10 Jahre Digital-Health-Start-ups in DACH


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Der Frühphasen-VC Speedinvest mit Sitz in Wien und Berlin hat eine umfassende Datenauswertung der Start-up- und Venture-Capital-Aktivitäten im Digital Health Sektor in der DACH-Region und Europa zwischen 2010 und 2020 vorgenommen. Hier die spannenden Ergebnisse im Überblick.

Digital-Health-Start-ups aus der DACH-Region durchleben eine spannende Zeit. Durch den Ausbruch der Corona-Krise vor einem Jahr hat der aufstrebende, schnell wachsende Sektor einen zusätzlichen Schub bekommen. Umso interessanter ist es, den Weg dahin – d.h. die Entwicklungen der letzten zehn Jahre – genauer zu betrachten.
 
Europa-USA-Vergleich

Global betrachtet haben sich die Finanzmittel für Digital Health im Jahr 2020 verdoppelt. Allein im dritten Quartal 2020 wurden weltweit 8,3 Mrd. US Dollar in Digital-Health-Start-ups investiert – ein neuer Höchstwert. Zum Vergleich: Im DACH-Raum wurden von 2010 bis 2020 insgesamt nur 900 Mio. Euro in Digital Health Start-ups investiert. Insgesamt gesehen machen die Investments im europäischen Raum derzeit nur 4 Prozent der weltweiten Investment-Aktivitäten in diesem Bereich aus.

Auch die Exits und IPOs der letzten Jahre bilden diese Entwicklung ab. In Europa ist bis heute kein Digital-Health-Start-up an die Börse gegangen und es gab lediglich 22 öffentlich bekannte Übernahmen seit 2010, 13 davon erst nach 2019. Die Hälfte der Exits kommen dabei aus den B2C-Bereichen Mental Health und Telemedizin. In den USA gab es 2020 allein im ersten Halbjahr 52 Exits sowie sieben Börsengänge im Gesamtjahr mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von 37 Mrd. Dollar. Doch Europa holt auf: 63 Prozent der finanzierten Digital-Health-Start-ups auf dem hiesigen Kontinent wurden erst in den letzten fünf Jahren gegründet, und die Corona Pandemie beschleunigt diesen Trend nur noch mehr.
 
DACH-Region: Einer der wichtigsten Märkte für Digital Health

Innerhalb Europas ergibt sich ein differenzierteres Bild. Der deutschsprachige Raum ist die Region in Europa mit der zweithöchsten Anzahl an Digital Health Startup-Gründungen zwischen 2010 und 2020, nur übertroffen von Großbritannien. Insgesamt 102 Digital-Health-Start-ups wurden in DACH seit 2010 gegründet und finanziert.

Mit rund 900 Mio. Euro VC-Finanzierung, die diese Unternehmen eingesammelt haben, liegt die DACH-Region bei der Gesamtfinanzierung europaweit an zweiter Stelle hinter Großbritannien, das auf eine Gesamtfinanzierung von 2,1 Mrd. Euro kommt. Im Durchschnitt wurden im DACH-Raum also etwa 8,8 Mio. Euro pro Digital Health Startups investiert, wobei hier nur Großbritannien und Frankreich einen höheren Wert aufweisen. Der Median der Finanzierung pro Startup ist in der DACH-Region mit 2,67 Mio. Euro sogar höher als in allen anderen Regionen.

Der Digital-Health-Sektor ist eher als eine Branche zu betrachten, die aus einer Vielzahl von spezialisierten Nischen besteht. Diese reichen von Verbraucher-Apps zum Abnehmen über B2B-SaaS-Lösungen bis hin zu Deep-Tech-Start-ups, die künstliche Intelligenz in den Bereichen Biotech und Life Sciences anwenden.

Die europaweit höchsten Finanzierungen – insgesamt etwa 1,2 Billionen Euro in den letzten zehn Jahren – erhielten Anbieter im Bereich generalistischen Telemedizin, wie z.B. Babylon, Kry, Doktor.se und Ada, sowie von Lösungen zur Patienten-Einbindung wie Doctolib und Docplanner. Auch Technologien zur Medikamentenentwicklung überzeugten die Investoren, wie der zweitplatzierte Big-Data-Riese Benevolent sowie die großen Finanzierungsrunden von Exscientia und Genomics zeigen.

Mit Ava (41 Mio. €), Elvie (45 Mio. €) sowie Natural Cycles (34 Mio. €) haben frühe, europäische Marktführer aus den Bereichen der Hardware und Frauengesundheit ebenfalls große Finanzierungsrunden erhalten. Doch auch Start-ups wie Kaia, Diabeloop oder Indigo Diabetes beweisen, dass auch Digital Therapeutics sowie Specialized Virtual Care signifikante Investments anziehen. Sie sind jedoch weniger kapitalintensiv und benötigen daher keine extremen Investments wie Kry oder Babylon. Interessanterweise haben auch gesundheitsfokussierte AR/VR-Lösungen wie Dental Monitoring für zahnmedizinische und Mindmaze für neurologische Anwendungen signifikantes Kapital angezogen. Aus dem Bereich Consumer Health finden sich in den Top 25 der am besten finanzierten Digital-Health-Start-ups nur Freeletics und der Schlaf-Tracking-Ring von Oura wieder.

„Die Start-up-Aktivität in Europa und dem deutschsprachigen Raum im Bereich Digital Health hat in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zugenommen, mit einer starken Beschleunigung seit 2019”, sagt Felix Faltin, Digital Health Experte bei Speedinvest, und äußert sich dabei auch zu Entwicklungen in der DACH-Region. „Trotz einer erstklassigen Gesundheitsversorgung im deutschsprachigen Raum gibt es vor allem hierzulande noch viele regulatorische und kulturelle Hürden und digitale Innovationen werden dabei noch zu oft ausgebremst.  Corona hat nun vieles verändert. Wir stehen am Anfang einer goldenen Dekade der europäischen Gesundheitssoftware.”

Alle Fakten und weitere Infos gibt es hier

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EdTech-Start-up fobizz übernimmt EdTech-Start-up to teach

Das 2018 gegründete fobizz übernimmt das 2022 gegründete KI-EdTech to teach mit dem gemeinsamen Ziel, den Alltag von Lehrkräften durch fachdidaktisch treffsicheren Einsatz von KI zu erleichtern.

Der Zusammenschluss soll es ermöglichen, zukünftig didaktisch hochwertige Bildungsinhalte für Lehrkräfte auf Verlagsniveau anzubieten. Gemeinsam verfolgen fobizz und to teach das Ziel, den Alltag von Lehrkräften durch fachdidaktisch treffsicheren Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zu erleichtern und deren Potenziale im Bildungssystem auszuschöpfen. Die To teach-Gründer Felix Weiß und Marius Lindenmeier bleiben Geschäftsführer.

Fobizz I 101skills GmbH ist der führende Anbieter von KI-Anwendungen, digitalen Tools und Fortbildungen für Lehrkräfte und wurde 2018 von Dr. Diana Knodel (CEO) und Frederik Dietz (CTO) gegründet. To teach ist ein junges EdTech-Start-up, das im Sommer 2022 von Felix Weiß (CEO) nach seinem Lehramtsstudium und seinem Mitgründer Marius Lindenmeier (CTO) gegründet wurde. To teach unterstützt Lehrkräfte bei der Unterrichtsplanung und -vorbereitung und nutzt KI, um personalisierte Unterrichtsmaterialien und interaktive Übungsaufgaben basierend auf redaktionell erstellten Vorlagen mit nur wenigen Klicks zu erstellen. Durch die Übernahme verschmelzen zwei erfolgreiche EdTechs, die für die digitale Transformation der Bildung in Deutschland und weltweit stehen. To teach wurde Didacta Start-up des Jahres 2023 und war Finalist beim Global Start-up Edtech Award 2023 für Deutschland und Österreich. Fobizz wurde 2023 als Bundessieger des KfW Award Gründen ausgezeichnet und hat darüber hinaus den Publikumspreis beim AI Summit 2023 gewonnen.

„Durch den Zusammenschluss mit to teach möchten wir unsere Position als Marktführer im Bereich Weiterbildung von Lehrkräften und KI-Tools weiter ausbauen und die digitale Transformation von Schulen im DACH-Raum sowie auch international weiter vorantreiben“, begründet Jeyran Sanee-Khonsari, Chief Strategy Officer bei fobizz, den Zusammenschluss.

“Künstliche Intelligenz bietet die Möglichkeit, die Bildung nachhaltig positiv zu verändern. Gemeinsam mit fobizz gehen wir jetzt den nächsten Schritt, um noch mehr Lehrkräfte weltweit bei der Arbeit zu unterstützen und befähigen diese, auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse ihrer Lernenden einzugehen”, so Felix Weiß.

Personalisierte Bildung – abgestimmt auf die Bildungspläne der Länder

Zukünftig plant to teach, Lehrkräften Unterrichtsmaterialien und vorbereitete Unterrichtsstunden anhand der Bildungspläne der einzelnen Bundesländer sowie auf Basis der internationalen Curricula anderer Länder weltweit zur Verfügung zu stellen. „Die Idee dahinter ist, didaktisch-pädagogisches Wissen, redaktionelle Expertise und KI, abgestimmt auf die einzelnen Bildungspläne, zusammen zu bringen, um passgenaue Unterrichtsentwürfe, Arbeitsblätter, Übungsaufgaben und Präsentationen zu erstellen", kommentiert Dr. Diana Knodel.

Nutzer*innen von fobizz können dann neben den bereits verfügbaren digitalen Lern- und Lehrmaterialien nahtlos auch das Angebot von to teach zur Erstellung von personalisierten und binnendifferenzierbaren Materialien nutzen. Zusätzlich stehen zukünftig interaktive Übungen von to teach über die fobizz Klassenräume zur Nutzung mit Schüler*innen zur Verfügung. Über die fobizz Klassenräume können Lehrkräfte verschiedene KI-Tools im Unterricht gemeinsam mit ihren Schüler*innen DSGVO-konform nutzen und sie dabei entsprechend begleiten.

Repräsentative GfK-Umfrage: Perspektiven Unternehmertum

Die repräsentative GfK-Umfrage zeigt u.a.: 63 % der Befragten halten es für mutig, in der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu gründen; 52 % denken, dass Innovationen helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Hier gibt’s alle Ergebnisse im Überblick.

GoDaddy Deutschland veröffentlicht die neuesten Ergebnisse seiner repräsentativen Umfrage “Perspektiven Unternehmertum”, die von der GfK durchgeführt wurde. Befragt wurden mit dem GfK eBUS® 1.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren, die die deutschsprachige Bevölkerung repräsentieren. Die Befragung wurde im September 2023 durchgeführt.

Starkes Vertrauen in den Innovationsstandort Deutschland

Die Studie offenbart ein starkes Vertrauen der Bürger*innen in den Innovationsstandort Deutschland und zeigen zudem eine bemerkenswerte Bereitschaft zur unternehmerischen Tätigkeit – vor allem jene, die jünger als 40 Jahre alt sind.

Die Umfrage zeigt, dass 56 % der 18- bis 29-Jährigen und 54 % der 30- bis 39-Jährigen in Deutschland bereit sind, unternehmerisch tätig zu werden, um zusätzliches Einkommen zu generieren. Der Faktor Bildung ist dabei nebensächlich: Während 44 % der potenziellen Unternehmer*innen Abitur oder Hochschulreife haben, verfügt knapp jede(r) Dritte über den Abschluss einer höheren Schule ohne Abitur bzw. einen Haupt- oder Volksschulabschluss (30 %).

Wer jetzt gründet, gilt als mutig

Glauben Sie, dass es mutig ist, in der aktuellen wirtschaftlichen Situation ein Unternehmen zu gründen? Diese Frage bejahten nahezu zwei Drittel aller Befragten (63 %), während lediglich 13 % anderer Meinung waren. Gleichzeitig glaubt eine überwältigende Mehrheit von 70 %, dass sich aufgrund der finanziellen Sicherheit mehr Menschen für einen herkömmlichen Job entscheiden statt zu gründen.

Die Meinungen hinsichtlich der potenziellen finanziellen Anreize des Unternehmertums gespalten: Während 26 % der Befragten glauben, dass die Aussicht auf ein sehr gutes Einkommen die damit verbundenen Risiken aufwiegt, sind 44% bei dieser Frage unentschieden. 30 % hingegen lehnen diese Vorstellung ab.

Innovation als Motor für einen starken Wirtschaftsstandort

Die Umfrage untersuchte auch die Einstellung der Bevölkerung in Deutschland zur Rolle, die Innovationen und neue Geschäftsideen bei der Erholung unserer Wirtschaft spielen. 52 % der Befragten sind der Meinung, dass Innovation und neue Geschäftsideen dazu beitragen werden, unsere Wirtschaft zu erholen, während nur 15 % dies verneinen. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit weiterhin auf die Wichtigkeit von Innovationen als Katalysator für das Erfinderland Deutschland vertraut.

RobCo: Münchner Robotik-Start-up sichert sich 39 Mio. Euro

RobCo – 2020 von einem Team rund um Roman Hölzl am Lehrstuhl für Robotik und KI an der TU München gegründet – bietet dem industriellen Mittelstand vernetzte Roboter-Lösungen, um sich wiederholende manuelle Aufgaben zu automatisieren.

RobCo erhält 39 Millionen Euro von Lightspeed und weiteren Investoren, um den Entwicklungs- und Wachstumskurs konsequent voranzutreiben. Auch der ehemalige Apple- und Nvidia-Investor Sequoia Capital, Kindred Capital und Promus Ventures sind daran beteiligt. Diese Finanzierungsrunde erhöht das Gesamtinvestitionsvolumen in RobCo auf über 55 Millionen Euro. Das neu gewonnene Kapital soll insbesondere in den weiteren Ausbau des Vertriebs sowie in die Produktentwicklung investiert werden.

RobCo wurde im Jahr 2020 von drei wissenschaftlichen Mitarbeitern am Lehrstuhl für Robotik und Künstliche Intelligenz an der Technischen Universität München gegründet. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von flexibel anpassbaren Roboter-Hardware-Kits für unterschiedliche Anwendungsfälle in der mittelständischen Fertigung spezialisiert – wie beispielsweise Maschinen be- und entladen oder Palettieren.

Schneller und einfacher Plug-and-Play-Einsatz im Mittelstand

Die Kits ermöglichen auf Basis der einzigartigen, vertikal integrierten Hardware- und Software-Plattform RobCo Studio einen modularen, intuitiven Auf- und Umbau von Robotik-Anwendungen. Dank ihr können die eingesetzten Roboter remote über einen digitalen Zwilling konfiguriert, implementiert und gemanagt werden. So ist ein schneller und einfacher Plug-and-Play-Einsatz in nur wenigen Tagen möglich. Aufwändige Programmierung oder geschultes Fachpersonal sind aufgrund des Low-Code-Ansatzes nicht erforderlich. Zudem zeichnet sich die Plattform durch ein modulares End-to-End-System aus, das mit allen zukunftsfähigen Schnittstellen ausgestattet ist. Eine innovative Sensor- und Softwareebene sorgt für die Langlebigkeit der Hardware. Die Lösungen von RobCo sind insbesondere für mittelständische Industriebetriebe konzipiert, für die sich der Maschineneinsatz nur lohnt, wenn diese schnell und flexibel für wechselnde Aufgaben umprogrammiert werden können. RobCo unterstützt Unternehmen beim Einstieg in die Welt der Automatisierung und bei der Transformation hin zur Industrie 4.0.

„Durch eine umfassende RobCo-Automatisierungslösung im Bereich Palettierung, können wir insbesondere dem anhaltenden Fachkräftemangel aktiv technologisch begegnen und gleichzeitig Kosten sparen“, erklärt Martin Matern, Werkleiter Lüneburg der DE-VAU-GE Gesundkostwerk Deutschland GmbH.

Sense, Reason, Act: autonome und intelligente Automatisierungsrobotik für alle Unternehmen

„Die ständige Weiterentwicklung unserer modularen Roboter-Plattform für den industriellen Einsatz ist entscheidend für die Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Heute können unsere Roboter bereits Software- und KI-gestützt eingerichtet, programmiert und gemanagt werden. Im nächsten Schritt geht es darum, Industrieroboter noch autonomer und intelligenter in ihrer Einsatzumgebung zu gestalten“, so Roman Hölzl, CEO und Mitgründer von RobCo. „Mit unserem RobCo-Autonomy-Ansatz setzen wir auf eine noch tiefergehende KI-Implementierung in unserer Software, damit Roboter in naher Zukunft nach dem Dreiklang ,Sense-Reason-Act‘ ihre Umgebung selbstständig erfassen, analysieren sowie Aktionen planen und ausführen können.“

„Der Einsatz von Robotik im industriellen Umfeld war bislang fast ausschließlich großen Konzernen mit den entsprechenden finanziellen und personellen Kapazitäten vorbehalten“, betont Alex Schmitt, Partner bei Lightspeed. „Hohe Kosten und eine enorme Komplexität machten sie für kleine und mittlere Unternehmen zum Teil unerschwinglich und waren kaum zu managen. RobCo ist mit seinen Entwicklungen bereits ein großer Durchbruch auf diesem Gebiet gelungen. Wir erkennen hier sowohl technologisch als auch kommerziell ein riesiges Potenzial für den deutschen, aber auch internationalen Markt. Dieses Potenzial gilt es jetzt optimal zu fördern und somit den Einsatz von Roboter-Automatisierungslösungen allen Unternehmen zu ermöglichen.“

RobCo: Am Anfang einer weitreichenden Automatisierungsreise

„Wir stehen erst am Anfang einer weitreichenden Automatisierungsreise und wollen im Bereich modulare Roboterautomatisierung für den Mittelstand führend in Europa werden. RobCo ist mit seinen einfach zu implementierenden Robotern, die bereits ab dem ersten Tag einen positiven ROI bieten, einzigartig positioniert“, ergänzt Roman Hölzl. „Wir sehen uns als verlängerter Arm der Unternehmen bei der Automatisierung ihrer Produktion und Unterstützer bei der Transformation hin zur Industrie 4.0. Dass eine Venture-Capital-Größe wie Lightspeed unsere nächsten Schritte mit einer 39 Millionen Euro Finanzierungsrunde unterstützt, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind – und ist für uns alle zudem ein wahnsinniger Motivationsschub, unsere Lösungen auf das nächste Level zu bringen.“

Toolify: 1,6 Mio. Euro Seed-Finanzierung für leicht zugängliche Robotik

Das 2020 von Dr. Dennis Stampfer, Dr. Matthias Lutz und Dr. Alex Lotz in Ulm gegründete Robotic-Start-up Toolify erleichtert die Integration von Robotik im produzierenden Mittelstand und überzeugt damit auch Investor*innen.

Das von den drei Robotics-Experten Dr. Dennis Stampfer, Dr. Matthias Lutz und Dr. Alex Lotz gegründete Start-up Toolify überzeugt Investor*innen von seinem Geschäftsmodell und rundet die Seed-Finanzierung mit insgesamt 1,6 Millionen Euro ab. „Die Mittel aus dieser Finanzierungsrunde werden wir dazu verwenden, unser Wachstum weiter voranzutreiben“, sagt Dr. Dennis Stampfer. „Wir planen, unsere innovativen Robotiklösungen zu erweitern, neue Talente einzustellen und unsere Präsenz auf dem Markt zu stärken.“

Ziel des Ulmer Start-ups ist es, sich weitere Anwendungsfälle zu erschließen, um insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Weg in die Automatisierung aufzuzeigen. Die Investorengruppe für die Seed-Phase setzt sich neben dem Bestandsinvestor High-Tech Gründerfonds (HTGF) nun aus dem Start-up BW Seed Fonds der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH, den Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Sparkasse Ulm und Biberach und dem RobotikLösungsanbieter AiCobot zusammen und verknüpft die Finanzierung von Toolify mit der Aussicht, die Integration von Robotik im produzierenden Mittelstand zu erleichtern und zu beschleunigen.

Toolify hat die Robotik-Plattform xito.one entwickelt. Zahlreiche Unternehmen haben bis heute mithilfe der Plattform einen leichten und kostengünstigen Weg in die Robotik gefunden. Die Bandbreite reicht von kleinen Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern bis hin zum weltweit agierenden Konzern.

XITO: Einstieg in die Robotik in nur 3 Schritten

XITO realisiert den Weg zur eigenen Robotik-Lösung in drei einfachen Schritten: Planen, kaufen, starten. Zunächst beginnen Unternehmen mit der Planungsphase, in der sie mit dem XITO Designer anhand passender Muster eigenständig bedarfsgerechte Automatisierungslösungen entwerfen. Im nächsten Schritt nutzen sie den XITO Marketplace, um alle notwendigen Komponenten für ihre Robotik-Lösung zu finden und zu erwerben. Schließlich, ausgestattet mit den passenden Komponenten, nutzen sie den XITO Builder, um ihre Automatisierungslösung einzurichten und in Betrieb zu nehmen.

Der Clou: Unternehmen benötigen keine Programmier- oder Robotikexpertise. XITO unterstützt jeden Schritt durch intuitiv gestaltete Software. Da die Aufwände für Konzeption und Programmierung entfallen, ist XITO gegenüber klassischen Automatisierungsweisen unschlagbar günstig. Zudem binden sich die Unternehmen nicht an bestimmte Hersteller und können daher auch in Zukunft flexibel auf die für sie beste Lösung setzen.

“Mit XITO befindet sich Toolify auf einem klaren Wachstumskurs. Wir sehen ein enormes Interesse, insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen, die mit unserem ganzheitlichen Konzept endlich eigenständig in die Automatisierung einsteigen können. ” Dennis Stampfer, CEO von Toolify.

“XITO macht es Unternehmen jeder Größe leicht, Robotik zu nutzen. Angesichts des Fachkräftemangels und des wachsenden globalen Wettbewerbs bietet XITO Unternehmen einfache Lösungen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Wir sind überzeugt vom Konzept und sicher, dass XITO dazu beitragen wird, das Wachstum mittelständischer Unternehmen in Baden-Württemberg und Deutschland voranzubringen.” Frank Hummler von Start-up BW Seed / MBG.

Das Toolify-Team umfasst sechs Mitarbeitende in Vollzeit und hat eine starke Software-Expertise und Branchenexperten mit über 15 Jahren Erfahrung in der Automatisierung und Servicerobotik.

Threedy: Industrieller 3D-Spezialist sichert sich 10,4 Mio. US-Dollar

Threedy ist ein Hightech-Start-up, das 2020 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt gegründet wurde. Die Investition soll es dem Start-up ermöglichen, die Entwicklung seines Produktportfolios weiter voranzutreiben.

Drei Jahre nach der Gründung hat sich Threedy eine Investition von 10,4 Millionen US-Dollar gesichert, um das Wachstum in verschiedenen Branchen und Regionen zu beschleunigen. Zu den neuen Investoren gehören die LBBW Venture Capital, TRUMPF VENTURE, Futury Capital und EquityPitcher Ventures. Die Investition unterstreicht die starke Position von Threedy, einen beträchtlichen Marktanteil im schnell wachsenden Bereich der industriellen digitalen Zwillinge zu erobern.

Digitale Transformation in der Industrie

Der instant3Dhub von Threedy ist eine hochleistungsfähige Spatial-Computing-Technologie, die es Kunden ermöglicht, ihre 3D-Daten in beliebiger Konfiguration zu nutzen und in großem Maßstab zu visualisieren. Indem sie Daten in Echtzeit auf jedem Gerät und zu jeder Zeit verfügbar und zugänglich macht, ermöglicht sie die Optimierung einer Vielzahl von digitalen Prozessen entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette und eine deutliche Reduzierung der damit verbundenen Kosten. Durch die Implementierung von instant3Dhub können Unternehmen wertvolle Zeit und Ressourcen sparen, z.B. durch den Wegfall von Wartezeiten, und die Reduzierung von Lizenz- und Infrastrukturkosten.

Threedy ermöglicht es seinen Kund*innen, eine moderne Software-Architektur zu etablieren, die die Abhängigkeit von den monolithischen und geschlossenen Stacks der etablierten Software- Anbieter reduziert und die Tür für die agile Entwicklung und den skalierbaren Roll-out einer modernen, leichtgewichtigen Anwendungsschicht öffnet. Mit einer breiten Palette an Funktionen für digitales Engineering, fortschrittliche Kollaboration und nahtlose Mixed Reality bietet die Software eine starke Grundlage für die digitale Transformation der Industrie.

Die Arbeit mit 3D-Daten soll so einfach wie das Teilen eines Links werden, indem man sie einfach aus beliebigen Quellen referenziert, z.B. aus bestehenden PDM/PLM-Lösungen, und das ohne jegliche Vorbereitung oder Vereinfachung. Die Technologie von Threedy ermöglicht neue, skalierbare Anwendungen über den gesamten Produktlebenszyklus, von der Entwicklung bis zum After-Sales – webbasiert und mit zero-footprint auf dem Client. Durch die Optimierung der 3D-Datennutzung und der Kommunikation können Unternehmen auch ihren ökologischen Fußabdruck verringern: Geschäftsreisen können weitgehend durch virtuellen Austausch ersetzt werden, wodurch Ressourcen und Zeit gespart werden.

Schnell wachsende Anzahl von Partnerschaften und Anwendungsszenarien

In den ersten drei Jahren hat sich Threedy erfolgreich von einer Fraunhofer-Abteilung zu einem unabhängigen Unternehmen entwickelt. Seit der Gründung Ende 2020 ist das Start-up deutlich gewachsen und hat seine Mitarbeitendenzahl fast verdreifacht, um ein Team von mehr als 50 hochqualifizierten Fachleuten aus aller Welt aufzubauen. Das Unternehmen hat nicht nur seine starken Kund*innenbeziehungen beibehalten, sondern auch ein bemerkenswertes Wachstum erlebt, insbesondere in den Bereichen Automotive und Fertigungsindustrie.

Die Spitzentechnologie von Threedy wird von zahlreichen Branchenführern geschätzt, darunter auch von den führenden deutschen Automobilherstellern. Darüber hinaus hat Threedy sein Netzwerk von Partnerschaften erfolgreich erweitert und ist über die ursprünglichen Schwerpunktbereiche Automotive und den deutschen Markt hinausgewachsen. Mit der substanziellen 10,4-Millionen-Dollar-Investition in der Serie A rüstet sich Threedy nun für den nächsten Schritt. Threedy will sein Engagement für die Kommerzialisierung seiner innovativen Spatial- Computing-Infrastruktur fortsetzen und die Einführung in verschiedenen Branchen und Anwendungsszenarien beschleunigen. Die Investition soll dem Start-up in die Möglichkeit geben, die Entwicklung seines Produktportfolios weiter voranzutreiben. Zu den Expansionsplänen gehört die weitere Internationalisierung, während das Unternehmen weiterhin auf Exzellenz und Innovation setzt und die digitale Transformation seiner Partner nachhaltig unterstützt. Threedy ist nun aktiv auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden in verschiedenen Funktionen, die das Team verstärken und die Zukunft des industriellen digitalen Zwillings mitgestalten wollen.

Gründer*in der Woche: Ecoblister - Medikamentenverpackung neu gedacht

Unsere Gründer*in der Woche: Falsch eingenommene Medikamente sorgen alljährlich für unzählige Krankenhausaufenthalte und sogar Todesfälle. Die Geschwister Jan Angermann, Anett Tanger und Mona Syhre wollen das mit ihrem Start-up Ecoblister ändern.

Alljährlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch zu viele oder falsch eingenommene Medikamente als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen und Suizide zusammen. Das Problem liegt auf der Hand und ist ausgiebig wissenschaftlich untersucht: Insbesondere Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, verlieren leicht den Überblick. Viele Pillen sehen ähnlich aus und werden auch noch in ähnlichen Verpackungen ausgeliefert.

Es gibt eine einfache und erprobte Lösung: die patient*innenindividuelle Verblisterung. Das bedeutet, dass sich insbesondere Menschen mit vielen verschiedenen Medikamenten diese individuell verpacken lassen können. Und zwar sortiert nach Tag und Uhrzeit, zu denen sie eingenommen werden müssen. Entsprechende Angebote gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Doch bisher fristen sie ein Nischendasein. Ein Beispiel: Von den rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, die regelmäßige Pflege erhalten, bekommt weniger als eine Million ihre Medikamente individuell vorverpackt.

Mona Syhre hat zusammen mit ihren Geschwistern Anett Tanger und Jan Angermann das Leipziger Start-up Ecoblister gegründet, um das zu ändern. Dazu haben sie den Arznei­kalender erfunden, der sogar noch mehr bietet als individuell verblisterte Medikamente. Für ihr Produkt hat die Chemikerin Mona ein Material entwickelt, das vorher noch keine Medikamentenverpackung weltweit zu bieten hatte: Es ist kompostierbar, bietet aber dieselbe Sicherheit wie die bisher üblichen Verbundverpackungen aus Kunststoff und Aluminium.

Bei der Gründung war Mona bereits 57 Jahre alt. „Wir sagen immer, wir sind ein erwachsenes Start-up“, meint sie. Mit dem jungen Start-up-Umfeld können sich die Geschwister oft nicht identifizieren. Start-up-Veranstaltungen seien zwar eine gute Gelegenheit, um zu netzwerken und sich auszutauschen, trotzdem empfindet Mona solche Veranstaltungen häufig als oberflächlich und wenig konkret. Die Gründung im höheren Alter sei für sie aber die beste Entscheidung gewesen: „Im Gegensatz zu jungen Unternehmer*innen bringe ich viel Berufserfahrung mit und lasse mich nicht so leicht verunsichern.“

Neuseeland als Initialzündung

Das erste Mal sah Mona nach Tag und Uhrzeit vorsortierte Medikamente in einer Apotheke in Neuseeland. Das machte sie neugierig. Sie war damals in der Forschung tätig und hatte bereits eine lange Karriere hinter sich. Trotzdem wurde ihr schnell klar, dass dieses Thema ihrem Berufsleben noch einmal eine neue Richtung geben könnte.

„Schon bei der ersten Recherche stieß ich auf erschreckende Zahlen“, sagt sie. Laut einer Stellungnahme des Bundestags aus dem Jahr 2018 stecken Medikationsfehler hinter rund 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich alleine in Deutschland. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen als Folge falsch eingenommener Medikamente sogar frühzeitig sterben, gehen weit auseinander. Laut einer in der Zeitschrift MWW – Fortschritte in der Medizin veröffentlichten Schätzung liegt die Zahl derer, die in Folge sogenannter Polymedikation sterben, zwischen 15.000 und 25.000. Die Krankenkasse BARMER geht sogar von bis zu 70.000 Todesfällen aus, die sich jedes Jahr durch besseres Arzneimitteltherapie­Management verhindern ließen.

Ein Beitrag zur Umwelt und Gesundheit

Damit war die Idee von Ecoblister geboren. Da die Pharma­branche enormen Plastikmüll produziert, war für Mona von Anfang an klar, dass ihre Lösung umweltfreundlich sein sollte. Jährlich werden laut ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. allein 42 Millionen Packungen Ibuprofen in Deutschland verkauft – so gut wie alle in Kunststoff (PVC) verpackt und mit Alufolie verschlossen. Diese Mischung ist in der Müllverwertung kaum zu trennen und damit auch nicht recyclebar. Das Ziel von Ecoblister war es, den weltweit ersten kompostierbaren Blister zu entwickeln.

Nachdem das Ziel klar war, mussten die Geschwister das Marktpotenzial herausarbeiten und professionelle Partner*innen für das Produkt finden. Dazu ließen sie zunächst zahlreiche mögliche Materialien testen: auf Kompostierbarkeit einerseits, aber auch, ob sie die strengen Verpackungsvorschriften für Medikamente erfüllen. Auch andere Unternehmen bat Mona um Hilfe, bis sie schließlich mit ihrem Produkt zufrieden war.

„Die größte Herausforderung war anschließend, Investor*innen zu finden, die an unsere Idee glauben. Gerade in Deutschland ist das für Start-ups oft schwierig, selbst wenn sie bereits ein fertiges Produkt und Produktionspartner*innen haben“, sagt Mona. Eine weitere Herausforderung war, dass viele potenzielle Investor*innen Einfluss auf das Produkt nehmen wollten, obwohl sie nicht vom Fach waren. Schließlich entschieden sich die Geschwister für einen Kredit.

Zielgruppe Senior*innen

Der Fokus des Arzneikalenders liegt vor allem auf Patient*innen mit Polymedikation, also solchen, die dauerhaft fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Wer schon einmal mehr als zwei oder drei Medikamente gleichzeitig regelmäßig einnehmen musste, kennt sehr wahrscheinlich diese Fragen: Habe ich die Dosis für heute Abend schon genommen? Ist die braune Pille das richtige Präparat oder nur eine von den Vitamintabletten, die so ähnlich aussehen? Und wo ist nochmal der Zettel mit den Einnahme-Anweisungen für das neue Medikament? Häufig betrifft das Menschen über 65 Jahren. Das zeigen auch Analysen des BARMER GEK Arzneimittelreports: Innerhalb eines Quartals wurden etwa einem Drittel aller Versicherten über 65 Jahre fünf und mehr Medikamente zur täglichen Anwendung verordnet.

2023, also mehr als 20 Jahre, nachdem Verblistern zum ersten Mal in Deutschland angeboten werden durfte, kommt langsam Bewegung in den Markt: Eine erste Versandapotheke bietet sogenannte Blisterrollen als kostenlosen Service an. Mit diesem System werden die Medikamente zwar nach Einnahmezeitpunkt neu sortiert und verpackt, allerdings erhalten Patient*innen die einzelnen Blister-Abteile in einer langen Rolle, weshalb insbesondere Menschen mit einer Sehbehinderung immer noch Probleme haben dürften, diese auseinanderzuhalten. Und das Müllproblem der Branche löst dieses Angebot auch nicht.

Überzeugungsarbeit für ein sicheres Gesundheitswesen

Damit Verblisterung flächendeckend funktioniert, sind insbesondere ältere Patient*innen ohnehin oft auf ihre lokale Apotheke angewiesen. „Es ist nicht damit getan, dass wir den Ecoblister entwickelt haben“, sagt Mona. „Ich leiste auch täglich Überzeugungsarbeit – bei Apotheken, Ärzt*innen, Krankenkassen und auf Blister-Workshops, die wir regelmäßig organisieren.“ In vielen anderen Ländern, etwa in den benachbarten Niederlanden, zahlt die Krankenkasse, wenn Medikamente individuell sortiert und neu verpackt werden. Dort hat man erkannt, dass individuelle Verblisterung ein einfacher und günstiger Weg ist, die Gesundheit von Menschen zu schützen. In Deutschland übernehmen die Kassen die Kosten trotzdem nur dann, wenn ein professioneller Pflegedienst die Dienstleistung bestellt. Wer nicht im Heim wohnt und beispielsweise von Angehörigen zu Hause versorgt wird, geht leer aus.

Monas Traum ist, dass irgendwann alle Apotheken in Deutschland auf Wunsch individuell verblistern – und dass dabei möglichst wenig Müll entsteht. Dazu braucht es einerseits klare Regeln, wer dafür bezahlt. Andererseits müssten die Apotheken auch mehr Medikamente als sogenannte Schüttware bestellen können, also in großen Behältern verpackt, anstatt, wie aktuell üblich, bereits einzeln verblistert.

Der Erfolg gibt Mona und ihren Geschwistern Recht: Im vergangenen Jahr ist Ecoblister um 50 Prozent gewachsen, bereits 40 Apotheken haben die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Ohne ihr in langer Berufserfahrung gewonnenes Wissen und hartnäckiges Networking wäre das nicht gelungen, sagt Mona. Ihr Tipp für jüngere Gründer*innen lautet: Nicht verunsichern lassen, keine Angst haben, nach Hilfe zu fragen und immer hartnäckig bleiben. „Ich kann gar nicht zählen, wie viele Menschen mir von der Gründung abgeraten haben. Ich habe einfach weitergemacht – und es funktioniert.“

Hier geht’s zu Ecoblister

HolyPoly: Mit rund 1 Mio. Euro auf dem Weg zum Scale-up

Mit fast einer Million Euro aus dem jüngsten Crowdinvesting will das 2021 von Johanna Bialek und Fridolin Pflüger gegründete Kunststoff-Recycling-Start-up HolyPoly gezielt auf die Suche nach neuen Talenten gehen und zum „Closed-Loop-Weltmeister“ werden.

HolyPoly ist ein gefragter Full-Service-Partner für Kunststoff-Recycling in der Industrie. Auch in Finanzdingen geht das Unternehmen neue Wege und finanziert die nächste Wachstumsetappe mit einem Crowdinvesting, das fast eine Million Euro einbrachte – für neue „Recycling-Talente“ und zur Internationalisierung.

Der Erfolg der Crowdinvesting-Premiere hat selbst die Optimisten bei HolyPoly überrascht: Nach nur zwei Wochen war das angepeilte Investitionsziel von 750.000 Euro in Sicht und das Funding-Limit konnte auf 1 Million Euro erhöht werden. Als die Kampagne im Januar 2024 endete, war selbst diese Marke fast erreicht. Weniger als 10.000 Euro fehlten schließlich an der magischen Summe. Das offizielle Endergebnis: 990.850 Euro.

„Mit diesem überwältigenden Erfolg starten wir sehr zuversichtlich ins Jahr 2024“, sagt HolyPoly CEO Fridolin Pflüger – „denn wir haben uns viel vorgenommen, besonders im Recruiting.“ Mit der Investitionssumme will man bei HolyPoly vor allem neue Talente akquirieren. „Wir haben schon jetzt mehr Projektanfragen auf der Liste als wir bewältigen können“, erklärt Pflüger den wachsenden Personalbedarf. „Unter den potenziellen Kunden finden sich etliche weltweit agierende Marken, die von unserer Expertise profitieren wollen. Darauf können wir nicht verzichten, wenn wir unsere Mission, Kunststoffrecycling selbstverständlich zu machen, wirklich ernst nehmen.“

Um diesem Ziel gerecht zu werden, stellt HolyPoly 2024 wichtige Weichen für eine Transformation. Der geplante Personalzuwachs von zehn bis 15 Prozent folgt dem Ziel, „vom Start-up zum ‘Scale-up’ zu werden“, wie es CEO Pflüger formuliert. Die Wachstumsstrategie zielt deshalb nicht nur auf die Personalgewinnung, sondern forciert auch die bereits angestoßene Internationalisierung im Kundenportfolio und die Umsetzung von Projekten mit wesentlich größeren Produktionsvolumen.

„Wir haben gezeigt, dass unsere Kreislaufprozesse für die Großserienproduktion bereit sind“, sagt Fridolin Pflüger selbstbewusst und geht davon aus, dass „HolyPoly Ende 2025 der Closed-Loop Weltmeister“ ist. Auch mittelfristig legt er die Messlatte für den Unternehmenserfolg hoch: Eine Million Tonnen hochwertiges Rezyklat will HolyPoly bis 2030 durch seine Kund*innenprojekte in hochwertige Kunststoffanwendungen überführen.

Wie wichtig industrielle Recyclinglösungen sind, haben viele Unternehmen verstanden. Sie sehen, dass eine weltweite Kunststoffrecyclingquote von nur 10 Prozent viel zu wenig ist. Namhafte Firmen wie Bosch, Mattel, NUK oder Lamy setzten deshalb heute schon auf die Expertise des HolyPoly-Teams. Mehr als 30 Mitarbeitende aus Bereichen wie Kunststofftechnik, Recycling, Chemie, IT, Design, Kommunikation, Recht, Logistik, Beratung und Nachhaltigkeit arbeiten daran, für diese Kund*innen smarte und zeitgemäße Recyclingprozesse für hochwertige Kunststoffprodukte zu entwickeln.

Die Unternehmenszahlen zeigen deutlich, dass HolyPoly sich erfolgreich in einem extrem dynamischen Wachstumsmarkt mit enormem Entwicklungspotenzial positioniert hat. Der Umsatz hat nach drei Jahren die Grenze von 1,5 Millionen Euro überschritten und die Prognose ist auch hier eindeutig: Wachstum! 54 Projekte hat das Unternehmen inzwischen abgeschlossen. Zu den Kund*innen in Deutschland und Europa kommen derzeit verstärkt auch große internationale Konzerne, die künftig einen erheblichen Beitrag zum Umsatzwachstum leisten werden.

GameChanger des Monats: Tao Climate – CO2 binden mittels Industriehanf

Die Mission der Tao-Climate-Founder Felix Roick und Gary Byrnes ist es, Industriehanfbauern und -produzenten weltweit zu vereinen, um CO2 zu binden und dauerhaft einzulagern. Mit ihrem neuesten Projekt haben sie das Finale von Elon Musks 100-Millionen-Dollar-Wettbewerb XPRIZE Carbon Removal erreicht.

Das von Gary Byrnes und Felix Roick gegründete GreenTech-Start-up Tao Climate, Mitglied der in Berlin ansässigen Greentech Alliance, setzt sich dafür ein, Technologie für einen positiven, messbaren Einfluss auf die Umwelt zu nutzen und die drängende Herausforderung des Klimawandels anzugehen. Tao Climates Mission ist es, Industriehanfbauern und -produzenten weltweit zu vereinen, um CO2 zu binden und dauerhaft einzulagern. Durch den Verkauf hochwertiger CO2-Zertifikate generiert Tao Climate zusätzliche Mittel für die Industriehanf-Industrie weltweit, um letztendlich die Hanfproduktion zu erhöhen und die UN-Emissionslücke von 23 Gigatonnen CO2 pro Jahr zu schließen.

Finale des 100 Mio. Dollar Wettbewerb XPRIZE Carbon Removal erreicht

Jetzt gibt Tao Climate, Mitglied des Google Startups for Sustainable Development-Programms, bekannt, das Finale von Elon Musks Wettbewerb XPRIZE Carbon Removal erreicht zu haben. Der XPRIZE Carbon Removal zielt darauf ab, die größte Bedrohung für die Menschheit anzugehen – den Kampf gegen den Klimawandel und das Wiederherstellen des Kohlenstoffkreislaufs der Erde. Finanziert von Elon Musk und der Musk Foundation, ist dieser 100-Millionen-Dollar-Wettbewerb der größte Anreizpreis in der Geschichte.

Das gemeinsame Projekt mit Hemp Technology, einem ukrainischen Unternehmen für die Verarbeitung und den Bau von Hanfbeton, unterstreicht die Kraft von Innovation, Umweltverantwortung und sozialem Engagement und bietet eine überzeugende und effektive Lösung für die Klimakrise. Die gemeinsame Einreichung konzentriert sich auf den Bau nachhaltiger Hanfbeton-Häuser für 170 Binnenvertriebene und Kriegswaisen in Lwiw, Westukraine. Die sichere und dauerhafte Einlagerung des extrahierten CO2 wurde von einer unabhängigen dritten Partei verifiziert.

Hanfbeton, oder auch Hanfkalk genannt, ist ein Verbundmaterial aus Hanfschäben, Kalk und Wasser. Dieses seit Jahrhunderten genutzte Baumaterial bietet nicht nur widerstandsfähigen Schutz, sondern auch beispiellose Umweltvorteile, einschließlich dauerhafter CO2-Einlagerung. Die Vision von Tao Climate besteht darin, die nachhaltige Rekonstruktion der Ukraine aktiv durch den Einsatz von Hanfbeton-Gebäuden zu unterstützen, sowohl während als auch nach Ende des Konflikts.

"Bei Tao Climate sind wir fest entschlossen, die Kraft der Natur für eine nachhaltige Zukunft zu nutzen", bekräftigt Gary Byrnes, CEO von Tao Climate. "Unsere Zusammenarbeit mit Hemp Technology repräsentiert eine ideale Synergie von Innovation, Umweltverantwortung und sozialem Einfluss. Gemeinsam präsentieren wir unseren Finalbeitrag im XPRIZE Carbon Removal Wettbewerb und heben das enorme Potenzial von Hanfbeton zur Reduzierung von Kohlenstoffdioxid Emissionen und zur Verbesserung von Lebensbedingungen hervor."

Chatbot-Pionier Kauz schließt 2,3 Mio. Euro Finanzierungsrunde ab

Das 2016 von Dr. Thomas Rüdel gegründete Chatbot-Unternehmen Kauz GmbH erhält für den weiteren Ausbau seiner generativen KI-Plattform 2,3 Mio. Euro vom Investorennetzwerk Companisto.

Kauz kombiniert führende Large Language Modelle mit der selbst entwickelten NLU-Technologie und ermöglicht damit einen kontrollierbaren KI-Einsatz in Unternehmen.

2.3 Millionen über den Angel Club und Privatinvestoren

Kauz ging bereits im März 2023 als erster Chatbot-Anbieter im DACH-Raum mit einer ChatGPT-Integration auf den Markt. Parallel dazu wurde der Ausbau zu einer Self-Service Plattform für KI-Assistenten forciert, die durch zusätzliche finanzielle Mittel beschleunigt werden soll. Dabei wurde ganz bewusst auf das Privatinvestorennetzwerk von Companisto gesetzt, um den bisher erfolgreichen Expertenansatz in der Technologieentwicklung auch in den kommenden Jahren unabhängig fortsetzen zu können. Innerhalb weniger Wochen wurden über den Angel Club, Bestandsinvestoren einschließlich einer Wandelanleihe des Gründers sowie über Mikroinvestments von Privatinvestoren 2,3 Millionen Euro zugesagt. “Die rasche und unkomplizierte Durchführung der Finanzierungsrunde bestätigt das bereits jetzt greifbare Potenzial unseres Technologie- und Marktansatzes”, zeigt sich der Gründer und CEO von Kauz Dr. Thomas Rüdel erfreut.

Kauz aiStudio: Self-Service Plattform für KI-Assistenten

Die Finanzierung wird in den weiteren Ausbau des Kauz aiStudios investiert, das Unternehmen jeder Größe den Einsatz von Website-Chatbots und KI-Assistenten für interne Bedarfe ermöglicht. Die Mission von Kauz besteht in der Sicherstellung der Kontrollierbarkeit von KI-Lösungen. Diesem Ziel dient auch die Einführung sogenannter “privater Modelle”, mit denen Kauz den Trend zu Open- Source-Modellen, die kundenindividuell anpassbar und bei Bedarf auch on-premise einsetzbar sind, unterstützt.

“Historisch sind wir mit 180 Chatbot-Anwendungen überwiegend im Mittelstands-Segment angesiedelt. Durch die Nutzbarkeit von generativer KI können wir mit dem Kauz aiStudio unsere Lösung nun noch besser skalieren und damit auch die Digitalisierung im Mittelstand beschleunigen und sogar neue Kundensegmente wie zum Beispiel Handwerksbetriebe erschließen", bestätigt Dr. Rüdel weiters eine neue Marktfacette.

BOX ID: 3,5 Mio. Euro für Münchner Software-Start-up

Das 2018 gegründete, auf intelligente und transparente Logistik und Lieferketten spezialisierte Software-Start-up BOX ID hat eine Finanzierungsrunde im Gesamtvolumen von 3,5 Mio. Euro abgeschlossen.

Das auf intelligente und transparente Logistik und Lieferketten spezialisierte Software-Start-up BOX ID hat eine Finanzierungsrunde im Gesamtvolumen von 3,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Mittel kommen neben Bayern Kapital unter anderem von KPN Ventures (Lead), dem High-Tech Gründerfonds (HTGF), der Wille Finance AG sowie einem Konsortium erfahrener Business Angels. Bayern Kapital hatte sich erstmals 2018 an dem wachstumsstarken Unternehmen beteiligt.

Die weltweiten Produktions- und Lieferketten sind komplexer denn je. Zudem sind Industrieunternehmen angesichts zunehmenden Kostendrucks dazu angehalten, ihre globalen Warenströme zu optimieren und dabei Verluste und Versandfehler zu vermeiden. Sie wollen außerdem die Verfügbarkeit ihrer Produkte maximieren und gleichzeitig ihre Kosten und nicht zuletzt den ökologischen Fußabdruck ihrer Logistik reduzieren.

Echtzeit-Tracking und -management von Behältern, Gestellen und Co.

Für diese Herausforderungen bietet das 2018 in München gegründete Logistiksoftware-Unternehmen BOX ID eine Lösung. BOX ID hat eine Plattform für die IoT-basierte Steuerung von Behälterkreisläufen und zur Überwachung von Logistikprozessen entwickelt. Sie macht Waren- und Behälterflüsse ortsübergreifend abbildbar und erzeugt daraus verwertbare Steuerungsdaten für Logistikverantwortliche. Um das zukünftige Unternehmenswachstum noch weiter zu beschleunigen und langfristig mit der Technologie zusätzliche Geschäftsfelder in der Logistik erschließen zu können, hat BOX ID nun 3,5 Millionen Euro bei erfahrenen Investor*innen eingesammelt.

Prozesse und Logistik-Assets, wie zum Beispiel wiederverwendbare Behälterflotten, Kisten und Einzelsendungen, lassen sich mit der Software von BOX ID IoT-basiert gestalten, managen und optimieren – alles anhand von Echtzeitinformationen zu Aufenthaltsort und Zustand der Assets. Diese sind mit all ihren Daten in der Software erfasst und können darin beliebig gruppiert und gefiltert werden. So bringt BOX ID Transparenz und Kontrolle in komplexe, weltweite Lieferketten mit aus Millionen von Mehrwegtansportbehältern, Regalen, Racks oder Wechselbrücken.

Im Schnitt 20 Prozent weniger Umlaufzeiten und 95 Prozent weniger Schwund

Die Vorteile für die Kunden von BOX ID, die aktuell vor allem aus den Branchen Automotive, Glas/Fensterbau, Maschinenbau, Großhandel sowie aus der Logistikdienstleistung stammen, umfassen eine Reduzierung der Umlaufzeiten von Transportbehältern von durchschnittlich 20 Prozent, eine höhere Verfügbarkeit, reduzierten Behälterbedarf, geringere Kosten für Engpassversorgung und Ersatzverpackungen sowie eine deutliche Verringerung – bis zu 95 Prozent – des Schwundes in der Behälter- und Ladungsträgerflotte.

„Heutige Systeme zur logistischen Bestandsverfolgung haben wenig bis keinen Echtzeit-Prozesskontext. Sie erstellen Berichte, damit man am Ende analysieren kann, was falsch gelaufen ist“, erklärt BOX-ID-Co-Gründer und Geschäftsführer Dr. Wolfgang Vogl „Unsere Software überwacht ständig die Prozessausführung, um Fehler zu identifizieren und zu vermeiden, bevor diese überhaupt erst auftreten. Auf diese Weise verhindern wir Verschwendung entlang der gesamten Lieferkette für unsere Kunden, indem wir Echtzeitdatenströme automatisch mit den angestrebten Prozessen abgleichen. Die Reduzierung von Verlusten, Fehlmengen und fehlgeleiteten Artikeln optimiert dabei nicht nur die Verfügbarkeit, sondern hilft auch bei der Kosteneinsparung und Verbesserung des gesamten ökologischen Fußabdrucks von Lieferketten. So unterstützen wir unsere Kunden zusätzlich dabei, ihr Gesamtgeschäft umweltfreundlicher zu gestalten und tragen zum Kampf gegen den Klimawandel bei: Dementsprechend sind wir unseren Investoren sehr dankbar dafür, dass sie uns dabei unterstützen, unsere Lösung noch breiter in den Markt zu bringen.“

„Weltweit haben globale Industrie-Player mit immer stärkerem Effizienzdruck zu kämpfen. Die Digitalisierung der Lieferketten ist dabei einer der wichtigsten Transformationsfaktoren“, sagt Monika Steger, Geschäftsführerin von Bayern Kapital. „BOX ID hat mit seiner innovativen SaaS-Lösung bereits namhafte Kunden überzeugen können und ist dabei erst am Anfang der Skalierung ihres Geschäftsmodells. Deshalb unterstützen wir das Unternehmen gerne bei seinen weiteren Wachstumsschritten.“

WAY: Berliner Tech-(Ausstatter-)Start-up sammelt 1,2 Mio. Euro ein

Das Berliner Start-up WAY hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 1,2 Mio. Euro eingesammelt. Mit dem Geld will das 2023 gegründete Start-up seinen neuen Service vorantreiben, der einfache und günstige Beschaffung von Laptops, Smartphones und Co. mit einer Plattform kombiniert, die manuelle IT-Aufgaben übernimmt.

Jonas Baum und Cedric Bals haben WAY Anfang 2023 gegründet. Bereits als IT-Werkstudent hatte Cedric festgestellt, wie überfordert traditionelle kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) mit ihrer IT waren. Später erlebte er genau die gleichen Probleme bei Start-ups und Scale-ups. So entstand die Idee zu WAY als smarte Lösung für IT-Probleme. Jonas und Cedric sind beide erfahrene Unternehmer, die zuvor sowohl VC-finanzierte als auch gebootstrappte Firmen erfolgreich gründeten.

IT für neue Mitarbeitende steht in weniger als 60 Sekunden

WAY entlastet alle unfreiwilligen IT-Manager wie Gründende, HR- oder Office-Manager*innen. Man mietet oder kauft die Geräte bei WAY; die Plattform übernimmt automatisch alle manuellen IT-Prozesse wie das Aufsetzen der Geräte, das Inventar, die Offboarding-Logistik und das Freischalten von Tool-Zugängen für Mitarbeitende.

Das Ausstatten neuer Mitarbeitenden mit einem Gerät und allen erforderlichen Tools dauert – so die Aussage von WAY – dank der Integrationen mit allen wichtigen HR-Tools, Slack und Microsoft Teams weniger als 60 Sekunden.

Der Service ist nicht nur auf kleinere Unternehmen beschränkt, sondern richtet sich auch an größere Organisationen mit bestehenden Geräteflotten. WAY bietet ein KI-gestütztes Tool für die schnelle und einfache Integration des IT-Inventars – ohne lästiges Hochladen von Excel-Tabellen.

Schluss mit dem berühmt-berüchtigten IT-Schmerz

WAY ist für viele Funktionen kostenlos. Add-ons ermöglichen einen höheren Grad an Automatisierung und Sicherheit. "Selbst technikaffine KMUs professionalisieren ihre IT oft viel zu spät, weil bestehende Lösungen zu teuer und für große Unternehmen mit einer eigenen IT-Abteilung gemacht sind”, sagt Mitgründer Jonas. “Unser Ziel ist es, dass alles von Anfang an richtig gemacht wird und kein Unternehmen je mehr den berühmt-berüchtigten IT-Schmerz fühlen muss."

Mit dem frischen Kapital wollen die Gründer ihre innovative Technologielösung weiter ausbauen. Die Runde angeführt hat der belgische VC-Fonds Pitchdrive, begleitet von IBB Ventures, FvS Investments und dem HR-VC allygatr. Daneben beteiligten sich auch namhafte SaaS-Angel-Investoren, darunter David Padilla, CEO des HR-Systems Kenjo, die Comatch-Gründer Jan Schächtele und Christoph Hardt, Joblift-CTO Denis Bauer oder Circus Kitchen-CTO Helge Plehn.

Lexware Trendradar: Gründungshindernisse und Auswege

Eine aktuelle Umfrage unter Gründer*innen und Unternehmer*innen unterstreicht die Notwendigkeit: Runter mit den Finanzierungshürden!

Mehr Geld sparen, Sport treiben und sich gesünder ernähren – das sind die beliebtesten Vorsätze der Deutschen für dieses Jahr. So weit, so wenig überraschend. Für einige wird aber noch etwas anderes auf der diesjährigen To-do-Liste stehen: endlich den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Sein eigener Chef oder seine eigene Chefin zu sein, ist für viele eine ausgesprochen attraktive Aussicht, ebenso die Flexibilität, die mit einer selbstständigen Tätigkeit einhergehen kann.

Der Gründungsmotor stottert

Doch der Weg dorthin ist meist steinig, insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Und in solchen befinden wir uns zweifelsohne schon seit einigen Jahren. Durch die COVID-19-Pandemie, die Energiekrise, die hohe Inflation und Co. haben Gründungswillige es aktuell schwer. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: So ist die Anzahl der jährlichen Unternehmensgründungen zwischen 2019 und 2023 selbst bei optimistischen Berechnungen um fast 100.000 auf rund 510.000 gefallen.

In diesem Jahr könnten wir zwar wieder ein kleines Plus verzeichnen, was wir aber eigentlich brauchen, ist eine deutliche Trendumkehr. Wir müssen wieder mehr Menschen „Lust aufs Machen“ machen. Denn Selbständige, vom Solo-Selbständigen bis zur Kleinunternehmerin, sind das Rückgrat unserer Wirtschaft: Ihre vier Millionen Unternehmen, die dabei zwölf Millionen Arbeitnehmer beschäftigen, machen 97 Prozent aller Unternehmen hierzulande aus! Dennoch finden sie in der öffentlichen (und politischen) Wahrnehmung oft nicht die entsprechende Beachtung. Und eine solche Trendumkehr ist trotz der derzeitigen wirtschaftlichen Situation möglich. Dafür müssen wir aber erst die Bedingungen für Gründer*innen verbessern.

Gründen schwer gemacht

Denn Hürden gibt es so einige. In einer Umfrage von Statista und Lexware, einem Business-Softwareanbieter für Selbständige, unter Gründer*innen und Unternehmer*innen waren die Top 3 Hürden:

  • Fehlende finanzielle Mittel: 42 Prozent
  • Unübersichtliche Gesetzesvorgaben: 30 Prozent
  • Fehlendes Know-how (etwa bei Finanz- und betriebswirtschaftlichem Wissen): 21 Prozent

Im ersten Moment mag es naheliegen, die Verantwortung für die Beseitigung dieser Hindernisse bei den Gründungswilligen zu verorten. Und ja, wer sich in irgendeiner Form selbständig machen will, sollte sich natürlich vorher eingehend mit betriebswirtschaftlichen Fragen, den bürokratischen Anforderungen und der Finanzierung beschäftigen. In der Praxis gestaltet sich genau das aber häufig deutlich komplexer, als man vielleicht annehmen würde.

So werden Finanz- und betriebswirtschaftliche Themen immer noch so gut wie gar nicht in der Schule behandelt. Und wer kein BWL-Studium in der Tasche hat, sieht sich bei der Unternehmensgründung plötzlich mit Fragen konfrontiert wie „Welches Geschäftsmodell ist für mich am sinnvollsten?“, „Wie schreibe ich einen Businessplan?“ oder „Wie erledige ich eigentlich meine Buchhaltung?“

Mit Blick auf die bürokratischen Anforderungen, die bei der Unternehmensgründung und danach erfüllt werden müssen, kann man aufgrund der Komplexität eigentlich nur den Kopf schütteln. Allein für die Anmeldung eines Unternehmens braucht es in der Regel Termine bei der Stadt oder Kommune, dem Finanzamt und einem Notar. Das sind standardisierte Prozesse, aber in der Verwaltung fehlt die IT-Infrastruktur, um sie zu digitalisieren. Und das Steuerrecht birgt seine eigenen Stolperfallen, die in den schlimmsten Fällen zu hohen Nachzahlungen führen können. Eine Vereinfachung von Vorgaben und Prozessen ist dringend erforderlich, wenn mehr Gründungswillige den Schritt zur Selbständigkeit tatsächlich gehen sollen.

Die Frage aller Fragen: Wo kommt das Geld her?

Die größte Hürde ist allerdings die Finanzierung. Egal, welche Art von Tätigkeit man ausübt, bei der Selbständigkeit entstehen zunächst Kosten – zum Beispiel für Materialien, Arbeitsmittel oder Mitarbeitende. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) haben ihre Gründung hauptsächlich durch Eigenkapital finanziert. Ein Viertel (24 Prozent) hat einen Bankkredit aufgenommen und nur sechs Prozent haben staatliche Fördermittel in Anspruch genommen. Allerdings: Soll die Selbständigkeit in erster Linie nur für diejenigen möglich sein, die genügend Eigenkapital ansparen konnten?

Das Problem ist dabei nicht einmal das Fehlen von Förderinitiativen. Gerade auf staatlicher Seite gibt es einige, ob durch die Bundesagentur für Arbeit, die KfW-Bank oder die einzelnen Bundesländer. Diese werden zudem durch nichtstaatliche Programme ergänzt. Vielmehr ist es die Unübersichtlichkeit der Förderlandschaft, die Gründer*innen vor Herausforderungen stellt. Hinzu kommen oft undurchsichtige und langwierige Bewerbungsprozesse. Wenn wir das Gründen für mehr Menschen möglich machen wollen, brauchen wir mehr Transparenz sowie einfache, digitale Prozesse, um beispielsweise Fördermittel abzurufen. Ein Anfang wäre beispielsweise eine zentrale cloudbasierte Datenbank, in der man sein Vorhaben mit allen Fördermöglichkeiten abgleichen und direkt die erforderlichen Unterlagen hochladen und einreichen kann

Europäischer Datenschutztag 2024 - so what?

Europäischer Datenschutztag: Privatsphäre liegt (leider) immer noch in der Hand der User*innen – eine Einschätzung dazu samt wertvollen Datenschutz-Tipps vom frz. Unternehmer und Open-Source-Softwareentwickler Gaël Duval.

Es ist mal wieder soweit: Am 28. Januar 2024 feiert die EU den auf eine Initiative des Europarates zurückgehenden Europäischen Datenschutztag – und Hand aufs Herz: Würdest du davon wissen, wenn du nicht zufällig diesen Artikel geöffnet hättest? Nein? Keine Sorge, damit bist du nicht alleine. Datenschutz ist ein bisschen wie gesundheitliche Prävention: “unsexy” und erst dann relevant, wenn es plötzlich ein Problem gibt.

Es ist dann doch meistens der Gesetzgeber, der dafür sorgt, dass das Thema auf die Agenda rückt und zu echten Veränderungen führt. Regulatorische Meilensteine wie 2020 die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) oder zuletzt der AI Act demonstrieren, dass es durchaus einen Unterschied macht, in welchem Rechtsraum man lebt und arbeitet. Viele Jahre als Bremser von Innovation gesehen, sprechen auch unabhängige Beobachter mittlerweile mit Respekt vom europäischen “dritten Weg” zwischen Silicon-Valley-Sorglosigkeit und chinesischen Datenautoritarismus. Datenschutz ist mittlerweile kein Nachteil mehr im globalen Wettbewerb.

Reformen wie die DSGVO haben zweifellos Fortschritte im Datenschutz bewirkt. Dennoch reichen gesetzliche Vorschriften allein nicht aus, um die umfassende Sicherheit unserer persönlichen Informationen zu gewährleisten. Unternehmen verfügen nach wie vor über vielfältige Möglichkeiten, Daten in großem Umfang zu sammeln – teilweise unterstützt durch fehlende Awareness auf Verbraucher*innenseite.

Datensammlung als lukratives Geschäft

Konzerne nutzen weiterhin geschickt Gesetzeslücken und unklare Formulierungen, um private Informationen zu sammeln und zu vermarkten und sorgen nur für mehr Verbraucherschutz, wenn es sich juristisch nicht mehr vermeiden lässt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Agieren von Microsoft bei der Speicherung von Metadaten jenseits des Atlantiks. Zugeständnisse bei der Wahl des Serverstandortes erfolgen höchstens schrittweise und bis heute gibt es genaugenommen keinen hundertprozentig einwandfreien Weg, Microsofts Cloud-Dienste datenschutzkonform zu nutzen, wie die Datenschutzkonferenz (DSK) zuletzt im Herbst 2022 feststellte. Darüber hinaus ist auch ganz grundsätzlich damit zu rechnen, dass beim transatlantischen Datenaustausch auch mit dem Data Privacy Framework noch nicht das letzte Wort gesprochen ist – Stichwort Schrems 3. Nach wie vor dominieren also Unsicherheit und Verwirrung in der Privacy-Debatte.

Die Verbraucher*innen sind sich auch heute oft nicht bewusst, wie umfangreich ihre Daten genutzt werden und welchen Wert diese Daten für Unternehmen darstellen. Der Datenschutztag soll genau daran erinnern: Wir dürfen uns als User*innen nicht allein auf gesetzliche Regelungen verlassen, sondern müssen selbst aktiv werden.

Die unsichtbaren Dimensionen des Smartphone-Datenschutzes

Unsere Smartphones, tägliche Begleiter in unserem Leben, bergen das wohl größte Risiko für unsere Privatsphäre. Neben offensichtlichen Anwendungen gibt es subtile Mechanismen, die von Dritten genutzt werden, um persönliche Daten abzusaugen. Es ist schon auch ein bisschen paradox, dass User*innen, die am PC völlig selbstverständlich auf Tracker achten und einen Adblocker installiert haben, sich am Smartphone oft genug auf die Default-Einstellungen verlassen. Dadurch entstehen vor allem am Handy Risiken, die von In-App-Tracking bis zur Auswertung von IP-Adressen und genauen Standortinformationen reichen.

Die folgenden Punkte fassen die wichtigsten Stellschrauben zusammen, um sich gegen Überwachung am Handy zu wehren:

1. Verhinderung von In-App-Tracking

In-App-Tracking meint die unerkannte Überwachung unserer Aktivitäten durch Drittanbieter-Apps. Diese versteckte Datensammlung erstreckt sich über verschiedene Anwendungen und erstellt ein umfassendes Profil unserer digitalen Gewohnheiten. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen kann dies Schritt für Schritt zu einem Verlust unserer Privatsphäre führen, indem persönliche Vorlieben, Interessen und Gewohnheiten ohne Zustimmung offenbart werden.

Lösung: Um dieser Problematik zu begegnen, müssen Verbraucher*innen proaktiv Datenschutzoptionen in den Einstellungen von Apps nutzen. Das ist trotz gewisser Zugeständnisse der Smartphone-Hersteller aber noch immer eine komplizierte Angelegenheit. Die genauen Schritte beschreibt zum Beispiel die Verbraucherzentrale auf dieser Website. Zusätzlich können spezialisierte Anti-Tracking-Apps installiert werden, die alle installierten Apps untersuchen und an zentraler Stelle aufschlüsseln, welche Daten erhoben werden. Auch "Do Not Track"-Optionen in den Browsern sollten aktiviert werden. Ein gutes Beispiel ist die im Open-Source-Betriebssystem /e/OS vorinstallierte App “Advanced Privacy”, die einen vollumfänglichen Überblick über alle Datenschutzrisiken auf dem Handy bietet, inklusive zahlreicher Optionen, diese Risiken zu unterbinden.

2. Verstecken der IP-Adresse

Unsere IP-Adresse dient als digitaler Fingerabdruck, der von verschiedenen Plattformen zur Identifikation und Verfolgung verwendet wird. Ohne angemessene Schutzmaßnahmen können wir in ein Netzwerk von Datensammlung und -analyse verstrickt werden, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Privatsphäre führen kann.

Lösung: Die Nutzung von Virtual Private Networks (VPNs) bietet eine wirksame Lösung, indem sie die IP-Adresse verschleiern. Im eigenen WLAN können der Einsatz von Proxy-Servern und das regelmäßige Zurücksetzen der IP-Adresse durch Neustart des Routers dazu beitragen, die digitale Identität zu schützen.

3. Verschleierung des Standortes

Die genaue Kenntnis unseres Standortes durch Apps kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Privatsphäre haben. Der ständige Zugriff auf Standortinformationen kann nicht nur zu gezielten Werbekampagnen führen, sondern auch Sicherheitsrisiken mit sich bringen.

Lösung: Um dem entgegenzuwirken, sollten Verbraucher*innen Standortdienste für nicht unbedingt erforderliche Apps deaktivieren. Der Einsatz von Standortverschleierungs-Apps und die regelmäßige Überprüfung sowie Anpassung der App-Berechtigungen sind entscheidend.

4. Hintergrundaktivitäten kontrollieren

Hintergrundaktivitäten von Apps führen zu unbemerkten Datenlecks, deren Auswirkungen oft erst im Nachhinein sichtbar werden. Diese unbewusste Preisgabe persönlicher Daten kann von gezielten Werbekampagnen bis zu ernsthaften Sicherheitsrisiken reichen. Das Monitoring, die Steuerung und vor allem die Begrenzung dieser Hintergrundaktivität ist aber mitunter eine heikle Angelegenheit. Bei vielen Apps, zum Beispiel bei E-Mail-Anwendungen, ist diese Aktivität nämlich explizit gewünscht und Voraussetzung dafür, dass das Handy als wirklich smartes Smartphone funktioniert.

Lösung: Verbraucher*innen können einer exzessiven Absaugung ihrer Daten vorbeugen, wenn sie regelmäßig die App-Berechtigungen aller Apps überprüfen und anpassen. Dabei sollte eine Unterbindung der Nutzung von Hintergrunddaten nur vorgenommen werden, wenn sie für das Funktionieren der App nicht relevant sind. Bei vielen Apps beantwortet sich die Frage relativ schnell. Eine Video-Streaming-App wie Netflix braucht beispielsweise keine Hintergrunddaten. Hintergrunddaten können unter Einstellungen -> Apps & Benachrichtigungen -> App auswählen -> Mobile Daten und WLAN durch Entfernung des Hakens bei der Option “Hintergrunddaten” deaktiviert werden. Die Apps übermitteln und empfangen dann nur noch Daten, wenn sie aktiv geöffnet sind.

Fazit: Besser selbst drum kümmern

Effektiver Schutz erfordert nicht nur Vertrauen in Gesetze, sondern auch aktives Handeln seitens der Verbraucher*innen – denn die Sicherheit eigener Daten wird nicht allein durch  technologische Maßnahmen gewährleistet. Sich hinsichtlich Datenschutz zu informieren und zu sensibilisieren gehört ebenso dazu wie das regelmäßige Überprüfen der Einstellungen auf eigenen Geräten.

Zwar ist es wichtig und richtig, vom Gesetzgeber klare und schärfere Regularien zu erwarten – letztlich liegt es jedoch in der Verantwortung eines jeden/jeder Verbraucher*in, aktiv Datenschutzrichtlinien einzuhalten, sich selbst kontinuierlich weiterzubilden und Technologie bewusst einzusetzen. So gelingt auch die kollektive Bewusstseinsbildung für die Bedeutung von Privatsphäre in der digitalen Ära – nicht nur an ausgewählten Gedenktagen, sondern immer.

Über den Autor: Gaël Duval entwickelt seit über zwei Jahrzehnten frei verfügbare Open-Source-Software. Mit seiner 2018 gegründeten e Foundation und dem Betriebssystem /e/OS bietet er User*innen eine datenschutzfreundliche Alternative zu Android.