Neuer Company Builder gestartet: Impact Plus Ventures


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Berlin hat einen neuen Company Builder: Die Entrepreneure und Digital-Experten Markus Malti, Sven Lubek und Serge Licht gründen Impact Plus Ventures. Im Fokus stehen Unternehmensgründungen, deren Business Cases für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung stehen.

Das in diesem Sommer gegründete und gestartete Unternehmen Impact Plus Ventures ist als Inkubator und Frühphasen-Investor angetreten, um nachhaltige Businessmodelle zum Fliegen zu bringen, die gesellschaftlichen Mehrwert in ihrer DNA tragen.

Know-how von Seriengründern

Als Founding Partner agieren drei erfahrene Entrepreneure, die Start-ups und Investoren mit Professionalität, Finanzexpertise, Marketing-Background sowie langjähriger HR-Erfahrung zur Seite stehen. Markus Malti und Sven Lubek begleiteten gemeinsam als Seriengründer über 25 Tech-Unternehmen verschiedener Branchen zum Geschäftserfolg. Jüngstes Beispiel ist die international agierende Mobile Marketing Agentur WeQ Influencers. Seit fünf Jahren gehört Serge Licht, Investment-Experte und Absolvent der London School of Economics, zum Partnernetz der beiden Berliner Unternehmer. Er verantwortet unter anderem Tech-Gründungen wie Lapixa, eine Bildsuch-Technologie zum Schutz vor digitalem Diebstahl.

Relevanz, Potenzial und Profitabilität

Die erfolgreiche Zusammenarbeit der drei Unternehmer mündet jetzt im Schulterschluss: Impact Plus Ventures bündelt deren Know-how  und entwickelt daraus einen neuen smarten Ansatz. Mit mehr als 40 Jahren Erfahrung im Aufbau junger Unternehmen erkennt, positioniert und pusht das Team Ideen und Konzepte mit Relevanz, Potenzial und Profitabilität.

„Impact Plus bringt wirtschaftliche Business-Modelle auf den Weg, die nachhaltig aufgebaut sind und ökonomischen Schwankungen trotzen“, so Founding Partner Serge Licht. „Darüber hinaus ist es Teil der Unternehmensstrategie, unsere Start-ups so aufzustellen, dass eine zügige Internationalisierung über den deutschen Markt hinaus gelingt.“

Gründungen mit 360-Grad-Blick

Von Beginn an involvieren sich die Founding Partner mit ihren Kompetenz-Teams stark in alle operativen Prozesse und bauen ihre Gründungen mit 360-Grad-Blick auf.  „Wir bauen unser Portfolio strategisch, selektiv und qualitätsgetrieben auf“, betont Sven Lubek. „Unser Fokus liegt auf Technologie. In diesem Umfeld visieren wir zukunftsweisende Märkte wie Healthcare, E-Learning, Machine Learning und AI an.“

Markus Malti ergänzt: „Der Digitalisierungsprozess nahezu aller Industrien eröffnet aktuell hervorragende Chancen für innovative Business Cases, in denen sich Nachhaltigkeit mit sozialer Verantwortung, Impact und bestechenden Unit Economics kombinieren lassen. An dieser Stelle möchten wir unseren Beitrag leisten“.

Nach eingehender Marktanalyse fördert der Inkubator eigene Projekte sowie externe Start-ups mit einer ersten Ticketgröße von bis zu 500.000 Euro. Auch für weitere Finanzierungsrunden zur Unternehmensentwicklung steht Impact Plus Ventures als operativer Partner bereit und kann dabei auf ein dichtes Partnernetz an Investoren und Family Offices zugreifen. Mit der Brand-Protection-Software Sentryc und weiteren Unternehmen, die in Kürze kommuniziert werden, haben die Berliner bereits erste Gründungen im Inkubator.

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1,1 Mio. Euro für Führungskräfte- und Talententwickler gyde

Lukas Heinzmann, Omar Sanchez und Dr. Andreas Bunz von gyde haben erfolgreich die erste Finanzierungsrunde ihrer Plattform für Führungskräfteentwicklung abgeschlossen.

„Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren rasend schnell verändert“, sagt Lukas Heinzmann, CEO von gyde. „Die Art und Weise, wie die meisten Unternehmen Weiterbildung gestalten, ist aber unverändert geblieben. Das ist ein riesiges Problem. Wir möchten den Unternehmen und Führungskräften eine zeitgemäße Art von Weiterbildung ermöglichen. Mit gyde bieten wir eine neue, digitale und vor allem hochwirksame Form des Lernens für Unternehmen und ihre Führungskräfte.“

Relevante und wirksame Weiterbildungsangebote sind gefragt

Das 2020 von den Stuttgartern Lukas Heinzmann und Omar Sanchez gegründete (und seit diesem Jahr durch Managementsoziologe und Führungskräftecoach Dr. Andreas Bunz im Leitungsteam verstärkte) Start-up setzt bei seinem Angebot für Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen und Scale-ups auf einen neuartigen Dreiklang aus fünf- bis zehnminütigen Lerneinheiten (Micro Learnings), thematischen Übungen und dem sogenannten Peer Coaching, unternehmensübergreifenden Gruppen-Coachings per Videocall. Diese Elemente werden auf einer digitalen Plattform durch Datenaustausch und weitere Features miteinander verbunden.

„Mitarbeitende und Führungskräfte erwarten heute relevante und wirksame Weiterbildungsangebote, die sie mit ihrem stressigen Alltag vereinbaren können“, führt gyde Co-Founder Omar Sanchez weiter aus. „Mit unserer digitalen Plattform, die intelligent Micro Learning, Reflexion und Gruppenaustausch verbindet, bieten wir genau das.“

Seit der Gründung haben laut gyde bereits 30 Unternehmen die Kursangebote für ihre Mitarbeitenden gebucht und über 200 Führungskräfte an den Kursen teilgenommen.

1,1 Mio. Euro fürs weitere Wachstum

Jetzt hat die digitale Plattform für Führungskräfteentwicklung ihre erste Finanzierungsrunde mit einem Funding von 1,1 Millionen Euro abgeschlossen. Mit seinem Konzept konnte gyde Investor*innen wie Benedikt Ilg (Gründer der internen Kommunikations-App Flip), Florian Buzin (Gründer & CEO des Businesskommunikationsanbieter Starface) ebenso überzeugen wie die Storytelling-Agentur Bär Tiger Wolf mit Gründer Theo Eißler und Robin Behlau (Gründer von AroundHome und valyria). Zu den neuen Investor*innen zählen auch und die Beteiligungsgesellschaften S-Kap, ES-Kapital, d.ventures und snabb Cap.

GameChanger des Monats: green spin - tagesaktuelle Ernteprognosen

Der Krieg in der Ukraine und der damit verbundene Ausfall der Pflanzenöl- und Getreidelieferungen machen die Abhängigkeiten von global funktionierenden Lieferketten einmal mehr deutlich. Das Würzburger Start-up green spin hat eine bereits mehrfach ausgezeichnete KI-basierte Anwendung entwickelt, mit der tagesaktuelle Ernteprognosen für Anbaugebiete weltweit möglich sind. Mehr über unsere GameChanger des Monats im Interview mit Gründer und CEO Gunther Schorcht.

Wir haben die green spin GmbH als GameChanger des Monats ausgewählt, weil ihr das Ziel verfolgt, Zusammenhänge und Grundlagen globaler Lieferketten abzubilden, um dadurch mehr Transparenz und Planungssicherheit im Landwirtschaftssektor zu ermöglichen. Wie bist du auf die Idee zu green spin gekommen?

Das war im Grunde genommen schon 2012. Wir haben damals an der Uni in Würzburg gearbeitet, am Lehrstuhl für Fernerkundung, und haben unter anderem Satellitendaten zum Thema Landwirtschaft ausgewertet. Das Großartige an diesen Daten ist ja, dass sie global zur Verfügung stehen und immer wieder mit gleicher Qualität Informationen bereitstellen. Da kam die Idee auf, aus dem kleinen Uni-Projekt eine globale Plattform zu bauen und die gewonnenen Einblicke zum Beispiel Getreidehändlern anzubieten.

Dazu kam die steigende Volatilität an den Getreidemärkten – gerade auch 2012 –, das bedeutet, dass der Preis für eine Tonne Weizen sich viel mehr als früher bewegt und Getreidehändler sich vermehrt um Informationen zum aktuellen Stand der Wachstumsbedingungen bemühten.

So entstanden die ersten Prototypen. Das Projekt musste dann aber den Bedürfnissen einer jungen Firma weichen: wir haben uns die nächsten Jahre durch konkrete Aufträge im Bereich Precision Farming (auf Deutsch Präzisionslandwirtschaft) einen Namen erarbeitet, bevor wir ab 2019 wieder an CROPTIFY, unserer globalen Informationsplattform, arbeiten konnten.

Was treibt dich und deine Mitstreiter*innen im Sinne eines GameChangers an?
Die Arbeit an Bildern, die im Weltraum aufgenommen werden und die Erdoberfläche jeden Tag abbilden, ist unglaublich spannend. Man kann im Prinzip jeden Tag woanders unterwegs sein und lernt sehr viel über Ursachen und Zusammenhänge im globalen Handel von Landwirtschaftsgütern. Diesen Enthusiasmus und die Möglichkeiten, die sich aus der Auswertung der Bilder ergeben, wollen wir mit unseren Plattformen den Menschen vermitteln. Gleichzeitig wollen wir auch deutlich machen, was es für die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln bei uns bedeutet, wenn z.B. in den Great Plains der USA eine langanhaltende Trockenperiode herrscht.


Was ist das Besondere an green spin? Inwieweit unterscheidet sich euer Portal bzw. die Software-Lösung CROPTIFY von anderen auf dem Markt befindlichen Lösungen?
Wir setzen bei unserem Produkt auf größtmögliche Transparenz. Wir erstellen z.B. mehrmals pro Woche automatisierte und damit objektive Vorhersagen für die kommende Ernte und stellen diese immer im Vergleich zu weiteren verfügbaren Schätzungen dar. Gleichzeitig kann sich jede*r ein Bild davon machen, warum aktuelle Schätzungen hoch oder runter gehen, indem sich die zugrundeliegenden Daten selbst angeschaut werden können. Diese Daten werden täglich aktualisiert, dadurch kann jede*r aktuelle Nachrichten zu potenziellen Risikofaktoren in allen Teilen der Welt verifizieren und sich ein genaues Bild zu den möglichen Auswirkungen machen. Diese Kombination von objektiven Daten und Schätzungen macht unser Produkt besonders. Dazu liefern wir die Daten in einer Form, die jede*r verstehen und lesen kann: als Karten, Tabellen oder Diagramme.

KI-Start-up Conversion Maker erhält weitere 4 Mio. Euro

Mit dem zusätzlichen Funding möchte das Offenburger Start-up die einfach bedienbare Software zur Conversion-Rate-Optimierung weiterentwickeln und die Teamgröße verdoppeln.

Conversion Maker, der 2020 im badischen Offenburg von Seriengründer Michael Witzenleiter gegründete Spezialist für Conversion-Rate-Optimierung, hat ein Investment von vier Millionen Euro von der Christian Funk Holding erhalten. Erst im Februar hatte das Start-up die KI-basierte Software Conversion Maker AI zum einfachen Erstellen und Optimieren von Marketing-Texten gelauncht.

In der KW 14 war Michael Witzenleiter unser "Gründer der Woche" - hier gibt's das Interview mit ihm zum Nachlesen.

Mit dem neuen Kapital möchte das Unternehmen die Textoptimierung weiterentwickeln und die Plattform in neue Bereiche ausbauen. Dazu möchte das Start-up innerhalb der nächsten zwölf Monate die Anzahl der Mitarbeitenden von aktuell 20 auf 40 verdoppeln und einen neuen Firmensitz beziehen.

Conversion-Rate-Optimierung zugänglicher machen

Conversion Maker hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Prozess der Conversion-Rate-Optimierung mithilfe von Technologie zugänglicher zu machen. Dafür setzt das Unternehmen auf zunehmend automatisierte Tools, die auch von Anwender*innen ohne Vorkenntnisse verwendet werden können. Das erste eigene Produkt – die Software Conversion Maker AI – erstellt mithilfe von künstlicher Intelligenz aus wenigen Stichworten einen Produkttext, eine E-Mail oder ein Social-Media-Beitrag. Diese sind auf verschiedene Faktoren wie Lesbarkeit und Emotionalität optimiert, um so mehr Interessent*innen zu Käufer*innen zu machen.

Textoptimierung nur der erste Schritt

„Die Textoptimierung war für uns nur der erste Schritt. Als nächstes planen wir ein Modul, das mithilfe von KI die Bildauswahl auf Webseiten verbessert, um so die Conversion Rate zu optimieren. Dafür führen wir bereits erste Studien durch“, sagt Founder Michael Witzenleiter. „Auch bei der Datenanalyse sehen wir noch Potenzial – hier wollen wir eine Lösung entwickeln, die Schwachstellen in Online-Shops automatisch identifiziert.“

Neben eigenen Produkten setzt Conversion Maker auch auf bestehende Software, um die Conversion-Rate-Optimierung als ganzheitliche Unternehmensstrategie zu verankern. Zu den Lösungen, die nach dem Best-of-Breed-Ansatz ausgewählt wurden, zählen u.a. die A/B-Testing-Plattform Kameleoon, das Produktanalyse-Tool Mixpanel und das Marketing-Datenanalyse-Tool TrackAd.

Gründer*in der Woche: heynannyly – Turbo-Babysitting

Flexible und zufriedene Mitarbeitende dank flexibler Kinderbetreuung bzw. schnell und einfach einen vertrauensvollen Babysitter finden und spontane Engpässe noch am selben Tag abdecken, das bieten die heynannyly-Gründerinnen Anna Schneider und Julia Kahle Unternehmen und Eltern. Mehr dazu im Interview mit Anna und Julia.

Wann und wie seid ihr auf die Idee zu heynannyly gekommen?
Anna:
Seit über 12 Jahren habe ich nebenbei und in verschiedenen Ländern als Baysitterin gearbeitet und immer wieder das gleiche erlebt. Eltern hatten überall das Problem, einfach und flexibel gute Kinderbetreuung zu bekommen, und auch für mich als Babysitterin war der Aufwand immens. Bei einem meiner Aufträge dachte ich, das muss ich ändern. Und dann habe ich Julia gefunden – eine workingMom, die mit ihren beiden Kids seit über zehn Jahren weiß, was Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutet. Das hat sofort gematcht und wir wussten beide, dass wir genau hier etwas verändern wollen.

Julia: Absolut. Als ich Anna getroffen habe und sie mir von der Idee erzählt hat, wusste ich - das ist es. Betreuung an Randzeiten, wenn die Kids krank werden oder einfach die Krippen Schließzeiten nicht mit den Arbeitszeiten übereinstimmt. Da gibt es unzählige Beispiele. Durch meinen vorherigen Job als Head of HR Marketing im Konzern wusste ich auch, dass in den Unternehmen einfach kein Hebel und Benefit für arbeitende Eltern und mehr Flexibilität vorhanden ist. Und genau das braucht aus unserer Sicht new work.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start im Mai dieses Jahres?
Anna:
Da gab es einige. Unsere GmbH-Gründung im März 2022 und den ersten Investor allygatr aus Berlin an Bord zu nehmen. Aber definitiv auch unseren MVP zu launchen. Wir haben schon von Anfang an immer möglichst viel Feedback eingeholt – aber das Feedback live zu bekommen ist am wertvollsten. Wir ändern quasi täglich kleine Features und unsere Product Roadmap.

Was ist das Besondere, das Innovative an heynannyly und wie unterscheidet ihr euch damit von anderen Kinderbetreuungsmöglichkeiten?
Julia:
Zum einen war uns ganz besonders wichtig, einfach und flexibel an sehr vertrauensvolle Betreuer*innen zu kommen. TRUST ist bei dem Thema unsere absolute Priorität. Als Mutter weiß ich, dass hier die Basis für eine gute Betreuung überhaupt erst geschaffen wird. Und mit unseren Recruiting Backgrounds war schnell klar, dass wir ein Screening machen ähnlich der Einstellung in Unternehmen (ID-Check, Background-Check, Video-Check) und alles transparent in den Profilen der Nannys einsehbar machen.

Anna: Dazu gehört auch das Thema Erste Hilfe, das wir als Schulung für unsere Nannys zur Verfügung stellen und die Haftpflichtversicherung, die bei allen unseren Buchungen inklusive ist. Und ja klar – die Verfügbarkeit innerhalb weniger Stunden gehört sicher auch zu unseren USPs.

Wie findet und bindet ihr geeignete Babysitter?
Anna:
Auch das ein echter Mehrwert mit Recruiting-Know-how – da haben wir scheinbar die richtigen Kanäle getroffen. In unserer Start-City München hatten wir recht schnell die ersten 1.000 Babysitter an Bord. Ganz genau verraten wollen wir die Quelle natürlich nicht – wir haben alles ausprobiert von SEA bis hin zu Guerilla Aktionen in der Stadt und Postwurfsendungen. Die Bindung erfolgt zum einen über einen fairen Stundenlohn, die Haftpflichtversicherung, den kostenlosen Account und eine Incentivierung für häufige Buchungen.

Wer sind eure Kund*innen?
Julia:
Alle Eltern, die Kinderbetreuungsbedarfe haben – sei es, weil sie keinen Kitaplatz bekommen haben, abends mal ausgehen oder sich für den Job Freiraum schaffen müssen. Und natürlich alle familienfreundlichen Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Entlastung und Flexibilität geben. Nicht nur in kaufmännischen Jobs, sondern unbedingt auch in Bereichen mit Schichtarbeit und natürlich überall da wo es nicht mehr so einfach ist gute Mitarbeitende zu gewinnen. Also als klarer Benefit.

Wie habt ihr die Startphase und damit auch euch selbst bislang finanziert?
Anna:
Die ersten Monate haben wir gebootstrapt und dann einen HR TECH VC mit an Bord genommen. Cash für die Programmierung, aber auch das Netzwerk und operativer Support waren hierbei unsere wichtigsten Aspekte.

Wie macht ihr auf euch und heynannyly aufmerksam?
Julia:
Zum einen natürlich mit digitalem Marketing und über die verschiedenen Mütter-/Väter-Netzwerke, in denen wir aktiv sind. Unser wichtigster Kanal bisher ist aber LinkedIn. Dort erzählen wir auch schon seit Beginn unseres Vorhabens über uns und den Aufbau von heynannyly.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To Do's und Vorhaben?
Julia:
Gerade sind wir in unsere nächste Finanzierungsrunde gestartet – wir suchen je nach Run Rate 700k+ für unser Product Market Fit und den Scale. Wir wollen einen CPO mit an Bord nehmen und auch Know-how für Marketing & Sales integrieren. Das Produkt muss weiterentwickelt werden und Marketingbudget ist wichtig.

Anna: Nach dem Product Market Fit in München stehen die nächsten großen Städte an – wir wollen auch in die DACH-Region und in die Key Cities in Europa. Dabei sind wir relativ flexibel – wo wir die meisten Contracts einsammeln im Bereich B2B sind wir als erstes.

Und last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben?
Anna:
Für uns war es die richtige Entscheidung zu zweit zu gründen – gemeinsam die Erfolge zu feiern und bei Fails und schwierigen Entscheidungen einen strategischen Partner zu haben ist eigentlich das Beste.

Julia: Und was wir selber oft gehört haben, hat auch bei uns gestimmt – geht so schnell wie möglich mit dem MVP auf den echten Markt. Es gibt keine wertvolleren Feedbacks.

Hier geht's zu heynannyly

In diesem Video erfahrt ihr mehr über die Gründerinnen und ihr Kids-Biz

Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: HOX – Büro out of the box

Stefanie Kormis und Pia Zitzmann, die Gründerinnen der Hamburger HOX Manufaktur GmbH, haben die Homeoffice-Box HOX entwickelt. HOX verbindet Stauraum, Stehpult und Mobilität mit einem rundum coolen Design. Mehr dazu im Interview mit Pia und Stefanie.

Spätestens seit Corona das Homeoffice und Arbeiten an sich regelrecht neu erfunden hat, gibt es zahlreiche pfiffige Lösungen, um mobil und platzsparend zugleich arbeiten zu können. Wann und wie seid ihr auf die Idee zu HOX gekommen?

Pia: Natürlich auch durch Corona, sprich im ersten Lockdown. Wir sind also Teil der Bewegung, die das Homeoffice und Arbeiten an sich neugestalten.

Wie so viele saßen auch wir von heute auf morgen in unseren Wohnungen und haben am Esstisch und auf der Couch gearbeitet. Wir haben wir uns darüber gefreut, dass das Homeoffice endlich eine Revolution erfährt, aber das Chaos am Küchentisch und der schmerzende Rücken, weil ein schicker Freischwinger einfach keinen Bürostuhl ersetzt, blieben.

Folglich haben wir recherchiert, welche Lösungen es am Markt gibt, aber nichts gefunden, was all unsere Bedürfnisse perfekt abdeckt. So ist dann die Idee einer mobilen Box, in der man alles verstauen kann und die auch die Option bietet im Stehen arbeiten zu können, entstanden.

Was waren die wichtigsten Steps von der Idee bis zum fertigen Produkt?

Pia: Auf die erste Idee folgte ein Moodboard auf dem wir unsere Vorstellungen zum Design, zum Material, zur Farbe und zur Funktionalität veranschaulicht haben. Dann haben wir uns auf die Suche nach einem/r Produktdesigner*in gemacht und gemeinsam mit ihm in mehreren Iterationen das Design abgestimmt und auch den ersten Prototypen fertigen lassen. Dieser war leider noch nicht sehr fotogen, aber perfekt, um Schwachstellen zu erkennen und um uns auf die Suche nach einem Produzenten zu machen. Aus einem wurden sehr schnell drei Zulieferer und vor allen Dingen ein qualitativ hochwertiges und schönes Produkt. Das haben wir insbesondere unseren Produzenten zu verdanken, mit denen wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aufbauen konnten.

Wie habt ihr die Entwicklung und damit die Startphase finanziell gestemmt?

Stefanie: Wir haben bisher alles aus eigenen finanziellen Mitteln gestemmt, d.h. wir sind gebootstrappt. Glücklicherweise haben wir aber viel Unterstützung von unseren Produktionspartnern erhalten. Der Schritt vom ersten Prototyp zum marktreifen Produkt war größer als gedacht, aber wir konnten ihn Dank der unentgeltlichen Entwicklungsleistung der Möbelwerkstatt Stratmann & Degener, unseres Metallers der Runa GmbH und unserem Zulieferer für die Fizfächer Voigt GmbH umsetzen.

Zudem haben wir eine Förderung der Hamburger Kreativgesellschaft erhalten, mit der wir das Foto- und Videomaterial für unsere Crowdfunding Kampagne erstellen konnten.

Auf den Punkt gebracht: Was ist das Besondere an HOX und inwiefern hebt sich eure Lösung von anderen mobilen Arbeitsplätzen ab?

Stefanie: Unser Möbel ist einzigartig in der Kombination Stauraum, Stehpult und Mobilität. HOX ist ein elegantes und gleichermaßen praktisches Möbel, in dem in wenigen Sekunden ein ganz Büro verschwinden kann, um z.B. den Feierabend einzuläuten oder auf den Balkon umzuziehen. Zudem kann mit nur einem Handgriff der HOX-Deckel in die Höhe gezogen werden, so dass man ein perfektes Stehpult inkl. Mauspad hat. Dieser ergonomische Aspekt war uns besonders wichtig bei der Entwicklung. Im Unterschied zu anderen mobilen Lösungen muss man die HOX am Ende eines Arbeitstags nicht irgendwo verstauen, sondern sie integriert sich nahtlos schön in jedes Wohn- oder Esszimmer ein. Kleinen Kindern kann sie auch als Hocker oder Tischchen dienen.

100 Mio. Euro Fonds für FoodTech- und GreenTech-Start-ups

Der Green Generation Fund (GGF), ein neuer europäischer Early Stage Impact Investor, gibt den Launch seines ersten Fonds in Höhe von 100 Mio. Euro bekannt.

Der Green Generation Fund (GGF), ein neuer europäischer Early Stage Impact Investor (Pre-Seed, Seed und Series A), gibt nach einem überzeichneten ersten Closing im Herbst 2021 den Launch seines ersten Fonds in Höhe von 100 Mio. Euro bekannt – weniger als ein Jahr nach Start des Fundraisings. Das Berliner Team hat bereits die ersten acht Investments getätigt und plant sich mit seinem Kapital an 20 bis 25 europäischen und US-amerikanischen Start-ups in den Bereichen Food Tech und Green Tech zu beteiligen.

Gegründet wurde der Green Generation Fund von zwei Partnerinnen – Dr. Manon Sarah Littek und Janna Ensthaler – beide mit komplementärem Profil und seit mehr als zehn Jahren als Investorinnen und Unternehmerinnen tätig.

Dr. Manon Sarah Littek ist neben ihrer Rolle als Mitgründerin des GGF als unabhängige Board Direktorin bei Upfield tätig. Zuvor war sie über zehn Jahre in einer General Partner Rolle im Corporate Venture Capital Umfeld bei Katjesgreenfood, Europas erstem Food Impact Investor mit einem diversen EU/US Marken-Portfolio, und DLD Ventures, dem internationalen Investment-Arm von Burda Digital, tätig.

„Ich bin überzeugt, dass wir die deutsche und europäische Wirtschaft vor allem dadurch zukunftstauglich machen können, indem wir heute die Ökosysteme der Zukunft identifizieren und dann im Wettbewerb zu anderen Regionen der Welt schnellstmöglich aufbauen und für uns besetzen. Unsere Investment-Kategorien Food Tech und Green Tech sind zwei der bedeutendsten Zukunftsindustrien der nächsten Jahrzehnte“, so Littek.

Im Jahr 2012 reiste Janna Ensthaler mit Al Gore und seinen Wissenschaftler*innen in die Antarktis, um sich intensiver mit den Auswirkungen des Klimawandels zu beschäftigen. Zu dem Zeitpunkt war die Serien-Gründerin noch also CEO für ihre Firmen (GlossyBox, Event Inc. und Kaiserwetter) im Einsatz, fasste dann aber inspiriert durch die Reise den Entschluss, sich im Bereich Nachhaltigkeit zu engagieren. Ensthaler begann ihre Karriere bei Bain & Company in London.

Fokus auf Food- und GreenTech

Inhaltlich konzentriert sich die Investmenthypothese auf zwei Säulen: Innerhalb von FoodTech setzt der Berliner Impact Investor auf Unternehmen mit Technologien zur Herstellung der nächsten Generation fortschrittlicher Proteinquellen, Präzisionsfermentierung und Zellkultivierung sowie Clean Ingredients und Human Microbiome.

Investments in GreenTech konzentrieren sich vor allem auf nachhaltige Lösungen (Hardware und Software) für Materialien und Verpackungen, Technologien zur Dekarbonisierung sowie erneuerbare Energien und nachhaltige Lieferketten.

Bisher hat sich der Green Generation Fund an acht Unternehmen beteiligt, darunter Neggst (erstes pflanzliches Ei mit getrenntem Eigelb, Eiweiß und Eischale), Biomilq (zellkultivierte Brustmilch), Libre (Fleischersatz basierend auf Mycelium / Pilzen), Lypid (pflanzliche Alternative zu Fettgewebe), Change Foods (Käse auf Basis von Präzisionsfermentierung), The Rainforest Company (Acai-Superfood zum Schutz des Regenwaldes) aus dem Bereich FoodTech sowie Klim (Carbon Offsetting App für nachhaltige Landwirtschaft) und One Five (R&D Plattform für Plastikalternativen) aus der Kategorie GreenTech.

All diese Start-ups haben gemeinsam, dass ihre Technologien und Geschäftsmodelle messbare Fortschritte sowie einen signifikanten, positiven Einfluss auf die Umwelt haben, insbesondere im Bereich CO2-Vermeidung, Kreislaufwirtschaft, Ressourcen- und Klimaschutz, Tierwohl, Biodiversität sowie Gesundheitsförderung. Als künftiger Artikel 9 „Impact Fund“ der neuen EU Sustainable Finance Disclosure Regulation ist die Vergütung der Fundmanager ebenfalls an die Erreichung solcher Nachhaltigkeitsziele geknüpft.

Rund 30 Investor*innen sind beteiligt

Beteiligt haben sich neben Ankerinvestoren Florian Wendelstadt (Ex-MD General Atlantic Europa, Caldec) und Kaltroco (UK Family Office) eine Reihe weiterer namhafter, internationaler Investor*innen darunter Susan Danziger mit Albert Wenger (Eutopia), Canica (Schweiz/Norwegen) und Corecam Capital Partners (Singapur), Liesner & Co. (Hamburg) und Max Iann. Fund of Funds wie Equation oder Aldea und institutionelle Investoren wie KfW Capital haben sich ebenfalls signifikant engagiert.

Auch Industrieexperten wie z. B. Ex Aldi CEO Dr. Marc Heußinger, Peter Dill (Deutsche See), Babor (Aachen) und Dr. Anne-Marie Großmann (Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe) sind in den GGF investiert. Dazu kommen Gründerinnen und Multiplikatorinnen wie Delia Lachance (Westwing), Lea-Sophie Cramer (Amorelie) und Verena Pausder. Insgesamt haben knapp 30 Investor*innen eine deutlich überdurchschnittliche Zusage von über 3 Mio. Euro gegeben.

Studie „Gründungsklima in Deutschland“ 2022

Die Studie zeigt: Jeweils mehr als jedes dritte Start-up beschäftigt Familie oder ehemalige Kolleg*innen; verfügbaren Arbeitskräften fehlen generell fachliche Qualifikationen.

Der Fachkräftemangel belastet Unternehmen verschiedener Branchen schwer. Doch Start-ups scheinen dabei weniger betroffen zu sein: 62 Prozent derjenigen, die in den vergangenen fünf Jahren eine Firma in Deutschland gegründet haben, hatten keine Probleme, Mitarbeitende zu finden. Für 46 Prozent war der Aufwand angemessen. Nur 38 Prozent bewerten den zeitlichen und administrativen Aufwand für die Suche und Auswahl als hoch. Das liegt vor allem daran, dass die Jungunternehmer*innen selten auf klassisches Recruiting zurückgreifen. Sie stellen vor allem bekannte Gesichter ein – wie etwa Familienangehörige und Fachkräfte von früheren Arbeitgebenden. Das geht aus der Studie „Gründungsklima in Deutschland“ im Auftrag von Baulig Consulting hervor, für die 300 Gründer*innen befragt wurden, die in den vergangenen fünf Jahren ein Unternehmen gegründet haben.

Ab einem gewissen Umsatzniveau sind Einzelkämpfer relativ selten

85 Prozent der befragten Gründer*innen haben Mitarbeitende im Unternehmen. Rund drei Viertel der jungen Firmen beschäftigen festangestellte Teil- oder Vollzeitkräfte. Freiberuflich Tätige sind bei 30 Prozent der Start-ups im Einsatz. Besonders verbreitet ist dabei die Beschäftigung von Familie und Bekannten: 37 Prozent beschäftigen Familienangehörige und 35 Prozent haben ehemalige Kolleg*innen angesprochen und eingestellt. Mit 12%, 11% und 8%, machen Arbeitskräfte aus dem Ausland, Studierende oder Zeitarbeitende nur einen geringen Anteil aus.

„Ein gutes Netzwerk, beispielsweise im Heimatort, ist das A und O bei einer Gründung. Wer neue Mitarbeitende bereits kennt, kann deren Referenzen und den Fit mit der Firmenkultur besser beurteilen, was zu weniger Fluktuation führt“, sagt Markus Baulig, Co-Gründer und Geschäftsführer von Baulig Consulting. „Da sich nicht jeder Stellensuchende auf ein unbekanntes Start-up einlassen möchte, werden oft Einstellungen von Familie und Bekannten bevorzugt, wichtiger ist aber unserer Erfahrung nach das oftmals bestehende Vertrauensverhältnis.

Digitalkompetenz gefragt

Gerade, wenn es um Digitalkompetenzen geht, greifen Gründer*innen auf bekanntes Know-how zurück: 41 Prozent der Firmen mit digitalem Geschäftszweck haben ehemalige Kolleg*innen angestellt. Digitale Unternehmen setzen auch überdurchschnittlich oft auf Freiberufliche: 43 Prozent haben diese beauftragt, im Schnitt aller Firmen nur 30 Prozent. Start-ups im digitalen Bereich sind auch häufiger als der Durchschnitt als Einzelkämpfer*nnen unterwegs: 21 Prozent von ihnen haben keine Beschäftigten.

„Firmen mit digitalem Schwerpunkt müssen oft weniger Investitionen tätigen – das betrifft auch die Beschäftigten. Im Gegensatz zum stationären Geschäft lässt es sich meist mit wenig Manpower betreiben und die Beteiligten können flexibel von überall und zu jeder Zeit arbeiten“, sagt Geschäftsführer Markus Baulig, „Wenn allerdings Fachkräfte benötigt werden, sind gerade IT- und Digitalisierungsexpertinnen und -experten schwer zu finden oder mit dem Budget eines Start-ups zu bezahlen.“

Das bestätigt auch die Studie: Wenn es Schwierigkeiten gab, geeignetes Personal zu finden, lag es für ein Drittel an der fachlichen Qualifikation. Sechs Prozent haben konkret Digitalkenntnisse vermisst. Falsche Gehaltsvorstellungen und fehlende Einsatzbereitschaft waren bei etwa jedem/jeder sechsten Gründer*in ein Problem. Bei 21 Prozent der Firmen mit digitalem Geschäftsmodell scheiterte die Personalsuche an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen. In der Großstadt ist die Konkurrenz stärker: Überdurchschnittlich oft scheitert die Mitarbeitendensuche an fehlenden fachlichen Qualifikationen, Lohnvorstellungen, Auftreten und aus Sicht der Bewerber*innen unattraktiven Arbeitsbedingungen eines Start-ups.

Tipp: Auf persönliches Umfeld setzen

Grundsätzlich ist das Fachkräfteproblem bei Gründer*innen, die auf Bekannte und Familie zurückgreifen, weniger drängend. Tatsächlich raten auch nur neun Prozent der erfolgreichen Gründer*innen anderen, sich zuerst um geeignete und motivierte Mitarbeitende zu kümmern – viel häufiger werden die richtige Einschätzung des Arbeitsaufwands, Wettbewerbsanalyse und eine sichere Finanzierung als Ratschläge genannt. Am ehesten hat noch das produzierende Gewerbe Personal-Probleme. Hier raten 16 Prozent dazu, sich frühzeitig mit der Personalsuche zu befassen. Nur sieben Prozent der Anbieter von digitalen Dienstleistungen geben hingegen diesen Hinweis.

„Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Mitarbeitende aus dem regionalen und persönlichen Umfeld oft die beste Wahl sind. Empfehlungen aus den Reihen der Beschäftigten nehmen wir sehr gerne an. In unserem Heimatort Koblenz ermöglichen wir es Mitarbeitenden, am Firmenstandort nah bei der Familie zu sein“, erklärt Markus Baulig. „Schließlich sind auch wir Geschäftsführer Brüder, die lange gut zusammenarbeiten.“

Über die Studie

Für die Studie „Gründungsklima in Deutschland“ wurden bundesweit 300 Personen befragt, die in den vergangenen fünf Jahren ein gewerbesteuerpflichtiges Unternehmen gegründet haben. Das Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) hat die Umfrage im Januar und Februar 2022 telefonisch durchgeführt.

Entrepreneurship Monitor (GEM) Länderbericht Deutschland 2021/22

Wer gründet in Deutschland häufiger – Migrantinnen und Migranten oder in Deutschland Geborene? Und wie unterscheiden sich die Gründungsquoten zwischen Migrantinnen und Migranten? Wie sind ihre Wachstumsambitionen? Antworten liefert der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Länderbericht Deutschland 2021/22.

Laut des aktuellen GEM-Länderberichts Deutschland gründeten im Jahr 2021 in Deutschland den absoluten Zahlen nach zwar mehr Personen, die hierzulande geboren sind, allerdings ist die Gründungsquote der migrantischen Bevölkerung mit knapp 14 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die Gründungsquote der einheimischen Bevölkerung (ca. 7 Prozent). Die GEM-Gründungsquote wird definiert als Anteil derjenigen 18- bis 64-Jährigen, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen. Auffällig ist außerdem, dass die migrantische Gründungsquote von 2020 auf 2021 besonders stark gestiegen ist (2020: knapp 6 Prozent; 2021: knapp 14 Prozent) und dabei sogar den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung der Daten zu Gründungen durch Migrantinnen und Migranten im GEM erreicht hat.

Migrantinnen und Migranten in Sachen Gründung gleichauf 

Das Geschlechterverhältnis war unter migrantischen Personen 2021 sehr ausgeglichen: Migrantische Frauen gründen genauso häufig wie Männer – die GEM-Gründungsquote liegt bei beiden Gruppen bei knapp 14 Prozent. Bei der einheimischen Bevölkerungsgruppe hingegen sind Gründerinnen deutlich seltener vertreten als Gründer (5 Prozent vs. 8 Prozent). Migrantinnen gründen in Deutschland also fast dreimal so häufig ein Unternehmen wie Nichtmigrantinnen. Dr. Susanne von Below, Leiterin Referat AS 1 – Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und der Beauftragten für Antirassismus im Bundeskanzleramt, stellte dazu fest: „Gründerinnen und Gründer mit Einwanderungsgeschichte sind ein essentieller Teil der Gründungslandschaft in Deutschland. Es gilt, das Augenmerk auf Chancen und wirtschaftliche Potenziale zu richten. Mit Blick auf Frauen mit Migrationshintergrund verspricht der Koalitionsvertrag explizit, Hürden bei Finanzierung und Förderung abzubauen.“

Wachstumsambitionen und eine internationale Ausrichtung sind bei Migrantinnen und Migranten am stärksten ausgeprägt 

Nach wie vor sind auch die Wachstumsambitionen, im GEM definiert als der erwartete prozentuale und absolute Zuwachs an Angestellten, bei migrantischen Gründenden im Schnitt deutlich stärker ausgeprägt (24 Prozent) als bei einheimischen Gründenden (10 Prozent).
Darüber hinaus richten knapp 22 Prozent der Migrantinnen und Migranten 2021 ihr Geschäft stark international aus, was bedeutet, dass nach Aussage dieser Gründenden mehr als 25 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet werden. Gründungen durch Einheimische richten sich etwas seltener international aus (19 Prozent). Diese Erkenntnis überrascht nicht: Die Internationalität von migrantischen Gründenden ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal – migrantische Start-ups nutzen häufiger Englisch als Arbeitssprache, ihre Teams sind internationaler und sie verfügen häufiger über gute oder sehr gute internationale Netzwerke. All diese Faktoren verschaffen ihnen klare Vorteile bei der Etablierung ihres Unternehmens auf internationalen Märkten.

Die Daten des GEM zeigen also, dass Gründungen durch Migrantinnen und Migranten einen wichtigen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland leisten. Deswegen ist es von großer Bedeutung, speziell für Migrantinnen und Migranten attraktive und unbürokratische Zugänge zum Arbeitsmarkt zu schaffen.

Der vollständige GEM Länderbericht Deutschland 2021/22 steht unter http://rkw.link/gem2022 zum Download zur Verfügung.

Planted: Millionen-Investment für den Klimaschutz

Das 2021 gegründete Kölner GreenTech-Start-up Planted will mit Millionen-Investment Unternehmen zu Klimarettern machen.

Planted ist ein 2021 von Cindy Schüller, Wilhelm Hammes Heinrich Rauh und Jan Borchert gegründetes Green-Tech-Start-up mit Sitz in Köln. Das 14-köpfige Team setzt sich für den Erhalt der Erde und ihrer Ressourcen ein – dabei geht es sowohl um das Reduzieren als auch das Vermeiden von CO2-Emissionen. Mithilfe unkomplizierter Abomodelle und einer eigens entwickelten Software-Lösung können Unternehmen in den aktiven Klimaschutz investieren. Ziel ist, dass Unternehmen ihre Netto-Null-Emissionen erreichen und so einen entscheidenden Beitrag beim Erreichen des 1,5-Grad-Ziels leisten.

Klimaschutz-Dreiklang

Planteds Strategie für aktiven Klimaschutz besteht aus einem Dreiklang globaler Klimaschutzprojekte, dem Pflanzen lokaler, klimastabiler Bäume und der allgemeinen Reduktion von CO2 in Unternehmen. Letzteres soll möglich werden dank einer innovativen Dekarbonisierungs-Software.

Im Rahmen einer 1-Millionen-Pre-Seed-Finanzierungsrunde beteiligen sich nun Smart Infrastructure Ventures und neoteq ventures an Planted. Darüber hinaus sind die Business Angels Julius Göllner (ARRtist), Jochen Berger (Groundbreaker), Friedrich Neumann (Urban Impact Capital), Johannes Sass (Wow Yes Ventures) und Lucas von Fürstenberg (Freiherr von Fürstenberg’sche Forstverwaltung) involviert sowie das Family Office Rivus Capital.

Von innen heraus dekarbonisieren

„Die Finanzierung ermöglicht es uns, eine innovative Software-Lösung zu entwickeln, mit der sich Unternehmen von innen heraus dekarbonisieren. Wir wollen ein kollektives Bewusstsein schaffen und dank individueller Challenges Firmen spielerisch zum Klimaschutz befähigen. Dabei soll jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine aktive Rolle einnehmen und Verantwortung für ein zukunftsfähiges Morgen übernehmen,” sagt Cindy Schüller, Mitgründerin von Planted.

Die vier Kölner*innen wollen nichts wengier als unseren Planeten zukunftsfähig für die nächsten Generationen machen – und suchen dabei den engen Schulterschluss mit Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen. Mit an Bord ein eigener „Klimaförster“, der sich um die Bepflanzung der klimastabilen Bäume in deutschen Mischwäldern kümmert: Jan Borchert.

Jahresbilanz: 35.000 Tonnen CO2 ausgeglichen

Co-Founder Borchert zieht nach einem Jahr Planted ein erstes Zwischenfazit: „100.000 klimastabile Bäume in Deutschland – und das innerhalb von nur einem Jahr! Das war nur möglich dank toller Partnerfirmen wie Eurowings, Gerry Weber oder Electronic Sports League, die an unsere Vision glauben. Mit unseren über 100 Partnern haben wir insgesamt knapp 35.000 Tonnen CO2 ausgeglichen. Anders ausgedrückt konnten wir so über 60.000 Flüge von Köln nach Barcelona und zurück durch Klimaschutzprojekte ausgleichen. Dank der Finanzierungsrunde können wir jetzt nicht nur das Thema CO2-Ausgleich, sondern auch die aktive Vermeidung forcieren.“

Vormerken: Die spannende Planted-Gründerstory liest du in der kommenden Printausgabe von StartingUp – Heft 03/22, ab dem 01. September 22 im Handel.

Gründer*in der Woche: PAIO – der Trinkhalm ohne Kompromiss

PAIO – das sind nachhaltige Trinkhalme aus Schilfrohr, die sich als die Premium-Alternative zu den klassischen (Plastik-)Trinkhalmen für Gastronomie und Privatgebrauch positionieren. Was das Besondere daran ist, erfahren wir im Interview mit dem PAIO-Vertriebsleiter Thorsten Unruh.

Es gibt viele Alternativen zum herkömmlichen, mittlerweile nahezu vollkommen aus dem Alltag verschwundenen Plastik-Trinkhalm? Ist dieses Thema derart lukrativ, dass es hier solch einen Wettbewerb rund um den Trinkhalm gibt?

Sicher, der Markt der Plastikhalme war riesig. Nach dem Verbot für Plastik-Einwegartikel hat sich dies aber deutlich reduziert. Trotzdem ist der Markt aber immer noch beträchtlich, da für viele Getränke ein Trinkhalm einfach dazugehört. Ein Caipirinha ohne Halm? Nicht wirklich.

Hinzukommt, dass wir nicht mit Glas oder Papier konkurrieren (weil unsere PAIO-Trinkhalme eindeutig die besseren Eigenschaften haben), sondern mit dem Weglassen des Trinkhalms. Aber gewisse Getränke, wie ein Mojito & Co. benötigen nach wie vor einen Trinkhalm.

Wie ist die Idee zu dem Schilf-Trinkhalm entstanden?

PAIO ist eine eingetragene Marke im Vertrieb der Hiss Reet GmbH, Deutschlands größtem Händler für Schilfrohr mit einer 180-jährigen Reet-Tradition.

Die ersten Ideen für den Trinkhalm aus Reet gab es bei uns schon vor vielen, vielen Jahren. Aber damals war der Markt nicht bereit dafür. Der Plastikhalm war ja nahezu umsonst und Mikroplastik in der Umwelt noch kein Thema. Erst nach dem Verbot der Plastikhalme und dem gewachsenen Umweltbewusstsein ist überhaupt ein Markt entstanden, der die notwendigen Investitionen in die Herstelltechnik erlaubt.

Generell haben wir bereits in der Vergangenheit unser Wissen und Know-how rund um das Thema Schilfrohr/Reet für andere nachhaltige Produkte, wie Sonnenschirme, Insektenhotels, Sichtschutzzäune etc. genutzt.

Die Idee ist durch die Produkteigenschaften des Rohstoff Schilfrohr/Reet entstanden, da dieser nahezu 1:1 den Plastik-Trinkhalm ersetzt – nur halt in einer natürlich gewachsenen Form.

Was waren die wichtigsten Steps von der Idee bis zum fertigen Produkt?

Die größte Herausforderung war die Schneidetechnik, so dass kein Spliss an den Halmen entsteht. Die Reinigung der Halme von innen ohne dass die Innenhaut beschädigt wird und somit die Geschmacksneutralität leidet. Und natürlich müssen die Halme entsprechend behandelt werden, um den Hygieneanforderungen gerecht zu werden. Dies geschieht ausschließlich mit Wasser, Luft und Wärme.

Auf den Punkt gebracht: Was ist das Besondere an PIAO, inwiefern hebt er sich von anderen Trinkhalmen ab?
Konstante und verlässliche Qualität (hinsichtlich Halmlänge und Durchmesser der Trinkhalme), neutraler Geschmack (im Vergleich zu z.B. Bambus, Papier oder Metall-Trinkhalmen), stabil & bruchsicher (im Vergleich zu Glas), 100% natürlich & einfach kompostierbar.

Gründer*in der Woche: GoodBytz – der intelligente Robotic-Sous-Chef

Das Hamburger Food-Tech-Start-up GoodBytz entwickelt intelligente Küchenassistenz-Roboter, mit deren Hilfe Köch*innen mehr Freiraum u.a. für kreative Dinge erhalten sollen. Mehr zu dem innovativen Konzept erfahrt ihr im Interview mit GoodBytz-CEO Dr. Hendrik Susemihl.

Wann und wie bist du zusammen mit Kevin und Philipp auf die Idee gekommen, einen Küchenassistenz-Roboter zu entwickeln?

Wir alle waren in den vergangenen Jahren beruflich immer viel unterwegs und haben dabei irgendwann festgestellt, dass wir uns oft bei To-Go oder Lieferessen nur sehr ungesund ernähren konnten. Auch die Qualität des Essens ließ häufig zu wünschen übrig. Irgendwann haben wir uns gefragt, woran das liegen könnte und festgestellt, dass die Gastronomie vor enormen Herausforderungen, wie z.B. dem Fachkräftemangel steht. Da wir zusammen seit vielen Jahren gemeinsam Roboter entwickeln, haben wir schnell erkannt, dass dies die perfekte Lösung für viele Probleme ist, da so nicht nur eintönige, ungesunde und unattraktive Arbeiten übernommen, sondern auch das notwendige Know-how leicht skaliert werden kann. Als uns das Potenzial hierbei klar geworden ist, haben wir kurze Zeit später GoodBytz gegründet.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur in Kürze bevorstehenden ersten Pilotphase?

Begonnen haben wir mit Bootstrap und einer Förderung des IFB Hamburg InnoFounder Programms. Mit diesem Geld wurde unser erster Prototyp in gut drei Monaten entwickelt, welcher bereits frische Gerichte in wenigen Minuten voll automatisch zubereiten konnte. Eine erste Herausforderung war zu Beginn der Deep Dive in die Food Industrie, zu der wir bis dahin keinerlei Zugang hatten. Glücklicherweise sind wir sehr schnell auf viele Experten aus allen Bereichen gestoßen und konnten so den Produktfokus schärfen sowie den Markt tiefer durchdringen.

Die nächste Hürde bestand darin, als Hardware-Tech-Company Investoren zu gewinnen, was für viele Gründer die Hardware entwickeln, denke ich, eine Herausforderung darstellt. Da wir den Ansatz verfolgen, immer nach Wegen zu suchen, wie wir auch mit Hardware schnelle Iterationszyklen vergleichbar mit Softwareprodukten realisieren können, ist uns dies jedoch mit unserer Seed Runde und dem Investment von Oyster Bay Venture Capital Anfang des Jahres in kurzer Zeit gelungen.

Was ist das Besondere an euren Küchenassistenz-Robotern, was leisten sie und wo sollen sie zum Einsatz kommen?

Wir sehen Roboter als Tool, um Menschen zu unterstützen. Damit sie dies tun können, müssen sie auch von jedem bedient und programmiert werden können. Unser Fokus richtet sich dabei auf den B2B-Sektor. Jeder Zubereitungsschritt ist bei unserem System in Module aufgeteilt, welche in kürzester Zeit in verschiedenen Konfigurationen aufgestellt und in Betrieb genommen werden können. Was die Systeme dann kochen, können unsere Kunden selbst entscheiden, indem sie über ein ganz einfaches UI eigene Rezepte und Zubereitungsschritte anlernen. Im Anschluss müssen nur noch die Kühlsysteme mit Lebensmitteln befüllt werden und los geht’s!

Um dieses Konzept schnell skalieren zu können, setzen wir nicht auf Sonderbauten, sondern integrieren Standard Profiequipment aus der Gastronomie. Unsere Roboter bedienen dann im Grunde Systeme und Geräte, welche in der Branche bereits lange erprobt und akzeptiert sind.

Die ersten Roboter werden vor allem in systemischen Konzepten wie z.B. dem Delivery Bereich oder in öffentlicher Infrastruktur und Mitarbeiterverpflegung zum Einsatz kommen. Mit modernen Food-Konzepten und dem Einbinden von diversen Food-Creatorn wollen wir dabei vor allem Plant-based und gesundes Essen pushen und massenzugänglich machen.

In einer ersten Seed-Runde habt ihr gerade 2,5 Millionen Euro eingesammelt. Glückwunsch zu diesem Erfolg! Was ist mit dem frischen Kapital geplant?

Vielen Dank! Wir sind sehr glücklich, einen Partner gefunden zu haben, der in Food-Technologien und -Produkte investiert, welche einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben. Mit dem Investment werden wir unsere Roboter weiterentwickeln und in Pilotprojekten am Markt erproben. Als ersten Schritt werden wir dazu ein eigenes Delivery Konzept in Hamburg betreiben, welches Endkonsumenten über die gängigen Plattformen bestellen können. Im zweiten Schritt bringen wir dann Systeme in B2B-Kunden betriebenen Konzepten an den Markt.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Ziele?

Unser erstes Ziel ist es, hochwertiges und gesundes Essen überall und jederzeit auf Abruf verfügbar zu machen. Dazu schaffen wir in erster Instanz die erforderliche Roboterinfrastruktur in verschiedenen Konzepten an diversen Standorten.

Neben dem reinen Zubereiten von Gerichten zielen wir insbesondere auf das ganze digitale Ökosystem der Küche, also Warenwirtschaft, POS, Delivery Management und so weiter ab. Mit unseren Systemen im Zentrum lassen sich alle miteinander verknüpfen und so die gesamte Prozesskette vom Lebensmittelerzeuger bis zur Kundenexperience verbessern. Gleichzeitig schaffen wir eine nie da gewesene Datenlage, mit welcher wir bspw. Food-Waste verringern, automatisiert regionale Produkte ordern oder über Forecasting-Modelle und Empfehlungen für Menü-Optimierungen das Angebot je nach Region stetig optimieren und so Gastronomie als Ganzes profitabler gestalten können.

Und last but not least: Was willst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den unternehmerischen Weg geben?

  • Der erste Tipp richtet sich vor allem an Gründer*innen, welche ebenfalls Hardwareanteile in ihren Produkten haben: Reduziert euer Produkt auf die wesentlichsten Funktionen, sodass ihr so schnell wie möglich zu Validierungen und Anwendungen bei echten Kunden findet. Nutzt dafür intensiv Technologien wie 3D-Druck und eigene Bearbeitungsschritte, um lange Lieferzeiten und hohe Kosten zu vermeiden. Nur so lassen sich kostenintensive Entwicklungsprozesse richtig steuern, da finanziell oft nur wenige falsche Entscheidungen möglich sind.
  • Die zweite Erfahrung kommt aus dem Talent Sourcing: Schaut vor allem auf das Potenzial zur Weiterentwicklung von neuen Talenten als nur auf die vorhandenen Qualifikationen. Start-Up heißt kontinuierlich zu lernen, also umgebt euch mit Menschen, die genau das gut können.
  • Als letztes kann ich euch nur die intensive Nutzung von digitalen Tools für Finanzen, Rechtliches, Aufgabenmanagement, Visualisierung, Personalwesen usw. ans Herz legen. Diese helfen euch die nötige Verwaltung so gut es geht zu automatisieren oder zu verschlanken, sodass ihr den Großteil eurer Zeit auf das Wichtigste eines jungen Unternehmens legen könnt – euer Produkt.

Hier geht's zu GoodBytz

Das Interview führte Hans Luthardt

Im Startup-Zoo

Es gibt viel mehr als nur Unicorns und Zebras in unserem Start-up-Ökosystem – Interview mit Entrepreneurship-Professor und Start-up-Szene-Kenner Prof. Dr. Tobias Kollmann.

Viele Start-ups träumen davon, ein Unicorn zu sein, und noch mehr Investor*innen wollen in ein solches Unternehmen investieren. Doch nicht alle Gründer*innen wollen oder können die zugehörigen Erwartungen an ein exponentielles Wachstum, eine Milliardenbewertung und einen schnellen Exit erfüllen. Mit den Zebras hat sich entsprechend eine Gegenbewegung von Start-ups entwickelt, die langsamer, aber auch nachhaltiger wachsen wollen.

Nun hat sich Prof. Dr. Tobias Kollmann auf die Suche nach weiteren Arten zwischen diesen beiden Extrempolen gemacht und diese mit den Horses und den Cows auch gefunden. Im Interview stellt er uns seinen erweiterten Startup-Zoo vor.

Die ganze Welt spricht über Unicorns und solche Start-ups, die es werden wollen, sowie davon, dass wir dringend mehr von ihnen brauchen. Warum reicht Ihnen die Suche nach diesen Fabelwesen nicht?

Ich drehe die Frage einmal um. Warum sollte man nur über die Start-ups mit oder wegen einer hohen Kapitalbewertung reden? Es gibt doch auch noch viele andere junge Unternehmen, die von ebenso mutigen Gründer*innen aufgebaut wurden und die auch eine erfolgreiche, wenn auch vielleicht nicht so schnelle Entwicklung verzeichnen. Die haben ebenfalls einen Wert für unser Startup-Ecosystem! Schließlich gibt es an anderer Stelle ja die DAX-Unternehmen an der Spitze, aber eben auch einen breiten Mittelstand, der ebenso wichtig für unsere Wirtschaft ist.

Dennoch werden die Unicorns immer als wichtige Leuchttürme bezeichnet, die sowohl für den Rest der Start-up-Szene als auch für den internationalen Vergleich von besonderer Bedeutung sind, oder nicht?

Doch, und das sollen sie ja auch bleiben. Natürlich brauchen wir diese sehr stark wachsenden Start-ups sowohl für die Investor*innenlandschaft als auch als Vorbilder für die Gründer*innen von morgen. Ich wehre mich nur gegen die eindimensionale Betrachtung im Hinblick auf das alleinige Ziel für Start-ups, nun unbedingt ein Unicorn werden zu müssen und sich im Hinblick auf Erfolg und Anerkennung nur über eine zugehörige Kapitalbewertung definieren zu lassen.

Das zeichnet Unicorns aus

  • Kurzfristige und sehr starke Wachstumsorientierung.
  • Sehr kurzfristige exponentielle Wertsteigerungsperspektive.
  • Sehr starke investorenbezogene Exit-Orientierung.
  • Keine Kooperationsbereitschaft im Wettbewerb.
  • Keine Markttoleranz gegenüber der Konkurrenz.
  • Unterwegs in Winner-takes-it-all-Märkten.
  • Investor*innen-Exit über Börsengang oder M&A.

Warum? Ist die Bewertung nicht auch ein Spiegelbild für eine positive Entwicklung, und muss es nicht das Ziel eines jeden Start-ups sein, den maximalen Erfolg zu haben und so groß wie möglich zu werden?

Nicht unbedingt, denn auch kleinere Start-ups schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern, bieten Exit-Optionen bzw. schütten gute Renditen an ihre Investor*innen aus und tragen so zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei. Deswegen dürfen wir aus meiner Sicht den Erfolg eines Start-ups für die Gründer*innen nicht nur an der Höhe des eingesammelten Kapitals oder einer zugehörigen Wachstumsrate festmachen. Viele wollen das auch nicht.

Sie spielen auf die Zebra-Bewegung an, richtig?

Genau, denn das sind Start-ups, die sich bewusst dem Diktat einer oftmals investor*innengetriebenen Wertsteigerungsmaxime über ein sehr schnelles Wachstum nicht unterwerfen wollen. Sie haben eine eher langfristige, dafür aber vielleicht nachhaltigere Entwicklung zum Ziel, und das ist aus meiner Sicht genauso in Ordnung.

Jetzt haben Sie sich ja aber auf die Suche nach weiteren Gattungen von Start-ups gemacht. Wie kam es dazu?

Ich habe mich gefragt, ob es zwischen den beiden Gegenpolen von Unicorns und Zebras nicht noch weitere Varianten gibt, die ein differenzierteres Bild auf die Startup-Szene ermöglichen. Ich wollte weg von einem Entweder-oder und hin zu Alternativen für die Betrachtung eines jungen Unternehmens sowohl aus Sicht der Gründer*innen als auch der Investor*innen.

Das zeichnet Zebras aus

  • Langfristige und nachhaltige Wachstumsorientierung.
  • Langfristige lineare Wertsteigerungsperspektive.
  • Sehr starke gründerbezogene Ownership-Orientierung.
  • Ausgeprägte Kooperationsbereitschaft im Wettbewerb.
  • Ausgeprägte Markttoleranz gegenüber der Konkurrenz.
  • Unterwegs in All-takes-it-all-Märkten.
  • Investor*innen-Exit über MBO/MBI oder Rückkauf.

Welchen Vorteil hat eine solche Betrachtung?

Zum einen hoffe ich, dass Investor*innen ihre Investmentbereitschaft nicht direkt verlieren, wenn ein Start-up den Status eines Unicorns nicht gleich von Anfang an als Ziel kommuniziert oder später erkennbar nicht erreicht. Denn es gibt mit den von uns entdeckten Horses und Cows eben noch weitere spannende Gattungen, die sich für Geldgeber*innen lohnen können. Zum anderen möchte ich den Gründer*innen eine Möglichkeit unterbreiten, ihre Ambitionen besser und selbstbewusster einzuordnen und das eigene Start-up dazu passend zu gestalten und mit Leben zu erfüllen.

Wie unterscheiden sich die Horses und Cows von den Unicorns und Zebras?

Zunächst einmal muss man festhalten, dass die einen nicht durch die anderen ersetzt werden, sondern hinzukommen. Horses wollen wie die Unicorns ebenfalls schnell wachsen und haben eine Exit-Orientierung, was sie für Investor*innen interessant macht. Sie haben aber insbesondere eine gewisse Kooperationsbereitschaft mit bzw. Markttoleranz gegenüber Wettbewerbern, während die Unicorns alle Konkurrenten aus dem Feld schlagen wollen, um als alleiniger Sieger vom Platz zu gehen. Das ist natürlich sehr kapitalintensiv und risikoreicher insbesondere in Winner-takes-it-all-Märkten.

Das zeichnet Horses aus

  • Kurzfristige und starke Wachstumsorientierung.
  • Kurzfristige exponentielle Wertsteigerungsperspektive.
  • Starke investorenbezogene Exit-Orientierung.
  • Gewisse Kooperationsbereitschaft im Wettbewerb.
  • Gewisse Markttoleranz gegenüber der Konkurrenz.
  • Unterwegs in Some-takes-it-all-Märkten.
  • Investor*innen-Exit über M&A oder Secondary Purchase.

Und was machen die Cows anders als die Zebras?

Die Cows wollen auch wachsen, aber eher mittelfristiger sowie moderater als die Horses und erst recht als die Unicorns. Das unterscheidet sie aber auch von den Zebras, die eine noch längerfristigere und nachhaltigere Wachstumsorientierung haben und bei denen der Ownership-Gedanke noch intensiver ausgeprägt ist. Die Cows sind insgesamt sehr ausgeglichen, offen für Kooperationen und somit vielleicht auch robuster gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen und einem Ausfallrisiko für Investor*innen. Deren Exit steht aber nicht im Mittelpunkt, was sie wiederum mit den Zebras gemeinsam haben.

Das zeichnet Cows aus

  • Mittelfristige und moderate Wachstumsorientierung.
  • Mittelfristige lineare Wertsteigerungsperspektive.
  • Starke gründerbezogenen Ownership-Orientierung.
  • Offene Kooperationsbereitschaft im Wettbewerb.
  • Offene Markttoleranz gegenüber der Konkurrenz.
  • Unterwegs in Many-takes-it-all-Märkten.
  • Investor*innen-Exit über Secondary Purchase oder MBO/MBI.

Wie sind diese Gattungen entdeckt worden und wie unterscheiden sie sich?

Wir haben sie aufgrund einer Analyse der Daten aus dem aus dem Deutschen Startup Monitor 2020 zu 1239 Start-ups gewonnen, bei der von uns die Ambitionen der Gründer*innen mittels eines semantisch-differentiellen Scoring-Verfahrens abgefragt wurden. Die Fragen spiegelten die Differenzierung zwischen Exit vs. Eigentum, exponentielle Wertsteigerung vs. lineare Wertsteigerung und Wettbewerb vs. Kooperation wider.

Wollen Sie vielleicht noch weitere Gattungen für Ihren Startup-Zoo entdecken?

Tatsächlich wollen wir die Analyse weiterführen und die Ergebnisse auch über die neuen Daten aus dem Deutschen Startup Monitor 2021 überprüfen. Ferner wollen wir die Unterscheidungsmerkmale zwischen den Gattungen noch weiter ausdifferenzieren und mit Entwicklungsstufen sowie Performance-­Zahlen wie Umsatz usw. anreichern. 2022 planen wir eine Studie auf der Seite der Investor*innen, um auch deren Perspektive für Erwartungen und Entwicklungen von Start-ups einzubinden. Danach wollen wir eine europaweite Studie zu Start-ups durchführen, um zu schauen, wo und wie Unicorns, Horses, Cows und Zebras anzutreffen sind. Dafür sind wir gerade auf der Suche nach Partner*innen und Sponsor*innen. Am Ende wäre es schön, wenn wir dieses Framework sowohl für die Theorie als auch die Praxis etablieren könnten.

Gründer*in der Woche: Freshflow - Mit KI gegen Lebensmittelverschwendung

Das Berliner Start-up Freshflow hat eine Software entwickelt, um Lebensmittelverschwendung im (Einzel-)Handel deutlich zu reduzieren. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Avik Mukhija.

In Europa werden jedes Jahr Lebensmittel im Wert von mehr als 45 Milliarden Euro weggeworfen. Was sind die Hauptgründe für diesen Wahnsinn und sind es wirklich nur die Endverbraucher*innen, die hier umdenken müssen?

Nach unseren Recherchen ist der Wert von weggeworfenen Lebensmitteln in Europa sogar mind. viermal so hoch. Weltweit werden ca. 40 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen. Genau wie du es sagst, ist es daher nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein wirtschaftliches.

Der/die Endverbraucher*in verursacht ca. die Hälfte davon, die andere Hälfte geschieht aber entlang der ganzen Lieferkette und endet beim Lebensmitteleinzelhandel. Eine große Ursache dafür ist falsche Ressourcenallokation, d.h. Überbestände an einer Stelle und Unterbestände an anderen. Bestellungen werden meist täglich manuell per Bauchgefühl gemacht und es wird wenig mit Daten gearbeitet.

Bei Frischwaren liegt das daran, dass es unglaublich schwierig ist, jeden Tag den optimalen Bestand zu führen. Nehmen wir an, es müssen Erdbeeren für morgen bestellt werden: Wie haben sich diese in der Vergangenheit verkauft? Wie ist das Wetter morgen? Gibt es lokale Events, Engpässe? Wie lange werden sie auf dem Regal frisch bleiben?

Bestellt man zu wenig, hat man leere Regale und unzufriedene Kund*innen. Bestellt man zu viel, entsteht Lebensmittelverschwendung und man zerstört die ohnehin dünnen Margen.

Wann und wie bist du dann vor diesem Hintergrund zusammen mit Carmine Paolino auf die Idee zu Freshflow gekommen?

Meine erste Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel entstand durch meine Masterarbeit an der ETH Zürich, wo ich erstmals das große Innovationspotenzial in dieser Industrie erkannte.

In der Berliner Kohorte des Talent Investors Entrepreneur First lernte ich später meinen Mitgründer Carmine kennen und wir konnten uns stark für das Thema Food Waste Bekämpfung begeistern.

Gekoppelt mit meiner vorherigen Erfahrung aus dem Lebensmitteleinzelhandel war das der Ursprungspunkt von Freshflow.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Software?

Wir brauchten anfänglich viele Daten und tiefe Einblicke in die existierenden Frischwaren-Bestellprozesse. Ersteres, um unsere KI entwickeln zu können, zweiteres, um eine erfreuliche User Experience für das Ladenpersonal schaffen zu können, was uns wirklich wichtig war und auch immer sein wird. Wir haben uns unglaublich viel Mühe gegeben, dass für die Verwendung von Freshflow keine Umschulung des Ladenpersonals benötigt wird, und wir uns intuitiv in den existierenden Arbeitsablauf eingliedern.

Es war daher wichtig, anfänglich einen Kunden zu gewinnen, der uns diese Einblicke bieten konnte und uns damals ohne eine fertige Lösung vertraut hat. Den hatten wir gefunden und konnten so die erste Version von Freshflow kreieren. Seitdem gab es natürlich unzählige Updates, der Schritt von 0 auf 1 hätte aber ohne nicht stattfinden können.

Was ist das Besondere an Freshflow, wo kommt die Software wie zum Einsatz und wer sind eure Kund*innen?

Das Besondere an Freshflow ist, dass wir europaweit die erste Lösung sind, die von Grund auf für Frischwaren - und speziell Obst & Gemüse - gebaut wurde. Sogenannte “Automatische Dispositionssysteme” für Trockenwaren werden im Einzelhandel schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Diese scheitern aber, wenn es um Frischwaren geht: kurze variable Haltbarkeiten, falsche Bestände da per Gewicht und nicht per Stück verkauft wird, Saisonalität, etc. Dort ist es daher zum größten Teil weiterhin ein manueller, papierbasierter Bestellprozess. Wir haben Freshflow mit jeder dieser Herausforderungen im Kopf gebaut.

Zudem funktioniert Freshflow mit jedem herkömmlichen ERP System ohne langwierige IT-Integrationen - es ist Plug-And-Play und kann in wenigen Wochen ausgerollt werden.

In einer Seed-Runde habt ihr gerade 1,7 Millionen Euro eingesammelt. Glückwunsch zu diesem Erfolg! Was ist mit dem frischen Kapital geplant?

Das Kapital hat uns geholfen, unser Team stark vergrößern zu können, mit unglaublich motivierten Talenten aus ganz Europa und darüber hinaus. Wir werden damit große Fortschritte in der weiteren Produktentwicklung machen sowie mehr Projekte mit Lebensmitteleinzelhändlern (LEH) annehmen können.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Ziele mit Freshflow?

Wir sind - zusätzlich zu unseren existierenden Partnern - europaweit in fortgeschrittenen Gesprächen mit einigen weiteren LEH. Das Ziel ist es, erfolgreiche Partnerschaften mit mehreren von diesen einzugehen und ihre Lebensmittelverschwendungen dabei um mindestens 30 Prozent zu reduzieren. Wir wollen uns als Go-To-Lösung für alles rund um Frischwaren im LEH etablieren.

Die Langzeit-Vision ist es, die Freshflow Lösung über den Lebensmitteleinzelhandel hinaus auch für den Rest der Lebensmittellieferkette anzubieten, da das Food-Waste-Problem entlang der ganzen Kette herrscht.

Und last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den unternehmerischen Weg geben?

Nie den engen Draht zum User verlieren, egal wie viel es sonst noch zu tun gibt.

Hier geht's zu Freshflow

Das Interview führte Hans Luthardt