Dorfladen gründen: Tipps und To do‘s

Autor: Wolfgang Gröll
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Die vier Säulen eines dauerhaft profitablen Dorf- bzw. Bürgerladens.

Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Krise suchen viele Menschen im Supermarkt einen Treffpunkt, der gute Laune macht. Der Dorfladen weist manchmal ein Café auf, in dem sich Jung und Alt gerne treffen. Ein Dorfladen muss eine stimmungsvolle Atmosphäre aufzeigen und zum Small-Talk einladen. Doch ist der Konkurrenzkampf zwischen Discountern und Supermärkten nicht mehr als groß? Wir stellen die wichtigsten 4 Säulen vor, die bei der Gründung vom Dorfladen einen großen Stellenwert einnehmen.

Miss dich nicht mit Discountern oder Supermärkten

Keine Frage: Ein Dorfladen ist kein Geschäft, in das die Kund*innen wegen der preiswerten Angebote kommen. Hier möchte man ein Schwätzchen halten und eine schöne Atmosphäre genießen. Aus diesem Grunde solltest du überlegen, was genau du alles an Leistungen in deinem Dorfladen mit aufnehmen möchtest. Mancher Dorfladen bietet einen Lotto- und Reinigungsservice an oder arbeitet mit einer Poststelle zur Paketaufgabe und -annahme. Dadurch werden zusätzliche Einnahmen generiert, die du nicht unterschätzen darfst. Auch eine Änderungsschneiderei wird in der heutigen Zeit ab und an gesucht. Je nach Talent und Möglichkeiten solltest du vor der Gründung genau überlegen, welche Geschäftsfelder du abdecken kannst.

Tipp: Überlege, wie du ein Alleinstellungsmerkmal als Dorfladen-Betreiber*in vorweist, das überzeugt.

Analysiere die Lage sehr gut, bevor du dein Unternehmen gründest

Natürlich solltest du vor der Gründung genau überlegen, welche Chancen du mit deinem Dorfladen haben wirst. „Die Lage, die Lage und nochmals die Lage“ - dies ist eine Philosophie, die du niemals außer Acht lassen darfst! Wenn du Discounter oder gut besuchte Supermärkte in deiner Nähe findest, dann ist es schwierig, mit einem Dorfladen den Lebensunterhalt zu verdienen. Der „Tante-Emma-Laden“ mit langen Öffnungszeiten und deinem vollen Arbeitseinsatz muss sich in einer Lage befinden, in der die Menschen das Geschäft gern aufsuchen. Hier wird eingekauft, um vielleicht auch einen Kaffee zu trinken und einen Plausch unter Nachbarn zu führen.

Tipp: Überlege dir genau, in welcher Lage du deinen Laden eröffnen möchtest und plane alle Mietkosten mit ein. Je besser du ins Dorfleben integriert bist, desto eher wird dein Geschäftsmodell vermutlich unterstützt.

Arbeite mit regionalen Herstellern zusammen, die man gern fördern möchte

Natürlich weist ein Dorfladen meist ein Sortiment an Waren auf, in dem jeder fündig werden kann, Voraussetzung dafür ist, dass das Motto „Qualität hat ihren Preis“ beachtet wird. Biete Bio-Waren von regionalen Betreibern an, die man gern unterstützt. Das Thema Nachhaltigkeit ist mehr, viel mehr, als ein Trend der Zeit, der bald wieder verfliegen wird. Zum Beispiel kannst du ein Geschäft ganz ohne Verpackungen in deinen Dorfladen integrieren. Somit schützt du Umwelt und Natur oder sparst Müll. Meist weist ein Dorfladen frische Lebensmittel auf, die verderben könnten. Hier solltest du oberste Wachsamkeit walten lassen. Ggf. lohnt es sich, mit selbstgemachten Naturkosmetik-Produkten (aus wertvollen Lebensmitteln, die vor dem Verderb geschützt werden) ein weiteres Geschäftsfeld abzudecken.

Tipp: Ein gutes Netzwerk zu regionalen Herstellern, mit denen du gern zusammenarbeitest, ist eine Eintrittskarte für den Erfolg.

Bei aller Leidenschaft dürfen Zahlen und Fakten im Businessplan nicht euphorisch geplant werden

Mit Herzblut und vollem Einsatz möchten sich heutzutage einige Menschen mit einem Ladengeschäft, das nicht jeder hat, selbstständig machen. Doch Vorsicht: Bitte kalkuliere vorsichtig und plane clever. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und besser als Euphorie, weil du alles, was erzählt wird, glaubst. Zahlen, Daten und Fakten musst du mit einem Banker oder Berater in Sachen Unternehmensgründung genau analysieren. Auch beim Abschluss von Internet oder bei den Stromanbietern kannst du intelligent sparen, indem du den Neukundenbonus nutzen und verschiedene Dienstleister miteinander vergleichst. Daneben solltest du bei jeder Unternehmensgründung wissen: „Gut Ding will Weile haben.“ Rechne also mit Anlaufschwierigkeiten und kalkuliere in den ersten Monaten besonders defensiv.

Tipp: Denke bei jeder Kalkulation auch an den Ausfall deiner Arbeitskraft. Plane ggf. Versicherungen mit ein, die im Beitrag je nach Situation die Kosten deutlich erhöhen können. Wer von Anfang an alle Eventualitäten mit einplant, wird auf Dauer die Nase vorn haben.

Fazit

Dorfläden können sich dann durchsetzen, wenn der Betreiber/die Betreiberin besonders fleißig und freundlich ist. Zeige Menschlichkeit und beweise täglich den Kund*innen, dass sie von dir wie ein König behandelt werden.

Der Autor Wolfgang Gröll gilt als der "Dorfladen-Papst" schlechthin in ganz Deutschland. Seit mehr als 30 Jahren bringt er Erfahrung im Business des „Tante-Emma-Ladens“ mit. Fast 1000 kleinen Dorfläden konnte er bei der erfolgreichen Unternehmensgründung unter die Arme greifen. Nach seiner Philosophie möchte er kleinen Dorfläden dabei helfen, nicht illusorisch zu kalkulieren und zu zeigen, wie sie besser als die Konkurrenz sein können.

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