44 likes

Librileo ist ein Anfang 2015 in Berlin gegründetes gemeinnütziges Unternehmen. Die Gründer Sarah Seeliger und Julius Bertram haben ein innovatives Reading Empowerment Programm zur Frühförderung von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren aus sozial schwachen Familien entwickelt. Über den unternehmerischen Weg und das, was die beiden Gründer antreibt, erfahren wir mehr im Interview mit Sarah Seeliger.

Die beiden Librileo-Gründer Julius Bertram und Sarah Seeliger

Wie sind Sie beide auf die Idee zu Librileo gekommen?

Wir wollten Eltern den Aufwand der Bücherauswahl abnehmen und das Vorlesen zu Hause fördern. Wir starteten als klassisches Start-up. Nach einem Jahr haben wir den Entschluss gefasst, eine gemeinnützige Organisation zu gründen. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt einen Weg zu finden, um ein kostenfreies Angebot für Familien in schwierigen Lagen zu schaffen, sodass alle Kinder gerechte Bildungschancen haben.

Was waren die Beweggründe für diesen Schritt?

Unwissenheit. Wir wussten nicht, welche Möglichkeiten man als Non Profit Organisation hat. Auch die Zielgruppe Familien, mit finanziellen und / oder sozialen Herausforderungen kannten wir viel zu schlecht. Es war am Anfang für uns schneller umsetzbar wieder ein Start-up zu gründen. Doch der Wunsch, etwas Gutes zu tun und die Welt ein Stück zu verbessern, war immer da.

Und was waren dann die größten Herausforderungen, um zur Non Profit Organisation zu werden?

Wir haben im Prinzip von vorne angefangen. Wir mussten neu gründen, entscheiden welche Rechtsform wir sein wollen, unser Produkt neu konzipieren, unsere Zielgruppe kennenlernen und einen Weg für die Finanzierung finden. Das ging natürlich alles nicht von heute auf morgen. Doch wir waren fest entschlossen, das zu schaffen.

Ihr Ziel ist es, dass jedes Kind in Deutschland Zugang zu Büchern hat und damit gute Bildungschancen und eine erfolgreiche Zukunft erhält. Dazu haben Sie dann Ihr Leseförderprogramm zur Frühförderung entwickelt. Was genau verbirgt sich dahinter?

Familien in Armut haben die Möglichkeit über das Bildungs- und Teilhabepaket Mitglied bei Librileo gemeinnützig zu werden. Sie erhalten dann alle drei Monate eine Bücherbox und können an Vorleseveranstaltungen bei sich im Kiez teilnehmen. Die Bücherboxen beinhalten immer ein Kinderbuch, ein Spiel und einen Ratgeber. Alle Inhalte sind neu, hochwertig und dürfen natürlich behalten werden. Damit die Familien wirklich Freude an den Bücherboxen haben, sind sie immer auf das Alter und die Entwicklungsphase des Kindes abgestimmt. Themen sind zum Beispiel: Auf´s Töpfchen gehen, Trotzphase oder Einschlafen.

Wie kommt Ihre Zielgruppe in den Genuss des Förderprogramms? Was kostet die Teilhabe?

Um die Bücherboxen zu erhalten muss ein Antrag vom Jobcenter ausgefüllt werden. Das ist der Bildungs- und Teilhabepaket Antrag (BuT-Antrag). Dieser kann auf der Website von Librileo gemeinnützig heruntergeladen werden. Außerdem informieren Erzieher in Kitas über das Angebot von Librileo gemeinnützig und verteilen dort den BuT-Antrag an die Eltern. Es dauert dann ca. 14 Tage bis das Jobcenter den Antrag bearbeitet und weitere 14 Tage bis die erste Box versendet wird. Der Antrag wird meistens für 1 Jahr bewilligt und kann dann ganz einfach verlängert werden.

Wie machen Sie auf sich und Ihr Programm aufmerksam?

Wir denken uns Aktionen aus um auf uns aufmerksam zu machen. Zum Beispiel haben wir im letzten Jahr die „hanging book“ Aktion initiiert und 500 Kinderbücher an herunterhängenden Bändern an Bushaltestellen aufgehängt. Oder wir haben Kinderbuchhelden wie Pipi Langstrumpf, Janosch und die Tigerente und viele weitere ‚sterben’ lassen und ihre Silhouetten mit Kreide auf den Boden gesprüht. Wir haben auch einige bekannte Unterstützer, wie zum Beispiel ist die Senatorin Elke Breitenbach unsere Schirmherrin.

Was muss aus Ihrer Sicht grundlegend geschehen, dass Kinder aus einem sozial benachteiligten Umfeld bessere Bildungschancen erhalten? Ist hier in erster Linie die Politik gefragt oder die Eltern?

Hier ist die Politik gefragt. Die Eltern brauchen mehr Geld. Es ist einfach schwer möglich mit dem Hartz 4 Regelsatz auszukommen und sich und seinen Kindern ein schönes Leben zu schaffen. Die Eltern resignieren. Sie verlieren ihren Mut und ihren Optimismus. Das prägt die Kinder auch und daraus resultiert dann leider ein Teufelskreis.

Was sind Ihre weiteren unternehmerischen Pläne?

Wir sind momentan in Berlin und Brandenburg aktiv und wollen im Jahr 2018 auch in Hamburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktiv werden. In den nächsten Jahren werden wir unser Leseförderprogramm deutschlandweit allen Familien zugänglich machen. Um dies zu vereinfachen haben wir eine online BuT-Plattform programmiert. Diese ist bereits online unter: http://but-antrag.de. In Kürze wird es möglich sein, Anträge in allen Sprachen leicht verständlich online auszufüllen. In dieser BuT-Plattform werden auch andere Angebote (Fußballverein, Musikschule etc.) sichtbar sein. Sodass Familien auf einen Blick sehen können, was in ihrer Umgebung kostenfrei angeboten wird. So haben Kinder die Möglichkeit, am sozialen und Kulturellen Leben zu partizipieren.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?
Gründet eine gemeinnützige Organisation. Es gibt noch viele Probleme, die verbessert werden müssen. Sprecht mit vielen Menschen über eure Idee und lasst euch Feedback geben. Ich finde es sehr wichtig, auf das Bauchgefühl zu hören, und es gibt kaum etwas wichtigeres als ein gutes Bauchgefühl. Trotzdem: Messt von Anfang an eure Ergebnisse, sodass ihr schnell auf der Grundlage von Zahlen entscheiden könnt, ob etwas gut läuft oder nicht. So spart ihr Zeit und könnt bessere, neue Wege finden, um eure Ziele zu erreichen.

Hier geht’s zu Librileo


Das Interview führte Hans Luthardt

Vorschläge für diese Rubrik an [email protected]


Sie möchten selbst ein Unternehmen gründen oder sich nebenberuflich selbständig machen? Nutzen Sie jetzt Gründerberater.deDort erhalten Sie kostenlos u.a.:

  • Rechtsformen-Analyser zur Überprüfung Ihrer Entscheidung
  • Step-by-Step Anleitung für Ihre Gründung
  • Fördermittel-Sofort-Check passend zu Ihrem Vorhaben

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: