Start-up-Power gegen Gasabhängigkeit von Russland

Autor: Dr. Lutz Müller
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Wie GreenTech-Gründer*innen mit ihren Innovationen die Unabhängigkeit von Russlands Gas fördern.

Deutschlands Position in Bezug auf eine unabhängige Energieversorgung ist ausbaufähig. Die aktuelle Lage spitzt sich auch im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg weiter zu. Die Chance liegt in einer größeren Unabhängigkeit im Bereich Energie – und es sind junge GreenTech-Start-ups wie Reverion, everyone energy oder Pionierkraft, die den Weg mit innovativen Lösungen im Energiesektor ebnen.

Ende Juni rief Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Alarmstufe des Notfallplans Gas aus. Es ist die zweite von drei Eskalationsstufen des Notfallplans, der nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vorgestellt wurde und bedeutet, dass eine Störung der Gasversorgung vorliegt. Kein Wunder, stammen doch circa 35 Prozent der Gaslieferungen für Deutschland laut Wirtschaftsministerium aus Russland. Aktuelle Pläne zielen darauf ab, Kohlekraftwerke verstärkt wieder an das Stromnetz anzubinden, um den Gasverbrauch im Stromsektor zu reduzieren. In Zeiten, in denen Gesellschaft und Politik eigentlich nach mehr Nachhaltigkeit und einer Green Economy streben, ist das eine ungünstige Entwicklung. Sie verdeutlicht, wie wichtig eine größere Unabhängigkeit von Gasimporten sowie innovative Lösungen zur Energiewende für Deutschlands Zukunft sind.

Junge Start-ups bringen hier die notwendige Innovationskraft, vor allem aber auch ein grundlegendes Bewusstsein für die Relevanz wirklich nachhaltiger Lösungen mit. Sie knüpfen mit innovativen Technologien an bereits bestehende Lösungen an und steigern diese in ihrer Effizienz oder bringen ganz neue Technologien auf den Markt. Der Fokus liegt dabei immer auf klimaschonenden Lösungen, erneuerbarer Energie und einer erfolgreichen Energiewende.

Reverion

Zu den Start-ups, die neue Lösungen für den Energiesektor entwickeln, gehört das Team von Reverion mit Sitz in Eresing bei Geltendorf, Bayern. Das Gründerteam hat die Vision, den Weg zu 100 Prozent erneuerbarer Energie durch die optimale Nutzung von Biogas zu ebnen. Der Ansatz: Ein Kraftwerk, das Verbrennungsmotoren ersetzen kann und reversibel einsetzbar ist. Dieses kann Strom aus Biogas sowie erneuerbare Gase aus Strom erzeugen. Darüber hinaus ist das System in der Lage, reines CO2 abzuscheiden und der Atmosphäre zu entziehen. Würde die Technologie von Reverion in ganz Europa erfolgreich eingeführt, könnten alle europäischen Emissionen um 10 Prozent reduziert und die Stromproduktion aus Biogas verdoppelt werden.

Das ist nicht nur klimafreundlich, sondern gibt auch eine Menge ungenutztes Potenzial frei, denn Biogas ist eine regelbare Quelle von erneuerbarer Energie. Aktuell wird sie von den üblicherweise eingesetzten motorbasierten Blockheizkraftwerken nicht optimal genutzt. Das System von Reverion arbeitet hingegen auf Basis von Festoxidbrennstoffzellen. Es zeichnet sich nicht nur durch mehr Effizienz aus – bis zu 80 Prozent elektrischer Wirkungsgrad sind möglich – sondern ermöglicht auch einen reversiblen Betrieb der Anlage. Darüber hinaus kann synthetisches, erneuerbares Erdgas aus Reverion-Anlagen über das bestehende Erdgasnetz für Strom, Wärme oder Mobilität genutzt werden. Dabei wird durch die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur ein Langzeitspeichereffekt erreicht. Die bestehende Infrastruktur besitzt in Deutschland eine Speicherkapazität von rund 400 TWh, dem 100.000-fachen der insgesamt installierten Batteriespeicher.

Für Maximilian Hauck, CTO und CO-Founder von Reverion, ist die Mission klar: “Unser Antrieb besteht darin, eine der größten Herausforderungen unserer Generation – den Klimawandel – anzugehen.” Nach dem Ingenieurstudium hat er sich ganz bewusst gegen eine Anstellung im Großkonzern entschieden: “In einem jungen Unternehmen kann man sich ganz anders einbringen. Die Aufgaben sind vielseitiger und man ist in der Regel deutlich involvierter in den Gesamtprozess. Meiner persönlichen Meinung nach ist das deutlich motivierender, als etwa im Großkonzern mit der Entwicklung eines Kleinteils im linken PKW-Außenspiegel betraut zu sein.”

Dass nicht nur das Gründerteam an das Potenzial ihrer Idee glaubt, zeigen auch die neuesten Entwicklungen: Erst Anfang Juli schloss Reverion eine Seed-Finanzierung in Höhe von über 7 Millionen Euro ab.

Everyone energy

Die everyone energy UG aus Berlin hat ein weiteres zentrales Problem der Energiewende erkannt: “Regulierung und Bürokratie macht es den Menschen viel zu schwer, selbst aktiv zu werden”, sagt Co-Founder Fabian Reetz, der seit 11 Jahren in der Energiebranche arbeitet.  Deshalb bietet das junge GreenTech Start-up eine digitale und vollautomatisierte Beratung, die hilft, neue Energiewende-Projekte einfacher und schneller zu realisieren, indem Endkunden und Lösungsanbieter gezielt zusammengebracht werden. Aktuell liegt der Fokus auf Solarprojekten, langfristig sollen aber digitale Beratungsangebote für alle Bereiche der Energiewende entwickelt werden: Von Solar-Anlagen mit und ohne Batterie-Speicher, über Balkon-Module und Ladeinfrastruktur für Elektroautos, bis hin zur Beratung für Wärmepumpen und Gebäudesanierungen. Das Team verfolgt mit der digitalen Energiewende-Beratung eine klare Mission: “Wir haben ein enormes Potenzial von 140 GW auf unseren Dächern und das wollen wir nicht erst morgen nutzen! Menschen, die zur Energiewende beitragen wollen, verhelfen wir deshalb mit der bestmöglichen personalisierten Beratung zum Erfolg und kurbeln die Energiewende an,” sagt Co-Founderin Céline Göhlich.

PIONIERKRAFT

Auch die Lösung der Pionierkraft GmbH aus München zielt auf eine bessere Nutzung von Solaranlagen ab. Denn obwohl viele Haushalte bereits Energie mit der eigenen Anlage produzieren, sind die technischen und regulatorischen Möglichkeiten, diese Energie zu teilen, eingeschränkt. Mit der Kombination von Soft- und Hardware von PIONIERKRAFT kann der Energiefluss aus eigenerzeugten Quellen nun wirtschaftlich optimiert und abhängig von Erzeugung und Verbrauch zwischen mehreren Hausnetzen intelligent gesteuert werden.

Das Unternehmen setzt Projekte in Gebäuden mit zwei bis sechs Wohneinheiten um, welche 30 Prozent des Deutschen Gebäudestandes darstellen. Damit wird das unerschlossene Potenzial von Photovoltaikenergie in kleinen Mehrfamilienhäusern adressiert welcher unabdinglich für das Gelingen der Energiewende ist. Bisher gibt es in dieser Gebäudeklasse so gut wie keine wirtschaftliche Lösung, wenn man seine Mieter*innen mit Solarenergie versorgen möchte. PIONIERKRAFT ermöglicht mit einer Kombination aus innovativer Hardware und intelligenten Softwareservices Nachbar*innen oder Mieter*innen mit nachhaltig produziertem, 100% sauberem Strom zu versorgen.

Seit der Gründung 2019 hat das Start-up zahlreiche Innovationspreise eingefahren. Co-Founder Andreas Eberhardt wurde 2021 für die positive Unternehmensentwicklung und seine Vision „alle Menschen mit bezahlbarer und sauberer Energie versorgen“ als einer der erfolgreichsten Jungunternehmer im „Forbes 30 Under 30-Ranking“ ausgezeichnet. Nach erfolgreichen Pilotprojekten werden seit November 2021 deutschlandweit PIONIERKRAFT-Projekte bei Kund*innen realisiert. Im März 2022 wurde die neuste Generation der Hardware - das PIONIERKRAFTwerk 2.0. - erfolgreich CR-zertifiziert und die Produktion gestartet, sodass die ersten Kraftwerke dieser Generation im Sommer 2022 an Kunden ausgeliefert werden.

Grüne Technologien im Trend – für den echten Unterschied

Unabhängig von den Entwicklungen infolge des Ukraine-Kriegs, gewinnen die Themen Nachhaltigkeit und grüne Technologien seit Jahren an Bedeutung. Sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft nimmt das Bewusstsein für die Notwendigkeit klimafreundlicher Lösungen zu.

Auch Start-ups identifizieren sich immer mehr mit dieser Entwicklung. Laut dem Deutschen Startup Monitor 2021 vom Bundesverband Deutsche Startups, stimmen bereits mehr als vier von zehn DSM-Startups der Aussage zu, dass ihre Produkte und Dienstleistungen sich der Green Economy bzw. dem Social Entrepreneurship zuordnen lassen.

Die verschiedenen Ansätze und Lösungen zur Energiewende in der Start-up-Szene sind in jedem Fall wertvolle Impulse mit dem Potenzial, einen wirklichen Unterschied in der Zukunft zu machen. Eine grundlegende Voraussetzung dazu liegt jedoch auch in der weiteren Förderung dieser innovativen Geschäftsmodelle.

Der Autor Dr. Lutz Müller ist Projektleiter bei der Gründerinitiative Science4Life e.V. Die Initiative richtet seit mehr als 24 Jahren mit dem Science4Life Venture Cup und dem Science4Life Energy Cup jährlich den bundesweit größten Businessplan-Wettbewerb für die Branchen Life Sciences, Chemie und Energie aus. Wettbewerbsbegleitend bietet die Science4Life Academy allen registrierten Wettbewerbsteilnehmern Weiterbildung und Coaching an. Seit 1998 haben mehr als 8.000 Personen am Wettbewerb teilgenommen und es wurden über 2.600 Geschäftsideen eingereicht und bewertet.

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Musik trifft KI

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Gegründet wurde das Berliner MusikTech-Start-up AlBeatz im Jahr 2022 von Adrian Ligüerre und Daniel Murcia. Al­Beatz ist ein SAAS (Software as a Service), mit dem Musikschaffende wie Sänger*innen, Produzent*innen oder Con­tent Creator*innen, die ihre eigene Musik erstellen und verwerten können. Mithilfe der Online-Beatmaking-Plattform können sie ganz einfach mittels Echtzeit-KI-Musikkomposition in wenigen Sekunden einzigartige Beats kreieren und diese durch wenige Klicks personalisieren. So entstehen komplett neue und einzigartige Musikstücke, für deren Kreation keine Musikkenntnisse erforderlich sind. Jeder der hunderttausenden Tracks, die für das Training der Kompositionstechnologie verwendet wurden, ist von professionellen Musiker*innen und Produzent*innen gesampelt, synthetisiert und produziert worden. Zukünftig wird es Nutzer*innen möglich sein, Musik-NFTs für ihre Beats zu generieren. So können sie einfach die ­Musikrechte für ihre Kreationen zertifizieren und sich dadurch die Einnahmen sichern. „KI und Blockchain eröffnen neue Möglichkeiten für die Generierung und Distribution von Musik und helfen, derzeitige Copyright-Probleme drastisch zu verringern. Unsere Vision ist es, Künstler*innen und Unternehmen trotz des Einsatzes neuer Technologien einen konstanten Einfluss über den gesamten Kreativprozess zu ermöglichen. So könnte jeder der nächste Hitmaker sein“, so CEO Adrian Ligüerre.

Wunderflats: 7 Tipps aus 7 Jahren Unternehmensgeschichte

Arkadi Jampolski, Co-Gründer und COO von Wunderflats, mit sieben Learnings aus sieben Jahren Start-up-Unternehmertum.

Die sieben Weltwunder, die sieben Todsünden, sieben Jahre Pech, das verflixte siebte Jahr, im siebten Himmel: Kaum eine Zahl ist mit so vielen Mythen verbunden wie die Sieben. Immer wieder erscheint sie uns als relevante Größe, an der man Dinge misst. Auch für junge Unternehmen ist die Zahl Sieben ein relevanter Erfolgsindikator. Durchschnittlich 90 Prozent aller gegründeten Start-ups scheitern bereits nach fünf Jahren. Ist dieser statistische Meilenstein geschafft, kann es also nur noch nach oben gehen – so die Hoffnung.

Bei unserem 2015 gegründeten Berliner Unternehmen Wunderflats ist genau das der Fall gewesen. Aus einer einfachen Idee – möblierten Wohnraum einfach, flexibel und sicher zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen zu vermitteln – ist im siebten Jahr des Bestehens Deutschlands Marktführer für möbliertes Wohnen auf Zeit geworden. Dass der Weg vom jungen, wilden Start-up hin zum dynamischen Scale-up von Veränderung und Umbrüchen geprägt war, versteht sich von selbst. Wir teilen unsere sieben wichtigsten Learnings.

Verbindet Vielfalt durch eine gemeinsame Mission

Zahlreichen Studien zufolge ist ein diverses (Gründer-)Team erfolgreicher als ein homogenes. Meinen Mitbegründer Jan Hase und mich verbindet eine übereinstimmende Wertebasis – wir teilen eine Vision und verfolgen die gleiche Mission. Dass wir zudem beide aus bescheidenen Verhältnissen kommen, ist ein weiterer gemeinsamer Nenner. Doch Arbeit und Leben gestalten wir oft unterschiedlich. Für uns zählt Vielfalt – das gilt auch für die gesamte Wunderflats-Familie: Wir bringen Führungskräfte aus jungen Unternehmen wie GetYourGuide, AirBnB oder Flixbus mit anderen zusammen, die in sehr professionellen Konzernen wie Mercedes gelernt haben. Bei uns arbeiten Menschen mit Top-Uniabschlüssen, Kolleg*innen ohne Studium, junge und jung gebliebene Mitarbeitende ziehen an einem Strang und ergänzen einander. Denn für uns ist eines klar: Wer Unterschiedlichkeiten durch ein gemeinsames Fundament aus Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und transparenter Kommunikation zusammenbringt und eine vereinende Mission verfolgt, gewinnt.

Fortschritt im Markt für Fortschritt im Unternehmen

Eine weitere wichtige Erkenntnis, die Gründer*innen verinnerlichen sollten: Ein Unternehmen schwebt nicht auf einer einsamen Wolke, sondern ist immer eingebettet in ein Ökosystem aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Es lohnt sich für Unternehmerinnen und Unternehmer, sich mit anderen Stakeholdern zu vernetzen und gemeinsam die Branche voranzubringen, statt immer nur das eigene Unternehmen im Blick zu haben. Mein Co-Gründer Jan beispielsweise engagiert sich in mehreren Kommissionen wie der Bundeskommission für Digitalisierung oder der Bundesfachkommission Bau, Immobilien & Smart Cities, deren Arbeit indirekt auch auf unsere Unternehmensziele einzahlt. Auf diese Weise entstehen Symbiosen, die für alle Beteiligten sinnvoll und gewinnbringend sind.

Das Bauchgefühl durch Analysen zu unterdrücken ist fatal

Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer steht an irgendeinem Punkt im Unternehmenszyklus vor harten Entscheidungen. Die wichtigsten Fragen, die man sich in solchen Momenten stellen sollte, lauten: Wie groß ist das Erfolgspotenzial? Wie hoch sind die Kosten, diese Entscheidung in Zukunft zu ändern, anzupassen oder weiterzuentwickeln? Liegen alle Perspektiven auf dem Tisch? Wie viel Momentum verlieren wir, wenn wir uns nicht sofort entscheiden? Auch wenn die rationale Faktenlage noch so klar sein mag, am Ende darf eine Entscheidung auch immer emotional geprägt sein; durch das altbekannte Bauchgefühl. Wenn nötige Fakten fehlen, um eine Entscheidung zu treffen, hilft oft nur die Intuition. Und anders herum weist uns unser Bauchgefühl auch auf Entwicklungen hin, die sich vielleicht noch nicht in den Daten niederschlagen. Es ist wichtig, sich das bewusst zu machen, denn ein Momentum ist schnell vergangen und ohne Momentum gibt es keinen Fortschritt.

Kultur frisst die Strategie zum Frühstück

Ein weiterer Punkt mit enormer Strahlkraft ist die eigene Unternehmenskultur. Gerade für neue Teammitglieder und junge Menschen, die frisch in den Arbeitsalltag starten, bietet eine starke Firmenkultur eine hervorragende Orientierung dafür, welche Werte im Berufsleben hochgehalten und aktiv vertreten werden können. Die Formulierung und der erklärte Purpose sind das Eine – doch den schönen Worten müssen Taten folgen. Gemeinsame und von allen geteilte Werte sind so etwas wie der Kleber eines Unternehmens, der die verschiedenen Puzzleteile zusammenhält. Nur mit einer wertebasierten Unternehmenskultur können Teams das gemeinsame Ziel verfolgen und an einem Strang ziehen. Gerade für Unternehmen im Wachstum ist eine geteilte Kultur enorm wichtig, um Teams zusammenzuschweißen und nicht ins Micromanagement zu verfallen.

Lernen, lernen, lernen – und dabei den Fokus nicht verlieren

Je größer ein Start-up wird, desto komplexer werden die Herausforderungen, die mit dem Wachstum einhergehen. Die Offenheit für andere Meinungen und die Bereitschaft zu kontinuierlichem Lernen sind wesentliche Fähigkeiten einer guten Unternehmensleitung. Als Team profitieren wir vom ständigen Austausch zu Erfahrungen – auch mit neuen Kolleg*innen. Am besten lernt man differenziell. Der Begriff kommt aus der Sportwissenschaft und bezeichnet das explorative Testen unterschiedlicher Optionen: Man überlegt sich Abläufe oder Neuerungen und probiert sie aus. Dann wird geschaut, was gut funktioniert oder was stattdessen funktionieren könnte. Dazu sucht man sich Best Practices. Dem differenziellen Lernprozess vorangestellt ist die Fähigkeit, zu beobachten und zuzuhören. Stress, Ablenkung und Alltagslärm strapazieren unsere Präsenz und Aufmerksamkeit, so dass wir schließlich aufhören, dazuzulernen. Das kann zum Stillstand führen und am Ende zum selbstverursachten Ende des Unternehmens.

Jedes Unternehmen trägt als Teil der Gesellschaft Verantwortung

Jedes Unternehmen ist Teil der Gesellschaft und trägt damit Verantwortung. Jedes Team verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die es im Sinne der Gesellschaft zu nutzen gilt, nicht nur für den eigenen Unternehmenswert. Diese einzigartigen Fähigkeiten sollten dafür eingesetzt werden, um zuallererst den Firmen-Zweck, die eigene Mission zu fördern und voranzutreiben. Unterstützend braucht es Professionalität, ein funktionierendes Geschäftsmodell und damit verbundene Profitabilität, gesichert durch finanzielle Nachhaltigkeit – denn ein Unternehmen ist eine Organisationsform in der Gesellschaft, die Wohlstand schaffen muss, sonst kann es keinen gewinnbringenden Beitrag für die größere Mission leisten.

Sei bescheiden. Bleibe bescheiden

Zum Abschluss einer der wichtigsten Tipps für Gründer*innen: Vergesst nie eure Anfänge. Wir können unser Glück und den Zufall nicht beeinflussen. Wenn wir Glück haben, können wir mit unserer Leistung aber mehr daraus machen. Erfolg hängt also mit Leistung zusammen, es braucht dafür aber auch immer die entscheidende Portion Glück. Das Zurückbesinnen auf die eigenen Anfänge im Berufsleben, auf die individuelle Entstehungsgeschichte – und eben auf das Quäntchen Glück – erdet im Sog von Finanzierungsrunden und Expansion ganz besonders. Sei also bescheiden – und bleibe es.

Über Arkadi Jampolski

Arkadi Jampolski ist Co-Gründer und COO von Wunderflats. In Russland geboren und aufgewachsen, kam Arkadi mit acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Neben seinem Doppel-Bachelor-Abschluss (BA European Business & BSc Financial Management) war Arkadi einige Zeit selbständig und hatte bereits ein mal gegründet, bevor 2015 Wunderflats, die führende deutsche Plattform für möbliertes Wohnen auf Zeit, entstand.

Green Economy in der Industrie: Mögliche Ansätze

Die Industrie ist zwar Deutschlands Wirtschaftsmotor, sie ist aber ebenso in vielen Belangen der bedeutendste Ressourcenverbraucher der Republik. Mit herkömmlichen Methoden des Wirtschaftens kollidieren diese beiden Faktoren. Unter dem Stichwort Green Economy jedoch gelangen sie auf eine gemeinsame Ebene. Doch wie lässt sich das aus Gründersicht umsetzen?

Traditionelles Wirtschaften: Eine nicht mehr zeitgemäße Methode?

Klassische industrielle Herangehensweisen bringen eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Es sind Auswirkungen traditionellen Wirtschaftens, die aus heutiger Sicht im Grunde nicht mehr tragbar sind. Dabei geht es nicht rein um Umwelt, Natur und Klima – Bereiche, für die die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein seit einigen Jahren deutlich gestiegen sind. Vielmehr sind Unternehmen und vor allem Start-ups gut damit beraten, auch aus Sicht von unternehmerischer Wirtschaftlichkeit klassische industrielle Methoden zu hinterfragen und zu überdenken.

Das Grundproblem des traditionellen Wirtschaftens beruht vielen Theorien und Kritikern zufolge auf dessen Kernziel, der Gewinnmaximierung. Die Gewinnmaximierung als Ziel bestimmt, welche Produkte für den Markt produziert und welche Dienstleistungen angeboten werden. Sie bestimmt außerdem über die Verkaufsstrategien und in welchem Umfang bezahlte Arbeit dafür verwendet wird. Aus der Logik dieses Ziels heraus, werden Güter und Dienste stets nur für einen begrenzten Bedürfnisbereich angeboten.

Wichtigere Bedürfnisbereiche aber, wie etwa existenzsichernde Erwerbsarbeitsplätze, verkümmern unter ihrer Logik. Schließlich ist es weniger gewinnbringend, wenn Arbeitskräften mehr gezahlt wird als man muss, wenn diese doch auch für weniger Geld zur Arbeit erscheinen. Außer Acht gelassen wird dabei die Zufriedenheit durch das Gehalt. Oder, noch drastischer, gar der Druck, selbst für wenig Geld arbeiten zu müssen, weil die Angst vor sonstiger Arbeitslosigkeit oder die schiere Unmöglichkeit, eine andere Stelle zu finden, so enorm ist.

Doch damit nicht genug: Traditionelles Wirtschaften sorgt auch dafür, dass es für immer weniger Jugendliche Berufsausbildungsplätze gibt. Es nutzt die patriarchale Arbeitsteilung. Und es vereinnahmt unbezahlte Arbeit für eigene Interessen – und das ist nicht erst seit gestern, sondern schon viele Jahre so.

Nicht zuletzt ist die Art und Weise, wie diverse Bedürfnisbereiche gestillt werden, ebenfalls oftmals als stark problematisch einzustufen. Das gilt für Anbieter mit Monopolstellung auf den Märkten genauso wie für kleinere Unternehmen, die auf traditionelle Weise wirtschaften.

Die bereits erwähnte Reihe von Problemen, die aus dieser Wirtschaftsweise hervorgehen und die über bereits Angesprochenes hinausgeht, ist zahlreich. Wir wollen daher an dieser Stelle nur fünf ausgewählte dieser Probleme konkreter nennen, um einen Eindruck davon zu vermitteln, warum die Green Economy als neuzeitlicher Denkansatz zukunftsträchtigere Konzepte mit sich bringt.

Probleme traditionellen Wirtschaftens

  • Die Isolation der Menschen

Die traditionelle Wirtschaft isoliert die Menschen, anstatt sie zusammenzubringen. Die Erfahrungen, die in einer Branche oder einem bestimmten Marktsegment funktionieren, gelten möglicherweise nicht für andere Segmente. Jedes traditionell wirtschaftende Unternehmen bleibt dadurch in einer Art Bubble, was die wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten einschränkt.

Denn ein Austausch bringt nicht etwa das Risiko von Ideenklau durch die Konkurrenz mit sich, wie oft angenommen. Vielmehr fördert er gegenseitig die Kreativität, kann zu spannenden Kooperationen führen und wirkt als Innovationstreiber.

Doch beim traditionellen Wirtschaften arbeiten die meisten Unternehmen allein, um die ganz persönlichen spezifischen Bedürfnisse zu befriedigen und Ziele zu erfüllen – ohne dabei über den Tellerrand hinaus oder auf das große Ganze zu blicken.

  • Das Minimum an Lebensqualität

Klassische Wirtschaftsweisen, in der Industrie und in allen anderen Bereichen, beschränken die Lebensqualität häufig auf ein Minimum. Das zeichnet sich im Extremfall durch Arbeitslöhne am absoluten Existenzminimum ab, aber auch durch beispielsweise geringe medizinische Versorgung am Arbeitsplatz (Stichwort heute vor allem „Mentale Gesundheit“) oder mangelnde Flexibilität in der Arbeitseinteilung.

Wird das soziale Wohlergehen der Wirtschaftenden außerdem weniger wertgeschätzt und gefördert, kommt es schneller zu Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und zu vermehrten Konflikten. Außerdem entgeht Unternehmen dadurch die Chance, durch Transparenz und Offenheit effizientere und effektivere Arbeitsflüsse zu erreichen.

  • Die Einschränkung der Wahl

Traditionelles Wirtschaften schränkt oft die Wahl ein – die Wahl etwa von Arbeitnehmern, aber auch Arbeitgebern. Geht es allein um die Maximierung der Gewinne, werden oft nicht die qualifiziertesten, sondern die günstigsten Arbeitskräfte ausgewählt.

Sie arbeiten dann nicht so gut, aber eben günstiger. Eine Zeit lang mag dies profitabel sein, mit der Zeit aber sorgt mangelnde Qualität mitunter für Unzufriedenheit bei Kunden. Zudem riskieren gerade junge Unternehmen heute ihren Ruf, wenn sie durch etwa schlecht bezahlte oder behandelte Mitarbeiter auffallen. In Zeiten sozialer Medien und Shitstorms können solche Skandale im Handumdrehen die Insolvenz bedeuten.

Die Wahl der Arbeitnehmer wiederum wird in einer traditionellen Wirtschaft durch begrenzte Arbeitsplätze und oben genannte Entscheidungsmechanismen eingeschränkt. Der Mensch wird als Arbeitskraft und nicht als Mensch gesehen und in seinen persönlichen Potenzialen und Entscheidungen beschnitten.

Mihai Streza, Founder des Tech-Start-ups wondder.io

Mit wondder.io ging Mihai Strezas Traum in Erfüllung: ein erfolgreiches Technologieunternehmen zu gründen. Heute tauchen die Mitarbeitenden seiner Kund*innen tief in spezielle Situationen ein, wenn sie per VR zu den wichtigen Themen Diversity und Inclusion geschult werden – ein Novum im europäischen Raum.

Unternehmen zu gründen, das liegt Mihai Streza im Blut: er sah sich schon mit gerade einmal sieben Jahren dazu berufen, Bedarfe zu erkennen und passende Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Er selbst erzählt mit einem großen Augenzwinkern: „Die ersten Gesprächspartner dazu reichten von meinem Großvater, der, meiner geschulten siebenjährigen Meinung nach, auf seinem ländlichen Gut meine Dienstleistungen kaufen sollte (die fingen beim Sensen an), bis hin zu meinem Vater, dessen Hingabe für Physik ich zum Anlass nahm, um ihn als Investor für meine "Erfindungen" zu gewinnen. Dazu zählte unter anderem ein magnetischer Antrieb für Büchsenpatronen, der sich leider nirgendwo durchgesetzt hat."

Bereits im Kindesalter reizte es ihn, für bestehende “Probleme” bessere Lösungen zu entwickeln, auf die Belange seines Gegenübers einzugehen, Angebote entsprechend nachzubessern und bis zum krönenden Abschluss des Deals zu verhandeln. Der Lauf der Jahre hat seiner Umtriebigkeit und Geschäftstüchtigkeit keinen Abbruch getan – lediglich seine Geschäftsideen sind, hofft er, wieder mit dem großen Lächeln, “gesellschaftlich relevanter” geworden.

Neue Heimat, vielseitiges Studium und starke Mentoren
Streza kam im Alter von 19 Jahren aus Rumänien nach Deutschland. Seine Mentorin Dr. Mariana Bozesan motivierte ihn dazu, an der Technischen Universität Fridericiana zu Karlsruhe, dem heutigen KIT, das Informatikstudium aufzunehmen. Immer für eine zusätzliche Herausforderung gut, befasste sich der junge Student neben Robotik und Mensch-Maschine-Interaktion als Hauptstudium mit dem Unternehmertum als Nebenfach. Hier war es vor allem der als "Schraubenkönig" bezeichnete erfolgreiche Unternehmer Reinhold Würth, der mit seinen Entrepreneurship-Vorlesungen den weiteren Weg von Mihai Streza beeinflusste: „Ich glaube, er fand es amüsant, wie der junge Student ihm erklärt hat, dass er sich nicht von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Herrn Würths benoten lassen möchte, denn sie haben keine praktische Erfahrung im Unternehmertum – was ich mir natürlich einbildete, seit dem jungen Alter von sieben Jahren ausgebaut zu haben. Das endete in einem herrlichen Gespräch von einer Stunde, benotet vom Schraubenkönig selbst mit einer 1,0."


Ehrgeiziger Berufseinstieg und wichtige Erfahrungen

Bereits vor Abschluss des Studiums stieg Streza als Mitgründer bei eRockit ein, um in Berlin Elektrofahrzeuge zu entwickeln und herzustellen. Allerdings war der Zeitpunkt, nämlich das Jahr 2006, noch nicht reif für das Konzept. Heute sieht er darin einen typischen Gründer*innenfehler – falsches Timing – wie viele andere falsche Entscheidungen, die eben rund um ein Start-up getroffen werden. Er trat gleichzeitig mit der Gründung seinen ersten Job an: als Strategieberater bei Roland Berger; die Arbeitstage wurden sehr lang – verständlich, in einem Job, in dem den meisten Berufsanfänger*innen schnell die Puste ausgeht, und wo er parallel dazu noch ein Startup aufbaute. Sobald eRockit die vierte Prototyp-Serie entwickelte, stieg er bei Roland Berger aus und engagierte sich in Vollzeit im Start-up.

Die nächste Etappe seiner beruflichen Entwicklung war wieder in der Strategieberatung, diesmal allerdings mit einem höheren Sinn: Streza entwickelte unter der Leitung von Alexander Holst eine Abteilung für Nachhaltigkeitsstrategie bei Accenture mit. Stück für Stück näherte er sich seiner größeren Vision: von erfolgreichen Unternehmen, die gleichzeitig “das Gute, Schöne, Wahre” in die Welt bringen. Nach Accenture machte er einen wichtigen Abstecher zu AQAL Capital, dem Family Office seiner Mentoren, wo er die Entwicklung eines Systems für Frühphaseninvestitionen auf der Grundlage der Entwicklungspsychologie mitgestaltete. Die ESG-Kriterien (Environmental, Social, and Governance) – an sich zu diesem Zeitpunkt ein Novum in Deutschland – stellten den Anfangspunkt dieses Systems dar, das viel weiter reichte, und innere Dimensionen der menschlichen Psyche, wie Purpose und Passion als gleichwertig mit ESG deklarierte.

Rückzug, Besinnung und Fokussierung - das entscheidende Jahr 2018

„Was braucht die Welt von mir?", diese Frage bewegte Streza nach seinen aufregenden und richtungsweisenden Erfahrungen. Er nahm sich das ganze Jahr 2018, um SEINE Antwort auf diese existenzielle Frage zu finden. Die Exploration war erfolgreich, die Antwort: Milliarden von Menschen mithilfe von Technologie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung befähigen – und zwar mit Virtueller Realität (VR) unter Einsatz ethischer künstlicher Intelligenz (KI). Das Jahr 2019 war geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit diesen Technologien und der strategischen Konzeptionierung eines Unternehmens, das diese manifestiert: wondder.io. Hier setzte Streza seine in zwei Jahrzehnten gesammelte Expertise in Technologie, Strategie, Persönlichkeitsweiterentwicklung, Entwicklungspsychologie und Integrale Theorie nach Ken Wilber ein.

2019 war auch das Jahr der Teamfindung: Streza stellte ein kompaktes, hochkarätiges Team zusammen, in dem er den heutigen CSO und später den heutigen CTO mit ans Bord brachte. Wenige Monate später stellte er einen ersten Trainings-Prototypen bei einem Chemiekonzern vor, der früher zu seinen Consulting-Kund*innen gezählt hatte. Auch wenn die Resonanz verhalten war, da die Manager offenbar ein Science-Fiction-Erlebnis à la Black Mirror erwartet hatten, wusste Streza, dass er auf dem richtigen Weg war. Diesen Eindruck bestätigen seine erstklassigen Kund*innen in den letzten zwei Jahren und auch die Personalzuwächse in der Firma, die oft genug unverhofft, und perfekt getimt das Team verstärkten und neue Dynamik ins Geschehen brachten.

Schon heute europäischer Marktführer

„Wir wachsen momentan sehr stark und fokussieren uns in diesem Jahr auf den Ausbau des Teams, des Vertriebs sowie die weitere Entwicklung unseres Produktportfolios, dessen Größe sich dieses Jahr verdreifachen wird", so Streza zum aktuellen Stand. Mehr als 30 Kund*innen in verschiedenen Ländern nutzten bisher Demo-Versionen, darunter zahlreiche DAX-Unternehmen. Mit Fug und Recht kann wondder.io von sich behaupten, schon heute der führende Anbieter hochkarätigen VR-Trainings in Europa zu sein. „Wir werden von sehr erfahrenen und erfolgreichen Business Angels und Beratern unterstützt, die früh in uns investiert haben und unser Wachstum begleiten", betont Streza.

Mihais Tipps für andere Gründer*innen

Allgemeine Ratschläge finde ich problematisch, vor allem da es kein Rezept für Unternehmertum gibt. Statistisch gesehen hat jeder Mensch im Durchschnitt um die 80.000 Arbeitsstunden zur Verfügung in seinem Leben. Es sollte eine moralische Verpflichtung eines jeden Unternehmers bzw. einer jeden Unternehmerin sein, sich dem bewusst zu machen und anschließend immer wieder bewusst zu entscheiden, wofür man diese begrenzte Zeit einsetzt.

SCORM-Dateien erstellen: So geht E-Learning ganz einfach

Wer einen Lernkurs veröffentlichen will, muss diesen so erstellen, dass er von den verschiedenen Lernsystemen erkannt und dargestellt werden kann. Ein einfacher Weg, dies zu tun, ist mithilfe von SCORM-Dateien. Was SCORM-Dateien genau sind und wie sie sich erstellen lassen, darum geht es hier.

Was ist das SCORM-Format?

Eine SCORM-Datei enthält eine Sammlung von Spezifikationen für Kurse im Bereich E-Learning. Wer LMS Inhalte erstellen will und sich dabei an die SCORM-Standards hält, kann sich sicher sein, dass sie von jedem Learning Management System (LMS) erkannt werden.

Eine SCORM-Datei ist eine Zip-Datei, die alle Daten enthält, die dafür erforderlich sind, Lerninhalte an ein LMS zu übertragen. Konkret besteht sie aus einer XML-Manifestdatei, Ressourcendateien sowie Definitionsdateien beziehungsweise einem Schema:

Die XML-Manifestdatei beinhaltet die Daten, die ein LMS benötigt, um den Inhalt eines Lernkurses bereitzustellen. Dazu gehören ein eindeutiger Identifikator, die Metadaten des Kurses, die Organisation der Lernaktivitäten und die Ressourcendefinitionen, die alle Dateien aufzeigt, die eine einzelne Ressource für ihren Start benötigt.

Die Ressourcendateien selbst sind die Dateien, aus denen ein Lernkurs mitsamt seiner Lernaktivitäten besteht.

Das Schema beziehungsweise die Definitionsdateien haben einen Bezug auf die XML-Manifestdateien. Diese drei Teile ergeben zusammen eine SCORM-Datei.

SCORM-Datei erstellen: So geht es

Die Vorteile von E-Lernkursen sind zahlreich. Sie helfen, wertvolles Wissen an eine große Zahl von Menschen weiterzugeben. Im Folgenden wird beschrieben, wie sich ein SCORM-Paket ohne weitere Autorenwerkzeuge erstellen lässt:

Alle Ressourcen in einem Ordner zusammenstellen

Alle Videos, Texte, Audios, Bilder und ähnliche Dateien sollten zunächst gesammelt und in einen einzigen Ordner zusammengefügt werden. In diesem Schritt ist auch noch die Erstellung eines Storyboards notwendig, das zeigt, wie sich die Inhalte am Ende entfalten sollen.

Lernkurs in HTML-Seiten organisieren

Damit ein Kurs von einem LMS richtig angezeigt werden kann, muss er sich als Webseite herunterladen lassen. Um das möglich zu machen, muss eine HTML-Version des gesamten Kurses erstellt werden. Für diesen Schritt ist technisches Know-how notwendig. Wem die Erstellung der HTML-Version größere Probleme bereitet, sollte auf ein Autorentool zurückgreifen oder jemanden mit dem nötigen Wissen zur Hilfe holen. Besonders einfach ist es, den gesamten Lernkurs mit allen Multimedia-Links in einem Google Doc zu strukturieren und anschließend über Datei > Download > Webseite die HTML-Version herunterzuladen.

Nun ist schon einmal sicher, dass die HTML-Version in einem Browser funktioniert. Im nächsten Schritt geht es um die SCORM-Kompatibilität:

SCORM-Dateien erstellen und in ein Zip-Paket verschieben

Für diesen Schritt müssen mehrere Textdateien erstellt werden, die die jeweiligen SCORM-Bedingungen beschreiben und anschließend zusammen mit dem HTML-Inhalt in ein Zip-Paket gelegt werden.

Für Anfänger ist es hilfreich, zunächst ein SCORM-Beispielpaket von scorm.com herunterzuladen, um dieses einfach mit den eigenen Inhalten anzupassen.

Im vorherigen Schritt wurde die HTML-Version des Kurses heruntergeladen. In diesen Ordner müssen die .xml- und .xsd-Dateien aus dem Beispielpaket kopiert werden.

Nun sollte die Manifestdatei imsmanifest.xml mit einem Texteditor geöffnet werden, um sie mit den eigenen Kursinhalten anzupassen. Diese Datei enthält Informationen über den Titel des Kurses, listet die Ressourcendateien auf und definiert die SCORM-Spezifikation, mit der der Kurs konform ist. Für die Anpassung müssen einfach der Titel und die Links zu den HTML-Ressourcen bearbeitet werden. Die erste Ressource in der Liste muss die HTML-Hauptdatei sein, die die Links zu den restlichen Ressourcen enthält.

Zum Schluss müssen die SCORM- und HTML-Dateien noch zu einer Zip-Datei gebündelt werden.


Fazit

Dank SCORM-Dateien lassen sich Lernkurse leicht und schnell erstellen, um sie am Ende auf Webseiten wie Udemy anbieten zu können. Wer das nötige Know-how hat, kann sie schnell selbst erstellen. Für alle anderen stehen verschiedene Autorentools zur Verfügung.

„Die Magie von KI ist, dass sie ständig lernt“ – Expertin-Interview mit Kathy Baxter

Kathy Baxter ist die KI-Expertin beim CRM- und Marketing-Softwarehersteller Salesforce und kämpft für den ethischen Einsatz der Technologie. Unser Autor Stefan von Gagern hatte Gelegenheit für ein Interview mit Baxter auf der Dreamforce in San Francisco.

Kathy Baxter, Principal Architect, Ethical AI Practice bei Salesforce, stammt aus der Psychologie, brachte aber über 20 Jahre Erfahrung von großen Tech-Unternehmen mit zu Salesforce – unter anderem aus der UX (User Experience)-Forschung bei Silicon Valley Schwergewichten wie Oracle, Ebay, Google. Als Salesforce vor Jahren eine „AI-First“-Company wurde, startete Baxter mit der Entwicklung von Chatbots. Heute setzt sie sich intern vor allem für die Einhaltung „ethischer KI“ ein – für diese Aufgabe wurde bei Salesforce sogar ein eigener, neuer Job in der Zentrale in San Francisco geschaffen.

Zunächst ganz allgemein gefragt: Welches Potenzial bringt KI ins Marketing?

Personalisierung ist wirklich das große Ding. Man will Empfehlungen erreichen, die dich ansprechen. Traditionell läuft das immer noch oft mit Demografie. Du bist eine Frau, also empfehlen wir Makeup. Männer sehen diese Anzeigen nicht. In den letzten Jahren haben wir aber gelernt, das Gender ein Spektrum hat. Jemand männliches kann sich ebenfalls für Makeup interessieren. Genauso gibt es Frauen, die keine Kleider mögen. Also müssen wir uns auf Interessen und Verhalten konzentrieren.

Viele Marken tun sich mit Personalisierung immer noch schwer. Könnte ein Grund dafür sein, dass sich Kund*innenverhalten und die Umstände ständig und stark verändern?

Sich auf Demografie verlassen reicht einfach nicht mehr. Die Magie von KI ist, dass sie ständig lernt. Generation Z bringt eine neue Komplexität in das Gender-Thema, identifiziert sich aber stark damit. Die Pandemie hat das Kundenverhalten komplett auf den Kopf gestellt. KI kann damit umgehen und Probleme verhindert – zum Beispiel, dass Retailer ohne Ware oder mit viel zu viel Ware dastehen.

Mit dem Ende der Cookies kommen neue Fragen auf. Wie schaffen wir es Vertrauen aufzubauen? Wenn die Third-Party Daten weg sind, kommt das, was wir „Zero-Party Daten“ nennen. Wie können wir dich dazu bringen, dass du mir verrätst, was mich interessiert. Wir wollen dieses Vertrauen aufbauen, indem wir transparent sind. Der Kunde muss den Wert sehen, was er davon hat, wenn er diese Infos mit uns teilt – und wissen, was wir über ihn schon wissen. KI kann zudem Rückschlüsse ziehen wie „wenn dir dies gefällt, kannst du auch das gebrauchen.“ Händler stehen vor Problemen wie Engpässe in der Lieferkette – hier können solche Empfehlungen eine riesige Hilfe bedeuten.

Aus dem Vertrauensverhältnis ergibt sich auch eine Verpflichtung für Brands abzuliefern, oder nicht?

Nicht nur daraus – auch aus Regulierungen. In Kalifornien gibt es Vorgaben wie die zum Beispiel Daten, die von Kindern stammen, verarbeitet werden dürfen. Es gibt Verpflichtungen für Transparenz, wie ein KI-Modell arbeitet – und warum es etwas empfiehlt. Selbst wenn sich eine Marke nicht so sehr um Vertrauen kümmert – die Privatsphäre-Vorgaben werden sie dazu zwingen.

Jede(r) Softwarehersteller*in bewirbt inzwischen seine/ihre eigene KI-Technologie. IBM mit Watson, Adobe mit Sensei. Was macht Salesforce mit seiner KI-Engine Einstein besser als die anderen?

Wir bieten „No-Code“ und „Low-Code“-Lösungen für eine CRM-spezifische KI. Wir bieten auch eine General-Purpose-Entwicklungsumgebung, für KI-Anwendungen aller Art. Aber gebrauchsfertige Lösungen für Chatbots, die Sales und Kundenservice verstehen, die wissen wer der nächste Lead sein könnte oder die Verkaufsabbrüche verhindern können, sind sehr hilfreich, um Kundenbeziehungen an den Start und zum Laufen zu bekommen. In unserer Marketing Cloud haben wir einen Subject Line Generator, der verschiedene Tonalitäten versteht. Er kann FOMO (Fear of Missing out – die Red.) oder einen freundlichen Ton in der E-Mail-Betreffzeile anschlagen.

Dennoch können die Kunden mit „Einstein Builder“ unsere Technologien nutzen, um ihr eigenes KI-Modell auf dieser Basis zu entwickeln. Mit der Partnerschaft von AWS (Amazon Web Service) findet eine Demokratisierung von KI statt – nach dem Motto „Bring your AI“. So können Kunden die Daten aus einer Customer Data Plattform mit unserer Lösung zusammenbringen.

Ein Fokus der Salesforce-Keynote 2022 waren Echtzeit-Daten – ein großer Game-Changer in Sachen Personalisierung?

Daten sind oft statisch, fragmentiert, veraltet, ungenau – und dann auch noch schwer oder gar nicht zugänglich. Echtzeit mit unserer Lösung Genie ändert das komplett. Damit bekommen wir die alle und die genauesten Daten – die exakte Prognosen ermöglichen. Am Anfang von Covid sahen wir „schwarzen Schwäne“. Die ganzen Datenmodelle brachen zusammen, weil sie nicht mehr funktionierten. Das zeigt, was Echtzeitdaten bewirken können – und wie wichtig Echtzeit wirklich ist.

Viele Unternehmen tun sich schwer dabei ihre Entscheidungen auf Basis von Daten, statt mit dem Bauchgefühl der jahrelangen Business-Erfahrung zu fällen. Was könnte dabei helfen, Daten als Entscheidungshilfe mehr zu akzeptieren?

Wir wissen, wie wichtig Transparenz und Erklärungen sind. Das macht Einstein. Unsere Software zeigt warum eine Empfehlung gegeben wird. Es ist so besser nachvollziehbar, warum ein bestimmter Kunde der nächste Lead sein wird. Das liefert Wertschöpfung im Geschäft, schafft Return on Investment und etabliert im Unternehmen Daten als Entscheidungshilfe.

Es gibt viele Horrorszenarien rund um KI. In Deutschland und Europa gibt es viele Skeptiker*innen, die anmerken, dass künstliche Intelligenz ein Jobkiller sein wird oder gar die Weltherrschaft übernehmen wird. Kann Salesforce mit seinem „Ehtical AI“-Ansatz diese Ängste nehmen? Könnte zum Beispiel AI meinen Job als Content Marketer und Copywriter übernehmen?

Das große Dilemma ist diese KI generierte Kunst, die gerade im Netz kursiert. Dall-e oder andere Bildgeneratoren erzeugen Bilder mit Copyrights, die sie sich selbst als System geben. Die künstliche Intelligenz wurde aber mit Bildern von echten Künstlern trainiert, die nichts für ihren Input bekommen. Das ist etwas, was wir als Gesellschaft oder Staat verhindern müssen. Wir sorgen mit unserem „Ethical AI“- Richtlinien dafür, dass Rechte – zum Beispiel das Grundrecht sich mit seiner Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen – respektiert und eingehalten werden.

Die Terminator-Szenarien, in denen die KI alles übernimmt und uns in Büroklammern verwandelt – diese sind Jahrzehnte weit weg in der Zukunft. Wir müssen uns aber auf die Schäden konzentrieren, die KI heute anrichten kann, wenn zum Beispiel Kunst kostenlos generiert wird und den Künstlern ihre Arbeit wegnimmt.

Schlimm ist auch wenn Gesichtserkennung falsche Vorhersagen macht und die Polizei deswegen die falschen Personen festnimmt. Oder wenn die KI unfairerweise bestimmten Personen den Zugang zu Jobs verhindert. Diese Dinge müssen heute angegangen werden. Aus diesem Grund ist zum Beispiel Gesichtserkennung in unserer KI mit ihren strengen Richtlinen nicht erlaubt.

Sustainable Product und Business Model Innovations

Wo liegt die Zukunft der Chemiebranche und welche Rolle spielen Sustainable Chemical Entrepreneurship bzw. innovative Start-ups in diesem Kontext?

Die chemische Industrie bildet einen der Grundpfeiler industrialisierter Volkswirtschaften wie Deutschland oder den USA. Sie ist anderen Schlüssel-Branchen, wie z.B. dem Maschinenbau, in der Wertschöpfungskette vorgelagert, weshalb sie unseren Alltag und unser Wirtschaftsleben umfassend beeinflusst. Mit ihrem Ursprung in der Industriellen Revolution ist im Segment für Basischemikalien die Konsolidierung der Branche seit den 90er Jahren weitestgehend abgeschlossen. Auf der einen Seite haben Unternehmen wie die BASF ausgeprägte Skalen- und Verbundeffekte realisiert, sodass die Eintrittsbarrieren für junge Unternehmen in diesem Segment sehr hoch sind.

Auf der anderen Seite existieren Unternehmen im Segment der Feinchemikalien, die sehr forschungsintensiv sind und klar definierte Nischen abdecken. Im Gegensatz zu den Basischemikalien werden in diesem Segment deutlich geringere Mengen nachgefragt: statt Tonnen werden die Preise in Kilogramm oder Gramm notiert. Konkret dienen Basischemikalien, wie z.B. Ammoniak, hauptsächlich als Reaktionspartner für die Herstellung nachgelagerter chemischer Erzeugnisse. Im Gegensatz dazu haben Feinchemikalien meist einen tendenziell speziellen Anwendungszweck, z.B. in der Herstellung von Fotos.

Während im Basischemikalienmarkt eine Kostenführerschaft durch weitreichende Prozessoptimierung erreicht werden kann, jedoch eine Produktdifferenzierung kaum realisierbar ist, erreicht man im Feinchemikalienmarkt eine herausgehobene Wettbewerbsposition durch eine technologische und Know-how-getriebene Vorreiterrolle. In diesem forschungsintensiven Segment rentieren sich niedrigere Margenpreise dementsprechend nicht. Daraus wird erkennbar, dass sich die strategischen Anforderungen und Herausforderungen abhängig vom Marktsegment stark unterscheiden können.

Paradigmen- und Perspektivwechsel notwendig

Die großen Barrieren unserer Zeit vom Klimawandel bis hin zur Rohstoffknappheit führen zu großen Anforderungen in der ressourcen-, energie- und emissionsintensiven chemischen Industrie. Wir brauchen nicht nur neue technologische Innovationen, sondern auch einen Paradigmen- und Perspektivwechsel, damit die großen, bereits bestehenden Herausforderungen überwunden werden können. Etablierte Unternehmen sehen sich dem von Clayton Christensen identifizierten „Innovator’s Dilemma“ konfrontiert, welches beschreibt, wie sich etablierte Unternehmen aufgrund bestehender und vergangener Erfolge sowie starren und gefestigten Strukturen davor scheuen ihr Geschäftsmodell an externe Veränderungen anzupassen, getreu dem Motto: „Warum sollen wir etwas ändern? Die Vergangenheit hat doch gezeigt, dass wir es richtig machen, sonst wären wir nicht so erfolgreich gewesen.“

Diese Herangehensweise ist jedoch hinderlich, da durch veränderte Umweltbedingungen andere Produkte gefragt sein werden, sodass früher noch erfolgreiche Strategien in der Zukunft nicht mehr angewendet werden können und bisherige Produkte nicht mehr wettbewerbsfähig sein werden. Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Topmanagements ist es daher externe Veränderungen wahrzunehmen, Innovationsprozesse zu initiieren und die eigene Wertschöpfungskette sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens entsprechend anzupassen.

Die Vorteile der Newbies gegenüber den Etablierten

Auch wenn Jungunternehmen strukturell bedingt über weniger personelle und finanzielle Ressourcen verfügen, so haben sie doch einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Etablierten: es bestehen naturgemäß keine bisherigen Erfolge, die einen Neuanfang erschweren würden. Die grüne Wiese, auf der Start-ups ihre junge Organisation aufbauen, kann daher auch in der Chemie-Industrie als Wettbewerbsvorteil für branchenspezifische Innovationen interpretiert werden. Für Jungunternehmen der Chemiebranche sind daher Innovationen im Sinne eines Sustainable Chemical Entrepreneurship notwendig, die wettbewerbsfähigere Produkte und Geschäftsmodelle hervorbringen.

In diesem Zusammenhang werden im Folgenden zwei Beispiele für Sustainable Innovations in der Chemiebranche vorgestellt.

Sustainable Product Innovations (SPI) am Beispiel von FlexPower

Die Produktinnovation von FlexPower ist eine Ausgründung der Innovationsgruppe von Prof. Dr. Xinliang Feng, Lehrstuhlinhaber der Professur für Molekulare Funktionsmaterialien der TU Dresden und Max-Planck-Institutsleiter für Mikrostrukturphysik in Halle. Die Ausgründung seiner Arbeitsgruppe rund um Dr. Ali Shaygan Nia, Dr. Payam Hashemi, Dr. Davood Sabaghi und Florian Sägebrecht (Doktorand der Wirtschaftswissenschaften) wird von Sarah Müller-Sägebrecht unterstützt. Sie ist Dozentin am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation der TU Dresden und fokussiert sich in ihrer Promotion auf den praxisrelevanten Themenbereich der Geschäftsmodellinnovation.

Auf Basis der Ausgründung bringt FlexPower ultra-dünne und flexible Superkondensatoren auf den Markt, welche die Herausforderungen bestehender Lithium-Ionen-Batterien und Superkondensatoren auf Basis organischer Flüssigkeiten überwinden. Im Gegensatz zu anderen Produkten am Markt enthalten die innovativen FlexPower Superkondensatoren weder gefährliche Schwermetalle, noch organische Lösungsmittel oder giftig, entflammbare oder explosive Chemikalien. Im Gegensatz zu den auf dem Markt befindlichen Produkten sind die innovativen FlexPower-Superkondensatoren wasserbasiert und verwenden Graphen anstelle von Schwermetalloxiden. Daher enthalten sie weder gefährliche Schwermetalle noch giftige Chemikalien oder organischen Lösungsmittel. Dabei verzichten die FlexPower-Produkte vollständig auf entzündliche und explosive Chemikalie als auch auf kritische Rohstoffe, die unter höchst unethischen Bedingungen in unterentwickelten Ländern abgebaut werden.

Durch ihre hohe Sicherheit und Nachhaltigkeit erreichen sie überdurchschnittliche elektrische Leistungen und vereinfachen durch drahtloses und schnelles Laden bestehende Anwendungen. Auf der neuen Technologie können andere innovative Produkte entwickelt werden, z.B. für den rasant wachsenden Markt von IoT-Geräten und Wearables.

FlexPower hat sich von Anfang an das Ziel gesetzt nachhaltig zu agieren, indem das Team zu fünf der durch die UN definierten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) beitragen möchte. Die wasserbasierten, nachhaltigen, wiederaufladbaren Superkondensatoren leisten mit ihrer langen Lebensdauer sowie einer hohen Recyclingquote als saubere Energiequelle einen Beitrag zum Klimaschutz, womit sich FlexPower auch als Vorbild für nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum sieht. Aufgrund ihrer hohen Sicherheit hat die Technologie das Potenzial, in Zukunft auch in biomedizinischen Anwendungen (z.B. Hautpflaster und Bio-Implantate) eingesetzt zu werden und damit das Wohlbefinden der betroffenen Patienten deutlich zu verbessern.

Die innovative Strahlkraft der Produktinnovation mit ökologischen und ökonomischen Vorteilen ist treibend für den Markteinstieg, da der radikale innovative Vorsprung Ressourcen an sich zieht und ein umfassender Schutz des geistigen Eigentums ein technologisch bedingtes Monopol zur Folge hat. Das Geschäftsmodell folgt in diesem Fall der Technologie, ohne dass es zu einer Abweichung des Geschäftsmodells vom Industriestandard kommen muss.

Sustainable Business Model Innovations (SBMI) am Beispiel von SAMPOCHEM

Anlegen per Smartphone: Generation Neobroker

Neo- und Smartphone-Brokern wollen einen leichten Einstieg in den Handel mit Wertpapieren und einen unkomplizierten Zugang zu lukrativen Geldanlagen ermöglichen.

Neo- und Smartphone-Broker erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Sie bestechen durch zahlreiche Vorteile und ermöglichen einen leichten Einstieg in den Handel mit Wertpapieren. Gleichzeitig sind sie bestrebt, eine Demokratisierung des Aktienmarktes voranzutreiben. Der unkomplizierte Zugang zu lukrativen Geldanlagen wird dadurch für zahlreiche Menschen ermöglicht.

Was ist ein Neobroker?

Bei Neobrokern handelt es sich um eine ganz neue Generation der Online-Broker. Dies wird auch anhand der Namensgebung deutlich. „Neo“ bedeutet so viel wie neu. Ein Neobroker ist somit ein neuer Broker. Der Fokus von Neobrokern liegt dabei auf innovativen Konzepten, welche Anlegern einen einfachen Einstieg und Handel mit Wertpapieren ermöglichen möchten. Der umfängliche Neobroker Vergleich etwa von Finanzwissen.de hilft dabei, den passenden Neobroker für einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in das Brokergeschäft zu finden. Gleichzeitig bieten die neuen Broker lukrative Angebote, wodurch dem Wertpapierhandel neues Leben eingehaucht werden kann.

Neobroker oder klassischer Broker?

Die Generation Neobroker befindet sich auf dem Vormarsch. Vielen Anlegern und Interessierten ist jedoch gar nicht bewusst, worin sich der neue Broker von einem klassischen Broker unterscheidet. Aufgrund dessen steht oftmals die Frage im Raum: „Was ist der Unterschied zwischen einem Neobroker und einem klassischen Broker?“. Die Frage lässt sich jedoch leicht beantworten. Neo- und Smartphone-Broker bieten eine fokussierte und neuartige Herangehensweise an. Der Fokus liegt auf einem dedizierten Bereich des Wertpapierhandels. Herkömmliche Broker sind hingegen breit aufgestellt, sodass aus einem großen Angebot aus Dienstleistungen und Tradingmöglichkeiten ausgewählt werden kann. Diese Herangehensweise kann insbesondere für Neueinsteiger überfordernd sein.

Da sich Neobroker im Gegenzug auf bestimmte Bereiche, wie den ETF-Sparplan spezialisiert haben, bestechen sie im Brokergeschäft durch Expertise und fachliche Kompetenz. Wichtig ist aber zu wissen, dass sich Smartphone-Broker meist ausschließlich auf mobile und digitale Anwendungen spezialisiert haben. Neobroker haben sich zudem zum Ziel gesetzt, dass sie eine Demokratisierung des Aktienmarktes vorantreiben möchten. Im Umkehrschluss bedeutet das einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu Regionalbörsen und den unterschiedlichen Tradingmöglichkeiten. Das Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen einen Zugang zu Geldanlagen mithilfe des umfangreichen Vergleichs haben. Die neuen Broker können Anlegern zudem den Handel mit Wertpapieren zu günstigen Konditionen anbieten.

Doch warum können Neobroker im Vergleich zu Banken so günstige Gebühren anbieten? Neo- und Smartphone-Broker finanzieren sich durch Provisionen, welche sie von Handelsplätzen oder Börsen erhalten. Konnte ein passender Broker im Neobroker Vergleich gefunden werden, so wird eine Aktie gekauft. Für diesen Kauf über einen Handelsplatz erhalten die neuen Broker eine Vergütung. Das ist der Grund, warum sie moderate Gebühren anbieten können und auch für Einsteiger besonders interessant sind. Des Weiteren liegt der Fokus auf dem Kerngeschäft, sodass Kosten für Personal oder einen Standort eingespart werden können. Die Rechnung ist dabei einfach. Je geringer die Kosten ausfallen, desto kostengünstiger kann der Service angeboten werden.

Die Vorteile im Überblick

Neobroker sind nicht nur für Einsteiger besonders interessant, sondern auch für erfahrene Anleger. Erfahrene Anleger sollten zudem aufgrund der Preisrevolution einen Depotumzug in Betracht ziehen. Die Vorteile im Überblick helfen bei der Entscheidungsfindung und ermöglichen eine neuartige Finanzierungsmöglichkeit.

  • Der Einstieg: Mithilfe eines Neobrokers erhalten sowohl Einsteiger als auch routinierte Anleger einen vereinfachten Einstieg in das Brokergeschäft und den Handel mit Wertpapieren. Gleichzeitig erfolgt dadurch eine Demokratisierung des Aktienmarktes, wodurch auch Einsteiger eine bessere Chance erhalten.
  • Die Preisrevolution: Ein klarer Vorteil liegt eindeutig in der Preisrevolution. Mussten Anleger einst eine Mindestordergröße von 1.000 Euro vorweisen, liegt die Mindestordergröße bei einem Neobroker meist zwischen 100 und 500 Euro. Des Weiteren bieten die neuen Broker ihren Service zu günstigen Konditionen an, welches auch in den Gebühren für Ausführungskurse deutlich wird.
  • Transparenz und Struktur: Durch den Handel mit Wertpapieren vom Smartphone aus, haben Anleger ihre Finanzen und Geldanlagen stets im Blick. Dies ermöglicht ein schnelles Reagieren auf Veränderungen an den Regionalbörsen. Gleichzeitig ist die Oberfläche benutzerfreundlich und übersichtlich.

So findet man den passenden Neobroker

Auch wenn der Handel mit Wertpapieren außerhalb der normalen Handelszeiten lukrativ ist, sollte der Online-Broker mit Bedacht ausgewählt werden. Ein umfangreicher Neobroker Vergleich unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Schließlich passt nicht jeder Broker zu jedem Anleger. Bei der Wahl des Neobrokers sollten die Kosten das wichtigste Kriterium darstellen. Dazu zählen sowohl die Ausführungskurse als auch die Mindestordergröße. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, welche Handelsplätze ein Broker anbietet. Viele Neobroker fokussieren sich dabei auf Regionalbörsen und bieten überwiegend zwischen einem und zwei Handelsplätzen an.

Ebenfalls relevant ist die Angebotspalette. Hierfür ist es wichtig zu wissen, mit welchen Wertpapieren gehandelt werden soll. Die Angebotspalette der meisten Neobroker umfasst den Handel mit Aktien, ETFs, Optionsscheinen sowie Krypto-ETFs und Hebelprodukten. Investition statt Inflation ist wichtig, jedoch sollte die ausgewählte Geldanlage auch zu den persönlichen Anforderungen und Möglichkeiten passen.

Bei dem Handel mit Wertpapieren sollte zudem ein besonderes Augenmerk auf die mögliche Rendite gelegt werden. Ein Depotumzug kann sich als lohnend erweisen, wenn das neue Depot über günstige Gebühren sowie hervorragende Leistungen verfügt.

Fazit

Neobroker stellen eine optimale Alternative zu klassischen Brokern dar. Sie zeichnen sich durch günstige Gebühren wie die Ausführungskurse, individuelle Investitionsmöglichkeiten sowie einen einfachen Einstieg in den Wertpapierhandel aus. Vor der Entscheidungsfindung wie bei einem Depotumzug sollte jedoch ein umfänglicher Neobroker Vergleich angestrebt werden. Dieser hilft dabei, den passenden Online-Broker zu finden.

Richten Sie Ihr eigenes virtuelles Spieleentwicklungsstudio ein: Wie man es macht.

Sie haben schon immer davon geträumt, in der Videospielbranche zu arbeiten, wissen aber nicht, wo Sie anfangen sollen? Wir zeigen die wichtigsten Do-dos.

Die Einrichtung eines eigenen virtuellen Entwicklungsstudios für Games ist ein guter Weg, um in die mobile Spieleindustrie einzusteigen. Mit den richtigen Tools und ein wenig Know-how können Sie Ihre eigenen Handyspiele entwickeln und sie schnell und einfach auf den Markt bringen.

Was Sie für den Einstieg brauchen

Um loszulegen, brauchen Sie ein paar Dinge: Zunächst einmal eine gute Idee für ein Spiel. Das kann alles sein, von einem einfachen Puzzlespiel bis hin zu einem intensiven Multiplayer-Erlebnis. Die Branche der mobilen Spiele ist riesig und die Anwendungen für die Entwicklung mobiler Spiele sind vielfältig. Deutschsprachige Anwendungen profitieren von der Verbreitungsmöglichkeit im wirtschaftlich starken DACH-Raum. Einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der mobilen Spieleindustrie ist die Online-Glücksspielbranche. Wenn Sie mit Ihrer Entwicklung erfolgreich sind, könnte Ihre Arbeit auf einer Vielzahl von Plattformen zu finden sein, z.B. in einem Online Casino der Schweiz neu auftauchen oder als Download auf Gaming Plattformen und in App-Stores zu finden sein.

Sobald Sie Ihre Idee haben, müssen Sie einen Weg finden, sie zu entwickeln. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können entweder einen professionellen Spieleentwickler beauftragen oder eine der vielen Spielentwicklungsplattformen nutzen, die online verfügbar sind.

Welche Art von Spielen Sie entwickeln sollten

Es gibt viele verschiedene Genres und Untergenres von Videospielen, daher ist es wichtig, dass Sie dasjenige auswählen, das Ihren Interessen und Fähigkeiten am besten entspricht. Eine beliebte Option sind Handyspiele. Mit über zwei Milliarden aktiven Smartphone-Nutzern auf der ganzen Welt gibt es einen riesigen potenziellen Markt für Handyspiele. Außerdem ist die Entwicklung für mobile Plattformen im Allgemeinen weniger komplex und zeitaufwändig als die Entwicklung für Konsolen oder PC. Wenn Sie also darüber nachdenken, Ihr eigenes virtuelles Gaming Studio zu gründen, sollten Sie die Entwicklung von Handyspielen in Betracht ziehen. Mit einem großen potenziellen Markt und einem relativ einfachen Entwicklungsprozess könnten Sie auf dem Weg zum Erfolg sein.

Wie Sie Ihre Spiele vermarkten

Es gibt viele Dinge zu beachten, wenn Sie Ihr eigenes virtuelles Studio gründen. Eine der wichtigsten Fragen ist, wie Sie Ihre Spiele vermarkten werden. Es gibt einige Möglichkeiten:. Die einfachste und altmodischste Form ist die Mundpropaganda. Erzählen Sie Ihren Freunden und Verwandten von Ihren Spielen und bitten Sie sie, sie weiterzuempfehlen!

Eine weitere leicht zugängliche Option sind die sozialen Medien. Richten Sie eine Twitter- oder Facebook-Seite für Ihr Studio ein und posten Sie Updates über Ihre Spiele. Sie können Online-Communities und Foren zum Thema Mobile Gaming beitreten und Ihre Entwicklungen dort mit potenziellen Spielern teilen. Sie können auch an Online-Diskussionsforen teilnehmen und Ihre Spiele in Ihrer Signatur erwähnen.

Bezahlte Werbung ist eine weitere Option, dabei müssten Sie etwa Werbeflächen auf beliebten Webseiten für Spiele oder auf Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter kaufen. Eine weitere Möglichkeit des Marketings ist das Sponsoring von Gaming-Events oder Streamern, die Handyspiele spielen.

Warum die Entwicklung Ihres eigenen virtuellen Spielestudios eine großartige Gelegenheit ist

Es gibt viele Gründe, warum die Einrichtung eines virtuellen Spielestudios aufstrebenden Spieleentwicklern eine großartige Gelegenheit bietet, ihre Talente in Erfolgsgeschichten zu verwandeln.

Zunächst einmal haben Sie die volle Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal - wenn Sie erfolgreich sind, liegt es an Ihnen und Ihrem Team. Sie können von jedem Ort der Welt aus operieren - alles, was Sie brauchen, ist eine gute Internetverbindung. Auch die Einstiegshürden sind relativ niedrig - Sie brauchen keine teuren Geräte oder Räumlichkeiten. Es gibt einen wachsenden Markt für mobile Spiele - immer mehr Menschen spielen sie jeden Tag und die mobile Spieleindustrie wird in den kommenden Jahren exponentiell wachsen. Wenn Sie also eine Leidenschaft für Spiele haben und Ihr eigenes Studio gründen wollen, könnte dies der perfekte Zeitpunkt dafür sein.

Fazit

Die Zukunft der Spieleindustrie ist eine, in der viele kreative Menschen mit ihrem eigenen Studio Fuß fassen wollen und können. Und es ist nicht so schwierig, wie es vielleicht scheint. Mit ein wenig Planung und einigen grundlegenden Kenntnissen für den Anfang können Sie sich auf den Weg zum Erfolg machen.

Die Spielebranche - noch immer ein Zukunftsmarkt?

Wie sieht es für jungen Unternehmen aus, die mit nachhaltigen Strategien in der Spielebranche Fuß fassen möchten?

Immer wieder heißt es, dass bestimmte Teilbereiche der Spielebranche tot sind oder überhaupt erst keine Zukunft in der Chance haben. Das Beispiel, das in diesem Zuge oft genannt wird, befasst sich mit der Anfangszeit der Computerspiele. Zahlreiche Experten sahen diese als einen bloßen Trend an, der keine wirkliche Chance hat, denn der geneigte Spieler wird davon schnell wieder ablassen und zurück zu Gesellschaftsspielen finden. Wie so oft haben sich die großen Experten getäuscht, heute tätigen die Entwickler von PC- und Konsolenspielen Umsätze im mehrstelligen Milliardenbereich.

Doch wie sieht es mit jungen Unternehmen aus, die
mit nachhaltigen Strategien in der Spielebranche Fuß fassen möchten? Besteht überhaupt noch die Chance, gegen die wirklich großen aus der Szene anzutreten und was braucht es, um gegen diese zu bestehen?
Tatsächlich sind es in der Spielebranche nach wie vor die Ideen, die eine Grundlage für alles bilden. Ohne die Idee ergibt es für ein Start-up erst gar keinen Sinn, ein Konstrukt darum herum zu entwerfen. Natürlich braucht es weiterhin ein starkes Team und die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen. So muss etwa
beim Skalieren des Unternehmens präzise der Markt eingeschätzt werden. Gelingt es einem tatsächlich, ein eigenes Produkt zu vermarkten, so ist es zum einen schlimm, wenn mit der Produktion und der Logistik nicht mitgehalten werden kann, zum anderen noch schlimmer, wenn der Umsatz und die Gewinne nicht ausreichen, um die große Produktion und das Team zu bezahlen.

Ohne erfahrenes Team ist Erfolg kaum möglich

PC- und Konsolenspiele sind die Domäne der großen, namhaften Hersteller. Als kleines Start-up hat man hier kaum eine Chance. Das sieht allerdings vollkommen anders aus, wenn es um iOS Spiele geht. Der Umfang von Apps ist in keiner Weise mit dem eines Konsolenspiels zu vergleichen. Oftmals steckt hinter einem einzigen Spiel ein einzelner Entwickler, der damit einen Überraschungserfolg landet.

Wie einfach das Programmieren von Apps oder ähnlich kleinen Programmen sein kann, das zeigen diese Apps. Tatsächlich kommt es bei einer App oder bei kleineren Spielen, die in erster Linie für das Smartphone gedacht sind, noch weitaus mehr auf die gute, grundlegend neue Idee an. Die Konkurrenz ist groß, das bedeutet allerdings auch, dass die Mehrheit der angebotenen Spiele oder Apps nicht unbedingt von bester Qualität ist. Mit einem engagierten Team, dem richtigen Marketing und einer eifrigen Pflege der App, die sich durch Updates und neue Versionen manifestiert, ist der Erfolg tatsächlich planbar.

Je einfacher, desto erfolgreicher

Dass die simpelsten Ideen manchmal die besten sind, das versteht sich mittlerweile von selbst. Gerade, wenn es um das Spielerische geht, braucht es oftmals nicht viel, um jemanden von seiner Idee zu überzeugen. Der Anfänger schätzt einfache Spiele, sie ermöglichen ihm, sich langsam und mit System voranzutasten. Wer sein Genre oder seine Spielreihe für sich gefunden hat, der wird sich ohnehin für komplexere und schwierigere Spiele in Zukunft entscheiden, das versteht sich von selbst. Doch für junge Unternehmen, die den Erfolg in der Spielebranche suchen, ergibt sich damit die Gewissheit, dass die besten Möglichkeiten in den einfachen und kleinen Dingen zu finden sind. Ein nachträgliches Skalieren ist immer zu einem späteren Zeitpunkt möglich, sodass der Fokus mit Nachdruck auf die erfolgreichen Anfänge gelegt werden darf.

Die Trinkgeld-Retter

Mit dem Bargeld stirbt das Trinkgeld: Die Vision des Münchner Start-ups eDrixx ist, allen Servicekräften mehr Trinkgeld zukommen zu lassen und damit die Dienstleistungsbranche zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld zu machen.

Im Einzelhandel etwa werden nur noch 38,5 Prozent der Transaktionen über Scheine und Münzen abgewickelt. Der Anteil der Deutschen, die im Handel und im Dienstleistungssektor mit Bargeld zahlen, sackt von 2021 auf 2022 um zwölf Prozent ab. Soweit aktuelle Erhebungen.

Für viele Verbraucher bedeutet dies ein Mehr an Convenience, doch für Deutschlands Dienstleistungsgewerbe wird der Trend hin zur bargeldlosen Bezahlung zu einer echten Herausforderung. Nämlich immer dann, wenn es um Trinkgeldzahlungen geht.

Die Krux mit dem Trinkgeld

Für Arbeitgebende, weil sie sich in einer steuerlichen Grauzone befinden und einen immens hohen Aufwand haben, wenn sie Trinkgeldzahlungen per Karte akzeptieren. So müssen diese Trinkgelder aus den Abrechnungen des Unternehmens herausgerechnet und bar verteilt werden.

Für Arbeitnehmende, weil sie häufig zu wenig oder gar kein Trinkgeld bekommen. Etwa, wenn der Gast kein oder kaum Bares dabeihat oder auch, wenn Servicekräfte (zum Beispiel Küche) für den Gast gar nicht sichtbar sind.

Einfach, innovativ, effizient

Genau hier setzt das Münchner Start-up eDrixx an. Das Unternehmen bietet europaweit die gleichnamige digitale Trinkgeldlösung, die alle oben genannten Hürden überwindet. Sie ermöglicht die transparente, faire und direkte Zahlung von Trinkgeld per Mobile Payment auf das Konto der jeweiligen Servicekraft – ohne Umwege über die Konten des Betriebs – so, wie es auch vom Gesetzgeber gedacht ist. Ganz einfach per QR Code oder NFC Tag vor Ort.

Trinkgeldgebende müssen sich weder registrieren noch eine App herunterladen – bezahlt wird wahlweise über Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte. Die Servicekraft identifiziert sich dabei über einen QR-Code. Alternativ oder auch ergänzend können die Mitarbeitenden entsprechende NFC Tags mit sich tragen. Auch digitale Team-Kassen sind möglich. Durch die Digitalisierung von Trinkgeld entstehen auch neue Möglichkeiten, z.B. Trinkgeld auch direkt an Küchenteams für ein besonders leckeres Essen zu geben.

eDrixx liefert die technologische Lösung und unterstützt auch bei der Bereitstellung der Infrastruktur vor Ort – von NFC Tags wie z.B. Armbändern und den QR Codes über Aufsteller bis hin zu Infoflyern in der jeweiligen CI des Unternehmens. Für jede Transaktion erhebt das Unternehmen eine Gebühr – Fixkosten fallen nicht an. Mit ihrem Angebot zielt eDrixx in erster Linie auf die Gastronomie. Aber auch andere Dienstleistungsbranchen, in denen Trinkgeld üblich ist, können von eDrixx profitieren.

„Trinkgeld ist für viele Servicekräfte ein entscheidender Einkommensfaktor. Wir wollen, dass dieser erhalten bleibt, weiter ausgebaut und zudem fair verteilt wird. Das steigert die Arbeitszufriedenheit und leistet zugleich einen Beitrag, die Attraktivität vieler Dienstleistungsbranchen zu erhalten, bei gleichzeitiger Entlastung von Arbeitgebern.“ so eDrixx-Geschäftsführer Rolf Zimmer, der das Start-up gemeinsam mit Sabine Stark, Christian Steinpichler und Chris Blättermann gegründet hat.

Das Deep-Tech-Ei

BioNTech oder Celonis haben es hierzulande eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Wer beim Gründen auf Deep Tech setzt, sichert sich im Idealfall „unfaire“ Vorteile und erhöht zugleich die Chancen, dem klassischen „Horse Race“ in den Märkten zu entfliehen.

Wer gründet, sieht eine Opportunity, mit der sich Geld verdienen und bestenfalls die Welt verbessern lässt. Aber das allein reicht nicht: Angesagt und cool sollte das Ganze ebenfalls sein. Immerhin ist das Unternehmen gerade zu Beginn Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und diese sehnt sich nach Reputation und Signaling, oder etwa nicht? Nur stellt sich die Frage, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Denn wäre er ein ökonomischer Geniestreich, würden nicht 80 bis 90 Prozent aller Start-ups in den ersten drei Jahren wieder vom Markt verschwinden.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, die allgemeine Gründer*innenmentalität, die allzu oft nach fancy Themen sucht, zu hinterfragen und künftig vermehrt mit Ideen an den Markt zu gehen, die zwar weniger glitzern, dafür aber ihren Gründer*innen einen „unfairen“ Vorteil versprechen.

Wenn Wissenschaft auf Technik trifft

Je offensichtlicher ein Business, desto kompeti­tiver ist es auch. Bei Deep Tech ist das anders. Anfänglich wenig auffällig, ist Deep Tech ein Sammelbegriff für disruptive Technologien, die entstehen, wenn Wissenschaft auf Technik trifft. Alle Dinosaurier, die heute das Silicon Valley beherrschen, sind aus einem „Deep-Tech-Ei“ geschlüpft: Google, Apple, Microsoft. Zu Anfang, aber auch bis heute besitzen diese Unternehmen einen unfairen technologischen Vorteil, der als Grundlage ihres Geschäftsmodells dient.

Doch was zeichnet Deep Tech aus? Ihre Erfinder*innen greifen wenig bis gar nicht auf Bestehendes zurück, im Grunde entwickeln sie eine Technologie von Grund auf neu. Digital getriebene Deep-Tech-Kategorien sind unter anderem Blockchain, AI/KI oder Quantum Computing. Hinzu kommen Hardware- bzw. Engineering-lastige Kategorien wie BioTech, Advanced Materials, Drones & Robotics, New Energy oder Space Tech. Wichtiges Kriterium: Die neue Lösung hat einen wissenschaftlichen Ursprung und muss den bestehenden um Längen voraus sein, am besten um das Zehnfache. Daher spricht man auch von einem „10x-Unterschied“.

Wie kann ein(e) Gründer*in von solch fortschrittlichen Technologie profitieren und damit auch noch Geld verdienen? Eine berechtigte Frage, da Deep Tech offenkundig viel Forschungsarbeit benötigt und damit einiges an Zeit und Ressourcen bindet. Dazu sei gesagt: Gründer*innen müssen Technologien gar nicht unbedingt selbst erfinden bzw. entwickeln, es gibt sie bereits! Sie benötigen lediglich Zugriff darauf, um sie zu einem Geschäftsmodell weiterzuentwickeln beziehungsweise eine relevante Applikation darauf aufzubauen.

Der Zugang zu Deep Tech

Oftmals entsteht Deep Tech in Universitäten und Laboren. Sagen wir, eine Doktorandin forscht gemeinsam mit ihrem Professor nach einem Leichtbauwerkstoff für die Luftfahrt, und plötzlich ertönt ein lautes „Heureka“. Ein wissenschaftlicher Durchbruch, denn der neue Werkstoff ist leichter und günstiger als alle vergleichbaren. Nachdem die Jubelschreie verstummt sind, schlägt der Professor vor, ein gemeinsames Spin-off zu gründen; eine Ausgründung aus dem universitären Umfeld, das die Doktorandin leiten soll. Nunmehr sieht sich diese mit vielen neuen Fragen konfrontiert: Wie kann ich aus dem Werkstoff ein konkretes Produkt bauen? Wie kann dieses der Luftfahrtbranche helfen? Und wie erhalte ich Zugang zu den Entscheider*innen auf Kund*innenseite und finde obendrein Wagniskapitalgeber*innen? Es liegt auf der Hand, dass sie damit schnell überfordert ist, weil die Aufgaben völlig konträr zu jenen sind, die sie an der Universität zu bewältigen hatte.

Deep Tech beginnt nämlich in der Forschung als blanke Theorie, weit entfernt von einem marktreifen Produkt. Ziel im ersten Schritt ist es, einen Prototyp zu entwickeln und Sympathisant*innen zu finden. Nicht selten aber stirbt eine disruptive Idee in diesem Stadium, weil unklar bleibt, wie genau das Produkt aussieht, das dem/der Kund*in hilft. Den Gründer*innen fehlt der Zugang zu den richtigen Kontakten und das Wissen darüber, was der Markt im Detail benötigt. Und selbst wenn es den Gründer*innen gelingt, ein geeignetes Produkt zu entwickeln, wartet da noch das zweite Tal des Todes auf sie: Vertrieb und Marketing. Bis zu 100 Mal teurer kann der Aufbau und die Vermarktung einer Deep-Tech-Anwendung werden, als lediglich den zugrunde liegenden Technologiekern (Building Block) dahinter zu erarbeiten.

Deep Tech in seine Bausteine zerlegen

Die Lösung scheint, Deep Tech in seine Bestandteile zu zerlegen. Soll heißen, die zuvor erwähnte Doktorandin braucht rechtzeitig Hilfe, um den Prototyp zu entwickeln. Ihr Spezialgebiet ist nun mal die Forschung, und wenn sie ihren wissenschaftlichen Meilenstein in ein marktreifes Produkt überführen will, benötigt sie Zugang zum Markt. Das ist die Chance für Entrepreneur*innen und Co-Gründer*innen, deren Spezialität zwar nicht die Forschung, dafür aber die marktseitige Weiterentwicklung der Technologie in praktischer Anwendung ist. Sie bringen das mit, was der Doktorandin fehlt: ein Gespür dafür, was der Markt gebrauchen könnte und wie sich damit Geld verdienen lässt.

Und wie lässt sich jetzt beides verbinden? Zum einen muss der Doktorandin oder dem Team des schon gegründeten Forschungs-Spin-offs klar werden, dass ihre Lösung einen Building Block darstellt, der meist verschiedene Probleme in unterschiedlichen Vertikals lösen kann. Zum anderen braucht es dafür Applikationen, d.h. konkrete Produktanwendungen, die auf Basis der Deep Tech entwickelt werden, und natürlich Entrepreneur*innen, die das Marktgespür aus einer bestimmten Nische – besser noch – für ein spezifisches Industrieproblem mitbringen. Die Schnittstelle kann eine Kooperation oder ein Application Programming Interface (API) sein. Wichtig ist, dass der Building Block forschungsnah bleibt, damit er fortlaufend weiterentwickelt werden kann.

Die Monetarisierung erfolgt dann über ein separates Unternehmen, das den starken Technologievorteil in Form eines Produkts, respektive einer Anwendung im Zielmarkt verkauft. Mithilfe dieser Logik geht es weg von „Lab to Market“ hin zu „Market to Lab“. Der Prophet soll also nicht mehr zum Berg, sondern der Berg zum Propheten kommen. Derzeit ist das noch ein händischer Prozess, der stark auf Zufall und auf der Fähigkeit zu Netzwerken beruht. Gelingt es aber, sowohl den Markt als auch die Forschung anhand von greifbaren Erfolgen hierfür zu sensibilisieren, kann ein herausragendes Modell für beide Seiten resultieren. Und damit würde Entrepreneurship das Allzeitproblem des mangelhaften Technologietransfers lösen.

Um die Erfolgschancen zu erhöhen, ist eine Schnittstelle zwischen Forschung und Markt sinnvoll, eine sogenannte Middleware-Company (meist als Spin-off aufgesetzt), die sich als Building Block zwischen der Applikation und dem Deep-Tech-Ursprung befindet. Sie hat einerseits Zugang zu den Lehrstühlen mehrerer Universitäten, eben dorthin, wo Deep Tech oft seinen Ursprung hat. Andererseits beschäftigt sich die Middleware-Company nicht direkt mit Einzellösungen (Applikationen) am Markt, sondern fokussiert auf die Rolle des Enablers (ggf. sogar als Plattform) und stellt den Applikations-Companies den Technologiekern zur Verfügung. Das Risiko von Deep Tech wird aufgeteilt, da sich jede Partei auf ihr jeweiliges Fachgebiet konzentrieren kann. Das verschlankt den Prozess und reduziert die Gefahr, das Rad neu zu erfinden oder sich in unnötigen Aufgaben zu verlieren.

Die Zeit ist reif für Deep Tech

Zwischen 2016 und 2020 wuchs der Deep-Tech-Markt um das Vierfache, gemessen an den Investitionen. Beflügelt haben dieses Wachstum globale Probleme, allen voran das Bevölkerungswachstum und die Klimakrise. Deep Tech könnte sich als ein Problemlöser erweisen und Gründer*innen wie Wagniskapitalgeber*innen mit verteidigbaren Technologien ausstatten. Unter Umständen erweisen sich Technologie und Anwendungsfeld im ersten Moment als weniger fancy, als ursprünglich erdacht, aber dafür könnten die Parteien einen echten Fußabdruck hinterlassen und außerdem ein differenziertes Geschäftsmodell mit kraftvollem Kern entwickeln, der lange Zeit unangreifbar bleibt.

Daraus resultiert der eingangs erwähnte unfaire Vorteil, der sich allerdings gesellschaftlich betrachtet als äußerst fair erweisen könnte. Und das wiederum erfüllt die Arbeit der Gründer*innen mit mehr Freude und Sinnhaftigkeit. Das wäre mit einem wettbewerbsintensiven Geschäftsmodell wohl kaum realisierbar.

Der Autor Prof. Dr. Bastian Halecker ist Founding Partner des German Deep Tech Institutes und Deep Tech Entrepreneur­ship @ XU Exponential University, www.germandeeptech.institute

Bluu Seafood: Fisch, zellfrisch!

Bluu Seafood ist das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat.

Wir sind auf dem besten Weg, unsere Ozeane und damit die Nahrungsquelle von Milliarden Menschen vollkommen zu zerstören. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gelten über 90 Prozent der weltweiten Fischbestände bereits seit 2020 als überfischt oder maximal befischt. Mehr als drei Billionen Meerestiere werden jedes Jahr getötet – ein Großteil davon als Beifang. Und auch für uns Menschen wird Fischkonsum immer gesundheitsschädlicher: Der Gehalt an Mikroplastik und anderen bedenklichen Stoffen wie Schwermetallen nimmt stetig zu. Dennoch bleibt Fisch beliebt: Pro Kopf verspeist jeder Deutsche 14 kg Fisch und Fischereierzeugnisse pro Jahr – Tendenz steigend. Hinzu kommt, dass viele Menschen weltweit selbstgefangenen Fisch brauchen, um sich und ihre Familien ernähren zu können. Wie lösen wir dieses Dilemma?

Meeresbiologe trifft auf E-Commerceler

Diese Frage treibt Sebastian Rakers schon lange um. Der promovierte Zell- und Meeresbiologe beschäftigt sich seit mehr als zwölf Jahren mit der Erforschung und Entwicklung von Fischzelllinien, unter anderem an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik (EMB; jetzt Fraunhofer IMTE) in Lübeck. 2018 traf er dann den Unternehmer Simon Fabich. „Mir ging es damals wie vielen Wissenschaftlern: Ich wollte gern mehr bewegen und den Transfer von der Forschung in die Praxis aktiv vorantreiben, traute mir aber ohne die nötige unternehmerische Erfahrung den Alleingang nicht zu“, erinnert sich Sebastian. „Als ich Simon traf, war schnell klar, dass wir uns prima ergänzen würden. Er als erfolgreicher Gründer mit der notwendigen betriebswirtschaftlichen Erfahrung, ich mit dem fundierten, wissenschaftlichen Know-how aus mehr als einem Jahrzehnt angewandter Forschung.“

Gemeinsam gründeten sie Bluu Seafood (damals noch Bluu Biosciences), das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat. Seit April 2021 zählt auch der US-Unternehmer und Molekularbiologe Dr. Christian Dammann als COO zum erweiterten Führungsteam. Mittlerweile hat Bluu 25 Mitarbeitende, die daran arbeiten, das kultivierte Fischfilet auf unsere Teller zu bringen.

Von der Zelle …

Am Anfang steht das natürliche Zellwachstum. Man entnimmt einem Fisch einmalig eine Zellprobe und extrahiert aus dieser Stammzellen, um im Anschluss eine sog. immortale Zelllinie zu entwickeln, die sich unbegrenzt vermehren und teilen lässt. Dafür braucht es viel Erfahrung und Geduld, will man wie bei Bluu Seafood die Immortalisierung der Zelllinien auf natürlichem Weg ohne gentechnische Manipulation erreichen. Die immortalen Zellen vermehren sich durch die Fütterung mit einem Wachstumsmedium – eine Flüssigkeit, die der Zelle alle zum Wachsen benötigte Nährstoffe gibt und ihr sagt, in welche Form sie sich differenzieren soll. Im Biofermenter erfolgt sodann die weitere Kultivierung.

 „Man kann sich den Prozess ähnlich wie in einer Brauerei vorstellen, nur dass wir Regenbogenforellen und Lachs herstellen statt Bier“, beschreibt Sebastian den Prozess mit einem Augenzwinkern. „Der Prozess verläuft ähnlich wie bei kultiviertem Fleisch, wobei Fische zwar tendenziell weniger hohe Wachstumsansprüche stellen, aber auch weniger erforscht sind. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die dieses Wissen haben.“ Setzt man dieses Wissen gut ein, wachsen die Zellen im Fermenter schließlich an Gerüststrukturen zu dreidimensionalen Produkten wie einem Fischfilet.

… zum Fischstäbchen

Allerdings wird es bis zum fertigen Filet noch bis mindestens 2024 dauern, denn ein Filet ist durch seine 3D-Struktur und die verschiedenen enthaltenen Zelltypen sehr komplex. Als erste Produkte wird das Foodtech-Start-up dieses Jahr die einfacher strukturierten Fischbällchen und Fischstäbchen vorstellen – sog. hybride Produkte, die neben Fischprotein auch andere gesunde, pflanzenbasierte Proteine enthalten. „Wenn wir wirklich den massenhaften Fischkonsum revolutionieren wollen, müssen wir logischerweise auch die Massenmärkte und -produkte adressieren“, betont Sebastian.

Als nächstes steht die Expansion nach Asien an, einer der größten Konsument*innenmärkte für Fischprodukte. Bluu kooperiert bereits mit dem chinesischen Unternehmen CellX, das kultivierte Schweinefleischprodukte entwickelt, um dort gemeinsam den Zulassungsprozess für alternative Proteine zu beschleunigen. „Für unsere Investor*innen sind alternative Proteine ein Investment in eine zukunftsträchtige, innovative Lebensmitteltechnologie, die komplett verändern wird, wie wir uns und wie sich die nachfolgenden Generationen ernähren. Aber sie sind auch ein Investment mit langem Atem“, erklärt Sebastian und ergänzt: „Das Business ist F&E-intensiv und auch die Zulassungsprozesse sind aufwendig. Bei geschätzten globalen Marktgrößen von bis zu einer Trillion (!) USD im Jahr 2035 lohnt es sich allerdings, früh mit einer starken Position im Markt und entsprechendem IP dabei zu sein.“

Das sehen die bisherigen Geldgeber*innen ähnlich: 2021 konnte Bluu Seafood in einer Seed-Runde mehr als 7 Mio. Euro einsammeln und einen internationalen Investor*innenkreis begeistern, darunter als Late Investor DX Ventures (Delivery Hero). „Wir sind mit unserer Technologie sehr skalierfähig, wir produzieren die weltweit am häufigsten konsumierten Fischarten und stellen noch dieses Jahr ein erstes Produkt vor. Damit ist Bluu Seafood bereits heute in der Lage, an den wenigen Wettbewerber*innen, die schon länger im Markt sind, vorbeizuziehen“, beschreibt Sebastian die Marktlage. „Für unsere Investor*innen und künftigen Kund*innen gilt das Motto: It’s never been more delicious to save our planet!“

Sebastians und Simons Tipps für andere Gründer*innen

1. Sei fokussiert: Gerade nach einer ersten erfolgreichen Fi­nanzierung prasseln hunderte Angebote auf dich ein, von denen du die meisten nicht brauchst. Vieles klingt verlockend, doch du solltest dich auf das konzentrieren, was dir wirklich hilft.

2. Bau dir ein Team auf, dem du bedingungslos vertrauen kannst: Es gibt so viele Aufgaben, die alle zeitlich kritisch sind. Daher brauchst du ein voll belastbares und gut funktionierendes Team, in dem sich jeder gegenseitig unterstützt. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, als Gründer*in loszulassen, Themen abzugeben und den Mitarbeitenden Vertrauen zu zeigen.

3. Bleib am Boden: Erfolg bringt Aufmerksamkeit und damit auch jede Menge Anerkennung. Dennoch halten wir es für enorm wichtig, am Boden zu bleiben und nicht abzuheben. Erfolg kommt nicht von allein, dafür muss weiter hart gearbeitet werden. Gerade in forschungsintensiven Bereichen zahlt sich Ausdauer aus.

4. Überlege gut, wessen Geld du nimmst: Neben der rein finanziellen Entscheidung ist es enorm wichtig, was ein(e) Investor*in dir noch bringen kann. Welche Kontakte hat er/sie, wie kann er/sie dich bei den nächsten Schritten und dem Wachstum unterstützen und dieses möglichst noch beschleunigen? Sieh es als Partnerschaft, denn du bist schließlich jemand, der Geld von anderen, die an dich glauben, einsetzt. Dafür und für den Erfolg solltest du dir Gedanken zu den langfristigen Zielen und Perspektiven machen.

5. Kenne deinen Markt: Wer gründet, brennt für seine Idee und kann andere begeistern. Wenn es um disruptive Ideen geht, sollte man aber bei allem Enthusiasmus die Kund*innen nicht aus dem Blick verlieren. Sonst besteht die Gefahr, an deren Nutzen vorbeizuentwickeln. Frühe User*innen-Tests und Feedback-Schleifen sind ein Muss.

zero44: Grüne Schifffahrt per Start-up-Power

Das vor Kurzem von den Berliner Flagship Founders ausgegründete Start-up zero44 will künftig Reedereien, Charterer und Schiffsmanager dabei unterstützen, ihr CO2-Management zu planen und optimieren.

Die Schifffahrt verursacht etwa drei Prozent der globalen Emissionen. Ihr Ziel ist es, bis 2050 CO2-neutral zu sein. Noch aber steigen die Emissionen, statt zu sinken – nach aktuellem wissenschaftlichem Stand werden sie im Jahr 2050 sogar 20 Prozent über den aktuellen Ausstoß-Werten liegen, so nicht bald entschieden gegengesteuert wird. Zugleich sind Veränderungszyklen in der Schifffahrt lang, hochmoderne Schiffe mit sparsamen Technologien werden sich erst ab ca. 2030 schrittweise verbreiten. Der Austausch der gesamten Welthandelsflotte dauert anschließend weitere Dekaden.

Deutlich früher allerdings müssen sich Schifffahrtsunternehmen mit den neuen gesetzlichen Anforderungen zur Emissionsreduktion auseinandersetzen: Schon ab 2023 treten die schärferen Klimaschutzvorgaben der IMO in Kraft, die Schiffe je nach ihrer CO2-Effizienz bewerten. Für Schiffe, die ein schlechtes Rating erhalten, müssen Eigner oder Betreiber dann konkrete Pläne vorlegen, um den CO2-Ausstoß zu verringern. 

Daneben steht auch die Aufnahme der Schifffahrt in den EU-Emissionshandel voraussichtlich kurz bevor. Tritt dies ein, müssen Schiffe wie in anderen Sektoren üblich CO2-Zertifikate erwerben, wenn sie in europäischen Gewässern agieren. Dies wird nach aktuellem Stand bei zahlreichen Akteuren zu massiven Betriebskostensteigerungen führen. Im Schnitt werden diese bei ca. einer Million Euro zusätzlich pro Schiff und Jahr liegen.

Weitere Regularien überall auf der Welt sind zu erwarten. Diese Gegebenheiten erfordern schnelle, wirksame Lösungen für eine nachhaltige CO2-Reduktion.

CO2-Strategien für bestmögliche Geschäftsergebnisse

Genau hier setzt zero44 an: Das Staqrt-up will seinen Kunden dabei helfen, die bestmöglichen Entscheidungen rund um ihre CO2-Emissionen zu treffen. zero44 greift dabei schon an einem sehr frühen Zeitpunkt in das CO2-Management ein. So erhalten Schifffahrtsunternehmen mit Hilfe der digitalen Lösung nicht nur einen umfassenden und tagesaktuellen Überblick über ihre Emissionen, sondern auch ganz konkrete Entscheidungshilfen für ihre CO2-Planung. Sie erfahren, welche kommerziellen Auswirkungen bestimmte Entscheidungen haben und wie sie ihre Prozesse daraufhin optimieren können.

Dafür werden diverse relevante Parameter und Optionen berücksichtigt: Dazu kann etwa die Planung der Dauer und Strecke einer Schiffsroute gehören, die sich stark auf den CO2-Ausstoß auswirken. Auch bereits bestehende IMO-Ratings für Schiffe werden in den Berechnungen einkalkuliert. In anderen Fällen wiederum kann es die geschäftlich sinnvollste Lösung für beteiligte Unternehmen sein, einen Aufpreis für höhere CO2-Emissionen zu zahlen - auch dies berücksichtigt zero44 in seinen Empfehlungen. Damit bietet das Unternehmen eine wirklich umfassende Lösung, mit der sich Unternehmen der Schifffahrt schnell und effizient nachhaltig aufstellen können.

„Die Schifffahrt braucht ganz dringend Lösungen, um nachhaltiger zu werden – und das nicht erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten, sondern jetzt sofort“”, sagt Friederike Hesse, Mitgründerin von zero44. “Der Klimawandel wartet nicht. Also gilt es, jetzt kreative und gleichzeitig langfristig wirksame Möglichkeiten zur CO2-Reduktion zu finden, die sich sofort einsetzen lassen: Auf allen Arten von Schiffen und unabhängig ihres Alters oder der genutzten Technologie. Bisher gab es dafür keine umfassenden und zufriedenstellenden Lösungen. Genau deshalb haben wir zero44 gegründet. Wir wollen Schiffsbetreibern bei dieser schwierigen Aufgabe helfen und mit ihnen gemeinsam die globale Schifffahrt nachhaltig und ressourcenschonend gestalten. Nur so ist sie zukunftsfähig.“

Flagship Founders dritte Start-up-Ausgründung

Flagship Founders ist der Founding Partner für Start-ups mit Fokus auf maritime Technologien, Logistik und Schifffahrt. Das in Berlin ansässige Unternehmen wurde im Mai 2020 gegründet und baut gemeinsam mit ambitionierten Gründerpers.nlichkeiten skalierbare Unternehmen mit digitalen Produktlösungen auf. Ziel ist es, Spitzentechnologien und Innovation in die Schifffahrtsindustrie zu bringen und damit die Zukunft der Branche mitzugestalten.

Dementsprechend groß ist die Freude über die erfolgreiche Ausgründung. Fabian Feldhaus, Managing Director und Mitgründer bei Flagship Founders: „Die Schifffahrt muss nun schnell sein und nachhaltig werden. Wir als Flagship Founders wollen dazu unbedingt beitragen und hatten das Thema schon früh im Blick. Gespräche mit verschiedensten Branchen-Akteuren und -Experten haben uns darin nur bestätigt: Wir sehen uns hier einer der größten Herausforderungen dieser globalen Branche gegenüber, und das für mindestens 30 Jahre. Die kommenden Regularien erfordern, dass sich alle Akteure hinsichtlich des Emissionsmanagements abstimmen. Die kommerziellen Auswirkungen der neuen Gesetzgebung müssen dabei berücksichtigt und Planungsprozesse darauf zugeschnitten optimiert werden. Das Potenzial in diesem Bereich ist riesig, das konnten wir im Vorfeld der Gründung validieren. Hier können wir unser Know-how im Aufbau digitaler Geschäftsmodelle besonders gut einsetzen. So fiel die Entscheidung für den Aufbau und die Ausgründung von zero44.“

Geleitet wird zero44 von Friederike Hesse und Nils Obermann, die beide als Managing Director und Mitgründer*innen fungieren. Das Unternehmen befindet sich derzeit in der Produktentwicklungsphase und fokussiert zudem auf den Aufbau des Mitarbeitenden-Teams und den Aufbau von Kundenbeziehungen. Der Launch der Software für den breiten Markt ist im Laufe des Jahres geplant.