Gründer der Woche: ArtNight – Kunst trifft Kneipe

Gründer der Woche 05/17


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Gemeinsam mit anderen einen netten Abend in einer Bar verbringen und dabei auch noch ein eigenes Kunstwerk schaffen – klingt schön verrückt, klappt aber dank des noch sehr jungen Start-ups ArtNight richtig gut. Wir haben mit Gründerin Aimie-Sarah Carstensen gesprochen.


Hallo Aimie! Bitte sage uns zunächst etwas zu dir selbst und deinem Mitgründer David Neisinger – wer seid ihr, und wer ist bei ArtNight wofür zuständig?

Wir leben und arbeiten beide in Berlin und haben im Herbst 2016 gemeinsam ArtNight gegründet. David hat vor ArtNight erfolgreich zwei Start-ups in Indien gegründet, nach einem Exit hat er den Standort von einem großen Getränkehersteller in den Vereinigten Emiraten aufgebaut. Nach einer kurzen Weltreise und zurück in Berlin wurde er mit ArtNight wieder zum Unternehmer.

Ich selbst war acht Jahre in Konzernen tätig, davon fünf Jahre in der Medienbranche. Zuletzt hab ich ein Unternehmen im Unternehmen aufgebaut und ein Team von 25 Personen geleitet. In meiner Rolle als Führungskraft, habe ich nebenberuflich "Fielfalt" gegründet, eine Community und ein Blogazine für Female Empowerment.

Davids Fokus liegt bei ArtNight im Business Development und unsere Finanzen und ich fokussiere mich auf Marketing, PR und unser Produkt.


Wie ist die Idee zu ArtNight entstanden? Und wie wurde daraus eine Geschäftsidee?

David war während seiner Weltreise in den USA und hat sich immer wieder gerne außergewöhnliche Dates organisiert. Er lernte dort zum ersten Mal das „Paint-&-Zip“-Konzept kennen und war begeistert. Zurück in Deutschland erzählte David mir von der Idee und ich war ebenfalls sofort begeistert. Wir arbeiteten am Konzept und am Produkt und veranstalteten die ersten Events. Die schnelle Umsetzung hat uns extrem dabei geholfen, ein wirklich gutes Geschäftsmodell zu identifizieren und dieses zu verfolgen.


Eure Unternehmensgründung liegt noch gar nicht lange zurück, eurer Online-Auftritt ist aber durchaus beeindruckend – wie lange habt ihr vor dem Start des Angebots schon an diesem Auftritt gefeilt?

Danke! Nach der Idee folgte direkt die Umsetzung. Wir haben innerhalb von sechs Wochen die Website selbst gebaut, Locations und Künstler akquiriert und die ersten Events unter einem anderen Namen getestet. Nach der Validierung sind wir schnell live gegangen und optimieren die Site nun kontinuierlich. Seit Mitte September haben wir nun über 50 ArtNights in Berlin veranstaltet und bauen in den nächsten Wochen unser Angebot deutschlandweit aus.


Steckt eine Philosophie hinter euren Veranstaltungen?

Bei ArtNight dreht sich alles um Kreativität in guter Gesellschaft. Es ist uns unglaublich wichtig, dass wir mit ArtNight eine positive, unterhaltsame und neue Form der Abendunterhaltung schaffen. Der Spaß und die Freude steht im Mittelpunkt. Nur so schaffen wir es, unseren Gästen ein einzigartiges Erlebnis anzubieten, an dem auch wir immer wieder gerne teilnehmen.


Was genau bietet ArtNight? Wie sieht ein ArtNight-Abend aus?

ArtNight bietet Kreativität, Unterhaltung und ein Erlebnis. Unsere Gäste müssen nichts mitbringen oder vorbereiten. Sie kommen in die von uns ausgewählte Location. Dort zeigt ihnen ein lokaler Künstler, wie sie ihr eigenes Kunstwerk auf Leinwand schaffen. Eine ArtNight dauert zwei Stunden. Währenddessen toben sich unsere Gäste kreativ aus, trinken etwas, unterhalten sich und nehmen dann am Ende des Abends ihr Kunstwerk mit nach Hause.


Welche Künstler sprecht ihr als Partner für eure Erlebnisabende an?

Wir schreiben die Stelle als ArtNight-Künstler klassisch aus. Wir haben einen Auswahlprozess entwickelt, um Künstler für ArtNight zu gewinnen, die zu unserer Philosophie und zu unserem Erlebnis optimal passen.


Und welche Lokalitäten wählt ihr für die Veranstaltungen aus?

Bars und Restaurants die sich für eine ArtNight eignen und über ein passendes Ambiente verfügen. Uns ist wichtig, dass wir selbst von der Location überzeugt sind und auch unabhängig von ArtNight gerne dort hingehen.


Welche Menschen erreicht ihr mit eurem Angebot, wer sind die typischen Teilnehmer an den Abenden?

Unsere typischen Gäste sind Frauen, zwischen Anfang zwanzig und Ende dreißig sowie auch zwischen vierzig und siebzig – das variiert immer nach der Location. Außerdem bieten wir auch englischsprachige Events an, die insbesondere von Männern häufiger besucht werden. Wir haben noch nicht herausgefunden was den deutschen Mann abschrecken könnte.


Wie gut sind die Abende ausgelastet?

Unsere ArtNights sind immer limitiert, je nach Location legen wir eine bestimmte Teilnehmeranzahl fest. Unsere Abende sind sehr gut ausgelastet, das freut uns natürlich.


Über welche Kanäle macht ihr auf euch aufmerksam?

Wir nutzen verschiedene Kanäle und haben eine Multi-Channel-Marketingstrategie. Da es sich bei ArtNight um ein Erlebnis handelt, sind Social Media und die Weiterempfehlungseffekte durch soziale Interaktion besonders wichtig.


Und habt ihr schon Pläne für die Zukunft?

Wir werden in den nächsten Jahren die größte Plattform für kreative Erlebnisse in Europa!


Und wie immer zum Schluss die Frage: Habt ihr grundsätzliche Tipps für andere Gründer?

"If it’s not a hell yes, it’s a no" – der wichtigste Tipp, den wir weitergeben können ist, den Fokus nicht zu verlieren und flexibel dabei zu sein, ihn zu ändern. Das bedeutet auch, dass man nach einem nicht erfolgreichen Testing nicht zu lange an etwas fest hält, was einen daran hindern kann, die Zeit und Energie für die richtigen Dinge zu nutzen.


Vielen Dank, Aimie, für das Interview!


Hier geht’s zu ArtNight


Das Interview führte Fabian Otto

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Gründen statt konventionelle Berufswege einschlagen

Der Talent Investor Entrepreneur First (EF) launcht sein neues Graduate Programm. Das Programm bezahlt eine kleine Anzahl der besten Hochschulabsolvent*innen Europas dafür, dass sie konventionelle Berufswege und -angebote ablehnen und stattdessen ein Start-up gründen.

Für Studirende bietet Entrepreneur First Graduate eine intensive Lernkurve; sie erhalten Zugang zu Mentor*innen und Berater*innen aus dem EF-Netzwerk. Das Programm ermöglicht ihnen Zugang zu der Ausbildung, den Mittel und der Betreuung, die sie brauchen, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Darüber hinaus übernimmt der Talent Investor während des Programms auch die Lebenshaltungskosten der Teilnehmenden.

Gründungsaffine Absolvent*innen und Studienabbrecher*innen gesucht

Das Programm richtet sich an Absolvent*innen der Jahre 2022 und 2023  – Studienabbrecher*innen miteinbezogen. An Teilnehmer*innen stellt EF die Forderungen, dass sie Ehrgeiz mitbringen, die Grenzen ihrer Fähigkeiten austesten, sowie herausfordernde Ideen und Probleme angehen. Sie sollten begierig darauf sein, Wege zu finden, diese Fähigkeit im Dienst echter Ziele zu nutzen. Zudem sind sie gefordert, hohe Erwartungen an sich selbst und an die Menschen in Ihrem Umfeld zu stellen. Sie müssen bereit dazu sein, ihre Ideen und Ideale mit der Realität zu konfrontieren. Zudem sollten sie eine gewisse Technik-Begeisterung mitbringen, indem sie nach Möglichkeiten suchen, verschiedene Technologien zu entwickeln, zu gestalten und über deren kreative Nutzung nachzudenken.

Zu Beginn werden Teilnehmenden ein Vor-Programm durchlaufen, welches Lernprozesse beschleunigt und ihnen die Möglichkeit gibt, ihre eigenen Interessen zu erkunden, Ideen zu entwickeln und mit Leuten aus ihrer Gruppe zusammenzuarbeiten. Sie erhalten persönliche Unterstützung, Vorlesungen, Workshops und die Möglichkeit, durch Praktika bei wagnisfinanzierten Start-ups in die Tech-Welt einzutauchen.

Das Programm startet im Herbst 2023 und richtet sich besonders an Absolvent*innen, die ein Start-up in den Bereichen Computer Science, Healthtech, Sustainability Tech, FinTech, Web3, DeepTech oder MarketingTech gründen wollen.

Interessierte Absolvent*innen können sich für die erste Bewerbungsrunde bis zum 10. Februar 2023 bewerben. Die Deadline für die zweite Runde ist Mitte März.

3 Mio. Euro für Leipziger KI-Start-up Kopernikus Automotive

Die Kopernikus Automotive GmbH, ein in Leipzig beheimatetes KI-Start-up, das auf fahrerloses hochautomatisiertes Parken und Autonomes Rangieren spezialisiert ist, erhält ein 3 Millionen Euro Folgeinvestment von Continental und dem TGFS Technologiegründerfonds Sachsen.

Nachdem sie den Auftrag für eine brandneue Test Facility für Automated Valet Parking Type 2 in Wolfsburg von Volkswagens CARIAD Softwaregruppe sowie zwei Aufträge für zwei Pilotprojekte in zwei Ford Autowerken im letzten Jahr erhalten hat, legt das 2016 von Stefan Jenzowsky und Tim von Törne gegründete Start-up Kopernikus Automotive den nächsten Gang in Richtung Serienentwicklung ein und sammelt drei weitere Millionen Euro Kapital ein: “Diese Kapitalerhöhung sichert ab, dass wir unsere Serienentwicklung und Sicherheitszertifizierung für eine der ersten wirklich fahrerlosen Anwendungen, die wir alltäglich sehen werden, abschließen können”, sagt der COO von Kopernikus, Tim von Törne.

Kopernikus fokussiert seine K.I.-Entwicklung auf Autonomous Valet Parking und infrastruktur-basiertes Manövrieren: Dabei werden alle Fahrzeuge von Kameras und Computern überwacht und gefahren, die im Gebäude oder auf einem Gelände untergebracht sind (häufig ein Parkhaus, ein Logistikzentrum oder eine Fahrzeugfabrik). Kopernikus rüstet dieses Gelände mit einer Künstlichen Intelligenz aus, die ein Auto sicher fahren kann.

Die neue Test Facility in Wolfsburg wird von Volkswagens Softwaregruppe CARIAD betrieben und soll als Entwicklungs- und Erprobungsfläche für die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit Automated Valet Parking Funktion genutzt werden: “CARIAD wird hier mit Kopernikus Automated Valet Parking erproben und an neuen Anwendungsfällen des automatisierten Fahrens arbeiten”, sagt Rudolf Leinfelder von CARIAD.

“Für ein Start-up-Unternehmen ist es nicht einfach, in die Automobilindustrie zu kommen, gerade mit einer K.I.-basierten Fahrfunktion. Deshalb sind wir sehr dankbar gegenüber allen Partnern und Automobilherstellern, insbesondere hier in Deutschland, die mit uns in den letzten Jahren zusammen an dieser neuen Technologie gearbeitet haben und uns in verschiedenen Arbeitsgruppen und Konstellationen ermöglicht haben, Automated Valet Parking zu erproben, zu testen und erstmals zu implementieren - und es gemeinsam in die Spezifikation und Standardisierung zu bringen, denn bei dieser Technologie müssen Auto und Infrastruktur zusammenarbeiten”, sagt Stefan Jenzowsky, CEO von Kopernikus Automotive.

Continental und TGFS hatten bereits in Kopernikus Automotive investiert - und Continental hat inzwischen angefangen, ein Kopernikus-basiertes System weltweit zu vermarkten, unter anderem mit einer Live Demonstration der Technologie auf der CES 2023 in Las Vegas Anfang Januar. „Diese innovative Technologie begeistert, weil sie auf jedes Fahrzeug heute in Serienproduktion angewendet werden kann. Es braucht hierzu keine zusätzlichen Sensoren oder Computer im Fahrzeug. Unsere Kunden können heute beginnen, Kosten zu sparen - und sie können morgen fahrerloses Automated Valet Parking zu ihren Kunden bringen”, sagt Laurent Fabre, Leiter des Segments Passive Safety and Sensorics bei Continental.

Sören Schuster, der Geschäftsführer des TGFS fügt hinzu: “Kopernikus Automotive hat herausragende Fortschitte bei der Entwicklung ihres Systems in den letzten zwei Jahren gemacht - nicht nur unter Laborbedingungen, sondern auch bereits in einer ganzen Reihe von Testanwendungen im Feld. Wir sind froh und stolz, die Entwicklung des sehr engagierten Kopernikus-Teams auch weiterhin zu begleiten.“

UnternehmerTUM gründet CIRCULAR REPUBLIC

UnternehmerTUM, Europas größtes Zentrum für Innovation und Gründung, startet mit CIRCULAR REPUBLIC eine einzigartige Kräftebündelung im Bereich Circular Economy.

Echte Nachhaltigkeit und damit auch Klimaneutralität ist nur dann erreichbar, wenn es gelingt, den Ressourcenverbrauch massiv zu reduzieren und etablierte Prozesse neu zu denken. Diese gewaltige Herausforderung bietet sowohl Unternehmen als auch Start-ups immenses Geschäftspotenzial und vielfältige Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle. Sie können entscheidend sein, wenn es darum geht, dass sich Europa langfristig unabhängiger von globalen Lieferketten macht und so resilienter wird.

Ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen

Klima- und Energiekrise, Bevölkerungswachstum, Artensterben, fragile Lieferketten und zunehmende Ressourcenknappheit: Circular Economy ist ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen. Entsprechend der Vision einer nachhaltigen und Mensch-zentrierten Zukunft für Deutschland und Europa, will UnternehmerTUM mit CIRCULAR REPUBLIC eine zentrale Plattform für die Bündelung und aktive Gestaltung solcher Ideen in München schaffen. Kreislaufwirtschaft wird dabei als ein regeneratives Wirtschaftssystem verstanden, in dem Ressourcen in Kreisläufen gehalten werden und dessen Ziel es ist, die Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

Circular Economy marktgerecht weiterentwickeln

CIRCULAR REPUBLIC unterstützt Unternehmen und Start-ups dabei, ihre Innovationen und Ideen für die Circular Economy marktgerecht weiterzuentwickeln und in konkrete Geschäftsmodelle zu überführen. Zudem vernetzt die Initiative Unternehmen und Start-ups mit relevanten Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und der Venture Capital-Branche. Hierbei kommt dem Innovations-Ökosystem von UnternehmerTUM eine entscheidende Bedeutung zu: Die Initiative bietet konkret Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen aus dem Bereich Circular Economy der Technischen Universität München und berät selbst zu unternehmerischen Fragen und Herausforderungen.

Eine zentrale Leistung besteht zudem darin, Unternehmen und Start-ups in sogenannten Multi-Stakeholder-Projekten direkt miteinander zu vernetzen und als gemeinsame Plattform für Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fungieren. Idealerweise finden die erarbeiteten Projekte anschließend ihren Weg in die konkrete Anwendung. Die Initiative wurde mit dem Gründungspartner BMW AG gestartet. Zu den ersten Partnerunternehmen gehören SAP, PreZero und Tengelmann.

Interdisziplinäres Gründungstrio

Um sich dem Gebiet der Circular Economy vollumfassend widmen zu können, braucht es diverse Blickwinkel und ein Team, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Zum Gründungsteam der Initiative gehören Dr. Susanne Kadner, Dr. Matthias Ballweg und Niclas Mauß. Kadner initiierte und leitete zuvor die Circular Economy Initiative Deutschland. Ballweg verantwortete vor seiner Zeit bei CIRCULAR REPUBLIC die globalen Circular Economy Aktivitäten von SYSTEMIQ und Mauß hat an der Technischen Universität München Deutschlands größten Circular Economy Forschungsverbund initiiert und aufgebaut.

Multi-Stakeholder-Ansatz

Das erste Multi-Stakeholder-Projekt wird sich mit der Textilbranche beschäftigen - einem der am wenigsten zirkulär arbeitenden Sektoren überhaupt. Start-ups bieten hier zwar schon heute zahlreiche Teillösungen – etwa Recycling-Technologien – an, doch fehlt es an einer branchenübergreifenden Lösung, die nun gemeinsam entwickelt wird.

Ein weiteres Projekt wird sich anschließend um die Kreislaufführung von Batterien drehen. Die in der Initiative erarbeiteten Erkenntnisse – beispielsweise zur Start-up-Landschaft im Bereich Circular Economy– sollen auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Ein eigens initiiertes Festival findet vom 15. bis 18. November 2023 in München statt und will herausragende Akteurinnen und Akteure der Kreislaufwirtschaft zusammenbringen.

Dr. Matthias Ballweg, Mitgründer und Director von CIRCULAR REPUBLIC, sagt: „Die globalen Entwicklungen rund um das Klima, mangelnde Ressourcen oder Versorgungsengpässe, sowie die damit einhergehenden regulatorischen Konsequenzen zeigen: In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts wird es kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr geben, das auf der Ausbeutung von Primärrohstoffen basiert. Die Circular Economy wird der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise und gleichzeitig die treibende Kraft für Innovation und Wohlstand in Europa sein. Die große Anzahl an Start-ups, die sich mit dem Thema Circular Economy beschäftigen – wir haben allein in Deutschland knapp 400 davon identifiziert – ist ein weiterer Indikator dafür, dass hier die Zukunft liegt.”

Wie nah sollte ein Spin-Out am Muttermarkt bleiben?

Nach einer Studie der Bayes Business School, City, University of London, müssen Mitarbeiter-Start-ups konkurrierende Kräfte ausgleichen, um nicht zu scheitern.

Die aktuelle Studie legt nahe, dass Spin-Outs bei ihrem Versuch, sich auf dem Markt zu etablieren, zugleich eindeutige Vorteile und erhebliche Kosten haben können. Im Gegensatz zu Spin-Offs entstehen Spin-Outs durch die unabhängigen Entscheidungen von Mitarbeitenden, die das Mutterunternehmen verlassen, um neue Unternehmen zu gründen.

Die Studie, die 117 Spin-Outs von 103 etablierten Unternehmen untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß, in dem sich die operativen Märkte von Spin-Outs, mit denen ihrer Muttergesellschaften überschneiden, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit hat.

Vorteile der Nähe zur Muttergesellschaft

Die Nähe zur Muttergesellschaft ist für Spin-Outs von Vorteil, da sie dadurch von dem Know-how und den Ressourcen der Gründer profitieren können. Ein hohes Maß an Überschneidungen mit den Marktbereichen der Muttergesellschaften kann jedoch feindselige Handlungen auslösen und so zu einem störenden Wettbewerb führen, der seinerseits die Überlebenschancen der Spin-Outs schmälern könnte.

Darüber hinaus könnte das Überleben von Mitarbeiter-Neugründungen von der früheren Position ihrer Gründer in etablierten Unternehmen abhängen. Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen sind die US-Tech-Giganten Intel und AMD.

Auf der anderen Seite profitieren die von hochrangigen Mitarbeitern ins Leben gerufene Spin-Outs von dem hohen Maß an Wissen und Ressourcen, die von den Mutterunternehmen geerbt wurden. Außerdem verfügen hochrangige Mitarbeitende über eine größere Verhandlungsmacht, die es ihnen ermöglicht, zum Zeitpunkt des Ausscheidens günstigere Ausstiegsbedingungen auszuhandeln.

Die Risiken nicht aus dem Blick verlieren

Andererseits besteht für diese Ausgründungen ein höheres Risiko, in Kompetenzfallen zu geraten, die sie in der alten Logik gefangen halten und somit ihre Fähigkeit behindern, neue Ressourcen zu erwerben oder neue Methoden zu entwickeln, die für ihre Zielmärkte besser geeignet sind.

Die Mitarbeitenden, die über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachdenken, müssen sich dieser gegensätzlichen Kräfte bewusst sein. Es handelt sich um das richtige Gleichgewicht zwischen der Ungewissheit, die mit dem Eintritt in neue Marktbereiche einhergeht, und dem Risiko, mit den feindseligen Handlungen der Muttergesellschaft konfrontiert zu werden.

„Aus Sicht der Muttergesellschaften kann der Übergang von Mitarbeitern in die Selbständigkeit Anlass zu ernster Sorge sein“, so Dr. Aliasghar Bahoo-Torodi, Leiter der Studie und Dozent für Unternehmertum an der Bayes Business School. "Denn neben dem Verlust von wichtigem Humankapital können Spin-Outs eine ernsthafte Wettbewerbsbedrohung darstellen. Um ihre Wettbewerbsposition auf dem Markt zu schützen, werden Mutterunternehmen wahrscheinlich Vergeltung üben und eine feindliche Haltung gegenüber Neugründungen von Mitarbeitern einnehmen, die ihre wichtigen Märkte angreifen. Unsere Studie deutet darauf hin, dass Spin-Outs durch die Minimierung der Marktangleichung ihre Sichtbarkeit verschleiern und ihre Wettbewerbsbedrohung in den Augen der Mutterunternehmen abschwächen können. Dies könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, die Motivation der Muttergesellschaften für aggressive Maßnahmen zu verringern.“

Anmerkungen

Es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen. Bei dem berühmtesten handelt es sich um die acht Mitarbeiter von Shockley Semiconductor, die das Unternehmen verließen, um Fairchild zu gründen - das erste Billionen-Dollar-Start-up in der Halbleiterindustrie. Fairchild selbst brachte später so viele erfolgreiche unternehmerische Unternehmungen hervor, dass sie als Fairchildren bezeichnet werden. Zu den bekanntesten gehören Intel und AMD.

Spin-Outs können durch feindliche Maßnahmen der Mutterunternehmen scheitern. Ein Beispiel: 2014 reichte das Unternehmen für biowissenschaftliche Forschung und klinische Diagnostik Bio-Rad Laboratories eine Klage gegen 10x Genomics ein, das von drei seiner ehemaligen Mitarbeiter gegründet worden war. In dieser Klage behauptete Bio-Rad Laboratories, dass die drei Mitarbeiter gegen ihre Verpflichtungen verstoßen und mehrere Patente verletzt hätten, die exklusiv an Bio-Rad lizenziert waren. Infolge dieser Klage wurde 10x Genomics zur Zahlung einer 15-prozentigen Umsatzbeteiligung und von 24 Millionen Dollar Schadenersatz an Bio-Rad verurteilt.

Finanzbildungs-FinTech Beatvest sichert sich 1,3 Mio. Euro

Das 2021 von Julia Kruslin und Sophie Thurner gegründete Finanzbildungs-FinTech-Start-up Beatvest setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein und sichert sich 1,3 Mio. Euro Wachstumskapital.

Das 2021 gegründerte Start-up Beatvest um Gründerinnen Julia Kruslin (28) und Sophie Thurner (31) setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein. Beatvest adressiert junge und unerfahrene Privatanleger*innen, die sich aufgrund von gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen, wie der hohen Inflation oder dem demographischen Wandel, in Richtung Börsenmärkte orientieren.

Mit ihrem Geschäftsmodell bedienen die Gründerinnen den Bedarf nach Finanzbildung, indem sie das nötige Know-how vermitteln, um rationale Entscheidungen an den Finanzmärkten zu treffen. Das Start-up will Privatpersonen befähigen, die eigene finanzielle Zukunft proaktiv zu gestalten und den wachsenden Herausforderungen zum Schließen der individuellen Vorsorgelücke zu begegnen. Dies geschieht per App über ansprechende, in den Alltag integrierbare Lektionen.

Ein noch fiktives Investment-Feature ermöglicht es zudem, die Bewegungen eigener Investments zu beobachten und sich mit dem Finanzmarkt vertraut zu machen. So will Beatvest von den ersten Schritten beim Investment bis zum Aufbau eines Depots für die Altersvorsorge unterstützen.

Der Frühphaseninvestor neosfer führt die Pre-Seed-Runde des Start-ups in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro an. Ebenso dabei sind der Trade-Republic-Investor Sino AG und der Early-Stage-Investor von Axel Springer & Porsche APX. Ergänzt werden die Investoren durch bekannte Business Angels der Start-up- und Medienszene wie Maximilian Tayenthal (N26), Marco Adelt (Clark), Tijen Onaran und Stephanie Caspar.

Neosfer trägt mit seinem Investment unmittelbar dazu bei, den Zugang zum Aktienmarkt für junge Privatanleger*innen sicherzustellen. Karim Menn & Sebastian Scheib, Investment Manager bei neosfer, betonen: „Beatvest hat ein enormes Marktpotenzial. Hinter dem Start-up stehen starke Gründerinnen mit viel Expertise, die mit Beatvest eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich Financial Services adressieren – die finanzielle Bildung. Wir freuen uns auf die spannenden Entwicklungen und das Wachstum, das diese Partnerschaft mit sich bringen wird!“

Bavarian Airlines: 18-jähriger Gründer Adem Karagöz im Interview

Adem Karagöz ist mit gerade einmal 18 Jahren Co-Gründer der Fluggesellschaft Bavarian Airlines mit Sitz in München. Wir haben genauer nachgefragt.

Eine Story sorgte dieser Tage nicht nur in der StartingUp-Community aus mehreren Gründen für Diskussionsstoff: Der 18-jährige Adem Karagöz gründet in München die auf Business-Kurzstreckenflüge fokussierte Bavarian Airlines. Noch dieses Jahr will er durchstarten. Wir haben im Interview unter anderem nachgefragt, ob sein Alter ein Thema ist, wie er an das Kapital gekommen ist und was er auf Kritik zum „Klimakiller Kurzstreckenflug“ entgegnet.

Andere 18-jährige Gründer bauen eine App. Woher nimmt man mit 18 das Know-how, eine Fluggesellschaft zu gründen?

Ich habe viele Freunde, die im Aviation-Bereich arbeiten. Ich habe mich immer für Flugzeuge interessiert und war früher selbst Segelflieger. Ich habe dann gesehen, dass der Service von europäischen Airlines in der Business und Economy Class relativ schwach ist und dachte, ich kann das vielleicht verbessern und eine Airline mit gutem Service und gutem Sitzkomfort gründen.

Ich hake nochmal beim Thema Alter nach. 18 ist sehr jung, um eine Airline zu gründen. Sie müssen ja auch Verhandlungen führen, wenn es etwa um Lizenzen geht. Kann Ihr Alter da zum Problem werden?

Bislang gab es bei den Gesprächen, die wir führen, kein Problem mit meinem Alter. Der Businessplan stimmt, die Dokumente stimmen, die Analysen stimmen. Das ist alles geprüft und so lange das alles passt, sind unsere Partner unabhängig von meinem Alter sehr zuversichtlich.

Sie sind erst vor einigen Tagen mit Bavarian Airlines an die Öffentlichkeit gegangen. Was bekommen Sie seitdem für Feedback?

Wir sehen sehr viel positives Feedback in den sozialen Medien. Es gibt aber auch etwas Kritik an uns, vor allem an unseren Plänen, unserer Rechtsform und unserer Organisation. Die Kritik ist aber sehr unübersichtlich, weil sie sich vielfach auf Dinge bezieht, die noch nicht veröffentlicht wurden, etwa die Routenplanung. Wir haben erste Routen angekündigt, die dann kritisiert wurden. Dabei ist der tatsächliche Routenplan noch nicht veröffentlicht.

Sie sprechen von „wir“. Im Impressum auf der Bavarian Airlines-Seite stehen neben Ihrem noch drei weitere Namen. Wer sind die anderen und wie ist das Team zustande gekommen?

Mein Mitgründer ist Natanel Pretzel. Ich hab ihn vor einiger Zeit kennengelernt und er kennt sich auch im Aviation-Bereich aus. Wir haben Bavarian Airlines gemeinsam gestartet und dann den restlichen Vorstand gebildet. Es sind alles Leute, die in ihren Fachbereichen, etwa Finanzen oder Marketing, sehr erfahren sind.

Und wie haben Sie diese kennengelernt?

Durch Kontakte.

In anderen Interviews haben Sie gesagt, dass Sie bereits einen zweistelligen Millionenbetrag an Funding aufgestellt haben. Wie haben Sie das so schnell geschafft? Anderen Jungunternehmen fällt das sehr schwer.

Das Geld setzt sich zusammen aus Eigenkapital von mir und den restlichen Gründungsgesellschaftern sowie Investments.

Darf man Namen von Investor*innen erfahren?

Die darf ich aktuell nicht nennen. Wir haben diesbezüglich ein NDA unterzeichnet.

Warum die Namenswahl Bavarian Airlines? Man könnte kritisieren, dass das etwas provinziell klingt …

Wir wollten jedenfalls München als Hub nehmen. Weil es früher einmal die Bavaria Air gab, mit der die Kund*innen relativ zufrieden waren, wo auch der Komfort gut war, wollten wir da anknüpfen. Wir wollten das mit dem gleichen Komfort neu aufsetzen. Wir stehen aber in keinerlei Zusammenhang mit den ehemaligen Gründern und Geschäftsführern der Bavaria.

Ein großer Kritikpunkt nach der ersten Berichterstattung zu Bavarian Airlines war, dass Kurzstreckenflüge gemeinhin als Klimakiller gelten. Sie betonen, dass sie nachhaltig arbeiten werden. Wie soll das geschafft werden?

Durch Sustainable Aviation Fuel. Das ist eine neue Art von Treibstoff, die es ermöglicht, um bis zu 80 Prozent klimafreundlicher zu fliegen. Über Kompensationszahlungen wollen wir dann gänzlich klimaneutral werden. Ob wir es schaffen werden, klimaneutral zu werden, kann ich aber noch nicht sagen.

Kritiker*innen meinen, einige der kolportierten Routen würden sich mit dem Auto oder Zug nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch angenehmer zurücklegen lassen, alleine weil es am Flughafen so lange Wartezeiten gibt. Was sind die Vorteile des Fliegens auf diesen Strecken?

Man kann sich im Flug, ähnlich wie im Zug, voll konzentrieren. Ein großer Vorteil ist die Geschwindigkeit. Zu Tages-Randslots sind insgesamt weniger Reisende unterwegs, dafür mehr Personen, die geschäftlich reisen. Da braucht man höchstens eine halbe Stunde für den Security Check, und den Check-in kann man zuvor online machen. Das bedeutet, dass man nur ein bis eineinhalb Stunden vor Abflug da sein muss.

Einige Routen sind auch nur für Transit-Passagiere gedacht. Die Route München-Frankfurt ist relativ unvorteilhaft mit dem Zug. Mit uns ist man dann schon direkt am Flughafen und muss nicht erst vom Bahnhof dorthin.

Sie haben sicher noch große Pläne. Wo soll die Bavarian Airlines in zehn Jahren stehen?

Bis dahin wollen wir expandieren, größere Flugzeuge anmieten und weitere Ziele anfliegen. Ich möchte noch nichts Konkretes dazu sagen, aber wir haben bereits genaue Pläne erstellt, wo die Reise hinführt.

Das heißt, Sie können auch noch nicht sagen, ob später auch Langstreckenflüge geplant sind?

Nein, das kann ich noch nicht sagen. Das wird sich in Zukunft zeigen.

Das Interview führte Dominik Perlaki

Aufweichung europäischer Datenschutz-Standards befürchtet

Gaël Duval, Begründer des Google-freien Android-Betriebssystems e/OS/ und des datenschutzfreundlichen Smartphoneherstellers Murena, sieht anlässlich des europäischen Datenschutztages am 28. Januar die Gefahr einer Aufweichung der hohen Datenschutz-Standards in Europa.

“In den vergangenen Monaten haben die Versuche zugenommen, die hohen Standards, mit denen sich Europa zurecht von Ländern wie den USA unterscheidet, infrage zu stellen. Den Anlass lieferte zum Beispiel die konsequente Linie der deutschen Datenschutzkonferenz (DSK), Microsoft 365 und Dienste wie Microsoft Teams als nicht rechtssicher zu bewerten. Die Empörung von “Big Tech” wurzelt in der Sorge um das eigene Geschäftsmodell, sollte uns als Gesellschaft aber nicht in Versuchung bringen, solchen Forderungen nachzugeben. Es sind die Hersteller, die sich bewegen müssen, nicht die User.”

Microsoft reagierte im Dezember mit einer deutlichen Stellungnahme auf die Bewertung der DSK und warf dem Gremium vor, Datenschutz zu einem “dogmatischen Selbstzweck” zu machen. “Einige Datenschutzbehörden in Deutschland scheinen die DSGVO übermäßig risikoscheu und die Pflichten von Verantwortlichen ausufernd auszulegen”, heißt es in der Stellungnahme, die auch die Digitale Innovationsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland direkt mit dem Datenschutz in Verbindung bringt.

“Anstatt Mandatsträger mit solchen Szenarien zu verschrecken, sollten die Hersteller den Datenschutz als Tatsache akzeptieren und mit eigener Innovation darauf reagieren. Es gibt – abseits von kommerziellen Interessen – einfach keine rational nachvollziehbaren Gründe, personenbezogene Daten unanonymisiert in Rechenzentren jenseits des Atlantiks zu verarbeiten – das ist der Kern des Problems.”

Als weiteres positives Beispiel nennt Duval neben der deutschen DSK die Entscheidung des französische Bildungsministers, Schulen den Einsatz der kostenlosen Edu-Versionen von Office 365 und Google Workspace zu untersagen, solange sie nicht in Einklang mit EU-Recht stehen: “Deutschland und Frankreich untermauern mit solchen Entscheidungen das Bekenntnis zum “dritten Weg” Europas zwischen Silicon-Valley-Sorglosigkeit und chinesischen Datenautoritarismus. Datenschutz ist ein europäischer Wert, auch im globalen Wettbewerb.”

Über Gaël Duval:

Gaël Duval, Gründer und CEO von Murena (2018 gegründet), widmet sich seit über 25 Jahren der Entwicklung freier und quelloffener Software. Mit Mandrake Linux (aus dem später Mandriva Linux wurde), schuf er 1998 die erste Linux-Distribution, die sich auf den Desktop konzentrierte und zu einer weltweit genutzten Windows-Alternative wurde. Mandriva ging im Jahr 2001 an die Börse. Zwischen 2006 und 2014 war er CEO und CTO eines Start-ups namens "Ulteo", das B2B-Softwarelösungen zur Desktop-Virtualisierung entwickelte. Ulteo wurde schließlich 2014 von einem größeren Konzern übernommen. Ende 2017 gründete Gaël Duval das mobile Betriebssystem /e/OS mit der Idee, "Smartphones von Google und Apple zu befreien". /e/OS ist ein datenschutzorientierter Fork des Android Open Source Project mit einer Reihe von Online-Diensten, die die persönlichen Daten der Nutzer*innen schützen. Im Jahr 2018 gründete Duval die e Foundation, die /e/OS unterhält, und MURENA SAS, ein privates Unternehmen, das die Smartphones vertreibt.

Was leisten Kundenbindungsprogramme?

Eine aktuelle Studie zu Kundenbindungsprogrammen zeigt unter anderem: Deutsche Konsument*innen lieben Rabatte.

Ob Stempelkarten beim Lieblingsrestaurant, Treuepunkte bei Supermärkten & Co. oder Clubmitgliedschaften bei Lifestyle- und Modegeschäften: Ziel all dieser Angebote ist es, Kund*innen mittels eines für sie relevanten Mehrwerts zu incentivieren und sie so an das eigene Angebot zu „binden“.

Wie dies die Kund*innen selbst erleben, war der Anknüpfungspunkt der Studie von Software Advice, für die im Oktober 2022 eine Online-Umfrage unter 5032 Teilnehmer*innen aus Australien, Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich durch, darunter 1012 Konsument*innen aus Deutschland. Die Befragten sind über 18 Jahre alt.

Kundenbindungsprogramme haben auch aus Kund*innensicht eine hohe Relevanz

Während sich viele Unternehmen Gedanken darüber machen, wie sie ihre Kund*innen (noch) besser an sich binden können, ist es natürlich auch wichtig zu verstehen, wie die Kund*innen aus eigener Sicht am ehesten überzeugt werden können, einer bestimmten Marke oder einem Unternehmen treu zu bleiben. So wurden die Studienteilnehmer*innen gefragt, wie für sie am besten die Beziehung zu einer Marke vertieft wird. An erster Stelle („wichtig“ und „sehr wichtig“ zusammengefügt) steht mit 96 % das Preis-Leistungs-Verhältnis, gefolgt von einer langfristigen Produkt- bzw. Servicequalität (95 %). Danach stehen Transparenz (90 %), Innovation (86 %), Nachhaltigkeit (85 %) und der Markenwert (83 %). Doch auch Treueprogramme spielen bei 82 % der Befragten eine wichtige bzw. sehr wichtige Rolle.

Deutscher Handel und Dienstleistungen: Beliebtheit der Kundenbindungsprogramme

Als strategischer Ansatz bieten Kundenbindungsprogramme meist vor allem einen klaren Vorteil für Unternehmen: bestehende Kund*innen zu binden ist in der Regel günstiger und weniger zeitintensiv, als neue Kund*innen zu gewinnen. Und auch die Kund*innen selbst sehen die positiven Aspekte darin. So nutzen 71 % der Befragten aktuell mindestens ein Loyalitätsprogramm, 80 % dieser Gruppe verwenden sogar mehrere. 36 % der Befragten, die Kundenbindungsprogramme nutzen, tun dies zwischen zwei- und sechs mal pro Woche, weitere 36 % nutzen diese zumindest einmal in der Woche. Den beliebtesten Bereich, in dem solche Programme eingesetzt werden, bilden mit Abstand Supermärkte und der Lebensmittelhandel mit 82 %, gefolgt von Kleidung / Schuhen (32 %) und Tankstellen (31 %).

GameChanger des Monats: Calcolution - CO2-Emissionen, fair berechnet

Das junge GreenTech-Start-up Calcolution aus Oberursel begleitet Unternehmen, Investor*innen und Institutionen auf ihrem individuellen Weg zur Sustainability Leadership mit innovativen Visualisierungen und Kooperationsmethoden. Mehr dazu im Interview mit dem Gründer Christian Schwehm.

Wir haben dich bzw. euch als GameChanger ausgewählt, weil du eine neuartige Methode entwickelt hast, um die „beeinflussbare“ Klimawirkung der eigenen Aktivitäten bzw. Emissionen seriös und fair zu bilanzieren. Wann und wie bist du auf die Idee zu Calcolution bzw. dem Stakeholder Carbon Footprint (SCF) gekommen?

Vor gut drei Jahren habe ich den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes genutzt. Das hat mich auf die Idee gebracht, die kompletten Emissionen meiner Familie seit 1974 zu visualisieren. Als Wirtschaftsmathematiker habe ich 20 Jahre Erfahrung im Portfoliomanagement und mit der Entwicklung von Investment Plattformen bei der DWS, ACATIS und der QUONIAM. Mit dieser Expertise habe ich einen ersten Prototyp entwickelt, der die „beeinflussbare“ Klimawirkung der eigenen Aktivitäten in den Vordergrund stellt.

Mit dem Stakeholder Carbon Footprint (SCF) hast du eine neuartige Methodik entwickelt, um Emissionen zu visualisieren und anhand des Nutzens und Einflusses zwischen den Akteur*innen aufzuteilen. Wo liegt deiner Meinung nach das Problem bei den bestehenden Lösungen?

Aus meiner Arbeit als Portfolio Manager kenne ich die Ansätze zur Bilanzierung der Emissionen. Das Greenhouse Gas Protocol mit der Aufteilung in direkte (Scope 1) und indirekte (Scope 2 & 3) Emissionen ist ein guter Anfang, hat aber unserer Meinung nach drei Schwachstellen.

  1. Häufig werden nur sehr enge Systemgrenzen betrachtet, sodass z.B. bei den Emissionen pro Auto-km lediglich die Verbrennung des Normverbrauchs am Auspuff gemessen wird.
  2. Die Emissionen werden sowohl beim Autofahrenden als auch bei den verschiedenen beteiligten Unternehmen in unterschiedlichen Scopes berücksichtigt und es kommt dadurch zu Mehrfachzählungen.
  3. Der eigene Einfluss auf andere Akteure, wenn z.B. Online-Meetings die eigene Reisetätigkeit aber auch die der Geschäftspartner reduzieren, wird vernachlässigt. Innovation und Aufklärungsarbeit bei Veranstaltungen oder in Verbänden sind ebenfalls wichtige Treiber der Emissionsvermeidung, die oft als Handabdruck bezeichnet werden. Weitere externe Effekte entstehen durch den Geldabdruck, der den Einfluss von Kapitalanlagen oder Spenden misst.

Durch viele Gespräche, Vorträge, Artikel oder Podcasts und insbesondere in der Umsetzung des Konzeptes für die Softwareberatung abat und den Anlageberater ESG Portfolio Management wurde das Konzept geschärft. Am 8-köpfigen Projektteam waren außerdem die Uni Göttingen und der VfU (Netzwerk von Sustainable Finance Professionals) beteiligt.

Auf den Punkt gebracht: Was ist das Besondere an Calcolution?

Calcolution besteht aus drei aufeinander aufbauenden Komponenten. Die Basis ist das Konzept des Stakeholder Carbon Footprint (SCF) zur Stärkung der Eigenverantwortung. Best Practice Clubs (BPC) bieten einen Raum zum konstruktiven Erfahrungsaustausch und leisten so einen Beitrag zur Transparenz im „Siegeldschungel“. Die Eco Solution Corner (ESC) soll Kooperation durch das Teilen von Wissen fördern und das gemeinsame Umsetzen effizienter Lösungen beflügeln.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

 Stakeholder Carbon Footprint (SCF) ist ein Rahmen, der passgenau auf die eigenen Anforderungen zugeschnitten werden kann. Das Ziel hierbei ist keine offizielle Zertifizierung, sondern Prozessverständnis für die eigenen Emissionen – denn nur wer versteht was er verändern kann, glaubt an den eigenen positiven Einfluss.

Zu Beginn des SCF steht ein Fragebogen, um die Höhe und den eigenen Einfluss auf die Emissionen der Kategorien von Fuß-, Geld- und Handabdruck zu ermitteln. Die Ergebnisse dieses Fragebogens dienen zunächst als interne Diskussionsgrundlage für den einzelnen Stakeholder, um die wirklich relevanten Emissionsbereiche zu finden. Dort kann dann eine tiefere Analyse und eine Berechnung des SCF auf Basis sinnvoller Systemgrenzen folgen. Diese Ergebnisse sind ein idealer Ausgangspunkt für den konstruktiven Austausch über Nachhaltigkeit mit Kunden, Zulieferern oder Investoren.

Die Best Practice Clubs sollen einen virtuellen Raum für diese Form der Transparenz bieten. Nachhaltigkeit wird immer mehr zum zentralen Thema in der Unternehmensstrategie und die Fragestellungen und Lösungsmöglichkeiten sind für alle Akteure sehr ähnlich. Die gemeinsame Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie mit Gleichgesinnten erhöht den Erfahrungsschatz, vermeidet Fehler und senkt die Kosten. Studierende der Nordakademie haben gerade gemeinsam mit Calcolution ein innovatives Konzept für die Softwareplattform entwickelt, das mit Hilfe von Gamification Anreizen Transparenz fördert.

Die dritte und letzte Komponente ist die Eco Solution Corner. Hier werden wir ein strukturiertes Lösungsportal mit Projekten, Artikeln und Datenquellen anbieten, das durch die Community befüllt wird und über Kommentare und Sternchenbewertungen die hilfreichsten Tipps herausstellt. Das Portal unterstützt so auch die Kooperation in den Best Practice Clubs, denn über Skaleneffekte können Kosten gesenkt und der Impact gesteigert werden.  

Wie hast du die Produktentwicklung und damit den Start bislang finanziert?

Bisher finanzieren wir uns aus eigenen Rücklagen und durch eine Existenzgründerförderung. Weitere Unterstützer wie Consileon, abat, The Information Lab oder die Landes Energie Agentur Hessen haben uns mit Beratungsleistungen und Softwarelizenzen geholfen. Im Jahr 2023 werden wir eine GmbH gründen und gemeinsam mit strategischen Partnern die Softwareplattform umsetzen. Parallel dazu setzen wir einzelne Beratungsprojekte auf Basis der aktuellen Prototypen um.

Wo ist die Stakeholder-Carbon-Footprint-Methode aktuell im Einsatz bzw. wer ist die Zielgruppe?

Die Erfahrungen aus den beiden Pilotprojekten mit abat und ESG Portfolio Management vertiefen wir in verschiedenen Best Practice Clubs. Hierzu werden wir gemeinsam mit dem BAUM e.V. den Klima Club Hamburg starten, außerdem sind derzeit eine Umsetzung für mehrere Vermögensverwalter sowie eine Lösung für einen Asset Manager und dessen Kunden geplant.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?
Die Finanzierung der Plattformentwicklung und die Entscheidung für die richtigen strategischen Partner sind die zentralen Themen der nächsten Monate. Außerdem möchten wir das Konzept bekannter machen und es gemeinsam mit Universitäten und Forschungsinstituten im Diskurs weiter verfeinern.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Das Zauberwort heißt Transparenz! Wir sind davon überzeugt, dass man Ideen teilen muss, um sie gemeinsam weiterzuentwickeln. Nichts ist wertvoller als konstruktive Kritik und daher ist es wichtig, sich so früh wie möglich Partner zu suchen, denen man vertraut. Niemand kann alles allein und daher ist es zentral zu entscheiden, was man selbst tut und was durch Partner abgedeckt werden soll. Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg.

Außerdem muss man flexibel in der Umsetzung bleiben und Dinge ausprobieren. Man darf nicht selbstverliebt an Ideen festhalten, sondern man muss auch den Mut haben Fehler zu machen und dann gegenzusteuern.

Hier geht's zu Calcolution und dem Fragebogen zum Ausprobieren

Das Interview führte Hans Luthardt

GastroTech-Start-up VisioLab sichert sich 3,1 Mio Euro

Das Osnabrücker Start-up VisioLab bietet KI-basierte Self-Checkout-Lösungen für die Gastronomie und und bereitet nun den US-Markteintritt vor.

Das 2019 gegründete Osnabrücker Start-up VisioLab bietet KI-basierten Self-Checkout-Lösungen für die Gastronomie. Die Lösungen des Unternehmens sind darauf ausgelegt, den Kassiervorgang zu vereinfachen und das Kund*innenerlebnis zu verbessern, während sie gleichzeitig die Arbeitskosten für Gastronomiebetriebe reduzieren.

Das Herzstück der VisioLab-Technologie ist die visuelle Echtzeiterkennung von Gerichten, Getränken und Lebensmitteln. Die Gäste platzieren ihr Tablett einfach unter der Kamera des iPads, einmal blinzeln, und schon hat die KI alle Produkte erkannt. Anschließend die Karte zum Bezahlen auf das Terminal legen und mehr Zeit in die Pause mitnehmen.

Die aktuelle Finanzierungsrunde wurde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) angeführt, weitere Investoren sind das lokale Family-Office zwei.7 sowie die derzeitigen Gesellschafter NBank Capital, Axel Springer & Porsche Accelerator (APX) und Jens Ohr.

Außerdem wird VisioLab am Sodexo Live Accelerator in den USA teilnehmen, einem Programm zur Förderung des Wachstums und der Entwicklung innovativer Food-Service-Unternehmen. Der Accelerator bietet VisioLab wichtige Ressourcen, Kontakte und Unterstützung, um auch auf dem US-Markt Fuß zu fassen und sich schnell zu etablieren.

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung einer so starken Investorengruppe, um unsere Self-Checkout-Lösungen weiter zu skalieren. Der Sodexo Live Accelerator bietet uns die Möglichkeit, eng mit Branchenführern zusammenzuarbeiten und deren Fachwissen zu nutzen, um unser Geschäft zu erweitern und unsere Lösungen einem breiteren Publikum auf dem US-Markt zugänglich zu machen“, so Tim Niekamp, CEO von VisioLab.

Gründer*in der Woche: Business Pendel Bus - Pendeln neu gedacht

Tobias Schemmel hat einen Mobilitätsservice gegründet, der sich an Firmen mit zahlreichen motorisierten Berufspendler*innen wendet. Sein Ziel: eine Alternative zum Individualverkehr bieten, Verkehr und Emissionen reduzieren und die Pendler*innen von der „verpendelten Lebenszeit“ befreien. Mehr dazu im Interview mit Tobias.

Wann und wie bist du auf die Idee zum Business Pendel Bus gekommen?

Die Idee kam mir noch vor Corona, als es noch üblich war, dass man täglich gependelt ist – das war bei mir nicht anders. Es war damals ein heißer Sommertag und wir wollten am Abend mit Freunden im Garten grillen. Ich wollte also nach Hause, um alles vorzubereiten – aber ich stand mal wieder am Mittleren Ring im Stau. Es ging nur meterweise im Schritttempo voran. Und weil ich ja nichts Besseres zu tun hatte, habe ich mir mal die anderen „Stauteilnehmer“ so angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass nahezu in jedem Auto nur eine Person sitzt. Und das bei laufender Klimaanlage und natürlich laufendem Motor. Aus Langweile schaltete ich das Radio an und in den Nachrichten kam die Meldung: „Die Luftqualität in deutschen Städten wird immer schlechter“.

Und da kam mir dann die Erkenntnis: „Ich bin Teil des Problems. Ich mach’s ja auch nicht anders.“

Auf der ganzen Heimfahrt hat mich dann der Gedanke nicht mehr losgelassen und ich habe überlegt, woran es liegt, dass auch ich täglich mit dem Auto unterwegs bin.

Was danach kam, waren viele Gedanken über mögliche, aber irgendwie nicht wirklich in Frage kommende, Alternativen und schlussendlich die Idee einen Service zu entwickeln, wie ich ihn selbst gerne nutzen würde.

Die Summe dieser Ideen ist heute das Angebot des Business Pendel Bus.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Service?

Ich würde sagen, das Finden der richtigen Partner. Meine Vorstellungen, wie das Ganze aussehen könnte, hatte ich ja bereits im Kopf. Aber wie soll ich so eine Firma auf die Beine stellen? Wo fängt man da an? Also habe ich Gespräche geführt und meine Idee einem Bekannten erzählt, der bei einer Bus Firma in der Geschäftsführung arbeitet. Nach dem Gespräch habe ich 2 Wochen nichts mehr gehört und mir gedacht, dass es vielleicht doch keine so außergewöhnliche Idee war. Danach hat er mich angerufen und gemeint, ich soll mein Konzept mal den Firmeninhabern vorstellen.

So habe ich dann auf der einen Seite ein Busunternehmen für mein Konzept gewinnen können, die den gesamten operativen Busbetrieb abdecken können: Von der Wartung und Pflege der Fahrzeuge, über die Bereitstellung und Einplanung von professionellen Busfahrern, bis hin zum wichtigen Teil der Genehmigungen, die für die Personenbeförderung benötigt werden.

Auf der anderen Seite arbeite ich inzwischen mit einem Münchner Startup zusammen, das eine Fahrgemeinschafts-Plattform speziell für Berufspendler anbietet. In diesen Dienst kann sich der Business Pendel Bus perfekt integrieren – und wir schaffen damit eine zusätzliche Mobilitätsalternative innerhalb der Plattform.

Diese beiden Partner erlauben es mir, den Service von Anfang an hochprofessionell anbieten zu können, so dass ich mich auf die inhaltlichen Gespräche und den Verkauf meines Konzeptes fokussieren kann.

Was ist das Besondere am Business Pendel Bus, wie unterscheidet er sich von anderen Mobilitätslösungen?

Der Business Pendel Bus ist darauf ausgelegt, dass die Pendler im Bus arbeiten können. Und das nicht nur auf einem „Brettl über den Knien“ – sondern auf einem Arbeitstisch, der den Namen auch verdient hat. Über WLAN kann man sich während der Fahrt ins Firmennetz einwählen, wie man es auch aus dem HomeOffice machen würde.

Das war eines der Schlüsselmerkmale, welches mir bei meiner Gründungsidee klar geworden ist: Pendeln ist ungeheure Zeitverschwendung. Das ist ja auch der Vorteil, den viele im HomeOffice sehen – die Fahrtzeiten fallen weg. Wenn man diese „verpendelte Zeit“ in Arbeitszeit umwandeln kann, ist man früher mit der Arbeit fertig und kann seine Lebenszeit der Familie, den Freunden und / oder den Hobbies widmen.

Der Business Pendel Bus verbindet für den Pendler diesen Zeitvorteil des HomeOffice mit den Vorteilen eines Bürotags, wo man seine Kollegen persönlich trifft und damit die Zusammenarbeit und Innovationskraft im Unternehmen erhalten bleibt.

Für wen ist dein Angebot gedacht bzw. wer sind deine Kund*innen?

Der Business Pendel Bus bietet endlich eine echte Alternative zum Auto. Er richtet sich an Pendler mit „digitalen Jobs“ – also Berufen, die auch viel Arbeit am Laptop / PC beinhalten. Viele dieser Pendler haben heute keine andere Möglichkeit, als mit dem Auto zu fahren. Sei es, weil der ÖPNV keine passende Verbindung bietet (bspw. auf dem Land), oder weil der Arbeitsplatz für Fahrrad oder eBike zu weit ist. Daher konkurrieren wir auch nicht mit dem ÖPNV – diesen hochsubventionierten Preis könnten wir auch niemals erreichen.

Unsere Kunden sind allerdings die Firmen, für die diese Pendler arbeiten. Wir bieten also ein B2B2C Angebot – in unserem Fall ein: Business to Business to Commuter. Der Business Pendel Bus kann ein hervorragendes Incentive sein, wenn es um Mitarbeiterloyalität oder
Mitarbeitergewinnung geht. Auch wenn es darum geht, die Mitarbeiter wieder zu mehr Präsenz im Büro zu motivieren. Wenn durch uns mehrere Firmenwägen eingespart werden können, ist ein Business Case auch schnell erreicht.

Wie hast du den Start und damit dich selbst finanziert?

Die Finanzierung ist eigentlich kein so großes Thema gewesen, weil ich parallel einen „normalen Job“ habe, der die täglichen Brötchen bringt.

Klar habe ich hier und da auch ein wenig Geld in die Hand genommen, aber das beläuft sich auf Investitionen in wirklich kleinerem Maßstab. Bspw. habe ich mir das Logo erstellen lassen, von dem ich heute auch noch richtig überzeugt und begeistert bin. (Hätten Sie erkannt, dass das „B“ einen Sitz darstellt und der Rahmen um das „B“ dem Seitenfenster eines Mercedes-Sprinter nachempfunden ist?)

Vor der Gründung habe ich auch ein „Vorgründer-Coaching“ der IHK in Anspruch genommen. Das hat mir auch sehr geholfen, um die Themen zu strukturieren und das Ganze aus einer rein geschäftlichen Perspektive zu betrachten.

Die Hauptinvestition sind allerdings die vielen, vielen Stunden, die in das Projekt geflossen sind. Meine Frau und Bekannte haben meine Ideen und Gedanken immer wieder mit Fassung ertragen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?

Derzeit bin ich in guten Gesprächen mit mehreren potenziellen Kunden. Die Herausforderung ist, dass der Verkaufsprozess einigermaßen komplex und vielschichtig ist.

Die Vorteile unseres Angebots überzeugen schnell – schwieriger ist dann die Bestimmung des jeweiligen Potenzials an Pendlern: Woher, wie viele, wann und wie oft? Nachdem das Thema Pendeln bisher in den meisten Fällen das „Problem“ des Mitarbeiters war, gibt es in den Firmen weder eine Stelle, an die man sich zentral wenden kann, noch gibt es ausreichend Daten, um Annahmen zu unterfüttern. Allerdings gibt es bereits Startups, die genau in diese Lücke gehen und Mobilitätsanalysen anbieten. Hier weitere Partnerschaften zu finden, die bei der Vorbereitung von Abschlüssen behilflich sein können, ist eines meiner Ziele.

Ein weiteres Ziel ist, dass ich auch über den Großraum München hinaus Kunden überzeugen möchte. Das Konzept ist deutschlandweit ausrollbar – prinzipiell überall da, wo es Firmen gibt, mit vielen Autopendlern.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Betrachte andere Gründer nicht als deine Konkurrenz. Wenn es in der Richtung deiner Idee auch andere Gründer gibt, dann frage dich, wie und warum diese dein eigenes Produkt noch besser machen können.

Am Ende ist die Lösung des Problems wichtiger als ein in den Sternen stehender Profit.

Hier geht's zum Business Pendel Bus

Das Interview führte Hans Luthardt

100.000 Euro beim 1. Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung vergeben

Das sind die Gewinner des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die Gewinner*innen des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung in Zusammenarbeit mit der Social Impact gGmbH stehen fest. Drei Start-ups haben mit ihren Präsentationen im Rahmen eines Pitch-Events in Düsseldorf überzeugt und belegen die ersten Plätze. Der Publikumspreis geht an „Über den Tellerrand“ aus Berlin. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die drei erstplatzierten Start-ups überzeugten die Jury mit ihren innovativen, unternehmerischen Ideen und ihrer Präsentation auf der Bühne beim Pitch-Event. Alle acht Teilnehmenden haben gemeinsam, dass sie sich für gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte durch Bildungsangebote im kulturellen Umfeld engagieren.

Die Gewinner*innen:

  • Platz 1: Heartbeat Edutainment, Frankfurt a.M., 40.000 Euro
  • Platz 2: Nyabinghi Lab, Berlin, 30.000 Euro
  • Platz 3: myBuddy, Mannheim, 20.000 Euro
  • Publikumspreis: Über den Tellerrand, Berlin, 10.000 Euro

Das Siegerteam Heartbeat unterstützt mit Hip-Hop-Bildung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Nyabinghi Lab setzt sich für Wandel im deutschen Kulturbetrieb ein und schafft mehr Sichtbarkeit für Perspektiven von Migrant*innen und People of Color.

Der/die Drittplatzierte myBuddy bietet verschiedene niedrigschwellige Formate, um kulturellen Zusammenhalt zu fördern, beispielsweise ein Buddy-Programm und ein jährliches Kulturfestival.

Der Publikumspreis ging an Über den Tellerrand, die niedrigschwellige kulturelle Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte organisieren, zum Beispiel von Migrant*innen geleitete Kochkurse, Tanz oder ein Sprachcafé. Das Social Startup aus Berlin gewinnt damit 10.000 Euro.

Insgesamt wurden Preisgelder in einer Gesamthöhe von 100.000 Euro vergeben. Ausgangspunkt für den Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung ist die grundlegende Überzeugung, dass kulturelle Bildung Türen öffnen und Begegnungen auf neuen Ebenen ermöglichen kann. „Gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung bietet sich durch kulturelle Bildung die Chance, stärker an der Gesellschaft teilzuhaben. Deswegen ist es so wichtig, diese Projekte zu unterstützen“, sagt Karol-Monique Westhoff, Geschäftsführerin der Fritz Henkel Stiftung.

EdTech-Start-up Easy-Tutor sammelt 4,8 Mio. Euro ein

Easy-Tutor, 2017 von Massimo Cancellara und Jessica Contento gegründet, bietet Online-Nachhilfe für Schüler*innen aller Klassenstufen.

Der Online-Nachhilfeanbieter Easy-Tutor erhält im Zuge einer Series-A-Finanzierungsrunde 4,8 Millionen Euro. Das frische Kapital kommt vom Bestandsinvestor Bayern Kapital, der sich über seinen Innovationsfonds BKI EFRE erneut beteiligt. Neu investiert ist zudem das 2022 gegründete Münchner Family Office K+K1 rund um den Timify-Gründer Andreas Knürr.

Massimo Cancellara, CEO und Co-Gründer von Easy Tutor: „Vor dem Hintergrund der schleppenden Digitalisierung von Schulen, dem Lehrer*innenmangel und dem Fehlen von Fachkräften zeigt sich, dass das Sicherstellen einer flächendeckend guten und zeitgemäßen Bildung eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit ist. Wer heute Veränderung im Bildungsbereich herbeiführen möchte, muss Bildung neu denken.“

Dazu gehört für Easy-Tutor zum einen, den Fokus auf das Individuum zu legen und menschlich auf die jeweiligen Lernbedürfnisse einzugehen. Und zum anderen solle Bildung für alle zugänglich sein. Easy-Tutor stehe genau dafür ein und ergänze diese Faktoren mit dem notwendigen technischen Know-how. „Wir wissen zu schätzen, dass unsere Investoren genau diesem Konzept vertrauen und es mit ihrem Investment honorieren.“ ergänzt Co-Gründerin Jessica Contento.

Das frische Geld nutzt das EdTech, um die eigene digitale Plattform weiterzuentwickeln und das Wachstum voranzutreiben – im deutschsprachigen Raum wie auch im unmittelbaren Ausland ab Mitte 2023. „Dabei ist uns sehr wichtig, nicht um jeden Preis zu skalieren, sondern gesund und nachhaltig zu wachsen. So möchten wir in den kommenden Jahren europaweit zur Anlaufstelle Nummer Eins für Schüler*innen, Eltern und Schulen werden, wenn es um qualitativ hochwertige, digitale schulbegleitende Nachhilfe geht“, erklärt Massimo Cancellara.

Entsprechend investiert Easy-Tutor auch in weitere relevante Partnerschaften, etwa in Kooperationen mit Schulen und Vereinen. Im Moment nutzen etwa 200 Partnerschulen und 40 Prozent aller Bundesligavereine Easy-Tutor in ihrem Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche. Zudem sollen Unternehmen für eine Zusammenarbeit gewonnen werden, die durch ihre Zielgruppenrelevanz Easy-Tutor mehr Sichtbarkeit und den Kund*innen durch das Nachhilfeangebot einen starken Mehrwert bieten. Seit der Gründung 2017 wächst das Unternehmen nach eigenen Angaben stetig: Mittlerweile kümmern sich über 40 Mitarbeiter*innen um die etwa 12.000 Schüler*innen der Plattform.

New Work: Verhandlungs-Performance im Home-Office

Eine Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam, von der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung (DGVF) in Auftrag gegeben, beleuchtet die Vor- & Nachteile beim Verhandeln aus dem Home-Office.

Auch berufliche Verhandlungen werden von dem häuslichen Arbeitssetting beeinflusst, wie eine aktuelle Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung e.V. (DGVF) belegt. Zwar schätzen Verhandler*innen die Flexibilität und Autonomie des Home-Offices. Mit den Verhandlungen insgesamt ist ein Großteil der Befragten jedoch eher unzufrieden.

Die gute Nachricht: Mit einer besseren Vor- und Nachbereitung der Verhandlungen ließe sich das verbessern, so die Erkenntnisse des Forschungsteams unter Leitung von Prof. Dr. Markus Voeth (Hohenheim) und Prof. Dr. Uta Herbst (Potsdam).

„Der Anspruch der Arbeitnehmenden, auch aus dem Home-Office heraus gute Arbeit zu leisten, ist hoch. Dazu gehört auch, erfolgreiche Verhandlungen zu führen und die eigenen Ziele zu erreichen“, erklärt Joana Roth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim.

„Gleichzeitig gibt es im Home-Office einige Faktoren, die das Verhandeln schwieriger machen. Zum Beispiel der Konflikt zwischen Arbeit und Familie“, ergänzt Jacqueline Sube, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing der Universität Potsdam.

Mit diesen Aussagen stützen sich Roth und Sube auf ihre Umfrage mit über 400 Praktiker*innen, die aus dem Home-Office heraus verhandeln. Befragt wurden Vertreter*innen aus unterschiedlichen Branchen und Positionen. Die Online-Umfrage wurde nach zwei Jahren Pandemie im Sommer und Herbst 2022 durchgeführt.

Verhandlungsziele werden im Home-Office effizienter verfolgt …

Ein Großteil der Befragten sieht es als vorteilhaft an, den eigenen Arbeitsalltag im Home-Office flexibler gestalten zu können. Auch steigt im Home-Office laut Angaben der Befragten auch der Erfolgsanspruch an die geführten Verhandlungen. Zudem werden die aus dem Home-Office geführten Verhandlungen als effizienter wahrgenommen. So geben die Befragten beispielsweise an, sich mehr auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren und die Zeitplanung in Bezug auf die Verhandlungen besser zu kontrollieren.

… allerdings fehlt der Austausch zwischen den Parteien

Gleichzeitig sinkt im Home-Office die Verbindlichkeit der Verhandelnden gegenüber dem Arbeitgeber und den Verhandlungspartnern. So fehle im Vorfeld der Verhandlungen oft der Austausch mit Vorgesetzten oder im Team, in dem Ratschläge ausgetauscht werden oder an gemeinsame Verhandlungsziele erinnert wird. Auch der informelle Austausch mit dem Verhandlungsgegenüber, der für einen gemeinsamen Verhandlungserfolg eine wichtige Rolle spielt, käme bei digitalen Verhandlungen zu kurz.

Das Fazit: Obwohl die Verhandlungsziele im Home-Office effizienter verfolgt werden, ist ein Großteil der Befragten mit der Performance eher unzufrieden und glaubt, keine besseren Verhandlungsergebnisse zu erzielen.

Bessere Verhandlungsperformance durch gute Vorbereitung und das Feiern von Erfolgen

Die Frage, wie sich Verhandlungen aus dem Home-Office erfolgreicher gestalten ließen, vertieften das Forschungsteam und der DGVF-Vorstand in einem interaktiven Workshop mit rund 80 Praktiker*innen.

Das Ergebnis: Bereits eine gute Vorbereitung könne die Zufriedenheit mit Verhandlungen positiv beeinflussen. „Tatsächlich existieren bereits eine Reihe von interaktiven Tools und Techniken, durch die sich digitale Verhandlungen besser gestaltet lassen werden. So lässt es sich bereits durch simples Screensharing leichter über die abgegebenen Angebote und Konzessionsschritte sprechen“, sagt Joana Roth. So könnten Arbeitgeber*innen die verhandelnden Mitarbeiter*innen beispielsweise durch Kompetenztrainings zur Nutzung digitaler Medien entsprechend schulen.

Organisationen könnten zudem einen Verhaltenskodex für digitale Verhandlungen festlegen. „Dadurch können Unternehmen vor allem möglichen Unsicherheiten begegnen – etwa, was passiert, wenn Zoom ausfällt oder das Kind früher aus der Schule kommt und in die Verhandlung platzt“, so Sube.

Und auch im digitalen Raum sei sozialer Austausch möglich: „Indem man Erfolge digital im Team feiert, lässt sich die Motivation der Mitarbeitenden steigern“, so Roth. Dieser motivierende Faktor könne auch im Home-Office genutzt werden, etwa indem auch digital auf einen erfolgreichen Verhandlungsabschluss angestoßen wird.