Die Food-Zukunft ist Technik


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Experten-Interview mit Marco Cerqui von der Bring! Labs AG. Gemeinsam mit den Co-Gründern Sandro Strebel und Dominic Mehr gründete Marco Cerqui 2015 Bring! Labs, um den klassischen Einkaufszettel zu digitalisieren. Die Shopping-App Bring! ermöglicht es den Usern, ihre Einkäufe effizient zu organisieren und kostbare Zeit im Supermarkt-Getümmel zu sparen.

Bring! Labs AG Co-Gründer Marco Cerqui

Vor rund drei Jahren haben Sie Bring! gegründet und damit ganz aufs Thema Digitalisierung der Foodbranche gesetzt. Wie war 2015 der diesbezügliche (Entwicklungs-)Stand in der Branche? Waren Sie mit Ihrem Konzept Vorreiter?

Obwohl wir bei Bring! Vorreiter bei der Integration von Einkaufsservices oder Connected Living sind, orientiert sich unsere Kerndienstleitung an einem sehr etablierten und weltweit bekannten Konzept: dem Einkaufszettel. Im Jahr 2015 haben wir begonnen unseren Benutzern ein Tool zur Verfügung zu stellen, mit dem sie ihren Haushaltseinkauf wesentlich vereinfach können. Der grundlegende Unterschied zwischen damals und heute ist in meinen Augen, dass vor allem die großen und etablierten Unternehmen verstanden haben, dass sie Innovationen brauchen, wenn sie weiterhin erfolgreich sein möchten. Diese Innovationen können sie nur selten alleine hervorbringen. Die Bereitschaft für Partnerschaften und Integrationen ist heute viel größer.

Und welche größten Veränderungen hat die Lebensmittelindustrie seitdem genommen?

Der Wettbewerbsdruck hat stark zugenommen und die Technologie hat nochmals einen massiven Schritt vorwärts gemacht. Das beste Beispiel dafür ist Amazon. Ihr Onlinedienst Amazon Fresh befindet sich zwar noch in der Aufbauphase, aber es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Händler wie Amazon, PicNic oder auch Google Express sich einen wesentlichen Teil vom Lebensmittelmarkt schnappen werden. Das setzt etablierte Unternehmen wie Rewe, Lidl & Co. unter Druck. Außerdem schaffen es diese Unternehmen besser mit neunen Technologien wie Voice Assistant’s oder A.I. das Kundenerlebnis zu erweitern.

Welches sind die wichtigsten (Zukunfts-)Trends, die Gründer in der Foodbranche beachten sollten?

Der Kunde wird immer anspruchsvoller. Es reicht heute vielfach nicht mehr, seine Dienstleistung oder sein Produkt in einem Laden oder auf einer Website anzubieten. Heute muss man fast schon von Tag 1 auf allen wesentlichen Kanälen präsent sein. Auf der Technologieseite bin ich überzeugt, dass Voice Assistent´s wie Alexa und Connected Living unseren Alltag in den nächsten Jahren stark verändern werden.

Sehen Sie auch Schattenseiten der Digitalisierung in der Lebensmittelindustrie?

Lebensmittel sind ein reales Gut, hinter dem oft auch ein Handwerk und ein passionierter Produzent stehen. Früher ging man zum Gemüsehändler, der einem dann die Unterschiede zwischen den Tomatensorten erklärte und man konnte sich die reifsten Exemplare für den Tomatensalat raussuchen. Der Händler konnte eine Beziehung zum Kunden aufbauen und stellte so sicher, dass der Kunde die nächste Woche wiederkam. Dieses Erlebnis und die Kundebindung digital abzubilden, ist eine große Herausforderung, insbesondere für kleinere Händler.

Veränderungen erfolgen in zeitlich immer kürzer werdenden Abständen, was sich natürlich auch auf die Unternehmen auswirkt. Liegt hier der große Vorteil für agile Start-ups?

Schnelle Veränderungen bieten auch für Startups nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Der Vorteil von Start-ups liegt darin, dass ein Pivot bzw. eine Richtungsänderung einfacher durchgezogen werden kann. Aber natürlich hat jeder Pivot seinen Preis und je nachdem in welchem Stadium sich ein Start-up befindet, kann ein Pivot schwierig sein.

Neben Agilität und Innovationskraft sind auch in der Foodbranche finanzielle Investitionen in Zukunftstrends und -märkte unerlässlich. Sind hier Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen die ideale Lösung? Wenn ja, wie sollten diese aussehen?

Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen können eine Win-win-Situation sein, sie müssen aber richtig aufgesetzt werden. Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Zusammenarbeit für beide Partner eine ähnliche Wichtigkeit hat und dass beide voll dahinterstehen. Meistens steht für Start-ups wesentlich mehr auf dem Spiel als für etablierte Unternehmen. Dem sollte entsprechend Rechnung getragen werden.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Etwas Erfolgreiches aufzubauen braucht seine Zeit. Ich empfehle Gründern sich nur auf Projekte einzulassen, welche ihnen wirklich Spaß machen und an denen sie sich vorstellen können die nächsten 5 bis 10 Jahre zu arbeiten.

Das Interview führte Hans Luthardt


Hinweis
: In der kommenden Ausgabe von StartingUp - Heft 03/18 - liest du einen umfangreichen Beitrag von Marco Cerqui: Foodruption - ob Aquaponic, Grocerant-Konzept oder Blockchain: Wie Food-Gründer den digitalen Wandel in der Lebensmittelindustrie für sich nutzen können.

Die StartingUp Heft 03/18 ist hier bestellbar und ab dem 23. August im Handel - auch als ePaper


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