Peter Park sammelt mittleren siebenstelligen Betrag ein


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Das 2019 in München gegründete IoT-Start-up entwickelt ein modulares Betriebssystem für Parkflächen.

Peter Park entwickelt ein modulares Betriebssystem für Parkflächen. Durch die digitale Erfassung aller Parkprozesse werden Schranken obsolet und die Verknüpfung mit der cloud-basierten Plattform eröffnet bisher ungenutzte Potenziale zur Optimierung der innerstädtischen Raumnutzung. Kontaktloses Bezahlen per App, bequeme Vor-Ort-Bezahlung am Automaten mit großzügigem Touch-Display, dynamische Parkplatzauslastungen oder datenbasierte Parkraumoptimierungen sind nur wenige Beispiele, welche das Potenzial der Lösung unterstreichen.

Die SaaS-Lösung richtet sich an Kommunen sowie private Parkraumbetreiber, welche durch die Digitalisierung ihre Kosten erheblich senken und Umsätze steigern. "Wir erleben aktuell einen Umbruch in Branche sowie Gesellschaft, hin zu einer effizienten und nachhaltigen Verkehrssteuerung in überlasteten Innenstadt-Zentren. Diesen Trend wollen wir durch eine konsequente Digitalisierung von innerstädtischem Raum konstruktiv begleiten", so das Gründer-Team.

Peter Park positioniert sich als integrierende Plattform und Schnittstelle im urbanen Mobilitäts-Ökosystem. Nach der Integration von Parkster in 2019, konnten nun mit ParkNow, PayByPhone und EasyPark bereits die führenden Parking-Apps Europas für die Plattform gewonnen werden. Der Trend zur Bezahlung via App wurde durch Corona zusätzlich verstärkt. So konnten in enger Partnerschaft mit den App-Partnern bereits zahlreiche Supermarkt-Parkflächen für das nächtliche Anwohner-Parken geöffnet werden und somit neue Kapazitäten am Straßenrand, z.B. für den Bau von Fahrradwegen, gewonnen werden. Dieser Leitgedanke entspricht genau der Vision von Peter Park "Parkplätze in vernetzte Mobilitätshubs" zu transformieren.

Mit der neuen Finanzierung wird der Fokus auf das konsequente Wachstum des Teams gelegt, was als Fundament für die anstehende Internationalisierung dient. Sowohl die Produkt- als auch die Vertriebs-Kapazitäten werden signifikant erhöht. Ebenso wird der Ausbau weiterer Partnerschaften ein wichtiger Baustein für die Peter Park Plattform bleiben, um den Mehrwert für Kunden und Mobilitäts-Ökosystem kontinuierlich zu erhöhen.

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Uhren-Start-up Watchmaster stellt Insolvenzantrag nach Einbruchdiebstahl

1.000 Luxusuhren mit einem Verkaufswert von über 10 Mio. Euro entwendet: Die Watchmaster ICP GmbH, einer der größten Händler zertifizierter Luxusuhren aus zweiter Hand in Europa, hat am 29.11.2022 beim Amtsgericht Berlin einen Insolvenzantrag gestellt.

Am 19.11.2022 ist in eine Hochsicherheitstresoranlage an der Berliner Fasanenstraße eingebrochen worden. In dieser Anlage hat auch Watchmaster Tresorräume angemietet, um dort Luxusuhren sicher zu lagern. Bei dem Einbruch wurden 1.000 Uhren mit einem Verkaufswert von über 10 Millionen Euro gestohlen. Der Einbruch wurde von Watchmaster noch am gleichen Tag der Polizei gegenüber angezeigt und nach mehrtägiger Spurensicherung ermittelt nun das Landeskriminalamt Berlin.

Ein Teil der gestohlenen 1.000 Uhren ist Eigentum des Unternehmens. Ein Großteil gehört Kommittenten. Das sind Kund*innen, die ihre Uhren über Watchmaster verkaufen – mit einer Provision, die an den Händler geht. Das Unternehmen informierte umgehend nach der Kommunikationsfreigabe durch das Landeskriminalamt Berlin die betroffenen Kund*innen.

Es besteht ein Versicherungsschutz, der die Auszahlung der Kommittenten laut Kommissionsvertrag und die Eigenware von Watchmaster schützen soll. Demnach soll den Besitzer*innen der Uhren kein unmittelbarer Schaden entstehen. Watchmaster selbst erhält lediglich den Einkaufspreis seiner Uhren zurück, was aber bei Weitem nicht das abdeckt, was bereits in Aufbereitung und Zertifizierung sowie Marketing investiert wurde. Dem Unternehmen sind Zukunftsumsätze und Marge, gerade im laufenden Weihnachtsgeschäft genommen worden. „Unter diesen nicht zu erwartenden Umständen ist es dem Unternehmen nicht mehr möglich, eine positive Fortführungsprognose abgeben zu können. Der Vorfall zwingt uns in die Insolvenz.“

Seit der Gründung des Berliner Unternehmens im Jahr 2015 hat sich Watchmaster zu einer geschätzten Adresse für private Verkäufer*innen und Käufer*innen von zertifizierten Luxusuhren entwickelt. Mehr als 4.000 Uhren waren zuletzt auf der Internetseite des Unternehmens verfügbar. Das Start-up beschäftigt derzeit rund 75 Mitarbeitende an Standorten in Berlin, Paris und London. „Wir sind zutiefst bestürzt, welche harten Konsequenzen dieser Vorfall für alle Beteiligten hat. Wir möchten uns an dieser Stelle bei unseren Mitarbeitern bedanken, die stets an unsere Vision geglaubt haben und auch in den letzten Tagen wieder bewiesen haben, aus welchem Holz sie geschnitzt sind.“

Für das Jahr 2023 hatte Watchmaster viele Pläne für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens. Unter anderem war die Erweiterung von physischen Präsenzen, also Standorten im Retailbereich, vorgesehen. Die Pläne des Start-ups sind durch den Einbruch über Nacht zunichte gemacht worden. Watchmaster wird den regulären Geschäftsbetrieb aber so reibungslos wie möglich aufrechterhalten: „Unsere Priorität liegt weiterhin auf dem Schutz unserer Kunden. Unsere Insolvenz wird uns von diesem Vorsatz nicht abhalten. Auch unseren Kunden gilt unser Dank, wir werden unser Möglichstes tun, diese zu unterstützen“, so ein Firmenvertreter.

Per Fünf-T-System zum Unicorn?

Eine Studie von McKinsey will das Erfolgsrezept gefunden haben, wie man zum 1 Milliarde US-Dollar schweren Unicorn wird.

Der Traum ist bekannt: In jungen Jahren mithilfe von Fast Food und Energy-Drinks (oder in heutigen Zeiten eher vegane Alternativen und nachhaltig hergestellte Kräuter-Getränke) aus der Garage, der WG, dem eigenen Schlafzimmer oder einem klaustrophobisch anmutenden Büroraum heraus eine Idee entwickeln, die sich dann in ein Startup und schlussendlich zum Unicorn wandelt. So werden gern jene Erfolgsgeschichten erzählt, die zur Milliardenbewertung des eigenen Unternehmens und globalem Erfolg führen.

Für den tatsächlichen Erfolg jedoch braucht es laut einer Studie von McKinsey weit mehr: von ausreichend unternehmerischer Vorerfahrung, über die richtige Ausbildung bis hin zu nachhaltigen Wachstumschancen im Zielmarkt.

Diese Voraussetzungen hat McKinsey aus Interviews mit zehn Venture Capital-Gesellschaften und Angel Investors sowie 100 von weltweit 1000 Unicorns abgeleitet. Und kam auf das „Fünf-T-System“:

1. Team: Nicht ohne meine Leute

Laut der Analyse sind gute Mitarbeiter*innen der Schlüssel zum Erfolg. 75 Prozent aller Unicorn-Start-ups wurden von zwei oder mehr Leuten gegründet. Wichtig dabei sei die Vielfalt im Gründer*innenteam.

Unicorns sind, was die Studienabschlüsse betrifft, bunt durchmischt (technologischer Hintergrund 40 Prozent, Naturwissenschaften 25 Prozent, wirtschaftlicher Hintergrund 25 Prozent).

Generell sind Hochschulausbildungen bei Unicorn-Gründer*innen weit verbreitet: Mehr als 95 Prozent haben einen akademischen Abschluss, mehr als 70 Prozent sogar einen Master, MBA oder Doktortitel.

Neben der richtigen Ausbildung sei zudem auch Berufserfahrung essenziell. Die meisten (80 Prozent) Unicorn-Gründer*innen haben bereits davor Arbeitserfahrung gesammelt, und mehr als die Hälfte hat zuvor bereits ein anderes Start-up gegründet.

Investor*innen sind, der Studie nach, auf der Suche nach Gründer*innen, die nicht nur Visionär*innen, sondern auch erfahrene Unternehmer*innen sind. Von der Garage aus zum Weltmarktführer wie bei Facebook, Google und Co. wird demnach kaum zur Realität.

 

„Die Unerfahrenheit dieses Gründer*innen-Stereotyps finden wir bei erfolgreich skalierten Gründungen jedoch selten – das Gegenteil ist der Fall: 80 Prozent der Gründer*innen haben Vorerfahrungen gesammelt: entweder in Start-ups oder Corporates“, sagt Jerome Königsfeld, Autor der Studie und Partner im McKinsey Büro in Köln.

2. Total adressable Market

Fast ein Drittel der Top-100-Unicorns ist in den Sektoren „Technologie, Medien und Telekommunikation“, „Industrie“ und „Gesundheitswesen“ zu finden. Dabei sei aber nicht nur die Größe entscheidend.

Ein Start-up auf Trends und in Märkten ohne klaren Marktführer zu gründen, locke ebenfalls Investor*innen. Ganz nach dem Motto „There is no planet B“ investieren Unternehmen und Regierungen weltweit aktuell vor allem in den Bereich Nachhaltigkeit (zehn Billionen Euro in den nächsten 30 Jahren).

Markus Berger-de León, ebenfalls Co-Autor der Studie und Senior Partner im McKinsey Berlin Büro, erklärt die vorausgesagten Investments so: „Steigende Energiepreise und ein gestiegenes Bewusstsein für den Klimawandel werden die Entwicklung und das Wachstum von Cleantech-Start-ups begünstigen.“

3. Mit dem perfekten Timing zum Unicorn

Als Vorreiter bei Trends können Startups mit schnellem Wachstum, höheren Margen und ausreichend verfügbarem Kapital rechnen. Damit sichern sich „First Movers“ eine vorteilhafte Marktposition, bevor andere Start-ups oder etablierte Unternehmen auf das neue Geschäftsfeld aufmerksam werden.

Rasch potenzielle Kund*innen für das Produkt oder die Dienstleistung zu gewinnen, sei dabei entscheidend für Investor*innen.

4. Technologie: Software übertrumpft Hardware

Während der Großteil der Unternehmensgründungen auf neuen Technologien basiert, gibt es auch weitere Möglichkeiten, das richtige Produkt oder die passende Dienstleistung für den skalierbaren Erfolg zu finden. Start-ups können mit einer neuen Kombination oder Verbesserungen bestehender Technologien, beispielsweise durch gesteigerte Effizienz, einen Markt für sich gewinnen.

Entscheidend ist immer, die Skalierbarkeit – das Produkt oder die Dienstleistung soll von beliebig vielen Kund*innen genutzt werden können, ohne dass die eigenen Kosten explodieren. Bei diesem Aspekt wären vor allem Software-Produkte im Vorteil.

5. Traction: Neue Lösungen für alte Probleme

Erfolgreiche Gründungen zeichnen sich, der Studie nach, vor allem auch dadurch aus, dass für bestehende Probleme in bestehenden Märkten neue Lösungen geboten werden.

Mit einer Idee ein Unternehmen gründen, und danach nach dem richtigen Markt dafür zu suchen, führt nur in seltenen Fällen zum Erfolg. Investor*innen würden es, McKinsey nach, bevorzugen, wenn Unternehmen einem sogenannten „3-3-2-2-2“-Muster folgen.

Die Umsätze eines Start-ups sollten sich in den ersten zwei Jahren nach der Gründung verdreifachen und die drei Jahre danach ungefähr verdoppeln.

Die McKinsey-Analyse zeigt nämlich: Erfolgreiche Start-ups haben ihre Umsätze acht Jahre lang jedes Jahr verdoppelt.

Auch die derzeitige unsichere Wirtschaftslage wirkt sich auf den Start-up-Sektor aus: Investor*innen achten aktuell vor allem auf Profitabilität und nicht auf schnelles Wachstum. Grund dafür ist die hohe Inflation, wodurch auch das Halten von Bestandskund*innen und wiederkehrende Einkünfte immer wichtiger werden.

Hier geht's zur Studie

Gründer*in der Woche: promiseQ – KI-Tech für weniger Falschalarme

Die Zahl der Videoüberwachungskameras hat im vergangenen Jahr weltweit die Marke von einer Milliarde Geräten geknackt. Ein Problem bei der Sicherheitstechnologie sind jedoch die vielen fehlerhaften Alarmrufe, die Zeit und Ressourcen binden und enorme Kosten verursachen. Das 2021 von Elias Kardel und Tolga Ermis gegründete Start-up promiseQ hat eine Softwarelösung entwickelt, die Falschalarme signifikant reduziert. Mehr dazu im Interview mit CEO Tolga.

Wann und wie bist du zusammen mit deinem Mitgründer Elias auf die Idee zu promiseQ gekommen?

Die zündende Idee für promiseQ kam uns als Elias Schwiegervater, der Direktor einer Schule in Taiwan ist, sich darüber beklagte, dass er ständig Notifications von Falschalarmen auf seinem Handy erhielt. Das ging so weit, dass er die besagten Überwachungskameras auf dem Schulgelände einfach abschaltete, um nicht ständig mit Benachrichtigungen überhäuft zu werden. So kamen wir auf die Idee, eine Technologie zu entwickeln, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert und genau diese Falschalarme automatisch herausfiltern kann. Nach einer gründlichen Marktstudie fanden wir heraus, dass es sich bei 95 Prozent aller weltweit ausgelöster Alarme um Falschalarme handelt. Wir haben so im Endeffekt ein dringendes Problem in der Sicherheitsbranche identifiziert und uns dann entschlossen, mit einer eigenen Firma etwas dagegen zu tun.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Softwarelösung?

Am Anfang haben wir neben unseren vorherigen Jobs an promiseQ gearbeitet. Ab einer gewissen Stelle war aber klar, dass man an seiner Idee nur ganz oder gar nicht arbeiten sollte. Nach ungefähr einem Jahr haben wir dann bei unseren früheren Arbeitgebern gekündigt. Es hat uns geholfen, dass wir dann direkt danach in den „Bosch Startup Harbour“ aufgenommen und dort finanziell sowie durch Mentoring unterstützt wurden. Am Ende des Accelerator-Programms haben wir uns dann für die Firmengründung wirklich bereit gefühlt. Durch das Programm wurden wir auch an unseren ersten Kunden empfohlen. Mit diesem kamen dann im nächsten Schritt erste Investoren und mehr Unterstützung aus der Sicherheitsindustrie, wodurch wir unser Produkt entscheidend weiterentwickeln konnten.

Von einer komplett fertigen Softwarelösung sollte man aber noch nicht reden, denn wir haben noch viel vor. Wir verfügen aktuell über ein erstes Kernprodukt, welches wir an eine wachsende Anzahl an Kunden vertreiben. Darüber hinaus entwickeln wir im agilen Austausch mit unseren Bestandskunden aber bereits weitere Features, um zukünftig eine ganzheitliche Plattformlösung zum Management der sogenannten „Alarmverarbeitungskette“ anbieten zu können.

Was ist das Besondere an promiseQ, wie unterscheidet ihr euch von anderen Sicherheitslösungen?

Das besondere an unserer Lösung ist, dass unsere KI vollautomatisch Crowdworker für ihre Entscheidung hinzuzieht, wenn sie sich nicht zu 100 Prozent sicher ist. Dadurch erreichen wir eine Filterleistung von bis zu 99,7 Prozent. Zusätzlich wird unsere KI mit den neuen Daten trainiert und wird dadurch immer genauer. Das Ziel ist es, dass die KI irgendwann von alleine so akkurat Entscheidungen treffen kann, dass keine Crowdworker mehr für die finale Verifizierung in Einzelfällen benötigt werden.

Wer sind eure Kund*innen bzw. wo und wie kommt promiseQ zum Einsatz?

Momentan konzentrieren wir uns auf Kunden aus der Sicherheitsbranche und insbesondere auf Notrufleitstellen. Mit Hilfe unserer Lösung können wir die operativen Kosten dort um 80 Prozent senken und einer „worker’s fatigue“ entgegenwirken, die bei monotoner Arbeit, wie der Filterung von Falschalarmen, auftreten kann. Bei immer gleicher Tätigkeit schleichen sich nämlich für gewöhnlich Fehler ein. Dieses „menschliche Versagen“ bei tatsächlichen Alarmen können wir mit unserer Technologie nahezu eliminieren.

Mittel- und langfristig wollen wir unseren Kundenstamm und Use Case ausbauen, um auch eine weitere automatische Erkennung von Gefahren anbieten zu können, wie beispielsweise Feuerdetektion oder der Erkennung von Gefahrensituationen wie Unfällen, Schlägereien oder Diebstahl.

Wie habt ihr die Software-Entwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

In der ersten Phase nachdem wir mit unserer Idee gestartet sind, waren wir Teil des „Bosch Startup Harbour“ und haben zudem das Berliner Start-up Stipendium erhalten. Danach haben sich der Berliner Frühphaseninvestor APX und ein paar namhafte Executives aus der Sicherheitsbranche als Business Angels im Rahmen unserer Pre-Seed-Finanzierungsrunde im April 2022 an promiseQ beteiligt.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Vorhaben und To-dos nach der erfolgreichen sechsstelligen Pre-Seed-Finanzierung?

Wir sind aktuell dabei, einige wichtige Leads aus unserer Sales Pipeline erfolgreich als Kunden zu gewinnen. Wir konzentrieren uns momentan darauf, so viele Deals wie möglich abzuwickeln, um eine hohe Sales Traction aufzubauen. Damit wollen wir zeigen, dass unser Produkt am Markt bereits eine Relevanz hat und wirklich gebraucht wird. Außerdem geht es jetzt verstärkt darum, IT-Talente für unser Unternehmen zu gewinnen, um die Entwicklung unserer KI-Software voranzutreiben.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Irgendwann wird immer ein Moment des Zweifelns aufkommen. Genau dann ist es wichtig, nicht aufzugeben, sondern durchzuhalten und sich davon nicht abschrecken zu lassen. Das ist im Endeffekt der wichtigste Tipp, den ich allen Gründerinnen und Gründern ans Herz legen möchte. Glaubt an euch und an das, was ihr könnt, und beißt in schwierigen Situationen die Zähne zusammen - hört niemals auf, an eure Vision zu glauben!

Hier geht's zu promiseQ

Das Interview führte Hans Luthardt

Hospitality-TechStart-up limehome sichert sich 45 Mio. Euro an frischem Kapital

Limehome, der 2018 in München gegründete, technologiebasierte Anbieter und Betreiber von voll digitalisierten Design-Apartments in Europa, erhält 45 Millionen Euro neues Wachstumskapital.

Das Münchner Hospitality-TechStart-up limehome wuchs dank seines konsequent digitalen Geschäftsmodells in der Krise im Business- wie auch im Leisure-Segment weiter dynamisch. So konnte das Unternehmen seinen Umsatz in den Pandemiejahren jährlich verdreifachen. Der Markteintritt in weiteren europäischen Ländern steht kurz bevor. Bereits heute ist limehome schon an über 100 Standorten in sieben Ländern vertreten.

Dank seiner proprietären Betriebsplattform automatisiert limehome alle herkömmlichen Prozesse eines Hotelbetriebs – vom Pricing über Buchung, Check-in, Reinigung, Customer Service bis hin zur Rechnungserstellung. Die höhere Effizienz im Betrieb und in Flächennutzung erlauben auch kleinere Standorte profitabel zu betreiben, die für herkömmliche Hotelkonzepte nicht attraktiv sind. Seit der Gründung 2018 expandierte das Münchner Start-up in mehr als 100 Standorte und hat mehr als 3.000 Apartments in sieben Ländern unter Vertrag. Die Auslastung der von limehome angebotenen Apartments liegt laut Angaben des Start-ups seit über einem Jahr konstant bei rund 90 Prozent bei einer hohen Profitabilität über alle Standorte hinweg.

Das zusätzliche Kapital wollen die Münchner vor allem in die Expansion fließen lassen. Neben weiterem organischen Wachstum soll ein Teil des Kapitals auch in Übernahmen von bestehenden Betreibern fließen, bei denen limehome auch in der Vergangenheit bereits deutliche Performance-Steigerungen erzielen konnte. Außerdem will limehome die Skalierbarkeit und das hohe Servicelevel der eigenen Technologieplattform weiter ausbauen.

„Unsere beiden neuen Investoren schätzen die Kombination aus hohem Wachstum und einem hochprofitablen Bestandsgeschäft. Wir freuen uns über ihr Vertrauen in unsere Vision und sehen uns darin bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein, um limehome zu einem hochprofitablen technologiebasierten Betreiber von Design-Apartments zu entwickeln”, sagt Cesar de Sousa Freitas, Geschäftsführer von limehome.

„Die letzten Jahre haben gezeigt, dass unsere voll ausgestatteten Design-Apartments mit digitaler Customer Journey und einer konsistenten Qualität sowohl im Leisure- als auch im Business-Segment großen Anklang finden. Mit der Unterstützung unserer Investoren werden wir unser Konzept kontinuierlich weiterentwickeln und in neue Märkte bringen”, ergänzt Dr. Josef Vollmayr, Mitgründer und Geschäftsführer von limehome.

„Wir haben frühzeitig in limehomes innovatives Geschäftsmodell investiert. Darin sehen wir uns durch die außergewöhnliche Entwicklung des Unternehmens bestätigt. Wir sind davon überzeugt, dass limehome durch sein klares Konzept und die starke Umsetzung seine führende Stellung als technologiebasierter Betreiber in Europa weiter ausbauen wird“, so Fabian Gruner, Principal beim Investor HV Capital. 

Marktanalyse zeigt: aktuell 18 Prozent weniger Gründungen als im 2. Quartal 2022

Im 3. Quartal hat sich die aktuelle Krise noch stärker auf den deutschen Start-up-Markt ausgewirkt als in der ersten Jahreshälfte 2022. Weitere Erkenntnisse der Marktstudie: Deutschlandweite Gründungs-Verteilung: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin; Positive Entwicklungen im Bereich Deep-Tech.

Dies zeigt eine aktuelle Marktanalyse des technologie- und datengetriebenen Venture-Capital-Unternehmens Morphais VC. Basierend auf den Daten von Startupdetector wurden gerade einmal 578 neue Start-ups im 3. Quartal gegründet. Dies sind 18 Prozent weniger als im 2. Quartal dieses Jahres und sogar 30 Prozent weniger als im Vorjahresquartal 2021.

Dabei ist im Vergleich zum Boom-Jahr 2021 vor allem der Anteil an Neugründungen im Bereich E-Commerce sowie in der Software-Branche leicht rückläufig (E-Commerce: -2 Prozent, Software: -3 Prozent). Hingegen ist der Anteil von Start-ups, die aus dem Gesundheitstechnologie-Sektor kommen, im Vergleich zum Vorjahr von 10 Prozent auf 12 Prozent gestiegen.

Deutschlandweite Neugründungen: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin

Prozentual gesehen kamen im letzten Jahr 18 Prozent aller Neugründungen aus Bayern, in diesem Jahr waren es zwischen Januar und September bereits 21 Prozent. Damit ist der Anteil an Neugründungen im bundesweiten Vergleich erstmals genauso hoch wie in Berlin (ebenfalls 21 Prozent). Auf dem dritten Platz befindet sich Nordrhein-Westfalen, wo zwischen Januar und September 17 Prozent aller neuen Start-ups gegründet wurden, gefolgt von Baden-Württemberg (11 Prozent) und Hessen (8 Prozent).

Anstieg von DeepTech: Der Anteil von DeepTech-Start-ups ist von 6 auf 10 Prozent gestiegen

In Zeiten der Krise verschiebt sich der Fokus auf neue technologische Lösungen. Besonders gut stehen deshalb die Chancen für DeepTech-Start-ups. DeepTechs entwickeln problemorientierte Produkte und Lösungen, die mehrheitlich auf wissenschaftlicher Forschung oder neuartigen Algorithmen basieren. Dabei verbinden sie verschiedene Technologieansätze und sind überwiegend schutzfähig, beispielsweise durch Patente, und damit schwerer nachahmbar.

Die Datenuntersuchung von Morphais VC zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend hinsichtlich der Zahl von DeepTech-Neugründungen. So wurden von Januar bis September dieses Jahres jetzt schon genauso viele DeepTech-Neugründungen in Deutschland gezählt, wie im gesamten Boom-Jahr 2021 (2022: 209 Startups, 2021: 207 Start-ups, 2020: 107 Start-ups). Insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr der Anteil von DeepTech-Start-ups von 6 Prozent auf 10 Prozent gestiegen.

DeepTech-Lösungen werden am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt

Des Weiteren belegt die Datenauswertung von Morphais VC, dass problemorientierte, technologische Lösungen aktuell am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt werden: 16 Prozent aller DeepTech-Neugründungen sind dem sogenannten HealthTech-Bereich zuzuordnen. Allgemein gilt der Gesundheitssektor als eine der Schlüsselbranchen, in denen innovative Lösungen besonders dringend notwendig sind. Zudem kommen 15 Prozent aus dem Bereich Software, 10 Prozent sind Industrie-Lösungen (z.B. Robotics), 9 Prozent fallen in die Kategorie Blockchain und Krypto und 8 Prozent sind Klima-Technologien.

ImpactNexus schließt erfolgreich erste Finanzierungsrunde ab

Das 2021 gegründete Start-up ImpactNexus bietet Venture-Capital- und Private-Equity-Portfoliomanagern Lösungen für effizientes Nachhaltigkeitsmanagement und hat seine erste Finanzierungsrunde über 800.000 Euro abgeschlossen.

Die Zielgruppe des Angebots von ImpactNexus sind vorerst vor allem Venture-Capital- und Private-Equity-Portfoliomanager, die derzeit vor einer großen Herausforderung stehen: Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) der EU sieht vor, dass Anbieter*innen von Finanzprodukten bis Juni 2023 erstmals einen jährlichen Bericht darüber vorlegen müssen, inwieweit sie Nachhaltigkeit in ihre Entscheidungsprozesse für ihre Finanzprodukte einbeziehen und welche Auswirkungen diese auf Umwelt, Klima und Gesellschaft haben. Und je mehr ein Fonds nachhaltigkeitsorientiert ist, desto höher die Reporting-Auflagen – dies führt bei vielen Anbieter*innen zu hohen Kosten und Aufwänden, zudem fehlt es oft an Know-how und an einem effektiven Datenfluss zwischen den diversen Stakeholdern in ihrem Portfolio.

Weniger Zeit und Kosten, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Genau hier kommt ImpactNexus ins Spiel. Das erklärte Ziel des Start-ups ist es, die Zeit und Kosten für Nachhaltigkeits-Reporting und Optimierungsmaßnahmen um das 10-fache zu reduzieren. Dafür entwickelt ImpactNexus innovative Software-as-a-Service-Lösungen mit einem erfahrenen Team aus Nachhaltigkeitsexperten, Softwareentwicklern und Data Scientists. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, Nachhaltigkeits-Daten mit wenigen Klicks bei Portfoliounternehmen abzufragen und SFDR-Berichte in Übereinstimmung mit den offiziellen Richtlinien der Europäischen Kommission zu generieren.

Das Herzstück dabei ist die wachsende NEXUS-Datenbank, welche eine automatisierte Bewertung des Impacts von Portfoliounternehmen möglich macht und zusätzlich maßgeschneiderte Vorschläge zur Optimierung liefert. „Mit unserer digitalen Lösung können Fondsmanager die soziale und ökologische Wirkung ihres Portfolios bewerten, ihren diversen Stakeholdern effizient Bericht erstatten und zugleich die Nachhaltigkeitsperformance optimieren“, sagt Dr. Jannic Horne, CEO von ImpactNexus.

Die Vision: Nachhaltigkeitsmanagement für den Mittelstand

Mittelfristig sieht ImpactNexus auch mittelgroße Unternehmen als Zielgruppe, da diese stark unter dem Mangel an Nachhaltigkeitsberatern leiden. Hier bietet der Zugang zur NEXUS-Datenbank einen effizienten, digitalen Weg zur Optimierung ihrer Nachhaltigkeitsperformance. Das Kapital der Finanzierungsrunde wird nun zur weiteren Produktentwicklung eingesetzt. An der Runde haben sich Investoren wie Vireo Ventures, das Investorinnen-Netzwerk encourageventures sowie weitere Business Angels und Fördergeldgeber beteiligt.

Jörg Walden ist Investor und Advisor von ImpactNexus. Er hat selbst bereits Unternehmen im Kontext von Compliance- und Nachhaltigkeits-Reporting sowie -optimierung gegründet, darunter iPoint und CircularTree. Zu seiner Investition in ImpactNexus sagt er: „Die Zukunft gehört ganz den Unternehmen, die nachhaltig, das heißt klimaneutral und im Sinne der Kreislaufwirtschaft handeln. ImpactNexus bietet mit seiner Datenbank und Software-Lösungen einen wichtigen Baustein, um Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen.“

Gründer*in der Woche: foodcall - Essensbestellung per KI-Sprach-Chatbot

Mit foodcall hat we-do.ai-Gründer und CEO Dr. Sebastian Hecker nach drei Jahren Entwicklungsarbeit ein Software-Pionierprojekt an den Start gebracht. Erstmals wird KI mit Spracherkennungsfunktion in der Gastro-Branche genutzt. Mehr zu dieser KI-Innovation und die Anwendungsfelder im Interview mit Sebastian.

Wann und wie bist du auf die Idee zu foodcall gekommen?

Die we-do.ai GmbH wurde 2018 mit dem Fokus der individuellen Softwareentwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz gegründet. Einige unserer Projekte beinhalteten die Programmierung von Sprach-Chatbots und da unser Ziel immer war, ein eigenes Produkt zu entwickeln, haben wir uns eine Branche gesucht, für die es möglich ist, einen Sprach-Chatbot zu launchen, der in einem flüssigen Gespräch alle Fragen der Anrufer klären kann. Nach einiger Recherche fiel die Entscheidung für die Gastronomie, weil die Themen, die ein Anrufer mit einem Restaurant klären möchte, überschaubar sind: Essensbestellungen, Tischresevierungen, sonstige Anliegen. Was zu Anfang überschaubar aussah, hat sich im weiteren Entwicklungsverlauf als komplexer und vielschichtiger herausgestellt, sodass die Entwicklung drei Jahre benötigt hat und wir "erst" im März dieses Jahres foodcall erstmalig an Restaurants verkauft haben.
Um foodcall zu 100 Prozent an die Bedürfnisse der Gastronomen anzupassen, haben wir in den drei Entwicklungsjahren mit vielen verschiedenen Restaurants die Software als Pilot getestet. Die Anzahl dieser Erstkunden lag bei Marktstart bei 121 Restaurants.


Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen KI-Sprach-Chatbot?

Die Entwicklung der Sprach KI an sich war die größte Hürde. Für die Entwicklung haben wir mehr als drei Jahre benötigt. Hierbei stellten wir uns die zentrale Frage, was der Markt eigentlich will. Folglich haben wir uns immer wieder daran orientiert, wie Kunden bei ihren Restaurants anrufen und anhand von vielen Telefonaten die KI kontinuierlich weiterentwickelt.

Letztlich dabei herausgekommen ist foodcall: Was ist das Besondere an foodcall und wie unterscheidet ihr euch von anderen Gastro-Software-Lösung?

Foodcall ist eine umfassende Software-Lösung für die Gastronomie: Angefangen bei der Bestellannahme per Telefon via Übermittlung an die Küche bis zur Integration in das Kassensystem, ist der Dienst rund um die Uhr einsatzbereit, kann parallel mehrere Telefonate führen und auch Kundenanfragen an das Restaurant weiterleiten. Er merkt sich z.B. die letzten getätigten Bestellungen inkl. Vorlieben sowie die Lieferadressen der Kunden. Aber nicht nur Bestellungen und Reservierungen werden bearbeitet, sondern auch andere Anliegen wie einen Anruf des Steuerberaters oder des Lebensmittellieferanten. Dabei zeichnet sich der Sprach-Chatbot insbesondere durch eine flüssige Gesprächsführung aus, erkennt Sprachvariationen und beantwortet Nachfragen zum Bestellstatus. Das foodcall-Team hebt damit Sprach-Chatbots auf das nächste Level. Bisher ist man daran gewöhnt, dass z.B. Alexa oder der Google Assistant eine Antwort auf eine Frage geben, aber keine normale Konversation führen können. Durch den ganzheitlichen Ansatz von foodcall werden Fehlbestellungen deutlich reduziert bzw. komplett vermieden. Mit dieser Unterstützung kann sich das Restaurant auf die Zubereitung, das Servieren und Ausliefern von Speisen fokussieren und so das Team entlastet werden. Es gibt keine aktuell keine anderen Anbieter im Markt, die etwas Vergleichbares anbieten.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

Der TGFS Technologiegründerfonds Sachsen erhöhte erst im Juli 2022 sein Investment auf einen inzwischen siebenstelligen Betrag im Rahmen einer Folgefinanzierung. Bereits seit 2018 begleitet der TGFS das auf Chatbots spezialisierte Start-up als Finanzierungspartner.

Wer sind eure Kund*innen bzw. wo kommt foodcall idealerweise zum Einsatz?

Jedes Restaurant, Kette oder Franchise ist potenzieller Kunde, da jedes Restaurant Anrufe bekommt. Idealkunden sind natürlich die, die viele Essensbestellungen über das Telefon erhalten, da hier der größte Mehrwert für das Restaurant entsteht. Dies zeigt sich aktuell schon an unserer Kundenstruktur, vom Kleinunternehmen (Dönerbude) bis zum großen Franchise ist alles vertreten. Die faire Preisgestaltung, die kurze Kündigungsfrist von einem Monat und die flexible Nutzung ermöglichen auch kleinen Restaurants mit geringem Geldbeutel den Einsatz von foodcall. Das Bezahlmodell ist pay per use, d.h. das Restaurant bezahlt foodcall für jeden Anruf, der übernommen wird. Der Gastronom kann foodcall individuell aus- und anschalten, wenn er selbst das Telefon übernehmen und so ggfls. Kosten sparen will.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse seit der Markteinführung Anfang 2022?

Foodcall kommt genau zur richtigen Zeit: Zum einem werden die "Endkunden" digitaler und offener für KI-Sprach-Chatbots, zum anderen hilft foodcall beim akuten Fachkräftemangel Arbeitskraft zu ersetzen bzw. bereit zu stellen, da die KI 24/7 einsatzbereit ist. Die grundsätzliche Entwicklung wird in allen Bereichen mehr und mehr Richtung "Voice" gehen.

Foodcall ist der erste Sprach-Chatbot in Deutschland, der in einem flüssigen Gespräch mit seinem Anrufer kommunizieren kann. Viele Anwendungen, die heute noch per Tastatur eingegeben werden, werden zukünftig per Sprache geschehen: z.B. Onlineshop-Bestellungen. Mit dem sich täglich vergrößernden Datenpool und den Erfahrungen in Gesprächsführung ist die KI von foodcall für diese Zukunft ideal aufgestellt.

Was sind deine weiteren unternehmerischen Vorhaben bzw. To-dos?

Unser Ziel ist der Aufbau starker Kooperationen, Leuchtturm-Kunden zu gewinnen, natürlich große Bekanntheit zu erlangen und eine schnelle Marktdurchdringung zu erreichen. Die größte Herausforderung wird dabei sein, das schnelle Wachstum zu meistern. Wir sehen foodcall flächendeckend in Deutschland in allen möglichen Restaurants und auch in weiteren deutschsprachigen Ländern wie Österreich und Schweiz. Eine Expansion in weitere Länder mit weiteren Sprachen steht ebenfalls auf unserer Agenda.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

  1. Unternehmen sollten sowohl technisch als auch vertriebsseitig gleichermaßen gut aufgestellt sein. Diese zwei Faktoren stehen für Stabilität und bilden die Basis, um sich gut zu positionieren und zum Erfolg zu kommen. 
  2. Immer am Markt ausrichten, dabei spielt der persönliche Geschmack keine Rolle. Wichtig ist, was der Markt will!
  3. Immer am Ball bleiben, stets nach neuen Lösungen suchen und nicht zu schnell die Flinte ins Korn werfen. Die wenigsten Start-ups funktionieren in den ersten ein bis drei Jahren. Man braucht also Ausdauer und dickes Fell. Auch spielt Flexibilität eine entscheidende Rolle. Das haben uns nicht zuletzt die letzten drei Jahre seit Beginn der Pandemie gelehrt.

Hier geht's zu we-do.ai bzw. foodcall

Das Interview führte Hans Luthardt

Hamburgs Zukunftswerkstatt für Food-Innovationen gestartet

Hamburgs Zukunftswerkstatt für Food-Innovationen – der Food Harbour Hamburg (FHH) – startet seine Innovationsarbeit für die Food- & Beverage-Industrie.

Gerade in der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Situation, wo Kostenoptimierung im Fokus steht, sind alle Akteur*innen herausgefordert, nachhaltig relevante Innovationen zu entwickeln und in den Markt zu bringen. „Heute kämpfen einerseits dynamisch wachsende Start-ups mit der Skalierung, also der effizienten Steigerung ihrer Stückzahlen, während andererseits die bereits etablierten Unternehmen herausgefordert sind, sich und ihre Produkte zum Teil komplett neu zu erfinden“, beschreibt Food Harbour Hamburg Co-Founder und Geschäftsführer Jochen Matzer die aktuelle Ausgangssituation.

„Exakt diese Herausforderung, nämlich mit Innovationen effizient zu wachsen, lösen wir mit dem Full-Service-Angebots unseres Food-Accelerators“, so Co-Geschäftsführer Sebastian Heinz. „Denn wir bieten sowohl etablierten Food- & Beverage-Produzenten wie auch Food-Start-ups ein umfangreiches, modulares Service-Portfolio, das von der Definition des Produkt- und Markenkonzepts bis zur Rezepturentwicklung, der ersten Kleinserienproduktion sowie der mehrkanaligen Vermarktung reicht.“


Verkaufsfähige Kleinserien entwickeln

Seinen Partner*innen und Projektkund*innen bietet der Food Harbour Hamburg auf dem Food-boom-Campus in der Billstraße 114 eine vollwertige Entwicklungs- und Produktionsumgebung, in der Starts-ups und Industrie die ersten, verkaufsfähigen Kleinserien entwickeln und im nächsten Schritt produzieren können. „Wir werden perspektivisch die relevanten Anlagen hier vor Ort haben. Ansonsten verstehen wir uns als Schnittstelle zu entsprechenden Produktionsdienstleistern sowie den spezialisierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, wo wir alle weiteren Prozessschritte durchführen können“, so Kay Schumacher, der im Team den Bereich Processing und Technologie verantwortet. Zusätzlich profitieren die Harbour-Partner*innen von der kulinarischen Kompetenz des Harbour-Mitgesellschafters Foodboom: „Wir verfügen über eine langjährige Kompetenz, neue Trends aus der Gastronomie in innovative Markenprodukte zu übertragen“, so Mitgründer Hannes Arendholz, der die Entwicklung neuer Rezepturen verantwortet.

Die zentralen Vorteile dieses One-Stop-Shopping-Angebots liegen laut Matzer klar auf der Hand: „Unsere Partner beschleunigen ihre Inhouse-Innovationsprozess deutlich, haben gleichzeitig die Möglichkeit, unser vielfältiges Know-how sowie unsere breiten Entwicklungs- und Produktionsressourcen flexibel und kosteneffizient für sich zu nutzen und sich außerdem im kreativen Austausch mit weiteren Food- und Beverage-Pionieren zu vernetzen.“

Hamburger Ernährungswirtschaft als Wachstumstreiber

Nach über zweijähriger Entwicklungsarbeit gab der Hamburger Senator für Wirtschaft und Innovation Michael Westhagemann jetzt den offiziellen Startschuss. Der Food Harbour Hamburg ist dabei ein Kernelement der Wachstums- und Innovationsoffensive von Hamburger Senat und Bürgerschaft mit dem Ziel, die Ernährungswirtschaft in der Metropolregion Hamburg zu einem Wachstumstreiber zu machen. Westhagemann: „Der Food Harbour Hamburg ist ein besonderes Projekt des zukünftigen Food Cluster Hamburg, weil es den Heimathafen für viele Food Start-ups und Mittelstand Unternehmen bildet, um Lebensmittel einer neuen Generation zu entwickeln. So sollen neue und innovative Produkte entstehen und Rohstoffe der Zukunft aus Hamburg heraus kreiert werden.“

Start-up-Programm, Know-how und mehr

Zum Angebot des Harbours gehört auch ein sechsmonatiges Start-up-Programm, in dem Jung-Unternehmer*innen auf die nächste Entwicklungsstufe gebracht werden. „Wir liefern dafür den Start-ups gezielt das Know-how und die Ressourcen, die sie für den nächsten Wachstumsschritt brauchen“, so Programmleiterin und Co-Founderin Stefanie Ostendorf. Mit dem morgigen Startschuss für den Food Harbour startet auch der erste Batch für fünf Start-ups aus der Metropolregion Hamburg, die sich mit ihren Produkt-Innovationen den Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung vorstellen.

Neben einer initialen Förderung durch die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation wird der Betrieb des Food Harbour Hamburg durch die Businesspartner- und Projektkund*innenen finanziert, die ihre individuellen Leistungspakete entsprechend vergüten. Dabei haben die Businesspartner*innen den Vorteil, dass sie sich auf Basis eines dreijährigen Rahmenvertrags den bevorzugten Zugriff auf die vorhandenen Ressourcen sichern.

„Co-Creation ist unsere Mission. Nur gemeinsam machen wir Hamburg zum Hotspot eines neuen, nachhaltigen Food Systems. Deshalb ist uns die Zusammenarbeit mit den bestehenden Pionieren wie foodactive, dem Food Innovation Camp, dem foodlab und FoodWorks sowie den entsprechenden Wissenschaftsinstituten der Hamburger Universitäten“, so Mitgründer Philipp Stradtmann.

N26 wollte Bitpanda aufkaufen, aber kam nicht weit

Laut einem Bericht des Magazins Finance Forward wollte das Berliner Unicorn N26 2020 das damals noch nicht Unicorn Bitpanda aus Wien kaufen.

3,5 Milliarden Euro war Bitpanda nach der letzten großen Finanzierungsrunde – 223 Millionen Euro im August 2021 – wert. Auch wenn Investor*innen hier aktuell wegen des Krypto-Winters und nach der Kündigung von rund 300 Mitarbeiter*innen im Juni dieses Jahrs vielleicht Abschläge bei der Bewertung machen würden – eine Übernahme des Unicorns käme nur mehr für wirklich große Konzerne infrage. Mitte 2020, als Bitpanda gerade eine kleine Finanzierungsrunde mit dem auf FinTech spezialisierten Branchenfonds von Speedinvest abgeschlossen hatte und noch kein Unicorn war, sah das aber noch anders aus. Damals soll es laut einem Bericht von Finance Forward ein Übernahmeangebot von der Berliner Neobank N26 gegeben haben. Das Magazin bezieht sich im Bericht auf „Insider“.

N26 & Bitpanda: Übernahme-Verhandlungen scheiterten schon sehr früh

Der Hintergrund: Das von den beiden Wienern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete N26 wollte schon damals ein (Krypto-)Trading-Angebot in der eigenen App aufbauen. Das ist bis heute nicht umgesetzt worden. 2020 seien die Verhandlungen aber bereits in einem frühen Stadium wieder gescheitert, heißt es bei Finance Forward – wohl primär, weil das Krypto-Scale-up durch eigene Finanzierungsrunden weiter wachsen wollte, wird gemutmaßt. Wenige Monate später schloss Bitpanda eine eigene 44 Millionen Euro Serie A-Finanzierungsrunde ab und katapultierte sich wohl damit bereits in eine Bewertung, die N26 nicht mehr stemmen hätte können. Im März 2021 wurde das Wiener FinTech dann mit einer 142 Millionen Euro-Runde zum Unicorn. Schon vor den großen Finanzierungsrunden fuhr es hohe Umsätze ein und schrieb schwarze Zahlen.

Kooperation über Whitelabel-Lösung soll kommen – Warten auf Genehmigung

Die Gespräche zwischen N26 und Bitpanda gingen dem Vernehmen nach, nachdem eine Übernahme vom Tisch war, in Sachen Kooperation weiter. Bitpanda hat ein Whitelabel-Angebot, das unter anderem von Lydia aus Frankreich, Fabrick aus Italien oder Plum aus dem Vereinigten Königreich genutzt wird. Anfang dieses Jahres gab es dann Berichte über eine mögliche Kooperation zwischen dem Berliner und dem Wiener Unicorn. Laut Finance Forward steht bis dato allerdings eine Genehmigung der deutschen Finanzaufsicht BaFin für den genannten Service aus.

Gründer*in der Woche: extrazwei – sorgt für mediale Resilienz

Heide Hüttner und Franzi Seidel haben extrazwei gegründet, um uns alle dabei zu unterstützen, digitalem Stress flexibler zu begegnen. Mehr dazu im Interview mit den beiden Gründerinnen.

Wann und wie habt ihr das Thema Stress und digitale Medien für euch "entdeckt"?

Heide: Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert und mich dabei selbstverständlich mit dem Thema Stress auseinandergesetzt, schließlich ist es eines der größten Gesundheitsrisiken der heutigen Zeit. Franzi hat Medienpädagogik studiert und sich dabei u.a. mit einer selbstbestimmten Mediennutzung auseinandergesetzt. In unserem letzten festen Job (da haben wir uns auch kennengelernt) habe ich für das Team einen Workshop zum Umgang mit Stress gegeben. Der hat bei Franzi einiges bewegt, und wir sind danach viel in den Austausch gekommen. Ich war damals super unzufrieden mit meiner Smartphone-Nutzung und dann haben wir erkannt, wie eng beide Themen zusammengehören und wie wenig sie bisher zusammengedacht werden. Und dass wir dieses Wissen und diese Erkenntnis mit anderen teilen möchten.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung von extrazwei bis zum Launch des ersten Programms?

Franzi: Wir hatten das Glück, dass wir an einem Programm der HHL in Leipzig teilnehmen durften, was Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt (Gründerinnenklasse). Dort haben wir viel hilfreichen Input zu den organisatorischen Angelegenheiten (Steuern, Recht etc.), aber auch zur Ausarbeitung unseres Businessplans bekommen. Ein erster großer Schritt war dann der Launch unserer selbstgebauten Homepage und dann das Kündigen der Festanstellung, gefolgt von der offiziellen Gründung.

Was genau bietet ihr mit bzw. in euren Programmen und wer sind eure Kund*innen?

Heide: Im Moment liegt unser Fokus auf der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Wir vermitteln in unseren Workshops, wie ein gesundes, digitales Arbeiten gelingt. Dabei geht es einerseits um das Identifizieren und das Reduzieren von digitalem Stress im Arbeitsalltag. Andererseits liegt dem auch eine ganzheitliche Betrachtung von Stress zu Grunde: Wir vermitteln die Wichtigkeit von Pausen und Regeneration, schauen das Thema Zeitmanagement an und legen einen Fokus auf die Stärkung der mentalen Gesundheit.

Außerdem bieten wir das online-Programm „Gelassen digital“ an. Daran kann jede Person teilnehmen und in einem von uns persönlich begleiteten Online-Kurs lernen, wie es gelingt, digitale Medien selbstbestimmt zu nutzen. Und vor allem auch erst mal erkennen, welchen Einfluss die digitalen Medien auf das eigene Stresslevel haben. Es ist immer wieder beeindruckend und toll zu sehen, wie viel sich bei den Teilnehmer*innen in den zehn Wochen verändert. Ein paar Mal im Jahr bieten wir auch Retreats zu dem Thema an.

Welches Feedback von den Teilnehmenden hat euch am meisten motiviert? Was kommt bei ihnen am besten an?

Franzi: Bei allen Programmen wird immer wieder die abwechslungsreiche Moderation, die gute Struktur unserer Konzepte und genau die richtige Tiefe der Inhalte betont. Dadurch haben die Teilnehmenden natürlich mehr Spaß und es bleibt mehr hängen. Das motiviert und bestärkt uns enorm, weil es auch zeigt, dass wir gut sind, indem was wir machen und wir anderen Menschen wirklich helfen können.

Heide: Wir geben auch Workshops für junge Erwachsene. Dabei schauen wir in einem Smartphone-Check, wie hoch die tägliche Nutzungsdauer ist. Viele wollen das erst mal gar nicht wissen und schätzen es falsch ein. Dabei hatten wir eine Teilnehmerin, die eine durchschnittliche Nutzungszeit von sieben Stunden pro Tag hatte. Sieben Stunden! Nach drei Monaten haben wir über die Gruppenleiterin erfahren, dass sich ihre Nutzungszeit auf zwei Stunden reduziert hat und sie sich sehr viel besser fühlt. Das hat uns natürlich sehr gefreut.

Wie macht ihr auf euch und eure Angebote aufmerksam?

Heide: Wir vernetzen uns auf Veranstaltungen und Messen, vor allem auch hier vor Ort in Leipzig. Außerdem nutzen wir LinkedIn und unsere Homepage. Aber aus unserer Erfahrung bringen „echte“ Kontakt schon am meisten. Und wir haben selbst einen Stammtisch gegründet, um uns mit anderen zu vernetzten, die sich mit dem Thema Stress beschäftigen. Da freuen wir uns immer über neue Leute.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Franzi: Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken! Und andere Personen als Inspiration und nicht als Vergleich sehen. Besonders in der Gründung sieht man, was bei allen anderen schon so super läuft und bei sich selbst nicht. Hier hilft es sich mit sich selbst vor ein paar Monaten oder einem Jahr zu vergleichen und nicht mit anderen. Denn der eigene Entwicklungsfortschritt ist enorm und das selbst wertzuschätzen gibt unfassbar viel Motivation und Durchhaltevermögen.

Heide: Und sich Zeit für Pausen und Erholung zu nehmen. Als Gründer*innen machen wir jeden Tag Sachen zum ersten Mal und es passiert unglaublich viel. Da es alles aufregend ist, fühlt es sich erst mal nicht so anstrengend an. Wir haben den riesengroßen Vorteil, dass wir zu zwei sind. Wir ergänzen uns super, und so fällt es leichter, auch im Urlaub komplett abzuschalten und mal eine Auszeit zu haben. Also ich würde allen empfehlen, zu zweit zu gründen oder zumindest einen Buddy an der Seite zu haben.

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Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche:CALIMA - digitales Notfall-System für Solist*innen

In Deutschland arbeiten 8,5 Millionen Menschen alleine und damit außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen. Im Falle eines Sturzes, einer Bedrohung oder eines akuten gesundheitlichen Problems haben sie niemanden, der schnell Erste Hilfe leisten kann. Michael Zerbin, Tim Hautkappe und Katharina Hochmuth‍, die Gründer*innen der CALIMA Safety GmbH, haben eine Lösung entwickelt, die das Smartphone von Mitarbeiter*innen in ein persönliches Notsignal-Gerät verwandelt. Mehr dazu im Interview mit Katharina.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründer*innen auf die Idee zu CALIMA gekommen?

Der Ursprung der Idee liegt schon einige Jahre zurück. Tim und ich haben während unseres Maschinenbaustudiums 2013 bereits die App KommGutHeim entwickelt. KommGutHeim ermöglicht es, den eigenen Standort live mit ausgewählten Kontakten zu teilen und im Ernstfall schnell Hilfe anzufordern. Durch die hohe Reichweite von über 100.000 Nutzer*innen haben wir in den vergangenen Jahren immer häufiger Anfragen von Unternehmen erhalten, ob sich KommGutHeim auch zum Schutz von Mitarbeiter*innen einsetzen lässt. Im intensiven Austausch mit Experten zum Thema Arbeitsschutz und betrieblichen Notfall-Lösungen ist dann die Idee für CALIMA gewachsen.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Tool?

  • Entwicklung des MVP in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Kund*innen.
  • Erfolgreicher Einsatz bei unserem ersten Kunden.
  • Closing unserer Pre-Seed Finanzierungsrunde von 325k.
  • Abschluss unseres ersten Enterprise-Kunden EWE NETZ GmbH mit 500 Lizenzen.

Was ist das Besondere an CALIMA, wie funktioniert das System und was sind die Vorteile gegenüber einer Hardware-Lösung?

Bei der Entwicklung von CALIMA haben wir besonders großen Wert auf die User Experience für Nutzer*innen und Administrator*innen gelegt. Durch die modulare Software-Architektur, sowie die Bereitstellung über die Cloud kann CALIMA im Vergleich zu Hardware-Lösungen innerhalb weniger Stunden im Unternehmen implementiert und die Notfallkette individuell angepasst werden. Da CALIMA auf den Dienst-Smartphones installiert wird, müssen Unternehmen im Vergleich zu Hardware-Lösungen keine hohen Anfangsinvestitionen tätigen. Die Tatsache, dass Mitarbeiter*innen keine zusätzlichen Geräte mit sich tragen müssen, hat im Vergleich auch eine deutlich höhere Nutzer*innenakzeptanz zum Vorteil.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

In der Konzeptions- und Entwicklungsphase von CALIMA haben wir in einem Start-up Programm, dem Future City Incubator, teilgenommen und für 10 Monate das Gründerstipendium des Berliner Senats erhalten. Kurz nach unserer Gründung konnten wir mit drei Business Angels unsere Pre-Seed Finanzierungsrunde von 325 Tsd. Euro realisieren. Neben diesem Investment finanzieren wir uns aktuell durch den Gründerbonus und unsere Einnahmen.

Tech-Start-up Enmacc erhält zweistelligen Millionenbetrag

Das Münchner Tech-Start-up Enmacc erhält im Rahmen seiner Serie B-Finanzierung einen zweistelligen Millionenbetrag, um seine Führungsrolle in Europa auszubauen.

Seit Wochen dominieren die europäischen Energiemärkte die Schlagzeilen. Im Verlauf der öffentlichen Debatte wird immer deutlicher, wie komplex und wichtig der Handel mit Strom und Gas ist. Zugleich rücken Unternehmen ins Rampenlicht, die bisher nur Expert*innen bekannt waren.

Eines davon ist die 2016 in München gegründete Enmacc GmbH. Das junge deutsche Technologieunternehmen ist Europas größte OTC-Handelsplattform für Energie und übernimmt mit seiner digitalen Handelsplattform für Gas und Strom eine zentrale Aufgabe für den deutschen Energiegroßhandel. Diese hat sich binnen weniger Jahre als digitale und innovative Alternative zu den traditionellen Brokern und Börsen etabliert.

Enmacc ermöglicht den außerbörslichen Terminhandel (OTC, Over the Counter) von Gas, Strom und Grünstromzertifikaten. Das Alleinstellungsmerkmal der Enmacc-Plattform ist die proprietäre Handelslösung für den Request-For-Quote-Handel. Das bedeutet: Händler*innen können in Sekundenschnelle ihre Handelspartner*innen über ihr Interesse informieren. Im Gegenzug erhalten sie umgehend konkurrenzfähige, handelbare Quotierungen von mehreren Handelspartner*innen. Diese Art des digitalen Handels soll Händler*innen speziell dann Liquidität verschaffen, wenn in den traditionellen Order-Büchern der Börsen und Broker nur wenige Preise zur Verfügung stehen.

Series-B Finanzierungsrunde zum Ausbau der Führungsrolle

Als wichtige Etappe seiner Entwicklung hat Enmacc nun eine Series-B Finanzierungsrunde bekannt gegeben, um seine europäische Führungsrolle auszubauen und durch effiziente Handels- und Marktinfrastrukturen die Energiewende zu beschleunigen.

Jens Hartmann, CEO der Enmacc GmbH, erklärt: “Die Energiemärkte sind aktuell durch ein extremes Preisniveau, bisher ungekannte Volatilität und dadurch äußerst geringe Liquidität gekennzeichnet. Dies stellt die Marktteilnehmer vor enorme Herausforderungen. Gefragt sind jetzt vor allem digitale Handelsmöglichkeiten, die den Beteiligten helfen, ihr Netzwerk an Handelspartnern zu erweitern und letztlich ihre Liquidität zu verbessern. Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass sich der Energiehandel weiterentwickeln muss. Er muss digitaler werden und die Diversität der Marktstrukturen fördern. Die Energiewende kann nur auf Grundlage effizienter Märkte gelingen, die wirtschaftliche Anreize zur Dekarbonisierung setzen.”

Lead-Investor der aktuellen Serie B-Finanzierung ist Klima Energy Transition, ein kürzlich bei 210 Millionen Euro geschlossener Spätphasen-Venture Capital-Fonds des weltweit tätigen Investment Banking und Asset Management-Unternehmens Alantra. Es beteiligen sich zudem Chevron Technology Ventures und Bestandsinvestoren an der Finanzierungsrunde. Bislang wurde Enmacc von namhaften VCs wie Cherry Ventures, Piton Capital, Illuminate Financial und der 10x-Gruppe finanziert. Weitere Investoren werden in den nächsten Wochen die bereits überzeichnete Runde komplettieren.

GameChanger des Monats: Fertilly – der Kinderwunschreise-Digitalisierer

Christoph Müller-Guntrum hat schon einige Karrierestationen hinter sich. Er leitete als Geschäftsführer zwei Jahre das Logistik-Startup Movinga. Zuvor war er fünf Jahre Unternehmensberater bei BCG mit vielen Berührungspunkten zum Healthcare-Bereich. 2019 entschied er sich, Fertilly zu gründen, um ein fundamentales gesellschaftliches Problem zu lösen: die rückläufige Demographie in der westlichen Welt. Mehr dazu im Interview mit Christoph.

Es gibt zahlreiche Gründe, warum Frauen und Paare ungewollt kinderlos bleiben. Viele sind medizinisch zu begründen, andere haben keine medizinisch diagnostizierbaren Ursachen. So oder so: Grundsätzlich scheint das Thema Unfruchtbarkeit aktuell immer noch (gesellschaftlich) stigmatisiert zu sein und damit für die Betroffenen schwierig zu handhaben. Wie siehst du das?

Das trifft genau den Kern der Problematik. Wie viel Aufklärungsbedarf im Bereich Fruchtbarkeit, Kinderwunsch und Familienplanung besteht, hat eine repräsentative Studie gezeigt, die wir letzten Monat durchgeführt haben. Das Bild ist so klar wie erschreckend: 75 Prozent der Deutschen halten Unfruchtbarkeit für ein Tabuthema. Besonders Männer haben ein großes Problem, über das Thema zu sprechen; sie würden lieber so ziemlich jedes andere Tabuthema wählen, als über Probleme mit der eigenen Zeugungsfähigkeit zu sprechen.

Kombiniert man das mit der Tatsache, dass die Deutschen das fruchtbare Fenster von Männern und Frauen deutlich überschätzen, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sich viele erst dann mit ihrer eigenen Fruchtbarkeit auseinandersetzen, wenn es für eine Schwangershaft auf natürlichem Wege häufig schon zu spät ist. Gerade Männer unterliegen häufig dem Irrglauben, dass sie “forever fertile” sind, was nicht stimmt. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, offen mit dem Thema umzugehen und hier eine längst überfällige Aufklärung nachzuholen.

Wie eingangs erwähnt, hast du beruflich einige Stationen hinter dir, bis du das Thema
Reproduktionsmedizin unternehmerisch für dich entdeckt hast. Was war der Auslöser bzw. ist die Motivation, Fertilly zu gründen?

Ich hatte in meiner Zeit als Unternehmensberater schon über längere Zeit Berührungspunkte mit dem HealthTech-Bereich. Schon damals habe ich gemerkt: Hier gibt es unglaublich großen Optimierungsbedarf! Als ich 2019 durch einen Fall aus meinem familiären Umfeld dann aus erster Hand mitbekommen habe, wasl in der Reproduktionsmedizin für ein Informationsdschungel herrscht und wie aufwendig die Therapievorbereitung für Betroffene ist, war für mich klar: Hier muss sich etwas tun – und das nicht nur im Bezug auf die Digitalisierung, sondern auch gesellschaftlich. Mit Fertilly soll jede*r, unabhängig vom Geschlecht, der sexuellen Orientierung oder dem Familienstand, den gleichen Zugang zum Kinderwunsch bekommen.

Was waren die wichtigsten Meilensteine von der Gründung bis zum Start von Fertilly?

Mitte dieses Jahres ist unser Patientenportal live gegangen, mit dem wir die gesamte Therapievorbereitung digitalisiert haben. Patient*innen können individuelle Anamnesebögen online ausfüllen und bestehende Untersuchungsergebnisse hochladen. So haben sowohl Patient*innen als auch Kliniken alle relevanten Infos auf einen Blick. Auch im Bereich der ersten Diagnostik hat sich dieses Jahr vieles getan: Wir haben uns mit dem führenden Anbieter zusammengetan, um unseren Patient*innen einen At-home Spermientest anbieten zu können, mit dem verlässliche Ergebnisse wie bei einem*einer Ärztin*in erzielt werden.

Wie hast du diese Phase finanziell gestemmt?

Die Gründung sowie die ersten zwei Jahre haben wir komplett gebootstrapped. 2021 haben wir erfolgreich eine Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen, die uns einen zusätzlichen Anschub verpasst hat. Wir sind seitdem auf rund 20 Mitarbeiter*innen gewachsen und konnten neben der DACH-Region Märkte wie Italien und Frankreich weiter ausbauen.

Nun zu Fertilly: Was genau leistet ihr mit eurer Plattform, wen adressiert ihr und inwiefern unterscheidet ihr euch – im Sinne eines GameChangers – von anderen
Playern in diesem Segment?

Das Ziel unserer Plattform ist klar: Wir wollen die Kinderwunschreise für Patient*innen nicht nur diskriminierungsfrei, transparenter und leichter machen, sondern wollen die gesamte Journey simplifizieren und beschleunigen. Dafür können wir auf Europas größtes Netzwerk aus Kinderwunschzentren zurückgreifen, um für jede*n Patient*in die passende Klinik zu finden.

Wir möchten jede*n motivieren und inspirieren, die eigene Fruchtbarkeit selbst in die Hand zu nehmen – von der ersten Frage nach der eigenen Fruchtbarkeit bis zum Finden der individuell passenden Wunschklinik. Hier hört unser Service jedoch nicht auf: Viele Paare und Singles begleiten wir bis zur Geburt.

Einzigartig macht uns hier vor allem, dass wir einen extrem niederschwelligen Einstieg in das Thema Kinderwunsch bieten. Leider ist es immer noch so, dass (Un-)Fruchtbarkeit in unserer Gesellschaft als Tabuthema wahrgenommen wird und viel zu wenig darüber gesprochen wird. Hinzu kommt, dass viele Gynäkolog*innen in dem Bereich der Kinderwunschproblematik oft unzureichend informiert sind und sich das Ganze dadurch um ein Vielfaches in die Länge zieht. Durch unser Angebot und unsere Fruchtbarkeit-Tests für Zuhause, verkürzen wir den Prozess und ersparen Patient*innen außerdem 2 bis 3 Klinikbesuche vor Ort.

Wie macht ihr auf euch und eure Angebote aufmerksam?

Unser Fokus liegt zum einen in der Content-Erstellung, da das Thema Unfruchtbarkeit bislang immer noch sehr schwer zugänglich ist. Auf unserer Website finden Interessierte und Patient*innen alle Infos rund um die Themen Fruchtbarkeit, Kinderwunsch und Familienplanung. Gleichzeitig nutzen wir auch PR und soziale Medien recht stark. Beispielsweise nutzen wir Instagram, um Aufklärung zu betreiben und auf das Thema aufmerksam zu machen. Unsere Social-Media-Kanäle erlauben uns zusätzlich, eine Community aufzubauen, was bei einem solch sensiblen Thema sehr wichtig ist. Letzten Monat haben wir eine repräsentative Umfrage beauftragt, die uns noch einmal tiefe Einblicke in die Gesellschaft gegeben hat und einen Bedarf an Information und Selbstermächtigung gezeigt hat. Und genau das ist unser Ziel: dass jede*r durch fundiertes Wissen in der Lage ist, rechtzeitig für sich die relevanten Entscheidungen zu treffen.

Gibt es weitere Pläne und Ideen für Projekte rund um das Thema “digitale
Kinderwunschreise”?

Unsere Vision ist es, mit Fertilly Europas größte digitale Fruchtbarkeitsklinik aufzubauen, bei der wir Patient*innen über die Therapievorbereitung hinaus während des gesamten Prozesses unterstützen können. Dazu wollen wir unser digitales Portal erweitern und in weiteren Märkten vertreten sein. Ein Ziel ist es, unser Patientenportal weiter zu personalisieren, so dass Patient*innen alle wichtigen Infos, Untersuchungsergebnisse und auch individuelle Erfolgsprognosen auf eine Schwangerschaft jederzeit einsehen können.

Was möchtest du als GameChanger des Monats der Start-up- und Gründer*innen-Community mit auf den Weg geben?

Es klingt ein wenig wie ein Klischee, ist aber wahr: Am Ende des Tages steht und fällt das Business mit dem Team. Als Gründer*in ist es wichtig, wirklich gut im Recruiting zu werden und ein starkes und funktionales Kernteam aufzubauen. Insbesondere die ersten 20 Mitarbeiter*innen prägen die Unternehmenskultur (und alles, was später kommt) entscheidend. Mir hat es immer geholfen, ausführlich zu hinterfragen, was die Motivation eines/einer Kandidat*in ist, bei Fertilly einzusteigen. Das ist auf lange Sicht viel wichtiger als gute Self-Promotion oder große Namen im Lebenslauf.

Hier geht’s zu fertilly

Das Interview führte Hans Luthardt