. Dafür muss er eine aussagekräftige interne Buchhaltung aufbauen und benötigt eine Betriebsdatenerfassung, welche die dazu passendenden Werte liefert.

Überzeuge deine Steuerberatung

Steuerberater*innen können diese Aufgabe einer aussagekräftigen internen Buchhaltung kombiniert mit dem Controlling nicht mehr erfüllen. Ganz einfach deshalb, weil sie als Externe von den täglichen Geschehnissen und der notwendigen richtigen Zuordnung der Belege zu weit weg sind. Allein schon die Zeitspanne zwischen der Abgabe der Belege beim Steuerberater am Monatsende bis zu deren Auswertung am Ende des folgenden Monats ist zu lang. Für Steuerberater*innen erschließen sich jedoch neue Beratungsfelder, die hauptsächlich in der Darstellung der externen Buchhaltung mit ihren Anforderungen an Handels- und Steuerrecht liegen sowie in der strategischen Beratung.

Struktur des internen Rechnungswesens

Die Anforderungen an das interne Rechnungswesen sind unbegrenzt. Es gibt unendlich viele Instrumente, aber nur wenige sind für die Steuerung deines Unternehmens wichtig. Es gibt Standardinstrumente, die unbedingt angewandt werden müssen und andere, die nur für dieses Unternehmen wichtig sind. Hier gilt: Die Struktur der einzelnen Instrumente muss aufeinander abgestimmt sein. Es gibt eine Hierarchie, wie welche Instrumente aufeinander aufbauen. Daran solltest du dich unbedingt halten.

Ein Beispiel: Eine Proficenter-Rechnung kann erst dann installiert werden, wenn die Struktur in externer und interner Buchhaltung richtig gelegt ist und die Verrechnungspreise stimmig sind.

Die wichtigsten grundlegenden Instrumente sind eine unternehmenseigene Struktur der Konten der Buchhaltung und die Kostenarten- sowie Kostenstellen-Rechnung. Sind in diesen Instrumenten strukturelle Fehler enthalten, ist das ganze zukünftige Gebäude der Kostenrechnung in Gefahr. Sind die Strukturen stimmig und richtig gesetzt, können zum Beispiel die Liquiditätsplanung und die Budgetierung aus derselben Struktur entwickelt werden. Liquiditätsplanung und Budgetierung passen dann auf ein Blatt Papier.

Abstrakt betrachtet, haben die einzelnen Instrumente folgende Ziele (die nachfolgende Aufzählung ist nur unvollständig):

Zeitreihen aus Vergangenheit und Zukunft

  • über das ganze Unternehmen oder
  • über bestimmte Segmente,
  • Produktgruppen,
  • Verkaufsgebiete etc.,
  • Umsätze nach Produktgruppen,
  • Gegenüberstellung von Vergangenheit-Ist-Plan.

Kalkulationssätze

  • Stundensatz.
  • Materialeinsatz.
  • Lohnstückkosten.
  • Gemeinkosten.
  • Vertriebskosten.

Gruppierungen zu

  • Produkten,
  • Verkaufsgebieten,
  • Rohstoffen,
  • Dienstleistungen.

Kennzahlen

  • für die tägliche Information: offene Posten, Auftrags­bestand, geleistete Stunden etc.
  • langfristige Kennzahlen wie Warenbestand, Auftrags­bestand, Forschung und Entwicklung etc.

Auswertungen für externe Interessent*innen

  • Steuererklärungen,
  • statistische Meldungen.

Geeignete Strukturen finden und umsetzen

Oft fällt es schwer, Strukturen zu entwickeln, die im Rechnungswesen ein genaues Abbild des Unternehmens darstellen. Das Problem besteht darin, unter Berücksichtigung der Regeln der abstrakten Betriebswirtschaft das individuelle Rechnungswesen zu entwickeln und gleichzeitig die Anforderungen aus der externen Buchhaltung (z.B. steuerliche Vorschriften) zu erfüllen. Oder anders ausgedrückt: Wie kann der Produktionsablauf im Rechnungswesen so dargestellt werden (internes Rechnungswesen), dass die Buchhaltung die externe Wirkung erfüllt und zudem die Grundlage zur Berechnung von z.B. Kalkulationssätzen sein kann? Welche Instrumente sind notwendig, wenn sich ein Start-up zum Beispiel mit der Gewinnung von Blutplasma befasst oder Bekleidung aus Stoffbahnen schneidet oder Silber für hochreflektierende Metallbahnen verdampft oder Programmierleistungen erbringt?

Das Bestimmen der Lohnkosten ist relativ einfach, schwieriger ist es, den Maschinenstundensatz zu bestimmen. Man denke hier an die Kosten der Stromerzeugung bei Windkraftanlagen: 80 Prozent der Kosten sind fix, der Wind weht aber unterschiedlich stark. Oder: Wie bestimmt man den Wert angefangener Programmierleistungen? Diese liegen im Computer und lassen sich im Gegensatz zu Lagerbeständen schlecht messen oder zählen. Möglich ist dies ist dann, wenn die wesentlichen Einflussgrößen der betrieblichen Praxis in die abstrakte Lehre der Betriebswirtschaft übertragen werden und daraus eine überschaubare Struktur mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten des Rechnungswesens wird. Dies beginnt zum Beispiel mit einem Kontenrahmen, der auf das Unternehmen abgestimmt ist und der geeigneten Definition der Kostenarten- und Kostenstellenrechnung.

Die größten Stolperfallen

Um Fehler zu vermeiden, muss man wissen, dass sich Rechnungswesen letztendlich nur in einem zweidimensionalen Raum abspielt: Alle Tabellen haben zwei Achsen: die X- und die Y-Achse. Selten ist es möglich, unter Beibehaltung einer Struktur (einer Achse) zwei und mehr Tabellen zu generieren. Dreidimensionale Darstellungen können schnell sehr unübersichtlich werden. Zudem ist strikt darauf zu achten, dass die verwendeten Begriffe immer die gleichen Inhalte haben. Zum Beispiel bieten ERP-Systeme oft Funktionen, die unterschiedliche Grundlagen fordern. Das Umsatzkostenverfahren braucht eine andere Struktur im Kontenrahmen als das Gesamtkostenverfahren. Es sind zwei unterschiedliche Betrachtungen:

  • Umsatzkostenverfahren: Gewinn = Umsatz – Kosten des Umsatzes;
  • Gesamtkostenverfahren: Gewinn = Umsatz – (Material­einsatz + Gemeinkosten).

Ein häufiger Fehler ist auch die sog. Buchungshygiene, also die unrichtige Verbuchung der Belege in falschen Konten und Kostenstellen. Ein weiterer Fehler ist das partielle Vertauschen der Struktur in einer Tabelle. Ein typisches Beispiel ist das Vertauschen von Kostenstellen und Kostenarten im Betriebsabrechnungsbogen. Ein Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: „Kosten pro Kilometer“ – die X-Achse stellt die Kosten dar, die Y-Achse die gefahrenen Kilometer. Was passiert, wenn im Bereich von 70 bis 130 km die Achsen vertauscht werden?  Das Ergebnis heißt dann in diesem Bereich Kilometer pro Kosten. Können wir mit dieser Aussage etwas anfangen? In Amerika wäre das selbstverständlich „miles per gallon“.

Gefahren bei der Einführung

Der Prozess der Gestaltung des Rechnungswesens wird unterschätzt. Häufig passieren hier folgende Szenarien: Wer soll das Rechnungswesen gestalten? Der junge Unternehmer ist zunehmend mit den Auswertungen des Steuerberaters unzufrieden. Beide beschließen, einen Buchhalter einzustellen. Ein Buchhalter soll die oben beschriebenen Strukturen im Unternehmen aufbauen. Damit sind selbst exzellente Buchhalter überfordert, weil für den Aufbau der richtigen Struktur ein „Gestalter“ des internen Rechnungswesens notwendig ist, der die Struktur der Buchhaltung (externes Rechnungswesen) nicht auf den notwendigen Anforderungen der Steuergesetzgebung aufbaut, sondern diese gesetzeskonform an die Struktur des Unternehmens anpasst.

Außerdem setzt sich der Geschäftsführer rechtlichen Problemen aus. Ein Beispiel: Das Unternehmen hat sehr gut verdient und zahlt entsprechend Steuern. Die Steuervorauszahlungen werden nach oben angepasst. Im Folgejahr sind gleichbleibende Umsätze prognostiziert, jedoch verzögert ein Großkunde die Abnahme eines Auftrags. Zur Sicherung der Liquidität muss nun frühzeitig eine Anpassung der Steuervorauszahlung erfolgen. Doch dafür ist eine Liquiditätsplanung notwendig.

Ein weiterer Gefahrenpunkt ist die Zeitschiene bei der Einführung des internen Rechnungswesens. Das erste halbe Jahr wird benötigt, um die Grundstrukturen zu schaffen, die Gesamt­idee zu entwickeln, die Buchhaltung anzupassen, laufende Reportings zu integrieren, das IT-System kennenzulernen etc. Aus Sicht des Unternehmens ist in dieser Zeit aber nichts Greifbares passiert bzw. ist das, was man eigentlich erreichen wollte, noch nicht vorhanden.

Risiken

Für Unternehmensgründer*innen, die nicht selten einen rein technischen Hintergrund haben, kann Rechnungswesen ein Buch mit sieben Siegeln sein. Die Logik, von Soll nach Haben zu Buchen und das Bestimmen des Gewinns anhand des Vermögensvergleichs in einer Zeitperiode sind sehr verwirrend. Hinzu kommt ein Begriffs-Wirrwarr: Gleiche Sachverhalte werden oft unterschiedlich bezeichnet. Das führt zu Missverständnissen und letztlich zu Misstrauen. Der beauftragte „Gestalter“ muss genug Empathie haben, um alle Mitarbeitenden abzuholen, und er muss ihnen die neuen Strukturen so erklären, dass sie akzeptiert werden.

Ein weiterer Aspekt ist die notwendige Veränderung der bestehenden Struktur bzw. der Umgang mit daraus entstehenden Altlasten. Denn der Einfluss des Festhaltenwollens ist enorm. Es ist viel Überzeugungsarbeit vonnöten, wenn es einen neuen Kontenrahmen zu vermitteln gilt, ein neues Modell zur Bewertung der Bestände gibt oder die Tatsache kommuniziert werden muss, dass Cashflow-Betrachtung (Analyse der vergangenen Zahlungsströme) und Liquiditätsplanung (zukunftsorientierte Planung der Zahlungsströme) nicht das Gleiche sind.

Wichtig: Zuerst die Pflicht und dann die Kür. Der „Gestalter des Rechnungswesens“ muss Nein sagen dürfen, wenn der Wunsch des Unternehmers nach einer bestimmten Auswertung bezüglich des sich aufbauenden, ineinandergreifenden Instrumentariums des Rechnungswesens noch nicht möglich ist.

Fazit

Die Entwicklung eines für dein Unternehmen geeigneten internen Rechnungswesens ist ein aufwändiger Prozess. Sie erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl seitens des „Gestalters“ sowie den Mut, die Struktur für ein gesamtheitliches Rechnungswesen aufzuzeigen. Zudem ist die Bereitschaft gefragt, sich verändern zu wollen und dem „Gestalter“ das notwendige Vertrauen zu schenken. Außerdem ist es wichtig, erst einmal das Fundament des Rechnungswesens zu legen, um dann die Stockwerke, die einzelnen Instrumente des Rechnungswesens, Stück für Stück aufzusetzen – alles Weitere kommt von allein. Ob das Fundament richtig gelegt ist, zeigt sich in der Regel erst, wenn der erste Stock aufgesetzt wird.

Start-ups nehmen sich meist zu viel in zu kurzer Zeit vor oder werden von der Marktentwicklung überrannt. Wichtig ist, die grundlegenden Instrumente konsequent richtig zu gestalten. Das kostet am Anfang Zeit, macht sich aber bezahlt, wenn die folgenden Stockwerke aufgesetzt werden. „Gut Ding will Weile haben“ und „Weniger ist mehr“ sei hier geraten.

Wenn du dich dann mit den ersten Auswertungen in der Hand fragst: Warum haben wir das nicht schon immer so gemacht?, haben alle gut zusammengearbeitet. Es ist ein natür­liches Abbild der Werteflüsse des Unternehmens in Zahlen entstanden, dessen Aussagen leicht verständlich und nachvollziehbar sind. Es ist eine Entscheidungshilfe entstanden.

Der Autor Stefan Walther ist Betriebswirt und seit 20 Jahren in schnell wachsenden Unternehmen mit dem Aufbau von Rechnungswesen beschäftigt. Zudem ist er seit Jahren Tutor für Businesspläne bei BayStartUP, Waltherste@gmx.de.de

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Liquidität aus dem Fuhrpark: Wie Gründer mit dem Beleihen ihres Autos kurzfristig Liquidität sichern

Sie brauchen als Gründer schnell Geld und ein Bankkredit dauert zu lange? Eine pragmatische Lösung ist, das eigene Auto zu beleihen: Sie übergeben Ihr Fahrzeug einem staatlich geprüften Pfandkredithaus als Sicherheit, erhalten kurzfristig Bargeld und lösen das Pfand nach wenigen Wochen oder Monaten wieder aus. So sichern Sie sich Liquidität, ohne das Auto zu verkaufen und ohne langfristige Kreditverpflichtung.

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Banken bewerten Gründer nach Bonität, Sicherheiten und Historie. Genau diese drei Punkte fehlen in den ersten Geschäftsjahren häufig. Ein Betriebsmittelkredit setzt belastbare Jahresabschlüsse voraus, ein KfW-Programm kann in der Antragsphase mehrere Wochen dauern, und ein Kontokorrent ist bei jungen Unternehmen häufig nur niedrig gedeckelt. In einer akuten Situation – etwa wenn ein Lieferant Vorkasse verlangt oder eine Steuerzahlung fällig wird – nützt Ihnen eine Zusage in einigen Wochen wenig.

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Das eigene Fahrzeug als stille Reserve

Ein Auto ist für viele Selbstständige ein wesentlicher Vermögenswert. Im Gegensatz zur Immobilie lässt es sich aber schnell und ohne Grundbuchänderungen als Sicherheit nutzen. Ein Pfandkredit funktioniert dabei nach einem einfachen Prinzip: Sie übergeben Ihr Fahrzeug einem staatlich geprüften Pfandkredithaus als Pfand und erhalten im Gegenzug einen Geldbetrag, der sich am Marktwert des Fahrzeugs orientiert. Nach Rückzahlung der Pfandsumme zuzüglich Gebühren und Zinsen wird Ihnen das Auto zurückgegeben.

Rechtlich ist der Ablauf in der Pfandleiherverordnung geregelt. Das schafft Transparenz bei den Kosten: Vorgesehen sind ein regulierter Zinssatz von 1 % des Darlehensbetrags pro Monat sowie pauschalierte Gebühren für Aufbewahrung, Versicherung und Verwaltung. Eine Schufa-Abfrage findet in der Regel nicht statt, weil kein klassischer Kredit vergeben, sondern ein Pfandvertrag geschlossen wird. Für Gründer mit dünner oder belasteter Bonitätsakte ist das ein entscheidender Punkt.

Wann sich der Pfandkredit für Gründer wirklich rechnet

Der Pfandkredit ist kein Ersatz für eine solide Unternehmensfinanzierung. Er ist ein Werkzeug für klar abgegrenzte Situationen. Sinnvoll ist er typischerweise dann, wenn:

  • eine Forderung in absehbarer Zeit (Wochen bis wenige Monate) eingehen wird und die Lücke überbrückt werden muss,
  • ein konkreter Auftrag vorfinanziert werden soll, dessen Marge die Pfandkosten klar übersteigt,
  • eine Steuernachzahlung, eine Kaution oder eine Materialbestellung kurzfristig gedeckt werden muss,
  • ein Bankkredit zwar zugesagt, aber noch nicht ausgezahlt ist.

Weniger geeignet ist das Modell, wenn die Liquiditätslücke struktureller Natur ist. Wer dauerhaft mehr ausgibt, als das Unternehmen einnimmt, löst mit einem Pfandkredit das Problem nicht, sondern verschiebt es – und verliert im schlimmsten Fall das Fahrzeug.

Welche Fahrzeuge infrage kommen

Beliehen werden können nicht nur PKW. Spezialisierte Pfandkredithäuser nehmen auch Nutzfahrzeuge, Anhänger, Baumaschinen, Landmaschinen, Wohnwagen und Wohnmobile, Motorräder, Boote und Oldtimer an. Gerade für Handwerksbetriebe, Bauunternehmen oder landwirtschaftliche Gründer ist das relevant: Ein zweites Nutzfahrzeug oder eine selten genutzte Maschine kann für die Dauer der Pfandlaufzeit Liquidität freisetzen, ohne den laufenden Betrieb zu stören.

Die Höhe der Pfandsumme richtet sich nach dem realistisch erzielbaren Marktwert des Fahrzeugs – nicht nach dem Wunschpreis und auch nicht nach einem reinen Listenwert auf dem Papier. Seriöse Anbieter prüfen den Zustand vor Ort und nennen Ihnen eine konkrete Summe, bevor der Vertrag geschlossen wird.

Die Option „Weiterfahren“ – wenn das Auto im Tagesgeschäft gebraucht wird

Für viele Gründer ist das Fahrzeug ein wichtiges Arbeitsmittel. Beim klassischen Kfz-Pfandkredit bleibt das Auto während der Laufzeit in der Regel beim Pfandleiher. Angebote, bei denen Kunden nach Auszahlung weiterfahren dürfen, sind daher häufig keine klassische Pfandleihe, sondern gesonderte Modelle wie Sale-and-Rent-Back.

Hier sollten Gründer besonders genau auf die Gesamtkosten achten. Neben Zinsen und Gebühren können zusätzliche Nutzungsentgelte entstehen. Für einen Handwerker, der ohne Transporter keinen Umsatz macht, kann eine solche Lösung kurzfristig sinnvoll sein – aber nur als Überbrückung und nach genauer Prüfung der Vertragsbedingungen.

So gehen Sie als Gründer strukturiert vor

Damit aus der Notlösung kein teures Provisorium wird, lohnt sich ein nüchterner Prozess:

  1. Lücke quantifizieren: Welcher Betrag wird wann benötigt, und ab wann fließt wieder Geld ins Unternehmen?
  2. Laufzeit realistisch planen: Pfandkredite laufen üblicherweise einige Monate und lassen sich verlängern. Je kürzer die Laufzeit, desto geringer die Gesamtkosten.
  3. Angebot schriftlich einholen: Seriöse Anbieter nennen Pfandsumme, Zinsen und Gebühren vor Vertragsabschluss transparent.
  4. Anbieter prüfen: Eine gewerberechtliche Erlaubnis als Pfandleiher, Mitgliedschaft im Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes e.V. sowie unabhängige Zertifizierungen und Bewertungen sind belastbare Indikatoren.
  5. Rückzahlung absichern: Die Tilgung sollte aus einem konkret absehbaren Geldeingang erfolgen, nicht aus „irgendwann“.

Rechtliche und steuerliche Einordnung

Ein Pfandkredit ist kein klassisches Verbraucherdarlehen, sondern beruht auf einem Pfandvertrag in Verbindung mit der Pfandleiherverordnung. Das hat praktische Konsequenzen: In der Regel entsteht kein Eintrag bei der Schufa. Wird das Pfand nicht ausgelöst, verwertet das Pfandhaus es nach den Vorgaben der Pfandleiherverordnung, und ein eventueller Mehrerlös steht Ihnen als Pfandgeber zu.

Steuerlich gilt: Wird ein betrieblich genutztes Fahrzeug beliehen, sind die Pfandgebühren und Zinsen in der Regel als Betriebsausgaben abzugsfähig. Bei gemischter Nutzung empfiehlt sich eine kurze Rücksprache mit Ihrem Steuerberater, um die Aufteilung sauber zu dokumentieren.

Fazit: Ein Werkzeug, kein Allheilmittel

Das Beleihen des eigenen Fahrzeugs ist für Gründer eine pragmatische Option, um kurzfristige Liquiditätslücken zu schließen – schnell, in der Regel ohne Schufa-Eintrag und ohne langfristige Bindung.

Wer den Pfandkredit als das einsetzt, was er ist, nämlich als gezielte Überbrückung mit klarem Rückzahlungsplan, gewinnt Handlungsfähigkeit in genau den Wochen, die über Aufträge und Wachstum entscheiden. Wer ihn dagegen als Dauerlösung missversteht, riskiert sein Arbeitsgerät. Wie bei jedem Finanzierungsbaustein gilt: die Kosten gegen den konkreten Nutzen rechnen, einen seriösen, staatlich geprüften Anbieter wählen und die Rückzahlung an einen realen Geldeingang koppeln.

Altersvorsorge für Selbständige – Wege zur finanziellen Sicherheit im Ruhestand

Immobilien, Rente, Fonds und Versicherungen: So planen Selbständige finanzielle Sicherheit im Ruhestand.

Die Selbständigkeit eröffnet Freiräume, verlangt aber finanzielle Disziplin. Wer ein Unternehmen aufbaut, muss Rücklagen, Absicherung und Ruhestand mitdenken. Eine tragfähige Altersvorsorge verbindet mehrere Bausteine und passt sie an Einkommen und Lebensphase an.

Immobilie als Altersvorsorge – Eigentum, das im Ruhestand entlastet

Eine Immobilie zählt zu den greifbarsten Formen der Altersvorsorge. Ist das Eigenheim bis zum Ruhestand abbezahlt, sinken die monatlichen Wohnkosten, weil keine Miete mehr anfällt. Selbständige schaffen damit einen Vermögenswert, der unabhängig vom Tagesgeschäft Bestand hat und langfristig an Wertsteigerung gewinnen kann.

Finanzierung solide durchrechnen

Entscheidend ist eine realistische Kalkulation. Kaufpreis und Nebenkosten stehen am Anfang. Hinzu kommen Eigenkapital, Zinsbindung und Tilgung. Auch Instandhaltung und Rücklagen gehören in die Rechnung.

Ein Baufinanzierungs-Vergleich hilft, Konditionen, Laufzeiten und Tilgungssätze strukturiert zu prüfen. Baufi24 etwa vergleicht nach eigenen Angaben Angebote von mehr als 500 Finanzierungspartnern und verbindet digitale Prozesse mit persönlicher Beratung. Das ist für Selbständige wichtig, weil Banken ihre Einkommenssituation meist genauer prüfen als bei Angestellten.

Bonität und Liquidität früh vorbereiten

Selbständige sollten eine Immobilienfinanzierung rechtzeitig vorbereiten. Banken prüfen nicht nur den Gewinn, sondern auch dessen Stabilität. Ein hoher Umsatz reicht dafür nicht aus. Mehrjährige Einnahmen, eine geordnete Buchhaltung und private Rücklagen verbessern die Ausgangslage.

Für Gründer, Freiberufler und junge Unternehmer gilt: Eine realistische Rate schützt vor finanzieller Überlastung. Die Finanzierung sollte Steuernachzahlungen, schwächere Geschäftsmonate und Investitionen berücksichtigen. Auch eine vermietete Wohnung oder eine kleine Gewerbeimmobilie kann zur Vorsorgestrategie passen, wenn Standort, Finanzierung und Mietrisiko nüchtern bewertet werden.

Gesetzliche Rentenversicherung – Basisabsicherung mit klaren Grenzen

Die gesetzliche Rentenversicherung gilt für Selbständige nicht einheitlich. Einige Berufsgruppen sind bereits pflichtversichert, etwa bestimmte Handwerker, Künstler, Hebammen, Lehrkräfte oder arbeitnehmerähnliche Selbständige. Andere können freiwillige Beiträge zahlen oder auf Antrag in die Pflichtversicherung wechseln.

Aktuelle Rechtslage richtig einordnen

Die Altersvorsorgepflicht für Selbständige bleibt ein politisches Thema. Eine allgemeine Pflicht für alle Selbständigen gilt derzeit nicht. Deshalb sollte jede Vorsorgeplanung den eigenen Versicherungsstatus klären. Wer pflichtversichert ist, muss Beiträge fest einplanen.

Die gesetzliche Rente bietet lebenslange Zahlungen und verlässliche Regeln. Sie schafft eine Basisabsicherung, ersetzt aber bei vielen Selbständigen keine zusätzliche Vermögensbildung. Ihr Vorteil liegt in der Planbarkeit, ihre Grenze in der geringen Flexibilität.

Rürup-Rente – steuerlich geförderte Basisrente mit festen Regeln

Die Rürup-Rente ist eine private Form der Altersvorsorge, die vor allem für Selbständige entwickelt wurde. Beiträge können steuerlich geltend gemacht werden, die spätere Rente wird nachgelagert besteuert. Dadurch kann das Modell für Menschen mit höherem Einkommen interessant sein.

Förderung gegen eingeschränkte Flexibilität abwägen

Diese Förderung hat eine klare Einschränkung: geringe Flexibilität. Das Kapital lässt sich in der Regel nicht frei entnehmen, frei vererben oder als Einmalbetrag auszahlen. Die Rürup-Rente eignet sich daher eher als langfristiger Sicherheitsbaustein, nicht als liquide Reserve.

Private Rentenversicherung – mehr Spielraum bei Auszahlung und Beiträgen

Private Rentenversicherungen bieten mehr Flexibilität als die Rürup-Rente. Versicherte können häufig zwischen lebenslanger Rente, Kapitalauszahlung oder Mischformen wählen. Auch Zuzahlungen, Beitragsänderungen und Hinterbliebenenschutz lassen sich tarifabhängig regeln.

Vertragskosten und Auszahlungsoptionen prüfen

Der steuerliche Vorteil fällt in der Ansparphase meist geringer aus. Dafür bleibt mehr Verfügbarkeit erhalten. Für Selbständige mit schwankenden Einnahmen ist diese Flexibilität wertvoll. Bei der Wahl zwischen Rürup-Rente und privater Rentenversicherung zählen vor allem diese Punkte:

  • Die Rürup-Rente bietet steuerliche Vorteile, bindet das Kapital aber langfristig.
  • Die private Rentenversicherung bleibt flexibler, erhält jedoch weniger Förderung.
  • Beide Modelle unterscheiden sich bei Kosten, Anlageform, Garantien und Flexibilität.
  • Hinterbliebenenschutz sollte vertraglich sauber geregelt werden.

Die private Rentenversicherung eignet sich als ergänzender Baustein. Hohe Abschlusskosten, unklare Garantien und schwache Fondsoptionen können die Rendite belasten.

ETF-Sparplan und Depot – Renditechancen mit Eigenverantwortung

Ein breit gestreutes Wertpapierdepot bietet langfristige Renditechancen. ETFs auf globale Aktienmärkte ermöglichen eine kostengünstige und transparente Geldanlage. Selbständige können Sparraten an ihre Ertragslage anpassen und Sonderzahlungen leisten, wenn das Geschäftsjahr gut läuft.

Schwankungen bewusst einplanen

Der Nachteil liegt in Kursschwankungen. Ein Depot braucht Zeit, Disziplin und Risikobewusstsein. Wer kurz vor dem Ruhestand verkaufen muss, kann ungünstige Marktphasen treffen. Deshalb sollte der Aktienanteil mit zunehmendem Alter überprüft und bei Bedarf reduziert werden.

Ein Depot ist kein Rentenversprechen, sondern ein Vermögensbaustein. Es passt zu Unternehmern, die langfristig denken, ihre Zahlen kennen und Schwankungen aushalten.

Versicherungen – Absicherung vor Vermögensaufbau

Ein Vorsorgeplan bleibt lückenhaft, wenn existenzielle Risiken offenbleiben. Berufsunfähigkeit, längere Krankheit und Haftungsfälle können ein aufgebautes Vermögen stark belasten. Deshalb gehört Risikoschutz vor Renditeoptimierung.

Existenzielle Risiken systematisch absichern

Wichtige Prüfbereiche sind:

  • Krankenversicherung und Krankentagegeld
  • Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsabsicherung
  • Private Haftpflicht und Berufshaftpflicht
  • Risikolebensversicherung bei Familie oder Darlehen
  • Notfallvollmachten und Nachlassplanung

Diese Absicherung erzeugt keine Rendite. Sie schützt aber davor, dass existenzielle Risiken die Altersvorsorge gefährden.

Liquiditätsreserve – Puffer für schwierige Phasen

Die Altersvorsorge braucht frei verfügbares Geld für schwierige Phasen. Eine solide Reserve verhindert, dass langfristige Anlagen vorzeitig verkauft oder Verträge ungünstig beendet werden müssen. Private und betriebliche Liquidität sollten getrennt bleiben. Drei bis sechs Monatsausgaben gelten vielen Finanzplanern als Orientierung.

Diese Reserve gehört nicht in risikoreiche Anlagen. Tagesgeld oder kurz laufende sichere Anlagen passen besser, weil das Geld verfügbar bleibt. Der Puffer hilft, wenn Kunden später zahlen, Aufträge ausfallen oder unerwartete Kosten entstehen.

Unternehmenswert – der Betrieb als Vorsorgebaustein

Viele Selbständige sehen ihr Unternehmen als Teil der Altersvorsorge. Das kann funktionieren, wenn das Geschäftsmodell verkäuflich bleibt. Dafür braucht ein Betrieb klare Prozesse, stabile Kundenbeziehungen, wiederkehrende Umsätze und eine zweite Führungsebene. Hängt alles an der Gründerperson, sinkt der Verkaufswert.

Unternehmer sollten früh prüfen, ob ihr Betrieb später Einnahmen ohne volle persönliche Auslastung liefern kann. Wiederkehrende Verträge, digitale Produkte, Lizenzen oder Beteiligungsmodelle reduzieren diese Abhängigkeit.

Steuerplanung – was am Ende wirklich bleibt

Altersvorsorge hängt nicht nur von Rendite und Förderung ab. Steuern beeinflussen Einzahlungen, laufende Erträge und spätere Auszahlungen. Rürup-Verträge, gesetzliche Rentenbeiträge, Versicherungen, Immobilienerträge und Kapitalerträge folgen unterschiedlichen Regeln.

Eine gute Planung betrachtet, was nach Steuern und Kosten bleibt. Steuerliche Förderung ist hilfreich, ersetzt aber kein gutes Produkt. Selbständige sollten Steuerberatung, Finanzplanung und Liquiditätsplanung verbinden. Steuerliche Vorteile sollten zur Vorsorge passen und die unternehmerische Flexibilität erhalten.

Fazit – Planung schafft finanzielle Stabilität

Altersvorsorge für Selbständige funktioniert am besten als abgestimmte Strategie. Gesetzliche, private und betriebliche Vorsorgebausteine erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Immobilien können den Mix ergänzen, wenn Finanzierung, Eigenkapital und Belastung realistisch kalkuliert werden. Baufi24 kann dabei Orientierung geben, wenn Konditionen und Anbieterbreite verglichen werden sollen.

Entscheidend ist ein Plan mit klaren Prioritäten: Risiken absichern, Rücklagen aufbauen und langfristig Vermögen entwickeln. Wer früh plant, Kosten prüft und die Vorsorge regelmäßig anpasst, schafft gute Voraussetzungen für seine finanzielle Sicherheit im Ruhestand.

Crowdfunding-Plattformen im Vergleich 2026

Wer als Start-up frisches Kapital sucht, muss nicht zwingend direkt bei Banken oder Venture-Capital-Fonds anklopfen. Crowdfunding hat sich in Deutschland längst als ernstzunehmende Finanzierungsalternative etabliert. Der große Vorteil: Neben dem Geld liefert die "Schwarmfinanzierung" einen unbezahlbaren Proof of Concept und treue Erstkund*innen. Doch der Markt ist unübersichtlich geworden. Welche Plattform verlangt welche Gebühren und wo erreichst du deine Zielgruppe am besten?

Egal ob du ein physisches Produkt auf den Markt bringen oder Wachstumskapital im Tausch gegen Unternehmensanteile einsammeln möchtest – die Wahl der richtigen Plattform ist entscheidend für den Erfolg deiner Kampagne. Wir vergleichen die relevantesten Crowdfunding-Plattformen in Deutschland für das Jahr 2026 und zeigen dir, wo die versteckten Kosten liegen.

Reward-based vs. Equity-based: Die zwei Welten des Crowdfundings

Bevor du dich für eine Plattform entscheidest, musst du wissen, welches Modell zu deiner aktuellen Start-up-Phase passt. In Deutschland dominieren vor allem zwei Ausprägungen:

  1. Reward-based Crowdfunding (Gegenleistungsbasiert): Das klassische Modell. Unterstützer*innen geben dir Geld, damit du eine Idee umsetzen kannst. Als Dankeschön erhalten sie meist das fertige Produkt (oft rabattiert) vor dem offiziellen Marktstart. Perfekt für B2C-Produkte, Tech-Gadgets oder kreative Projekte.
  2. Equity-based Crowdfunding (Crowdinvesting): Hier sammelst du echtes Risikokapital ein. Die Geldgeber ("Crowd-Investor*innen") investieren in dein Unternehmen und erhalten im Gegenzug eine finanzielle Beteiligung (oft über partiarische Nachrangdarlehen) oder Unternehmensanteile. Ideal für skalierbare Start-ups, die bereits erste Umsätze machen und wachsen wollen.

Die besten Plattformen für Reward-based Crowdfunding

1. Startnext (der Platzhirsch in der DACH-Region)

Startnext ist die mit Abstand größte Plattform im deutschsprachigen Raum. Wer eine starke lokale Community aufbauen will, ist hier richtig.

  • Achtung, neues Gebührenmodell 2026: Lange Zeit finanzierte sich Startnext über eine freiwillige Provision. Das hat sich geändert! Inzwischen gibt es feste Gebührenstaffelungen. Für das "klassische Crowdfunding" (Start-ups, Kreative) fallen nun je nach Leistungspaket 8 % (Basis), 11 % (Pro) oder 14 % (Premium) Provision bei Projekterfolg an.
  • Fokus: Nachhaltigkeit, soziale Projekte, regionale Start-ups und Kreativwirtschaft.
  • Prinzip: "Alles-oder-nichts" (Geld fließt nur, wenn das Ziel erreicht wird).

2. Kickstarter (der internationale Riese)

Kickstarter ist die weltweit bekannteste Plattform und die erste Adresse, wenn dein Produkt nicht nur den deutschen, sondern den internationalen Markt (insbesondere die USA) erobern soll. Tech-Gadgets und Spiele funktionieren hier überdurchschnittlich gut.

  • Gebühren: 5 % Plattformgebühr + ca. 3 bis 5 % Transaktionsgebühren der Zahlungsdienstleister.
  • Fokus: Internationale B2C-Produkte, Tech, Gaming, Design.
  • Prinzip: "Alles-oder-nichts".

3. Indiegogo (die flexible Alternative)

Indiegogo ist der härteste Konkurrent von Kickstarter. Die Plattform zeichnet sich durch ihre hohe Flexibilität aus, da man hier Kampagnen auch nach Erreichen des Ziels weiterlaufen lassen kann ("InDemand").

  • Gebühren: 5 % Plattformgebühr + ca. 3 bis 5 % Transaktionsgebühren.
  • Fokus: Ähnlich wie Kickstarter (Tech, Innovationen), aber mit flexibleren Auszahlungsmodellen ("Behalte, was du eingenommen hast"-Option ist möglich).

Die besten Plattformen für Crowdinvesting (Equity)

Wenn du kein Produkt vorverkaufen, sondern Anteile gegen Wachstumskapital tauschen möchtest, greifen die strengeren Regeln der Finanzaufsicht (BaFin). Hier dominieren hochprofessionelle deutsche Plattformen.

1. Companisto

Companisto gehört zu den führenden Crowdinvesting-Netzwerken im DACH-Raum und ist sehr stark auf wachstumsorientierte Tech-Start-ups fokussiert. Neben Kleinanlegern investieren hier auch Business Angels ("Companisto Angel Club").

  • Besonderheit: Es können nicht nur Nachrangdarlehen, sondern echte Eigenkapitalbeteiligungen vermittelt werden. Die Due-Diligence-Prüfung vorab ist sehr streng.

2. Seedmatch

Als einer der Pioniere im deutschen Crowdinvesting hat Seedmatch bereits dreistellige Millionenbeträge für Start-ups eingesammelt.

  • Besonderheit: Oft partiarische Nachrangdarlehen. Anleger können bereits ab 250 Euro investieren, was eine extrem breite Streuung ermöglicht. Start-ups profitieren von der enormen Reichweite und dem großen Netzwerk an Bestandsinvestoren.

Der große Vergleich 2026: Gebühren und Modelle auf einen Blick

Tipp für Gründer*innen: Berechne bei Reward-based Kampagnen nicht nur die Plattformgebühren, sondern auch die Transaktionskosten (Kreditkarte, PayPal etc.) mit ein. Diese fressen oft weitere 3 bis 5 % deiner Einnahmen auf!
 

Plattform

Crowdfunding-Typ

Zielgruppe / Fokus

Plattformgebühren (bei Erfolg)*

Startnext

Reward-based

DACH-Region, Nachhaltigkeit, Soziales, lokale Produkte

8 % bis 14 % (je nach Plan) + Transaktionskosten

Kickstarter

Reward-based

International, Tech-Gadgets, Spiele, Design

5 % + Transaktionskosten

Indiegogo

Reward-based

International, Tech, Hardware (sehr flexible Modelle)

5 % + Transaktionskosten

Companisto

Crowdinvesting

Skalierbare Start-ups, Wachstumsfinanzierung, Tech

Individuell (auf Anfrage nach Pitch-Prüfung)

Seedmatch

Crowdinvesting

B2C/B2B Start-ups, Seed- & Wachstumsphase

Individuell (auf Anfrage nach Pitch-Prüfung)

*Hinweis: Bei Nicht-Erreichen des Funding-Ziels ("Alles-oder-nichts"-Prinzip) fallen bei den Reward-based Plattformen in der Regel keine Plattformgebühren an.

So findest du die richtige Plattform

Mache deine Entscheidung nicht nur von den Gebühren abhängig. Stelle dir stattdessen die Frage: Wo hält sich meine Zielgruppe auf? Ein smartes, urbanes E-Bike-Zubehör ist auf Kickstarter oder Indiegogo besser aufgehoben, während die vegane Kaffeerösterei aus Berlin auf Startnext mit Sicherheit die passendere Community findet. Geht es hingegen um 500.000 Euro für die Skalierung deiner fertigen SaaS-Lösung, führt der Weg an professionellen Crowdinvesting-Portalen wie Companisto oder Seedmatch nicht vorbei.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Orientierung. Insbesondere im Bereich des Crowdinvestings unterliegen Kampagnen strengen regulatorischen Vorgaben (z.B. durch die BaFin). Die genannten Gebührenstrukturen basieren auf den Angaben der Anbieter (Stand: Frühjahr 2026) und können sich ändern. Wir empfehlen vor dem Start einer Crowdinvesting-Kampagne stets die rechtliche Prüfung durch einen Fachanwalt / eine Fachanwältin.

Steuern als Start-up-Wachstumsbremse

Was tun, wenn Steuerpflichten und Papierkram die Vision vom eigenen Business erstickt? Drei Quick Wins für dein Finanz-Setup.

Der Start in die Selbständigkeit ist ein Balanceakt zwischen der eigenen Vision und administrativen Pflichten. Entgegen der landläufigen Meinung, dass fehlendes Kapital oder die erste Kund*innengewinnung die größten Hürden sind, zeigt eine aktuelle Erhebung von sevdesk: Steuerpflichten und Papierkram belasten junge Gründer*innen am stärksten.

Realitätscheck: Was Gründer*innen wirklich nachts wachhält

Eine repräsentative Umfrage unterstreicht, wie stark administrative Themen den Alltag dominieren:

  • 40 Prozent sehen in Steuern und dem damit verbundenen Papierkram den größten Stressfaktor.
  • 38 Prozent nennen finanziellen Druck und unregelmäßiges Einkommen als größte Hürde.
  • 36 Prozent verorten die stärksten Herausforderungen bei der Kundenakquise.

StartingUp-Insight: Warum stressen Steuern mehr als wackelige Einnahmen? Weil hier die Fehlerkultur der Start-up-Welt aufhört. Bei Fehlern in der Buchhaltung drohen schnell Säumniszuschläge oder rechtliche Konsequenzen – diese „Angst vor dem Finanzamt“ lähmt viele. Hinzu kommen die massiven Opportunitätskosten: Jede Stunde, die ein Young Founder mit manueller Zettelwirtschaft oder dem Suchen von Belegen verbringt, fehlt bei der Produktentwicklung oder der Kund*innenakquise. Die Bürokratie bremst das eigentliche Wachstum also aktiv aus.

Paradox: Digitales Business, aber analoge Buchhaltung

Besonders auffällig: Etwa ein Drittel (32 Prozent) der Befragten befindet sich noch im ersten Jahr der Selbständigkeit (0 bis 12 Monate). Der überwiegende Teil dieser jungen Unternehmer*innen agiert in modernen Branchen wie Handel und E-Commerce (13 Prozent) oder IT und Social Media (11 Prozent). Dennoch zeigt sich bei der administrativen Organisation ein überraschend traditionelles Bild:

  • Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Microbusiness-Entrepreneurs nutzt für Rechnungserstellung und Buchhaltung keine speziellen Software- oder Cloud-Lösungen.
  • Als Gründe wird zu jeweils 29 Prozent angegeben, dass die Prozesse auch ohne Tools funktionieren würden oder das Unternehmen noch zu klein für digitale Lösungen sei.
  • Weitere 21 Prozent befürchten, dass externe Tools ihre eigenen speziellen Anforderungen nicht abbilden könnten.

Compliance-Falle: Wenn die „Zettelwirtschaft“ zum Risiko wird

Dieser Verzicht auf digitale Unterstützung birgt handfeste Risiken – auch rechtlicher Natur. Die Studie verweist auf die E-Rechnungspflicht, die bereits seit dem 1. Januar 2025 in Deutschland flächendeckend gilt.

StartingUp-Insight: Zur Erinnerung: Seit Jahresbeginn 2025 müssen B2B-Unternehmen in Deutschland in der Lage sein, elektronische Rechnungen in strukturierten Formaten (wie ZUGFeRD oder XRechnung) zu empfangen und zu verarbeiten. Wer die manuelle Verarbeitung von klassischen PDF- oder Papierrechnungen beibehält, tappt unweigerlich in eine Compliance-Falle. Zudem gilt: „Zu klein“ für eine saubere Software-Infrastruktur gibt es heute kaum noch. Ein sauberes digitales Setup von Tag eins an nimmt nicht nur die Angst vor Fehlern, sondern ist auch deutlich günstiger und nervenschonender als der spätere, schmerzhafte Wechsel im laufenden Betrieb.

Raus aus dem Chaos: 3 Quick Wins für dein Finanz-Setup

  1. Trennung ab Tag 1: Eröffne sofort ein separates Geschäftskonto. Private und geschäftliche Ausgaben zu vermischen, ist der Garant für stundenlange Sortierarbeit am Jahresende.
  2. Schnittstellen nutzen: Verknüpfe das Geschäftskonto direkt mit einer gängigen Buchhaltungssoftware. So lassen sich Zahlungseingänge automatisch mit offenen Rechnungen abgleichen.
  3. Steuerrücklagen automatisieren: Lege konsequent ca. 30 Prozent aller Netto-Einnahmen auf ein Tagesgeldkonto. So verlieren Vorauszahlungen für die Einkommen- oder Gewerbesteuer dauerhaft ihren Schrecken.

Über die Daten

Die Umfrage wurde im Juni 2025 vom Marktforschungsunternehmen Appinio im Auftrag von sevdesk durchgeführt. Befragt wurden deutschlandweit 300 Berufstätige ab 18 Jahren.

Teures Nachspiel: Pauschalsteuer für exklusive Team-Events fällt weg

Seit dem 1. Januar 2026 gelten verschärfte Regeln für Firmenveranstaltungen. Mit dem Steueränderungsgesetz hat der Gesetzgeber ein beliebtes Schlupfloch geschlossen: Die günstige Pauschalbesteuerung greift nur noch, wenn wirklich alle Mitarbeiter eingeladen sind. Für Start-ups, die auf Team-Incentives und Offsites setzen, bedeutet das nicht nur höhere Kosten, sondern vor allem mehr Bürokratie.

Wer in diesem Jahr ein Offsite für das Sales-Team plant oder ein exklusives „Coder-Retreat“ in den Alpen buchen will, sollte das Budget neu kalkulieren. Der Gesetzgeber hat zum Jahreswechsel auf eine rechtsprechungsfreundliche Auslegung des Bundesfinanzhofs (BFH) reagiert und die Zügel spürbar angezogen. Die bisherige Praxis, auch Events für geschlossene Kreise pauschal mit 25 Prozent zu versteuern, ist damit Geschichte.

Gesetzgeber kassiert BFH-Urteil

Hintergrund der Neuregelung ist ein „Korrektiv“ der Politik. Der BFH hatte in der Vergangenheit entschieden, dass auch Feiern mit begrenztem Teilnehmerkreis als Betriebsveranstaltung gelten können. Dies ermöglichte es Unternehmen bislang, die vereinfachte Pauschalsteuer auch für Department-Events oder Founder-Offsites anzuwenden.

Diese weite Auslegung widerspricht jedoch nach Ansicht des Gesetzgebers dem ursprünglichen Sinn der Pauschalierung nach § 40 Abs. 2 EStG. Das Ziel der Regelung sei die Vereinfachung von Massenvorgängen – und das setze voraus, dass die Veranstaltung der gesamten Belegschaft offensteht.

„Der BFH hat den Begriff der Betriebsveranstaltung sehr weit ausgelegt. Nach dieser Rechtsprechung konnten auch exklusive Feiern pauschal besteuert werden, obwohl nur ein kleiner Kreis eingeladen war“, erklärt Gabriele Busch, Steuerberaterin bei Ecovis in Nürnberg.

Wer nicht alle einlädt, zahlt voll

  • Die neue Marschroute ist klar: Die 25-Prozent-Pauschalsteuer ist ab sofort an die Offenheit der Teilnahme gekoppelt.
  • Die Regel: Die Veranstaltung muss allen Beschäftigten des Unternehmens oder eines klar abgegrenzten Betriebsteils offenstehen.
  • Das Detail: Entscheidend ist nicht, wer tatsächlich kommt, sondern wer kommen durfte.

Sobald eine Einladung von vornherein selektiv ausgesprochen wird – etwa das „Sales-Dinner“ nach einem erfolgreichen Quartal oder das strategische Wochenende nur für die C-Level-Ebene – entfällt das Steuerprivileg. Zwar gelten solche Events lohnsteuerlich weiterhin als Betriebsveranstaltung, doch die finanzielle Begünstigung wird gestrichen.

Bürokratie-Falle für schlanke Strukturen

Für Gründer*innen wiegt der Wegfall der Pauschalierung doppelt schwer. Zum einen erhöht sich die Steuerlast, zum anderen entsteht ein erheblicher Verwaltungsaufwand, der gerade in schlanken Organisationen ohne große HR-Abteilung schmerzt.

Bisher sorgte die Pauschalsteuer dafür, dass die Aufwendungen beitragsfrei in der Sozialversicherung blieben und nicht individuell zugeordnet werden mussten. Dieser „Clean-Cut“ ist bei geschlossenen Team-Events nun vorbei.

Die Konsequenzen für die Administration:

  • Individuelle Zurechnung: Die Kosten (Essen, Anreise, Unterkunft) müssen jedem teilnehmenden Mitarbeiter einzeln als geldwerter Vorteil zugerechnet werden.
  • Sozialversicherungspflicht: Der Vorteil wird voll sozialversicherungspflichtig.
  • Stimmungs-Killer Lohnabrechnung: Die Beträge tauchen auf der individuellen Lohnabrechnung der Mitarbeiter auf – was bei reinen „Belohnungs-Events“ oft zu Irritationen führt, wenn plötzlich Steuern auf das Firmenessen anfallen.

Fazit: Incentives neu denken

Die Neuregelung trifft die Start-up-Kultur, in der Teamevents oft gezielt als Incentive eingesetzt werden, besonders hart. Wer weiterhin exklusive Events für einzelne Teams durchführen möchte, muss sich auf höhere Lohnnebenkosten (ca. 30 bis 50 % Aufschlag durch Sozialabgaben) und komplexere Abrechnungsprozesse mit dem Steuerberater einstellen.

„Arbeitgeber sollten bestehende Konzepte für Betriebsfeiern überprüfen und rechtzeitig anpassen“, rät Expertin Busch. Nur durch eine vorausschauende Planung lassen sich böse Überraschungen bei der nächsten Lohnsteuerprüfung – und schlechte Stimmung im Team – vermeiden.

Deine Checkliste zur rechtssicheren Eventplanung

Nutze diese Liste VOR jeder Buchung, damit du später keinen Stress mit dem Finanzamt oder der Lohnbuchhaltung bekommst.

Phase 1: Der Teilnehmerkreis (dein wichtigster Checkpoint)

Das ist ab sofort der entscheidende Hebel. Hier legst du fest, ob es teuer oder günstig wird.

  • Zielgruppe definieren: Wer ist eingeladen?
    • Option A: Die gesamte Belegschaft (Alle).
    • Option B: Ein klar abgegrenzter Betriebsteil (z. B. „Alle aus der Filiale X“ oder „Das ganze Lager-Team“).
    • Option C: Ein selektiver Kreis (z.B. „Nur High-Performer“, „Sales-Team nach Zielerreichung“, „C-Level“).
  • Check „Offenheit“: Hatte wirklich jede(r) aus Gruppe A oder B theoretisch die Chance teilzunehmen? (Denk dran: Es geht ums „Dürfen“, nicht ums „Kommen“).
  • Entscheidung:
    • Bei A oder B: Pauschalsteuer (25 %) möglich. -> Alles entspannt.
    • Bei C: Keine Pauschalierung. -> Volle Steuer- und Sozialversicherungspflicht.

Phase 2: Budgetierung (Kostenwahrheit)

Wenn du dich für Exklusivität (Option C) entschieden hast, musst du neu rechnen.

  • Kosten pro Kopf ermitteln: Gesamtkosten (Location, Essen, Drinks, Anreise, Hotel) geteilt durch Anzahl der Teilnehmer.
  • Bei „Exklusiv-Events“ (Option C):
    • Hast du ca. 30–50 % Puffer für Lohnnebenkosten eingeplant? (Arbeitgeberanteile SV + Übernahme der Lohnsteuer).
    • Hast du geklärt, ob die Firma die Lohnsteuer übernimmt (Netto-Lohn-Vereinbarung)? Damit das Event für deine Kollegen netto kostenlos bleibt.
  • Freibetrag checken: Liegen die Kosten (bei offenen Events, A & B) unter 110 Euro pro Nase? (Falls ja: steuerfrei. Falls nein: Der übersteigende Betrag kann pauschaliert werden – aber nur, wenn das Event „offen“ war).

Phase 3: Dokumentation (Sichere dich ab)

Damit du bei der nächsten Lohnsteuerprüfung entspannt bleibst.

  • Einladung speichern: Archiviere die Einladungs-Mail oder den Aushang. Das ist dein Beweis, an wen sich das Event gerichtet hat (Nachweis der „Offenheit“).
  • Teilnehmerliste führen: Schreib genau auf, wer wirklich da war.
  • Zuordnung für die Payroll:
    • Bei offenen Events: Gesamtsumme und Teilnehmerzahl reichen meist.
    • Bei exklusiven Events: Erstelle eine Liste, die jedem Kollegen exakt seine Kosten zuordnet (Wer hatte das Einzelzimmer? Wer ist Bahn gefahren?).

Phase 4: Interne Kommunikation & HR

Vermeide Frust im Team und in der Personalabteilung.

  • Payroll briefen: Schick die Infos (Liste, Kosten, Art des Events) vor dem Abrechnungslauf an die Lohnbuchhaltung. Nicht erst danach!
  • Kollegen informieren (nur bei exklusiven Events): Falls die Versteuerung auf der Gehaltsabrechnung auftaucht (selbst wenn die Firma zahlt, sieht man das oft als „durchlaufenden Posten“), sag den Leuten vorher Bescheid: „Auf eurer Abrechnung steht Posten X – keine Sorge, das kostet euch netto nichts, muss aber steuerlich draufstehen.“

 

Die Steuer-Ampel für deine Planung
 

Companisto investiert 2025 über 45,8 Mio. Euro in Start-ups und Scale-ups

Das von David Rhotert und Tamo Zwinge gegründete Companisto ist mit über 5950 Business Angels das größte Business Angel Netzwerk in der DACH-Region und zählt seit über einem Jahrzehnt zu den aktivsten Wagniskapitalgebern im deutschsprachigen Raum.

Im Geschäftsjahr 2025 investierte das Companisto Business Angel Netzwerk nach eigenen Angaben in Start-ups aus 15 unterschiedlichen Branchen. Die Top-Branchen, in die investiert wurden, waren MedTech, Automotive und GreenTech. Der Fokus lag dabei auf strukturierten Co-Investments und der Anschlussfähigkeit der Finanzierungen, um tragfähige Investor*innenstrukturen für weiteres Wachstum zu schaffen.

Insgesamt wurden 2025 durch Companisto über 45,8 Mio. Euro in 35 Finanzierungsrunden investiert. Damit konnte das Netzwerk eine Steigerung um 15,8 Mio. Euro verzeichnen von 30 Mio. Euro in 2024. Zusätzlich zu dem Kapital durch das digitale Business Angel Netzwerk beteiligten sich 58 Co-Investor*innen, darunter Bayern Kapital, Samsung Next, HoneyStone Ventures (USA) und die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) in unterschiedlichen Runden.

Zu den prägenden Finanzierungen des Jahres zählten unter anderem AMERIA mit einem kumulierten Gesamtvolumen von mehr als 42 Mio. Euro sowie die Runden von Cellbox, DiaMonTech, Virtonomy und Jedsy.

Jedsy, die Delivery Glider AG, schloss 2025 innerhalb von 14 Tagen eine Finanzierungsrunde über insgesamt 3,15 Mio. Euro gemeinsam mit internationalen Co-Investor*innen ab. Das Unternehmen entwickelt eine Drohne, die vertikal startet und direkt an Fenstern andocken kann.

Virtonomy setzte ebenfalls auf eine internationale Investor*innenstruktur. Das MedTech-Unternehmen entwickelt virtuelle Patient*innenmodelle zur Digitalisierung klinischer Studien. Über Companisto wurden knapp 3 Mio. Euro im Lead der Finanzierungsrunde investiert, parallel zu Partnern wie Bayern Kapital und Accenture. „Companisto hat uns den Zugang zu einer breit aufgestellten Co-Investorenbasis ermöglicht. Die Kombination aus Business Angels und institutionellen Partnern hat nicht nur Kapital, sondern auch Governance- und Wachstumskompetenz eingebracht. Das schafft eine tragfähige Grundlage für die weitere Entwicklung und Skalierung von Virtonomy,“ sagt Dr. Simon Sonntag, Founder und CEO von Virtonomy.

Zum Jahresende 2025 zählte das Companisto Netzwerk mehr als 5.700 Business Angels. Begleitend investierte Companisto in den Ausbau des Netzwerks sowie den Austausch zwischen Investor*innen und Gründungsteams und organisierte im Laufe des Jahres rund 100 Events.

„Das vergangene Jahr hat einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in einem aktiven Business-Angel-Netzwerk steckt. Durch die konsequente Digitalisierung des Startup-Investings bei Companisto ermöglichen wir eine enge und transparente Zusammenarbeit zwischen Business Angels und Co-Investoren, schaffen Vertrauen und eröffnen Gründerinnen und Gründern neue Perspektiven sowie nachhaltiges Wachstum“, sagt David Rhotert, Co-Founder und Managing Director von Companisto.

Für 2026 plant Companisto das Business Angel Netzwerk weiter auszubauen und die gemeinsame Investitionstätigkeit in Form wiederkehrender Co-Investments und skalierbarer Geschäftsmodelle zu stärken.

Fundraising 3.0

Wie das Web3 eine transparente, offene und gemeinschaftliche Kapitalbeschaffung ermöglicht und damit die Grenzen traditioneller Finanzmärkte sprengt.

Immer weniger Start-ups erhalten Zugang zu traditioneller VC-Finanzierung. Stattdessen stolpern Gründer*innen und Innovator*innen über Hürden, die nicht in der Qualität ihrer Idee liegen, sondern in der Struktur des Systems. Klassisches VC gibt es oft nur für jene, die bestimmte Netzwerke mitbringen oder den richtigen Zeitpunkt treffen.

Genau hier setzt Web3 an – als Bewegung, die Fundraising neu denkt: Statt Kontrolle für wenige, rückt die Community in den Mittelpunkt. Fundraising 3.0 steht für eine transparente, offene und gemeinschaftliche Kapitalbeschaffung, die die Grenzen traditioneller Finanzmärkte sprengt.

Von Beethoven bis Blockchain – eine alte Idee neu belebt

Dass Projekte durch ihre Unterstützer*innen wachsen, ist kein Konzept des digitalen Zeitalters. Schon im 18. Jahrhundert suchte Ludwig van Beethoven Wege, seine Kompositionen unabhängig zu veröffentlichen – und erhielt dabei Hilfe seiner Zuhörenden, die den Druck seiner Werke vorfinanzierten. Jahrhunderte später, in den 1990er-Jahren, sammelte die britische Rockband Marillion Geld für ihre Tour durch die USA – lange bevor der Begriff Crowdfunding überhaupt existierte.

Heute, im Kontext von Web3, erfährt diese Idee eine technologische Evolution. Während Plattformen wie Kickstarter oder GoFundMe den Gedanken des gemeinschaftlichen Beitrags populär machten, geht Web3 weit darüber hinaus: Es ersetzt Mittelsmänner durch automatisierte Protokolle und verschiebt den Einfluss von dem/der Kapitalgebenden hin zur Community.

Die drei Säulen des neuen Fundraisings

Im Zentrum des Web3-Fundraisings stehen drei Modelle, die sich über Jahre etabliert und zur tragenden Struktur eines neuen Finanzökosystems entwickelt haben.

1. Initial Coin Offerings (ICOs)

ICOs markieren den Anfang der modernen, digitalen Kapitalaufnahme. Junge Kryptoprojekte verkaufen eigene Token – digitale Einheiten ihres Ökosystems – direkt an Investor*innen. Dadurch entfällt der Umweg über Venture-Capital-Fonds oder Angel-Investor*innen. Statt Anteile an einem Unternehmen erwerben Unterstützende Token, die ihnen Zugang, Stimmrechte oder spätere Wertsteigerungen sichern können. Viele große Namen dieser Branche – etwa Ethereum oder Ripple – starteten genau auf diese Weise.

Die Attraktivität dieser Idee liegt in der Unmittelbarkeit: Wer früh teilnimmt, profitiert im Erfolgsfall stark, während Gründer*innen schneller Kapital und auch Feedback erhalten.

2. Decentralized Autonomous Organizations (DAOs)

DAOs gehen über die reine Finanzierung hinaus. Sie sind eine Organisationsform, die vollständig gemeinschaftsbasiert funktioniert. Tokenhalter stimmen über Entwicklung, Ausgaben und strategische Entscheidungen ab. Damit entsteht nicht nur ein neues Governance-Modell, sondern eine demokratisierte Unternehmensstruktur: Gemeinschaft wird Miteigentum. An die Stelle zentraler Kontrolle tritt Transparenz. So werden etwa Betrugsrisiken reduziert, da Entscheidungsprozesse für alle sichtbar und überprüfbar sind. DAOs schaffen neue Formen von Verantwortung – nicht durch Hierarchie, sondern durch Partizipation.

3. LaunchpadsLaunchpads bilden die Brücke zwischen Idee und Markt. Betreiber*innen – meist etablierte Kryptobörsen – bieten Start-ups eine Plattform, um ihren Tokenverkauf zu organisieren. Neben technischer Infrastruktur und rechtlicher Sicherheit gibt es oft Marketinghilfe, Due-Dili­gence-Prüfungen und einen Community-Zugang. Launchpads dienen damit nicht nur der Kapitalbeschaffung, sondern fungieren als Accelerator, der Projekte auf ihre Marktfähigkeit vorbereitet. Für Investor*innen wiederum bieten sie strukturierte Auswahlverfahren und Transparenz, die Vertrauen schaffen

Krypto-Handel vs. Glücksspiel: Getrennte Branchen und rechtlich inkompatibel

Warum Krypto-Handel, der von Marktmechanismen und der kollektiven Aktivität der Händler bestimmt wird, und Glücksspiel, obwohl sie in der Wahrnehmung oft verschwimmen, rechtlich strikt voneinander getrennte Bereiche sind.

Der Handel mit Kryptowährungen wird von vielen Menschen als reines Glücksspiel empfunden. Gerade im Internet scheinen die Grenzen oft zu verschwimmen und dieser Eindruck entsteht nicht ohne Grund. Während sich auf der einen Seite Glücksspiel-ähnliche Mechanismen in den Krypto-Sektor einschleichen, reihen sich Krypto-Währungen teils in die verfügbaren Zahlungsmethoden in Online-Casinos ein.

Rein rechtlich gesehen sind der Krypto-Handel und das Glücksspiel in Deutschland allerdings zwei strikt voneinander getrennte Bereiche. Überschneidungen im legalen Raum gibt es nicht. Weder darf beim legalen Online-Glücksspiel eine Einzahlung oder ein Einsatz mit Krypto-Währung getätigt werden, noch darf der Handel mit digitalen Assets die Kriterien eines Glücksspiels erfüllen.

MiCA-Regulierung vs. Glücksspielstaatsvertrag

In Deutschland und allen anderen EU-Ländern unterliegen Krypto-Börsen, Wallet-Anbieter und die Emittenten von Stablecoins und anderen Tokens seit 2024/25 der sogenannten MiCA-Verordnung. MiCA steht für Markets in Crypto-Assets und legt erstmals EU-weit verbindliche Regeln für den Krypto-Markt fest.

Bislang benötigten die genannten Akteur*innen eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), um Kund*innen aus Deutschland ihre Dienstleistungen anzubieten. MiCA soll das nun ersetzen und international einheitliche Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Im Glücksspiel-Sektor hingegen wird ein paneuropäischer Ansatz bislang nicht angestrebt. Jedes EU-Land verfügt über eigenständige Glücksspielgesetze. Lizenzen aus Ländern wie Malta oder Gibraltar werden oft fälschlicherweise als „EU-Lizenz” bezeichnet, mit der Betreiber*innen auch in Bezugnahme auf die EU-Dienstleistungsfreiheit ihre internationalen Aktivitäten rechtfertigen.

Um in Deutschland legal Online-Glücksspiele anzubieten, reicht eine solche Lizenz keinesfalls aus. Hierzulande gilt ausschließlich der 2021 in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV), der unter anderem festlegt, dass Anbieter*innen von Online-Glücksspielen eine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) benötigen.

Die allererste Lizenz der GGL ging im April 2022 an das Online Casino JackpotPiraten. Mittlerweile gibt es auch viele andere legale Online-Glücksspiel-Plattformen, die in der sogenannten Whitelist der GGL aufgeführt werden. Einzahlungen oder Einsätze mit Krypto-Währungen sind auf keiner der legalen Plattformen möglich.

Darum sind Krypto-Zahlungen im Online-Glücksspiel verboten

Das liegt unter anderem daran, dass der Glücksspielstaatsvertrag vorschreibt, dass Einsätze und Gewinne ausschließlich in Euro und Cent auszuweisen sind. Diese Vorgabe stellt das erste rechtliche Hindernis für die Nutzung von Krypto-Währungen im Online-Glücksspiel dar. Darüber hinaus greift aber auch das Geldwäschegesetz (GwG), welchem alle deutschen Glücksspiel-Anbieter*innen verpflichtet sind.

Das GwG schreibt vor, dass alle Geldtransaktionen transparent und nachvollziehbar sein müssen, Kund*innen eine Identifikation durchlaufen müssen und auffällige Zahlungen gemeldet werden. Bei Krypto-Zahlungen können diese Aspekte aktuell nicht bzw. nur mit großem Aufwand gewährleistet werden.

Wenn du also im Internet auf Online-Casinos oder Sportwetten-Portale triffst, die Kryptowährungen als Zahlungsart anbieten, handelt es sich ausnahmslos um in Deutschland illegale Glücksspiel-Plattformen und die Teilnahme am solchen illegalen Glücksspielen ist sogar strafbar.

Glück, Zufall, Risiko – Warum Krypto-Handel (k)ein Glücksspiel ist

Krypto-Währungen haben in der Welt des regulierten Glücksspiels also nichts zu suchen. Doch wie sieht es andersherum aus? Wer sich noch nie oder nur oberflächlich mit dem Thema Krypto-Handel beschäftigt hat, denkt bei einer spontanen Beschreibung meist an Begriffe wie „riskant“ oder „volatil“ – also an Eigenschaften, die dem Glücksspiel eigen sind.

Tatsächlich sind die augenscheinlichen Gemeinsamkeiten auch einfacher greifbar als die umso wichtigeren Unterschiede. Als Basis für den Kauf von Krypto-Assets sowie für den Einsatz beim Glücksspiel dient Fiat-Geld, also eine gängige Echtgeld-Währung wie der Euro.

Du nimmst also einen festen Euro-Betrag, bspw. 50 €, und setzt diesen ein bzw. oder tauscht diesen um, mit dem Ziel, zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Euro-Betrag wieder zurück zu bekommen. Es geht also in beiden Fällen darum, Gewinn zu machen. Eine Garantie, dass diese Strategie aufgeht, gibt es nicht. Im ärgerlichsten Fall verlierst du die kompletten 50 € wieder.

Beim Glücksspiel allerdings ist dies tatsächlich reiner Zufall, bzw. Glück, wie der Name Glücksspiel schon sagt. Weder du noch andere Menschen können den Ausgang eines Glücksspiels beeinflussen.

Nicht manipulierbare RNG-Technologie vs. freier Markt

Im Falle von Spielautomaten oder Spielen wie Online-Roulette, basiert der gesamte Mechanismus auf Zufallsgeneratoren (Random Number Generators, RNG). Letzten Endes sind diese immer so konzipiert, dass die Betreiber*innen mehr gewinnen als die Summe der Spieler*innen.

Beim Krypto-Handel kannst du allein zwar ebenfalls nicht bestimmen, ob der Wert eines Assets sinkt oder steigt. Aber hier wird der Preis nicht vom Zufall bestimmt, sondern vom Markt geregelt – also von der Summe aller am Handel beteiligten Menschen. Wenn die Masse „bullish” (also super optimistisch) ist oder in Gier verfällt und kräftig einkauft, steigt der Wert. Im „Bärenmarkt” oder Momenten großer Panik und Abverkäufe fällt der Preis.

Das ist im Grunde nicht viel anders als am Kapitalmarkt, wo mit Aktien oder Derivaten gehandelt wird, oder auch beim Kauf bzw. Handel mit Edelmetallen wie Gold oder Silber. Nicht umsonst wird der Bitcoin – der Vorreiter digitaler Assets – von vielen als „digitales Gold” bezeichnet.

Wenn du deine Coins auf einer Börse hältst, kannst du diese jederzeit wieder in Euro oder andere Fiat-Währungen umtauschen und auch automatische Verkäufe, sogenannte Stop-Loss-Aufträge, einrichten, um größere Verluste zu verhindern. Diese Funktion gibt es im Glücksspiel nicht – einmal gesetzt ist gesetzt und das Glück entscheidet, wie viel du gewinnst oder eben verlierst.

Liquiditätsmanagement für Start-ups: Warum Tagesgeldkonten ein unterschätztes Tool sind

Einfache Instrumente wie ein Tagesgeldkonto helfen Start-ups, finanzielle Puffer flexibel und sicher aufzubauen und damit die Planbarkeit zu erhöhen. Tipps und To-dos.

Liquidität ist das Schmiermittel jedes Start-ups. Wer die Zahlungsfähigkeit nicht im Blick behält, riskiert, dass bereits kleine Verzögerungen bei Kundenzahlungen oder Investorenmitteln den gesamten Betrieb ins Wanken bringen. Gerade junge Unternehmen mit schwankenden Einnahmen brauchen daher ein sauberes Liquiditätsmanagement, um Gehälter, Mieten und andere Fixkosten zuverlässig zu bedienen. Studien und Praxisberichte zeigen immer wieder, dass viele Gründer diesen Aspekt unterschätzen, weil der Fokus auf Wachstum, Produktentwicklung oder Markteintritt liegt. Dabei können schon einfache Instrumente wie ein Tagesgeldkonto helfen, finanzielle Puffer aufzubauen und die Planbarkeit zu erhöhen. Doch warum nutzen so wenige Start-ups dieses naheliegende Tool?

Finanzielle Flexibilität als Schlüssel: Warum kurzfristige Reserven entscheidend sind

Kurzfristige Liquiditätsreserven sind für Start-ups ein Puffer gegen Unsicherheit. Sie gleichen schwankende Einnahmen aus und sichern, dass Gehälter, Mieten oder Lieferantenrechnungen pünktlich bedient werden. Dabei handelt es sich um sofort verfügbare Mittel, die nicht langfristig gebunden sind. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG betont, dass selbst wenige Wochen Verzögerung bei Investorenzahlungen oder Kundeneingängen schnell Druck aufbauen. Saisonale Schwankungen oder unerwartete Kosten verstärken diesen Effekt. Ein finanzielles Polster wirkt wie ein Airbag in turbulenten Phasen. In dynamischen Gründungszentren wie Berlin oder München zeigt sich, wie wertvoll solche Rücklagen sind. Flexibilität entsteht nicht durch Kredite, sondern durch vorbereitete Mittel auf verlässlichen Konten. Wer hier die besten Konditionen im Blick behalten will, findet mit einem Tagesgeldvergleich eine einfache Möglichkeit, passende Angebote zu prüfen und Liquiditätsreserven sinnvoll zu parken.

Tagesgeldkonten als unterschätztes Werkzeug: Was sie auszeichnet

Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Konto, auf dem Einlagen täglich verfügbar bleiben. Anders als Festgeld bindet es Kapital nicht langfristig und unterscheidet sich dadurch von Girokonten oder Fonds. Anbieter wie ING, DKB oder Santander bieten einfache Online-Verwaltung ohne versteckte Gebühren. Sicherheit entsteht durch die staatlich garantierte Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Transparenz zeigt sich in klaren Konditionen, nachvollziehbaren Zinsgutschriften und Online-Tools, die jederzeit Überblick schaffen. Für Start-ups bedeutet das: Geld bleibt flexibel, transparent und dennoch verzinst. Gerade diese Einfachheit sorgt dafür, dass Tagesgeldkonten Stabilität ins Finanzmanagement bringen und Liquidität planbar bleibt.

Vorteile von Tagesgeldkonten: Tägliche Verfügbarkeit, Zinssicherheit und Risikoarmut

Die Vorteile eines Tagesgeldkontos lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Tägliche Verfügbarkeit: Guthaben kann jederzeit abgerufen werden – ein Pluspunkt bei spontanen Ausgaben oder Liquiditätsengpässen.
     
  • Zinssicherheit: Die Verzinsung liegt meist über dem Nullniveau von Girokonten. Auch wenn Zinsen schwanken können, bleibt die Planung im Vergleich stabiler.
     
  • Risikoarmut: Durch die europäische Einlagensicherung sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt.

Banken wie N26, Consorsbank, ING oder DKB werben gezielt mit dieser Kombination aus Flexibilität, Transparenz und Sicherheit. Für Start-ups entsteht dadurch ein solides Sicherheitsnetz, das Cashflow-Schwankungen abfedert und Liquidität verlässlich absichert.

Phasen von Investitionspausen clever überbrücken

Investitionspausen entstehen, wenn Projekte verschoben werden oder Finanzierungsrunden länger dauern. Statt Kapital ungenutzt auf Girokonten zu lagern, bietet sich ein Tagesgeldkonto als temporäre Parkmöglichkeit für überschüssige Liquidität an. Hier bleibt Geld verfügbar, verbunden mit einer überschaubaren Rendite von meist 2–3 % p. a. Gerade in wachstumsorientierten Branchen wie dem Technologieumfeld, wo Produktentwicklungen oft verschoben werden, hat sich diese Praxis etabliert. So bleibt Kapital nutzbar, Gehälter und laufende Kosten gesichert, bis sich neue Chancen ergeben.

Rücklagenstrategie mit Tagesgeldkonten: Sicherheit für unerwartete Situationen

Rücklagen sind ein finanzieller Schutzschild gegen das Unvorhersehbare. Ob defekte Maschinen, steigende Energiepreise oder ausgefallene Kundenaufträge – Reserven verhindern Notlagen. Ein Tagesgeldkonto ermöglicht es, diese Notfallreserven systematisch aufzubauen, indem regelmäßig kleine Beträge überwiesen werden. Viele Experten empfehlen, drei bis sechs Monatsgehälter als Liquiditätspuffer vorzuhalten. Laut Studien des ifo Instituts nutzen erfolgreiche Start-ups wie FlixBus oder Lieferando solche Strategien. Neben wissenschaftlichen Analysen zeigen auch Banken wie DKB oder ING, dass transparente Konditionen Vertrauen schaffen. Die Einlagen bleiben verfügbar und gleichzeitig getrennt vom operativen Geschäft. Diese klare Struktur stärkt Investorenvertrauen und erhöht die langfristige Stabilität.

Tagesgeld als Baustein einer ganzheitlichen Finanzplanung

Ein Tagesgeldkonto ersetzt keine umfassende Finanzstrategie, ergänzt jedoch andere Instrumente wie Business-Kredite, Beteiligungskapital oder klassische Finanzierungen. Finanzberater empfehlen, Tagesgeld bewusst als Basisbaustein einzusetzen. In Kombination mit Budgetplanung, Controlling-Software entsteht ein solides Fundament. Während Aktien oder Fonds auf Rendite abzielen, bietet das Tagesgeldkonto Sicherheit, Transparenz und Verfügbarkeit. Für Start-ups passt es in eine hybride Strategie: Wachstum durch Investments, Stabilität durch Liquiditätsreserven und Steuerpuffer. Neben Rücklagen und Parkmöglichkeiten wird so Planbarkeit geschaffen, die Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit langfristig stärkt.

Fazit: Ein unterschätztes Tool mit großem Potenzial

Tagesgeldkonten sind keine spektakulären Finanzinstrumente, doch gerade ihre Einfachheit macht sie wertvoll. Start-ups profitieren von sofortiger Verfügbarkeit, überschaubarer Verzinsung mit planbarer Konstanz und hoher Sicherheit. Als Ergänzung zu anderen Finanzstrategien ermöglichen sie eine solide Basis, um flexibel auf Chancen und Krisen zu reagieren. Während Banken wie ING oder DKB dieses Produkt schon lange anbieten, nutzen inzwischen auch junge Unternehmen wie Celonis oder N26 solche Konten. Damit wird deutlich: Liquiditätsmanagement muss nicht kompliziert sein. Ein Tagesgeldkonto reicht oft, um Stabilität und Planungssicherheit nachhaltig zu unterstützen.

Die Mischung schafft ein stabiles Finanzierungsumfeld für Start-ups

Wie Start-ups ihre Risikokapital-Finanzierungen mit öffentlichen Fördermitteln strategisch ergänzen können, erfahren wir im Doppel-Interview mit Dr. Philipp Nägelein, Mitgründer von Zebra Embassy, und Dr. Sophie Ahrens-Gruber, Investorin und Principal bei ACTON Capital.

Laut dem aktuellen Deutschen Startup Monitor nutzten zuletzt 48,8 Prozent der Start-ups staatliche Fördermittel, während nur 18,9 Prozent auf Venture Capital zurückgriffen. Welche Bedeutung haben öffentliche Fördermittel damit für Innovation und Wachstum in der Start-up-Szene?

Philipp Nägelein: Isoliert betrachtet ergeben diese Datenpunkte noch keinen klaren Trend. Was wir aber verstärkt beobachten, ist, dass immer mehr Tech-Start-ups und Scale-ups einen Finanzierungsmix nutzen. Neben Venture Capital, Venture Debt und operativem Cashflow werden öffentliche Fördermittel zunehmend als weiterer Finanzierungsbaustein nachgefragt. Diese Mittel ermöglichen Innovationen, die sonst möglicherweise nicht umgesetzt würden. Dennoch sollten ergänzend private Investitionen gestärkt werden, um nachhaltiges Wachstum und Skalierung zu fördern.

Warum tut sich Deutschland mit der Finanzierung durch Risikokapital so schwer?

Sophie Ahrens-Gruber: 2023 gab es einen Rückgang von etwa 30 Prozent bei Wagniskapitalfinanzierungen in Deutschland. Das kann man kritisch sehen – oder als natürliche Korrektur nach dem Bewertungsboom der Niedrigzinsperiode. Seit 2020 ist der Sektor dennoch um 20 Prozent gewachsen. Die Fundamentaldaten zeigen folglich, dass mehr Kapital zur Verfügung steht. Der Hauptpunkt ist, dass die großen nationalen Kapitalsammelstellen, wie zum Beispiel Pensionskassen, im Gegensatz zu anderen Ländern nicht in diese Assetklasse investieren können. Daher ist die Abhängigkeit bei großen Finanzierungsrunden von internationalem Wachstumskapital höher. In den letzten Jahren sind diese Investitionen rückläufig. Das erschwert die Finanzierung großer Kapitalbedarfe mit Risikokapital.

Welchen Stellenwert hat vor diesem Hintergrund die Kombination aus öffentlichen Fördermitteln und privatem Kapital?

Philipp Nägelein: Die Mischung aus öffentlichen Fördermitteln und privatem Kapital schafft ein stabiles Finanzierungsumfeld für Start-ups. Fördergelder senken das Innovationsrisiko, erleichtern den Start und ziehen private Investitionen an, die wiederum schnelleres Wachstum und Internationalisierung ermöglichen. Eine enge Verzahnung beider Finanzierungsformen stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Start-up-Ökosystems nachhaltig.

Sophie Ahrens-Gruber: Wie erfolgreich die Mischung aus privaten und öffentlichen Fördermitteln ist, zeigt das Beispiel der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency). Diese Behörde hat zahlreiche bahnbrechende Technologien gefördert, darunter Internetprotokolle, GPS und selbstfahrende Autos. In den USA investiert die Regierung durch Fördermaßnahmen etwa 0,5 Prozent des BIP, während die Venture-Capital-Industrie 0,7 Prozent ausmacht. Diese Partnerschaft hat eine riesige Industrie hervorgebracht – Apple, NVIDIA, Microsoft, Alphabet und Amazon sind heute die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt.

Welche Fehler machen Start-ups bei der Fördermittelbeschaffung – und wie können sie diese vermeiden?
Philipp Nägelein: Der gravierendste Fehler ist, öffentliche Fördermittel isoliert und nachrangig zu behandeln. Das kostet bares Geld. Darum: Jedes Start-up braucht eine Public-Funding-Strategie. Alle Finanzierungsbausteine sollten strategisch kombiniert werden, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. Weiterhin darf die Compliance nicht unterschätzt werden. Wer mit Steuergeldern gefördert wird, muss Rechenschaft ablegen. Hier stößt das agile 80/20-Prinzip vieler Start-ups an seine Grenzen. Gerade bei komplexen Förderstrukturen kann professionelle Unterstützung entscheidend sein.

Was muss sich ändern, damit Start-ups bessere Finanzierungsmöglichkeiten erhalten?

Philipp Nägelein: Mehr „Financial Literacy“ außerhalb der bekannten Start-up-Zentren ist dringend notwendig. Viele Gründerteams wählen die falsche Finanzierungsform oder verpassen Chancen, weil ihnen das Wissen über öffentliche und private Kapitalquellen fehlt. Hier braucht es mehr Aufklärung und gezielte Beratung.

Sophie Ahrens-Gruber: Deutschland muss mehr Anreize für institutionelle Investoren schaffen, in Venture Capital zu investieren. Der VC-Anteil am BIP liegt in Deutschland nur bei 0,047 Prozent – etwa 31 Prozent unter dem französischen Niveau und sogar über 50 Prozent unter dem britischen Anteil. In den USA ist der Anteil fünfzehn Mal höher (0,72 Prozent im Jahr 2019). Hier gibt es erheblichen Nachholbedarf.

Frau Dr. Ahrens-Gruber, Herr Dr. Nägelein – danke für die Insights

Herausforderung Start-up-Finanzierung

Ein Thema – mehrere Perspektiven: Die Finanzierung einer Gründung bzw. die Förderung eines jungen Unternehmens ist ein herausforderndes Unterfangen sowohl für Selbständige als auch für die sie unterstützenden Player*innen aus dem Start-up-Ökosystem. Von Gründenden über Investor*innen bis hin zu Fördermittel-Profis: Wir lassen vier Experten zu Wort kommen.

Dr. Bernd Fischl, BFMT Group

Die Gründungsförderung und -finanzierung hat sich im aktuell schwierigen konjunkturellen Umfeld vielen Herausforderungen zu stellen. Gleichzeitig bieten sich aber auch viele Chancen, da Unternehmen, die in der Krise gegründet wurden, oft auch langfristig erfolgreicher bleiben. Eine der größten Herausforderungen bei einer Gründung ist der Zugang zu Kapital, denn viele Banken lehnen die Vergabe von Mikro- und Kleinkrediten an (junge) Selbständige aufgrund des hohen Prüfaufwands (und höheren Ausfallrisikos) ab.

Aus diesem Grund sollten Gründer*innen im Rahmen ihrer Finanzierungsstrukturierung Folgendes beachten:

  • Als ersten Schritt sind mögliche Zuschüsse (z.B. Gründungszuschuss, Digitalbonus etc.) zu prüfen. Gelder, die nicht zurückzuzahlen sind, stärken die Eigenkapital­basis und erleichtern später die Fremdkapitalaufnahme.
  • Im zweiten Schritt sollte möglichst viel Eigenkapital eingebracht werden. Dies kann neben dem Kapital der Gründer*innen auch aus deren Umfeld (Friends, Family and Fools) stammen. Dadurch reduziert sich der sogenannte Kapitaldienst insbesondere in der ersten Zeit, wenn neu gegründete Unternehmen noch keine operativ positive Liquiditätsbilanz haben. Das verschafft den Gründenden ausreichend Zeit, den Proof of Concept zu erbringen und den Break Even zu erreichen, bevor die verfügbaren Mittel verbraucht sind. Damit wird auch die Basis für die Fremdkapitalfinanzierung gelegt.
  • Im dritten Schritt kann dann zur Finalisierung der Finanzierung auf Förderdarlehen (z.B. ERP-Gründerkredit – StartGeld oder den ERP-Digitalisierungs- und Innova­tionskredit) zurückgegriffen werden. Diese Förderdarlehen haben den Vorteil, dass neben den meist sehr günstigen Zinskonditionen oft auch eine Haftungsbefreiung für die antragstellende Hausbank möglich ist.
  • Als letzter Schritt kann die bisherige Finanzierung – soweit darstellbar – um Bankdarlehen oder kurzfristige Kontokorrentlinien ergänzt werden. Hier muss allerdings zumeist eine Sicherheit für die Hausbank zur Verfügung gestellt werden.

Um die genannten Finanzmittel entsprechend strukturieren und einwerben zu können, ist es ratsam, externe Beratung in Anspruch zu nehmen. Auch hierzu gibt es Fördermittel, welche die beanspruchte Beratung in erheblichem Maße bezuschussen können.

Grundsätzlich ist für eine erfolgreiche Gründung eine gründliche Vorbereitung unerlässlich. Gründer*innen sollten hierbei insbesondere umfassende Marktforschung betreiben, um sowohl ihre Zielgruppe als auch den aktuellen und potenziellen Wettbewerb im Detail zu verstehen sowie ein detailliertes Geschäftskonzept (Businessplan inklusive Finanzierungsplan) entwickeln, das auch zukünftige Eventualitäten berücksichtigt.

Von öffentlicher bzw. staatlicher Seite sind allerdings auch wesentliche Beiträge zu leisten, um Gründungsförderung effektiv und effizient zu machen:

  • Fokus auf Zukunftsbranchen: Förderprogramme sollten sich auf innovative Bereiche wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Technologien konzentrieren und nur dann einsetzen, wenn keine Finanzierung über den Markt möglich scheint.
  • Vereinfachung der Antragsprozesse: Bürokratische Hürden bei der Beantragung von Fördermitteln sollten abgebaut werden, um den Zugang zu erleichtern (Kosten der Antragstellenden) und auch die volkswirtschaftlichen Kosten auf der Verwaltungsseite zu verringern.
  • Flexibilisierung der Förderkriterien: Die Förderkriterien sollten an die sich schnell ändernden Marktbedingungen angepasst werden. Dies scheint insbesondere bei der zunehmenden Geschwindigkeit der Entwicklung notwendig zu werden.
  • Verstärkte Beratung und Coaching: Neben finanzieller Unterstützung sollten Gründende auch Zugang zu Expert*innenwissen und Netzwerken erhalten. Dies hilft gerade in der Anfangszeit, viele Fehler zu vermeiden und reduziert damit zugleich auch das notwendige Finanzierungsvolumen einer Gründung.
  • Förderung von marktorientiertem Risikokapital: Um eine Kannibalisierung von marktorientierten Kapital­geber*innen möglichst zu vermeiden oder zumindest zu verringern, sollten die gegebenenfalls noch zu geringen Volumina an Risikokapital durch eine Dopplung/Spiegelung von privaten VC-Geber*innen oder Business Angels erhöht werden.

Tim Weinel, espero

Die Finanzierung ist für viele Gründer*innen nach wie vor eines der zentralen Themen und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen, schaffen es doch nur die wenigsten von ihnen, mit vorhandenen Mitteln ein langfristig tragfähiges Konzept aufzustellen und das auch noch zu skalieren. Doch egal, ob es um die erste Anschubfinanzierung, die Skalierung des Unternehmens oder langfristige Investitionen geht: Ohne ausreichend Kapital bleibt das größte Potenzial in der Regel ungenutzt oder bereits vorhandenes Potenzial kann gar nicht erst umgesetzt werden. Doch welche Hürden sind es, die Gründer*innen dabei häufig im Weg stehen?

Und wie gelingt es 2025, das volle Potenzial der Gründungsförderung auszuschöpfen?

Fördermittel sowie Zuschüsse bieten vielen Gründer*innen gute Möglichkeiten, ihre Unternehmen und Ideen zu finanzieren, erfordern aber oft aufwendige Antragsprozesse und eine Vielzahl an Dokumenten, an denen viele Gründer*innen scheitern – sei es aus Frust, aus fehlendem Wissen oder aus Unverständnis. In der Regel wird der administrative Aufwand unterschätzt und wertvolle Zeit geht verloren. Dabei kann auch die Wahl der richtigen Finanzierungsquelle entscheidend sein. Doch dazu muss man sich zunächst im Dschungel der Möglichkeiten zurechtfinden. Ob Förderprogramm, Eigenkapital, Bankdarlehen, Business Angels, Venture Capital oder eine andere Finanzierungsform – Möglichkeiten, die vorhanden sind, sollten gegeneinander abgewogen und genau eruiert werden – mit all ihren jeweiligen Konsequenzen.

Eine weitere Herausforderung vieler Gründer*innen ist schlichtweg mangelnde Finanzkompetenz. Viele junge Unternehmer*innen sind zwar Expert*innen in ihrem Fachgebiet, aber nicht zwingend bei den Finanzen. Themen wie Cashflow-Management, Kostenplanung und steuerliche Optimierung werden oft vernachlässigt, was zu Liquiditätsengpässen führen kann. Hinzu kommt, dass eine gute Idee allein nicht ausreicht – Investor*innen erwarten durchdachte Business­pläne, realistische Finanzprognosen und klare Exit-Strategien. Hier fehlt es häufig an professioneller Aufbereitung und klarer Kommunikation.

Was können Gründer*innen also tun, um ihre Finanzierungsstrategie zu optimieren?

Ein fundiertes Wissen über Förderprogramme, Finanzierungsarten und steuerliche Anreize ist essenziell. Wer das nicht hat, sollte darüber nachdenken, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen – ob nun über eine qualifizierte Gründungsberatung oder im Austausch mit anderen Gründer*innen, beispielsweise im Rahmen von Gründer*innentreffs oder -stamm­tischen. Vor allem frühzeitige Information hilft, keine Chance ungenutzt zu lassen. Das heißt, Finanzierung sollte von Anfang an ein Thema sein und an Relevanz nicht verlieren. Ein durchdachtes Finanzkonzept mit einer realistischen Einschätzung des Kapitalbedarfs, klaren Zielsetzungen und einem nachvollzieh­baren Budget ist ebenso unerlässlich. Ein starkes Netzwerk zu potenziellen Investor*innen, Mentor*innen und anderen Gründer*innen kann wertvolle Kontakte sowie Wissen vermitteln. Neben klassischen Finanzierungswegen bieten sich je nach Unternehmen zudem auch alternative Lösungen wie Crowdfunding, Revenue-Based Financing oder strategische Partnerschaften an, die es zu prüfen gilt.

Gründungsförderungen sind nicht nur finanzielle Hilfsmittel, sondern ein essenzieller Treiber für Innovation und Wirtschaftswachstum. Damit diese Relevanz erhalten bleibt, braucht es in der Zukunft ein noch besseres Zusammenspiel bzw. einen besseren Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Start-ups. Die Politik sollte die Förderstrukturen weiter an die Bedürfnisse der Gründer*innen anpassen, insbesondere in Bezug auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Flexibilität. Unternehmen können verstärkt als Investor*innen oder strategische Partner*innen auftreten, um Innovationen zu fördern und den Weg für Start-ups zu ebnen. Gründer*innen selbst müssen aktiver auf die Notwendigkeiten hinweisen und gemeinsam daran arbeiten, die Sichtbarkeit und Attraktivität von Förderprogrammen zu erhöhen.

6 Hacks für geringere Steuerlast in Start-ups

Mit diesen sechs Maßnahmen können Unternehmer*innen, Selbständige und Freiberufler*innen jetzt ihre Steuerlast gezielt senken.

Für Unternehmen sei der Standort Deutschland nur noch bedingt wettbewerbsfähig, hieß es unlängst vonseiten der DIHK bei der Vorstellung des Unternehmensbarometers. Neben der Verlässlichkeit der Wirtschaftspolitik haben sich laut Umfrage auch zahlreiche andere Faktoren verschlechtert. 50 Prozent der Befragten geben an, dass die künftige Bundesregierung bei der Unternehmensbesteuerung ansetzen muss. „Unabhängig vom Gesetzgeber können Betriebe, Selbständige und Freiberufler bereits jetzt die Weichen stellen, um die Abgabenlast zu senken“, erklärt Prof. Dr. Christoph Juhn, Professor für Steuerrecht sowie geschäftsführender Partner der JUHN Partner Steuerberatungskanzlei.

Anstatt sich erst in der Steuererklärung oder beim Jahresabschluss mit den steuerlichen Aspekten auseinanderzusetzen, gilt es bereits jetzt an einer Vielzahl von Stellschrauben zu drehen, die Vorteile bringen können – was gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bares Geld bedeuten kann.

Diese sechs Steuer-Hacks sind Bares wert


# 1. Betriebsausgaben richtig absetzen

Viele Ausgaben, die im betrieblichen Alltag anfallen, lassen sich steuerlich geltend machen. Hierzu zählen nicht nur größere Investitionen, sondern auch kleinere Betriebskosten wie Büromaterial, Software oder Telekommunikationskosten. „Oftmals werden nur die größeren Ausgaben beachtet. Dabei können kleinere Posten ebenfalls erhebliche Steuerersparnisse bringen“, so Juhn. Je detaillierter die Dokumentation dieser Ausgaben erfolgt, desto besser können die steuerlichen Vorteile genutzt werden.

# 2. Investitionsabzugsbetrag als Vorteil für zukünftige Investitionen

Für Unternehmen, die in den kommenden Jahren größere Anschaffungen planen, stellt der Investitionsabzugsbetrag (IAB) eine interessante Möglichkeit dar, die Abgabenlast im laufenden Jahr zu senken. Dieser Abzug ermöglicht es, bis zu 50 Prozent der geplanten Investitionskosten bereits im Vorfeld von der Steuer abzusetzen. Ein Beispiel? „Steht der Kauf eines neuen Fahrzeugs im Wert von 30.000 Euro an, können durch den IAB bereits 15.000 Euro als Betriebsausgabe angesetzt werden, wodurch die Steuerlast für das laufende Jahr signifikant sinkt“, unterstreicht der Profi. Dabei gilt dieser Abzug für Unternehmen mit einem Gewinn von bis zu 200.000 Euro und stellt somit eine besonders vorteilhafte Möglichkeit für kleinere und mittelständische Unternehmen dar.

# 3. Homeoffice-Pauschale

Seit der Corona-Pandemie haben viele Selbständige und Freiberufler die New-Work-Option Homeoffice intensiv genutzt. Dies kann auch steuerliche Vorteile mit sich bringen – etwa in Form der Homeoffice-Pauschale. Sie wurde erweitert und ermöglicht es auch bei gelegentlicher Arbeit in den eigenen vier Wänden, Steuererleichterungen zu erhalten. „Die Homeoffice-Pauschale hat sich als wertvolle Einsparmöglichkeit für Selbständige und Freiberufler etabliert“, so Juhn. Wer zu Hause arbeitet, kann bis zu 1.260 Euro jährlich absetzen. Und wer einen eigenen Raum ausschließlich für berufliche Zwecke nutzt, also ein häusliches Arbeitszimmer im Sinne der steuerrechtlichen Vorschriften, kann die auf ihn anfallenden Kosten sogar in vollem Umfang steuerlich absetzen. Dies umfasst etwa anteilige Mietkosten, Nebenkosten und Ausstattungskosten, aber auch Telefon- und Internetkosten. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass kein weiterer Raum zur Ausübung dieser Tätigkeit zur Verfügung steht.

# 4. Steuerfreie Zusatzleistungen für Mitarbeitende

Unterstützen Unternehmer*innen ihre Mitarbeitenden mit Gehaltsextras, profitieren sie davon auch selbst, vorausgesetzt, bestimmte Höchstbeträge werden nicht überschritten. „Zusatzleistungen wie Tankgutscheine, Essenszuschüsse oder auch Jobtickets für den öffentlichen Nahverkehr sind steuerfrei und kommen nicht nur der Belegschaft zugute, sondern können auch dazu beitragen, die Motivation und Bindung an das Unternehmen zu stärken“, weiß Juhn.

# 5. Vereinfachte Steuererklärung und weniger Bürokratie

Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 22.000 Euro im Vorjahr und 50.000 Euro im laufenden Kalenderjahr profitieren von der Kleinunternehmerregelung. Diese befreit von der Pflicht zur Umsatzsteuererhebung. Das heißt: Sie müssen keine Umsatzsteuer auf ihren Rechnungen ausweisen, wodurch sich der administrative Aufwand erheblich reduziert. „Diese Regelung ist besonders vorteilhaft für kleinere Unternehmen und Selbständige, die noch nicht in den großen Umsatzbereichen tätig sind“, so Juhn „Die Buchhaltung ist deutlich einfacher und spart Kosten für die Berechnung und Abführung der Abgabe.“

# 6. Gewinnthesaurierung bei langfristigem Investitionsbedarf

Ein weiterer Steuer-Hack ist die sogenannte Gewinnthesaurierung. Werden Gewinne von Kapitalgesellschaften nicht an ihre Gesellschafter*innen ausgeschüttet, lässt sich die Zahlung der Kapitalertragsteuer auf diese Gewinne hinauszögern und die Liquidität im Unternehmen verbessern. Ein Vorteil vor allem für Unternehmen, die im Wachstum sind oder größere Investitionen planen. „Die Gewinnthesaurierung ermöglicht, Kapital im Unternehmen zu belassen und gleichzeitig von einer steuerlichen Entlastung zu profitieren“, unterstreicht der Experte. Über steuerrechtliche Umwege können aber auch Einzelunternehmen und Personengesellschaften davon profitieren. Die Stichwörter hierzu lauten Thesaurierungsbegünstigung und Optionsbesteuerung.

Wird Silber das neue Gold? Die unterschätzte Investmentchance

Immer mehr Investoren erkennen das Potenzial von Silber als Anlageform. Was macht Silber so besonders? Könnte es tatsächlich Gold als favorisierte Anlageform ablösen?

Silber galt lange als der kleine Bruder von Gold – eine wertvolle Ressource, aber nicht mit dem gleichen Prestige versehen. Doch in den letzten Jahren hat sich das Blatt gewendet. Immer mehr Investoren erkennen das Potenzial von Silber als Anlageform. Der Markt verändert sich, und mit ihm die Chancen für Anleger. Während Gold traditionell als Absicherung gegen wirtschaftliche Krisen und Inflation betrachtet wird, rückt Silber immer stärker als Alternative in den Fokus.

Auch institutionelle Investoren zeigen wachsendes Interesse an dem Edelmetall. Die Nachfrage steigt, getrieben durch technologische Entwicklungen, Nachhaltigkeitsaspekte und die veränderte Finanzmarktlandschaft. Was macht Silber so besonders? Könnte es tatsächlich Gold als favorisierte Anlageform ablösen?

Warum Silber? Die wichtigsten Argumente

Während Gold traditionell als sichere Anlage in Krisenzeiten gilt, bietet Silber einige entscheidende Vorteile:

  • Industrienachfrage: Silber wird in der Elektronik, Medizintechnik und Solarindustrie verwendet. Besonders der Ausbau erneuerbarer Energien verstärkt die Nachfrage.
  • Knappheit: Die Silbervorräte schrumpfen schneller als die von Gold. Der industrielle Verbrauch übersteigt die Neuförderung zunehmend.
  • Wertsteigerungspotenzial: Silber ist historisch unterbewertet im Vergleich zu Gold. Viele Experten sehen hier noch erhebliches Aufholpotenzial.
  • Erschwinglichkeit: Der Einstieg in Silber ist für Kleinanleger leichter möglich als bei Gold, da es deutlich günstiger pro Unze ist.

Diese Faktoren machen Silber zu einem interessanten Investment und gelten auch als eine strategische Ergänzung für jedes Portfolio. Während Gold oft nur als Vermögensspeicher betrachtet wird, hat Silber einen realwirtschaftlichen Nutzen, was es langfristig stabiler machen könnte.

Silber als Inflationsschutz?

In Zeiten hoher Inflation suchen Investoren nach stabilen Werten. Während Gold hier traditionell als sichere Anlage gilt, hat auch Silber ähnliche Eigenschaften. Historisch gesehen hat Silber in Inflationszeiten oft eine starke Performance gezeigt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit könnte Silber also ein wertvoller Bestandteil eines gut diversifizierten Portfolios sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Volatilität. Silber neigt dazu, stärkere Kursschwankungen als Gold zu zeigen. Dies kann einerseits, als Risiko betrachtet werden, bietet andererseits aber auch Chancen für dynamische Investoren. In Phasen hoher Inflation oder wirtschaftlicher Unsicherheiten haben Edelmetalle in der Vergangenheit oft eine stabilisierende Rolle im Portfolio gespielt – und Silber könnte hier eine noch größere Rolle übernehmen.

Silber vs. Gold: Was ist die bessere Wahl?

Beide Edelmetalle haben ihre Daseinsberechtigung. Während Gold vor allem als Wertspeicher dient, bietet Silber zusätzlich industriellen Nutzen. Wer von steigender Nachfrage profitieren möchte, könnte in Silber eine interessante Alternative finden.

Ein weiterer Vorteil von Silber ist seine höhere Volatilität, die kurzfristig hohe Gewinne ermöglichen kann – natürlich verbunden mit einem höheren Risiko. Anleger sollten sich bewusst sein, dass der Silberpreis durch die Industrienachfrage stärker beeinflusst, wird als der Goldpreis. Während Gold oft als reines Kriseninvestment dient, kann Silber von wirtschaftlichen Aufschwüngen profitieren.

Lagerung: Ein wichtiger Faktor für Edelmetall-Investments

Beim Investieren in Edelmetalle stellt sich schnell die Frage der sicheren Lagerung. Während Gold oft in Tresoren oder Bankschließfächern aufbewahrt wird, benötigt Silber aufgrund seines höheren Volumens mehr Platz. Physische Silberbestände nehmen erheblich mehr Raum ein als Gold in gleicher Wertmenge, was die Lagerung erschwert und teurer machen kann. Zudem sind viele Schließfächer und Tresoranlagen auf Gold spezialisiert und weniger auf größere Mengen Silber ausgelegt.

Ein weiteres Thema ist die Sicherheit. Während Silber in privaten Tresoren gelagert werden kann, besteht das Risiko von Diebstahl, insbesondere bei großen Mengen. Auch die Versicherungskosten sind nicht zu unterschätzen. Wer größere Silbermengen hält, sollte sich daher über professionelle Lagerstätten wie beim Goldkontor Hamburg informieren, die speziell für Edelmetalle ausgelegt sind.

Silber als nachhaltige Investition

Neben den finanziellen Aspekten gewinnt auch die Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle bei Investmententscheidungen. Silber wird zunehmend als kritisches Material für die Energiewende angesehen. Es spielt eine wesentliche Rolle in der Produktion von Solarpanels, Batterien und anderen umweltfreundlichen Technologien. Während Gold hauptsächlich gehortet wird, hat Silber also einen klaren praktischen Nutzen, der langfristig für eine stabile Nachfrage sorgen könnte.

Gleichzeitig gibt es Herausforderungen in der Gewinnung. Der Silberbergbau kann umweltschädlich sein, weshalb nachhaltige Fördermethoden und Recyclingprogramme an Bedeutung gewinnen. Investoren, die auf ökologische Kriterien achten, sollten sich über die Herkunft ihres Silbers informieren und gegebenenfalls in recyceltes oder nachhaltig gefördertes Silber investieren.

Silber als unterschätzte Investmentchance

Ob Silber das neue Gold wird, bleibt abzuwarten. Doch die Argumente sprechen für sich: Eine steigende Industrienachfrage, begrenzte Ressourcen und ein vergleichsweise niedriger Preis machen Silber zu einer attraktiven Anlagealternative. Wer sein Portfolio diversifizieren und von den langfristigen Potenzialen profitieren möchte, sollte Silber auf dem Radar haben.

Überleben im VC-Game 2025

Was Gründer*innen im VC-Game ändern müssen, um nicht ins Abseits zu geraten.

Zurückhaltung aufseiten der Investor*innen und sinkende Bewertungen prägen die aktuelle Finanzierungslandschaft für Start-ups – der Boom der Jahre 2021 und 2022 ist längst vorbei. Gerade jetzt brauchst du als Gründer*in Mut, damit dein Vorhaben nicht an fehlendem Kapital scheitert.

Denn Start-ups stoßen zunehmend auf kritische Kapital­geber*innen und haben Probleme, Venture Capital (VC) einzusammeln. Ein Blick auf die Finanzierungsrunden im ersten Halbjahr 2024 verdeutlicht das: Fast 23 Prozent der europäischen Start-ups verloren an Wert. So hoch war der Anteil an Downrounds zuletzt im Jahr 2014, wie die Datenexpert*innen von PitchBook aufzeigen.

Investor*innen legen ihren Fokus verstärkt auf Profitabilität und ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Das Wachstums­potenzial ist nicht länger der alles entscheidende Faktor, Due Diligence­Prüfungen werden zunehmend anspruchs­voller. Dadurch rücken Kennzahlen wie Vertriebseffizienz und Kund*innenabwanderungsrate (Churn) verstärkt in den Mittelpunkt.

Das deutsche Finanzierungsklima: zu viel Zögern

In Deutschland herrscht aktuell eine auffallende Vorsicht unter Investor*innen. Risikofreudigere Kapitalgeber*innen aus dem Ausland halten sich zurück, was zu einer deutlichen Verlangsamung des Kapitalflusses führt. Nationale Investor*innen und staatliche Förderprogramme konzentrieren sich vornehmlich auf die Frühphasenfinanzierung von Start-ups.

Dadurch entstehen Finanzierungslücken, besonders in den späteren Wachstumsphasen, wie der aktuelle Deutsche Start­up Monitor des Bundesverbands Deutsche Startups belegt.

Diese Zurückhaltung erschwert es vielen Start-ups, große Finanzierungsrunden abzuschließen und den Sprung in die nächste Wachstumsstufe zu schaffen. Die gestiegenen Anforderungen an Due-Diligence-Prüfungen und der verstärkte Fokus auf Profitabilität und Nachhaltigkeit verstärken diese Tendenz.

Vor diesem Hintergrund zögern viele Gründer*innen, große Summen an Wagniskapital aufzunehmen. Die Sorge vor einer möglichen Verwässerung der Unternehmensanteile bei niedrigeren Bewertungen und dem damit potenziell einhergehenden Kontrollverlust ist groß. Einige scheuen auch das Risiko, da umfangreiche Finanzierungsrunden mit einer größeren Fallhöhe einhergehen.

Doch trotz dieser Herausforderungen sollten deutsche Gründer*innen den Mut nicht verlieren. Wer eine wirklich bahnbrechende Geschäftsidee hat, die aktuelle Themen wie die Klimakrise oder die Digitalisierung adressiert, hat weiterhin Chancen, Kapital zu sichern. Start-ups sollten den Anspruch haben, das Unternehmen mutig zu skalieren und sich auf größere Finanzierungsrunden einzulassen.

Ein Blick in die USA zeigt, dass es möglich ist: Dort hat die Gründerkultur 2024 ein Comeback großvolumiger Finanzierungsrunden erlebt. Laut Crunchbase News konnten US-Start-­ups zirka 240 Megadeals – Finanzierungen über 100 Millionen US-Dollar – erfolgreich abschließen. Dies beweist, dass Investor*innen bereit sind, hohe Summen zu investieren, wenn die Geschäftsidee überzeugt.

Warum mehr Risikokapital für dein Start-up sinnvoll ist

Doch wann solltest du eigentlich darüber nachdenken, Risikokapital für dein Unternehmen zu beschaffen? Entscheidend ist, dass dein Start-up das Potenzial hat, ein exponentielles Wachstum aufzuweisen. Du brauchst ein vielversprechendes Geschäftsmodell und die Bereitschaft, schnell skalieren zu wollen. Dann ist es sinnvoll, die Aufnahme von Risikokapital anzustreben.

Denn grundsätzlich lässt sich festhalten, dass ein größerer Finanzrahmen eine Reihe von Vorteilen bietet. Zuvorderst ermöglicht Wagniskapital, das Wachstum des eigenen Start-ups signifikant zu beschleunigen und wichtige Marktanteile zu gewinnen. Dadurch kannst du in die Produktentwicklung, das Marketing und den Vertrieb investieren und erhöhst so deine Chancen, in dynamischen Märkten zu bestehen. Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit sind hier die entscheidenden Schlagworte.

Durch die gezielte Auswahl von VC-Investor*innen bekommen Start-ups zudem wertvollen Zugang zu Know-how und können die Expertise der Kapitalgeber*innen nutzen. Die neuen Partner*innen bringen nicht nur Kapital, sondern auch wichtige Netzwerke und Erfahrungen aus anderen Investitionen mit.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist dabei auch, dass Gründer*innen von der Reputation eines VC-Unternehmens profitieren können. Stehen namhafte Investor*innen hinter einem Start-up, erhöht das dessen Glaubwürdigkeit und kann die Basis für neue Partnerschaften und weitere Finanzierungsrunden bilden.

So findest du geeignete Investor*innen

Damit sich diese positiven Aspekte voll entfalten können, solltest du genau darauf achten, mit welchen Kapitalgeber*innen du zusammenarbeitest. Branchenerfahrung ist dabei ein wichtiges Kriterium. Investor*innen sollten sich auf deinem Geschäftsfeld auskennen, um strategische Ratschläge geben und relevante Kontakte vermitteln zu können. Darüber hinaus sollte auch die Investmentstrategie der VC-Unternehmen mit den Zielen und Werten des Start-ups übereinstimmen. Gründer*innen sollten darauf achten, dass die Kapitalgeber*innen ihre langfristige Vision unterstützen und eine nachhaltige Kooperation anstreben.

Auf dieser Basis lässt sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Partner*innen aufbauen, die dein Business verstehen und den Markt kennen. So lassen sich nachhaltige KPIs festlegen, die nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf langfristige Strategien einzahlen. Dieser Punkt zeigt deutlich: Wer die passenden Investor*innen findet, muss vor großen Finanzierungsrunden nicht zurückschrecken. Richtig eingesetzt bietet Wagniskapital vielmehr die Chance, das eigene Business sinnvoll auszubauen.

Wie du mehr Risikokapital akquirieren kannst

Es lohnt sich also, über VC-Partnerschaften nachzudenken, wenn man überzeugt davon ist und glaubhaft verkaufen kann, dass das eigene Unternehmen exponentiell wachsen kann. Die einleitende Analyse der aktuellen Finanzierungslandschaft in Deutschland zeigt jedoch, dass die Beschaffung von Wagniskapital durchaus knifflig werden kann. Um derzeit erfolgreiche Deals abzuschließen, ist es wichtig, sich mit den veränderten Anforderungen von Investor*innen genauer auseinanderzusetzen. Du solltest vor allem auf folgende Punkte achten, wenn du dich auf eine Finanzierungsrunde vorbereiten willst:

Wertversprechen und Differenzierung

  • USP: Kommuniziere klar, was dein Produkt von der Konkurrenz abhebt.
  • Marktbedarf: Zeige, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Finanzkennzahlen

  • Prognosen: Realistische Modelle für Umsatz, Kosten und Cashflow sind entscheidend.
  • Benchmarking: Zahlen sollten sich positiv von der Konkurrenz abheben.

Proof of Concept

  • Pilotprojekte: Belege die Machbarkeit durch Tests und erste Erfolge.
  • Markteintrittsstrategie: Zeige einen klaren Expansionsplan in einem großen Markt.

Teamstärke

  • Erfahrung: Stelle ein kompetentes Team mit relevanter Expertise vor.
  • Führung: Beispiele früherer Erfolge stärken das Vertrauen.

Kund*innengewinnung

  • Referenzen: Zeige positive Kund*innenfeedbacks.
  • Churn-Management: Erläutere deine Strategie zur Kund*innenbindung.

Risikoanalyse

  • Risiken erkennen: Identifiziere mögliche Herausforderungen.
  • Pläne: Präsentiere Maßnahmen zur Risikominimierung.

Kapitalverwendung

  • Plan: Erläutere die genaue Verwendung des Kapitals.
  • Meilensteine: Setze erreichbare Ziele für den Einsatz der Mittel.

Zeit für eine neue Mentalität

Trotz des schwierigen Finanzierungsklimas sollten Gründer*innen selbstbewusst auftreten und sich nicht unter Wert verkaufen. Mutige Schritte in Finanzierungsrunden sind wichtig. Der Schlüssel liegt darin, ein klares Wertversprechen zu vermitteln, solide Finanzkennzahlen und ein starkes Team zu präsentieren sowie eine durchdachte Strategie für Wachstum und Kund*innengewinnung aufzuzeigen. So lassen sich auch in einem herausfordernden Marktumfeld Investor*innen überzeugen.

Nutze das Wissen und das Netzwerk erfahrener Kapitalgeber*innen, um dein Unternehmen auf Wachstumskurs zu halten. So hast du die besten Chancen, im Jahr 2025 und darüber hinaus zu bestehen. Dein Ziel sollte es sein, das Unternehmen so groß wie möglich zu machen – auch wenn das bedeutet, Anteile abzugeben.

Der Autor Dr. Jens Schmidt-Sceery ist Partner bei Pava Partners, einer M&A- und Debt Advisory-Beratungen für technologiegetriebene und dynamisch wachsende mittelständische Unternehmen sowie Managing Partner von HPI Seed.