Chasing The Spirit – ein Film über die Startup-Szene Europas


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Das lexRocket Team um Yalun Meng hat ganz Europa bereist, um herauszufinden, welches Land das gründerfreundlichste ist und was Gründerdeutschland von seinen Nachbarn lernen kann. Hier die spannenden Insights.


Nach dem Ersten Weltkrieg bricht in Deutschland eine große Innovationswelle aus – Audi (1909), BMW (1916), Mercedes Benz (1926) – Automobilhersteller, die auf Anhieb großen Erfolg verzeichnen und unsere Industrie bis heute maßgeblich mitbestimmen. Deutschland gelingen schon damals – aus der Not heraus – sensationelle Fortschritte in Industrie und Wissenschaft.

Diese Gründungen liegen nun bereits über 100 Jahre zurück – seitdem kommen nur noch gelegentliche, mittelbare Beteiligungen deutscher Ingenieure an innovativen Ideen. Bis heute ist die deutsche Wirtschaft von Wertschöpfungsketten abhängig, die bereits das Kaiserreich trugen. Seit 100 Jahren hat das Land vor allem bestehende Wirtschaftszweige weiter ausgebaut und auf die soliden Pfeiler gesetzt. Gerade in puncto Innovation sind Deutschland daher viele Länder um einen großen Schritt voraus. Und genau darum, sollte sich Deutschland Sorgen machen. Es muss etwas getan werden.

Aus diesem Grund hat das lexRocket Team um Yalun Meng in 10 Wochen 24 Länder in Europa bereist (25.000 km mit dem Camper), um der Frage auf den Grund zu gehen, welches europäische Land in Sachen Gründung das gründerfreundlichste ist. Über Portugal, dessen BIP seit der Finanzkrise jährlich steigt, während gleichzeitig die Arbeitslosigkeit sinkt bis in die Schweiz, die laut Global Innovation Index das innovativste Land der Welt ist wurden zahlreiche Gespräche mit ausgewählten Akteuren aus Politik, Startups, Medien, Großunternehmen und Investoren geführt, um herauszufinden, wie einfach die Gründung in Europa wirklich ist und wo sich Deutschland noch etwas abschauen kann. Dabei blickt lexRocket beispielsweise nach Estland, das mit seinem sogenannten E-Governance-System Pionier und Paradebeispiel für eine effiziente digitale Gesellschaft ist.

Impressionen von der der Chasing the Spirit Tour 2020


In zehn Wochen hat die vierköpfige Truppe – bestehend aus lexRocket und der Filmcrew von ImageMedia – 24 Länder in Europa bereist und mit einem Camper eine Strecke von über 25.000 km zurückgelegt Wie auch schon im Dokumentarfilm „Starting Up USA – Von der Garage zum Unicorn in 5000km“, in dem das Startup Ökosystem der USA erörtert wurde, hat das Team Gespräche mit ausgewählten Akteuren aus Politik, Startup-Landschaft, Medien, Großunternehmen und Investoren geführt, um genau diesen Fragen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, warum die Gründungszahlen seit 2017 stetig abnehmen.

Wie schlägt sich die deutsche Startup- und Gründerszene im europäischen Vergleich? Wo kann man am besten gründen und warum hinkt Deutschland hinterher? Ist es die deutsche Genauigkeit, die uns das Gründen so schwer macht? Mit spannenden Insights und Erkenntnissen kehrt das Team schließlich nach Deutschland zurück und beleuchtet, was sich ändern muss, damit Deutschland nicht den Anschluss an Startup-Europa verliert und sich weiterhin mit anderen europäischen Staaten messen kann.


Die spannenden Ergebnisse sind in dem Film "Chasing the Spirit" zu sehen:

Statements der lexRocket-Europa-Reisenden

„Mein Highlight war definitiv die Reise nach Skandinavien. Die Landschaft, die Kultur aber auch die Infrastruktur ist beeindruckend. Die Menschen sind offen, alles ist digital. Das Meer, die wunderschönen Fjorde oder die Gletscherberge sind gute Rückzugsorte, um auch mal fernab vom Großstadtstress sich seinem Produkt zu widmen.“ Yalun Meng

„Mein Gründerland ist Portugal. Die Mischung aus gutem Wetter, jungen Menschen und top Infrastruktur ist einmalig in Europa.“ Florian Schmitt

„Was mir auf der Reise am besten gefallen hat ist, dass wir fast jeden Tag an einem anderen Ort aufgewacht sind. Und an einem dieser Orte, in Norwegen, haben wir unsere ersten zwei Fische gefangen. So eine Reise mit der Arbeit zu verbinden, ist einfach eine tolle Möglichkeit!“ Robin Teuffel

„Das Highlight war für mich war als wir durch nächtliche Rom zwischen all den tausend Jahre alten Skeletten der Menschheit und dem ganzen Ministrantenchaos geschlendert sind. Irgendwie hat mich das am meinsten berührt.“ Marius Hoch-Geugelin

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Vadim Fedotov: Ex-Basketballnationalspieler und bioniq-Gründer übernimmt Fitness-Start-up VAHA

2019 gründete Ex-Basketballnationalspieler und Gesundheitsvisionär Vadim Fedotov bioniq und machte es innerhalb von nur drei Jahren zu einem führenden Hersteller von personalisierten Nahrungsergänzungsmitteln. Jetzt sein nächster Scoop: die Übernahme von VAHA, dem europaweit aktiven, interaktiven Fitnessspiegel für zu Hause.

VAHA wurde ebenfalls 2019 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Berlin und fungiert als virtueller Personal Trainer, der mithilfe von KI-Technologie wie ein Hologramm direkt ins Haus gestreamt wird und über 2.000 Workouts für jedes Trainingsziel und jede Trainingsvorliebe bereithält. Das Gerät ermöglicht es ganzen Haushalten, so zu trainieren, wie und wann sie wollen – ganz bequem vom Wohnzimmer aus. Alle Workouts sind digital zugänglich und wurden von qualifizierten Personal Trainern entwickelt. Die Produkte wurden von der Gründerin Valerie Bures – Schöpferin der Fitnesskette für Frauen Mrs. Sporty – und einer Gruppe von Wissenschaftlern, Medizinern und IT-Experten entwickelt.

„Gemeinsam ist es unser Ziel, Menschen auf der ganzen Welt mit der Kombination aus personalisiertem Heimtraining und maßgeschneiderter Nahrungsergänzung zu unterstützen, zu motivieren und aufzuklären, um ein möglichst erfülltes und gesundes Leben zu führen. Gesundheit hat viele entscheidende Faktoren, einer der wichtigsten ist die tägliche Aktivität, und so sind wir unglaublich stolz darauf, VAHA auf der globalen Plattform von bioniq willkommen zu heißen“, so Fedotov.

Mit der Übernahme von VAHA setzt bioniq seinen Expansionskurs fort, stärkt seine Position als innovative Gesundheitsplattform in Europa und im Nahen Osten. Derzeit ist bioniq in acht Ländern in der EMEA-Region vertreten und plant, bis Ende 2023 in vier weitere Länder zu expandieren, darunter auch in die USA. Führende globale VC-Fonds wie HV Capital, Rocket Internet, Porsche Ventures, Unbound Ventures und TQ Ventures unterstützen die Mission von bioniq.

Die Übernahme markiert einen wichtigen Meilenstein in der Mission des Unternehmens, die globale Gesundheit bis 2025 zu verbessern, wie bioniq-CEO Vadim Fedotov sagt: „Dies ist ein Blick in die Zukunft der personalisierten Gesundheit in Form von maßgeschneiderten Wellness-Lösungen und Fitness für zu Hause, die durch Daten und Innovation angetrieben werden."

Die VAHA-Gründerin Valerie Bures bleibt als Board-Member und Share-Holder weiter in der neuen Company. Mitgründer Calin Popescu fungiert weiterhin als CTO, auch in der neuen Company.

Gründer*in der Woche: PEEKU - weibliche Lust enttabuisiert

PEEKU ist eine digitale Plattform für usergenerierte erotische Literatur von Frauen für Frauen. Gegründet wurde sie 2022 von Anabel Romero und Nicole Gruber mit dem Ziel, die weibliche Lust endlich zu enttabuisieren und in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Mehr dazu im Interview mit den beiden Gründerinnen.

Erotischen Content gibt es im Internet bereits in Unmengen und unterschiedlichsten Qualitäten. Ihr setzt auf das Medium Literatur statt auf visuelle oder auditive Reizerzeugung. Wann und wie seid ihr beiden auf die Idee zu PEEKU gekommen?
Nicole:
Die Idee zu PEEKU ist Anfang 2022 entstanden. Wir haben festgestellt, dass der bestehende erotische Content überwiegend von und für den Mann produziert wird. Das spiegelt sich sowohl im Inhalt als auch in der Art und Weise wie der Content konsumiert wird wider. Uns war schnell klar, dass wir daran etwas ändern müssen. Bei unseren Recherchen sind wir auf Studien gestoßen, die bestätigen, dass Frauen sich nachweislich lieber mit ihrer eigenen Vorstellungskraft in die richtige Stimmung bringen, vor allem, wenn es um sexuelle Erregung geht.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Idee bis zum Go live der Plattform?
Anabel:
Die wichtigsten Steps waren definitiv zu verstehen, was sich Frauen von einer Plattform wie dieser wirklich wünschen. Wir sprechen zwei Zielpersona an, die Leserin und die Autorin. Beide haben jeweils unterschiedliche Bedürfnisse. Im Juli sind wir daher bereits mit unserem Prototypen live gegangen und haben diesen von einer ausgewählten Gruppe mit den unterschiedlichsten Frauen testen lassen. Daraus konnten wir starke Erkenntnisse gewinnen und in die finale Version von PEEKU einfließen lassen.

Nun zu PEEKU. Was genau bietet ihr und wen adressiert ihr?
Nicole: PEEKU ist die Plattform für usergenerierte erotische Literatur – von Frauen, für Frauen. Bei uns kann man sinnliche Stories lesen und/oder selbst schreiben. Wir sprechen Frauen an, die sich von dem aktuellen erotischen Content im Internet nicht abgeholt fühlen und auf der Suche nach einer Alternative sind. In erster Linie wollen wir einen authentischen Blick auf die weibliche Lust ermöglichen und jeder Frau einen sicheren Raum bieten, um ihre Fantasien zu entfalten. PEEKU ist aber für all diejenigen da, die sich von spicy Stories inspirieren lassen wollen, ihre Sexualität erforschen und erotische Fantasien mit der Community teilen möchten. PEEKU heißt alle willkommen, die mit uns gemeinsam überholte Klischees und Stereotypen aufbrechen wollen.

Über eine „Trinkgeld“-Funktion bietet ihr euren Autor*innen die Möglichkeit, ihren Content zu monetarisieren. Und wie monetarisiert ihr?
Anabel:
Langfristig planen wir, ein Abo-Modell einzuführen. Die Abonnent*innen erhalten damit unbegrenzten Zugriff auf alle Stories und Features auf der Plattform. Da wir die Arbeit und Kreativität, die von den Autor*innen in jede einzelne Story gesteckt wird, sehr schätzen, werden erfolgreiche Creator in Zukunft an den Umsätzen von PEEKU beteiligt. Aktuell veröffentlicht PEEKU eigenen original Content, sodass auch wir im Moment von der „Trinkgeld“ -Funktion profitieren.

Gibt es vergleichbare Angebote – und wenn ja – inwiefern unterscheidet ihr euch davon?
Nicole: Erotische Literatur ist gefragt. Die bisherigen Seiten sind allerdings meist mit obszönen Werbeanzeigen überladen, die Stories bewegen sich teilweise im illegalen Bereich oder die User*innen verhalten sich unangebracht und geben einem als Leserin ein unangenehmes Gefühl. Kein Ort, an dem man sich als Frau wohlfühlt. PEEKU schafft einen sicheren Raum, in dem die Wünsche, Fantasien und Bedürfnisse der weiblichen Lust sichtbar gemacht werden. Das Ganze in einer modernen und ästhetischen Umgebung – ganz ohne das typische Schmuddelimage.

Wie macht ihr auf euch und PEEKU aufmerksam?
Anabel:
Für ein Unternehmen, das die weibliche Lust in den Fokus stellt, ist das Vertrauen der Nutzer essenziell. Wir möchten dabei nicht nur als Quelle der Erregung wahrgenommen werden, sondern haben das Ziel, die weibliche Lust in allen Formen und Farben wiederzugeben und zu zelebrieren. Neben den klassischen Aktivitäten auf Social Media planen wir Live-Events mit Lesungen, Workshops und Kooperationen mit Expert*innen.

Was sind eure nächsten To-do's und weiteren Pläne?
Nicole:
Nächstes Jahr möchten wir unser Online-Angebot weiter ausbauen und planen mit einigen spannenden Marken zusammenzuarbeiten, um das öffentliche Bewusstsein rund um die weibliche Lust weiter zu schärfen. Wir möchten uns außerdem von Anfang an international ausrichten, da die weibliche Sexualität ein global relevantes Thema ist. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Frauen von der ganzen Welt die Geschichte der weiblichen Lust neu zu schreiben.

Last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben?
Sprecht mit so vielen Menschen wie möglich über eure Idee! Keine falsche Scheu, dafür ist es nie zu früh. Wir haben viele tolle Menschen kennengelernt, von denen wir unfassbar hilfreichen Input erhalten haben. Man kann nur von den Erfahrungen anderer profitieren.

Hier geht's zu PEEKU

Das Interview führte Hans Luthardt

GameChanger des Monats: StrollMe – Kindermobilität im Abo

StrollMe – gegründet von Timon Beutel und Sebastian Reichelt – hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Sinne der Nachhaltigkeit Besitz rund um Kinder neu zu denken. Mehr dazu und damit über unsere GameChanger des Monats im Interview mit Sebastian.

Wir haben euch als unsere GameChanger des Monats ausgewählt, weil ihr rund um das Thema Baby- und Kindermobilität mit eurem Konzept des Mietens statt Kaufens konventionelle Wege verlasst und zugleich das Thema Nachhaltigkeit vorantreibt.

Zunächst zu euch Gründern: Wer seid ihr, wie seid ihr auf die Idee zu dem StrollMe gekommen und was treibt euch im Sinne eines GameChangers an?

Timon kommt aus dem UI/UX Design, ich aus der Modebranche. Timon hatte die Idee, als seine Frau Laura mit ihrem ersten Kind schwanger war und sie nirgends eine gute Alternative zum Kauf gefunden haben. Mich hatten seine Argumente, dass es viel besser ist einen Kinderwagen zu mieten als zu kaufen, auf Anhieb überzeugt. Daraufhin konnte ich ihn zum Glück sofort überzeugen, gemeinsam StrollMe zu gründen.

Das positive Feedback unserer Kunden treibt mich jeden Tag an. Außerdem können wir mit StrollMe zeigen, dass ein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell im Sinne der Kreislaufwirtschaft sowohl für die Kunden als auch wirtschaftlich funktioniert. In meinen Augen ist das ein wichtiger Baustein zur Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft bzw. Gesellschaft.

Was ist das Besondere an eurem StrollMe-Konzept, wie funktioniert es und was kann ich alles per Abo mieten?

So besonders finde ich unser Konzept eigentlich gar nicht (lacht). Der größte Unterschied zu bestehenden Konzepten liegt darin, dass man die Produkte mietet, statt sie zu kaufen. Unsere Kunden bestellen das gewünschte Produkt zum gewünschten Termin und nutzen es, solange sie es benötigen. Wenn sie feststellen, dass sie z.B. mit dem Kinderwagen oder der Babytrage nicht zurechtkommen, können sie problemlos auf ein anderes Produkt wechseln. Da wir beide selbst Eltern sind, wissen wir, wie unterschiedlich Kinder und die Bedürfnisse sind. Die zurückgesendeten Produkte werden professionell aufbereitet und zu einem günstigeren Preis als „refurbished“ wiedervermietet. Man kann bei uns neben Kinderwagen, Kinderfahrrädern und Fahrradanhänger samt Zubehör auch Babytragen und Federwiegen mieten.

Wer sind eure Kund*innen?
In der Regel haben sie mindestens ein Kind ;-). Aber Spaß beiseite. Anfangs dachten wir, dass unser Modell eine spezifische Kundengruppe anspricht. Wir haben aber schnell festgestellt, dass alle Eltern, ob aus nachhaltigen oder finanziellen Gründen, oder wegen der Flexibilität potenzielle StrollMe-Kunden sind.

Was waren die wichtigsten Meilensteine von der Ideenfindung bis zum Go live von strollme.de?
Timon hatte schnell einen MVP gebaut und gezeigt, dass der Bedarf da war. Jetzt mussten wir nur noch Lieferanten überzeugen, uns zu beliefern. Das war im Corona Jahr 2020 nicht gerade einfach. Letzen Endes konnten wir Greentom nach einer zwölfstündigen Zugfahrt von uns überzeugen und so den Grundstein für unser Sortiment legen.

Wie habt ihr diese Phase finanziell gestemmt?
Wir haben beide unsere Ersparnisse eingebracht. Nach dem erfolgreichen Start haben wir Ende 2020 einen VC-Fonds und einen Business Angel von unserem Konzept überzeugen können.

Wie macht ihr auf euch bzw. StrollMe aufmerksam?
Übliche Kanäle wie Instagram, Podcast und Google aber auch spezifischere Kooperationen mit Hebammen und Kitas. Auch PR ist ein wichtiger Faktor und sorgt für positive Wahrnehmung unserer Marke.

Was sind eure nächsten unternehmerischen To-do’s und Pläne?
2022 haben wir gezeigt, dass StrollMe funktioniert und der Markt für uns bereit ist. 2023 wollen wir nun die nächsten Schritte gehen und aus unserem Start-up ein Scale-up machen. Bisher hatten wir viel Glück mit unserem Team. Wir hoffen auch weiterhin so tolle Mitarbeiter für uns gewinnen zu können. Natürlich arbeiten wir auch stetig an unserem Sortiment. 2023 werden viele weitere Kinderprodukte unser Angebot erweitern.

Was möchtet ihr als unsere GameChanger des Monats der Start-up-Community mit auf den Weg geben?
Beratung und Meinung von anderen einzuholen ist immer richtig. Versucht aber trotzdem auf euer Bauchgefühl zu hören und euren eigenen Weg zu finden. Uns wurde oft gesagt, dass wir nicht so sehr auf Profitabilität achten sollen sondern alles in Wachstum stecken müssen. Damit haben wir uns aber nie ganz wohl gefühlt. Heute sind wir froh, keine Geldverbrennungsmaschine zu sein und trotzdem jeden Monat zweistellig zu wachsen.

Hier geht's zu StrollMe

Das Interview führte Hans Luthardt

OroraTech: 15 Mio. Euro für Satelliten-basierten Klimaschutz

Das 2018 in München gegründete SpaceTech-Start-up OroraTech sammelt 15 Mio. Euro zum Ausbau seiner Satelliten-basierten Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels ein.

OroraTech, der Münchner Anbieter für satelliten-basierte Wärmebilderfassung, hat mit privaten Investor*innen und zusätzlicher Co-Finanzierung durch öffentliche Geldgeber*innen seine Series-A-Runde um 15 Millionen Euro erweitert. Mit der neuen Finanzierung will OroraTech als erster und einziger kommerzieller Anbieter von satelliten-basierten Wärmebildern bereits im Mai 2023 seine zweite Wärmebildkamera ins Weltall bringen. Zudem nutzt OroraTech den verstärkten Rückenwind zur Entwicklung weiterer, neuer Lösungen zur Anpassung und Bekämpfung des Klimawandels.

Die Investitionsrunde wurde von Lead-Investor Edaphon, einem in Belgien ansässigen Impact-Investor, zusammen mit den bestehenden Investoren Findus Ventures, Ananda Impact Ventures, Wachstumsfonds Bayern 2, ConActivity, APEX Ventures, SpaceTec Capital und Industrieexperten Ingo Baumann und Clemens Kaiser abgeschlossen. Zusätzliches Geld wurde durch Aufträge und Förderungen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und des Freistaates Bayern eingesammelt.  

 „Ich bin sehr stolz darauf, was wir innerhalb eines Jahres erreicht haben – wir haben unsere erste Kamera im Weltall gestartet, die selbst unsere eigenen Erwartungen übertroffen hat und weltweit einzigartig ist. Mit der zusätzlichen Finanzierung werden wir unsere zweite Kamera in den Orbit bringen und unsere Expansionsstrategie in weitere Anwendungsfelder beschleunigen. OroraTech’s schnelles Wachstum wird auch von Investoren anerkannt und ich freue mich daher sehr, unseren neuen Investor Edaphon an Bord begrüßen zu dürfen. Gemeinsam werden wir unser Ziel weiter vorantreiben, alle 30 Minuten die Temperatur der Erde zu messen, um für mehr Transparenz zu sorgen und um bessere Entscheidungen in der Bekämpfung des Klimawandels zu ermöglichen“, erklärt Thomas Grübler, CEO von OroraTech.

Waldbrände als Klimakiller

Das im Pariser Klimaabkommen 2015 beschlossene Ziel, die globale Erderwärmung auf 1.5°C zu begrenzen, beschäftigt die Klimapolitik weltweit, auch wenn jetzt im Rahmen der COP27 Konferenz in Ägypten festgehalten wurde, dass dieses Ziel nicht mehr realistisch ist. Fakt ist: Die Erde hat dauerhaftes „Fieber“, das zu Naturkatastrophen und damit einhergehenden finanziellen Verlusten führt. Waldbrände beispielsweise sind jedes Jahr für 17 bis 20 Prozent der gesamten globalen CO2-Emissionen verantwortlich und verursachen versicherte Schäden in der Höhe von über zehn Milliarden Dollar Schäden. Aus dem Temperaturanstieg resultierende Folgen wie diese haben einen schwerwiegenden Einfluss auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zum Schutz von biologischer Vielfalt, Wasser, Gesundheit, Landwirtschaft und Klima.

Satelliten-basierter Klimaschutz

Bereits heute tragen satelliten-basierte Technologien entscheidend zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bei. Informationen von Bodensensoren in Kombination mit Satelliten-Daten helfen bei der Verbesserung der Luftqualität, dem Schutz der Wälder sowie bei der Verifizierung von Kohlenstoffkrediten für Waldbesitzer*innen. 

Angetrieben von der Vision „Thermal intelligence for a sustainable Earth“ brachte OroraTech Anfang 2022 den ersten ungekühlten Thermal-Infrarotsensor ins Weltall. Der erfolgreiche Launch war ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zu einer Konstellation, die bereits 2024 jeden Punkt der Erde alle 12 Stunden und ab 2026 rund alle 30 Minuten erfassen wird. 

OroraTech’s erstes Produkt, die Wildfire Intelligence Solution, wird bereits von Kund*innen weltweit eingesetzt. Die Plattform nutzt verfügbare Erdbeobachtungsdaten zur Erkennung und Überwachung von Waldbränden. Mit der Wildfire Intelligence Solution werden bereits heute über 100.000 Brände täglich erkannt und mehr als 160 Millionen Hektar Wald auf sechs Kontinenten geschützt.

Übersetzungsdienst DeepL wird Unicorn

Der 2017 gegründete Kölner Übersetzungsdienst DeepL hat laut einer Meldung der faz nach Einstieg weiterer Investor*innen eine Bewertung von mehr als eine Milliarde Dollar erreicht und darf damit dem erlesenen Kreis deutscher Unicorns zugerechnet werden.

Investor*innen sind aus den USA (Bessemer, IVP) gewonnen worden und aus Europa ist Atomico hinzugekommen. Details des Deals wurden noch nicht kommuniziert.

DeepL wurde 2017 von Jarosław Kutyłowski mit dem Ziel gegründet, Sprachbarrieren auf der ganzen Welt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zu überwinden. Das Kölner Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeitende. Der Übersetzungsdienst gehört zu den hundert am häufigsten aufgerufenen Websites weltweit und erreicht laut Blindtests die weltweit höchste Übersetzungsqualität.

Per Fünf-T-System zum Unicorn?

Eine Studie von McKinsey will das Erfolgsrezept gefunden haben, wie man zum 1 Milliarde US-Dollar schweren Unicorn wird.

Der Traum ist bekannt: In jungen Jahren mithilfe von Fast Food und Energy-Drinks (oder in heutigen Zeiten eher vegane Alternativen und nachhaltig hergestellte Kräuter-Getränke) aus der Garage, der WG, dem eigenen Schlafzimmer oder einem klaustrophobisch anmutenden Büroraum heraus eine Idee entwickeln, die sich dann in ein Startup und schlussendlich zum Unicorn wandelt. So werden gern jene Erfolgsgeschichten erzählt, die zur Milliardenbewertung des eigenen Unternehmens und globalem Erfolg führen.

Für den tatsächlichen Erfolg jedoch braucht es laut einer Studie von McKinsey weit mehr: von ausreichend unternehmerischer Vorerfahrung, über die richtige Ausbildung bis hin zu nachhaltigen Wachstumschancen im Zielmarkt.

Diese Voraussetzungen hat McKinsey aus Interviews mit zehn Venture Capital-Gesellschaften und Angel Investors sowie 100 von weltweit 1000 Unicorns abgeleitet. Und kam auf das „Fünf-T-System“:

1. Team: Nicht ohne meine Leute

Laut der Analyse sind gute Mitarbeiter*innen der Schlüssel zum Erfolg. 75 Prozent aller Unicorn-Start-ups wurden von zwei oder mehr Leuten gegründet. Wichtig dabei sei die Vielfalt im Gründer*innenteam.

Unicorns sind, was die Studienabschlüsse betrifft, bunt durchmischt (technologischer Hintergrund 40 Prozent, Naturwissenschaften 25 Prozent, wirtschaftlicher Hintergrund 25 Prozent).

Generell sind Hochschulausbildungen bei Unicorn-Gründer*innen weit verbreitet: Mehr als 95 Prozent haben einen akademischen Abschluss, mehr als 70 Prozent sogar einen Master, MBA oder Doktortitel.

Neben der richtigen Ausbildung sei zudem auch Berufserfahrung essenziell. Die meisten (80 Prozent) Unicorn-Gründer*innen haben bereits davor Arbeitserfahrung gesammelt, und mehr als die Hälfte hat zuvor bereits ein anderes Start-up gegründet.

Investor*innen sind, der Studie nach, auf der Suche nach Gründer*innen, die nicht nur Visionär*innen, sondern auch erfahrene Unternehmer*innen sind. Von der Garage aus zum Weltmarktführer wie bei Facebook, Google und Co. wird demnach kaum zur Realität.

 

„Die Unerfahrenheit dieses Gründer*innen-Stereotyps finden wir bei erfolgreich skalierten Gründungen jedoch selten – das Gegenteil ist der Fall: 80 Prozent der Gründer*innen haben Vorerfahrungen gesammelt: entweder in Start-ups oder Corporates“, sagt Jerome Königsfeld, Autor der Studie und Partner im McKinsey Büro in Köln.

2. Total adressable Market

Fast ein Drittel der Top-100-Unicorns ist in den Sektoren „Technologie, Medien und Telekommunikation“, „Industrie“ und „Gesundheitswesen“ zu finden. Dabei sei aber nicht nur die Größe entscheidend.

Ein Start-up auf Trends und in Märkten ohne klaren Marktführer zu gründen, locke ebenfalls Investor*innen. Ganz nach dem Motto „There is no planet B“ investieren Unternehmen und Regierungen weltweit aktuell vor allem in den Bereich Nachhaltigkeit (zehn Billionen Euro in den nächsten 30 Jahren).

Markus Berger-de León, ebenfalls Co-Autor der Studie und Senior Partner im McKinsey Berlin Büro, erklärt die vorausgesagten Investments so: „Steigende Energiepreise und ein gestiegenes Bewusstsein für den Klimawandel werden die Entwicklung und das Wachstum von Cleantech-Start-ups begünstigen.“

3. Mit dem perfekten Timing zum Unicorn

Als Vorreiter bei Trends können Startups mit schnellem Wachstum, höheren Margen und ausreichend verfügbarem Kapital rechnen. Damit sichern sich „First Movers“ eine vorteilhafte Marktposition, bevor andere Start-ups oder etablierte Unternehmen auf das neue Geschäftsfeld aufmerksam werden.

Rasch potenzielle Kund*innen für das Produkt oder die Dienstleistung zu gewinnen, sei dabei entscheidend für Investor*innen.

4. Technologie: Software übertrumpft Hardware

Während der Großteil der Unternehmensgründungen auf neuen Technologien basiert, gibt es auch weitere Möglichkeiten, das richtige Produkt oder die passende Dienstleistung für den skalierbaren Erfolg zu finden. Start-ups können mit einer neuen Kombination oder Verbesserungen bestehender Technologien, beispielsweise durch gesteigerte Effizienz, einen Markt für sich gewinnen.

Entscheidend ist immer, die Skalierbarkeit – das Produkt oder die Dienstleistung soll von beliebig vielen Kund*innen genutzt werden können, ohne dass die eigenen Kosten explodieren. Bei diesem Aspekt wären vor allem Software-Produkte im Vorteil.

5. Traction: Neue Lösungen für alte Probleme

Erfolgreiche Gründungen zeichnen sich, der Studie nach, vor allem auch dadurch aus, dass für bestehende Probleme in bestehenden Märkten neue Lösungen geboten werden.

Mit einer Idee ein Unternehmen gründen, und danach nach dem richtigen Markt dafür zu suchen, führt nur in seltenen Fällen zum Erfolg. Investor*innen würden es, McKinsey nach, bevorzugen, wenn Unternehmen einem sogenannten „3-3-2-2-2“-Muster folgen.

Die Umsätze eines Start-ups sollten sich in den ersten zwei Jahren nach der Gründung verdreifachen und die drei Jahre danach ungefähr verdoppeln.

Die McKinsey-Analyse zeigt nämlich: Erfolgreiche Start-ups haben ihre Umsätze acht Jahre lang jedes Jahr verdoppelt.

Auch die derzeitige unsichere Wirtschaftslage wirkt sich auf den Start-up-Sektor aus: Investor*innen achten aktuell vor allem auf Profitabilität und nicht auf schnelles Wachstum. Grund dafür ist die hohe Inflation, wodurch auch das Halten von Bestandskund*innen und wiederkehrende Einkünfte immer wichtiger werden.

Hier geht's zur Studie

Studie: Start-up ist (fast) Männersache

Die Analyse der Technischen Universität München (TUM) zeigt u.a.: Nur rund drei Prozent der untersuchten deutschen Start-ups wurden bzw. werden von weiblichen Teams oder einzelnen Frauen gegründet.

Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung zeigt das Ausmaß der Geschlechter-Ungleichheit in jungen Unternehmen. Frauen sind in deutschen und französischen Start-ups deutlich unterrepräsentiert, vor allem im Technologiebereich. Dies gilt sowohl für Gründerinnen als auch für Mitarbeiterinnen. Wurden die Unternehmen von weiblichen Teams gegründet, ist der Frauenanteil der Belegschaft fast doppelt so groß wie bei Gründungen von Männerteams. Zudem werden von Männern gegründete Start-ups weit höher bewertet.

Geschlechtergleichstellung in Start-ups immer wichtiger

Wie in etablierten Unternehmen gewinnt das Thema Geschlechtergleichstellung in Start-ups immer weiter an Bedeutung. Anders als in Konzernen ist der dortige Grad an Diversität aber wenig im Detail untersucht. Ein Forschungsteam der TUM hat deshalb, unterstützt von der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung, rund 700 deutsche und rund 1.000 französische Start-ups analysiert. Um eine möglichst große Vergleichbarkeit zu gewährleisten, konzentrierten sich die Wissenschaftler*innen auf Unternehmen, die zwischen 2012 und 2016 Venture-Capital-Finanzierungen erhalten hatten. Sie nutzten dabei Informationen aus der Datenbank Dealroom und Angaben von rund 80.000 Mitarbeitenden der Start-ups, die diese auf der Karriereplattform LinkedIn veröffentlicht hatten.

Die Analyse zeigt, dass lediglich rund 3 Prozent der untersuchten deutschen und 4 Prozent der französischen Start-ups von weiblichen Teams oder einzelnen Frauen gegründet wurden. Rund 83 beziehungsweise 84 Prozent der Unternehmen hatten Männer gegründet, 14 beziehungsweise 12 Prozent wurden von gemischten Teams gestartet. Auch bei den Beschäftigten der Start-ups beider Länder ist der Männeranteil mit mehr als 60 Prozent deutlich größer. Dabei fällt auf, dass in den Unternehmen, die von weiblichen Teams ins Leben gerufen wurden, der Frauenanteil 62 Prozent beträgt, während er in Start-ups, die von Männerteams gegründet wurden, bei nur 35 Prozent liegt.

Vor allem im Tech-Bereich sind Frauen unterrepräsentiert

Das Forschungsteam wertete auch aus, wie sich der Geschlechteranteil nach Branchen unterscheidet. Vergleichsweise hoch liegt der Gründerinnenanteil in Deutschland im Bereich Partnersuche (50 %) und in der Modebranche (29 %). Kaum Gründerinnen gibt es beispielsweise bei Robotik und Immobilien (je 3 %). In Frankreich ist das Bild ähnlich. Hier sind Gründerinnen am stärksten in der Wellness- und Schönheitsbranche (25 %) vertreten, aber selten in Märkten wie etwa Fintech (5 %).

Auch die Analyse der Mitarbeitenden zeigt, dass Frauen in Technologie-Branchen besonders unterrepräsentiert sind. Zu den untersuchten Sektoren mit den niedrigsten Frauenanteilen gehört in Deutschland die Computerspiel-Wirtschaft (19 %), in Frankreich die Halbleiter-Industrie (17 %).

Keine Gründerinnen bei Quantentechnologien

Die Studie unterscheidet nicht nur nach produktbezogenen Branchen, sondern zeigt auch die Geschlechterverteilung je nachdem welche Technologien in den Start-ups zum Einsatz kommen. Am häufigsten gründeten Frauen in Deutschland Start-ups, die Virtual Reality nutzen (20 %). Start-ups, die Technologien für das Internet der Dinge entwickeln, wurden nur sehr selten von Frauen (3 %) gegründet. Gar keine Gründerinnen fanden sich bei Quantentechnologien, so auch in Frankreich. Dort ist der Gründerinnenanteil in Start-ups mit Nanotechnologie am größten (14 %).

Von Männern gegründete Start-ups erreichen höhere Bewertung

Ungleichheit prägt auch die Bewertung durch Investorinnen und Investoren in beiden Ländern: Während deutsche Start-ups mit männlichen Gründerteams im Median mit 21 Millionen US-Dollar bewertet werden, rangieren Start-ups mit weiblichen Gründungsteams nur bei rund 6 Millionen US-Dollar. In Frankreich werden von Männern gegründete Start-ups im Median mit 14 Millionen US-Dollar bewertet, bei Gründerinnen sind es 4 Millionen.


Gründungs- und Investitionsprozesse geschlechterneutraler gestalten

„Frauen sind in der Start-up-Szene sowohl als Gründerinnen als auch als Mitarbeiterinnen deutlich unterrepräsentiert – quer durch alle Branchen, Technologien und Erlösmodelle“, sagt die Studienleiterin Dr. Theresa Treffers vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TUM. „Wir kennen aus sozialpsychologischen Studien die Ursachen für die mangelnde Geschlechtervielfalt. Männer sind in der Wahrnehmung von Kapitalgebern eher für die Unternehmerrolle geeignet. Außerdem gibt es zu wenig weibliche Studierende in MINT-Fächern, die als Gründerinnen und Beschäftigte zumeist infrage kommen. Der Frauenanteil liegt in MINT-Studienfächern nur bei rund 30 Prozent.“

Konkrete Maßnahmen gefordert

Um die Start-up-Szene vielfältiger und inklusiver zu gestalten, empfiehlt die Studie verschiedene Maßnahmen. „Das Wichtigste ist, gegen geschlechtsspezifische Vorurteile und Stereotype vorzugehen, etwa durch die frühzeitige Förderung weiblicher Vorbilder“, erläutert Felicitas Schneider, Mitglied des Management Board der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung. „Gründerinnen müssen gezielt unterstützt werden, denn Frauen stellen mehr Frauen ein.“ Verbesserungsbedarf sieht die Studie auch bei den Gründungs- und Investitionsprozessen, etwa durch geschlechtsneutrale Start-up-Programme sowie einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen von Risikokapitalgebern.

Hier gibt's die vollständige Studie als Download

Die „Forbes Under 30 DACH“-Liste 2022 ist da

Die „Forbes Under 30 DACH“-Liste 2022 ist da: Sie umfasst je 30 neue Listmaker aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die unter 30 Jahre alt sind und schon Außergewöhnliches erreicht haben. Hier die Listmaker aus Deutschland auf einen Blick.

Die Listmaker „30 under 30“ aus Deutschland auf einen Blick

Vorname, Nachname Organisation bzw. Aktivität:

  • Katharina Kreutzer, Boomerang
  • Antonia Schein, codary
  • Amanda Maiwald, codary
  • Kim Eisenmann, Twinvay GmbH
  • Sara Schiffer, HyLane GmbH
  • Vanessa Cann, KI-Verband
  • Janina Breuer, Paralympics-Schwimmerin
  • Isabelle Guenou, The smart period blood GmbH
  • Miriam Santer, The smart period blood GmbH
  • Jennifer Phan, Passionfroot
  • Selena Milanovic, Expert Healthcare Consultant
  • Madina Katter, Bulletproof Ukraine
  • badmómzjay (Jordan Napieray), Sängerin, Unternehmerin
  • Celine Nadolny, Book of Finance
  • Mareike Awe, intumind GmbH
  • Giulia Gwinn, FC Bayern München
  • Katharina Weißig, Periodically
  • Alica Schmidt Leichtathletin, Influencerin
  • Nikolaj Bewer, codary
  • Maximilian Wühr, FINN
  • Niklas Tauch, Liefergrün
  • Balazs Deme Pile, Capital
  • Leon John Hermann, Wingcopter
  • Manuel Kimanov, Sharemac GmbH
  • Eddie Rietz, Mindable Health GmbH
  • Andreas Dengel, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Kai Havertz, FC Chelsea
  • Lennardt Hachmeister, iotis GmbH
  • Umut Gültekin, „RBLZ_Umut“
  • Apache 207 (Volkan Yaman), Rapper

Hier alle Listmaker aus DACH auf einen Blick

Marktanalyse zeigt: aktuell 18 Prozent weniger Gründungen als im 2. Quartal 2022

Im 3. Quartal hat sich die aktuelle Krise noch stärker auf den deutschen Start-up-Markt ausgewirkt als in der ersten Jahreshälfte 2022. Weitere Erkenntnisse der Marktstudie: Deutschlandweite Gründungs-Verteilung: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin; Positive Entwicklungen im Bereich Deep-Tech.

Dies zeigt eine aktuelle Marktanalyse des technologie- und datengetriebenen Venture-Capital-Unternehmens Morphais VC. Basierend auf den Daten von Startupdetector wurden gerade einmal 578 neue Start-ups im 3. Quartal gegründet. Dies sind 18 Prozent weniger als im 2. Quartal dieses Jahres und sogar 30 Prozent weniger als im Vorjahresquartal 2021.

Dabei ist im Vergleich zum Boom-Jahr 2021 vor allem der Anteil an Neugründungen im Bereich E-Commerce sowie in der Software-Branche leicht rückläufig (E-Commerce: -2 Prozent, Software: -3 Prozent). Hingegen ist der Anteil von Start-ups, die aus dem Gesundheitstechnologie-Sektor kommen, im Vergleich zum Vorjahr von 10 Prozent auf 12 Prozent gestiegen.

Deutschlandweite Neugründungen: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin

Prozentual gesehen kamen im letzten Jahr 18 Prozent aller Neugründungen aus Bayern, in diesem Jahr waren es zwischen Januar und September bereits 21 Prozent. Damit ist der Anteil an Neugründungen im bundesweiten Vergleich erstmals genauso hoch wie in Berlin (ebenfalls 21 Prozent). Auf dem dritten Platz befindet sich Nordrhein-Westfalen, wo zwischen Januar und September 17 Prozent aller neuen Start-ups gegründet wurden, gefolgt von Baden-Württemberg (11 Prozent) und Hessen (8 Prozent).

Anstieg von DeepTech: Der Anteil von DeepTech-Start-ups ist von 6 auf 10 Prozent gestiegen

In Zeiten der Krise verschiebt sich der Fokus auf neue technologische Lösungen. Besonders gut stehen deshalb die Chancen für DeepTech-Start-ups. DeepTechs entwickeln problemorientierte Produkte und Lösungen, die mehrheitlich auf wissenschaftlicher Forschung oder neuartigen Algorithmen basieren. Dabei verbinden sie verschiedene Technologieansätze und sind überwiegend schutzfähig, beispielsweise durch Patente, und damit schwerer nachahmbar.

Die Datenuntersuchung von Morphais VC zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend hinsichtlich der Zahl von DeepTech-Neugründungen. So wurden von Januar bis September dieses Jahres jetzt schon genauso viele DeepTech-Neugründungen in Deutschland gezählt, wie im gesamten Boom-Jahr 2021 (2022: 209 Startups, 2021: 207 Start-ups, 2020: 107 Start-ups). Insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr der Anteil von DeepTech-Start-ups von 6 Prozent auf 10 Prozent gestiegen.

DeepTech-Lösungen werden am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt

Des Weiteren belegt die Datenauswertung von Morphais VC, dass problemorientierte, technologische Lösungen aktuell am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt werden: 16 Prozent aller DeepTech-Neugründungen sind dem sogenannten HealthTech-Bereich zuzuordnen. Allgemein gilt der Gesundheitssektor als eine der Schlüsselbranchen, in denen innovative Lösungen besonders dringend notwendig sind. Zudem kommen 15 Prozent aus dem Bereich Software, 10 Prozent sind Industrie-Lösungen (z.B. Robotics), 9 Prozent fallen in die Kategorie Blockchain und Krypto und 8 Prozent sind Klima-Technologien.

Gründer*in der Woche: planelli - Junggesellinnenabschiede mit Plan

Junggesellinnenabschiede könnten für alle Beteiligten stressfrei sein, wenn die Organisation aus einem Guss wäre – was leider eher selten der Fall ist. Die planelli-Gründer*innen wollen hier Abhilfe schaffen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founderin und CEO Sandrin Lange.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründer*innen Melanie Möhlmann und Christian Schmitz auf die Idee zu planelli gekommen? Waren eigene negative Erfahrungen im Spiel?

Ja! Denn so schön der Tag selbst auch ist, die Planung eines Junggesellinnenabschieds bringt doch einige Herausforderungen mit sich. Häufig findet die Organisation größtenteils über Messenger statt, was sehr schnell für alle sehr unübersichtlich wird. Wer hat nochmal was wann geschrieben? Welche Vorschläge wurden schon gemacht? Wer ist eigentlich mit dabei oder kann an welchem Datum nicht? Und wie viel wollen wir ausgeben? Da gibt es viel zu klären und viel zu diskutieren. Wir haben das immer als recht anstrengend erlebt und im Rahmen so einer Planung dann selbst nach einem digitalen Tool gesucht, das uns hilft. Und keins gefunden. Unsere Lösung: Selbst einen Planer entwickeln. Die passenden Hintergründe haben wir zum Glück mitgebracht. Christian und ich kommen aus dem Bereich UX Design, Melanie zaubert als Fullstack Engineer den planelli Code.

Was sind deiner Erfahrung nach die größten Knackpunkte bzw. No-Gos bei der Planung von Junggesellinnenabschieden (kurz JGA)?

Zum einen die schon erwähnte Unübersichtlichkeit der gesamten Planung innerhalb einer Chatgruppe. Dann werden häufig digitale Tools genutzt, die aber alle woanders zu finden sind. Auch da muss man den Überblick behalten. Und ein ganz heikles Thema: Das liebe Geld. Die einen würden für den Tag ordentlich was investieren, die anderen möchten oder können nicht so viel ausgeben, finden es aber vielleicht unangenehm darüber zu reden. Deswegen haben wir zum Beispiel eine anonyme Abstimmung über das Budget pro Kopf integriert.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Produkt, eurem digitalen JGA Planer planelli?

Ganz wichtig: User Research. Als allererstes haben wir unsere Idee so validiert und machen immer wieder Testrunden, um entlang der Nutzerbedürfnisse zu entwickeln. Außerdem sind wir Schritt für Schritt live gegangen. Zunächst mit unserer Website inklusive Programmseite, auf der sich über 100 Aktivitäten für einen JGA finden (und auch buchen) lassen. Schritt zwei war dann der Planer selbst. Denn im Sinne des MVP (Minimum Viable Product) wollten wir uns nicht im Detail verlieren, bevor wir live gehen. Stattdessen so schnell wie möglich launchen, in der Live-Umgebung testen und weiter iterieren.

Was ist das Besondere an planelli, wie unterscheidet ihr euch von den zahlreichen anderen Lösungen in diesem Bereich?

Wir bieten die wichtigsten Tools für die Planung an einem einzigen Ort statt auf vielen verschiedenen Seiten. Bei uns findet man Inspiration für die Programmplanung, kann Aktivitäten über Partnerseiten buchen und direkt über das Datum und das Budget für den Tag abstimmen lassen. Außerdem kann die Planung mit allen Teilnehmer*innen geteilt werden. Wir vereinfachen damit enorm die Kommunikation und Organisation des Tages.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

Wir sind bis jetzt komplett selbstfinanziert. Unser Geschäftsmodell basiert aktuell auf Affiliate Marketing, der nächste Schritt ist ein Premiummodell für den Planer. Die User haben dann die Wahl zwischen einem kostenfreien Plan und einer Version mit mehr Funktionen und Möglichkeiten.

Wie macht ihr auf euch und eure Services aufmerksam?

Zum einen nutzen wir unser Netzwerk, zum anderen bauen wir unsere Social-Media-Kanäle auf und aus. Unser Fokus liegt allerdings stark auf Instagram, wo sich unsere Zielgruppe hauptsächlich tummelt. Wir schalten hier regelmäßig Werbung und setzen außerdem auf eine ausgefeilte PR-Strategie.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To-dos und Pläne?

Wir sind noch lange nicht fertig. Planelli soll weiter wachsen und neben den wichtigsten Planungstools weitere Lösungen bieten, damit die Organisation eines JGAs noch einfacher wird und schlichtweg mehr Freude macht. Es geht aber noch weiter: Wir möchten DIE Adresse für die (digitale &) einfache Planung jeglicher Events werden. Denn es gibt ja noch mehr zu organisieren als Junggesellinnenabschiede.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Im Brainstorming sollte man sich nicht limitieren, in der Entwicklung ist dann aber MVP das Zauberwort. Nicht zu lange und bis ins letzte Detail im stillen Kämmerlein vor sich hin werkeln. Lieber auf das Wesentliche konzentrieren, live gehen und mit dem echten Feedback und datengetrieben weiterarbeiten.

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Das Interview führte Hans Luthardt

Gewerbeversicherungsreport von Finanzchef24/andsafe

Der Report zeigt u.a.: Kleine Unternehmen und Selbständige wollen ihre Margen durch besseren Wareneinkauf, mehr Digitalisierung und Kosteneinsparungen retten. Zwei Drittel der Befragten unterschätzen die allgemeinen Gefahren sowie Risiken, die sich aus neuen Betätigungsfeldern ergeben können.

Viele Selbständige blicken angesichts explodierender Betriebskosten, nachlassender Kaufkraft und der nächsten zu erwartenden Corona-Pandemiewelle voller Sorgen in die Zukunft. Aber: Die Kleinsten und Kleinen wollen der drohenden Rezession nicht tatenlos zusehen. Dieses Fazit lässt sich aus der jüngsten Befragung ziehen, die Finanzchef24 und andsafe zusammen mit dem Panelanbieter Consumerfieldwork unter 654 Unternehmern durchgeführt haben. „Nachdem sich viele Kleinst- und Kleinunternehmer in der Corona-Pandemie im Vergleich zu Konzernen von der Politik vernachlässigt gefühlt haben, wollen sie den Herausforderungen aktiver denn je entgegentreten“, sagt Payam Rezvanian, Geschäftsleitung von Finanzchef24, zur Vorstellung des dritten Gewerbeversicherungsreports. „Die Stimmung ist branchenabhängig unterschiedlich. Viele kleine Unternehmer und Unternehmerinnen eint allerdings eine neue Entschlossenheit und Agilität, nachdem sie sich von der Regierung während der Corona-Krise kaum gesehen oder alleingelassen gefühlt haben“, sagt er. So schaut immerhin gut die Hälfte optimistisch auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden 12 Monaten.

Die neue Geldpolitik für viele zu spät gekommen

Die Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik kommt für Deutschlands Kleinst- und Kleinunternehmer zu spät. 72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Inflation das wichtigste geschäftsbestimmende Thema in den nächsten 12 Monaten sein wird. Beim letzten Report, der zum Jahreswechsel 2021/22 erhoben wurde, lag die Inflation bei rund 5 Prozent. Damals hatten lediglich 29 Prozent die Inflation als geschäftsbestimmendes Thema auf dem Radar.

Eng beziehungsweise direkt verbunden mit der Inflation sind für Unternehmen die höheren Energiepreise, steigende Betriebsnebenkosten und sinkende Konsumausgaben. Entsprechend denken 68 Prozent, dass höhere Energiepreise ihre Geschäftsentwicklung auf Jahressicht beeinflussen werden. 41 Prozent erwarten zudem sinkende Konsumausgaben, die auf den Umsatz schlagen. „Selbst wenn ein Kleinst- oder Kleinunternehmer weniger Energie benötigt als die Industrie, so fressen die horrenden Energiepreise die ohnehin schmalen Margen. Die Kombination mit gleichzeitig nachlassender Nachfrage könnte für einige existenzbedrohlich werden“, fasst Payam Rezvanian zusammen.

Die größten (Dauer-)Probleme: Lieferkettenprobleme, Corona und Fachkräftemangel

Nicht mehr ganz so wichtig wie im Vorjahr stufen die Befragten im neusten Gewerbeversicherungsreport die Corona-Pandemie ein. War Covid-19 im Jahr 2021 für 64 Prozent das bestimmende Top-Thema für den Businessalltag, gehen im Herbst 2022 noch 47 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Geschäft unter der Pandemie leidet oder für einen weiteren Schub sorgt – je nach Branche.

35 Prozent der Befragten gehen weiter davon aus, dass sich Lieferprobleme auf den Geschäftsbetrieb auswirken. Der Fachkräftemangel rangiert aktuell mit 34 Prozent im Mittelfeld der geschäftsbeeinflussenden Faktoren. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Thema damit noch einmal zugespitzt, spielte es 2021 doch nur für 27 Prozent der Befragten eine Rolle. Ebenfalls im Mittelfeld der Themen zu finden, sind ökologische beziehungsweise Nachhaltigkeitsthemen für 32 Prozent der Befragten.

Teure Kredite als neues Problemfeld

Die geänderte Zinspolitik der Notenbanken hat zudem direkte Auswirkungen auf die Refinanzierung. Ob Geld für die Expansion oder Investitionen: Immerhin 28 Prozent der Unternehmen sehen höhere Zinsen für Darlehen als ein Problem an, das ihre Geschäftstätigkeit beeinflussen wird. Mehr als jeder vierte Unternehmer erwartet beim Thema Fremdkapital Gegenwind. Unternehmen, die Geld von der Bank benötigen, müssen deutlich mehr dafür zahlen oder scheitern an neuen Risikobestimmungen. Gerade auf Selbständige mit einem erhöhten Kapitalbedarf kommen schwierigere Zeiten zu, so die Folge.

Jede(r) Fünfte hat schlechte persönliche Konjunkturerwartungen

Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer im kleinen Mittelstand. Laut Umfrage beurteilen 12 Prozent die mittelfristige Geschäftsentwicklung als sehr gut – Ukraine-Krieg, Inflation und Engpässen zum Trotz. Ganze 37 Prozent erwarten auf Jahressicht eine gute Geschäftsentwicklung. 30 Prozent sind unentschlossen. Mehr als jeder fünfte Kleinst- und Kleinunternehmer hat jedoch nur eine ausreichende oder sehr schlechte persönliche Konjunkturerwartung.

Der Gewerbeversicherungsreport zeigt jedoch auch: Hiesige Klein- und Mittelständler haben genaue Vorstellungen, welche Stellschrauben sie trotz oder gerade angesichts der exogenen Faktoren bedienen müssen. „Das Thema Wettbewerbsfähigkeit wird für den Kleinst- und Kleinunternehmer im Herbst 2022 neu ausgelotet. Es zählt nicht mehr allein, mit dem richtigen Produkt zu einem wettbewerbsfähigen Preis am Markt zu sein – sondern überhaupt zu einem Preis liefern zu können“, erklärt Payam Rezvanian. Ähnlich wie im Vorjahr sieht die Mehrheit in höheren Gewinnen beziehungsweise besseren Margen den wichtigsten Schlüssel, um am Markt zu punkten. Für 43 Prozent der Befragten ist dies die Top-Antwort (2021: 39 Prozent). Auf dem zweiten Platz der Maßnahmen steht die klassische Außenwerbung für 26 Prozent der Unternehmer (2021: 28 Prozent). Die dritte Stellschraube für mehr Wettbewerbsfähigkeit lautet für circa jeden fünften Kleinst- und Kleinunternehmer (21 Prozent) in Anbetracht der extremen Energiepreise Kostenreduktion durch Einsparungen.

Jede(r) Fünfte will schneller und digitaler werden

Auch das Thema Geschwindigkeit gewinnt in Zeiten von Corona, Fachkräftemangel und Knappheit an Fahrt. Es geht für den Mittelstand nicht nur darum, schneller in der Produktionszeit zu sein. Sondern ebenso schneller in Bezug auf sich ändernde Kundenbedürfnisse, agiler in puncto der Arbeitsprozesse sowie aufgeschlossener gegenüber Neuem und Veränderung. Ungefähr jeder fünfte befragte Kleinst- und Kleinunternehmer (19 Prozent) gibt an, seine Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit für mehr Wettbewerbsvorteile erhöhen zu wollen. Die Digitalisierung wollen 18 Prozent vorantreiben. Jeder Neunte will jedoch ebenso seinen Wareneinkauf optimieren. 8 Prozent wollen ihre Lieferantenbeziehungen verbessern, um bei der Beschaffung eher oder schneller zum Zug zu kommen. 3 Prozent denken sogar darüber nach, komplett neue Rohstoffquellen zu erschließen.

Viele Selbstständige blauäugig unterwegs

Agilität ist für das unternehmerische Überleben wichtig, birgt laut Finanzchef24 und andsafe jedoch Gefahren. „Denn die Risiken werden umso mehr, je mehr Kleinst- und Kleinunternehmer ihren Wirkradius vergrößern. Dort, wo neue Chancen winken, kann das Nichtwissen um begleitende Gefahren schnell zur existenziellen Bedrohung werden“, sagt Christian Buschkotte, Managing Director bei andsafe. Diese deutlich selbstbestimmteren und an den Krisen der letzten Jahre gewachsenen Unternehmer müssen sich nach Worten des Experten neues Wissen aneignen, wie sie sich und ihre Unternehmung in Zeiten dieser Veränderungsdynamik adäquat schützen können. Welche Absicherungsmöglichkeiten der Gewerbeversicherung es dafür gibt, ist jedoch vielen laut den Zahlen des Gewerbeversicherungsreports nicht klar. Nur rund jeder Dritte bezeichnet seine Kenntnisse als sehr gut oder als gut (34 Prozent). Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) sieht erhebliche Lücken. Und 39 Prozent beurteilen ihr eigenes Wissen diesbezüglich als befriedigend. Buschkotte: „Diese Unkenntnis führt ins Risiko. Ein Großteil der Selbstständigen ist kaum aufgeklärt und riskiert täglich seine finanzielle Existenz und Unabhängigkeit durch Nichtwissen.“

Weitere Infos zum Gewerbeversicherungsreport gibt’s hier

Deutsche Gründungsaktivitäten im Aufwind

Den Ergebnissen der aktuellen Ausgabe des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) zufolge, stieg die Gründungsquote in Deutschland zuletzt wieder an: 2021 ist sie im Vergleich zu 2020 um rund 2 Prozent auf 6,9 Prozent gestiegen.

Die im Rahmen der vom RKW Kompetenzzentrum sowie der Leibniz Universität Hannover für Deutschland durchgeführten internationalen Vergleichsstudie ermittelte Gründungsquote von knapp 7 Prozent im Jahr 2021 enthält einen deutlichen Anstieg um 2,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr (4,8 Prozent in 2020). Ursächlich für die höhere Gründungsdynamik in Deutschland sind unter anderem die schnelle Anpassungsfähigkeit der Gründenden an die durch die Corona-Pandemie veränderten Rahmenbedingungen, die Reaktion auf die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie seitens der Wirtschaftspolitik sowie durch die Pandemie neu entstandene unternehmerische Chancen, insbesondere in Bezug auf digitale Produkte und Dienstleistungen.

Die Gründungsquote in 2021 ist damit auf dem zweithöchsten Stand (Höchststand 2019, Gründungsquote 7,6 Prozent) der seit 1999 jährlich durchgeführten GEM-Erhebungen. Die Ergebnisse der letzten drei Jahre sind somit ein Indikator für einen möglichen Trend hin zu mittel- und langfristig höheren Gründungsaktivitäten in Deutschland. Diese Entwicklung wurde in 2020 – bedingt durch die Corona-Pandemie – zwar kurzzeitig ausgebremst, gleichzeitig gaben damals aber schon 63 Prozent der Personen mit Gründungsabsicht an, ihre Geschäftsaufnahme lediglich verschoben zu haben.

Zuwächse bei geplanten und umgesetzten Gründungen

Die Gründungsquote wird im GEM als Anteil derjenigen 18- bis 64-Jährigen definiert, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben (Young Entrepreneurs) und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen (Nascent Entrepreneurs). Die Gründungsquote der Young Entrepreneurs betrug im letzten Jahr 2,7 Prozent und erhöhte sich damit um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Gündungsquote der Nascent Entrepreneurs betrug 4,3 Prozent, das ist ein Anstieg um 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Gründungsquoten beider im GEM untersuchten Gruppen haben sich somit in 2021 positiv entwickelt. Der Anteil der Nascent-Entrepreneurs an der GEM-Gründungsquote betrug auch in den durch die Corona-Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 jeweils etwa zwei Drittel und ist somit unverändert zu den drei Vor-Pandemie-Jahren.

Dt. Gründungsquote im internationalen Vergleich auf dem Niveau von Frankreich, Finnland und Luxemburg

Deutschland belegte in 2021 unter den 31 GEM-Ländern mit hohem Einkommen in Bezug auf die Gründungsquote den 23. Rang. Europäische Nachbarländer wie Frankreich und Luxemburg sowie Finnland wiesen eine ähnliche Gründungsquote auf. Zu „Gründungsnationen“ wie den USA (Gründungsquote 16,5 Prozent) besteht mit einer Gründungsquote von 7 Prozent allerdings noch ein deutlicher Abstand. In diesem Zusammenhang ist jedoch anzumerken, dass in Ländern, in denen die Gründungsdynamik deutlich höher ist als in Deutschland, gleichzeitig auch die Anzahl der Geschäftsaufgaben ausgeprägter ist. So gaben in den USA im Vergleich zu Deutschland in 2021 rund zweimal so viele Personen an, ein ihnen gehörendes Unternehmen geschlossen zu haben. Das Unternehmertum in Deutschland zeichnet sich somit durch eine hohe Resilienz aus.

Zum Weiterlesen: Der vollständige GEM Länderbericht Deutschland 2021/22 steht hier zum Download zur Verfügung.

Gründer*in der Woche: Gorilla Funds UG - der NFT-Shop-Builder

Mit Ende 30 hat Jakob Sievers sein verbeamtetes Lehrerdasein hinter sich gelassen, um sich der Entwicklung von Anwendungen im Web3-Bereich zu widmen. Was ihn antreibt und was er mit seinem Start-up unternehmerisch auf die Beine gestellt hat, verrät uns Jakob im Interview.

Was war für dich der Auslöser, deine sichere Existenz als verbeamteter Lehrer aufzugeben und stattdessen ein Unternehmen zu gründen?

Es gab nicht einen einzigen Auslöser. Es war eher ein langer Prozess. Ich bin gegen 2013 auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden und diese hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ab da habe ich alles gelesen, was ich in die Finger bekam und ein Proof of Concept nach dem anderen gebaut. Mit dem Gewinn eines Hackathons im Jahr 2020 war für mich dann klar, dass der Weg der richtige ich und ich gründete die Gorilla Funds UG.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung bis zum Launch der ersten Anwendungen?

Wir finanzieren uns momentan überwiegend über Grants. Daher denke ich, der wichtigste Schritt war, das erste erfolgreiche Einreichen eine Proposals, um einen Grant zu erhalten. Mit Hilfe dieser Starthilfe hatten wir die Mittel, um unser erstes MVP zu bauen.

Was genau bietest du mit Gorilla Funds und wer sind deine Kund*innen?

Wir haben momentan zwei Produkte online. Zwei weitere sind in Arbeit. Zum einen haben wir das Figma Plugin UNIKAT entwickelt, das es ermöglich, schnell und mit vergleichsweise wenig Aufwand NFT-Kollektionen zu erstellen. Das zweite Produkt ist unser Shop-Page-Builder. Dieser ermöglicht es ohne Programmierkenntnisse NFT-Shops auf Basis des NFT-Marktplatzes Mintbase aufzusetzen und an die eigenen Erfordernisse anzupassen. Die NFT-Shops sind mit einem Content-Manangement-System verknüpft, sodass man einfach Content einpflegen kann und zum Beispiel einfach einen Blog hinzufügen kann.

Unser Produkt AUTOMAT, dass wir derzeit entwickeln, wird das Minten der erstellten NFT-Kollektionen für diese NFT-Shops per Klick ermöglichen. Zu Beginn möchten wir damit NFT-Künstler*innen helfen, einfach ihre digitale Kunst mittels ihres eigenen NFT-Shops vertreiben zu können. Ich sehe Künstler*innen aber nur als die erste Zielgruppe für uns. Ebenfalls denkbar sind Ticket-Shops oder Musiker*innen bzw. Bands. Für diese Zielgruppe entwickeln wir momentan geeignete Templates, sodass die Webshops exakt für diese Anwendungsfelder passen.

Worin siehst du das große (Zukunfts-)Potenzial von NFTs?

NFTs also nun Non fungible Token sind ja nun - wie es schon im Namen steckt - einzigartig. Das gilt ebenfalls für reale Gegenstände. Ich denke, dass in der Zukunft viele reale Produkte in der digitalen Welt eine Entsprechung in Form eines NFTs haben, die als Proof of Ownership für diese realen Produkte fungieren. Ein Kauf eines NFTs entspricht dann dem Übergang des Besitzes des realen Produktes auf den Käufer bzw. die Käuferin. Dies hat viele Vorteile: Nimmt man zum Beispiel an, dass ein NFT mit einem Gebrauchtwagen verknüpft ist. Da auf der Blockchain beim Kauf des NFT immer ein Eintrag erfolgt, könnte ein Käufer des NFT sehr einfach nachschauen, wie viel Vorbesitzer der Gebrauchtwagen hat. Aber auch Mitgliedschaften für eine Fitness-Center könnten einfach mittels NFTs realisiert werden. Ein potentielles Fitness-Center-Mitglied kauf eine Mitgliedschaft für das Fitness-Center online in Form eines NFTs. Im Fitness-Center wird der Einlass gewährt, wenn man den NFT nachweisen kann. Der Vorteil der Nutzung von NFTs wäre hier, dass ohne Probleme weitere Services an den Besitz des NFTs gekoppelt werden könnten. Zum Beispiel könnte dieser Token Zugang zu Internet-Inhalten wie Fitnessvideos erlauben und vieles mehr. Die flexible Natur der NFTs, der Fakt, dass die Blockchain für jedermann einsehbar und die Entwicklung überwiegend Open Source ist, wird die Entwicklung von Services ermöglichen, die bisher so nicht denkbar waren.

Wie machst du auf dich und deine Services aufmerksam?

Wir haben mit Student Creates einen Social-Media-Partner, der uns hilft, über LinkedIn, Twitter, Instagramm, TikTok, Discord und Facebook potentielle Kunden zu erreichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Gründen ist ein Marathon, kein Sprint. Also sollte man einen langen Atem haben und permanent in der Lage sein, flexibel auf neue Situationen zu reagieren, gerade im Blockchain-Space. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist enorm hoch und Flexibilität ein Muss, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten.

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Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: extrazwei – sorgt für mediale Resilienz

Heide Hüttner und Franzi Seidel haben extrazwei gegründet, um uns alle dabei zu unterstützen, digitalem Stress flexibler zu begegnen. Mehr dazu im Interview mit den beiden Gründerinnen.

Wann und wie habt ihr das Thema Stress und digitale Medien für euch "entdeckt"?

Heide: Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert und mich dabei selbstverständlich mit dem Thema Stress auseinandergesetzt, schließlich ist es eines der größten Gesundheitsrisiken der heutigen Zeit. Franzi hat Medienpädagogik studiert und sich dabei u.a. mit einer selbstbestimmten Mediennutzung auseinandergesetzt. In unserem letzten festen Job (da haben wir uns auch kennengelernt) habe ich für das Team einen Workshop zum Umgang mit Stress gegeben. Der hat bei Franzi einiges bewegt, und wir sind danach viel in den Austausch gekommen. Ich war damals super unzufrieden mit meiner Smartphone-Nutzung und dann haben wir erkannt, wie eng beide Themen zusammengehören und wie wenig sie bisher zusammengedacht werden. Und dass wir dieses Wissen und diese Erkenntnis mit anderen teilen möchten.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung von extrazwei bis zum Launch des ersten Programms?

Franzi: Wir hatten das Glück, dass wir an einem Programm der HHL in Leipzig teilnehmen durften, was Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt (Gründerinnenklasse). Dort haben wir viel hilfreichen Input zu den organisatorischen Angelegenheiten (Steuern, Recht etc.), aber auch zur Ausarbeitung unseres Businessplans bekommen. Ein erster großer Schritt war dann der Launch unserer selbstgebauten Homepage und dann das Kündigen der Festanstellung, gefolgt von der offiziellen Gründung.

Was genau bietet ihr mit bzw. in euren Programmen und wer sind eure Kund*innen?

Heide: Im Moment liegt unser Fokus auf der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Wir vermitteln in unseren Workshops, wie ein gesundes, digitales Arbeiten gelingt. Dabei geht es einerseits um das Identifizieren und das Reduzieren von digitalem Stress im Arbeitsalltag. Andererseits liegt dem auch eine ganzheitliche Betrachtung von Stress zu Grunde: Wir vermitteln die Wichtigkeit von Pausen und Regeneration, schauen das Thema Zeitmanagement an und legen einen Fokus auf die Stärkung der mentalen Gesundheit.

Außerdem bieten wir das online-Programm „Gelassen digital“ an. Daran kann jede Person teilnehmen und in einem von uns persönlich begleiteten Online-Kurs lernen, wie es gelingt, digitale Medien selbstbestimmt zu nutzen. Und vor allem auch erst mal erkennen, welchen Einfluss die digitalen Medien auf das eigene Stresslevel haben. Es ist immer wieder beeindruckend und toll zu sehen, wie viel sich bei den Teilnehmer*innen in den zehn Wochen verändert. Ein paar Mal im Jahr bieten wir auch Retreats zu dem Thema an.

Welches Feedback von den Teilnehmenden hat euch am meisten motiviert? Was kommt bei ihnen am besten an?

Franzi: Bei allen Programmen wird immer wieder die abwechslungsreiche Moderation, die gute Struktur unserer Konzepte und genau die richtige Tiefe der Inhalte betont. Dadurch haben die Teilnehmenden natürlich mehr Spaß und es bleibt mehr hängen. Das motiviert und bestärkt uns enorm, weil es auch zeigt, dass wir gut sind, indem was wir machen und wir anderen Menschen wirklich helfen können.

Heide: Wir geben auch Workshops für junge Erwachsene. Dabei schauen wir in einem Smartphone-Check, wie hoch die tägliche Nutzungsdauer ist. Viele wollen das erst mal gar nicht wissen und schätzen es falsch ein. Dabei hatten wir eine Teilnehmerin, die eine durchschnittliche Nutzungszeit von sieben Stunden pro Tag hatte. Sieben Stunden! Nach drei Monaten haben wir über die Gruppenleiterin erfahren, dass sich ihre Nutzungszeit auf zwei Stunden reduziert hat und sie sich sehr viel besser fühlt. Das hat uns natürlich sehr gefreut.

Wie macht ihr auf euch und eure Angebote aufmerksam?

Heide: Wir vernetzen uns auf Veranstaltungen und Messen, vor allem auch hier vor Ort in Leipzig. Außerdem nutzen wir LinkedIn und unsere Homepage. Aber aus unserer Erfahrung bringen „echte“ Kontakt schon am meisten. Und wir haben selbst einen Stammtisch gegründet, um uns mit anderen zu vernetzten, die sich mit dem Thema Stress beschäftigen. Da freuen wir uns immer über neue Leute.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Franzi: Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken! Und andere Personen als Inspiration und nicht als Vergleich sehen. Besonders in der Gründung sieht man, was bei allen anderen schon so super läuft und bei sich selbst nicht. Hier hilft es sich mit sich selbst vor ein paar Monaten oder einem Jahr zu vergleichen und nicht mit anderen. Denn der eigene Entwicklungsfortschritt ist enorm und das selbst wertzuschätzen gibt unfassbar viel Motivation und Durchhaltevermögen.

Heide: Und sich Zeit für Pausen und Erholung zu nehmen. Als Gründer*innen machen wir jeden Tag Sachen zum ersten Mal und es passiert unglaublich viel. Da es alles aufregend ist, fühlt es sich erst mal nicht so anstrengend an. Wir haben den riesengroßen Vorteil, dass wir zu zwei sind. Wir ergänzen uns super, und so fällt es leichter, auch im Urlaub komplett abzuschalten und mal eine Auszeit zu haben. Also ich würde allen empfehlen, zu zweit zu gründen oder zumindest einen Buddy an der Seite zu haben.

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Das Interview führte Hans Luthardt