Gründer der Woche: Greenspoon - der faltbare Teebeutel-Löffel

Gründer der Woche 15/18


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Jochen Gabler (31) aus Aalen hat den Greenspoon entwiklt und auf den markt gebracht. Der Greenspoon ist ein faltbarer, lebensmittelechter und biologisch abbaubarer Löffel, in den der Tee bereits integriert ist. Vor kurzem hat der Gründer seine Innovation in der TV-Show „Das Ding des Jahres“ vorgestellt - auch darüber sprechen wir mit Jochen im Interview:

Das Greenspoon-Team um Jochen Gabler (re.)

Wie kamst du auf die Idee, einen faltbaren Teelöffel zu entwickeln?

Viele Jahre lang hielt ich morgens auf dem Weg zur Arbeit beim Bäcker und bestellte mir einen Tee „togo“. Ich bekam einen in Plastik eingeschweißten Teebeutel mit Metallklammern und kunststoffbeschichtetem Fähnchen. Dazu einen Plastiklöffel. Irgendwann fing ich an, darüber nachzudenken, wie viele dieser Plastiklöffel, Kunststoffverpackungen und Metallklammern wohl täglich unrecycelt im Müll landen. Tatsächlich sind es über 7,5 Milliarden Plastiklöffel pro Jahr und 50 Tonnen verarbeitetes Aluminium alleine in Deutschland. Ich dachte mir: Das müsste doch irgendwie nachhaltiger gehen. Vor über vier Jahren entwickelte ich dann den ersten Prototypen eines faltbaren Löffels mit Teefüllung.  

Welche Herausforderungen kamen dann auf dich zu?

Ich habe im Wohnzimmer Hunderte meiner ersten Greenspoons gebastelt. Hab sie dann in meinen Rucksack gepackt und bin los, um Verpackungsmessen abzuklappern. Ich wollte mir einen Produzenten suchen, was sich als ziemlich schwierig herausgestellt hat. Über 700 Firmenkontakte hatte ich, bis ich tatsächlich die passenden Partner gefunden hatte. Nahezu alle Befragten fanden die Idee praktisch undklasse. Einige glaubten aber nicht, dass es möglich sei, ein Produkt aus Papier zu entwickeln, das zu 100 Prozent biologisch abbaubar und trotzdem stabil genug ist, um heißes Wasser, Zucker, Milch und Honig auszuhalten, aber auch absolut lebensmittelecht ist.

Wie würdest du dein heutiges Produkt beschreiben?

Mein Produkt heißt Greenspoon und ist ein faltbarer, lebensmittelechter und biologisch abbaubarer Löffel, in den der Tee bereits integriert ist. Das Produkt ist europa- und USA-weit patentiert, wird in Deutschland von Hand hergestellt und ist als Lebensmittel TÜV-geprüft. Den Tee bekomme ich in verschiedenen Geschmacksrichtungen von einem bio- und faitrade-zertifizierten Händler direkt aus Hamburg. Die Qualität aller Bestandteile steht für mich an oberster Stelle.

Gab es Momente, in denen du dachtest, dass es nicht klappen wird?

Nicht wirklich. Man steht schon oft alleine mit seiner Idee da und hat viel Druck von außen auszuhalten. Ich hatte ja während der ganzen Zeit noch einen Vollzeit-Job und habe die Arbeit für mein Start-up nebenbei am Abend und an den Wochenenden gemacht. Man muss schon sehr an sich und seine Idee glauben, um das auszuhalten. Und man braucht auch Glück, um irgendwann doch an die richtigen Leute zu geraten.

Welchen beruflichen Hintergrund bringst du mit?

Ich bin eigentlich gelernter Informatiker und habe danach Wirtschaftsingenieurwesen und Industrial Management an der Hochschule Aalen studiert. Was ich während des Studiums gelernt habe, hilft mir heute sehr viel. Seit dem Studium arbeite ich als Projektmanager im Einkauf in der Automobilindustrie. Aus meinem Job kann ich ebenfalls viele nützliche Erfahrungen für mein eigenes Unternehmen ziehen.

Wann hast du letztlich tatsächlich gegründet?

Die Geschmacksentfaltung GmbH gibt es seit August 2016, die professionelle Produktion der Greenspoon ist 2017 gestartet. Mittlerweile besteht unser Team aus vier Leuten mit mir als Geschäftsführer. Ich lege aber Wert auf gemeinsame und gleichberechtigte Entscheidungen und kurze Dienstwege und will die Start-up-Mentalität so lange es geht aufrechterhalten.

Warum hast du das Innovationszentrum (INNO-Z) Aalen als Standort für dein Business gewählt?

Ich habe mir vorher verschiedene Standorte angeschaut. Das INNO-Z passt einfach zu mir. Nirgends sonst habe ich solch eine ideale Kombination aus Büro- und Produktionsfläche. Zudem bietet die Nähe zur Hochschule Aalen die ideale Möglichkeit, Projekte mit Studenten zu machen.


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In welchen Varianten gibt es die Greenspoons?

Zunächst ist Greenspoon als Werbeartikel mit verschiedenem Zubehör erhältlich. Als Löffel allein oder im Set mit einer Teetasse oder einem Aufbewahrungsglas. Der Löffel lässt sich mit dem Firmenlogo oder Text des Auftraggebers komplett individuell bedrucken. Auch hier verwenden wir natürlich nur TÜV-geprüfte lebensmittelechte Farben. Dieser Werbeartikelbereich läuft schon sehr gut. Dann gibt es den Bereich der Endkunden, die leckeren und natürlichen Tee genießen wollen, umweltbewusst sind und Wert auf ansprechendes Design legen. Dieser Bereich lief eigentlich erst nach meinem Auftritt bei PRO7 richtig an.

Apropos TV-Auftritt: Wie kam es dazu, dass du Ende Februar in der TV-Show „Das Ding des Jahres“ aufgetreten bist?

Ich habe bei verschiedenen Innovations-Wettbewerben mitgemacht, zahlreiche Messen besucht und irgendwo wurde wohl Stefan Raabs Produktionsfirma auf mich aufmerksam. Seine Firma Raab TV produziert ja dieses Format unter anderem mit Joko Winterscheidt und Lena Gercke in der Jury. Sie haben mich kontaktiert und gefragt, ob ich mitmachen will. Natürlich wollte ich! Innerhalb von wenigen Wochen lief die Bewerbung und dann die ersten Drehs in Köln Ende 2017.

Wie unterscheidet sich die Sendung von der „Höhle der Löwen“?

Zwei Ideen treten hier gegeneinander an und das Studiopublikum stimmt darüber ab, welches es interessanter findet. Es gibt außerdem keine Investoren, an die man Anteile abgibt. Der Fokus liegt eher auf dem Unterhaltungsaspekt, und dem Zuschauer werden teils sehr lustige, aber auch erstaunliche Erfindungen gezeigt. Meine Folge wurde Ende Februar ausgestrahlt.

Warum hast du bei der Sendung mitgemacht?

Mir ging es gar nicht so sehr darum, die Show zu gewinnen. Mir ging es um die Aufmerksamkeit für mein Produkt, vor allem bei potentiellen Endkunden, aber auch Firmenkunden. Als Werbeartikel für Unternehmen lief der Greenspoon schon ganz gut, aber bei den Endverbrauchern war er noch relativ unbekannt.  

Was hat sich seit der Ausstrahlung für dich geändert?

Wir haben zwar im Vorfeld unsere Vorräte stark aufgerüstet und eine neue Homepage gebaut, wurden aber dennoch vom Ansturm überrollt. Tausende E-Mails mit Lob und Zuspruch gingen ein und Hunderte Bestellungen von Endkunden, Händlern und Supermärkten. Dazu einige Anfragen von interessierten Investoren, die wir aber noch im Detail prüfen. Unsere Homepage ist während der Ausstrahlung von den mehreren Zehntausend Besuchern mehrmals in die Knie gegangen.

Mittlerweile haben wir die Produktion an gemeinnützige und karitative Organisationen in der Region ausgelagert, weil wir selbst einfach nicht mit der Produktion ausreichend nachkommen konnten. Unterm Strich war die Show also ein voller Erfolg für mich und mein Team. Und natürlich sind die Erfahrungen, die ich während der Sendung gemacht habe, unbezahlbar. Wer kann schon von sich sagen, dass er mit Stefan Raab ein Bier trinken war? (lacht)

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Sich selbst als treibende Kraft sehen: Keiner darf so sehr von deiner Idee überzeugt sein, wie du selbst. Keiner wird mehr für das Projekt leisten, als du selbst. Wenn du die Aufgaben nicht erkennst, wird sie kein anderer erkennen.

Hier geht's zu Greenspoon


Das Interview führte Andrea Heidel

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