PS-starke Werbung

Autor: Hans Luthardt
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Das Mannheimer Start-up RoadAds macht Kleintransporter und LKWs erstmals zu rollenden, digitalen Liftfaßsäulen.

Andreas Widmann ist auf dem besten Weg, Europas Anbieter Nr. 1 für digitale Fahrzeugwerbung zu werden, Foto: Ricardo Wiesinger

Du fährst auf der Autobahn, hast noch einiges an Kilometern vor dir und die Fahrerei ist eintönig-ermüdend. In diesem Augenblick erscheint auf der Hecktür des vor dir fahrenden LKWs der Hinweis, dass es in der nächsten Raststätte – drei Kilometer entfernt – gerade einen Kaffee samt Croissant für nur einen Euro gibt. Super! Also nix wie raus nach den drei Kilometern und eine Kaffeepause eingelegt ...

Alles richtig gemacht – aus Sicht von Andreas Widmann, dem Gründer der RoadAds interactive GmbH, dem Mannheimer Start-up, das digitale, standort- und kontextabhängige Fahrzeugwerbung in Echtzeit anbietet. Andreas’ bislang einzigartige Lösung: Besondere Displays ermöglichen es erstmals, digitale Inhalte auf fünf Meter genau auszuspielen, bei einer 180-Grad-Sichtbarkeit. „Die Idee entstand bereit vor Jahren beim Abendessen. Mit meinem Vater – er ist in der Geschäftsleitung des Logistikers LGI – habe ich darüber gesprochen, dass die Heckflächen von LKW als Werbeflächen nicht gefragt sind. Das Problem ist, dass die Fahrzeuge wochenlang in Gegenden unterwegs sind, die der Werbekunde nicht erreichen will. Unsere Schlussfolgerung: Die Werbung muss sich an den jeweiligen Standort anpassen“, so Andreas rückblickend. Und LKWs bieten ein enormes Werbepotenzial. „Eine Heckfläche hat bis zu 50.000 Sichtkontakte am Tag und wird 2,5 mal besser wahrgenommen als stationäre Plakatflächen“, erklärt Andreas und ergänzt: „Bisher konnte diese attraktive Werbefläche aber kaum sinnvoll genutzt werden, da sich der LKW bewegt, die Werbung aber statisch bleibt.“

No Go: bewegte Werbung im Straßenverkehr

Doch was zunächst als Idee so simpel anmutet, ist sowohl technisch raffiniert, innovativ als auch rechtlich mit vielerlei Hürden versehen. Denn bevor Andreas Widmann seine mit einem GPS-Sender, einer WLAN-Antenne sowie ausgeklügelter Ansteuerungselektronik für die Signale verbundenen Flachbildschirme an die Hecktür von LKWs und Kleintransportern installieren und darüber letztlich Werbebotschaften senden konnte, musste er sich intensiv mit den Vorschriften des Straßenverkehrs auseinandersetzen.

Denn der Gesetzgeber beschränkt die Werbemöglichkeiten auf der Straße: Bewegte Bilder sind hierzulande an Fahrzeugen genauso untersagt wie beleuchtete Displays. Also was tun? Die Lösung: Andreas verwendet E-Reader, vergleichbar dem Amazon kindle paperwhite. Diese ePaper-Displays sind 64-Zoll-ePaper-Displays groß, unbeleuchtet und aus den Pixeln Text sowie Bildmotive in Schwarz-Weiß zusammengesetzt. Während der Fahrt bleiben die Bilder bzw. Texte 30 Sekunden lang auf dem Display zu sehen, danach wird die nächste Werbung eingeblendet. Dieser 30-Sekunden-Rhytmus ist es, den die Straßenverkehrsordnung auf deutschen Straßen zulässt.

In Echtzeit und messbar

Mit dieser nicht nur hierzulande bislang einzigartigen Form der Außenwerbung können Weidmanns Kunden, zu denen unter anderem Mercedes Benz, reBuy oder Burger King gehören, Werbung in Echtzeit und standort- bzw. positionsgenau genau schalten bzw. präsentieren. „Alle Displays sind mit GPS, LTE und WLAN ausgerüstet, sodass die Inhalte nicht nur an die jeweilige Position, sondern auch an Echtzeitfaktoren, wie Uhrzeit, Wetter und Verkehrslage, angepasst werden können. Hierzu besteht eine ständige Kommunikation zwischen den Displays und unseren Webservern“, so Andreas.

Und besonders wichtig: „Ein wesentlicher Vorteil von RoadAds ist das genau messbare Feedback. Die GPS-Daten sagen, wo und wann das Fahrzeug unterwegs war. Zudem werden die digitalen Sichtkontakte über die WLAN-Strahlung von Handys ermittelt. Auf diese Weise gewinnen wir die Information, wie viele Menschen zum Zeitpunkt der Anzeige Sichtkontakt hatten“, so Andreas. Die RoadAds-Kunden können so beispielsweise ihre Anzeige nur im Raum Mannheim von 15 bis 17 Uhr bei strahlendem Sonnenschein und Stau auf der Autobahn anzeigen lassen. Anschließend können sie aufgrund der von RoadAds verbauten Module, welche die Umgebung auf WiFi-Signale scannen, messen, wie viele Sichtkontakte ihre Anzeige generiert hat. Außerdem bietet das Start-up mit seinen #RoadNews und Verkehrs- und Wetterwarnungen zusätzlichen Content, der die Autofahrer auf die Displays aufmerksam macht und so die Anzeigen deutlich effektiver an die Konsumenten bringt als die üblichen statischen Werbeplakate.

Neben Werbung können über die 64-Zoll-Displays auch ortsgenaue Verkehrsmeldungen oder aktuelle Wetterwarnungen in Echtzeit an die Autofahrer weitergegeben werden, Foto: RoadAds interactive GmbH

Tests mit dem eigenen Truck

Neben den vielen rechtlichen Fragen musste der Andreas natürlich auch sicherstellen, dass die ePaper-Displays den Anforderungen in der Praxis standhalten. Statt wie noch Jahre zuvor als Biologie-Student im Universitäts-Labor an filigranen Proteinen zu forschen, musste der Gründer sich jetzt mit den gar nicht filigranen Widrigkeiten von Straße, tonnenschwerem Fahrzeug und Wetterbedingungen auseinandersetzen. Per Dampfstrahler haben Techniker Wasser mit einem Druck von 100 Bar auf die Displays „geschossen“, um herausfinden, ob Andreas’ Konstruktion absolut wasserdicht ist, sei es im Straßenverkehr oder in der Waschstraße. Zudem hat Andreas beim Verladen von Paletten getestet, ob die Lkw-Türen mitsamt der Technik die Erschütterungen aushalten.

Am Ende dieser Testphase stand dann die erfolgreiche Abnahme samt Stempel durch den TÜV. Um seine Innovation zu testen, machte Andreas außerdem kurzerhand selbst den LKW-Führerschein und ist heute stolzer Besitzer eines 40-Tonnen-Trucks, der ihm als Test- und potenziellen Kunden als Anschauungsobjekt dient.

Wir werden der zentrale Anbieter!

Für dieses Jahr plant der RoadAds-Chef mit 100 Fahrzeugen – das entspricht rund 50 Mio. zählbaren Sichtkontakten pro Monat. Bis 2020 will man gut 1000 LKWs mit seiner einzigartigen Werbetechnik ausstatten. Das weitere Ziel ist definiert: „Wir werden uns als der zentrale Anbieter für digitale Fahrzeugwerbung in Europa, vielleicht sogar weltweit etablieren. Wir bringen Werbung auf die Straße und erschließen damit ein enormes, bisher nahezu ungenutztes – Potenzial“, so Andreas abschließend.

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