Fremdkapital zur Start-up-Finanzierung – das muss beachtet werden


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Durch Medienberichte und Expertenmeinungen wird oft vermittelt, ein Start-Up sei mit geringer finanzieller Unterstützung sehr einfach zu eröffnen. Dass die Realität anders aussieht, verwundert Gründer immer wieder. Denn ein solches Unternehmen erfordert Wissen, ein bestimmtes Maß an unternehmerischer Risikoaffinität und die Investition von hohem Fremd- wie Eigenkapital.

Fremdkapital
Ohne externe Mittel kommen viele Start-Ups nicht weit. Foto: pixabay.com


Was ist ein Start-Up und was nicht?

Unter einem Start-up versteht man landläufig eine Unternehmensgründung mit einer innovativen Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial. Dies bedeutet also, dass ein Start-up bestimmte Kriterien erfüllen muss, um auch den Interessen von Investoren und Förderern entgegenzukommen.
Am Beginn eines Start-ups steht immer die Idee und der Nutzen. Denn wir leben in Zeiten, in denen es eine große Vielfalt an unterschiedlichen Unternehmensformen und -eigentümern gibt, jedoch wenige inhaltliche Differenzierung der Geschäftsidee.

Ein Start-up sollte also möglichst innovativ und neu sein – also eben nicht der 100. Friseursalon und auch nicht das nächstbeste Kaffeehaus um die Ecke sein. Start-ups behandeln meist einen sehr spezifischen Need – etwa Software-Applikationen, die das Leben eines Menschen vereinfachen. Einfachheit und Nutzen sind im Vordergrund, während Komplexität oder reines Kopieren von bereits bestehenden Ideen chancenlos am hart umkämpften Markt sind.


Wie kann man ein Start-up zu Beginn finanzieren?

Wenn man nun eine innovative Idee hat, muss man sie selbstverständlich zunächst ausarbeiten. Dies bedeutet, in jedem Fall einen Businessplan zu schreiben. Also die Idee weiter zu spezifizieren, Punkte umzuändern und allgemein so viel Feedback und Meinungen dazu einzuholen wie nur möglich.

Kommt man schließlich zum Punkt der Finanzierung, ist es eine bittere Realität, dass die meisten Gründer zunächst Eigenkapital auftreiben müssen. Tendenziell, aber nicht immer sind Start-up-Gründer jünger und in Bezug auf die Bonität der Bank wenig kreditwürdig. Sprich, eine Bank würde vermutlich kleine oder gar keine Kredite zur Verfügung stellen, weshalb die Eigenfinanzierung in der Anfangsphase von essentieller Bedeutung ist.

Hier sollte vor allem privates Umfeld (Familie, Freunde) und berufliches Umfeld (Investoren, Business Angels) kontaktiert werden. Unter Business Angels versteht man im Start-up-Bereich Investoren, die große Summen an Geld zur Verfügung stellen, weil sie an die Idee des Start-Ups glauben – aber oft im Gegenzug bereits Anteile an der Firma bekommen möchten. Ein Start-up ohne Eigenkapital durch privates oder berufliches Umfeld zu finanzieren, ist aus unternehmerischer, realitätsnaher Sicht de facto unmöglich. Insbesondere zu Beginn bei der Entwicklung der Idee und des Business Plans ist die Finanzierung durch Eigenkapital unumgänglich.

Ist die Geschäftsidee marktreif und die die Firma gegründet, muss nun ein Prototyp entwickelt werden. Meist ist dies bereits mit hohem Kapital und viel Risiko behaftet, weshalb es schwierig ist, ausreichend Geld aufzubringen.


Kreditwürdigkeit bei Banken (zurück-)erlangen

Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, bei der Bank etwa einen Kredit (und damit Fremdkapital) aufzunehmen. Viele Unternehmer bekommen dabei jedoch schon aufgrund der Bonitätsprüfung und negativer SCHUFA-Einträge so gut wie keinen Kredit.

Dabei gibt es einige Tipps, um die Bonität zu erhöhen und einen negativen SCHUFA-Beitrag zu löschen – hier findet sich eine genaue Anleitung dazu.

In der SCHUFA befinden sich grundsätzlich alle wichtigen Datensätze, die von deutschen Instituten oder Unternehmen für die wirtschaftliche Bonität zur Verfügung gestellt werden. Dies reicht von Kreditkarten bis hin zu klassischen Darlehen oder Telefonverträgen.

Gut zu wissen, dass man diese SCHUFA-Einträge löschen kann, etwa wenn sie Bagatelle sind. Wenn die Höhe der Forderung unter 2000 Euro liegt und keine titulierte Forderung in Form eines Mahnbescheides vorliegt, sollte man die SCHUFA direkt sowie auch das Unternehmen hinter dem Eintrag kontaktieren.

Ein weiterer Grund neben Bagatelleinträgen können auch veraltete Einträge sein, also wenn bei Girokonten und Kreditkarten nach Kündigung des Kontos immer noch negative SCHUFA-Einträge aufscheinen. Je nach Deliktsfällen gibt es hierbei eine online einsehbare Liste an Fristen – ein Inkassoverfahren darf beispielweise 3 Jahre nach Abschluss des Verfahrens nicht mehr negativ aufscheinen und muss gelöscht werden.

Nicht selten kommt es auch zu falschen Eintragungen, bei denen absolut keine Gegenbuchung oder ein Vertragsabschluss zu finden ist. Auch dies kann beanstandet werden.

In all diesen Fällen kann die Bonität maßgeblich verbessert werden, was insbesondere bei Lukrieren eines Kredits für ein Start-up-Unternehmen sehr wichtig sein kann. Denn bei hohen Summen kann die unterschiedliche Bonität Kosten von mehreren tausend Euros ersparen.


Weitere Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups

Andere Beteiligungsformen, die oft bei Start-ups zur Anwendung kommen, sind etwa das  Venture-Capital (VC) oder das medial oft propagierte Crowd-Funding.

Beim Venture-Capital stellt eine Beteiligungsgesellschaft eine hohe Summe an Geld zur Verfügung, die beispielsweise durch eine Bank aufgrund der Risikoaversion nicht lukriert werden kann. Dies können mehrere hundert tausend Euros sein und bis in die Millionen gehen. Im Gegenzug für dieses vergleichbar hohe Risiko an einem jungen Start-up-Unternehmen wird ein solider Business-Plan eingefordert, einschließlich einer sehr innovativen Geschäftsidee. Außerdem fordern die VC-Gesellschaften so gut wie immer ein Mitspracherecht und eine Beteiligung an den Unternehmensgewinnen. Wirtschaftliche Entscheidungen müssen durch die Rechteabtretung an die VC-Gesellschaft meist auch abgestimmt werden.

Beim Crowdfunding hingegen werden eine Vielzahl von Personen – in der Regel Internetnutzer – als Mini-Investoren an Bord geholt. Umgekehrt sind die Investoren mit relativ wenig Kapital beteiligt, dafür sind die Beteiligungen sehr stark gestreut. Außerdem sind wenig bis keine Mitspracherechte beim Crowd-Funding üblich – die Investoren sind also oft stille Gesellschafter.


Muss man ein Start-up gründen, um heutzutage erfolgreich zu sein?

Kurz gesagt: nein. Start-up bedeutet einen hohen Grad an Innovation und Neuheit einzuführen mit hohem Entwicklungspotential und Finanzierungsaufwand. Das Risiko ist tendenziell höher. Mit bestimmten Tricks, wie etwa mit der Anfechtung der SCHUFA-Einträge, Business-Angels, Venture Capital und Crowd-Funding, lassen sich hohe Summen an Geld auftreiben. Wichtig ist, aus mehreren verschiedenen Finanzierungsquellen zu schöpfen. Da ein Start-up auch ein nicht zu unterschätzendes unternehmerisches Risiko darstellt, sollte deshalb ein möglichst diversifiziertes Portfolio erstellt werden, bestehend aus Eigen- und Fremdkapitalgebern in gleichem Maße.


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