Lagerkarton: Navid Thielemann sichert sich 25,1% der Geschäftsanteile an den smarten Schachteln


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Der Unternehmer Navid Thielemann erweitert sein Investmentportfolio und beteiligt sich über seine Investmentgesellschaft FIVE Investment mit 25,1 Prozent der Geschäftsanteile am Start-up Lagerkarton und investiert damit eine sechsstellige Summe in die smarten Schachteln.

Lagerkarton produziert und vertreibt Sichtlagerkästen aus Wellpappe, die sich in Warehouses und im Einzelhandel gut stapeln lassen, preiswert, langlebig und nachhaltig sind. Die Sichtlagerkästen bestehen aus recycelbarer Wellpappe und sind sowohl FSC-zertifiziert als auch ISO 14001-konform. Für unterschiedliche Bedürfnisse und Anwendungsbereiche stehen entsprechende Größen und Formate zur Verfügung. Die Kartons sind faltbar, verbrauchen deshalb beim Transport ins Warehouse weniger Platz und lassen sich im Lager je nach Bedarf flexibel auf- und abbauen. Inzwischen gibt es auch für intralogistische Abläufe eine smarte mobile Lösung: Auf einem extra konzipierten kleinen Wagen lassen sich die Kartons perfekt stapeln und zum Beispiel zur Kommissionierung an den Arbeitsplatz holen. Bis zu 15 Kilogramm können die Aufbewahrungsboxen tragen.

Gründer Sebastian Welp hatte die Idee für den elterlichen Betrieb entwickelt und ist 2022 mit einem eigenen Unternehmen an den Start gegangen. Von Ahaus aus, direkt an der niederländischen Grenze, verkauft das junge Start-up nach eigenen Angaben inzwischen an die 30.000 bis 40.000 Stück pro Monat an Kund*innen in zehn Ländern. Vor allem für den E-Commerce sind die Kartons interessant: Sie halten bei guter Pflege rund acht Jahre und sind preiswerter als herkömmliche Lagerkisten, die aus Plastik oder Metall bestehen.

Finanzielles Engagement, Know-how und Kontakte

Navid Thielemann sieht in der patentierten Lösung großes Potenzial. Der Unternehmer mit klarem Fokus auf innovative und nachhaltige Logistiklösungen (für ihn ist es die fünfte Investition in ein Logistik-Start-up) insbesondere für den Online-Handel will das Wachstum des Start-ups mit seinem finanziellen und unternehmerischen Engagement massiv vorantreiben. Darüber hinaus unterstützt er Lagerkarton mit Expertise und seinem Expert*innen-Netzwerk in der Logistikbranche. „Ich bin selbst noch Jungunternehmer und weiß, wie wichtig der Support in vielen Businessfragen ist und wie man Geschäftsmodelle erfolgreich im Markt etabliert“, sagt Navid Thielemann, der in seiner ThielemannGroup inzwischen 20 Beteiligungen bündelt. Die Verträge zur gesellschaftlichen Beteiligung an Lagerkarton wurden am 26. Juni 2023 unterschrieben.

Sebastian Welp wird 74,9 Prozent der Geschäftsanteile halten und seinen vollen Fokus auf Wachstum und Vertrieb setzen: „Wir müssen schnell im Markt wachsen und haben unsere Produkte bereits bei großen und namhaften Unternehmen platziert“, sagt Sebastian Welp. „Mit unserem neuen Mitgesellschafter können wir uns voll und ganz auf die Weiterentwicklung und das Wachstum unseres Start-ups konzentrieren - darauf freuen wir uns sehr!“

Ambitionierte Ziele in den nächsten Jahren

Das Start-up hat sich in wenigen Monaten eine marktführende Position für Lagerkartons erkämpft und arbeitet nach eigenen Angaben bereits profitabel. „Im Moment packe ich Muster oft noch selbst“, sagt Sebastian Welp. „Bis Ende des Jahres hoffen wir, 20 Mitarbeitende im Team zu haben, um das Wachstum zu bewältigen.“

Lagerkarton hat nach eigenen Angaben bereits über 1.000 Kund*innen in Deutschland, Europa und seit Neuestem auch in den USA. Im Moment liegt der Umsatz, so das Unternehmen, auf das Jahr hochgerechnet bei ca. fünf bis sechs Millionen Euro - in den nächsten drei sollen es 20 Millionen Euro Umsatz werden. Im nächsten Jahr will Lagerkarton einen zweiten Standort in den USA eröffnen. In Europa hat das junge Unternehmen den gesamten DACH-Raum im Fokus.

Die Chancen am Markt sind laut Lagerkarton groß: „Bisher werden die Kartons überwiegend für die Lagerung von Textilien in Warehouses eingesetzt“, sagt Sebastian Welp. „Sie eignen sich aber auch für viele andere Waren sowie für den Einzelhandel.“ Gespräche mit namhaften Kund*innen aus der DIY-Branche sowie dem E-Commerce laufen bereits.

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Series A: 6,5 Mio. Euro für den „KI-Mitarbeiter“ von happyhotel

Das 2019 gegründete TravelTech happyhotel wandelt sich vom reinen Software-Anbieter zum Entwickler von KI-Agenten. Doch der Schritt zum autonomen „Hotel-Autopiloten“ birgt auch technische und psychologische Hürden.

Wer heute ein mittelständisches Hotel führt, hat oft zwei Probleme: Die Kosten steigen, und für komplexe Aufgaben wie die dynamische Preisgestaltung (Revenue Management) fehlt schlicht das Personal. Genau hier setzt die 2019 gegründete happyhotel GmbH an, die nun den Abschluss ihrer Series-A-Finanzierungsrunde über 6,5 Millionen Euro bekanntgegeben hat.

Angeführt wird die Runde vom VC Reimann Investors, unterstützt von den Bestandsinvestoren wie dem Start-up BW Innovation Fonds (MBG), seed + speed Ventures und dem Family Office Wecken & Cie.

Der USP: Autopilot statt Cockpit

Der Markt für Revenue-Management-Software ist voll: Platzhirsche wie IDeaS oder Duetto bedienen die großen Ketten, Herausforderer wie RoomPriceGenie buhlen um die Kleinen. Doch happyhotel will sich mit einem radikalen Versprechen abheben: Weg vom „Tool“, das bedient werden muss, hin zum autonomen KI-Agenten.

„Wir bauen unser System nicht für den Revenue Manager – wir automatisieren die Aufgaben eines Revenue Managers“, erklärt CEO Rafael Weißmüller. Für unabhängige Hotels, die sich keine teuren Spezialisten leisten können, wird die Software so quasi zum digitalen Mitarbeiter, der Preise in Echtzeit anpasst – ein Ansatz, der in Zeiten des Personalmangels bei Investor*innen extrem gut verfängt.

Gründer-Team mit „Stallgeruch“ und Exit-Erfahrung

Dass die Runde in einem schwierigen Marktumfeld zustande kam, dürfte auch am Setup des Gründerteams liegen, das die klassische Branchen-Expertise mit Skalierungswissen vereint:

  • Sebastian Kuhnhardt kommt selbst aus einer Hoteliersfamilie und entwickelte die Ur-Idee aus dem Frust über die Zettelwirtschaft im elterlichen Betrieb.
  • Rafael Weißmüller bringt die SaaS-Erfahrung mit: Er war früherer Mitarbeiter bei sevDesk, dem Offenburger Vorzeige-Start-up, das zeigte, wie man Büro-Software für KMUs massentauglich macht.
  • Marius Müller liefert als Wirtschaftsinformatiker das technische Fundament.

Expansion und Realitätscheck

Aktuell steuert das System bereits über 50.000 Hotelzimmer in 12 Ländern und optimiert nach eigenen Angaben ein Umsatzvolumen von über einer Milliarde Euro. Mit dem frischen Kapital soll nun die Expansion in Europa forciert werden.

Dennoch bleiben Herausforderungen: Der Markt der Hotel-Technologie ist berüchtigt für seine fragmentierte Landschaft aus veralteten Verwaltungssystemen (PMS). Der Erfolg des KI-Agenten wird maßgeblich davon abhängen, wie reibungslos happyhotel die Schnittstellen zu diesen Altsystemen managt. Zudem müssen die Gründer eine psychologische Hürde nehmen: Hoteliers dazu zu bringen, die Kontrolle über ihre wichtigste Stellschraube – den Preis – vollends an eine „Black Box“ abzugeben, erfordert großes Vertrauen.

Dass dieses Vertrauen noch wachsen muss, zeigt auch das aktuelle Modell: Noch agiert die KI nicht völlig allein. Ein internes Team aus menschlichen Revenue-Expert*innen unterstützt das System weiterhin bei strategischen Fragen – der Weg vom Copiloten zum echten Autopiloten ist also auch bei happyhotel ein schrittweiser Prozess.

Münchner Robotik-Start-up Sitegeist holt 4 Mio. Euro Pre-Seed

Das 2025 von Dr. Lena-Marie Pätzmann, Julian Hoffmann, Nicola Kolb und Claus Carste gegründete Sitegeist entwickelt modulare, KI-gesteuerte Roboter, die autonom die Sanierung maroder Beton-Infrastruktur übernehmen.

Die Instandhaltung der öffentlichen Infrastruktur entwickelt sich zunehmend zum Nadelöhr der Bauindustrie. Allein in Deutschland beziffert die KfW den Sanierungsstau auf mehrere hundert Milliarden Euro. In diesem Marktumfeld konnte Sitegeist nun die Investoren überzeugen: Angeführt wird die Runde von den VCs b2venture und OpenOcean. Zudem beteiligten sich UnternehmerTUM Funding for Innovators sowie renommierte Business Angels, darunter Alexander Schwörer, Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer.

Der Markt: Skandinavische Dominanz trifft auf Münchner KI

Sitegeist betritt mit seiner Lösung für die Betonsanierung keinen unbesetzten Markt. Der Bereich der Abbruch- und Sanierungsroboter wird traditionell von starken skandinavischen Herstellern wie Brokk, Aquajet oder Conjet (alle Schweden) dominiert. Diese Anbieter haben sich mit robusten Maschinen für den selektiven Betonabtrag weltweit etabliert.

Doch Sitegeist setzt technologisch an einem anderen Punkt an: Während die Systeme der etablierten Wettbewerber in der Regel tele-operiert sind – also permanent von Fachkräften ferngesteuert werden müssen –, zielen die Münchner auf echte Autonomie. Mitgründer Claus Carste (CPO), der an der TUM ursprünglich selbst an Teleoperation forschte, entwickelte den Ansatz bewusst weiter: Weg von der Fernsteuerung, hin zur eigenständigen Problemlösung durch die Maschine.

„Golden Pretzel“- und „Munich Startup Special Prize“-Gewinner mit autonomem Ansatz

Der technologische Sprung soll vor allem den Fachkräftemangel abfedern: Wo bei herkömmlichen Systemen ein(e) Bediener*in pro Maschine gebunden ist, ermöglicht der autonome Ansatz von Sitegeist perspektivisch, dass eine Fachkraft mehrere Roboter gleichzeitig überwacht.

„Die spannendsten KI-Roboter von heute haben keine Finger und Daumen“, kommentiert Sam Hields, Partner bei OpenOcean. Die Roboter nutzen Sensorik und KI, um ihre Umgebung eigenständig zu erfassen. Sie erkennen Unebenheiten im Beton und passen ihre Arbeitsweise in Echtzeit an. Ein digitales 3D-Modell (BIM) des Bestandsgebäudes ist dafür nicht notwendig.

Dass dieser Ansatz Potenzial hat, bewies das Team bereits im Vorjahr: 2025 gewann Sitegeist (damals teils noch unter dem Projektnamen Aiina Robotics bekannt) den renommierten Pitch-Wettbewerb der Bits & Pretzels Konferenz und sicherte sich die „Golden Pretzel“ sowie den „Munich Startup Special Prize“.

Philosophie trifft Deep Tech

Hinter der Technologie steht ein vierköpfiges Gründerteam, das interdisziplinäre Expertise vereint und tief im Münchner Ökosystem verwurzelt ist. CEO Dr. Lena-Marie Pätzmann bringt dabei eine ungewöhnliche Perspektive ein: Die Absolventin der Universität St. Gallen hält auch einen Bachelor in Philosophie – eine Kombination, die bei der ethischen und gesellschaftlichen Einordnung von KI-Arbeitskräften zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Zusammen mit Julian Hoffmann (CTO), Nicola Kolb (COO, ehemalige Stipendiatin der Bayerischen EliteAkademie) und Claus Carste (CPO) gründete sie das Unternehmen im Jahr 2025 als Spin-off der Technischen Universität München (TUM). Es entstammt dem Robotik-Lehrstuhl von Prof. Matthias Althoff, der bereits Erfolge wie RobCo hervorbrachte.

Florian Schweitzer, Partner bei b2venture, sieht in dieser Konstellation einen entscheidenden Vorteil: „Das Team ist bereit, buchstäblich durch Wände zu gehen, um Robotik auf realen Baustellen nutzbar zu machen.“ Mit dem frischen Kapital plant Sitegeist nun, das Team am Standort München weiter auszubauen und die Einführung der Systeme auf realen Baustellen zu beschleunigen.

Key Facts: Sitegeist

  • Gründung: 2025 (Spin-off der TU München, Projektname „Aiina Robotics“)
  • Sektor: Construction Tech / Robotik
  • Finanzierung: 4 Mio. € Pre-Seed (Februar 2026)
  • Investoren: b2venture, OpenOcean, UnternehmerTUM Funding for Innovators
  • Angels: u.a. Verena Pausder, Lea-Sophie Cramer, Alexander Schwörer
  • Awards: Gewinner „Golden Pretzel“ (Bits & Pretzels 2025), Munich Startup Special Prize
  • USP: Autonome, KI-gesteuerte Anpassung an komplexe Oberflächen (vs. klassische Fernsteuerung/Tele-Operation bei Wettbewerbern wie Brokk oder Aquajet)
  • Management: Dr. Lena-Marie Pätzmann (CEO), Julian Hoffmann (CTO), Nicola Kolb (COO), Claus Carste (CPO)

Neues Venture Studio und 30-Mio.-Fonds für Europas Sicherheitstechnologien

Ein Konsortium aus Beratung, Venture Building und Kapitalmanagement startet eine neue Initiative für Technologien im Bereich „Resilience & Defence“. PwC Deutschland, Bridgemaker und Segenia Capital haben am 12. Februar den Launch eines gemeinsamen Venture Studios bekannt gegeben. Die Allianz positioniert sich als „System-Integrator“, um die Lücke zwischen universitärer Forschung und marktfähigen Produkten im Sicherheitssektor zu schließen.

Der Markt für Sicherheitstechnologie und den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) wandelt sich von einer Nische zum zentralen Fokus der europäischen Innovationspolitik. Mit dem neuen Venture Studio reagieren die Initiatoren auf die geopolitische Notwendigkeit, technologische Souveränität in Europa zu stärken.

Für Gründer*innen im DeepTech-Bereich eröffnet sich damit eine Alternative zum klassischen Venture Capital (VC). Während normale VCs oft erst investieren, wenn ein Produkt Marktumsätze zeigt („Product-Market-Fit“), setzt diese Initiative früher an. Sie adressiert spezifisch die hohen Hürden im Defence-Sektor – wie langwierige staatliche Beschaffungsprozesse und komplexe Regulierung.

Smart Money statt nur Kapital: Der „System-Integrator“-Ansatz

Das Kernproblem vieler europäischer DeepTech-Start-ups ist die Skalierung von der reinen Forschung (Technology Readiness Level 1) hin zur industriellen Anwendung (Level 6+). Während Milliarden-Töpfe wie der NATO Innovation Fund oft erst in Wachstumsphasen greifen, fehlt es häufig an Kapital für die „schmutzige Phase“ des Prototypenbaus („Valley of Death“).

Das Konsortium tritt hier nicht als reiner Geldgeber auf, sondern bündelt drei Disziplinen, um Dual-Use-Technologien (zivile und militärische Nutzbarkeit) schneller zur Marktreife zu bringen:

  1. Regulatorik & Marktzugang (PwC Deutschland): Unterstützung bei der Navigation durch behördliche Anforderungen („Vergaberechts-Compliance“).
  2. Company Building (Bridgemaker): Operative „Execution Power“ beim Aufbau der Ventures – von der Hardware bis zur Software.
  3. Kapital (Segenia Capital): Professionelles Fondsmanagement für die Frühphase.

Für Gründer*innen wirkt dieses Setup wie ein Qualitäts-Filter: Wer das Studio durchläuft, gilt für spätere Series-A-Investoren als „vorgeprüft“ und regulatorisch abgesichert.

Bekannte Gesichter aus dem Ökosystem

Die Personalien hinter der Initiative signalisieren Branchenkennern, dass hier operatives Verständnis auf politisches Netzwerk trifft.

Federführend bei PwC agiert Florian Nöll. Als ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups gilt er als einer der wichtigsten Brückenbauer zwischen der Berliner Politik und der Gründerszene. Seine Erfahrung ist essenziell, um junge Tech-Firmen durch die oft starren Beschaffungsprozesse der öffentlichen Hand zu navigieren.

Auf der operativen Seite bringt Henrike Luszick (CEO Bridgemaker) einen Track Record ein, der über reine Software-Modelle hinausgeht. Mit Ventures wie Nestor (einem Joint Venture für mobile Überwachungssysteme mit KI-Analyse) hat der Company Builder bereits bewiesen, dass er Hardware-Themen im Sicherheitsbereich erfolgreich am Markt platzieren kann.

30-Millionen-Euro-Fonds & der „Dual-Use“-Hebel

Parallel zum operativen Studio-Betrieb wird ein Venture Fonds mit einem Zielvolumen von 30 Millionen Euro aufgelegt. Segenia Capital, als bei der BaFin registrierter AIFM-Manager, übernimmt die Verwaltung. Die im Vergleich zu Mega-Fonds überschaubare Summe unterstreicht den Fokus auf die Pre-Seed- und Seed-Phase (Tickets ca. 500k – 1,5 Mio. EUR). Der Fonds operiert nach einem „Dual-Track-Ansatz“: Er finanziert sowohl interne Ausgründungen des Studios als auch externe Startups, die strategisch ins Portfolio passen.

Dass München als einer der zentralen Standorte gewählt wurde, ist strategisch kein Zufall. Die bayerische Landeshauptstadt hat sich – getrieben durch die TU München und Einhörner wie Quantum Systems – zum europäischen Hub für DefenceTech entwickelt.

Für Gründer*innen ist zudem der strategische Fokus auf Dual-Use entscheidend. Technologien, die primär für Resilienz und den Schutz kritischer Infrastrukturen entwickelt werden, aber auch militärisch nutzbar sind, umschiffen die strengen ESG-Hürden vieler institutioneller Investoren. Dies öffnet Kapitalquellen, die reinen Rüstungs-Start-ups oft verschlossen bleiben.

Einordnung: Reality Check – Hürden bleiben bestehen

Trotz der prominenten Unterstützung und der Marktlogik müssen interessierte Gründer*innen genau hinsehen. Venture-Studio-Modelle stehen oft in der Kritik, durch hohe Service-Anteile für das operative „Building“ die „Cap Table“ (Gesellschafterstruktur) frühzeitig zu verwässern. Wenn Studio und Fonds signifikante Anteile halten, bleibt Gründer*innen oft weniger Equity, was Folgerunden mit externen VCs erschweren kann („Skin in the Game“-Debatte).

Zudem sind 30 Millionen Euro im kapitalintensiven Hardware-Sektor schnell aufgebraucht – das Risiko einer Finanzierungslücke nach der Seed-Phase bleibt. Die größte Unbekannte ist jedoch der Kunde Staat: Auch mit PwC im Rücken gelten für Start-ups weiterhin die strengen Vergaberechte der öffentlichen Hand. Ob das Studio diese „Paperwork Barrier“ tatsächlich signifikant verkürzen kann, muss die Praxis erst noch zeigen.

Key Facts

  • Initiatoren: PwC Deutschland, Bridgemaker, Segenia Capital
  • Marktpositionierung: Early-Stage „System-Integrator“ (Kapital + Regulatorik + Building)
  • Fokus: Resilience, Defence Technology, KRITIS, Dual-Use
  • Finanzierung: Fonds mit 30 Mio. EUR Zielvolumen (Pre-Seed/Seed Fokus)
  • Investitionsstrategie: Neugründungen (Inkubation) und externe Direktinvestments
  • Standorte: Berlin, Frankfurt am Main, München

GeneralMind: 12 Mio. Dollar Investment nur 6 Monate nach Gründung

Das Berliner KI-Start-up GeneralMind entwickelt ein sog. autonomes AI System of Action, das wiederkehrende, komplexe Arbeitsschritte entlang von Waren- und Zahlungsflüssen automatisiert.

GeneralMind, ein „KI System of Actionˮ zur Automatisierung von digitaler Zettelwirtschaft, unstrukturierter Koordination sowie ineffizienter manueller Prozesse entlang der gesamten Lieferkette, gibt heute den Abschluss seiner Eigenkapitalfinanzierung in Höhe von 12 Millionen US-Dollar bekannt. Die Runde ist eine der größten bekannten europäischen Pre-Seed Runden der letzten Jahre und wurde weniger als sechs Monate nach der Aufnahme der Geschäftstätigkeit des Unternehmens abgeschlossen. GeneralMind will die Mittel verwenden, um die Skalierung seiner Technologie in Europa voranzutreiben.

Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Lakestar, Leo Capital, Lucid Capital, Heliad, BOOOM, mit Partizipierung von etablierten Angel-Investoren wie Alexander Kudlich, Jens Urbaniak, Samir Sood und Vishal Lugani.

GeneralMind wurde in Berlin vom Gründerteam um die Razor Group gemeinsam mit führenden Technologen aus dem Silicon Valley gegründet: Tushar Ahluwalia Shrestha Chowdhury, Dr. Oliver Dlugosch, Lennart von Hardenberg, Nishrit Shrivastava und Sergiu Șoima. Neben dem Hauptsitz in Berlin betreibt das Unternehmen einen weiteren Standort in Bangalore.

GeneralMind – das „AI System of Action“

Unternehmen arbeiten heute mit sogenannten Systems of Record SoR, zum Beispiel ERP-Systemen, um die Komplexität von Lieferketten zu bewältigen. Trotz dieser Systeme findet ein Großteil der operativen Arbeit weiterhin in E-Mail-Posteingängen und Spreadsheets statt: Teams müssen unstrukturierte Kommunikation und Koordination, Übergaben, Rückfragen und Ausnahmen manuell zusammenführen, nachhalten und in Systeme übertragen. Oft fehlt dabei klare Nachverfolgbarkeit, es entstehen Medienbrüche und die Fehleranfälligkeit ist hoch, obwohl genau diese Arbeit entscheidend ist, um die Lieferkette zuverlässig am Laufen zu halten.

GeneralMind entwickelt das „AI System of Action“ (SoA), um genau diese manuelle, repetitive Arbeit sowie unstrukturierte Koordination entlang der Lieferkette end-to-end zu übernehmen, als operative KI-Ebene über bestehenden Systemen, menschenüberwacht und bei Bedarf mit Freigabe.

KI-Autopilot für operative Prozesse mit menschlicher Fähigkeit

Der KI-Autopilot von GeneralMind übernimmt die „digitale Zettelwirtschaft" entlang komplexer Lieferketten, indem er automatisiert manuelle, repetitive Abläufe zwischen E-Mail, Excel und ERP-Systemen autonom ausführt. Eingehende Aufgaben (oft per E-Mail) werden erfasst, analysiert und anschließend end-to-end ausgeführt. Besonders dort, wo viele kleinteilige Aufgaben zuverlässig abgearbeitet, Abstimmungen sauber nachgehalten, Termine und Fristen gesichert und zahlreiche interne und externe Stakeholder entlang des Prozesses koordiniert werden müssen. Zum Beispiel in Beschaffung, Vertrieb oder der Rechnungsbearbeitung.

Diese „digitale Zettelwirtschaft“ kostet global agierende Unternehmen entlang ihrer Lieferketten teilweise Umsätze in Milliardenhöhe. Ware bleibt liegen, Entscheidungen verzögern sich, Aufgaben gehen im Tagesgeschäft unter.

„Unternehmen wissen oft genau, wo es hakt, scheitern aber an der operativen Umsetzung“, sagt Tushar Ahluwalia, Gründer und CEO von GeneralMind. „Ich habe im E-Commerce immer wieder gesehen, wie digitale Zettelwirtschaft, ineffiziente manuelle Prozesse und schmerzhafte Stakeholder-Koordination zwischen unstrukturierter Kommunikation und ERP-Systemen enorme Ineffizienzen in großen Unternehmen erzeugen. Genau dieses Problem lösen wir mit GeneralMind. Unsere KI übernimmt diese Prozesse end-to-end; kein Copilot, sondern mit Autopilot-Funktionalität, die von Menschen überwacht und bei Bedarf freigegeben wird“, ergänzt er.

Gründungs-Optimismus 2026: Trotz Gegenwind auf Wachstumskurs?

Während die makroökonomischen Vorzeichen auf Abkühlung stehen – die OECD prognostizierte zuletzt eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums um rund zehn Prozent in den kommenden Jahren – zeichnet sich in der deutschen Gründer*innenszene ein überraschendes Gegenbild ab: Ein neuer Optimismus macht sich breit.

Laut dem aktuellen „Work Change Special Report“ von LinkedIn (befragt wurden über 1000 Unternehmensführungen und Fachkräfte in Deutschland) blicken 55 Prozent der deutschen Kleinunternehmer*innen zuversichtlich auf das Wachstum in den kommenden zwölf Monaten. Dieser Wert sticht besonders hervor, da kleine Unternehmen (KMU) rund 90 Prozent aller Unternehmen ausmachen und für 70 Prozent des globalen BIP verantwortlich sind. Wenn dieser Sektor trotzt, hat das Signalkraft.

Damit zeigt der Report eine klare Trendwende: Die wirtschaftliche Unsicherheit führt nicht zur Schockstarre, sondern zu mehr Eigeninitiative. Die Zahl der LinkedIn-Mitglieder in Deutschland, die ihrem Profil den Titel „Founder“ hinzufügen, ist im Jahresvergleich um 61 Prozent gestiegen. Ein Indiz dafür, dass sich der Begriff des Unternehmertums wandelt – weg von rein formalen Strukturen, hin zu einer agilen Founder-Economy, die oft digital startet, bevor sie im Handelsregister landet.

KI als der große „Gleichmacher“ für kleine Teams

Was treibt diesen Mut zur Selbständigkeit in einem schwierigen Umfeld? Die Daten legen nahe, dass technologische Barrieren fallen. Künstliche Intelligenz (KI) fungiert hier als „Equalizer“, der kleinen Teams Wettbewerbschancen eröffnet, die früher Konzernen vorbehalten waren. Das generative KI-Potenzial wird global auf eine Wertschöpfung von bis zu 6,6 Billionen US-Dollar geschätzt – und kleine Unternehmen wollen sich ihren Teil davon sichern.

  • Wettbewerbsvorteil: 53 Prozent der Geschäftsführer*innen kleiner Unternehmen in Deutschland geben an, dass KI entscheidend für das Wachstum ihres Unternehmens ist.
  • Gründungsmotor: Fast 30 Prozent der Fachkräfte in Deutschland sagen, dass erst die Verfügbarkeit von KI sie dazu ermutigt hat, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.
  • Hohe Adaption: Während in der breiten Wirtschaft die Implementierung oft schleppend verläuft, sind die auf LinkedIn aktiven Kleinunternehmen bereits deutlich weiter: Hier geben 84 Prozent an, KI bereits in irgendeiner Form zu nutzen.

Die Renaissance der Soft Skills: Vertrauen als Differenzierungsmerkmal

Der Report warnt jedoch davor, sich allein auf Technologie zu verlassen. In einer Ära, in der KI-generierte Inhalte exponentiell zunehmen, wird der Human Factor zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Wenn Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist, wird Vertrauen zur härtesten Währung.

  • Netzwerkeffekte: 69 Prozent der Marketingverantwortlichen in kleinen Unternehmen bestätigen, dass Käufer*innen Informationen heute primär über ihre Netzwerke validieren, bevor sie Entscheidungen treffen.
  • Markenaufbau: Für 71 Prozent der deutschen Kleinunternehmer*innen ist der Aufbau einer starken Marke der Schlüssel, um ihre 3-bis-5-Jahres-Ziele zu erreichen.
  • Authentizität: 72 Prozent setzen verstärkt auf „Community-Driven-Content“ – also Stimmen von Mitarbeitern und Experten –, da bloße Markenbotschaften an Wirkung verlieren.

Fazit für Gründer*innen

Die Strategie für 2026 lautet Hybridität: Erfolgreiche Gründer*innen nutzen KI für Geschwindigkeit und Skalierung im Hintergrund, investieren aber gleichzeitig massiv in den Aufbau persönlicher Netzwerke und einer glaubwürdigen Marke. Oder wie es die Daten zeigen: 65 Prozent der deutschen Kleinunternehmer*innen sehen das aktive Netzwerken inzwischen als essenziellen Schlüssel für langfristiges Wachstum an.

Wer heute gründet, tut dies mit mächtigeren Werkzeugen als je zuvor – muss aber mehr denn je beweisen, dass hinter der Technologie echte Menschen stehen.

New Defense: Christoph Keese wird Co-Founder der Defence-Plattform BASED

Das New-Defense-Ökosystem BASED holt sich prominente Verstärkung: Gemeinsam mit Gründer Lippold von Oldershausen will Christoph Keese als Co-Founder die europäische Start-up-Landschaft für Sicherheits- und Dual-Use-Technologien radikal beschleunigen.

In der europäischen Defense-Tech-Szene zeichnet sich eine signifikante Machtverschiebung ab: BASED, das führende Ökosystem für Dual-Use- und New-Defense-Start-ups, schaltet offiziell in eine neue strategische Wachstumsphase. Mit dem Einstieg des profilierten Medienunternehmers, Strategen und Venture-Investors Christoph Keese als Co-Founder untermauert das Unternehmen seinen Anspruch, die zentrale operative Infrastruktur für Sicherheit und Innovation in Europa zu werden.

Vom Frühstückstisch zur staatlich beauftragten Drehscheibe

Die Erfolgsgeschichte von BASED nahm ihren Anfang am Verhandlungstisch. Was Gründer Lippold von Oldershausen vor drei Jahren mit dem Munich Security Breakfast als hochkarätiges Forum im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz etablierte, hat sich längst zu einer festen Institution entwickelt. Aus dieser Initiative heraus entstand im Jahr 2024 die Plattform BASED, die kurz darauf einen entscheidenden Meilenstein erreichte: Die Beauftragung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sowie das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung als offizieller de:hub Security & Defense. Seither verfolgt die Plattform das Ziel, New-Defense-Start-ups, den Mittelstand, Investoren und Bedarfsträger strukturiert zu vernetzen, um technologische Souveränität nicht nur als Vision zu begreifen, sondern aktiv umzusetzen.

Strategisches Schwergewicht für die Skalierungsphase

Mit Christoph Keese gewinnt BASED nun ein unternehmerisches Schwergewicht mit tiefen Wurzeln in der europäischen Wirtschafts- und Medienlandschaft. Der Volkswirt und Journalist, der unter anderem als Chefredakteur der Financial Times Deutschland und der WELT sowie als Wegbereiter von POLITICO Europe agierte, bringt wertvolle Expertise als Brückenbauer und Venture-Investor mit. Für Keese steht fest, dass Europa in der aktuellen geopolitischen Lage vor allem Umsetzungskraft benötigt. Sein Ziel ist es, BASED gemeinsam mit Lippold von Oldershausen zur zentralen Plattform eines handlungsfähigen europäischen Defence-Ökosystems auszubauen, indem Innovationen skaliert, Kapital mobilisiert und institutionelle Verantwortung gebündelt werden.

Ein Turbo für Dual-Use-Gründer

Für Gründerinnen und Gründer im Bereich Dual-Use bedeutet diese personelle Verstärkung vor allem eine stärkere Sichtbarkeit und verbesserte Skalierungschancen. BASED fungiert dabei als Enabler, der Start-ups den oft schwierigen Zugang zu industriellen Kapazitäten, privatem Kapital und staatlichen Bedarfsträgern ebnet. In einer Zeit, in der Resilienz und technologische Souveränität zu Grundvoraussetzungen für Wohlstand geworden sind, bietet das Duo von Oldershausen und Keese eine Plattform, die Gründer*innen hilft, ihre Innovationen sicherheitspolitisch wirksam zu verankern und strategisch zum Erfolg zu führen.

StartingUp-Fazit: Was bedeutet das für die Szene?

Lange Zeit war Defense-Tech ein Nischenthema für Spezialist*innen, doch durch die institutionelle Verankerung als de:hub und die zusätzliche strategische Schlagkraft von Keese rückt das Thema endgültig in den Investment-Mainstream. Für Gründer*innen im Bereich Dual-Use bedeutet das: Die Barrieren zwischen ziviler Innovation und staatlicher Sicherheitsarchitektur werden durchlässiger. Wer heute Technologien entwickelt, die Europa resilienter machen, findet in BASED nun eine Infrastruktur vor, die industriell und politisch Türen öffnet, die bisher fest verschlossen schienen.

Service: So profitieren Start-ups von BASED

Für Gründerinnen und Gründer aus den Bereichen Dual-Use, Deep-Tech und Sicherheit bietet BASED konkrete Anknüpfungspunkte, um die „Valley of Death“-Phase schneller zu überwinden:

Zugang zum Netzwerk: Als offizieller de:hub öffnet die Plattform Türen zu Bundesministerien, der Bundeswehr und internationalen Sicherheitsinstitutionen.

Investoren-Matchmaking: BASED bringt kapitalsuchende Start-ups mit spezialisierten VCs und Business Angels zusammen, die ein tiefes Verständnis für die Zyklen im Defence-Sektor haben.

Industrie-Partnerschaften: Über das Ökosystem lassen sich Kooperationen mit etablierten mittelständischen Unternehmen schließen, um Prototypen in die industrielle Skalierung zu bringen.

Wissenstransfer: Kuratierte Events bieten die Chance auf direktes Feedback von hochrangigen Entscheidungsträgern aus Politik und Industrie.

Interessierte Gründer*innen können über die Website BASED direkt Kontakt aufnehmen.

40 Mio. EUR Series-A für Berliner CleanTech metiundo

Das Berliner EnergieTech metiundo will das Tempo beim Smart-Meter-Rollout erhöhen und sichert sich dafür in einer der aktuell größten Series-A-Runden im deutschen CleanTech-Sektor 40 Mio. Euro.

Die Digitalisierung der Energiewende im Gebäudesektor erhält frisches Kapital: Das 2021 von von Dennis Nasrun und Felix Mücke gegründete metiundo hat eine Finanzierungsrunde über 40 Millionen Euro abgeschlossen. Das Kapital stammt aus Fonds, die von Octopus Energy Generation verwaltet werden, einem der führenden europäischen Investoren für grüne Infrastruktur. Für das Berliner Unternehmen markiert das Investment den nächsten Schritt vom Nischenanbieter zum breiten Marktakteur.

Kapital für Skalierung und Software

Das Geschäftsmodell von metiundo basiert auf „Smart Metering as a Service“. Anders als klassische Messstellenbetreiber deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Installation der Zähler über den Betrieb bis hin zur Aufbereitung der Daten über eine eigene Softwareplattform. Bislang hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 21.000 Zähler installiert.

Mit den nun eingesammelten 40 Millionen Euro soll vor allem die technische und personelle Infrastruktur ausgebaut werden. Konkret plant das Unternehmen Investitionen in die Weiterentwicklung der proprietären Softwareplattform sowie den Ausbau der eigenen Montage- und Installationsteams. Gesucht werden Fachkräfte in den Bereichen Softwareentwicklung, Installation und Betrieb, um die Kapazitäten für den bundesweiten Rollout zu erhöhen.

Dennis Nasrun, Co-Founder und CEO von metiundo, betont den strategischen Fokus: „Von Anfang an haben wir konsequent in unsere eigene Software investiert. Mit der neuen Finanzierung gehen wir jetzt entschlossen in die weitere Skalierung: mehr Installationen, höhere Qualität und noch mehr Geschwindigkeit beim Ausbau unserer Plattform.“

Sektorkopplung im Fokus der Investoren

Für den Investor Octopus Energy Generation ist der Einstieg bei metiundo Teil einer breiteren Strategie zur Dekarbonisierung des Immobiliensektors. Alex Brierley, Co-Head des Fondsmanagement-Geschäfts bei Octopus, verweist auf die Relevanz des Marktes: „Der Gebäude- und Wärmesektor zählt zu den größten CO2-Verursachern in Deutschland und ist für rund 30% der energiebezogenen Emissionen verantwortlich.“

Das Ziel der Investition ist es, integrierte Smart-Meter-Netzwerke über mehrere Liegenschaften hinweg aufzubauen. Dies soll nicht nur Transparenz schaffen, sondern die Grundlage für datenbasierte Zusatzlösungen bilden – etwa die Optimierung von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern vor Ort, um Betriebskosten zu senken.

Wettbewerb im Messstellenmarkt

Der Markt für Messstellenbetreiber in Deutschland ist derzeit starker Dynamik unterworfen. Der Gesetzgeber drückt beim Smart-Meter-Rollout aufs Tempo, wobei wettbewerbliche Messstellenbetreiber wie metiundo als „zentraler Hebel“ gelten, um die Installation intelligenter Messsysteme in der Fläche zu beschleunigen.

Ein Differenzierungsmerkmal von metiundo ist dabei der spartenübergreifende Ansatz: Die Plattform bündelt nicht nur Stromdaten, sondern integriert auch Wasserverbräuche, um ein Gesamtbild der energetischen Situation einer Immobilie zu erstellen.

Startschuss für SouthwestX: Eine von zehn offiziellen exist Startup Factories nimmt Arbeit auf

Die Startup-Factory SouthwestX hat am 6. Februar 2026 den operativen Betrieb aufgenommen. Als eines von bundesweit nur zehn Leuchtturm-Projekten, die sich im exist-Leuchtturmwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) durchsetzen konnten, startet das Konsortium mit einem Gesamtbudget von 22,5 Millionen Euro.

Der offizielle Start markiert den Abschluss eines intensiven Auswahlprozesses. SouthwestX gehört damit zum exklusiven Kreis der zehn vom Bund prämierten exist Startup Factories, die beauftragt sind, Deutschland international als führenden Deep-Tech-Standort zu etablieren. Ziel des in Saarbrücken ansässigen Hubs ist die Förderung von Ausgründungen in der Großregion Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Frankreich.

Exzellenz-Status und Finanzierung

Der Status als offizielle exist Startup Factory ist an strikte Kriterien geknüpft. Um den finalen Zuschlag und die damit verbundene Bundesförderung von 10 Millionen Euro zu erhalten, musste SouthwestX den Wettbewerb nicht nur fachlich gewinnen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit durch privates Kapital nachweisen. Dem Konsortium gelang es, 12,5 Millionen Euro an privaten Mitteln aus der Industrie zu akquirieren. Diese Public-Private-Partnership sichert dem Standort eine Gesamtfinanzierung von 22,5 Millionen Euro für die erste Phase.

Langfristige Strukturziele

Die Initiatoren verfolgen mit der Factory langfristige strukturpolitische Ziele. Nach eigenen Angaben sollen in den kommenden zehn Jahren über die Plattform rund 1.500 Startups gegründet und etwa 20.000 Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Der inhaltliche Fokus liegt auf der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrielle Anwendungen (Deep Tech) sowie auf Technologien zur ökologischen Transformation der Wirtschaft (Green Transformation).

Grenzüberschreitender Ansatz und KI-Fokus

Im Vergleich zu den anderen neun Factories positioniert sich SouthwestX mit einem dezidiert europäischen Profil. Durch die Einbindung von Partnern aus Frankreich und Luxemburg entsteht ein grenzüberschreitendes Innovationsnetzwerk. Ein thematischer Schwerpunkt liegt auf „Responsible AI“ (vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz). Hierbei wird unter anderem auf die Expertise des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) zurückgegriffen.

Zum Start 2026 wurden drei Kernprogramme aufgelegt:

  • Startup Journey: Ein Inkubator-Programm für Teams in der Frühphase.
  • Innovation Journey / GTI: Das Programm „Green Transformation Innovation“ zielt auf die Vermittlung von Kooperationen und Pilotprojekten zwischen Startups und etablierten Industrieunternehmen.
  • Startup Leaders Program: Ein Weiterbildungs- und Vernetzungsangebot für Wachstumsunternehmen (Scale-ups) mit Fokus auf Internationalisierung.

Beteiligte Institutionen

Das Partnernetzwerk umfasst neben dem DFKI unter anderem die WHU – Otto Beisheim School of Management, die Max-Planck-Institute, die Universität des Saarlandes sowie die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU).

Ralf Zastrau, Co-CEO von SouthwestX, bezeichnete den Start als Schritt, um „aus wissenschaftlicher Exzellenz unternehmerische Dynamik“ zu erzeugen. Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke betonte im Rahmen der Veranstaltung die Bedeutung des Transfers zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung für den Standort.

Stadt vs. Land: Warum Gründerinnen urbane Räume bevorzugen – und welche Chancen die Provinz bietet

Jede(r) kennt die Hotspots unserer Start-up-Szene. Doch wie sieht es jenseits der Metropolen aus? Der aktuelle Women Entrepreneurship Monitor 2024/25 zeigt: Frauen gründen auf dem Land zwar seltener, lassen sich vom Standort aber weniger abschrecken als Männer.

Der Traum vom eigenen Unternehmen – er blüht in der Stadt deutlich stärker als auf dem Land. Das bestätigt der neuste Women Entrepreneurship Monitor, der vom RKW Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Thünen-Institut veröffentlicht wurde. Die Analyse der Daten aus dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) der Jahre 2015 bis 2024 liefert spannende Einblicke in die Geografie des Gründens.

Klares Stadt-Land-Gefälle

Die nackten Zahlen bestätigen zunächst das Klischee: Während sich in städtischen Regionen 5,4 Prozent der befragten Frauen für eine Gründung entschieden, waren es in ländlichen Räumen nur 4,3 Prozent.

Interessant wird es jedoch im direkten Vergleich mit den männlichen Kollegen. Auch Männer zieht es in die Städte (9,5 Prozent Gründungsquote) statt aufs Land (6,5 Prozent). Der statistische Twist:

  • Bei Frauen ist die Gründungsaktivität auf dem Land um rund 20 Prozent niedriger als in der Stadt.
  • Bei Männern bricht die Quote auf dem Land um über 30 Prozent ein.

Das Fazit der Expert*innen: Der Wohnort ist für Frauen bei der Gründungsentscheidung statistisch gesehen weniger ausschlaggebend als für Männer. Frauen gründen dort, wo sie sind – Männer ziehen eher dorthin, wo gegründet wird.

Warum das Land (noch) bremst

Warum ist der ländliche Raum für Gründerinnen oft ein härteres Pflaster? Die Studie identifiziert strukturelle Hürden, die über reines Internet-Tempo hinausgehen:

1. Industriestrukturen: Viele wirtschaftsstarke ländliche Räume sind geprägt von männerdominierten Branchen (Fahrzeugbau, Chemie). Das drückt nicht nur die Frauenquote in Führungspositionen, sondern sorgt auch für überdurchschnittlich hohe Gender Pay Gaps.

2. Care-Arbeit: Fehlende Kita-Plätze und eingeschränkte Pflegeangebote für Angehörige sind auf dem Land oft noch virulenter als in der Stadt. Für Gründerinnen wird die Vereinbarkeit von Familie und Business hier zur organisatorischen Herkulesaufgabe.

Die „Hidden Opportunity“: Warum sich das Land lohnen kann

Doch der Monitor warnt davor, das Land abzuschreiben. Für clevere Gründerinnen liegen genau hier ungenutzte Chancen:

  • Geringere Burn-Rate: Mieten und Löhne sind deutlich niedriger („Einstiegskosten“).
  • Weniger Konkurrenz: Wer eine Marktlücke besetzt, ist oft der einzige Anbieter weit und breit.
  • Alternative zum Arbeitsmarkt: In Regionen mit einseitiger Branchenstruktur ist die Selbständigkeit oft der attraktivste Weg zu einer erfüllenden Karriere.

Mindset: Geld regiert die (Stadt-)Welt

Was treibt die Gründerinnen an? Überall steht der Wunsch nach Wohlstand oben auf der Liste. Doch in der Stadt ist der finanzielle Hunger größer: Für 51 Prozent der städtischen Gründerinnen sind hohes Einkommen und Reichtum ein „sehr wichtiges“ Motiv – auf dem Land sagen das nur 38 Prozent.

Überraschend: Auch die „Fortführung einer Familientradition“ ist eher ein städtisches Phänomen (44 Prozent) als ein ländliches (30 Prozent).

Bildung als der große Gleichmacher

Egal ob Kuhweide oder Co-Working-Space: Bildung ist der Schlüssel. Gründerinnen sind im Schnitt deutlich besser qualifiziert als der Rest der Bevölkerung.

  • Land: 25 Prozent der Gründerinnen haben einen Hochschulabschluss (Bevölkerungsschnitt: 12 Prozent).
  • Stadt: 43 Prozent der Gründerinnen sind Akademikerinnen (Bevölkerungsschnitt: 25 Prozent).

Das zeigt: Entrepreneurship ist in Deutschland weiterhin stark akademisch geprägt. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land ist dabei größer als die zwischen den Geschlechtern.

Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft

Die Studie zeigt, dass wir das Potenzial von Gründerinnen im ländlichen Raum noch lange nicht ausgeschöpft haben. Während die Städte mit Netzwerkeffekten punkten, bietet das Land Raum für nachhaltiges Wachstum abseits des Hypes. Um die Lücke zu schließen, braucht es aber mehr als nur Mut: Es braucht eine Infrastruktur, die Care-Arbeit und Business vereinbar macht.

Duna sichert sich 30 Mio. EUR für KI-gestützte Identitäten

Duna ist ein KI-natives FinTech mit Sitz in Deutschland und den Niederlanden. Die Plattform wurde 2023 mit der Mission gegründet, eine globale Vertrauensinfrastruktur für Unternehmen zu schaffen, beginnend mit einem digitalen Unternehmensausweis.

Das von Duco van Lanschot und David Schreiber gegründete FinTech Duna gibt heute den erfolgreichen Abschluss seiner Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Millionen Euro bekannt. Im Mai 2025 hatte Duna bereits eine Seed-Runde in Höhe von 10,7 Mio. EUR unter der Leitung von Index Ventures abgeschlossen. Mit dem neuen Kapital erhöht sich das gesamte Finanzierungsvolumen auf über 40 Mio. EUR

Digitale Identitäten für Unternehmen – schneller, sicherer, global

Dunas Ziel ist es, eine digitale Vertrauensinfrastruktur für die Identifizierung, Prüfung und Freigabe von Unternehmen zu etablieren - in Form eines „digitalen Reisepasses”. Daraus entsteht langfristig ein Netzwerk, über das geprüfte Identitätsdaten zwischen Unternehmen geteilt und für One-Click-Onboarding genutzt werden können. Die KI-native Plattform wird bereits von großen Banken, Fintechs und Finanzinstitutionen eingesetzt. Zu den Kunden zählen unter anderem Plaid, CCV (Fiserv), Moss, Bol und die SVEA Bank. Diese berichten von einer durchschnittlich 10,6-fach schnelleren Kunden-Onboarding-Zeit und einem gesamtheitlichen 4,8-fachen Produktivitätsgewinn.

Automatisierung statt Kostenfalle: Compliance als Wachstumstreiber

Laut Mitgründer Duco van Lanschot verursachen Identitätsprüfung und Compliance heute bis zu 20 % der Gesamtkosten bei Banken – ein immenser Posten, der durch manuelle und veraltete Systeme nicht nur teuer, sondern auch riskant ist. Milliardenverluste durch Betrug, hohe regulatorische Strafen und Friktion beim Kundenzugang sind die Folge. „Das macht Identität zu einem idealen Anwendungsfall für KI-gesteuerte Automatisierung“, so Van Lanschot.

Das frische Kapital soll in den Ausbau der Plattform für Unternehmenskunden fließen. Duna plant, seine KI-Lösungen weiterzuentwickeln, dabei höchste Auditierbarkeit zu gewährleisten und die regulatorischen Anforderungen großer Finanzinstitutionen einzuhalten. Die Vision: Eine universelle, sichere Identitätslösung für die digitale Wirtschaft - mit einem Klick.

Die Zukunft der B2B-Onboarding-Prozesse

Alex Nichols, General Partner bei CapitalG und früherer Investor bei Stripe, kommentiert: „Duna baut die fehlende Identitätsschicht des Internets. Heute beginnt jede neue Geschäftsbeziehung mit einem umständlichen und fehleranfälligen Dokumentenprozess – ein versteckter Kostenfaktor für die gesamte B2B-Wirtschaft. Duco und David sind die idealen Gründer, um dieses Problem zu lösen. Sie bringen tiefes Marktverständnis und die Führungsstärke mit, um eine kulturstarke, technikgetriebene Organisation aufzubauen.“

Nach dem Kündigungsbutton kommt der Widerrufsbutton

Ab dem 19. Juni 2026 wird der Widerrufsbutton für den gesamten B2C-E-Commerce zur Pflicht. Was du jetzt wissen und beachten solltest.

Der Bundesrat hat am vergangenen Freitag (30.01.2026) den Weg frei gemacht: Ab Juni dieses Jahres müssen Online-Händler und Dienstleister einen „Widerrufsbutton“ implementieren. Was das für E-Commerce-Start-ups und FinTechs bedeutet und warum schnelles Handeln gefragt ist.

Wer dachte, mit der Einführung des Kündigungsbuttons im Jahr 2022 sei die größte Hürde im Checkout-Prozess genommen, muss jetzt nachbessern. Der Bundesrat hat am 30.01.26 dem „Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertragsrechts“ zugestimmt. Kernstück der Novelle: Das Widerrufsrecht muss künftig genauso einfach per Klick auszuüben sein wie der Vertragsabschluss selbst.

Das „Widerrufs-Update“: Was jetzt auf Gründer*innen zukommt

Die neue Regelung zielt darauf ab, die sogenannte Symmetrie im Online-Handel herzustellen. Konkret bedeutet das: Wer Kund*innen mit wenigen Klicks in einen Vertrag führt, muss sie auch mit wenigen Klicks wieder herauslassen.

Ab dem 19. Juni 2026 wird der Widerrufsbutton für den gesamten B2C-E-Commerce zur Pflicht.

Die technische Umsetzung ähnelt dabei stark dem bereits bekannten Kündigungsbutton für Abos, greift diesmal aber für den klassischen Warenkauf und Dienstleistungen:

  1. Erste Stufe: Eine gut sichtbare Schaltfläche (z.B. „Vertrag widerrufen“) im Kund*innenprofil oder direkt in der Bestellübersicht.
  2. Zweite Stufe: Eine Bestätigungsseite, auf der der/die Kund*in den Widerruf final absendet – ohne Login-Zwang und ohne langes Suchen nach Formularen.

Verschärfung für FinTechs und „Buy Now, Pay Later“

Besonders hellhörig sollten Gründer*innen im FinTech-Sektor sein. Das Gesetzespaket setzt sowohl die Richtlinie über Finanzdienstleistungs-Fernabsatzverträge (2023/2673) als auch die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie (2023/2225) um. Dies hat weitreichende Folgen:

  • Ende des „ewigen Widerrufs“: Gute Nachrichten für die Planungssicherheit: Bei Finanzdienstleistungen erlischt das Widerrufsrecht künftig spätestens nach 12 Monaten und 14 Tagen – selbst wenn die Belehrung fehlerhaft war. Das minimiert das Risiko von Rückabwicklungen Jahre nach Vertragsschluss.
  • BNPL im Fokus: Anbieter*innen von „Buy Now, Pay Later“-Modellen fallen ab November 2026 unter strengere Kreditwürdigkeitsprüfungen. Das bisherige „Schlupfloch“ für Kleinkredite und kurzfristige Zahlungsaufschübe wird damit weitgehend geschlossen.

Das müssen Start-ups jetzt tun

Für Shop-Betreiber*innen und SaaS-Anbieter*innen beginnt jetzt der Sprint. Bis zum Stichtag am 19. Juni bleiben nur wenige Monate, um die UX anzupassen.

Daher gilt: Unterschätze nicht den Aufwand im Backend. Der Button ist schnell programmiert, aber der automatisierte Prozess dahinter – vom Eingang des Widerrufs bis zur Rückerstattung und Lagerbestandsanpassung – muss reibungslos laufen, um Abmahnwellen zu vermeiden.

Checkliste: Die To-Dos bis Juni 2026

  • UX-Audit: Wo kann der Widerrufsbutton platziert werden, ohne die Conversion zu stören, aber dennoch rechtssicher „leicht auffindbar“ zu sein?
  • Prozesse: Ist das CRM-System bereit, automatisierte Widerrufe ohne Medienbruch zu verarbeiten?
  • AGB-Update: Die Widerrufsbelehrungen müssen an die neue digitale Rechtslage angepasst werden.
  • FinTech-Check: Prüfe, ob deine BNPL-Angebote oder Finanzierungsoptionen unter die neue Kreditrichtlinie fallen.

Gründer*in der Woche: Gamba Zamba – Garnelen Made in Germany

Das FoodTech-Start-up aquapurna der Gründer David Gebhard und Florian Gösling zeigt, dass Garnelen verantwortungsvoll und regional angeboten werden können – aus deutscher Aufzucht.

Die Geschichte von Gamba Zamba beginnt auf einer Reise: Als Florian Gösling in Asien Einblicke in die industrielle Garnelenproduktion erhält, ist er schockiert. Zurück in Deutschland tauschte er sich mit David Gebhard, seinem langjährigen Freund aus dem Berg­sport und heutigen Co-Gründer von Gamba Zamba aus, und stellte die Frage: „Warum sollten Garnelen nicht auch hier bei uns wachsen können – frisch, nachhaltig und ohne Tierleid?“

Bei ihren Recherchen stellten die beiden fest: Europäische Alternativen gibt es, aber sie sind mehrfach teurer als Importware. Eine weitere Erkenntnis: Zwar ist die Technologie für landbasierte Kreislaufaquakultur grundsätzlich vorhanden, befindet sich jedoch noch in einem frühen Entwicklungs­sta­dium und verursacht zu hohe Kosten.

Florian und David waren sich sicher, dass das besser geht, schritten zur Tat und gründeten mitten in der Corona-Pandemie auf dem Gelände einer ehemaligen Kali-Mine bei Hannover ihr eigenes Garnelenforschungszentrum.

Hightech trifft Naturverständnis

Dort, in der eigens entwickelten Kreislaufanlage, wachsen seitdem Garnelen unter stabilen, artgerechten Bedingungen auf. Das System spart über 99 Prozent Wasser, arbeitet vollständig ohne Antibiotika und Chemie und ermöglicht eine Aufzucht, die Natur und Technologie intelligent verbindet.

Das sogenannte SmartReef-System schafft künstliche Riffstrukturen, auf denen sich die Tiere häuten und zurückziehen können. Sensoren überwachen permanent die Wasserqualität. „Unsere Tiere sollen sich wohlfühlen. Nur dann können sie gesund wachsen“, so Florian.

Während den Garnelen-Weibchen in Asien und Südamerika ein Auge entfernt wird, damit sie ihre Eier ablegen – was meist zu ihrem Tod führt –, setzt Gamba Zamba auf natürliche Vermehrung und eine Diät aus Tintenfisch und Miesmuscheln. „Für uns ist das ein absolutes No-Go. Wir sehen Garnelen als Lebewesen, nicht als reine Commodity“, betont David.

Auch sonst unterscheidet sich die Aufzucht grundlegend von herkömmlichen Methoden: Das Start-up verzichtet konsequent auf Antibiotika, Sulfite (E223), die allergische Reak­tionen auslösen können, Phosphate, die Wasser binden und Konsument*innen täuschen, übermäßige Glasur – also das typische „Pfannenwasser“, und chemische Entkeimungsmittel wie Chlor oder Peroxide. Das Ergebnis: reine, unverfälschte Garnelen mit natürlichem Geschmack und fester Textur.

„Viele Menschen möchten bewusster essen, ohne auf Genuss zu verzichten. Genau das bieten wir: frische Garnelen aus deutscher Aufzucht – mit vollem Geschmack und gutem Gewissen“, erklärt Florian.

Bisher hatten Garnelen-Fans hierzulande kaum eine Wahl: Entweder billige Importware mit zweifelhaftem Ursprung und hohem CO-Fußabdruck oder europäische Nischenprodukte für teils über 120 Euro pro Kilo. „Wir schaffen endlich eine leistbare, nachhaltige Alternative“, sagt Florian.

metergrid: Stuttgarter Start-up sammelt 10 Mio. Euro für Mieterstrom-Plattform ein

Das 2021 gegründete metergrid ist auf Software- und Abwicklungslösungen für sogenannte Mieterstrommodelle spezialisiert. Die Runde ist laut metergrid die bislang größte Wachstumsfinanzierung im deutschen Mieterstrom-Markt.

Das 2021 gegründete EnergyTech-Start-up metergrid hat eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 10 Mio. Euro abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, handelt es sich dabei um die bislang größte Wachstumsfinanzierung im deutschen Mieterstrom-Markt. Angeführt wird die Runde von dem niederländischen Investor SET Ventures. Auch die Bestandsinvestoren Hager, LBBW Venture Capital, Mätch VC sowie mehrere Business Angels beteiligten sich erneut.

Metergrid ist auf Software- und Abwicklungslösungen für sogenannte Mieterstrommodelle spezialisiert. Diese ermöglichen es, Solarstrom von Dächern mehrgeschossiger Wohngebäude direkt an die Bewohner zu verkaufen. Das Stuttgarter Unternehmen konnte die Zahl der versorgten Bewohner*innen nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr von rund 10.000 auf über 53.000 steigern.

Ausbau zur Gesamtplattform geplant

Mit dem frischen Kapital plant das Unternehmen, sein Geschäftsmodell von einer reinen Abrechnungslösung zu einer umfassenden Energie-Plattform für Mehrparteienhäuser auszubauen. Ziel sei es, neben Photovoltaik-Anlagen künftig auch Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, Energiemanagementsysteme, Speicherlösungen sowie Heiz- und Nebenkostenabrechnungen über eine zentrale Software abzuwickeln.

„Wir machen Energieversorgung im Mehrparteienhaus erstmals automatisiert, wirtschaftlich und massentauglich“, erklärte Johannes Mewes, Co-Founder und Geschäftsführer von metergrid. Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Million Menschen in Mehrparteienhäusern mit erneuerbarer Energie versorgen.

Hürden beim Mieterstrom

Rund 44 Mio. Menschen in Deutschland leben in Mehrparteienhäusern. Die Umsetzung von lokalen Energiekonzepten scheiterte dort bislang oft an komplexen regulatorischen und administrativen Hürden. Metergrid adressiert dieses Marktsegment, indem es Vermietern, Wohnungseigentümergemeinschaften und Wohnungsbaugesellschaften die bürokratische Abwicklung – von der behördlichen Anmeldung bis zur Abrechnung mit den Mietern – abnimmt.

Dr. Till Stenzel, Partner beim Lead-Investor SET Ventures, sieht in der Lösung das Potenzial, den Markt für urbane Energieversorgung zu erschließen: „Mehrparteienhäuser konnten bisher noch praktisch gar nicht an der Energiewende teilnehmen – metergrids Lösung sorgt hier für eine ganzheitliche, volldigitalisierte Lösung.“