Clean Tech: Enormes Potenzial für Umwelt und Unternehmen


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Experten-Interview mit Christian Heckemann, Geschäftsführer der gate Garchinger Technologie- und Gründerzentrum GmbH zur aktuellen Lage der Clean-Tech-Branche und dem Potenzial für Startups.

Als Geschäftsführer des 2002 gegründeten Inkubators gate Garchinger Technologie- und Gründerzentrum GmbH ist der gelernte Diplom-Kaufmann Christian Heckemann mit seiner Expertise rund um die Förderung von Tech-Startups der beste Ansprechpartner für innovative Gründer in der Region München. Wir haben ihn zum Thema Clean Tech und dessen Potenzial befragt.

Die Bezeichnung Clean Tech wird in der Unternehmenswelt immer geläufiger. Was bedeutet es genau und für welche Unternehmen ist das Thema relevant?

Christian Heckemann: Bei Clean Tech geht es einfach gesagt um saubere Technologien, also Innovationen rund um das Thema Reduzierung von CO2-Emissionen und Umweltverschmutzung sowie Ressourcenschonung. In unserem Kontext als Gründerzentrum denken wir dabei natürlich an Startups, die eine Geschäftsidee mit diesem Ziel realisieren. Hier im gate Garching unterstützen wir beispielsweise Unternehmen, wie „Delicious Data“, das mit einer Software den Einkauf von Großküchen steuert und damit Lebensmittelabfälle deutlich reduziert. Oder das Unternehmen „One Earth One Ocean“, das mit selbst konstruierten Schiffen Plastikmüll aus den Weltmeeren fischt. Das Thema ist ansonsten natürlich auch für alle anderen Unternehmen und Startups relevant, denn jeder Betrieb kann innerhalb der eigenen Möglichkeiten seinen Teil zum Klimaschutz beitragen. Dafür setzen wir uns ein.

Die Energiewende ist im Angesicht von Fridays for Future- und Klimaprotesten ein aktuelles Thema für Gesellschaft und Politik. Welche Chancen können hierbei Clean Tech Unternehmen für die Energiewende bieten?

Christian Heckemann: Die Energiewende ist auf jeden Fall ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz. Hier gilt, je größer die Anzahl an einsatzfähigen Innovationen ist, desto schneller wird die Energiewende gelingen. Das ist natürlich nicht nur eine Aufgabe für Startups, aber oft sind sie der Treiber von Innovationen. Der Clean-Tech-Begriff, über den wir gerade sprechen, ist jedoch umfassender. Er zielt nicht nur auf die Energiewende ab, sondern z.B. auch auf das effizientere Nutzen von Ressourcen, Vermeidung von unnötigem Abfall oder das Einsparen von CO2-Emissionen.

Das gate Garching ist für das Engagement in der Startup-Szene bekannt. Welchen Fokus setzen Sie dabei auf Startups im Clean-Tech-Bereich und wie sieht dieser konkret aus?

Christian Heckemann: Im gate profitieren Clean Tech-Unternehmen grundsätzlich von derselben Unterstützung, die auch die anderen High-Tech-Startups erhalten. Kurz zusammengefasst handelt es sich dabei um günstige Büros innerhalb einer Infrastruktur, die optimal auf Startup-Bedürfnisse zugeschnitten ist. Hinzu kommt intensives Business-Coaching, Unterstützung im Bereich Marketing und der Zugang zum Netzwerk. Aber unser Engagement geht darüber hinaus. Wir möchten die gate-Startups dazu motivieren, von Beginn an ihr Geschäftsmodell nachhaltig zu gestalten. Das können also auch Startups aus den Bereichen Medizintechnik oder Robotik sein. Konkret zeigen wir den jungen Unternehmen, wie sie z.B. den eigenen CO2-Fußabdruck messen, reduzieren und ausgleichen können. Hierfür bieten wir in Zusammenarbeit mit den Klimaschutzexperten von ClimatePartner kostenlose Experten-Sprechstunden und Seminare an.

Welche (Mega-)Trends zeichnen sich aktuell in Bezug auf Clean Tech ab und wie können solche Trends am besten unterstützt werden?

Christian Heckemann: Trends, die wir momentan beobachten, sind vor allem Software-Entwicklungen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz dabei helfen, Emissionen und Ressourcenverbrauch zu messen und dadurch Einsparpotenziale aufzeigen. Dazu widmen sich Startups der Aufgabe, bereits vorhandene Daten zu nutzen bzw. neue Wege zu finden, um die benötigten Daten zu sammeln.

Beispiele dafür sind OCELL aus München, die Förster mit Datenanalysen aus Luftbildern unterstützen oder das gate-Startup ECOSOPH, das die erste Internet of Biosphere-Plattform aufbaut, mittels sensorischem Umweltmonitoring. Dieser Trend kann durch die gleichen Mittel unterstützt werden, die auch anderen Startups helfen, nämlich Finanzierung, Netzwerk und Coaching.

Wie schätzen Sie die zukünftige Marktentwicklung in den kommenden drei Jahren ein?

Christian Heckemann: Ich schreibe dem Clean-Tech-Bereich eine stark wachsende Bedeutung in den nächsten Jahren zu. Denn immer mehr Investoren konzentrieren sich auf diesen Bereich – Geld ist ja bekanntlich ein großer Treiber. Zudem steigert das wachsende Umweltbewusstsein in der Gesellschaft die Motivation, „saubere Technologien“ zu entwickeln oder einzusetzen. Es wird immer deutlicher, dass sich technologische Entwicklung und Umweltschutz nicht gegenseitig ausschließen – im Gegenteil. Das bietet großes Potenzial für den nachhaltigen Erfolg von Clean Tech.

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Musik trifft KI

Künstliche Intelligenz hält Einzug in sämtliche Lebensbereiche, so auch in der Musik. Wir zeigen, welche Start-up-Innovationen dabei entstehen.

Am Beispiel von fünf Start-ups aus dem Portfolio des MediaTech Hub Accelerators in Potsdam wird deutlich, welchen Einfluss KI bereits heute hat. Mit ihren KI-Lösungen krempeln die Gründer*innen die Film- und Musikbranche um, entwickeln neue Technologien und erschließen innovative Geschäftsmodelle.

„Im Entertainment-Ökosystem in Potsdam-Babelsberg ist künstliche Intelligenz (KI), die unser tägliches Leben weiter beeinflussen wird, eines der zentralen Themen. Besonders im Bereich Musik. Doch wie genau profitieren wir von KI? Vereinfacht gesagt, übernimmt KI künftig immer mehr Prozesse und Routinen, die der Mensch bisher mit hohem zeitlichen Aufwand selbst erledigen musste. Die eingesparte Zeit kann beispielsweise für mehr Kreativität genutzt werden statt für monotone Arbeiten“, so Andrea Wickleder, Geschäftsführerin des MediaTech Hub Potsdam.

Als einer von zwölf Digital Hubs in Deutschland ist der Media­Tech Hub Potsdam der einzige mit einem Schwerpunkt auf ­MediaTech. Vertiefend im Startup-Programm MediaTech Hub Accelerator werden hier neue digitale audio-, visuell und ­videobezogene Technologien und Geschäftsmodelle erforscht, entwickelt und realisiert. Seit Gründung 2019 hat der MTH Accelerator 33 Teams aufgenommen. Jährlich haben bis zu 12 Teams die Möglichkeit, Teil des Portfolios zu werden. 14,5 Mio. Euro sind zwischen 2020 und 2022 in die Teams investiert worden.

Diese MediaTech-Start-ups entwickeln mithilfe von KI-Innovationen innerhalb der breit gefächerten Musikbranche.

AIBeatz

Gegründet wurde das Berliner MusikTech-Start-up AlBeatz im Jahr 2022 von Adrian Ligüerre und Daniel Murcia. Al­Beatz ist ein SAAS (Software as a Service), mit dem Musikschaffende wie Sänger*innen, Produzent*innen oder Con­tent Creator*innen, die ihre eigene Musik erstellen und verwerten können. Mithilfe der Online-Beatmaking-Plattform können sie ganz einfach mittels Echtzeit-KI-Musikkomposition in wenigen Sekunden einzigartige Beats kreieren und diese durch wenige Klicks personalisieren. So entstehen komplett neue und einzigartige Musikstücke, für deren Kreation keine Musikkenntnisse erforderlich sind. Jeder der hunderttausenden Tracks, die für das Training der Kompositionstechnologie verwendet wurden, ist von professionellen Musiker*innen und Produzent*innen gesampelt, synthetisiert und produziert worden. Zukünftig wird es Nutzer*innen möglich sein, Musik-NFTs für ihre Beats zu generieren. So können sie einfach die ­Musikrechte für ihre Kreationen zertifizieren und sich dadurch die Einnahmen sichern. „KI und Blockchain eröffnen neue Möglichkeiten für die Generierung und Distribution von Musik und helfen, derzeitige Copyright-Probleme drastisch zu verringern. Unsere Vision ist es, Künstler*innen und Unternehmen trotz des Einsatzes neuer Technologien einen konstanten Einfluss über den gesamten Kreativprozess zu ermöglichen. So könnte jeder der nächste Hitmaker sein“, so CEO Adrian Ligüerre.

Wunderflats: 7 Tipps aus 7 Jahren Unternehmensgeschichte

Arkadi Jampolski, Co-Gründer und COO von Wunderflats, mit sieben Learnings aus sieben Jahren Start-up-Unternehmertum.

Die sieben Weltwunder, die sieben Todsünden, sieben Jahre Pech, das verflixte siebte Jahr, im siebten Himmel: Kaum eine Zahl ist mit so vielen Mythen verbunden wie die Sieben. Immer wieder erscheint sie uns als relevante Größe, an der man Dinge misst. Auch für junge Unternehmen ist die Zahl Sieben ein relevanter Erfolgsindikator. Durchschnittlich 90 Prozent aller gegründeten Start-ups scheitern bereits nach fünf Jahren. Ist dieser statistische Meilenstein geschafft, kann es also nur noch nach oben gehen – so die Hoffnung.

Bei unserem 2015 gegründeten Berliner Unternehmen Wunderflats ist genau das der Fall gewesen. Aus einer einfachen Idee – möblierten Wohnraum einfach, flexibel und sicher zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen zu vermitteln – ist im siebten Jahr des Bestehens Deutschlands Marktführer für möbliertes Wohnen auf Zeit geworden. Dass der Weg vom jungen, wilden Start-up hin zum dynamischen Scale-up von Veränderung und Umbrüchen geprägt war, versteht sich von selbst. Wir teilen unsere sieben wichtigsten Learnings.

Verbindet Vielfalt durch eine gemeinsame Mission

Zahlreichen Studien zufolge ist ein diverses (Gründer-)Team erfolgreicher als ein homogenes. Meinen Mitbegründer Jan Hase und mich verbindet eine übereinstimmende Wertebasis – wir teilen eine Vision und verfolgen die gleiche Mission. Dass wir zudem beide aus bescheidenen Verhältnissen kommen, ist ein weiterer gemeinsamer Nenner. Doch Arbeit und Leben gestalten wir oft unterschiedlich. Für uns zählt Vielfalt – das gilt auch für die gesamte Wunderflats-Familie: Wir bringen Führungskräfte aus jungen Unternehmen wie GetYourGuide, AirBnB oder Flixbus mit anderen zusammen, die in sehr professionellen Konzernen wie Mercedes gelernt haben. Bei uns arbeiten Menschen mit Top-Uniabschlüssen, Kolleg*innen ohne Studium, junge und jung gebliebene Mitarbeitende ziehen an einem Strang und ergänzen einander. Denn für uns ist eines klar: Wer Unterschiedlichkeiten durch ein gemeinsames Fundament aus Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und transparenter Kommunikation zusammenbringt und eine vereinende Mission verfolgt, gewinnt.

Fortschritt im Markt für Fortschritt im Unternehmen

Eine weitere wichtige Erkenntnis, die Gründer*innen verinnerlichen sollten: Ein Unternehmen schwebt nicht auf einer einsamen Wolke, sondern ist immer eingebettet in ein Ökosystem aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Es lohnt sich für Unternehmerinnen und Unternehmer, sich mit anderen Stakeholdern zu vernetzen und gemeinsam die Branche voranzubringen, statt immer nur das eigene Unternehmen im Blick zu haben. Mein Co-Gründer Jan beispielsweise engagiert sich in mehreren Kommissionen wie der Bundeskommission für Digitalisierung oder der Bundesfachkommission Bau, Immobilien & Smart Cities, deren Arbeit indirekt auch auf unsere Unternehmensziele einzahlt. Auf diese Weise entstehen Symbiosen, die für alle Beteiligten sinnvoll und gewinnbringend sind.

Das Bauchgefühl durch Analysen zu unterdrücken ist fatal

Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer steht an irgendeinem Punkt im Unternehmenszyklus vor harten Entscheidungen. Die wichtigsten Fragen, die man sich in solchen Momenten stellen sollte, lauten: Wie groß ist das Erfolgspotenzial? Wie hoch sind die Kosten, diese Entscheidung in Zukunft zu ändern, anzupassen oder weiterzuentwickeln? Liegen alle Perspektiven auf dem Tisch? Wie viel Momentum verlieren wir, wenn wir uns nicht sofort entscheiden? Auch wenn die rationale Faktenlage noch so klar sein mag, am Ende darf eine Entscheidung auch immer emotional geprägt sein; durch das altbekannte Bauchgefühl. Wenn nötige Fakten fehlen, um eine Entscheidung zu treffen, hilft oft nur die Intuition. Und anders herum weist uns unser Bauchgefühl auch auf Entwicklungen hin, die sich vielleicht noch nicht in den Daten niederschlagen. Es ist wichtig, sich das bewusst zu machen, denn ein Momentum ist schnell vergangen und ohne Momentum gibt es keinen Fortschritt.

Kultur frisst die Strategie zum Frühstück

Ein weiterer Punkt mit enormer Strahlkraft ist die eigene Unternehmenskultur. Gerade für neue Teammitglieder und junge Menschen, die frisch in den Arbeitsalltag starten, bietet eine starke Firmenkultur eine hervorragende Orientierung dafür, welche Werte im Berufsleben hochgehalten und aktiv vertreten werden können. Die Formulierung und der erklärte Purpose sind das Eine – doch den schönen Worten müssen Taten folgen. Gemeinsame und von allen geteilte Werte sind so etwas wie der Kleber eines Unternehmens, der die verschiedenen Puzzleteile zusammenhält. Nur mit einer wertebasierten Unternehmenskultur können Teams das gemeinsame Ziel verfolgen und an einem Strang ziehen. Gerade für Unternehmen im Wachstum ist eine geteilte Kultur enorm wichtig, um Teams zusammenzuschweißen und nicht ins Micromanagement zu verfallen.

Lernen, lernen, lernen – und dabei den Fokus nicht verlieren

Je größer ein Start-up wird, desto komplexer werden die Herausforderungen, die mit dem Wachstum einhergehen. Die Offenheit für andere Meinungen und die Bereitschaft zu kontinuierlichem Lernen sind wesentliche Fähigkeiten einer guten Unternehmensleitung. Als Team profitieren wir vom ständigen Austausch zu Erfahrungen – auch mit neuen Kolleg*innen. Am besten lernt man differenziell. Der Begriff kommt aus der Sportwissenschaft und bezeichnet das explorative Testen unterschiedlicher Optionen: Man überlegt sich Abläufe oder Neuerungen und probiert sie aus. Dann wird geschaut, was gut funktioniert oder was stattdessen funktionieren könnte. Dazu sucht man sich Best Practices. Dem differenziellen Lernprozess vorangestellt ist die Fähigkeit, zu beobachten und zuzuhören. Stress, Ablenkung und Alltagslärm strapazieren unsere Präsenz und Aufmerksamkeit, so dass wir schließlich aufhören, dazuzulernen. Das kann zum Stillstand führen und am Ende zum selbstverursachten Ende des Unternehmens.

Jedes Unternehmen trägt als Teil der Gesellschaft Verantwortung

Jedes Unternehmen ist Teil der Gesellschaft und trägt damit Verantwortung. Jedes Team verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die es im Sinne der Gesellschaft zu nutzen gilt, nicht nur für den eigenen Unternehmenswert. Diese einzigartigen Fähigkeiten sollten dafür eingesetzt werden, um zuallererst den Firmen-Zweck, die eigene Mission zu fördern und voranzutreiben. Unterstützend braucht es Professionalität, ein funktionierendes Geschäftsmodell und damit verbundene Profitabilität, gesichert durch finanzielle Nachhaltigkeit – denn ein Unternehmen ist eine Organisationsform in der Gesellschaft, die Wohlstand schaffen muss, sonst kann es keinen gewinnbringenden Beitrag für die größere Mission leisten.

Sei bescheiden. Bleibe bescheiden

Zum Abschluss einer der wichtigsten Tipps für Gründer*innen: Vergesst nie eure Anfänge. Wir können unser Glück und den Zufall nicht beeinflussen. Wenn wir Glück haben, können wir mit unserer Leistung aber mehr daraus machen. Erfolg hängt also mit Leistung zusammen, es braucht dafür aber auch immer die entscheidende Portion Glück. Das Zurückbesinnen auf die eigenen Anfänge im Berufsleben, auf die individuelle Entstehungsgeschichte – und eben auf das Quäntchen Glück – erdet im Sog von Finanzierungsrunden und Expansion ganz besonders. Sei also bescheiden – und bleibe es.

Über Arkadi Jampolski

Arkadi Jampolski ist Co-Gründer und COO von Wunderflats. In Russland geboren und aufgewachsen, kam Arkadi mit acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Neben seinem Doppel-Bachelor-Abschluss (BA European Business & BSc Financial Management) war Arkadi einige Zeit selbständig und hatte bereits ein mal gegründet, bevor 2015 Wunderflats, die führende deutsche Plattform für möbliertes Wohnen auf Zeit, entstand.

Planet A Foods: kakaofreie Schokolade zum Fest

Das 2021 in München gegründete Start-up Planet A Foods will mit der weltweit ersten 100 % kakaofreien Schokolade Nocoa die Süßwarenwelt gehörig umkrempeln.

Noch haben sich viele Menschen nicht mit der Idee von Fleischersatz-Produkten, Milch-Ersatz-Produkten und Co. angefreundet. Doch mittel- bis langfristig dürfte der Trend – aus Gründen wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum – nicht aufzuhalten sein. Entsprechend sehen sich Forschende und Unternehmen nach weiteren Möglichkeiten um, gängige Lebensmittel mit (perspektivisch) umweltfreundlicheren Alternativen zu ersetzen. Eines davon ist das vom Geschwisterpaar Sara und Maximilian Marquart gegründete Münchner Start-up Planet A Foods. Mit Nocoa hat es eine Kakao-Alternative entwickelt – und steht knapp vor der Markteinführung.

Hafer ersetzt Regenwald-Rodung und Kinderarbeit

Der Hintergrund: Für die Kakaoproduktion werden jährlich große Regenwald-Flächen abgeholzt und es gibt ein massives Problem mit Kinderarbeit. Das Unternehmen setzt dagegen auf Hafer aus heimischer Produktion als wichtigste Zutat. Auch sonst nutzt Planet A Foods auf regionale Bestandteile.

Ersetzt werden im Nocoa sowohl Kakaopulver als auch Kakaobutter. „Wenn man Hafer richtig fermentiert und röstet, erhält man sehr ähnliche Aromen wie im Kakao“, erklärt Sara Marquart gegenüber der deutschen WirtschaftsWoche. Dazu adaptierte das Start-up Verfahren zur Fermentation. Bei Blindverkostungen sollen laut dem Start-up auch Lebensmittelexpert*innen den Unterschied zu gewöhnlicher Schokolade nicht geschmeckt haben.

Große Skalierungspläne mit Nocoa

Planet A Foods hat bislang rund sechs Millionen Euro Investment aufgenommen, unter anderem von Cherry Ventures aus Berlin, und hat am renommierten Y-Combinator-Accelerator-Programm im Silicon Valley teilgenommen. Überzeugt haben dürfte man die Geldgeber*innen auch mit der Strategie. Das Start-up will nämlich nicht – wie andere vergleichbare Unternehmen – erst einmal ein Edel-Produkt auf den Markt bringen, sondern fokussiert darauf, Schokolade in Massenprodukten wie Schokoriegeln zu ersetzen.

Die Vision laut Maximilian Marquart: „Eine Lebensmittelfirma aufbauen, die 500 Megatonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen kann“. Derzeit baut das Start-up im tschechischen Pilsen eine 1000-Quadrameter-Halle, in der 400 Kilogramm Nocoa-Schokolade pro Stunde hergestellt werden sollen. Und der geplante Marktstart dürfte auch nicht zufällig gewählt sein – knapp vor Weihnachten soll es soweit sein.

Christopher Roskowetz: Serial Founder und Start-up-Investor

Mit seinem Vorsatz: „Ich will mich selbst in meinen Start-ups überflüssig machen“, setzt Christopher Roskowetz ein klares Statement in Sachen Unternehmens- und Mitarbeitendenführung.

Herausforderungen und Chancen finden. Das war seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn die Devise von Christopher Roskowetz. Ob bei der Gründung seines ersten Unternehmens direkt nach der Ausbildung, als Co-Founder und Managing Director bei Jung von Matt TECH oder heute als Co-Founder und CEO von bluplanet. Mit seinem neuesten Venture hat er den Nerv der Zeit getroffen. Der digitale Marktplatz für Cloud-Lösungen ermöglicht Unternehmen die digitale Transformation und verändert dabei nachhaltig das Einkaufsverhalten im Softwaremarkt.

Digitalisierung hängt in Deutschland noch um Jahre zurück

Die Suche nach neuen Anstößen hat Christopher bisher an die verschiedensten Ecken der Welt gebracht. Ob als Business Director bei Interone China in Peking oder Director Digital Consulting bei BBDO Worldwide in New York. In China ist ihm die Bedeutung der Digitalisierung nochmal deutlich geworden. „5 Stockwerke unter der Erde in einer Mall Mails beantworten war in China kein Problem. In Deutschland muss man vorsichtshalber noch Termine verschieben, wenn man zu dieser Zeit im Zug sitzt und sich mal wieder nicht auf die stabile Internetverbindung verlassen kann.“

Angespornt, hier einen Unterschied im Heimatmarkt machen zu wollen, hat er nach seiner Rückkehr nach Deutschland 2018 Jung von Matt TECH ins Leben gerufen und war dort in den folgenden Jahren Managing Director. Er galt als einer der jungen Rebellen und Vorreiter. Eine Tatsache, die ihn vor allem bei anderen jungen Talenten zum Vorbild gemacht hat und ihm noch heute bei der Bindung von Mitarbeitenden zu Gute kommt.

Talente erkennen und über Unternehmensgrenzen hinweg halten

Christophers Anspruch ist, mit Hilfe der täglichen Arbeit nachhaltig etwas an den Planeten und die Mitmenschen zurückzugeben. Sein Talent, Trends in der Wirtschaft richtig zu deuten, zieht neben der Aufmerksamkeit von möglichen Partner*innen und Investor*innen auch aufstrebende potenzielle Mitarbeitende an. „Es ist wichtig, eine Perspektive zu bieten und die Positionen auch entsprechend zu verändern, damit es spannend bleibt.“ Diese Einstellung zieht an, und so sind Christopher auch schon mehrere Mitarbeitende über Unternehmensgrenzen hinweg gefolgt. Thorge Wandrei, der heute mit 25 Jahren als Product Engineer den gesamten Markenauftritt bei bluplanet gestaltet und verantwortet, dazu: „Was auf meiner Visitenkarte steht, ist mir total egal. Ich bin Unternehmen und Personen treu, an die ich glaube, die mich fördern und damit weiterbringen.“ Er hatte seinen Start bei Jung von Matt TECH und ist Christopher zu bluplanet gefolgt. Die Methode der Mehrfachanstellungen hat für beide Seiten den Vorteil, dass persönliche Kompatibilität und Stärken der Beteiligten im Mittelpunkt stehen. Für Arbeitnehmende ein Plus, da sie so bei der Wahl der Position viel freier sind. Weniger das fachliche Wissen ist entscheidend, sondern vielmehr das Zusammenspiel im Team. Fehlende Fachkompetenzen und -wissen können durch Fort- und Weiterbildungen gelernt werden, auf die gleiche Wellenlänge zu gelangen, ist weitaus schwieriger.

Fünfjahresplan: Fehlanzeige

Mit 33 Jahren ist Christopher noch immer kein Freund von Plänen. Wo er in fünf Jahren sein wird, kann er nicht sagen. Ihm sind Abos, Leasing und Miete lieber als fester Besitz – so kann er schneller den Standort wechseln. Aus diesem Grund ist in seinen Augen besonders wichtig zu wissen, wo die eigenen Stärken liegen, welches Fachwissen man lernen kann, aber vor allem auch zu erkennen, wenn ein(e) andere(r) es besser kann. Er baut in seinem Start-up ein Team um sich herum auf, das ihn im Idealfall irgendwann nicht mehr braucht. „Ich will mich selbst in meinen Start-ups überflüssig machen. Wer den Job in ein paar Jahren besser macht als ich, soll ihn übernehmen“. So hat er im Gegenzug dann wieder mehr Zeit, sich neuen Herausforderungen zu widmen.

Was ihn aber bei jeder Gründung und Position begleitet? Sein Leitsatz: „Egal was du machst, mach es richtig.“ Durchhaltevermögen, Leidenschaft und Fokus sind für Christopher dabei die entscheidenden Eigenschaften. „Viele geben bei den ersten Problemen auf. Das ist für mich aber der Punkt, der mich am meisten motiviert. Genau dann bin ich mit vollem Fokus dabei und gehe die Extrarunde.“ Werte, die sich auch in der Arbeitsweise des Teams bei bluplanet finden und Christopher als CEO von Roskowetz Ventures an andere Gründer*innen weitergibt.

Kommerzieller Erfolg und Gutes tun, schließen sich nicht aus

Als Familienvater steht neben der Arbeit auch das Privatleben für Christopher im Vordergrund. Ihm ist es wichtig, die morgendliche Routine zu übernehmen, die Kinder in die Kita zu bringen und pünktlich zum Abendessen wieder daheim zu sein, um noch Zeit mit den Kindern und im Anschluss mit seiner Frau zu verbringen. Für seine Kinder und mit seiner Arbeit möchte Christopher einen nachhaltig positiven Einfluss auf seine Umwelt haben. Mit bluplanet und den Mitarbeitenden setzt er sich regelmäßig, zum Beispiel bei Events in Kooperation mit Salesforce, für gesellschaftlich relevante Themen ein. Mitarbeitende bekommen für ehrenamtliche Tätigkeiten ein spezielles Kontingent an freien Tagen, damit sie diese Tätigkeiten nicht außerhalb des Jobs machen müssen und so möglicherweise die Work-Life-Balance negativ beeinträchtigt wird. Die Arbeit bei bluplanet soll nachhaltig und langfristig möglich sein, ohne durch sämtliche persönliche Ressourcen zu brennen. Ressourcen-Management war dann auch bei der Idee zum aktuellen Geschäftsmodell und der Gründung von bluplanet ein essentieller Faktor. Die Einkaufsprozesse im Softwaremarkt sind aufwändig und komplex. Meist werden enorme zeitliche wie auch personelle Ressourcen benötigt, um neue Prozesse und Tools einzuführen und produktiv zu nutzen. Christopher war überzeugt: Das geht auch einfacher.

bluplanet - das Check24 für Cloud-Software

Die digitale Transformation von Unternehmen ist ein Muss. Kund*innen erwarten moderne Geschäftsmodelle. Unternehmen müssen Prozesse weiterentwickeln und anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Kund*innen im Fokus zu behalten. Gerade im Zuge der Pandemie geben 95 Prozent der Unternehmen an (laut Bitkom Studie 2021), dass Digitalisierung an Bedeutung gewonnen hat. Mit seinem neuesten Venture hat Christopher zusammen mit zwei Partnern diese Herausforderungen und daraus resultierenden Chancen erkannt und mit bluplanet einen digitalen Marktplatz für Cloud Lösungen geschaffen, der Teams zu den Themen Vertrieb, Service, Marketing, Handel, IT und Analytik bei deutschen Mittelständlern und Start-ups vereint und die digitale Transformation ermöglicht. „Wer schon mal Enterprise-Software gekauft hat, kennt das Problem: Auf Anfrage. Wir wollen mit bluplanet und dem weltweit ersten Online-Shop für Salesforce eine neue Transparenz für Preise, sowie verkürzte Wege ohne Verkaufsberatung durch einzelne Anbieter bereitstellen.“

Bluplanet soll mit dem digitalen Geschäftsmodell für Verbraucher*innen zum Check24 für Cloud-Software von Salesforce, Aircall und mehr werden und dabei immer unabhängig bei der Beratung der Kund*innen bleiben. Dafür bekommt jede(r) Kund*in ab der ersten Lizenz eine(n) Ansprechpartner*in, der die Einführung, Nutzung und Weiterentwicklung der Produkte begleitet und unterstützt. „Bei bluplanet stehen Kund*innen immer im Fokus, der Customer Life Value ist für uns der entscheidende Faktor.“ Ziel ist es, mit dem Service von bluplanet mittelständischen Unternehmen und Start-ups die digitale Transformation zu ermöglichen und sie auch über den Prozess hinaus weiter zu begleiten und zu unterstützen. Nächstes Ziel für bluplanet: Die Expansion in andere europäische Länder. Wie groß Christophers Rolle dabei in den nächsten Jahren sein wird, das lässt er auf sich zukommen.

SCORM-Dateien erstellen: So geht E-Learning ganz einfach

Wer einen Lernkurs veröffentlichen will, muss diesen so erstellen, dass er von den verschiedenen Lernsystemen erkannt und dargestellt werden kann. Ein einfacher Weg, dies zu tun, ist mithilfe von SCORM-Dateien. Was SCORM-Dateien genau sind und wie sie sich erstellen lassen, darum geht es hier.

Was ist das SCORM-Format?

Eine SCORM-Datei enthält eine Sammlung von Spezifikationen für Kurse im Bereich E-Learning. Wer LMS Inhalte erstellen will und sich dabei an die SCORM-Standards hält, kann sich sicher sein, dass sie von jedem Learning Management System (LMS) erkannt werden.

Eine SCORM-Datei ist eine Zip-Datei, die alle Daten enthält, die dafür erforderlich sind, Lerninhalte an ein LMS zu übertragen. Konkret besteht sie aus einer XML-Manifestdatei, Ressourcendateien sowie Definitionsdateien beziehungsweise einem Schema:

Die XML-Manifestdatei beinhaltet die Daten, die ein LMS benötigt, um den Inhalt eines Lernkurses bereitzustellen. Dazu gehören ein eindeutiger Identifikator, die Metadaten des Kurses, die Organisation der Lernaktivitäten und die Ressourcendefinitionen, die alle Dateien aufzeigt, die eine einzelne Ressource für ihren Start benötigt.

Die Ressourcendateien selbst sind die Dateien, aus denen ein Lernkurs mitsamt seiner Lernaktivitäten besteht.

Das Schema beziehungsweise die Definitionsdateien haben einen Bezug auf die XML-Manifestdateien. Diese drei Teile ergeben zusammen eine SCORM-Datei.

SCORM-Datei erstellen: So geht es

Die Vorteile von E-Lernkursen sind zahlreich. Sie helfen, wertvolles Wissen an eine große Zahl von Menschen weiterzugeben. Im Folgenden wird beschrieben, wie sich ein SCORM-Paket ohne weitere Autorenwerkzeuge erstellen lässt:

Alle Ressourcen in einem Ordner zusammenstellen

Alle Videos, Texte, Audios, Bilder und ähnliche Dateien sollten zunächst gesammelt und in einen einzigen Ordner zusammengefügt werden. In diesem Schritt ist auch noch die Erstellung eines Storyboards notwendig, das zeigt, wie sich die Inhalte am Ende entfalten sollen.

Lernkurs in HTML-Seiten organisieren

Damit ein Kurs von einem LMS richtig angezeigt werden kann, muss er sich als Webseite herunterladen lassen. Um das möglich zu machen, muss eine HTML-Version des gesamten Kurses erstellt werden. Für diesen Schritt ist technisches Know-how notwendig. Wem die Erstellung der HTML-Version größere Probleme bereitet, sollte auf ein Autorentool zurückgreifen oder jemanden mit dem nötigen Wissen zur Hilfe holen. Besonders einfach ist es, den gesamten Lernkurs mit allen Multimedia-Links in einem Google Doc zu strukturieren und anschließend über Datei > Download > Webseite die HTML-Version herunterzuladen.

Nun ist schon einmal sicher, dass die HTML-Version in einem Browser funktioniert. Im nächsten Schritt geht es um die SCORM-Kompatibilität:

SCORM-Dateien erstellen und in ein Zip-Paket verschieben

Für diesen Schritt müssen mehrere Textdateien erstellt werden, die die jeweiligen SCORM-Bedingungen beschreiben und anschließend zusammen mit dem HTML-Inhalt in ein Zip-Paket gelegt werden.

Für Anfänger ist es hilfreich, zunächst ein SCORM-Beispielpaket von scorm.com herunterzuladen, um dieses einfach mit den eigenen Inhalten anzupassen.

Im vorherigen Schritt wurde die HTML-Version des Kurses heruntergeladen. In diesen Ordner müssen die .xml- und .xsd-Dateien aus dem Beispielpaket kopiert werden.

Nun sollte die Manifestdatei imsmanifest.xml mit einem Texteditor geöffnet werden, um sie mit den eigenen Kursinhalten anzupassen. Diese Datei enthält Informationen über den Titel des Kurses, listet die Ressourcendateien auf und definiert die SCORM-Spezifikation, mit der der Kurs konform ist. Für die Anpassung müssen einfach der Titel und die Links zu den HTML-Ressourcen bearbeitet werden. Die erste Ressource in der Liste muss die HTML-Hauptdatei sein, die die Links zu den restlichen Ressourcen enthält.

Zum Schluss müssen die SCORM- und HTML-Dateien noch zu einer Zip-Datei gebündelt werden.


Fazit

Dank SCORM-Dateien lassen sich Lernkurse leicht und schnell erstellen, um sie am Ende auf Webseiten wie Udemy anbieten zu können. Wer das nötige Know-how hat, kann sie schnell selbst erstellen. Für alle anderen stehen verschiedene Autorentools zur Verfügung.

„Die Magie von KI ist, dass sie ständig lernt“ – Expertin-Interview mit Kathy Baxter

Kathy Baxter ist die KI-Expertin beim CRM- und Marketing-Softwarehersteller Salesforce und kämpft für den ethischen Einsatz der Technologie. Unser Autor Stefan von Gagern hatte Gelegenheit für ein Interview mit Baxter auf der Dreamforce in San Francisco.

Kathy Baxter, Principal Architect, Ethical AI Practice bei Salesforce, stammt aus der Psychologie, brachte aber über 20 Jahre Erfahrung von großen Tech-Unternehmen mit zu Salesforce – unter anderem aus der UX (User Experience)-Forschung bei Silicon Valley Schwergewichten wie Oracle, Ebay, Google. Als Salesforce vor Jahren eine „AI-First“-Company wurde, startete Baxter mit der Entwicklung von Chatbots. Heute setzt sie sich intern vor allem für die Einhaltung „ethischer KI“ ein – für diese Aufgabe wurde bei Salesforce sogar ein eigener, neuer Job in der Zentrale in San Francisco geschaffen.

Zunächst ganz allgemein gefragt: Welches Potenzial bringt KI ins Marketing?

Personalisierung ist wirklich das große Ding. Man will Empfehlungen erreichen, die dich ansprechen. Traditionell läuft das immer noch oft mit Demografie. Du bist eine Frau, also empfehlen wir Makeup. Männer sehen diese Anzeigen nicht. In den letzten Jahren haben wir aber gelernt, das Gender ein Spektrum hat. Jemand männliches kann sich ebenfalls für Makeup interessieren. Genauso gibt es Frauen, die keine Kleider mögen. Also müssen wir uns auf Interessen und Verhalten konzentrieren.

Viele Marken tun sich mit Personalisierung immer noch schwer. Könnte ein Grund dafür sein, dass sich Kund*innenverhalten und die Umstände ständig und stark verändern?

Sich auf Demografie verlassen reicht einfach nicht mehr. Die Magie von KI ist, dass sie ständig lernt. Generation Z bringt eine neue Komplexität in das Gender-Thema, identifiziert sich aber stark damit. Die Pandemie hat das Kundenverhalten komplett auf den Kopf gestellt. KI kann damit umgehen und Probleme verhindert – zum Beispiel, dass Retailer ohne Ware oder mit viel zu viel Ware dastehen.

Mit dem Ende der Cookies kommen neue Fragen auf. Wie schaffen wir es Vertrauen aufzubauen? Wenn die Third-Party Daten weg sind, kommt das, was wir „Zero-Party Daten“ nennen. Wie können wir dich dazu bringen, dass du mir verrätst, was mich interessiert. Wir wollen dieses Vertrauen aufbauen, indem wir transparent sind. Der Kunde muss den Wert sehen, was er davon hat, wenn er diese Infos mit uns teilt – und wissen, was wir über ihn schon wissen. KI kann zudem Rückschlüsse ziehen wie „wenn dir dies gefällt, kannst du auch das gebrauchen.“ Händler stehen vor Problemen wie Engpässe in der Lieferkette – hier können solche Empfehlungen eine riesige Hilfe bedeuten.

Aus dem Vertrauensverhältnis ergibt sich auch eine Verpflichtung für Brands abzuliefern, oder nicht?

Nicht nur daraus – auch aus Regulierungen. In Kalifornien gibt es Vorgaben wie die zum Beispiel Daten, die von Kindern stammen, verarbeitet werden dürfen. Es gibt Verpflichtungen für Transparenz, wie ein KI-Modell arbeitet – und warum es etwas empfiehlt. Selbst wenn sich eine Marke nicht so sehr um Vertrauen kümmert – die Privatsphäre-Vorgaben werden sie dazu zwingen.

Jede(r) Softwarehersteller*in bewirbt inzwischen seine/ihre eigene KI-Technologie. IBM mit Watson, Adobe mit Sensei. Was macht Salesforce mit seiner KI-Engine Einstein besser als die anderen?

Wir bieten „No-Code“ und „Low-Code“-Lösungen für eine CRM-spezifische KI. Wir bieten auch eine General-Purpose-Entwicklungsumgebung, für KI-Anwendungen aller Art. Aber gebrauchsfertige Lösungen für Chatbots, die Sales und Kundenservice verstehen, die wissen wer der nächste Lead sein könnte oder die Verkaufsabbrüche verhindern können, sind sehr hilfreich, um Kundenbeziehungen an den Start und zum Laufen zu bekommen. In unserer Marketing Cloud haben wir einen Subject Line Generator, der verschiedene Tonalitäten versteht. Er kann FOMO (Fear of Missing out – die Red.) oder einen freundlichen Ton in der E-Mail-Betreffzeile anschlagen.

Dennoch können die Kunden mit „Einstein Builder“ unsere Technologien nutzen, um ihr eigenes KI-Modell auf dieser Basis zu entwickeln. Mit der Partnerschaft von AWS (Amazon Web Service) findet eine Demokratisierung von KI statt – nach dem Motto „Bring your AI“. So können Kunden die Daten aus einer Customer Data Plattform mit unserer Lösung zusammenbringen.

Ein Fokus der Salesforce-Keynote 2022 waren Echtzeit-Daten – ein großer Game-Changer in Sachen Personalisierung?

Daten sind oft statisch, fragmentiert, veraltet, ungenau – und dann auch noch schwer oder gar nicht zugänglich. Echtzeit mit unserer Lösung Genie ändert das komplett. Damit bekommen wir die alle und die genauesten Daten – die exakte Prognosen ermöglichen. Am Anfang von Covid sahen wir „schwarzen Schwäne“. Die ganzen Datenmodelle brachen zusammen, weil sie nicht mehr funktionierten. Das zeigt, was Echtzeitdaten bewirken können – und wie wichtig Echtzeit wirklich ist.

Viele Unternehmen tun sich schwer dabei ihre Entscheidungen auf Basis von Daten, statt mit dem Bauchgefühl der jahrelangen Business-Erfahrung zu fällen. Was könnte dabei helfen, Daten als Entscheidungshilfe mehr zu akzeptieren?

Wir wissen, wie wichtig Transparenz und Erklärungen sind. Das macht Einstein. Unsere Software zeigt warum eine Empfehlung gegeben wird. Es ist so besser nachvollziehbar, warum ein bestimmter Kunde der nächste Lead sein wird. Das liefert Wertschöpfung im Geschäft, schafft Return on Investment und etabliert im Unternehmen Daten als Entscheidungshilfe.

Es gibt viele Horrorszenarien rund um KI. In Deutschland und Europa gibt es viele Skeptiker*innen, die anmerken, dass künstliche Intelligenz ein Jobkiller sein wird oder gar die Weltherrschaft übernehmen wird. Kann Salesforce mit seinem „Ehtical AI“-Ansatz diese Ängste nehmen? Könnte zum Beispiel AI meinen Job als Content Marketer und Copywriter übernehmen?

Das große Dilemma ist diese KI generierte Kunst, die gerade im Netz kursiert. Dall-e oder andere Bildgeneratoren erzeugen Bilder mit Copyrights, die sie sich selbst als System geben. Die künstliche Intelligenz wurde aber mit Bildern von echten Künstlern trainiert, die nichts für ihren Input bekommen. Das ist etwas, was wir als Gesellschaft oder Staat verhindern müssen. Wir sorgen mit unserem „Ethical AI“- Richtlinien dafür, dass Rechte – zum Beispiel das Grundrecht sich mit seiner Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen – respektiert und eingehalten werden.

Die Terminator-Szenarien, in denen die KI alles übernimmt und uns in Büroklammern verwandelt – diese sind Jahrzehnte weit weg in der Zukunft. Wir müssen uns aber auf die Schäden konzentrieren, die KI heute anrichten kann, wenn zum Beispiel Kunst kostenlos generiert wird und den Künstlern ihre Arbeit wegnimmt.

Schlimm ist auch wenn Gesichtserkennung falsche Vorhersagen macht und die Polizei deswegen die falschen Personen festnimmt. Oder wenn die KI unfairerweise bestimmten Personen den Zugang zu Jobs verhindert. Diese Dinge müssen heute angegangen werden. Aus diesem Grund ist zum Beispiel Gesichtserkennung in unserer KI mit ihren strengen Richtlinen nicht erlaubt.

Green Manufacturing

Wenn digitalisieren, dann bitte nachhaltig statt „nur“ mit Blick auf die Quick-Wins.

Die Digitalisierung in Industrie und produzierendem Gewerbe schreitet unaufhaltsam voran. Motiviert von der Aussicht auf mehr Effizienz im Produktionsprozess und damit verbundenen Kosten- sowie Wettbewerbsvorteilen, setzen immer mehr Unternehmen Technologien, etwa aus den Bereichen Sensorik oder künstliche Intelligenz, ein. Sie rühmen sich mit dem Prädikat „Green Manufacturing“. Dabei schauen die meisten nur auf den unmittelbaren ökologischen und ökonomischen Nutzen. Was hingegen fehlt, ist die Berechnung der Gesamtbilanz dieser Digitalisierungsmaßnahmen und der Weitblick in Sachen Nachhaltigkeit.

Viele Digitalisierung-Projekte in Industrieunternehmen zielen auf Quick-Wins ab: Ergebnisse müssen schnell eintreten und Kostenreduktionen direkt in den Büchern ersichtlich werden. Nur so, meinen viele, ließen sich Investitionen in digitale Lösungen rechtfertigen. Die Frage ist jedoch: Ist der gewählte Ansatz tatsächlich langfristig effektiv und auch nachhaltig? Hat man mit dem ersten Projekt nämlich eine „falsche“ Richtung eingeschlagen, die nur kurzfristig Vorteile bietet, aber sich nicht mit zukünftigen Anforderungen vereinbaren lässt, ist ein Kurswechsel ebenso aufwendig wie teuer. Es geht also nicht nur darum, Produktionsprozesse effizienter zu machen, sondern Nachhaltigkeit von Anfang an mitzudenken und dies in einem ganzheitlichen Ansatz von Green Manufacturing münden zu lassen.

Was ist Green Manufacturing?

Als Green Manufacturing bezeichnet man die umweltfreundliche und ressourcenschonende Gestaltung von Produktionsprozessen, beispielsweise im Hinblick auf Energieverbrauch oder Schadstoff-Emission, und der Produkte selbst, etwa bezogen auf die verwendeten Materialien. Entscheidend ist, dass alle Produktionsprozesse überprüft werden, um eine Beeinträchtigung, Ausbeutung oder gar Schädigung von Mensch und Umwelt präventiv zu vermeiden. Dabei spielt es nicht nur eine Rolle, welche Outputs, zum Beispiel Schmutzwasser, Abfall oder Treibhausgase, ein Unternehmen produziert, sondern auch woher der Input stammt – von den Materialien bis hin zu den genutzten Wasser- und Energiequellen.

Die fünf Prinzipien von Green Manufacturing

  • Ganzheitliche Betrachtung des Produktionssystems
  • Prüfung von Prozessen bis ins kleinste Detail (vertikal) und von Anfang bis Ende (horizontal)
  • Verringerung schädlicher In- und Outputs im Produktionssystem (z.B. Carbon Footprint)
  • Reduktion des Ressourcenverbrauchs bzw. positive Ressourcen-Bilanz
  • Berücksichtigung von Langzeiteffekten

Aspekte nachhaltig „grüner“ Produktionsprozesse

Smarte Technologien im Rahmen einer modernen IT-Infrastruktur können den Ansatz des Green Manufacturing durchaus unterstützen, indem sie einerseits dabei helfen, den Produktionsprozess transparent zu machen sowie Potenziale für die Reduktion schädlicher In- und Outputs oder für Ressourceneinsparungen zu identifizieren. Hier spielen beispielsweise Sensoren eine zentrale Rolle. Andererseits gestatten es digitale Lösungen, den Prozess selbst – etwa durch softwaregestützte Automatisierung oder unter Einsatz künstliche Intelligenz – zu optimieren, den Ressourcenverbrauch zu minimieren und schadstofflastige Teilprozesse gänzlich obsolet zu machen. Was Unternehmen dabei nicht vergessen dürfen: Die Prinzipien des Green Manufacturing beinhalten eine zeitliche Komponente: Bei aller „grün“-motivierten Modernisierung und Digitalisierung gilt es daher, den Energieverbrauch von digitalen Lösungen, den ökologischer Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette und langfristige Effekte für Mensch und Umwelt zu bedenken. Das bedeutet, Nachhaltigkeit gewinnt nicht nur an Bedeutung, sondern verlangt von Unternehmen auch, immer weiter in die Zukunft zu denken.

Beispiel: Green Manufacturing in der Zerspanungstechnik

Der Weitblick in Sachen Nachhaltigkeit erfordert zwar initial Investitionen, mindert aber die Kosten, die bei einem späteren Kurswechsel oder etwaigen Anpassungen auftreten. Als Beispiel fungiert hier eine industrielle Zerspanungsanlage, die ein Maschinenbauer bei seinen Kunden aufstellt und wartet. Natürlich entwickelt und produziert der Hersteller diese Anlage nach den aktuellen Bedürfnissen seiner Kunden, aber was ist mit zukünftigen Anforderungen? Insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit? Hier können nämlich Sensoren in den Maschinen relevante Produktionsdaten erfassen: den Materialverbrauch, die Ausschussmenge, die Abnutzungserscheinungen der Zerspanungsmesser sowie Wartungs- und Stillstandzeiten.

Diese Informationen helfen dem Hersteller dabei, die Anlagen so zu optimieren, dass sich zum Beispiel die Lebensdauer der Bauteile verlängert, weniger Produktionsausschuss entsteht oder der Energieverbrauch deutlich sinkt. Ein Nachrüsten solcher Sensoren (sowie die Implementierung der nötigen Übermittlungs- und Analyse-Software) ist zwar möglich, erfordert aber Kosten und Zeit, die die Kunden womöglich nicht aufwenden wollen. Beginnt der Anlagenbauer jedoch frühzeitig, die Anlagen dieser Baureihe mit Sensoren auszustatten und deren Mehrwert gegenüber den Kunden schon im Vertriebsgespräch zu verdeutlichen, profitieren er wie auch die Zerspanungsunternehmen selbst von immensen Kosteneinsparungen im Produktionsprozess.

Benefits: Kostenersparnis, Fachkräftebindung und Wettbewerbsvorteile

Zwar ist Digitalisierung häufig getrieben vom Wunsch nach unmittelbarer Effizienzsteigerung und Kostenreduktion. Doch im Zusammenhang mit Green Manufacturing stehen Kosten in einem viel größeren Verhältnis – nämlich im Vergleich zu langfristigen Ressourceneinsparungen, nachhaltigen Prozessen sowie zukunftsfähigen Produkten und Lösungen. Dafür braucht es jedoch Weitsicht und Geduld, um die Digitalisierung nachhaltig zu gestalten und nicht durch Schnellschüsse sowie spätere Kurskorrekturen unnötig Geld zu verschwenden. Außerdem ermöglichen sorgfältig und nachhaltig digitalisierte Prozesse eine kürzere Time-to-Market bei gleichzeitiger Ressourcenschonung, was die Kosten weiter senkt.

Zugleich sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit zunehmend ein Image-Thema für die Arbeitgebermarke, insbesondere für Branchen, die von hoher Fluktuation oder akutem Fachkräftemangel betroffen sind. Denn nachhaltige Unternehmen und Projekte ziehen Mitarbeitende an und können diese länger halten, weil das Thema gesellschaftlich relevant ist und weil die eigene Arbeit – insbesondere bei jüngeren Arbeitnehmer-Generationen – mehr Sinn stiften soll. Aber auch in hart umkämpften Marktsegmenten und im Wettbewerbsumfeld kann Nachhaltigkeit bzw. Green Manufacturing den Unterschied machen zwischen Abschluss und verpasster Verkaufschance. Denn Kunden und Lieferanten, die sich selbst „grüner“ aufstellen wollen, legen zumeist auch Wert auf Geschäftspartner, die sich dem gleichen Ziel verschrieben haben.

Green Manufacturing richtig definieren und etablieren

Erfolgsentscheidend für Unternehmen und für das Gelingen von Green Manufacturing ist, eine solide und zukunftsfähige Basis zu schaffen. Das heißt, Unternehmen müssen damit beginnen, Ihre Produktionsprozesse vor dem Hintergrund des Green Manufacturing zu überprüfen und neu zu definieren. Daraufhin offenbaren sich zumeist neue Anforderungen – an die Technologie, um etwa Produktionsdaten erfassen zu können, oder an ein digitales Geschäftsmodell, um eine Produktinnovation überhaupt am Markt oder in Wertschöpfungsketten einbinden zu können. Bei Green Manufacturing geht es zudem darum, weg vom Prototyping hin zu ressourcenschonender, virtueller Simulation – etwa durch den Einsatz digitaler Zwillinge – zu gelangen. Doch die neuen Anforderungen klar zu definieren und sie sukzessive umzusetzen, ist keine Aufgabe, die sich von einer Stelle im Unternehmen aus – ob Management, Produktion oder IT – bewältigen lässt, ganz gleich, wie stark die Innovationskraft in diesem Bereich ist.

Nicht zu unterschätzen: Faktor Mensch

Dass die Technologie der Schlüssel ist, mag nur dann stimmen, wenn alle im Unternehmen bereit sind, durch die damit geöffnete Tür hindurchzugehen. Folglich gilt es, die Belegschaft von Beginn an für das Vorhaben „Green Manufacturing“ zu begeistern und in die einzelnen Entwicklungsschritte einzubeziehen. Auch hier ist Weitblick gefragt: Nicht nur, dass ein gemäßigtes und nachhaltigeres Vorgehen die Mitarbeitenden leichter abholt, es beweist auch die Ernsthaftigkeit des Vorhabens. Denn das eigene Team durchschaut Schnellschüsse, Insellösungen und plumpe Effekthascherei als erstes. Neben den Mitarbeitenden erfordert ein professioneller Aufbau von Green Manufacturing einen kompetenten Partner, der sowohl das erforderliche IT-Know-how mitbringt, aber auch die Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit in der Produktion – mit allem, was dazugehört. Besonders hilfreich ist es, wenn der Partner selbst ein nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes Unternehmen ist und die nötige Flexibilität im Hinblick auf spezielle und sich rasch verändernde Anforderungen mitbringt. Hier können Business-Ökosysteme gegenüber globalen Anbietern oder Software-Herstellern punkten.

Fazit: Der Weg ins „Grüne“ ist lang – doch er lohnt sich

Ob es nun darum geht, mittels Sensortechnik wertvolle Daten im Produktionsprozess zu sammeln, oder darum, IT-Komponenten und Software-Lösungen für die Analyse zu entwickeln – moderne Technologien sind die Grundpfeiler für nachhaltige und nachhaltig digitale Prozesse. Das Konzept des Green Manufacturing gestattet allerdings keine Insellösungen mehr oder gar Schnellschüsse. Vielmehr geht es darum, die Produktionsprozesse komplett zu durchdenken und Nachhaltigkeit ganzheitlich sowie mit Weitblick angehen. Damit werden die beliebten Quick-Wins womöglich etwas kleiner ausfallen, dafür sind die langfristigen Erfolge enorm. Denn mit einer durchdachten, agilen und weitsichtigen Vorgehensweise werden die Mehrwerte deutlich spürbar: Neue Mitarbeitende kommen gern ins Unternehmen und bleiben auch länger, die Kosteneffizienz ist auf lange Sicht deutlich besser und Unternehmen können sich nicht nur optimal im Wettbewerb positionieren, sondern auch sicher für die Zukunft aufstellen.

Der Autor Jonas Grundler ist Head of New Business Development und Senior Managing Consultant bei der Novatec Consulting GmbH. Seit 2011 berät er Kund*innen bei Digitalisierungsprojekten und stärkt so deren Innovationskraft und Kreativität.

LEROMA: Verwerten statt verschwenden

Marina Billinger, die Gründerin von LEROMA, will mithilfe ihrer B2B-Plattform Lebensmittel­verschwendung reduzieren und den Rohstoffbeschaffungs­prozess optimieren.

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden alljährlich weltweit 1,6 Milliarden Tonnen Lebensmittel entsorgt. Davon fallen alleine etwa 12 Millionen Tonnen in Deutschland an. Auch wenn der Großteil dieser eklatanten Lebensmittelverschwendung im privaten Segment stattfindet, werden auch in der verarbeitenden sowie der landwirtschaftlichen Industrie jährlich um die 3,6 Millionen Tonnen Abfälle produziert, die vermeidbar wären.

Das Problem der Lebensmittelhersteller*innen besteht darin, dass sie es häufig mit einem komplizierten Rohstoffbeschaffungsprozess zu tun haben. Digital, effizient und einfach: So sollen heutige Prozesse aussehen. Um dies tatsächlich gewährleisten zu können, müsste jedoch insbesondere im B2B-Bereich der Austausch zwischen externen Parteien unkomplizierter gestaltet werden.

Ein weiteres Problem: Viele Hersteller*innen können für die bei ihrer Produktion anfallenden Überschüsse zeitnah keine Abnehmer*innen finden und sehen keinen anderen Weg, als die Rohstoffe zu entsorgen. Eine Ursache hierfür ist, dass die Lebensmittelhersteller*innen bei der Rohstoffbeschaffung oftmals einen Mindestbestellwert beachten müssen und so zwangsläufig über dem tatsächlichen Bedarf liegen.

Fokus auf den Anfang der Wertschöpfungskette

Marina Billinger, die Gründerin von LEROMA (der Name ist die Abkürzung für Lebensmittelrohstoffmarkt), möchte gegen diese systematische Lebensmittelverschwendung vorgehen und setzt dazu am Anfang der Wertschöpfungskette an. Ma­rina bringt jahrelange Erfahrung aus der Lebensmittelbranche mit und erkannte schnell, dass Lebensmittelhersteller*innen (auch aus den oben genannten Gründen) Schwierigkeiten haben, passende Rohstoffe für ihre Produktion zu finden. Sie fragte sich: Warum sollte das Thema Nachhaltigkeit bzw. Ressourcenverschwendung nur bei den Endverbraucher*innen adressiert werden, wenn sich die produzierenden Unternehmen selbst verstärkt dafür einsetzen können?

Schon Jahre vor der Gründung hatte Marina begonnen, eine Datenbank mit Rohstoffen aufzubauen. Neben verschiedenen Quellen nutzte sie dazu auch die auf den Verpackungen von Lebensmitteln angegebenen Rohstoffe. „Hierbei den Überblick zu behalten, stellte die erste große Hürde meiner Unternehmungen dar“, so Marina rückblickend.

Im weiteren Verlauf entwickelte Marina ein MVP ihrer künftigen B2B-Plattform, um die Reaktionen der Kund*innen zu beobachten. „In diesem Kontext rate ich allen Gründer*innen, sich von Fehlschlägen nicht entmutigen zu lassen und sich auf eine lange, intensive Zeit einzustellen.“ Im Jahr 2020 gründete sie nach der erfolgreichen Testphase die LEROMA GmbH in Düsseldorf und holte sich weitere Personen direkt mit ins Team. Seitdem hat das junge Unternehmen zwei ineinandergreifende Businessmodelle auf den Markt gebracht.

Rohstoffsuche …

Den Kern der „Plattform gegen Lebensmittelverschwendung“ bilden diese beiden produktorientierten Geschäftsmodelle: die Rohstoffsuche und die Überschussbörse. „Die Rohstoff­suche funktioniert ähnlich wie Google, eben nur für Rohstoffe. Anbieter*innen und Käufer*innen können Rohstoffe finden sowie selbst inserieren. Damit wird das Problem der Lebensmittelindustrie adressiert, wonach Hersteller*innen oft wochenlang nach Rohstoffen, die den geforderten Qualitätsansprüchen gerecht werden, suchen, während zeitgleich Rohstofflieferant*innen nach Abnehmer*innen für ihre Waren suchen“, erläutert Marina.

Das Novum und zugleich das Alleinstellungsmerkmal der LEROMA-Plattform besteht darin, dass der Prozess des Rohstoffeinkaufs mithilfe produktspezifischer Filter massiv beschleunigt wird. „Mit wenigen Klicks wird der passende Rohstoff als Suchergebnis angezeigt. Zusätzlich besteht die Einsicht von Zertifikaten und Produktinformationen, die heruntergeladen werden können“, so die Gründerin. Diese Suche nach Rohstoffen ist kostenlos, sodass Lebensmittelhersteller*innen die Plattform als Marketing- und Vertriebsinstrument nutzen können, indem sie ihr gesamtes Produktportfolio inserieren. Aktuell hat LEROMA rund 8000 Rohstoffe in der Datenbank. Es ist jedoch geplant, alle handelsüblichen Rohstoffe der Lebensmittelindustrie in die Datenbank zu integrieren. Das Ziel ist es, mehr als 100.000 Rohstoffe zu listen und künftig global zu agieren.

… Überschussbörse …

Den nachhaltigen Teil des Geschäftsmodells liefert die bereits erwähnte Überschussbörse. Bei dieser Suchmaschine ist es zusätzlich möglich, Restposten und Reststoffe zu veräußern und selbst zu kaufen. „Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln entstehen Überschüsse wie Kaffeesatz, Eierschalen und Fischreste, die tonnenweise entsorgt werden, weil sie keinen ersichtlichen Nutzen haben. LEROMA möchte ein Bewusstsein für das Potenzial dieser Rohstoffe schaffen und zeigen, dass diese in- und außerhalb der Lebensmittelindustrie sehr wohl noch eingesetzt werden können“, so Marina.

Ein Beispiel von der LEROMA-Plattform: Ein Kaffeehersteller beklagte einen Überschuss an 14 Tonnen zu dunkel gerösteten und damit für ihn unbrauchbaren Kaffeebohnen. Über Marinas Plattform konnte ein Abnehmer aus der Kosmetikbranche gefunden werden. Der Kosmetikhersteller konnte so einen für ihn wertvollen Rohstoff verwenden und gleichzeitig das Mikroplastik in seinen Peelings ersetzen. „Die Kaffeebohnen wurden dadurch letztlich vor der Vernichtung gerettet und sinnvoll in der Kreislaufwirtschaft weitergegeben“, bringt es Marina auf den Punkt.

… und künftig Valorisierungsforum

Zukünftig soll noch ein drittes Geschäftsmodell, das Valorisierungsforum, online gehen. Hierbei wird es sich um ein ebenfalls unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit konzipiertes Forum handeln, das aktiv neue Geschäftsbeziehungen zwischen neuen Partner*innen fördert und den besseren Austausch von Verwertungsmöglichkeiten von Lebensmittelrohstoffen ermöglicht. Ein mögliches Beispiel: Bei einem Hersteller fallen monatlich 6000 Tonnen Mangoschalen bei der Produktion an. Diesen für ihn überflüssigen Rohstoff kommuniziert er über das Valorisierungsforum, sodass sich jemand in dem Forum melden und sein/ihr Wissen teilen bzw. auch das eigene oder ein weiteres Unternehmen für eine Verwertungsmöglichkeit vorschlagen kann. Eine Verwertungsoption: Aus Mangoschalen lassen sich bspw. Schuhsohlen herstellen.

Mehr als 750 Tonnen gerettet

Seit der Gründung hat es LEROMA nach eigenen Angaben geschafft, über 750 Tonnen an Lebensmittelverschwendung einzusparen, getreu dem Motto: Wenn es für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen bereits zu spät ist, ist die Weitergabe von Rohstoffen die wünschenswerteste Option im Umgang mit Lebensmitteln. Mit ihrer Überschussbörse möchte Marina Billinger künftig die unterschiedlichsten Industrien verstärkt dazu anregen, bereits vorhandene Rohstoffe intensiver zu nutzen und so eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu schaffen. „Unser Ziel ist es, die Ressourcenverschwendung um mindestens 50 Prozent zu reduzieren, indem wir die Teilnehmer*innen zusammenbringen und dadurch Sy­nergien entstehen, die zu mehr Umweltbewusstsein führen“, so die Vision der Unternehmerin.

Marinas Tipps für andere Gründer*innen

  • Der erste wichtige Baustein vor der Gründung stellt eine grundsätzliche Durchstrukturierung dar. Denn nur durch präzise Planung und das Veranschaulichen möglicher Probleme lassen sich Hindernisse schon im Vorfeld beseitigen.
  • Es ist empfehlenswert, ein MVP zu bauen, um die Reak­tionen potenzieller Kund*innen zu testen. Das so gesammelte Feedback sollte konsequent verwendet werden, um das Produkt zu optimieren, bevor es auf den Markt kommt.
  • Ein wichtiges Augenmerk ist auf die Wahl der Unternehmensform sowie den Aufbau der Unternehmensstruktur zu legen.
  • Zu guter Letzt gilt es, nach Förderungen und Stipendien Ausschau zu halten. Diese stellen eine wertvolle Chance dar, um frühzeitig finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Richten Sie Ihr eigenes virtuelles Spieleentwicklungsstudio ein: Wie man es macht.

Sie haben schon immer davon geträumt, in der Videospielbranche zu arbeiten, wissen aber nicht, wo Sie anfangen sollen? Wir zeigen die wichtigsten Do-dos.

Die Einrichtung eines eigenen virtuellen Entwicklungsstudios für Games ist ein guter Weg, um in die mobile Spieleindustrie einzusteigen. Mit den richtigen Tools und ein wenig Know-how können Sie Ihre eigenen Handyspiele entwickeln und sie schnell und einfach auf den Markt bringen.

Was Sie für den Einstieg brauchen

Um loszulegen, brauchen Sie ein paar Dinge: Zunächst einmal eine gute Idee für ein Spiel. Das kann alles sein, von einem einfachen Puzzlespiel bis hin zu einem intensiven Multiplayer-Erlebnis. Die Branche der mobilen Spiele ist riesig und die Anwendungen für die Entwicklung mobiler Spiele sind vielfältig. Deutschsprachige Anwendungen profitieren von der Verbreitungsmöglichkeit im wirtschaftlich starken DACH-Raum. Einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der mobilen Spieleindustrie ist die Online-Glücksspielbranche. Wenn Sie mit Ihrer Entwicklung erfolgreich sind, könnte Ihre Arbeit auf einer Vielzahl von Plattformen zu finden sein, z.B. in einem Online Casino der Schweiz neu auftauchen oder als Download auf Gaming Plattformen und in App-Stores zu finden sein.

Sobald Sie Ihre Idee haben, müssen Sie einen Weg finden, sie zu entwickeln. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können entweder einen professionellen Spieleentwickler beauftragen oder eine der vielen Spielentwicklungsplattformen nutzen, die online verfügbar sind.

Welche Art von Spielen Sie entwickeln sollten

Es gibt viele verschiedene Genres und Untergenres von Videospielen, daher ist es wichtig, dass Sie dasjenige auswählen, das Ihren Interessen und Fähigkeiten am besten entspricht. Eine beliebte Option sind Handyspiele. Mit über zwei Milliarden aktiven Smartphone-Nutzern auf der ganzen Welt gibt es einen riesigen potenziellen Markt für Handyspiele. Außerdem ist die Entwicklung für mobile Plattformen im Allgemeinen weniger komplex und zeitaufwändig als die Entwicklung für Konsolen oder PC. Wenn Sie also darüber nachdenken, Ihr eigenes virtuelles Gaming Studio zu gründen, sollten Sie die Entwicklung von Handyspielen in Betracht ziehen. Mit einem großen potenziellen Markt und einem relativ einfachen Entwicklungsprozess könnten Sie auf dem Weg zum Erfolg sein.

Wie Sie Ihre Spiele vermarkten

Es gibt viele Dinge zu beachten, wenn Sie Ihr eigenes virtuelles Studio gründen. Eine der wichtigsten Fragen ist, wie Sie Ihre Spiele vermarkten werden. Es gibt einige Möglichkeiten:. Die einfachste und altmodischste Form ist die Mundpropaganda. Erzählen Sie Ihren Freunden und Verwandten von Ihren Spielen und bitten Sie sie, sie weiterzuempfehlen!

Eine weitere leicht zugängliche Option sind die sozialen Medien. Richten Sie eine Twitter- oder Facebook-Seite für Ihr Studio ein und posten Sie Updates über Ihre Spiele. Sie können Online-Communities und Foren zum Thema Mobile Gaming beitreten und Ihre Entwicklungen dort mit potenziellen Spielern teilen. Sie können auch an Online-Diskussionsforen teilnehmen und Ihre Spiele in Ihrer Signatur erwähnen.

Bezahlte Werbung ist eine weitere Option, dabei müssten Sie etwa Werbeflächen auf beliebten Webseiten für Spiele oder auf Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter kaufen. Eine weitere Möglichkeit des Marketings ist das Sponsoring von Gaming-Events oder Streamern, die Handyspiele spielen.

Warum die Entwicklung Ihres eigenen virtuellen Spielestudios eine großartige Gelegenheit ist

Es gibt viele Gründe, warum die Einrichtung eines virtuellen Spielestudios aufstrebenden Spieleentwicklern eine großartige Gelegenheit bietet, ihre Talente in Erfolgsgeschichten zu verwandeln.

Zunächst einmal haben Sie die volle Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal - wenn Sie erfolgreich sind, liegt es an Ihnen und Ihrem Team. Sie können von jedem Ort der Welt aus operieren - alles, was Sie brauchen, ist eine gute Internetverbindung. Auch die Einstiegshürden sind relativ niedrig - Sie brauchen keine teuren Geräte oder Räumlichkeiten. Es gibt einen wachsenden Markt für mobile Spiele - immer mehr Menschen spielen sie jeden Tag und die mobile Spieleindustrie wird in den kommenden Jahren exponentiell wachsen. Wenn Sie also eine Leidenschaft für Spiele haben und Ihr eigenes Studio gründen wollen, könnte dies der perfekte Zeitpunkt dafür sein.

Fazit

Die Zukunft der Spieleindustrie ist eine, in der viele kreative Menschen mit ihrem eigenen Studio Fuß fassen wollen und können. Und es ist nicht so schwierig, wie es vielleicht scheint. Mit ein wenig Planung und einigen grundlegenden Kenntnissen für den Anfang können Sie sich auf den Weg zum Erfolg machen.

Die Spielebranche - noch immer ein Zukunftsmarkt?

Wie sieht es für jungen Unternehmen aus, die mit nachhaltigen Strategien in der Spielebranche Fuß fassen möchten?

Immer wieder heißt es, dass bestimmte Teilbereiche der Spielebranche tot sind oder überhaupt erst keine Zukunft in der Chance haben. Das Beispiel, das in diesem Zuge oft genannt wird, befasst sich mit der Anfangszeit der Computerspiele. Zahlreiche Experten sahen diese als einen bloßen Trend an, der keine wirkliche Chance hat, denn der geneigte Spieler wird davon schnell wieder ablassen und zurück zu Gesellschaftsspielen finden. Wie so oft haben sich die großen Experten getäuscht, heute tätigen die Entwickler von PC- und Konsolenspielen Umsätze im mehrstelligen Milliardenbereich.

Doch wie sieht es mit jungen Unternehmen aus, die
mit nachhaltigen Strategien in der Spielebranche Fuß fassen möchten? Besteht überhaupt noch die Chance, gegen die wirklich großen aus der Szene anzutreten und was braucht es, um gegen diese zu bestehen?
Tatsächlich sind es in der Spielebranche nach wie vor die Ideen, die eine Grundlage für alles bilden. Ohne die Idee ergibt es für ein Start-up erst gar keinen Sinn, ein Konstrukt darum herum zu entwerfen. Natürlich braucht es weiterhin ein starkes Team und die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen. So muss etwa
beim Skalieren des Unternehmens präzise der Markt eingeschätzt werden. Gelingt es einem tatsächlich, ein eigenes Produkt zu vermarkten, so ist es zum einen schlimm, wenn mit der Produktion und der Logistik nicht mitgehalten werden kann, zum anderen noch schlimmer, wenn der Umsatz und die Gewinne nicht ausreichen, um die große Produktion und das Team zu bezahlen.

Ohne erfahrenes Team ist Erfolg kaum möglich

PC- und Konsolenspiele sind die Domäne der großen, namhaften Hersteller. Als kleines Start-up hat man hier kaum eine Chance. Das sieht allerdings vollkommen anders aus, wenn es um iOS Spiele geht. Der Umfang von Apps ist in keiner Weise mit dem eines Konsolenspiels zu vergleichen. Oftmals steckt hinter einem einzigen Spiel ein einzelner Entwickler, der damit einen Überraschungserfolg landet.

Wie einfach das Programmieren von Apps oder ähnlich kleinen Programmen sein kann, das zeigen diese Apps. Tatsächlich kommt es bei einer App oder bei kleineren Spielen, die in erster Linie für das Smartphone gedacht sind, noch weitaus mehr auf die gute, grundlegend neue Idee an. Die Konkurrenz ist groß, das bedeutet allerdings auch, dass die Mehrheit der angebotenen Spiele oder Apps nicht unbedingt von bester Qualität ist. Mit einem engagierten Team, dem richtigen Marketing und einer eifrigen Pflege der App, die sich durch Updates und neue Versionen manifestiert, ist der Erfolg tatsächlich planbar.

Je einfacher, desto erfolgreicher

Dass die simpelsten Ideen manchmal die besten sind, das versteht sich mittlerweile von selbst. Gerade, wenn es um das Spielerische geht, braucht es oftmals nicht viel, um jemanden von seiner Idee zu überzeugen. Der Anfänger schätzt einfache Spiele, sie ermöglichen ihm, sich langsam und mit System voranzutasten. Wer sein Genre oder seine Spielreihe für sich gefunden hat, der wird sich ohnehin für komplexere und schwierigere Spiele in Zukunft entscheiden, das versteht sich von selbst. Doch für junge Unternehmen, die den Erfolg in der Spielebranche suchen, ergibt sich damit die Gewissheit, dass die besten Möglichkeiten in den einfachen und kleinen Dingen zu finden sind. Ein nachträgliches Skalieren ist immer zu einem späteren Zeitpunkt möglich, sodass der Fokus mit Nachdruck auf die erfolgreichen Anfänge gelegt werden darf.

Die Trinkgeld-Retter

Mit dem Bargeld stirbt das Trinkgeld: Die Vision des Münchner Start-ups eDrixx ist, allen Servicekräften mehr Trinkgeld zukommen zu lassen und damit die Dienstleistungsbranche zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld zu machen.

Im Einzelhandel etwa werden nur noch 38,5 Prozent der Transaktionen über Scheine und Münzen abgewickelt. Der Anteil der Deutschen, die im Handel und im Dienstleistungssektor mit Bargeld zahlen, sackt von 2021 auf 2022 um zwölf Prozent ab. Soweit aktuelle Erhebungen.

Für viele Verbraucher bedeutet dies ein Mehr an Convenience, doch für Deutschlands Dienstleistungsgewerbe wird der Trend hin zur bargeldlosen Bezahlung zu einer echten Herausforderung. Nämlich immer dann, wenn es um Trinkgeldzahlungen geht.

Die Krux mit dem Trinkgeld

Für Arbeitgebende, weil sie sich in einer steuerlichen Grauzone befinden und einen immens hohen Aufwand haben, wenn sie Trinkgeldzahlungen per Karte akzeptieren. So müssen diese Trinkgelder aus den Abrechnungen des Unternehmens herausgerechnet und bar verteilt werden.

Für Arbeitnehmende, weil sie häufig zu wenig oder gar kein Trinkgeld bekommen. Etwa, wenn der Gast kein oder kaum Bares dabeihat oder auch, wenn Servicekräfte (zum Beispiel Küche) für den Gast gar nicht sichtbar sind.

Einfach, innovativ, effizient

Genau hier setzt das Münchner Start-up eDrixx an. Das Unternehmen bietet europaweit die gleichnamige digitale Trinkgeldlösung, die alle oben genannten Hürden überwindet. Sie ermöglicht die transparente, faire und direkte Zahlung von Trinkgeld per Mobile Payment auf das Konto der jeweiligen Servicekraft – ohne Umwege über die Konten des Betriebs – so, wie es auch vom Gesetzgeber gedacht ist. Ganz einfach per QR Code oder NFC Tag vor Ort.

Trinkgeldgebende müssen sich weder registrieren noch eine App herunterladen – bezahlt wird wahlweise über Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte. Die Servicekraft identifiziert sich dabei über einen QR-Code. Alternativ oder auch ergänzend können die Mitarbeitenden entsprechende NFC Tags mit sich tragen. Auch digitale Team-Kassen sind möglich. Durch die Digitalisierung von Trinkgeld entstehen auch neue Möglichkeiten, z.B. Trinkgeld auch direkt an Küchenteams für ein besonders leckeres Essen zu geben.

eDrixx liefert die technologische Lösung und unterstützt auch bei der Bereitstellung der Infrastruktur vor Ort – von NFC Tags wie z.B. Armbändern und den QR Codes über Aufsteller bis hin zu Infoflyern in der jeweiligen CI des Unternehmens. Für jede Transaktion erhebt das Unternehmen eine Gebühr – Fixkosten fallen nicht an. Mit ihrem Angebot zielt eDrixx in erster Linie auf die Gastronomie. Aber auch andere Dienstleistungsbranchen, in denen Trinkgeld üblich ist, können von eDrixx profitieren.

„Trinkgeld ist für viele Servicekräfte ein entscheidender Einkommensfaktor. Wir wollen, dass dieser erhalten bleibt, weiter ausgebaut und zudem fair verteilt wird. Das steigert die Arbeitszufriedenheit und leistet zugleich einen Beitrag, die Attraktivität vieler Dienstleistungsbranchen zu erhalten, bei gleichzeitiger Entlastung von Arbeitgebern.“ so eDrixx-Geschäftsführer Rolf Zimmer, der das Start-up gemeinsam mit Sabine Stark, Christian Steinpichler und Chris Blättermann gegründet hat.

Start-up-Power gegen Gasabhängigkeit von Russland

Wie GreenTech-Gründer*innen mit ihren Innovationen die Unabhängigkeit von Russlands Gas fördern.

Deutschlands Position in Bezug auf eine unabhängige Energieversorgung ist ausbaufähig. Die aktuelle Lage spitzt sich auch im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg weiter zu. Die Chance liegt in einer größeren Unabhängigkeit im Bereich Energie – und es sind junge GreenTech-Start-ups wie Reverion, everyone energy oder Pionierkraft, die den Weg mit innovativen Lösungen im Energiesektor ebnen.

Ende Juni rief Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Alarmstufe des Notfallplans Gas aus. Es ist die zweite von drei Eskalationsstufen des Notfallplans, der nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vorgestellt wurde und bedeutet, dass eine Störung der Gasversorgung vorliegt. Kein Wunder, stammen doch circa 35 Prozent der Gaslieferungen für Deutschland laut Wirtschaftsministerium aus Russland. Aktuelle Pläne zielen darauf ab, Kohlekraftwerke verstärkt wieder an das Stromnetz anzubinden, um den Gasverbrauch im Stromsektor zu reduzieren. In Zeiten, in denen Gesellschaft und Politik eigentlich nach mehr Nachhaltigkeit und einer Green Economy streben, ist das eine ungünstige Entwicklung. Sie verdeutlicht, wie wichtig eine größere Unabhängigkeit von Gasimporten sowie innovative Lösungen zur Energiewende für Deutschlands Zukunft sind.

Junge Start-ups bringen hier die notwendige Innovationskraft, vor allem aber auch ein grundlegendes Bewusstsein für die Relevanz wirklich nachhaltiger Lösungen mit. Sie knüpfen mit innovativen Technologien an bereits bestehende Lösungen an und steigern diese in ihrer Effizienz oder bringen ganz neue Technologien auf den Markt. Der Fokus liegt dabei immer auf klimaschonenden Lösungen, erneuerbarer Energie und einer erfolgreichen Energiewende.

Reverion

Zu den Start-ups, die neue Lösungen für den Energiesektor entwickeln, gehört das Team von Reverion mit Sitz in Eresing bei Geltendorf, Bayern. Das Gründerteam hat die Vision, den Weg zu 100 Prozent erneuerbarer Energie durch die optimale Nutzung von Biogas zu ebnen. Der Ansatz: Ein Kraftwerk, das Verbrennungsmotoren ersetzen kann und reversibel einsetzbar ist. Dieses kann Strom aus Biogas sowie erneuerbare Gase aus Strom erzeugen. Darüber hinaus ist das System in der Lage, reines CO2 abzuscheiden und der Atmosphäre zu entziehen. Würde die Technologie von Reverion in ganz Europa erfolgreich eingeführt, könnten alle europäischen Emissionen um 10 Prozent reduziert und die Stromproduktion aus Biogas verdoppelt werden.

Das ist nicht nur klimafreundlich, sondern gibt auch eine Menge ungenutztes Potenzial frei, denn Biogas ist eine regelbare Quelle von erneuerbarer Energie. Aktuell wird sie von den üblicherweise eingesetzten motorbasierten Blockheizkraftwerken nicht optimal genutzt. Das System von Reverion arbeitet hingegen auf Basis von Festoxidbrennstoffzellen. Es zeichnet sich nicht nur durch mehr Effizienz aus – bis zu 80 Prozent elektrischer Wirkungsgrad sind möglich – sondern ermöglicht auch einen reversiblen Betrieb der Anlage. Darüber hinaus kann synthetisches, erneuerbares Erdgas aus Reverion-Anlagen über das bestehende Erdgasnetz für Strom, Wärme oder Mobilität genutzt werden. Dabei wird durch die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur ein Langzeitspeichereffekt erreicht. Die bestehende Infrastruktur besitzt in Deutschland eine Speicherkapazität von rund 400 TWh, dem 100.000-fachen der insgesamt installierten Batteriespeicher.

Für Maximilian Hauck, CTO und CO-Founder von Reverion, ist die Mission klar: “Unser Antrieb besteht darin, eine der größten Herausforderungen unserer Generation – den Klimawandel – anzugehen.” Nach dem Ingenieurstudium hat er sich ganz bewusst gegen eine Anstellung im Großkonzern entschieden: “In einem jungen Unternehmen kann man sich ganz anders einbringen. Die Aufgaben sind vielseitiger und man ist in der Regel deutlich involvierter in den Gesamtprozess. Meiner persönlichen Meinung nach ist das deutlich motivierender, als etwa im Großkonzern mit der Entwicklung eines Kleinteils im linken PKW-Außenspiegel betraut zu sein.”

Dass nicht nur das Gründerteam an das Potenzial ihrer Idee glaubt, zeigen auch die neuesten Entwicklungen: Erst Anfang Juli schloss Reverion eine Seed-Finanzierung in Höhe von über 7 Millionen Euro ab.

Everyone energy

Das Deep-Tech-Ei

BioNTech oder Celonis haben es hierzulande eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Wer beim Gründen auf Deep Tech setzt, sichert sich im Idealfall „unfaire“ Vorteile und erhöht zugleich die Chancen, dem klassischen „Horse Race“ in den Märkten zu entfliehen.

Wer gründet, sieht eine Opportunity, mit der sich Geld verdienen und bestenfalls die Welt verbessern lässt. Aber das allein reicht nicht: Angesagt und cool sollte das Ganze ebenfalls sein. Immerhin ist das Unternehmen gerade zu Beginn Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und diese sehnt sich nach Reputation und Signaling, oder etwa nicht? Nur stellt sich die Frage, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Denn wäre er ein ökonomischer Geniestreich, würden nicht 80 bis 90 Prozent aller Start-ups in den ersten drei Jahren wieder vom Markt verschwinden.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, die allgemeine Gründer*innenmentalität, die allzu oft nach fancy Themen sucht, zu hinterfragen und künftig vermehrt mit Ideen an den Markt zu gehen, die zwar weniger glitzern, dafür aber ihren Gründer*innen einen „unfairen“ Vorteil versprechen.

Wenn Wissenschaft auf Technik trifft

Je offensichtlicher ein Business, desto kompeti­tiver ist es auch. Bei Deep Tech ist das anders. Anfänglich wenig auffällig, ist Deep Tech ein Sammelbegriff für disruptive Technologien, die entstehen, wenn Wissenschaft auf Technik trifft. Alle Dinosaurier, die heute das Silicon Valley beherrschen, sind aus einem „Deep-Tech-Ei“ geschlüpft: Google, Apple, Microsoft. Zu Anfang, aber auch bis heute besitzen diese Unternehmen einen unfairen technologischen Vorteil, der als Grundlage ihres Geschäftsmodells dient.

Doch was zeichnet Deep Tech aus? Ihre Erfinder*innen greifen wenig bis gar nicht auf Bestehendes zurück, im Grunde entwickeln sie eine Technologie von Grund auf neu. Digital getriebene Deep-Tech-Kategorien sind unter anderem Blockchain, AI/KI oder Quantum Computing. Hinzu kommen Hardware- bzw. Engineering-lastige Kategorien wie BioTech, Advanced Materials, Drones & Robotics, New Energy oder Space Tech. Wichtiges Kriterium: Die neue Lösung hat einen wissenschaftlichen Ursprung und muss den bestehenden um Längen voraus sein, am besten um das Zehnfache. Daher spricht man auch von einem „10x-Unterschied“.

Wie kann ein(e) Gründer*in von solch fortschrittlichen Technologie profitieren und damit auch noch Geld verdienen? Eine berechtigte Frage, da Deep Tech offenkundig viel Forschungsarbeit benötigt und damit einiges an Zeit und Ressourcen bindet. Dazu sei gesagt: Gründer*innen müssen Technologien gar nicht unbedingt selbst erfinden bzw. entwickeln, es gibt sie bereits! Sie benötigen lediglich Zugriff darauf, um sie zu einem Geschäftsmodell weiterzuentwickeln beziehungsweise eine relevante Applikation darauf aufzubauen.

Der Zugang zu Deep Tech

Oftmals entsteht Deep Tech in Universitäten und Laboren. Sagen wir, eine Doktorandin forscht gemeinsam mit ihrem Professor nach einem Leichtbauwerkstoff für die Luftfahrt, und plötzlich ertönt ein lautes „Heureka“. Ein wissenschaftlicher Durchbruch, denn der neue Werkstoff ist leichter und günstiger als alle vergleichbaren. Nachdem die Jubelschreie verstummt sind, schlägt der Professor vor, ein gemeinsames Spin-off zu gründen; eine Ausgründung aus dem universitären Umfeld, das die Doktorandin leiten soll. Nunmehr sieht sich diese mit vielen neuen Fragen konfrontiert: Wie kann ich aus dem Werkstoff ein konkretes Produkt bauen? Wie kann dieses der Luftfahrtbranche helfen? Und wie erhalte ich Zugang zu den Entscheider*innen auf Kund*innenseite und finde obendrein Wagniskapitalgeber*innen? Es liegt auf der Hand, dass sie damit schnell überfordert ist, weil die Aufgaben völlig konträr zu jenen sind, die sie an der Universität zu bewältigen hatte.

Deep Tech beginnt nämlich in der Forschung als blanke Theorie, weit entfernt von einem marktreifen Produkt. Ziel im ersten Schritt ist es, einen Prototyp zu entwickeln und Sympathisant*innen zu finden. Nicht selten aber stirbt eine disruptive Idee in diesem Stadium, weil unklar bleibt, wie genau das Produkt aussieht, das dem/der Kund*in hilft. Den Gründer*innen fehlt der Zugang zu den richtigen Kontakten und das Wissen darüber, was der Markt im Detail benötigt. Und selbst wenn es den Gründer*innen gelingt, ein geeignetes Produkt zu entwickeln, wartet da noch das zweite Tal des Todes auf sie: Vertrieb und Marketing. Bis zu 100 Mal teurer kann der Aufbau und die Vermarktung einer Deep-Tech-Anwendung werden, als lediglich den zugrunde liegenden Technologiekern (Building Block) dahinter zu erarbeiten.

Deep Tech in seine Bausteine zerlegen

Die Lösung scheint, Deep Tech in seine Bestandteile zu zerlegen. Soll heißen, die zuvor erwähnte Doktorandin braucht rechtzeitig Hilfe, um den Prototyp zu entwickeln. Ihr Spezialgebiet ist nun mal die Forschung, und wenn sie ihren wissenschaftlichen Meilenstein in ein marktreifes Produkt überführen will, benötigt sie Zugang zum Markt. Das ist die Chance für Entrepreneur*innen und Co-Gründer*innen, deren Spezialität zwar nicht die Forschung, dafür aber die marktseitige Weiterentwicklung der Technologie in praktischer Anwendung ist. Sie bringen das mit, was der Doktorandin fehlt: ein Gespür dafür, was der Markt gebrauchen könnte und wie sich damit Geld verdienen lässt.

Und wie lässt sich jetzt beides verbinden? Zum einen muss der Doktorandin oder dem Team des schon gegründeten Forschungs-Spin-offs klar werden, dass ihre Lösung einen Building Block darstellt, der meist verschiedene Probleme in unterschiedlichen Vertikals lösen kann. Zum anderen braucht es dafür Applikationen, d.h. konkrete Produktanwendungen, die auf Basis der Deep Tech entwickelt werden, und natürlich Entrepreneur*innen, die das Marktgespür aus einer bestimmten Nische – besser noch – für ein spezifisches Industrieproblem mitbringen. Die Schnittstelle kann eine Kooperation oder ein Application Programming Interface (API) sein. Wichtig ist, dass der Building Block forschungsnah bleibt, damit er fortlaufend weiterentwickelt werden kann.

Die Monetarisierung erfolgt dann über ein separates Unternehmen, das den starken Technologievorteil in Form eines Produkts, respektive einer Anwendung im Zielmarkt verkauft. Mithilfe dieser Logik geht es weg von „Lab to Market“ hin zu „Market to Lab“. Der Prophet soll also nicht mehr zum Berg, sondern der Berg zum Propheten kommen. Derzeit ist das noch ein händischer Prozess, der stark auf Zufall und auf der Fähigkeit zu Netzwerken beruht. Gelingt es aber, sowohl den Markt als auch die Forschung anhand von greifbaren Erfolgen hierfür zu sensibilisieren, kann ein herausragendes Modell für beide Seiten resultieren. Und damit würde Entrepreneurship das Allzeitproblem des mangelhaften Technologietransfers lösen.

Um die Erfolgschancen zu erhöhen, ist eine Schnittstelle zwischen Forschung und Markt sinnvoll, eine sogenannte Middleware-Company (meist als Spin-off aufgesetzt), die sich als Building Block zwischen der Applikation und dem Deep-Tech-Ursprung befindet. Sie hat einerseits Zugang zu den Lehrstühlen mehrerer Universitäten, eben dorthin, wo Deep Tech oft seinen Ursprung hat. Andererseits beschäftigt sich die Middleware-Company nicht direkt mit Einzellösungen (Applikationen) am Markt, sondern fokussiert auf die Rolle des Enablers (ggf. sogar als Plattform) und stellt den Applikations-Companies den Technologiekern zur Verfügung. Das Risiko von Deep Tech wird aufgeteilt, da sich jede Partei auf ihr jeweiliges Fachgebiet konzentrieren kann. Das verschlankt den Prozess und reduziert die Gefahr, das Rad neu zu erfinden oder sich in unnötigen Aufgaben zu verlieren.

Die Zeit ist reif für Deep Tech

Zwischen 2016 und 2020 wuchs der Deep-Tech-Markt um das Vierfache, gemessen an den Investitionen. Beflügelt haben dieses Wachstum globale Probleme, allen voran das Bevölkerungswachstum und die Klimakrise. Deep Tech könnte sich als ein Problemlöser erweisen und Gründer*innen wie Wagniskapitalgeber*innen mit verteidigbaren Technologien ausstatten. Unter Umständen erweisen sich Technologie und Anwendungsfeld im ersten Moment als weniger fancy, als ursprünglich erdacht, aber dafür könnten die Parteien einen echten Fußabdruck hinterlassen und außerdem ein differenziertes Geschäftsmodell mit kraftvollem Kern entwickeln, der lange Zeit unangreifbar bleibt.

Daraus resultiert der eingangs erwähnte unfaire Vorteil, der sich allerdings gesellschaftlich betrachtet als äußerst fair erweisen könnte. Und das wiederum erfüllt die Arbeit der Gründer*innen mit mehr Freude und Sinnhaftigkeit. Das wäre mit einem wettbewerbsintensiven Geschäftsmodell wohl kaum realisierbar.

Der Autor Prof. Dr. Bastian Halecker ist Founding Partner des German Deep Tech Institutes und Deep Tech Entrepreneur­ship @ XU Exponential University, www.germandeeptech.institute

Digitalstage.io: Fanbindung 2.0

Die Berliner Plattform Digitalstage.io ermöglicht es Künstler*innen, mit ihren Fans weltweit digital in Kontakt zu treten und neuartige Monetarisierungsmodelle zu nutzen.

Die vergangenen zwei Jahre haben die Musikindustrie nachhaltig erschüttert: Die Corona-Pandemie sorgte für leere Konzerthallen und volle Live-Streams; (Live-)Musik gab es fast nur noch online. Vorbereitet war die Branche darauf nicht. Mit den Konzerten brach auch die Haupteinnahmequelle vieler Künstler*innen weg. Streams konnten die Lücke nicht schließen: Verdienten Künstler*innen und Label früher mit Live-DVDs noch einiges dazu, war der YouTube-Stream für viele nur noch ein zusätzliches Marketinginstrument. Im Lockdown waren Streams probate Mittel, Fans bei der Stange zu halten – Geld verdienen ließ sich mit ihnen aber nicht.

Ich habe Live-Konzerte vermisst

Richard Harless will das ändern: „Ich habe, wie viele Menschen, Live-Konzerte vermisst. Die Versuche vieler Künstler*innen, über Social Media mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten, waren kein wirklicher Ersatz. Also habe ich begonnen, darüber nachzudenken, wie sich das Live-Erlebnis in den digitalen Raum transportieren ließe.“ Das Ergebnis heißt Digitalstage.io, eine Plattform, die nicht weniger will als die Beziehung zwischen Fans und Künstler*innen auf eine ganz neue Grundlage zu stellen.

Der seit vielen Jahren in Berlin lebende US-Amerikaner Richard ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt: Als Deutschlandchef machte er die Musik-App Shazam auch hierzulande zu einer Erfolgsgeschichte. Anschließend brachte er die Musiktext-Plattform Genius.com nach EMEA.

Live-Stream als Gamechanger

Die Gründung seines Unternehmens vollzog Richard Ende 2020, die ersten Events folgten in der ersten Hälfte des Jahres 2021. Bald begann Sony Music, die Plattform für seine Künstler*innen zu nutzen. Auch investorenseitig tat sich einiges: Nachdem Richard und einige Mitstreiter*innen die initiale Finanzierung selbst übernahmen, folgte 2021 zunächst eine Angel-Runde und Ende des Jahres eine Seed-Finanzierung.

Digitalstage.io ermöglicht es Künstler*innen, mit ihren Fans weltweit digital in Kontakt zu treten. Erstere erhalten dafür eigene Seiten, auf denen sie Events nach ihren Wünschen anbieten können: von gestreamten Live-Konzerten über Albumpremieren bis hin zu Interviews und Diskussionen. Dabei lassen sich etwa zum Stream-­Konzert Merchandise-Verkäufe oder Live-Chats, exklusive Meet and Greets nach dem Gig oder gar exklusive Sammlerstücke via NFT hinzufügen.

„Wir wollen Menschen ein Erlebnis bieten, wie sie es von realen Events kennen“, erläutert Richard. „Wir wollen das Verhältnis zu den Künstler*innen stärken, egal wo auf der Welt sie sind. Künstler*innen geben wir die Möglichkeit, diese Beziehung zu monetarisieren. Der Live-Stream soll nicht mehr nur ein Marketinginstrument sein – er rückt in den Mittelpunkt der Fan-Künstler*in-Beziehung.“

Doch das Ziel der Plattform geht darüber hinaus, eine Ergänzung zu realen Live-Erlebnissen zu bieten. Die Beziehung zwischen Künstler*innen und Fans zu stärken, heißt auch, sie aus ihrer Fragmentierung zu befreien, betont Richard: „Fans kaufen Alben, sie kaufen Konzerttickets, sie kaufen Merchandise. Doch das ist nur in den allerseltensten Fällen miteinander verbunden. Künstler*innen haben bislang keinerlei Kon­trolle über die kommerziellen Aspekte der Fanbeziehung. Sie wissen nicht, wer Tickets für ihre Shows oder ihre Alben kauft. Damit kennen sie auch nicht ihre Super-Fans, haben keine Ahnung, bei wem es sich lohnt, besondere Erlebnisse anzubieten, wer Backstage-Zugang verdient oder wer an exklusiven Sammlerstücken interessiert sein könnte.“ Digitalstage.io, so die Vision des Gründers, soll genau das ermöglichen.

Dezentrale Blockchain-Technologie

Dazu braucht es natürlich auch die passende technische Grundlage. Digitalstage.io setzt von Beginn an auf die dezen­trale Blockchain-Technologie. Mit der Celo-Blockchain hat das Unternehmen jetzt sein perfektes Fundament gefunden. Celo ist eine Mobile-First-Plattform, die auf Basis einer eigenen Blockchain-Infrastruktur Bezahlungen und Finanz-Apps für alle Smartphone-Nutzer*innen weltweit zugänglich machen will. So wie Celo mobiles Bezahlen demokratisiert, will Digitalstage.io dies für den Zugang von Künstler*innen und Fans zueinander leisten. Für eine Plattform, die zum Ziel hat, diese Beziehung zum Nutzen beider Seiten zu monetarisieren, ein optimaler Partner.

Das sehen auch die Macher hinter Celo so: Der von ihnen gestartete Early-Stage-Investmentfond Flori Ventures investierte im Rahmen der Pre-Seed-Finanzierung eine sechsstellige Summe in Digitalstage.io. Mehr noch: Gleichzeitig wurde das Berliner Unternehmen in das Accelerator-Programm Celo Camp aufgenommen, das Start-ups dabei unterstützen soll, gemeinsam Lösungen und Anwendungen für ein dezentrales und für alle offenes Finanzsystem zu entwickeln. Mit Erfolg: Digitalstage.io gehörte zu den Finalisten des letztjährigen Camps.

(Live-)Time is Money

Und auch sonst kann die Plattform nach gerade mal einem Jahr schon einiges vorweisen. Ihren Start hatte sie Anfang 2021 mit einer Livestream-Performance der deutschen Dark-Pop-Band Blackout Problems. Seitdem fanden auf der Plattform 57 Veranstaltungen unterschiedlichster Art und Größe statt. Auch manche große Namen haben die Plattform bereits genutzt. Rock-Superstars Kings of Leon etwa, die ihr neues Album auf Digitalstage.io vorstellten. Oder Star-DJ Martin Garrix, der exklusiv Fragen von Fans beantwortete. Oder Eurovi­sion-Gewinner Måneskin: Die italienische Band streamte ein Record-Release-Konzert mit begleitendem Chat live aus Berlin in Clubs in 18 Ländern.

„Die wichtigste Metrik für uns ist, wie lange die Menschen bei einem Event dabeibleiben, wie viel Zeit sie letztlich mit dem Künstler oder der Künstlerin verbringen“, betont Richard. „Und da ist Digitalstage.io extrem erfolgreich: Im Schnitt bleibt das Publikum für 95 Prozent der Dauer des Streams dabei – durchschnittlich mehr als 30 Minuten pro Event. Je mehr Zeit der Fan investiert, desto enger wird die Beziehung – und desto besser lässt sie sich auch monetarisieren.“

NFTs als Zukunftstrend

Dabei, so ist der Gründer überzeugt, spielen zukünftig NFTs eine wichtige Rolle. Diese bieten etwa Super-Fans die Möglichkeit, exklusiv digitale Sammlerstücke zu besitzen. Den Anfang machten Richard und sein Team im September 2021: Im Rahmen des Live-Streams zu einem Single-Launch von Sängerin und TikTok-Star Loi wurde ein viral gegangener und mit exklusivem Artwork versehener Ausschnitt des Songs als NFT-Sammlerstück angeboten.

Richard Harless sieht hier einen Zukunftstrend für die gesamte Branche: „NFTs werden die Fan-Künstler*in-Beziehung nachhaltig revolutionieren, denn sie können so viel mehr: Sie sind in der Lage, die Fragmentierung der kommerziellen Fan-Künstler*in-Beziehung aufzubrechen.“ Aus diesem Grund wird Digitalstage.io im ersten Quartal 2022 einen NFT-Musikmarktplatz starten. Auf diesem können Fans NFTs mit ihren Einkäufen sammeln, und Künstler*innen können dann ihren Fans genau definierte Inhalte anbieten. Erstmals wird es Künstler*innen damit möglich sein, beispielsweise Ticket- und Merchandise-Verkäufe miteinander zu verknüpfen und somit ihre größten Fans kennenzulernen.

Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben

Und noch einen zweiten Trend sieht Richard für die Zukunft: hybride Events. „Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben. Künstler*innen werden zukünftig jede Live-Show zu einem Live-Stream machen können. So rücken Künstler*innen und Fans mit- und untereinander viel enger zusammen, was ganz neue Interaktionen ermöglicht.“ Der Gründer sieht sein Unternehmen an der Spitze eines echten Wandels: „Wir befinden uns am Anfang einer völligen Neudefinition des Verhältnisses zwischen Künstler*in und Publikum. Statt voneinander getrennte Transaktionen greift zukünftig alles ineinander: Streams und Live-Konzerte, Ticketing und Merchandise-Verkäufe, das emotionale Erlebnis und die kommerzielle Beziehung.“ Richard Harless und sein Berliner Team sind entschlossen, diesen Wandel aktiv voranzubringen.