Lea Vajnorsky: Die Netzwerkerin

Autor: Theresa Sophie Breitsching
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Als Entrepreneur arbeitet man nicht bei einem Corporate? Lea Vajnorsky beweist das Gegenteil. Als Führungskraft in einem Großkonzern, als Investorin und als Gründerin von Wo\men Inc. zeigt sie, wie man erfolgreich „crossover“ unterwegs sein kann.

Wo\men Inc.-Gründerin Lea Vajnorsky. Foto: Cherie Birkner

Wenn Zeit und Ort passen, das nötige Startkapital gesichert ist, braucht es nur noch die zündende Idee, um etwas Neues entstehen zu lassen. Das weiß auch Lea Vajnorsky, die sich – kurz vor dem Abchluss ihres Studiums befindlich – beim Spazierengehen in Frankfurts exklusivster Lage mit ihrer spontanen Entscheidung, ein Geschäftslokal anzumieten, vielleicht sogar ein wenig selbst überraschte. Durch Zufall war sie mit ihrem Vater an einer leerstehenden Auslage vorbeigeschlendert und mit dem Verwalter ins Gespräch gekommen, der spontan die leeren Räumlichkeiten zum Schnäppchenpreis in Zwischenmiete anbot.

Ein leerstehendes Geschäft im Herzen der Stadt, das ging nicht. „In dem Moment wurde mein Unternehmergeist geweckt“, so Lea rückblickend. „Ich wollte nicht den letzten Sommer vor dem Abschluss meines Studiums damit verbringen, irgendein Praktikum zu machen, um in meinem CV wieder nur eine große Firma stehen zu haben.“ Auch ohne eine konkrete Vorstellung eines Verkaufskonzepts für den Laden zu haben, ließ sie sich nicht mehr von der Idee abbringen. „Im schlimmsten Fall“, meinte sie damals zu ihrem Vater, der kurzerhand in seine Tochter investierte, „verkaufen wir eben Eis! Das geht immer.“

Ich mach was Eigenes

Die Mischung aus kreativem Wirbelwind, pragmatischer Kämpfernatur und einem ausgeprägten unternehmerischen Spürsinn führte Lea kurz darauf im Italienurlaub auf die richtige Fährte: T-Shirts mit großem Labelaufdruck, die damals gerade im Kommen waren, direkt von einer Designerin, die Lea die Exklusivrechte für den Vertrieb in Deutschland garantierte. „Im Verkauf für fast 80 Euro zu haben, habe ich die Shirts um unter einem Drittel des Verkaufspreises eingekauft“, erzählt Lea, die ihren Shop bereits innerhalb weniger Tage profitabel machte und ihrem Vater den Geldbetrag wieder zurückzahlen konnte. „In dem Moment wurde mir klar, dass dieses ‚Ich-mach-was-Eigenes‘ in mir steckt.“

Und gerade deswegen fiel es ihr schwer, nach den Sommermonaten einen Schlussstrich unter das Unternehmen zu ziehen. „Im Nachhinein bin ich aber dankbar, dass mir meine Familie das nahegelegt hat“, meint sie. Rückblickend war dieser Schritt die richtige Entscheidung, Lea zitiert ein bekanntes Sprichwort: Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Vajnorsky gab daher die Rechte am Vertrieb der Marke ab und konzentrierte sich in London auf ihr Studium mit Fokus auf Medienkommunikation. Immer mit dabei: der Wunsch, unternehmerisch tätig zu sein.

Unternehmerischer Tausendsassa

Im Gespräch wird klar, Lea Vajnorsky weiß, was sie will. Das muss sie auch, denn ihr Leben spielt sich an drei verschiedenen Orten ab: Düsseldorf, Berlin und Wien. Als Head of HR Change Management ist sie leitende Angestellte bei Henkel im Team der Personalvorständin Sylvie Nicol. Als Gründerin von Wo\men Inc., einer Plattform, die durch exklusive Veranstaltungen erfolgreichen Karrierefrauen einen Mehrwert schafft und weibliche Role Models auf die Bühne holt, ist Lea zusätzlich voll ausgelastet. Letztes Jahr organisierte sie als Head of Platform Development bei Henkel X, der Open Innovation-­Plattform von Henkel, den Xathon, einen Hackathon für Frauen, die eine Geschäftsidee haben und diese zusammen mit Experten ein Wochenende lang austesten und ausbauen wollen.

Neben ihrem organisatorischen Talent ist Lea eine extrem gute Netzwerkerin. Zunächst als Trainee bei Axel Springer SE, dann als Director Business Development bei NOAH Advisors – „das war der Sprung ins digitale Becken“, so Lea – sowie als Investorin bei Redstone, einer Art Risikokapitalgeber, der Start-ups für Großkunden wie die Deutsche Bahn sucht. Das ist laut Lea „schon Königsdisziplin“, und damit hat sie schließlich ihr eigentliches Steckenpferd gefunden: die digitale Transforma­tion von Unternehmen. Der Sprung in ein Digitalteam war der nächste logische Schritt. Dort vereint sie jenes Wissen, das sie bisher gesammelt hat, und wird auch bei der unternehmerischen Selbstverwirklichung unterstützt.

Beide Funktionen, bei Henkel und als Gründerin bei Wo\men Inc., seien mehr als ein klassischer Job, eher eine Passion. „Ich habe das Gefühl, dass ich etwas zum Positiven verändere. Ich habe nicht einen Job und ein Privatleben, sondern ich lebe beides.“ Das kann man vielleicht als Lebensmotto verstehen, und das glaubt man ihr auch. Für ihr außergewöhnliches Engagement wurde Lea 2019 in die Forbes-Liste „30 under 30“ – Kategorie Leadership – aufgenommen.

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Printmagazins StartingUp
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