Gründer der Woche: XignSys – die Passwort-Alternative

Gründer der Woche 06/20


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Der IT-Sicherheitsexperte und Gründer Markus Hertlein hat mit seinem Unternehmen XignSys eine zukunftsfähige Alternative zum klassischen Passwort entwickelt. Mehr dazu im Interview mit CEO Markus.

Wann und wie seid ihr auf die Idee zu XignSys gekommen?

Die Idee zu XignSys kamen meinem Geschäftspartner Pascal Manaras und mir in einem Forschungsprojekt zum Thema e-Mobility und wie man diese einfach und sicher zugänglich machen kann. Geplant war hier (2013) der Einsatz des neuen Personalausweises für die Authentifizierung der Kunden. Jedoch haben wir uns schon damals überlegt, dass eine Plastikkarte nicht das Konzept der Zukunft sein kann.

Damals dann noch als Student und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Internet-Sicherheit der westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen, haben wir den PoC des heutigen XignIn Systems als Side-Projekt entwickeln und ebenfalls beim Abschluss präsentieren können. Um das Gesamtsystem abzusichern, haben wir auch schon zu diesem Zeitpunkt mit hochsicheren digitalen Identitäten für die Ladensäulen und den anderen IoT Komponenten gearbeitet.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Software?

Da gab es einige. Der erste wichtige Step hat eigentlich schon vor der Gründung stattgefunden. Wir hatten bei einer Abendveranstaltung in einem klassischen Elevator-Pitch die Möglichkeit Willi Mannheims, einen renommierten Gründer und Investor für uns zu gewinnen. Seit unserer Gründung ist er als Beiratsmitglied dabei. Eine gute Entscheidung. Gerade für die Gewinnung erster Kunden und Investoren, ist es von Vorteil, einen guten Beirat aufzustellen. Neben Willi Mannheims konnten wir auch Prof. Dr. Norbert Pohlmann, TeleTrust & eco Verband, für uns gewinnen.

Den ersten Kunden direkt nach der Gründung zu bekommen, war einer der weiteren wichtigen Punkte, um Reputation aufzubauen, aber auch um die ersten Umsätze zu generieren.
Mit einer der wichtigsten Punkte nach Gründung unseres Unternehmens, war und ist die Zusammenarbeit mit Volkswagen.

Für die persönliche Entwicklung war es wertvoll, aufgrund von Zahlungsausfällen „skin-in-the-game“ zu geben, als Pascal und ich zur Bank gefahren sind, um einen persönlichen Kredit aufzunehmen, damit wir die Löhne der ersten Mitarbeiter zahlen konnten.

Die zwei letzten bedeutsamen Ereignisse über die man sprechen kann, war definitiv der Abschluss unserer Seed Runde, Anfang 2019, wodurch wir ein sehr gutes und starkes Investoren- und Angelnetzwerk zu uns an Bord ziehen konnten. Zu nennen sind hier Conny Boersch, Gründer und CEO Mountain Partners, gefolgt von unserem NRW Projekt – „Smartphone-Bürger-ID“ –, das mit 3,8 Mio. € finanziert wird. In dem Projekt etablieren wir unsere Lösung als den Grundstein der Authentifizierung für das Thema eGovernment und Behördengänge.

Noch in diesem Jahr integrieren wir unsere Lösung XignIn im ServiceKonto.NRW, wodurch jeder Bürger des Landes in die Lage versetzt wird unsere Lösung zu nutzen. Damit wollen wir die Digitalisierung, gerade im Bereich der Interaktion mit dem Endnutzer und den BürgerInnen, einen ordentlichen Push geben, indem wir eine gelungene und einfache User Experience mit den höchsten Ansprüchen an Cyber Sicherheit verbinden.

Wie habt ihr diese Phase finanziert? Mit Eigenkapital und/oder Fördermitteln?

Wir haben die erste Phase bis zum ersten guten MVP eigenfinanziert. Es wäre nicht verkehrt gewesen, sich um Fördermittel zu bemühen. Jedoch dachte man, dass es bei uns, mit Gewinnung unseres ersten Kunden ab Gründung, was übrigens der Bank Verlang war, ein Durchmarsch werden würde. Rückwirkend kann man sagen das gerade die geschenkten Mittel eine willkommene Möglichkeit sind, schnell und stark zu starten. Wir haben uns lange Zeit mit drei und dann sieben Mitarbeitern begnügt, bevor wir, durch das BürgerID-Projekt, richtig wachsen konnten.

Nun zu eurem Produkt XignIn. Was genau verbirgt sich hinter dem Authentifizierungs-Tool?

Als wir vor vier Jahren gestartet sind, haben wir uns vorgenommen, dass Passwort aus unserem Alltag zu verbannen und abzuschaffen. Mit XignIn haben wir nun eine einfache, sichere und vor allem flexible Authentifizierungslösung entwickelt, mit der ein einfacher, passwortloser Login möglich ist. Den Vorgang musst Du Dir so vorstellen: Du meldest Dich einmalig an, registrierst Dein Smartphone als persönlichen Schlüssel und kannst Dich dann auf Webseiten, Unternehmenszugängen oder eben bei Bürger Diensten sicher und passwortlos anmelden.

Für das Auslösen eines Logins verwenden wir Push-Nachrichten, wie man Sie bspw. vom Online-Banking kennt, QR-Codes, weil diese heutzutage überall angezeigt werden können, aber auch NFC, RFID oder Bluetooth, was genial gut für die Authentifizierung in der Smart City geeignet ist.

Im Login selbst, der bspw. durch eine Push-Nachricht oder das Scannen des QR-Codes ausgelöst wird, sieht der Nutzer ganz transparent auf seinem Smartphone, welche Nutzerdaten von Ihm, auswelchem Grund und von welchem Dienst benötigt werden. Anschließend bestätigt er mit FaceID oder anderen biometrischen Faktoren und ist eingeloggt. Gesichert ist unser System durch eine komplexe IT-Security Infrastruktur, die für Nutzer und Anbieter unsichtbar und damit einfach zu verwenden bleibt. Wir übernehmen quasi die Arbeit und die Firmen und Nutzer erhalten das reine Vergnügen, passwortlos zu sein und das auch noch mit einer erhöhten Sicherheit.

Ganz neu ist, dass unser System FIDO ebenfalls mit einbindet und XignIn somit zu einer virtuellen FIDO Infrastruktur wird. So kann bspw. auch die Windows Helo Authentifizierung für Webseiten genutzt werden oder der Fingprintsenor der MacBooks. XignIn kann innerhalb von wenigen Minuten aus der Cloud als SaaS genutzt werden, auch um bspw. Software wie Salesforce, Office oder Atlassian weiterabzusichern und passwortlos zu benutzen.

Wie hebt ihr euch vom Wettbewerb ab bzw. was ist das innovative an XignIn?

Man hat uns häufig gefragt, ob es wieder „nur so eine App“ ist. Da entgegnen wir strikt, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt das einzige System sind, dass eine komplexe IT-Security Infrastruktur mitbringt und dennoch so einfach zu handhaben ist, wie das Aufnehmen eines Fotos.

Dazu sind wir dabei unser System auch nach Vorgaben des BSIs zertifizieren zu lassen. Darüber hinaus bieten wir das einzige System, das derzeitig in der Lage ist, die Technologie für alle Anwendungsfälle sowohl in der digitalen als auch realen Welt zu nutzen. Dabei lässt sich XignIn in die meisten Systeme per Konfiguration anstatt Implementierung integrieren, was einen Arbeitsaufwand von weniger als 3 Stunden bedeutet.

Da unser System gänzlich auf Passwörter verzichtet und stattdessen auf elektronische Unterschrift setzt, sind wir wohl derzeit auch die Einzigen, die im gleichen Atemzug Unterschriften für Dokumente und Transaktion mit anbieten können und das mit der immer gleichen, einfachen Nutzerführung.

Wer ist die Zielgruppe? Wo ist euer Tool im Einsatz?

Unser aktueller Fokus liegt im Bereich des eGovernment, da wir hier aktuell die größte Traktion mit dem Land NRW haben. Aktuell sind wir live in Gelsenkirchen. Aachen wird bald folgen, sowie drei weitere Städte.

Ein weiterer großer Markt ist der Bereich Banking, aus dem wir ja mit dem Bank Verlag gestartet sind. Beide Märkte sind stark durch Regularien getrieben, was für uns ein Vorteil ist, da hier eine starke Absicherung der Kunden- und Bürgerdaten, auch durch die DSGVO, einen hohen Stellenwert hat.

Das Momentum nehmen wir gerade mit, um uns in einem weiteren stark regulierten Markt zu wagen. Da aber auch die deutsche und internationale Wirtschaft den Bedarf nach einer benutzerfreundlichen und modernen Login Variante erkannt hat, ist das Themenfeld der Authentifizierung in Unternehmen immer noch im starken Fokus, wie bspw. bei Volkswagen. Themen die wir hier adressieren sind der moderne und mobile Arbeitsplatz, Cloud-Absicherung und -Zugänge, Vier- oder Mehraugenprinzip oder aber allgemeine Digitalisierungsthemen zum Endkunden Account hin.

Was sind eure weiteren Vorhaben?

An oberster Stelle steht grade das Thema Zertifizierung und und unsere Technologie XignIn, durch neuen Kunden und strategische Partner, weiter in die Breite zu bringen. Darüber hinaus sind wir gerade in der Abstimmung, wann eine weitere Finanzierungsrunde ansteht.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung?

Sich frühzeitig zu trauen, nach Geld für seine Arbeit zu fragen. Nicht nur Softwareentwicklung zu betreiben, sondern auch frühzeitig an Marketing und Vertrieb zu denken und Förderungen in Anspruch zu nehmen. So gern man auch alles alleine nach vorne bringen möchte, bootstrapping ist ein sehr gutes Gefühl, wenn es gelingt. Dennoch ist es wichtig die Zeiten gut abzupassen, wann eine mögliche erste Finanzierungsrunde in Frage kommt. Es gilt gut zu durchdenken, da auch hier neben Investoren und Angels einiges an Frühphasenförderung zu holen ist.

Darüber hinaus gibt es die klassischen Themen: Ein gutes Gründerteam ist wichtig. Im Team fachlich breit aufgestellt zu sein ist das eine, aber an einem Strang ziehen zu können das andere. XignSys wurde von Pascal und mir gegründet, beide mit technischem Hintergrund. Im großen Drang etwas zu bewegen, hat uns dazu gebracht, an unseren Schwächen zu arbeiten und anfänglich fehlendes Wissen in bestimmten Bereich durch extrem großen Einsatz auszubügeln. Eng damit verbunden ist es auch mal andere Wege zu gehen und nicht nur dem Hype hinterher zu rennen. Uns sagte man Authentifizierung sei ein gelöstes Problem, was sich nur 3 Jahre später zeigt ist, dass dem nicht so ist. Auch das Wählen des Standorts Gelsenkirchen, anstatt Berlin, zu einer Phase in der es im Ruhrgebiet so gut wie keine Startup Szene gab, gehörte dazu.

Danke und Cheers!

Hier geht's zu XignSys


Das Interview führte Hans Luthardt

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RobCo: Münchner Robotik-Start-up sichert sich 39 Mio. Euro

RobCo – 2020 von einem Team rund um Roman Hölzl am Lehrstuhl für Robotik und KI an der TU München gegründet – bietet dem industriellen Mittelstand vernetzte Roboter-Lösungen, um sich wiederholende manuelle Aufgaben zu automatisieren.

RobCo erhält 39 Millionen Euro von Lightspeed und weiteren Investoren, um den Entwicklungs- und Wachstumskurs konsequent voranzutreiben. Auch der ehemalige Apple- und Nvidia-Investor Sequoia Capital, Kindred Capital und Promus Ventures sind daran beteiligt. Diese Finanzierungsrunde erhöht das Gesamtinvestitionsvolumen in RobCo auf über 55 Millionen Euro. Das neu gewonnene Kapital soll insbesondere in den weiteren Ausbau des Vertriebs sowie in die Produktentwicklung investiert werden.

RobCo wurde im Jahr 2020 von drei wissenschaftlichen Mitarbeitern am Lehrstuhl für Robotik und Künstliche Intelligenz an der Technischen Universität München gegründet. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von flexibel anpassbaren Roboter-Hardware-Kits für unterschiedliche Anwendungsfälle in der mittelständischen Fertigung spezialisiert – wie beispielsweise Maschinen be- und entladen oder Palettieren.

Schneller und einfacher Plug-and-Play-Einsatz im Mittelstand

Die Kits ermöglichen auf Basis der einzigartigen, vertikal integrierten Hardware- und Software-Plattform RobCo Studio einen modularen, intuitiven Auf- und Umbau von Robotik-Anwendungen. Dank ihr können die eingesetzten Roboter remote über einen digitalen Zwilling konfiguriert, implementiert und gemanagt werden. So ist ein schneller und einfacher Plug-and-Play-Einsatz in nur wenigen Tagen möglich. Aufwändige Programmierung oder geschultes Fachpersonal sind aufgrund des Low-Code-Ansatzes nicht erforderlich. Zudem zeichnet sich die Plattform durch ein modulares End-to-End-System aus, das mit allen zukunftsfähigen Schnittstellen ausgestattet ist. Eine innovative Sensor- und Softwareebene sorgt für die Langlebigkeit der Hardware. Die Lösungen von RobCo sind insbesondere für mittelständische Industriebetriebe konzipiert, für die sich der Maschineneinsatz nur lohnt, wenn diese schnell und flexibel für wechselnde Aufgaben umprogrammiert werden können. RobCo unterstützt Unternehmen beim Einstieg in die Welt der Automatisierung und bei der Transformation hin zur Industrie 4.0.

„Durch eine umfassende RobCo-Automatisierungslösung im Bereich Palettierung, können wir insbesondere dem anhaltenden Fachkräftemangel aktiv technologisch begegnen und gleichzeitig Kosten sparen“, erklärt Martin Matern, Werkleiter Lüneburg der DE-VAU-GE Gesundkostwerk Deutschland GmbH.

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„Die ständige Weiterentwicklung unserer modularen Roboter-Plattform für den industriellen Einsatz ist entscheidend für die Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Heute können unsere Roboter bereits Software- und KI-gestützt eingerichtet, programmiert und gemanagt werden. Im nächsten Schritt geht es darum, Industrieroboter noch autonomer und intelligenter in ihrer Einsatzumgebung zu gestalten“, so Roman Hölzl, CEO und Mitgründer von RobCo. „Mit unserem RobCo-Autonomy-Ansatz setzen wir auf eine noch tiefergehende KI-Implementierung in unserer Software, damit Roboter in naher Zukunft nach dem Dreiklang ,Sense-Reason-Act‘ ihre Umgebung selbstständig erfassen, analysieren sowie Aktionen planen und ausführen können.“

„Der Einsatz von Robotik im industriellen Umfeld war bislang fast ausschließlich großen Konzernen mit den entsprechenden finanziellen und personellen Kapazitäten vorbehalten“, betont Alex Schmitt, Partner bei Lightspeed. „Hohe Kosten und eine enorme Komplexität machten sie für kleine und mittlere Unternehmen zum Teil unerschwinglich und waren kaum zu managen. RobCo ist mit seinen Entwicklungen bereits ein großer Durchbruch auf diesem Gebiet gelungen. Wir erkennen hier sowohl technologisch als auch kommerziell ein riesiges Potenzial für den deutschen, aber auch internationalen Markt. Dieses Potenzial gilt es jetzt optimal zu fördern und somit den Einsatz von Roboter-Automatisierungslösungen allen Unternehmen zu ermöglichen.“

RobCo: Am Anfang einer weitreichenden Automatisierungsreise

„Wir stehen erst am Anfang einer weitreichenden Automatisierungsreise und wollen im Bereich modulare Roboterautomatisierung für den Mittelstand führend in Europa werden. RobCo ist mit seinen einfach zu implementierenden Robotern, die bereits ab dem ersten Tag einen positiven ROI bieten, einzigartig positioniert“, ergänzt Roman Hölzl. „Wir sehen uns als verlängerter Arm der Unternehmen bei der Automatisierung ihrer Produktion und Unterstützer bei der Transformation hin zur Industrie 4.0. Dass eine Venture-Capital-Größe wie Lightspeed unsere nächsten Schritte mit einer 39 Millionen Euro Finanzierungsrunde unterstützt, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind – und ist für uns alle zudem ein wahnsinniger Motivationsschub, unsere Lösungen auf das nächste Level zu bringen.“

Barrierearme App gegen Cyber-Mobbing geht online

Am 22.02.24 ist der internationale "Behaupte dich gegen Mobbing"-Tag. Aus diesem Anlass stellen wir eine besondere Initiative der Werkstätten in Berlin und klicksafe vor: die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Berlin e.V. (LAG WfbM Berlin) setzt sich für umfassende berufliche Teilhabe ein. Dazu zählen unter anderem auch Schulungen und Bildungsangebote zum Thema Gewaltprävention und Medien. Mit der „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ wurde nun in Kooperation mit der EU-Initiative klicksafe, die in Deutschland von der Medienanstalt Rheinland-Pfalz koordiniert und gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien NRW umgesetzt wird, ein Präventions- und Hilfsangebot geschaffen, das über die Werkstätten hinausgeht und sich an alle Menschen mit Beeinträchtigungen richtet.

Klicksafe hat zum Ziel, die Online-Kompetenz unterschiedlicher Zielgruppen zu fördern und hatte bereits eine App zum Thema Cybermobbing für Kinder und Jugendliche entwickelt. Für Erwachsene mit Beeinträchtigung gab es zuvor noch kein solches Angebot.

Die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“

Die App zeichnet sich durch einen besonders partizipativen Ansatz aus, der bereits bei ihrer Entwicklung begann. Eine Arbeitsgruppe, die aus Menschen mit Beeinträchtigungen bestand, erarbeitete sich das Thema Cyber-Mobbing über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg, entwickelte gemeinsam die Inhalte und realisierte die Umsetzung.

Begleitet wurden die Werkstattbeschäftigten von der Fachberatungsstelle Gewaltprävention, Mitarbeiter*innen aus den Sozialdiensten der Werkstätten, einem Gebärdensprachdolmetscher und einer Medienpädagogin. So wurde nicht nur ein hohes Maß an Partizipation der Zielgruppe erreicht, sondern auch ein überzeugendes Ergebnis erzielt.

Verständliche und barrierearme Gestaltung

Wichtig war dabei vor allem die verständliche und barrierearme Gestaltung der Inhalte. Alle Informationen und Erklärungen rund um das Thema digitale Gewalt sind in einfacher Sprache verfasst, darüber hinaus gibt es bildbasierte Anleitungen, die Schritt für Schritt zeigen, wie man Kontakte auf Social-Media-Plattformen blockieren, melden oder löschen kann. Ein wesentliches Element der „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ sind zudem Videos, in denen die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe selbst als Expert*innen auftreten. Dabei vermitteln sie in einfachen Worten oder Gebärdensprache wichtige Tipps, z.B. wie man einen Screenshot erstellt oder eine Anzeige bei einer Onlinewache macht.

Die Idee für dieses Projekt entstand aus den Erfahrungen der Fachberatungsstelle Gewaltprävention mit Werkstattbeschäftigten, die mit digitaler Gewalt konfrontiert wurden. Dabei sollte es nicht nur um einen verantwortungsbewussten Umgang, sondern um Aufklärungs- und Verhinderungsarbeit gegen Cyber-Mobbing gehen. Mithilfe von begleitenden Materialien für den Berufsbildungsbereich und anderen Angeboten kann die App deshalb auch zum Erwerb einer verbesserten Medienkompetenz der Zielgruppe genutzt werden.

Menschen mit Beeinträchtigung stärken

„Das Internet ist für alle ein wichtiger digitaler Raum. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen nutzen ihn und begegnen dabei digitaler Gewalt. Umso wichtiger ist es, dass es entsprechende Unterstützungs- und medienpädagogische Angebote gibt. Die Erfahrungen der Werkstattbeschäftigten waren ausschlaggebend für die Themen dieser App. Mit der ‚Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App‘ stärken wir Menschen mit Beeinträchtigung. Besonders stolz sind wir auf die inklusive Arbeitsgruppe und die Protagonist*innen der Videos. Sie vermitteln dieses Thema als Expert*innen in eigener Sache und liefern ganz konkrete Tipps an die Hand, um sich gegen Angriffe im Internet zu wehren“, so Bettina Neuhaus Geschäftsführerin der LAG WfbM Berlin.

„Gerade, wenn es um Mobbing oder Hass im Netz geht, sind vulnerable Gruppen besonders betroffen. Wir freuen uns, dass wir hier einen Beitrag leisten können: mit unserer Expertise im Bereich Cyber-Mobbing sowie den Grundlagen der bereits erfolgreichen Cyber-Mobbing Erste-Hilfe App für Jugendliche“, ergänzt Deborah Woldemichael, Leiterin von klicksafe.

Im ersten Schritt steht die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ ab sofort als iOS-Version für iPhone & Co. im App Store zum kostenlosen Download zur Verfügung. Eine Android-Version sowie begleitende Unterrichtsmaterialien für Bildungsveranstaltungen sollen zeitnah folgen.

Threedy: Industrieller 3D-Spezialist sichert sich 10,4 Mio. US-Dollar

Threedy ist ein Hightech-Start-up, das 2020 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt gegründet wurde. Die Investition soll es dem Start-up ermöglichen, die Entwicklung seines Produktportfolios weiter voranzutreiben.

Drei Jahre nach der Gründung hat sich Threedy eine Investition von 10,4 Millionen US-Dollar gesichert, um das Wachstum in verschiedenen Branchen und Regionen zu beschleunigen. Zu den neuen Investoren gehören die LBBW Venture Capital, TRUMPF VENTURE, Futury Capital und EquityPitcher Ventures. Die Investition unterstreicht die starke Position von Threedy, einen beträchtlichen Marktanteil im schnell wachsenden Bereich der industriellen digitalen Zwillinge zu erobern.

Digitale Transformation in der Industrie

Der instant3Dhub von Threedy ist eine hochleistungsfähige Spatial-Computing-Technologie, die es Kunden ermöglicht, ihre 3D-Daten in beliebiger Konfiguration zu nutzen und in großem Maßstab zu visualisieren. Indem sie Daten in Echtzeit auf jedem Gerät und zu jeder Zeit verfügbar und zugänglich macht, ermöglicht sie die Optimierung einer Vielzahl von digitalen Prozessen entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette und eine deutliche Reduzierung der damit verbundenen Kosten. Durch die Implementierung von instant3Dhub können Unternehmen wertvolle Zeit und Ressourcen sparen, z.B. durch den Wegfall von Wartezeiten, und die Reduzierung von Lizenz- und Infrastrukturkosten.

Threedy ermöglicht es seinen Kund*innen, eine moderne Software-Architektur zu etablieren, die die Abhängigkeit von den monolithischen und geschlossenen Stacks der etablierten Software- Anbieter reduziert und die Tür für die agile Entwicklung und den skalierbaren Roll-out einer modernen, leichtgewichtigen Anwendungsschicht öffnet. Mit einer breiten Palette an Funktionen für digitales Engineering, fortschrittliche Kollaboration und nahtlose Mixed Reality bietet die Software eine starke Grundlage für die digitale Transformation der Industrie.

Die Arbeit mit 3D-Daten soll so einfach wie das Teilen eines Links werden, indem man sie einfach aus beliebigen Quellen referenziert, z.B. aus bestehenden PDM/PLM-Lösungen, und das ohne jegliche Vorbereitung oder Vereinfachung. Die Technologie von Threedy ermöglicht neue, skalierbare Anwendungen über den gesamten Produktlebenszyklus, von der Entwicklung bis zum After-Sales – webbasiert und mit zero-footprint auf dem Client. Durch die Optimierung der 3D-Datennutzung und der Kommunikation können Unternehmen auch ihren ökologischen Fußabdruck verringern: Geschäftsreisen können weitgehend durch virtuellen Austausch ersetzt werden, wodurch Ressourcen und Zeit gespart werden.

Schnell wachsende Anzahl von Partnerschaften und Anwendungsszenarien

In den ersten drei Jahren hat sich Threedy erfolgreich von einer Fraunhofer-Abteilung zu einem unabhängigen Unternehmen entwickelt. Seit der Gründung Ende 2020 ist das Start-up deutlich gewachsen und hat seine Mitarbeitendenzahl fast verdreifacht, um ein Team von mehr als 50 hochqualifizierten Fachleuten aus aller Welt aufzubauen. Das Unternehmen hat nicht nur seine starken Kund*innenbeziehungen beibehalten, sondern auch ein bemerkenswertes Wachstum erlebt, insbesondere in den Bereichen Automotive und Fertigungsindustrie.

Die Spitzentechnologie von Threedy wird von zahlreichen Branchenführern geschätzt, darunter auch von den führenden deutschen Automobilherstellern. Darüber hinaus hat Threedy sein Netzwerk von Partnerschaften erfolgreich erweitert und ist über die ursprünglichen Schwerpunktbereiche Automotive und den deutschen Markt hinausgewachsen. Mit der substanziellen 10,4-Millionen-Dollar-Investition in der Serie A rüstet sich Threedy nun für den nächsten Schritt. Threedy will sein Engagement für die Kommerzialisierung seiner innovativen Spatial- Computing-Infrastruktur fortsetzen und die Einführung in verschiedenen Branchen und Anwendungsszenarien beschleunigen. Die Investition soll dem Start-up in die Möglichkeit geben, die Entwicklung seines Produktportfolios weiter voranzutreiben. Zu den Expansionsplänen gehört die weitere Internationalisierung, während das Unternehmen weiterhin auf Exzellenz und Innovation setzt und die digitale Transformation seiner Partner nachhaltig unterstützt. Threedy ist nun aktiv auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden in verschiedenen Funktionen, die das Team verstärken und die Zukunft des industriellen digitalen Zwillings mitgestalten wollen.

Lernen von den alten Hasen: Gates statt Renner

Finanzchef24 hat 758 dt. Klein- und Kleinstunternehmer*innen befragt, mit wem sie gern mal einen Tag zusammenarbeiten würden. Wer hat das Rennen gemacht?

Ob milliardenschwere(r) Visionär*in, Tech-Genie oder renommierte(r) Sternekoch/-köchin: Mit welchem/welcher Star-Unternehmer*in würden hiesige Selbständige am liebsten einen Tag zusammenarbeiten, um von ihm oder ihr zu lernen? Finanzchef24 hat zum dritten Mal in einer Umfrage Kleinst- und Kleinunternehmer*innen um Antwort gebeten.

And the Winner is …

Platz eins geht erneut an den US-amerikanischen Multimilliardär und Philanthrop Bill Gates (22 Prozent). Der Gründer des globalen Onlineversandhändlers Amazon und drittreichster Mann der Welt, Jeff Bezos, rangiert mit 19 Prozent der abgegebenen Stimmen auf Platz zwei. Der renommierte deutsch-vietnamesische Küchenchef The Duc Ngo hat es mit 13 Prozent auf den dritten Platz geschafft.

„Viele wünschen sich als idealen Arbeitskollegen einen Team-Player mit Kompetenz. Da hiesige Kleinst- und Kleinunternehmer oftmals im selben Marktumfeld wie die Großen unterwegs sind, ähneln sich die Probleme“, kommentiert Payam Rezvanian, Mitglied der Geschäftsleitung bei Finanzchef24, mit Blick auf Zinswende, Konkurrenz aus Fernost, geopolitische Spannungen, Fachkräftemangel oder politische Unberechenbarkeit.

Lernen aus dem KI und Sextoy-Business

Die Frontfrau des Sexspielzeug-Versands Amorelie Lea-Sophie Cramer liegt mit 9,8 Prozent auf Platz vier. ChatGPT-Miterfinder und Tech-Genie Sam Altman erreicht mit 8,5 Prozent Platz fünf. Auf Platz sechs der Wunschliste mit knapp 8 Prozent folgt eine der erfolgreichsten und vor allem einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft: Tijen Onaran.

Als erster Milliardär im Weltraum schreibt der britische Unternehmer und Virgin-Gründer Richard Bransons Geschichte. Im Ranking erreicht er mit 6,8 Prozent den siebten Platz. Mit Meta-CEO Mark Zuckerberg wollen hingegen nur wenige arbeiten. Er landet mit 5,7 Prozent auf dem achten Platz, dicht gefolgt von dem französischen Luxus-Mogul Bernard Arnauld (5,2 Prozent). Das Schlusslicht bildet Hanno Renner: der Softwareentwickler des Münchner Start-Ups Personio. Mit 2,8 Prozent wird er auf den letzten Platz gewählt.

Unternehmerinnen setzen auf eine Frau als Wunschkandidatin

Genau wie im Vorjahr kommen bei der diesjährigen Umfrage geschlechterspezifisch deutliche Unterschiede zum Vorschein. Männer setzen auf die Expertise zweier alter Hasen und eines Newcomers. Bill Gates (24 Prozent), Jeff Bezos (20,6 Prozent) und Spitzenkoch The Duc Ngo (11,7 Prozent) bilden das Wunschtrio für Unternehmer-Männer. Im Vergleich dazu setzen Unternehmerinnen auf Selbstständigkeit, Innovation, Unabhängigkeit – und als erste Wahl auf eine Frau. Sie wählen die deutsche Unternehmerin und „Women´s Empowerment“ Aktivistin Tijen Onaran mit 17,8 Prozent auf die Spitzenposition. Erst knapp dahinter folgen der Philanthrop Bill Gates (17,4 Prozent) und Amazon-Mogul Bezos (15,4 Prozent).

Handel möchte mit Jeff Bezos arbeiten

Nicht nur bei den Geschlechtern gibt es Unterschiede, sondern auch zwischen den Branchen zeigen sich Tendenzen. Die Spitzenplatzierung von Bill Gates eint Dienstleistungs- (28 Prozent), Handwerks- bzw. Baubranche (23,3 Prozent) und Beratung (28 Prozent). Der Handel indes stimmt mit 27,3 Prozent ganz klar für Jeff Bezos als Wunschmitarbeiter. In der Beauty- und Lifestyle Branche muss sich der Amazon-Gründer seinen ersten Platz mit Tijen Onaran (17,2 Prozent) teilen. Die Gastronomen votieren klar für ihren Berufsgenossen: Hier steht Küchenchef the Duc Ngo mit 58,3 Prozent einsam an der Spitze der Wunschkandidaten. Doch auch in der Küche wähnen einige Optimierungspotential. Mit Abstand belegt Jeff Bezos hier den zweiten Platz (16,7 Prozent).

Übersicht: Platzierung gesamt

1. (21,7 Prozent): Bill Gates (Microsoft)

2. (18,7 Prozent): Jeff Bezos (Amazon)

3. (12,9 Prozent): The Duc Ngo (Spitzenkoch und Gastronom)

4. (9,8 Prozent): Lea-Sophie Cramer (Gründerin Amorelie)

5. (8,5 Prozent): Sam Altman (CEO von OpenAl)

6. (8 Prozent): Tijen Onaran („Digitale Pionierin“, Gründerin von Global Digital Women)

7. (6,8 Prozent): Richard Branson (Britischer Unternehmer)

8. (5,7 Prozent): Mark Zuckerberg (Meta Platforms früher Facebook)

9. (5,2 Prozent): Bernard Arnault (CEO von LVMH Moët Hennessy / Louis Vuitton)

10. (2,8 Prozent): Hanno Renner (Mitgründer und CEO von Personio)

Studie: Nachfolgerinnen in Familienunternehmen

Eine aktuelle Untersuchung zeigt die großen Chancen und wichtigsten Herausforderungen von bzw. für Nachfolgerinnen in Familienunternehmen auf.

Die Untersuchung hat der Verband deutscher Unternehmerinnen gemeinsam mit der Friedrich-Naumann-Stiftung eine Untersuchung zu Nachfolgerinnen in Familienunternehmen beauftragt, die das Institut für Familienunternehmen und Management der WHU - Otto Beisheim School of Management durchgeführt.

Das Potenzial von Frauen als Nachfolgerinnen

Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und ihr langfristiger Erfolg hängt stark von einer effektiven Nachfolgeplanung ab. Das Potenzial von Frauen als Nachfolgerinnen in Verantwortung von Familienunternehmen ist bei weiten nicht ausgeschöpft. Schon heute spielen Nachfolgerinnen eine immer wichtigere Rolle bei der Sicherung des Fortbestands von Familienunternehmen als Stabilitätsanker der Wohlstandssicherung Deutschlands. Mit den richtigen Rahmenbedingungen kann es gelingen, das Potenzial von Nachfolgerinnen weiter zu aktivieren.

Mit den Fokusthemen Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen und ländlicher Standort schließt die Studie eine wissenschaftliche Lücke und bietet ein umfassendes Verständnis darüber, mit welchen Herausforderungen sie in diesen Bereichen konfrontiert werden. Anhand dessen werden konkrete politische Empfehlungen abgeleitet.

Kinderbetreuung

Mit einer betrieblichen Kinderbetreuung wird der begrenzten Verfügbarkeit von Betreuungsmöglichkeiten entgegengewirkt und weiteren Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert. Politik kann hier Anreize schaffen und für eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren bei der betrieblichen Kinderbetreuung sorgen.

Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum

Bürokratische Hürden in Unternehmen binden zeitliche Kapazitäten und erschweren damit die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen. Gezielte Entbürokratisierungsmaßnahmen für mittelständische Unternehmen können hier Abhilfe schaffen und Nachfolgerinnen entlasten.

Ländlicher Raum

Der ländliche Raum bietet Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten für das familiäre Zusammenleben, dabei stellt die infrastrukturelle Anbindung eine zentrale Herausforderung dar. Eine Einführung und Förderung von „Kindertaxis“ wird als vielversprechende Maßnahme beschrieben, um Nachfolgerinnen zeitlich und mental zu entlasten.

Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen: „Dem deutschen Mittelstand fehlt es an Nachfolgerinnen. Das muss nicht sein: Wenn es gelingt, pragmatische und vor allem ganztagsflächendeckende Kinderbetreuung zu gewährleisten und überbordende Bürokratie abzubauen, wird Frauen der Weg ins Unternehmertum erleichtert und Nachfolge als Karriereoption attraktiv – damit wäre potenziellen Unternehmerinnen und nicht zuletzt dem Mittelstand geholfen!“

Maren Jasper-Winter, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: „Frauen können Unternehmensführung! Sie können einen entscheidenden Beitrag zur Entschärfung des Nachfolgeproblems leisten – ohne ihr Potenzial wird es in den nächsten Jahren schwierig. Damit sich mehr potentielle Nachfolgerinnen für die Übernahme von Verantwortung entscheiden, müssen wir sie aber besser unterstützen. Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten müssen beispielsweise weiter ausgebaut und qualitativ verbessert werden.“

Die Studie gibt es hier zum Download

Chatbot-Pionier Kauz schließt 2,3 Mio. Euro Finanzierungsrunde ab

Das 2016 von Dr. Thomas Rüdel gegründete Chatbot-Unternehmen Kauz GmbH erhält für den weiteren Ausbau seiner generativen KI-Plattform 2,3 Mio. Euro vom Investorennetzwerk Companisto.

Kauz kombiniert führende Large Language Modelle mit der selbst entwickelten NLU-Technologie und ermöglicht damit einen kontrollierbaren KI-Einsatz in Unternehmen.

2.3 Millionen über den Angel Club und Privatinvestoren

Kauz ging bereits im März 2023 als erster Chatbot-Anbieter im DACH-Raum mit einer ChatGPT-Integration auf den Markt. Parallel dazu wurde der Ausbau zu einer Self-Service Plattform für KI-Assistenten forciert, die durch zusätzliche finanzielle Mittel beschleunigt werden soll. Dabei wurde ganz bewusst auf das Privatinvestorennetzwerk von Companisto gesetzt, um den bisher erfolgreichen Expertenansatz in der Technologieentwicklung auch in den kommenden Jahren unabhängig fortsetzen zu können. Innerhalb weniger Wochen wurden über den Angel Club, Bestandsinvestoren einschließlich einer Wandelanleihe des Gründers sowie über Mikroinvestments von Privatinvestoren 2,3 Millionen Euro zugesagt. “Die rasche und unkomplizierte Durchführung der Finanzierungsrunde bestätigt das bereits jetzt greifbare Potenzial unseres Technologie- und Marktansatzes”, zeigt sich der Gründer und CEO von Kauz Dr. Thomas Rüdel erfreut.

Kauz aiStudio: Self-Service Plattform für KI-Assistenten

Die Finanzierung wird in den weiteren Ausbau des Kauz aiStudios investiert, das Unternehmen jeder Größe den Einsatz von Website-Chatbots und KI-Assistenten für interne Bedarfe ermöglicht. Die Mission von Kauz besteht in der Sicherstellung der Kontrollierbarkeit von KI-Lösungen. Diesem Ziel dient auch die Einführung sogenannter “privater Modelle”, mit denen Kauz den Trend zu Open- Source-Modellen, die kundenindividuell anpassbar und bei Bedarf auch on-premise einsetzbar sind, unterstützt.

“Historisch sind wir mit 180 Chatbot-Anwendungen überwiegend im Mittelstands-Segment angesiedelt. Durch die Nutzbarkeit von generativer KI können wir mit dem Kauz aiStudio unsere Lösung nun noch besser skalieren und damit auch die Digitalisierung im Mittelstand beschleunigen und sogar neue Kundensegmente wie zum Beispiel Handwerksbetriebe erschließen", bestätigt Dr. Rüdel weiters eine neue Marktfacette.

Gründer*in der Woche: Frontnow - KI aus und mit Leidenschaft

Unsere Gründer*in der Woche: Warum KI gerade auch für junge Unternehmen relevant ist, sei es als Tool zur internen Nutzung oder als innovatives Start-up-Produkt, erläutert Marc Funk, Co-Founder von Frontnow.

Nicht nur Großunternehmen profitieren von KI, sondern auch Start-ups und junge Unternehmen. Wir als junges Unternehmen nutzen KI beispielsweise, um die Effizienz unserer IT-Abteilung zu optimieren. Somit sind wir als Start-up trotz unserer begrenzten Ressourcen auf Augenhöhe mit den Großen der Branche. Während Softwarecodes früher nur von hochqualifizierten Mitarbeitenden mit hohen Gehältern geschrieben werden konnten, übernimmt das bei uns heute zumindest teilweise eine KI.

In der Interaktion mit den Verbrauchenden entfaltet KI aber ihr wirkliches Potenzial. Egal ob im After-Sales, also im Customer Service, oder im Bereich Pre-Sales – es gilt: KI revolutioniert den Handel, und zwar schon heute.

Die Idee zur unserem Start-up Frontnow entsprang der Erkenntnis, dass die kompetente, maßgeschneiderte und bedürfnisorientierte Beratung, die Kund*innen im stationären Handel (im Idealfall) genießen können, im Online-Handel oft fehlt. Um die Ansprüche der Online-Kund*innen zu erfüllen und sie zum passenden Produkt zu führen, sind qualitativ hochwertiger Content auf der Website und eine individuelle Beratung entscheidend.

KI ist der Schlüssel

Wir, die Gründer Bernhard Lihotzky, Cedric May und ich, wollten diese Lücke schließen und dabei noch einen Schritt weitergehen. Unsere Vision war es, eine Beratung anzubieten, die nicht nur fehlerfrei und individuell, sondern auch rund um die Uhr verfügbar und unabhängig von Ort, Zeit und Sprache ist.

Wir wussten, dass KI der Schlüssel zur Verwirklichung dieser Vision ist. Unser Ziel war und ist es, den/die Kund*in in den Mittelpunkt zu stellen und ihm/ihr eine nahtlose Beratung zu bieten, die zu sinnvollen, schnellen und erfolgreichen Kauf­entscheidungen führt.

Auch wenn wir auf Enterprise-Only-Kund*innen fokussieren, können unsere KI-basierten Lösungen auch kleinere Shops befähigen, den Verbrauchenden ein bedürfnisorientiertes Einkaufserlebnis zu bieten, 24/7 und ohne zusätzliches Personal.

So wollen wir dazu beitragen, dass die Customer Experience auch bei Start-ups technologisch den modernsten Standards entspricht und Kund*innen von Beginn an optimal bedient und beraten werden, während gleichzeitig Ressourcen und Manpower gespart werden, die beispielsweise in die Weiterentwicklung anderer Bereiche des Unternehmens investiert werden können.

Wie KI den E-Commerce revolutioniert

Unser Frontnow Advisor ist ein KI-gesteuerter virtueller Assistent, der die Kund*innenerfahrung und -bindung auf den Websites digitaler Unternehmen auf ein neues Niveau hebt. Diese Technologie nutzt natürliche Sprachverarbeitung und Machine Learning, um Anfragen zu verstehen sowie personalisierte Empfehlungen abzugeben, und ermöglicht es, Informationsüberflutung auf komplexen Websites zu reduzieren und ein intuitives Einkaufserlebnis zu bieten. Durch kontinuierliches Lernen aus den Benutzer*inneninteraktionen wird das Produkt stetig optimiert. KI-gesteuerte virtuelle Assistenten sind ein mächtiges Werkzeug für Unternehmen mit großer Online-­Präsenz – unser Produkt ist ein Vorreiter dieser Technologie.

Derzeit fokussieren wir einzig auf den Bereich Pre-Sales im E-Commerce. Warum Pre-Sales? Weil der Handel dort das Geld verdient. Zudem ist Pre-Sales ein Bereich der Customer Journey, den seltsamerweise kaum jemand anderes adressiert. Die meisten KI-Anwendungen im Online-Handel richten sich auf den Bereich CRM oder Customer Service, also After­Sales.

Pre-Sales ist nicht ganz einfach, weil die Verbrauchenden ihre Bedürfnisse äußern, die so vielfältig sind, wie sie selbst. Traditionell gehen Kund*innen in solchen Fällen in ein Ladengeschäft. Der Frontnow Advisor kann das ändern, weil er in der Lage ist, den/die Kund*in zu beraten, auch wenn diese(r) zwar sein/ihr Bedürfnis kennt, aber keine Lösung dafür hat. Mit anderen Worten: Das Tool kann mit Bedürfnissen genauso gut umgehen wie das Verkaufspersonal im Ladengeschäft.

Automatisierte Datenerfassung und KI-gestützte Datenanreicherung

Ein Großteil der Online-Shops hat bereits mit konkreten Suchanfragen Schwierigkeiten. Generische Produkte, wie z.B. ein üblicher Betondübel, sind oft über die Website-Suche per Eingabe in die Suchleiste oder Suchen in den Kategorien nicht auffindbar. Auch das ändert der Advisor und sorgt dafür, dass der/die Kund*in immer das passende Produkt zum Anliegen findet. Ganz nebenbei wird damit auch noch die Warenkorbgröße durch effektives Cross-Selling erhöht, weil zu dem eigentlich gesuchten Produkt auch noch die logischen Komplementärprodukte mit angeboten werden. Um beim Beispiel zu bleiben: Den Kund*innen werden zum Betondübel auch noch die passenden Bolzen bzw. Schrauben angeboten.

Mit unserem zweiten Produkt, Frontnow Enhance, bieten wir zukunftsorientierte KI-Technologie, die nicht nur vorhandene Daten des Shops optimiert, sondern auch neue Daten generiert, um ein umfassendes Bild der Produkte zu erstellen. Unsere Lösung nutzt intelligente Web-Crawler, um automatisch Produktinformationen von Herstellerwebsites, Bedienungsanleitungen und Produktdatenblättern zu sammeln. Zudem sind wir damit in der Lage, Produkteigenschaften auch aus Bildern bzw. Videos zu extrahieren. Das Tool sieht also am Bild eines Fahrrads, dass dieses die Farbe Gelb hat, auch wenn das Wort Gelb nirgends steht. Durch die Kombination dieser externen Quellen mit internen Daten stellen wir sicher, dass Produktdaten stets aktuell, präzise und vollständig sind.

Diese Kombination aus automatisierter Datenerfassung und KI-gestützter Datenanreicherung ermöglicht es Unternehmen, einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen und die Kund*innenzufriedenheit zu steigern.

Teamvielfalt und Lust aufs Mitgestalten unserer KI-Zukunft

Als Gründer und Unternehmer bin ich stolz darauf, mit meinem Team einen Beitrag zur KI-Revolution im E-Commerce zu leisten. Die Basis hierfür: Teamvielfalt im Gründerteam. Bernhard, Cedric und ich sind extrem unterschiedlich, sodass jeder von uns etwas Wertvolles mitbringt, was für den Aufbau eines Tech-Start-ups elementar ist. Cedric, unser CTO, ist ein technisches Genie, dabei extrem empathisch und eher der emotionale Typ. Bernhard ist ein Perfektionist, hat als solcher bereits mehrere Firmen erfolgreich aufgebaut und verkauft. Ich selbst bin der „konzeptionelle Vorprescher“ im Team und habe mein letztes Venture auf über 100 Mio. Euro skaliert. Wir ergänzen uns hervorragend, aber vor allem schätzen wir die Qualitäten und Eigenschaften der anderen im Gründerteam. Unsere additiven Eigenschaften und unser gegenseitiger Respekt sind die Basis unseres gemeinsamen Erfolgs.

Genauso entscheidend ist: Wir glauben an die transforma­tive Kraft der Technologie und die Bedeutung einer kund*innenzentrierten Herangehensweise. Für uns geht es darum, echte Lösungen für echte Probleme zu schaffen. In unserem Start-up haben wir das Privileg, jeden Tag mit leidenschaft­lichen Menschen zusammenzuarbeiten. Gemeinsam sind wir nicht nur Zeugen der KI-Revolution im E-Commerce, sondern aktive Mitgestaltende dieser spannenden Zukunft.

Planet A Foods: 15,4 Mio. Dollar-Investment für die weltweit erste kakaofreie Schokolade

Das Münchner B2B-FoodTech-Start-up wurde 2021 von den Zwillingen Dr. Sara und Dr. Max Marquart gegründet und investiert das Geld die internationale Expansion seiner kakaofreien Schokolade ChoViva.

Planet A Foods, ein Start-up für nachhaltige Lebensmittel-Zutaten, hat in einer neuen Series-A-Finanzierungsrunde 15,4 Millionen US-Dollar frisches Kapital eingesammelt. Das B2B-Food-Start-up will das Geld dazu nutzen, die Produktion der Kakaoalternative ChoViva zu skalieren, die Kosten zu senken und in weitere Märkte zu expandieren. Die Finanzierungsrunde wurde bereits 2023 abgeschlossen.

„In Zukunft wird Schokolade teurer werden als Kaviar, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Wir arbeiten jeden Tag daran, mit ChoViva Teil der Lösung zu sein. Mit dem Produkt bauen wir eine Alternative zu Schokolade auf und entlasten so die Kakaolieferkette“, sagt Mitgründer und CEO Dr. Max Marquart. Die Series-A-Finanzierungsrunde wird vom Climate-Tech-Wagniskapitalgeber World Fund mit Sitz in Berlin angeführt. Omnes Capital, Cherry Ventures, Mudcake, Nucleus Capital und TriplePoint Capital sowie weitere beteiligten sich ebenfalls.

„Dass diese Series-A-Finanzierungsrunde trotz eines allgemeinen Rückgangs der Investitionen in der Lebensmittelbranche überzeichnet war, steht für den Erfolg von Planet A Foods”, sagt Daria Saharova, Managing Partner des World Funds.

Müslimarke Kölln setzt bereits auf ChoViva

Planet A Foods ist mittlerweile unter anaderem bei REWE in einer Reihe namhafter Produkte zu finden, darunter von Müslihersteller Peter Kölln und Kekshersteller Griesson - de Beukelaer. Lufthansa bietet den Business-Class-Gästen die ChoViva-Tafeln an. Das Startup hat darüber hinaus kürzlich ein Produkt zusammen mit der Schokoladenmarke Lindt eingeführt. „Innerhalb von drei Jahren hat Planet A Foods aus einem Proof-of-Concept ein industrietaugliches Produkt gemacht, das heute in den Regalen steht, und Partnerschaften

mit großen globalen Lebensmittelunternehmen geschlossen“, so World-Fund-Partnerin Saharova.

Das Team von Planet A Foods hat bereits einen Teil der Finanzierung für den Ausbau der Produktion in seinem Werk in Pilsen (Tschechien) verwendet. Inzwischen kann das Unternehmen 750 Kilogramm ChoViva pro Stunde in einer hocheffizienten Produktionsumgebung herstellen. Der Prozess ist nach IFS zertifiziert, einem international anerkannten Standard für Lebensmittelsicherheit.

Planet A Foods hat eine Reihe von Produkteinführungen für 2024 geplant, und die Gründer*innen planen die Besetzung wichtiger neuer Positionen in ihrem über 40-köpfigen Team in Deutschland. Die gesammelten Mittel werden außerdem für die weitere Optimierung der Technologieplattformund für die Markteinführung in Großbritannien in diesem Jahr verwendet. Die Geschwister befinden sich darüber hinaus in Gesprächen mit strategischen Vertriebspartnern in anderen europäischen Märkten, Asien und in den USA. „Die Series A hat die Weiterentwicklung unserer Technologieplattform beschleunigt und ermöglicht uns, hochkarätige Expert*innen in den Bereichen Lipide, Schokolade und Synbio einzustellen,“ sagt Dr. Sara Marquart.

ChoViva: umweltfreundliche Kakaoalternative

Im Fermentationsprozess des Unternehmens werden lokal bezogene Zutaten – darunter Hafer und Sonnenblumenkerne – mithilfe firmeneigener Technologien in ChoViva verwandelt: ein Produkt mit zartschmelzender Textur und Schokoladengeschmack. „Mithilfe der Finanzierung haben wir nicht nur unser Produktportfolio erweitert, sondern auch Geschmack und Textur verbessert und unsere führende Position im Bereich alternativer Kakao- und Schokoladenprodukte gefestigt“, sagt Dr. Sara Marquart, CTO und Mitgründerin von Planet A Foods. ChoViva kann in Kombination mit herkömmlicher Schokolade oder als vollwertiger Ersatz verwendet werden. Es enthält bis zu 30 Prozent weniger Zucker und hat dank lokaler Zutaten und kurzer Lieferketten einen deutlich geringen CO2-Fußabdruck.

Das Unternehmen geht von einem riesigen Markt für das umweltfreundliche Produkt aus, da im Vergleich zu Kakao auch die Kosten attraktiv sind. Die Schokoladenpreise haben angesichts der Ernteausfälle infolge der Klimakrise derzeit ein 45-Jahres-Hoch erreicht.

Marktforscher erwarten, dass die aktuell 254 Milliarden US-Dollar schwere Schokoladenindustrie zwischen 2024 und 2028 jährlich um mehr als 5,6 Prozent wachsen wird.

Am Anfang stand ein Thermomix

Max Marquart, studierter Materialwissenschaftler und zweifacher Start-up-Gründer, wurde zur Idee für das Unternehmen inspiriert, nachdem er ein Buch von Rob Dunn mit dem Titel „Never out of Season“ gelesen hatte, in dem die zunehmend gefährdete Situation der globalen Monokultur-Lebensmittelproduktion beschrieben wird. „Mein Gedanke: Wollen wir wirklich eine Welt ohne Schokolade?'”, sagt er. Die Schwester des Unternehmers, Sara Marquart, ist Lebensmittelchemikerin und Expertin für Biotechnologie mit Spezialisierung auf Aromaherstellung. Sie arbeitete zuvor als Leiterin der Abteilung für Aromen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und verfügte daher über die Expertise, um ein kakaofreies Produkt zu entwickeln, das wie Schokolade schmeckt.

„Nach Hunderten von Versuchen hatten wir unseren ersten essbaren Prototyp. Als wir dann bei Y Combinator angenommen wurden, ging es Schlag auf Schlag“, sagt Sara. „Danach wurden wir als die Chocolate Siblings bekannt und unsere Produkte wurden inzwischen auf der ganzen Welt verkostet, von Mexiko bis nach Japan.“

Rabot Charge: Öko-Strom-Start-up sammelt 17,5 Mio. Euro in Series A Runde ein

Rabot Charge ist ein 2021 in Hamburg gegründeter digitaler Öko-Stromversorger, der seine Kund*innen dank flexibler Stromtarife von Marktpreisschwankungen profitieren lässt.

Die Finanzierung soll das Wachstum des 2021 von Jan Rabe und Maximilian Both gegründeten Hamburger Unternehmens Rabot Charge beschleunigen, die Entwicklung von KI-basierten Algorithmen für den Stromeinkauf an kurzfristigen Märkten vorantreiben und weitere Produktinnovationen ermöglichen.

Angeführt wird die Runde von einem der führenden Wachstumsinvestor in Europa, HV Capital. Beteiligt haben sich zudem All Iron und 9900 Capital sowie bestehende Investoren, wie yabeo Impact, HTGF und vent.io, die damit ihr Vertrauen in das Team von Rabot Charge bekräftigen. Seit der Gründung im Jahr 2021 hat Rabot Charge insgesamt 25 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

Rabot Charge bietet deutschlandweit dynamische Stromtarife für Haushalte an – und das auch ohne die Notwendigkeit eines Smart Meters. Kund*innen profitieren nicht nur von günstigen Strompreisen, sondern können auch den Energieverbrauch mit einer intelligenten App optimieren. Mit der KI-basierten Lösung für Stromnutzung und Einkauf treibt Rabot Charge die Digitalisierung im Energiesektor wesentlich voran. Zudem bietet das Unternehmen White-Label-Lösungen für Energieversorger, Smart-Asset-Anbieter, Installationsbetriebe und andere Unternehmen mit Endkundenzugang. Sie können auf die bestehende Software und Infrastruktur zugreifen, um ihren Kunden dynamische Stromtarife unter eigenem Label anzubieten. Aktuell beschäftigt Rabot Charge rund 60 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Hamburg und München.

Jan Rabe, CEO von Rabot Charge: „Dynamische Stromtarife haben sich in Ländern wie Schweden oder Norwegen bereits durchgesetzt. Deutschland belegt im europäischen Vergleich die hinteren Plätze. Im Rahmen der Energiewende sind solche Tarife unverzichtbar. Sie ermöglichen, den Stromverbrauch nach preislichen und ökologischen Aspekten zu steuern. Mit Rabot Charge wollen wir die Probleme im Strommarkt lösen und unsere Vision von fairen Strompreisen und smarter Energienutzung vorantreiben.“

Innerhalb eines Jahres hat Rabot Charge nach eigenen Angaben über 35.000 Kund*innen in ganz Deutschland gewonnen. Besonders profitieren Haushalte mit Elektroautos und Wärmepumpen. Diese können auch auf Rabot Charge-App zurückgreifen. Die App informiert Nutzer*innen, wann Strom am günstigsten ist, und hilft ihnen, den Verbrauch entsprechend zu planen. Wer die App mit seinem Elektrofahrzeug koppelt, kann Ladevorgänge automatisiert starten. Einen Teil des eingesammelten Kapitals wird Rabot Charge nutzen, um eben dieses Prinzip für weitere große Energieverbraucher*innen im Haushalt und Industrie auszubauen.

Dank seines KI-basierten Algorithmus kauft Rabot Charge Strom zu günstigen Preisen auf kurzfristigen Märkten ein, darunter der Day-Ahead- und Intraday-Markt. Die auf diese Weise erzielten Einsparungen gibt das Unternehmen an seine Kund*innen weiter. Mit dieser innovativen Methode können Verbraucher*innwn ihre Stromrechnungen um mehrere hundert Euro im Jahr reduzieren und gleichzeitig ihren Grünstromanteil erhöhen.

David Kuczek, General Partner HV Capital: „Rabot Charge ist ein wichtiger Akteur in der Energiewende. Das Team hilft Verbrauchern dabei, leichter auf erneuerbare Energien ohne zusätzliche Kosten umzusteigen. Das Modell setzt auf das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen und hilft Haushalten viel Geld zu sparen – allein in Deutschland könnten die 40 Millionen Haushalte ihre Stromausgaben um mehrere Milliarden Euro reduzieren."

encentive: KI-Start-up sichert sich 2,7 Mio. Euro Seed-Finanzierung

Das 2020 von Torge Lahrsen und Daniel Ehnes gegründete Start-up will mit eigener KI-Technologie den Energieverbrauch von Industrieunternehmen grüner und günstiger machen.

Encentive, ein aus Schleswig-Holstein stammendes Start-up im Bereich der KI-basierten Energieoptimierung für die Industrie, hat in seiner aktuellen Seed-Investitionsrunde erfolgreich Mittel in Höhe von insgesamt 2,7 Millionen Euro eingeworben. Angeführt wurde die Runde von Summiteer, der Beteiligungsgesellschaft des Serienunternehmers und E-Mobilitäts-Pioniers Sven Schulz, die unter anderem bereits in Enpal oder neoom investierte. Zu den weiteren Investoren zählen Vireo Ventures, Smart Infrastructure Ventures, Interface Capital (die Beteiligungsgesellschaft von Blinkist-Gründer Niklas Jansen und Wunderlist-Gründer Christian Reber) und OMA Ventures (die Beteiligungsgesellschaft der Proglove-Gründer). Zusätzliche Unterstützung erhält encentive von namhaften Business Angels wie den Enerparc Gründern um Stefan Müller, Profi-Fußballer und Investor Mario Götze sowie den Bestandsinvestoren.

Intelligente Steuerung und Flexibilisierung von Energieverbräuchen

Seit seiner Gründung Ende 2020 legt encentive den Fokus auf die intelligente Steuerung und Flexibilisierung von Energieverbräuchen in die grünen und günstigen Stunden. Kern der Technologie des Unternehmens ist die KI-basierte Softwareplattform flexOn, welche in die bestehende Infrastruktur der Industriekund*innen integriert wird und als zentrales Betriebssystem für intelligentes und automatisiertes Energiemanagement dient. FlexOn ermöglicht nach eignen Angaben des Unternehmens durch KI-gesteuerte Analyse und Automatisierung im Feld bereits Einsparungen um die 20% und eine signifikante, messbare CO2-Reduktion.

Encentive konnte den Einsatz seiner Lösung bereits erfolgreich in der Lebensmittelindustrie sowie Kühllogistik unter Beweis stellen. Zu den Kund*innen zählen große Unternehmensgruppen wie die Wernsing Food Family und Ornua oder namhafte Logistiker, die mit encentive u.a. ihre Kühlhäuser als dynamische Energiespeicher betreiben und so ihren Energieverbrauch in Abhängigkeit von eigener Energieerzeugung sowie Verfügbarkeit am Markt optimieren. Durch die fortschreitende Elektrifizierung in der Industrie, insbesondere in den Bereichen Wärme und Mobilität, sollen die Kund*innen in Zukunft noch stärker von der leistungsfähigen Technologie profitieren können.

Softwareplattform ausrollen, Angebote und Team erweitern

Begonnen hat das Unternehmen mit der Optimierung industrieller Kälte- und Wärmeprozesse. Mittlerweile wurde das Angebot um weitere steuerbare Systeme und Industrieprozesse erweitert. Mit dem neuen Kapital plant encentive, seine Softwareplattform weiter auszurollen und mehr Kund*innengruppen zu erreichen sowie die Schnittstellen in das Energiesystem auszubauen.

Torge Lahrsen, Mitgründer und Geschäftsführer, betont die Notwendigkeit der Abstimmung von Energieflüssen auf erneuerbare Energien vor dem Hintergrund der Dekarbonisierung der Industrie. „Unsere Vision ist die vollständige Dekarbonisierung der Industrie. Wir liefern unseren Industriekunden dafür eine ganzheitliche Lösung, welche alle relevanten Energieflüsse bidirektional auf die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie lokal am eigenen Standort und in den Märkten abstimmt. Wir definieren so eine neue Art für die Industrie, um Energie transparent, planbar und unabhängig zu verbrauchen."

Europäischer Datenschutztag 2024 - so what?

Europäischer Datenschutztag: Privatsphäre liegt (leider) immer noch in der Hand der User*innen – eine Einschätzung dazu samt wertvollen Datenschutz-Tipps vom frz. Unternehmer und Open-Source-Softwareentwickler Gaël Duval.

Es ist mal wieder soweit: Am 28. Januar 2024 feiert die EU den auf eine Initiative des Europarates zurückgehenden Europäischen Datenschutztag – und Hand aufs Herz: Würdest du davon wissen, wenn du nicht zufällig diesen Artikel geöffnet hättest? Nein? Keine Sorge, damit bist du nicht alleine. Datenschutz ist ein bisschen wie gesundheitliche Prävention: “unsexy” und erst dann relevant, wenn es plötzlich ein Problem gibt.

Es ist dann doch meistens der Gesetzgeber, der dafür sorgt, dass das Thema auf die Agenda rückt und zu echten Veränderungen führt. Regulatorische Meilensteine wie 2020 die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) oder zuletzt der AI Act demonstrieren, dass es durchaus einen Unterschied macht, in welchem Rechtsraum man lebt und arbeitet. Viele Jahre als Bremser von Innovation gesehen, sprechen auch unabhängige Beobachter mittlerweile mit Respekt vom europäischen “dritten Weg” zwischen Silicon-Valley-Sorglosigkeit und chinesischen Datenautoritarismus. Datenschutz ist mittlerweile kein Nachteil mehr im globalen Wettbewerb.

Reformen wie die DSGVO haben zweifellos Fortschritte im Datenschutz bewirkt. Dennoch reichen gesetzliche Vorschriften allein nicht aus, um die umfassende Sicherheit unserer persönlichen Informationen zu gewährleisten. Unternehmen verfügen nach wie vor über vielfältige Möglichkeiten, Daten in großem Umfang zu sammeln – teilweise unterstützt durch fehlende Awareness auf Verbraucher*innenseite.

Datensammlung als lukratives Geschäft

Konzerne nutzen weiterhin geschickt Gesetzeslücken und unklare Formulierungen, um private Informationen zu sammeln und zu vermarkten und sorgen nur für mehr Verbraucherschutz, wenn es sich juristisch nicht mehr vermeiden lässt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Agieren von Microsoft bei der Speicherung von Metadaten jenseits des Atlantiks. Zugeständnisse bei der Wahl des Serverstandortes erfolgen höchstens schrittweise und bis heute gibt es genaugenommen keinen hundertprozentig einwandfreien Weg, Microsofts Cloud-Dienste datenschutzkonform zu nutzen, wie die Datenschutzkonferenz (DSK) zuletzt im Herbst 2022 feststellte. Darüber hinaus ist auch ganz grundsätzlich damit zu rechnen, dass beim transatlantischen Datenaustausch auch mit dem Data Privacy Framework noch nicht das letzte Wort gesprochen ist – Stichwort Schrems 3. Nach wie vor dominieren also Unsicherheit und Verwirrung in der Privacy-Debatte.

Die Verbraucher*innen sind sich auch heute oft nicht bewusst, wie umfangreich ihre Daten genutzt werden und welchen Wert diese Daten für Unternehmen darstellen. Der Datenschutztag soll genau daran erinnern: Wir dürfen uns als User*innen nicht allein auf gesetzliche Regelungen verlassen, sondern müssen selbst aktiv werden.

Die unsichtbaren Dimensionen des Smartphone-Datenschutzes

Unsere Smartphones, tägliche Begleiter in unserem Leben, bergen das wohl größte Risiko für unsere Privatsphäre. Neben offensichtlichen Anwendungen gibt es subtile Mechanismen, die von Dritten genutzt werden, um persönliche Daten abzusaugen. Es ist schon auch ein bisschen paradox, dass User*innen, die am PC völlig selbstverständlich auf Tracker achten und einen Adblocker installiert haben, sich am Smartphone oft genug auf die Default-Einstellungen verlassen. Dadurch entstehen vor allem am Handy Risiken, die von In-App-Tracking bis zur Auswertung von IP-Adressen und genauen Standortinformationen reichen.

Die folgenden Punkte fassen die wichtigsten Stellschrauben zusammen, um sich gegen Überwachung am Handy zu wehren:

1. Verhinderung von In-App-Tracking

In-App-Tracking meint die unerkannte Überwachung unserer Aktivitäten durch Drittanbieter-Apps. Diese versteckte Datensammlung erstreckt sich über verschiedene Anwendungen und erstellt ein umfassendes Profil unserer digitalen Gewohnheiten. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen kann dies Schritt für Schritt zu einem Verlust unserer Privatsphäre führen, indem persönliche Vorlieben, Interessen und Gewohnheiten ohne Zustimmung offenbart werden.

Lösung: Um dieser Problematik zu begegnen, müssen Verbraucher*innen proaktiv Datenschutzoptionen in den Einstellungen von Apps nutzen. Das ist trotz gewisser Zugeständnisse der Smartphone-Hersteller aber noch immer eine komplizierte Angelegenheit. Die genauen Schritte beschreibt zum Beispiel die Verbraucherzentrale auf dieser Website. Zusätzlich können spezialisierte Anti-Tracking-Apps installiert werden, die alle installierten Apps untersuchen und an zentraler Stelle aufschlüsseln, welche Daten erhoben werden. Auch "Do Not Track"-Optionen in den Browsern sollten aktiviert werden. Ein gutes Beispiel ist die im Open-Source-Betriebssystem /e/OS vorinstallierte App “Advanced Privacy”, die einen vollumfänglichen Überblick über alle Datenschutzrisiken auf dem Handy bietet, inklusive zahlreicher Optionen, diese Risiken zu unterbinden.

2. Verstecken der IP-Adresse

Unsere IP-Adresse dient als digitaler Fingerabdruck, der von verschiedenen Plattformen zur Identifikation und Verfolgung verwendet wird. Ohne angemessene Schutzmaßnahmen können wir in ein Netzwerk von Datensammlung und -analyse verstrickt werden, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Privatsphäre führen kann.

Lösung: Die Nutzung von Virtual Private Networks (VPNs) bietet eine wirksame Lösung, indem sie die IP-Adresse verschleiern. Im eigenen WLAN können der Einsatz von Proxy-Servern und das regelmäßige Zurücksetzen der IP-Adresse durch Neustart des Routers dazu beitragen, die digitale Identität zu schützen.

3. Verschleierung des Standortes

Die genaue Kenntnis unseres Standortes durch Apps kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Privatsphäre haben. Der ständige Zugriff auf Standortinformationen kann nicht nur zu gezielten Werbekampagnen führen, sondern auch Sicherheitsrisiken mit sich bringen.

Lösung: Um dem entgegenzuwirken, sollten Verbraucher*innen Standortdienste für nicht unbedingt erforderliche Apps deaktivieren. Der Einsatz von Standortverschleierungs-Apps und die regelmäßige Überprüfung sowie Anpassung der App-Berechtigungen sind entscheidend.

4. Hintergrundaktivitäten kontrollieren

Hintergrundaktivitäten von Apps führen zu unbemerkten Datenlecks, deren Auswirkungen oft erst im Nachhinein sichtbar werden. Diese unbewusste Preisgabe persönlicher Daten kann von gezielten Werbekampagnen bis zu ernsthaften Sicherheitsrisiken reichen. Das Monitoring, die Steuerung und vor allem die Begrenzung dieser Hintergrundaktivität ist aber mitunter eine heikle Angelegenheit. Bei vielen Apps, zum Beispiel bei E-Mail-Anwendungen, ist diese Aktivität nämlich explizit gewünscht und Voraussetzung dafür, dass das Handy als wirklich smartes Smartphone funktioniert.

Lösung: Verbraucher*innen können einer exzessiven Absaugung ihrer Daten vorbeugen, wenn sie regelmäßig die App-Berechtigungen aller Apps überprüfen und anpassen. Dabei sollte eine Unterbindung der Nutzung von Hintergrunddaten nur vorgenommen werden, wenn sie für das Funktionieren der App nicht relevant sind. Bei vielen Apps beantwortet sich die Frage relativ schnell. Eine Video-Streaming-App wie Netflix braucht beispielsweise keine Hintergrunddaten. Hintergrunddaten können unter Einstellungen -> Apps & Benachrichtigungen -> App auswählen -> Mobile Daten und WLAN durch Entfernung des Hakens bei der Option “Hintergrunddaten” deaktiviert werden. Die Apps übermitteln und empfangen dann nur noch Daten, wenn sie aktiv geöffnet sind.

Fazit: Besser selbst drum kümmern

Effektiver Schutz erfordert nicht nur Vertrauen in Gesetze, sondern auch aktives Handeln seitens der Verbraucher*innen – denn die Sicherheit eigener Daten wird nicht allein durch  technologische Maßnahmen gewährleistet. Sich hinsichtlich Datenschutz zu informieren und zu sensibilisieren gehört ebenso dazu wie das regelmäßige Überprüfen der Einstellungen auf eigenen Geräten.

Zwar ist es wichtig und richtig, vom Gesetzgeber klare und schärfere Regularien zu erwarten – letztlich liegt es jedoch in der Verantwortung eines jeden/jeder Verbraucher*in, aktiv Datenschutzrichtlinien einzuhalten, sich selbst kontinuierlich weiterzubilden und Technologie bewusst einzusetzen. So gelingt auch die kollektive Bewusstseinsbildung für die Bedeutung von Privatsphäre in der digitalen Ära – nicht nur an ausgewählten Gedenktagen, sondern immer.

Über den Autor: Gaël Duval entwickelt seit über zwei Jahrzehnten frei verfügbare Open-Source-Software. Mit seiner 2018 gegründeten e Foundation und dem Betriebssystem /e/OS bietet er User*innen eine datenschutzfreundliche Alternative zu Android.

Modelyzr: Mio.-Investment für KI-Start-up aus Münster

Mit der erfolgreichen Finanzierungsrunde (siebenstelliges Investment) hat sich das KI-Start-up mit seiner Cloudlösung für KI-basierte Marktanalytik auf dem schwierigen Finanzierungsmarkt behauptet und die Weichen für weiteres Wachstum gestellt.

„Für uns als Start-up sind Finanzierungsrunden von großer Bedeutung, wenn es darum geht, uns als Unternehmen weiterzuentwickeln“, sagt Nils Niehörster, Gründer und Geschäftsführer der Modelyzr GmbH. Das siebenstellige Investment sei demnach ein weiterer wichtiger Schritt. „Es ist für uns Ansporn und Bestätigung zugleich, neben unseren Kundinnen und Kunden sowie Partnern auch Investoren von unserem Geschäftsmodell und dessen Profitabilität überzeugt zu haben.“

MODELYZRs: spezialisiert auf Prozesse in B2B-Märkten

Die Funktionsweise des MODELYZRs ähnelt der des KI-Sprachmodells ChatGTP: Jeweils werden alle verfügbaren Daten herangezogen und analysiert, um auf dieser Basis aussagekräftige Antworten auf beliebige Fragen zu liefern. Anders als das OpenAI-Produkt ist die Lösung aus Münster jedoch nicht auf Sprache, sondern auf Prozesse in B2B-Märkten spezialisiert. So entsteht ein belastbares und ganzheitliches KI-Marktmodell, mit dessen Hilfe zum Beispiel Marktforschungen, Go-to-Market-Simulationen oder Next- sowie First-Best-Offer möglich werden.

Den Fußabdruck im SAP-Ökosystem vergrößern

„Mit den Mitteln, die uns aus der Finanzierungsrunde zur Verfügung stehen, werden wir das Recruitment mehrerer Spitzenkräfte vorantreiben, um mit deren Hilfe unser Wachstum weiter anzukurbeln“, so Nils Niehörster. So soll in den kommenden drei Geschäftsjahren ein Umsatzwachstum von jeweils über 70 Prozent realisiert werden. „Darüber hinaus besitzen wir nun die Ressourcen, um unseren Footprint im SAP-Ökosystem noch einmal deutlich zu vergrößern.“ Modelyzr ist SAP PartnerEdge-Build und der MODELYZR selbst sowohl im SAP Store als auch in der SAP Industry Cloud gelistet.

Gründer*in der Woche: VARYCON – die Media-Content-Automatisierer

Marketer und Markenmanager benötigen immer mehr Inhalte in unterschiedlichen Formaten, um an immer mehr Touchpoints Aufmerksamkeit zu erregen und die Bedürfnisse ihrer Kund*innen zu bedienen. Hier setzen die VARYCON-Gründer Christian Behrens, Dr. Dr. Bernd Braßel und Lars Reinartz mit ihrer B2B-Software an. Mehr dazu im Interview mit CEO Lars.

Wann und wie seid ihr auf die Idee zu VARYCON gekommen?

Die Idee kam aus unserer Arbeit als Agentur und vor ca. vier Jahren. Wir haben als Agentur viele Video-Adaptionsprojekte umgesetzt und direkt mitbekommen, wie aufwändig es auf Kundenseite ist. Bis ein Kunde die Basis für seinen Adaptionsauftrag zusammen hat, dauert es oftmals schon ein bis zwei Wochen, denn Daten liegen bei verschiedenen Agenturen, die alle ein Briefing benötigen, Kosten erstellen, die intern abgesegnet werden müssen, und dann startet erst die Arbeit der Agentur, die die Adaption macht. Mit Feedback-Runden und internen Abstimmen vergehen dann noch einmal bis zu zwei Wochen. Heißt, im Schnitt – und bei guten Bedingungen – muss ein Unternehmen für eine Video-Adaption mindestens zwei Wochen einplanen. Dafür wollten wir eine Lösung finden und haben VARYCON entwickelt.

Was waren dann die wichtigsten Schritte, um von einer Agentur zum B2B-Softwareanbieter zu werden?

Wir haben unsere Ressourcen ganz klar anders eingesetzt und das Team nicht nur neu formatiert, sondern auch neu aufgestellt. Wir hatten eine Vision und hatten das große Glück, dafür bereits Experten zu haben, um diese umzusetzen. Wir mussten sie dafür nicht einmal besonders pushen, denn alle waren begeistert und hatten Lust auf dieses Innovationsthema.

Wie habt ihr diese Transformation gemeistert – sowohl strategisch, operativ als auch finanziell?

Der Transformationsprozess ist und war nicht einfach, denn wir haben uns klar dazu entschieden, finanziell unabhängig zu sein und zu bleiben. Die Invests die wir für VARYCON getätigt haben, konnten wir bereits nach drei Jahren wieder einspielen, was uns nicht nur sehr stolz gemacht hat, sondern vor Allem auch darin bestärkt hat, dass unsere Vision und Idee die Unternehmen nicht nur beeindruckt, sondern sie auch mit VARYCON arbeiten wollen, um ihre Content Production Pipelines umzustellen und noch effizienter zu werden.

Um VARYCON weiter auszubauen und Research betreiben zu können, haben wir versucht, einige Mitarbeiter aus dem operativen Agentur-Geschäft etwas “herauszuziehen”, was natürlich nicht immer zu 100 Prozent möglich ist, da auch unsere Agentur noch weiter besteht und wir regelmäßig innovative Projekte umsetzen. Diese aber nun vermehrt mit VARYCON als Backend zur Erstellung von Content oder zur Steuerung des Contents am Touchpoint.

Und was genau bietet ihr seitdem mit VARYCON? Und wer ist eure Zielgruppe?

Wir bieten unseren Kunden ein Tool zum Setup von Inhouse Production Pipelines in Unternehmen. Direkter Ansprechpartner sind für uns CMOs, Content Specialists und Brand Manager, deren tägliche Aufgabe bzw. Herausforderung darin besteht, viel Content für verschiedene Zielgruppen und Kanäle in kürzester Zeit und am Besten “on demand” zu generieren und zu veröffentlichen, um ihre Zielgruppe(n) besser zu binden, ihr Vertrauen zu wahren und sie natürlich weiterhin als Kunden zu halten.

Mit VARYCON bauen wir zusammen mit den Kunden strategische Production Pipelines auf, die sich nach den Vorgaben, wie z.B. Legals, CI/CD, Hierarchien, etc. definieren und so die Möglichkeit bieten, Adaptationen, Internationalisierungen, Personalisierungen von Images, Bannern, Videos, 3D für Social Media, E-Commerce bis hin zu TV eigenständig umzusetzen.

Gerade für international agierende Brands ist das unheimlich wichtig, denn oftmals haben die kleineren Länder-Dependancen nicht das Budget, eigene länderspezifische Versionen erstellen zu lassen. Mit VARYCON können sie es in wenigen Minuten und ohne Abhängigkeit von externen Dienstleistern einfach selber machen.

Welche Rolle spielt KI aktuell bei euch?

Eine große! Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns bereits mit der Entwicklung von KI und den Anbietern von KI-Lösungen. Da wir eine offene Plattform bieten, können wir jede KI-Lösung anbinden – es sei denn, wir finden sie als nicht ausreichend zur Abbildung unserer Zwecke oder die Qualität für die Zwecke unserer Kunden nicht gut genug. Für manche Use Cases lassen wir mehrere KIs zusammenspielen, wenn es unseren Kunden hilft, noch effizienter zu werden und verstehen uns dabei wie eine Art Dirigent der einzelnen KIs in unserem Orchester. Wir setzen u.a. bereits auf viele Lösungen im Bereich Text-to-Speech (Voice Over Generierung in verschiedenen Sprachen), Speech-to-Text (für Übersetzungen bspw.) und Outpainting (Erweiterung von Images).

Letztlich zeugen eure Lösungen auch davon, dass das Marketing- und Content-Agentur-Business in Verbindung mit E-Commerce aufgrund der neuesten KI-Entwicklungen stark unter Druck gerät – was ist deine Einschätzung hierzu?

Die Kreativität und die Ideen, wie wir unsere Kunden oder Menschen allgemein ansprechen wollen, mit welchen Bildern, welcher Art der Sprache, etc., wird immer von Menschen kommen oder von ihnen bewertet werden. Denn die KI kann nur von dem lernen, was ein Mensch vorgibt, um damit zu lernen. Die KI kann uns händische Arbeit abnehmen und uns helfen, dass wir noch mehr Grundlagen haben, Entscheidungen zu treffen oder neue Ideen zu generieren – aber die Entscheidung selbst und die Idee selbst müssen am Ende immer wir finden und treffen.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Pläne und Visionen?

Ganz klar der Ausbau unserer Plattform. Wir möchten noch mehr die Produktionsstraße auf Kundenseite abbilden können, dazu gehört bspw. die Entwicklung eines eigenen neuartigen DAM-Systems, da wir feststellen, dass viele Unternehmen noch keine übersichtliche und unternehmensübergreifende Ablagestruktur von Daten haben. Dies führt u.a. dazu führt, dass bereits vorhandenes Material zur Content-Erstellung nicht wiederverwendet und immer neu geshootet oder produziert wird. Auch das Anbinden einer Analyse-Schnittstelle, um direkt zu sehen, wie produzierte Content-Pieces performt haben, ist denkbar. Der Fokus liegt aber auf dem Herzstück der Plattform.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

In Ruhe nachdenken und dann auch machen. Ideen und Überzeugungen kommen meist nicht “einfach so”, sondern haben schon einen Grund. Im Zweifel lieber nach vorne gehen und ausprobieren, auch wenn man hinfallen kann, statt immer nur zurückzuschauen und in einer “Was wäre wenn?”-Bubble gefangen bleiben. Aber natürlich immer auch das richtige Backup wahren.

Hier geht’s zu VARYCON

Das Interview führte Hans Luthardt