Social Startup: MyDreamHome

Wie Social Enterprises punkten

Autor: Jan Watermann
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Social Enterprises helfen die Probleme der Welt zu bekämpfen, doch wie behaupten sich sozial orientierte Start-ups gegenüber profitabel aufgestellten und oft besser kapitalisierten Unternehmen? Wir zeigen dies am Beispiel des 2014 gegründeten kambodschanischen Start-ups MyDreamHome.

Der kambodschanische Social Entrepreneur Kongngy Hav

Die eingangs gestellte Frage lässt sich trotz des in Deutschland immer mehr aufkommenden Trends und Interesses an Social Startups nicht mit einheitlichen Antworten klären. Um Klarheit zu schaffen, sollte man Gründungen in Entwicklungsländern genauer anschauen, wo Social Startups oftmals aus dem nichts entstehen können, Kapital wird zur Nebensache, Networking und effektives Branding rücken in den Fokus.

MyDreamHome

Der kambodschanische Social Entrepreneur Kongngy Hav hat eine ganz klare Einstellung zu dem Thema: „Um sozial zu gründen, muss man eigene Bedürfnisse zurückstellen können und sich voll und ganz der Vision widmen. Dauerhafte Interaktion mit anderen Social Enterprises ist existenziell um sich mit wenig Kapital in wettbewerbsintensiven Märkten durchzusetzen. Soziale Gründer dürfen nicht konkurrieren, wir alle wollen die Welt positiv beeinflussen. Jeder andere Gründer in dieser Branche ist ein Kollege, der am selben Ziel arbeiten. Sozial ausgerichtete Co-Working Spaces sind der Schmelztiegel sozialer Innovation und sollten Gründern als ein offener Ort dienen, um Arbeitskraft und Ideen miteinander auszutauschen.“

Als Kongngy Hav 2014 MyDreamHome gründete, hatte er eine klare Vision des kambodschanischen Stadtlebens: „Jeder Kambodschaner soll die Möglichkeit haben, mit seiner Familie in einer akzeptabel ausgestatteten Unterkunft zu leben“. Dafür kämpft der 32-jährige Kambodschaner seit drei Jahren, nachdem er am eigenen Leib erfahren musste, dass Häuser in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh nicht nur für ihn, sondern auch für einen großen Teil der Unter- und Mittelschicht des Landes unerschwinglich sind. Das in Phnom Penh ansässige Unternehmen adressiert Geringverdiener, wie Fabrikarbeiter, die aufgrund steigender Urbanisierung von Immobilienpreisen erdrückt werden und sich oft, getrennt von ihren Familien, mit bis zu Zehn weiteren Menschen, kleine Wohnungen teilen und dort unter menschenunwürdigen Umständen leben.

Die Lösung: der Interlocking Brick

Um seine Vision zu realisieren, entwickelte Kongngy Hav 2014 einen „Interlocking Brick“, der sich nach dem Lego-Prinzip zusammenstecken lässt und so das Hausbauen deutlich simplifiziert. Kongngy Havs Ziegel sind daher auch für unerfahrene Häuslebauer geeignet. Der aus 90 Prozent Erde und 10 Prozent Zement gepresste, sonnengetrocknete Stein halbiert nicht nur die Bauzeit von Häusern, sondern spart über 500g an Kohlendioxid Emission pro Stein ein, die während des Brennens von Tonsteinen ausgestoßen werden.

My Dream Home verkauft sie zu „Preisen nach dem Robin-Hood-System“, so Hav, „besser gestellte Käufer zahlen einen höheren Preis und quersubventionieren damit den billigeren Preis für Arme.“ Seit 2015 verkauft MyDreamHome auch vorkonstruierte Häuser zu 50 bis 60 Prozent des üblichen Marktpreises, die durch ein Quersubventionierungskonzept zu Kreditraten von 1,5 USD am Tag an sog. Unterschichtler vergeben werden können. So wurden bis heute 105 Häuser an Geringverdiener verkauft, die das Leben von über 300 Menschen lebenswerter machen.

Networking gegen Kapital-Knappheit

Intensive Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern macht soziales Unternehmertum deutlich effizienter als klassisches, es lässt Unternehmen Ressourcen besser nutzen und beseitigt jegliches Konkurrenzdenken. Die Auswirkungen daraus sind gigantisch, so können Start-ups wie MyDreamHome oder die kambodschanischen Footprint Cafés aus dem nichts entstehen und innerhalb kürzester Zeit in enormen Tempo wachsen.

Finanzielle Markteintrittsbarrieren sind in Emerging Markets so gering wie in keinem entwickelten Land; sprachlich und kulturell kann man jedoch auf Barrieren stoßen, die sich nur schwer überwinden lassen. Meist sprechen nur geringe Anteile der Bevölkerung Englisch und die Bereitwilligkeit Hilfe von Ausländern zu akzeptieren kann schwanken. Kongngy Hav empfiehlt Gründungsinteressierten deshalb professionelle Hilfe bei gut vernetzten NGOs oder in lokalen Englischschulen zu suchen, wo sich Menschen bestens mit den jeweiligen Kulturen auskennen und bei Differenzen vermitteln können.

Für eine verbesserte Welt

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Social Startups die oft auftretende, chronische Kapital-Knappheit durch klassisches Networking bis zu einem gewissen Grad kompensieren können. Eine völlig offene, hilfsbereite Startup Kultur hilft dabei einen großen Impact mit geringem Kapital zu erzeugen. Sollte an bestimmten Punkten externe Fundings benötigt werden, bieten sich Social Crowdfunding Plattformen, wie StartSomeGood.com, an um Finanzierungen, gerade in Anfangsphasen durchzuführen. Social Venture Fonds bieten oft Zinsfreie Kredite oder einen Anteilserwerb ohne direkte Gegenleistung an und öffnen sich immer mehr für polarisierende und auch exotische Ideen, die zur Verbesserung der Welt führen können.

Zurzeit läuft eine Fundingkampagne von MyDreamHome, mehr dazu hier

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