Gründer der Woche: JimDrive - der Pannenhilfe-Digitalisierer

Gründer der Woche 30/17


44 likes

JimDrive setzt als junger Mobilitätsclub voll auf Digitalisierung und will nichts weniger, also den verkrusteten Strukturen der Automobilclubs ein modernes Konzept entgegensetzen und die Nummer 1 in Europa werden. Wie das gelingen soll erfahren wir im Interview mit JimDrive-Gründer Timo Weltner.

Warum braucht es bei uns bzw. in Europa einen weiteren Automobilclub? Wegen der ADAC-Skandale der letzten Jahre?

Klassische Automobilclubs stecken immer noch in der Vergangenheit fest. Komplizierte und unflexible Organisationen passen nicht mehr in eine voll digitalisierte Welt. Vor allem aber verschläft der Markt die Chancen, die hinter mehr Vernetzung stecken. Mit JimDrive wollen wir die Idee des Automobilclubs modernisieren und unseren Mitgliedern smarte, schnell verfügbare Services bieten. JimDrive ist der Mobilitätsclub für die Generation Smartphone.

Wann und wie sind Sie dann auf die Idee zu JimDrive gekommen?

Unser Antrieb war von vornherein, Autofahrern das Leben zu erleichtern. Als wir uns den Automobilclub-Markt angesehen haben, sind wir auf verkrustete Strukturen und fest abgesteckte Claims gestoßen – hier konnten wir am besten ansetzen. Im November 2015 schließlich habe ich JimDrive mit Christoph Mayer und Sofian Oweideh gegründet.

Sie haben die Digitalisierung der Pannenhilfe auf ihre unternehmerischen Fahnen geschrieben. Was genau verbirgt sich dahinter?

Wenn Sie mit ihrem Auto irgendwo auf einer unbekannten Landstraße oder einem Autobahnabschnitt liegenbleiben, müssen Sie bislang ihre Automobilclub-Mitgliedskarte dabeihaben, eine Hotline anrufen und irgendwie erklären, was eigentlich los ist und wo sie sind. Sie warten auf Pannenhilfe, aber die muss Sie erstmal finden. Mit der JimDrive-App haben wir diesen Vorgang vollständig digitalisiert: Mit wenigen Fingertipps setzen Sie ganz ohne Telefonat den Pannen-Notruf ab, ihre Mitgliedsnummer und ihr Standort werden dank GPS-Sensor im Smartphone automatisch übertragen und Sie müssen nur noch einige Angaben zur Art der Panne und der Anzahl der betroffenen Personen machen. Sobald Hilfe unterwegs ist, erhalten Sie laufend Updates. Der Pannenhelfer ist schneller bei Ihnen und besser vorbereitet. Und wenn das Smartphone leer ist oder Sie die App nicht nutzen wollen, können Sie immer noch Ihre JimDrive-Mitgliedskarte zücken und uns anrufen.

Als digitaler Mobilitätsclub bieten Sie aktuell Mitgliedschaften in Deutschland und Österreich an. Was kostet mich das?

Wir glauben an einfache Preismodelle. Entweder, Sie schließen unsere Basis-Mitgliedschaft für Hilfe innerhalb Deutschlands oder Österreichs für 39,99 Euro im Jahr ab, oder Sie nehmen gleich das Paket für ganz Europa für 59,99 Euro im Jahr.

Und was bieten Sie Ihren Mitgliedern dafür?

Alle Leistungen, die Sie von einem Automobilclub erwarten. Das reicht von Pannen- und Abschlepphilfe bis zur Organisation von Ersatzfahrzeugen, Übernachtungen oder Hilfe bei Notfällen im Ausland. Das ist aber nur eine Seite von JimDrive. Wir bauen vor allem unsere digitalen Services ständig aus, und das hebt uns vom Wettbewerb ab. In unserer App können Sie heute schon Fahrten- und Tankbücher führen, zukünftig wenden wir uns auch Themen wie der digitalisierten Parkplatzsuche und Carsharing zu. JimDrive will nicht nur Helfer im Notfall sein, sondern der beste Partner für den mobilen Alltag.

Sie werden wahrscheinlich keine eigene Pannenhilfsflotte unterhalten. Wie stemmen Sie den Service?

Wir kooperieren mit Assistance Partner, dem zweitgrößten Pannenhilfe-Netzwerk in Deutschland. 1.900 Fahrzeuge der „Silbernen Flotte“ aus 450 Partner-Werkstätten stehen unseren Mitgliedern rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Unsere Helfer sind in der Regel innerhalb von 30 bis 40 Minuten am Einsatzort und können den Schaden in knapp 70 Prozent der Fälle vor Ort beheben. Assistance Partner ist eine Organisation der Europ Assistance, einer Tochter der Generali Gruppe und einer der weltweit größten Dienstleister für Pannenhilfe und Krankenrücktransport. JimDrive-Mitglieder mit Europamitgliedschaft profitieren davon auch außerhalb Deutschlands.

Wie sichern Sie dabei die Qualität Ihrer Dienstleistungen?

Assistance Partner und Europ Assistance führen regelmäßig interne Audits durch. Pannenfahrzeuge und das Equipment der Helfer werden dreimal jährlich strengen Tests unterzogen. Die Helfer werden regelmäßig fachlich und in kommunikativen Kompetenzen geprüft. Als erster Automobilclub haben wir eine TÜV SÜD-Zertifizierung für Servicequalität mit der Note 1,7 erhalten. Das ist ein Niveau, auf das wir sehr stolz sind.

Wie machen Sie auf sich bzw. Ihren Club aufmerksam? Welche Kanäle nutzen Sie dafür?

Wir haben uns effiziente Strukturen und hohe Kostentransparenz auf die Fahne geschrieben. Dieses Credo verfolgen wir auch im Marketing. Digitale Kanäle und Social Media sind deshalb unsere wichtigsten Werkzeuge, denn hier haben wir die beste Kostenkontrolle. Und wir erreichen auch gleich die richtigen Zielgruppen.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zwei bis drei Jahren?

Wir wollen Europas größter Mobilitätsclub werden. Dieses Ziel verfolgen wir ständig – umso schöner, wenn wir es bereits in drei Jahren erreicht haben.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Nicht lange nachdenken, einfach machen und schauen was passiert. Meistens kommt es sowieso anders als man sich das gedacht hatte. Wenn das Bauchgefühlt sagt: „Hey das könnte was werden“, dann gibt es immer genug Zweifler, die einem mit riesigen Excel-Tabellen und Wettbewerbsanalysen klar machen wollen, das man keine Chance hat. Also lieber früh loslegen und nicht zu viele Leute fragen, was Sie davon halten – sonst fängt man erst gar nicht an.

Hier geht’s zu JimDrive


Das Interview führte Hans Luthardt

Vorschläge für diese Rubrik an [email protected]


Sie möchten selbst ein Unternehmen gründen oder sich nebenberuflich selbständig machen? Nutzen Sie jetzt Gründerberater.deDort erhalten Sie kostenlos u.a.:

  • Rechtsformen-Analyser zur Überprüfung Ihrer Entscheidung
  • Step-by-Step Anleitung für Ihre Gründung
  • Fördermittel-Sofort-Check passend zu Ihrem Vorhaben

3 Mio. Euro für Leipziger KI-Start-up Kopernikus Automotive

Die Kopernikus Automotive GmbH, ein in Leipzig beheimatetes KI-Start-up, das auf fahrerloses hochautomatisiertes Parken und Autonomes Rangieren spezialisiert ist, erhält ein 3 Millionen Euro Folgeinvestment von Continental und dem TGFS Technologiegründerfonds Sachsen.

Nachdem sie den Auftrag für eine brandneue Test Facility für Automated Valet Parking Type 2 in Wolfsburg von Volkswagens CARIAD Softwaregruppe sowie zwei Aufträge für zwei Pilotprojekte in zwei Ford Autowerken im letzten Jahr erhalten hat, legt das 2016 von Stefan Jenzowsky und Tim von Törne gegründete Start-up Kopernikus Automotive den nächsten Gang in Richtung Serienentwicklung ein und sammelt drei weitere Millionen Euro Kapital ein: “Diese Kapitalerhöhung sichert ab, dass wir unsere Serienentwicklung und Sicherheitszertifizierung für eine der ersten wirklich fahrerlosen Anwendungen, die wir alltäglich sehen werden, abschließen können”, sagt der COO von Kopernikus, Tim von Törne.

Kopernikus fokussiert seine K.I.-Entwicklung auf Autonomous Valet Parking und infrastruktur-basiertes Manövrieren: Dabei werden alle Fahrzeuge von Kameras und Computern überwacht und gefahren, die im Gebäude oder auf einem Gelände untergebracht sind (häufig ein Parkhaus, ein Logistikzentrum oder eine Fahrzeugfabrik). Kopernikus rüstet dieses Gelände mit einer Künstlichen Intelligenz aus, die ein Auto sicher fahren kann.

Die neue Test Facility in Wolfsburg wird von Volkswagens Softwaregruppe CARIAD betrieben und soll als Entwicklungs- und Erprobungsfläche für die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit Automated Valet Parking Funktion genutzt werden: “CARIAD wird hier mit Kopernikus Automated Valet Parking erproben und an neuen Anwendungsfällen des automatisierten Fahrens arbeiten”, sagt Rudolf Leinfelder von CARIAD.

“Für ein Start-up-Unternehmen ist es nicht einfach, in die Automobilindustrie zu kommen, gerade mit einer K.I.-basierten Fahrfunktion. Deshalb sind wir sehr dankbar gegenüber allen Partnern und Automobilherstellern, insbesondere hier in Deutschland, die mit uns in den letzten Jahren zusammen an dieser neuen Technologie gearbeitet haben und uns in verschiedenen Arbeitsgruppen und Konstellationen ermöglicht haben, Automated Valet Parking zu erproben, zu testen und erstmals zu implementieren - und es gemeinsam in die Spezifikation und Standardisierung zu bringen, denn bei dieser Technologie müssen Auto und Infrastruktur zusammenarbeiten”, sagt Stefan Jenzowsky, CEO von Kopernikus Automotive.

Continental und TGFS hatten bereits in Kopernikus Automotive investiert - und Continental hat inzwischen angefangen, ein Kopernikus-basiertes System weltweit zu vermarkten, unter anderem mit einer Live Demonstration der Technologie auf der CES 2023 in Las Vegas Anfang Januar. „Diese innovative Technologie begeistert, weil sie auf jedes Fahrzeug heute in Serienproduktion angewendet werden kann. Es braucht hierzu keine zusätzlichen Sensoren oder Computer im Fahrzeug. Unsere Kunden können heute beginnen, Kosten zu sparen - und sie können morgen fahrerloses Automated Valet Parking zu ihren Kunden bringen”, sagt Laurent Fabre, Leiter des Segments Passive Safety and Sensorics bei Continental.

Sören Schuster, der Geschäftsführer des TGFS fügt hinzu: “Kopernikus Automotive hat herausragende Fortschitte bei der Entwicklung ihres Systems in den letzten zwei Jahren gemacht - nicht nur unter Laborbedingungen, sondern auch bereits in einer ganzen Reihe von Testanwendungen im Feld. Wir sind froh und stolz, die Entwicklung des sehr engagierten Kopernikus-Teams auch weiterhin zu begleiten.“

UnternehmerTUM gründet CIRCULAR REPUBLIC

UnternehmerTUM, Europas größtes Zentrum für Innovation und Gründung, startet mit CIRCULAR REPUBLIC eine einzigartige Kräftebündelung im Bereich Circular Economy.

Echte Nachhaltigkeit und damit auch Klimaneutralität ist nur dann erreichbar, wenn es gelingt, den Ressourcenverbrauch massiv zu reduzieren und etablierte Prozesse neu zu denken. Diese gewaltige Herausforderung bietet sowohl Unternehmen als auch Start-ups immenses Geschäftspotenzial und vielfältige Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle. Sie können entscheidend sein, wenn es darum geht, dass sich Europa langfristig unabhängiger von globalen Lieferketten macht und so resilienter wird.

Ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen

Klima- und Energiekrise, Bevölkerungswachstum, Artensterben, fragile Lieferketten und zunehmende Ressourcenknappheit: Circular Economy ist ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen. Entsprechend der Vision einer nachhaltigen und Mensch-zentrierten Zukunft für Deutschland und Europa, will UnternehmerTUM mit CIRCULAR REPUBLIC eine zentrale Plattform für die Bündelung und aktive Gestaltung solcher Ideen in München schaffen. Kreislaufwirtschaft wird dabei als ein regeneratives Wirtschaftssystem verstanden, in dem Ressourcen in Kreisläufen gehalten werden und dessen Ziel es ist, die Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

Circular Economy marktgerecht weiterentwickeln

CIRCULAR REPUBLIC unterstützt Unternehmen und Start-ups dabei, ihre Innovationen und Ideen für die Circular Economy marktgerecht weiterzuentwickeln und in konkrete Geschäftsmodelle zu überführen. Zudem vernetzt die Initiative Unternehmen und Start-ups mit relevanten Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und der Venture Capital-Branche. Hierbei kommt dem Innovations-Ökosystem von UnternehmerTUM eine entscheidende Bedeutung zu: Die Initiative bietet konkret Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen aus dem Bereich Circular Economy der Technischen Universität München und berät selbst zu unternehmerischen Fragen und Herausforderungen.

Eine zentrale Leistung besteht zudem darin, Unternehmen und Start-ups in sogenannten Multi-Stakeholder-Projekten direkt miteinander zu vernetzen und als gemeinsame Plattform für Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fungieren. Idealerweise finden die erarbeiteten Projekte anschließend ihren Weg in die konkrete Anwendung. Die Initiative wurde mit dem Gründungspartner BMW AG gestartet. Zu den ersten Partnerunternehmen gehören SAP, PreZero und Tengelmann.

Interdisziplinäres Gründungstrio

Um sich dem Gebiet der Circular Economy vollumfassend widmen zu können, braucht es diverse Blickwinkel und ein Team, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Zum Gründungsteam der Initiative gehören Dr. Susanne Kadner, Dr. Matthias Ballweg und Niclas Mauß. Kadner initiierte und leitete zuvor die Circular Economy Initiative Deutschland. Ballweg verantwortete vor seiner Zeit bei CIRCULAR REPUBLIC die globalen Circular Economy Aktivitäten von SYSTEMIQ und Mauß hat an der Technischen Universität München Deutschlands größten Circular Economy Forschungsverbund initiiert und aufgebaut.

Multi-Stakeholder-Ansatz

Das erste Multi-Stakeholder-Projekt wird sich mit der Textilbranche beschäftigen - einem der am wenigsten zirkulär arbeitenden Sektoren überhaupt. Start-ups bieten hier zwar schon heute zahlreiche Teillösungen – etwa Recycling-Technologien – an, doch fehlt es an einer branchenübergreifenden Lösung, die nun gemeinsam entwickelt wird.

Ein weiteres Projekt wird sich anschließend um die Kreislaufführung von Batterien drehen. Die in der Initiative erarbeiteten Erkenntnisse – beispielsweise zur Start-up-Landschaft im Bereich Circular Economy– sollen auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Ein eigens initiiertes Festival findet vom 15. bis 18. November 2023 in München statt und will herausragende Akteurinnen und Akteure der Kreislaufwirtschaft zusammenbringen.

Dr. Matthias Ballweg, Mitgründer und Director von CIRCULAR REPUBLIC, sagt: „Die globalen Entwicklungen rund um das Klima, mangelnde Ressourcen oder Versorgungsengpässe, sowie die damit einhergehenden regulatorischen Konsequenzen zeigen: In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts wird es kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr geben, das auf der Ausbeutung von Primärrohstoffen basiert. Die Circular Economy wird der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise und gleichzeitig die treibende Kraft für Innovation und Wohlstand in Europa sein. Die große Anzahl an Start-ups, die sich mit dem Thema Circular Economy beschäftigen – wir haben allein in Deutschland knapp 400 davon identifiziert – ist ein weiterer Indikator dafür, dass hier die Zukunft liegt.”

Wie nah sollte ein Spin-Out am Muttermarkt bleiben?

Nach einer Studie der Bayes Business School, City, University of London, müssen Mitarbeiter-Start-ups konkurrierende Kräfte ausgleichen, um nicht zu scheitern.

Die aktuelle Studie legt nahe, dass Spin-Outs bei ihrem Versuch, sich auf dem Markt zu etablieren, zugleich eindeutige Vorteile und erhebliche Kosten haben können. Im Gegensatz zu Spin-Offs entstehen Spin-Outs durch die unabhängigen Entscheidungen von Mitarbeitenden, die das Mutterunternehmen verlassen, um neue Unternehmen zu gründen.

Die Studie, die 117 Spin-Outs von 103 etablierten Unternehmen untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß, in dem sich die operativen Märkte von Spin-Outs, mit denen ihrer Muttergesellschaften überschneiden, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit hat.

Vorteile der Nähe zur Muttergesellschaft

Die Nähe zur Muttergesellschaft ist für Spin-Outs von Vorteil, da sie dadurch von dem Know-how und den Ressourcen der Gründer profitieren können. Ein hohes Maß an Überschneidungen mit den Marktbereichen der Muttergesellschaften kann jedoch feindselige Handlungen auslösen und so zu einem störenden Wettbewerb führen, der seinerseits die Überlebenschancen der Spin-Outs schmälern könnte.

Darüber hinaus könnte das Überleben von Mitarbeiter-Neugründungen von der früheren Position ihrer Gründer in etablierten Unternehmen abhängen. Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen sind die US-Tech-Giganten Intel und AMD.

Auf der anderen Seite profitieren die von hochrangigen Mitarbeitern ins Leben gerufene Spin-Outs von dem hohen Maß an Wissen und Ressourcen, die von den Mutterunternehmen geerbt wurden. Außerdem verfügen hochrangige Mitarbeitende über eine größere Verhandlungsmacht, die es ihnen ermöglicht, zum Zeitpunkt des Ausscheidens günstigere Ausstiegsbedingungen auszuhandeln.

Die Risiken nicht aus dem Blick verlieren

Andererseits besteht für diese Ausgründungen ein höheres Risiko, in Kompetenzfallen zu geraten, die sie in der alten Logik gefangen halten und somit ihre Fähigkeit behindern, neue Ressourcen zu erwerben oder neue Methoden zu entwickeln, die für ihre Zielmärkte besser geeignet sind.

Die Mitarbeitenden, die über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachdenken, müssen sich dieser gegensätzlichen Kräfte bewusst sein. Es handelt sich um das richtige Gleichgewicht zwischen der Ungewissheit, die mit dem Eintritt in neue Marktbereiche einhergeht, und dem Risiko, mit den feindseligen Handlungen der Muttergesellschaft konfrontiert zu werden.

„Aus Sicht der Muttergesellschaften kann der Übergang von Mitarbeitern in die Selbständigkeit Anlass zu ernster Sorge sein“, so Dr. Aliasghar Bahoo-Torodi, Leiter der Studie und Dozent für Unternehmertum an der Bayes Business School. "Denn neben dem Verlust von wichtigem Humankapital können Spin-Outs eine ernsthafte Wettbewerbsbedrohung darstellen. Um ihre Wettbewerbsposition auf dem Markt zu schützen, werden Mutterunternehmen wahrscheinlich Vergeltung üben und eine feindliche Haltung gegenüber Neugründungen von Mitarbeitern einnehmen, die ihre wichtigen Märkte angreifen. Unsere Studie deutet darauf hin, dass Spin-Outs durch die Minimierung der Marktangleichung ihre Sichtbarkeit verschleiern und ihre Wettbewerbsbedrohung in den Augen der Mutterunternehmen abschwächen können. Dies könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, die Motivation der Muttergesellschaften für aggressive Maßnahmen zu verringern.“

Anmerkungen

Es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen. Bei dem berühmtesten handelt es sich um die acht Mitarbeiter von Shockley Semiconductor, die das Unternehmen verließen, um Fairchild zu gründen - das erste Billionen-Dollar-Start-up in der Halbleiterindustrie. Fairchild selbst brachte später so viele erfolgreiche unternehmerische Unternehmungen hervor, dass sie als Fairchildren bezeichnet werden. Zu den bekanntesten gehören Intel und AMD.

Spin-Outs können durch feindliche Maßnahmen der Mutterunternehmen scheitern. Ein Beispiel: 2014 reichte das Unternehmen für biowissenschaftliche Forschung und klinische Diagnostik Bio-Rad Laboratories eine Klage gegen 10x Genomics ein, das von drei seiner ehemaligen Mitarbeiter gegründet worden war. In dieser Klage behauptete Bio-Rad Laboratories, dass die drei Mitarbeiter gegen ihre Verpflichtungen verstoßen und mehrere Patente verletzt hätten, die exklusiv an Bio-Rad lizenziert waren. Infolge dieser Klage wurde 10x Genomics zur Zahlung einer 15-prozentigen Umsatzbeteiligung und von 24 Millionen Dollar Schadenersatz an Bio-Rad verurteilt.

Finanzbildungs-FinTech Beatvest sichert sich 1,3 Mio. Euro

Das 2021 von Julia Kruslin und Sophie Thurner gegründete Finanzbildungs-FinTech-Start-up Beatvest setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein und sichert sich 1,3 Mio. Euro Wachstumskapital.

Das 2021 gegründerte Start-up Beatvest um Gründerinnen Julia Kruslin (28) und Sophie Thurner (31) setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein. Beatvest adressiert junge und unerfahrene Privatanleger*innen, die sich aufgrund von gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen, wie der hohen Inflation oder dem demographischen Wandel, in Richtung Börsenmärkte orientieren.

Mit ihrem Geschäftsmodell bedienen die Gründerinnen den Bedarf nach Finanzbildung, indem sie das nötige Know-how vermitteln, um rationale Entscheidungen an den Finanzmärkten zu treffen. Das Start-up will Privatpersonen befähigen, die eigene finanzielle Zukunft proaktiv zu gestalten und den wachsenden Herausforderungen zum Schließen der individuellen Vorsorgelücke zu begegnen. Dies geschieht per App über ansprechende, in den Alltag integrierbare Lektionen.

Ein noch fiktives Investment-Feature ermöglicht es zudem, die Bewegungen eigener Investments zu beobachten und sich mit dem Finanzmarkt vertraut zu machen. So will Beatvest von den ersten Schritten beim Investment bis zum Aufbau eines Depots für die Altersvorsorge unterstützen.

Der Frühphaseninvestor neosfer führt die Pre-Seed-Runde des Start-ups in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro an. Ebenso dabei sind der Trade-Republic-Investor Sino AG und der Early-Stage-Investor von Axel Springer & Porsche APX. Ergänzt werden die Investoren durch bekannte Business Angels der Start-up- und Medienszene wie Maximilian Tayenthal (N26), Marco Adelt (Clark), Tijen Onaran und Stephanie Caspar.

Neosfer trägt mit seinem Investment unmittelbar dazu bei, den Zugang zum Aktienmarkt für junge Privatanleger*innen sicherzustellen. Karim Menn & Sebastian Scheib, Investment Manager bei neosfer, betonen: „Beatvest hat ein enormes Marktpotenzial. Hinter dem Start-up stehen starke Gründerinnen mit viel Expertise, die mit Beatvest eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich Financial Services adressieren – die finanzielle Bildung. Wir freuen uns auf die spannenden Entwicklungen und das Wachstum, das diese Partnerschaft mit sich bringen wird!“

Auto-Abo-Start-up ViveLaCar wird Teil von The Platform Group

Mathias R. Albert hat die Mehrheit des von ihm 2019 gegründeten Mobility-FinTech-Start-ups ViveLaCar an die Wiesbadener The Platform Group veräußert und bleibt Gesellschafter sowie Geschäftsführer von ViveLaCar.

Ziel des Schrittes ist der Aufbau einer langjährigen strategischen Partnerschaft mit dem international aktiven und erfolgreichen Spezialisten im Bereich E-Commerce. Mit The Platform Group haben die Auto-Abo-Spezialisten aus Stuttgart ab sofort einen erfahrenen Partner im Bereich des E-Commerce an ihrer Seite. Dies soll dem Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen. „Durch optimierte Prozesse und ein nochmals deutlich verstärktes Performance-Marketing generieren wir Mehrwerte für unsere Partner aus dem Automobilhandel und unsere Kunden. Zudem bekommen wir Zugang zu mehr als 5 Millionen Kunden alleine in Deutschland“, so Mathias R. Albert.

The Platform Group betreibt 16 Online-Plattformen mit über 4.000 Partner*innen in verschiedenen Branchen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Software-Entwicklung, Online-Marketing und der Entwicklung von technischen Schnittstellen. 400 Mitarbeitende arbeiten europaweit für die Gruppe. Der Ursprung des Unternehmens liegt im Jahr 1882, bis heute gehört die Gruppe zum Family Office der Benner Holding.

„Mit diesem Schritt stärken wir unser Portfolio um einen bedeutenden Zukunftsmarkt und können unsere Expertise im E-Commerce einbringen. ViveLaCar passt perfekt zu unserer Philosophie mit Händlern zusammenzuarbeiten und ein leicht verfügbares Online-Angebot zu schaffen. Außerdem besetzt ViveLaCar im schnell wachsenden Auto-Abo-Markt eine Führungsrolle und gilt als Pionier für Software- und Plattform-Lösungen, über 4.000 Partner sind live. Wir freuen uns, dass wir ViveLaCar im weiteren Wachstum mit unserem E-Commerce Know-how und Kapital unterstützen können", so Dr. Dominik Benner, CEO von The Platform Group.

Das Mobility-FinTech-Start-up aus Stuttgart betreibt Standorte in Wien und Zagreb. Mit innovativen Lösungen will ViveLaCar das Automobilgeschäft verändern und Mehrwerte für alle Akteure schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei der Anspruch, die Wertschöpfung von Automobilen deutlich zu verbessern, Ressourcen zu schonen und für Kund*innen ein optimales Nutzer-Erlebnis zu schaffen. Die eigens entwickelte Business-Anwendung VALOR® optimiert für Händler die Erlöse und soll Kunden ein perfektes Auto-Abo bieten. Darüber hinaus ist ViveLaCar ONE® ein Angebot für alle, die eine wirtschaftliche und flexible Autonutzung mit der Schaffung von neuen Freiräumen verbinden möchten.

2023 will ViveLaCar in verschiedene europäische Märkte expandieren und seine Dienstleistungen wie Software as a Service (SaaS) und Platform as a Service (PaaS) weiter forcieren. Auch in den Kernmärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden die Weichen in Richtung Wachstum gestellt. Zeitgleich sollen die bestehenden Kooperationen mit namhaften Automobilherstellern weiter ausgebaut werden.

DEM - Deutsche E Metalle AG sichert sich 8 Mio. Euro zur Rohstoff-Gewinnung

Die derzeit einzige deutsche "Junior Mining Company für kritische Rohstoffe" DEM - Deutsche E Metalle AG aus Dresden sammelt in einer ersten öffentlichen Finanzierungsrunde 8 Mio. Euro ein.

Bei der 2021 in Dresden gegründete DEM - Deutsche E Metalle AG laufen bereits zwei DEM-Projekte: Ein Joint-Venture in den argentinischen Anden zur Gewinnung von Lithium sowie der Aufbau eines Projekts für Seltene Erden in der Provinz Buenos Aires. Die hierfür notwendigen Investitionen lassen sich jedoch nicht mit dem vorhandenen Kapital der DEM und seiner drei Gründeraktionäre stemmen. Daher strebte das Start-up eine Kapitalerhöhung an.

Investorensuche für die Rohstoff-Gewinnung

Im November 2022 startete der Vorstand gemeinsam mit Rainer Witt von der intelligentis die Investorensuche. Es galt, immerhin acht Millionen Euro zu akquirieren. Die ebenfalls aus Dresden stammende intelligentis verfügt über ein großes Netzwerk potenzieller Investoren – denn seit Jahren sucht das Team um Rainer Witt als „externe M&A-Abteilung“ für Investoren und Unternehmer das passende Wunschinvestment sowie für Start-ups und andere spannende Unternehmen die passenden Investoren. Einerseits sprachen die Spezialisten strategische Investoren für die DEM an, die für ihre Unternehmen Rohstoffe sichern wollen. Aber auch Fonds-Gesellschaften und andere Investoren wurden kontaktiert, die von den guten Wertsteigerungsaussichten profitieren wollen.

Zwei Akquise-Phasen - viele Interessenten

In einer ersten Akquise-Phase ging das Team mit der Unternehmensstory und einem ‚Fact Book‘ auf Investorensuche. „intelligentis hatte die richtigen Zugänge zu Investoren und Portalen, um eine erfolgreiche Akquise durchzuführen“, sagt Dr. Zauner. Sobald ein gefestigtes Interesse vorlag, erhielten die potenziellen Anteilseigner in der zweiten Phase Zugang zu einem eigens erstellten Datenraum mit allen nötigen Zahlen und Unterlagen. „Schnell stießen wir auf ein großes Interesse bei den Investoren und Unternehmen“, erzählt Rainer Witt. Bis Ende Februar 2023 können sie ihre Investition tätigen. Zugesagt haben bereits ein ‚Family Office‘, das das private Vermögen einer Eigentümerfamilie verwaltet, sowie mehrere strategische Investoren aus der Automotive-Branche und private Investoren, die die Story der DEM einfach spannend finden.

Eigene Unternehmensbewertung bestätigt

Unter Federführung der intelligentis war die DEM von der Gründung an klar, transparent und systematisch aufgestellt. „Rainer Witt als Start-up-Experte brachte hier sehr viel Know-how ein“, erinnert sich Dr. Micha Zauner. „Wir hatten dann direkt vor der Investorensuche zusammen mit der intelligentis eine eigene Bewertung unserer DEM vorgenommen, die sich auch an angelsächsischen börsennotierten Unternehmen orientiert. Diese wurde später in den von den Interessenten durchgeführten, sehr intensiven Prüfungen im Rahmen der Due Diligence weitestgehend bestätigt.“

Entwicklung hin zum Börsengang geplant

Mit der erfolgreichen Kapitalerhöhung legt die DEM gleichzeitig die Basis für ihre weitere Wachstumsgeschichte: Denn die Aktiengesellschaft will sich im Zuge der Welle der Elektromobilität zu einem der ‚Global Player‘ bei E-Materials für E-Mobility entwickeln. Dafür ist in wenigen Jahren ein Börsengang geplant. Nach Überzeugung von Vorstand Dr. Micha Zauner sind die benötigten strategischen und kritischen Rohstoffe – wie Lithium, Kobalt, Seltene Erden, Mangan, Kupfer und Graphit – aktuell nicht ansatzweise ausreichend vorhanden. Die enorme Verknappung führt bereits heute zu Verteilungskämpfen zwischen den Industrienationen und natürlich zu signifikant steigenden Preisen und Bewertungen von Projekten.

Das Fehlen dieser kritischen Rohstoffe hat jedoch erhebliche Folgen für die Wirtschaft und die nationale Sicherheit eines Landes. Deshalb entwickelt und finanziert die DEM aussichtsreiche Projekte weltweit, um die Rohstoffe für die deutsche Wirtschaft nutzbar zu machen. „Wir dürfen in Deutschland nicht weiter zuschauen, wie sich andere Nationen – allen voran China und die USA – die Rohstoffe sichern. Deutsche Investoren und Unternehmen müssen Venture Capital in die Hand nehmen, um einen guten Teil der Rohstoffe für die deutsche Industrie zu sichern. Denn unser Wohlstand fußt nicht zuletzt auf Rohstoffen, da sie am Beginn der Wertschöpfungskette stehen“, so der Vorstand.

Praxisleitfaden: (Aus-)Gründungen an deutschen Universitäten

Orrick zeigt in seinem Praxisleitfaden OLNS#10, was bei (Aus-)Gründungen an deutschen Unis zu beachten ist und wie sich hierbei rechtliche Fallstricke vermeiden lassen.

Orrick wurde in der Bay Area gegründet und ist eine der weltweit führenden Technologiekanzleien. Der Praxisleitfaden soll Gründer*innen und Universitäten dabei helfen, universitäre Spin-offs auf den Weg zu bringen und dabei kostspielige rechtliche Fehler zu vermeiden. Das Ziel ist es, dass die Gründerinnen und Gründer mehr Zeit für die Entwicklung ihres Unternehmens haben und Universitäten möglichst viele erfolgreiche Start-ups hervorbringen.

Bei der Vorbereitung von OLNS#10 stützte sich das internationale und interdisziplinäre Orrick-Team auf die Erfahrung aus der weltweiten Beratung von mehr als 3.700 VC-finanzierten Unternehmen und mehr als 90 Unicorns sowie den aktivsten Fonds, Corporate-Investoren und börsennotierten Technologieunternehmen.

Der Guide gibt praktische Ratschläge zu folgenden Themen:

Die Gründungsphase

  • Zusammensetzung des Gründungsteams und Verteilung der Anteile
  • Struktur des ersten Cap Table
  • Steuerlich getriebene Holdingstrukturen (einschl. zweistufiger US/deutscher Doppelstockstrukturen)

Einbringung des universitären IP in das Start-up

  • Vollerwerb vs. Lizenzierungsmodelle (einschl. üblicher Lizenzbedingungen)
  • Einräumung einer echten oder virtuellen Beteiligung am Start-up als Teil der Gegenleistung

Finanzierung von Spin-offs

  • Finanzierungsprozess von Pre-Seed bis Post-IPO
  • Wann ist Venture Capital nicht das Richtige?
  • Besonderheiten bei Corporate-Investoren

und vieles mehr, einschließlich einer Checkliste für die Nachgründungsphase und einem Crashkurs zu den relevanten IP-Basics.

Der mehr als 160 Seiten umfassende Guide kann kostenlos hier abgerufen werden.

Lea-Sophie Cramer: Die Entrepreneurin und Tech-Expertin wird Industry Advisor bei KKR

Lea-Sophie Cramer wird ihre unternehmerische Expertise und ihr Netzwerk einbringen und KKR sowie ausgewählte Portfoliounternehmen bei der Identifizierung und Bewertung neuer Investitions- und Wertschöpfungsmöglichkeiten unterstützen.

KKR, ein weltweit agierender Investor, hat Lea-Sophie Cramer zur Industry Advisor für das Private-Equity-Team ernannt. Damit baut KKR seine Expertise im europäischen E-Commerce- und Technologiesektor weiter aus. Zu den globalen Tech-Investitionen von KKR zählen unter anderem Investitionen in Cegid, Exact Software, Darktrace, Onestream und Box. In der DACH-Region investiert KKR seit über 20 Jahren vor Ort, vor allem durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Axel Springer, Contabo, Körbers Supply-Chain-Software-Geschäft, Scout24 Schweiz und SoftwareOne.

In ihrer Funktion wird Lea-Sophie Cramer ihre Expertise und Erfahrung als Unternehmerin einbringen, um KKR bei Investitionsmöglichkeiten zu beraten und ausgewählte Portfoliounternehmen bei internationalen Wachstumsstrategien unterstützen.

Die Unternehmerin und Investorin Lea-Sophie Cramer gehört zu den prominentesten Vertretern der Start-up-Szene in Deutschland. Nachdem sie das Asiengeschäft von Groupon leitete, gründete sie im Jahr 2013 Amorelie. Unter ihrer Führung wurde Amorelie zu einem der führenden E-Commerce-Unternehmen und digitalen Brands für das Liebesleben und trug so zum Wachstum und der Neupositionierung einer ganzen Branche bei. Amorelie wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und Lea- Sophie Cramer gab 2019 ihre Position als CEO des Unternehmens ab.

Lea-Sophie Cramer ist als Business Angel aktiv und investiert in Venture Capital Fonds. Sie gehört zu den führenden Stimmen für moderne Führung und digitale Innovation. Im Jahr 2022 gründete sie die „10 More In“ Akademie, die ein digitales, modernes Führungsprogramm für Frauen anbietet. Cramer war Mitglied im Beirat von Amorelie und im Verwaltungsrat von Conrad Electronic. Darüber hinaus ist sie derzeit aktives Mitglied im Verwaltungsrat des Schweizer Fotoproduktunternehmens Ifolor Group.

In ihrer Rolle als Industry Advisor bei KKR wird Lea in den Verwaltungsrat des KKR- Portfoliounternehmens Wella Company einziehen, einem der weltweit führenden innovativen Beauty- Unternehmen. Als Non-Executive Board Director wird sie ihr Fachwissen bei der Entwicklung von E- Commerce-Lösungen, dem Aufbau nachhaltiger und innovativer Verbraucher- und Fachhandelsmarken und der Unterstützung des Unternehmens bei der Beschleunigung seines übergeordneten Wachstumsplans einbringen. Darüber hinaus wird Cramer ihr Wissen über den deutschsprachigen Konsumgütermarkt, einem der größten und wichtigsten Märkte für Wella Company, einbringen. Seit KKR vor zwei Jahren eine Mehrheitsbeteiligung an Wella Company übernahm, hat das Unternehmen als führender Anbieter von professionellen und Einzelhandelsprodukten für Haare, Nägel und digitale Schönheitstechnologien seinen Marktanteil weltweit erheblich gesteigert. Gleichzeitig hat Wella Company kontinuierlich in die Bereiche Nachhaltigkeit, Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion investiert und diese Aspekte in den Mittelpunkt seines Handels gestellt. Das Unternehmen hat vor kurzem sein erstes ESG-Manifest veröffentlicht, in dem es seinen langfristigen Plan für Menschen, Planet und Produkte darlegt, der unter anderem die Reduzierung von CO2-Emissionen, nachhaltige Produktionsabläufe sowie Produktinnovationen für eine saubere und umweltfreundliche Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.

Lea-Sophie Cramer: „Seit 15 Jahren widme ich mich dem Aufbau innovativer und kundenorientierter Marken in der deutschen Tech- und Start-up-Szene. KKR investiert in strategische Partnerschaften mit Gründern, Unternehmern und Managementteams und unterstützt deren Unternehmen dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Deshalb freue ich mich sehr, meine Expertise für KKR und die Portfoliounternehmen einzubringen. In den Verwaltungsrat eines Unternehmens wie Wella Company mit seinen ikonischen Marken berufen zu werden ist eine großartige Chance. Die Entwicklung des Unternehmens unter CEO Annie Young-Scrivner ist beeindruckend und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr und dem gesamten Team.“

Philipp Freise, Partner und Co-Head of European Private Equity bei KKR, kommentiert: „Wir bei KKR freuen uns sehr, Lea in unserem Team begrüßen zu dürfen. Mit ihrer beeindruckenden Erfolgsbilanz als Unternehmerin und ihrem Status als Vorbild für Gründer und Gründerinnen in ganz Europa bringt sie einen großen Erfahrungsschatz in unser Unternehmen ein. Gerade mit Blick auf den Technologiesektor, in dem wir unsere Aktivitäten global weiter ausbauen, verfügt Lea über herausragende Expertise. Sie hat wiederholt gezeigt, dass sie diverse Teams erfolgreich leiten kann und ein Talent für Innovationen hat. Auf unserer Mission, in Unternehmen zu investieren, die die digitale Transformation vorantreiben, werden wir von Leas Expertise extrem profitieren.“

GastroTech-Start-up VisioLab sichert sich 3,1 Mio Euro

Das Osnabrücker Start-up VisioLab bietet KI-basierte Self-Checkout-Lösungen für die Gastronomie und und bereitet nun den US-Markteintritt vor.

Das 2019 gegründete Osnabrücker Start-up VisioLab bietet KI-basierten Self-Checkout-Lösungen für die Gastronomie. Die Lösungen des Unternehmens sind darauf ausgelegt, den Kassiervorgang zu vereinfachen und das Kund*innenerlebnis zu verbessern, während sie gleichzeitig die Arbeitskosten für Gastronomiebetriebe reduzieren.

Das Herzstück der VisioLab-Technologie ist die visuelle Echtzeiterkennung von Gerichten, Getränken und Lebensmitteln. Die Gäste platzieren ihr Tablett einfach unter der Kamera des iPads, einmal blinzeln, und schon hat die KI alle Produkte erkannt. Anschließend die Karte zum Bezahlen auf das Terminal legen und mehr Zeit in die Pause mitnehmen.

Die aktuelle Finanzierungsrunde wurde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) angeführt, weitere Investoren sind das lokale Family-Office zwei.7 sowie die derzeitigen Gesellschafter NBank Capital, Axel Springer & Porsche Accelerator (APX) und Jens Ohr.

Außerdem wird VisioLab am Sodexo Live Accelerator in den USA teilnehmen, einem Programm zur Förderung des Wachstums und der Entwicklung innovativer Food-Service-Unternehmen. Der Accelerator bietet VisioLab wichtige Ressourcen, Kontakte und Unterstützung, um auch auf dem US-Markt Fuß zu fassen und sich schnell zu etablieren.

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung einer so starken Investorengruppe, um unsere Self-Checkout-Lösungen weiter zu skalieren. Der Sodexo Live Accelerator bietet uns die Möglichkeit, eng mit Branchenführern zusammenzuarbeiten und deren Fachwissen zu nutzen, um unser Geschäft zu erweitern und unsere Lösungen einem breiteren Publikum auf dem US-Markt zugänglich zu machen“, so Tim Niekamp, CEO von VisioLab.

Gründer*in der Woche: Idana - mehr Patienten-Zeit, weniger bürokratische Medizin

Die Tomes GmbH-Gründer*innen Dr. med. Lucas Spohn, Dr. med. Lilian Rettegi und Jerome Meinke haben 2019 mit Idana ihr erstes Produkt auf den Markt gebracht, welches eine personalisierte, datenbasierte und unbürokratische Medizin ermöglicht. Mehr dazu im Interview mit Co-Founderin Lilian.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Co-Foundern auf die Idee zu Idana gekommen?

Mein Kollege Lucas Spohn und ich haben bei unserer Arbeit als Ärzte immer wieder festgestellt: Das größte Problem ist die fehlende Patienteninformation bei mangelnder Zeit. Du kennst das bestimmt: Man sitzt beim Arzt, das Personal ist gestresst, man warten lange und wenn man dann endlich dran ist, hat man kaum Zeit, die eigenen Beschwerden zu schildern. Das erweckt den Eindruck einer schlechten Organisation, was sich für beide Seiten schlecht anfühlt. Als Arzt oder auch als MFA gewöhnt man sich an das Gefühl des Hinterherlaufens.

Lucas Spohn und ich finden es großartig, Menschen zu versorgen. Wir waren uns aber auch einig: So wie sich der Praxisalltag darstellt, wollen wir nicht in den Beruf einsteigen. Gemeinsam mit unserem dritten Gründer und CTO, dem Softwareentwickler Jerome Meinke, haben wir uns 2016 deshalb das Ziel gesetzt, ein Tool zu entwickeln, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in ihrem ärztlichen Arbeitsalltag unterstützt.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung der Tomes GmbH im Jahr 2016 bis zum ersten fertigen Produkt im Jahr 2019?

2016 starteten wir drei Gründer das Abenteuer Idana mit der Entwicklung eines Prototyps. Obwohl unser erstes Minimum Viable Product noch eine Standalone-Lösung mit ausschließlich lokal verfügbaren Patientendaten war, hat es in der Praxis schon ordentlich Nutzen gestiftet. Damit war klar: Idana würde einen Bedarf decken. Also war der nächste Schritt, ein voll in die Praxisprozesse integriertes, cloudbasiertes Produkt auf den Markt zu bringen. Dafür fokussierten wir uns 2018 auf drei Dinge: Die Programmierung der Schnittstelle für die Integration in die gängigen Praxisverwaltungssysteme, die Entwicklung der sicheren Patientencloud durch eine einzigartige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Etablierung der ersten Marketing- und Vertriebskanäle. Und 2019 war es dann so weit: Idana kam auf den Markt.

Welche Rolle hat dabei das sensible Thema digitale Verarbeitung von Patientendaten gespielt? Die größte Hürde in der Projektentwicklung?

Aufgrund der besseren Skalierbarkeit, der vielfältigeren Einsatzmöglichkeiten und auch der höheren Sicherheit, war es für uns von Anfang an klar: Wir bauen Idana als Cloudprodukt. 2017 war das Thema Patientendaten in der Cloud aber noch sehr heikel. Ärztinnen und Ärzte hatten bis dato keinerlei Kontakt mit der Cloud in ihrem Praxisalltag. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Demos, die immer damit endeten, dass das Produkt super sei, aber ob wir nicht auch eine OnPremise-Lösung anbieten. Wir haben daher viel Zeit und Ressourcen in die Entwicklung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnologie fließen lassen, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Ein externer Datenschutzanwalt hat uns bei dem Prozess unterstützt.

Dennoch war es zu Beginn mühsam, Ärztinnen und Ärzte von der Cloudlösung zu überzeugen. Heute ist die Cloud mehr etabliert, sogar einige Praxisverwaltungssysteme bieten eine Cloud-Version an. Arztpraxen entscheiden sich mittlerweile sogar für unser System, gerade weil es cloudbasiert ist und dadurch über Funktionen verfügt, die den größten Mehrwert stiften.

Wie habt ihr den Start und die lange Entwicklungsphase finanziell gestemmt?

Die Initialzündung war das EXIST-Gründungsstipendium vom Bundeswirtschaftsministerium, das wir 2016 für unsere Idee erhalten haben. Damit konnten wir ein Jahr lang einen Software-Prototypen entwickeln und erste Tests durchführen. Zudem haben wir im gleichen Jahr bei einigen Startup-Wettbewerben gewonnen und haben die Innovationsgutscheine High Tech vom Land Baden-Württemberg erhalten. Den größten Boost für unsere Bekanntheit im ärztlichen Markt gab es 2018 durch den zweiten Platz beim KBV-Zukunftspraxis-Projekt der kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Zusammen mit unserer ersten großen Finanzierung über die Crowdinvesting Plattform Companisto, bei der wir 500.000 Euro eingesammelt haben, konnten wir 2019 den Markteintritt realisieren. Seitdem haben wir aus verschiedenen Quellen insgesamt fünf Millionen Euro an Kapital erhalten und mittlerweile einen Beirat sowie erfahrene Investorinnen und Investoren an unserer Seite. Parallel wurden wir immer eng von Fachleuten in strategischen, finanziellen, vertrieblichen und Management-Fragen gecoacht.

Nun zu Idana: Was ist das Besondere an eurer Softwarelösung und wie kommt diese der ärztlichen Versorgung bzw. dem Arzt-Patienten-Verhältnis zugute?

Ärztinnen, Ärzte und ihr Praxispersonal sind medizinisch sehr gut ausgebildet. Aber ihnen fehlt die Zeit, den Beruf so auszuüben, wie sie es gern möchten. Für eine gute Versorgung plus saubere Dokumentation braucht es eigentlich 20 bis 30 Minuten pro Patientenbesuch – im Schnitt sind es aber nur acht Minuten. In dieser kurzen Zeit muss dann alles geschehen: Informationsbeschaffung, Diagnose, Therapiebesprechung, Dokumentation.

Wir haben daher eine Software entwickelt, die relevante Informationen im Vorfeld direkt beim Patienten erhebt. Sie können zu Hause in aller Ruhe alle wichtigen Hinweise zu ihrem Zustand eingeben, und die medizinisch fundierten Folgefragen unsere intelligenten Fragebögen beantworten. Gerade für Menschen mit Sprachbarrieren und ältere Personen ist es enorm hilfreich, wenn sie genügend Zeit haben, über alle Symptome nachzudenken und diese lückenfrei ihrem Arzt mitteilen zu können. Außerdem können sie Einverständniserklärungen und andere Formulare ergänzen. Die Arztpraxis hat dann alle relevanten Infos schon vor dem Patientengespräch.

Für wen bzw. welche Praxen ist Idana geeignet?

Idana ist für alle Arztpraxen geeignet, die erkannt haben, dass gute Medizin bereits bei einer strukturierten Patientenaufnahme beginnt. Vielleicht haben sie schon erste Prozesse installiert, um die Patientenaufnahme für beide Seiten angenehmer zu gestalten, z.B. über Online-Terminvergabe, PDF-Formulare auf der Website oder Papier-Fragebögen in der Praxis. Unsere Praxen sind offen gegenüber Digitalisierung und nutzen diese möglicherweiße schon effizient in ihrem Praxisalltag, wissen aber auch, dass die Prozessumstellung Zeit kostet und sind bereit, diese zu investieren. Für unsere Anwender steht der Patient im Mittelpunkt und sie wollen sicherstellen, dass das Gespräch und die Behandlung trotz wenig Zeit von hoher Qualität und zielführend ist. Insgesamt trifft das heute bereits auf die Mehrheit aller Praxen zu und die Zahl ist steigend. Inhaltlich decken wir die meisten Fachrichtungen ab, kürzlich haben wir auch die Radiologie sehr erfolgreich erschlossen.

Die Digitalisierung in der Medizin steckt hierzulande ja noch eher in den Kinderschuhen. Was sind eure weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?

Stimmt, die Digitalisierung in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern eher noch in den Kinderschuhen. Aber ich möchte meine Kolleginnen und Kollegen in Schutz nehmen: In den vergangenen Jahren wurde viel Nonsens-Digitalisierung in der Ärzteschaft politisch durchgedrückt, die Mehrarbeit aber keinen Mehrwert schafft. Das führte zu einer Digitalisierungs-Ermüdung. Wir merken, die Bereitschaft zum Einsatz von digitalen Tools im Praxisalltag ist durchaus groß – vorausgesetzt, sie machen die täglichen Prozesse einfacher, sicherer und zielführender. Dass Idana diese Bedingungen erfüllt, daran arbeiten wir tagtäglich.

So haben wir bis heute fast eine Million digitale Patientenaufnahmen mit Idana durchgeführt. Worauf wir besonders stolz sind: Patienten lieben Idana. Fast 400.000 Patientinnen und Patienten haben das Idana-Erlebnis in einer fortlaufenden Umfrage bewertet – im Schnitt mit 4,4 von 5 Sternen und 95 Prozent würden Idana gern noch einmal verwenden. Wir haben bis heute mehrere hundert Arztpraxen als Kunden gewonnen und unseren Kundenstamm im Jahr 2021 fast verdreifacht. Mit der Series A Finanzierung, die wir bis zum Jahresende abschließen und sechs Millionen Euro Kapital einsammeln wollen, planen wir 14.000 Kunden und 20 Million Annual Recurring Revenue bis Ende 2026 zu erreichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen MedizinTech-Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Ein Unternehmen zu gründen ist definitiv nicht für jede(n) etwas. Viele Mitarbeitende fragen mich oft, wie ich nachts schlafen kann, wenn wir wieder eine neue Finanzierungsrunde durchführen müssen, weil uns in wenigen Monaten sonst das Geld ausgeht. Damit muss man leben können, es als Teil der Reise akzeptieren. Ich würde unbedingt empfehlen, sich strategisch, finanziell und im Management viel Rat von erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern einzuholen – schließlich werden wir als Medizinerinnen und Mediziner überhaupt nicht auf das Unternehmertum vorbereitet. Aber mein wichtigster Tipp ist: einfach machen. Das Meiste lernt man auf der Reise. Für meine persönliche Weiterentwicklung ist das Abenteuer, ein Unternehmen zu gründen, unbezahlbar. Ich bereue die Entscheidung keinen Tag.

Hier geht's zu Idana

Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: Million Steps - digitaler Nachweis für Freilandhaltung

Die Million Steps GmbH wurde 2022 von Paula Ebert, Rico Noël und Stefan Grimm in Stuttgart gegründet. Das Agrar-Start-up entwickelt Software zur Erfassung, Verarbeitung und Ausweisung von Weide- und Tierdaten. Das Ziel ist die Förderung der regenerativen Landwirtschaft, die einen positiven Einfluss auf Tier, Mensch und Klima hat. Mehr dazu im Interview mit Co-Gründer Rico.

Wann und wie seid Ihr auf die Idee zu Million Steps gekommen?
Eine simple Beobachtung: Digitale Devices und Apps erfassen immer mehr unserer Daten, dazu gehört selbst unsere tägliche Schrittanzahl. Gleichzeitig fordern wir mehr Transparenz auf einer ganz anderen Seite bei der uns der Einblick und Überblick fehlt. Bei der Ernährung – konkreter bei tierischer Ernährung und dem Tierwohl. Wir verlassen uns auf Packaging und Gütesiegel.

Warum also nicht ähnliche Technik einsetzen, um Haltung zu beweisen und nicht nur zu behaupten? Sprich, einem transparenten Nachweis für Weidehaltung mittels GPS-Tracker, oder anders gesagt, mindestens einer Million Schritte auf Gras. Auf diese Schrittzahl kommt man, wenn Rinder ungefähr zwei Jahre auf der Weide standen.

Mit diesem Gedanken kamen Stefan, Paula und ich zusammen. Jeder von uns mit komplett anderem Hintergrund: Paula kommt aus Gastronomie und Catering, Stefan ist unser Tech-Lead mit 20 Jahren Erfahrung in IT und Beratung und Mitgründer von My Local Meat. Ich selbst komme aus der Werbung und kümmere mich um Produktentwicklung und Marketing.

Was waren die größten Herausforderungen beim Aufbau eures Start-ups und der Entwicklung eurer Software?
Wir hatten ein Zeitfenster von ca. sechs Monaten für die Entwicklung einer marktreifen Software. Dabei hatten wir je nach Region mit fehlerhaften GPS-Signalen und je nach Devices mit schwachen Batterien und Ausfällen zu kämpfen. Wir selbst waren überrascht, wie weit die Tiere laufen und haben es anfangs für einen Fehler im Tracking gehalten. Aber wir erfassen Tiere, die teils durchschnittlich 10 Kilometer pro Tag laufen. Nach der zweiten Weidesaison sind das über 4000 km! All die Erkenntnisse aus der Testphase haben uns schlauer gemacht und wir konnten Kinderkrankheiten beseitigen.Hinzu kommt, dass Landwirte sehr unterschiedlich zu der Digitalisierung stehen. Die Bereitschaft, digitale Devices einzusetzen, teilt sich auch nicht, wie man vermutet, strickt in alt und jung, sie ist eher eine Frage von Tradition und Überzeugung.

Biomethan-Start-up agriportance sichert sich Mio.-Investment

Das 2021 in Münster gegründete Biomethan-Start-up agriportance sichert sich eine siebenstellige Finanzierungssumme, um fossiles Erdgas durch Biomethan zu ersetzen.

Das Biomethan-Start-up agriportance erhält in einer Seed-Finanzierungrunde eine siebenstellige Finanzierungssumme vom Seed-Investor High-Tech Gründerfonds sowie weiteren Business-Angels. Das Gründerteam möchte mit dem frischen Geld vor allem die Digitalisierung des Produktes sowie den europäischen Markteintritt vorantreiben.

In Deutschland gibt es rund 9.500 Biogasanlagen, die knapp 6 Prozent zur Stromerzeugung beitragen und die auf diversen Betrieben verteilt sind, die ihre feste EEG-Vergütung nach 20 Jahren verlieren und nun neue Vertriebswege finden müssen. Die Reinigung des Biogases und die Einspeisung in das Erdgasnetz bieten attraktive Möglichkeiten für die Betriebe. Allerdings sind dabei wichtige Punkte wie die Treibhausgasbilanz und Vermarktung bisher auf der Strecke geblieben, die die Biogasproduzenten vor große Herausforderungen stellen.

Das hat auch agriportance-Mitgründer Henning Dicks früh erkannt, der als Landwirt selbst einen engen Bezug zur Branche hat. Zusammen mit dem Software-Entwickler Thorsten Rohling hat er das Münsteraner Start-up im Juni 2021 gegründet. Das Produkt von agriportance schafft die digitale Infrastruktur, mit der Biogasanlagen die grüne Erdgas-Alternative Biomethan erzeugen können.

„Biogasproduzenten kamen immer mit denselben zwei Problemen auf uns zu: Auf der einen Seite die komplexe Treibhausgasbilanz und auf der anderen Seite viele Fragezeichen bei der Vermarktung an Abnehmer aus der Energiewirtschaft, die nicht selten ihre Büros in London, Amsterdam oder Paris haben“, erklärt Dicks.

Agriportance hat sich zum Ziel gesetzt, die Prozesse bei der komplexen Zertifizierung von Biomethan zu automatisieren. Dabei verfolgt es die Vision eines stark florierenden europäischen Biomethanmarkts. Um dieses Vorhaben sowie das notwendige Momentum zu ermöglichen, hat sich das junge Unternehmen in einer Seed-Runde frisches Kapital vom HTGF sowie weiteren Business-Angels gesichert. Darunter auch der bestehende Business-Angel Ingo Hoff aus dem Münsterland.

„Durch das frische Kapital können wir unsere Mission stärken durch Biomethan einen erheblichen Anteil fossilen Erdgases in Europa zu verdrängen und dadurch die Dekarbonisierung des Energiesektors voranzutreiben", so Henning Dicks.

New Work: Verhandlungs-Performance im Home-Office

Eine Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam, von der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung (DGVF) in Auftrag gegeben, beleuchtet die Vor- & Nachteile beim Verhandeln aus dem Home-Office.

Auch berufliche Verhandlungen werden von dem häuslichen Arbeitssetting beeinflusst, wie eine aktuelle Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung e.V. (DGVF) belegt. Zwar schätzen Verhandler*innen die Flexibilität und Autonomie des Home-Offices. Mit den Verhandlungen insgesamt ist ein Großteil der Befragten jedoch eher unzufrieden.

Die gute Nachricht: Mit einer besseren Vor- und Nachbereitung der Verhandlungen ließe sich das verbessern, so die Erkenntnisse des Forschungsteams unter Leitung von Prof. Dr. Markus Voeth (Hohenheim) und Prof. Dr. Uta Herbst (Potsdam).

„Der Anspruch der Arbeitnehmenden, auch aus dem Home-Office heraus gute Arbeit zu leisten, ist hoch. Dazu gehört auch, erfolgreiche Verhandlungen zu führen und die eigenen Ziele zu erreichen“, erklärt Joana Roth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim.

„Gleichzeitig gibt es im Home-Office einige Faktoren, die das Verhandeln schwieriger machen. Zum Beispiel der Konflikt zwischen Arbeit und Familie“, ergänzt Jacqueline Sube, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing der Universität Potsdam.

Mit diesen Aussagen stützen sich Roth und Sube auf ihre Umfrage mit über 400 Praktiker*innen, die aus dem Home-Office heraus verhandeln. Befragt wurden Vertreter*innen aus unterschiedlichen Branchen und Positionen. Die Online-Umfrage wurde nach zwei Jahren Pandemie im Sommer und Herbst 2022 durchgeführt.

Verhandlungsziele werden im Home-Office effizienter verfolgt …

Ein Großteil der Befragten sieht es als vorteilhaft an, den eigenen Arbeitsalltag im Home-Office flexibler gestalten zu können. Auch steigt im Home-Office laut Angaben der Befragten auch der Erfolgsanspruch an die geführten Verhandlungen. Zudem werden die aus dem Home-Office geführten Verhandlungen als effizienter wahrgenommen. So geben die Befragten beispielsweise an, sich mehr auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren und die Zeitplanung in Bezug auf die Verhandlungen besser zu kontrollieren.

… allerdings fehlt der Austausch zwischen den Parteien

Gleichzeitig sinkt im Home-Office die Verbindlichkeit der Verhandelnden gegenüber dem Arbeitgeber und den Verhandlungspartnern. So fehle im Vorfeld der Verhandlungen oft der Austausch mit Vorgesetzten oder im Team, in dem Ratschläge ausgetauscht werden oder an gemeinsame Verhandlungsziele erinnert wird. Auch der informelle Austausch mit dem Verhandlungsgegenüber, der für einen gemeinsamen Verhandlungserfolg eine wichtige Rolle spielt, käme bei digitalen Verhandlungen zu kurz.

Das Fazit: Obwohl die Verhandlungsziele im Home-Office effizienter verfolgt werden, ist ein Großteil der Befragten mit der Performance eher unzufrieden und glaubt, keine besseren Verhandlungsergebnisse zu erzielen.

Bessere Verhandlungsperformance durch gute Vorbereitung und das Feiern von Erfolgen

Die Frage, wie sich Verhandlungen aus dem Home-Office erfolgreicher gestalten ließen, vertieften das Forschungsteam und der DGVF-Vorstand in einem interaktiven Workshop mit rund 80 Praktiker*innen.

Das Ergebnis: Bereits eine gute Vorbereitung könne die Zufriedenheit mit Verhandlungen positiv beeinflussen. „Tatsächlich existieren bereits eine Reihe von interaktiven Tools und Techniken, durch die sich digitale Verhandlungen besser gestaltet lassen werden. So lässt es sich bereits durch simples Screensharing leichter über die abgegebenen Angebote und Konzessionsschritte sprechen“, sagt Joana Roth. So könnten Arbeitgeber*innen die verhandelnden Mitarbeiter*innen beispielsweise durch Kompetenztrainings zur Nutzung digitaler Medien entsprechend schulen.

Organisationen könnten zudem einen Verhaltenskodex für digitale Verhandlungen festlegen. „Dadurch können Unternehmen vor allem möglichen Unsicherheiten begegnen – etwa, was passiert, wenn Zoom ausfällt oder das Kind früher aus der Schule kommt und in die Verhandlung platzt“, so Sube.

Und auch im digitalen Raum sei sozialer Austausch möglich: „Indem man Erfolge digital im Team feiert, lässt sich die Motivation der Mitarbeitenden steigern“, so Roth. Dieser motivierende Faktor könne auch im Home-Office genutzt werden, etwa indem auch digital auf einen erfolgreichen Verhandlungsabschluss angestoßen wird.